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Universal Design im globalen demographischen Wandel Ein Forschungsprojekt des universal design e.V. und des Lehrstuhls für Industrial Design der Technischen Universität München Gefördert mit Mitteln der Robert Bosch Stiftung, 2008


(...) „universelles Design“ ist ein Design von Produkten, Umfeldern, Programmen und Dienstleistungen, die von allen Menschen im größtmöglichen Umfang genutzt werden können, ohne dass eine Anpassung oder ein spezielles Design erforderlich ist.“ (...) Definition von Universal Design im Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Herausgegeben vom Deutschen Übersetzungsdienst der Vereinten Nationen. Stand: 16.02.2007


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

S. 04

1 Allgemeine Angaben

S. 06

1.1 Das Projekt 1.2 Mitwirkende

06 07

2 Projektablauf

S. 10

2.1 Erl채uterung der L채nderwahl 2.2 Forschungsreise nach Asien

3 Einf체hrung

3.1 Demographischer Wandel 3.2 Erl채uterung der Begriffe 3.2.1 Der Begriff Universal Design 3.2.2 Differenzierung weiterer Begriffe 3.3 Normen und Gesetze 3.4 Relevanz des Universal Design 4 Evaluierung 4.1 Firmenprofile 4.2 Interviews mit Fachleuten anatom5 perception marketing GbR brodbeck design grauwert Hitachi Ltd. Kokuyo Co., Ltd. Ministry of Economy Trade and Industry Japan Samsung Electronics Co., Ltd. Seoul National University of Technology Toshiba Corporation TOTO Ltd.

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10 11 S. 12 12 15 16 18 20 S. 22 22 32 34 38 40 42 44 46 50 54 56


Inhaltsverzeichnis

5 Beispiele für Universal Design 5.1 Öffentlicher Raum und Gebäude 5.2 Universal Design Award 2008 (hergestellte Produkte) 5.3 Produktkonzepte

S. 58 58 62 66

6 Auswertung S. 70 6.1 Universal Design - Gestalterische Herausforderung kommender Jahrzehnte 70 6.2 Bedeutet UD Vereinheitlichung? 71 6.3 Standardisierung ja oder nein 71 6.4 Asien, Japan als Vorbild 72 6.5 Europa – die Theoretiker 74 6.6 Europa und Asien im Vergleich 75 6.7 Wie bekommen wir die Industrie ins Boot? 76 6.8 Handlungsbedarf der Berufsfelder 77 7 Ausblick

S. 81

Quellennachweise

S. 82

Impressum

S. 88

Universal Design im globalen demographischen Wandel

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Vorwort

Die vorliegende Evaluierung erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem sich in Deutschland die Bedeutung einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für den demographischen Wandel deutlich abzeichnet. Die Arbeit des universal design e.V. und des Lehrstuhls für Industrial Design der Technischen Universität München stützt sich auf nationale wie internationale Recherchen zur Definition und Etablierung eines Universal Design in den Bereichen Produkte, Architektur und Dienstleistungen. Eine Vielzahl nationaler sowie internationaler Aktivitäten beschäftigten sich mit der Thematik des Universal Design, wobei eine übereinstimmende Systematik oder eine übergreifende gemeinsame Definition bisher nicht erkennbar war. Die Definitionen des Universal Design sind trotz einer weitestgehend vollzogenen Globalisierung in kultureller, wirtschaftsoder sozialpolitischer Sicht unterschiedlich geprägt. Eine wesentliche Aufgabe der vorliegenden Evaluierung lag in der Erfassung und Beschreibung der unterschiedlichen Definitionen des Universal Design und der entsprechenden institutionellen Zuordnung zu Verbänden, Non Profit-Organisationen, politischen Gremien, Wirtschaftsorganisationen und Industrieunternehmen. Bei der Untersuchung zu diesem Themenfeld wurden wir von der zunehmenden Dynamik innerhalb der Non Profit- und Non Government-Organisationen Deutschlands und in vielen Teilen Europas überrascht. Dennoch bleibt die ernüchternde Feststellung, dass diese Impulse, trotz des erheblichen Potentials, nur zögerlich Einfluss auf die Designentwicklung in der Wirtschaft üben. Die deutsche Wirtschaft verfügt über ein großes, lange gewachsenes Know-how in der Entwicklung von Produkten und auch in der Architektur für heterogene Zielgruppen, entsprechend der Anforderungen des demographischen Wandels. Es ist Zeit Begriffsdiskussionen und die Erstellung neuer Normen hinter sich zu lassen und die zahlreichen, bereits vorhandenen Konzepte umzusetzen. Universal Design ist nach unserer Überzeugung mehr als ein Obergriff für gute Gestaltung. Es ist eine Herausforderung an die Wissenschaften und entsprechende Entwicklungsabteilungen, die in der Lage sein sollten, sich dem dynamischen Prozess der gesellschaftlichen Gruppen anzupassen, um mit ihren Produkten, der Architektur und den Dienstleistungen die entsprechenden Wirtschaftspotentiale zu sichern und auszubauen. Wir glauben, dass die vorliegende Publikation ein Anreiz sein wird, vorhandene kreative Stärken in nutzerfreundliche Produkte, Architektur und Dienstleistungen umzusetzen und den Anschluss an einen rasant wachsenden globalen Markt nicht zu verlieren. Nach Möglichkeit stehen wir gerne weiter als Ansprechpartner zur Verfügung.

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Vorwort

Wir möchten hier unseren japanischen „Universal Design Freunden” für die intensive Unterstützung danken. Unser Dank gilt auch der Robert Bosch Stiftung, ganz besonders Frau Dr. Ingrid Hamm, Frau Dr. Satrapa-Schill und Frau Dr. Klapper, die mit Ihrem Engagement die Realisierung dieser Evaluierung ermöglicht haben. Thomas Bade Geschäftsführer universal design e.V. Hannover

Prof. Dipl. Des. Fritz Frenkler Ordinarius Lehrstuhl für Industrial Design Technische Universität München

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Allgemeine Angaben

1 Allgemeine Angaben 1.1 Das Projekt Das Forschungsprojekt Universal Design im globalen demographischen Wandel wurde vom Universal Design e.V. initiiert, der den Lehrstuhl für Industrial Design der Technische Universitäten München (TUM) mit der Erstellung des Gutachtens beauftragt hat. Die erste Projektphase des von der Robert Bosch Stiftung finanzierten Projekts hat eine Laufzeit von September 2007 bis März 2008. Teil eins des Projekts dient der Erforschung der unterschiedlichen Definitionen des Begriffs Universal Design auf nationaler und internationaler Ebene. Der Fokus liegt auf den Definitionen spezifischer Verbände, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Der aktuelle Status ist mit wissenschaftlichen Methoden erfasst und beschrieben. Und es wird ein Vergleich existierender Begriffe des Themenfeldes vorgenommen.

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Allgemeine Angaben

1.2 Mitwirkende Antragsteller und koordinativer Projektleiter universal design e.V. Der universal design e.V. will mit seinem Engagement eine breite internationale Öffentlichkeit für die Herausforderungen des globalen demographischen Wandels herstellen und mit seinen Aktivitäten - zum Beispiel dem internationalen universal design award - Designer und Hersteller motivieren, ihre Kreativität, Kompetenz und Erfahrung in Produkte, Architektur und Dienstleistungen für „Alle“ und nicht ausschließlich für „Ältere“ münden zu lassen.

Geschäftsführer Thomas Bade Thomas Bade ist staatlich anerkannter Heilerziehungspfleger und Dipl. Sozial-pädagoge/Dipl. Sozialarbeiter, Mitgründer des universal design e.V. und Geschäftsführer der universal design GmbH. Der Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Entwicklung von Dienstleistungskonzepten unter Berücksichtigung der Kriterien des Universal Design. Die Motivation ergibt sich aus seiner 30-jährigen Tätigkeit in der Sozialwirtschaft, hiervon 20 Jahre als Geschäftsführer und Vorstand einer Aktiengesellschaft. Innerhalb seiner Geschäftsführung für den universal design e.V. und die universal design GmbH entwickelte er in Zusammenarbeit mit dem iF – International Forum Design – den 1. internationalen universal design award 2008. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Konzeption von Messe- und Ausstellungskonzepten zum Thema universal design (CeBIT 2006 – 2008) und assisted living (Sonderschau Lebensräume (Altenpflege+Propflege 2003 – 2008). Vorträge, Referate und Expertenstatements im Inland (u.a. Designtage Essen 2007), Ausland (u.a. Institute of Technology der Universität von Kyoto) und als Experte auf Einladung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Programm „Alter schafft Neues“; Jurymitglied des niedersächsischen universal design award, Mitglied des iF- Industrie Forum Design e.V., Hannover.

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Allgemeine Angaben

Beauftragter Projektpartner Der Lehrstuhl für Industrial Design der Technischen Universität München (TUM) Seit zwei Jahren können Studierende der Fakultät Architektur der TUM Vorlesungen und Entwürfe am LS für Industrial Design belegen. Ab dem Wintersemester 2008 bietet der Lehrstuhl den ersten universi-tären Masterstudiengang Industrial Design in Bayern an. Der Masterstudiengang behandelt als Schwerpunkte neue Fragestellungen der Praxis, wie die Verschmelzung von Architektur und Industrial Design, die Herausforderungen einer ökologisch vertretbaren Massenproduktion in Verbindung mit der Veränderung der Gesellschaft auf Grund des demographischen Wandels. Die Technische Universität München bietet mit ihrer großen Anzahl unterschiedlicher Fakultäten, mit denen eng kooperiert wird, der sehr guten Infrastruktur und dem exzellenten Ruf der Fakultät für Architektur beste Voraussetzungen für Forschungsprojekte und eine breit angelegte Lehre.

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Allgemeine Angaben

Lehrstuhlinhaber Univ.-Prof. Dipl. Des. Fritz Frenkler Prof. Fritz Frenkler ist Industrial Designer und gründete im Jahr 2000 mit Anette Ponholzer die f/p design deutschland gmbh und 2003 die f/p design japan inc. mit Sitz in München und in Korfu bei Tokio. Zuvor war er über einen langen Zeitraum Geschäftsführer von frogdesign Asien und der wiege Wilkhahn Entwicklungsgesellschaft. Fritz Frenkler ist seit vielen Jahren Vorstandsmitglied im Industrie Forum Design Hannover und seit 1996 Juryvorsitzender des iF product design awards. Seit Mai 2006 ist er Ordinarius der Lehrstuhls für Industrial Design an der Technischen Universität München. Mit seinen Büros hat Fritz Frenkler für zahlreiche Firmen, vor allem im asiatischen Raum, Produkte und Designstudien zum Themenfeld Universal Design erarbeitet. Unter anderem das Telefon Katharina das Große für die fitage GmbH & Co. KG. Er hält regelmäßig Vorträge zum Thema UD, wie beispielsweise auf der “The 2nd International Conference for Universal Design in Kyoto 2006“ der International Association for Universal Design (IAUD).

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Dipl. Des. Sandra Hirsch Sandra Hirsch ist Industrial Designerin und arbeitete nach ihrem Studium als Brillendesignerin für die Rodenstock GmbH und FH Eyewear in München. Seit April 2007 ist sie in der Lehre und seit November 2007 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Industrial Design an der Technischen Universität München beschäftigt. Während des Studiums an der Universität der Künste Berlin arbeitete sie, im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekt sentha (seniorengerechte Technik im häuslichen Alltag) zum Thema universal design. Das Entwurfsprojekt „living longer“ und ihre Arbeit „time to read“ wurden 2004 auf einem in Teamarbeit gestalteten Messestand auf dem SaloneSatellite in Mailand und auf dem Designmai in Berlin vorgestellt.

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Projektablauf

2 Projektablauf Das Gesamtprojekt „Universal Design im globalen demographischen Wandel“ ist in drei Phasen (Gutachten, Veröffentlichung und Evaluierung) gegliedert. In der hier dokumentierten Gutachtenphase wurden die unterschiedlichen Definitionen des Begriffs Universal Design auf nationaler und internationaler Ebene erforscht und eine Situationsbeschreibung der Aktivitäten, Projekte und Forschungsaktivitäten zum Universal Design vorgenommen. Der Fokus liegt auf den Definitionen der spezifischen Verbände, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen und deren Methode, sich mit dem Themenfeld auseinander zu setzen. Neben einer ausführlichen Recherche in Digital- und Printmedien bildet eine Forschungsreise nach Japan und Südkorea die Grundlage für die Evaluierung. In der ersten Projektphase wurden Arbeitsbeziehungen zu Firmen und Organisationen in Asien aufgebaut, deren Aktivitäten und Labore anschließend auf der Forschungsreise untersucht wurden. Neben der Beschaffung von Informationen und Interviews mit Experten dienten die Arbeitstreffen dem Abgleich der UD Definitionen und der Erfassung der unterschiedlichen Wege, die Kompetenz in die Produktentwicklungsprozesse einzubinden. 2.1 Erläuterung zur Länderwahl Ausgehend von den folgenden Ausführungen und den Erfahrungen der Mitwirkenden des Projekts, stehen die Länder Deutschland, Italien, Japan und Südkorea im Fokus dieser Evaluierung. Zudem konnte für die Realisierung des Projekts auf ein zu Teilen bereits vorhandenes Netzwerk zu Unternehmen in Asien zugegriffen werden. Der demographische Wandel ist global ein brisantes Thema, ganz besonders aber in Japan und Südkorea: „Japan gilt mit einem Anteil der über 65-jährigen von rund 20 Prozent, heute als „ältestes“ Land der Welt. Bis 2025 werden etwa 30 Prozent aller Japaner so alt sein.“ (Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung) „Die heutige japanische Bevölkerung ist ein Spiegel der europäischen Zukunft. In Japan lassen sich bereits heute die Auswirkungen der Alterung erkennen, mit denen Europa im Jahr 2020 konfrontiert sein wird. Am 1. Oktober 2002 waren etwa 19 Prozent der japanischen Bevölkerung, d.h. etwa 23 Millionen Menschen, über 65 Jahre alt. Die japanische Regierung prognostiziert, dass diese Zahl bis 2050 auf 35 Prozent, d.h. 44 Millionen Menschen, ansteigen wird.“ (Weissbuch 2003) Der Begriff Universal Design wurde zwar in Amerika geprägt, aber in Japan versucht man bisher am konsequentesten die Produktentwicklung unter den Gesichtspunkten des Universal Design voranzutreiben. Ein entscheidender Punkt ist wohl, dass die Initiative von den Großkonzernen des Landes ausging, die bereits 2002 die „International Association for Universal Design (IAUD)“ gründeten, um die Philosophie des Universal Design weltweit zu propagieren. Ausschlaggebend war sicherlich die offensichtliche Dringlichkeit des Themas. Da die Räumlichkeiten in Japan, vor allem in den Großstädten, im Allgemeinen 10 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Projektablauf

sehr begrenzt sind, entstehen ernsthafte Probleme, wenn etwa die Nutzung von Mobilitätshilfen erforderlich ist. „Eine Analyse von Prudential Securities zeigt, dass sich aller Wahrscheinlichkeit nach eine ähnliche Struktur in den nächsten 20 Jahren auch in Hongkong, Südkorea und Singapur einstellt.“ (Gassmann, Keupp 2005, Teil 1) Die Betrachtung der Aktivitäten in Südkorea ist auf Grund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung von Interesse. Die Firmenstrukturen haben sich in den letzten Jahren sehr verändert und befinden sich noch immer im Wandel. Vor diesem Hintergrund sehen wir hier ein enormes Potential Universal Design einzubinden und das Nachbarland Japan ist hierfür das beste Vorbild. „Südkorea gilt als einer der vier ostasiatischen Tigerstaaten: Noch vor etwa fünfzig Jahren war Südkorea ein isoliertes Agrarland auf dem Niveau von armen Staaten in Afrika oder Asien. Seit den 1960er Jahren hat sich das Land in rasantem Tempo zu einer der bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt entwickelt und hat in einigen Technologiebranchen die weltweite Führung übernommen. Dies wurde in Zusammenarbeit zwischen Regierung und Wirtschaft durch ein Maßnahmenpaket erreicht, das gerichtete Kredite, Importrestriktionen, Exportförderung, Subventionierung von bestimmten Wirtschaftssektoren und Industrien sowie einen enormen Arbeitskräfteaufwand beinhaltete. Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt Südkoreas hat mittlerweile jenes eines durchschnittlichen EU-Landes erreicht. Die Wachstumsraten sind noch immer wesentlich höher als in Europa oder den USA.“ Auszug aus der freien Online Enzyklopädie Wikipedia vom 08.04.2008 Italien wird aus zwei Gründen für diese Untersuchung herangezogen, einerseits da es in der Designgeschichte eine wegweisende Funktion hatte, viele bedeutende „Designverleger“ dort angesiedelt sind und nach wie vor Veranstaltungen von internationalem Interesse, etwa die Möbelmesse in Mailand, in Italien stattfinden, und andererseits weil es als europäisches Land zum Vergleich mit Deutschland herangezogen werden soll. 2.2 Forschungsreise nach Asien Im Rahmen einer Forschungsreise nach Japan und Südkorea im Februar 2008 wurden vor Ort, in Zusammenarbeit mit Experten des Themenfeldes aus Industrie, Regierungs- und Forschungsinstituten, zahlreiche Fragestellungen zum Themenfeld Universal Design erörtert. Die Positionen, die die Experten einnahmen, wurden neben den durch die vorhergehende Recherche gewonnenen Erkenntnissen über den Status und die Zielsetzungen der Aktivitäten als Grundlage für eine Einschätzung der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Relevanz herangezogen.

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Einführung

3 Einführung 3.1 Demographischer Wandel „Demographie (griech.) bezeichnet die wissenschaftliche Erforschung des Zustandes der Bevölkerung und ihrer zahlenmäßigen Veränderungen (Geburtenrate, Zu- und Abwanderungen, Altersaufbau etc.).“ (Schubert, Klein 2006) „Der demografische Wandel gilt als sicher prognostizierbar. Zwei Trends sind dafür vor allem verantwortlich. Zum einen steigt seit Jahrzehnten die Lebenserwartung der Deutschen, zum anderen sinken die Geburtenraten. Auch die Migration nach Deutschland kann diese Entwicklung nicht stoppen. Die zukünftige Balance von Aus- und Einwanderung ist zwar keineswegs vorbestimmt und wird von politischen und ökonomischen Entwicklungen beeinflusst. Aber als Rezept gegen sinkende Bevölkerungszahlen stößt sie auf Vorbehalte in bedeutenden Teilen der einheimischen Bevölkerung und erreicht schon deshalb keine Größenordnung, die die Folgen des demografischen Wandels ausgleichen könnte. Die Bevölkerungszahl in Deutschland wird also abnehmen. Es wird weniger Kinder geben, dafür aber immer mehr ältere und sehr alte Menschen.“ (de Vries, 2007) „Unsere Gesellschaft altert. Die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen im Alter von 60 und mehr Jahren hat sich innerhalb des letzten Jahrhunderts mehr als vervierfacht. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wird unsere Bevölkerungszahl von gegenwärtig rund 82 auf rund 65 Millionen im Jahr 2050 absinken. Im Jahr 2050 werden auf 100 Personen im Alter von 20 bis 60 Jahren 80 über 60-Jährige kommen. Diese Entwicklung hat Konsequenzen - nicht nur für das Alterssicherungssystem. Sie wirkt sich auch auf die Arbeitswelt aus.“ (Belwe 2001) Der demographische Wandel ist für viele Industrienationen ein hochaktuelles Thema. Nicht nur sozial- und gesellschaftspolitische Debatten sind notwendig, sondern die Veränderung der Altersstruktur muss auch besonders unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Da ein bedeutender Teil der Kaufkraft in Zukunft bei den älteren Menschen liegen wird, besteht für viele Firmen die Notwendigkeit, frühzeitig auf diese Veränderungen zu reagieren. Nicht nur Produkte, Dienstleistungen, Architektur und Städtebau müssen überdacht werden, sondern auch die Veränderung der Arbeitswelt. Durch Anhebung des Renteneintrittsalters ist eine Auseinandersetzung mit den Anforderungen älterer Mitarbeiter notwendig. Dies bezieht sich ebenso auf handwerkliche Berufsfelder, die eingesetzten Maschinen, Werkzeuge usw. (siehe Bsp. S. 63 ) Vor diesem Hintergrund wird die Relevanz des Themenfeldes Universal Design besonders deutlich. Es ist zwar naheliegend, diesen Markt mit spezifischen Produkten, Architektur und Dienstleistungen zu bedienen, aber aus gestalterischer und wirtschaftlicher Sicht erscheint dies eher fragwürdig. Universal Design wird langfristig wirtschaftliche Bedeutung gewinnen, da zukunftsfähige Produkte und Konzepte nicht nur die Käuferschicht der über 60-Jährigen, sondern möglichst alle Nutzergruppen überzeugen sollten. Dabei spielen globale Märkte, die mittelfristig abnehmende Kaufkraft der älteren Einzelkonsumenten und der zunehmende, weltweite Mangel 12 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Einführung

an Ressourcen eine wesentliche Rolle. Es gilt die in vielen Ländern der Welt, verloren gegangene Achtung vor den beruflichen Kenntnissen und der Lebenserfahrung älterer Menschen zurückzugewinnen und sie wieder verstärkt einzubinden. Dass sich diesbezüglich auch der Umgang mit dem Alter verändern muss, haben einige Firmen bereits erkannt. Das verdeutlichen Werbekampagnen, die die Vorzüge des Alters betonen und eine selbstbewusste Kundschaft ansprechen. Ein gutes Beispiel für einen positiven Umgang mit dem Alter in Deutschland ist die Werbekampagne „Pro Age“ der PR-Agentur Edelman GmbH für den Kosmetikherstellers Dove. Auf den Werbeplakaten waren unbekleidete, attraktive Frauen über 60 zu sehen, die den Blick des Betrachters selbstbewusst entgegneten. Aus Japan, wo älteren Menschen gesamtgesellschaftlich nach wie vor ein wesentlich größerer Respekt gezollt wird, soll hier ein Beispiel aus der ZDF Reportage „Reichtum im Ruhestand“ angeführt werden, welches belegt, dass der demographische Wandel mit entsprechenden Konzepten auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg beitragen kann: Eine japanische Firma, die sich auf die Lieferung von Dekorationsblättern spezialisiert hat, beschäftigt ausschließlich ältere Arbeitsnehmer. Das Prinzip ist folgendes: die Tokioter Nobelrestaurants benötigen dekorative Blätter für das Anrichten ihrer Speisen und zahlen dafür beachtliche Summen. Die Firma hat erkannt, dass in den ländlichen Gegenden Japans viele ältere Menschen leben, die mit minimalen Renten ihr Auskommen fristen müssen. Sie haben Zeit und vor allem besitzen sie Grundstücke mit liebevoll gepflegten Gärten. Die Firma nahm Kontakt zu jenen Menschen auf - inzwischen sind sie zu einem großen Netzwerk aus Zulieferern geworden. Die Senioren pflücken die Blätter und verpacken sie mit zur Verfügung

Abb. 1-3: „Pro Age“ Kampagne, Edelmann GmbH

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Einführung

gestelltem Material, ein Kurierdiensts sammelt die Pakete anschließend gegen Honorar ein. Von diesem Projekt können sich die Senioren einen gewissen Wohlstand im Alter leisten und bleiben dabei sowohl geistig als auch körperlich beweglich. Statt ältere Menschen durch „Zwangsverrentungen“ und ähnliche Maßnahmen aus dem gesellschaftlichen Leben auszuschließen und ihnen zu vermitteln, sie seien nicht mehr zu gebrauchen, werden sie so motiviert, auch nach Eintritt in das Rentenalter zur wirtschaftlichen Entwicklung ihres Landes beizutragen. Menschen bleiben nachweislich länger gesund, wenn sie auch im Alter sinnvolle Aufgaben haben - die medizinischen Kosten können langfristig verringert werden. Erste Initiativen, die Kompetenzen älterer Menschen für die Gesellschaft „zurückzugewinnen“ sind auch in Deutschland zu beobachten, jedoch hauptsächlich im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeiten. Zu bedenken ist hierbei, dass nicht jeder Mensch ein soziales Engagement besitzt und der Wille zur Arbeit meist noch mit einer Entlohnung verknüpft ist. Gerade bei der ehemaligen Führungselite, den Managern und Unternehmern, die auf einen großen unternehmerischen Erfahrungsschatz zurückgreifen können, ist zu beobachten, dass nach dem Einstieg in das Rentenalter häufig ein große Leere entsteht. Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen sagte dazu anlässlich der Vorstellung der Initiative „Alter schafft Neues“ in Berlin: „ Viele der älteren Menschen haben ein tiefes Bedürfnis, Bleibendes zu schaffen und Aufgaben auch jenseits der eigenen Familie zu übernehmen. Sie warten nur darauf, dass man sie mehr in die Verantwortung nimmt, aber sie brauchen auch Impulse aus der Gesellschaft, sich zu engagieren. Wir kennen den großen Bedarf auf allen Seiten: Kommunen, Initiativen und Wohlfahrtsverbände suchen händeringend kompetente und engagierte Helfer, könnten aber nur schwer Mitstreiter finden. Bürger, die sich engagieren wollen, haben das Problem, dass sie keine passende Aufgabe finden. Jeder dritte sagt, dass er sich engagieren könnte, wenn es ein entsprechendes Angebot gäbe.“ Die Formulierung Jeremy Rifkins in seinem Buch „Das Ende der Arbeit“ bezüglich der Ablösung menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen im Zeitalter der Industrialisierung lässt sich ohne weiteres auf einen großen Teil der Rentner von heute, die von jüngeren Arbeitnehmern abgelöst werden, übertragen: „Jahrhundertelang wurde der Mensch nach seiner „Produktivität“ bemessen, jetzt, da überall Maschinen die menschliche Arbeitskraft ersetzen, sieht sich die Arbeitnehmerschaft ihrer gesellschaftlichen Funktion und ihres Selbstverständnisses beraubt.“ (Rifkin 1995) Wie die vorhergehenden Beispiele veranschaulichen, ist es entscheidend, den demographischen Wandel nicht als Problem, sondern vielmehr als eine Herausforderung und Chance zu sehen. Es gilt gemeinschaftlich Lösungen für die Schwierigkeiten und Veränderungen zu finden, bevor wir uns unmittelbar mit ihnen konfrontiert sehen. Klassische Rollenverteilungen sind zu überdenken und eine generationsübergreifende Zusammen14 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Einführung

arbeit bei der Gestaltung unserer Zukunft ist unbedingt nötig. Die älteren Menschen, die gesundheitlich dazu in der Lage sind, müssen stärker gefördert, aber auch gefordert werden. Sei es als Ratgeber, Kritiker oder Ideengeber. Es ist eine absurde Vorstellung, Produkte für eine Zielgruppe entwickeln zu wollen, die vollkommen aus dem Entwicklungsprozess ausgeschlossen ist. Die Audi AG setzt bei dem Projekt „Silverline“ in der Produktion von Fahrzeugen beispielsweise gezielt auf das Know-how älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: „Wir bauen auf die Erfahrung älterer Mitarbeiter, vor allem bei komplexen Aufgaben und qualitätskritischen Prozessen. Ein Werkzeugbauer ist erst nach 20 bis 25 Jahren Berufserfahrung auf der Höhe seiner beruflichen Leistung. In diesem Bereich setzen wir schon seit Jahren auf Mitarbeiter jenseits der 50. Wir brauchen deren Fachkompetenz, die stark durch Erfahrung geprägt ist.“ (Dr. Werner Widuckel, Vorstandsmitglied Audi AG) 3.2 Erläuterung der Begriffe 3.2.1 Der Begriff Universal Design Das Universal Design hat seine Wurzeln in den Rehabilitationstechniken der frühen 1950er Jahre. Infolge des großen Bedarfs der vielen Veteranen des zweiten Weltkriegs fand eine intensive Auseinandersetzung mit Assistiven Technologien statt. Der Begriff Universal Design wurde erstmals in den 1980er Jahren verwendet. 1997 wurde er dann von Ronald L. Mace und seinen Mitarbeitern am Center for Universal Design der North Carolina State University folgendermaßen definiert: „Der Zweck von Universal Design ist, das Leben für alle Menschen, unabhängig von Ihrem Alter und ihren Fähigkeiten, durch gute Gestaltung zu vereinfachen. Produkte, Kommunikationsmittel und öffentliche Räume sollen mit dem geringsten Kostenaufwand für so viele Personen wie möglich nutzbar gemacht werden.“ Folgende sieben Prinzipien ihrer Definition des Universal Designs finden bis heute weltweit, besonders aber in Japan, eine breite Akzeptanz: 1. Das Design soll nützlich und marktfähig für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten sein

2. Das Design soll sich flexibel an individuelle Vorlieben und Gewohnheiten anpassen, z.B. für Links- und Rechtshänder 3. Das Design soll leicht verständlich und intuitiv bedienbar sein, unabhängig von den Erfahrungen, dem Wissen, der Sprachfähigkeiten oder der Konzentration des Nutzers 4. Die Informationen sollen über mehr als einen der Sinne deutlich erkennbar sein

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Einführung

5. Das Design soll eine hohe Fehlertoleranz und Sicherheit beinhalten, zum Beispiel durch eine Verringerung ungewollter Aktionen 6. Ein geringer physischer Aufwand soll für die Benutzung nötig sein 7. Eine gute Zugänglichkeit und Erreichbarkeit soll gewährleist sein 3.2.2 Differenzierung weiterer Begriffe Es existiert eine Vielzahl von Begriffen, die sich auf den demographischen Wandel und die Gestaltung beziehen, und häufig ist – auch in Fachkreisen - eine gewisse Verunsicherung bei der Benutzung der Begriffe zu beobachten. In der Regel werden zudem Definitionen mehrerer Begriffe vermischt. Zu unterscheiden sind zwei wesentliche Begriffsgruppen: auf der einen Seite das Universal Design (UD), das auch als Design for All / Design für Alle (DfA) oder Inclusive Design bezeichnet wird und auf der anderen Seite das Assisted Living. Der Begriff Assisted Living umfasst Produkte, Architektur und Dienstleistungen für Menschen in besonderen Lebenssituationen, die dazu dienen, eine weitestgehende, selbstbestimmte Lebensführung zu erhalten und zu fördern. Häufig sind in diesem Marktsegment Sonderanfertigungen nötig. Im Grunde meinen Universal Design, Design for All und auch Inclusive Design dasselbe, die Begriffe wurden jedoch in unterschiedlichen Ländern geprägt. In den USA und Japan ist Universal Design weiter verbreitet, während in England vor allem Inclusive Design und Design for All verwendet werden. In Deutschland werden meist die Begriffe Design for All und Universal Design angewandt. Die barrierefreie Gestaltung ist bei all diesen Definitionen eingeschlossen. Obwohl mit den Begriffen Universal Design und Design for All dasselbe gemeint ist, entstehen beim Hören der Begriffe zunächst unterschiedliche Assoziationen. Der Begriff Universal Design erzeugt eine Assoziation von Design im Allgemeinen - im negativen Fall „verallgemeinertes“ Design, während Design for All eher den sozialen Gedanken assoziiert. Allerdings ist diese gedankliche Verknüpfung mit dem Wort Alle auch nicht wirklich gerechtfertigt, da tatsächlich meistens nicht wirklich Alle sondern nur ein größerer Kreis an Nutzern erreicht wird. George Trost schreibt in seiner 2005 vorgenommenen Einschätzung der Lage des Universal Design in Europa, dass UD eine umfassende Philosophie vorschlägt, während DfA sich eher auf die praktische Umsetzung beziehe. Er behauptet, dass man sich in Europa auf den Gebrauch des Begriffs Design for All geeinigt habe, da man Universal Design von der Idee der Gestaltung für Menschen mit Behinderung getrennt sehe und eher auf Design im Allgemeinen übertrage. (Trost 2005) Der Vergleich der folgenden Aussagen von Paolo Favaretto vom IIDD - Design for All Italia (dem italienischen Mitglied des EIDD - Design for All Europe) über DfA mit der UD Definition von Ronald L. Mace (siehe S.15/16) belegt eindeutig, dass es sich hier lediglich um zwei Begriffe mit einer identischen Bedeutung handelt. 16 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Einführung

Paolo Favaretto äußerte sich in einem Interview auf die Frage, was Design for All bedeutet, folgendermaßen: „Es bedeutet Design jenseits des Standards zu machen: das ist meine Lieblingsdefinition. Tatsächlich ist es nicht korrekt, es als Design für jeden zu übersetzen: es kann kein Design für alle Behinderten geben. Es gibt spezielle Projekte für die, die eine bestimmte Behinderung haben, aber weiter gefasst kann jeder, Designer wie uns eingeschlossen, bestimmte Einschränkungen haben. Dieser Ansatz der Gestaltung bezieht den kompletten Prozess des menschlichen Lebens mit ein und unser Leben als Kunde oder Nutzer von Produkten. Im Laufe des Lebens wird jeder mit bestimmten Einschränkungen konfrontiert, was einfach bedeutet, dass man alt wird und bestimmte Bedürfnisse hat, die sich von denen in jüngeren Jahren unterscheiden usw. Aber wie wir wissen, haben auch aufwachsende Kinder, schwangere Frauen, Fettleibige und ältere Menschen Einschränkungen. Wir sollten in Betracht ziehen, dass die Zeitspanne eines normalen Lebens, welche die der maximalen körperlichen Leistungsfähigkeit ist, tatsächlich auf eine kurz Zeit begrenzt ist und jenseits dieser Jahre leiden wir alle an einem Defizit an Normalität… Es gibt auch vorübergehend behinderte Menschen: die Zahl derer, die einen Unfall hatten, ist immer hoch und es kann grundsätzlich jeder von uns in solch einer Situation sein. Deshalb schließt Design for All nicht nur den einfachen Standard als Grundlage eines jeden Projekts ein, sondern „das Leben von jedem von uns“, da dies nicht Design für eine Minderheit – wie manch einer denken mag – sondern für uns, für unser Leben ist.“ (Favaretto 2006) Der Ansatz des Universal Designs ist eine generationsübergreifende Gestaltung, das bedeutet aber nicht die Vereinheitlichung von Produkten, sondern die Einbeziehung des größtmöglichen Personenkreises bei gestalterischen Überlegungen, um die Produkte für möglichst alle gleichermaßen nutzbar zu machen. Prof. Karin Schmidt-Ruhland sagt dazu: „Universal Design darf nicht nur Hilfsmittel für Senioren hervorbringen – die älteren Menschen sind zwar der Indikator für Defizite im häuslichen Alltag, aber nicht die alleinige Zielgruppe.“ (Friesdorf, Heine 2007) Eine klare Abgrenzung von den Begriffen Assisted Living, seniorenfreundliche Gestaltung, Social Design oder auch Age Design, bei denen Produkte in erster Linie für körperlich beeinträchtigte Personen oder ältere Menschen entwickelt und auch so beworben werden, ist unabdingbar, denn dieses Image verringert die Akzeptanz auf dem Markt. Nicht nur junge Zielgruppen lehnen solche Produkte ab: „Auch wenn die Resistenz gegenüber Werbung im Alter auf Grund der langjährigen Konfrontation mit Werbung zunimmt, sind ältere Menschen nicht generell resistent gegen Werbung. Vielmehr hat Werbung, welche die Produkteigenschaften hervorhebt, eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit. Hinzu kommt, dass ältere Menschen sich durchschnittlich 15 Jahre jünger fühlen als sie sind. Daher werden Produkte, die mit der Konnotation „Für Senioren“ behaftet sind, generell schlecht akzeptiert.“ (Gassmann, Keupp 2005, Teil 2) Eine Vielzahl fragwürdiger, in den Medien verwendeter Begriffe bringt die SchwieUniversal Design im globalen demographischen Wandel 17


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rigkeiten der Fachwelt zum Ausdruck, der Zielgruppe der älteren Menschen zu begegnen, ohne sie zu stigmatisieren. Es finden sich Titel wie: Generatin 50+, Silver Generation, Silver Ager, Silver Surfer oder auch Generation Gold. Im Gegensatz dazu finden sich bezüglich Universal Design oder Design for All vor allem Begriffe mit positiven Assoziationen, was zum Ausdruck bringt, dass hier ein wesentlich unverkrampfterer Umgang mit dem Thema stattfindet. Es finden sich folgende Synonyme: generationsübergreifendes Design / transgenerational design und human centered design. 3.3 Normen und Gesetze Deutschland Bezogen auf Universal Design gibt es bisher keinerlei Richtlinien in Deutschland. Auf die barrierefreie Gestaltung von Gebäuden und öffentlichen Räumen wird allerdings mit festgesetzten Normen (DIN) eingegangen und bezüglich Informationstehniken gibt es die „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BITV)“. In der Planungsphase von Neubauten werden die DIN Normen durchaus beachtet - es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass sich die Fachwelt mit diesem Thema auseinandersetzt. Anders sieht es im Falle von Sanierungen aus. „Da es konstruktiv und wirtschaftlich jedoch bei den vorhandenen Bauwerken oft kaum möglich ist, eine vollständige Barrierefreiheit nach DIN 18025/2 durch Sanierungen zu erreichen, wird das Thema häufig gleich völlig außen vor gelassen. Dabei könnte auch eine teilbare Reduzierung von Barrieren schon eine deutlich bessere Nutzbarkeit bewirken.“ (Edinger 2008) DIN 18024 Teil 1 Barrierefreies Bauen, Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen sowie Spielplätze In dieser Norm findet das Wohnumfeld Eingang in die barrierefreie Gestaltung des Lebensraums. DIN 18024 Teil 2 Barrierefreies Bauen, Öffentlich zugängige Gebäude und Arbeitsstätten Hierunter sind alle Gebäude zu verstehen, die nicht ausschließlich Wohnzwecken dienen. Ausnahmen: Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten (Landesrecht). Die DIN 18024 Teil 2 ist nach § 51 Abs. 1 LBauO und Abs. 2 LBauO anwendbar. DIN 18025 Teil 1 Barrierefreie Wohnungen, Planungsgrundlage für Rollstuhlfahrer Diese Norm enthält Planungsgrundlagen zur Schaffung von rollstuhlgerechtem Wohnraum. Die Norm ist die einzige noch verbleibende Sonderwohnform für Rollstuhlfahrer. Sie ist jedoch fast überholt, da alle hier genannten Forderungen vergleichbar mit den betreffenden anderen Normen sind. Lediglich der direkte Nass18 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Einführung

raum- und Schlafraumbereich unterscheidet sich gegenüber der DIN 18025 Teil 2 durch größere Bewegungsflächen. Sie ist bei der Planung und Ausführung von Wohnungen nach § 51 Abs. 1 LBauO zugrunde zu legen sowie in Teilen auch anwendbar auf Wohnungen nach § 44 Abs. 2 LBauO DIN 18025 Teil 2 Barrierefreie Wohnungen Empfehlung zur Anwendung für jede Art von freiem oder sozialem barrierefreien Wohnungsbau. Diese Norm ist bindend für den Bau von Wohnungen im Sinne von §51 Abs. 1 LBauO.“ Des Weiteren finden sich Empfehlungen für eine zugängliche Umwelt in der Publikation Europäisches Konzept für Zugänglichkeit (EDAD 2005) Hier werden Grundsätze, Ziele und Empfehlungen herausgearbeitet. 1. Ziel ist eine Umwelt, die bequem, sicher und angenehm von jedem, einschließlich von Menschen mit Behinderungen, genutzt werden kann. 2. Die allgemeinen Grundsätze für Universelles Design lehnen eine Einteilung der Bevölkerung in nicht behinderte und behinderte Menschen ab. 3. Universelles Design schließt zusätzliche Vorkehrungen ein, wo diese angebracht sind. „Die Publikation Europäisches Konzept für Zugänglichkeit wendet sich an all jene, die einen Beitrag für eine für alle Manschen aktiv lebbare Umwelt leisten wollen, so wie an Politiker und die entsprechenden Berufsgruppen, die durch ihren Beruf Einfluss auf die Gestaltung von Infrastrukturen, Gebäuden und Konsumprodukten haben. Hierbei steht immer der Mensch und seine speziellen, unterschiedlichen Bedürfnisse und Konstitutionen im Mittelpunkt.“ Die Empfehlungen beziehen sich vor allem auf die Ausführung von öffentlichen Räumen, Verkehr, öffentlichen Gebäuden, Wohnungsbau und öffentlichen Informationsdiensten Zu Beginn des Jahres 2003 hat Rheinland-Pfalz als erstes deutsches Bundesland ein eigenes Landesgesetz in Folge des Behindertengleichstellungsgesetzes des Bundes von 2002 verabschiedet. Barrierefreiheit wird im rheinland-pfälzischen Landesgesetz sehr umfassend definiert. Hier heißt es: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.“ Damit wird deutlich, dass Barrierefreiheit weitaus mehr als eine Rampe für einen Rollstuhl ist. Die Landesregierung Rheinland-Pfalz hat eine Vielzahl von Aktivitäten unternomUniversal Design im globalen demographischen Wandel 19


Einführung

men, um das Ziel der Barrierefreiheit umzusetzen. Japan In Japan erfährt UD die Unterstützung von Lokal- und Landespolitik. Das Ministerium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus (MLIT) hat im Juli 2007 die Richtlinie „General Principle of Universal Design“ vorgestellt. Die Richtlinie hat zum Ziel, die Städte unter UD Gesichtspunkten umzugestalten, um dadurch eine bessere Lebensqualität zu gewährleisten. Sie ist eine Kombination aus dem vorhergehenden „Heartful Building Law“ und dem „Transportation Barrierfree Law“. 2008 soll im Parlament über die Einführung abgestimmt werden. Italien Das italienische Parlament hat im Dezember 2003 mit dem Legge Stanca ein Gesetz zur barrierefreien Informationstechnik verabschiedet, welches weit über die Definitionen der entsprechenden deutschen Verordnung hinausgeht. Vergleichbar der amerikanischen Section 508 regelt das Gesetz nicht nur die Konformität der Web-Angebote der italienischen Regierung, sondern setzt, wenn auch bisher nur freiwillige, Standards für den privaten Sektor. 3.4 Relevanz des Universal Design Universal Design muss als wesentliche Gestaltungsherausforderung der nächsten Jahrzehnte betrachtet werden. Die Qualität schon vorhandener Produkte und neuer Entwicklungen wird von einer neuen Einfachheit geprägt sein müssen. Es gilt Produkte zu gestalten, die generationsübergreifend funktionieren. Heute wird es hinsichtlich alternder Gesellschaften für Gestalter und Hersteller erforderlich, der Dringlichkeit des Themas Rechnung zu tragen. Gefragt sind sowohl die Disziplinen Produktdesign, Innenarchitektur, Architektur, Public Design und Mediengestaltung als auch die Hersteller mit ihrem Service - die Arbeit dieser Berufsgruppen hat direkten Einfluss auf das alltägliche Leben der Menschen und der Gesellschaft als Ganzes. Gebäude, öffentliche Räume, Produkte und Dienstleistungen können eine längere selbständige Lebensweise im Alter wesentlich fördern und gleichzeitig auch für jüngere Zielgruppen Komfort bieten, wenn sie intelligent geplant sind. Industrie und Einzelhandel werden sich zudem immer kritischeren Kunden gegenüber sehen, denn die Senioren von morgen haben hohe Ansprüche. Die Anforderungen an Produkte, öffentliche Räume und Gebäude werden sich auf Grund von körperlichen Einschränkungen prozentual zunehmender Teile der Bevölkerung verändern. Qualität und guter Service gewinnen an Bedeutung.

20 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Einf端hrung

Abb. 4: aus Marx, L. 1992: Barrierefreies Bauen, S. 13

Universal Design im globalen demographischen Wandel 21


Evaluierung

4. Evaluierung 4.1 Firmenprofile In dem folgenden Verzeichnis sind nicht alle Organisationen erfasst, die in dem weiten Themenfeld Gestaltung und Menschen mit besonderen Bedürfnissen tätig sind, sondern es wurde eine Auswahl von Organisationen, Firmen oder Vereinen getroffen, die hinsichtlich Universal Design von Bedeutung sind. Europa Non Profit Organisationen: EIDD – Design for All Europe Deutschland Verbände: Deutsche Architektenkammern www.architektenkammern.net Die Architektenkammern der deutschen Bundesländer haben in der Regel ein Beratungsangebot für die barrierefreie Gestaltung. Teilweise geben sie diesbezüglich eigene Publikationen heraus und organisieren Veranstaltungen zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch. Non Profit Organisationen: Aktion Mensch und Stiftung Digitale Chancen Ansprechpartner: Iris Cornelssen, Christian Schmitz Pressestelle der Aktion Mensch Heinemannstraße 36 - 53175 Bonn - Deutschland Tel.: +49 228 20 92-3 77 - Fax: +49 228 20 92-3 33 www.aktion-mensch.de Stiftung Digitale Chancen Ansprechpartnerin: Jutta Croll Fasanenstraße 3 - 10623 Berlin - Deutschland Tel.: +49 30 43 72 77-30 - Fax: +49 30 43 72 77-39 www.digitale-chancen.de Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen schreiben gemeinsam den BIENE Award für barrierefreie Webgestaltung aus. (siehe Interview anatom5 perception marketing GbR) Bundesarbeitsgemeinschaft der 22 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Evaluierung

Senioren-Organisationen (BAGSO) e.V. Geschäftsführer: Dr. Guido Klumpp Bonngasse 10 - 53111 Bonn - Deutschland Tel.: +49 228 249993-0 - Fax: +49 228 249993-20 e-Mail: kontakt@bagso.de - www.bagso.de Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) e.V. tritt als Interessenvertretung der älteren Generationen in Deutschland dafür ein, dass jedem Menschen ein selbstbestimmtes Leben im Alter möglich ist und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Sie setzt sich dafür ein, dass auch alte Menschen die Chance haben, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, und sich dieses Bewusstsein im öffentlichen Meinungsbild über „die Alten“ widerspiegelt. Unter dem Dach der BAGSO haben sich rund 100 Mitgliedsorganisationen mit etwa 13 Millionen älteren Menschen zusammengeschlossen. Die Aufgabe der Bundesarbeitsgemeinschaft besteht darin, die Interessen und Aktivitäten der angeschlossenen Verbände zu koordinieren und im Rahmen der Seniorenpolitik auf nationaler und internationaler Ebene zu vertreten. Die BAGSO richtet jedes dritte Jahr den Deutschen Seniorentag aus und vierteljährlich gibt sie die Fachzeitschrift BAGSO-Nachrichten heraus. Internationales Design Zentrum Berlin e. V. (IDZ) Projektleiterin: Prof. Karin Schmidt-Ruhland Reinhardtstraße 52 - 10117 Berlin - Deutschland Tel.: +49.(0)30.280 95 111 - Fax: +49.(0)30.280 95 112 e-Mail: universal-design@idz.de - www.idz.de Im Rahmen des Programms „Wirtschaftsfaktor Alter – Unternehmen gewinnen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird an dem Internationalen Design Zentrum Berlin gegenwärtig ein Kompetenznetzwerk aufgebaut, mit dem Ziel, Informationen, Ideen, Kompetenzen und Wissen rund um das Thema Universal Design zusammenzuführen. Das IDZ hat folgende Arbeitsschwerpunkte: der Aufbau einer Datenbank und Beratungsstruktur sowie die Konzeption einer Wanderausstellung mit begleitender Publikation, mit der das Thema einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Das Internationale Design Zentrum Berlin hat zudem gemeinsam mit dem Rat für Formgebung und der TÜV NORD CERT ein Qualitätszeichen für benutzerfreundliche Produkte entwickelt. universal design e.V. Geschäftsführer: Thomas Bade Messegelände / IC - 30521 Hannover - Deutschland Tel.: +49 511 8930044 - Fax: +49 511 8930046 info@ud-germany.de - www.ud-germany.de Der universal design e.V. hat 2008 erstmals einen internationalen Universal Design Award ausgeschrieben, der in die Kategorien „universal design comuser favorite“ und den durch eine Fachjury verliehenen „universal design award 08“ unterteilt Universal Design im globalen demographischen Wandel 23


Evaluierung

war. (weitere Informationen zu dem Verein auf S.7) Universitäten, Fachhochschulen, Fachschulen: Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) Generation Research Program (GRP) Humanwissenschaftliches Zentrum Wissenschaftlicher Leiter des GRP: Prof. Dr. Ernst Pöppel Prof.-Max-Lange-Platz 11 - 83646 Bad Tölz - Deutschland Tel +49 8041 79929 0 - Fax +49 8041 79929 11 info@grp.hwz.uni-muenchen.de - www.grp.hwz.uni-muenchen.de Das Generation Research Program (GRP) ist ein aus Mitteln der regionalen HighTech-Offensive (HTO) Bayern gefördertes Programm zur interdisziplinären Generationen-Forschung mit Fokussierung auf die Generation Plus. Generation Plus steht zum einen für eine nie da gewesene Generationenvielfalt, die miteinander unsere Gesellschaft prägen. Das GRP im Forum der Generationen in Bad Tölz beschäftigt sich mit Fragen der generationenübergreifenden Grundlagenforschung, der Anwendung von Wissen im medizinischen Bereich und mit der Konzeption von innovativen Technologien. Technische Universität München (TUM) Fakultät für Architektur Institut für Entwerfen und Bautechnik Lehrstuhl für Industrial Design Univ.-Prof. Dipl. Des. Fritz Frenkler Arcisstrasse 21 - 80333 München - Deutschland Tel.: +49 89 289286 95 - Fax: +49 89 289286 75 hirsch@lrz.tum.de - www.id.ar.tum.de (weitere Informationen zu dem Lehrstuhl auf S.8) Universität der Künste Berlin (UdK Berlin) Ansprechpartnerin: Prof. Karin Schmidt-Ruhland Fakultät Gestaltung, Lehrstuhl für Industrial Design, Prof. Achim Heine Straße des 17. Juni 118 - 10623 Berlin - Deutschland www.udk-berlin.de - alt-jung@udk-berlin.de Von 1997-2003 war der Lehrstuhl von Prof. Heine mit dem Teilprojekt Design am Forschungsprojekt Seniorengerechte Technik im häuslichen Alltag (sentha) beteiligt und betreute seitdem zahlreiche studentische Entwurfsprojekte zum Thema Universal Design. Die Universität lobte weiterhin die studentischen Wettbewerbe: „Alternativen - Produkte für eine neue alte Generation“, „pack ein pack aus pack zu“ und „von Kopf bis Fuß“ zum Thema Universal Design aus. Politische Initiativen der Länder und deren Regionen:

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Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Alexanderstraße 3 - 10178 Berlin - Deutschland Tel.: +49 30 18 555 0 - Fax: +49 30 18 555 4400 e-Mail: poststelle@bmfsfj.bund.de - www.bmfsfj.de Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Ursula von der Leyen Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert zahlreiche Initiativen in ganz Deutschland zu den Themen demographischer Wandel und Universal Design. Wirtschaftsunternehmen / Produktion: Heinrich Wilke GmbH (HEWI) Geschäftsführer: Reinhard Fenski, Thorsten Stute Prof.-Bier-Straße 1-5 - 34454 Bad Arolsen - Deutschland Tel.: +49 5691 82 0 - Fax: +49 5691 82 319 e-Mail: info@hewi.de - www.hewi.de HEWI ist ein mittelständisches Unternehmen mit internationaler Präsenz. In Europa, Asien und Amerika existiert ein eigenes Vertriebsnetz mit Tochtergesellschaften und Handelspartnern. HEWI bietet unter dem Motto „Systemkompetenz Architektur“ durchgehende Lösungen aus einer Hand an. Das Leistungsspektrum umfasst Beschilderungen, Beschläge, Elektronische Schließsysteme, Handläufe, Sanitär Accessoires und Produkte für barrierefreies Wohnen. „HEWI Design ist mehr als nur Form, ist mehr als pures Styling. Design fängt mit Nachdenken an, denn erst die Einbeziehung von architektonischen und emotionalen Zusammenhängen führt unserer Meinung nach zu bewusster Gestaltung und gutem Design. Der Mensch und seine Bedürfnisse - wie er Gebäude nutzt - stehen im Mittelpunkt der HEWI Gestaltung, nicht die Designer.“ (www.hewi.de) Dienstleistungsunternehmen: NeumannConsult Inhaber: Dr. Peter Neumann Bahnhofstr. 1-5 - 48143 Münster - Deutschland Tel: +49 251 16254 30 - Fax: +49 251 16254 34 eMail: neumann(at)neumann-consult.com - www.neumann-consult.com NeumannConsult ist eine Ausgründung des Instituts für Geographie der Universität Münster. Themen der Arbeit von NeumannConsult sind Stadt-, Regional- und Tourismusentwicklung sowie barrierefreies Gestalten und Design für Alle. Die Erstellung von Analysen, Studien-Konzepten und Handlungsleitfäden sind ebenso wie Coaching und Durchführung von Schulungen, Seminaren und Workshops, Moderation und Projektmanagement im Leistungsverzeichnis der Firma aufgeführt. Der Inhaber Dipl.-Geogr. Dr. Peter Neumann ist der Vorsitzende des „Europäischen Instituts Universal Design im globalen demographischen Wandel 25


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Design für Alle in Deutschland“ (EDAD) und Vorstandsmitglied in dem „European Instituts for Design and Disability“ (EIDD). Peter Neumann ist zudem DIN CERTCO Gutachter im Fachgebiet „Barrierefreie Planungen, Bauten und Produkte“. Meyer-Hentschel Institut Ansprechpartner: Dr. Hanne Meyer-Hentschel, Gundolf Meyer-Hentschel Kirchweg 44 - 66133 Saarbrücken - Deutschland Tel +49 700 123456-01 - Fax +49 700 123456-02 eMail: info@mhmc.de - www.mhmc.de Seit 1985 unterstützt das Meyer-Hentschel-Institut Unternehmen und soziale Dienstleister bei der Anpassung an den demographischen Wandel. Die Tätigkeiten des Instituts umfassen Marktstudien, Workshops und die entwicklungsbegleitende Beratung. Das Institut hat den Age Explorer ® entwickelt, ein Anzug, der die Einschränkungen des Alters simuliert und für Nutzertests eingesetzt wird. Italien Verbände: IIDD - Design for All Italia Via Leonardo da Vinci, 14 - 36100 Vicenza, Italia Tel. +39 0444 323907 - Fax. +39 0444 325118 e-mail: info@iidd.it - www.dfaitalia.it Der IIDD ist Mitglied des EIDD - Design for All Europe und verweist auf die Definition der Ziele des EiDD, die `Stockholm Declaration´. Japan Verbände: International Association for Universal Design (IAUD) 2-13-18-110, Shin-ishikawa Aoba-ku, Yokohama - 225-0003 Japan Tel & Fax +81 45 910 8420 www.iaud.net/en/index.php - info@iaud.net Die International Association for Universal Design (IAUD) wurde 2003 mit der Unterstützung von den führenden japanischen Industriekonzernen gegründet und fördert Universal Design in Form von Studien, die über die Rahmenbedingungen der Indus-trie und Arbeitswelt hinausgehen, durch Projektentwicklung und die Bereitstellung von Informationen und Forschungsergebnissen. Dazu ist der Dialog mit den Nutzern für alle Aktivitäten entscheidend. Durch die nutzerorientierten Aktivitäten sollen die Qualität und der Vollkommenheitsgrad des UD durch weitere 26 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Evaluierung

Verbreitung und Realisierung optimiert werden. Die IAUD organisierte die „International Conference for Universal Design in Japan 2002“ und die „International Conference for Universal Design in Kyoto 2006“. Japan Industrial Design Promotion Organization (JIDPO) 5th floor, Midtown Tower, 9-7-1 Akasaka Minato-ku, Tokio - 107-6205 Japan Tel +81 3 6743 3772 - Fax +81 3 6743 3775 www.jidpo.or.jp/en - e-mail: über die Webseite Die Japan Industrial Design Promotion Organization (JIDPO) wurde 1969 auf Grund eines Berichts, der vom Design-Beirat des Ministry of International Trade and Industry vorgelegt wurde, gegründet. Sie ist die einzige Organisation in Japan, die sich mit der übergreifenden Design Förderung befasst. Die Aktivitäten der Organisation sind die „Design Year“ Kampagne, das Sponsoring des “Good Design Awards” (auch G-Mark genannt), die Publikation des vierteljährlich erscheinenden Magazins Design News und ein weitreichendes Bildungs- und Beratungsangebot. Regierungseinrichtungen, die Industrie und Designer unterstützen die Aktivitäten der Organisation. Inzwischen wird bei dem Good Design Award ein Sonderpreis Universal Design vergeben. Non-Profit Organisationen: „Kyoyo-Hin Foundation“ The Accessible Design Foundation of Japan (ADF Japan) 2F, OGA Bldg., - 2-5-4, Sarugaku-cho Chiyoda-ku, Tokio - 101-0064 Japan Tel.: +81 3 5280 0020 - Fax: +81 3 5280 2373 e-mail:jimukyoku@kyoyohin.org - www.kyoyohin.org Das Anliegen der Stiftung ist, die Entwicklung von Accessible Design Produkten ( Kyoyo-Hin ) oder Dienstleistungen für so viele Leute wie möglich, einschließlich Älterer und Behinderter, zu fördern. Gleichzeitig klären wir die Öffentlichkeit in einer konstruktiven Weise darüber auf, dass dies der Versuch einer großen Verbesserung der Qualität der Produkte und Dienstleistungen für uns alle sein wird. Wir glauben, dass diese Bewegung sehr gut zur Qualität des Lebens und der Wirtschaft bei uns in Japan beitragen kann. Die Tätigkeiten der Stiftung sind: Studien, Symposien, Ausstellungen und Veröffentlichungen.

Universitäten, Fachhochschulen, Fachschulen: Kyushu University Department of Human Living System Design Faculty of Design Universal Design im globalen demographischen Wandel 27


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Ansprechpartner: Prof. Yoshitsugu Morita 6-10-1 Hakozaki - Higashi-ku, Fukuoka - 812-8581, Japan Tel.: +81 92 642 2111 - Fax: +81 92 642 2113 www.host.id.design.kyushu-u.ac.jp/id/pub/index.html Politische Initiativen der Länder und deren Regionen: Shizuoka Prefecture Department of Community Affairs Universal Design Office 9-6 Ohte-machi - Aoi-ku,Shizuoka 420-8601 Tel.: +81 54 221 3233 - Fax: +81 54 221 2827 e-mail:ud@pref.shizuoka.lg.jp - www.pref.shizuoka.jp/ud/english/index.html Die Shizuoka Prefektur fördert Universal Design unter dem Motto “Shizuoka mit komfortabelen Stadträumen, in denen sich Besucher und Einwohner wohl fühlen”. Die Prefektur möchte eine Realisierung des Konzepts Universal Design durch mehrere Projekte vorantreiben. Sie benötigt dazu allerings die Unterstützung der Regierung, der Unternehmen und der Einwohner. Mit folgenden Aktivitäten versucht sie auf ihr Ziel hinzuarbeiten: Realisierung von barrierefreien Stadträumen, Universal Design Ausstellungen und Talk Shows zum Thema. Wirtschaftsunternehmen (Produktion): Alle Mitglieder der IAUD - hier werden nur einige sehr bekannte Firmen aufgeführt: Canon Inc.; FUJIFILM Corporation; Fujitsu Limited; Hitachi Ltd.; Honda R&D Co. Ltd.; KOKUYO Co.,Ltd.; Mazda Motor Corporation; Mitsubishi Electric Corporation; NEC Corporation; Panasonic Shikoku Electronics Co., Ltd; SANYO Electric Co., Ltd; Seiko Epson Corpration; Shiseido Co.,Ltd; Sony Corporation; Toshiba Corporation; TOTO LTd.; Toyota Motor Corporation Südkorea Verbände: Korean Society of Design Science (KSDS) 314-8, Korea Design Center 344-1 Yatap 1-dong Bundang-gu Seongnam City - Gyeongi-do - Korea 463-828 Tel 82 31 781 5021 - Fax 82 31 781 5023 ksds@design-science.or.kr - www.design-science.or.kr/eng_index.asp Die “Korean Society of Design Science“ wurde bereits 1978 gegründet um die Design Forschung in der südkoreanischen Gesellschaft durch theoretische Studien und Recherche-Tätigkeiten im Fachgebiet Design voranzutreiben. Die Tätigkeiten der Gesellschaft sind die Organisation von Konferenzen und Vorträgen zum Thema Design, die Unterstützung gemeinsamer Projekte von Regierung, 28 Universal Design im globalen demographischen Wandel


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Industrie und akademischen Einrichtungen und die Förderung von Austauschprogrammen mit Mitgliedern und internationalen Organisationen. Universitäten, Fachhochschulen, Fachschulen: Seoul National University of Technology (SNUT) Dep. of Universal Design - IT Design graduate school 308 Chanjo Hall - Seoul National Univ. of Technology 138 Gongreung-gil - Nowon-gu - Seoul - 139-743, Rep of KOREA www.snut.ac.kr (weite Informationen, Interview Seoul National University of Technology, S.50) Kyungsung University Universal Design Research Center - munhwa Hall Kyungsung Univ. Daeyeon 3-dong - Nam-gu - Busan - Rep of KOREA www.udrc.or.kr Kangnam University Universal Design Lab - insa Hall-214 - Kangnam Univ. Gugal-dong, Yongin Si Giheung-gu, Gyeonggi-Do - Rep of KOREA http://special.kangnam.ac.kr/siri/siri_03.html Korea Nazarene University Dep. of Universal Design Bridge Hall - Korea Nazarene Univ. Ssangyong 2-dong Cheonan Si - Chungcheongnam-Do - Rep of KOREA http://cms.kornu.ac.kr/ud/index.htm Politische Initiativen der Länder und deren Regionen: Im Dezember 2004 hat das „Ministry of Construction and Transportation“ Südkoreas das Gesetz „Transportation Services Improvement Act for the Mobility Handicapped People“ verabschiedet. Es enthält einen fünfjährigen Rahmenplan zur Verbesserung der Qualität der Mobilität behinderter Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wirtschaftsunternehmen / Produktion: Samsung Electronics Co., Ltd. Ui Research Lab, Corporate Design Center Jungang-Ilbo Bldg. - #7, Soonhwa-dong, Chung-gu Seoul, Korea 100-759

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Weitere Informationen siehe Interview Samsung Electronics Co., Ltd., S.46 USA Non-Profit Organisationen: Adaptive Environments Executive Director, Valerie Fletcher 180-200 Portland Street - Suite 1 - Boston, MA 02114 Phone: 617-695-1225 - Fax: 617-482-8099 www.AdaptiveEnvironments.org Adaptive Environments (AE) ist eine 29-jährige internationale Non-Profit Organisation, die sich in der Förderung von „human centered design“ engagiert. AE ist eine führende Organisation der internationalen Bewegung Universal Design, Design for All und Inclusive Design. Sie ist Organisator der „Designing for the 21st Century Conferences“, schreibt studentischer Wettbewerbe aus und veröffentlicht zahlreiche Print- und Web-Publikation. Es gibt Kooperationen mit der IAUD Japan, dem europäischen EIDD Design for All Europe und mit unabhängigen Personen auf allen Kontinenten. AE unterstützt das UN Department of Economic and Social Affairs bei der Umsetzung der neuen Rechte für Menschen mit Behinderungen. Zurzeit bereitet AE eine internationale Veranstaltung vor, die zur Beratung von Nationen im Mittleren Osten bezüglich des Wiederaufbaus unter Universal Design Kriterien dienen soll. Elaine Ostroff, Mit-Gründerin von AE, entwickelte 1989 das Universal Design Education Project (UDEP), das ein internationales Modell zur Einbindung von Universal Design in Lehrpläne geworden ist. Sie ist weiterhin die Herausgeberin der Internetplattform „Universal Design Network“ und dessen monatlichem Universal Design Newsletter. The Center for Universal Design College of Design - North Carolina State University Campus Box 8613 - Raleigh, NC 27695-8613 Telephone: (919) 515-3082 - Fax:(919) 515-8951 Info Line: (800) 647-6777 - www.design.ncsu.edu/cud/index.htm The Center for Universal Design ist ein nationales Forschungs- und Informationszentrum, das Accessible- und Universal Design im Innen- und Außenraum und den darauf bezogenen Produkten evaluiert, entwickelt und fördert. Das Zentrum vertritt die Meinung, dass alle neuen Umgebungen und Produkte im größtmöglichen Umfang für alle, unabhängig ihres Alter, ihrer Fähigkeiten oder der Umstände nutzbar sein sollten. Das Zentrum fördert UD in den Disziplinen Design, Baugewerbe und Herstellungstechniken durch Forschung, Unterstützung bei der Gestaltung und Schulungen. Zudem gibt es Publikationen und Lehrmaterial heraus, stellt Menschen mit Behinderungen, Familien und Fachleuten auf internationaler Ebene Informationen, Empfehlungen und technische Unterstützung zur Verfügung. In dem Center for Universal Design hat Ronald L. Mace die sieben Prinzipien des Universal Design 30 Universal Design im globalen demographischen Wandel


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entwickelte, die weltweit Anerkennung gefunden haben. Schweiz Universität St. Gallen Institut für Technologiemanagement Direktor des Instituts: Prof. Dr. Oliver Gassmann Dufourstrasse 40a - 9000 St. Gallen - Schweiz Tel.: +41 71 224 73 00 - Fax: +41 71 224 73 01 e-Mail: contactitem@unisg.ch - www.item.unisg.ch weiter Informationen siehe Text, S.76 Aktivitäten in England The Royal College of Art Helen Hamlyn Centre Kensington Gore - London SW7 2EU, England Tel: +44 20 7590 4242 - fax: +44 20 7590 4244 email: hhc@rca.ac.uk - www.hhrc.rca.ac.uk Das Helen Hamlyn Centre sorgt für einen Fokus auf nutzerorientiertes Design am Royal College of Art (RCA), der einzigen Kunst- und Design-Universität, die nur Aufbaustudiengänge anbietet. Das Zentrum wurde 1999 von Roger Coleman und Jeremy Meyerson gegründet, um die Anforderungen des demographischen und sozialen Wandels an das Design zu erforschen. Das heutige multidisziplinäre Team setzt sich aus Designern, Ingenieuren, Architekten und Anthropologen zusammen und arbeitet an Forschungsprojekten in Kooperation mit der Industrie. Das Zentrum schreibt den jährlichen „DBA Inclusive Design Challenge“ für Industrie und Designbüros aus und unterstützt Absolventen dabei, einjährige Stipendien in Zusammenarbeit mit der Industrie zu bekommen. Das „Design for our Future Selves programme“ für die Studierenden bietet einen jährlichen Wettbewerb, angegliederte `thinktanks´, Seminare, und Workshops an. Das „i~design“ Forschungsprojekt gibt Hilfestellungen bezüglich Inclusive Design für Fachleute aus dem Designbereich und der Industrie. Zudem gibt es ein internationales Netzwerk und im Turnus von zwei Jahren Konferenzen zur Förderung des Inclusive Design durch das Zusammenbringen von Fachleuten.

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anatom5 perception marketing GbR (anatom5)

anatom5 ist eine Agentur für Marketing, Konzeption und Design mit Sitz in Düsseldorf. anatom5 bietet Analysen der Marktsituation von Unternehmen an, berät, plant und setzt Kommunikationsmaßnahmen um. Sie sind als Experten für Barrierefreie Informationstechnologie mit Schwerpunkt Barrierefreies Webdesign auf der einen Seite zur Beachtung der gesetzlichen Vorgaben (BITV) verpflichtet, auf der anderen Seite aber auch an einem generellen, universellen Ansatz interessiert.

keine Barrieren für Otto-Normal-User sein. Denn auch Barrierefreiheit muss nicht zwingend zu mehr Benutzerfreundlichkeit führen, Barrierefreiheit kann teilweise einer idealen Benutzerfreundlichkeit (Für Otto-NormalUser) abträglich sein, wie zum Beispiel durch den Verzicht auf Dropdown-Menüs via Javascript. Unser Ziel ist es Usability und Accessibility soweit wie möglich zu verbinden, um dem Ideal eines universellen Designs möglichst nah zu kommen. Denn die klassische Usability berücksichtigt nur die Menschen, die nicht in Ihren Möglichkeiten eingeschränkt sind. Insofern bedeutet Benutzerfreundlichkeit, dass nur „normalen“ Menschen mit „normalem“ Sehvermögen, „normaler“ Intelligenz und „normalen“ Körperfunktionen ein effizienter Zugriff auf Informationen und Technik möglich gemacht werden soll. Usability und Accessibilty machen Universelles Design erst gemeinsam möglich.

Herr Morsbach, was verstehen sie unter Universal Design?

Welches sind ihre Aktivitäten zur Thematik des Universal Design?

Gutes universelles Design ist immer das Ergebnis des bestmöglichen Kompromisses vor dem Hintergrund einer vollkommen heterogenen Zielgruppe, was aber auch bedeutet, dass universelles Design für den Einzelnen nicht zwingend die optimale Lösung sein muss. Diese Lücke schließen dann in der Regel zusätzlich assistive Technologien, wie zum Beispiel Spezialtastaturen im Bereich Barrierefreies Webdesign.

Beste Barrierefreiheit ist das Ziel von anatom5 perception marketing. Als Veranstalter des Best of Accessibility Symposium zum Thema barrierefreies Webdesign (http://www.best-of-accessibility.de/) ist die Agentur daher ebenso aktiv, wie als Betreiber des Online-Magazins Barrierekompass (http://www.barrierekompass.de), eines der führenden Portale zu den Themen Accessibility & Usability im deutschsprachigen Internet. Im Jahr 2004 konnten wir mit dem Barrierekompass erstmals den begehrten BIENE-Award für barrierefreies Webdesign, der von der Aktion Mensch und der Stiftung Digitale Chancen jährlich an die besten barrierefreien Websites vergeben wird, gewinnen. Im Dezember 2006 erhielt das von uns konzipierte und gestaltete Stadtportal von Straelen am Niederrhein in der Kategorie „Komplexe Informations- und Kommunikationsangebote“ die BIENE in Bronze. Darüber hinaus sind wir bereits mit einem ei-

Interview mit Jörg Morsbach, 22.01.2008, Korrespondenz per e-Mail Erläuterungen zur Firma:

Welche Zielsetzung haben sie bei ihren Universal Design Aktivitäten? Auch gutes barrierefreies Webdesign muss den oben genannten Kompromiss schaffen. Auf der einen Seite muss barrierefreies Webdesign den Vorgaben der jeweiligen Landes- und Bundesgesetze entsprechen, auf der anderen Seite dürfen aber technologische und gestalterische Einschränkung

32 Universal Design im globalen demographischen Wandel


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genen Testverfahren, dem Barriere-Check® zur Analyse von Barrieren auf Websites, und mit dem Einkaufsführer Barrierefreies Internet, einem Leitfaden zur Auswahl des richtigen Dienstleisters, in Erscheinung getreten.

oder „Contentmanagerdays“, aber auch durch unser eigenes Symposium „Best of Accessibility“ und durch unsere Mitgliedschaft im AbI-Projekt sind wir um Vernetzung und Kooperationen stets bemüht.

Wie schätzen sie die wirtschaftliche, gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz des Universal Design ein? Die demografische Entwicklung in Europa zeigt deutlich, dass die Alterung unserer Gesellschaft Gegenwart geworden ist. Trotzdem ist das Internet vielen älteren Menschen noch immer recht fremd. Dabei ist das Internet auch und gerade für betagte Menschen interessant. Der Online-Einkauf kann zur Erhaltung der Selbstständigkeit im eigenen Haushalt beitragen, das Internet ist ein kostengünstiges Informationsmedium, und es bietet die Möglichkeit, trotz körperlicher Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Mit steigender Zahl der Silversufer wird sich aber auch das Angebot im Internet stetig dieser Entwicklung anpassen und anpassen müssen. Insbesondere Versandhändler, Reiseanbieter, Banken und Versicherungen, Pharmafirmen, städtische Einrichtungen sowie Dienstleister wie Verkehrsbetriebe oder Stadtwerke werden diese wachsende und kaufkräftige Zielgruppe immer stärker berücksichtigen müssen. Zwangsläufig wird diese Entwicklung das Bild des Internets beeinflussen und Barrierefreiheit zu einem Qualitätssiegel und Wettbewerbsvorteil machen. Haben sie bereits nationale oder internationale UD Vernetzungen oder Kooperationen? Durch unseren Einkaufsführer, in dem durchschnittlich ca. 25 Agenturen aus ganz Deutschland gelistet sind, und durch regelmäßige Vorträge auf Veranstaltungen, wie „Mehrwert für Alle“, „Darmstätter Kongress“

Best of Accessibility Symposium: http://www.best-of-accessibility.de Online-Magazin Barrierekompass: http://www.barrierekompass.de grauwert Interview mit Mathias Knigge, 01.04.2008, Korrespondenz per e-Mail

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brodbeck design Interview mit Stefan Brodbeck 18.04.2008, Korrespondenz per e-Mail Erläuterungen zur Firma: brodbeck design ist ein kleines Industrie Design-Büro in München. Die Mitarbeiter sind Designer, Innenarchitekten, Ingenieure und Modellbauer. Herr Brodbeck können Sie mir etwas zu den Initiativen und Projekten bei brodbeck design bezüglich Universal Design sagen? Wir haben eine Kooperation mit dem Generation Research Program (GRP) an der Ludwig-Maximilians-Universität gegründet – usability & design - Design und Usability gehören auf dem Weg von der Idee zum Produkt eng zusammen und verlangen Austausch zu mehreren Zeitpunkten der Entwicklung. Um diese beiden Kompetenzen (Design und Usability) zu bündeln, wurde die Kooperation von brodbeck design und dem GRP (Generation Research Program) der Universität München unter der Leitung von Prof. Dr. Ernst Pöppel ins Leben gerufen. Die Verknüpfung von Universität und Designbüro eröffnet neue Perspektiven und bietet optimale Unterstützung bei der Produktentwicklung. Das GRP beschäftigt sich mit generationenübergreifender Forschung. Desweiteren übernehmen wir die Leitung eines Workshops für den Telekommunikationsanbieter ONE in Österreich. Bei diesem Workshop, konzipiert gemeinsam mit dem Büro für Transfer und dem ONE Smart Space Center unter der Leitung von brodbeck design, wurden Senioren nach ihrem Kommunikationsverhalten, ihren Bedürfnissen, Wünschen und Lebensgewohnheiten befragt, sowie ihre Kreativität, ihr Innovationspotential und ihr Wissen ausgelotet. Außerdem unterstützen wir Semesterpro-

jekte an der Freien Universität Bozen zum Thema Transgenerationen-Produkte. Was genau verstehen Sie unter Universal Design - haben sie eine Definition? Unsere Antwort sind so genannte „TransGenerationen-Produkte“, die gezielt auf die Bedürfnisse und Anforderungen älterer Menschen zugeschnitten sind, jedoch nicht danach aussehen- also altersunabhängig sind. Sie sind formschön und als solches auch für andere Zielgruppen attraktiv und erstrebenswert. Einfache und intuitive Bedienbarkeit, hoher Bedienkomfort mit einer angepassten Ergonomie, Sicherheit und Selbständigkeit fördernd in Verbindung mit einer Ästhetik, die auf unterschiedliche Geschmackswelten abgestimmt ist, sind die wichtigsten Anforderungen. Was auch zu erkennen ist, ist eine allgemeine Zunahme des ästhetischen Anspruches - dem Interesse an Design. Design hat einen hohen Stellenwert auf das Selbstwertgefühl und das Selbstverständnis aller Altersgruppen. Design repräsentiert ästhetisches Empfinden und ist Ausdruck der eigenen Werte oder Eitelkeiten – und das hört im Alter nicht auf. Im Gegenteil. Wir haben es mit einer äußerst anspruchsvollen und heterogenen Personengruppe zu tun. Deswegen ist eine gute Gestaltung so wichtig und nicht mehr weg zu denken. Können Sie ein paar repräsentative Projekte oder Aktivitäten zur Thematik des Universal Design beschreiben? 1) Steh-Sitz Arbeitsplatz – YoYo für den Büromomöbelhersteller Steelcase: Seine höhenverstellbare Funktion ermöglicht allen Generationen, insbesondere der immer älter werdenden Arbeitnehmerschaft ein gesünderes und ergonomischeres Arbeiten. Ein einfach zu bedienendes Produkt, das sich an individuelle Bedürfnisse anpasst.

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2) Trans-Generationen-Phone: Eine Designstudie für ein Trans-Generationen-Telefon, die wir vor 2 Jahren gemeinsam mit dem GRP durchgeführt haben. Sie zeigt auf, wie für physische Probleme (z.B. Sehschwäche) ganz andere Lösungen geschaffen werden können. Lösungen, die funktional sowie optisch überzeugen. Sie zeigt, wie sich ein Produkt an individuelle Bedürfnisse und Interessen anpassen kann – z. B die einer ganzen Familie. 3) Barrierefreie Bad-Griffserie für den Badhersteller Lehnen edel:stahl GmbH: Hierbei handelt es sich um eine ästhetische Griffserie, die wir für barrierefreie Bäder entwickelt haben. Normgerecht! Eine Griffserie, die mehrfach Designpreise gewonnen hat, unter anderem den if Gold Award. Die Griffe geben formschön und funktional ein hohes Maß an Sicherheit und Bequemlichkeit im Bad für Menschen jeden Alters. z.B. die gläserne Ablage mit dem darunter liegenden Griff. Der leicht nach unten geneigte Griff ist von vielen Waschpositionen aus gut erreichbar und ermöglicht ein sicheres und bequemes Hantieren im Bad. Am Griff lassen sich aber auch Halter für Accessoires oder Handtücher einhängen. Die Ästhetik steht im Vordergrund. Ein 30Jähriger kann sich somit sein Bad genauso wie ein 60Jähriger mit diesem Produkt ausstatten. Die Funktionalität passt sich an die Bedürfnisse beider Altersgruppen an. Hinter ästhetischem Design kann die gleiche hohe Funktionalität stehen wie bei rein klinisch ausgerichteten Produkten. 4) WC-Sitz Malong für den Sanitärhersteller Haro Sanitary: Auch hier stehen Emotionalität und Ästhetik im Vordergrund. Durch seine Wölbung und Kontur sowie die V-förmige „Nut“ zwischen Deckel und Brille erhält der WC-Sitz eine asiatische Anmutung. Durch diese Kante kann der Nutzer den Deckel, ganz einfach nach oben klappen. Besser noch: zum Zuklappen muss er den WC-Deckel, ein Produkt, das man eigentlich nicht gerne anfasst, einfach nur antippen. Die

Abb. 5: Schreibtisch Kalidro

integrierte Soft-Close-Mechanik lässt den

Abb. 6: Detail von Kalidro

Abb. 7: Trans- Generation Phone

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Sitz ganz langsam wieder nach unten wandern – ohne dass man sich bücken muss. Die Formgebung gewährleistet zudem ein sehr einfaches Reinigen des Sitzes. Kleine Features, die den Sitz für uns eindeutig zum Trans-Generationen-Produkt machen. Auch für diesen Sitz haben wir mehrfach Designpreise erhalten. 5) Schreibtisch Kalidro für den Büromöbelhersteller Steelcase: Kleine durchdachte und funktionale Details zeichnen diesen Tisch aus, ohne dass sie das Produkt komplexer machen oder es verteuern. Der Tisch lässt sich besonders bequem höhenverstellen, verkabeln und mit weiteren Adaptionen ausstatten. Im Vordergrund stand keineswegs ein bestimmtes Alter der Nutzer, sondern Funktionalität, Bedienkomfort, Reduktion auf das Wesentliche, Wirtschaftlichkeit und natürlich Ästhetik. Attribute, die allen Generationen entgegenkommen. 6) Life Time Handy für den Telekommunikationshersteller DFG: Die Zielgruppe unseres Kunden für dieses Produkt sind die über 70jährigen. Bei der Gestaltung ist allerdings nie das Alter, sondern es sind immer die Interessen im Fokus. Wichtig ist die Reduktion auf das Wesentliche, wie die Tasten und die Menüführung. Die Bedienung ist einfach und es hat eine gute Lesbarkeit, z.B. die Haptik der Tasten, die Schriftart, Größe Kontrast der Ziffern. Es ist außerdem anpassungsfähig an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer, und zudem in seine Materialität und Formgebung hochwertig und edel. Wie schätzen sie die wirtschaftliche, gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz von Universal Design ein? Marktstrategisch bietet das Universal Design eine große unternehmerische Chance! Die Generation Plus ist und wird die relevante Zielgruppe in den nächsten 5-20 Jahren. Deshalb ist es gerade jetzt für die Wirtschaft von außerordentlicher Wichtigkeit, auf die

Interessen gezielt einzugehen. Die stigmatisierende Vorstellung des „krank seins“ und des „unbeweglichen Alters“ in Bezug auf die Generation Plus muss aus den Köpfen verschwinden, da sie nicht mehr zutreffend ist. Die Zukunft liegt in einer Produktstrategie, ausgerichtet auf formschöne Produkte, mit einer angepassten Funktionalität, auch gerade durch den Einsatz modernster Technologien, die abgestimmt sind auf die Bedürfnisse der Generation Plus - denn sie werden durch ihre wachsende wirtschaftliche Macht der Maßstab werden. Mit einer solchen Produktstrategie wird eine Glaubwürdigkeit erzielt, die den kritischen, erfahrenen Konsumenten in Bezug auf Produkt und Servicenutzen überzeugt. Haben sie nationale oder internationale UD Vernetzungen oder Kooperationen? Das Generation Research Program (GRP) mit Sitz in Bad Tölz, ein Projekt der Ludwig Maximilian Universität München, verfolgt den Ansatz, wissenschaftliche, technologische und ökonomische Ressourcen zu verbinden. Forschung und Entwicklung, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, werden somit vorangetrieben. Das GRP testet Produkte auf Stärken und Schwächen unter dem Aspekt von wissenschaftlichen Hintergründen. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Realisierung von Produkten mit ein. Diese Kooperation garantiert eine zielgerichtete Entwicklung rund um das Thema usability & design für die Zielgruppe der Generation Plus. ConceptCabinet - ist ein strategisches und ganzheitliches Beratungs- und Umsetzungsunternehmen für Generationen Marketing mit Kernkompetenz auf die Zielgruppe der älteren Generationen. Der Ansatz der Strategieentwicklungen ist das Integrationsmarketing, Entwicklung von Generationen übergreifenden Konzepten zur Erfassung mehrerer Altersgruppen.

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Abb. 8: Bad-Griffserie f端r Lehnen edel:stahl GmbH

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nieren, sondern für eine breite Masse interessant sind. Erläuterungen zur Firma: grauwert ist ein kleines Gestaltungsbüro mit Sitz in Hamburg, das seine Kunden neben der Produktgestaltung hinsichtlich der Frage, welche Bereiche ihres Unternehmens „demographiefest“ gemacht werden müssen, berät. Herr Knigge können Sie mir etwas zu den Initiativen bei grauwert bezüglich Universal Design erzählen und weshalb sie sich auf dieses Thema spezialisiert haben? grauwert entwickelt demografiefeste Produkte, die sich auch von älteren Menschen gut nutzen lassen. Deshalb beraten wir Unternehmen ganz im Sinne des Universal Designs. Uns geht es darum, die Bedürfnisse des Alters zu berücksichtigen. Unser Ziel sind keine Spezialprodukte, sondern Lösungen, die für alle interessant sind. Zu unseren Leistungen gehören neben der Beratung Produkttests mit älteren Nutzern und die Gestaltung von demografiefesten Produkten. Das Büro grauwert wurde von mir nach meiner Tätigkeit im Forschungsprojekt sentha (Universität der Künste Berlin) gegründet. Es ging damals darum, die Erkenntnisse aus dem Bereich Produktentwicklung demografiefester Lösungen für interessierte Unternehmen zugänglich zu machen und die entwickelten Visionen in die Praxis umzusetzen. Was genau verstehen Sie unter Universal Design, haben sie eine Definition? Universal Design ist der Versuch die potentielle Nutzergruppe zu vergrößern und dabei zusätzlichen Komfort und Sicherheit zu schaffen. Immer mit dem Anspruch Alltagsprodukte zu schaffen, die sich nicht nur über die Kompensation von Defiziten defi-

Können Sie ein paar repräsentative Projekte oder Aktivitäten zur Thematik des Universal Design beschreiben? Wir überprüfen für einen Hersteller motorisierte Gartengeräte, damit bei Folgeprodukten Wünsche und Bedürfnisse älterer Menschen besser berücksichtigt werden. Die in dem Entwicklungsprozess von uns integrierten älteren Menschen dienen sozusagen als Seismografen, sie sind viel aufmerksamer für Unstimmigkeiten und Verbesserungen. Andere Projekte beschäftigen sich mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf den öffentlichen Raum: Wir haben für den Nauener Platz in Berlin die generationenübergreifenden Fitnessgeräte “Giro Vitale” entwickelt und die Kunsthalle Emden beraten, damit sich älter Besucher dort in Zukunft besonders wohl fühlen. Das Konzept Küche_plus bietet ein Plus an Funktionen. Die neue Küchenserie von grauwert vereint reduzierte Gestaltung und innovative Zusatzfunktionen: klassische Handgriffe in der Küche werden so erleichtert. Der Stand-Gemüseschäler ist auch mit einer Hand gut zu bedienen. Die neuartige, leicht gewölbte Klinge ermöglicht einen breiten und gleichmäßigen Schnitt. Während das zu schälende Gemüse über die Klinge der Keramikschale gezogen wird, fallen die Schalen in den flachen Behälter und können später gesammelt entsorgt werden. Schmale Rillen verhindern ein Verkleben der Gemüseschalen mit der glatten Oberfläche. Auf der Unterseite der Keramikschale verläuft eine Silikon-Nut, die ein Verrutschen auf der Arbeitsfläche verhindert. Wie schätzen Sie die wirtschaftliche, gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz von Universal Design ein? Wirtschaftlich stehen wir erst am Anfang einer Entwicklung mit einem großem Po-

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tential. Gesellschaftlich ist diese zwingend notwendig, damit wir mit den Folgen des demografischen Wandels umgehen können. Wissenschaftlich halte ich Universal Design für einen elementaren Ansatz, der sich aber besser durch die Umsetzung in der Praxis, als im theoretischen Diskurs bewähren kann. Haben sie nationale oder internationale UD Vernetzungen oder Kooperationen? w National und international bin ich mit Forschern und Gestaltern vernetzt, die wir gegebenenfalls auch in Projekte einbinden. Desweiteren bin ich Mitglied beim Include Network am Royal College of Arts.

Abb. 9: Nutzertest in der Kunsthalle in Emden Foto: M. Schildmann, Leer

Gibt es bei grauwert bezüglich Universal Design bereits konkrete Pläne oder Wünsche für die Zukunft? Wir hoffen, dass sich Universal Design als ein fester Aspekt bei der Produktentwicklung etabliert, so häufiger berücksichtigt und dementsprechend wertgeschätzt wird. Wir leisten immer noch sehr viel Basisarbeit, um für das Thema zu begeistern und Vorbehalte auszuräumen. Auch ein Grund, warum wir die Vorteile des Ansatzes bei unseren Vorträgen auf Kongressen und Messen sehr aktiv kommunizieren.

Abb. 10: Gemüseschäler Foto: A.Franke, Hamburg

Abb. 11: Produkttest Foto: M. Knigge, Hamburg

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Erläuterungen zur Firma: „Die Hitachi Ltd. Corporation ist ein weltweit agierender Elektronikkonzern mit Sitz in Tokio (Japan). Gegründet 1910 als Werkstatt für Elektrotechnik, entwickelte sich das Unternehmen schnell zu einer Produktionsstätte weiter, noch im selben Jahr wurden erste Elektromotoren in Serie gefertigt. In den Folgejahren kamen weitere Produkte hinzu, u.a. Industrieanlagen, Haushaltsgeräte und Kommunikationssysteme, später auch Unterhaltungselektronik und Informationselektronik sowie Software. Hitachi ist ein großer Mischkonzern, der von Großindustrieprodukten, wie Turbinengeneratoren über Baumaschinen, Haushaltsgeräte wie Klimaanlage bis Unterhaltungselektronik vertreten ist. Seit 1920 ist Hitachi auch im Bau von Schienenfahrzeugen und Eisenbahnsystemen tätig. In Deutschland ist Hitachi unter anderem mit dem Anlagenbauer Hitachi Power Europe GmbH vertreten. Das Unternehmen ist aus der Konkursmasse von Babcock Borsig hervorgegangen. Heute zählt Hitachi zu den 50 größten Unternehmen der Welt (Rang 38, Stand 24. Juli 2006).“ Auszug aus der freien Online Enzyklopädie Wikipedia, 27.03.2008 http://de.wikipedia.org/wiki/Hitachi_(Unternehmen) Können Sie mir etwas über die Initiativen von Hitachi bezüglich Universal Design erzählen? Universal Design bedeutet für uns das Unzugängliche zugänglich zu machen und eine größere Produkt-Palette und mehr Services anzubieten. Besonders wichtig ist uns dabei, dass am Ende trotzdem attraktive Produkte entstehen. Wir möchten dem Themenfeld mit Aufrichtigkeit begegnen und Universal Design auch in das Niedrigpreissegment einfließen lassen.

Wie definieren Sie bei Hitachi Universal Design? Universal Design bedeutet für uns die Menschen durch Technologie zu unterstützen. Haben Sie Beispiele für Produkte, die Sie unter Universal Design-Gesichtspunkten entwickelt haben? Ja. Dieses Projekt haben wir auch auf der IAUD Konferenz in Kyoto 2006 vorgestellt. Es ist ein Touchpanel für Aufzüge. Wir haben es unter Berücksichtigung des Zusammenlebens Sehbehinderter und Menschen ohne Sehbehinderung entwickelt. Der Gedanke Sehbehinderte mit akustischen Informationen zu unterstützen wurde ja bereits vielfach realisiert. Jedoch sehen wir es als Problem an, dass so auch, wenn meist nur Menschen ohne Sehbehinderung transportiert werden, ständig akustische Informationen gesendet werden, die teilweise als störend wahrgenommen werden. Deshalb war unsere Idee ein Touchpanel zu entwickeln, das erkennt, wenn ein Sehbehinderter Hilfe benötigt. Das Panel erkennt über Sensoren, wenn jemand das Bedienelement ertastet, wodurch das akustische System aktiviert wird. Falls andere den Knopf gedrückt haben, hat der Sehbehinderte dann die Möglichkeit sich die entsprechende Unterstützung von den Anwesenden zu erbitten. Was ist das Ziel der Initiativen von Hitachi bezüglich Universal Design? Wir haben uns als Ziel gesetzt Universal Design auf den gesamten Produktlebenszyklus anzuwenden. Das bedeutet also auch den Herstellungszyklus und das mögliche Recycling unter Universal Design Gesichtspunkten zu optimieren. Wie schätzen Sie die ökonomische, soziale

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und wissenschaftliche Bedeutung von Universal Design ein? Bezogen auf die ökonomische Bedeutung gehen wir davon aus, dass das Interesse an UD ebenso wie der Bedarf noch zunehmen wird. Der soziale Aspekt ist für Wirtschaftsunternehmen generell ein etwas schwieriger Ansatzpunkt, aber Universal Design bedeutet für uns ja die Menschen durch Technologie zu unterstützen. Wir verstehen Universal Design nicht als Wissenschaft, sondern es bedeutet für uns durch Nutzer-Beobachtung dazuzulernen. Haben sie ein nationales oder internationales Netzwerk bezüglich Universal Design? Unser Netzwerk bilden in erster Linie die Firmen innerhalb der Hitachi Gruppe. Einmal im Monat findet ein Treffen mit Diskussionen zum Thema statt. Darüber hinaus sind wir Mitglied der IAUD und pflegen dadurch den Kontakt nach außen. Können Sie beschreiben, in welcher Form Universal Design bei Hitachi in den Entwicklungsprozess integriert ist? Unser User Centered Design Team setzt sich aus dem Universal Design Team und dem Usability Design Team zusammen und ist für die Größe unseres Unternehmens mit 12 Personen relativ klein. Dazu sind die Mitarbeiter teilweise halb im Universal Design Team tätig und halb in der Produktentwicklung. Allerdings haben wir etwa 50 Personen aus dem Unternehmen akquiriert, die einbis zweimal im Monat an etwa 30 Grundschulen im Tokioter Großraum Präsentationen und Workshops zum Thema Universal Design abhalten.

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KOKUYO Co., Ltd. (Kokuyo) Interview mit Akihiro Taketsuna 21.02.08, 13 Uhr, KOKUYO Office in Tokio Erläuterungen zur Firma: Die 1905 gegründete KOKUYO Co.,Ltd. mit Hauptsitz in Osaka begann ihren Markteinstieg mit der Produktion von Buchhaltungsregistern. Inzwischen erstreckt sich das Produktportfolio von diversen Büro- und Schreibwarenartikeln über Computerzubehör und Büromöbel bis hin zu ganzen Raumsystemen. Der Interviewpartner Herr Taketsuna ist mit der Förderung von Universal Design innerhalb und außerhalb der KOKUYO Co.,Ltd. beauftragt. Herr Taketsuna gibt es bei KOKUYO Initiativen bezüglich Universal Design? Ja, bereits seit 1998 ist Universal Design bei Kokuyo ein wichtiger Aspekt für die Produktgestaltung. 1999 kamen bereits die ersten Universal Design Produkte auf den Markt. Wir schreiben seit 2002 jedes Jahr den Kokuyo Universal Design Award aus und alle unsere Produkte, die den Universal Design Kriterien entsprechen, werden mit einem speziellen Logo versehen. Mittlerweile haben wir etwa 800 Produkte in unserem Portfolio, die dieses Logo tragen. In unserem Showroom in Tokio haben wir eine ständige Ausstellung über Universal Design bei KOKUYO, die regelmäßig von Schulklassen besucht wird. So wollen wir beim Kunden ein Bewusstsein für das Thema schaffen. Wie definieren Sie für sich Universal Design? UD bedeutet für mich das Schaffen von neuen Werten und Innovationen im Design. Können Sie beschreiben, in welcher Form

Universal Design bei KOKUYO in den Entwicklungsprozess integriert ist? Wir verstehen Universal Design nicht als generationsübergreifende Gestaltung von Produkten sondern differenzieren klar drei Altersgruppen. Junge Nutzer - also Kinder, Erwachsene und ältere Nutzer. Dazu haben wir einige Kriterien festgelegt, die unsere Universal Design-Produkte erfüllen müssen. Sie sollen einfach und verständlich in der Handhabung sein, qualitativ hochwertig erscheinen, unseren Sicherheitskriterien entsprechen, einen niedrigen Energieaufwand erfordern, ökologisch intelligent gestaltet und natürlich auch unter ökonomischen Gesichtspunkten rentabel sein Welche Rolle übernehmen Sie bei der Umsetzung des Universal Designs innerhalb des Unternehmens? Als UD Beauftragter bei KOKUYO habe ich die Funktion eines Beraters, ich unterstütze die Designer beim Entwicklungsprozess, schule Mitarbeiter und organisiere beispielsweise Nutzertests und Umfragen. Wie schätzen Sie die ökonomische, soziale und wissenschaftliche Bedeutung von Universal Design ein? Eine kürzlich vorgenommene Umfrage hat ergeben, dass 93% von 2000 befragten Personen unterschiedlichen Alters von Schwierigkeiten bei der Benutzung von Alltagsprodukten berichteten. Vor diesem Hintergrund halte ich Universal Design für ein überaus wichtiges Thema bei der Gestaltung von industriell gefertigten Produkten. Heute sind bereits 10% aller ortsgebundenen Produkte nach Universal Design Kriterien gestaltet. Meiner Einschätzung nach wird dieser Trend noch zunehmen. Haben sie ein nationales oder internationa-

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les Netzwerk bezüglich Universal Design? Wir halten Vorträge an Universitäten und versuchen Lehrer zu motivieren mit Ihren Schulklassen unsere Ausstellung zu besuchen. Haben Sie bezüglich Universal Design bereits Pläne für die Zukunft? Das Ziel ist sich zunehmend an der Ausbildung zu beteiligen. Angedacht sind beispielsweise Führungen durch die Ausstellung in größerem Umfang als bisher. Ein Aspekt, den das Universal Design nach unserer Auffassung beinhaltet, ist für uns zudem in Zukunft besonders im Fokus - das Eco Design.

Abb. Ausstellung einfügen?

Toshiba Corporation (Toshiba) Abb. 12: KOKUYO UD Ausstellung, Tokio Universal Design im globalen demographischen Wandel 43


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Interview mit Dr. Masayoshi Watanabe 21.02.08, 09.00 Uhr, Ministry of Economy Trade and Industry, Tokio Dr. Watanabe, Sie haben auf der IAUD Conference 2006 in Kyoto einen interessanten Vortrag zum Thema Universal Design gehalten. Können sie dazu etwas erzählen? Ich habe damals an der Iwate University zum Theam Universl Design geforscht. Mein Vortrag thematisierte das Management von Universal Design und die Hinderungsgründe für die Umsetzung. Können sie mir die Hinderungsgründe für die Umsetzung erläutern? Das eigentliche Problem ist, dass uns nicht bekannt ist, weshalb die Umsetzung so kompliziert ist. Wie unsere Studie zeigte, verstehen die meisten japanischen Firmen die Dringlichkeit des Themas und 70% der Befragten bestanden auf den Vorteilen des UD. Die meisten der befragten kleinen und mittelständischen Unternehmen bemühten sich sehr ihre Produkte anhand von systematischer Nutzertests zu optimieren, hatten aber trotzdem keinen Erfolg auf dem Markt - sie scheiterten bei der Umsetzung. Als Gründe dafür wurde ein fehlendes Verständnis angegeben, wie UD auf Produkte angewendet wird, das Fehlen an Referenzmaterialien, den nötigen Technologien und firmeninterne Strukturprobleme angegeben. Die Schwierigkeiten bei der Umsetzung waren vor allem die Definition des eigentlichen Problems, der Mangel einer Strategie und die Schwierigkeit den richtigen Weg für Verbesserungen auszumachen Meiner Meinung nach ist es notwendig eine Prozessbewertung organisatorischer Abläufe bezüglich UD einzuführen und diese öffentlich zu kommunizieren, damit jeder sein jeweiliges Problem erkennen und bewältigen kann. Wir benötigen eine Definition

der organisatorischen Struktur, die für die Umsetzung des UD nötig ist. Wie definieren Sie für sich Universal Design? Entsprechend der sieben Prinzipien von Ronald Mace. Wie schätzen Sie die ökonomische, soziale und wissenschaftliche Bedeutung von Universal Design ein? Ich halte Universal Design für einen entscheidenden Wirtschaftsfaktor, der bei richtiger Umsetzung einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg des jeweiligen Unternehmens am Markt haben kann. Was war das Ziel Ihrer Arbeit zum Thema Universal Design? Ich habe einen Vorschlag für ein Gesetz erarbeitet, dass die Anschaffung von UD Produkten in staatlichen Einrichtungen vorschreiben sollte. Leider stieß dies vor allem auf Seiten des Finanzministeriums auf vehemente Ablehnung, da dies voraussichtlich mit erheblichen Mehrkosten verbunden sein würde. Haben sie ein nationales oder internationales Netzwerk bezüglich Universal Design? Ja, ich habe in der Zeit, in der ich mich damit beschäftigt habe, viele interessante Personen kennen gelernt, mit denen ich noch Kontakte Pflege.

Haben Sie bezüglich Universal Design bereits Pläne für die Zukunft? Nein, ich bin jetzt in einer völlig anderen

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Abteilung tätig und habe daher leider keine Berührungspunkte mehr zu dem Thema.

Der „Good Design Award“ ist Japans einziges übergreifendes Design Auszeichnungssystem. Es hat seine Wurzeln in dem „Good Design Selection System“ (im allgemeinen bekannt als „G-Mark System“) das vom Ministry of International Trade and Industry in Japan 1957 eingeführt wurde.

Abb. 13: G-Mark - Logo des Good Design Awards www.g-mark.org

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Samsung Electronics Co., Ltd. (Samsung) Interview mit O-Jae Kwon, Hyun-Joo Song, In-Sil Han, Kyoung-Woon Hahm und Myung-Hyun Yoo. 18.02.2008, Samsung UI Research Lab in Seoul

des Unternehmens: Samsung-Lebensversicherungen, Samsung-Schwerindustrie, Samsung-Chemie und in Kooperation mit Renault: Samsung Renault Automobile. Nicht zu vergessen ist die Samsung-Werft in Südkorea. Auszug aus der freien Online Enzyklopädie Wikipedia, 04.04.2008

Erläuterungen zur Firma: Samsung ist der größte südkoreanische Mischkonzern (Jaebeol). In der SamsungGruppe sind mehr als 250.000 Menschen beschäftigt und sie gehört zu den weltweit größten Unternehmen gemessen am Umsatz und an der Marktstärke. Samsung zahlt in Südkorea 5 Milliarden Euro Steuern, was 8 Prozent der Staatseinnahmen entspricht, und bestreitet ein Fünftel der südkoreanischen Exporte. Der Name Samsung bedeutet im Koreanischen „3 Sterne“ und repräsentiert die drei Söhne des Firmengründers Lee Byung-chull. Das Unternehmen wurde 1938 in Daegu als Lebensmittelladen gegründet. Nach dem Koreakrieg stieg die Firma in die Baubranche und die Nahrungsmittelverarbeitung ein. Sie errichtete die erste Weizenmühle und Zuckerraffinerie in industriellem Maßstab in Südkorea. Daraus ist heute der größte Nahrungsmittelhersteller Südkoreas geworden. Mit der 1969 gegründeten Tochter Samsung Electronics nahm Samsung die Fertigung elektrotechnischer Artikel in Angriff, wobei man sich frühzeitig auf Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte konzentrierte. In den 1980er Jahren war Samsung Electronics zeitweise der weltgrößte Hersteller von tragbaren Fernsehgeräten. Nach der Asienkrise in den 1990er Jahren musste Samsung sich wie alle Jaebeol aus zahlreichen Geschäftsfeldern zurückziehen, ergo verkaufte man viele Tochterunternehmen, um die Kapitalbasis zu stärken. Gleichzeitig erfolgte die Konzentration auf einige Kerngebiete. Seitdem ist Samsung Electronics der wichtigste Zweig des Konglomerats. In Europa weniger bekannt sind die anderen Zweige

Mr. Kwon können Sie mir etwas über die Initiativen von Samsung bezüglich Universal Design (UD) erzählen? Wir betiteln unsere Projekte generell nicht mit UD. Dass bedeutet aber nicht, dass wir UD ausschließen, sondern je nach den Anforderungen des Projekts entscheiden wir, ob es angewendet wird oder nicht. Wir haben Leute bezüglich UD ausgebildet, daher ist es immer Bestandteil der gestalterischen Überlegungen. Wie definieren Sie bei Samsung UD? Es gibt ein vertrauliches Handbuch für interne Zwecke, anhand dessen UD klar definiert und mit Beispielen vermittelt wird. Im Gegensatz zu den sieben Leitsätzen des Universal Designs haben wir nur fünf Leitsätze. Die Inhalte sind ähnlich, aber sie unterscheiden sich im Detail voneinander. Da wir eine Firma sind, die Massenprodukte herstellt, beinhalten unsere Leitlinien produktorientierte Inhalte. Eine kundenspezifische Einstellung muss für Samsung und auch in der Herstellung funktionieren. Aber die tatsächlichen, detaillierten Kriterien können nicht statisch sein, sie müssen entsprechend der Entwicklung der Firma verändert werden, sozusagen auf die jeweilige Situation maßgeschneidert werden. Das heißt, die Leitsätze sind für die Arbeit von äußerster Bedeutung, aber sie sind jeweils einmalige Definitionen, die ständig aktualisiert und überprüft werden müssen. Sie dürfen auch auf keinen Fall als Garantie für den Erfolg betrachtet werden.

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Wir verwenden übrigens eine eigene Terminologie, Universal UI oder Universal User Interface. Was macht für Sie den Unterschied zwischen UI und UD aus? Universal Design ist nach unserem Verständnis besonders für ältere und körperlich eingeschränkte Personen, bei UI sind sie mehr oder weniger ausgeschlossen, Schwerpunkt ist mehr die Nutzerfreundlichkeit. Kurz, UD ist für uns emotional und UI ist funktional, deshalb ist Samsung an UI orientiert. UI bedeutet wichtige Informationen so einfach wie möglich über Sehen, Hören und Fühlen zu vermitteln. Haben Sie Beispiel für Produkte, die Sie unter Universal Design Gesichtspunkten entwickelt haben? Ja, es gibt einige Produkte, die wir hauptsächlich unter UD Gesichtspunkten entwickelt haben. Mit Auszeichnungen renommierter Design-Wettbewerbe wurden wir darin bestätigt, dass dies eine richtige Entscheidung war. Ein Beispiel ist „Samsung black TV remote control“, es ist mit Braille Schrift ausgestattet, die Höhenunterschiede der Tasten und die gesamten Maße sind ergonomisch und gewährleisten eine besonders gute Griffigkeit. Zunächst mag die Fernbedienung kompliziert erscheinen, da sie für einen großen Nutzerkreis entwickelt wurde. Bei genauerer Betrachtung wird aber deutlich, dass sie viel UD beinhaltet. Auf Grund von Studien, die belegen, dass ältere Menschen Farben anders wahrnehmen, wurde die Farbgebung hinsichtlich dieser Sehschwächen optimiert. Also die Frage, welche Farbe an welcher Stelle am besten wahrgenommen wird, ob alles farbig sein sollte oder nur bestimmte Teile.

Ein weiteres Beispiel ist ein Kühlschrank, der einfach zu öffnen ist. Die Ergonomie spielt für die Entwicklung des Kühlschranks eine entscheidende Rolle - eine einfach zu handhabende Innenausstattung mit optimalen Winkeln, Öffnungen und Größenverhältnissen. Dazu musste eine einfache Reinigung gewährleistet sein. Und als drittes Beispiel möchte ich eine Waschmaschine anführen, sie ist die einzige in Südkorea hergestellte Waschmaschine, die in zwei Trommeln unterteilt ist. Auch dafür wurden im Vorfeld viele Studien zur ergonomischen Handhabung angefertigt. Generell lässt sich für die „digital appliance“ und „digital media products“ sagen, dass wir uns bei der Entwicklung dieser Produktgruppen besonders intensiv mit UD beschäftigen, auch wenn es bei Betrachtung der Produkte nicht offensichtlich zum Vorschein kommt. Was ist das Ziel der Initiativen von Samsung bezüglich Universal Design? Samsung ist ein profitorientiertes Unternehmen, das darauf zusteuert eine der erstklassigen global agierenden Firmen zu werden. Noch hat es weltweit gesehen nicht die entsprechenden Marktanteile, aber wir befinden uns auf dem richtigen Weg dorthin. Für dieses Ziel ist es von äußerster Bedeutung in Zukunft Produkte für möglichst alle Nutzergruppen herzustellen. Wir arbeiten an der Ausweitung der Nutzergruppen, da mit zunehmendem Absatz in der Regel auch das Ansehen und der Profit des Unternehmens steigen. In Japan gibt es bereits ein, zwei positive Beispiele von Firmen, die erfolgreich auch Produkte für die schwierigeren Nutzerkreise, mit besonderen Bedürfnissen, anbieten. Wie schätzen Sie generell die ökonomische, soziale und wissenschaftliche Bedeutung von Universal Design ein?

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Es gibt zwei wesentliche Argumente für UD: Erstens wird das Image einer Marke beeinflusst, indem man die Auseinandersetzung mit UD publiziert. Und zweitens, auch wenn industriell gefertigte Produkte nur innerhalb eines gewissen Rahmens dem UD Gedanken entsprechen können, fördert eine Orientierung daran Entwicklungen, die in die richtige Richtung gehen. Die ökonomische Bedeutung von UD liegt darin, dass ein neuer Wert erzeugt wird, der Impulse für Firmen liefern kann ihre Produktpalette zu erweitern. Der soziale Aspekt des UD ist, dass in der Gesellschaft wieder mehr auf andere geachtet wird, man sich miteinander auseinander setzt. Man kann UD auch als einen Versuch verstehen, die Welt wieder schöner zu gestalten. Bezogen auf das wissenschaftliche Arbeiten fördert UD die Auseinandersetzung mit anderen Disziplinen. Psychologische und medizinische Themenstellungen bekommen eine größere Bedeutung. Um UD umsetzen zu können, muss man die Menschen kennen, es müssen Studien anfertigt werden. Natürlich kann man sich auch emotional mit dem Thema beschäftigen, aber um Produkte herzustellen, braucht man präzise Angaben. Wenn man sich UD ohne wissenschaftliche Betrachtungen nähert, wird man scheitern. Beispielsweise bei der Gestaltung von Produkten für Menschen mit Sehbehinderungen kann man nicht von den eigenen Erfahrungen ausgehen. Man braucht das exakte Wissen über die Schwierigkeiten und die Art der Wahrnehmung der Nutzer, also auch Probanden mit unterschiedlichsten Problemstellungen. Wenn man beispielsweise nicht eine Sekunde braucht um etwas wahrzunehmen, sondern drei bis vier, dann wird Stress für die Sinne erzeugt. Man muss also die „biologische Struktur“ des menschlichen Körpers verstehen und die Produkte dementsprechend gestalten.

Haben sie ein nationales oder internationales Netzwerk bezüglich Universal Design? Nein, wir haben kein offizielles Netzwerk und auch keine offiziellen Beauftragten für Konferenzen oder Seminare, aber da sich einige unserer Mitarbeiter seit langer Zeit mit dem Thema auseinander setzen, haben sie diesbezüglich persönliche Kontakte, viele davon in Japan. Wir hatten bis vor kurzem monatlich etwa ein inoffizielles Seminar zum Thema mit allen internen UDInteressierten. Können Sie beschreiben, in welcher Form Universal Design bei Samsung in den Entwicklungsprozess eingebunden ist? Wir können Ihnen die Unterlagen nicht aushändigen, da sie streng vertraulich sind, aber zur Kenntnisnahme können wir ihnen dies hier zeigen: Es sind die Ausbildungsunterlagen. Hier wird die Organisation des Universal UI Bewertungssystems vorgestellt. Unser Ziel für 2006 war das Formular zu optimieren, was uns unserer Meinung nach auch gelungen ist. Wir sind jetzt zufriedener mit dem Verfahren. Haben Sie bezüglich Universal Design Pläne oder Wünsche für die Zukunft? Das Ziel ist die Nutzergruppe auszuweiten und dadurch den Profit zu erhöhen. Nicht nur gesunde, leistungsfähige Nutzer anzusprechen, sondern auch Nutzer, die mit einer gewissen „Unterstützung“ selbständig die Produkte nutzen können. Das würde unseren Marktanteil wesentlich erhöhen. Vermutlich können wir dieses Ziel erst in einigen Jahren erreichen, aber es würde eine starke Basis für das Ziel bilden, dass Samsung eine der erstklassigen, global agierenden Firmen wird. Dies ist die Aufgabe des UI Research Teams.

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Universal Design in Samsungs Entwicklungsprozesse einzubinden wird nicht allein durch die Ausbildung der Mitarbeiter funktionieren. Wir müssen Einfluss üben und intern bei Samsung eine Kultur für UD schaffen. Das wird meiner Einschätzung nach fünf bis zehn Jahre dauern. Es könnte auch 100 Jahre dauern diese Kultur zu schaffen, aber Samsung bemüht sich sehr, den Prozess innerhalb von fünf bis zehn Jahre zu vollziehen.

gerade im Prozess eines wirtschaftlichen Aufschwungs befindet, wird sich diesbezüglich aber sicher einiges tun. Das wird uns wiederum den nötigen Spielraum geben UD voran zu treiben. In den letzten drei bis fünf Jahren hat Samsung eine enorme wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht. Bisher haben wir uns zwar sehr bemüht, aber UD stand definitiv nicht im Mittelpunkt der Entscheidungen. Zukünftig wird es hoffentlich mehr in den Mittelpunkt rücken.

Weshalb glauben Sie wird der Prozess fünf bis zehn Jahre dauern - was meinen Sie, übt Einfluss auf die Zeitspanne aus, müssen die Entscheider zunächst ein Verständnis entwickeln, oder glauben sie, dass es erst in fünf bis zehn Jahren möglich ist den erwünschten Profit durch UD einzubringen?

UI hat bereits zu 80-90 % Bedeutung für die Gestaltung der Produkte, UD hingegen wird erst noch mehr Bedeutung erlangen, da die funktionalen und technologischen Aspekte noch nicht perfekt, noch nicht abgeschlossen sind. Unsere Hauptaufgabe ist die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern, das beinhaltet zumindest einen kleinen Teil des UD Gedankens.

Die Firmenstrukturen in Südkorea sind gerade dabei sich zu verändern. Die Manager gewinnen zunehmend an Macht. Die erwähnte Kultur entsteht unserer Meinung nach durch die Verflechtung der Meinungen vom Management und den „einfachen Arbeitern“. Zunächst müssen alle die Bedeutung des Themas erkennen. In einem Land wie Südkorea, das noch nicht so weit entwickelt ist, hat man leider nicht die Möglichkeit, ein Management zu betreiben, ohne Produkte zu verkaufen. Glauben Sie, dass die Nachfrage nach UD Produkten steigen wird, wenn es in den Medien verstärkt thematisiert wird? Ja das ist ja ein natürlicher Prozess, aber auch hier wird der Prozess in den entwickelten Ländern schneller vonstatten gehen, als in den Entwicklungsländern. Der Wohlstand gibt den Nutzern die Möglichkeit zu wählen. Beispielsweise für wirklich arme Menschen in Afrika ist UD sicherlich nicht von Bedeutung, denn erst nachdem die Grundbedürfnisse befriedigt sind, hält man Ausschau nach Komfort. Da sich Südkorea

Was glauben Sie kann helfen die Entwicklung zu beschleunigen? Für die Entwicklung steht die Ausbildung sicherlich an erster Stelle und dann folgt die Visualisierung und Vermittlung über Medien. Aber auch die Überzeugung des Managements von der Sache ist absolut essentiell. Die Publizierung positiver Beispiele kann diese Entwicklung maßgeblich fördern. Wir sind zuversichtlich, dass sich durch zunehmende Beispiele positiver, erfolgreicher UD Produkte nach und nach auf natürliche Weise eine Kultur entwickeln wird.

www.samsung.de

Universal Design im globalen demographischen Wandel 49


Evaluierung

Seoul National University of Technology (SNUT) Interview Partner: Prof. Young-Jun Ko 17.12.2007, e-Mail Korrespondenz Erläuterungen zur Universität: Die Seoul National University of Technology („SNUT“) ist eine der neueren südkoreanischen Universitäten. Sie ist aus einer weiterbildenden Berufsfachschule entstanden, die 1910 gegründet wurde. Später wurde die Schule umorganisiert als Gyeongseong Public Industrial School, Gyeonggi Technical College, and Gyeonggi Open Industrial University, bevor sie schließlich im April 1993 zur Seoul National University of Technology wurde. Aus dem Englischen, Auszug aus der freien Online Enzyklopädie Wikipedia, 18.04.2008 Was ist das Ziel der Universal Design Aktivitäten an der SNUT? Das Ziel der Aktivitäten ist mit einem großen Angebot von Master- und Doktorandenprogrammen Fachleute auszubilden, die für Forschungsinstitute, Regierungseinrichtungen und andere Firmen bezüglich UD arbeiten können. Weiterhin sollen grundlegende UD Forschungs- und Designprojekte für Industrie und Regierungseinrichtungen durchgeführt werden. Wie definieren sie an der SNUT Universal Design? Wir haben Universal Design als Gestaltung für jeden, einschließlich älterer Menschen, körperlich Beeinträchtigter, Kinder und schwangerer Frauen definiert. Ich denke, der Gegenstand der weiteren Betrachtungen sollte sein, die Definition auf alle Lebewesen auszuweiten, einschließlich der Tie-

re. Wenn man etwa eine Straße durch den Lebensraum bestimmter Tiere baut, muss man bedenken, dass sie die Straße überqueren werden, und nach Lösungen suchen, damit sie nicht überfahren werden. Wie schätzen sie die ökonomische, soziale und wissenschaftliche Bedeutung des Universal Design ein? Da die Menschen länger leben und die älteren Menschen keine Produkte nutzen wollen, die speziell für sie entwickelt wurden, bekommen mehr und mehr Firmen die Nachfrage nach Universal Design-Produkten zu spüren. Mit der weltweiten Durchdringung der Gleichberechtigung in den Gesellschaften wird UD von der Bevölkerung anerkannt und gefördert, da es die gleichberechtigte Nutzung von Design verfolgt. Entsprechend vermute ich, dass besonders in Bereichen wie „public design“ mit gesamtgesellschaftlich repräsentativer Funktion eine Anwendung von UD zunehmen wird. UD Forschung Für die Forschung im Bereich UD werden wir 2008 an der SNUT das ‘The Center for Universal Design Initiative’ eröffnen. In diesem Center sollen die Bedürfnisse der Nutzer ermittelt werden. Es wird zudem in den Bereichen UD Produktgestaltung und UD in öffentlichen Einrichtungen geforscht. Später soll es dort auch eine Ausstellung zur Übersicht der an der SNUT bearbeiteten UD Forschungsprojekte geben. Projektbeispiele 1) Electronic Bike Design Im Auftrag der Global Motors Ltd. wurde das Design speziell an die Bedürfnisse von Frauen und älteren Menschen angepasst. Das Herabsetzen des Rahmens erlaubt Frauen Röcke zu tragen und kleineren Personen wird das Auf- und Absteigen erleichtert. Dazu erhöhen die Adaption des ketten-

50 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Evaluierung

losen Setzstocks und der Stauraum unter dem Hintersitz den Gebrauchskomfort. 2) Silbo (Silver + Robot) Design Silbo nutzt die Roboter-Technologie zur Unterstützung der Mobilität älterer Menschen. Er hilft ihnen zu gehen und führt sie zu ihren Zielen. Die Bewegungsfreiheit wird unterstützt und der Nutzer hat, durch Aufklappen des Sitzes, die Möglichkeit sich auszuruhen. Abb. 16-18, S.53 3) Indoor Cycle Type U-health System Wenn Menschen älter werden, ist es wichtig, die Gesundheit der unteren Gliedmaße aufrecht zu erhalten. Dieser Entwurf kann durch indoor Fahrradfahren sowohl zur Unterstützung der Gesundheit wie auch zum Aufbau der Muskulatur des Bewegungsapparates genutzt werden.

Abb. 14: Computer Modell des Indoor Cycle Type U-health System

4) UGTI UGUTI ist ein Evaluierungssystem, das UD, gutes Design, Technologie und einzelne Elemente kombiniert. Das System besteht aus vier Ebenen (UD, gutem Design, Technologie und deren einzelne Elemente) und kann für jedes Objekt angewendet werden. Indem man die Ebenen austauscht und durch andere ersetzt, ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten der Bewertung. Haben sie ein nationales oder internationales Netzwerk bezüglich Universal Design? Wir haben die MOU mit dem ‚Universal Design Research Center’ der Kangnam Universität in Südkorea unterschrieben und arbeiten in den Bereichen Lehre, Forschung und dem Informationsaustausch über UD zusammen. Nachdem wir die Wichtigkeit eines Netzwerkes für UD erkannt haben, haben wir das UD Symposium veranstaltet. Unserer Einladung zu diesem Event folgten Professor Abir Mullick vom Giorgia Institute of Technology, USA, und Professor Yoshistugu Morita von der Kyushu Universität. Wir gehen davon aus, dass die Zusammenarbeit

Abb. 15: Mock-up des Electric Bike (in gestalterischen Prozessen wird eine erste, dreidimensionale Darstellung von Entwürfen als Mock-up bezeichnet)

Universal Design im globalen demographischen Wandel 51


Evaluierung

bezüglich des UD hierbei gestärkt wurde. Wissen Sie von weiteren UD-Initiativen in Südkorea, mit denen Sie nicht direkt etwas zu tun haben? Ja, mehrere südkoreanische Hochschulen setzen sich mit dem Thema auseinander. Mir sind folgende universitäre Einrichtungen bekannt: Universal Design Research Center - Kyungsung University, Universal Design Lab - Kangnam University und das Dep. of Universal Design - Korea Nazarene University. Außerdem wurde 2007 das Symposium der KSDS, des größten Design-Vereins in Südkorea mit dem Titel „Annäherung von Universal Design und Informationstechnologie“ abgehalten. Zu diesem Symposium waren Professor Abir Mullick vom ‚Georgia Institute of Technology’, Professor Yoshistugu Morita von der Kyushu Universität und der Präsident von GA-TAP Co., Toshimitsu Sadamura, das Weltklasse-Unternehmen im ökologischen Design, und Präsident SangYoung Shin des LG Electronics Corporate Design Center geladen und tauschten ihre hochgeschätzten Erfahrungen in Form von Präsentationen mit den Mitgliedern von KSDS aus.

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Evaluierung

Abb. 16 - 18: Silbo (Silver + Robot) unterst체tzt 채ltere Menschen beim Gehen und f체rht sie zu ihrem Ziel

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Evaluierung

Interviewpartner: Kei Tomioka, Yuuichi Izu, Kenji Ido, Masahiro Inoue, Maho Horiguchi 25.02.2008, 10 Uhr, Toshiba Design Center, Tokio Erläuterungen zur Firma: „Die Toshiba Corporation ist ein internationaler Technologiekonzern (siebtgrößter Hersteller von elektrischen und elektronischen Geräten weltweit) mit Hauptsitz in der japanischen Hauptstadt Tokio. Toshiba entstand 1939 aus dem Zusammenschluss von Hisashige Tanakas 1875 gegründeter Elektrotechnikfirma Shibaura Seisakusho und dem Konsumgüterhersteller Tokio Denki. Das neue Unternehmen hieß Tokio Shibaura Denki, wurde aber vor allem unter dem Namenskürzel Toshiba bekannt. Erst 1978 wurde dies der offizielle Firmenname. To bedeutet Osten und Shiba bedeutet Rasen und leitet sich vom Ortsnamen Shibaura ab.“ Auszug aus der freien Online Enzyklopädie Wikipedia vom 27.03.2008 Wie definieren Sie bei Toshiba Universal Design? Wir betrachten Universal Design als ein Grundelement des Designs. Es setzt sich aus zwei wesentlichen Aspekten zusammen. Der Ausgangspunkt ist die Nutzerbeobachtung, auf die dann in einem zweiten Schritt die Umsetzung der Erkenntnisse im Entwicklungsprozess folgen kann. Es soll die größtmögliche Zugänglichkeit, Nutzerfreundlichkeit und auch die soziale Verantwortung in Unternehmen fördern.

Sehen Sie einen Konflikt zwischen dem Leitspruch von Toshiba „Leading Innovation“ und dem sozialen Grundgedanken des

Universal Design? Nein, keinesfalls. Die beiden Aspekte sind durchaus miteinander vereinbar. Können Sie mir etwas über die Initiativen von Toshiba bezüglich Universal Design erzählen? Wir haben Nutzertests grundsätzlich als festen Bestandteil in unsere Produktentwicklungsprozesse eingebunden. Allerdings ist es in einem großen, wirtschaftlich orientieren Unternehmen mitunter schwierig, die finanziellen Interessen mit den ideellen Vorstellungen der Gestalter zu vereinen. Universal Design tatsächlich in den Produkten, die am Ende auf den Markt kommen, durchgesetzt zu bekommen, erfordert eine große Initiative und eine ebenso große Überzeugungskraft. Haben Sie Beispiele für Produkte, die Sie unter Universal Design Gesichtspunkten entwickelt haben? Ja ein Beispiel ist einer unserer Kühlschränke. Im Vorfeld haben wir Benutzertests hinsichtlich der Wahrnehmung und Handhabung gemacht. Wir haben beispielsweise durch ‚Eye-Tracking‘ ermittelt, wie der Nutzer das gewünschte Produkt schneller finden konnte und dementsprechend den räumlichen Aufbau des Kühlschranks optimiert. Kürzere Packzeiten sparen zudem auch noch Energie und erhöhen somit die Umweltfreundlichkeit. Dazu hatten wir Versuchsreihen zu den durchschnittlich ergonomischsten Packhöhen. Was ist das Ziel der Initiativen von Toshiba bezüglich Universal Design? Ganz unpragmatisch – es ist die Verbesserung der Verkaufszahlen durch universelle Gestaltung.

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Evaluierung

Haben Sie ein nationales oder internationales Netzwerk bezüglich Universal Design? Ja, wir sind Mitglied der IAUD, nehmen an den Veranstaltungen teil und suchen in diesem Rahmen den Austausch mit anderen Unternehmen. Wie schätzen Sie die ökonomische, soziale und auch die wissenschaftliche Bedeutung von Universal Design ein? Wir gehen davon aus, dass das Thema in Zukunft noch wesentlich mehr Bedeutung gewinnen wird. Haben Sie bezüglich Universal Design Pläne oder Wünsche für die Zukunft? Wir sind der Meinung, dass alle Firmen in Zukunft Universal Design bedenken werden müssen, deshalb wünschen wir uns eine Standardisierung. Es gibt zu viele unterschiedliche Definitionen, was UD bedeutet. Von Nutzen wären sicher auch Richtlinien für Ingenieure, da wir mit ihnen erfahrungsgemäß die meisten Diskussionen führen müssen.

Abb. 19: MGU-1000A, Röntgen-Mammographie Hersteller: Toshiba Medical Systems Corporation, Design: Toshiba Corporation, Tokio, Japan Gewinner des universal design design award 2008: „Das Design dieses Gerätes zeichnet sich durch ein hohes Ausmaß an Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität aus, da sein Einsatz keinen Einschränkungen durch den Körperbau des Patienten unterliegt.“

Hitachi Ltd. (Hitachi)

Interview mit Eiichi Kubota, Taei Kubota und Yukie Motomiya am 25.02.2008, 15 Uhr, Hitachi Design Devision in Tokio Universal Design im globalen demographischen Wandel 55


Evaluierung

TOTO Ltd. (TOTO) Interview Partner: Tetsujiro Tomura, Yuko Eto, Akiko Sakata, Hozumi Takeo, 20.02.2008, 10.30 Uhr, Universal Design Research Center in Chigasaki Erläuterungen zur Firma: „Das 1917 gegründete japanische Unternehmen Totokiki KK (bekannt einfach als TOTO), gelistet im Nikkei 225 - Asiens bedeutendstem Aktienindex, dominiert den japanischen Markt für Sanitäranlagen. Das Unternehmen stellt unter anderem Badewannen, Toiletten, Waschbecken und Pissoirs her. Es hat weiterhin das Washlet populär gemacht. Der „Toilettensitz mit Warmwasser-Reinigung“ ist der am höchsten entwickelte Toilettentyp weltweit, der mit einer beeindruckenden Vielfalt von Funktionen ausgestattet ist.” Auszug aus der freien Online Enzyklopädie Wikipedia vom 27.03.2008 Herr Tomura könne Sie mir etwas über die Initiativen von TOTO bezüglich Universal Design erzählen? Ja, das Universal Design Research Center wurde im April 2002 gegründet und ist ausschließlich für die Förderung von Universal Design innerhalb und außerhalb des Unternehmens und für die Forschung in diesem Bereich zuständig. Es gehört zur Marketinggruppe von TOTO. In den meisten japanischen Firmen, beispielsweise Sony, Hitachi und vielen anderen, gehört das Universal Design-Team zum Design Center, was für diese Unternehmen auch eine gute Lösung zu sein scheint. Die Besonderheit bei TOTO ist, dass wir als eine eigene Einheit des Unternehmens funktionieren und somit die nötige Unabhängigkeit vom Alltagsgeschäft haben, um uns vollständig auf UD zu konzentrieren. Wir finden, dass das derzeit sehr gut funktioniert. Wir

sehen es bei TOTO als sehr schwierig an den Designern das Gestalten von UD Produkten zu überlassen. Wir arbeiten daran UD als Firmenphilosophie durchzusetzen, weshalb es so wichtig ist, dass wir mit Marketing, Design, Entwicklung, Kommunikation, Werbung und Verkauf gleichermaßen im Dialog stehen, und immer wieder die Bedeutung des Themas unterstreichen. Zudem ist das UD Research Center, dem Namen entsprechend, mit der Forschung zum Thema beauftragt. Den Mittelpunkt unserer Arbeit bildet ganz klar die Nutzerbeobachtung. Dabei gilt als Prämisse „je weniger high tech, desto besser“. Wir müssen so nah wie möglich an den Bedürfnissen der Nutzer bleiben und das geht am besten mit einfachen Mitteln, sozusagen auf einer Augenhöhe mit dem Nutzer. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Nutzer einzubeziehen, ihn in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen. Die Stimme des Nutzers soll publiziert werden. Das heißt, wir zeigen meist keine repräsentativen Kalkulationen oder virtuelle Darstellungen, sondern reelle Videoaufnahmen und Interviewmitschnitte. Haben Sie bei TOTO eine Definition für Universal Design? Wir differenzieren zwischen barrierefreier Gestaltung für Behinderte, Sehbehinderte und teilweise ältere Menschen und UD. UD ist für alle gleichermaßen nützlich, die Behinderten etc. werden eingeschlossen, aber auch Kinder oder z.B. Leute, die ungewöhnlich groß sind. Es gibt unserer Ansicht nach 3 Varianten wie man UD definieren kann: 1. UD und Barrierefreie Gestaltung werden ganz voneinander getrennt; 2. sie bilden einen fließenden Übergang miteinander, also gewisse Aspekte der barrierefreien Gestaltung fließen in das UD ein; 3. die barrierefreie Gestaltung wird komplett in das UD eingeschlossen

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Evaluierung

Wir haben uns für die zweite Variante entschieden und verstehen Universal Design als einen Kreislauf. Abschließend möchte ich betonen, dass Universal Design für uns kein reiner Wirtschaftsfaktor ist, es ist uns eine Herzensangelegenheit. Haben Sie Beispiele für Produkte, die Sie unter Universal Design Gesichtspunkten entwickelt haben? Ja, ein gutes Beispiel für unsere Arbeit ist ein Stuhl, den wir für das Arbeiten in der Küche entwickelt haben. Da unsere Forschung ergeben hat, dass die Mehrzahl der Nutzer sich beim Arbeiten in der Küche nur auf die Vorderkante des Stuhls setzten und dieser dann beim Aufstehen nach hinten rollte, haben wir ein Rollsystem entwickelt, welches das Wegrollen verhindert. Nur mit einem gewissen Gewicht darauf lässt sich der Stuhl rollen, wodurch die Gefahr, dass sich jemand ins Lehre setzt, minimiert wird. Wie schätzen Sie die ökonomische, soziale und wissenschaftliche Bedeutung von Universal Design ein? Universal Design ist zurzeit sowohl in Japan als auch weltweit vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ein sehr beliebtes Thema. Im Mittelpunk des Handelns müssen aber nicht nur ältere Menschen, sondern Nutzer im Allgemeinen stehen. Da die Babyboomer, die zahlenmäßig einen großen Anteil unserer Gesellschaft ausmachen, jetzt zu den älteren Menschen gehören, müssen wir auch entsprechend reagieren. Sollte sich die Struktur der Gesellschaft in eine andere Richtung verändern, werden wir uns abermals anpassen müssen. Wir dürfen nicht vergessen, dass UD in erster Linie bedeutet, an die Nutzer zu denken

und auf ihre Bedürfnisse zu reagieren. Deshalb wenden wir uns nicht nur an die Medien zwecks Eigenwerbung, sondern wir sprechen auch Regierungsbeauftragte und Bildungseinrichtungen an, damit möglichst jeder versteht, dass wir UD fördern müssen. Haben sie ein nationales oder internationales Netzwerk bezüglich Universal Design? Ja, wir arbeiten mit Universitäten und Regierungsinstitutionen zusammen und sind Mitglied der IAUD (International Association for Universal Design). Wir halten auch Vorträge und arbeiten mit andern Organisationen zusammen, aber das eigentliche Kernthema ist, wie man eine heiße Leitung zu den Schlüsselpersonen halten kann. Haben Sie Pläne für die Zukunft? Ja, wir wünschen uns für die Zukunft, dass alle Abteilungen bei TOTO selbst den Universal Design-Gedanken mittragen und fördern, damit wir uns noch mehr auf die Forschung konzentrieren können. Ein weiterer Gedanke für die Zukunft ist, dass wir einen UD Wettbewerb ausschreiben.

METI - Ministry of Economy Trade and Industry Japan (METI)

www.toto.co.jp/en Abb. 20: Kinder Pissoir , mit Haltegriff zum Stehen.

Universal Design im globalen demographischen Wandel 57


Beispiele für Universal Design

5.1 Öffentlicher Raum und Gebäude

Abb. 21: Reichstagskuppel Berlin von Foster+Partners Die Rampen sind nach dem Prinzip eines Gewindes angeordnet, so dass sich auf- und absteigende Besucher nicht entgegenkommen.

Abb. 22: Gebäude in Seoul Das vierstöckige Kaufhaus funktioniert ohne Treppen. Alle Geschäfte sind über die spiralförmig angeordnete Rampe begehbar.

58 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Beispiele f체r Universal Design

Abb. 23: Die Sitze der Copenhagener U-Bahn sind von der Wand abgeh채ngt, so finden Hunde und Gep채ck unter den Sitzen Platz und die Reinigung ist einfacher durchzuf체hren.

Abb. 24: Copenhagen Metro von Giugiaro Design

Universal Design im globalen demographischen Wandel 59


Beispiele f端r Universal Design

Abb. 25: Hauptbahnhof Berlin, Rolltreppen- und Aufzugsystem als Gestaltungselement; von gmp - van Gerkan, Marg und Partner

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Beispiele für Universal Design

Abb. 26: Bahnsteig in Japan: Markierung für die gewünschte Position der Schlange einsteigender Fahgäste.

Abb. 27: Bahnsteig in Südkorea, Markierung für die ersten Wartenden

Abb. 28: Rolltreppe am Flughafen Narita in Japan mit Beleuchtung und Signalfarbe zur verbesserten Wahrnehmung der Stufen

Universal Design im globalen demographischen Wandel 61


Beispiele für Universal Design

5.2 Universal Design Award 2008 (hergestellte Produkte) Der „universal design award 08“ wurde vom universal design e.V. ausgelobt. Zwei Juries vergaben insgesamt 39 Preise: Eine internationale Fachjury zeichnete 32 Beiträge mit dem „universal design award 08“ aus und die Besucher der ABFMesse wählten sieben Produkte als „universal design consumer favorite 08“ – drei Beiträge erhielten beide Auszeichnungen. Es handelt sich um einen Wettbewerb, der Designer und Hersteller motivieren soll, sich bei der Gestaltung von Produkten mit der „neuen Einfachheit“ auseinanderzusetzen. Prämiert wurden funktionale und ästhetische Produkte, Architektur und Dienstleistungen, die einen besonderen Nutzwert bieten beziehungsweise einen selbstverständlichen Umgang für „Alle“ und nicht nur für „Ältere“ ermöglichen.

Abb. 29: Mobiltelefon, emporiaTIME Hersteller: Emporia Telecom, Linz, Österreich

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Beispiele für Universal Design

Abb. 30 / 31: Das neue Design der Dreh- und Fräsmaschine schafft Überblick, macht den Arbeitsprozess transparent und unterstützt bei der Arbeit im Stehen. Hersteller: DMG Vertriebs und Service GmbH, Pfronten, Deutschland, Design: Dominic Schindler Creations, Lauterach, Österreich

Universal Design im globalen demographischen Wandel 63


Beispiele für Universal Design

Abb. 32: M-SMART Jumbo, der überdimensionierte Schalter ermöglicht eine einfache Handhabung - etwa mit dem Ellenbogen. Hersteller/Design: Merten GmbH & Co. KG, Wiehl, Deutschland

Abb. 33: SUPERPLAN XXL, barrierefreie Duschwanne Hersteller: Kaldewei, Franz GmbH & Co. KG, Ahlen, Deutschland

64 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Beispiele fĂźr Universal Design

Abb. 34: Dry Battery Pack: die Batterie sind in einer Folie eingeschleiĂ&#x;t. So bleibt nach dem Abtrennen ersichtlich, ob sie bereits verwendet wurden. Hersteller: Panasonic, Kadoma City, Japan

Abb. 35: Hearing Aid Battery: Die orangene Lasche in der Verpackung dient zum bequemen Einsetzen der kleinen, unhandlichen Batterien. Hersteller: Panasonic, Kadoma City, Japan

Universal Design im globalen demographischen Wandel 65


Beispiele für Universal Design

5.3 Produktkonzepte Lebens(t)räume 2008 Wettbewerb für Studierende zum Thema leben.wohnen.arbeiten. Ausgelobt wurde der Wettbewerb von Vincentz Network und durchgeführt von iF International Forum Design. Gesucht wurden Visionen und Problemlösungen für Gebäude, Räume, Produkte und Dienstleistungen, die nach den Gesichtspunkten des universal design bzw. assisted living gestaltet sind. Gefragt war hier eine „Gestaltung für Alle“ und nicht eine „Gestaltung für Alte“. Die Kategorie assisted living umfasst Produkte, Architektur und Dienstleistungen für Menschen in besonderen Lebenssituationen, die dazu dienen, eine weitestgehend selbstbestimmte Lebensführung zu erhalten und zu fördern. weitere Informationen zu dem Wettbewerb unter: www.ifdesign.de Hier wird eine Auswahl der eingereichten Projekte präsentiert.

Abb. 36: Molito, Design Martin Loistl: Durch die trichterförmige Mahlschale des Mörsers soll ein verrutschen des Mahlgutes verhindert werden Es genügt die Hand auf die Oberseite aufzulegen und in einer kreisenden Bewegung, leicht Druck auszuüben. www.martinloistl.de

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Beispiele für Universal Design

Abb. 37 / 38: Volume - Kästen für Papiertücher: Design Hsu Chun Chia: Durch die gefaltete Struktur an den Seiten der Papierbox passt sich die Verpackung der Füllmenge an Papiertüchern an und man kommt auch noch an die letzten Tücher.

Universal Design im globalen demographischen Wandel 67


Beispiele für Universal Design

pack aus, pack ein, pack zu Verpackungslösungen für Alt und Jung Der Wettbewerb wurde 2006 an der Universität der Künste Berlin, von Prof. Karin Schmidt-Ruhland veranstaltet und gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Ergebnisse wurden in einer Ausstellung im November 2006 präsentiert. Wettbewerbspartner waren Form, creativ verpacken, designtransfer und die Kaufhof Warenhaus AG. Fotos: Andreas Velden www.pack-aus.udk-berlin.de Hier wird eine Auswahl der eingereichten Projekte präsentiert.

Abb. 39: Ausreißer, Wolf Jeschonnek

Abb. 40: Heilbronner, Natali Pilic

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Beispiele f체r Universal Design

Abb. 41: Sag mir quando, sag mir wann..., Meike Langer

Abb. 43 Der rollbare Getr채nkekasten, Maike Ahlers

Abb. 42: Dremi, Sang Woo Lee

Abb. 44: Die neue Pelle mit der Lasche, Gesa Nolte

Universal Design im globalen demographischen Wandel 69


Auswertung

6 Auswertung 6.1 Gestalterische Herausforderung kommender Jahrzehnte Universal Design kann einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung der Volkswirtschaft leisten, da die Produkte, die Architektur und die Dienstleistungen die Eigenkompetenz und selbstbestimmte Lebensführung der Bürgerinnen und Bürger stützen. Somit wird UD zum Faktor des sozial orientierten Generationenvertrags. UD-Produkte sollen für Nutzer unterschiedlichster Kultur- und Sprachkreise mit verschiedenen Erfahrungswerten selbsterklärend und einfach verwendbar - also auch weltweit universell verständlich sein. Im Falle der Verwirklichung eines Universal Designs bringt der weltweite demographische Wandel erhebliche Wachstumspotentiale und entsprechende Chancen zur Erhöhung der Beschäftigungsquoten mit sich. Prof. Walter Hardt von der FH Potsdam brachte es folgendermaßen zum Ausdruck: „Was nutzt es, wenn der Zugang zum Geldautomaten barrierefrei ist, aber der Automat selbst nicht verstanden wird? Da Akzeptanz und Usability aber entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen, haben Designer und Ingenieure, die sich mit der Handhabung und Verständlichkeit des Produkts befassen, beste Berufsperspektiven.“ UD hat den Anspruch größtmöglicher Benutzbarkeit, anstatt diese auf Grund modischer Gadgets oder mangelnder Ausgestaltung von Details einzugrenzen. Für eine Umsetzung von UD ist weder ein besonderes Fachwissen erforderlich, noch müssen die Produkte immer sonderlich innovativ sein. Wenn der Prozess der Produktentwicklung in dem ohnehin wünschenswerten Kreislauf von Gestaltung, Produkttest und Optimierung vonstatten geht, können die Kriterien mit relativ einfachen Mitteln nach und nach in die Gestaltung eingebunden werden. Universal Design stellt eigentlich keine grundlegend neuen Anforderungen an die Gestalter. Es setzt sich aus vielen Aspekten zusammen, wie zum Beispiel Nutzerfreundlichkeit und Ergonomie, die Bestandteil eines jeden guten Designprozesses sein sollten. UD fasst im Grunde genommen einen Kriterien-Katalog zusammen, der für die Gestaltung zukunftsfähiger Produkte als Leitfaden zu verstehen ist und genau dem entspricht, was der Funktionalismus bereits im letzten Jahrhundert forderte, nämlich Produkte, die den ergonomischen Anforderungen ebenso wie den Erwartungen der meisten Menschen mit den einfachsten Mitteln genügen. Wenn Gestalter sich also mit der nötigen zielführenden Sensibilität mit der gegenwärtigen sozialen und demographischen Lage auseinander setzen, werden sie unweigerlich entsprechende Produkte gestalten. Da Wirtschaftsunternehmen immer auch die Finanzen bedenken müssen, ist es erforderlich, im Verlauf der Entwicklung eines Produkts zu überprüfen, inwieweit die Kriterien im konkreten Fall zu realisieren sind. Diese Art von Gestaltung sollte im Falle einer konsequenten Umsetzung langfristig gesehen jedoch rentabel sein. Allerdings sind die Strukturen, die den Handlungsspielraum der Gestalter heutzu70 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Auswertung

tage in der Regel extrem einschränken, eher hinderlich für eine Umsetzung. Wären die Vordenker des Funktionalismus Marketing-Chefs oder Produktmanagern verpflichtet gewesen, welche gute Bilanzen hätten vorlegen müssen, wären wir heute sicher nicht in der gleichen Ausgangsposition. 6.2 Bedeutet UD Vereinheitlichung? UD bedeutet nicht die Vereinheitlichung von Produkten, sondern die notwendige Ausweitung der Nutzergruppen. Es darf keine Unterscheidung mehr zwischen „Jung“ und „Alt“, sondern eher eine Differenzierung nach Nutzertypen geben, da die „Babyboomer-Generation“ im Gegensatz zu ihren Eltern auch im Alter noch ebenso viele unterschiedliche Lebensentwürfe haben wird wie ihre eigenen Kinder. „Die Babyboomer-Generation (Jahrgänge 1946 bis 1964), die als nächste in das Segment der älteren Menschen eintritt, wird die bisherigen Vorstellungen von älteren Menschen nicht mehr erfüllen. Elvis Presley, Rock´n´Roll und die 1968er Bewegung bestimmten ihre Jugend, weniger konservative Werte und Denkmuster. Daher erwarten viele Forscher, dass sich in absehbarer Zeit ein Wertewandel bei den älteren Menschen vollzieht. … Die zukünftigen älteren Menschen (in Europa und anderen Ländern) werden als wesentlich selbstbewusster und aktiver als die heutige „50 plus“ Generation angesehen. … Beim Design von neuen Produkten und Dienstleistungen für diese Generation „50 plus“ ist es deshalb wichtig, die Produkte nicht mit dem Etikett „Für Senioren“ zu versehen und auch die übrigen Kundensegmente nicht zu vernachlässigen. Es ist also zentral, das Design nicht altersspezifisch, sondern altersunabhängig auszugestalten.“ (Gassmann, Keupp 2005, Teil 2) Es besteht die Gefahr eines „Zerfalls“ in kleinere Nutzergruppen, im Extremfall könnte dies bedeuten, dass für jede Produktsparte jeweils eine Version für jüngere und eine für ältere Nutzer entwickelt wird und somit die Gruppe der potentiellen Käufer schrumpft. 6.3 Standardisierung ja oder nein Fachleute aus aller Welt (Alex Lee, Francesc Aragall, Roger Coleman, Valerie Fletcher, Fritz Frenkler) kamen auf der Internationalen Konferenz für Universal Design in Kyoto 2006 zu der Übereinstimmung, dass eine Standardisierung des UD anhand von Gesetzen oder Normen sicherlich nicht zielführend wäre. Sie äußerten die Bedenken, es gäbe vermutlich Schwierigkeiten festzulegen, ab wann ein Produkt als nutzerfreundlich betrachtet werden kann und ab wann nicht mehr. Dazu müssten Richtlinien und Gesetze entsprechend geregelt werden, damit sie eine Berechtigung haben. Zielführender seien sicherlich Wettbewerbe und Ausschreibungen, um die Kreativität und Auseinandersetzung zu fördern und dem Thema nicht den bitteren Beigeschmack einer Verordnung beizumischen. „Ich denke, der einzig mögliche Weg UD oder Design for All zu standardisieren, ist die Einbindung der Firmen in Nutzertests, damit sie entsprechend der gewonUniversal Design im globalen demographischen Wandel 71


Auswertung

nenen Erkenntnisse Verbesserungen am Produkt vornehmen können.“ (Aragall, IAUD Conference 2006) Jeder Aspekt von UD, der erfüllt ist, sollte grundsätzlich als Schritt in die richtige Richtung gesehen werden. Dass dies bei der Anwendung einer gesetzlichen Regelung meist nicht der Fall ist, verdeutlicht die Art und Weise wie die Normen (DIN) in Deutschland ihre Anwendung finden. Eine Umsetzung findet meist nur statt, wenn dies auch finanzielle Vorteile mit sich bringt. Falls dies nicht der Fall ist, wird das gesamte Themengebiet meist außer Acht gelassen. „UD ist ein Prozess. Es ist ein Prozess, bei dem es, denke ich, keinen Endpunkt gibt. Man ist ständig dabei zu optimieren, ständig dabei zu verbessern. (Coleman, IAUD Conference 2006) Häufig entsteht UD durch die Optimierung von Produkten auf Grund spezieller Anforderungen: “Das wohl bekannteste Beispiel für ein solches Produkt ist der Kugelschreiber, der ursprünglich entwickelt wurde, um mit den Schwierigkeiten des Schreibens mit einem Füllfederhalter in extremen Höhenlagen umzugehen, aber jetzt ist er praktisch das Standardschreibwerkzeug von uns allen, einfach weil er so viel einfacher und intuitiver ist als ein Füllfederhalter.“ (Kercher 2007) 6.4 Asien, Japan als Vorbild Nachdem bereits 1999 die „The Kyoyo-Hin Foundation“ gegründet wurde, die den Grundgedanken des Universal Design verbreitete, schlossen sich 2003 über 50 führende Hersteller aus ganz Japan (u.a Toyota, Sony, Panasonic, Sharp, Toshiba) in der IAUD - International Association for Universal Design - zusammen, um gemeinsam das japanische UD zu fördern. Dieser Zusammenschluss bewirkte nicht nur einen Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern - auf Seiten der Industrie, sondern er bewirkte auch, dass sich die Firmen gegenseitig dazu anspornten Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Über die Medien, durch Aktivitäten in der Lehre und die Erläuterung von Universal Design in Ausstellungen hat die japanische Bevölkerung ein generelles Bewusstsein für das Thema entwickelt. Eine Zivilperson in Japan äußerte, dass sogar ein Grundschulkind in Japan etwas mit dem Begriff Universal Design anfangen kann, auch wenn es sicherlich nicht erklären könne, was genau damit gemeint sei. Die IAUD und ihre einflussreichen Mitglieder haben es augenscheinlich innerhalb von nur fünf Jahren geschafft, für zukünftige Entwicklungen unter UD Aspekten ein sicheres Fundament zu legen. Falls die anderen Industrienationen sich nicht zeitnah ein Beispiel an Japan nehmen, könnte die IAUD dadurch letztendlich auch eine Qualitätshürde aufbauen. Hinzuweisen ist darauf, dass die japanische Gesellschaftsstruktur diese Entwicklung vermutlich maßgeblich beschleunigt hat. Häufig haben ganze Gruppen einflussreicher Männer in den Führungspositionen unterschiedlichster Firmen früher gemeinsam studiert. Da in Japan praktisch alles Geschäftliche über eine Zusammenarbeit auf Vertrauensbasis geregelt wird, ist dieses System persönlicher Be72 Universal Design im globalen demographischen Wandel


Auswertung

ziehungen für die Realisierung entsprechender Projekte der beste Motor. Japanische Unternehmen streben schon lange nach der Herstellung weltweit konkurrenzfähiger, qualitativ hochwertiger Produkte. Jetzt sehen sie sich jedoch mit der Herausforderung konfrontiert, den Fokus auf die Entwicklung von Produkten zu richten, die die Lebensqualität verbessern. Japan realisiert eine Umsetzung von UD im internationalen Vergleich schneller und mutiger. Das belegen die Ergebnisse einer Studie der International Facility Management Association (IFMA), die die Entwicklungen in Japan und den USA hinsichtlich der Verwirklichung vom UD und Barrierefreiheit gegenüber stellt.

0% Future (US)

6%

22%

19%

Future (JPN)

31%

15%

9%

29%

32%

2%

31%

2%

1% Present (US)

2%

Present (JPN)

10%

0%

26%

10%

20%

59%

34%

40%

3%

3% 10%

34%

60%

80%

1. Universal Design

2. Barrier-free/Accessibility (+legal reqs)

3. Barrier-free/Accessibility (w/minimum legal reqs)

4. No accessibility provided

0. Don't know

Unanswered

6%

100%

Abb. 45: The degree of practice of universal design or barrier-free design / accessibility at present and in future in Japan and the USA

Südkorea, „Japans kleiner Bruder“ – aber wie lange noch? Südkorea mit dem schnellen wirtschaftlichen Wachstum und seiner Flexibilität zur Anpassung, die anderen Ländern fehlt, orientiert sich hinsichtlich UD an Japan. Das Nachbarland Japan hat bezüglich UD, im weltweiten Vergleich, die größte Entwicklung vorzuweisen und kann auf Grund der geographischen Nähe entscheidende Impulse liefern. Ein diesbezügliches Netzwerk zwischen japanischen und südkoreanischen Wissenschaftlern besteht bereits. Noch ist der Lebensstandard der südkoreanischen Durchschnittsbevölkerung nicht hoch genug, um für Komfort die entsprechenden Mehrkosten auf internationalem Niveau aufzubringen, aber das Land befindet sich auf dem besten Weg dorthin. Die in der Vergangenheit bereits angewendete staatliche Bezuschussung großer Unternehmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums kann enorme Energien erzeugen. In Südkorea sind uns diverse Projekte zum Thema Universal Design an mehreren Hochschulen des Landes bekannt, jedoch scheint der Fokus bisher noch eher auf den Assistiven Technologien und der Gestaltung „altengerechter“ Produkte Universal Design im globalen demographischen Wandel 73


Auswertung

zu liegen. 6.5 Europa – die Theoretiker Die europäische Fachwelt (Favaretto, Frenkler, Gassmann und Keupp, Kercher, Schmidt-Ruhland uvm.) ist sich einig, dass es bisher sehr wenige Produkte auf dem Weltmarkt gibt, die entsprechend der in Kapitel 3.2 aufgeführten sieben Kriterien des Universal Design der NC State University gestaltet sind. Die Gründe dafür sind vermutlich vielseitig: mangelnde Bekanntheit der UD Kriterien, Zweifel am finanziellen Erfolg, Bedenken auf Seiten der Entscheider wegen fehlender Vorbilder und mangelnde Risikobereitschaft. Dazu scheinen in vielen Unternehmen Zweifel zu bestehen, ob die sozialen Aspekte des UD mit ihren wirtschaftlichen Interessen vereinbar sind. In ganz Europa spielen UD bzw. DfA bisher keine entscheidende, aber immerhin eine zunehmende Rolle in der öffentlichen Diskussion. Obwohl zweifelsohne ein Bedarf an UD Produkten besteht, wird der europäische Markt von den Herstellern noch nicht entsprechend bedient. Dabei werden diejenigen Hersteller, die als erste entsprechende Produkte auf den Markt bringen, voraussichtlich besonders erfolgreich damit sein. Sowohl die Forschung als auch das Generieren von Konzepten bezüglich des Themenfeldes UD haben mittlerweile ein bemerkenswertes Ausmaß erreicht. Es gibt viele Organisationen und auch Einzelstreiter, die, wenn auch zum großen Teil unabhängig voneinander, doch alle am gleichen Strang ziehen. Basierend auf den uns vorliegenden Daten und Recherchen in den Bereichen Produkte und Architektur im Sinne des Universal Design gehen wir derzeit von einer führenden Position Deutschlands aus. Allerdings ist dies, wie in vielen anderen Ländern auch, nicht zielgerichteten UD Entwicklungen zu verdanken, sondern vielmehr dem Einfluss, den der Funktionalismus auf die Gestaltungslehre hat. In Deutschland gibt es eine fundierte wissenschaftliche Basis. sZum Thema Demographischer Wandel wurden zahlreiche Artikel, Kolummnen, Fernsehbeiträge, Bücher und wissenschaftliche Abhandlungen verfasst. Auch zum Thema Universal Design bzw. Design for All gibt es mittlerweile in einem gewissen Maße Textmaterial und Berichterstattungen, aber es fehlt eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Themenfeld auf Seiten der Industrie. Wie anhand der Beiträge der studentischen Wettbewerbe „Lebens(t)räume“ und „pack ein pack aus pack zu“ auf S. 66 ff ersichtlich ist, gibt es von Studierenden gute Konzepte, die im Grunde nur darauf warten realisiert zu werden. Auch die Zahl der Hochschulen, die an diesem Wettbewerb teilnahmen und somit meist studentische Projekte zum Themenfeld initiiert haben, spricht dafür, dass in ganz Deutschland eine Auseinandersetzung auf wissenschaftlicher Ebene stattfindet. Sei es auf Grund des Bedarfs von Nahrungsmitteln für die Produktion von Biodiesel oder auf Grund der hohen Nachfrage Chinas nach Rohstoffen aller Art, die Knappheit von Ressourcen auf dem weltweiten Rohstoffmarkt ist ein großes 74 Universal Design im globalen demographischen Wandel


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Thema. Eine wirtschaftlich nachhaltige Planung ist für alle Länder dieser Welt essentiell. Die deutsche Marktführerschaft in umweltbezogenen und nachhaltigen Technologien ist der ganzheitlichen Verwirklichung eines Universal Design zuträglich, denn auch der verantwortungsbewusste Umgang mit Rohstoffen ist ein entscheidender Aspekt des Universal Design. Deutschlands Unternehmen scheinen sich allerdings der Bedeutung dieser Position bisher nicht ausreichend bewusst zu sein. Zumindest haben sie Ihr Entwicklungspotential und ihre Leistungstiefe, national wie international, bisher nicht entsprechend kundengerecht vermarktet, was ebenso für den Faktor Qualität gilt. Italien scheint der Entwicklung bezüglich UD hinterherzuhinken. Auf der Internetseite Design-Italia ist folgendes zu lesen: „In Europa wird die Forschung und die Verbreitung von Design for All vor allem durch den EIDD vorgenommen… Über die Jahre hat die Gruppe anhand von praktischen Tests mit Anwendern nutzerorientierte Gestaltungsmethoden entwickelt. In Italien ist die Situation anders. Zu den Fachleuten, die größtenteils an dieser Art von Forschung arbeiten, gehören Paolo Favaretto, Gianni Arduini, Designgrup Italia, Avril Accolla, Isabella Steffan, Fabrizio Bianchetti und Stefano Maurizio. Auch einige Designschulen haben in den letzten Jahren Kurse und Konferenzen zu diesem Thema organisiert. Die italienischen Firmen aber scheinen derzeit unvorbereitet: in den überwiegenden Fällen wenden sie einen medizinischen Blickpunkt für die Herstellung behindertengerechter Produkte an, die dann auf den letzten Seiten der Kataloge platziert, mit einem traurigen und negativen Image präsentiert und zu hohen Preisen verkauft werden. 6.6 Europa und Asien im Vergleich Auf solch ein effektives Netzwerk wie in Japan kann in den wenigsten Industrienationen zurückgegriffen werden. Möglicherweise könnten Vereine, Organisationen, oder Regierungsinstitutionen, im Fall einer Unterstützung von Seiten der Industrie, einen entsprechenden Einfluss ausüben. Allerdings setzt das im Vergleich mit Japan nicht vorhandene „Netzwerk auf Vertrauensbasis“ bürokratisch aufwendige vertragliche Vereinbarungen und Geheimhaltungsabkommen voraus. Zudem sind die Aktivitäten in Europa bisher eher auf Wissenschaft und Forschung begrenzt, während man in Asien mutig Ideen verwirklicht. Generell ist dort der Nutzer experimentierfreudiger, offener für Neuerungen. Das mag der Grund sein, warum asiatische Firmen erste Ansätze häufig scheinbar direkt in ihren Produkten verwirklichen, während man in Deutschland, was aus markenpolitischen Gründen und hinsichtlich des Images eines „Innovationsstandorts“ auch gerechtfertigt ist, zunächst das Konzept und dessen Folgen durchleuchtet, bevor es tatsächlich zu einer Umsetzung kommt. 6.7 Wie bekommen wir die Industrie ins Boot? Könnte eine vertrauenswürdige Einrichtung, die die Interessen der Industrie auf der einen und den Willen zur Umsetzung der theoretischen Definitionen auf der anderen Seite miteinander vereint, für Deutschland, Italien und möglicherweise Universal Design im globalen demographischen Wandel 75


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sogar ganz Europa als Institution hilfreich sein? In einer Veröffentlichung des Instituts für Technologiemanagement der Universität St. Gallen wird eine politische Initiative, die es seit 2004 in der Schweiz gibt, beschrieben, die einen weiteren, möglichen Weg zur Lösung der Fragestellung einer Umsetzung zeigt: „Oft fehlt es bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen für eine alternde Gesellschaft nicht an der Idee, sondern an der Finanzierung. Die Schweiz ist weltweit führend in der Anzahl Patente pro Kopf, Nobelpreisträger pro Kopf und in zahlreichen Disziplinen bezüglich Publikationen pro Kopf. Gleichzeitig besteht in dem wissenschaftsstarken Land – ähnlich wie in Deutschland – noch großes Verbesserungspotenzial in der Umsetzung einer Idee in eine marktgerechte Leistung – kurz: der Innovation. Es ist ein langer Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt. Besonders das «Tal des Todes» – die Anfangsphase der Einführung, in der auf die hohen Anfangsinvestitionen noch geringe Einnahmen folgen – schreckt Forscher angesichts des hohen Finanzbedarfes für Design und Entwicklung ab. Die Initiative «Innovation for Successful Ageing» der Förderagentur für Innovation des Bundes verknüpft daher die Forschung an Universitäten und Fachhochschulen in diesem Bereich mit Investitionen durch einen Partner aus der Wirtschaft: Der Bund bezahlt die Forschung, insbesondere die Gehälter der Projektmitarbeiter, die Firmen bezahlen ihre Investitionen und bringen das Produkt zur Marktreife. Die Erfolgsaussichten sind gut: Von bislang rund 700 Gesuchen im Jahr wird etwa die Hälfte angenommen.“ (Gassmann, Keupp 2005, Teil 2)

6.8 Handlungsbedarf der Berufsfelder Produktgestaltung Produkte für klar zugeschnittene Nutzergruppen sind eher die Ausnahme. Die Mehrheit der Produkte, die uns täglich umgeben, werden von Menschen unterschiedlichsten Alters und unterschiedlichster Ansprüche und Fähigkeiten verwen76 Universal Design im globalen demographischen Wandel


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det und bedürfen somit eines „Universal Design”. Ein Augenmerk liegt aber auf Produkten, die im öffentlichen Raum eingesetzt werden, da der Nutzer hier fremdbestimmt ist. Des Weiteren sollten nicht nur Produkte, sondern auch ihre Umfelder entsprechend der Universal Design-Kriterien gestaltet werden. Die Gebrauchsanweisung, die Verpackung, die Vertriebsform und der Kundenservice spielen eine ebenso bedeutende Rolle wie die Nutzerfreundlichkeit des Produkts. Im Gegensatz zur barrierefreien Gestaltung von Stadträumen und Gebäuden ist Universal Design – oder auch das „Design for all“ erst seit ein paar Jahren als übergreifendes Thema spürbar in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Dabei ist das Thema für industriell gefertigte Produkte eigentlich bedeutender. Im Gegensatz zur Architektur, wo ein Großteil der zukünftigen Wohnungen bereits gebaut ist und somit nur in einem gewissen Maße nachträglich technisch saniert werden kann, werden im Design wegen der wesentlich kürzeren Produktlebenszyklen ständig neue Produkte auf den Markt gebracht. Hier besteht die Chance, die Kriterien des Universal Design generell in den Entwicklungsprozess einzubeziehen und sich somit der Herausforderung des globalen demographischen Wandels rechtzeitig zu stellen. Architektur und Städtebau Die Städte und Gemeinden sind auf die Veränderungen des demographischen Wandels augenscheinlich unzureichend vorbereitet. Mangelende Attraktivität öffentlicher Räume, unzureichende Flexibilität der Wohnund Eigentumsangebote und auf Autofahrer ausgerichtete Einkaufszentren stehen im Widerspruch zu den Anforderungen des demographischen Wandels. Um Mieter und Eigentümer langfristig und an Immobilien zu binden, bedarf es bezüglich enormer Investitionsstaus einer Abkehr von Definitionen wie seniorengerecht – altersgerecht – barrierefrei oder behindertengerecht. „Das neue Bauen muss auf die Modelle familienähnlichen Zusammenlebens von und mit den Älteren reagieren: Alten-WGs und generationsübergreifende Wohngemeinschaften, Seniorenwohnungen. Schon von vorneherein müssen Küchen, Bäder und Raumeinteilung auf die Bedürfnisse im Alter abgestimmt sein.“ (Thomas Willemeit, Geschäftsführer Graft Gesellschaft von Architekten m.b.H.) Mit der Anwendung von Kriterien des Universal Design, wie: Flexibilität, Zugänglichkeit und breitest mögliche Nutzbarkeit können die Bevölkerungsstrukturen der Städte (wie z.B. in der Stadt Görlitz), Kommunen und Gemeinden stabilisiert und sogar ausgebaut werden. Die Stadt Görlitz verzeichnet seit zwei Jahren mehr Zu- als Abwanderer. Ein Großteil der Zugezogenen kommt aus dem Westen Deutschlands. Joachim Paulick, Oberbürgermeister der Stadt Görlitz sagt dazu: „Mittlerweile sind unsere Senioren zu einem Wirtschaftsfaktor geworden, denn mit ihrer Kaufkraft fördern sie auch den Einzelhandel, das Dienstleistungsgewerbe und die Gastronomie in unserer Stadt. Und sie nutzen die vielfältigen kulturellen Angebote.“ Dienstleistungen Dienstleistungsdesign könnte der Schlüssel zu einem bisher noch nicht ansatzUniversal Design im globalen demographischen Wandel 77


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weise bearbeiteten Wertschöpfungspotential für alle Kundengruppen des Serviceund Dienstleistungssektors sein. Gemeint sind nicht nur klassische Leistungen der Betreuung, sondern vielmehr ergänzende Leistungen, die rund um die Haushaltsführung, Freizeitgestaltung und den Beruf anzusiedeln sind. Impulse sollten hier insbesondere aus dem privaten Dienstleistungssektor zu erwarten sein. Digitale Medien Im Feld des Interaktion Designs spricht man von einem sogenannten „digital divide“. Gemeint ist, dass die digitalen Medien die Gesellschaft bislang in zwei Lager spalten. Die, die mit den Medien nicht vertraut sind, haben keinen oder nur begrenzten Zugriff auf wesentliche Informationen und sind somit vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten. Hier herrscht besonderer Handlungsbedarf. Vernetzung von Branchen Der Vernetzung von Produkten mit der Bauwirtschaft inklusive öffentlicher Gebäude und dem Dienstleistungssektor messen wir ein besonderes Potential zu.

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Ausblick

7. Ausblick Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde ein Netzwerk zu bedeutenden Wirtschaftsunternehmen und Institutionen in Deutschland, Italien, Japan und Südkorea zur Thematik des Universal Design aufgebaut, über welches ein regelmäßiger Informationsaustausch stattfindet. Dieses Netzwerk bildet eine optimale Grundlage für weitergehende Untersuchungen und Projekte. Einige Firmen haben Universal Design in Gesprächen bereits als einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor für ihr Unternehmen beschrieben. Möglicherweise könnten sie als Vorbild für andere Unternehmen dienen – ihre positiven Erfahrungen ein Anreiz für andere sein, sich dem Thema zu nähern. Zur Förderung der Umsetzung muss der Begriff Universal Design in großem Umfang und leicht verständlich publiziert werden. Es gilt nicht nur Gestalter zu schulen, sondern auch die Marketing- und Werbeabteilungen sowie die Entscheider der Industrie einzubeziehen. Denn in den seltensten Fällen haben die Gestalter die Entscheidungsbefugnis. Pete Kercher vom EIDD sagte diesbezüglich folgendes: „Wie gut ist ein Produkt, wenn die Mehrheit der Leute es schwierig in der Nutzung findet? Wie gut kann so ein Produkt wohl für einen durchschnittlichen Hersteller sein, der am Ende des Tages Profit machen, seine Aktionäre zufrieden stellen und sicherstellen muss, dass seine Mitarbeiter nicht entlassen werden? Aber lassen Sie uns hier nicht nur die Designer beschuldigen: die Verantwortlichen müssen auch mehr darüber lernen, wie Design generell und DfA (Design for All) insbesondere einen grundlegenden Beitrag zu ihrer Ertragslage leisten können. Die Ästhetik muss beim DfA die gleiche Rolle spielen wie bei jedem guten Design: das Endprodukt (Umfeld, Service etc.) muss ebenso ansprechend und attraktiv wie funktional sein, sonst wird es nie nachhaltig lukrativ sein, oder?“ (Kercher 2007) Erst wenn ein mehrheitliches Bewusstsein geschaffen wurde, kann man mit dem Beginn eines evolutionsartigen Prozesses auf Seiten der Unternehmen rechnen. Daher stellt sich die Frage, ob der Aufbau eines Deutschen Pendants zur IAUD zielführend sein könnte. Eine Organisation als Schnittstelle zur Industrie, die Veranstaltungen zur Förderung des Netzwerks organisiert, für die Publizierung des Universal Design in den Medien sorgt und möglicherweise auch beratend für die kleinen und mittelständischen Unternehmen fungieren könnte, die keine eigene Forschungsabteilung besitzen. Folgendes Zitat von Mitsuo Kawaguchi vom IAUD eignet sich hervorragend als Schlussplädoyer: „Individuen in ihren unzähligen Situationen, und damit die Menschheit als Ganzes, bilden den Kern des UD. Deshalb gibt es nicht eine einzige Lösung für UD. Als Mitglieder eines Unternehmens, einer Firma oder einfach als Individuen müssen wir jede mögliche Gelegenheit nutzen um diese Diskussion fortzuführen.“

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Impressum

Koordinative Projektleitung: Thomas Bade universal design e.V. Messegelände / IC 30521 Hannover www.ud-germany.de Projektdurchführung: Dipl. Des. Sandra Hirsch Technische Universität München, Fakultät für Architektur Institut für Entwerfen und Bautechnik Lehrstuhl für Industrial Design Univ.-Prof. Dipl. Des. Fritz Frenkler Arcisstr. 21 80333 München Finanziert aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung GmbH Heidehofstr. 31 70184 Stuttgart www.bosch-stiftung.de Layout: Minka Rössner, Dipl. Des. Sandra Hirsch Lektorat: Prof. Dipl. Des. Fritz Frenkler, Thomas Bade, Ute Wallmeroth

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Ein Forschungsprojekt des universal design e.V. und des Lehrstuhls für Industrial Design der Technischen Universität München Gefördert mit M...

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