Page 32

aktionstag Toleranz als Standortvorteil, veränderten Umgang mit Schließzeiten sowie ein noch breiteres Spektrum an Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Geschäftsführer Eugen Hain forderte als Vertreter der Bundesagentur für Arbeit das Bündnis auf, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern Betriebe auf dem flachen Land stärker in den Fokus zu nehmen. Er schlug Unternehmerforen sowie die Übersetzung der Bündnisinhalte in die Sprache und Lebenswelt der Handwerksund Kleinbetriebe vor. Freude über 10 Jahre Bündnis Familie und Arbeit: (v.l.) Klaus Rostek (Kreisjugendamt), Christiane Matzewitzki (Stadtjugendamt), Referent Horst Opaschowski, Landrat Eberhard Nuß und Moderator Claus Schreiner. Foto: Traudl Baumeister

Leben ist die Lust zu schaffen

Lokales Bündnis Familie und Beruf feierte zehnjähriges Bestehen mit Zukunftspapst Prof. Dr. Horst Opaschowski Die Botschaft beim Aktionstag anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Lokalen Bündnis für Familie und Arbeit war eindeutig: Es ist viel geschehen, aber es gibt noch viel zu tun. So in etwa könnte man den Inhalt der einzelnen Diskussionsund Redebeiträge zusammenfassen. Seit der Gründung ist das Bündnis, in dem sich Wirtschafts- und Familienverbände aus Stadt und Landkreis Würzburg zusammengeschlossen haben, von zehn auf heute 32 Mitglieder angewachsen, berichteten Christiane Matzewitzki, Stadt Würzburg, und Klaus Rostek, Landkreis Würzburg, die beiden Verantwortlichen der Steuerungsgruppe. Zahlreiche hochrangige Teilnehmer erfuhren in der abschließenden Talkrunde bei der Jubiläumsveranstaltung, dass sich schon beim Personal des Landratsamtes, so Landrat Eberhard Nuß, die große Veränderung in

32

der Arbeitswelt deutlich zeige. Waren vor zehn Jahren die fünf Geschäftsbereichsleiter allesamt männlich, seien heute drei davon weiblich, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf damit hochaktuell. Reinhold Werthmann, s.Oliver Bernd Freier GmbH & Co, ergänzte, Arbeitgeber, die heute nicht begriffen hätten, wie wichtig das Thema für sie sei, werde es schon morgen voraussichtlich nicht mehr geben. Er wünschte sich auch von Seiten der Politik eine schnellere Anpassung der gesetzlichen Rahmenbindungen und vom Bündnis, noch stärker zu wachsen und gemeinsam in Richtung Politik Druck auszuüben. Hülya Düber, Sozialreferentin der Stadt Würzburg, plädierte für Verbesserung beim Berufsbild Erzieher, für gelebte

Die Region Würzburg komme im Wettbewerb um Arbeitskräfte gegen die benachbarten Metropolregionen Frankfurt und Nürnberg nur an, wenn starke Faktoren wie eben Familienfreundlichkeit flächendeckend umgesetzt würden. Möglich werde dies, indem man die Stärke des Bündnisses nutze und durch praxisorientierte Beispiele sowie konkrete Handlungsleitfäden alle Betroffenen ins Thema mitnehme und bei der Umsetzung begleite. Diesen Impuls steuerte Ulli Steinigke von der gleichnamigen Waldbüttelbrunner Showtechnikfirma bei. Im vollbesetzen Sitzungssaal des Landratsamtes stellte zudem Zukunftsforscher Prof. Dr. Horst Opaschowski zehn Thesen zur Zukunft der Lebens- und Arbeitswelt vor. Die Gesellschaft, so sein Resümee, sei derzeit wieder auf dem Weg weg vom Ego und hin zu einem guten Zusammenleben zwischen Respekt und Toleranz. Nicht die rasende Entwicklung der digitalen Welt, sondern familiäre Bindungen neuer Prägung (Wahlverwandtschaften, neue Generationenkonstrukte und Quartiersmanagement) werden immer wichtiger für alle – und in Zeiten schwindender Arbeitskräfte damit auch für die Organisation der Arbeit, prognostizierte er. Wobei, auch das sagte er voraus, wir ökonomisch ärmer würden, aber nicht unglücklicher. „Gut leben, statt viel haben“, diese Formel gelte in der älter werdenden Gesellschaft ebenso wie das Postulat: „Leben ist die Lust zu schaffen“ – jenseits starrer Zeitgrenzen, sowohl was die tägliche wie die Lebensarbeitszeit angehe. Wieder eine neue Herausforderung also für das Bündnis.

Lohnenswert no 24 1 2017  

Lohnenswert no 24 1 2017  

Advertisement