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Eine Dokumentation der Heinz Marty AG für Planung und Realisation www.heinzmarty.ch, 2014

Namen und Häuser gehen Hand in Hand durch die Jahre. Der wohlklingende Name Buonas, der Buchennase bedeutet, verweist auf die grüne, dicht mit Buchen bewachsene Halbinsel, die sich ins klare Wasser des Zugersees erstreckt. Mit herrlicher Sicht auf ebendiese Landschaft thront inmitten des Weilers der stolze Holzbau. Fast fünfhundert Jahre setzten den dunklen Holzbohlen zu, so dass sich die Heinz Marty Architekten dem aussergewöhnlichen Haus annahmen. Nach der Renovation erstrahlt das Wohnhaus heute in neuem Glanz: Es zeugt von der Vergangenheit und blickt dennoch in die Zukunft.

Dersbachstrasse 4 Buonas / Zug


Inhalt 3 Vorwort 5 Geschichtsträchtige Landschaft Wasser- und Landweg, Bauten und Schlösser und vor allem die Landwirtschaft prägen seit Jahrtausenden die Gegend am Zugersee. 9 Hand in Hand mit der Denkmalpflege Ein geschütztes Haus zu renovieren, ist mit Über­raschungen verbunden. Die Herausforderung heisst: gemeinsam Lösungen finden. 15 Planung und Bau mit Fingerspitzengefühl Wie die Architekten den historischen Bau mit modernen Formen und Materialien erweitert haben. 31 Bauerngarten mit Zirkel und Schere Geometrische Formen prägen die Umgebungsgestaltung. Büsche und Bäume wurden präzis gesetzt und zugeschnitten. 37 Innenausbau mit Stil und Stimmung Jedes Material hat seine Bestimmung. Sorgfältig und in Verbindung mit dem Alten wählten die Architekten Steine, Holz und Stoffe aus. 43 Mehr zu Buonas und der Zufahrt, seiner Umgebung und dem Bauablauf der Dersbachstrasse. 48 Impressum


Vorwort

475 Jahre sind ein hohes Alter für ein Gebäude. Besonders für ein Gebäude aus Holz. Obwohl der Wind an den Brettern gezerrt, die Sonne die schweren Bohlen dunkel gebrannt und der Regen das Holz und die Fugen des Sockels ausgewaschen haben, verbreitet das Haus unbeirrt seine Ausstrahlung. Das Haus hat den Architekten Heinz Marty in seinen Bann gezogen. Er traf die Wahl, sich für den Erhalt des alten Gebäudes einzusetzen. Die Geschichte der Liegenschaft lässt sich nur erahnen. Wie setzten die Gesellen im 16. Jahrhundert Balken und Ständer zusammen? Wie verzierten sie die Stuben? Wie sah es im Original aus? Die Untersuchungen der Denkmalpflege brachten die Antworten ans Licht. Der Umgang damals mit dem Material Holz lässt uns heute, in einer Zeit voller Technik, nur staunen. Mit viel Fingerspitzengefühl nahm sich das Architekturbüro dem einzigartigen Haus an, renovierte es und übergab es glücklichen, neuen Bewohnern. Was es bedeutet, sich mit einer fünfhundertjährigen Bausubstanz auseinanderzusetzen, fasst dieses Buch zusammen.

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Geschichtsträchtige Landschaft Wasser- und Landweg, Bauten und Schlösser und vor allem die Landwirtschaft prägen seit Jahrtausenden die Gegend am Zugersee.


Rettung vor dem Zerfall Schon von Weitem sticht dem Besucher das hohe Holzhaus ins Auge. Es steht in Buonas am Abzweiger zur Schiffsanlegestelle, und zwar mit der Traufseite zur Dersbachstrasse, früher eine wichtige Verbindung zwischen Zug und Luzern. Wie wenn es sich schon vor fast fünfhundert Jahren dazu entschieden hätte, sein Giebelgesicht lieber der Sonne zuzuwenden als der Landstrasse, wie es üblich war. Diese eigenartige Aus­ richtung und die Ausführung als zweigeschossiger Bohlenständerbau zog die Aufmerksamkeit des Architekten Heinz Marty auf sich. Wind, Wetter und Sonne hatten dem Haus arg zugesetzt und Pflanzen verschlangen langsam Balken um Balken. Es drohte der Zerfall. Der Architekt, der in Buonas bereits andere Projekte verwirklicht hatte, nahm sich dem Gebäude an und plante eine totale Sanierung. Gerne unterstützte die kantonale Denkmalpflege das Projekt und schickte die Archäologen zur Untersuchung. Sie datierten den Bohlenständerbau auf 1539 und stellten ihn mitsamt des Waschhauses unter Schutz. Das Ensemble befindet sich damit in guter Gesellschaft mit dem nahe gelegenen Gasthaus «Wildenmann», der Kapelle St. German

aus dem Jahr 1631 und dem Schloss Buonas, das sogar bis ins Jahr 1070 zurückgeht und später die Adeligen Hertenstein beherbergte. Weitere geschichtsträchtige Bauten, die heute wieder genutzt werden, verleihen dieser Gegend am Zugersee eine exklusive Note. Das Haus an der Dersbachstrasse 4 hatte jahrhunderte­ lang als Wohnhaus gedient und so soll es auch bleiben. Um den heutigen Bedürfnissen zu entsprechen, ergänzten die Architekten die gut erhaltene Bausubstanz, ersetzten die zerfallenen Teile, hoben die Schönheiten hervor und brachen Unnötiges ab. So wurde die seeseitige, windschiefe Laube entfernt und ein organisch geformter Raum an diese privilegierte Stelle gesetzt. Neu sind ebenfalls die Dachgauben, die es erlauben, die Räume im gewaltigen, zweistöckigen Dach zu nutzen, und der Haupteingang an der Südseite. Das Waschhaus durfte umgenutzt werden. Neben einem traumhaften Innenhof ist daraus ein Gästehaus entstanden, das die Eigentümer und deren Besucher beglückt.

DERSBACHSTRASSE 4

BUONAS

ZUGERSEE SCHLOSS BUONAS

ROCHE FORUM

RISCH

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1 Windschief und verwildert: das Haus an der Dersbachstrasse 4 vor dem Umbau. 2 Seit Jahrhunderten unverändert: die unverbaubare Aussicht über den Zugersee. 3 Mit den Jahren verwittert: die uralte Bausubstanz. — 7 —


Hand in Hand mit der Denkmalpflege Ein geschĂźtztes Haus zu renovieren, ist mit Ăœberraschungen verbunden. Die Herausforderung heisst: gemeinsam LĂśsungen finden.


Die Untersuchung der Denkmalpflege 2010 ging die Liegenschaft in den Besitz des Architekten Heinz Marty über, der das historische Holzhaus als Einfamilienhaus nutzen wollte – sehr im Sinne der Denkmalpflege. Er reichte bei der Gemeinde ein Bauge­ such ein und die Kantonsarchäologie Zug untersuchte die Bauten an der Dersbachstrasse 4 im Kern des Weilers Buonas. Das Ensemble wurde als Baudenkmal von lokaler Bedeutung unter Schutz gestellt. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Bohlenständerbau mit Kantbalken und Bohlen als Füllungen auf eingeschossigem Sockelmauerwerk. Gemäss der dendrochronologischen Untersuchungen wurde er 1539 errichtet. Das Skelett des Ständerbaus umfasst auf einem Schwellenkranz drei mal drei Ständer. Das Haus hat also einen zweiraumtiefen Grundriss. Die Stube und die Kammer daneben im ersten Wohngeschoss waren mit einer verzierten Bohlenbälkchendecke gedeckt. Die Küche befand sich in der Südostecke des Hauses. Ursprünglich handelte es sich um ein Hochstudhaus, das heisst, um ein Haus mit Mittelständern, die von der Schwelle bis zum First reichten. Später wurden die Firstständer über dem zweiten Obergeschoss abgesägt. Eine andere Besonderheit des Hauses ist seine traufständige Ausrichtung: Die Giebelfassade war mit einem Rillenfries verziert und nach Süden in Richtung Bach ausgerichtet. Die quadratische Stube in der Südwestecke des Hauses hat aber auch Fenster zur Strasse nach Westen hin, sie liegen also unter der Traufe. Die zum See hin orientierte Traufseite im Osten des Hauses weist eine Laube auf. Das bestehende, mit Waldkante (Aussenseite des Baumes am geschnittenen Holz) ins Jahr 1652 datierte Dach weist zwei Kammergeschosse auf. Damals wurde auch ein Kamin eingebaut. Die Wände der Stube dürften nach 1648 (Datum ohne Waldkante) vertäfert worden sein. Das Datum 1652 ist auch im südlichen Giebelfeld schwach lesbar. Bauherr könnte nach Richard Hediger der ehemalige Ammann Sebastian Meier gewesen sein. Die Kammer neben der Stube ist laut einer Inschrift am Unterzugbalken 1711 vertäfert worden. Erhaltenswertes Nebengebäude Der Dachstuhl des benachbarten Wasch- und Brennhauses datiert dendrochronologisch ins Jahr 1802. Inschriften im Inneren des Gebäudes sind nicht mehr lesbar, aussen wiesen die Gebäudeecken eine Quader-

malerei in Schwarz und Gelb auf. Es handelt sich um ein ausserordentlich grosses und massiv gemauertes Neben­gebäude, das zudem direkt am Bach liegt. Vermutlich geht es auf eine ältere, historisch überlieferte Stampfe (mittelalterliche Getreidemühle) zurück. Im Garten vor dem Haus steht ein 1983 wiederhergestellter Sodbrunnen. Nördlich des Hauses stand eine 2001 abgebrannte Scheune. Die archäologische Überwachung des Aushubs für einen Neubau an dieser Stelle erbrachte keine Befunde älterer Bauten. Ersatz für die Laube Einen ersten grösseren Umbau erfuhr das Haus im Jahr 1652 mit dem Aufbau eines neuen steileren Dachstuhls. Im 19. Jahrhundert wurden die Fensteröffnungen im historisierenden Sinne entsprechend vergrössert. Der markante Bau wies einen zum See orientierten jüngeren Laubenanbau auf. Dieser Anbau war in einem schlechten Zustand und konnte aufgrund der sehr niedrigen Raumhöhen nicht angemessen genutzt werden. Die Denkmalpflege hat sich für einen Ersatz dieses Anbaus ausgesprochen –unter den Bedingungen, dass ein neuer Anbau der Entlastung des Altbaus diene und eine qualitativ hochstehende Architektur aufweise. Der Architekt entwarf in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege diverse Studienmodelle, Skizzen und Pläne. Schliesslich resultierte ein sich vom Altbau bewusst absetzender zweigeschossiger Anbau in einer organischen Formgebung, mit modernen Holzschindeln verkleidet. Schäden an den Fassaden Der historische Bohlenständerbau wies leider einige grössere schadhafte Stellen an den Fassaden auf. Diverse Kanthölzer, aber auch die Ständer waren in einem zum Teil sehr schlechten Zustand. Fassade für Fassade wurde die Situation vor Ort begutachtet und immer wieder neu beurteilt. Die Denkmalpflege verfolgte grundsätzlich die Strategie, partiell zu flicken und schadhafte und nicht mehr brauchbare Hölzer beziehungs­weise Holzteile durch neue zu ersetzen. Besonderes Augenmerk galt jedoch dem Erhalt der originalen Ständer, sind sie doch das statische Grundgerüst des Holzbaus. Zusammen mit erfahrenen Handwerkern einigte man sich auf partielle Reparaturen, wo möglich nur an den Holzoberflächen. Die Ständerkerne und somit ihre statische Funktion konnten so erhalten werden. Die schadhaften Füllhölzer wurden durch neue ersetzt. Leider mussten relativ viele

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1 Atypisch: mit der Traufe zur Strasse, auch das Waschhaus und der Brunnen. 2 Datiert auf 1802: das massiv gemauerte Wasch- und Brennhaus. 3 Abbruch: Die seeseitige Laube ist nicht mehr nutzbar. 4 Arbeitsfeld der Archäologen: Dendrochronologie heisst die Datierungsmethode, die die Jahrringe des Holzes untersucht. 5 Im alten Dachgeschoss: Nur eine Leiter führte noch zum Estrich. 6 Grundriss 1. Obergeschoss: Drei mal drei Ständer bilden das Skelett. 7 Querschnitt: Der zweigeschossige Bohlenständerbau hat sich 35 cm zur Seite geneigt. — 11 —


Reparaturen an den Fassaden vorgenommen werden, sodass eine farbliche Behandlung des Holzes unumgänglich wurde. Zuerst wurde das neue gehobelte Holz gebürstet und danach das gesamte Holzwerk mit pigmentierter Kaseinfarbe lasiert. Schiefes Dach gerichtet Der ganze Dachstuhl neigte sich ab dem Dachgeschoss bis zum First horizontal um etwa 35 Zentimeter nach Norden. Der Grund für diese Schiefstellung war vermutlich die Windbelastung. In einem enormen Kraftakt wurde der gesamte Dachstuhl mit Hilfe von Stahl­seilen und Hydraulikwinden Zentimeter um Zentimeter aufgerichtet. Es ist immer wieder erstaunlich, wie eine Holz­konstruktion die Einwirkung von solch enormen Kräften praktisch ohne Schaden überstehen kann. Der Dachstuhl musste danach mit Hilfe einer Dreischichtplatte ausgesteift werden. Viel neue Statik Ein Holzbauingenieurbüro erarbeitete einen detaillierten Zustandsbericht des Bohlenständerbaus. Die zahlreichen Umbauten und Eingriffe in die Tragstruktur, aber auch Holzschädlinge, Pilze und Ab­ nutzungen haben ihre Spuren hinterlassen. Um die Tragsicherheit wiederherzustellen, musste relativ viel an statischen Verstärkungen eingebaut werden. Aus denkmalpflegerischer Sicht wurde vielleicht etwas zu viel an neuen Tragelementen eingebaut. Aus und wieder eingesetzte Innenbauten Die innere historische Struktur hat ebenfalls über die Jahrhunderte gelitten. So wurden partiell ganze Böden, aber auch Teile von Holzwänden herausgesägt. Auch die statisch wichtige Binnenwand im ersten Wohn­ge­ schoss zwischen Stube/Nebenstube und Korridor war zu einem grossen Teil nicht mehr erhalten. Jede schadhafte Stelle musste gesondert analysiert und ent­ sprechend repariert oder verstärkt werden. Für die Denkmalpflege hatte der Erhalt der historischen Struktur erste Priorität, auch wenn heute einiges davon hinter neuen Verkleidungen verborgen liegt.

In der Stube wurde das barocke Deckentäfer sorgfältig ausgebaut und eingelagert. Zur grossen Überraschung kam unter dieser Holzdecke eine spätmittelalterliche Bohlenbälkchendecke zum Vorschein. Leider wurde der grösste Teil der verzierten Bälkchen nachträglich abgeschnitten. In einem eindeutig besseren Zustand befand sich die ebenfalls freigelegte Bohlenbälkchendecke in der Nebenstube. Den Erhaltungszustand der spätmittelalterlichen Decken gab schlussendlich das Restaurierungs- und Oberflächenkonzept für beide Räume vor. Täfer, Kachelofen und Büffet renoviert In der Nebenstube wurden die Bohlenbälkchendecke aus dem 16. Jahrhundert wie auch das partiell erhaltene Deckleistentäfer aus dem 17. Jahrhundert sorgfältig restauriert und ergänzt. Passend zur Decke und den Wänden wurden am Boden lange Weisstannenriemen verlegt. In der Stube entschied man sich für das gut erhaltene, barocke Deckentäfer. Dieses wurde restauriert und wieder eingebaut. Auch der alte Fischgratparkett passte zur barocken Holzdecke, er wurde geschliffen und geölt. Bei den Wänden einigte man sich auf ein einfach gestemmtes Feldertäfer, welches neu erstellt werden musste. Der Kachelofen wurde wieder instand gesetzt und restauriert. Besondere Sorgfalt galt den wertvollen Nussbaumtüren, den Türgewänden und dem Büffet. Ein Möbelrestaurator reinigte und reparierte die Holzoberflächen und Beschläge und fasste die schwarzen Profile an Türen und Büffet neu. Quelle: Tugium 28 / 2012, Abteilung Bauforschung und Mittelalter­ archäologie des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, GS-Nr. 931, Ass. Nr. 118a, 118c, Literatur: KDM ZG NA Bd. 2, 405.

Repräsentative Stuben Bei der Stube und der kleineren Nebenstube im ersten Obergeschoss handelt es sich um wunderbar ausgestattete repräsentative Räume. Die Türen wie die Türgewände sind aus edlem Nussbaum, in der grossen Stube ist ein Kachelofen vorhanden, am Boden liegt Fischgratparkett, die Wände sind zum Teil mit schönem Täfer verkleidet und als Trennelement zwischen Stube und Nebenstube dient ein wertvoller Schrank mit eingebautem Uhrkasten. — 12 —


1 1 Ausgehöhlt: Die Handwerker haben das ganze Innenleben abgebaut und hinter der Fassade statische Verstärkungen für die neuen Decken angebracht. 2 Zerfressen: Schädlinge und Pilze zerstörten das Holz. Es musste partiell ersetzt werden. 3 Erhaltenswert: Im Dachgeschoss ist die Substanz gut erhalten. 4 Ausgeräumt: Der Kachelofen ist im Zwischenlager. 5 Abgegraben: Der Kellerboden wurde um 50 cm tiefer gelegt und eine Betonplatte eingegossen.

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Planung und Bau mit Fingerspitzengef端hl Wie die Architekten den historischen Bau mit modernen Formen und Materialien erweitert haben.


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SITUATION Das Ensemble gruppiert sich um einen zentralen Sitzplatz. Der neue Anbau hebt sich vom Haupthaus ab und bildet eine räumlich geschützte Eingangspartie. Das Gästehaus ist gut in den Innenhof integriert und zur Strasse schliesst die Rückwand des Pools die Öffentlichkeit gänzlich aus. Vorplatz und Carport liegen erhöht auf Strassenniveau.

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1 Modell: Der zweigeschossige Anbau erweitert die geschützte Struktur mit einem hohen, hellen Raum. 2 Blick von der Strasse: eine aufgeräumte Situation. 3 Im Innenhof: Zwei Zeitzeugen treffen sich.


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HAUPTHAUS

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ANBAU

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GÄSTEHAUS

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QUERSCHNITT Vor dem Umbau hatten die Räume rund 2 Meter Höhe. Mit der Sanierung bauten die Fachleute die Decken aus und zogen neue ein. Massgebend waren die Fenster. Mit der Absenkung des Kellerbodens um 50 Zentimeter erreichte man eine Raumhöhe von 2,27 Meter im Erdgeschoss und 2,1 Meter im 1. Obergeschoss. Der schiefe Dachstuhl wurde um 35 Zentimeter gerichtet.

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1 Formschön: Der neue Anbau erweitert das Ensemble um einen grossen Raum. 2 Gebogen: Das Fenster weitet den Blick um die Ecke. 3 Aufgefrischt: Das gekalkte Waschhaus dient als Gästehaus.


ABBRUCH NEU / RESTAURIERT

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GARDEROBE

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ENTRÉE

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FITNESS / BÜRO

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WOHNEN / ESSEN

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SCHLAFEN

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ERDGESCHOSS Anstelle der Laube ergänzt ein organisch geformter Anbau das Gebäude. Er steht in Form und Materialisierung in starkem Kontrast zum Haupthaus. Im Grundriss und in der Höhe von der alten Struktur losgelöst konnte der Architekt mehr Raumhöhe gewinnen. Mit der Unterschutzstellung profitierte die Bauherrschaft von zusätzlichen 100 Quadratmetern Nutzfläche, was etwa dem Anbau entspricht.

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ENTRÉE 23,2 M²

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GARDEROBE 25 M²

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KELLER 7,7 M²

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WASCHEN 10,2 M²

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TECHNIK 12,2 M²

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FITNESS / BÜRO 38,3 M²

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WEINKELLER 21,6 M²

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DUSCHE 6 M²

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WOHNKÜCHE 31,4 M²

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DUSCHE 5,8 M²

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CARPORT (2 PW)

N 1

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1 Gästehaus: Wohnküche mit Gartenblick. 2 Garderobe im Hauptgebäude: Ein Stück Originalkellerwand errinnert an früher. 3 Entrée: Helle Wände und eine durchlässige Treppe heitern den tiefen Raum auf. 4 Weinkeller: Die edlen Tropfen liegen in massgeschneiderten Eichenregalen. — 21 —


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1. OBERGESCHOSS In diesem Wohngeschoss sind die beiden strassenseitigen Räume komplett im originalen Zustand. Nur der Boden des Zimmers musste erneuert werden. Täfer, Decken und Böden wurden ausgebaut, restauriert und wieder an Ort und Stelle eingesetzt. Bemerkenswert sind der Einbauschrank mit Uhrkasten und der Kachelofen. Im Gegensatz steht der helle Anbau mit einer Raumhöhe von 3,17 Meter.

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VORPLATZ 26,5 M²

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BIBLIOTHEK 25,3 M²

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ZIMMER 18,6 M²

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GÄSTE-WC 5 M²

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WOHNEN / ESSEN 56 M²

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KÜCHE 22,4 M²

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SCHLAFEN 27,2 M²

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2 4 1 Original: Der vollständig sanierte ehemalige Wohnraum wird heute als Bibliothek genutzt. Früher war er das Herz des Hauses. 2 Ursprünglich: Auch im Schlafzimmer sind Decken und Wände im Originalzustand. Nur der Boden wurde durch Tannenriemen ersetzt. 3 Neu: die moderne Küche. 4 Angebaut: das Wohnzimmer mit viel Höhe und Licht. 5 Umgenutzt: ein Schlafzimmer im Obergeschoss des Nebenhauses. — 23 —

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2. OBERGESCHOSS Die neue, leicht wirkende Metalltreppe erschliesst das ganze Haus. In diesem Geschoss liegen zwei Nasszellen und zwei Schlafzimmer. Die Böden sind neu aus Amerikanischem Nussbaum und die Täfer an den Wänden hell gestrichen. Die Zwischenwand ist im Kern original und neu verkleidet. Alle Einbaumöbel sind aus furnierter Eiche gefertigt.

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VORPLATZ 27,5 M²

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ZIMMER 26,1 M²

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ZIMMER 18,9 M²

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DUSCHE 8,5 M²

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DUSCHE 5,8 M²

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1 2 1 Grosszügig: viel Stauraum und Ablage in der Dusche. 2 Wohltuend: die Auskleidung mit Natursteinplatten aus Valser Quarzit. 3 Geräumig: Die Schlafzimmer sind gross und die 2,1 Meter Höhe ausreichend. — 25 —

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DACHGESCHOSS Der Dachstuhl geht auf das Jahr 1652 zurück. Hunderte von Jahren blies der Wind in die Konstruktion und drückte sie 35 Zentimeter aus dem Lot. Mit Stahlseilen und Winden haben die Handwerker sie wieder gerichtet, mit Platten versteift und neu eingedeckt. Vier Dachgauben bringen heute Licht in die Räume. Doch das Prunkstück des Geschosses ist die gut erhaltene Zwischenwand.

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SCHLAFEN 47,4 M²

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BAD 15,8 M²

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VORPLATZ 14,3 M²

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1 1 Imposant: Hier schläft man wie in einer Kathedrale. Die Wand wurde ausgebessert und gebeizt. 2 Verkleidet: Die Fassaden sind heute zweischalig. Eine innere Gipsschicht verdeckt die Wärmedämmung. 3 Freistehend: Im grossen Raum kommt die Badewanne gut zur Geltung. — 27 —

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NORD

SÜD

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OST

FASSADEN Schlussendlich mussten an den Fassaden relativ viele Reparaturen durchgeführt werden. Darum erhielten sie die braune Farbe. Das gehobelte Holz wurde gebürstet und danach mit pigmentierter Kasein­farbe lasiert. Die Fenster sind aus Holz, am Neubau aus HolzMetall. Carport und der abgerundete Anbau heben sich mit ihren Schindeln vom Bestand ab.

1 Blick von der Strasse: Viel ist vom Anbau nicht zu sehen. 2 Inszeniert: Das Hochstudhaus ist nur dezent beleuchtet. 3 Das Fenster gegen Südost: See, Sonnen­ aufgang und Berge. — 28 —


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Bauerngarten mit Zirkel und Schere Geometrische Formen prägen die Umgebungsgestaltung. Büsche und Bäume wurden präzis gesetzt und zugeschnitten.


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GRUNDRISS GARTENPLAN Nach der Bewilligung des Projekts verkaufte der Architekt die Liegenschaft. Die neue Bauherrschaft legt Wert auf eine gepflegte Gartengestaltung. Die Auflage der Denkmalpflege war: Der Bauernhausgedanke soll sich auch im Garten zeigen und es sollen einheimische Pflanzen wachsen.

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KIRSCHAPFEL

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BUCHSKUGELN

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JAPAN-SEGGE

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KUPFERFELSENBIRNE

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FRÜHLINGSBLÜHER

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HORTENSIE

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WEINREBEN

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WEISSE KLETTERROSEN

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ROSSKASTANIE

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EINHEIMISCHE STÄUCHER

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PLATANEN

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HAINBUCHE SPALIER

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THYMIANTEPPICH

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BUCHSHECKE

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WASSERPFLANZEN: FROSCHLÖFFEL SCHWANENBLUME PFEILKRAUT

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SOMMERLINDEN

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BUCHSKISSEN

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1 Natürlich wachsende Büsche … 2 … stehen gezähmten Platanen gegenüber. — 33 —


VISUALISIERUNGEN DES GARTENGESTALTERS Umgesetzt wurden die abgebildeten Visualisierungen. Auffällig sind vier schirmförmig geschnittene Platanen im Innenhof. Im Naturbrunnen wachsen Wasserpflanzen und ein Treppchen lädt die Bewohner zum Schwimmen ein. Seeseitig umrahmen Buchskugeln in Gruppen die Bauten

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Geometrie in den Bäumen: Drei gestutzte Sommerlinden stehen Spalier. Kugeln und Säulen: Kleine Leuchten werfen Licht auf Podest und Stämme. «Weicher» Boden: Splitt lockert die Strenge auf. «Harte» Szene: Ohne Blattwerk beherrschen horizontale und vertikale Linien das Bild. — 35 —


Innenausbau mit Stil und Stimmung Jedes Material hat seine Bestimmung. Sorgf채ltig und in Verbindung mit dem Alten w채hlten die Architekten Steine, Holz und Stoffe aus.


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INNENAUSBAU UND MATERIAL Eine Unterschutzstellung bedeutet für den Architekten, sich mit der vorgefundenen Bausubstanz auseinanderzusetzen und sich mit der Denkmalpflege abzusprechen. In diesem Sinne heben sich die neuen Räume und Materialien wohltuend vom Bestand ab. Vorherrschendes Material bleibt das Holz, jedoch mit glatten Oberflächen und frei von Profilen.

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Küche im 1. Obergeschoss: mit exklusivem Kochherd. Gästedusche: Sand- und Naturstein, Eiche und Nussbaum. Im hohen Wohnzimmer: Die Leuchte erzielt Wirkung. Leuchte beim Eingang: auch mit handgefertigten Glasteilen. In der Garderobe: ein Stück Originalwand als Erinnerung. Im Korridor: Amerikanischer Nussbaum als Bodenbelag. In der Küche: Abdeckung in Quarzit.

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INNENAUSBAU UND MATERIAL Die Unterschutzstellung betrafen vor allem den Raum mit dem Kachel­ofen und dessen Nebenraum. Der Wandschrank mit Uhren­kasten, der Ofen, das Buchen-Fischgratparkett, die verzierte Bohlenbälkchendecke und die Wandverkleidungen sind original. Im Nebenraum ist lediglich der Boden neu aus Tannenriemen. Die Möblierung wählte die Bau­herrschaft mit Unterstützung des Architekten.

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Im Dachgeschoss: Alt trifft auf Neu. Eingang Gästehaus: ein Boden aus Rothenberger Sandstein. Die Holzstube: Heute ist sie Bibliothek. Glasleuchten: wirken auch bei Tag. Ohne Feuer: Der Ofen heizt mit Strom. Warme Farben: Naturtöne im Schlafraum. — 41 —


Weitere Informationen Mehr zu Buonas und der Zufahrt, seiner Umgebung und dem Bauablauf der Dersbachstrasse.


Buonas – Name und Ort mit Vergangenheit

Namen und Häuser gehen Hand in Hand durch die Jahre. Der wohlklingende Name Buonas, der Buchennase bedeutet, verweist auf die grüne, dicht mit Buchen bewachsene Halbinsel, die sich ins klare Wasser des Zugersees erstreckt. Mit herrlicher Sicht auf ebendiese Landschaft thront inmitten des Weilers der stolze Holzbau. Aus dem neuen Wohnzimmer geniessen die Bewohnerinnen und Bewohner einen herrlichen Blick über den See zum Zuger- und Walchwilerberg, hinüber zur Halbinsel, aus dessen Baumwipfel das Schloss Buonas herausragt, und bis zur Rigi. Unmittelbar in der Nähe steht das Gasthaus «Wildenmann», hundert Meter weiter unten am See lädt im Sommer das Seebad zum Schwimmen ein. Der Weiler Buonas gehört zur Gemeinde Risch im Kanton Zug. Risch bietet Einkaufsmöglichkeiten, Schulen – darunter eine zweisprachige Tagesschule – und den Golfplatz «Holzhäusern» an.

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ZUFAHRT MIT DEM AUTO 15 Minuten → Zug → Luzern 20 Minuten 30 Minuten → Zürich → Flughafen 50 Minuten 90 Minuten → Chur

FLUGHAFEN ZÜRICH

WESTUMFAHRUNG

ZÜRICH ZÜRICHSEE

A3

VOM BAHNHOF ROTKREUZ 5 Minuten nach Buonas 20 Minuten nach Luzern 40 Minuten nach Zürich

MEILEN

HORGEN

RAPPERSWIL PFÄFFIKON

BUONAS

SCHIFFSANLEGESTELLE BUONAS Verbindungen nach Cham, Oberwil und Risch

ZUG ZUGERSEE

LUZERN

DERSBACHSTRASSE 4 LANDFLÄCHE Gesamte Landfläche: 1244 m² WOHNFLÄCHEN Erdgeschoss: 92,5 m² 1. Obergeschoss: 153,8 m² 2. Obergeschoss: 86,8 m² Dachgeschoss: 77,5 m² NEBENFLÄCHEN Erdgeschoss: 51,7 m² WOHNFLÄCHEN GÄSTEHAUS Erdgeschoss: 37,2 m² Dachgeschoss: 27,2 m² FLÄCHE CARPORT Carport, Platz für 2 PW: 44,8 m²

DER BAUABLAUF 1539 Baujahr 2010 Erwerb der Dersbachstrasse 4 23. 12. 10 1. Vorentscheid Baubewilligung 21. 04. 11 2. Vorentscheid Baubewilligung 06. 05. 11 Baugesuch, vorgängig Studien in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege 01. 07. 11 Antrag für Unterschutzstellung 17. 10. 11 Baubewilligung 29. 11. 11 Unterschutzstellung: Die kantonalte Denkmalpflege stellt das bäuerliche Wohnhaus, die Hammerschmiede und das Wasch- und Brennhaus unter Schutz als «Baudenkmal von lokaler Bedeutung». 14. 09. 12 Rückbau Parkett 01. 10. 12 Teilfreigabe 29. 10. 12 Ausräumen 09. 11. 12 Rückbau Kachelofen 07. 01. 13 Baufreigabe und Baubeginn 10. 07. 13 Fassadenkonzept 11. 10. 13 Eingabe Umgebung Okt. 13 Bewilligung Umgebung Dez. 13 Bezug

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Weitere Projekte Heinz Marty, AG für Planung und Realisation

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1 Buonas Casas ZG 2 / 3 Hombrechtikon ZH 4 Schindellegi SZ 5 / 6 Solitär SZ 7 / 9 Schönegg ZG 8 Seaside ZG

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Impressum Herausgeber: Heinz Marty, AG für Planung und Realisation Konzept und Redaktion: Sue Lüthi, Forch Gestaltung: Frau Schmid, Visuelle Gestaltung, Zürich Fotos: Heinz Marty, AG für Planung und Realisation; Francesca Giovanelli Fotografie Druck: Bubu Mönchaltdorf © Heinz Marty Architekten www.heinzmarty.ch


Eine Dokumentation der Heinz Marty AG für Planung und Realisation www.heinzmarty.ch, 2014

Namen und Häuser gehen Hand in Hand durch die Jahre. Der wohlklingende Name Buonas, der Buchennase bedeutet, verweist auf die grüne, dicht mit Buchen bewachsene Halbinsel, die sich ins klare Wasser des Zugersees erstreckt. Mit herrlicher Sicht auf ebendiese Landschaft thront inmitten des Weilers der stolze Holzbau. Fast fünfhundert Jahre setzten den dunklen Holzbohlen zu, so dass sich die Heinz Marty Architekten dem aussergewöhnlichen Haus annahmen. Nach der Renovation erstrahlt das Wohnhaus heute in neuem Glanz: Es zeugt von der Vergangenheit und blickt dennoch in die Zukunft.

Dersbachstrasse 4 Buonas / Zug

Dersbachstrasse 4 Buonas / Zug  
Dersbachstrasse 4 Buonas / Zug  

Dokumentation der Sanierung

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