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S t a d t g es p r ä c h

„Geld. Macht. Liebe“

lienhaus in der Heuchelheimer Straße oder für die Geschichte um die Vorbereitung des Auschwitz-Prozesses „Im Labyrinth des Schweigens“ (2014) die Tannenwaldallee. In der Hauptsache aber liebten und lieben die Krimi-Macher die Kurstadt. Anfang der 1990er Jahre tobte für die ARD der markante Klaus Löwitsch als etwas rüder Privatdetektiv Peter Strohm durch das Steigenberger Hotel. Das ZDF ließ seinen smarten Kollegen Matula alias Claus Theo Gärtner von Beginn an immer mal wieder den „Fall für Zwei“ in der Kurstadt recherchieren. Die Filmanwälte, für die er während der 35 Jahre laufenden Serie arbeitete, waren dabei. Schon der unvergessene Günter Strack marschierte über den Golfplatz im Kurpark, um als Dr. Dieter Renz seinem Golffreund zu helfen, den der 1986 noch nicht sehr bekannte Heiner Lauterbach verkörperte. Rainer Hunold als Dr. Rainer Franck, meistens begleitet von Golden Retriever Umba, konnte man in einer Villa im Hardtwald antreffen, zusammen mit einer wenig trauernden „Witwe“ Daniela Ziegler und einem undurchsichtigen Manfred Zapatka (1996). Belassen wir es bei den beiden Beispielen aus der frühen Zeit von „Ein Fall für Zwei“, bedauern, dass sich Matula nach 300 Folgen in den Ruhestand verabschiedet hat und hoffen, dass die Nachfolger Antoine Monot jr. und Wanja Mues als Anwalt Benni Hornberg bzw. als Leo Oswald auch in Bad Homburg ermitteln dürfen.

© Tivoli Film Produktion GmbH

„Mädchen für alles ” mit Grethe Weiser, 1937

Leider kam die Serie, deren Dreharbeiten mit am meisten Aufmerksamkeit in Bad Homburg erregten, über 21 Ausstrahlungen nicht hinaus: „Geld. Macht. Liebe“. Der Set: neben dem Gestüt Erlenhof und dem Frankfurter Bankenviertel hauptsächlich die Villa Wertheimber, das „Heim“ des Clans von Rheinberg. Markus von Rheinberg (Burgschauspieler Roland Koch), seine Gattin Sophia (Susanne Schäfer) und alle drumherum konnten gut und gern mit denen aus Dallas und Denver mithalten. Vielleicht zogen einige Zuschauer offiziell die Nase kraus, dennoch schalteten sie montags Das Erste ein, um ja keine Intrige zu versäumen. Und dann ging es ja auch um Bad Homburg. Man wollte sehen, was von der Stadt im Fernsehen gezeigt wird. Darüber hinaus rettete die Serie womöglich ein Kulturgut, das sonst eventuell abgerissen worden wäre. Die Tivoli Film Produktion GmbH ließ die Villa Wertheimber nämlich aufwändig herrichten. „Wir haben die Klinik wieder zu einer Villa und den verwilderten Garten wieder zu einem Park gemacht“, erzählt Producerin Gudula von Eysmondt. Da habe sich die ganz Schönheit des Anwesens herausgestellt und öffentliches Interesse erweckt, ist sie überzeugt. Die „Tivoli“ verlegte sogar ihr Büro von München in das Häuschen, in dem der Chefarzt der Neurologischen Klinik gewohnt hatte, und blieb auch nach dem „Serien-Aus“ in Bad Homburg. Seit 2010 steht der Schreibtisch von Markus von Rheinberg aus der Filmvilla in einer Etage in der DorotheenLouise 11 / 2016 |

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LOUISe - Stadtmagazin - Ausgabe 11/2016