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HEL SINGIN

OSLO

BERLIN

PRAHA

PAR I S

BUDAPEST

ZAGREB

ANDORRA


MOCKBA

K Y J I WK Y J I W

Editorial. Als vor zehn Jahren, am 1. Januar 2002, der Euro als Bargeld eingeführt wurde, galt die Realisierung dieses politischen Projektes als Großtat europäischer Stabilitäts-Politik. Das Gefühl, seitdem sei alles doppelt so teuer geworden, weil der Wechselkurs nicht 2:1, sondern eigentlich 1:1 gewesen sei, hat dem Euro den Spitznamen »Teuro« eingebracht. Umgekehrt gibt es auch heute noch Menschen (manchmal sind es sogar die gleichen), die, wenn sie beweisen wollen, wie unglaublich teuer etwas ist, den Eurobetrag verdoppeln und in Mark »umrechnen«. Trotzdem haben wir uns so sehr an den Euro gewöhnt, dass man in den 10 europäischen Ländern der aus 27 Ländern bestehenden Eurozone, in denen es keinen Euro gibt, verdattert auf das fremde Geld schaut. Für die aktuelle LOVED & FOUND haben wir Europa als Motto gewählt, weil es gerade in diesem Sommer so schön passt. Wir freuen uns auf die Fußball EM (Sache 33) und auf die Olympischen Spiele (Sache 17), die trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Engländer ja auch in Europa stattfindet. Dann ist die Welt zu Gast auf einer Insel, die sich mal für den Nabel der Welt hielt und die vor nicht mal 100 Jahren ein Viertel der Weltbevölkerung unter der Flagge der englischen Monarchie versammelte. Die Tatsache, dass Europa heute für den Rest der Welt nur noch so viel Bedeutung hat, wie irgendeine andere Wirtschaftszone, macht den Europäern zuweilen schwer zu schaffen.

Wir genießen dennoch unsere eurozentristische Kurzsichtigkeit und feiern das europäische Kulturerbe mit einer Modestrecke voller subtiler Folklorezitate (Sache  59), ignorieren die amerikanische Herkunft von Jeans (Sache  35), stellen Ihnen Models aus aller Herren Länder, Hauptsache Europa, vor. Nur einmal verlassen wir unseren engstirnigen Kosmos und denken mal was Neues: Dass der Islam zu Deutschland gehört, war die einzige klare Aussage, die unser ehemaliger Bundespräsident Wulff getroffen hat. Wir haben Frauen und ihre Kopft ücher portraitiert und dabei festgestellt, dass sich darunter ihre Haare verstecken, aber keineswegs ihre Unabhängigkeit oder ihr Selbstbewusstsein (Sache 46). Der französische Lautdenker BernhardHenri Lévy hat mal gesagt: »Europa ist kein Ort, sondern eine Idee.« Wir finden die Idee gut. Sonst hätten wir kein Heft dazu gemacht. In diesem Sinne: Sag olun, agur, Да пабачэння, ćao, adéu, salutu, do vidjenja, na shledanou, farvel, ziens, gxis revido, head aega, näkemiin, tot ziens, au revoir, antio, viszontlátásra, bless, slán, arrivederci, uz redzēšanos, sudie, äddi, dogledanje, la revedere, До свидания, beannachd leat, hej då, hosça kalin, hwyl, um nur in ein paar europäischen Sprachen bye bye zu sagen. Ihre LOVED & FOUND Redaktion


TJ/ke

1. Farbenspiel. Kinderarbeit ist in Europa zum Glück verboten. Mit Farben zu spielen und damit das Taschengeld aufzubessern zum Glück nicht. Und so tauchen die drei Sprösslinge von Lucas Maassen, Thijme (9), Julian (7), Maris (7), gern die handgefertigten Pinienholzmöbel ihres Vaters in Farbe. Der machte wohl irgendwann aus der Not eine Tugend und fing an, die Pinseleien zu verkaufen. Die Kids bekommen pro bemaltes Möbelstück einen Euro. Gemalt wird drei Stunden pro Woche. Mehr ist nicht erlaubt. Reicht aber auch, wie man hier sehen kann: www.lucasmaassen.nl

photo: Lucas Maassen


N: Nordkap, photographer: Sabine Cole O: Tscheljabinsk, photographer: Sabine Cole W: Aruba, photographer: Jan van Endert www.van-endert.com S: Tarifa, photographer: Heinrich Vรถlkel www.ostkreuz.de

N O W S


2. Wir sind Europa. Die Grenzen Europas sind nicht ausschließlich geografisch bedingt. Europa bedeckt zwar nur ein knappes Fünftel der eurasischen Landmasse, behält sich aber das Privileg vor, ein eigener Kontinent zu sein. Europa ist in drei Himmelsrichtungen von Wasser umgeben (Nordsee, Atlantik, Mittelmeer). Ansonsten ist der nach Australien zweitkleinste Kontinent eher durch gesellschaftliche und historische Übereinkünfte begrenzt als durch erdkundliche Gegebenheiten.

S

In Punta de Tarifa (36° 1' N, 5° 36' W), dem südlichsten Punkt Europas, liegen sehr große Freude und extremes Leid eng beieinander. Die Entfernung zu Afrika, genauer gesagt zu Marokko, beträgt nur 14 km. Und genau da liegt das Problem von Tarifa. Einerseits pustet hier, wegen der Meerenge, an 200 Tagen der Wind mit bis zu 80 km/h meterhohe Traumwellen an den Strand. Surfer, Kiter, junge Leute aus aller Welt lieben Tarifa; in der Hochsaison sind alle Betten belegt. Nur 30 km weiter, im marokkanischen Tanger, träumen die Armen dieser Welt von Europa. Zur Hochsaison im Juli sind es bis zu tausend Menschen, die nachts die rund 30 Kilometer lange lebensgefährliche Schiffspassage von der marokkanischen Küstenstadt Tanger über die Meerenge von Gibraltar nach Tarifa wagen. Mit der Unterzeichnung des Schengener Abkommens musste Spanien 1990 die Visumpflicht für Bürger aus den Maghreb-Staaten einführen. Seitdem ist der illegale

Grenzübertritt von Tanger nach Tarifa für viele Flüchtlinge aus Afrika praktisch der einzige Weg, um nach Europa zu gelangen. Im Sommer 2001 ging ein schockierendes Bild um die Welt: Ein Flüchtling aus Marokko war an den Strand von Tarifa geschwemmt worden; der Leichnam lag im Sand. Um den Toten herum Touristen, die sich sonnten. Ein Holzkreuz in Tarifa erinnert an die Ertrunkenen. www.tarifainfo.com

W

Vom Nordkap nach Tarifa beträgt die Nord-Süd-Ausdehnung etwa 3800 Kilometer. Vom Ural im Osten sind es über 6000 km nach Cabo de Roca in Portugal, dem geografi sch gesehen westlichsten Punkt Europas. Noch mal etwa genauso viele Kilometer sind es bis Aruba. Viele europäische Länder frönten ja lange der absurden Idee, man könne Länder sammeln wie Juan Carlos die Frauen. Die meisten Kolonien sind mittlerweile zurückgegeben, aber zu den beschaulichen Niederlanden, die zu den größten Kolonialmächten gehörten, zählen immer noch die Inseln Aruba, Curaçao, Sint Maarten. Insofern kann man ganz frech sagen: Europa endet im Westen in der Karibik. In Aruba (12° 31' N, 70° 2' W) reagiert in der Realität allerdings weniger Königin Beatrix, sondern amerikanische Touristen und Brüste. Deswegen gibt es im teuersten Hotel der Insel, im Hyatt Regency, Plastikbecher an der Bar und Pfirsiche aus der Dose. Jede Frau ab 16 hat gemachte Brüste in spektakulären Dimensionen. Überhaupt gibt es auf Europas Außenposten von vielem zuviel. Zuviel Banana Boats, zuviel Jetski, zuviel frittierte Käsebällchen, zuviel Gewicht und eben zuviel große Brüste. Wer sich jetzt nach Europa sehnt, kommt einfach wieder zurück. Auf die 10,5 Millionen Quadratmeter unseres wunderbar größenwahnsinnigen kleinen europäischen Kontinents. www.aruba.com

O

Nach der Definition von Philip Johan von Strahlenberg ist aus pragmatischen Gründen die Grenze zwischen Europa und Asien auf einem Teilabschnitt des UralGebirges und Flusses zu suchen. Westlich vom Ural ist der russische Teil Europas, östlich ist Sibirien. Es gibt über den Ural verteilt einige Denkmäler und Aussichtspunkte, die für sich reklamieren, die eurasische Grenze zu definieren. Stellvertretend haben wir die Skulptur im Ural hinter der Millionenstadt Tscheljabinsk (55° 9' N, 61° 24' O) ausgewählt. Russische Touristen auf der Durchreise halten hier an, um sich im Vordergrund des tristen Monuments zu fotografieren und an einem Gebüsch ein Stück Stoff festzubinden, was angeblich glücksfördernd wirken soll. Glück kann man an dieser Außenstelle Europas gut gebrauchen. Tscheljabinsk, einst Zentrum der russischen Kriegs- und Schwerindustrie, war bis 1992 eine geschlossene Stadt. Wegen der unfassbaren Luft verschmutzung der maroden Kraft werke regen sich die Leute hier eigentlich weniger über die Strahlenbelastung auf, die ein Atomunfall Ende der 50er Jahre verursacht hat. Vor Fukushima war Tscheljabinsk nach Tschernobyl der am zweitschlimmsten verstrahlte Ort der Erde. Auch klimatisch ist der Ural nicht eben gesegnet. Die Hälfte des Jahres ist es unfassbar kalt, taut der Boden dann ab Mai auf, kommen die Mücken, die in den wenigen warmen Wochen des Jahres jeden Warmblüter aufzufressen drohen. Damit ist das Vergnügen, an den vielen hübschen Seen im Ural zu verweilen, leider nur als mittelmäßig zu beurteilen. www.ural-gebirge.ru

SC/sc

N

Der nördlichste Punkt des Festlands liegt auf der norwegischen Halbinsel Nordkinn und heißt Kinnaroden (71° 7' 57" N, 27° 39' 26,9" O). Touristisch gesehen wird als nördlichster Punkt Europas jedoch das Nordkap geführt, das auch tatsächlich nördlicher ist als das Nordkinn, aber auf einer Insel liegt, also nicht mehr zum europäischen Festland gehört. Wem wollen wir nun glauben. Dem Lexikon oder einer Urkunde, die der Autorin per »Zertifikat« bestätigt, am nördlichsten Punkt Europas, dem Nordkap (71° 1' N, 25° 47' O), gewesen zu sein. Wir wollen nicht pingelig sein, beides ist sehr weit im Norden, 520 km nördlich des Polarkreises, der Nordpol ist nur noch etwas mehr als 2000 km entfernt und die Landschaft ist von so atemberaubender Schönheit, dass man versuchen sollte, einmal im Leben dort gewesen zu sein. www.nordkapp.no


3. Recht und Ordnung. Real-LifeSuperheros (RLSH) nennen sich Menschen, die sich wie Superhelden aus Film und Comic kostümieren und dann in den Straßen ihrer verlotterten Heimatstädte gegen das Böse kämpfen. Wobei das Böse in allerlei Gestalt daherkommen kann und dementsprechend jeder RLSH gegen das kämpft, was er persönlich für abscheulich hält und wozu ihn seine irdischen Kräfte befähigen. In Brasilien bewacht seit Kurzem ein Batman Spielplätze, plaudert mit Jugendlichen, besucht Schulklassen und unterstützt ganz offiziell im Superhelden-Kostüm die brasilianischen Polizisten seiner Heimatstadt Taubaté. Der Trend, im selbstgenähten Comic-Kostüm für individuell interpretiertes Recht und Ordnung zu sorgen, ist nun von Amerika nach Europa geschwappt. In der tschechischen Republik bestraft SuperVaclav, ein Werbemännchen einer tschechischen


credits: Reuters, www.reuters.com, photographer: Radovan Stoklasa


»Batman« ist im Zivilberuf Maler.

Internetfirma, unsoziales Verhalten Prager Mitbürger, wie z. B. Rauchen auf der Straße. In Italien kämpft Entomo der Insektenmann gegen Umweltverschmutzung, in England Black Arrow gegen Tierquälerei. In der Slowakei will ein 26-Jähriger im Batman-Kostüm seine Heimatstadt Dunajska Streda ein bisschen lebenswerter machen. Zoltan Kohari hat mit seinem Vorbild Bruce Wayne eigentlich gar nichts gemeinsam. Der eine ist pleite, der andere Milliardär. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Koharis: »Ich habe mich entschieden, Gutes zu tun. Ich sorge für Ordnung und helfe, die Umwelt zu säubern, damit wir noch länger auf diesem Planeten leben können.« Körperliche Gewalt lehnt der arbeitslose Maler ab. In Dunajska Streda ist man dem Sonderling wohlgesonnen. »Er hatte ein hartes Leben, aber er ist sehr zuverlässig, und wir mögen ihn«, sagt Jana Kocisova, die in der Nachbarschaft lebt. »Für meinen Sohn und seine Klassenkameraden ist er ein Held.« Der slowakische Batman und seine euro-


SC/sc

päischen Kollegen stehen in der Tradition des Neighbourhood watch, der vor allem in Amerika beliebten Bürgerwehr. Die comic-hafte Überhöhung verleiht dem Trendhobby RLSH einen gewissen Humor. Solange die Heldenfiguren ihre gedankenlosen Mitbürger nur vom Qualmen auf Spielplätzen abhalten oder Kaugummipapier auflesen, ist die Rache der Enterbten ausgesprochen malerisch. Sobald aber einer im schwarzen Gummianzug auf die Idee kommen sollte, Selbstjustiz beispielweise an Strafentlassenen zu üben, sollten die Unverkleideten den kostümierten Herrschaften Einhalt gebieten. Vielleicht bitten sie Superman um Hilfe. Wer sich ebenfalls zum RLSH berufen fühlt, findet hiermit das passende Forum: www.worldsuperheroregistry.com

Im EU Land Slowakei ist die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch. Ein bisschen Ablenkung kann nicht schaden.


EB/ac

4. Über den Dingen. So schön das gemeinschaftliche Public-Viewing im kollektiven Wechselbad der Gefühle auch sein kann, klein gewachsene Menschen stehen dabei nicht selten vor dem Problem des Sichtverlusts, ausgelöst durch fußballenthusiastische Riesen, die mit unabsichtlicher Rücksichtslosigkeit den Blick auf das Spielfeld versperren. Mit dem Hochstuhl Love 15 von Supergrau hat das schmerzhafte und letzlich wenig erfolgversprechende Zehenspitzenstehen endlich ein Ende, so thront man auf ihm in fußballkaiserlicher Manier 2,20 Meter über dem Boden. www.supergrau.de

4.

AC/ac

5. 3.

6.

6. Elementarteilchen. Das Label The Medley Institute sorgt für ein ordentliches Durcheinander: Holz, Silber, Porzellan und Leder werden von Jana Patz zu Accessoires geschmiedet. Und der Mix hat sogar System. Swimmingpool nennt sich die Kollektion und zeigt dem Betrachter Figuren der Elementargeometrie. Mit dem Geodreieck lassen sich die Winkel definieren, mit dem Auge der subjektive Spaß an Ecken und Kanten. www.themedleyinstitute.com

AC/ac

credits: 4. PR, 5. photographer: Sarah Kühl, styling: Imke Jurok, Ava Carstens, 6. Sabrina Thiessen

5. More Logo. Wie viel Einfluss Social Communities auf den Erfolg einer einzelnen Person haben können, hat Emily Martensson am eigenen Leib erfahren. Sie stellte eines ihrer bedruckten T-Shirts auf Myspace und wurde sprichwörtlich über Nacht berühmt. Sie modifiziert mit Vorliebe die Logos namenhafter Modehäuser. Der Betrachter tappt in eine visuelle Falle, das Gehirn ordnet ganz automatisch die Symbole und Sprüche dem Original zu. Mittlerweile haben sich zu den bedruckten T-Shirts Kleider, Mäntel, Hosen und Accessoires gereiht. Heute ist 5Preview ein gestandenes Mode-Label. Mit uns ist Emily zu ihrem Ursprung zurückgekehrt und bedruckte in ihrem unverkennbaren Stil fünf Europa Shirts. 5Preview for LOVED & FOUND. Sie wollen eines der Unikate besitzen? Dann beantworten Sie uns folgende Frage: »Welches Land ist Ihr favorisierter EU Beitrittskandidat und warum?« Mehr dazu auf unserer Facebook Seite www.facebook.com/LOVEDMAGAZINE


OSLO

STOCKHOLM

BLAU, BLAU, BLAU SIND ALLE MEINE KLEIDER. Kragen: Weiß, mit Bogenkante von COS. Shirt: Taubenblau von Hien Le. Blazer: Signalblau von Just Female (über www.frontlineshop.com). ontlineshop.com Hose: Nachtblau, highwaisted von COS .

AC

7. Siebensachen. Die Ziffer Sieben ist bei uns für eine kleine Stilkunde reserviert. Wer seine Siebensachen packt, sollte zwischen dem Nötigsten und dem Wesentlichen unterscheiden. Wir stellen Keypieces vor, auf die man in dieser Saison nicht verzichten sollte – die also geradezu lebensnotwendig sind. Diesmal: Sterne, direkt aus dem EU Wappen, für die Dame, die mehr an Europa glaubt als an die Astrologie.

Fotos rechts, im Uhrzeigersinn: DER BLAUE PETER IST GEHISST – ALLE MANN AN BOARD. Shorts: helles Pastellblau von COS. Armband: aus goldenen Sternen und Bluse: Creme und Enzianblau, Stylists Own. BLAUÄUGIGKEIT. Hemd: Kobaltblau mit weißer Umrandung und weißen Sternen, Vintage. Shirt: Saphirblau, gesteppt von COS. ABWERTEND FÜR DIE FRAUENBEWEGUNG – HIER ABER TREFFEND »BLAUSTRUMPF »BLAUSTRUMPF« Socken: Saphirblau, grob gerippt von FALKE. Highheels: Fernblau, mit Schlangenledermuster von Weekday. Kette: türkisblau gekordelte Kette mit silber Sternanhänger von Becksöndergaard (über www.frontlineshop.com). ontlineshop.com ROCKSTAR. Shirt: Nachtblau von COS. Rock: Schwarz, mit ausgestanzten Sternen von Acne. Acne ZUR BLAUEN STUNDE. Tasche: Ultramarin mit goldenen Details von Tory Burch, Armband: Schwarzblau mit goldenem Sternanhänger von Stylist Own. Shirt: Saphirblau, gesteppt von COS. Rock: Stahlblau, an der Taille gerafft von Burberry. WEISST DU WIE VIEL STERNLEIN STEHEN ... Cardigan: dunkles Saphirblau, mit Paillettensternen von Closed. Make-up: schwarzer Paintball von Mac.

PRAHA


photographer: Sarah K端hl styling: Josepha Rodriguez www.rodriguezstyling.tumblr.com hair & make-up: Carolin Jarchow www.cargocollective.com/carolinjarchow model: Alica: www.placemodels.com


Tina Luther (photos), Spiri Fountoglou (hair & make-up)

SC/mh

. Gesichtskontrolle. Unter »Modell Europa« versteht man einen Staatenbund, dem wirtschaftlicher Wohlstand, soziale Gerechtigkeit, eine hohe Wertschätzung der Menschenrechte, die Verpflichtung zu parlamentarischer Demokratie und ein Mindestmaß an gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik zueigen ist. Das »Modell Europa« verdankt seine weltweite Hochschätzung der Kombination von Frieden und Sicherheit, ökonomischem Erfolg und der festen Bindung an einen Wertekatalog. Wir haben junge europäische Modelle gebeten, ihre Einschätzung zum »Modell Europa« abzugeben. Bei der anschließenden Befragung lässt sich feststellen, dass fernab von Schuldenkrise und Euro-Gejammer europäische Modelle in Europa glücklich sind. Schön sind sie allemal.


Johanna () Schweden: »Ich mag die europäische Geschichte und die reiche Kultur. Egal wo man hinfährt, es gibt immer was Interessantes anzuschauen.«


Christa (24) Niederlande: »Europäerin zu sein vermittelt mir das Gefühl von Freiheit.«


Irene (22) aus Deutschland: »Ob Metropole oder ländliche Gebiete: In Europa gibt es viel zu entdecken.«


Paulina () Polen: »Europa ist meine Heimat. Ich fühle mich in jedem Land wohl. Denn alle Länder sind verschieden, aber doch haben sie so viel gemeinsam.«


Dasha (2) Ukraine: »Die Welt zu bereisen ist großartig. Aber nichts ist mit Europa vergleichbar. Europa ist eine helle, farbenprächtige und unersetzliche UNION.«


Tsagana (16) aus Russland: »Ich bin ein großer Fan von Russland und ich liebe Europa.«


Olga (22) Ukraine: »Europa ist einfach mein Lieblingsort.«

photographer: Tina Luther www.birgit-stoever.de hair & make-up: Spiri Fountoglou www.spirihairandmakeup.com styling: Josepha Rodriguez rodriguezstyling.tumblr.com photo assistant: Sarah Kühl hair & make-up assistant: Jeannette Johansson models: Johanna, Olga www.megamodelagency.com, Irene www.placemodels.com, Tsagana www.promod.org, Christa www.m4models.de, Paulina, Dasha www.modelwerk.de casting: nu projects www.nu-projects.com postproduction: Retouched www.retouched.de


Idee, dass Studenten als Abschlussarbeit ein Hotelzimmer einrichten dürfen. Wie die jungen Designerinnen Ina Matt (Zimmer links, eher abstrakt) oder Roos Soetekouw (Zimmer rechts, eher postmodern), die bereits mehrere Räume bzw. Objekte im Exchange inszeniert haben. So oder so: Die Zimmer rangieren von einem Stern bis zu fünf und es lässt sich überall sehr gut aushalten. www.exchangeamsterdam.com

10. Den Überblick behalten. .

Post-it watch und notiere sich zu jedem Land die passende Zeitzone. Bei Russland allerdings braucht es neun Uhren. Da sieht der Arm schnell aus wie der von Wolle Petry. Post-it watches über www.pa-design.com

ANW/ke

9. Ein Kleid als Tapete. Ins Deutsche übertragen bedeutet das englische Wort »exchange« den schönen Begriff Gedankenaustausch. Und genau den hatten die Macher des Amsterdamer Hotels The Exchange im Sinne, als sie ihr Etablissement zusammen mit Studenten des sehr renommierten Amsterdam Fashion Institute konzipierten. Keines der 61 Zimmer sieht aus wie das andere: Das passt fein zur Amsterdamer Multikultur. Und es ist doch irgendwie eine total nette

10.

Wie soll man sich denn bloß merken, welches Land auf welchem Längengrad liegt, wie der Bezugslängengrad zu beiden Seiten ist und ob dieser im Ideal ein ganzes Vielfaches von 15° ist, natürlich im Bezug auf den internationalen Nullmeridian? Die Lösung naht! Man greife zur

AC/pm

9.


11. Eine loved-Kette . .und der Text dazu. .

»The book of love is long and boring / No one can lift the damn thing / It’s full of charts and facts and figures and instructions for dancing / But I / I love it when you read to me / And you / You can read me anything / The book of love has music in it / In fact that’s where music comes from / Some of it is just transcendental / Some of it is just really dumb / But I / I love it when you sing to me / And you / You can sing me anything / The book of love is long and boring ...« The Book of Love, aus dem Album 69 Love Songs, The Magnetic Fields. www.myspace.com/themagneticfields

ANW/ke

12.

13. Könige von Europa. Wer auf das Mantra aller Reisenden »Where are you from« eine prägnante Antwort geben will, rüstet sich mit den Ringen von Verena Schreppel aus. Die Designerin fertigt in ihrem Studio edle Schmuckstücke aus Ahornholz mit vergoldetem Silber in Form der Kontinente, Länder oder auch Städte, aus denen die meisten von uns kommen. Europaring oder Berlinring oder England-Manschettenknöpfe über www.verenaschreppel.com

TJ/np

12. Mittelfinger Missgunst. Jakob und David von Dandy Diary drehten den ersten Fashionporno der Geschichte. Ob dies nun eine große Bereicherung für die Menschheit ist, sei dahingestellt. Für Unterhaltung und Aufsehen hat das gute Stück sicher gesorgt, wurde dann allerdings verboten. Damit hat sich das relativ junge Genre des Modepornos erst mal erledigt. Ihr neues, bisher legales Werk Flip the Bird ist eine Hommage an den schönsten Finger von allen, den Stinkefinger, und die Antwort auf jegliches Verbot. Jakob präsentiert souverän DesignerRinge an ordentlich lackierten Nägeln. Seine favorisierte Art den Digitus medius zu zeigen, ist der aufgeklappte Spiegel mit dem Lippenstift: »Der kommt ganz besonders unerwartet – und darum geht es doch, wenn man jemandem einen Mittelfinger zeigt.« Wer jetzt nicht weiß, worum es geht – alle Stinkefinger-Spielarten auf www.dandydiary.de

AC/ac

credits: 9. Roos Soetekouw / Ina Matt / Mirijam Bleeker , 10. PA Design, 11. PR, 12. cinematographer: Arturo Martinez Steele / model: Jakob Haupt / stylist: Marlen Stahlhut, 13. Verena Schreppel

11.

13.


Benjamin Werner (photos), Sabine Cole (text)

. Glücklichere Hühner. Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 1,5 Mrd. Eier verbraucht. Knapp die Hälfe davon landen auf dem Frühstückstisch, das sind pro Kopf ca. 21 Eier. Der Rest wandert zum größten Teil in die Nahrungsmittelproduktion und wird zum Beispiel zu Nudeln, Likören, Backwaren oder Süßigkeiten verarbeitet. Um Milliarden an Eiern zu produzieren, arbeiten in Deutschland mehr als 35 Millionen Legehennen. Seit Anfang 2012 ist es nun in der gesamten EU endlich verboten, Hennen in sogenannten Legebatterien zu halten. Schon 1 wurde beschlossen, den Tierschutzgesetzen, nach denen es verboten ist, Tieren Leid zuzufügen, zumindest ansatzweise Rechnung zu tragen. Heute, 13 Jahre später, ist in Deutschland davon auszugehen, dass sich die Situation der Hühner etwas verbessert hat. Oder in Zahlen ausgedrückt: Der Legebatteriekäfig, der nun per EU Richtlinie verboten wurde, betrug 550 cm². Der neu ausgestaltete EU Käfig muss nun 50 cm² bemessen, der deutsche Kleingruppen-Käfig hat sogar ein bisschen mehr »Platz« für bis zu 30 Hühner, nämlich 00 cm². Eigentlich hätte in ganz Europa am ersten Januar umgestellt werden müssen. Doch während die deutsche Politik schon über neue, noch strengere Richtlinien, also noch größere Käfige nachdenkt, arbeitet das Gros der Hühnerfabriken weiter mit den alten Käfigen wie bisher.

Geschätzte 5 Mio. Hühner werden in der EU immer noch in Batteriekäfigen gehalten. Im Kleingruppen-Käfig, also der »Alternative« zur Legebatterie, fressen die Hühner am Fließband und stehen auf einem Gitterboden, durch den der Kot fällt. Ein Plastiknest zum Eierlegen befindet sich in der Ecke des Käfigs. Ein Industriehuhn schaff es, bis zu 320 Eier jährlich zu legen. Die Eier aus der Käfighaltung schaffen es allerdings so gut wie gar nicht mehr auf den Frühstückstisch. Der Deutsche will kein »Käfig-Ei«. Im Supermarkt werden Eier mit dem Stempel 3 für Käfighaltung nicht mehr gekauft. Diese Eier werden ausschließlich in der Nahrungsmittelindustrie verarbeitet. Und kommen dann im Aufback-Croissant doch auf den Frühstückstisch. Kauft sich der brave deutsche Bürger ein Ei, dann soll es mindestens Bodenhaltung (auf dem Ei durch die Ziffer 2 zu erkennen) sein. Noch besser Freilandhaltung (Stempel 1). Dort können die Hühner immerhin fliegen.


Deutsches Sperberhuhn


Zwerg-Wyandotten-Hahn

Entweder in einer Halle (Bodenhaltung) oder im Freien. Dafür werden aber bis zu 3000 Hühner zusammen gehalten. Die sozialen Regeln sind außer Kraft gesetzt und die Hühner fangen an, sich gegenseitig zu verletzen. »Picken« wird dieses Verhalten genannt. Die Starken gehen auf die Schwachen los, reißen ihnen die Federn aus und quälen sie, bis sie sterben. Um das zu verhindern, werden den Hennen die Schnäbel gekürzt. Das passiert maschinell in einer Küken-Schnäbel-Abschneide-Maschine. Aber auch mit kupierten Schnäbeln gehen die Tiere weiter aufeinander los. In der Boden- und Freilandhaltung ist der Stressfaktor um ein Vielfaches höher als bei den vermeintlich noch traurigeren Kleinkäfighennen. Mehr Medikamente müssen eingesetzt werden, dennoch sterben 10 % mehr Tiere als in den Käfigen. Wer also sichergehen will, dass sein Frühstücksei von halbwegs glücklichen Hühnern stammt, braucht den Stempel 0 auf dem Ei. Beim Bio Bauern gibt es Hähne. Das ist für das Sozialverhalten der Gruppe wichtig. So bilden sich kleine Gruppen, denn ein Hahn schart 30 – 35 Hühner um sich. Und in kleinen Gruppen gehen die Hühner nicht aufeinander los, hier wird nicht gepickt.

Der Hahn erfüllt auch noch eine andere Schutzfunktion. Er schaut in die Luft, ob Greifvögel kommen; dadurch fühlen sich die Hühner sicher. Die Hühner mit der Nummer 0 auf dem Ei können scharren, fliegen und sie können: vögeln. Noch glücklichere Hühner leben einfach bei ihren Besitzern. Ein Hahn, ein paar Hühner, ab und zu ein Ei, das keiner Normgröße entsprechen muss. Ein normal gehaltenes Haushuhn legt gut hundert Eier weniger als ein industriell gehaltenes Huhn, nämlich so circa. 200 im Jahr. Dafür wird dieses Huhn aber auch fast doppelt so alt, als die Kolleginnen aus der Hühnerfarm. An der Eierschalenfarbe kann man übrigens nur erkennen, welcher Rasse das Huhn angehört. Mit Bio hat die allseits so beliebte Farbe braun nichts zu tun. Es gibt glückliche Hühner, die weiße Eier legen, und braune Eier von gestressten Hühnern mit kupiertem Schnabel. Es gibt gesprenkelte Eier und sogar grüne. Wer Hühner sehen will, die solche Eier legen, der kann sich in Kleintierzuchtvereinen tummeln oder mal ein Hähnewettkrähen besuchen. In der lokalen Tagespresse werden solche Veranstaltungen gemeldet.


Bantam Hahn, goldhalsig


Appenzeller Spitzhaube

SC/sc

Hühner sind schöne und lustige Tiere. Das Federkleid ist weich, man kann Hühner streicheln, die Geräuschkulisse ist angenehm und beruhigend. Leider machen glückliche Hühner das Land nicht satt. Solange wir einen derart hohen Eierverbrauch haben, ist es nicht möglich, diesen mit Bioware zu decken. Trotzdem kann man darauf achten, welche Eier man kauft. Vielleicht findet sich in der Nachbarschaft ein Bauer, bei dem man Eier beziehen kann. Außerdem kann man versuchen, die schlimmsten Auswüchse der Ei-Industrie zu meiden. Flüssigei aus dem Tetrapack, aus dem manche Hotels und Bäckereiketten Rührei oder Omelett zubereiten, erkennt man an der völlig unnatürlich gleichmäßigen Konsistenz. Mit Ei gebundene Soßen aus der Packung, z. B. für Spargel, lassen sich leicht durch selbstgemachte ersetzen. Es gibt Nudelhersteller, die in der Zutatenliste auf der Packung vermerken, welche Eier sie verwenden. Generell gilt: Industriell zubereitete Fertiggerichte enthalten Eier aus industrieller Haltung. Wer selbst kocht, kann auch über die Herkunft des Eis entscheiden. Gack! Wir haben gesprochen.

Alle EG Richtlinien: www.eg-richtlinien-online.de Liste der Kleintierzuchtvereine: www.vereinsverzeichnis.eu/ vveu,106,0,Kleintierzucht-Vereine.html Eigene Hühner halten: www.huehner-haltung.de Verzeichnis der Biohöfe: www.bioverzeichnis.de/biohoefe.htm


Zwerg-Wyandotte


photographer: Benjamin Werner www.benjamin-werner.com


Bantam Hahn, goldhalsig


FOL IGNO DI PERUGIA ROMA

Maria Luisa kann nicht anders: Von Platterbsen, weißen Trüffeln und einer Messerspitze Wahnsinn (Gebundene Ausgabe) Judith Stoletzky, Rezepte: Maria Luisa Scolastra, Fotos: Justyna Krzyzanowska, Becker Joest Volk Verlag; April 2012 über www.amazon.de

SC/sc

15. Maria Luisa kann nicht anders.

Und wir können auch nicht anders: Dieses Kochbuch müssen wir gut finden. Erstens, weil wir gerne essen und sowieso alle guten italienischen Kochbücher besitzen. Auch wenn dieses hier ein dezidiert umbrisches Kochbuch ist. Zweitens, weil dieses Kochbuch nicht nur ein Kochbuch ist. Also nicht nur eine Heiligsprechung von regionaler Küche, von Hingabe, Liebe zum perfekten Produkt und all diesen Sachen, die jeder sehr gute Koch für sich beansprucht. Dieses Kochbuch präsentiert uns eine Köchin (das allein ist schon ein ehrfürchtiges »Madonna mia« wert), und zwar eine Köchin, die ein bisschen verrückt ist und auch dementsprechend beschrieben wird. Sie ist nicht nett, das ist übrigens kein Koch, sondern eine egomanische Diktatorin. Aber dankenswerterweise manifestiert sich ihre narzistische Störung nicht

in Poetry Slams oder Schauspielerei, sondern in so herausragenden Köstlichkeiten, das man sich schon beim Lesen in Linsen und Schmalz, in selbstgemachten Schweinswürstchen und Olivenöl wälzen möchte. Und das alles, weil die Autorin Judith Stoletzky es versteht, Maria Luisa Scolastra, ihr Restaurant in Foligno, ihre Freunde, ihre Zulieferer, ihre Heimat Umbrien und ihre Rezepte so zu beschreiben, dass man sich amüsiert, zuweilen sogar kichert. Würde man beim Lesen noch eine Flasche feisten umbrischen Wein leeren, müsste man sicher laut lachen. Und sich die Tränen mit einer fettigen Serviette abwischen. Wie man das tut, wenn man an einer langen Tafel sitzt mit Leuten, die das Wort Kalorie nicht kennen, Tiere auch für Ihren Geschmack lieben, Wein ohne Hinweis auf mögliche Kopfschmerzen verzehren, die mit dicken Brotstücken noch nach dem letzten Gang die Soße auftunken und sich gegenseitig ins Wort fallen, weil es soviel zu erzählen gibt. So ist dieses Buch. Dick, lecker, fett, salzig, süß und lustig. So wie man eigentlich immer wäre, wenn es keine Spiegel gäbe.


photographer: Justyna Krzyzanows ka


Jan Burwick und Christoph Himmel (photos & styling)

SANKT PETERSBURG

LONDON

SEVILLA

SC/ac

1. Das große Krabbeln. Kleinigkeiten (nique) aufpicken (piquer); das Wort Picknick soll französischen Ursprungs sein und mit der Mode des Adels, ihre Nahrung in kleinen Portionen in der Natur zu verspeisen, im 1. Jahrhundert aufgekommen sein. Natürlich reklamieren auch die Briten die Herkunft des Picknicks für sich, weil irgendein Lord mal eine Versammlung einfach so Picnic genannt haben soll. Wie dem auch sei. Französisch, englisch, deutsch, türkisch, überall wird draußen gegessen und auf Decken rumgekrümelt, Getränke verschüttet, Erdbeeren im Dekolleté versenkt und gegen die Kleinigkeiten gekämpft, die unweigerlich mitpicken wollen: Ameisen, Wespen, Spatzen. Alle wollen was abhaben von den Leckereien. Da empfiehlt sich eine gerissene Ablenkungs-Taktik: Die Wurstwaren- und Brotzeittaschen der Firma Cittie-Con-Carne mit ein paar Krümelchen befüllen und in angenehmer Entfernung zur Picknickdecke fallenartig auslegen. So viel Gastfreundlichkeit gegenüber Insekten wird mit üppiger Karmaauffrischung belohnt. Wenn das renitente Viehzeug dann spitzkriegt, dass der erschnüffelte Pastrami-Sandwich woanders verspeist wird, hilft nur noch: zuschlagen oder abhauen. Und die Taschen zum Transport des Pausenbrots verwenden. Cittie-Con-Carne-Produkte über www.dawanda.com


F체r Fans der Salami-Taktik: Ahle-Worscht-T채schli.


Ran an den Speck bzw. das Schinken-T채schli.


Die internationale Wespe liebt Mortadella in Form eines Wurst-T채schli.


photos & styling: Schmiede Fotografie Jan Burwick und Christoph Himmel, www.schmiede-fotografie.de

Süße Meisen machen sich am Marmeladentoast-Täschli zu schaffen.


Handballwettbewerbe bei Olympia vom 28. Juli bis 12. August 2012, mehr Infos unter www.london2012.com

SC/sc

credit: PR

17. Wirf mal rüber. Eigentlich verwunderlich, dass es die körperbetonte Sportart Handball nie geschafft hat, sich im Mutterland des robusten Mannschaftssport durchzusetzen. Wenn englische Männer sich kloppen wollen, spielen sie Fußball oder Rugby. Dabei hat Handball doch Vorzüge, die sich einem englischen Sportler und dessen Fan sofort erschließen müssten: Handball wird von 2 Meter großen und 100 Kilo schweren Kerlen wetterunabhängig in der Halle gespielt. Fouls werden nur im Notfall gepfiffen, der Körperkontakt ist massiv und die Angreifer werden oft sehr schmerzhaft gestoppt. Trotzdem würde sich ein Handballer nie auf dem Boden wälzen und jaulen. Handballer sind Engländer im Geiste. Nachdem London 2006 den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012 erhielt und damit England als gastgebendes Land das Recht hat, ohne Qualifikation in allen Sportarten zu starten, wurde beschlossen, eine britische Nationalmannschaft im Handball zu gründen. Mit einem Etat von 3 Millionen Pfund Sterling wurde der

Masterplan Englischer Handball für Olympia in die Tat umgesetzt. Zunächst wurden weltweit Handballer englischer Abstammung gesucht. In Deutschland wurde man beim Verbandsligisten HSG Vennikel/Rumeln-Kaldenhausen fündig. Torwart Craig Smith ist mittlerweile allerdings nicht mehr Teil der Mannschaft. Desweiteren wurden Rugby-Mannschaften nach passenden Kandidaten durchkämmt. Dann wurden bei einer Art »England sucht den Supersportler« (Sporting Giants) sportliche Typen gesucht. Einziges Teilnahmekriterium für die Show war eine Körpergröße von mindestens 1,90 m. Die »talentiertesten« Sportler wurden in ein dänisches Trainingslager gesteckt und einige zum TUSEM Essen transferiert, um dort Spielpraxis zu erhalten. Seit 2009 sind die Spieler auf sich gestellt und versuchen, in verschiedenen europäischen Mannschaften in den unterschiedlichsten Ligen sportlich gesehen ihren Weg zu machen. 2011 wurde die letztendliche Entscheidung getroffen, den bunten Haufen tatsächlich bei Olympia starten zu lassen. Der Kapitän der Herren-National-Mannschaft gibt zu, dass der Weg nach Olympia kein Spaziergang ist: »Finanziell ist die Sache ein ziemliches Desaster. Ich spiele in Frankreich, in Valence, so richtig schön ist es hier nicht, aber immer noch besser, als in England zu spielen. Zwei Nationalmannschaftskollegen spielen in Island und arbeiten nebenher in einer Baumschule. Zwei spielen in Dänemark und arbeiten in einer Putzkolonne, andere müssen in der Fabrik ran.« Die letzten Testspiele – das Spiel gegen Tunesien wurde 41:15 verloren – kommentierte Nationaltrainer Dragan Djukic mit den Worten: »So sieht die Realität aus.« Handball ist kein Sport für Weicheier. Und weil die erfolgsverwöhnten Jungs aus Deutschland sich nicht qualifizieren konnten, rufen wir an dieser Stelle dazu auf, den beinharten, mutigen Anfängern aus England bei den Olympischen Spielen in London die Daumen zu drücken.


EB/ke

TJ/mah AC/ac

19. Schräge Vögel. Das europäische Fußballglück liegt in diesem Jahr nur ein paar Autostunden gen Osten. Und ganz entgegen dem Vorurteil, in Polen gäbe es außer Hooligans nichts Spannendes zu besichtigen, bietet Warschau, die kulturelle Hochburg des Ostens, den idealen Nährboden für eine rege Kunst- und Designszene, die sich in abrissreifen sozialistischen Fabrikgebäuden dem hedonistischen Amüsement hingibt. So auch das Kreativkollektiv Gang Design, aus dessen Atelier diese farbenfrohen Memorysticks im Stil traditionell folkloristischer Vogelschnitzkunst stammen. Dabei eignen sich die Piepmätze hervorragend zum Archivieren von Urlaubseindrücken und anschließendem Verschenken an die Lieben in der Heimat. Ein Souvenir fernab kitschiger Schneekugelklischees. www.gangdesign.pl

21. Lammfromm. Die wollige Vintage-Tasche ermöglicht den Traum vom eigenen Hausschaf. Man kann sie streicheln, ausführen, ihr wichtige Dinge anvertrauen und ihr Dreads einflechten, um sie anschließend wieder mühselig herauszukämmen. Ein Zeichen der guten Erziehung: Das Tier ist selbstreinigend und stubenrein. Aber seien Sie gewarnt vor Regen: Schafsfell stinkt, wenn es nass wird! Schafsfelltasche über www.ateliersolarshop.blogspot.de

22. Jagdinstinkt. Früher wanderten die Neandertaler durch die europäischen Weiten auf der Suche nach Nahrung und erlegten das Viehzeug mit bloßer Hand. Wie haben sich doch die Sitten und Gebräuche geändert. Mit der Zwille von bpr Beams erledigen die Tiere sich gegenseitig. Hase, Kuh und Frosch haben sich mit Gummiband bewaff net, um per Steinschlag ihre Artgenossen umzuhauen. Eine Domestizierung der ganz eigenen Art. Bieber Holzzwille auf www.ebay.de

TJ/ke

AC/ke

18. Den Vogel abschießen. Eine Madame räkelt sich im animalischen Textil in der Sonne. Ein Signore streift durchs Revier. Angelockt von der grazilen Erscheinung nähert er sich, zunächst vorsichtig, dann forscher. Sie spielt das Spiel mit, bis das Männchen über die Strenge schlägt. Sofort wird ihm der spitze Schnabel zum Verhängnis. Bademoden mit Animal Prints von We Are Handsome über www.wearehandsome.com

20. Pelle der Eroberer. Wenn man noch klein ist, ist die Angst vor einem Dachschaden besonders groß: Auf die ersten Schritte folgen bald die ersten Tritte, und sobald man das Fahrrad richtig beherrscht, geht es los – die ganze Welt erkunden. Wer auf solch große Mission geht, sollte den Kopf angemessen schützen. Zum Beispiel mit dem Safari-Fahrradhelm von Yakkai. Mädchen schlagen sich mit rosa Blumen getarnt durch den Großstadtdschungel, stadtdschungel, Jungs mit blau-weißen Streifen. Fliegende Kokosnüsse oder große Bordsteine können einem so nichts mehr anhaben. Auf ins Abenteuer! Auf www.finnishdesignshop.com

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credits: 18. PR, 19. Gang Design, 20. Finnish Design Shop, 21. Atelier Solarshop, 22. photographer: Florian Raz

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Turban: Stylist’s own, Brille: Chanel, Ohrringe: American Apparel, Bluse: American Apparel, Apparel Top: Prada, Rock: Ralph Lauren, Gürtel: Aigner Vintage, Schuhe: Repetto, Kette und Tasche: Vintage

. Life is a beach. Europa ist groß! Und schön! Es ist reich an Gestaden und Stränden, an die so allerhand Meere schwappen und so manch eine Urlauberwelle. Das Schöne an Europa ist außerdem, dass hier alles, alles, alles seine Ordnung hat, und jeder immer weiß, wohin er gehört, sogar an welchen Strand. Sie doch sicher auch? Raten Sie mit! Zu gewinnen gibt es Unbezahlbares: Erdkunde und Menschenkenntnis.

A: Mykonos Super Beach, Griechenland B: St. Tropez, Frankreich C: Peniche, Portugal D: Cala Benirràs, Ibiza, Spanien E: Kampen auf Sylt, Deutschland F: El Arenal, Mallorca, Spanien G: Rimini, Italien H: Brighton Beach, Großbritannien


Mädchen: Ohrringe: American Apparel, Bikini und Trinkflasche: H&M, Er: Brille Oakley, Tattoos: by Kes One 3001, T-Shirt: Schiesser, Badeshorts: Vintage, Vintage Schuhe: Nike Air Max 90 Premium Armed Forces Warhawk Edition


3

links: M端tze: MCM, Brille: Gucci, Badehose: Versace, Schuhe: Converse, rechts: Brille: Gucci, Badehose: Gucci


4

Sie: Brille: Bulgari, Shorts: H&M, Badeanzug: Wolford, Schuhe: Stylist’s Own, Er: Brille: Ray Ban, Shirt: Polo Ralph Lauren, Hose: H&M


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links: Brille: Stylist’s own, Hemd: Vintage, Shorts: Ralph Lauren, Mitte: Bikini: Adidas, Pareo: Vintage, rechts: Shorts: Insight, Flip Flops: Reef


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links: Hose: H&M, Polo: Ralph Lauren, Pullover: Ralph Lauren, Brille: Ray Ban, Schuhe: Nauticas, rechts: Hose H&M, Hemd: Ralph Lauren, G端rtel: Aigner Vintage, Sakko: Calvin Klein, Schuhe: Nauticas


Alle Pareos: Las Dahlias Hippiee Market Ibiza, Taschen: Model’s own, Schmuck: Stylist’s own


production: La Roquette x Robert Grischeck production manager John Tichatschek john@laroquette.de production assistant Fritz Mayerhoff props assistent: Thomas Wesselmann background: Atelier Grüneberg www.atelier-grueneberg.de special Thanks to Rene Ahrens & Urs Amadeus Ulbrich photographer: Robert Grischeck www.grischek.com styling & props Adelaida Cue Bär adelaida@laroquette.de hair & make-up: Fee Romero fee@laroquette.de art direction: Julia-Christin Holtz casting: La Roquette

Bikini: Ana Alcazar, Surfboard: Full & Cas

Auflösung: Für alle, die noch nicht so viel von der Welt gesehen haben, sei hiermit verraten, wo sie diesen Sommer hinfahren oder eben besser nicht hinfahren sollten, um ihresgleichen oder eine andere seltsame Spezies zu treffen:

. . 3. 4. 5. 6. .

B, Ulla – St. Tropez H, Jann und Marie-Jolie – Brighton Beach, GB A, Tomm und Sergej – Mykonos Super Beach, Griechenland G, Sylvie und Peter – Rimini, Italien F, Kristin, Albert und Karl – El Arenal, Mallorca, Spanien E, Domenik und Alexander – Kampen auf Sylt, Deutschland D, Enzo und Ladislaus, Hank, Juri und Phoenix – Cala Benirràs, Ibiza, Spanien . C, Felicitas – Peniche, Portugal


JUS/ke

25. Back to the Nineties. Wir erinnern uns mit leichtem Schauder an zu früh dahinscheidende Tamagotchis, an Beverly Hills 90210, an »If you wanna be my Lover« trällernde Spice Girls, an die Love Parade und an farbige Strähnchen. Wer den Nostalgie-Look auf seinem Kopf wieder aufleben lassen möchte, ist mit Color Bug von Starfriseur Kevin Murphy gut beraten. Er zaubert mit einer Art Kreidestift Lila, Pink oder Orange ins Haar und ist dabei so einfach anzuwenden wie ein Lippenstift und sofort wieder auswaschbar. Schließlich möchte man nur für einen Abend wieder in die Neunziger. Das reicht dann auch. Haar-Make-up Color Bug unter: www.kevinmurphy.com.au EB/ke

AC/np

24. Zeigt her eure Füße. Schweden ist Fluch und Rettung für massenproduzierte Holzfüße. Ein schwedisches IKEA Karlstadt Sofa besitzt standardmäßig Beine in Birke. Wem das zu öde ist, aber geldbeutelmäßig keine Alternative zum schwedischen Massenhöker hat, der freut sich über die Individualisierungsmaßnahme von Jana und Mikael, ebenfalls aus Schweden. Unter dem Namen Prettypegs gestalten sie jedes Holz nach Wunsch um. Ob einfarbig, gestreift, ganz in den Farbtopf getaucht oder nur mit der Spitze – »Entdecke die Möglichkeiten.« Farbige Holzfüße unter: www.prettypegs.se

credits: 24. Prettypegs, 25. Color.Bug, photographer: Ruben Scupin, model: Kristin Eichmann, 26. PR

26. Die praktische Freizeithose.

In dieser flotten Röhre des bemerkenswerten amerikanischen Labels Mother muss man sich nicht mühsam die subtropische Sommerfrische auf die Beine machen, es ist umgekehrt. Das ist sogar in zweierlei Hinsicht irre bequem, auch wenn es nicht danach aussieht, als ginge es den Machern von Mother Denim um Tragekomfort. Ist aber so, jedenfalls auch. Der Designer von 7 for all Mankind und die Sales-Verantwortliche von Citizens of Humanity haben mal flott die Jeans neu erfunden und setzen auf die Sexyness von Kontrasten: weich wie Kashmir auf der Haut, aber Looks die derb ins Auge hauen. Und wenn sie mal einen geistreichen Text zu Mode lesen wollen, müssen Sie Muttern unbedingt besuchen. Jeans aus Baumwolle mit Elasthan über Stylebop oder Revolveclothing und www.motherdenim.com


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Sabine Schwarz (photos)

27. Naturphilosophie. Die Sehnsucht, zur Natur zurückzukehren, ist alt. Und selbst in Zeiten, die uns heute vergleichsweise naturnah vorkommen, fand manch ein sensibler, künstlerischer Geist die Zivilisation einfach zum Davonlaufen. So zogen Maler, Poeten, Wissenschaftler, Intellektuelle, Musiker und Fabrikantensöhne Anfang des 20. Jahrhunderts auf einen Berg im Tessin und tauften ihn Monte Verità (Berg der Wahrheit). Dort wollten sie ein besseres, wahreres Leben leben. Sie gaben sich nackt Licht- und Luftbädern hin und stürzten sich tief in die Psychoanalyse, sie erfanden Ausdrucks-Tanz, Vegetarismus, freie Liebe, Anarchie und allerhand andere SozialUtopien, und sie wohnten dabei in wandlosen, zugigen, Holzhütten. Alle waren da: Hermann Hesse, Hans Arp, C. G. Jung, Richard Strauss und auch Konrad Adenauer. Zwanzig Jahre hatte diese Kolonie Bestand, bis sie an ihrer Statutenlosigkeit zerbrach.


»Es ist nicht genug, beschäftigt zu sein; das sind auch die Ameisen. Die Frage ist: Womit sind wir beschäftigt?« Walden oder Leben in den Wäldern (H. D. Thoreau)

Der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau schrieb im Jahr 1845 das Buch Walden or Life in the Woods. Es entstand auf der Basis seines Tagebuchs über seinen von den Transzendentalisten inspirierten Selbstversuch, fern von der industrialisierten Massengesellschaft, von Leistungszwängen und Konventionen zu existieren. Zweieinhalb Jahre lebt Thoreau in einer winzigen selbstgebauten Blockhütte am See Walden Point, Massachusetts, schaut nach innen, schaut den Bäumen beim Wachsen und den Tieren beim Tiersein zu und er reflektiert dabei kapitelweise große Themen: Art und Zweck meines Lebens. Die Ökonomie. Höhere Gesetze. Die Einsamkeit zum Beispiel. So mancher Satz daraus eignet sich vortrefflich zum Zitieren und verleiht auch den Campingplatz- und Naturfreunden unserer Tage eine geradezu philosophische

Aura: »Ich ging in die Wälder, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich gar nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.« Es ist allerdings die Frage, ob es Introspektion und Sinnsuche sind, die den Deutschen dazu antreiben, sich auf einen naturnahen Campingplatz zu begeben, wo er – in aller Regel – für die Dauer einiger


Wochen verweilt. Das uns nachgesagte Talent zum Dichten und Denken legt diese Vermutung ja nahe. Dem Deutschen ist es eben von Natur aus nicht gegeben, als Bruder Leichtfuß durchs Leben zu schlendern. »Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort« – dies Liedchen pfeift zwar manch einer gedankenverloren vor sich hin, doch tut er es nicht beim Erfinden weltverändernder Theorien, sondern gewissermaßen beim Zementieren eines Status Quo. Er pfeift beim Häuslebauen – auch wenn es sich beim Häusle nur um ein Zelt handelt. Der Deutsche Freiluftfanatiker mag zwar die Jahreszeiten, aber darüber hinaus möchte er nicht, dass sich etwas verändert. Die Freiheit, die der Camper meint, verfügt über viel frische Luft, hat strenge Regeln und macht um 22 Uhr das Licht aus. Soviel hat man also schon mal von den schweizer Lebensreformisten vom Monte Verità gelernt.

Je begeisterter einer campt, desto verwurzelter ist er mit der Scholle und seinem Stammplatz auf derselben. Desto unverrückbarer scheinen sein Weltbild und sein Tagesablauf. Dass die vier Wände des High Peak Amalfi, des Sierra Leone II oder des Grönland Exped aus Polyurethan sind, ändert nichts an ihrer Eignung zur Festung. Und welch krasse Dialektik besitzt erst ein Wohnwagen, der keine Räder, aber einen Gartenzaun hat. Ergo – auch wenn es nicht so aussieht, der deutsche Camper ist vor allem eines: Philosoph. VW Busse, Caravans & Wohnmobile zum Verleih auf www.vanarama.de Hamburger Caravan Tage in Horn www.hamburger-caravaning.de

JUS/fe

photographer: Sabine Schwarz www.youseeblack.com

»Es war Morgen, aber siehe, nun ist es Abend geworden, und nichts Berichtenswertes ward getan.« Walden oder Leben in den Wäldern (H. D. Thoreau)


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29. Unkaputtbar. Gegründet wurde Brionvega 1945 in Mailand; aber der Umzug ins übersichtlichere Pordenone, gelegen in Friaulisch-Julisch Venetien (ja, das heißt so) hat den inzwischen längst kultigen Produkten überhaupt keinen Abbruch getan. Das liegt nicht nur an Kooperationen mit so schwindelerregend genialen Designern wie zum Beispiel Mario Bellini, Richard Sapper, Achile Castiglioni oder Ettore Sottsass. Die führten zwangsläufig dazu, dass Brionvega-Produkte wie das Radio Cube TS502 als Klassiker seiner Gattung in Museen zu bewundern sind, ebenso wie der legendäre Fernseher Algol & Doney.. Früher wie heute baut Brionvega doch tatsächlich Elektronik, die nicht nur zeitlos-cool aussieht, sondern auch richtig lange hält. Und kein eingebautes Verfallsdatum hat – das grenzt ja heutzutage schon an Irrsinn, echt wunderschöner Irrsinn. Mehr davon, bitte! Brionvega hat übrigens für jedes Portemonnaie etwas parat: wie das zusammenklappbare Radio TS522 (ca. 289 Euro) oder die umwerfende HiFi-Anlage Radiofonografo RR226 (ca. 6.100 Euro). www.brionvega-germany.de ANW/ke

ANW/ke

28. Ltd. Das Wort Luxus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet »üppige Fruchtbarkeit«, oder so ähnlich jedenfalls steht’s bei Wikipedia. Bei dem Super-Duper-Mega-Über-Giga-Angeber-Kicker mit dem schlichten Namen 11 könnte man eventuell Luxus ein Ideechen neu definieren, jedenfalls für den Kicker-Sektor. Die jeweils en Detail in den Niederlanden handgefertigten Einzelstücke werden nur auf Anfrage und eben limitiert gefertigt und finden Eingang in solch’ ehrwürdige Institutionen wie die Mailänder Möbelmesse. Das hat einen unmittelbar einsichtigen Grund: Mann oder Frau muss nämlich für die klassische Version in Schwarz/ Weiß mit ordentlich viel Chrom lässige 48.500 Euro hinblättern, sozusagen ein Basis-Preis. Na gut, das ist jetzt ungefähr so viel wie Monsieur Ribery als interne Strafe bei Bayern zahlen musste für die Klatsche, die er dem Streber Mijnheer Robben vor einer Weile verpasste. Okay, dann lieber doch den Kicker zur EM. www.11thegame.com

29.


AC/ac

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32. Chapeau! »Ohne Schnurrbart ist ein Mann nicht richtig angezogen«, wusste schon Salvador Dalí. Als wahrer Gentleman setzt sich dieses vornehme Trinkgefäß deshalb nur mit akkurat gestutztem Barthaar und eleganter Melone an den Frühstückstisch. Die Kopfbedeckung dient nicht nur dem Erhalt der Trinktemperatur, sondern auch als Aufbewahrungsort für Zuckerwürfel oder Gebäck. Eine Tasse mit zahlreichen sinnlosen Qualitäten, wie sich das für einen extravaganten Herrn mit Manieren gehört. Moustache Mug über www.peteribruegger.com

EB/ke

31. Charakter Car. Der ultraflache Mittelmotor-Sportwagen des britischen Autoherstellers Lotus Cars brachte von 1966 bis 1975 Tempo auf die Straßen des Vereinigten Königreichs. Dabei trägt dieses etwas skurril anmutende Gefährt den Namen eines Kontinents, der 45 Länder unserer Erde vereint: Europa. Mit seinem markanten Kastenheck mutet der Europa nach heutigem Sportwagenverständnis vielleicht nicht gerade wie ein eleganter Flitzer an, aber die Designer der ersten Mittelmotorautos waren auch vielmehr auf seine Zweckmäßigkeit bedacht. Dabei ist das aerodynamische Coupé mit einer Höhe von 109 Zentimetern und 610 Kilogramm ein Charakterauto mit Ecken und Kanten für Individualisten hinterm Steuer. www.lotuscars.com

EB/rs

credits: 28. 11 The Beautiful Game, 29. PR, 30. Celsius X VI II, 31. PR, 32. PR

30. Die Uhr tickt. Jedes noch so lumpige Handy hat eine digitale Uhr, die sogar meistens ziemlich genau geht. Da fragt man sich, wer auf die grandiose Idee gekommen ist, dem Handy Celsius X VI II LeDIX eine aus 600 Teilen bestehende mechanische Armbanduhr zu integrieren. Irgendjemand, der findet, dass die gute alte Taschenuhr eine exklusive Neuauflage verdient hat. Für schlappe knappe 300.000 Euro kann das Konglomerat aus Titan, Leder, Uhr und Telefon in der Hosentasche klingeln und ticken. Eine kleine Sensation. Oder? www.celsius-x-vi-ii.com

31.


oben sitzend, von links nach rechts: Sven Scheiter (Dänemark, Ida-Ehre-Platz), Klaus Petersdorfer (Russland, Mönckebergstraße), Stefan Reichow (Schweden noch ohne Trikot, Innenstadt), Jörg Wettstädt (Deutschland, ohne Trikot, damit Janne was anzuziehen hat, siehe Mitte, Vertriebsmitarbeiter Hinz & Kunzt) Daniel Zeistrow (Irland noch ohne Trikot, Innenstadt) mitte stehend: Thorsten Lange (Art Direktor Hinz & Kunzt), Bernd Kucklick (Kroatien, Innenstadt), Reiner Rümke (Spanien, Hammerbrook), Moritz Fürste (Hockey Nationalspieler), Janne Müller-Wieland (Hockey Nationalspielerin und HH-Sportlerin des Jahres), Stefan Danker (Ukraine, Europapassage), Erich Heeder (Italien, Bergedorf), Marcel Eger (Ex St. Pauli, z. Zt. FC Brentford), Burkhardt Franz (Tschechien, St. Pauli), Jens Ade (Geschäftsführer Hinz & Kunzt), Michel Dinzey (St. Pauli Jahrhundertauswahl), Frank Belchhaus (Vertriebsleiter Hinz & Kunzt) unten, kniend: Thommy Scheinhütte (England, holsteinischer Kamp), Holger Heider (Portugal, Stephansplatz), Uwe Tröger (Frankreich, Blankenese), Marco Fersen (Griechenland, Grindelberg), Oliver Wurm (Chefredakteur, EM Spezial Hinz & Kunzt), Tadeusz Ciesla (Polen, Lokstedt)


SC/sc

33. Football is coming home(less). Nach offiziellen Zählungen leben in Hamburg rund 1300 Menschen auf der Straße, 500 davon sind Hinz & Künztler. So nennen sich die Männer und Frauen, die das Straßenmagazin Hinz & Kunzt seit knapp 20 Jahren an 150 festen Stellen verkaufen. Pünktlich zur Fußball EM in Polen und der Ukraine gibt es nun schon zum zweiten Mal ein Hinz & Kunzt EM Spezial, das der Juni Ausgabe beiliegt. Schon der Erstling 2008 war ein riesiger Verkaufserfolg. Die Redaktion, wieder angeführt von Sportjournalist und Initiator Oliver Wurm, hat mit Unterstützung der lokalen Sport-Prominenz erneut ein bemerkenswertes Heft auf die Beine gestellt. Neben einem Spielplan und Fakten zu allen Teams gibt es ein Grußwort von Jogi Löw, ein fachkundiges Portrait des amtierenden Europa- und Weltmeisters Spanien von Star-Autor Ronald Reng und ein EM Essay von Hamburger-Abendblatt-Autor Dieter Matz. Herzstück der Unternehmung aber sind die Panini Portraits von 16 Hinz & Künztlern, abgelichtet in den Nationaltrikots der 16 EM Teilnehmerländer. Beim Shooting für die Hinz & Kunzt Europaauswahl amüsieren sich die »grauen Wölfe«, wie sich die Herren selbstironisch nennen, bestens. Die Trikots passen mal besser, mal schlechter, die Posen für die Fotografen sitzen perfekt. »Wir kennen das ja alles schon vom letzten Mal.« erklärt Burkhardt Franz (Tschechien), öffnet den Zopf und schüttelt die graue Mähne wie ein Fotomodel. Verkäufer Bernd Kucklick (Kroatien) spricht wohl für alle Kollegen, als er von seinen Erfahrungen mit dem letzten EM Spezial erzählt: »Am schönsten ist: Die Leute kommen von sich aus zu uns und wollen das Heft. Es macht Spaß, dieses Heft zu verkaufen.« Nach dem Shooting müssen die Hinz & Künztler unter Protest ihre Trikots wieder ausziehen. Denn die nächsten Models warten schon. 16 prominente Hamburger Sportler vom HSV Fußball und Handball, von St. Pauli, den Freezers, Boxen und Hockey werden in den vorgewärmten Nationaltrikots der EM Teilnehmerländer ebenfalls für den guten Zweck fotografiert. Für Fußballfans, Hamburger, und überhaupt alle Ab-und-zuFans, die sich eigentlich nur zu Großturnieren für Fußball interessieren, ist das EM Spezial von Hinz & Kunzt also die richtige Wahl. 100 von 190 Cent kommen zudem dem obdachlosen Verkäufer zugute. Beim Sonderheft sind es 320 von 640 Cent. www.hinzundkunzt.de


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01 Im Tor: Burkhardt Franz (Tschechien) und Erich Heeder (Italien) waren schon beim EM Spezial 2008 dabei, wie auch die meisten anderen Verkäufer. 02 Reiner Rümke (Spanien) in perfekter Panini Klebebild Pose. 03 Der Rucksack beweist Sportgeist und reich verteiltes Fantum und gehört Klaus Petersdorfer (Russland).

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04 Endlich mal einer, der ist, was er darstellt: Tadeusz Ciesla aus Polen für Polen. 05 Bernd Kucklick (Kroatien) schätzt, dass er wohl so 1/3 mehr Gewinn mit den EM Spezial Heften erzielen wird. 06 Thommy Scheinhütte (England) wollte sein Trikot nicht für die nachfolgende Prominenz ausziehen. »Beim letzten Mal durften wir die Trikots behalten. « 07 Hinz & Kunzt Fotograf Martin Kath hat Stefan Danker als Vertreter des EM Gastgebers Ukraine vor der Linse.

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Hemd, Pullover, Anzug, Krawatte, Schuhe: Joop!

Pullover & Hose: Hackett London

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34. Europa ballt die Faust. Europa wird weich, hieß das plumpe Credo des Donald Rumsfeld, als er auf dem alten Kontinent wenig Verbündete für den unsinnigen zweiten Golfk rieg fand. Wenn es um die Vormacht im bezahlten Faustkampf geht, hat Europa jedoch die platte Nase vorn. Und zwar mehr denn je: Vorbei die Zeiten, als der Globus auf New York und Las Vegas starrte, um die Titelkämpfe von Sonny Liston, Muhammad Ali und Mike Tyson zu erleben. Heute hat Amerika kaum noch Asse im Ärmel. Wer durch die Weltranglisten surft, findet Europäer, Latinos und Asiaten en masse – doch kaum US-Stars. Unter den Top 30 im Schwergewicht sind gerade noch zehn aus dem einstigen Mutterland des Showsports. Der Beste heißt Tony Thompson und ist auf Rang 8 platziert. Im Juli wird er nach Basel reisen, um Weltmeister Wladimir Klitschko zu fordern. Das hat er vor Jahren schon in Hamburg versucht, und es ist ihm nicht gut bekommen. Woran es liegt? Die Youngster versuchen sich in den Staaten lieber an Basketball und solchen Sachen, heißt es, da gibt es mehr Geld für weniger Schmerzen. Gäbe es einen Ryder Cup im Boxen, so wie im Golf: Wir wüssten schon, auf welches kontinentale Team wir unser Geld setzten. Auf das alte, weiche Europa. 60 Jahre Europäische Box Union, mehr dazu auf www.boxebu.com


Bandagen: Top Ten

Hemd: COS. Sakko und Hose: Paul & Joe

Tanktop: COS

photographer: Tino Cris贸 www.tinocriso.com styling: Ava Carstens & Pascal Hildinger hair & make-up: Marco H眉lsebus using Chanel and Bumble & Bumble www.marcohuelsebus.de photo assistant: Maximilian Motel hair & make-up assistant: Yasmin Farman model: Mitchell King c/o PMA Models www.pmamodels.com post: Thorben Bantje www.piquee.de text: Bertram Job


Schmidt & Gorges (photos), Jessica Klimach (styling)

eine Aussage. Ein Mann, der Denim trägt, ist eine Unabhängigkeitserklärung auf zwei Beinen, eine Aufforderung zum Kampf, ein sichtbar hoher Testosteronspiegel. Vorausgesetzt allerdings, der Mann trägt Denim nicht bloß untenrum, sondern absolut kompromisslos, auf totalitäre Weise vom Dickschädel bis zum großspurigen Fuß. Denn nur dann ist das Signal schön rebellisch.

JUS

. Serge de Nîmes. Serge aus Nîme … das verheißt nichts Gutes. Der Klang dieses Namens ruft den Duft von fi lterlosen Gauloises wach und Bilder von vernebelten Nachtclubnächten, die nicht vor dem nächsten Abend enden. Erinnerungen an verwegene Chansons, die mit heißem Whisky-Atem und rauer Stimme von einem unrasierten, ganz und gar nicht schönen, aber unwiderstehlichen Mann an den weißen Hals einer Belle de Jour gebrummt werden. Es handelt sich beim Serge de Nîmes aber auch um einen praktischen, weil robusten Baumwollstoff in Köperbindung aus der südfranzösischen Stadt Nîmes, der die Welt erobert hat. Ist der Serge mit Indigo blau gefärbt, sind wir auch schon beim Thema der folgenden Seiten und bei dem Stoff, aus dem echte Mannsbilder sich Wams und Buxe nähen sollten: Denim. Längst kommt das Indigo zum Blaufärben nicht mehr aus Indien, und die von dem Deutschen Levi Strauss erfundenen Levi´s nicht mehr aus Amerika, sondern aus Rumänien oder der Türkei, aber was solls! Hauptsache Denim hört endlich damit auf, so schrecklich gesellschaftsfähig zu sein! Richtig angewandt, hat Denim


Jeanshemd: Kuyichi, Ohrring: Maria Black


Hemd: Prada, Jacke: Acne, Boxers: Calvin Klein, Hose: Denham


Hemd: Acne


T-Shirt: Calvin Klein Collection, Kette: Bjørg, Hose: Calvin Klein Collection


Jacke: PRPS, Hemd: Lee


Hemd: PRPS, Jacke: Prada, Kette: Bjørg, Hose: Levi’s, Schuhe: Prada

photos: Schmidt & Gorges www.schmidtundgorges.com styling: Jessica Klimach www.jessicaklimach.de grooming: Gregor Makris www.bigoudi.de using AVEDA art direction: Imke Jurok assistant photographer: Friedrich Jaenecke models: Richi, Jan-Philipp, Tronje, Marcelo www.thespecial.org, und Kassem www.megamodelagency.com casting: nu projects www.nu-projects.com postproduction: primate postproduction www.primate.tv


36. Das ist mir zu abstrakt. Immer wenn bei Christie’s London ein neuer Rekordpreis mit einem Bild eines zeitgenössischen bzw. lebenden Malers erzielt wird, heißt der Künstler Gerhard Richter. Zuletzt ging Ende 2011 seine Kerze für 12 Millionen über den Tisch, ein abstraktes Bild aus dem Jahre 1992 brachte 4 Millionen Euro ein. Der Käufer könnte wohl ein Russe gewesen sein, denn unter russischen Sammlern ist Richter besonders begehrt. Von Kritikern gelobt, von Käufern geliebt, nur die sogenannten »ganz normalen« Leute, die sich Bilder ihrer Kinder und im Schlafzimmer einen IKEA Druck von Manhatten oder einer knalligen Tulpe an die Wand hängen, die mögen Richter gar nicht. Das Künstlerduo Vitali Komar und Alexander Melamid hat vor knapp 20 Jahren damit begonnen, den Kunstgeschmack des gemeinen Bürgers ohne Kunstsinn zu ermitteln. Aus den Umfragedaten, was als schön und was als hässlich empfunden wird, erstellen sie das Most Wanted und Least Wanted Gemälde der jeweiligen Nation. »Most wanted « sind in den europäischen Ländern eigentlich immer Landschaftsbilder mit Bäumen, Wald, Bergen, einem Gewässer und viel Himmel im Hintergrund. »Kitsch aus dem 17. Jahrhundert « möchte man angesichts der ollen Kamellen rufen. Oder »Malen nach Zahlen mit Bob Ross«. Die Gemälde, die der normale Mensch als absolut scheußlich verurteilt, sehen aus wie Gerhard Richter. Oder manchmal wie Malewitsch, aber auf jeden Fall abstrakt.

Germany’s Least Wanted Picture

Die einzigen Ausnahmen sind Holland und Italien. Vielleicht weil den Bewohnern der ehemals größten Malerei-Nationen die Renaissance zum Hals raushängt. Schließlich haben sie die Dreifaltigkeit aus Berg, Wald und Wasser erfunden. In Holland und Italien liegt »Most wanted« irgendwo zwischen Gerhard Richter und Chagall. Was lernen wir daraus? Der Prophet gilt im eigenen Land nichts. Richters Fenster im Kölner Dom muss für die jährlich 6 Millionen Besucher wirklich eine Qual sein. Nur für die Holländer und Italiener nicht. Most Wanted and Least Wanted Paintings unter http://awp.diaart.org/km/painting.html

SC/sc

Germany’s Most Wanted Picture


photo: PR

Unbedingt, wir empfehlen immer, dass man nach einer Weile in einen unserer Läden in Amsterdam, Osaka, Tokio oder London kommt, um seine Jeans zum Beispiel reparieren, säumen oder ausbessern zu lassen. Wir arbeiten nur mit originalen, amerikanischen Nähmaschinen. Denham ist eine authentische Jeans.

LOVED&FOUND: Warum sind Jeans so zeitlos? Jason Denham: Weil jede Jeans eine eigene Persönlichkeit hat bzw. deine eigene sozusagen repräsentiert. Eine Jeans passt sich deiner Körperform an und sie ist das funktionalste Kleidungsstück, das ich mir vorstellen kann.

Ihr arbeitet immer wieder mit Künstlern zusammen. Kollaborationen mit Künstlern gehören bei uns zum Programm. So entwirft jedes Jahr ein anderer ein T-Shirt-Print für uns, so etwa der Amsterdamer Künstler-Photograph Skulljan oder der in Tokio lebende Lok Jansen. Oder wir lassen uns von der Musik von James Lavelle, dem Gründer von Mo’Wax, inspirieren: Unser DesignTeam hat eine Special Edition entworfen, für einen Parka, der das linke Herz von James Lavelle hat und unsere DenhamHandschrift trägt.

Wie kam es zur Marke Denham? Ich fand den Jeans-Markt nicht mehr aufregend und wollte eine frische Marke erfinden, Anfang 2008 hab’ ich dann Denham gegründet. Dabei ist es ein netter Twist, dass mein Familienname sich wie Denim ausspricht – das ist bestimmt kein Zufall. Unser Motto lautet »The Truth Is In The Details«, will also sagen: Wir legen größten Wert auf Qualität und Verarbeitung, wir sind keine Copy Cats. Auch Service wird bei Denham groß geschrieben ...

Nachhaltigkeit bei der Jeans-Produktion ... ... ist eine Pflicht für uns Jeans-Produzenten. Es gilt, Wasser zu sparen und Umweltverschmutzung zu reduzieren. Wir benutzen nur Techniken, die lediglich eine Tasse Wasser pro Jeans brauchen – früher waren es 120 Liter für eine Hose, eine unglaubliche Verschwendung!

Welche Musik magst Du hören? Meines Erachtens wurde die beste Musik Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger gemacht: David Bowie, The White Album der Beatles, die Stones, Stevie Wonder. An zeitgenössischer Musik mag ich zum Beispiel Elbow, Gorillaz oder die Stone Roses. Ich bin auch ein Fan von DJ’s wie Jon Sa Trinxa – wenn er auf Ibiza auflegt, fahre ich gern dorthin. Was bedeutet Dir Europa? Für mich ist Europa eine Kombination aus regionalen Besonderheiten. Ich finde es großartig, dass wir in Europa aus sehr verschiedenen, kreativen Ecken kommen und uns gegenseitig beeinflussen und befruchten. Das Denham-Team besteht aus Holländern, Deutschen, Italienern, Franzosen, Briten – eben aus kosmopolitischen Europäern. Jeans mit Persönlichkeit über: www.denhamthejeanmaker.comm

AW/ac

37. Eine Tasse Wasser. Worship Tradition – Destroy Convention, so lautet das Credo des Holländers Jason Denham, dem Gründer der Jeans-Marke Denham. LOVED&FOUND sprach mit ihm über Körperform, Copy Cats, Authentizität, James Lavelle, Kunst und den europäischen Gedanken an sich.


SC/sc

EB/ke

41. Volksvergnügen. Herrlich, die Festivalsaison beginnt. Draußen, laut, Headliner, Lowliner, Aufleger, Spinner, DJ’s, Rock, Metal, Hardcore, Elektro, leere Chillout Zelte, verstopfte Dixie-Klos, Pieselwiesen, Camping, Matratze im Kombi, Ohrstöpsel verloren, falsche Schuhe dabei, Matsche, Staub, Sonnenbrand, Bier, Bier, Bier, wo sind meine Freunde, hier sind neue, Stagediving, Aspirin vergessen, Ekstase, Hammer Band entdeckt, Shirt kaufen, Bändchen am Handgelenk lassen, damit zuhause alle wissen, wo man gewesen ist (z. B. mit 130.000 anderen auf dem Distortion Festival in Kopenhagen). Alle anderen Festivals unter: www.festivalticker.de, www.eu.festivalawards.com

credits: 38. www.heiko-richard.com, 39. PR, 40. Gerrit Starczewski, 41. photographer: Kenneth Nguyen

40. Festivalflitzer. Freigeister der Festivalszene zelebrieren ihre Liebe zur Musik jetzt mit nackten Tatsachen. Inspiriert von einem Engländer, der auf dem Melt! 2012 blankzog und daraufhin eine Welle der Euphorie auslöste, initiierte Fotograf Gerrit Starczewski das Projekt nakedHeart, das Menschen vor den Festivalbühnen der Nation vereint, um aus ihren Körpern überdimensionale Herzen zu formen. Ziel der Fleischbeschau ist es laut Starczewski, ein intuitives, gemeinschaftliches Erleben von Kunst, Körper und Musik zu schaffen. Klingt nach Ravernudismus. www.nakedheart.de

SC/ac

39. Lasst hören, Mädels! Seit dem letzten Album der Queens of the Stone Age sind über fünf Jahre vergangen. Doch nun tönt es, als hätte das lange Warten in der FräuleinwundersoundsÖdnis endlich ein Ende. »Locked away in the desert & Shit, yeah. It. Sounds. Fuckin᾽. Killer.« Das lässt Josh Homme (der sexieste rothaarige Mann der Welt!) aus dem Tonstudio ausrichten. Darüber sind wir sowas von erleichert, denn nun kommen wir stilvoll durch diese Saison! Als erbarmungslose Stylediktatoren hören wir zum Navajo-Ikat-Ethno-PatternBlocking eben nicht Boy- oder Mädchenmusik, sondern was, das funzt, qualmt und stoned macht. Was konveniert da besser als basslastiger Desert Rock mit hitzeflirrenden Gitarrenriffs, pochenden Drums und drastischen Kontrasten, sanft wie das Fell des Koyoten und beinhart wie die Steinzeit. Kein Mensch weiß, wie das Album heißen soll und wann genau es kommt. Aber eins ist schon klar: It. Sounds. Fuckin᾽. Killer. Hat Frau Königin versprochen. www.qotsa.com

JUS/ke

38. Der Entertainer. Es gibt so Leute, die sind in ihrer Schamlosigkeit bewundernswert. Olli Schulz ist blass, groß und irgendwie auf kräftige Art leptosom. Er hat keine schönen Haare, schwitzt viel und trägt mittelgut sitzende Anzüge mit Loch in der Tasche. Wenn er sich bückt, rutscht das Hemd aus der Buxe. Er hat einen Hamburger Akzent, von dem man nicht ahnen will, wie er auf Englisch klingt. Seine musikalische Grundbildung ist Metal, auf seiner DVD sieht man ihn besoffen spielen, da hört sich Metal mehr wie Punk an, wegen noch mehr Alkohol. Olli Schulz ist Singer/Songwriter, wenn man so will. Aber eigentlich ist er eher Entertainer. Er redet auf der Bühne ununterbrochen, liebt und beleidigt das Publikum, improvisiert in seine Texte rein, so dass er es schafft, sogar beim Singen zu reden. Ein gewisser Größenwahn zeichnet ihn genauso aus, wie das Wissen darum, dass er zwar eine lange Bühnenerfahrung hat, aber so richtig zum Popstar eigentlich nicht taugt. Er verehrt hemmungslos Kollegen, macht sich aber auch über alle derart lustig, dass ihm das schon ein paar Problemchen eingebracht hat. Die Lieder auf seiner neuen Platte SOS save Olli Schulz sind wieder toll. Aber seine wahre Größe entfaltet er, wenn er quasseln kann. Live (auf zahlreichen Festivals im Sommer), im Radio (Olli Schulz on Tour – alle zwei Wochen sonntags von 16.00 bis 18.00 Uhr auf radioeins), ab und zu im Fernsehen und auf seiner aktuellen DVD, die wir an dieser Stelle genauso empfehlen wie seine CD. Dann ist Olli Schulz so großartig unverschämt und lustig, dass man ihn umarmen möchte. Wenn er nicht so schwitzen würde. SOS – Save Olli Schulz, Trocadero/ Indigo www.ollischulz.com


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AC/ke

AC/np

43. Schneller als sein Schatten.

Die Türen des Saloons schwingen geräuschvoll zur Seite. Das Pferd steht gesattelt nahe der Veranda, bereit für den Aufbruch. Ein Mann tritt aus dem Schatten des Vordachs, er richtet seinen Hut. Bei jedem Schritt hört man den Widerhall der Sporen und »Bonanza« ruft: »Howdy Partner!« Der Money Maker erinnert stark an einen Waffengurt, doch dienen die Lederriemen hier einem ganz anderen Transportzweck: Kamera und Equipment. Ob nun Cowboy oder Fotograf, wer schnell zum Schuss kommen will, sollte sich den HoldFast Gurt umschnallen. So ist man gut gewappnet für den Kampf ums beste Bild und hat Kamera und Objektive stets griffbereit. Money Maker über www.holdfastgear.com

44. Für Hänger. Wie die Primaten auf Bäumen hausen und lausen, ein tierischer Gedanke. Evolutionstheoretisch ist diese Entwicklung zwar rückwärts gewandt, nicht aber für echte Abenteurer. Das Schlafen im Hanging 3-Person Tree Tent kann auch ohne Fell zum animalischen Erlebnis werden. Wenn sich nachts der Blasendruck bemerkbar macht, sie aber einige Meter über dem Waldboden schweben, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie probieren im Halbschlaf eine waghalsige Kletteraktion über die Strickleiter oder aber Sie hängen ihren Allerwertesten aus der Zeltöffnung und lassen der Natur freien Lauf. Hanging 3-Person Tree Tent über www.tentsile.com

45. Geschmackvoller Abriss. Die lettischen Wallpaper-Designer Znak haben zusammen mit dem niederländischen Konzeptkünstler Aldo Kroese und dem Berliner Designerduo Studio Hausen eine perforierte weiße Tapete gestaltet, die der Heimwerker ganz nach Belieben zurechtzuppeln kann. Ob gleichmäßiges Muster oder kreatives Durcheinander, ob auf einer einfarbigen Wand oder über dem Kunstwerk Ihres Kindes: Die TearOff-Tapete ist einfach hinreißend. Auf www.znak-life.com

EB/np

EB/eb

42. Guter Stoff. Sie sind nur einige tausendstel Millimeter groß. Und obwohl man sie nur mit konzentriertem Auge unter dem Mikroskop erspähen kann, sind sie allseits gefürchtet als infektiöse Übeltäter. Dabei folgt auch der Mikrokosmos der Bakterien dem Prinzip von Gut und Böse. Das hat auch die britische Modedesignerin Suzanne Lee im Rahmen ihres Forschungsprojekts Biocouture erkannt, als sie die »guten« Bakterien solange mit grünem Tee und Zucker fütterte, bis sie sich aus lauter Dankbarkeit erkenntlich zeigten und durch Fermentation Zellulose spannen, woraus Lee ökologisch korrekte Kleidungsstücke wie diese Bluse schneiderte. Leider sind die nützlichen Winzlinge eher gemächliche Esser. Deshalb kann es bis zu zwei bis drei Wochen dauern, bis sie ausreichend Material für ein Stück hat. Das macht diese umweltfreundliche Alternative der Stoffherstellung leider untauglich für die große Textilindustrie. Aber wer weiß, vielleicht findet Lee bald eine Möglichkeit, die Bakterien davon zu überzeugen, ein bisschen mehr zu schlingen. www.biocouture.co.uk


credits: 42. Biocouture, 43. HoldFast Gear , 44. Tentsile, 45. Znak & Movisi

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Philipp Wene (photos), Sabine Cole (text)

. Erhobenen Hauptes. Vor drei Jahren erfand Thilo Sarrazin in einem Gespräch mit dem französischen Intellekt-Journal Lettre das unsägliche Verdikt von den »ständig neuen kleinen Kopftuchmädchen«. Die Debatte darum konnte auch mit dem Bekenntnis des damaligen Bundespräsidenten Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland, nicht beendet werden. Wir gehen im Ruhrpott auf die Straße und machen uns möglichst unbefangen auf die Suche nach Kopftüchern und den Frauen, die sich darunter »verstecken«. In einem Eiscafe im Zentrum Dortmunds sprechen wir Kerime und Aysel an. Die beiden Stadtteilmütter arbeiten für ein gleichnamiges Integrationsprojekt der Landesregierung und der Diakonie. Kerime trägt ein schwarz-rot gemustertes, quadratisches Seidentuch. Der Halt des Tuchs ist durch Stecknadeln garantiert. Die Bindetechnik ist nach Auskunft der beiden klassisch: Ein Faltenwurf unter dem Kinn verdeckt Hals und Dekolleté. Aysel hat sich diese Partie in den Kragen ihres schwarzen Rollis gesteckt. »Das macht man so eigentlich nicht, aber ich finde das praktischer.« Auf die Frage, wieviele Tücher sie haben, antworten beide übereinstimmend: so vierzig bis fünfzig. Beide verneinen die

Frage, ob ihre Männer sich in die Kopftuchgestaltung einmischen. »Die sagen schon mal, wenn sie ein Tuch farblich nicht passend finden.« Ansonsten habe Aysel ihren Mann ohne Kopftuch kennengelernt, und als sie sich entschied, Kopftuch zu tragen, wäre er erst gar nicht begeistert gewesen. Mit der Frage, ob man als Kopftuchträgerin genauso oft zum Friseur geht wie ohne, ernten wir belustigte Entrüstung: »Wir sind genauso eitel. Wenn ihr uns ohne Tuch sehen könntet: Gefärbt, glatt, lockig, mit Strähnchen, da ist alles dabei.« Die Friseure, zu denen die Frauen gehen, haben extra Räume, die vor offenen Blicken geschützt sind. Zuhause wird das Kopftuch abgelegt. »Manchmal, wenn man eine Frau nicht näher kennt, also nur mit Tuch, und man sieht sie plötzlich ohne, z. B. im Schwimmbad, dann erkennt man sich gar nicht. Man versucht auch oft , sich vorzustellen, wie diese oder jene Frau wohl ohne Tuch aussieht, was sie für Haare hat. Die Augenbrauen verraten viel.« Erzählt Aysel. Im Dortmunder Norden lernen wir Mariama kennen. Ihre Familie ist aus Marokko und betreibt ein Geschäft für traditionelle und festliche Kleidung und Zubehör. Sie trägt ein weißes Bone, eine Art Baumwollmütze, die wie bei einer


Die Trendfarben der Saison in Mariamas Laden in Dortmund ist ein Bone in Apricot oder hellem T端rkis, dar端ber ein Tuch in Olivgr端n oder kr辰ftigem Pink.


Ayse arbeitet in dem Schmuckgeschäft ihrer Familie in Witten.

Theaterperücke die Frisur bändigt. Die Unterkopftücher sind die Basis jedes gut sitzenden Kopftuchs und sichern zudem den Haaransatz. Ein Bone gibt es in jeder Farbe, für festliche Anlässe auch mit Satinabsatz über der Stirn, aus Glitzerstoff gefertigt, mit Steinchen bestickt. Über dem Bone trägt Mariama ein einfarbiges Tuch, sehr kunstvoll drapiert und mit einer Sicherheitsnadel so auf der Schulter festgemacht, dass es nicht verrutschen kann. »Wir aus Marokko und Tunesien mögen es eher schlicht, elegant.« sagt Mariama lächelnd und macht damit klar, wo der Schick ihrer Meinung nach zu suchen ist. Mit neuen Informationen gerüstet lernen wir Ruweida kennen. Gleiche Bindetechnik, das Tuch aber mit einem silbernen Muster durchwirkt. Ihre Familie ist aus dem Libanon. Aha, es geht Richtung Orient, deswegen also eher gemustert, aber eben auch noch fast Nordafrika, also uni und elegant folgern wir. Und glauben auch schon auf dem Weg zu sein, die Landes-Zugehörigkeit am Tuch und dem Wickelstyle erkennen zu können. Wie es die Kopftuch tragenden Frauen können.


oben: G端lhacer unterst端tzt Tuisa hilft, ein Projekt f端r interkulturelles Miteinander. unten: Laila, eine libanesische Rose, aus Gelsenkirchen, liebt T端rkis.


Ruweida ist aus dem Libanon und aus Dortmund.


Aysel und Kerime, die beiden Stadtteilmütter aus Dortmund sind seit 15 Jahren miteinander befreundet.

Ein paar andere Details sollen an dieser Stelle auch vermerkt sein. Nur eine Frau, die wir angesprochen haben, wollte nicht fotografiert werden, weil es ihrem Mann nicht recht sei. Alle anderen hatten entweder keine Lust oder waren sofort dabei. Frauen mit Kopftuch sind meist Sunniten bzw. Mitglieder einer zu den Sunniten zählenden Sekte. Sunniten lehnen den Tschador der Shiiten ab. Verachtung blinkert aus ihren Blicken, wenn wir danach fragen. »Erzwungene Kopftücher verlieren ihre Bedeutung« erklären Kerime und Aysel, die beiden Stadtteilmütter, vehement. Ihre Freundinnen, die mit am Tisch des Eiscafés sitzen, nicken. Masy, eine schöne Frau mit langen schwarzen Haaren und verspiegelter Sonnenbrille, kommt aus dem Iran. Sie hat bis vor kurzem Tschador getragen. Ungläubig starren wir sie an. Sie zieht sich ihr buntes Halstuch über den Kopf und fragt: »Wollt ihr jetzt von mir doch ein Bild machen? Mit Kopftuch?« Die Runde lacht. Und wir haben immer noch kein Kopftuchmädchen gefunden.

Eine beliebte türkische Marke für Kopftücher ist www.armine.com, Mariamas Laden findet man unter www.dar-assalam.de, die Stadtteilmütter kontaktieren Sie bitte bei www.diakoniedortmund.de und sehr gut gefällt uns das Projekt www.tuisa.de.

SC/sc

Gülhacer, die wir in der Fußgängerzone von Gelsenkirchen ansprechen, belehrt uns eines Besseren. Cyanfarbener Bone, dunkelblaues unifarbiges Tuch. Aber sie ist aus der Türkei, wo wir ja eigentlich die Muster beheimatet glaubten. Sie erklärt uns, wie die Hinterkopfbetonung zustande kommt, die wir bei vielen jungen Frauen beobachten. Um den Zopf werden weitere Tücher gewickelt, darüber der Bone gezogen. Tuch drauf, Nofretete fertig. Gülhacer fragt uns selbstbewußt aus: »Was wollt ihr schreiben? Dass wir alle unterdrückt sind und deswegen Kopftücher tragen? Sagt euren Lesern, wir machen das freiwillig. Wir entscheiden uns dazu aus Überzeugung.« Nichts Anderes würden wir bei ihr annehmen. Laila hat Lidschatten und Bone farblich aufeinander abgestimmt, auch das Oberteil passt perfekt. Dazu eine große Kreolenkette. Die Schwestern Ayse und Hafize, die in Witten in einem Schmuckgeschäft arbeiten, haben ihre Tücher aus eher robusten und voluminösen Baumwollstoffen sehr individuell geknotet. »Den seitlichen Knoten hab ich mir selbst ausgedacht« erzählt Ayse. Auch diese Familie ist aus der Türkei. »Ost-Türkei«.


... und so sah sie bis vor kurzem aus – jetzt wird gebaut.

ihr eine Bedeutung, ein Leben, eine Identität verleihen, die auf der gefundenen Identität aufbaut.« Graft wurde für die Gestaltung der Inneneinrichtung nach dem Baubeginn engagiert. Die Rücksichtnahme auf denkmalgeschützten Bau versteht sich von selbst. Ebenso wie eine andere, prinzipielle Haltung: Die Architekten begreifen Nachhaltigkeit als Notwendigkeit. »Zu ihr zählen neben anderen Aspekten Energie-Einsparung, Müllvermeidung, der klimatische oder der soziale Kontext«, betont Wolfram Putz. Und so wird es in der Innen-Architektur der Alten Mühle mithin raue Stellen geben. »Eine solche Haltung braucht auch einen besonderen Investor, der solche Ziele mit trägt – in diesem Falle die Soravia Group.« Die Weiße (beo-) Stadt (-grad) an Donau und Save wurde während des Kosovokrieges 1999 von der NATO bombardiert – noch heute sind Ruinen dieses Krieges im Stadtbild zu sehen. Nach dem

Sturz des Präsidenten MiloŠević und der Auslieferung von Kriegsverbrechern wie Mladić und Karadžić bewegt sich Serbien auf Europa zu. Nachdem Slowenien schon lange in der EU ist, Kroatien gerade aufgenommen wird, erreicht Serbien dieses Jahr den Aufnahmestatus. Belgrad finden die Graft’ler nicht nur deshalb gerade sehr aufregend. »Belgrad hat eine äußerst lebendige Kunst- und Subkulturszene. Es erinnert mich stark an das Berlin der 90er Jahre, weil es permanent in Bewegung ist.« Im wahrsten Sinne des Wortes: Die wilde Party-Szene der Weißen Stadt ist kein Geheimtipp mehr – aus ganz Europa kommen Menschen nach Belgrad, und das nicht nur an Wochenenden. Bald werden sie auch im Hotel Old Mill absteigen können. Schönen Gruß von Graft dann mal. www.graftlab.com

ANW/anw

Kennengelernt hat sich das Quartett (Wolfram Putz und Thomas Willemeit, beide 43, und Gregor Hoheisel und Lars Krückeberg, beide 44) an der Fakultät für Architektur der Uni Braunschweig. Dann führte es sie nach Los Angeles, heute haben sie dort und in Berlin und in Peking jeweils Dependancen. Entworfen und gebaut haben sie schon rund um den Globus. Eines der aktuellen Projekte: The Old Mill/Die alte Mühle, ein Hotel in Belgrad. »Wie immer, so wollen wir auch hier eine besondere Geschichte erzählen, die ihre eigene Ästhetik entfaltet«, sagt Thomas Willemeit im Gespräch mit LOVED&FOUND in Berlin. »Wir zitieren die Geschichte der Alten Mühle, indem wir etwa mit erhaltenen Holzbohlen, alten Ziegeln und Stahlstützen arbeiten, und diese mit modernen Materialien kontrastieren, wie zum Beispiel Beton«, ergänzt Wolfram Putz. Die Lage des künftigen Hotels kann man, so Lars Krückeberg, »schon ein wenig mit dem Meat Packing District in Manhattan vergleichen.« Und wie bei all ihren Projekten, so Lars Krückeberg, »interessieren wir uns für eine Architektur, die über das Bauwerk oder das Interior hinausweist. Wir wollen

So wird die Lobby der Old Mill aussehen ...

credits: Photo: Aleksandar Rados / Rendering: Graft

47. Raue Stellen. Die Ambivalenzen des Architekturbüros Graft sind im Namen selbst aufgehoben. »To graft« kann umgangssprachlich »überlisten« bedeuten; in der Botanik versteht man darunter eine Veredelung und es kann ebenfalls »hart arbeiten« heißen. Als Substantiv beschreibt es ein Körpergewebe, das sich zu Transplantationen eignet. All diese Graft-Sinne gefallen den vier Partnern nur zu gut.


links: L.n.a.p.s.m.l., 2010, 185 x 90 cm, Öl auf Leinwand, rechts oben: Triptychon Erika3, 2009, 120 x 120 cm, Öl auf Leinwand rechts unten: Triptychon Erika2, 2009, 120 x 150 cm, Öl auf Leinwand

JUS/ac

48. Der Tod und der Junge. Das Lieblingstier des jungen Hamburger Künstlers Lorenz Goldstein (*1984) ist der Rabe. Und der ist bekanntlich rabenschwarz und er kreist unter Mark und Bein erschütternden Rufen über Gräbern und Totenhäusern und ernährt sich von Aas. Beim Betrachten der Malerei dieses jungen Menschen sieht der Amateurpsychologe da einen erhellenden Zusammenhang: Lorenz Goldsteins Thema ist der Körper und oft auch sein Verfall, vor allem der seiner Hülle, deren Anblick wir inzwischen nur noch in totgephotoshoppter Makellosigkeit zu Gesicht bekommen und auch nur so schön finden können.

Goldstein findet die nackte Wahrheit interessanter. Dabei sieht er mit seinem pausbäckigen Gesicht und seinen dichten dunklen Engelslocken so unschuldig und bubenhaft aus, als habe er von Tod und Verfall noch nie in seinem ganzen Leben gehört. Die Form seiner Malerei steht auch in krassem Kontrast zu ihrem Inhalt. Mit kühnem, energischen, ebenso präzisen, wie unangestrengten Strich führt Goldstein den Pinsel. Die alte oder sterbende Haut ist unfassbar lebendig und geradezu farbenfroh. »Für mich sind diese meist fein nuancierten Farben vergleichbar mit wunderschönen Herbstblättern, die ihre Farbigkeit noch ein letztes Mal ändern, um dann zu Staub zu zerfallen«. Spannung zwischen der Ästhetik einer Oberfläche und ihrem Inhalt war auch der Ausgangspunkt für die »Schwarzen Bilder«. Der Anblick von verölten schwarzglänzenden Tieren nach Ölkatastrophen haben ihn schockiert und erschüttert, ihre Ästhetik aber hat ihn fasziniert. Lorenz Goldsteins nächste Einzelausstellung findet ab 5. Oktober im Erarta Museum of Contemporary Art in St. Petersburg statt. Dort werden auch Skulpturen und Fotografien zu sehen sein und die Empfehlung lautet ohne jegliche Dialektik: hingehen! Zumindest hierhin: www.lorenzgoldstein.de


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49. Jaques Tati revisited.

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50. War Sum Up Opera. Jekami. Die Schweizer machen zwar bei war sum up nicht mit, aber ausgerechnet diese haben für Etwas, bei dem jeder mitmachen kann, das japanisch anmutende Wort »Jekami«. Damit wären wir auch schon in Riga (der europäischen Kulturhauptstadt 2014), wo eine Oper zur Urauff ührung kam, die die Welt noch nicht gesehen hat. Music. Manga. Machines. ist ein multimediales Sound-Licht-DesignSpektakel über die Natur des Krieges und die Natur des Menschen. Kriegsgeile Manga-Comics liefern sich mit Elementen aus dem klassischen »Japanische Noh Theater« ästhetische Schlachten und zeitgenössische Chöre gehen mit voller Macht auf melodischen Kammerpop und Electronica los. Die dänischen Theaterpioniere Hotel Pro Forma haben für diese neue Oper mit den britischen The Irrepressibles, dem lettländischen Radio Chor, dem dänischen Modedesigner Henrik Vibskov und dem Manga Artist Hikaru Hayashi zusammengearbeitet. Gesungen wird – das ist verständlich – auf Japanisch. Das nächste Mal zu sehen in Riga, beim Riga Opera Festival. www.hotelproforma.dk JUS/ ke

ANW/ sc

The Artist, in Zeiten oft lärmenden 3-D-Kinos, war ein Erfolg, weil er ein Stummfi lm gewesen ist, der poetisch großes GefühlsKino erzählt, unkitschig. Einige Jahrzehnte früher hat der französische Komiker Jaques Tati (1907 – 1982) dies ebenso radikal getan, etwa in Die Ferien des Monsieur Hulot. Tati, der den Hulot gibt, redet unverständlich vor sich hin, über seine Gestik vermittelt er – verzweifelt-komisch – seine kritische Sicht der modernen Zivilisation. Ähnlich stumm-still, weil nur mit wenigen Dialogen bestückt, hat Pascal Rabaté seinen Film Holidays by the Sea inzeniert, der durchaus als Hommage an Tati/Hulot verstanden werden darf. Bei Rabaté begeben sich einige sehr unterschiedliche Paare ins Wochenende an die See: die Familie mit wahnsinnig pubertierenden Kindern; zwei Punks, die trampen; das Rentner-Paar im Kleinst-Auto; zwei Golfer; der scheinbar seriöse Geschäftsmann, der im Hotel eine Domina trifft ... Und wie bei Tati kommt Holidays by the Sea nahezu ohne Dialoge aus, die wunderbaren Schauspieler entwickeln den Humor, der sich episodisch abspielt, aus sich selbst und aus den jeweiligen Situationen heraus. Während The Artist auch den dramatischen Umbruch vom Stumm- zum Tonfi lm zum Thema hat, spielt Rabaté mit unseren menschlichen, allzu menschlichen Erwartungshaltungen und bringt uns – immer wieder überraschend – zum Lachen, das uns befreit von unserem Alltag. Und das ist wie Ferien. Trailer zum Film auf www.kino-zeit.de


52. Ministry of silly ideas. Aufseher: »Der Nächste! Zur Kreuzigung?« Gefangener: »Ja ...« Aufseher: »Zur Tür raus, linke Reihe anstellen, jeder nur ein Kreuz!« Szenen wie diese aus dem Film Das Leben des Brian gehören heute zum Kulturgut. Nach jahrzehntelanger Trennung wird die britische Komikertruppe Monty Python nun wieder an einem gemeinsamen Film mitwirken. Terry Jones wird bei der teilweise animierten ScienceFiction-Satire mit dem Titel Absolutely Anything Regie führen. Darin soll es um Aliens (Michael Palin, John Cleese, Terry Jones, Terry Gilliam und Eric Idle), einen sprechenden Hund (Robin Williams) und die Rettung der Welt gehen. Terry Gilliam sagte neulich in einem Interview: »Wir waren einmal junge Hüpfer, jetzt sind wir Pythons alte Fürze.« Mal sehen, ob sie noch stinken. Ontologica! or a Brief Explanation of Absolutely Everything that is Known about Absolutely Everything. www.pythonline.com

JST/ke

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sentiert das Ergebnis dem MADEPublikum. Ganz im Sinne der Gründer: »MADE is an inspiring biotope that allows new things to happen.« Andy, Kopf der Factory, nannte seine Mischung an verschiedensten Kreativen seine »Superstars«. Auch die »Abteilung für freies Denken« bei MADE hat Pioniere aller Couleur. Zum Beispiel Mihalj »MIKI« Kekenj, Düsseldorfer Violinist und Komponist, er schrieb Erykah Badu-Songs für ein Streich-Quintett um. Und Jaybo Monk, aus Frankreich stammender Wahlberliner und Urban-Art-Maler, er übersetzte Badus Lyrics und Musik in Farbe, brachte sie auf die Leinwand. Diese einmalige Live-Performance der beiden war ein schönes Beispiel, wie MADE tickt. Ein Künstler inspiriert einen Künstler, der eine Künstlerin inspiriert. www.made-blog.com

AC/ac

credits: 49. PR, 50. PR, 51. MADE Space, 52. illustration: Tim Belser

51. Abteilung für freies Denken.

MADE erinnert an die sagenumwobene Factory von Andy Warhol, jene Studios, in denen Drogenkonsum, Gedankenaustausch und Kunstproduktion seriell stattfanden. Nur, dass wir nicht im kriminellen New York der 60er sind, sondern im rotzfrechen Berlin, heute. MADE, gelegen in der Alexanderstraße, Berlin-Mitte, ist ein Raum der Begegnung, eine Plattform für Künstler unterschiedlichster Stile und Richtungen. Was nicht passt, wird passend gemacht – oder auch nicht. Sie sind Koch und von der Farbe Blau fasziniert? Ein Fotograf hat zu eben diesem Thema eine Serie produziert. Aber anstatt nun einen Koch irgendwie blaue Gerichte kreieren zu lassen, fragt man sich lieber: »Wie riecht eigentlich blau?« Und dann entwickelt man gemeinsam einen Duft Namens bleu, entwirft den Flakon, inszeniert das Objekt im richtigen Licht, prä-


WWW.MARC-O-POLO.COM


Nikolai Strelnikov, 20, Eiskunstläufer

WAR S Z AWA

»Druschba – Freundschaft«, ein Projekt von Konstanze Habermann und Sylvie Hohlbaum, Katalog über www.konstanze-habermann.de Vereine zur deutsch-russischen Freundschaft (Druschba e.V.) gibt es in jeder größeren Stadt. SC/sc

MOCKBA

53. Die Russen kommen. Ein Klischee ist eine überholte Vorstellung oder ein eingefahrenes Denkschema. Ein Klischee entsteht aus einer immer wiederkehrenden Beobachtung und bezeichnet häufig zugeschriebene Eigenschaften von Personen oder Objekten. Aufgeklärte Menschen halten Klischees natürlich für abgedroschen und unsensibel und für keinesfalls zutreffend. Dennoch basiert auf Klischees ein großer Teil unseres Handlungssystems. Vor allem dann, wenn uns in bestimmten Bereichen keine eigenen Erfahrungen zur Verfügung stehen. Die Fotografin Konstanze Habermann hat mit ihrer Portrait-Serie »Druschba – Freundschaft« einen beeindruckenden Beweis für die Funktionstüchtigkeit von Klischees geliefert. Sie hat Russen in Russland fotografiert, die keine sind, ohne sich mit Russen vorher unterhalten zu haben und ohne je in Russland gewesen zu sein. Und trotzdem kann man kaum glauben, dass man es nicht mit Vladimir, Tanja, Sergej oder Alexsandra zu tun hat. So echt ist Verkleidung. So perfekt bedient sie das Klischee des Russen. Rauchen tut der Russe, blass ist er, prollig gekleidet. Sie hat zu grelles Make-up, sieht entweder aus wie eine Putzfrau oder wie eine Nutte. Die Portraits sind quasi das Destillat aller Vorurteile, die wir Deutschen den Russen gegenüber haben. Den Betrachter beschleicht sogar der Verdacht: Sind Vorurteile gar wahr? Sind Klischees gar nicht dumm sondern gut beobachtet? Und was, um Himmels Willen, erzählt das über uns, die wir auf den Mummenschanz reingefallen sind? Und über die Russen, die mit einer Kippe im Mundwinkel und einem Wodka-Glas in der Hand durch die Ausstellung spazieren und trotz gegenteiliger Beteuerungen alles für echt halten?


Natalia Luschin, 29, Tochter des B체rgermeisters von Ojol

Olga Wolkova, 33, Reinigungskraft im Hotel

Aleksandra Raskolnikova, 28, arbeitet im Banja

Svetlana Strelnikova, 22, T채nzerin

Juri Wolkov, 37, T체rsteher

Vladimir Raskolnikov, 54, Rentner


EB/eb

54. Feldversuche. Der niederländische Designer Jólan van der Wiel nutzt das Wechselspiel von Magnetismus und Schwerkraft, um kapriziöse Möbelstücke wie den Gravity Stool zu entwerfen. Dafür braucht es neben Kunstharz und sechs Kilogramm Eisenspäne vor allem ein besonderes Werkzeug: das »Gravity Tool«. Es besteht aus einem großen Rahmen, in dem sich drei Magnete vertikal verschieben lassen. Dabei ziehen sie den flüssigen Kunststoff in die Höhe, woraus dann die Beine des Hockers entstehen. Ein Möbel, geschaffen von unsichtbaren Kräften über www.jolanvanderwiel.nl

AC/ce

in denen es kaum gelingt, öffentliche Bekanntheit zu erreichen. Während Barkeeper, Schleckerfrauen und Politessen lokale Berühmtheiten werden können, werkeln andere stets im Verborgenen. Zum Beispiel Gestalter. Der Besuchsverkehr in normalen Designbüros hält sich in Grenzen. Eine Gruppe Designer, die so unbekannt ist, dass sie sich selbst anonym nennen, setzt der Unsichtbarkeit eines ganzen Berufsstandes nun die Krone auf. Auf ihrer Website werden alltägliche Installationen und grafische Werke gezeigt, die absichtslos als Design zu bezeichnen sind. Asphalt-Risse, Tütenberge, Badewannenranddekorationen ergeben, ohne dies je im Sinn gehabt zu haben, ansprechende Architekturen. Gestalter werden ob der Leichtigkeit, mit der Zufall und Unbedarftheit kreative Höchstleistungen bringen, versucht sein, den ganzen Kram hinzuschmeißen. Aber nein. Stop! Die Eleganz der gezeigten Werke entsteht erst im Auge des Betrachters bzw. Fotografen. Nur der geschulte Anonyme Gestalter vermag in einer verbeulten Gehwegsbegrenzung ein Designobjekt erkennen. Zu irgendwas sind Gestalter also doch gut. www.anonymegestalter.de.

58. Steckdosenlampe. Ein leuchtendes Beispiel. Da kriecht man auf den Knien unter Tische, hinter Sofas und in die engsten Ecken, weil das Handy aufgeladen werden muss und da nun mal die Steckdose ist. Sitzt zusammengekauert in der Sofaecke, weil der Laptop Strom braucht und das Kabel nicht lang genug ist, um es sich bequem zu machen. Das können Sie nun vergessen! Das schwedische Lampendesignstudio Atelje Lyktan hat Steckdosen auf Augenhöhe geholt. Mit der Plug Lamp – einer schlichten Tischlampe aus Milchglas. Im Sockel, den es in vielen Farben gibt, steckt eine Steckdose. So sitzen Sie bequem und haben sogar die richtige Beleuchtung zum Surfen – aber nur im europäischen Stromnetz, die Steckdose ist bisher nur für Europa-Stecker konzipiert. www.atelje-lyktan.se

TJ/np

56. Organisationstalent. Wenn der Kleiderschrank wahrlich aus allen Nähten zu platzen droht, fängt man an zu sparen, wo es nur geht. Selbstverständlich nicht beim Geldausgeben, sondern beim Platzverschwenden. Es wird übereinandergelegt, gestapelt und gestopft bis der letzte auch noch so kleine Zwischenraum verschwunden ist. Jeder Kleiderbügel zu viel bedeutet Verlust von kostbaren Millimetern. Ein echter Gewinn ist der Benvenuto Hänger. Nicht aus einem mach zwei, sondern aus zweien mach einen. Wer seinen Kleiderschrank ohne sorgenvolle Blicke betrachten kann und ein Organisationstalent ist, dem bereitet der Zweiin-Ein-Bügel ebenfalls Freude. Benvenuto über www.stefanianicolosi.com

57. Der Gestalter, das unbekannte Wesen. Es gibt zahlreiche Berufe,

SC/sc

TJ/ac

55. Sprachlos. Verständigung ist so eine Sache: Fast jedes europäische Land hat eine eigene Sprache, aber eine Ausdrucksweise ist allgemeingültig: die Mimik. Eine hochgezogene Augenbraue, zuckende Mundwinkel oder eine gerümpfte Nase versteht jeder. So wie bei dem Gesichtsklavier von DerBausatz. Wer die richtigen Tasten drückt, bekommt alle möglichen Gefühle zu sehen. Die Gesichtszüge des Holzkopfes verändern sich und zeigen die ganze Klaviatur unserer Emotionen. Und damit man wirklich jedes kleinste Teil versteht, baut man das Gesichtsklavier selbst zusammen. www.dawanda.de


credits: 54. J贸lan van der Wiel, 55. DaWanda, 56. Stefania Nicolosi, 57. Anonyme Gestalter, 58. PR

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»Eins rechts, eins links, übrige Hüllen und alle Hemmungen fallen lassen,« sagt sich Ariadne, »wozu ist man Göttin?« Häkelhaube mit Perlen. In sommerlichem Tiefschwarz. Haube: Augustin Teboul


Florian Raz (photos) Kathrin Zobel (styling)

Beim lustvollen Klagen über die seelenlose internationale Fashion-Schwer-Industrie und über das erbarmungslose Tempo, in der Kollektionen zusammengeschustert werden, geraten die besonnene Annelie Augustin aus der bayerischen Provinz und die chaotische Pariserin Odély Teboul ins Träumen vom eigenen Label und beschließen, in Zukunft gemeinsam unverwechselbare Doppelstäbchen zu häkeln, statt alleine Luftmaschen. Sie waren schon immer gut in Handarbeiten, das haben sie von ihren Müttern und Großmüttern gelernt. Annelie gibt ihren Job

bei adidas Y- auf, Odély trauert ihrer Assistenzstelle bei Gaultier nicht länger nach und sie spinnen fleißig weiter. An seidenen Fäden, an Wolle, an Mythen und surrealistischen Fantasien, die sie zu ultrafemininen kunstvollen Kollektionen voller Kontraste verweben. Cadavre Exquise heißt ihre erste, hoch dekorierte Kollektion. Die Farbe der Saison ist Schwarz. Jedes Mal, immer und ausschließlich. Weil Schwarz den Blick auf das Detail lenkt. Weil Schwarz die geheimnisvollsten Nuancen besitzt. Weil nichts die Haut einer Frau aufregender macht. Und um den Faden des Schicksals noch einmal aufzunehmen: Was hätte die mythische Ariadne alles Schönes mit dem langen Faden anstellen können, hätte sie ihn nicht dazu verschwendet, Theseus aus dem Labyrinth des Minotaurus zu retten? Vorausgesetzt, sie hätte eine Häkelnadel gehabt.

JUS/mh

. Doppelspitze. Faszinierend, was dabei herauskommt, wenn der Faden des Schicksals zwei ausgezeichnete Absolventinnen der berühmten Pariser ESMOND Schule für Mode-Design aus dem Labyrinth der Modeindustrie rettet und auf das Bestrickendste miteinander verknotet – verhäkelt, mit Perlen besetzt und bestickt.


Aus dem Rest des Fadens, mit dem sie Theseus aus dem Labyrinth rettet, hat Ariadne sich einen luft igen Sommermantel gefertigt. Jetzt ist sie ganz erschöpft t vom Häkeln. Mantel mit gehäkelten Ärmeln. In fr ischem Nachtschwarz. Mantel: Augustin Teboul, Panty: Cybèle, Schuhe: Dior


links: Am Morgen nach der Hochzeit mit Dionysos erwacht Ariadne leicht verkatert aber glücklich: Denn die zarten Stulpen für ihr zartes Götterbein sehen auch an ihren Armen göttlich aus. Seidenstulpen mit gehäkelten Applikationen und Perlen. In Katerschwarz. Katerschwarz rechts: In Handarbeiten hatte Ariadne schon in der Göttergrundschule eine Eins. Gehäkeltes Kleid in transluzidem Schwarz.


»Heute mal oben ohne«, sagt sich Ariadne, »und dafür unten um so mehr!« So geht göttliche Gerechtigkeit! Leggings mit sexy Perlencollier über dem Spann. So schwarz, schwärzer geht`s nicht. Leggings: Augustin Teboul, Schuhe: Baldinini, Armreif: Martin Hardt


Ariadne muss los! Da hat wohl schon wieder jemand den Faden verloren! Stulpen aus Lammnappa mit Häkeleinsatz und Schwarz wie RuĂ&#x;. Lederstulpen: Augustin Teboul, Schuhe: Gianvito Rossi


»Wundert mich gar nicht,« denkt Ariadne, »dass die Kreter micht als Fruchtbarkeitsgöttin verehren.« Rock aus Lammnappa mitt zartem Perlenvorhang. Schwarz wie der Hades.


»Ab heute«, so beschließt Ariadne, »nehme ich mein überirdisches Dasein auf diet ganz, ganz, ganz leichte Schulter.« Seide? Wolle? Baumwolle? Jerseykleid mitt gehäkelter Schulterpartie in Kohlrabenschwarz. . Kleid: Augustin Teboul, Schuhe: Dior


Augustin Teboul Preview A/W / collection The Th read of Ariadne for LOVED&FOUND photographer: Florian Raz www.fl orianraz.com styling: Kathrin Zobel www.kathrinzobel.com hair & make-up: Marco Hülsebus www.marcohuelsebus.de using: Chanel & Bumble and Bumble creative director: Mieke Haase assistant editor: Ava Carstens model: Liza Kei www.modelwerk.de photo assistant: Sarah Kühl hair & make-up assistant: Karina Asmus casting: nu projects www.nu-projects.com postproduction: primate postproduction www.primate.tv


Das Buch Christo and Jeanne-Claude 75, copy number 0385; aus diesem Buch sind sämtliche Bilder dieser Geschichte entnommen. Sarah Kühl (photos), Andreas Wrede (text)

. Von der Liebe zur Kunst – und der Liebe in der Kunst. Christo, 77, arbeitet mehr denn je und rastlos an Pro-

jekten. Nach dem Tode seiner Lebens- und Kunst-Partnerin JeanneClaude sagt der Künstler im Gespräch mit LOVED&FOUND in New York: »Das Das war ihr Wunsch.« Obwohl die beiden 1964 in NYC ihr Zuhause fanden, haben sie zutiefst europäische Wurzeln, und die ersten, gemeinsamen Werke waren Anfang der Sechziger in Köln und Paris zu sehen. Jeanne-Claude Denat de Guillebon kommt am 13. Juni 1935 im marokkanischen Casablanca zur Welt; sie ist die Tochter eines politisch einflussreichen französischen Generals. Am selben Tag, Tausende von Meilen entfernt, wird Christo Vladimirov Javacheff im bulgarischen Gabrovo in einer Industriellen-Familie geboren. Das schöne Mädchen wuchs sehr behütet in Paris auf, der Künstler Christo flüchtete 1957, versteckt in einem Güterzug, über Prag in den Westen nach Wien, um nach Paris zu gehen. »Als ich dorthin kam, habe ich Autos in Garagen gewaschen und Geschirr in Restaurants. Wer wollte schon verhüllte Objekte kaufen? Ich wohnte über einem prominenten Pariser Friseur. Natürlich konnte ich nicht die Miete bezahlen. Der Coiffeur hatte aber eine großartige Idee.« Er bat Christo, Portraits zu malen von seinen besten Kundinnen. »Eine dieser Kundinnen war Precilda, die Mutter von Jeanne-Claude.« Madame Denat de Guillebon war außerordentlich angetan von Christos Öl-auf-Leinwand-Arbeit. Und Christo konnte endlich

die Miete zahlen. Freilich hatte auch er Gefallen gefunden – zuerst an Joyce, einer der beiden Töchter aus dem feinen Hause de Guillebon. Die andere Tochter, Jeanne-Claude, hatte ihrem gesellschaftlichen Stande entsprechend ihren Freund Philippe Planchon zu heiraten. Bei einem Abendessen in Manhattan hatte mir Jeanne-Claude vor einigen Jahren anvertraut, dass ihre erste Ehe nur wenige Wochen von Bestand war: »Eines Tages kam Philippe zurück in unsere gemeinsame Wohnung. Ich habe ihn nicht mehr hineingelassen.


Durch die geschlossene Tür rief ich ihm zu, es sei vorbei. Sensibel war das nicht von mir«. Jahrzehntelang später trafen sie sich wieder, in einem Buchladen in Paris, bei einer Buch-Signierung von Christo und Jeanne-Claude. »Zuerst habe ich Philippe nicht erkannt, dann nahmen wir uns in den Arm. Er verzieh mir.« Was aber war passiert, dass es dazu kam? Jeanne-Claude hatte sich plötzlich und für immer unsterblich in Christo verliebt. Die Umstände waren günstig: Er erwiderte ihre Leidenschaft.

»Wir haben unseren Iron Curtain zwischen den Hausnummern 1 und 2 errichtet, so wurde für etwa acht Stunden der Verkehr komplett lahmgelegt. Und die Verbindung zwischen der Rue Bonaparte und der Rue de Seine wurde dementsprechend vorübergehend gekappt,« sagt Christo. Zwei Jahre später will das Paar »nur für einige Monate« nach New York. Andy Warhols Factory fasziniert Bourgeoisie wie Undergound gleichermaßen. Christo, JeanneClaude und ihr vierjähriger Sohn Cyrill ziehen in das legendäre Künstler-Hotel Chelsea. Willem de Kooning, Bob Dylan, Janis Joplin, Stanley Kubrick und Ethan Hawke wohnten hier. Arthur Miller zog ins Chelsea für einige Jahre, nach der Scheidung von Marilyn Monroe. »Und wir haben uns schnell entschlossen, in New York zu bleiben«, sagt Christo.

Aus den Kollaborateuren in der Liebe – sie heirateten 1962 – wurden Kollaborateure in der Kunst. Christo sitzt in dem kaum möblierten, lichten Besucherzimmer des Hauses in der Howard Street, Downtown Manhattan, rückt sich mit den schlanken Händen die schwarze Brille zurecht und erinnert sich: »In der Galerie von Haro Lauhus gab es die erste Einzelausstellung von mir. Und JeanneClaude und ich haben hier unser erstes gemeinsames temporäres Projekt realisiert. Haros Galerie lag in der Nähe des Rheinufers, wir verwandelten für das Projekt Dockside Packages mehrere Stapel aus Ölfässern und große Rollen aus Industriepapier, die wir mit Persenningstoff und Seilen sicherten.« Sämtliche Materialien wurden von Hafenarbeitern ausgeliehen, nach zwei Wochen wurde das Werk (cirka 5 x 2 x 10 Meter) wieder abgebaut, die Materialien wurden ihren ursprünglichen Bestimmungen wieder zugeführt. »1962 stapelten wir dann gemeinsam in der Rue Visconti 240 Ölfässer auf, für acht Stunden war diese Straße unpassierbar. Iron Curtain-Wall of Oil Barrels, ein Kommentar zum eisernen Vorhang bzw. zur Mauer im damals geteilten Berlin.« Sie hatten eine kleine Straße mit prominenter Geschichte ausgewählt. Balzac wohnte hier, Victor Hugo schrieb über sie, Patrick Süskind lässt sie im Parfum auftauchen, eine französische First Lady, Carla Bruni-Sarkozy, drehte auf ihr einen Musik-Videoclip.

Christo und Jeanne-Claude 1964 im legendären New Yorker Künstler-Hotel Chelsea – dort blieben sie einige Monate, um dann in die Howard Street in SoHo zu ziehen.


Die Klein-Familie zieht nach SoHo – dem damaligen KünstlerViertel Manhattans – in ein verwahrlostes Haus: die Howard Street No. 48. »Wir haben zunächst zwei Etagen komplett renoviert. Der Hausbesitzer, ein jüdischer Geschäftsmann, Mr. Rosenbaum, erlaubte es uns; er konnte sich eine Renovierung nicht leisten.« Die Miete belief sich auf $140,– im Monat. »Das war sehr viel Geld für uns«, meint Christo. Er sieht fragiler aus nach dem Tod von Jeanne-Claude. Aber er hat nichts von seiner unglaublich ansteckenden Energie und seinem künstlerischen Feuer verloren. Etage für Etage, es sind vier, ganz oben ist Christos Atelier, »haben wir mit eigenen Händen und Hilfe von Freunden unser Haus bewohnbar gemacht.« Später kaufen sie es, sie werden US-Bürger. Das Interieur, gänzlich unaufwendig, atmet mit seinem coolen Charme der siebziger Jahre musealen Charakter. »In der Küche steht immer noch der Herd, den Jeanne-Claude vor Jahrzehnten vom Sperrmüll in Brooklyn hierhin transportierte.« Ihre Bescheidenheit haben sich die zwei in 52 gemeinsamen Jahren stets bewahrt. »Jeanne-Claude hat nie ein Lebensmittel weggeworfen; blieb beim Essen im Restaurant etwas übrig, wurde es im Doggy Bag nach Hause mitgenommen.« Warum galt Christo, auch in Europa, so lange als »Künstler« und Jeanne-Claude als »Managerin und Muse«? »Wir haben zusammengearbeitet seit 1961. Aber als wir jung wa-

links: Der Fotograf Charles Wilp filmt Wrapped Woman in London, 1963, Christo (rechts) schaut dabei zu. rechts: Christo verhüllt 1964 eine der vergoldeten Statuen auf der Esplanade du Trocadéro in Paris.

ren, erschien es uns schwierig genug, den Namen nur eines Künstlers zu manifestieren.« Wann kam die Wende? Christo antwortet: »Als mein Haar grau wurde und Jeanne-Claudes Haar feuerrot, haben wir uns entschlossen, 1994 erwachsen zu werden. Wir änderten den Künstlernamen für all’ unsere öffentlichen Installationen in Christo und Jeanne-Claude.« Die Collagen, Lithographien, Objekte und Zeichnungen sind freilich Christos Werk. Damit allein finanzierten und finanzieren sie ein jedes der monumentalen, Millionen Menschen begeisternden temporären Werke. Zahlreiche andere Arbeiten sind etwa in der Sammlung des deutschen Unternehmers Reinhold Würth in Künzelsau zu finden. Das Würth’sche Museum wurde von Innen auch von den beiden Künstlern mit Baumwollstoff und Packpapier verhüllt – 1995, im Jahr des Wrapped Reichstag, zu dem über fünf Millionen Besucher nach Berlin pilgerten und die aus einem vorübergehenden Kunstwerk ein friedliches KunstHappening machten.


links: Oil Barrels Column – eine Installation von Christo vor der Galerie Haro Lauhus in Köln, 1961; dieses Werk existiert nicht mehr. rechts: Dockside Packages – die erste, temporäre Installation von Christo und Jeanne-Claude, Cologne Harbour, 1961.

Wichtig ist Christo vor allem eines: »Wir haben nie auch nur einen Cent von jemandem genommen, um unsere Projekte zu realisieren. Wir haben immer Kontrolle über unsere Arbeit.« Das ist stets mit hohem Risiko verbunden. Obwohl Werke von Christo auf dem internationalen Kunstmarkt in Millionenhöhe gehandelt werden, sind die Projekte mit den Zeiten teurer geworden. »Wenn wir Over The River, Project For The Arkansas River in Colorado, vermutlich 2015 nach 22 Jahren Vorbereitungszeit realisieren, wird es $50 Millionen Dollar kosten.« Der Wrapped Reichstag hatte nach fast 25 Jahren Vorbereitung 20 Mio. Deutsche Mark gekostet. Als eine Zigarettenmarke weitere Millionen bot, um das Projekt gesponsert zu verlängern, lehnten die beiden Künstler kurzerhand kopfschüttelnd und kategorisch ab. Zwei verhüllte Bilder, die er von der jungen, schönen Jeanne-Claude in Paris gemalt hatte, sind ihm geblieben. Wir sehen eine Frau mit rotem Lippenstift, die blauen Augen blauer als blau, das Haar schwärzer als schwarz. Die ganze Leidenschaft wird gehalten von einer gelblich gewordenen Plastikhülle und ein bisschen Bindfaden. Christo, Wrapped Portait of Jeanne-Claude, 1963. Lösten wir den Bindfaden, die Leidenschaft und Liebe Jeanne-Claudes zu Christo fiele uns – egal ob wir gerade in Europa oder anderswo wären – um den Hals.

Werk-Auswahl Christo und Jeanne-Claude: . 5.600 Cubikmeter Package, Documenta IV, Kassel, 1967–68 . Wrapped Coast, One Million Square Feet, Little Bay, Sydney, Australia, 1969 . Valley Curtain, Grand Hogback, Rifle, Colorado, 1970–72 . Running Fence, Sonoma and Marin Counties, California, 1972–76 . The Pont Neuf Wrapped, Paris, 1975–85 . Surrounded Islands, Biscayne Bay, Greater Miami, Florida, 1980–83 . The Umbrellas, Japan – U.S.A., 1984–91 . Wrapped Reichstag, Berlin, 1971–95 . The Gates, Central Park, New York City, 1979–2005 www.christojeanneclaude.net

links oben: Jeanne-Claude vor den Ölfässern der temporären Aktion The Iron Curtain – Wall of Oil Barrels, Rue Visconti, Paris, 1962 – ein künstlerischer Protest gegen den Bau der Berliner Mauer. rechts oben: Ein Kartenausschnitt des Stadtteils Saint-Germaindes-Près, hier findet sich die Rue Visconti. links unten: Christo vor den Ölfässern von The Iron Curtain rechts unten und rechte Seite: Nach dem Abbau der temporären Aktion wurde sie noch kurze Zeit in einer Pariser Galerie gezeigt.


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61. I Am Europe. »I’m a dog shaped ashtray, I’m a shrugging moustache wearing a speedo tuxedo, I’m a movie with no plot, written in the back seat of a piss powered taxi, I’m an imperial armpit, sweating Chianti … I Am Europe!« In diesen dadaistisch anmutenden Zeilen verarbeitete der kanadische Multiinstrumentalist und selbst ernannte »hardest working musical genius in showbiz« Chilly Gonzales seine poetische Sichtweise zur Alten Welt. Laut Gonzales geht es in seinem Song I Am Europe nämlich um die Abspaltung der Europäer vom Rest der Welt. Denn aus kanadischer Perspektive pflegen sie im Allgemeinen eine eher intellektuell geprägte Kultur, der gerne unterstellt wird, sie trage die Nase zu hoch. Dass es auch die kanadische Lebensart mit den europäischen Gepflogenheiten aufnehmen kann, demonstriert Gonzales regelmäßig in seinen »Piano-Battles«, in denen er Gleichgesinnte zum musikalischen Duell herausfordert. www.chillygonzales.com


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Loved & Found #2 The Europe Issue