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BDSU and Science nach Art der Quotenregelung trifft das Klischee der Quotenfrau mehr oder weniger zu. So wird in vier verschiedene Ausprägungen und Positionen für die Umsetzung von Quotierungsmaßnahmen unterschieden. Die erste Position befürwortet die Schaffung von Rahmenbedingungen zur Frauenförderung. Konkret heißt das, dass eine Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf geschaffen wird. In Stellenanzeigen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich Frauen auf die ausgeschriebene Position bewerben sollen. Ähnlich wie bei Schwerbehinderten. Diese werden auch explizit am Ende der Stellenausschreibung zur Bewerbung ermutigt. Grundsätzlich wird allerdings diese Stelle gemäß der fachlichen Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber besetzt. Die zweite Position geht einen Schritt weiter und fordert, dass bei zwei gleichqualifizierten Bewerbern die Frau die Stelle erhält, bis ein bestimmter Frauenanteil im Unternehmen erreicht ist. Die dritte und vierte Position definieren weitaus schärfere Grundsätze. So wird hier gefordert, dass eine Festsetzung der Zielquote erfolgt, wobei diese Zielquote von der Prozentzahl qualifizierter Frauen abhängig gemacht wird, die für diese Position in Frage kämen. Die vierte Position steht für die strikteste Form der Quotierung. Hier sollen bis zur Erreichung der Quote ausschließlich weibliche Bewerberinnen eingestellt werden, die auch nur minimalst den

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Anforderungen der Stelle gerecht werden. Quotenfrauen par excellence. Diese Form bekräftigt auch das stärkste Argument der Quotengegner. Die systematisierte Diskriminierung der Männer. Laut Artikel 3 im Grundgesetz sind Männer und Frauen gleichberechtigt und dürfen aufgrund ihres Geschlechts nicht diskriminiert werden. Bei der striktesten Form der Quotendurchsetzung wird jedoch das primäre Geschlechtsmerkmal formal das Einstellungs- oder Ausschlusskriterium. Nun bedarf es jedoch der Ergänzung, dass für Frauen bis heute informal eben dieses Kriterium erfolgsbegünstigend oder eben nicht ist. Diskriminierung ist ungerecht. Aber was

Frauen und Schwerbehinderte werden bevorzugt eingestellt. heißt Gerechtigkeit, wenn ich dafür jemand anderen diskriminieren muss? Aristoteles setzte sich mit diesem Begriff auseinander und unterschied in die ausgleichende (retributive) und die austeilende (distributive) Gerechtigkeit. Die retributive Gerechtigkeit bezieht sich auf den Ausgleich oder die Wiedergutmachung erfahrenen Unrechts. Die distributive Gerechtigkeit meint hingegen die gerechte Verteilung vorhandener Güter.

metamorphosis Sommer 11 - Erstausgabe  

Das studentische Wirtschaftsmagazin Der Fokus des Magazins liegt auf Entwicklung und Innovationen in der Wirtschaftswelt. Veränderungen, di...

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