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vissidarte kunst und leben an der passer | opere e giorni a merano

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Episoden aus der Geschichte Tirols interpretiert von Marcello Fera Opas Diandl Ötztal Chor Manuela Demetz Projekt TyRoll-Marlon Prantl Rosina Prantl Florentine Prantl Christine Angele Agnes Auer Ingrid Marginter Stefan Laube Michael Gapp

Buch und CD erhältlich über www.tirolerland.info

Tiroler Land, wie bist du...? Tirolo come sei...? Beiträge

von: Gerlinde Haid, Heidi Schleich, Astrid Kofler, Matthias Schönweger, Hans-Karl Peterlini, Thomas Schafferer, Peter Oberdörfer, Oswald Perktold, Waltraud Mittich, Gerhard Prantl, christine O.ehlinger, Paolo C. Valente, Gerhard Ruiss, Heidi Knapp, Sonja Steger, Rut Bernardi, Birgit Unterholzner, Michael Forcher, Ingrid Maria Lechner, Christine Riccabona, Hans Heiss, Petra Streng, Oswald Waldner, Hans Haid.

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vissidarte 5 kunst und leben an der passer | opere e giorni a merano dreisprachige Kulturzeitschrift | rivista culturale trilingue ostwest estovest

Verlag | editore Ost West Club est ovest Passeirer Gasse 29 vicolo passirio 39012 Merano

CULTUR

club

Redaktion | redazione Meran-o Sonja Steger | sonja@steger.eu.org Katharina Hohenstein | kathoh@brennercom.net Redaktion | redazione Bozen-Bolzano Cristina Vignocchi | cristinavignocchi@virgilio.it Gestaltung | concetto grafico Andrea Dürr | lola@loladesign.info Coverfoto | copertina Portrait of an indicator species used in the microbial art climatology study of Rahman and Van Egmond. Image copyright © Wim van Egmond Mitarbeiter | collaboratori | Autoren | scrittori | Fotografen | fotografi Renate Abram | Reinhard Auer | Gigi Bortoli | Iris Cagalli | Enzo Coco | Toni Colleselli Martina Dandolo | Hannes Egger | Viola Eigenbrodt | Gudrun Esser | Enzo de Falco Walter Gostner | Tonio Haller Pixner | Anita Holzner | Markus Joos | Armin Joos Jürgen Mahlknecht | Giorgia Marotto | Enzo Nicolodi | Ursula Niederegger | Johannes Ortner | Damian Lukas Pertoll | Nicola Pineschi | Giovanna Podavini | Benno Reinstadler | Konrad Walter | Martina Zambelli | Laura Zindaco Lektorat | lettorato Enzo Coco | Haimo Perkmann Presserechtlich verantwortlich | direttore responsabile Toni Colleselli Initiator | iniziatore Harry Reich Auflage | tiratura 5.000 Stück | pezzi Druck | Stampa Tezzele print by esperia Bozen | Bolzano Dezember 2009 dicembre

Danke für das Vertrauen, die kreative und materielle Unterstützung, die vissidarte möglich gemacht haben. Grazie per la fiducia, il sostegno creativo e materiale, che hanno reso possibile vissidarte.

gedruckt mit Unterstützung | stampato con il sostegno MIT EINEM ZUSCHUSS . CON IL CONTRIBUTO

Referat für Kultur Assessorato alla cultura

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vissidarte 5 Alles fließt! Das uferlose Thema Wasser schlängelt sich als blau, grün, grauer Faden durch die Seiten und bietet vissidarte ein Meer an Möglichkeiten. Toni Colleselli hatte die zündende Idee, diesen Fließpunkt zu setzen. Unter dem rauschenden Themen-Wasserfall, der viele in seinen Strom zieht, fließen Haupt- und Nebenarme, schwimmen kleine und größere Fische. Legenden wie der Passerfritz leben wieder auf, Alpträume wie der Kummersee lassen erschauern. Manch einer bereist die sieben Weltmeere, bringt Künstler, Ideen und Werke mit. IMIRAN und INMERAN sprudelt es - glücklich ist, wer sich in der Nähe von Wasser aufhält: Künstler und Literaten zeigen ihre Lust am fließenden Element, ob photographisch an der Passer, literarisch

am See, der Ahrn oder der Etsch. Nicht-Nasses mogelte sich durch, ohne deswegen trocken zu sein. Manchmal steckt das Wasser sogar im Namen, wie bei dem Philosophen Vilém Flusser. Ob Sie eintauchen oder schwimmen, paddeln oder planschen wollen: das Element Wasser verbindet und lässt niemanden kalt. Wasserstrassen mit kleinen Seitenwegen gibt es auch in englischer Sprache. vissidarte hat auf Wasser gebaut und Brücken geschlagen. Schiff ahoi! Stechen sie lesend und betrachtend in See. Viel Spaß beim mäandrieren wünscht die vissidarte-Mannschaft.

vissidarte 5 Tutto scorre! Il tema sconfinato „Acqua“ dipana i suoi fili blu verdi e grigi attraverso le pagine ed offre a vissidarte un mare di possibilita. Toni Colleselli ha avuto l´idea di dar fuoco alle polveri di questa tematica in continuo divenire. Sotto l‘impetuosa cascata di argomenti, che trascina tanti nei suoi gorghi, scorrono correnti principali e secondarie, sguazzano pesci grandi e piccoli. Rinascono alla vita leggende come quella del Passerfritz, incubi come quello del lago delle tribulazioni ci fanno rabbrividire. C‘è chi viaggia per i sette mari, portandosi dietro artisti, idee ed opere. Spumeggia IMIRAN e INMERAN, lieto colui che si trova nei pressi dell‘acqua: artisti ed uomini di lettere cedono all‘elemento fluente, fotografando il

passirio o scrivendo del lago, dell´Aurino o dell´Adige. Il non-bagnato si insinua tra le pagine eppur non e´ asciutto. Talvolta l´acqua si nasconde nel nome, come per il filosofo Vilém Flusser. Che vogliate immergervi o nuotare, sguazzare o remare, l‘elemento acqua ci unisce tutti e non lascia nessuno indifferente. Corsi d‘acqua navigabili ed affluenti si trovano anche in inglese. Vissidarte ha edificato sull‘ acqua e vi ha gettato dei ponti. Olá, Voi della nave! Togliete l´ancora e, leggendo ed osservando, prendete il largo. La squadra di vissidarte vi augura buon divertimernto ad andar per meandri!

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Inhaltsverzeichnis 7

kanal::stadtbach

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Peter Huber

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Christian Stecher

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Martina Dandolo

9

In der Kampfzone

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Walter Thaler

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Paolo Bill Valente

47

Erwin Seppi

12

Übers Wasser lassen

48

Labyrinthgarten Tscherms

13

Christian Bordon

49

Arnika – die Welle

14

Terje Isungset

50

Maik Richter

16

Thomas Eller

51

Stefan Kapfinger

18

Jochen Unterhofer:

52

venske&spänle

Was kostet die Welt?

53

Sonja Steger

20

La Zag

54

Tim Parks

21

Der Passer Fritz

56

Georg Markart

22

Elie Abou Samra

57

Christine Perri

23

Jörg Christoph Grünert

58

Le acque dell’orso

24

Die Passernymphe

59

Giancarlo Godio

26

Opas Diandl

60

Nicola Morandini

28

Wasser Worte – Wasser Orte

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Vilém Flusser

30

L’incubo di Merano

31

Wasser, Pendel, Wünschelrute

64

Cristina Vignocchi

32

Microbial Art Climatology for Lana

65

Oscar Ferrari

33

Kenneth Gasser

66

Premio Laives

34

Peter Verwunderlich

67

Lukas Zanotti

35

Vita di una Bunkerpatin

68

Saman Kalantari

36

Associazione Musicale Meranese

69

Giuseppe Martinelli

37

Walter Haller

70

Galleria Goethe 2

38

Thomas Hawlik / Lisa Hofer

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workshop di La Goccia

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Lorenz Langenegger

72

Matteo Groppo

41

Wolfgang Zingerle

73

Dietmar Gamper

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photonights 09

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Summary of contents

Bozen/Bolzano:

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Damian Lukas Pertoll Meister in FotograďŹ e damianlukasp@gmail.com

kanal::stadtbach

* 03.01.1983 in Innsbruck / lebt in Meran / Berufsschule fĂźr Fotografie / Hall in Tirol

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Christian Stecher Maler / *1958 in Mals /Accademia delle Belle Arti, Florenz / zahlreiche Auslandsaufenthalte: Spanien, Peru, Mexiko, Ecuador, Irland /Ausstellungen u.a. in Florenz, Meran, Innsbruck, Landeck, Mexiko City / Lebt und arbeitet in St. Valentin auf der Haide und in Merida, Mexiko. www.christianstecher.com

Verde Cancun II Unsichtbares Wasser Wasser verläuft in Yucatan unterirdisch, ist unsichtbar, ein Mysterium. In der Tiefe bildet es Seen, lange Adern, die als klare „Süsswasser-Inseln“ ins Meer münden, mitten in das Salzwasser der Karibik.

Verde Cancun I grün, blau, wassergrün, Meer trifft auf Kalk, kühl, frisch auf Mauern,

Cenotes (Maya: ts`o`noot ) sind die wenigen offenen Zugänge zum geheimnisvollen Wasser der Tiefe, Lebensmittelpunkte aller Mayastädte, Einstiege in dieses dunkle Labyrinth aus Wasser.

IN DER KAMPFZONE von Jürgen Mahlknecht & Walter Gostner

Studien belegen, dass im Jahr 2025 die Nachfrage nach Wasser um 56 Prozent höher sein wird als das weltweite Wasserangebot. Die Kriege des 21. Jahrhunderts werden voraussichtlich wegen des Wassers geführt. Die Wucht dieses Satzes, geprägt bereits 1985 vom ehemaligen UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali, führt uns vor Augen, dass Wasser in all seinen Erscheinungsformen nicht nur Poesie darstellt, sondern als Lebensgrundlage für uns Menschen schlechthin ein großes Konfliktpoten-

zial mit sich bringt. Schon die antiken Hochkulturen sind ohne die Nähe zu Flüssen wie dem Nil, Euphrat und Tigris unvorstellbar. Die Entwicklung der Menschheit bis heute war und ist nur möglich durch die Nutzung des Wassers für verschiedenste Zwecke. Seit jeher waren deshalb Konflikte rund um die Wassernutzung an der Tagesordnung. Die im Folgenden gegenübergestellten Beispiele spielen sich als Wechselspiel zwischen zwei Schauplätzen ab. Schauplätze, an denen sich zwei Ingenieure aus Prad intensiv mit dem Wasser auseinandersetzen. Schauplätze, die gegensätzlicher nicht sein könnten und aufgrund ihrer Auseinandersetzungen rund ums Wasser doch miteinander verbunden sind.

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mit Feinteilen durchsetzt. Schon im Mittelalter hat die Auseinandersetzung um diese Gewässer eingesetzt, auch weil es durch den Gadriabach immer wieder zur Vermurungen gekommen ist, die einmal mehr die Laaser betroffen haben, ein anderes Mal wieder eher die Allitzer und die Kortscher. Im Jahre 1494 wurde von beiden Seiten der Sennauer Vertrag unterzeichnet. Dieser enthielt ein ausgeklügeltes Regelwerk zur Nutzung des Gadria- und Strimmbaches, in verschiedenen Teilen ist er heute noch gültig. Nichts desto trotz flammen die Konflikte heute wieder auf, wenn es zu Interessensüberschneidungen kommt.

Schauplatz 1: Der Vinschgau Nomen est omen. Zwischen Burgeis und Mals verläuft der Kriegwaal, wie alle anderen Waale im Vinschgau ein offener Kanal, der das Wasser aus einem Bach entnimmt und zur Bewässerung in die landwirtschaftlichen Flächen geleitet. Wo an anderen Waalen die Nutzung des Wassers in der Waalordnung verbrieft ist und jeder Grundbesitzer seine Road hat (vom Lateinischen „roda“, davon leitet sich auch das Vinschger Dialektwort „das Readl“ – die kleine Road ab), ist am Kriegwaal diese Regelung nicht vorhanden. Die Bewässerung der Wiesen geht auf anarchische Weise vonstatten und es kam immer wieder zu Auseinandersetzung zwischen den Bauern. Warum das so ist, weiß niemand so genau, vielleicht haben sich die Burgeiser und Malser nie auf einen Kompromiss einigen können. Schauplatz 2: Mexiko Im Jahre 1944 wurde zwischen den USA und Mexiko ein Wasservertrag abgeschlossen, der den Süßwasseraustausch bzw. -ausgleich regelt. Dieser Vertrag verpflichtet beide Nachbarländer, Wasser an die Grenzflüsse Rio Colorado bzw. Rio Grande/Rio Bravo abzugeben, so dass eine kontinuierliche Wasserversorgung auf beiden Seiten gewährleistet ist. In den letzten Jahren entstand daraus ein Wasserkonflikt. Denn Mexiko konnte diesen Verpflichtungen nicht nachkommen, ausgelöst durch die seit Jahren herrschende Trockenheit im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko. Die oberflächlichen Wasserreserven reduzierten sich stark und der Grundwasserspiegel fiel auf das bisher tiefste Niveau überhaupt. Zeitweise wurde die mexikanische Grenzregion sogar zum Katastrophengebiet erklärt. In Nordmexiko ist die Wasserknappheit außerdem verschärft durch die rasche Bevölkerungszunahme, intensive Landwirtschaft, veraltete Wasserleitungen und die Industrialisierung. Zurück zu Schauplatz 1: Der Vinschgau Was die Nutzung des Wassers betrifft, sind sich Laaser und Kortscher seit Jahrhunderten spinnefeind. Haben es doch beide Seiten auf das Wasser des Strimmbaches abgesehen. Dieser ist ein Zufluss des Gadriabaches, führt aber im Normalfall ein klares und für die Bewässerung hervorragend geeignetes Wasser. Der Gadriabach hingegen hat seinen Ursprung in einem zerworfenen Einzugsgebiet und ist nahezu immer

Und wieder Schauplatz 2: Mexiko Eine Wasserkrise besonderer Art erlebt momentan Mexiko City: bei ungefähr einem Fünftel der rund 20 Millionen Einwohner wird die Wasserversorgung mehrmals über Tage unterbrochen, da eine wichtige Talsperre im benachbarten Mexiquensischen Bundesland zu wenig Wasservorräte hat und das überalterte Wasserleitungssystem dringend renoviert werden muss. Die Bevölkerung fragt sich, wo denn das Wasser hingekommen sei, hat es doch genügend Regenfälle im letzten Jahr gegeben. Die Bundesregierung, Mexiko City und der benachbarte Mexiquensische Bundesstaat – alle drei von verschiedenen politischen Parteien regiert - weisen sich gegenseitig die Schuld an diesem Versagen zu. Es liegt auf der Hand, dass sich die Beispiele beliebig fortsetzen ließen. Wasser ist ein umkämpftes Gut. Soll die Menschheit auf dem Planet des Wassers auch in Zukunft lebensfähig sein, wird es verstärkte Bemühungen um eine nachhaltige Wassernutzung nicht nur in ariden Zonen wie Mexiko geben müssen, sondern auch in relativ wasserreichen Regionen wie Südtirol. Jürgen Mahlknecht * 21.08.1970 in Schlanders. Studium der Kulturtechnik und Wasserwirtschaft und Doktorat an der Universität für Bodenkultur in Wien. Ingenieur- und Forschungswerdegang in Wien, Brixen und Mexiko City. Seit 2008 Direktor des Wasserzentrums für Lateinamerika und Karibik (caalca.net) in Monterrey, Mexiko. Walter Gostner * 27.09.1971 in Schlanders, Studium an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck, Università La Sapienza in Rom und EPFL in Lausanne (1999-2001, 2007 bis dato) zum Bauingenieur mit Spezialisierung im Wasserbau (derzeit PhD), Partner einer Ingenieurgesellschaft mit Sitz in Mals/Vinschgau. w.gostner@ipp.bz.it

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Mein durchlauchter Luxuskörper schwelgt darein, wie die Fischlein in klaren Bergseen. – Das muss ich mir notieren und irgendwann verwenden, in meiner Dichtung, gell mein Geistfreund, Heinrich Heine.

Paolo Bill Valente Scrittore

Nato nel 1966 a Merano Scrive racconti, favole, articoli di giornale, saggi e qualche poesia Prova a viaggiare oltre i confini – quelli interiori e quelli esteriori. Cerca storie e interroga la Storia per capire il presente e per fare ipotesi sul futuro Vive e lavora a Merano. valente.paolo@virgilio.it www.webalice.it/valente.paolo

vissidarte: Da piccolo la storia mi sembrava solo un accumulo cronologico di fatti, poi ho capito che i fatti sono infiniti e che quindi si tratta di chiedersi: dove vado a cercare, cosa, e perché? Parto da una tesi o lascio che eventualmente la tesi emerga dal mio lavoro di ricerca? Qual è la sua visione della storia?

Paolo Valente: Io penso che, comunque, il fare storia abbia la sua base di partenza nell’esperienza, nel vissuto dello storico, questo va ammesso onestamente. Detto questo io faccio anche il giornalista e francamente non vedo una grande differenza tra il fare lo storico e fare il giornalista. Si tratta sempre di selezionare i fatti da raccontare e di decidere come raccontarli, dove porre l’accento etc. Ed ancora: aspettare che i fatti arrivino da sé o andare a cercarli? Quali fonti valorizzare, che peso dare a queste fonti? Un insieme di elementi che valgono anche per lo storico, pur se con tempi diversi e dimensioni diverse. Ricordando poi che le fonti e le relative conseguenze sono sempre soggetto ad interpretazione personale. L’articolo di oggi è il documento storico di domani, insomma gli stessi documenti possono essere di parte, scritti male, nel peggiore dei casi falsi etc. vissidarte: Il giornalista però ha un focus diverso, dovendo stare, in generale, all’attualità Valente: Si, certo lo storico può spaziare da Adamo ed Eva al presente... vissidarte: E quindi con la Storia si pone con maggiore urgenza la questione: cosa vado a studiare, dove vado a ricercare? E perché? Valente: Diciamo che entrambi i mestieri hanno due possibilità. Una è nel servire il potente di turno, insomma manipolare le notizie in modo che queste servano a determinati scopi, o comunque nel servire una determinata tesi, l’altra consiste nell’offrire la propria professionalità come mediazione tra chi ascolta e la realtà, offrendo a chi, appunto, ascolta/ legge, degli strumenti per capire o

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Fotografin:

Anita Holzner | *1983, lebt in Meran | h.anita@alice.it

Nun wollen wir uns – wie alle drei Wochen – dem Waschen meines langen, langen Prachthaares widmen – wen kümmert es, dass mir wegen der Zotteln ständig der Schädel schmerzt. Ein Tag durchwirkt von Cognac-Duft und Ei-Geruch. Nein, nein, nicht getrunken noch geges-

sen. Beides diene mir als Haarwaschmittel. Ab und zu esse ich schon etwas, ein rohes Eiklar mit Salz oder den gekochten Saft von Kalbfleisch. Zum Glück sind diese Hungerödeme, welche meinen perfekten Leib entstellten, abgeklungen. Zuviel Null-Diät rächt sich halt. Sei’s drum. Text: Sonja Steger

cercare di capire la realtà che lo circonda. In alternativa le notizie possono essere dei puri prodotti commerciali, ma la dignità del giornalista/ dello storico è altrove. Va detto che, normalmente, chi esercita il potere ha la tentazione di fare pressione acciocché la Storia e i fatti vengano raccontati in maniera da giustificare il proprio potere, magari non in maniera così diretta come farebbe una dittatura ma... Basti pensare alla tradizione dei cantastorie nel medioevo, storie raccontate per “giustificare” il potere... La mia Storia è la storia raccontata per aiutare a capire. Io stesso ho cominciato ad interessarmi alla storia quando ho visto che, al liceo, in occasione dell’apertura dello school village, un muro separava il gruppo linguistico tedesco da quello italiano. Volevo/amo capire cosa si facesse dall’altra parte del muro e perché questo fosse stato eretto. Abbiamo messo su un corso autogestito di storia dell’Alto Adige. Guardarsi indietro è importante per capire il presente e proiettarsi verso il futuro, che si può cambiare seguendo le tracce della storia.

col resto del mondo...

vissidarte: Insomma non si può andare avanti senza sapere da dove si viene... Valente: Esatto, nella nostra stessa realtà, non conoscere la storia significa che facilmente, a fronte di determinati problemi, si scada nel nazionalismo, nei luoghi comuni, nei pregiudizi… vissidarte: … o nell’indifferenza…. Valente: …o nell’indifferenza. E il problema non sorge solo tra italiani e tedeschi, ma anche ed ancora di più verso gli stranieri. Capire vuole dire studiare la storia anche di queste persone, la storia dei rapporti dell’Europa

vissidarte: Ma per questo ci vuole fatica, forse per questo la Storia non gode di gran seguito. Valente: Ecco perché prevale il luogo comune. Il pregiudizio è sempre una scorciatoia nel leggere la realtà. La prassi è semplificare. Anche il lettore avrebbe dei doveri ma spesso legge solo i titoli, diventa allora cruciale scrivere un buon titolo, che dica la verità, fosse anche a mo’ di slogan, ma un titolo che non serva solo ad attirare l’attenzione... vissidarte: Tu hai anche scritto su Merano, che arco temporale hai trattato? Valente: Dalla preistoria all’attualità. Va tenuto conto che l’unica cronaca della città prima del mio “Merano. Breve storia della città sul confine” risale all’800. Ma la storia di Merano secondo me è interessante non solo per i meranesi. Per quanto piccola Merano è un posto multiculturale, multilingue, è questo che mi interessa andare a studiare; come è un posto così? Una città sul confine, un confine inteso non solo come frontiera ma come opportunità, luogo del confronto/scontro, dove l’incontro col diverso è inevitabile, quindi l’indifferenza è impossibile, indipendentemente da come si viva poi questa condizione. Ecco il fascino di un posto così, marginale ma anche centrale, antica capitale del Tirolo pur nella sua lontananza dai luoghi delle decisioni. Una situazione di distanza e vicinanza, condizione in fondo molto moderna, no? intervista: Enzo de Falco | foto: Ursula Niederegger

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Terje Isungset nato a Geilo, Norvegia nel 1964 musicista / percussionista jazz pioniere della musica di ghiaccio born 1964 in Geilo, Norway Musician / Jazzpercussionist Pioneer of Icemusic

Terje Isungset è un pioniere in tema di musica di ghiaccio. Nove anni fa in occasione della prima di una sua composizione nei pressi di una cascata ghiacciata a Lillehammer, si è reso conto che anche il ghiaccio poteva essere usato come strumento musicale. Due anni dopo ha pubblicato il primo cd al mondo di musica di ghiaccio Ice Man. Il musicista norvegese parteciperà anche nel 2010 all’Icemusicfestival in Val Senales. Con vissidarte ha parlato in particolare dell’acqua fredda. vissidarte: Lei ha cominciato nel 2000 con la musica di ghiaccio. Cosa è cambiato da quel tempo? Terje Isungset: Da allora ho imparato molto riguardo la musica di ghiaccio, la musica e la vita più in generale. Ho scoperto anche nuovi strumenti musicali e comprendo molto meglio gli aspetti logistici della musica di ghiaccio. vissidarte: Quanto dura la costruzione degli strumenti, li costruisce da solo? Isungset: C’è chi mi aiuta a prelevare il ghiaccio dal corso d’acqua o lago più vicino e ho un assistente che lo taglia con la motosega. Tutti gli altri lavori come il design, la costruzione e il tuning li faccio da solo. Il mio lavoro dura circa tre giorni. vissidarte: Ci racconti qualcosa degli strumenti! Isungset: Ce ne sono diversi: il corno di ghiaccio per esempio dove suono direttamente sul ghiaccio. Si tratta di una sorta di tromba. Ci sono poi le percussioni di ghiaccio con una serie di elementi. È in realtà una batteria, ma alla fine nemmeno, perché ci sono diversi suoni che si differenziano moltissimo dalla batteria. E poi ci sono

l’iceoofon una sorta di marimba e un’arpa di ghiaccio dove le corde sono in metallo. Gli strumenti sono al cento per cento naturali, composti solo di acqua ghiacciata. vissidarte: Usa gli stessi strumenti più volte? Isungset: Normalmente li ricostruiamo sempre. Nel 2007 abbiamo fatto una tournée di 3 mesi e abbiamo conservato gli strumenti in un camion frigo. Funziona anche così. vissidarte: Ha spesso suonato in luoghi che non superano i 1000 metri sul livello del mare. L’altitudine altera il suono dei suoi strumenti? Isungset: Ci sono due importanti fattori. Prima di tutto la temperatura. È già successo di suonare a meno trentatre gradi. A temperature vicino allo zero il ghiaccio suona quasi come l’acqua. In secondo luogo la qualità del ghiaccio è molto importante, deve essere chiaro e senza bolle d’aria. Non è poi così facile. Alcuni pezzi di ghiaccio suonano divinamente altri purtroppo no. Ho già provato con il ghiaccio sintetico ma non ha alcun suono. vissidarte: Ci sono per lei nel campo della musica di ghiaccio ancora desideri irrealizzati o inespressi? Isungset: Certo! Non avrebbe altrimenti senso continuare a sperimentare. Cerco sempre di fare e suonare buona musica, di creare e trovare sfumature che in musica non si sono ancora sentite. Interview: Katharina Hohenstein traduzione italiano: Giorgia Marotto foto: Gletscherarchiv: Andreas Marini

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Was kostet die Welt? Steckbrief Was kostet die Welt? Hauptdarsteller: Lena: Myrjam Lun Mella: Sara Carminetti Sebastian: Johannes Springeth Oliver: Josef Franz Gluderer

Produktionsfirmen: taenia p&c und Solimage Kamera: Peter Pfund Kameraassistenz: Paul Nachförg Produktionsleitung: Maja Wieser Casting und Schauspieltraining: Simone Mayr Ton: Stefano Bernardi Soundtrack: Eva Lageder

Was kostet die Welt? So lautet der Arbeitstitel des neuen Spielfilms für Jugendliche von Jochen Unterhofer. Gut Ding will Weile haben! Bereits vor zehn Jahren stellte der Filmemacher ein ähnliches Filmprojekt den Südtiroler Raiffeisenkassen/Casse Rurali Alto Adige vor. Jetzt ist der Samen aufgegangen. Die Raiffeisenkassen fördern „Was kostet die Welt“. Die Ziel-Zuschauer-Gruppe sind Jugendliche der Mittelschulen und Oberschulen. Der Film soll Diskussionsgrundlage sein; die Botschaften: der Umgang mit Geld, die Rolle welche Geld in Beziehungen spielt und der Genossenschaftsgedanke. In den kommenden Monaten entsteht ein ca. 20 Minuten langer Film, der u. a. in Schulen gezeigt wird. CUT Wer ist Jochen Unterhofer? Ein kreativer Freigeist mit sympathischem Hang zur Weltverbesserung, ein Neugieriger mit unstillbarem Durst nach neuen Herausforderungen. CUT Keine Figur ist im eigentlichen Sinne erfunden. Dem Drehbuchschreiben gingen Ideenfindungswochen in mehreren Südtiroler Mittel- und Oberschulen voraus. In diesen Ideenfindungsstunden erzählten die Schülerinnen und Schüler über ihre Träume, Freizeitbeschäftigungen und ihren Umgang mit Geld. Fragen wie „Was macht ihr, wenn ihr 100.000 Euro zur Verfügung habt?

Woran denkt ihr beim Begriff Geld?“ lockten sie aus der Reserve. Die Geschichte wurde aus den Aussagen der Jugendlichen entwickelt, aus der Jugendkultur geschöpft. Beobachtungen und Charaktere flossen in das Drehbuch von Selma Mahlknecht ein. CUT Mit 22 Jahren gründete Jochen Unterhofer seine erste Produktionsfirma. Im filmischen Bereich hat er so gut wie alles gemacht, seine erst Beschäftigung dort: Kabelschlepper, und dann Tontechniker, Synchronschneider, Kameramann, Cutter, - er schneidet seine und andere Filme, wie z. B. solche von Karl Prossliner, einem seiner Lehrmeister. CUT. Die Hauptfigur von „Was kostet die Welt“ ist die Bauerstocher Lena. Sie verliebt sich in einen reichen Schnösel, Sebastian. Aufgrund des sozialen Unterschiedes stößt die Liebesgeschichte im Elternhaus Sebastians auf Ablehnung. „Wir wollten keine Geschichten erfinden, sondern die Jugendlichen und auch die Schauspieler dort abholen, wo sie sind. Auch sprachlich wurde der Text während der Dreharbeiten und Leseproben an die Sprache der Darsteller angeglichen.“ Eine weitere Besonderheit dieses Films ist die Verwendung einer Digitalen Filmkamera (Digital Cinema,) der red one, die der Wirkung einer Super 35 mm sehr nahe kommt und schon

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BRUNNEN.IN.MERAN

Le cascate di piazza Rena: Schnitt: Silke Theiner Drehbuch: Selma Mahlknecht Regieassistenz: Giuseppe Tedeschi Regie: Jochen Unterhofer www.taenia.eu

Jochen Unterhofer

Ideologicamente li rifiutiamo, questi fascisti. Panta Rei. Tutto scorre, così trascorsero anche i tempi delle camice nere. Tuttavia dobbiamo a loro, o meglio ai loro architetti, la nostra spumeggiante vitalità nonché la nostra esistenza. Storci pure il naso, poiché é da un pò che puzziamo anche di cloro. Mannaggia. Il mondo va-a-fa-‘n-bagno e anche di parcheggi straripa la città. Ci mancava solo questo stupido ingresso a rovinare il nostro splendore. A proposito, tutta Merano é un groviera.

Filmemacher | Geboren 22.03.67 in Bozen Lebt mit Frau und Töchtern in Terlan.

bei mehreren großen Spielfilmproduktionen eingesetzt wurde. z. B von Peter Jakson, Steven Soderbergh, Joey Steward... CUT In „Was kostest die Welt“ ist Jochen Unterhofer für die Regie verantwortlich. Seit 1994 gibt es seine Produktionsfirma Taenia, was soviel bedeutet wie Kopfbinde, Bandwurm, ein Stück Film und noch einiges mehr. Taenia produzierte u.a. einen Film über „unseren“ Poetzelberger, dessen Untergang in vissidarte4 beklagt wurde. CUT Drehschauplätze des Films sind Meran und Umgebung. Die Wahl fiel auf die Passerstadt da ein ausgeglichenes Verhältnis von deutsch- und italienischsprachigen Bürgern herrscht, in Meran ist das urbane und ländliche Leben vertreten und somit stellt sie ein Spiegelbild der Südtiroler Gesamtsituation dar. Schauplätze: ein Bauernhof in Untermais, das Café Kunsthaus, eine Wohnung in Zenoberg, das Schoolvillage. CUT Filmemachen bedeutet für Jochen Unterhofer: Welterfahrung, Menschen und Situationen entgegen zu treten, ununterbrochen lernen. CUT Geschichten aus der Südtiroler Jugendkultur ermöglichen den Zusehern sich eine Welt, die sie kennen oder die ihnen fremd ist, anzueignen. Was kostet die Welt? Ein ununterbrochenes Lernen und Geschichten als Geschenke erkennen. THE END Fotos: Giuseppe Tedeschi | Text: Sonja Steger

BRUNNEN.IM.IRAN

Enzo Nicolodi, ha fotografato le fontane in Iran nel 2009 Enzo Nicolodi nato il 22 aprile del 1950 a Tscherms. Insegnante dì italiano nella scuola tedesca. Vita politica vivace ed intensa nonché appassionata, con Alexander Langer prima in Lotta Continua, poi nella Neue LinkeNuova Sinistra e quindi consigliere comunale per 17 anni. E poi…La stagione dei grandi viaggi, delle immagini rubate al mondo, dei reportage, delle istantanee di viaggio più da reporter che da turista: il Centro America, Guatemala, Salvador, Nicaragua, Buenos Aires, Tuzla, il Chiapas, Iran e Libano. Con alcuni amici inventa Radio Alpha, (radio libera alternativa). Con Harry Reich concepisce On The Road again all’Urania, dal 2000 è Presidente della Biblioteca Civica parte italiana. Partecipa alla costruzione del sito sulla realtà meranese negli anni settanta che tutt’ora cura insieme a Max Carbone: www. merano70.it, ennico@alice.it

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La Zag Hic sunt Leones!

Da due fonti scientifiche sembrerebbe che Lazago, quella fascia di territorio adagiata sulle sponde del Passirio dalla gola della Gilf verso la Passiria, avesse due nomi, uno con toponimo Logiaticum, di chiara derivazione romana, l’altro di radice indo-germanica, Glatsch-ack, ovvero, Campo gracchiato. In entrambe i casi pare verosimile “rintracciare” l’attuale nome, con le successive variazioni ovviamente, nei toponimi primitivi. Ma non vogliamo nel nostro caso fare un trattato sulle origini della zona di Lazago. Nel nostro caso c’interessa in quanto a Lazago, oggi parte di esso anche biotopo, e zona balneare meranese in anni relativamente a noi prossimi (chi non ricorda le escursioni per fare il bagno da Fritz?), un gruppo musicale ha voluto chiamarsi, anche in questo caso “storpiandolo” un po’ proprio La Zag. E i La Zag, certamente, non hanno bisogno di presentazioni, poichè sulla scena locale, ma non solo, da oltre vent’anni. Una storia nata dall’incontro tra Franco Ferrarese e la sua compagna Elfriede Rungg, austriaca con radici altoatesine. Una passione comune per la musica antica, ed ecco nascere i La Zag, strada facendo aumentati d’organico, prima col fratello di Franco Loreno, quindi, una volta cresciute, col contributo delle figlie Anna Florina e Anna Viola, e ad un certo punto, anche per ragioni di cuore, il bassista Luca Agostini. Queste le origini. Oggi i La Zag, con all’attivo cinque cd e davanti alla prossima uscita di una produzione dedicata al Natale, sono una formazione ancora richiestissima sul territorio, ma anche in Italia e all’estero. La loro indubbia bravura e capacità musicale, con le radici affondate certamente nella musica rinascimentale, non gli hanno

impedito di spingersi anche verso sonorità contemporanee di grande fascino come testimoniato dal Cd “Hic sunt Leones” in cui ad un’atmosfera arcaica si percepiscono ritmi e suoni della nostra epoca. Non casualmente uno dei brani incisi “Lady in black” è niente meno che degli Uriah Heep. Ma un’altra testimonianza che parlando dei La Zag si tratta di una formazione di alto livello sta nel fatto che hanno vissuto una lunga esperienza concertistica al fianco di Ritchie Blackmore, storico chitarrista dei Deep Purple. Ma ai La Zag, si è interessato seriamente anche Angelo Brandualdi, anche se poi ci si è persi per strada. Accanto a questo, anche tre anni di tour in prima persona, con un successo inaspettato, in Inghilterra. Resta il fatto che, quando nel 2001, Michael Jackson, fece un’apparizione strettamente privata nella nostra provincia, per l’esattezza a Solda, furono loro, i La Zag, ad essere chiamati per rendere la visita del cantante scomparso più appagante. E Michael, sui ritmi e la musica di Franco & Family, accennò anche qualche passo di danza. In oltre vent’anni di attività e con i precedenti sopra accennati, non sono mancati i sogni. Il sogno di andare oltre le pareti casalinghe confrontandosi con un panorama musicale più ampio e professionale. Giuste ambizioni di chi allora aveva 35 anni (Franco). Oggi, che gli anni sono diventati 57, è subentrata la maturità e una capacità di valutare i pro e i contro rispetto ad un progetto più o meno ambizioso. Resta il fatto che La Zag è una realtà ancora viva e che, già negli anni degli esordi precursore della musica antica e rinascimentale in particolare, senza spostare troppo il baricentro verso la sperimentazione, è rimasto fedele a se stesso, mentre altre formazioni simili hanno ripiegato verso altri orizzonti o sono sparite. Tra le partecipazioni in quest’anno al suo epilogo, la realizzazione di musiche e la partecipazione diretta a “Stories de Fanes” nella rassegna ladina Festa Ta Mont di Pozza di Fassa, un concerto nella zona del Garda, ad Albaré, la partecipazione alla Festa medievale di Bregenz, i “Giochi cavallereschi” di Sluderno e l’annuale Festa Medievale di Castel Tirolo. Oltre a questi appuntamenti altri concerti. Accanto a tutto questo, l’impegno dei La Zag nelle scuole presentando, canzoni, balli e strumenti antichi, contribuendo così ad una conoscenza storica del tutto particolare alle giovani generazioni. testo: Gigi Bortoli, foto: Gigi Bortoli e archivio La Zag www.lazag.it

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Der PASSER FRITZ

... oder wie bewahrt man die Erinnerung an eine Stadtlegende, die tatsächlich gelebt hat Auch heute noch hört man sagen: „Gehen wir zum Passer Fritz!“ und meint damit die Passer Au vom Fuße des Zenobergs bis zum Ofenbauer. Der Passer Fritz zählt zu den legendären Persönlichkeiten der Kleinstadt Meran, wie der Falschauer Geist und ist zugleich ein immer noch existierender und doch verschwundener Ort, wie „il muretto“. 1909 in Franzensfeste geboren. Bereits in den 30iger Jahren hielt der Naturfreund in der Passer Au Hühner und ein paar „Goaß“. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, 1947, ist ihm die Au zur Heimat geworden. Jahrzehnte lang verbrachte er sein Tage dort und hegte und pflegte seine „minispiaggia“. Die Meraner und Meranerinnen schätzten und liebten diese Naherholungszone, mit kleinem Weiher, der im Sommer Badesee und im Winter Eislaufplatz war, mit Bootsverleih und Ausschank. Legendär ist auch Passer Fritzens Geheimnis von der Zucht von Steinpilzen, ein Geheimnis, das er mit ins Grab nahm. 1997 ist Friedrich Kaneider im Alter von 88 Jahren gestorben. Zeitzeugenaussagen: Als Hobbymykologe kann ich nur sagen, dass waren keine Steinpilze, sondern braune Champignons. Einmal wollte er einen Wald pachten in Sexten, was ich ihm aber ausgeredet habe. Ein anderes Mal kam er bei mir in der Gewerkschaft vorbei und wollte Hilfe bei der Patentierung eines elektrischen Gerätes, das angeblich als Warnsystem bei Überhitzung von Heu, dienen sollte. Er war sehr enttäuscht, dass ich ihm nicht weiterhelfen konnte…Wir sind oft Eislaufen gegangen beim Passer Fritz. Viele Obermaiser Jungendliche haben sich dort getroffen…. Ja, er war ein Menschenfreund, gesellig, mitteilsam, hilfsbereit. In den Sechzigerjahren habe ich Konzerte bei ihm organisiert. Die Geschichten gingen ihm nie aus, er ist aber keine Nostalgiker gewesen. Die Wirtschafterin war seine Frau. … einmal hat irgendjemand seinen Damm gesprengt, da hat er ihn halt

wieder aufgebaut… es hat mit der Patentierung seiner Erfindungen nie geklappt, er selbst aber war überzeugt, einen großen Treffer landen zu können, mit den voraussichtlichen Gewinnen, die die Patente abwerfen sollten, wollte er ein behinderten gerechtes Schwimmbad bauen, sein Sohn war querschnittgelähmt…. Er hatte eine starke soziale Ader… Und jetzt, kein Badesee, anzi „schwimmen strengstens verboten“, kein Eislaufplatz, die alte Hütte abgerissen. Doch Passer Fritz lebt weiter, in den Redensarten und Erinnerungen, all jener Meraner und Meranerinnen die ihn kannten oder all jener, die noch immer, ohne ihn gekannt zu haben, zum Passer Fritz spazieren, „sunnenliegen“, grillen oder die Zeit ganz deutlich verfließen spüren während sie in die Passer blicken. Grundlagen: Laudatio von Renate Abram anlässlich der Verleihung der Urania-Ehrennadel an Friedrich Kaneider vulgo Passer Fritz im Mai 1995. Gespräche mit Zeitzeugen. Text: Sonja Steger | Fotos: Umbe Albertoni, Harry Reich

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JÖRG CHRISTOPH GRÜNERT Scultore, performer, drammaturgo, trainer di didattica artistica e pedagogia teatrale nato a Colonia (Germania) nel 1964, risiede da diversi anni in Italia, vive e lavora attualmente a Spoltore (PE), Abruzzo. Studi di filosofia, storia e sociologia presso l’università di Constanza (D). Diplomato in scultura all’Accademia di Belle Arti de L’Aquila. Impegnato in Progetti di Scambi Interculturali collabora con il Centro Al Jana/Arcpa di Beirut, Libano. www.depositodeisegni.org | depositodeisegni@tele2.it

L’artista guerriero

Enzo Nicolodi: Conosco troppo poco Jörg per poterne parlare con competenza, ma l’incontro casuale in quell’appartamentino della zona Hamra di Beirut dove Elie, suo grande amico, lavora tra divano e tavolino, è stato sufficiente per cogliere nei suoi occhi la forza ed energia dell’uomo che cerca l’essenza della nostra umanità. Senza illusioni ne consolazioni le sue opere “essenziali” colpiscono come l’effetto di una frustata sulla viva pelle. Di lui dice Rolando Alfonso: “La discesa in Italia di Jörg Grünert e la condivisione, inevitabile, con il suo humus culturale seguono una prassi storica, ormai consolidata da tempo. Prassi che stemperava le asprezze di una cultura del Nordeuropa nella solarità dell’atmosfera mediterranea. Ma ciò che, per i tanti che lo avevano preceduto, aveva inscritto in se, dall’origine, la necessità del ritorno, in Jörg Grünert scompare. Il perché di questa scomparsa, alla base della sua stanzialità, è il sintomo di una modificazione profonda che ha precipitato la solarità nel suo contrario, sino a rendere uniforme l’atmosfera sovrastante un intero continente culturale. L’affermazione estensiva di Jörg Grünert “gli uomini non amano la libertà” traduce in parole una consapevolezza ormai inalienabile nel nostro autore.

Per il nostro autore l’asciutta, aspra ed oscura configurazione della condizione umana, dominante nella coscienza riformata del nord Europa, ha varcato, insieme a lui, non solo i confini italiani ma lo ha inseguito in ogni dove egli abbia, successivamente, cercato risposte e riparo ad un’angoscia ineludibile. Scrive di lui Antonio Picarello: ”Jörg non propone, non rappresenta, non imita. L’arte qui si avvale di un conteggio naturale delle parole che diventano significazione di lotta, guerriere di estetica, entrate con tutta la potenzialità della bellezza messa a disposizione dalla selvaggina umana per riscattare un segno essenziale o il senso esistenziale che il pianeta offre ad ogni vita. Qui ogni “identità”, fosse pure un’ “entità”, che guarda dalle immagini che Jörg spara contro l’indifferenza occidentale, diventa linguaggio salubre per le menti, gli spiriti e l’animalità che palpita nel mondo. Qui si assumono responsabilità che sconfinano le consuetudini dei sorrisi convenzionali cui ci abituano i mass media, per agguantarci l’anima e il consenso connivente con il culto alla merce. Jörg Christoph Grünert ,”l’artista guerriero” di se dice : “Non rappresento l’uomo nella sua cifra anatomica, ma una meta-comunicazione sull’essere umano stesso; cerco una possibilità affinché lo sguardo sensibile possa cogliere il silenzio del se che seppur nella drammaticità del proprio vivere, possa comprendere sfumature del reale e far scaturire una reazione all’abnegazione del passare quotidiano”. foto & montaggio del testo: Enzo Nicolodi

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Über den Höhen liegt der Klang Indi-Folk von Opas Diandl Seit es Hubert von Goisern gibt, ist bekannt, wie man Volksmusik spielen kann, abseits von Musikantenstadeln, Megagroßen Festen oder wie auch immer die medienwirksamen Vermarktungen alter Traditionen auch heißen mögen. Sein Einfluss ist unbestritten, was aber nicht gleichbedeutend damit ist, ihm musikalisch Fuß auf Fuß zu folgen. In Südtirol haben sich schon manche einen Namen gemacht, die auch gerne außerhalb der gängigen Treidelpfade gehen, wie Titla oder das Herbert-Pixner-Projekt. Seit fast genau zwei Jahren mischen vier, in der Zwischenzeit fünf, junge Leute den Musikladen zusätzlich weiter auf, nämlich Opas Diandl. Wie sie zu dem Namen kamen, bleibt mysteriös, er kam wohl eher zu ihnen. Der Weltöffentlichkeit sind sie durch ihre CD “Bachblüten und Pestizide” bekannt, die sie stilgerecht auf dem Sonnenberg im Vinschgau in den alten Rimpflhöfen aufgenommen haben und die seit einem Jahr im Handel ist. Sie sind eine Formation, die sich nicht einordnen lässt, und die sich auch gar nicht einordnen lassen will. Sie durchstreifen musikalische und stilistische Jagdgründe, wie eben jenem der Volksmusik, sie als Volksmusikgruppe zu bezeichnen wäre verkehrt, unvollständig und unpassend. Veronika Egger, 1980 geboren, lebt und arbeitet in Südtirol. Ihre Grundausbildung erhielt sie am Konservatorium in Bozen, anschließend spezialisierte sie sich am Mozarteum in Salzburg in der Musik des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart, und an der Hochschule in München in historischer Aufführungspraxis. Sie ist Konzertmeisterin und Solistin des Conductus Ensemble, das eine Brücke schlägt zwischen Alter und Neuer Musik, spielt in mehreren renommierten Ensembles und ist Geigerin, Sängerin und Gambistin der Gruppe „Opas Diandl“, Daniel Faranna begann mit elf Jahren E-Bass zu spielen, spielt denselben als auch E-Gitarre und sang bisher in diversen Rockcoverbands. Seit 2005 studiert er Kontrabass am Konservatorium Bozen mit Prof. Sante Braia und lernte im selben Jahr Thomas Lamprecht kennen. Mit ihm zusammen spielte er Bearbeitungen süditalienischer Volksmusik in der Formation „Lu Nanniorcu“ gemeinsam mit Aronne dell‘Oro. Er ist Mitbegründer von Opas Diandl und lehrt seit 2007 an der Guit-Art Gitarrenschule (Bozen) als Lehrer für Gitarre und Bassgitarre. Neben Opas Diandl sind seine aktuellen Projekte “The Loords” (Rock), und der Kontrabass im Bozner Jugendorchester. Jan Langer, Studium afrikanischer, südamerikanischer und orientalischer Perkussionen in München. Spezialisierung auf Rahmentrommeln bei Murat Coskun in Freiburg und mit Glen Velez in Barcelona. Spielte in Grup-

Opas Diandl Markus Prieth: Stimme, Raffele, Gitarre, Okarina, Maultrommel Veronika Egger: Stimme, Violine, Gambe Daniel Faranna: Stimme, Kontrabass Thomas Lamprecht: Stimme, Gitarre, Oud Jan Langer: Perkussionen www.opasdiandl.com pen und Ensembles verschiedenster Stilrichtungen und landete im Herbst 2008 bei Opas Diandl, wo er seitdem marokkanische Berberrhythmen zu Landlern trommelt und mit Inbrunst Polkas löffelt. Thomas Lamprecht wurde 1981 in Basel geboren und spielt seit dem 12. Lebensjahr klassische Gitarre, später dann auch E-Gitarre in verschiedenen Rockformationen. Von 2001 bis 2008 trat er mit Aronne Dell‘Oro in verschiedenen Folkformationen auf. Dabei hat er als Autodidakt das griechische Bouzouki und die arabische Oud erlernt. Er studiert seit 2007 am Konservatorium Bozen klassische Gitarre und unterrichtet in verschiedenen Schulen. Markus Prieth: Der Autodidakt nennt sich selbst einen “glücklichen Dilettanten”, er erlernte mit 10 Jahren das Gitarrespielen und hatte zwei Jahre später seine eigene Band. Seine eigene Musik wollte er schon damals machen, eigene Pfade betreten. Alle zusammen erarbeiten sie die neuen Stücke, immer gemeinsam, intellektuell wie emotional, dabei hat jeder seinen eigenen abgesteckten Bereich, so wie in einer WG mit gemeinsamer Küche, wo sich dann alle zum gemeinsamen Brutzeln treffen. Mal hat einer das Rezept alleine entwickelt, mal alle zusammen.

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Über ihre Einflüsse lassen wir die Musiker selbst zu Wort kommen: “ Luft zum Jodeln und Singen, Erde zum Stampfen, Feuer zum Fiedeln und Zupfen und Schrammeln, Wasser zum Lachen und Weinen und Schwitzen; Seppls Ziehharmonika, Vaters Teufelsgeige, Antons Zither, Gabriels Lachen und Schreien; Gunnars Jodeln, Dominiks Tschuurale, Dominikas Biabl; Omas Krapfen und Tonis Knödel”. Unplugged treten sie auf, immer interaktiv mit dem Publikum agierend, was sicher eines ihrer Erfolgsrezepte ist. Sie spielen die alten Traditionsweisen in neuen Interpretationen, ein frisches Gewand für eine ältere Dame. Es steht ihr gut. Mittelalterlich will es bisweilen tönen, Keltisches schimmert durch, Gauklerweisen erklingen, Experimentelles, Anklänge an Fernöstliches wie balinesische Gamelanmusik wird mit angerichtet im Hexenkessel, der von schwermütig bis tänzerisch, menschliche Gefühle in ihrer mannigfaltigen Bandbreite gut mischt und herzhaft auftischt. Vor allem aber werden Lebenslust, die Freude an der Musik, und hohe Qualität im Spiel transportiert, die Opas Diandl sicher zu einer der besten Musikgruppen des Landes werden lassen. Text: Viola Eigenbrodt | Fotos: Damian Lukas Pertoll

BRUNNEN.IN.MERAN

Brunnen an den Mahlknechthäusern Wir sind die Zwillinge unter den Meraner Brunnen. Wohlhabende Kaufleute ließen uns aus Granit meißeln – klassizistisch wohlgemerkt. So betrug es sich, dass wir zu Beginn des 19. Jahrhunderts unsere Dienste aufnahmen. Wir sind es, die sowohl die unteren, als auch die oberen Lauben überblicken. Tja, meiner Schwester sind zwei Kugeln abhanden gekommen, was ihrer Anmut kleinen Abbruch tut und sie aus ewigem Neid, meiner Vollkommenheit gegenüber, zuweilen überquellen lässt.

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Microbial Art Climatology for Lana

Wim van Egmond und Jessy Rahman Jessy Rahman und Wim van Egmond aus den Niederlanden legten LANAART das Projekt “Microbial Art Climatology” zur möglichen Realisierung im Zuge der Erweiterung des Skulpturenwanderweges Lana vor. Geplanter Standort der Forschungsstation ist das Falschauerufer. Angedacht haben die Künstler eine Kombination aus einer Versuchsstation und einem Feldlabor, mit welcher die Qualität von Kunstwerken getestet werden kann. Rahman und Van Egmond, die mit dem niederländischen Max Plankton Institut zusammenarbeiten, haben eine objektive und quantitative Methode entwickelt um den versteckten Sinn der Kunst zu erforschen. In ihrem Bericht schreiben sie: „ For the first time in history we are able to provide hard figures in relation to the quality of works of art. The application of the microbial art climatological methodology will spare us questions like: „What the hell am I looking at ? or What on earth does this mean?”

Model von Microbial Art Climatology welches auf der Falschauer schwimmen soll

Ausgangspunkt von „microbial art climatology” ist die Immersion des Kunstwerks in Umgebungen mit einer ausreichenden Anzahl von Mikroorganismen (Bachwasser). Die Organismen siedeln sich in großer Zahl in und an ihrem Lieblingskunstwerk an. Dieses Verhalten ist der Schlüssel der Analyse. Die Qualität des Kunstwerks wird determiniert durch die Art der Organismen, welche durch dieses angezogen werden. Der sogenannte ‘indicator species’ ist der wichtigste Indikator des “microbial art climatological research”. Im Zuge des „Flora und Fauna Festivals 5“ in Den Haag wurde von Rahman und Van Egmond ein Forschungsstation entwickelt und aufgebaut. Dort kann die Qualität von Kunstwerken bereits getestet werden. www.quartair.nl Text: Hannes Egger | intervista: Jessy Rahman

Ein Forschungsgegenstand wird entnommen

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Kenneth Gasser

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Von Eierköpfen und phantastischen Gestalten Peter Verwunderlich

Es klingt fast klischeehaft: Peter Paul Pedevilla kam nach dem Tod seiner Mutter ins Heim. Der Junge war sieben Jahre alt, um dem tristen Liebeswerk-Heim-Alltag zu entfliehen, begann er zu zeichnen. „Außerdem war das das einzige Fach in dem ich gelobt wurde“. Vielleicht erwachte dort sein Misstrauen gegenüber der Macht, sein Dissidententum, denn Verwunderlich ist ein Unbequemer, sowohl Bildinhalte als auch Werktitel sind meist kritische Stellungnahmen zur gesellschaftlichen Situation. Kunstwerke als Anregungen zum Nach- und Weiterdenken. „Anfänglich störte es mich sehr, dass die Kulturschickeria die lokale Kunstszene bewusst schneidet. Die Verbitterung hat sich inzwischen in Wurstigkeit aufgelöst. Der gesellschaftlich Beitrag der Künstler wird ignoriert bzw. nicht gewürdigt, weder in Form von Wertschätzung noch finanziell.“ Verwunderlich meint, hier sei die Politik gefordert, eine Künstlerrente wäre angebracht. Wie dieses Renten-System auszusehen hat, muss allerdings noch ausgeklügelt werden. Auch ein Pflicht-Mäzenatentum für Besserverdienende könnte er sich vorstellen. Malerei ist der künstlerische Schwerpunkt seines Schaffens. „Ich habe keine bevorzugte Technik, mir liegt alles Öl, Tempera, Aquarell, Collage und ab und zu plastisches Arbeiten“. Thema ist was ich erlebe und wahrnehme. Verzweiflung über fehlende Einfälle kenne ich nicht. Fällt mir gerade nichts Neues ein, arbeite ich an Unvollendetem weiter.“ Seit 1991 arbeitete er am Projekt 2000, im Laufe der Jahre sollen 2000 Werke geschaffen werden. Rund 1000 sind schon vollendet. Bei seiner neuen, ironischen Serie „EIERKÖPFE“ verwendete Peter Verwunderlich ausgeblasene Eier als Werkstoff. Text & Fotos: Sonja Steger

EIERKÖPFE (Eiersöhne) „In allen öffentlichen Institutionen gibt es welche, die das Sagen haben, oder sagen wir, die mitreden – sie heben die Hand zum Eigennutz. Selbst erlebt! Höchstwahrscheinlich und auf jeden Fall sind sie auch anderswo anzutreffen! Selbst jeder von uns ist manchmal einer. ICH BIN DER GRÖSSTE (Eierkopf), kann jeder einmal von sich sagen. Ich als Künstler und auch andere sind dieser Ansicht. Ich sage: „Ihr seid das! – Ich bin das auch!“ Ich zähle also auch zu ihnen, genau so wie andere Künstler, die wissen, dass es die Kunst, wie sie von manchen Kuratoren dargeboten wird, nicht gibt. Deshalb, lassen wir die Dinge, wie sie sind. Details behutsam zusammenführend und auf eine einzige Aussage hin zuspitzen, mit wenigen Strichen Stellung nehmen. Männer wie Frauen aus allen Gesellschaftsschichten sind in diese Arbeiten eingeflossen. Ich bin mit den Werken sehr zufrieden. Sie können ruhig eines kaufen, oder sie anders oder auf dieselbe Art und Weise kopieren, in der irrigen Annahme, es würde sich ohnehin alles wiederholen. Ich bin ein unverbesserlicher EIERKOPF!“ Peter Verwunderlich

Peter Paul Pedevilla alias Peter Verwunderlich Geboren 1955 in Bruneck, studierte an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seine Ausbildung genoss er beim phantastischen Realisten Wolfgang Hutter. Er lebt und arbeitet in Meran. Kontakt: 33 95 94 76 25

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VITA DI UNA BUNKERPATIN

MADRINA Madrina. Lo sono diventata per la prima volta, lo scorso 21 giugno, il giorno del Sacro cuore di Gesù e solstizio d’estate. Il giorno più lungo. Ho tenuto a battesimo un cuore. Ho promesso di prendermi cura del primo museo al mondo dedicato al cuore. Il BunCor che è una creatura di Matthias Schönweger e come tale gli appartengono determinate caratteristiche è qualcosa di più di un semplice museo, è un progetto che va al di là del tempo e dello spazio. IL MUSEO DEL CUORE Quando Matthias una mattina di quasi due anni fa ha varcato la soglia dell’ufficio per chiedermi di digitalizzare un testo di invito e di creare un fotomontaggio pensavo si trattasse di un concorso o di normale amministrazione schönwegeriana. È bastato poco per rendermi conto che si trattava di qualcosa di più grande: il primo museo al mondo dedicato al cuore. Stare al passo di Matthias diventa a volte un’impresa ardua, nella sua testa germogliano costantemente idee come fosse sempre primavera e non esiste ostacolo che gli impedisca di realizzare tridimensionalmente le sue immagini. Che onore! Io madrina!!! Pensando al museo si immagina una struttura algida, bianca ed immacolata, dove il rigore regna sovrano. Il nostro GRANCOEUR MUSEUM è tutta un’altra cosa. Realizzato in quattro Bunker della seconda guerra mondiale il museo si divide fisicamente proprio come il cuore in 4 stanze ognuna delle quali rappresenta un tema diverso. Tutto ciò che nel museo è conservato per essere lasciato ai posteri e dedicato o strettamente legato al cuore. Cuore come muscolo, cuore come sentimento, cuore come nocciolo della vita, cuore come metafora, cuore come battito. Cuore come cuore. DEFINIZIONE: MUSEO - CUORE - BUNCOR Lo statuto dell’International Council of Museums definisce il museo come un’istituzione permanente, senza scopo di lucro, al servizio della società e del suo sviluppo. È che cos’è il cuore se non un’istituzione permanente quanto la vita stessa, al servizio del corpo che lo abita

e del prossimo e del suo sviluppo? È aperto al pubblico e compie ricerche che riguardano le testimonianze materiali e immateriali dell’umanità e del suo ambiente, e cosa c’è di più materiale ed immateriale del cuore? Muscolo e anima? … le acquisisce, le conserva, le comunica e, soprattutto, le espone a fini di studio, educazione e diletto. Il cuore è la nostra memoria sentimentale, è il disco fisso della nostra vita. IL LIBRO BunCor non è solo un museo, BunCor è anche un libro che in tutte le sue oltre seicento pagine racconta e descrive attraverso immagini, parole, forme e colori la nascita e l’evoluzione del cuore come museo e del museo come cuore. Pubblicazione e bunker sono complementari ed esistono simbioticamente l’uno grazie all’altro. Un’unica pulsazione, diverse sfaccettature. L’INAUGURAZIONE – IL BATTESIMO Lo scorso 21 giugno ho tenuto a battesimo il Museo del cuore. È sembrata una giornata lunga ed interminabile, ma proprio quel giorno mi sono sentita per la primissima volta fiera della creatura, di cui mi prenderò cura per tutta la vita. Quando il presidente della Regione Luis Durnwalder è arrivato per inaugurare ufficialmente il nostro museo, l’ho condotto all’interno di uno dei Ventricoli e mi ha chiesto divertito come stava il nostro bambino, ho risposto che ne ero molto fiera, che era sano e che nutrivo per lui grandi speranze. DA BUNKER PATIN A REGINA DI CUORI Il passo è stato molto breve e quando Durnwalder mi ha incoronata, sono passata da semplice madrina a regina di cuori! Allora non mi resta che augurare di cuore ogni bene a chi c’era e c’è ancora, a chi c’è ma non si vede. A chi pulsa in silenzio e a chi fa un gran baccano. Sursum corda! In alto i cuori! La madrina – regina di cuori Giorgia Marotto testo: Girogia Marotto | Fotos: Simone Crepaldi

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www.assmusicalemeranese.it info@assmusicalemeranese.it

Associazione Musicale Meranese Meraner Musikverein 25 ottobre 1972. Chiesa di Santa Maria del Conforto a Merano. Concerto per la celebrazione del VII centenario della costruzione della stessa. In programma opere di Tartini, Loeillet, Händel, Bach e Mozart. Esecutori: Gerarda Martinelli al violino, Mario Martinelli all’oboe e Ezechiele Podavini all’organo positivo. Da questa serata autunnale di tanti anni fa inizia la lunga avventura dell’Associazione Musicale Meranese. Una storia che dura ininterrottamente da 37 anni e che la colloca a ben ragione tra le realtà culturali più longeve della Città del Passirio. Una storia che racconta soprattutto della grande passione per l’arte dei suoni da parte del gruppo di musicisti e appassionati di musica, tra cui ricordiamo il dott. Claudio Carrescia e Don Francesco Boninsegna, che insieme al maestro Ezechiele Podavini, per molti anni anima artistica del sodalizio, diedero vita all’Associazione. I soci fondatori si posero da subito alcuni e ben chiari obiettivi. Proporre in città un’offerta musicale di qualità e che avesse continuità nel tempo, divulgare la grande tradizione musicale del passato e allo stesso tempo promuovere la musica contemporanea, costituire uno spazio per le forze artistiche locali, sostenere giovani musicisti meritevoli. Nacque così una annuale rassegna concertistica – da ottobre a maggio - costituita in particolare da concerti di musica organistica e da camera. Per i primi l’Associazione poteva contare sugli organi costruiti in quel intorno di anni nelle chiese di Santo Spirito, di Santa Maria del Conforto e nel Duomo. Per i secondi di avvalersi della disponibilità di sale di prestigio come il Pavillon des Fleurs, il Kursaal e il Teatro Puccini. Numerosi sono i musicisti affermati provenienti da tutta Italia e dall’estero che l’Associazione ha invitato nel corso degli anni. Ne ricordiamo alcuni: il flautista Roberto

Fabbriciani, l’oboista Omar Zoboli, i clavicembalisti Emilia Fadini e Roberto Loreggian, gli organisti Liliana Medici Turrini, Almut Rößler, Jean-Marc Pulfer, Jean-Claude Zehnder, i violinisti Christos Kanettis, Marco Fornaciari, Gabriele Pieranunzi, Federico Guglielmo, i pianisti Giovanni Umberto Battel e Maurizio Baglini, i violoncellisti Janko Kichl e Silvia Chiesa. Così come numerosi sono i gruppi e i musicisti altrettanto affermati provenienti dall’ambito provinciale e regionale che per l’Associazione si sono esibiti, molti dei quali legati alle realtà musicali dell’Orchestra Haydn e del Conservatorio di Bolzano, che proprio a partire dagli anni Settanta visse un forte momento di espansione: Andrea Bambace, Andrea Bonatta, Franco Mezzena, Romano Santi, Walter Daga, per citarne alcuni. Di anno in anno il sodalizio ha poi riservato uno spazio importante sia alla promozione delle opere di compositori locali, come Francesco Valdambrini, sia al sostegno di giovani strumentisti di talento, in particolare attraverso le passate quattro edizioni della rassegna dedicata espressamente ai giovani vincitori di concorso. Alcuni di questi vantano ormai una carriera artistica che si è sviluppata a livello nazionale e internazionale, da Orazio Maione a Riccardo Zadra, da Gemma Bertagnolli a Claudio Astronio. Alla fine degli anni Novanta, dopo quasi tre decenni di attività, l’Associazione attraversa inevitabilmente una fase di rinnovamento interno. É allora che mi viene chiesto di assumere la direzione musicale della stessa, dato che già da alcuni anni collaboravo alla realizzazione degli eventi musicali e che, dopo aver ultimato sia gli studi musicali in Conservatorio che ottenuto la laurea in Economia dello Spettacolo all’Università di Bologna, avevo maturato una certa esperienza nell’ambito dell’organizzazione culturale. Ho accolto con entusiasmo questo incarico, in quanto mi dava la possibilità di esprimere la mia passione per la musica non solo suonando ma anche impegnandomi per dare la possibilità ad altri musicisti di esibirsi. Ho accettato quindi ben volentieri di portare avanti lo spirito originario dell’Associazione, consapevole che oggi essa si trova ad operare in una realtà culturale molto diversa rispetto agli anni degli esordi, non fosse altro che per la maggiore concorrenza sul piano dell’offerta musicale in città, e della crescente professionalità richiesta a chi al giorno d’oggi opera in questo settore. Negli ultimi anni l’Associazione, mantenendo sempre presenti gli obiettivi cari ai fondatori, si è quindi ritagliata una propria nicchia, puntando su una programmazione che sia culturalmente stimolante e per quanto possibile alternativa rispetto al panorama musicale cittadino. Inoltre essa cerca di lavorare sempre più in sinergia con altre realtà culturali per realizzare i propri progetti. L’impegno che comporta l’attività di organizzatore a volte è notevole. Ma la fatica è ripagata dalla consapevolezza di contribuire alla vita culturale cittadina, dall’arricchimento umano e culturale conseguente all’incontro e allo scambio con i musicisti con cui si collabora, dalla soddisfazione di riuscire a creare un’atmosfera accogliente per far sentire gli artisti a proprio agio e nel vedere l’entusiasmo del pubblico al termine di una serata. testo: Giovanna Podavini

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Optisches Spiel mit doppeltem Boden Walter Haller Walter Haller ist eine Konstante. Ausgerüstet mit Kamera und Scharfblick trifft man ihn auf nahezu jeder Vernissage, bei Konzerten und sonstigen kulturellen Veranstaltungen. Seit Jahrzehnten sucht und findet er die Künstlerseele, eingefangen in Bildern mit doppeltem Boden: Mehrfachbelichtungen, die meist Werk und Künstler vereinen. Der Augenblickjäger fängt Musiker, Komponisten, bildende Künstler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Seine Trophäen können als Dokumente des kulturellen Lebens im kleinen Habitat Südtirol gewertet werden oder als eigenständiges künstlerisches Festhalten der flirrenden Wirklichkeit.

Walter Haller * 1939 in Algund. Seit 1984 Fotografien von Aktionskünstlern und Künstlerportraits. Sein bevorzugtes Ausdrucksmittel ist die Mehrfachbelichtung. omega@dnet.it

Kurt Masur 2000 , Dreifachbelichtung an Ort und Stelle mit der Kamera-analog 70x100 cm

BRUNNEN.IM.IRAN

Istruzioni Sufi Un maestro Sufi era tanto povero da possedere soltanto una ciotola. Ma un giorno, in riva al fiume, vide un uomo ancora più povero. Costui raccoglieva l’acqua col palmo delle mani, per portarsele alle labbra. Allora il Sufi tornò a casa e gettò via la ciotola.

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Lorenz Langenegger DER SEE Viktor hat schlecht geschlafen. Er gibt die Hoffnung, noch einmal einzuschlafen, auf, bevor es draußen hell geworden ist. Kaum aufgestanden, verlässt er die Wohnung, weil es in ihr zu dieser Stunde außer schlafen nichts zu tun gibt. Die wenigen Autos in den Straßen fahren mit Licht. Sie brechen nicht in den neuen Tag auf, sondern sind nach einer langen Nacht auf dem Heimweg. Die schlaftrunkene Stadt macht noch so wenig Lärm, dass das Singen und Zwitschern, das aus Büschen und Bäumen dringt, alles andere übertönt. Was der Hahn auf dem Land, sind die Spatzen in der Stadt, die Vorboten des Tages. Viktor geht durch die Innenstadt und steigt eine Steintreppe hinab zum Wassergraben, dem erhaltenen Teil der Wehranlage, von der reformierten Stadt im siebzehnten Jahrhundert ausgehoben, um sich gegen die rachsüchtigen katholischen Truppen zu schützen. Im gemächlich fließenden Gewässer stehen Fische nahe am Ufer, mit kleinsten Bewegungen gleichen sie die Strömung aus und halten das Gleichgewicht. Der Wassergraben führt in einer gezackten Linie unter Straßen und Plätzen hindurch zum See. Unter einer der Brücken hat sich ein Obdachloser auf einer Kartonschachteln ein Nachtlager eingerichtet. Er ist schon wach und dreht sich mit ruhiger Hand und großer Sorgfalt eine Zigarette. Viktor wünscht ihm einen guten Morgen. Der Obdachlose blinzelt ihn an. Nicht schon wieder, murmelt er, er habe gestern schon, er sei die tägliche Schikane leid, jede Nacht das Gleiche, als ob es nichts Wichtigeres zu tun gäbe. Viktor geht an ihm vorbei und spürt seinen ebenso misstrauischen wie über den Erfolg seiner missmutigen Klagen erstaunten Blick im Rücken. Wenig später breitet sich der See silbrig glitzernd vor der Stadt und zwischen ihren Vororten aus. Dunstschwaden hängen über der Wasseroberfläche. Einzelne Enten und Schwäne treiben scheinbar teilnahmslos dahin. Ob sie auf dem Wasser schlafen, überlegt sich Viktor, und wenn ja, ob ihr Unterbewusstsein die Strömung und den Wind mit gezielten Bewegungen der Schwimmfüße im Schlaf ausgleicht. Ansonsten könnte es durchaus passieren, dass die Wasservögel am einen Ufer des Sees einschlafen und am anderen wieder aufwachen, oder, wenn sie am unteren Ende des Seebeckens einschlafen, gar von der Strömung des Flusses erfasst und in gänzlich unbekannte Gegenden abgetrieben werden. Viktor erinnert sich, dass Enten ihren Partnern ein Leben lang treu bleiben, nicht auszudenken, was es für ein Entenpaar bedeuten würde, wenn es im Schlaf auseinander gerissen würde. Viktor geht auf einen Holzsteg hinaus, an dessen rechter Seite eine Reihe Tretboote festgebunden ist. Wasser ist ein ebenso seltsames wie alltägliches Element, denkt er. Es wirft Bilder zurück wie ein Spiegel und ist gleichzeitig durchsichtig, mit der Anomalie sei-

Lorenz Langenegger, geboren 1980, lebt und schreibt in Zürich. Er studierte Theater- und Politikwissenschaft in Bern, wo seine ersten Arbeiten fürs Theater entstanden sind. Im März 2008 wurde am Nationaltheater Mannheim das Stück Nah und hoch hinaus uraufgeführt. Mit dem Stück Rakows Dom gewann der Autor den 4. Stückewettbewerb der Schaubühne Berlin. 2007 war er Teilnehmer der International Residency am Royal Court Theatre in London. Im Frühjahr 2009 erschien sein erster Roman Hier im Regen bei Jung und Jung in Salzburg, für den er mit dem Berner Literaturpreis und dem Franz Tumler-Preis 2009 ausgezeichnet wurde. loz@gmx.net

ner Dichte stellt es physikalische Gesetzmässigkeiten auf den Kopf. Er beugt sich über den Steg. Hinter seinem Gesicht kann er die Steine des Grundes sehen. Ein Ahornblatt, zu schwer, um zu schwimmen und zu leicht, um auf den Grund zu sinken, schwebt eine Handbreit unter der Oberfläche hinter seinem linken Auge. Wie sich das Leben von Menschen in der Wüste mit der Erfindung des Spiegels verändert hat, überlegt er sich, und ob das Wasser selbst Licht absorbiert oder ob die Finsternis in der Tiefe nur der Schattenwurf von unendlich vielen darin treibenden Partikel ist. Viktor schiebt mit der Fußspitze einen Kiesel an den Rand des Holzsteges und lässt ihn ins Wasser fallen. Sein Abbild gerät ins Wanken, es wird von den kleinen Wellen verzerrt, die sich um die Stelle ausbreiten, wo der Stein auf den Grund sinkt. Im kleinen Häuschen am Ende des Stegs brennt Licht. Valerio ist ein Frühaufsteher. Viktor hat ihn im letzten Winter kennengelernt. In der kalten Jahreszeit brät Valerio Marroni und verkauft sie an der Uferpromenade. Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen bei den Passanten Frühlingsgefühle wecken, hilft er mit seinem Tretbootverleih, ihnen Ausdruck zu verleihen. Viktor klopft an die Tür und tritt ein. Valerio schaut auf, lächelt und hält ihm einen abgegriffenen Zettel hin. Einen schönen, guten Morgen allerseits, liest Viktor. Er bedankt sich, das wünsche er ihm ebenfalls. Er weiß nicht, weshalb Valerio nicht spricht. Beim Kauf der gebratenen Marroni nickte der Verkäufer zur Bestätigung seines Wunsches und lächelte zum Dank, erst als er auf die Frage, wie er Marronibrater geworden sei, zu einem Notizblock griff, fiel Viktor auf, dass der Verkäufer kein Wort gesprochen hatte. Das sei eine lange Geschichte, er erzähle sie ihm gerne, jetzt aber sei hier zu viel los, ob er später wieder kommen könne, las Viktor auf dem ersten Zettel, den er von Valerio erhielt.

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„sea on a planet“ 2007, Acryl auf Leinwand, 177 x 113

Wolfgang Zingerle

von Christine Kofler

Stellt man sich einen Künstler bei der Arbeit vor, einen Maler, um genauer zu sein, denkt man sich in seine Hand ganz selbstverständlich einen Pinsel. Doch diese scheinbare Einheit wurde bereits während der Explosion der verschiedenen Avantgardeströmungen in der Nachkriegszeit aufgehoben. Die Künstler brachen mit Gegenständlichkeit und Tradition, sie wollten weg von der Leinwand und die Grenzen zwischen Kunst und Leben einreißen. Im oben abgebildeten Werk des Südtiroler Künstlers Wolfgang Zingerle sind die Einflüsse der Informellen Malerei und im Besonderen des Tachismus unverkennbar. Nicht feinsten Marderhaares, sondern der Luft bediente sich der Künstler für dieses Werk und schuf so eine neue Einheit: die der Ahnung des Betrachters vom Element Wasser (Himmel, Wolken...) und des Prozesses des Malens – mit dem Element Luft. Der unkontrollierte Impuls ist auch in den anderen informellen Werken des Künstlers wichtiges Moment - der Betrachter erlebt frei von jeder Gegenständlichkeit eindrucksvolle Beispiele einer impulsiven Malweise. Das Elementare wird nicht erst durch Denkprozesse gefiltert und Kompositionsregeln unterworfen, bevor die Äußerung erfolgt; dadurch wird die Möglichkeit entworfen, den Prozess des Ursprünglichen mit dem Betrachter zu teilen. Das Werk von Wolfgang Zingerle, der an der „Accademia di Belle Arti di Bologna“ diplomierte und in Wien und an der HdK Berlin studierte, ist sehr breit gefächert und reicht von Informeller Malerei, Graffiti, Plastik, LandArt-Installationen, Kunst am Bau, Kunst im Zusammenhang mit sozialen Projekten bis hin zur Konzept- und Medienkunst. In den letzten Monaten konnten auf dem Parallelevent „Krossing- Kunst geht auf die Reise“ der Biennale in Venedig (Mestre, Forte Marghera Nr. 30) die Relikte der Land-Art Installation „GOLD TARGET“, die im Rahmen der MANIFESTA7 realisiert wurde, bestaunt werden. Das Land-Art Projekt selbst, ein 26 Meter hoher

Brückenpfeiler der k&k Zeit, den der Künstler vergoldete, ist in Percha bei Bruneck für jeden frei zugänglich. www.wolfganzgingerle.com | wolfgang.zingerle@gmail.com

BRUNNEN.IN.MERAN

Kornplatz Brunnen Wie konntet ihr es nur wagen, mich meinem angestammten Platz – ja, dort wo jetzt die Rosskastanien igeln und ein klobiger Klotz sprudelt zu entreißen. Ach was soll’s, die tollen Zeiten waren eh schon Schnee von gestern, als man mich verpflanzte. Dort beim 27 Meter tiefen Brunnen scharte sich lang schon kein Vieh mehr, mir zum Zeitvertreib. Als vollendet prächtige Schalenbrunnin aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lieben mich heut noch alle, wenn auch statt Rind und Ross nur mehr die Hündchen züngeln und die Blumenfrau sich auf mir breit macht.

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photonights 09 gesicht[et ] - die Seele Merans faccia a faccia - un ritratto all‘anima meranese

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Walter Blaas

Robert Gutmann

Otto Schöpf

Massimo Vaccari

Martin Geier

Manfred Kilian

Leidlieb Pfattner

Luis de Funes

Herbert Thoma

Harry Reich

Günter Dürr

Hedwig Bledl

Ernst Müller

Damian Pertoll

Denis Lahner

Edith Hofer

Anna Rainer

Anita Stizzoli

Laura Zindaco

Andreas Marini

BRUNNEN.IM.IRAN

Die Meraner photonights fanden heuer bereits zum vierten Mal statt. Zahlreiche Fotografen und Fotografinnen, Künstler und Künstlerinnen folgten der Einladung zur Teilnahme und zeigten ihr Bild Merans jenseits von Klischees und Gemeinplätzen. Das wahre Leben der Menschen in der Stadt versteckt sich oft hinter Fassaden - oder wird dahinter versteckt. Verborgenes jenseits von Postkartenidyllen wurde aufgedeckt, dank des neugierigen und kritischen Blickes der Beteiligten. Spannende Widersprüche, die Umkehrung der Perspektive oder das Loslösen der Aufnahme aus ihrem gewohnten Zusammenhang zeigten neue Eindrücke und Altbekanntes in neuem Licht. Porträts der Einwohner spiegelten die Gesichter einer Stadt in all ihren Facetten wieder, erzählten Lebensgeschichten und gaben Lebensgefühl wieder. Aussehen und Charakter der Stadt sind einem ständigen Wandel unterworfen, markiert von jenen, die kommen, jenen, die gehen und jenen, die Spuren hinterlassen. Die Organisatoren: Harry Reich vom ost-west club estovest, Erwin Seppi von der ES contemporary art gallery und Andrea Dürr.

BRUNNEN.IN.MERAN

L’ACQUA di SOHRAB SEPEHRI Sohrab Sepehri (1928 – 1980) Poeta e pittore, nato a Kashan Non rendiamo opaca l’acqua Più in là pare una colomba la beva Oppure in un bosco lontano un uccello deterge le ali. O in un villaggio una brocca viene riempita. Dobbiamo lavare i nostri occhi Dobbiamo vedere diversamente le cose Dobbiamo lavare le parole Le parole possono essere vento Le parole possono essere pioggia Dovremmo chiudere gli ombrelli Dovremmo camminare sotto la pioggia Dovremmo portare la nostra mente e i nostri ricordi Sotto la pioggia, con tutta la gente della città Dovremmo sentire la pioggia. Sotto la pioggia si possono trovare amici Si può cercare l’amore Sotto la pioggia si dovrebbe dormire con una donna E fare giochi d’amore. Sotto la pioggia le cose possono essere scritte le parole possono essere dette il loto può essere piantato.

Brunnen Landesfürstliche Burg Allerhand, allerhand. Nun ist doch hinlänglich bekannt, dass Ich der schönste bin im ganzen Land. Na ja, wollen wir es mal nicht übertreiben. Was grinst ihr so, ihr schmucken Hirsche, hinfreskoisiert. Wahr ist, Sigmund der Münzreiche (1427 – 1496), ließ mich, als ersten Hausbrunnen in die Landesfürstliche Burg zu Meran legen. Ach, welche Augenweide war der Herr anzusehen, wie er ranggelnd sich mit den stärksten Burschen, aus fernen und nahen Tälern, im Innenhof der Burg an Kräften maß und immer siegreich ward – welch Wunder. Bestaunt von den holden Augen seiner Herzallerliebsten - Eleonore von Schottland. Jetzt hat man mir sogar das Wasser abgedreht, welch Schmach. Unsprudelig beobachte ich das museale Treiben….

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Peter Huber Bekanntschaft mit einem Unbekannten

von Reinhard Auer

Peter Huber, Autor und Dramatiker, geboren 1963 in Meran (BZ), „getauft und aufgewachsen in Lana d´Adige, wo er heute noch lebt und wo er hofft, in absehbarer Zeit, nach römisch-katholischem Ritus, begraben zu werden“. Reinhard Auer, Regisseur und Dramaturg, geboren 1948 in Linz (OÖ), lebt abwechselnd in Wien und Bozen. 1980-1992 Theaterdirektor in Wien, seit 1993 am Freien Theater Bozen tätig, inszenierte zuletzt Hubers preisgekröntes Stück „Hoffer“ für die Braunsbergbühne Lana. www.ftb.bz.it Wenn Sie diese Zeilen lesen, sitzt er schon in seinem Häuschen in Santiago. Nahezu jedes Jahr entflieht er für sechs bis acht Wochen dem Südtiroler Winter, erfreut sich des chilenischen Sommers. Dort lebt er auf: Theater- und Ausstellungsbesuche, stundenlanges Sitzen und Lesen in den Kaffeehäusern, Diskussionen mit Schriftstellerkollegen. Ein buntes Leben als Bohemien und Flaneur. Hier gehört er ja zu den Stillen im Lande. Bescheiden, etwas geheimniskrämerisch, quasi im Verborgenen blühend, von merkwürdig kauzigem Humor und mit schräger bissiger Phantasie, lebt er ein mausgraues bürgerliches Leben als Schreiber und Übersetzer am Bozner Landesgericht. Drei Töchter hat er seit seiner Scheidung als alleinerziehender Vater großgezogen, trotz seiner körperlichen Behinderung, die seine Beine „lähmt“, seit er als junger Mann vom Berg fiel. So kennt man ihn: humpelnd auf Krücken. Dahinter verbirgt sich aber ein starker, scharfer Geist. Also führt er ein Doppelleben: er ist literarisch interessiert und schreibt auch selbst Texte, insbesondere Theatertexte. Also ist er – Schriftsteller, Autor, Dramatiker. Ich kenne ihn jetzt fast 15 Jahre. Wir haben uns langsam kennengelernt. Er fiel mir auf, weil er immer wieder in meine Inszenierungen am Freien Theater Bozen kam, meist ins Meraner Stadttheater, das er - wie ich später erfuhr - überaus liebt. Sein Traum ist, dass einmal ein Werk von ihm dort gespielt wird. Ich glaube, ich muss ihm diesen Traum eines Tages erfüllen. Nach einigen Jahren kamen wir ins Gespräch und ich erfuhr, dass er Texte schreibt. Es kostete mich ein bisschen Mühe,

ihn zu überreden, sie mir zum Lesen zu geben. So ist er eben: ich glaube, er neigt dazu, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Die Texte waren alle sonderbar. Sie hatten auch sonderbare Titel wie „Postumer Dienst an einer blauen Kuh“, „Tam-Tam eines betrunkenen Flohs“ oder „Alle Hirsche sollen Geweihe tragen“. Sie waren dramatische Bastarde, alle vollgestopft mit einem Haufen Rollen für Schauspieler, die diese nicht spielen können. Das Geweihträger-Stück sah ich dann 1999 in der Bozner Carambolage, elendig verhunzt und als Blödel-Kabarett dargeboten. Dennoch blitze hie und da eine gelungene Formulierung durch, ein geistreiches Wortspiel, eine feine literarische Wendung mit bösem Hintersinn. So ist er eben – Qualtinger hätte gesagt: hintergründig! Ich gab ihm dann einen Stoff für ein Theaterstück, der mir am Herzen lag: „Bozner Gold“, eine Geschichte aus den letzten Kriegstagen, halb Kolportage, halb Gesellschaftskritik. Peter Huber machte daraus ein Stückmonster für 17 Personen, in das er alles hineinpackte, was ihn bewegte (inklusive seinem Hass auf Südtiroler Nazis). Leider unspielbar, zumindest für mich. Wir blieben aber in engem Kontakt, sahen uns jetzt regelmäßig, ich sah mir auch seine Aufführungen, die er für die Lanaer Braunsberg-Bühne machte, an und in denen mir immer seine starke szenische Phantasie auffiel. Es war 2003, als er mit einem neuen Text herausrückte und mich fragte, ob ich ihn für theatertauglich hielte und wenn ja, ob ich ihn inszenieren würde. Es war das fabulöse „Tagebuch eines Kindes mit dem Namen Schwein“, ein großartiger Seitenhieb auf Südtiroler Verhältnisse, auf die Nicht-Vergangenheitsbewältigung, auf die herrschende Kulturpolitik, auf den neurotischen Hass auf fremde Kulturen und Religionen. Wir führten das „Schwein“ dreimal auf, einmal in der Galerie Lungomare in Bozen mit Peter als Solist, und dann zweimal in Meran in einer bilingualen Fassung. Ich las-spielte das deutsche, Peter das italienische „Schwein“. Es war - für alle - ein großartiges Gaudium. Die bisher überzeugendste dramatische Arbeit von ihm sah ich dann 2008 in der Carambolage in Bozen: „Maul und Bernhardt“, eigentlich ein Monodrama für eine Frau. In einigen Jahren werde ich es inszenieren, in einer internationalen Version, ich lasse es gerade ins Englische übersetzen. In diesem Jahr gelang es mir auch, ihn dazu zu überreden, am Schreibwettbewerb des Südtiroler Theaterverbands zum „Hofer“-Gedenkjahr teilzunehmen. Er schrieb einen Text dazu, einen Riesenmonolog für einen Schauspieler: „Hoffer“. Für ihn, aber nur für ihn, überraschend gewann er den 2.Preis. So ist er eben, er traut sich zu wenig zu. Aber mit dem Preis war quasi eine „Aufführungspflicht“ verbunden. So fragte er mich, ob ich den „Hoffer“, diesen Don Quichote aus Südtirols vergangenheitstrunkener Gegenwart, inszenieren wollte, fragte unseren Freund Klaus-Peter Bülz, Schauspieler aus München, ob er die Rolle spielen wollte. Wir wollten beide, und so kam es im März zu vier durchaus vielbeachteten Aufführungen im Raiffeisenhaus Lana. Peter Huber schreibt weiter. Es ist noch viel von ihm zu erwarten!

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Nata a Merano (BZ) nel 1978, laureata presso la FacoltĂ di Design e Arti di Bolzano. Attualmente vive e lavora tra Meran-o e Napoli, dal 2003 si occupa di comunicazione visiva, fotografia e video www.martinadandolo.com

untitled #1 - series terzo paesaggio - martina dandolo - 2009


Sinne schärfen beim k. u. k. Hof-Schuhmacher Begeisterung, Aufgewühltheit und Bewunderung schwingt in den Erzählungen Walter Thalers mit, wenn er vom ehemals k.u.k.-Hofschuhmacher Markus Scheer, in siebten Generation Meister dieses Handwerkes, dem Scheer‘schen Verkaufsraum, Manufaktur, Philosophie, erzählt. Da fing jemand Feuer und die Phantasie nahm volle Fahrt auf. Vienna Design Week Gemeinsam mit Markus Scheer, Sabine Ladurner und Martina Dandolo, in diesem Fall Assistentin und Fotografin, erarbeitete Walter Thaler ein Konzept für die sogenannten Passionswege – was auf Leidenschaft und nicht auf Leidensweg verweist – im Rahmen der Vienna Design Week 2009. Zehn Designer bzw. Designerteams aus aller Welt trafen auf traditionsreiches oder innovative Handwerks- und Industriebetriebe: Juweliere, Stoffhandlungen, Porzellanmanufakturen, Blumengeschäfte oder eben Maßschuhmacher und gestalteten Designausstellungen. Maßschuhmacher Rudolf Scheer & Söhne Schon in seiner Studienzeit war Walter Thaler hingerissen von der Auslage von Rudolf Scheer & Söhne. Seit 1816 stellen die Scheers formvollendete, maßangefertigte Damen- und Herrenschuhe her - die Reitstiefel der Offiziere des austro-ungarischen Reiches stammen aus der Manufaktur Rudolf Scheer & Söhne, gekrönte Häupter gingen ein und aus. Auch heute noch herrscht in diesen Räumen eine Atmosphäre, wie wir sie aus den Romanen von Robert Musil und Fritz von HerzmanovskyOrlando kennen. Jeder Schuh ist ein Einzelstück, der Fuß des Kunden wird vermessen, die Fußform wird auf einen Holzschuhleisten übertragen, um diesen wird der Schuh in Form gebracht. Rund 50 Arbeitsstunden stecken in diesen Schuhen. Die Räume Edel, ausgewählte Prachtstücke aus der aktuellen Kollektion, neben historischen Schuhwerken. Vitrine an Vitrine, ein Ausstellungsraum, der in keiner Weise an eine gewöhnliches Geschäft erinnert, über eine hölzerne Treppe gelangt man in eine Salon mit rot-samtenen Polstermöbeln, der Warteraum, der Kundenberatungsraum, der Raum, in dem Herr Scheer persönlich Hand an legt, an die Füße der Kunden, um Maß zu nehmen, ein Raum, in dem die Zeit außer Kraft gesetzt zu sein scheint, Ruhe und Gediegenheit. Im Parterre liegt ein weiteres Kleinod, das zu Vergleichen wie Krypta, Ossarium, Bibliothek hinreißt. Auf viereinhalb Metern Raumhöhe, in hölzernen Schränken, finden sich rund 2000 Paar Schuhleisten,

200 Jahre Schuhgeschichte, fein säuberlich gelagert. Zurück in die Obere Etage, dort ist die Manufaktur… im Vorraum sitzend vernimmt man Geräusche, hämmern, klopfen, das Rattern von Nähmaschinen, zehn Schuhmacher arbeiten an den Preziosen… Ledergeruch, Leim, der nach Rosenwasser duftet… Walter Thaler erfasst von Sinnesrausch… so kam ihm die Idee für seine Designausstellung. Die Sinne sollten es sein, die die Besucher, der Kunst der Schuhmacherei näher bringen. Anschließend an die Raumwelt von Rudolf Scheer & Söhne liegt ein leeres Konfektionsgeschäft. Darin materialisierte sich Walter Thalers ausgefeilte Idee – die Abstraktion der Schuhfertigung. Schuhmacherei als geistige Leistung und als Handwerk. Eine Ausstellung für alle Sinne In der ehemaligen Maßschneiderei bröckelt Putz, Tapeten und Farbreste von den Wänden, Schicht um Schicht, Zeit um Zeit, Geschichte um Geschichte. SEHEN Gesockelte Augenfreude: ein Frauenschuh aus der Zeit um die Jahrhundertwende, aufgefächertes Innenleben. Ein schuhschachtelgroßes Loch in der Wand gibt den Blick frei auf das Schuhleistensanktuarium, quasi-religiöse Gefühle machen sich breit. RIECHEN Gesockelt: das hölzerne Unterteil des Schuhleistens, darin steckt der obere Teil des Schuhleistens aus schwarzem Glas gegossen. Darin Aromen: Rosen, Holz, Leder. HÖREN Der Komponist Titus Hollweg sammelte ManufakturGeräusche und unterlegte diese mit einem Klangteppich, ein kleines Tonstück ist Wiener Schrammelmusik und Anker der Verortung. Die Geräusche verdichten sich zu einem imaginären Schuh. FÜHLEN Fußbad gefällig, die Herrschaft? In Form der original Scheer-Schuhkartone, gegossen aus schwarzem Glas bot die Fußbadewanne ihre Dienste an. Viele tauchten ihre Füße in warmes Wasser mit Salz vom Toten Meer und Pinienessenz. Und dann… SCHMECKEN ...kredenzte der Designer hochpersönlich einen Limettensaft in kleinen braunen Glasfläschchen, jene Fläschchen, die ansonsten die Schuhpflegemilch von Scheer & Söhne beinhalten. Mousse au chocolat gab es in braunen Glasdosen, jene, in die die Scheer & Söhne Schuhcreme abgefüllt wird. Wehmut macht sich breit, der Sinnesrausch ist vorbei, man verlässt die Ausstellung und sieht sich vergeblich um, nach einer Droschke und findet sich stattdessen im 21. Jahrhundert wieder. Aus dem Konfektionsgeschäft will Markus Scheer ein Schuhputz-Cafè machen. Text: Sonja Steger | Fotos: Martina Dandolo

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Walter Thaler Produktdesigner und Raumgestalter * 1968, lebt und arbeitet in Meran www.walterthaler.com

Erwin Seppi Meran|o

www.erwinseppi.org

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Labyrinthgarten Der Labyrinthgarten in Tscherms ist eine lebendige Installation. Die Maße betragen 333 x 69 m. Die Oberfläche ist begrünt. Die Begrünung wächst teils langsam, teils sehr schnell und verändert zauberhaft die Atmosphäre. Der Park steht in kritischer Interaktion mit dem Umfeld und der Gesellschaft mit Kraft. Der Eingang befindet sich im Ausgang und ist eher traditionell - klassisch gestaltet. Der Garten selbst ist sehr verantwortungsbewusst, was aber überhaupt nicht bedeutet, dass er nicht auch kritisch wäre und den Besucher herausfordert, soweit dieser sich auf eine Auseinandersetzung im Grünen einlässt. Wein, Skulpturen, Traditionelles, Bilder, Installationen und Kultur-Essen vom Menschen im „Dunst“-feld schaffen eine säuselnde Atmosphäre, die vordringen kann. Etwas unfair ist die Romantik, die es immer wieder schafft, durch die Plastikrohre zu schlupfen, die Palisadenwand zu überwinden um der Nüchternheit das Auge ins Zahnrad zu drücken. Der Wandel wird nun tatsächlich stattfinden, die Zähne der Baggerschaufeln sind schon gewetzt und warten darauf, sich in den steinigen Moränenboden zu fressen, um das herauszuholen, was darin verborgen liegt. Er freut sich sehr auf Ihren Besuch www.labyrinth.bz Text: F. Pfeil | Fotos: Elisabeth Hölzl

Labyrinthgarten Geburtsdatum 28 .07. 2006 2009 wurden Werke von über 20 Künstlern ausgestellt und 23 800 Besucher haben den Garten besucht. Lebenserwartung: ca. 500 Jahre

Franz Graf Pfeil Geburtsdatum 05.02. 1957 Bildungsstand: latenter Schulversager Tätigkeit: Angestellter seit 1981, dann bis dato erfolgreicher Verwalter des Weingutes Kränzel. Seit 1991 verheiratet mit Stephanie Gräfin Walderdorff, drei Kinder Lebenserwartung: begrenzt, maximal noch 73 Jahre.

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Maik Richter Mediengestalter Bild und Ton *1979 in Stendal Lebt seit 2004 in Meran Antreffbar im Cafè Kunsthaus Thema der Serie Licht und Wasser screenshots, 2003

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Stefan Kapfinger Geburtshelfer für geistreichen Genuss Das Jahr 2009 markiert einen Höhepunkt seiner bisherigen Karriere als Kellermeister: Mit seinen Weinen hat Stefan Kapfinger für die Weinkellerei Meran fünf hochkarätige Auszeichnungen geholt, darunter die begehrten „Drei Gläser“ im Weinführer Gambero Rosso, den „Dolcissimo 2009“ und den „Riesling Gold“ für den besten Riesling Italiens. Als er in seinen jungen Jahren zur Weinkellerei Meran kam, war der Wein vorerst nur sein Beruf. Heute ist er zu seiner Passion und auch zu seinem privaten Hobby geworden. Die meisten Menschen wissen nichts Persönliches über ihn. Weder etwas über seine musikalische Ader, noch über sein Faible für Oldtimer, die er übrigens auch gerne selber renoviert; doch das stört ihn nicht. Die meisten Menschen, die Genussmenschen in Südtirol jedenfalls, kennen ihn als Kellermeister. Als ambitionierten, ja beinahe eitlen Winemaker der Weinkellerei Meran. Der „Kellermeister“ ist seine Visitenkarte. Einen privaten Stefan Kapfinger ohne Wein gibt es nicht. „Über den Wein lässt sich’s leicht ins Gespräch kommen, denn Wein ist kein Produkt wie jedes andere. Wein ist das schönste Produkt der Welt. Wein ist ein Glücksbringer. Wein begleitet die schönsten Momente eines Lebens. Jeder kann über Wein philosophieren.“ fasst Stefan Kapfinger zusammen. Wenn der Meraner Kellermeister eine Flasche „Amadeus“ öffnet und jene gut gekühlte Gewürztraminer Spätlese ins Glas schenkt, die vor kurzem zum besten Süßwein Südtirols gewählt wurde, dann wird sein Blick ernst, sein Ausdruck prüfend und zugleich feierlich. Könnte man diesen süßen Duft, dieses warme Gefühl von Sonne, dieses bezaubernde Geschmackserlebnis fruchtiger Säure am Gaumen auf Papier bannen! Stefan Kapfinger schwingt das Glas und schaut auf die goldene Farbe des Weines, der wie Öl seine Ränder zieht. Wenn er seine prämierten Weinen verkostet und etwas über sie erzählt, dann klingt das, als stünde er vor einem Naturprodukt, dem er höchsten Respekt zollt, wie der Geburt eines Kindes. Er sieht sich ja auch als „Geburtshelfer“, als Wegbegleiter von der Traube zum Wein. Daher ist immer ein bisschen Ehrfurcht dabei, wenn er eine Flasche öffnet. Ehrfurcht vor Mutter Natur, Ehrfurcht vor der Arbeit der Weinbauern, Ehrfurcht vor der Alchemie, die im Keller beginnt und in der Flasche weitergeht. „In jedem Wein steckt ein ganzer klimatischer Jahreszyklus. Die Natur hat das letzte Wort, der Kellermeister macht nur den Feinschliff. Wenn dabei etwas schief geht und ein Wein misslingt, dann ist ein ganzes Jahr Arbeit dahin,“ verdeutlicht der Kellermeister. Im Keller der Weinkellerei Meran ist Stefan Kapfinger in seinem Reich. In langjähriger Erfahrung hat er hier seinen ganz persönlichen Stil des Weinmachens entwickelt und viele kleine Geheimnisse verinnerlicht. 2009 scheint diese Erfahrung in einer Glückssträhne Ausdruck zu finden. Mit mehrfachen Preisen und Auszeichnungen werden fünf seiner Weine honoriert. Stefan Kapfinger sieht sich dabei ein bisschen als Botschafter für das Weinanbaugebiet Meran und Vinschgau. Er hat die Weine der Weinkellerei Meran mit seiner unverkennbaren Handschrift versehen und ist daran auch persönlich gewachsen und reifer geworden. text: werbelust - barbara lun, foto: tappeiner - marion gelmini

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Sonja Steger „keine details“. Gedichte

Sonja Stegers neuer Gedichtband, soeben erschienen im Skarabaeus Verlag Innsbruck-Bozen-Wien, fokussiert eine Unmenge an kleinen Details (auch wenn die Lyrikerin ihren Band „keine details“ nennt): RegenbogenFetzen, unbequem pieksende Nadelstiche, die subcutan vordringen – Spurensuche einer eingeklemmten Psyche, Behausungen, Beheimatungen einer beschwingten Psyche, die zwischen Schenna, Meran und Mals pendelt. taten – orte – worte – zeiten – für – stille: so benennt die Dichterin ihre Eckpfeiler, ihre Pfosten, ihre Kapitelüberschriften. Die Gedichte atmen ein, atmen aus, ab und zu ein Rülpser, ab und zu ein Furz, und noch ein Rülpser, der die freien Rhythmen bricht. Dem Leser wird einiges abverlangt: kühne Assoziations-Sprünge, man rückt seine Sehbrille zurecht oder zwinkert mit dem Auge, falls man noch keine Sehbrille nötig hat, man zündet Kerzen an, um besser zu verstehen, um den sich beschleunigenden, um den retardierenden Atem der Lyrikerin folgen zu können. Es ist Sonja Stegers zweiter Gedichtband nach fünfjähriger Pause: sie zeigt sich in neuen Morgen-AbendNacht-Lichtern, bleibt selbst jedoch immer geheimnisvoll verhüllt, spielt ihre Trümpfe erst zuletzt aus, wenn der emsige Leser ausharrt – oder hält die stärksten Trümpfe verdeckt, spielt sie nicht aus, wohl wissend um die Zartheit dieses Daseins, wohl ahnend um die Verletzungen, die stattfinden, wenn ein Detail sich an einem anderen Detail reibt.

„das zögern ist jene eisschicht aus angst von sprüngen durchzogen“ Die Lyrikerin ist zögernd in ihrer Sprache, tastend, vorfühlend, aber auch mutig: „was du auch verbirgst die stimme deiner haut hat dich verraten“…und: „leg diesen augenblick glück auf das fensterbrett der sehnsucht“ Wer eine melancholische Ader in sich pulsieren hat, wird die Wärme in Stegers Poesie zusprechen, und wer pragmatisch-nüchtern ist, wird mit seiner Zunge am Rauhreif lecken, der sich an vielen Versen kristallisiert, wie etwas: „dreh dir einen strick aus stille und häng dein wort daran“ und „freiheit ist der wind im haar beim absturz des erwachens“

Text: Tonio Haller Pixner, Dichter und Maler Fotos: Sonja Steger

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Le acque dell’orso Il dottor Romuald Binder da tempo si arrovellava alla ricerca del perché le sue pazienti traevano così grande beneficio dalla loro permanenza nella sua casa di cura Stephanie di Merano (oggi Casa di riposo Sant’Antonio). “Non possono essere soltanto le mie cure – diceva – deve esserci qualcosa nell’aria, nell’acqua”. Fu così che agli inizi del ventesimo secolo egli fu capace di convincere l’’Azienda di Soggiorno a sviluppare delle ricerche approfondite che come primo risultato diedero la scoperta di sorgenti radioattive nella zona di Villa Tivoli – Fonte San Martino. Venne così fondato il Consorzio Terme Radioattive per lo sfruttamento di quelle acque nel vecchio istituto fisioterapico (oggi Centro Anziani e Sala civica) dove furono portate con una apposita conduttura. Venne contemporaneamente anche dato incarico allo studioso trentino professor Giovan Battista Trener di approfondire le ragioni per cui con i malati in questa città, il cui clima pur alpino consentiva ai limoni, ai pini marittimi e alle palme di crescere, si ottenevano migliori risultati terapeutici che altrove. Egli esaminò tra il 1933 e il 1936 ben 700 fonti per arrivare a scoprire che 100 di esse, tra cui quelle di San Vigilio, contenevano il radon. Questo è un gas molto solubile in acqua. Le precipitazioni atmosferiche, lambendo la roccia di “gneiss occhiatino”, si caricano di questo gas, divenendo acque oligominerali radioattive. L´azione terapeutica del Radon si spiega con il suo alto potere desensibilizzante, antiflogistico e vasodilatatore che sollecita le cellule periferiche del corpo umano che tendono a diminuire la loro funzione con l’avanzare dell’età. Il Radon abbandona l´organismo in 2-3 ore: questo è dovuto al fatto che il gas non reagisce con alcuna sostanza dell´organismo umano e quindi non può essere trattenuto. Narra tuttavia la leggenda che le sorgenti di San Vigilio furono trovate da un rabdomante munito dell´inseparabile verga di nocciolo, che ispezionava la zona, detta delle

Vigil Joch 1940: mitten im 2. Weltkrieg wurde der 1.300 Meter lange Stollen von der Bozner Firma Repetto gegraben und die Quellfassung errichtet.

sorgenti dell´Orso, perchè i vecchi ricordavano un orsetto rimasto sempre tale e mai invecchiato negli anni, proprio perché si bagnava in quelle acque. Scientifica o tramandata per “vox populi” che sia, nasce così la storia dell’acqua termale di Merano e successivamente di quella oligominerale, non al radon, che sgorga in superficie il località Rio Grotta nei pressi di Pavicolo, con un residuo minerale fisso molto basso che ne consiglia l’uso diuretico. Ci vollero molti anni per concretizzare l’idea mai sopita di sfruttare le fonti di San Vigilio. Si arrivò infatti al 1958 con la nascita della Salvar (Società Azionaria Lavorazione Valorizzazione Acque Radioattive) che realizzò la conduttura delle acque con un imponente lavoro durato quattro anni, portandole allo stabilimento che tutti ricordiamo, nato sulle ceneri del vecchio Hotel Meranerhof. Stabilimento che entrò in funzione dopo lunghe peripezie, nel 1971. Da una costola della S.a.l.v.a.r. nacque la S.a.o.m. (Società acque oligominerali Merano) per l’imbottigliamento dell’acqua. Il resto è cronaca dei giorni nostri. testo: Enzo Coco

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Foto von Godio: Archiv Anna Godio + Daniel Breitenberger

Godio

Giancarlo Godio fu uno dei primi cuochi in Alto Adige al quale venne assegnata una stella Michelin. Negli anni 70 e 80 il capocuoco piemontese deliziava i palati di tutti i buongustai al ristorante „Genziana“ di Fontana Bianca, una località dell’alta Val d Ultimo. Alta cucina ad alta quota! 15 anni fa Giancarlo Godio morì in un incidente. Il libro “BLU, Giancarlo Godio - una stella della bonne cusine“, edito da Daniel Breitenberger, Werner Oberthaler, Markus Breitenberger e Alfonso Demetz, ci fa conoscere, da un punto di vista artistico, emozionale e culinario, Godio e il contesto in cui operava: la Val d’Ultimo, il turismo, il lago artificiale, l’Enel ecc. Per Godio l’acqua era un elemento importante. Il ristorante é situato sulle sponde di un lago, la Val d’ Ultimo é ricca d’acqua, di laghi artificiali e possiede inoltre nume-

Fotografin:

rose sorgenti. „Tutte le mattine Godio mandava qualcuno alla sua fonte, situata sopra il ristorante, per controllare che l’acqua sgorgasse regolarmente. Gelida e cristallina, era pura vita che inondava la sua cucina, rinfrescando ospiti, trote, gamberi, aiuole e fiori. Con il sudore in fronte, lottando con la costanza che caratterizzava la ruota del mulino della „Genziana“, Godio riuscì a creare una Fontana Bianca di prelibatezze culinarie. Sull’acqua del lago si rispecchia ancora il ricordo dei suoi tempi migliori. Text: Hannes Egger Übersetzung: Laura Zindaco, Martina Zambelli

Foto: Martin Geier

Anita Holzner | * 1983, lebt in Meran | h.anita@alice.it

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Nicola Morandini Fotografo www.annicolaf.it Nicola Morandini, bresciano di origini sarde, appassionato di fotografia e laureato in scienze forestali, è arrivato a Merano nel 1998. Dopo aver lavorato per anni come consulente e progettista in uno studio professionale, si è occupato di manutenzione del verde con la cooperativa sociale “Albatros”, per la quale, tra l’altro, ha ideato e diretto progetti di educazione ambientale rivolti a bambini delle scuole elementari e medie. Ora è insegnante di seconda lingua. Ha realizzato diversi progetti fotografici e seguito pubblicazioni legate alla rappresentazione del paesaggio e della natura, predilige tuttavia il reportage sociale. Di se stesso dice che tramite la fotografia vuole soddisfare la sua insaziabile curiosità e descrive i suoi scatti come il modo più efficace per conoscersi meglio attraverso la conoscenza degli altri. L’ultima mostra “Alltäglich vergänglich – Effimera ordinarietà” in collaborazione con Alexander Wallnöfer è stata presentata a Meranoarte nel novembre 2009, nell‘ambito della manifestazione “Altstadt (er)leben, (Ri)vivere il centro storico”. Di recente ha ideato un servizio fotografico seguendo il lavoro quotidiano del presidente della cooperativa sociale “Laguna fiorita” di Venezia (vedi le foto sopra), che si occupa dell’inserimento lavorativo di persone disabili nel settore della floricoltura e della manutenzione di aree verdi e che gestisce inoltre un laboratorio di tessitura. vissidarte: Nicola, come ti sei avvicinato al mondo della cooperazione sociale? Morandini: Quasi per caso, collaborando alla realizzazione di un progetto di educazione ambientale con gli amici della cooperativa Albatros. La vita mi ha poi portato a lavorare per tre anni come giardiniere proprio all‘interno della stessa cooperativa, consentendomi una conoscenza più approfondita di questa realtà. Lavorare come operaio mi ha permesso di condividere pensieri, preoccupazioni e speranze delle persone con le quali ho avuto modo di collaborare. Il reportage sulla cooperativa di Venezia era già da tempo nei miei pensieri: mi affascinava ed incuriosiva l‘idea della manutenzione del verde in una città d‘acqua come Venezia. Questo mi ha permesso di conoscere una nuova cooperativa sociale attraverso il lusso di una visita privilegiata in barca ai giardini della città, dei veri tesori nascosti. vissidarte: La tua passione per la fotografia invece com’è nata? Morandini: E‘ nata grazie ad un laboratorio fotografico frequentato durante le scuole medie...sono stato folgora-

to dalla magica alchimia dello sviluppo, dalla trasformazione con cui la luce si concretizza in immagine. Lo sport (l‘hockey su prato), mi ha portato a girare il mondo e non ho mai perso occasione per scattare quantità industriali di diapositive che ancora aspettano di essere scannerizzate. Da tre anni sono passato al digitale, ma quando mi si presenta l‘occasione torno molto volentieri all‘analogico. vissidarte: Hai una o più figure di riferimento nella storia della fotografia? Morandini: Potrei fare un elenco infinito di grandi fotografi, dei quali ho “divorato” numerose immagini (partendo da Paul Fusco e Josef Koudelka, da Jan Grarup a James Nachtwey, per arrivare a Pep Bonet e Paolo Pellegrin). Ma un punto di riferimento importante, nella mia vita fotografica e non, è stato mio zio Pierluigi Murgioni, missionario in Uruguay negli anni della dittatura di Bordaberry. Nei cinque anni che passò in carcere fece anche il fotografo e, mediante la fotografia, riuscì a mantenere i contatti con gli altri detenuti non rinunciando mai alla sua missione. Credo fortemente nell‘aspetto sociale e formativo della fotografia. vissidarte: A quale dei tuoi lavori sei particolarmente legato e per quale motivo? Morandini: Sono molto legato al reportage sul centro per la riabilitazione psichiatrica “Casa Basaglia”, realizzato nel 2008 in occasione dei 30 anni dall‘entrata in vigore della legge 180. E‘ stato il mio primo progetto fotografico a lungo termine, durato nel complesso circa 4 mesi (dall‘ideazione all‘editing finale). Ma è anche stata la prima occasione in cui ho capito che la fotografia è un mezzo meraviglioso per raccontare realtà poco conosciute e “misteriose”, per avvicinarsi con rispetto e umiltà agli altri, per condividere emozioni e per imparare, da tutto ciò, a conoscere meglio se stessi. vissidarte: Come vivi il mondo visto con la macchina fotografica? Morandini: Possibilmente lo vivo in modo “grandangolare” e senza l‘artificio dello zoom, ovvero cercando di coglierne i diversi aspetti attraverso un angolo di campo piuttosto ampio e da punti di vista differenti, mettendomi spesso in discussione. Il mondo corre molto in fretta, troppo in fretta: la fotografia è un buon metodo per fermarsi, per respirare profondamente, per riappropriarsi del nostro tempo e per riflettere. Ma non voglio fare il filosofo... fotografare resta comunque un gran bel divermento.

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vissidarte: Il tuo sguardo attraverso il mirino cosa cambia in te? Morandini: Forse mi rende più cauto e rispettoso nell‘approccio con le persone, mi consente di approfondire aspetti che affronterei con maggior superficialità senza la macchina fotografica, mi porta ad immedesimarmi nelle persone o nelle situazioni che incontro e che scelgo di inquadrare... è come se nel mirino vedessi inquadrato me stesso e l‘effetto non è spesso dei migliori! vissidarte: Il prossimo progetto? Morandini: Al momento sto preparando con le mie alunne della scuola professionale “Frankenberg” di Tesimo un progetto fotografico legato alla lettura del libro di Dino Buzzati “Il segreto del bosco vecchio”: se tutto va bene per marzo realizzeremo un breve film in stop-motion attraverso lo scatto di fotografie in sequenza. Se tutto va male...saremo riusciti comunque a leggerci un bel libro e ci saremo divertiti, questo è certo. vissidarte: Merano? Morandini: Merano è la città che mi ospita, una città apparentemente sorniona e, a prima vista, un po‘ noiosa. Grazie alla fotografia ho conosciuto, invece, un mondo meranese tutto nuovo, fatto di persone molto dinamiche, creative, vivaci, aperte e positive. Adesso anche la città si è trasformata ai miei occhi, diventando più allegra e più viva, regalandomi qualità inaspettate e, per questo motivo, ancora più gradite. vissidarte: E un pensiero per vissidarte… Morandini: E‘ la finestra spalancata su questo luminoso mondo di aria fresca di cui ti ho appena parlato. Evviva l‘arte!

sa come la possibilità di partecipare consapevolmente alle decisioni, di intervenire in un dibattito pubblico o di essere attivi nell’espressione del proprio pensiero e soprattutto autonomi nella gestione del quotidiano. Le cooperative sociali sono infatti una palestra in cui l’impegno quotidiano di tutte le persone coinvolte fa sì che parte di questi processi partecipativi si possano un domani realizzare. In Trentino-Alto Adige una legge regionale ha istituito le cooperative sociali già nel 1988, precedendo la legislazione statale. Le cooperative sociali altoatesine volte all’inserimento lavorativo sono 46. A Merano, tra i precursori altoatesini, sono nate “Albatros” nel 1994, “independent L.” nel 1997, poi “Trilli” e di recente “Centro Restauro Meranese” – tutte insieme danno lavoro a 52 persone svantaggiate (fonte: Prov. Aut. di Bolzano, Ufficio per lo Sviluppo della Cooperazione, 11/2009; Legacoopbund 05/2009). Nonostante le diffuse difficoltà che le cooperative per l’inserimento lavorativo trovano nel reperire nicchie di mercato, le cooperative meranesi da tempo sono presenti con servizi qualificati. Si occupano di giardinaggio e pulizie, falegnameria, restauro di mobili ed oggetti antichi, della gestione di un second hand shop, di un webcenter, di un ausilioteca, di uno sportello per il turismo accessibile e di un centro per l’abbattimento delle barriere architettoniche, di consulenza per persone con disabilità e formazione specialistica. testo, intervista: Iris Cagalli | foto: Nicola Morandini

BRUNNEN.IN.MERAN

Una finestra sulla cooperazione sociale La cooperazione sociale in Italia nasce con la legge 381/1991 con lo scopo di creare occupazione all’interno del sistema della gestione di servizi sociali come p. es. case di riposo, asili, laboratori protetti. Altro punto saliente della legge è la regolamentazione dell’inserimento lavorativo di persone svantaggiate che vengono seguite dai servizi sociali, psichiatrici, per le dipendenze o per persone con disabilità. Le cooperative sociali volte all’inserimento lavorativo (dette di tipo B) hanno l’obbligo di assumere il 30% di persone svantaggiate sul totale dei lavoratori impiegati. Non hanno scopo di lucro ed il loro compito è di valorizzare le capacità dei lavoratori svantaggiati creando opportune possibilità di impiego, fornendo formazione continua e collaborando con i servizi sociali preposti con l’obiettivo di favorire l’integrazione. Tuttavia in una società che giornalmente si confronta con un sistema economico che chiede una sempre maggiore flessibilità al mercato del lavoro, che genera disuguaglianza e porta a forti squilibri nei dibattiti sull’adattamento del sistema del welfare; in una società in cui vi é il rischio che i più deboli non trovino più una porta aperta, non sarebbe plausibile perdere di vista l’inserimento lavorativo come uno strumento di promozione della partecipazione, inte-

Karl Wolf Brunnen An Volksschauspielen liegt mir persönlich sehr wenig, entschuldige, Karl. Mich trockene Schale liebt eh niemand. Auch der bärtige Karl vermag es nicht mehr, mich zu trösten. Meine einzige Freud und Kurzweil sind die Stadtratten der Lüfte, ihr Gegirre macht mich schon ganz irre. An der Gabelung Verdi und Karl Wolf Straße werd ich verdeckt von Buschwerk, bin ich doch eigentlich und wahrlich ein Kunstwerk der Moderne und der Betrachtung würdig. Weiß nicht, ob mein Schöpfer, der Bildhauer Josef Brunner, apropos nachträglich alles Gute zum 85. Geburtstag, sich meiner manchmal erinnert…

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Matthias Schönweger: „Ich hatte vorher Fotos von Flusser gesehen und ihn mir ganz anders vorgestellt: Viel größer und stattlicher. Aber er war klein, unglaublich agil, mit langen schlanken Fingern, der ganze Mensch war ständig in Bewegung.“ Flusser beschäftigte sich mit allem. In „Vogelflüge“, wahrscheinlich in Meran verfasst, kommen Gedanken zu Wort, die sich an Landschaft und Geschichte reiben. Vilém Flusser: „Zwei Erlebnisse haben in mir einen Wirbel von Überlegungen provoziert... Zum einen meine erste und die letzte Fahrt über den Ofenpass, der das Engadintal mit den Tälern des Alto Adige (Etschtal)... verbindet. Zum anderen meine Reise, die ich vor kurzem zu den Menhiren, nach Carnac, in die Bretagne, unternommen habe“. Er amüsiert sich, vielleicht über sich selbst, als er den

Vilém Flusser, die Dolomiten und das Urvieh oder: Die ästhetische Krankheit des Patriotismus

Foto: www.flusser-archive.org

Er liegt auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Prag begraben, nahe bei seinem Landsmann Franz Kafka, den er als Seelenverwandten schätzte. Gestorben sind die Hinterlassenschaften des Philosophen in über 500 Publikationen in Zeitschriften, Zeitschriften und Büchern allerdings nicht. In Archiven und Forschungsseminaren kümmern sich Wissenschaftler mit steigendem Interesse um den Schriftsteller, Philosophen, Medientheoretiker und messerscharfen Denker Vilém Flusser. Weniger erforscht blieb bisher seine Zeit in Meran. Sein Leben beginnt an der Moldau: 1920 geboren, wuchs Flusser zweisprachig mit Tschechisch und Deutsch auf, er sprach und schrieb außerdem Englisch, Portugiesisch, Italienisch und Französisch. Flusser entstammte einer Prager Intellektuellen-Familie - sein Vater Gustav, Mathematiker, war Einstein Schüler, seine Mutter Melitta Basch Sängerin: als die beiden 1919 heirateten, führten sie den osteuropäisch-aschkenasischen und den südeuropäisch-sephardischen Zweig des Judentums zusammen. 1939 flüchtete Vilém Flusser mit seiner zukünftigen Frau Edith über London nach Sao Paolo in Brasilien. Er überlebt als Einziger in seiner Familie, die in Buchenwald, Theresienstadt und Auschwitz ausgelöscht wird. Ab 1959 arbeitet er als Professor für Philosophie an der Universität Sao Paolo. Er veröffentlicht regelmäßig in der Tages- und Kulturpresse. Künstler und Intellektuelle versammeln sich in seinem Haus bis sich die politischen Verhältnisse in Brasilien ändern. Der Putsch von General Castello Branco limitiert Flussers Engagement für ein verändertes Brasilien. Diesmal scheint er den politischen Zustand des Landes zu verkennen: Bis er sich Anfang der 70er Jahre entschließt, nicht nach Brasilien zurückzukehren. Bevor er sich im südfranzösischen Robion niederließ, verbrachte er fast zwei Jahre mit seiner Frau Edith in Meran. Kaum angekommen, hinterließ Vilém Flusser Spuren. Unter dem damaligen Redakteur der Dolomiten, Gerhard Becker-Gelf, entstand Anfang der 70er Jahre eine Seite in der Zeitung, die erstaunliche Möglichkeiten bot; Flusser veröffentlichte dort. Auf Matthias Schönweger wurde der Philosoph 1972 wegen dessen Zeichnungen auf der Becker-Gelf-Seite der Dolomiten aufmerksam.

neuen und gewagten Bau des Ofenpasses lobt, „der die fortschrittlichste Technologie erfordert hat.“ Bis er kichernd triumphiert: Jener Passo del Fuorn, der Ofenpass, sei schon tausende Jahre lang Trampelpfad wilder Pferde und des Urviehs: Vilém Flusser: „Der Entwurf der heutigen Straße stammt von diesen Herden. Sie ist das Projekt der Pferde, des Urviehs, und der Rentiere. Nur die heutige Durchführung ist, so wie viele der ihr vorausgehenden, Resultat menschlicher Arbeit. Sollten Projekt und Idee verwandte Begriffe sein, dann waren diejenigen, die die Idee hatten, die Straße zu bauen, die Tiere der Tundra.“ In Meran beschäftigte sich mit kleineren Projekten. Er veröffentlichte im November 1972 einen Bericht über die Ausstellung der Künstlerin Gina Thusek. Da ist Lust: am Begreifen, am Sehen. Der Blick geht in die Details hinein, dann wieder zum Kern. Er beschreibt die kunstvollen Kerzengärten der Meranerin: Vilém Flusser, Dolomiten, 17./18. November 1973: „Das Interessante ist, daß diese Antworten mit so bescheidenen und unscheinbaren Mitteln gegeben wurden. Das scheint zu beweisen, dass die Krise der Kunst in ein Stadium getreten ist, in dem sie sich schöpferisch auf den allerverschiedensten Ebenen äußert. Das Bozener Publikum soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass dieser universale Prozeß in seinem eigenen Schoß vor sich geht.“ Bei der Bozener Galerie handelt es sich laut Matthias Schönweger um die des (ehemaligen) Redakteurs Gerhard Becker-Gelf: Mathias Schönweger: „Er (Becker-Gelf) hatte bei den Dolomiten - aus einer katholischen Weltsicht heraus vor, eine breit gefächerte, umfassendere Weltsicht in

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die Seiten der Dolomiten zu bringen. Das ging innerhalb dieser beschränkten, patriarchalischen Form der Monomentalpresse nicht gut, sie haben ihn rausgeworfen.“ Nicht nur in seinen philosophischen Schriften erwickelte Flusser eine eigene Ausdrucksform, wie Andreas Ströhl in „Hommage an Vilém Flusser“ darstellt: Andreas Ströhl: „Flusser... stellte sich die schwierige Aufgabe, sich nachgeschichtliche Lebensformen und Gesellschaften vorzustellen. Zu diesem Zweck entwickelte er eigens ein neues literarisches Genre, in dem wissenschaftliche Abhandlung, journalistischer Essay und literarische Erzählung zusammenfalle: philosophische Szenen.“ Mathias Schönweger: „Meine Situation in Meran kam ihm sehr kafkaesk vor. Aber von der Schönheit Merans schwärmte er, auch wenn er hier alle für sehr verwöhnt hielt. Er liebte das Italienische und die Tirolerlieder, die ich ihm vorsang. Von der Fremdenverkehrsgläubigkeit hielt er nicht viel.“ Da Flusser von Anfang an alle Medien genauestens unter seine philosophische Lupe nahm, und „er davon ausging, dass die in der Gesellschaft vorherrschende Kommunikationsweise die gesamte Beschaffenheit dieser Gesellschaft prägt“ (Andreas Ströhl), wurde er vornehmlich als Medientheoretiker bezeichnet. Über die Geldmaschinerie hinter dem Fernseh-Apparat schrieb er in den Dolomiten: Vilém Flusser, Dolomiten, 7./8./9. Dezember 1973: „Das Fernsehen näher gesehen: Auch hier gilt, wer zahlt, schafft an: „Die Kiste sendet Botschaften, aber empfängt keine. Obwohl es Methoden für den Empfänger gibt, auf die empfangenen Botschaften zu antworten (durch die Post oder das Telephon), beeinflussen diese Antworten die Fernsehsendungen nur wenig. Darum sind die Empfänger im Grunde zu passivem Empfang verurteilt. Die Folge ist Passivität den Ereignissen der Welt gegenüber. Je mehr der Empfänger Nachrichten von den Ereignissen erhält, desto passiver wird er. Diese Passivität liegt in der Absicht der Zahler der Sendungen aus der Kiste.“ Der Maler und Zeichner Christian Stecher aus St. Valentin auf der Haide gab den Anstoß zur Beschäftigung mit Flusser, anhand dessen Buches „Von der Freiheit des Migranten – Einsprüche gegen den Nationalismus:“ Für eine sesshaft scheinende Nomadin die richtige Lektüre... Flusser geht dem Begriff der Heimat nach: Vilém Flusser: „Zuerst will ich, so scharf wie möglich, zwischen „Heimat“ und „Wohnung“ unterscheiden, wobei ich mir peinlich bewusst bin, mit der deutschen Sprache spielen zu müssen. Das deutsche Wort „Heimat“ findet, unter den mir geläufigen Sprachen, nur im tschechischen Wort domov ein Äquivalent, und dies ist wohl dank des Drucks, den das Deutsche auf das Tschechische jahrhundertelang ausgeübt hat.“ Heimat, so Flusser, werde verwechselt mit Wohnung. Die Gewöhnung an die Wohnung mache sie hübsch, weil sie ihren Bewohnern bekannt sei: „Die Gewohnheit

deckt alle Phänomene wie eine Wattedecke zu.“ Heimatliebe bediene sich der gleichen Logik. Vilém Flusser: „Die Beheimateten verwechseln Heimat mit Wohnung. Sie empfinden daher ihre Heimat als hübsch, wie wir alle unsere Wohnung als hübsch empfinden. Und dann verwechseln sie Hübschheit mit Schönheit... ....Patriotismus ist vor allem ein Symptom einer ästhetischen Krankheit.“ Der Philosoph betrachtete diese Bedrohung dieser Hübschheit genauer. Migranten fehle der gemütliche Wattebausch des Gewohnten. Vilém Flusser: „Die nicht zu verleugnende Evidenz des Migranten, diese nicht zu verleugnende Hässlichkeit des Fremden, das von überall kommend in alle Heimaten eindringt, stellt die Hübschheit und Schönheit der Heimat in Frage.“ Der Philosoph, zeitlebens Nomade mit festem Wohnsitz, immer Prager, der, wie seine Frau Edith formulierte: „in allen Sprachen Tschechisch sprach“, hatte innerhalb seines Heimatdiskurses die Bedeutung der Migranten definiert, weil der Nichtbeheimatete durch Eindringen in die hübsche Heimat der Beheimateten deren Sein in der Welt in Frage stellt: Vilém Flusser: „In diesem Sinne ist jeder Heimatlose, zumindest potentiell, das wache Bewusstsein aller Beheimateten und ein Vorbote der Zukunft. Und so meine ich, wir Migranten haben diese Funktion als Beruf und Berufung auf uns zu nehmen.“ Vilém Flusser starb bei einem Verkehrsunfall in der Nähe der Deutsch-Tschechischen Grenze 1991. Dank an flusser-archive.org und www.flusserstudies.org, Rainer Guldin, Andreas Ströhl, Katerina Krtilova, Anke Finger und Marcel René Marburger Text: Katharina Hohenstein

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LABIRINTO LIBERTA' LABYRINTH FREIHEIT FORTEZZA 2009 10.05-30.10.2009 Ogni essere umano è dotato di creatività e fantasia, cui spesso parte del tempo lasciato libero viene dedicato tra invenzioni, studi scientifici, composizioni musicali, letterarie ecc, che pur essendo fuori dal sistema "accademico", raggiungono ottimi risutati. Ciò prova che l'essere umano, in condizioni di libertà, è in grado di creare eccellenza. Per provare ciò, l’associazione COORDINAMENTO ARTE “LA GOCCIA” di Laives, il 17 maggio 2009, nella giornata dedicata all’arte e alla creatività alla Mostra Interregionale di Fortezza LABIRINTO / LIBERTA’, ha proposto ai visitatori di interagire con le tematiche della mostra attraverso un “laboratorio”, rispondendo ad un breve questionario per riflettere sul concetto di libertà applicata alla propria vita, descrivendo i sogni / desideri che potrebbero realizzare se fossero liberi dai vincoli e obblighi imposti dalla vita quotidiana. L’argomento ha suscitato molto interesse nel pubblico e sarà sviluppato nella futura programmazione dell’attività culturale del Coordinamento Arte.

Il laboratorio è stato allestito da Tiziana Comis,coordinatrice dell’associazione, in collaborazione con l’artista Cristina Vignocchi per la parte visuale e artistica degli spazi e dei contenuti.

WORKSHOP “TI SENTI LIBERO?”

Am meisten konditioniert mich die Zeit! In questi ultimi decenni, non c’è stata più libertà Freiheit ist etwas persönlichches, beginnt im Herzen Nella vasca da bagno, pensando di essere nell’oceano Ich fühle mich eher frei in der Natur, mit der Natur stehen La libertà è dentro di noi, fuori non ci lasciano Der Dumme ist frei, aber Wissen ist Macht. coordinamentoarte@libero.it 0471952656 L i

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Sono stato sopraffatto e ne sono veramente amareggiato!

cristinavignocchi@virgilio.it 3200342011

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vissidarte 2009  

kunst und leben an der passer

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