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Das BLATT Informationsdienst der

LMS Agrarberatung

Mit Wissen Wachstum schaffen

Vermarktung 2012

Gebranntes Kind scheut das Feuer Planungsrechnung als Entscheidungsgrundlage

Die Zukunft nicht dem Zufall 端berlassen BZA-Ergebnisse und Tag der Betriebswirtschaft

Mutterkuhhaltung auf dem Pr端fstand

Heft 2/ 2012 Juni 1. Jahrgang


Editorial

Willkommen

Berthold Majerus Geschäftsführer

Liebe Leserinnen und Leser, im März haben Sie zum ersten Mal den neuen Informationsdienst Ihrer LMS/LUFA „Das Blatt“ erhalten. Wir freuen uns über das positive Echo und bedanken uns für Ihr Feedback. Fachkompetenz und Dienstleistung für die Landwirtschaft Sie erhalten heute die zweite Ausgabe unseres Informationsdienstes mit Themen aus der Agrarberatung zu einem breiten Spektrum von betriebswirtschaftlichen Betrachtungen über konkrete Ergebnisse aus der Tier- und Pflanzenproduktion bis hin zum Immissionsschutz. Berichte aus der LUFA-Analytik unter Beachtung der Praxisrelevanz und Empfehlungen der Zuständigen Stelle für Landwirtschaftliches Fachrecht und Beratung sowie des Büros für Existenzsicherung komplettieren das fachliche Angebot der vorliegenden Ausgabe. Die Vielfalt der vorgestellten Themen dokumentiert die breite Fachkompetenz im Beratungs- und Dienstleistungsspektrum für die Landwirtschaft, die durch die LMS mit ihren jeweiligen Unternehmensbereichen zur Verfügung gestellt wird. Auch für Heft 2/2012 hat die Landesforschungsanstalt MV wieder einen Beitrag zur Verfügung gestellt, in dem Versuchsergebnisse zur „Nachhaltigen Bodenbearbeitung“ vorgestellt werden. Wir danken Dr. Eckhard Lehmann für diesen Bericht und Dr. Ulrich Kesting (Landeskontrollverband für Leistungs- und Qualitätsprüfung MV) für seine

02

Das Blatt

Bereitschaft, sich als Co-Autor des Beitrages „QSRindfleisch“ zu engagieren. In eigener Sache Wir möchten Sie über Änderungen in der Leitung unseres Unternehmens informieren. Frau Monika Berlik ist zum 31. Mai 2012 auf eigenen Wunsch aus der Geschäftsführung der LMS ausgeschieden und wird im Unternehmen zukünftig Aufgaben in der Ländlichen Entwicklung sowie im Projektmanagement verantworten. Gleichzeitig hat der Aufsichtsrat der LMS Monika Berlik und Dr. Wolfgang Sarich (Unternehmensbereich LUFA) Prokura erteilt und Frau Berlik für ihr Engagement in der Geschäftsführung gedankt. Diesem Dank schließe ich mich an. Im Dialog Mit dem Informationsdienst „Das Blatt“ möchten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser und werte Kunden, über aktuelle Themen informieren und freuen uns auf den Dialog mit Ihnen, wenn Sie Fragen, Anregungen zu weiteren Themen oder auch Lob oder Kritik äußern möchten. Hierfür bedanken wir uns und wünschen Ihnen eine attraktive Lektüre. Es grüßt Sie herzlich, auch im Namen des gesamten Redaktionsteams, Ihr

Berthold Majerus Geschäftsführer


Inhalt

04

Agrarberatung Planungsrechnung Neues in der AFP-Richtlinie Mechanisierung Kommentar zur Preisentwicklung

04 30 34 41

Die Zukunft nicht dem Zufall überlassen Damit Sie bei der Förderung nicht in die Röhre gucken Feldarbeiten – do it yourself oder outsourcen? Agrar- und Rohstoffmärkte genau im Blick

08

Tierhaltung BZA-Ergebnisse QS-System in der Rinderproduktion CD-Rezension

08 Mutterkuhhaltung auf dem Prüfstand 12 Mehr Sicherheit für die Vermarktung 16 „Fruchtbarkeit richtig managen“

17

Pflanzenbau Ergebnisse der LFA-Versuche Blattanalyse Vermarktung 2012 – Vorkontrakte

17 Was ist in MV ohne Pflug los? 20 Wichtiges Hilfsmittel im Apfelanbau 24 Gebranntes Kind scheut das Feuer

36

BEX – Büro für Existenzsicherung Interview mit Gerhard Kirchhoff Rechtsformen und Hauptgruppen

36 Gut versichert? 39 Wo stehen Sie? Vergleich mit Testbetrieb lohnt sich!

42

LUFA Agraranalytik Tränkwasseruntersuchungen Biogasproduktion Grünfutter

42 Teil 2 von 2: Organische Parameter 44 Nur wer sich auskennt, kann Vollgas geben 47 Wissen, was drin ist

50

BIS – Büro für Immissionsschutz Änderung des Baugesetzbuches

50 Beschränkung der gewerblichen Tierhaltung

LFB Landwirtschaftliches Fachrecht & Beratung Böden – ein knappes Gut

52 Bodenschadverdichtung erkennen und vermeiden

Veranstaltungen Workshop

58 58 Zweiter LMS-Workshop zur Milchproduktion

59

Extras Untersuchungsauftrag Untersuchungsauftrag Fristen und Termine Publikation Impressum

52

59 61 63 63 64

Grund- und Einzelfutter Fermenterinhalt und Gärsubstrat Fristen Juni bis September 2012 Milchkuhfütterung

Das Blatt

03


Agrarberatung

Planungsrechnung als Entscheidungsgrundlage

Die Zukunft nicht dem Zufall überlassen Dr. Stefan Weber, Johannes Ullrich und Dr. Jörg Brüggemann

Die Landwirtschaft unterliegt in Deutschland einem anhaltend starken Strukturwandel. Diesem müssen sich die landwirtschaftlichen Betriebe bestmöglich anpassen und sich dabei für eine optimale Betriebsentwicklung entscheiden. Dazu sind Planungsrechnungen zwingend notwendig, um auf einer möglichst realistischen Grundlage die weitere Entwicklung zu planen und treffsichere Entscheidungen abzuleiten.

In Abbildung 1 sind die Begriffe und das Grundschema der Betriebszweigauswertung, erweitert um die zentralen Begriffe der Planungsrechnung, dargestellt. Dort geht es in entschei-

04

Das Blatt

dungsorientierten Kalkulationen immer um folgende Fragen: Welche Leistungen und Kosten sind im Planungszeitraum variabel? Welche Leistungen und vor allem Kosten sind dagegen fix und ändern sich definitionsgemäß nicht?

Fix oder variabel? Ganz entscheidend ist in diesen Zusammenhang die Länge des Planungszeitraums und die Planungsaufgabe selbst. Langfristig sind alle Kosten variabel. Kurzfristig sind in der Regel die Rechtekosten, die Gebäude-

Direktkosten

Leistung

Planungsrechnungen basieren auf Annahmen über zu erwartende Mengen, Preise und Kosten. Zwischen den Ergebnissen einer Betriebszweigauswertung und den Ansätzen einer Planungsrechnung kann zunächst kein direkter rechnerischer Zusammenhang bestehen. Gleichwohl liefert jede betriebsindividuelle Betriebszweigauswertung (BZA) wertvolle Informationen und Grundlagen für die Durchführung betrieblicher Planungsrechnungen.

Direktkostenfreie Leistung DKFL

Variable Arbeitserledigungskosten

Variable Kosten Arbeitserledigungskosten

Fixe Arbeitserledigungskosten

Fixe Kosten

Rechtekosten Gebäudekosten

Deckungsbeitrag

Direkt- und arbeitserledigungsfreie Leistung

Flächenkosten Allgemeine Kosten Kalkulatorisches Betriebszweigergebnis

Abb. 1: Begriffe der BZA und Planungsrechnung Quelle: Arbeiten der DLG / Band 197: „Die neue Betriebszweigabrechnung“


Agrarberatung

kosten, und wesentliche Teile der Allgemeinen Kosten sowie der Arbeitserledigungskosten als fix zu betrachten. Variabel sind in der Regel alle Direktkosten und je nach Fragestellung unterschiedliche Anteile der Arbeitserledigungskosten. Der Deckungsbeitrag entscheidet Zentraler Begriff der Planungsrechnung ist der Deckungsbeitrag. Er ergibt sich aus Differenz variabler Kosten, die für die Zukunft (den Planungszeitraum) erwartet werden. Der Deckungsbeitrag gibt an, welchen Beitrag ein Produkt zur Deckung der Fixkosten leisten kann. Die Kalkulationsgröße kann ein sorgfältiger abwägender Landwirt/Berater über eine Vollkostenrechnung ableiten, indem er als Ausgangswert rechnerisch einen Deckungsbeitrag aus der Direktkostenfreien Leistung und den variablen Komponenten der Arbeitserledigungskosten ermittelt. Zu bedenken ist, dass in den übrigen

Kostengruppen einzelne, in der Regel aber kleinere Positionen enthalten sein können, die je nach Planungsfall oder Frage durchaus unterschiedlich zugeordnet werden können. Über den Deckungsbeitrag hinaus sollten der Vollständigkeit halber die jeweiligen Faktoransprüche für die jeweilige Fragestellung individuell benannt und mit möglichen Nutzungskosten bewertet werden. Wichtige Fragestellungen Für die weiteren Planungsrechnungen oder Fragestellungen bleibt noch zu prüfen, ob es Leistungselemente gibt, die nicht variabel sind und Direktkosten, die im Planungszeitraum fix sind. Welche Kosten in den übrigen Kostengruppen sind variabel und ändern sich die variablen Kosten proportional, disproportional oder sprunghaft? Wichtig ist auch die Einschätzung, wie sich Menge und Preise in der Zukunft ändern.

Was gehört noch dazu? Wenn innerbetriebliche Leistungen/ Lieferungen für andere Betriebszweige erbracht werden, sind diese ebenfalls neutral anzugeben und mit Ersatzwerten oder Verkaufspreisen zu bewerten. Bei Planungsrechnungen ist zusätzlich immer auch zu prüfen, ob sich Kosten aus den übrigen Kostengruppen verändern und zu Berechnung der kalkulatorischen Gewinnänderung berücksichtigt werden müssen. Zusätzlich können Fruchtfolgerestriktionen und Lieferrechte berücksichtigt werden. Die beste Basis Planungsrechnungen müssen auf der Grundlage aussagekräftiger, möglichst genauer Ergebnisse, Annahmen und Preise getroffen werden. Im besten Fall eignen sich hierzu die entsprechenden Ergebnisse aus der betriebsindividuellen Betriebszweigauswertung. Im Nachfolgenden sollen hierfür zu einigen wichtigen Produktionszweigen auf der Grundlage

Das Blatt

05


Agrarberatung

Kennwert Marktleistung

gesamt ct/kg ECM € / Kuh

25 % erf. ct/kg ECM € / Kuh

33,52

2.905

34,51

2.951

Tierverkauf

3,53

306

4,34

371

Bestandsveränderungen

0,23

20

-0,08

-7

Summe Leistungen

38,81

3.364

40,66

3.478

Tierzukauf

0,96

83

1,34

115

Kraftfutter

8,57

743

7,66

655

Grobfutter

8,44

731

7,96

681

Tierarzt, Medik., Klauenpflege

1,59

138

1,80

154

Besamung, Sperma

0,61

53

0,63

54

Wasser, Abwasser, Strom

1,29

112

1,23

105

sonst. Direktkosten

1,33

115

1,31

112

Summe Direktkosten

23,06

1.998

22,30

1.907

Direktkostenfreie Leistung

15,75

1.365

18,36

1.570

Personalkosten

6,72

582

6,43

550

Maschinen Innentechnik

3,37

292

3,05

260

Arbeitserledigungskosten

10,15

880

9,55

816

Deckungsbeitrag

5,60

486

8,81

754

Tab. 1: Ergebnisse zur Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion mit abgeleiteten Deckungsbeiträgen in ct/kg ECM und €/Kuh

von BZA-Ergebnissen der LMS einige Ergebnisse verschiedener Produktionszweige abgeleitet werden. Deckungsbeiträge in der Milchproduktion In Tabelle 1 sind BZA-Ergebnisse zur Milchproduktion dargestellt. Die Ergebnisse sind differenziert nach unterschiedlich wirtschaftlichem Erfolg, rangiert nach dem Saldo in ct/kg ECM und basieren auf dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr. Nach der direktkostenfreien Leistung werden bis zur Darstellung des Deckungsbeitrages die bedingt variablen Kostenstellen abgezogen. Hierunter zählen die Personalkosten und die Kosten der

06

Das Blatt

Innenmechanisierung, die in Summe die Arbeitserledigungskosten beschreiben. Der Gesamtstichprobe liegen insgesamt 103 Betriebe mit einer durchschnittliche Herdengröße von 354 Milchkühen je Betrieb zugrunde. Im Mittel erzielten die Betriebe einen Deckungsbeitrag von 5,6 ct/kg ECM wobei die erfolgreichsten Betriebe Deckungsbeiträge von über 10 ct/kg ECM erzielten. Deckungsbeiträge im Marktfruchtbau In Tabelle 2 sind die entsprechenden Ergebnisse zu den wesentlichen Marktfrüchten Winter-Weizen, -Gerste und -Raps dargestellt. Hierbei

handelt es sich um die erzielten Mittelwerte bzw. um die Ergebnisse der 25 % erfolgreichsten Flächen aus der zurückliegenden Ernte. Wie auch zu anderen Produktionszweigen werden die entkoppelten Zahlungsansprüche nicht in den Leistungen berücksichtigt. Die Fruchtarten- und Ertragsabhängigen Direktkosten werden berücksichtigt, des Weiteren werden die Arbeitserledigungskosten zur Kalkulation des Deckungsbeitrages von der Direktkostenfreien Leistung abgezogen. Abhängig von der Fragestellung ist festzulegen, welche Arbeitserledigungskosten in Ansatz gebracht werden. Die Arbeitserledigungskosten werden bei Druschfrüchten nicht nach Fruchtarten getrennt erfasst. Zu berücksichtigen ist bei diesen Daten natürlich, dass bei den Personalkosten ein oftmals nicht unerheblicher Anteil der Leitung und Verwaltung zuzuordnen ist und bei Planungen unberücksichtigt bleiben könnte. Dieser Fakt der in den Personalkosten enthaltenen Overheadkosten trifft natürlich auf alle anderen Produktionszweige auch zu. Deckungsbeiträge in der Schweineproduktion Analog zur Betrachtung von Milchproduktion und Marktfruchtbau werden in Tabelle 3 die Deckungsbeiträge der Ferkelerzeugung und Schweinemast auf der Grundlage der LMSBetriebszweigauswertungen dargestellt. Wegen des besonders volatilen Marktgeschehens im Schweinesektor beziehen sich die Auswertungen nicht auf das letze Wirtschaftsjahr, sondern auf den Durchschnitt der letzen drei Auswertungszeiträume. In der Ferkelerzeugung wurden im Mittel der letzten drei Jahre 46 Be-


Agrarberatung

triebe mit einer durchschnittlichen Herdengröße von 849 Sauen je Betrieb ausgewertet. Erzielt wurde dabei ein Deckungsbeitrag von 173 € je Sau, wobei die erfolgreichsten Betriebe Deckungsbeiträge von über 265 € je Sau realisierten. In der Schweinemast konnten in den letzten drei Jahren 50 Betriebe mit durchschnittlich 11.632 verkauften Mastschweinen im Jahr in die Auswertung einbezogen werden. Der realisierte mittlere Deckungsbeitrag lag bei gerade einmal 1,14 €/verkauftes Mastschwein (MS), wobei die erfolgreicheren Betriebe mit 11,60 €/ verkauftes Mastschwein ein erheblich besseres Ergebnis erzielt haben. Fazit Abschließend bleibt nach diesem auszugsweisen Überblick festzuhalten, dass Deckungsbeiträge sehr wichtig sind, um mit einer möglichst verlässlichen und realistischen Planungsgrundlage betriebsindividuelle Entscheidungen treffen zu können. An den dargestellten Praxisdaten zeigt sich deutlich, wovon die Deckungsbeitragsrechnung abhängt und dass je nach Fragestellung die unterschiedlichen Kosten auch sehr differenziert betrachtet und bewertet werden müssen. Kontakt: Dr. Stefan Weber Telefon:

0381 877133-80

E-Mail: sweber@lms-beratung.de Johannes Ullrich Telefon:

0381 877133-80

E-Mail: jullrich@lms-beratung.de Dr. Jörg Brüggemann Telefon:

0385 39532-0

E-Mail: jbrueggemann@lms

beratung.de

W.-Weizen ges. 25% erf.

W.-Gerste ges. 25% erf.

Nettoertrag (dt/ha)

68,6

82,4

58,1

72,8

27

37,5

Grundpreis (€/dt)

18,4

19,47

17,58

18,27

41,61

43,33

Marktleistung

1.262

1.605

1.021

1.331

1.122

1.625

Summe Leistungen

1.262

1.605

1.021

1.331

1.123

1.627

Saatgut

66

60

64

60

67

62

Pflanzenschutzmittel

140

135

116

116

185

183

Dünger

217

186

201

208

255

247

sonst. Direktkosten

31

18

14

9

21

24

Summe Direktkosten

454

399

395

393

528

516

Direktkostenfreie Leistung

808

1.206

625

938

595

1.111

Personalkosten

193

171

193

171

193

171

Maschinen

361

348

361

348

361

348

Arbeiterledigungskosten

554

519

554

519

554

519

Deckungsbeitrag

254

687

71

419

41

592

Kennwert

W.-Raps ges. 25% erf.

Tab. 2: Ergebnisse zur Wirtschaftlichkeit des Marktfruchtbaus mit abgeleiteten Deckungsbeiträgen in €/ha

gesamt € / Sau

25 % erf. € / Sau

gesamt € / MS

25 % erf. € / MS

1.402

1.420

128,71

130,42

11

11

0,73

0,45

1.414

1.432

129,88

131,06

Tierzukauf

65

38

57,70

54,28

Futter gesamt

654

612

51,01

47,61

Tierarzt, Medikamente

131

133

1,67

1,98

Besamung, Sperma

21

20

0,12

0,08

Wasser, Energie

91

80

2,71

2,54

sonst. Direktkosten

11

11

0,61

0,58

1.004

924

114,15

107,38

Direktkostenfreie Leistung

399

496

14,56

23,04

Personalkosten

170

167

7,00

5,97

Maschinen

56

66

6,42

5,47

Arbeiterledigungskosten

226

231

13,42

11,44

Deckungsbeitrag

173

265

1,14

11,60

Kennwert Marktleistung Bestandsveränderung Summe Leistungen

Summe Direktkosten

Tab. 3: Ergebnisse zur Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung mit abgeleiteten Deckungsbeiträgen in €/Sau und €/Mastschwein (MS)

Das Blatt

07


Tierhaltung

BZA-Ergebnisse und Tag der Betriebswirtschaft

Mutterkuhhaltung auf dem Pr端fstand Dr. Stefan Weber

8

Das Blatt


Tierhaltung

Zum Tag der Betriebswirtschaft hatte die LMS Agrarberatung für den 27. März nach Born auf dem Darß eingeladen. 45 Gäste, darunter die Mitglieder des Arbeitskreises Mutterkuhhaltung der LMS, trafen sich auf dem gastgebenden Betrieb Gut Darß GmbH & Co. KG. Bevor der Geschäftsführer Marc Fiege den diversifizierten Betrieb im Gesamtverbund vorstellte, auf die nicht unerheblichen Herausforderungen hinwies und zu einem gemeinsamen und beeindruckenden Betriebsrundgang einlud, wurden Vorträge gehalten. Dr. Kai-Uwe Kachel vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz erläuterte in seinem Referat agrarpolitische Rahmenbedingungen und gab Analysen und Ausblick für die Mutterkuhhaltung in MV. Im Wesentlichen umriss er die Agrarumweltprogramme in 2012 und die GAP nach 2013. Die hohe Bedeutung der agrarpolitischen Förderkulisse in MV wurde dargestellt, aber auch kritische Anmerkungen zu den einzelnen Maßnahmen getroffen. Mit den anwesenden Betriebsleitern wurden Erfahrungen ausgetauscht und intensiv diskutiert. Seitens der Betriebe wurde aus nachvollziehbaren Gründen auf verschiedene Probleme hingewiesen, die in letzter Zeit eine zunehmende Belastungen darstellen. Besonders hervorgehoben wurden der zunehmend hohe Verwaltungsaufwand, die zunehmend starke Ökologisierung sowie der erhebliche Flächenverlust für Ausgleichsflächen von Renaturierungsmaßnahmen. Darüber hinaus werden sich die Prämienvolumina vieler Betriebe bis 2013 und möglicherweise auch danach deutlich reduzieren. Rechtzeitige Überlegungen sind notwen-

dig, wie dem Dauergrünland als landwirtschaftlich genutzte Fläche ausreichend Rechnung getragen werden kann. Bestmögliche Herdenführung Dr. Jörg Martin von der LFA diskutierte im Anschluss an seinen Vortrag „Aspekte zur Verbesserungen von Fruchtbarkeitsleistungen und Reduzierung der Tierverluste“ mit den Gästen. Verschiedene Möglichkeiten wurden angesprochen, wie die Herdenführung bei unterschiedlichen Versorgungsansprüchen an den Vegetationsverlauf und Pflanzenwuchs bestmöglich angepasst werden kann. Darüber hinaus wurden auch züchterische Aspekte vorgestellt und diskutiert, die hinsichtlich entsprechender Reserven oftmals noch nicht genügend beachtet werden. Mutterkuhhaltung als Produktionszweig: BZA-Ergebnisse 2011 Die auf der Vortragsveranstaltung in Born von Dr. Stefan Weber vorgetragenen Ergebnisse zur BZA Mutterkuhhaltung 2011 werden nachfolgend wiedergegeben. In die Berechnung der Vergleichsgruppenergebnisse wurden 19 Betriebe einbezogen, hiervon sind 14 Betriebe der Rechtsform einer juristischen Person zuzuordnen, 5 Betriebe wirtschaften in der Rechtsform einer natürlichen Person. 13 Betriebe haben sich auf die Absetzerproduktion spezialisiert, die anderen betreiben darüber hinaus in unterschiedlichster Form und Intensität eine zusätzliche Mast. Alle Betriebe, die an der

Stallanlage Gut Darß in Born

Besucher bei den Stallanlagen

Besucher und ein Futtermischwagen

Auf Gut Darß eingesetzte Schlepper Fotos: Dr. Roland Redmann

Das Blatt

9


Tierhaltung

2000

1500

1000

1508

1624

1508 1226

1208 801

1224

748

500

-300

2006

-282

-400

2007 Marktleistung

1088

786

-500 -1000

1305

1165

722

2008

Gesamtleistung

Produktionskosten

1737

1640

1613

954

775

-448

-432

-553

2009

2010

2011

Saldo

Abb. 1: Verlauf von Leistungen und Kosten der Mutterkuhhaltung 2006 bis 2011.

Auswertung teilnahmen, erhielten umfassendes Auswertungsmaterial.

Kennwert

Flächen- und Viehbestände Insgesamt konnten bei einem durchschnittlichen Bestand von 572 Mutterkühen je Betrieb 10.868 Kühe in der Auswertung berücksichtigt werden. Die Betriebe verfügten über einen Rinderbestand von durchschnittlich 954 Großvieheinheiten, die mittlere Ausstattung mit Hauptfutterfläche (HFF) lag bei 1.078 ha. Es wurden durchschnittlich 1,57 GV/ Mutterkuh gehalten, der Besatz lag bei 0,90 GV/ha HFF. Der mittlere Flächenanspruch entsprach 1,86 ha HFF/Mutterkuh. Im Durchschnitt wurden 208 kg Schlachtgewicht (SG)/MuKu bzw. 117 kg SG /ha HFF erzeugt. Als Zielwerte sollten über 250 kg SG/MuKu und über 160 kg SG/ha HFF angestrebt werden. Um höhere Werte zu erreichen, ist es jedoch notwendig, im Bereich der Kennwerte zur Abkalberate, Tierverlusten, Reproduktionsraten, Tageszunahmen sowie vielen anderen Produktionsparametern und den Vermarktungsbedingungen überdurchschnittliche Resultate anzustreben.

€/MuKu

€/GV

€/ha HFF

€/kg SG

Divisor

572

946

1.078

142.854

Marktleistung

954

605

538

3,83

öffentliche Direktzahlungen (gekoppelt)

328

204

183

1,42

Summe Leistungen

1.305

826

747

5,45

Tierzukauf

92

62

54

0,35

Futterkosten Zukauf

95

59

48

0,34

Grobfutter

762

486

432

3,32

Futterkosten gesamt

858

545

480

3,65

Tierarzt, Medikamente, Klauenpflege

35

22

21

0,16

Einstreu (Stroh, etc.)

19

12

6

0,04

sonst. Direktkosten

27

17

14

0,12

1.065

680

593

4,45

Direktkostenfreie Leistung

240

146

153

1,00

Personalkosten

214

137

115

0,88

Lohnarbeit, Miete, Leasing

23

15

13

0,10

Arbeitserledigungskosten

436

301

248

1,94

Gebäudekosten

62

41

35

0,27

Sonstige Kosten

129

79

71

0,56

Summe Gemeinkosten

672

421

354

2,76

Produktionskosten

1.737

1.101

948

7,21

Saldo

-432

-274

-201

-1,76

Direktkosten

Tab. 1: Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung in Mecklenburg-Vorpommern

10

Das Blatt


Tierhaltung

Produktionskosten leider Spitze In Abbildung 1 ist der Verlauf von Leistungen und Kosten im Zeitverlauf von 2006 bis 2011 dargestellt. Deutlich wird der enorme Anstieg der Produktionskosten um 229 € je Mutterkuh (15,2 %) in 6 Jahren. Diese Steigerung ist im Wesentlichen den gestiegenen Betriebsmittelund Flächenkosten zuzuschreiben. Erfreulicherweise haben sich nach dem langanhaltend negativen Trend im letzten Jahr die Leistungen erstmalig wieder positiv entwickelt, aber lediglich auf dem Niveau der konventionellen Rindfleischpreise. Von notwendigen kostendeckenden Preisen für ökologisch erzeugtes Rindfleisch ist der Markt derzeit weit entfernt. Darüber hinaus ist die Differenz zwischen Marktleistung und Gesamtleistung sehr auffällig, die sich aus den gekoppelten Prämien zusammensetzt. Diese gekoppelten Prämien entsprechen etwa 26 % der Gesamtleistung und setzen sich aus der Ökoprämie, der Ausgleichszulage, der naturschutzgerechten Grünlandbewirtschaftung und der artgerechten Tierhaltung zusammen. Diese Prämien sind nach wie vor an die Produktion gekoppelt und demzufolge als Bestandteil der produktgebundenen Leistungen verbucht.

gekoppelten öffentlichen Direktzahlungen zu durchschnittlichen Gesamtleistungen von 1.305 EUR/ Mutterkuh. Die Direktkosten, von denen der weitaus größere Anteil auf die Futterkosten fällt, lagen bei durchschnittlich 858 EUR/Mutterkuh und machen etwa 50 Prozent der gesamten Produktionskosten aus.

Marktleistung und Gesamtleistung In den Tabellen 1 und 2 sind die Produktionskennziffern sowie Finanzkennzahlen über alle ausgewerteten Betriebe ausgewiesen. Während die durchschnittlichen Marktleistungen bei 954 EUR/Mutterkuh lagen, variierten die Marktleistungen zwischen den ausgewerteten Betrieben erheblich. Neben den Marktleistungen führen die nach wie vor

Nur etwa 3/4 der Kosten gedeckt Die Direktkosten lagen bei durchschnittlich 1.065 EUR/Mutterkuh, sie variierten in Abhängigkeit von der Produktionsausrichtung und -intensität von unter 700 bis über 1.500 EUR. Von den Gemeinkosten entfiel der weitaus größere Anteil mit durchschnittlich 436 EUR/Kuh auf die Arbeitserledigungskosten. Bei durchschnittlichen Produktionskosten von 1.737 EUR/Kuh lag der

Kennwert

Mutterkühe

Einheit

2008

2009

2010

2011 Mittelwert

erf. wirt. Betriebe

Anz.

649

707

526

572

537

ha HFF/MuKu

1,76

1,56

1,65

1,86

1,72

GV/MuKu

1,58

1,56

1,54

1,57

1,54

Anz.

1.040

1.155

850

946

932

ha HFF/GV

1,12

1,01

1,08

1,19

1,13

verk. Tiere/MuKu

0,90

0,91

0,94

0,92

0,94

%

16,7

19,6

19,7

19,6

19,2

Tierverluste

% zu DB ges.

4,2

5,2

4,0

4,9

5,1

Kuhverluste

% zu DB ges.

2,1

2,8

2,7

2,4

1,7

Aufzuchtverluste

%

9,0

8,9

6,1

7,7

7,0

Totgeburten

%

4,1

4,7

6,1

4,9

5,5

Kälberverluste ges.

%

13,0

13,6

12,3

14,7

16,7

Kostendeckung

%

75,9

71,8

67,4

75,1

85,5

Großvieheinheiten

Produktionsproduktivität Bereinigte Repro-Rate

Tab. 2: Übersicht von Produktionskennwerten in der Mutterkuhhaltung

Saldo bei -432 EUR/Kuh, das entspricht einer Kostendeckung von lediglich 75,1 %. Keiner der ausgewerteten Betriebe erzielte eine vollständige Kostendeckung. Wird neben den Kosten auch noch die Faktorentlohnung des eingebrachten Kapitals mit 4 Prozent berücksichtigt, so lag das kalkulatorische Betriebszweigergebnis bei -607 EUR/ Mutterkuh. Die Prämienabhängigkeit dieses Produktionszweiges ist sehr groß, eine wirtschaftliche Produktion ohne die eigentlich entkoppelten Zahlungsansprüche ist unter diesen Bedingungen für Betriebe im Haupterwerb nicht möglich. Kontakt: Dr. Stefan Weber Telefon: 0381 877133-80 Handy:

0162 1388103

E-Mail: sweber@lmsberatung.de

Das Blatt

11


Tierhaltung

Die Umsetzung des QS-Systems in der Rinderproduktion

QS-Rindfleisch: Mehr Sicherheit für die Vermarktung Dr. Jörg Brüggemann – LMS Agrarberatung und Dr. Ulrich Kesting – LKV MV

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Das Blatt


Tierhaltung

Seit etwa zwei Jahren ist die Nachfrage nach QS-zertifiziertem Rindfleisch durch den Handel stark angestiegen. Aufgrund dieser Nachfrage hat sich die Anzahl der nach den QS-Anforderungen auditierten Betriebe deutschlandweit auf 30.500 Betriebe erhöht. Was ist für die Betriebe bei der Umsetzung des QS-Systems zu beachten? Nach wie vor ist es so, dass Milchviehbetriebe, die nach dem System QM-Milch zertifiziert sind, ihre Schlachtkühe unter bestimmten Bedingungen auch in das QSSystem vermarkten können. Somit kommen weitere 29.500 Betriebe deutschlandweit hinzu. Mit diesen 60.000 lieferberechtigten Betrieben geht die QS-Gesellschaft von einer Marktdurchdringung von ca. 60 % aus. Damit nähert sich auch der Bereich der Rindfleischproduktion dem Schweinesektor an, wo eine Produktvermarktung ohne QS-Zertifikat kaum noch möglich wird. Um den Entwicklungsprozess weiter voranzutreiben, werden von einigen Schlachthöfen weiterhin Zuschläge für QS-zertifizierte Tiere gezahlt. Insbesondere sollen die Milchproduzenten motiviert werden, ihren gesamten Produktionsbereich nicht nur nach QM-Milch, sondern nach dem QS-Standard zertifizieren zu lassen. Deshalb werden hier neben den Zuschlägen für Kälber, Färsen und Bullen auch Extra-Zuschläge für die Schlachtkühe gezahlt. Somit bietet die Teilnahme am QS-System allen Rinderhaltern, auch den Milchbauern, gegenwärtig noch einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Entwicklung etwas zurückhaltender. Hier sind aktuell 142 rinderhaltende Unternehmen in das QS-System lieferberechtigt, dazu 507 Betriebe über QM-Milch. Absatzsicherheit durch QS Das QS-System ist ein stufenübergreifendes Prüfsystem, das Kriterien für

die Erzeugung, Weiterverarbeitung und den Handel von Lebensmitteln festlegt und diese neutral kontrolliert. Um Transparenz, Durchgängigkeit und Rückverfolgbarkeit des Systems zu gewährleisten, schreibt das System jedem Teilnehmer neben der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen feste Kriterien vor. Auch für die Landwirtschaft und den Tiertransport gelten im QS-System eigene Vorgaben, die regelmäßig überprüft werden. Von besonderem Vorteil für den teilnehmenden Landwirt ist, dass QS die Einhaltung und Dokumentation aller gesetzlichen Vorgaben gewährleistet und somit auch die Cross-Compliance-Anforderungen sichert. Zudem steht QS für Absatzsicherheit, indem sämtliche Marktanforderungen erfüllt werden. Landwirtschaftliche Betriebe und Tiertransporteure, die am QS-System teilnehmen möchten, müssen sich über einen QS-Bündler im QSSystem anmelden. In MecklenburgVorpommern nimmt die LMS Landwirtschaftsberatung diese Funktion für alle landwirtschaftlichen Produktionsbereiche war. Teilnahme am QS-System erleichtert Im Rahmen der QS-Bündelung bietet die LMS speziell für die rinderhaltenden Betriebe zahlreiche vermarktungsunabhängige Dienstleistungen an. Dazu gehört die Anmeldung und Registrierung landwirtschaftlicher Betriebe und Tiertransportunternehmen in das QS-System genauso,

Blick in einen QS-geprüften Milchviehstall Foto: Marion Buck

wie die Beauftragung der neutralen QS-Kontrollen, die Überwachung der Prüftermine und die Organisation des QS-Futtermittelmonitorings. Neben telefonischen und, nach Absprache, auch Vor-Ort-Beratungen wird ein regelmäßiger Info-Dienst zu landwirtschaftlichen Themen im QS-System angeboten und das QS-Informationsund Ablagesystem bereit gestellt. Anmeldung QS bei der LMS Die Anmeldung in das QS-System erfolgt durch Abgabe einer vollständig ausgefüllten QS-Teilnahme- und Vollmachtserklärung bei der LMS Agrarberatung. Die erforderlichen QS-Anmeldeunterlagen können auf unserer Homepage www.lms-beratung.de unter Beratungsangebote / Qualitätssicherungssysteme eingesehen und ausgedruckt werden. Auch eine telefonische Anforderung ist möglich (siehe Seite 14 unten).

Das Blatt

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Tierhaltung

Nach Anmeldung Ihres Betriebes werden Ihre Betriebsdaten von der LMS in der QS-Datenbank erfasst und im weiteren Schritt an eine akkreditierte neutrale Kontrollstelle weitergeleitet. Hier arbeiten wir mit dem TVL Thüringen zusammen, der spezielle Auditoren beim LKV in Güstrow integriert hat. Der für Ihren Betrieb zuständige Kontrolleur wird sich mit Ihnen zwecks Vereinbarung eines Audittermins telefonisch in Verbindung setzen. Den Termin stimmen Sie also selber mit dem Kontrolleur ab. Aktuelle QS-Kriterien Eine genaue Beschreibung aller im QS-System einzuhaltenden Kriterien finden Sie in den aktuellen QS-Leitfäden. Beachten Sie bitte, dass einige Kriterien bei Nicht-Erfüllung zur Nicht-Zulassung führen. Diese sind in den Leitfäden mit „KO“ gekennzeichnet. Hinweise zur Kontrolle Prüfen Sie alle notwendigen Unterlagen und Dokumente auf Vollständigkeit! Führen Sie vor dem Kontroll termin eine Eigenkontrolle durch! Überprüfen Sie besonders kritisch die sogenannten KO-Kriterien! Halten Sie die Unterlagen zur Kontrolle griffbereit!

Wenn die Kontrolle gut gelaufen ist und Sie den QS-Standard I erreicht haben, dann steht die nächste Kontrolle erst wieder in drei Jahren an. Nach der abschließenden Freischaltung in der QS-Datenbank sind Sie berechtigt, die nächsten Schlachttiere als QS-Ware zu vermarkten.

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Das Blatt

Auditerfahrungen bei bei QS-Prüfungen QS-Auditierungen werden in den Betrieben Mecklenburg-Vorpommerns durch Mitarbeiter des LKV bereits seit 8 Jahren durchgeführt. Der anfänglichen Skepsis und Distanz zur QS-Kontrolle wich die Erkenntnis, dass die Auditierung sehr schnell und objektiv Schwachstellen im Produktionsablauf aufdeckt. Diese Tatsache macht das QS-System aber nicht allein attraktiv, sondern auch die aktuell noch praktizierte Mehrvergütung einiger Schlachthöfe und Viehhändler zwischen 2 und 5 Cent! Welche Schlussfolgerungen ergeben sich für die zu auditierenden Betriebe aus Sicht der Auditoren? Die wohl wichtigste Vorbereitung auf die QS-Prüfung ist die Eigenkontrolle. Anhand von Checklisten können schon im Vorfeld „dünne“ Stellen erkannt werden. Das hilft Fehlerquellen zu beseitigen, über betriebsspezifische Lösungen nachzudenken und langfristig zu konzipieren. Da das Gros der Kontrollpunkte gesetzliche Vorgaben sind, kann der Schwerpunkt auf die Verbesserung der Produktionssicherheit gelegt werden. Fragen Sie sich daher, wo Ihre Störstellen liegen (täglich, wöchentlich, monatlich, jahreszeitlich) und ob Ihr Havariekonzept wasserdicht ist. Denken Sie auch über Sanierungskonzepte nach. Gut bewährt hat sich die Zusammenarbeit der Betriebe mit den LMS-Beratern. Sie stehen für Fragen zum Ablauf der Kontrolle und der zu erfüllenden Kontrollkriterien gerne zur Verfügung und senden Ihnen selbstverständlich zur Vorbereitung auf die Kontrolle alle notwendigen Informationen und Unterlagen zu. Themenbezogene Arbeitshilfen, Leit-

fäden, Checklisten und Vordrucke für Dokumentationen sowie ein Ablageregister werden vom QSInformations- und Ablagesystem der LMS bereitgestellt. Qualifizierte LMSBerater mit vielfältigen Erfahrungen aus zahlreichen Audits unterstützen Sie auch gern vor Ort bei der Vorbereitung. Ein gut sortiertes Ablagesystem garantiert nicht nur eine erfolgreiche QS-Kontrolle, sondern minimiert bei staatlichen Kontrollen auch das Auflagerisiko. Je besser Sie vorbereitet sind, desto reibungsloser und zügiger kann die Kontrolle ablaufen. Ihre Ansprechpartner für die Vorbereitung und Organisation der QSZertifizierung sind von der LMS Dr. Jörg Brüggemann und speziell für die Auditierung die QS-Koordinatorin beim LKV Dr. Silke Heinz (0172 899 4955). Auch bei der Umsetzung von Qualitätssicherungssystemen beweist sich die LMS Landwirtschaftsberatung als verlässlicher Partner. Nutzen Sie unsere Möglichkeiten! Zur Anmeldung im QS-System senden Sie bitte die Anmeldeunterlagen per Fax an die Nummer 0385 3953244 oder per Post an die: LMS Agrarberatung Büro Schwerin Waldschulweg 2 19061 Schwerin Kontakt: Dr. Jörg Brüggemann Telefon:

0385 39532-0

Handy:

0162 1388060

E-Mail: jbrueggemann@lms

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Tierhaltung

CD-Rezension

„Fruchtbarkeit richtig managen“ – Kalkulationsprogramm Das Kalkulationsprogramm der DLG AgroFood medien GmbH bietet die Möglichkeit, schnell einen Überblick über Kosten verschiedener Verfahren der Brunstbeobachtung und -synchronisation zu erfassen. Durch die Anwendung „Kosten einer versäumten Brunst“ kann betriebsindividuell der entstehende wirtschaftliche Schaden bei unzureichendem Fruchtbarkeitsmanagement quantifiziert werden. Das Programm lässt sich einfach von der CD laden und muss nicht vorinstalliert werden. Nach dem Start und einer kurzen Information kann man die Stammdaten des Betriebes eingeben. Die Eingabefelder sind gelb gekennzeichnet. Für die Regionen Nord-, Süd- und Ostdeutschland sind auch Standard-Werte für durchschnittliche Betriebe eingetragen. Auf der Seite „Übersicht“ kann die gewünschte Funktion ausgewählt werden. Das Programm bietet die Möglichkeit, verschiedene Brunstbeobachtungsverfahren, die Brunstsynchronisation und die Kosten einer versäumten Brunst zu kalkulieren. Bei allen Berechnungen werden Materialeinsatz, Zeitaufwand (mit verschiedenen Lohnansätzen) und mögliche Erfolgsquote (Brunsterkennungsrate) berücksichtigt. Nach den Berechnungsblättern kann zu jedem Verfahren noch eine kurze Information über Anwendung und benötigte Hilfsmittel aufgerufen werden. Betriebsindividuelle Auswertung? Um für den eigenen Betrieb eine Berechnung durchzuführen, müssen die Betriebskosten (Direktkosten, Arbeitslöhne, Tierarzt etc.) und einige andere Kennzahlen bekannt sein.

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Das Blatt

Bei einer Berechnung mit den vorgegebenen Standard-Werten kann sicher keine Entscheidungsgrundlage für oder gegen ein genutztes Verfahren entstehen. Dieses Ergebnis kann nur als Richtwert angesehen werden. Auch muss die Übereinstimmung mancher angenommenen Kennzahl – wie z.B. der Anteil erkannter Brunsten bei der jeweils angewendeten Methode – hinterfragt werden. Liegt die tatsächliche Brunsterkennungsrate beim berechneten Verfahren unter der angenommenen, sind die tatsächlich entstehenden Kosten des Verfahrens natürlich höher. Nur bei Übereinstimmung mit dem angenommenen Erfolg können auch die ausgewiesenen Kosten als realistisch für das eigene Unternehmen angesehen werden. Die vorgetragenen Brunsterkennungsraten der einzelnen Verfahren können nicht an das eigene Betriebsniveau angepasst werden.

im eigenen Fruchtbarkeitsmanagement. Möglicherweise kann so eine Vorzüglichkeit neuer Verfahren der Brunstbeobachtung oder auch der Brunstsynchronisation gegen die altbewährten Methoden im eigenen Betrieb gesehen werden. Weiterhin werden zusätzliche Kosten aufgedeckt, die sich mit besserer Brunsterkennung möglicherweise verringern. Die Frage, ob mit diesem Wissen solche Reserven auch erschlossen werden können, ist eine andere.

Fruchtbarkeit richtig managen! Kalkulationsprogramm zur Brunstbeobachtung, Brunstsynchronisation und Kostenermittlung einer versäumten Brunst ISBN-Nr.: CD-Fruchtbarkeit, Typ: CD-ROM

Fazit Das Kalkulationsprogramm ist einfach zu bedienen und bietet einem Betriebsleiter oder Herdenmanager, der seine Produktionszahlen bereits gut kennt, bei Berücksichtigung des Erfolges genutzter Verfahren, einen Überblick über die Kostenreserven

Herausgeber: Agrofood Medien GmbH Verlag: DLG-Verlag, Preis: € 14,90 inkl. 19 % MwSt. zzgl. Versandkosten

Rezension: Sabine Melenk-Dexheimer Telefon:

0381 877133-45

E-Mail: smelenkdexheimer@lms

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Pflanzenbau

Ergebnisse der LFA-Versuche „nachhaltige Bodenbearbeitung“ zu Winterweizen

Was ist in MV ohne Pflug los? Dr. Eckhard Lehmann

Die Bodenbearbeitung ist wegen ihrer weitreichenden Einflüsse auf ökologische, pflanzenbauliche und ökonomische Faktoren in der Landbewirtschaftung eine zentrale Maßnahme. Der Verzicht auf regelmäßiges Pflügen hat positive Auswirkungen auf Erosions-, Wasser- und Klimaschutz und kann durch Energieeinsparung Kosten für den landwirtschaftlichen Betrieb senken. Die Bewirtschaftungsweise hat sich im Ackerbau gerade in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Neben einer deutlichen Ausdehnung des Winterweizens und Winterrapses auf sandige, früher nicht für den Anbau dieser Fruchtarten empfohlene Böden, und einem Stoppelweizenanteil von bis zu 30 % wurden Sommergetreide, Körnerleguminosen, Kartoffeln und Zuckerrüben immer weiter verdrängt. Lediglich der Silomais hat wegen seiner Verwendung als Energiepflanze an Anbauumfang zugenommen. Dadurch wird die Zeitspanne der Bodenbearbeitung für die Winterungen immer mehr auf die Monate August und September eingeengt. Leistungsfähige Verfahren zur Erhöhung der Schlagkraft und Reduzierung

der Arbeitserledigungskosten, bodenschonende Werkzeuge zur Verbesserung der physikalischen Bodeneigenschaften und besonders die Vermeidung unproduktiver Wasserverdunstung rücken stärker in den Mittelpunkt der Entscheidungen. Pflug oder pfluglos? Pfluglose Bodenbearbeitungsverfahren werden seit Jahren in Mecklenburg-Vorpommern praktiziert. Die Dauer des Pflugverzichtes ist dabei sehr unterschiedlich. Neben Betrieben, die ihre Flächen nur nach bestimmten Kulturen oder nur in einzelnen Jahren pfluglos bearbeiten, nimmt der Anteil mehrjährig nicht mehr gepflügter Flächen stetig zu. Auswirkungen eines langjährigen Pflugverzichtes

werden dabei sehr unterschiedlich bewertet. Bewertung in praxisrelevanten Fruchtfolgen Nachfolgend werden Aussagen und Empfehlungen aus einem langjährigen stationären Versuch mit zwei Fruchtfolgen am Standort Gülzow und mehrjährigen Untersuchungen auf einem Praxisschlag abgeleitet. Tiefe und flache nichtwendende sowie wechselnde Bodenbearbeitung wird mit regelmäßigem Pflugeinsatz verglichen. Die Untersuchungen sind ausgerichtet auf marktorientierte und praxisrelevante Fruchtfolgen mit hohen Getreide- bzw. Mähdruschfruchtkonzentrationen unter Einbeziehung von Mais- und Zwischenfruchtanbau.

Das Blatt

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Pflanzenbau

Langjährige, gemeinsame Forschungen In Kooperation mit der K+S Kali GmbH begannen ab 2001 intensive Untersuchungen der Dynamik der Grundnährstoffe Phosphor, Kalium und Magnesium sowie des pH-Wertes und des Gehaltes an organischer Substanz. Es stellte sich die Frage, ob der Verzicht auf den Pflug Konsequenzen für die Düngung haben könnte. Die Planung und Anlage eines Praxisversuches erfolgte 2006 mit dem Ziel, die Wirkung verschiedener Bodenbearbeitungsintensitäten auf den Ertrag und die Wirtschaftlichkeit einer Fruchtfolge unter Praxisbedingungen zu untersuchen. Versuchsbedingungen und Versuchsanlage Der Boden der Versuchsflächen ist typisch für die Böden des mecklenburg-vorpommerschen Grundmoränengebietes. An beiden Versuchsorten herrscht ein maritim beeinflusstes Binnentieflandklima vor. Der mittlere Jahresniederschlag in Gülzow (1977-2006) beträgt 559 mm, die mittlere Jahrestemperatur 8,4°C. Nachdem anfänglich auch Triticale, Kleegras und Zuckerrüben zum Anbau gelangten, wurden die Fruchtfolgen angepasst: ab 2000 Fruchtfolge I, intensiver Marktfruchtanbau = Winterraps – Winterweizen – Winterweizen und ab 2003 Fruchtfolge II, Marktfrucht-/ Futterbau = Silomais – Winterweizen – Wintergerste. Die Anlage des Praxisversuches im Betrieb Gut Dummerstorf GmbH erfolgte unter Berücksichtigung

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Das Blatt

Mittelwert, Gülzow 2000-2010

Weizen nach Raps

Prüfglied Pflug tief

Weizen nach Mais

Weizen nach Weizen

Ertrag (rel.) 100

100

100

Grubber tief

100

103

94

Grubber flach

100

104

94

kombiniert Grubber/Pflug

100

103

90

Anzahl der Ergebnisse (n)

7

13

7

GD (a=5%; t; paarweise)

3,4

4,2

12,1

Tab.1: Relativer Weizenertrag nach Vorfrüchten und Bodenbearbeitung, Fruchtfolge-/Bodenbearbeitungsversuch am Standort Gülzow

der betrieblichen und standörtlichen Bedingungen. Aufgrund des Einsatzes von Großtechnik für die Bodenbearbeitung, die Bestandesführung und die Ernte wurde eine Langparzellenanlage mit zweifacher Wiederholung und gleitendem Standard gewählt. Die Fruchtfolge bestand ab Erntejahr 2007 aus Winterweizen – Winterraps – Winterweizen – Silomais – Winterweizen – Winterraps. Die Versuche werden mit einer dem Standort angepassten Intensität geführt.

Fusarium. Eine ähnliche phytosanitäre Situation entsteht bei der pfluglosen Bestellung von Weizen nach Weizen. Die gemessenen Erträge der Grubbervarianten liegen bei Stoppelweizen deutlich unter denen der gepflügten.

Einfluss auf die Erträge Die Auswertung aller Erträge ab 2000 ergab in dem Gülzower Dauerversuch keine gesicherten Unterschiede. Beim Vergleich der beiden Grubber- zur Pflugvariante kann man im Mittel von 58 Ergebnissen von Ertragsgleichheit ausgehen. Lediglich die kombinierte Grubber/ Pflug-Anwendung fiel etwas ab.

Aus den Erträgen des Praxisversuches in Dummerstorf lassen sich vergleichbare Tendenzen zum Parzellenversuch in Gülzow ableiten. Die Fruchtarten Weizen und Raps reagieren auf pfluglose Bodenbearbeitung nicht mit Mindererträgen.

Winterweizen reagierte nach Rapsvorfrucht nicht auf differenzierte Bodenbearbeitung (Tab. 1). Nach Mais wurde ein Ertragsvorteil der pfluglosen Bearbeitung von 3 bis 4 Prozent gegenüber gepflügt gemessen. Zu beachten bleibt jedoch in dieser Konstellation die große Gefahr der Übertragung von

In einer Häufigkeitsanalyse der Jahre 2003 bis 2008 für die Ertragsverteilung im Parzellenversuch Gülzow lagen die konservierenden Bodenbearbeitungsvarianten in 56 Prozent der Fälle über dem Ertrag der Standardvariante Pflug.

Einfluss auf Nährstoffe und Bodenparameter Untersuchungen zur Interaktion der Bodenbearbeitung mit der Tiefe als Einfluss auf die Nährstoffschichtung sowie mögliche signifikante Unterschiede der Jahre, Schläge und Fruchtfolgen des Bodenbearbeitungsversuches Gülzow waren 2008 Gegenstand einer studentischen Arbeit (KERZEL, T. 2009).


Pflanzenbau

Für Phosphor zeigt der Wechselwirkungseffekt keinen signifikanten Einfluss. Unter den gegebenen Bedingungen wird keine Schichtung innerhalb einer Variante deutlich. Bei Kalium ergaben sich signifikante Einflüsse (Abb. 1). Zudem zeichnete sich ein linearer Trend im Untersuchungszeitraum ab. Die Gehalte an Kalium in den Schichten 0 bis 5 cm und 5 bis 15 cm sind deutlich erhöht und in der Schicht 15 bis 30 cm deutlich geringer. Die

K2O [mg 100g1 Boden]

Standortbedingungen führten sowohl eine jährlich tiefe, eine jährlich flache als auch eine Kombination aus pflugloser und Pflugbearbeitung zu Ertragsgleichheit. Dabei reagieren einzelne Fruchtarten differenziert. Winterweizen kann nach Raps und anderen Blattfrüchten problemlos pfluglos bestellt werden. Es deuten sich sogar Ertragsvorteile gegenüber dem regelmäßigen Pflugeinsatz an. Bei Weizen in Selbstfolge hat

Bodenbearbeitung

30

22,6

20 13,7 10

20,7 15,8

11,7 11,4

Pflug 5 cm

16,8

14,2 10,5

Grubber tief 15 cm

9,4

Grubber flach 30 cm

13,3 10,7

Wechsel Grubber / Pflug

Abb. 1: Kaliumgehalt des Bodens (2003 bis 2009), Bodenbearbeitungsversuch am Standort Gülzow

Magnesiumwerte zeigen im Mittel eine Schichtung mit signifikantem Einfluss. Die Wechselwirkung des Effektes ist ähnlich wie beim Kalium, jedoch zeichnet sich im Verlauf von 2003 bis 2009 kein Trend ab. Vergleichbar verhält sich auch der Gehalt an organischer Bodensubstanz. So kommt es bei der pfluglosen Bearbeitung im oberen Bereich zu einer Anreicherung und in der Schicht unter 15 cm Tiefe zu einer jährlichen Abnahme Fazit Langjährig kann davon ausgegangen werden, dass der Verzicht regelmäßigen Pflügens nicht mit Ertragsminderungen verbunden sein muss. Unter den vorhandenen

stanz an der Oberfläche und die Verarmung im unteren Bodenbereich. Auch Magnesium und die Reaktion der Bodenlösung zeigten eine Graduierung. Beim Phosphorgehalt wurde demgegenüber keine Veränderung festgestellt. Bei der Beurteilung müssen die Besonderheiten des Versuches Berücksichtigung finden. Die Ausgangsversorgung mit Nährstoffen war auf dem Standort so hoch, dass nur eine verhaltene Düngung durchgeführt wurde. Ernterückstände verblieben auf der Fläche. Die relativ geringe Niederschlagsmenge am Standort Gülzow bewirkt nur eine geringe Wassersickerung und durch Bioturbation der wühlenden Regenwürmer konnte keine intensive Verlagerung von Nährstoffen und organischer Substanz beobachtet werden.

der Pflug zweifellos Vorteile. Bei pflugloser Stoppelweizenbestellung sollten deshalb gewisse Grundregeln unbedingt beachtet werden. Dazu zählen, dass durch intensive Stoppelbearbeitung eine schnelle Rotte begünstigt wird, die Erntereste in den Boden eingemischt werden, keine Frühsaat erfolgt und geeignete Sorten zum Anbau gelangen. Durch die Bodenbearbeitung kommt es nicht zu einer Veränderung des Gehaltes an Nährstoffen oder der Bodenparameter pHWert und Gehalt an organischer Substanz. Es konnte jedoch eine Schichtung nachgewiesen werden. Auffällig waren die Akkumulation von Kalium und organischer Sub-

Insgesamt lassen die Untersuchungen zur Nährstoffverteilung den Schluss zu, dass bei dauerhaftem Verzicht auf den Pflug Veränderungen der Nährstoffverteilung in der oberen Bodenschicht zu erwarten sind. Für eine objektive Beurteilung des Nährstoffvorrates muss bei der Probenahme zur Bodenuntersuchung unbedingt der gesamte Krumenbereich beprobt werden, da sonst nicht repräsentative Werte ermittelt werden. Ertraglich negative Auswirkungen einer Verringerung der Nährstoffgehalte bzw. einer Veränderung der Bodenparameter in der unteren Bodenschicht wurden nicht festgestellt. Kontakt: Dr. Eckhard Lehmann Landesforschungsanstalt MV Telefon:

03843 789230

E-Mail: e.lehmann@lfa.mvnet.de

Das Blatt

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Pflanzenbau

Blattanalyse

Die Blattanalyse – wichtiges Hilfsmittel für die Düngeoptimierung im Apfelanbau Dr. Rolf Hornig

Die Basis der Düngeempfehlung ist die Bodenuntersuchung. Da aber die Witterung und weitere standort- und kulturspezifische Faktoren wie pH-Wert und Humusgehalt des Bodens, Bodenpflege, Sorten-Unterlagen-Kombination, Fruchtbehang etc. die Aufnahme der Nährstoffe beeinflussen können, gibt auch die Pflanzenanalyse wichtige Hinweise über die Nährstoffversorgung. Im Apfelanbau liegen dazu sehr umfangreiche Erfahrungen mit der Blattanalyse vor. Die Blattanalyse ist kein vollständiger Ersatz für die Bodenuntersuchung, aber gerade bei Dauerkulturen eine wesentliche Ergänzung zur Feststellung des Düngebedarfs. Die Notwendigkeit zur genauen Nährstoffkontrolle im Apfelanbau ergibt sich aufgrund von zahlreichen Einflüssen auf den Fruchtertrag, die Fruchtqualität und zur Vermeidung von Mangel- und Überschusssymptomen. Seit dem Jahr 2003 überprüft die Obstbauberatung der LMS gemeinsam mit der Fa. Lebosol Dünger GmbH, Elmstein, mittels Blattanalysen die Nährstoffversorgung von

20

Das Blatt

Apfelbeständen während der Vegetation. So wird u.a. auch ermittelt, ob in den Apfelanlagen Mecklenburg-Vorpommerns bei bestimmten Nährstoffen (latenter) Mangel oder Überschuss vorliegt, und ob daraus „grobe“ Empfehlungen für die Düngeplanung in den übrigen Obstbaubetrieben des Landes abgeleitet werden können. Material und Methoden Zum Standardprobenahmetermin Ende Juli/Anfang August wurden seit dem Jahr 2003 auf fünf Standorten in Mecklenburg-Vorpommern in ’Jonagold’-Anlagen und in einem ’Seestermüher-Zitronenapfel’-Bestand Blattproben genommen. Es wurden in allen Jahren die gleichen

Bäume beprobt. Die Probenahme erfolgte in halber Kronenhöhe des Baumes aus der Mitte von Langtrieben. Je Probe wurden ca. 100 Blätter entnommen. Alle Bestände befanden sich im Vollertragsalter und hatten eine vergleichbare Behangstärke. Es wurde auf die Makronährstoffe Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K), Magnesium (Mg) und Kalzium (Ca) und auf die Mikronährstoffe Bor (B), Mangan (Mn), Kupfer (Cu), Zink (Zn) und Eisen (Fe) untersucht. Bereiche optimaler Nährstoffversorgung von Apfelbäumen In den Tabellen 1 und 2 werden die nach Angaben aus der Literatur anzustrebenden Blattnährstoffgehalte


Pflanzenbau

Nährstoffe (in Prozent der Trockensubstanz) N

2,20 - 2,60

P

>0,15

K

1,10 - 1,4

Mg

>0,20

Ca

>0,80

Tab. 1: Bereiche optimaler Nährstoffversorgung in Blättern von Apfelbäumen (KLOPP, 2012), Makronährstoffe

in allen Jahren im Optimalbereich. Da Kupferpräparate im Spätherbst und zeitigen Frühjahr mehrfach zur Schorf-, Kragenfäule- und Krebsbekämpfung eingesetzt werden, ist Kupfermangel in Apfelerwerbsanlagen nicht zu erwarten. Dass sich die Versorgung mit Kalzium als scheinbar unproblematisch darstellt, ist der Tatsache geschuldet, dass in den beprobten Anlagen zur vorbeugenden Stippebekämpfung und zur Verbesserung der Lagerfähigkeit regelmäßig

Nährstoffe (in ppm)

Kalzium-Blattdünger gespritzt werden. Nur in den Jahren 2004, 2006 und 2010 wurde jeweils auf einem Standort eine Unterversorgung mit diesem Makroelement festgestellt. Bei den Makroelementen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium sowie bei den Mikroelementen Eisen und Bor wurde in einzelnen Jahren zwar eine Unterversorgung festgestellt, die sich bei genauerer Auswertung aber mit Standort- oder

5

Fe

>60

B

20-70

Mn

60-400

Cu

5-15

Zn

>20

Anzahl Proben

4

Tab. 2: Bereiche optimaler Nährstoffversorgung in Blättern von Apfelbäumen (KLOPP, 2012), Mikronährstoffe

3

2

1

N

Ergebnisse Die Abbildungen 1 und 2 geben Auskunft über die Anzahl Blattproben, bei denen die Analysenwerte für die Makro- und Mikronährstoffe unterhalb des Optimalbereichs (Tabellen 1 und 2) lagen. Nur Kupfer optimal Lediglich die Versorgung mit Kupfer war, mit einer Ausnahme im Jahr 2011,

2003

P 2004

2005

2006

K 2007

2008

2009

Mg 2010

Ca

2011

Abb. 1: Anteil der Blattproben im unterversorgten Bereich, Makronährstoffe

5

4

Anzahl Proben

für eine optimale Nährstoffversorgung von Apfelbäumen wiedergegeben. Aus dem Vergleich der Analysenergebnisse mit den Richtwerten aus der Literatur lassen sich der aktuelle Ernährungszustand der Bäume ablesen und Aussagen darüber treffen, ob Mangel oder Überschuss vorliegt.

3

2

1

Fe 2003

B 2004

2005

2006

Mn 2007

2008

2009

Cu 2010

Zn

2011

Abb. 2: Anteil der Blattproben im unterversorgten Bereich, Mikronährstoffe

Das Blatt

21


Pflanzenbau

ppm Mangan im Blatt 300

240

180

120

60

2003 Standort 1

2005 Standort 2

2007

2009

Standort 3

Standort 4

2011 Standort 5

Abb. 3: Mangangehalt in den Blättern von Apfelbäumen auf 5 Standorten in den Jahren 2003 bis 2011 ppm Zink im Blatt 50

40

30

20

10

2003 Standort 1

2005 Standort 2

2007

2009

Standort 3

Standort 4

2011 Standort 5

Abb. 4: Zinkgehalt in den Blättern von Apfelbäumen auf 5 Standorten in den Jahren 2003 bis 2011

Jahreseffekten erklären lässt. Ein „Landestrend“ kann daraus nicht abgeleitet werden. Mangan & Zink problematisch Wie aus den Abbildungen 1 und 2 weiter hervorgeht, ist offensichtlich die Mangan- und Zinkversorgung auf den obstbaulich genutzten Standorten Mecklenburg-Vorpommerns ein Problem. Beim Mangan waren seit 2005 drei bzw. vier von fünf beprobten Standorten im unterversorgten Bereich. Noch eindeutiger sind die Ergebnisse für das Nährelement Zink. Hier wurde in den Jahren 2006 sowie durchgängig seit 2008

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Das Blatt

hoher Lichtintensität (UV-Strahlung) werden Wuchsstoffe (Auxin) bei Zinkmangel stärker abgebaut. Eine Ursache für die zum Ende des Untersuchungszeitraums gehäuft auftretende Unterversorgung mit Mangan und Zink könnte der eingeschränkte bzw. inzwischen nicht mehr mögliche Einsatz mangan- und zinkhaltiger Schorffungizide (Dithiocarbamate) sein.

in allen beprobten Apfelanlagen ein Mangel festgestellt. In den Abbildungen 3 und 4 werden die Analysenergebnisse für die Mikronährelemente Mangan und Zink noch einmal nach Jahren und Standorten detailliert aufgeschlüsselt. Analysenwerte unterhalb der roten Linie in den Abbildungen sind im Mangelbereich. Allerdings konnte auf keinem Probenahmestandort das klassische Zinkmangelsymptom des gestauchten Wachstums („Rosettenbildung“) beobachtet werden. QUAST (1987) erklärt das mit der geringeren Lichtintensität Norddeutschlands. Bei

Empfehlungen Mangan- und Zinkmangel durch eine Düngung über den Boden zu beseitigen, ist so gut wie unmöglich. Eine wirksame Erhöhung der Manganund Zinkgehalte in der Pflanze lässt sich nur durch gezielte Blattdüngungsmaßnahmen erreichen. Manganhaltige Blattdünger sollten wiederholt (zwei bis vier Mal) in der Phase der stärksten Blattentfaltung gespritzt werden, also vorzugsweise in der Nachblütephase (mit Ausnahme von berostungsanfälligen Sorten) bis zum phänologischen Stadium „Walnussgröße“. Beispiele für manganhaltige Blattdünger sind der Tabelle 3 (siehe nächste Seite) zu entnehmen. Die wiederholte (zwei bis vier Mal) Anwendung zinkhaltiger Blattdünger empfiehlt sich schon zu einem früheren Zeitpunkt ab dem phänologischen Stadium „Rote Knospe“ bis zum „Junifruchtfall“. Tabelle 4 enthält Beispiele für zinkhaltige Blattdünger. Nach QUAST (1986) gibt es vereinzelt Hinweise für einen positiven Zinkeffekt auf das Fruchtgrößenwachstum. Nach der Ernte kann die abermalige Blattdüngung mit Zink für die Regenerierung und Förderung der Winterhärte sinnvoll sein. Für die Ausbringung von Blattdüngern sind Temperaturen unter 20°C und hohe Luftfeuchtigkeit (Abend- oder Mor-


Pflanzenbau

Produkt

Anbieter

Verbindung

Aufwand/ha

Folicin Mn

Jost

Chelat

0,5 kg

Folicin Mn plus flüssig

Jost

Chelat

1,0 l

Lebosol-Mangan500

Lebosol

Mangancarbonat

0,5 l

Lebosol-Mangan-Nitrat235

Lebosol

Mangannitrat

1,0 l

genstunden) ideal. Bei Temperaturen über 25 °C sollte auf Blattdüngemaßnahmen unbedingt verzichtet werden. Darüber hinaus sollten Blattdünger grundsätzlich nicht während der Blüte ausgebracht werden. Literatur

Tab. 3: Beispiele für manganhaltige Blattdünger

KLOPP, K., 2012: Arbeitstagebuch für

Anbieter

Verbindung

Lanxess

Zinkoxid

0,5 l

0,25 l

Ulmer-Verlag, Stuttgart.

Jost

EDTA-Chelat

2,0 l

0,50 l

QUAST, P., 1987: Bericht über die Fach-

Lebosol Zink

Lebosol

Zinkoxid

1,0 l

0,25 l

Librel-Zink

Stähler

EDTA-Chelat

0,50 kg

0,25 kg

Wuxal-Zink

Manna

Org. Zinkchelat

2,0 l

0,50 l

Zinflow 700

Yara

Zinkoxid

1,0 l

0,25 l

Produkt Folanx Zn 40 Folicin Zn

Aufwand/ha NachblüteBereich

das Obstjahr 2012. Esteburg, Obstbau-

Aufwand/ha VorblüteBereich

zentrum Jork. QUAST, P., 1986: Düngung, Bewässerung und Bodenpflege im Obstbau.

tagung „Blattanalyse zur Düngeberatung im Obstbau“. Erwerbsobstbau 29, 75-82 Kontakt: Dr. Rolf Hornig Telefon: 0385 39532-16 Handy:

0162 1388067

E-Mail:

rhornig@lms-beratung.de

Tab. 4: Beispiele für zinkhaltige Blattdünger

Zinkmangel ist in den Apfelanlagen Mecklenburg-Vorpommerns verbreitet. Bereits kurz vor der Blüte sollte ein zinkhaltiger Blattdünger ausgebracht werden. „Weißblühende“ Mostapfelplantage mit der Sorte ‘Renora‘. Foto: Dr. Rolf Hornig

Das Blatt

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Pflanzenbau

Vermarktung 2012 – Vorkontrakte überlegt abschlieSSen

Gebranntes Kind scheut das Feuer Alexander Priestaff

Nach den schwierigen Ernten der letzten zwei Jahre stellt sich vielen Landwirten die Frage, ob der Abschluss von Vorkontrakten weiterhin angesagt ist. Nicht wenige machten die Erfahrung, dass Wetter und Natur die vorab verkauften Chargen sowohl in Menge als auch in Qualität stark einschränkten. Das führte dazu, dass Landwirte die Vereinbarungen mit ihren Handelspartnern zwangsläufig nicht einhalten konnten. Die Diskussionen zwischen Handel und Landwirt verschärften sich. Vokabeln wie „wash out“ oder „Deckungskäufe“ bestimmten die Diskussionen. Die

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genannten Vorfälle sind kein Grund, prinzipiell auf Vorkontrakte zu verzichten. Sie dienen in stark schwankenden Märkten als ein wichtiges Instrument der Preis-


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absicherung. Denn Preisschwankungen bis zu 60 Euro pro Tonne und mehr kann kein Landwirt durch eine optimale Produktion wettmachen. Vorkontrakte? Ja, aber richtig! Landwirte sind gleichberechtigte Handelspartner und sollten auch so auftreten. Vertragsgestaltung ist mehr als nur der Preis. Grundsätzlich sind neben dem Preis alle Vertragsinhalte frei verhandelbar. In Deutschland werden aber fast ausschließlich in allen Kontrakten die Einheitsbeding-

ungen im Deutschen Getreidehandel in Ansatz gebracht, die seit über 90 Jahren in der Agrarwirtschaft Verwendung finden. In den Einheitsbedingungen werden alle wichtigen Punkte wie Erfüllung von Kontrakten (mengen- bzw. qualitätsmäßig), Mengenspielräume, Zahlungsmodalitäten und die Probenahme für Getreide und Ölsaaten geregelt. „Handschlag“ war gestern Daher sollten grundsätzlich alle Verträge und Kontrakte (Bestätigungsschreiben) schriftlich formuliert werden.

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Pflanzenbau

Diese Bestätigungsschreiben sind nach Einheitsbedingungen auch ohne Unterschrift gültig. Das heißt, faxt Ihnen ein Landhändler einen Kontrakt mit einem Wortlaut wie „Wir bestätigen folgenden Abschluss auf Grundlage…“ ist dieser, wird ihm nicht unverzüglich schriftlich widersprochen, gültig. Deshalb sollten alle Kontrakte auf Vertragsinhalte hin geprüft werden. Sinnvoll ist es, Widersprüche immer durch eine Zusendung per Fax mit Faxbestätigung, die als Nachweis dient, zu verschicken.

Mengenspielraum als Kontraktinhalt Der Käufer und der Verkäufer müssen benannt sein und die genaue Menge bzw. ein Mengenspielraum sind festzulegen. Nach den Einheitsbedingungen im deutschen Getreidehandel (EHB) § 25 gibt es eine Regelung für den Mengenspielraum (Circa-Klausel). Wird vor eine Menge der Zusatz „circa“ gesetzt, bedeutet dies einen Mengenspielraum von 5 % der verkauften Menge, das heißt, es können 5 % mehr oder weniger geliefert werden. Von dieser Menge werden 2 % zum Vertragspreis und die übrige Menge zum Tagespreis verrechnet. Das Recht, den

A Feuchte

B

Basis: 14,5 %

Basis: 14,5 %

Basis: 14,5 %

14,6 - 19,5 % > 1:1,3 19,6 - 23,0 % > 1:1,4 ab 23,1 % > 1:1,5

14,6 - 16,0 % > 1:1,2 16,1 - 19,5 % > 1:1,3 19,6 - 22,9 % > 1:1,4 ab 23,0 % > 1:1,5

14,6 - 16,0 % > 1:1,2 16,1 - 19,5 % > 1:1,3 19,6 - 22,9 % > 1:1,4 ab 23,0 % > 1:1,5

ab 14,6 % > 0,450 €/dt ab 15,1 % > 0,774 €/dt ab 15,6 % > 0,954 €/dt ab 16,1 % > 1,134 €/dt ab 16,6 % > 1,314 €/dt

ab 14,6 % > 0,650 €/dt ab 15,1 % > 0,897 €/dt ab 15,6 % > 1,084 €/dt ab 16,1 % > 1,304 €/dt ab 16,6 % > 1,595 €/dt

ab 14,6 % > 0,65 €/dt ab 15,1 % > 0,80 €/dt ab 15,6 % > 0,90 €/dt ab 16,1 % > 1,10 €/dt ab 16,6 % > 1,20 €/dt

> 0,10 % = 1:1 > 2,00 % = 1:2

max. 2,0 % (> 2 % Abzug im Verhältnis 1:1)

max. 5,0 % wird 1:1 abgezogen, ab 5% fallen Reinigungskosten von 0,40 €/dt an

Kornbesatz

max. 5,0 %

max. 5,0 % 5,1 - 8,0 % > 0,40 €/dt 8,1 - 11,0 % > 0,80 €/dt ab 11,0 % > 1,20 €/dt

festgestellter Anteil Kornbesatz > mit 70 % des Kontraktpreises abgerechnet (keine Reinigungskosten)

Fremdgetreide

max. 2,0 %

max. 2,0 %

max. 2,0 %

Mutterkorn

max. 0,05 %

max. 0,01 %

Masseabzug

Trocknungskosten

Schwarzbesatz

Bruchkorn

max. 3,0 %

Schmachtkorn wird mit 70 % gutgeschrieben

Auswuchs

max. 2,0 %

max. 4,0 %

min. 13,0 %

min. 13,0 %

min. 13,0 %

min. 250 s

min. 250 s

min. 250 s

min. 78 kg/hl bei Unterschreitung von max. 2 kg/hl = Abzug von je 1,50 €/kg danach Qualitätsabstufung

Basis: 78 kg/hl min. 76 kg/hl (bei Unterschreitung = Abzug 1:1)

Basis: 77 kg/hl min. 74 kg/hl bei Unterschreitung erfolgt eine mengenmäßige Verrechnung von 1% je angefangenes kg Unterschreitung

Probenahme

0,02 €/dt

0,03 €/dt

0,015 €/dt

Zahlungsziel

21 Tage nach Lieferung

21 Tage nach Lieferung

14 Tage nach Lieferung

Rohprotein Fallzahl

Naturalgewicht

Übersicht 1: Einkaufs- und Abrechnungsbedingungen Ernte 2011 – A-Weizen

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C

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Mengenspielraum zu bestimmen, hat der Verkäufer bei einem Liefergeschäft und der Käufer bei einem Abnahmegeschäft. Deshalb sollte immer auf Lieferung verkauft werden. Ein Mengenspielraum kann auch selbstständig festgelegt werden, z.B. +/-10 Tonnen. Dabei ist immer der Zusatz in Verkäufers Wahl zu verwenden. Genaue Warenbezeichnung Des Weiteren ist eine genaue Bezeichnung der Ware, die Bestandteil des Vertrages ist, festzulegen. Aus Sicht der Landwirtschaft gibt es zwei Möglichkeiten der Risikominimierung in der Vertragsgestaltung von Vorkontrakten, denn kein Landwirt kennt vor der Ernte seine Qualitäten. Entweder der Landwirt verkauft z.B. deutschen Weizen bzw. Weizen aus Mecklenburg-Vorpommern und bepreist alle Qualitäten, z.B. von A-Weizen bis Futterweizen. Oder es besteht die Möglichkeit, den Vertragsgegenstand als beschränkte Gattungsschuld zu regeln, das heißt Beschränkung der Lieferungsverpflichtung auf eine bestimmte Menge einer bestimmten Kulturart/Sorte,

aus einem bestimmten Anbaujahr, von einer bestimmten Anbaufläche bzw. aus der eigenen Ernte. In der Rechtsfolge hat der Verkäufer keine Ersatzbeschaffungsverpflichtung bei Unmöglichkeit der Lieferung. Der Händler hat ggf. Schadensersatzanspruch, wenn Unmöglichkeit verschuldet (z.B. zu wenig Fläche bestellt, Nichtberegnung trotz zumutbarer Beregnungsmöglichkeit). Dieser Schadenersatzanspruch ist ausgeschlossen im Fall höherer Gewalt. Eine Formulierungsmöglichkeit wäre: „Der Landwirt verpflichtet sich zur Lieferung von 100 t Brotweizen der/seiner diesjährigen Ernte.“ (Handlungsempfehlungen Verträge Druschfrüchte BV MV). Einkaufs- und Abrechnungsbedingungen vielfältig Eine genaue Festlegung der Inhaltstoffe und deren Vergütung muss im Vertrag geregelt werden. In den meisten Fällen werden die Einkaufs- und Abrechnungsbedingungen der einzelnen Händler in Ansatz gebracht.


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Jeder Landwirt sollte sich alle aktuellen Einkaufs- und Abrechnungsbedingungen von der aufnehmenden Hand aushändigen lassen und vergleichen. Hier gibt es häufig große Unterschiede, wie Übersicht 1 zeigt. Bei der Gegenüberstellung der Einkaufs- und Abrechnungsbedingungen für A-Weizen der Ernte 2011 von drei verschiedenen Handelshäusern ist zu erkennen, dass in der Abrechnung deutliche Unterschiede gemacht werden.. Händler A setzt bei Überschreitung der Basisfeuchte (14,5 %) sofort einen Masseabzug für Trocknungsschwund von 1:1,3 an. Im Vergleich dazu Lieferdatum:

Fruchtart Raps

11.08.2011

Kontraktpreis (€/dt):

Große Unterschiede finden sich in den Rapsabrechnungen wieder. Einige Handelshäuser rechnen nach Ölmühlenbedingungen ab. Es gibt aber auch Händler, die Ihre Rapsabrechnungsbedingungen zu Ihren Gunsten anpassen. In Übersicht 2 ist ein Vergleich von Rapsabrechnungen aus der Ernte 2011

Anlieferungsgewicht (dt):

45,00 €

Feuchte (%):

2.000,00

1. Mengen- / Qualitätsberechnung

Besatz (%):

9,00

Anlieferungsgewicht (Brutto):

Preis in € / dt

Ölgehalt (%):

5,00

nach Abrechnungsbedingungen Handel Mengenabzug in dt

45,10

Aspiration (%): 0,90

nach Abrechnungsbedingungen Ölmühle Betrag

Preisabzug in € / dt

Betrag

2.000,00

Schwarzbesatz (%):

5,00

60,00

Aspiration (%):

0,90

18,00

Trocknungsschwund*:

9,00

11,53

Nettomenge (dt): Ölgehalt (%):

wird bei Händler B und C nur ein Masseabzug für Trocknungsschwund von 1:1,2 veranschlagt. Weitere Unterschiede werden bei den Trocknungskosten und der Bewertung des Naturalgewichtes erkennbar.

45,10

0,90 €

1.910,47

x

45,00 €

=

85.971,06 €

1.910,47

x

3,44 €

=

6.678,45 €

44,10 €

3,44 €

88.200,00 €

6.885,00 €

* Achtung: einige Händler berechnen Basisfeuchte (9 %), minus -0,5 %

nach Abrechnungsbedingungen Handel

2. Kostenberechnung Zwischensumme: Reinigungskosten (€/dt):

nach Abrechnungsbedingungen Ölmühle

92.649,51 €

95.085,00 €

0,50 €

x

2.000 dt

=

1.000,00 €

0,03 €

x

2.000 dt

=

60,00 €

60,00 €

91.589,51 €

95.025,00 €

Trocknungskosten (€/dt): Analysekosten (€/dt): Nettosumme:

Differenzbetrag Abrechnungsbedingungen des Handels / der Ölmühle: Übersicht 2: Rapsabrechnungsvergleich aus 2011

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3.435,49 €


dargestellt. Durch zusätzliche Abzüge für Aspiration, Trocknungsschwund und Reinigungskosten entsteht zwischen den modifizierten Händlerbedingungen und den Ölmühlenbedingungen eine Differenz von ca. 3.400 Euro. Das sind rund 1,70 €/dt zu Ungunsten der Landwirtschaft. Weiterhin sind in den Kontrakten Regelungen zur Beprobung und zur Analyse festzulegen. Wichtig hier: Wer trägt die Kosten? Exakt definiert werden sollte der Liefer-/ Abnahmeort oder der Ladeort mit Stationsangabe. Hier sind eine Ortsangabe und das Beförderungsmittel festzulegen. Liefer- oder Abnahmezeitraum sind einzugrenzen. Wird direkt aus der Ernte verkauft genügt es „ex Ernte 2012“ zu schreiben. Hier ist darauf zu achten, auf Lieferung zu verkaufen. Dadurch hat der Landwirt (Verkäufer) das Recht, den genauen Zeitpunkt der Lieferung zu bestimmen. Ebenso können zusätzliche Angaben zum Ausschluss von bestimmten Zeiten gemacht werden (z.B. Verladung von 8.00-17.00 Uhr). Zum ausgehandelten Preis müssen grundsätzlich die Währung, die Mengeneinheit, Steuern und Abgaben angegeben werden, z.B.180 Euro/MT (metrische Tonne) zzgl. gesetzliche MwSt. Unter dem Punkt Zahlungsbedingungen sind Angaben wie Zahlungsziele, Regelungen zu Zahlungen bei gelieferten Teilmengen, Abschlagszahlungen und gegen welche Dokumente zu zahlen ist, festzulegen. Zu- bzw. Abschläge für Qualitäten sowie Lagergelder und Lagerdauer sollten Bestandteil des Kontraktes sein. Für Streitfälle ist in jedem Kontrakt ein Schiedsgericht zu benennen. Der Verkäufer übt das Recht der Benennung aus. Es wird deutlich, wie wichtig es ist, sich mit den Vertragsinhalten und der Vertragsgestaltung zu beschäftigen. Denn alles was im Vorfeld geregelt ist, muss im Nachhinein nicht diskutiert werden. Ein Vergleich lohnt sich immer und niemand hat nur einen Cent zu verschenken! Also sollten wir gemeinsam auf solche Details achten. Wir beraten Sie gern dabei. Kontakt: Alexander Priestaff Telefon: 039605 61256 Handy: 0162 1388068 E-Mail: apriestaff@lms-beratung.de


Agrarberatung

Bewährtes und Neues in der AFP-Richtlinie

Damit Sie bei der Förderung nicht in die Röhre gucken Heike Skrzepski

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Agrarberatung

Seit dem 20.03.2012 liegt die überarbeitete AFP-Richtlinie mit der neu gestalteten Prioritätensetzung vor. Hin zu mehr tierartgerechter Haltung und keine Fördermittel für die sogenannte Massentierhaltung bei Geflügel und Schwein – so kann das politische Ziel umrissen werden. Über Sinn und Nutzen kann man unterschiedlicher Meinung sein, die neue Richtlinie ist ab diesem Stichtag anzuwenden. Wir stellen fest, dass die Antragsstellung aufwändiger geworden ist und eine Vorprüfung der Förderfähigkeit eines Investitionsvorhabens dringend erforderlich ist. Mit den folgenden Ausführungen wollen wir unsere Erkenntnisse an Sie weiterreichen. Stichtag 30.09.2012 Die Neufassung der Prioritätensetzung gilt für alle Anträge, die nach dem 30.09.2011 eingereicht wurden. Davor eingereichte Anträge werden nach der alten Regelung bearbeitet. Was bleibt Unverändert bleibt die Unterscheidung nach Neubau, Modernisierung oder Ersatzinvestition. Ersatzinvestitionen werden nicht gefördert. Investitionen in reinen Marktfruchtbetrieben werden unverändert nicht gefördert. Ebenfalls unverändert ist eine positive Eigenkapitalbildung für 3 zurückliegende Jahre nachzuweisen. Volumenbegrenzung 1,5 Mio € Das förderfähige Investitionsvolumen wird auf 1,5 Mio. Euro je Betrieb begrenzt. Die Anrechnungsmethode von bereits erhaltenen Zuschüssen bleibt unverändert Technik & Biogas nein, Heizung ja Technik der Innenwirtschaft in Viehbetrieben, also selbst fahrende oder gezogene mobile Maschinen (z.B. Radlader, Futterverteilwagen inkl.

Anbaugeräte), wird ausnahmslos nicht mehr gefördert. Biogasanlagen werden nicht gefördert. Heizungsanlagen sind förderfähig, sofern damit keine gewerblichen Erträge erzielt werden (z.B. Stromverkauf). Neues beim Viehbesatz Dieser darf nicht größer als 2,0 GVE/ ha landwirtschaftliche Fläche sein. Die Berechnung erfolgt mit einem gesonderten amtlichen Vordruck und ist Bestandteil des Antrages. Zwei Grundrichtungen sind ersichtlich, nämlich dass Tierhalter ohne ausreichende Flächenausstattung nicht gefördert werden. Tierbestandserweiterungen können nur im Rahmen dieses Eckwertes geplant werden. Stallneubauten mit Ausnahmen Stallneubauten für die konventionelle Geflügelhaltung werden nicht gefördert. Ausgenommen hiervon sind: Junghennenaufzucht, Elterntierhaltung, Bruteiproduktion. D.h. im Klartext, neue Mastgeflügelställe werden schon im Ansatz nicht gefördert. Stallneubauten für die konventionelle Schweinemast werden nicht gefördert, aber es gibt Ausnahmen. Ausnahmefall 1 gilt für geschlossene Systeme: Der Stallneubau erfolgt innerhalb eines bestehenden geschlossenen Systems oder dient dem Aufbau eines solchen Systems. Dies führt nahezu zwangsläufig zu dem Schluss, dass die Erhöhung der Mastplatzkapazität kein Hinderungsgrund ist, wenn dies am gleichen Standort vorgesehen ist. Ausnahmefall 2 gilt für bestehende Schweinemastanlagen Der Abriss

alter Mastställe und ein Neubau am selben Standort kann, aber eine Kapazitätserweiterung kann nicht gefördert werden. Es ist auch eine Umnutzung des alten Maststalles für die Dauer von mindestens 12 Jahren möglich. Die Umnutzung wird nicht näher erläutert und muss im Einzelfall geprüft werden. Prioritätenliste – Punktesystem Für die Bewilligung von AFP-Zuschüssen wurde eine Punktewertung eingeführt. Maßnahmen, die mit einer Punktezahl von mindestens 4 eingestuft werden und alle anderen Voraussetzungen erfüllen, werden erstrangig bewilligt. 4 Basispunkte erhalten: Milchproduktion (bis 800 Kuhplätze), Sauenhaltung und Ferkelproduktion. Letztere wird sehr eng definiert: von Geburt bis zum Absetzen von der Sau und keinen Tag länger. Das heißt, Flatdecks werden nicht berücksichtigt (gehören zur Mast/Aufzucht). Gartenbau und Kartoffeln erhalten ebenfalls 4 Basispunkte. Anträge mit 2 Basispunkten werden nur bewilligt werden, wenn nach Ablauf des jeweiligen Antragsjahres, also nach dem 30.09., noch Haushaltsmittel verfügbar sind. Die Reihenfolge der Zuteilung von Fördermitteln richtet sich dann nach dem Datum und der Vollständigkeit der Antragsstellung. Betroffen sind die Bereiche: Junghennenaufzucht, Ökologische Haltung von Legehennen, Mastgeflügel und Mastschweinen, Schafe, Ziegen, Mastrinder, Jungrinder sowie Pferde und sonstige Tiere.

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Agrarberatung

Zusatzpunkte für Öko Geringe Basispunkte können durch Zusatzpunkte aufgestockt werden, die zugesprochen werden, wenn einer der vorgenannten Bereiche ökozertifiziert ist. D.h. im günstigsten Fall kommt ein ökologisch zertifizierter Milchbetrieb auf 6 Punkte und erreicht damit die höchste Priorität. Oder ein ökologischer Junghennenbetrieb erreicht dann 4 Punkte. Basisförderung und Bonusregelung Der Basis-Fördersatz beträgt einheitlich 25 %. Bei Erfüllung besonderer Anforderungen im baulichen Bereich können ökozertifizierte Betriebe einen Bonus von 5 % erhalten. Besondere Schwergewichte für eine Bewilligung: Der GV-Besatz von 2,0 je ha landwirtschaftliche Fläche ist eine wesentliche Nachweisgröße. Für die Berechnung des Ist-Zustandes wird der 12 Monatsdurchschnittsbestand rückwärts ab dem Monat der Antragsstellung ermittelt. Für das Zieljahr werden diese Daten kalkuliert. Es muss der gesamte Tierbestand des Antragstellers angegeben werden. Überschreitungen werden nicht toleriert und könnten zur Rückzahlung von Förderzuschüssen führen. Betriebe mit einem schon jetzt hohen Tierbesatz müssen deshalb die „Sicherheit“ der Pachtflächen sehr realistisch einschätzen. Die Einhaltung der besonderen baulichen Anforderungen an Haltungsformen gemäß Anlage der Richtlinie ist nur für die Objekte vorzulegen, für die eine Förderung beantragt wird. Beim Neubau eines Stalles muss der Architekt die Richtwerte planerisch einhalten und ausweisen. Da für alle

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Gefördert oder nicht?

Tierarten spezielle bauliche Anforderungen gelten, verweisen wir auf die Anlage zum Erlass von 20.03.2012 zu den Fördergrundsätzen ab Baujahr 2012. Baulichen Anforderungen für Milchkühe (Auszug): Die tageslichtdurchlässige Fläche muss 5 % der Stallgrundfläche betragen. Gefördert werden Liegeboxenlauf- oder Mehrflächenställe (Tiefstreu- oder Tretmistställe). Je Tier muss ein Grundfutterfressplatz mit ausreichender Breite geschaffen werden, damit alle Tiere gleichzeitig fressen können. Was ausreichend ist, wird nicht beschrieben. Die Behörde orientiert sich an den Werten des Tiergesundheitsamtes. Bei Vorratsfütterung (hier zählt nur TMR) ist ein Tier-Fressplatzverhältnis von 1:2 erlaubt. Für jedes Tier muss ein Liegeplatz vorhanden sein. Die Liegefläche muss spaltenfrei sein. Für jede GV müssen 5,0 m² nutzbare Stallfläche nachgewiesen werden. Der Futtergang zählt nicht zur nutzbaren Stallfläche. Die Laufgänge

müssen angemessen breit sein, damit sich die Tiere stressfrei begegnen können. Was angemessen ist, wird nicht klargestellt. Pro Tier muss eine Liegebox vorhanden und mit trockenem Einstreu oder Matten anerkannter Qualität ausgestattet sein. Nachweise in der Schweineproduktion Die Förderung ist an eine Offenlegung von Daten gebunden. Konventionelle Schweinehalter müssen den Nachweis QS-Standard I nicht älter als 1 Jahr und einen jährlichen Folgenachweis für 5 Jahre ab dem Auszahlungsjahr der Fördermittel bringen. Gleichfalls ist ein betriebliches Konzept zur Minimierung der Kannibalismusgefahr vorzulegen. Das Fördersystem funktioniert noch, ist aber keineswegs vereinfacht worden. Wir empfehlen Ihnen, unbedingt mit uns Kontakt aufzunehmen. Kontakt: Heike Skrzepski – Beraterin Telefon: 0385 39532-21 Handy:

0162 1388072

E-Mail: hskrzepski@lms-beratung.de


Agrarberatung

Mechanisierung

Feldarbeiten – do it yourself oder outsourcen? Cosima-Karolin Niehoff

Auf Grund der schwierigen Marktbedingungen der letzten Jahre ist es besonders wichtig, dass landwirtschaftliche Unternehmen ihre Produktionskosten genau kennen, um Schwachstellen optimieren zu können. Hierzu gehören Saatgut, Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelkosten genauso wie die Kosten für Maschinen und Arbeitserledigung. Viele Landwirte kennen die Preise für ihre Betriebsmittel genau. Im Produktionsalltag ist es allerdings häufig schwer, die Kosten der Arbeitserledigung genau zu erfassen. Um die Produktionskosten zu optimieren, müssen diese genau bekannt sein. Insbesondere vor der Anschaffung neuer Maschinen ist eine gründliche Kalkulation erforderlich. Eine Auslagerung der Arbeiten zu einem Lohnunternehmer kann sinnvoll sein.

Die LMS stellt auf ihrer Homepage unter www.lmsberatung.de/agrardienstleistungen Richtpreise für Dienstleistungen von Lohnunternehmern zur Verfügung. Die ermittelten Preise können als Entscheidungsgrundlage dienen, ob eine Eigenmechanisierung erfolgen soll oder

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die Vergabe der Arbeiten an einen Lohnunternehmer betriebswirtschaftlich günstiger ist. Weitere Gründe für die Abgabe von Arbeiten an Lohnunternehmen können die Verringerung der Arbeitsbelastung, die Senkung der Arbeitserledigungskosten sowie die Gewinnung von Zeit für Fragen des Betriebsmanagements sein. Richtwerte als Grundlage Die in Tabelle 1 dargestellten Preisspannen für die Bodenbearbeitung sind Richtwerte für bestimmte Dienstleistungen und werden in Kooperation mit den Lohnunternehmen erarbeitet. Dabei können jedoch nicht alle Umstände berücksichtigt werden. Einfluss auf die Preise haben zum Beispiel Faktoren wie die Hof-Feld-Entfernung, Transportwege und weitere Einsatzbedingungen. Im konkreten Fall kann es daher abweichende Preise geben. Bei den angegebenen Preisen handelt es sich um Nettopreise, die sich zuzüglich Umsatzsteuer verstehen. Des Weiteren finden sich im Bereich Agrardienstleistungen der LMS-Homepage Richtpreise für die Ausbringung von Düngemitteln, Pflanzenschutz und Wirtschaftsdüngern sowie für die Ernte. € / ha mit Diesel

€ / ha ohne Diesel

Stoppelbearbeitung

25–38

20–25

Saatbereitung

35–43

30–38

Pflügen mit Packer

65–77

60–65

Pflügen ohne Packer

60–80

55–60

Untergrund lockern

40–45

35–40

Tab. 1: Preisspannen von Lohnunternehmen für die Bodenbearbeitung


Agrarberatung

Seit letztem Frühjahr muss Gülle unverzüglich eingearbeitet werden – ein Lohnunternehmer kann helfen.

Gülleausbringung auslagern? Von großem Interesse ist bei vielen landwirtschaftlichen Unternehmen die Gülleausbringung durch den Lohnunternehmer. Hierbei spielt neben den Anschaffungskosten für die Technik auch die Düngeverordnung eine Rolle. Bis 2011 war es nach Düngeverordnung zulässig, einen Tag bis zur Einarbeitung nach der Ausbringung zu warten. Seit dem Frühjahr 2011 ist eine „unverzügliche“ Einarbeitung nur dann gegeben, wenn die Gülle direkt eingearbeitet wird. Die Anforderungen an eine „direkte Einarbeitung“ werden unter anderem durch folgende Ausbringungstechniken erfüllt: Einschlitzen mit dem Ausbringungsgerät (Schlitzverfahren), Eingrubbern mit dem Ausbringungsgerät (Grubberverfahren), Einfräsen mit dem Ausbringungsgerät (Fräsverfahren), Injizieren mit dem Ausbringungsgerät (Injektionsverfahren) oder andere Kombinationsgeräte mit gemeinsamer Ausbringung und Einarbeitung. Eine andere Möglichkeit ist es, bei einer getrennten Aufbringung und Einarbeitung die aufgebrachte Partie schnellstmöglich, spätestens jedoch vier Stunden nach ihrer Aufbringung, einzuarbeiten. Die genannte Technik zur gemeinsamen Ausbringung und Einarbeitung sowie die benötigte Logistik für den Gülletransport sind bei vielen Lohnunternehmern vorhanden. Vielfach werden selbstfahrende Gülleausbringungsgeräte eingesetzt und der Transport wird über LKW in Verbindung mit Feldrandcontainern erledigt. In Tabelle 2 werden die dafür veranschlagten Preisspannen der Lohnunternehmen dargestellt. Auch hier gelten die oben angeführten Bedingungen (siehe Beschreibung zu Tab. 1).

Foto: Johannes Vieweger

Besonders bei der Ausbringung von Gülle lohnt sich die Eigenmechanisierung des landwirtschaftlichen Unternehmens nicht immer, weil die Auslastung der Technik häufig nicht gegeben ist. Vor allem die notwendige Logistikkette für große Ausbringmengen bei weiten Strecken € / m3 mit Diesel

€ / m3 ohne Diesel

Gülle ausbringen mit Breitverteilung

3,00–3,50

2,20–3,00

Gülle ausbringen mit Schleppschlauch

3,20–4,20

1,60–2,80

Gülle ausbringen mit Einarbeitung

4,00–5,00

2,40–3,20

Tab. 2: Preisspannen von Lohnunternehmen für die Gülleausbringung

zwischen Hof und Feld ist für den landwirtschaftlichen Unternehmer teuer. Durch Auslagerung von Arbeiten, die mit teuren Spezialmaschinen erledigt werden, kann die Kreditbelastung des landwirtschaftlichen Unternehmens gesenkt werden. Bei Zukauf ist nur die tatsächlich durch den Lohnunternehmer erbrachte Leistung zu bezahlen. Daher entstehen keine zusätzlichen Kosten durch eine Finanzierung der Maschinen. Weitere Richtpreise für Verhandlungen mit einem Lohnunternehmer sind auf der Homepage www.lms-beratung. de/agrardienstleistungen zu finden. Kontakt: Monika Berlik Telefon: 0381 877133-0 E-Mail:

mberlik@lms-beratung.de

Das Blatt

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BEX – Büro für Existenzsicherung

Interview mit Gerhard Kirchhoff

Gut versichert?

Foto: Dr. Ulrike Hoffmeister

Sabine Melenk-Dexheimer

Der Umgang mit verschiedensten Risiken ist eine Aufgabe des Betriebsleiters in Landwirtschaftsunternehmen. Dazu gehört es auch abzuwägen, welche Risiken durch Betriebsversicherungen abgedeckt werden sollten oder sogar müssen. In den letzten Jahren haben Kahlfröste, Frühjahrstrockenheit, extreme Nässe und Skandale wie Dioxinbefunde in Eiern zu großen Ertragsausfällen in Landwirtschaftsunternehmen geführt. Welche dieser Risiken im Betrieb abgesichert werden können und was der Markt der Agrarversicherungen derzeit Neues bietet, erläutert hier Gerhard Kirchhoff (Geschäftsführer der Nord-Assekuranz Makler GmbH) in einem Interview. Die Nord-Assekuranz Makler GmbH bietet Agrarunternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern in Kooperation mit der Assekuranzmakler Perleberg GmbH verschiedenste Agrarversicherungen an, unabhängig von einzelnen Versicherungsunternehmen. Auftraggeber sind Agrarbetriebe.

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Das Gespräch mit Herrn Kirchhoff führte Sabine Melenk-Dexheimer, Unternehmensberaterin im Büro für Existenzsicherung der LMS Agrarberatung. Melenk-D.: Welche Versicherungen haben Landwirtschaftsunternehmen üblicherweise? Kirchhoff: Landwirtschaftsbetriebe müssen sich gegen verschiedenste Risiken versichern. Übliche Versicherungen sind die Betriebshaftpflichtversicherung inklusive der Umweltund Umweltschadensversicherung so wie diverse Sachversicherungen, von den Gebäudeversicherungen über die Versicherungen des landwirtschaftlichen Inventars unter anderem gegen Feuer- in den Gebäuden und

außerhalb, z.B. Ernteerzeugnisse auf dem Feld. Darüber hinaus sind es KFZ-, Maschinen-, Transportversicherungen, Hagelversicherungen, sowie Ertragsschadensversicherungen – für alle tierhaltenden Unternehmen existenziell. Melenk-D.: Gibt es Paketlösungen und welche Vor- bzw. Nachteile können diese haben? Kirchhoff: Ja, es gibt sie von einzelnen Versicherungen, z.B. von der R+V, oder als Multi-Risk-Policen von Versicherungsmaklern. Vorteile können darin bestehen, dass man einen überschaubaren bürokratischen Aufwand hat und sie im Preis günstiger ausfal-


BEX – Büro für Existenzsicherung

len, weil u.a. „Bündelungsnachlässe“ gewährt werden. Von Nachteil könnte es sein, dass die Produkte nur eines Versicherers angeboten werden, obwohl andere Versicherer leistungsstärkere und preisgünstigere Einzelversicherungen vorhalten. Melenk-D.: Für gewerbliche Unternehmen gibt es die Möglichkeit einer Betriebsausfallversicherung, die im Schadensfall die laufenden Kosten und teilweise auch entgangene Gewinne absichert. Gibt es solche Versicherungen auch für Landwirtschaftsbetriebe? Kirchhoff: Betriebsausfälle können und sollten versichert werden, allerdings werden Entschädigungen für laufende Kosten und entgangenen Gewinn nur dann getragen, wenn dem ein versicherter Schaden vorausging. Melenk-D.: Die extremen Witterungsverläufe in den letzten Jahren haben zu Ernteausfällen mit teilweise harten finanziellen Auswirkungen für Acker- und Futterbaubetriebe geführt. Können sich Landwirtschaftsunternehmen gegen Frost, Trockenheit und Starkregen versichern? Kirchhoff: Extreme Witterungsverläufe führen zunehmend zu Ertragsausfällen. Allein durch Hagel werden jährlich in Deutschland ca. 100 Millionen Euro Schäden verursacht. Spezial-Versicherer, wie die Vereinigte Hagel, die Hagel-Gilde oder die Münchener-Magdeburger, bieten die bekannten Hagelversicherungen an. Der Landwirt reicht dem Versicherer sein Anbauverzeichnis ein und hat für die entsprechende Fruchtgattung

über die benannten Feldmarken Versicherungsschutz. Der Versicherungsschutz gegen Hagel kann inzwischen durch die Gefahren Sturm, Starkregen, Frost und Auswinterung ergänzt werden. Versicherbar sind Getreide, Energiepflanzen, Hülsenfrüchte zur Reife, Ölfrüchte und Rüben, Mais und Kartoffeln. Noch selten versichert werden Folgen der Trockenheit. Uneinigkeit der Betriebe über den Sinn einer solchen Absicherung kommt hinzu. Agrarbetriebe aus Regionen, die besonders stark von Schäden durch Trockenheit betroffen sind, wünschen die Absicherung, andere wiederum nicht. Das hebt die Beiträge und Selbstbeteiligungen und die Versicherung wird einfach zu teuer, um sinnvoll im Betrieb genutzt zu werden. Melenk-D.: Wie werden solche Versicherungen nachgefragt? Kirchhoff: Versicherungen gegen Witterungsunbilden werden zunehmend nachgefragt, allerdings ist die kaufmännische Betrachtung von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Hagelversicherungen sind verbreitet; Versicherungen gegen Sturm, Starkregen, Frost und Auswinterung eher selten, weil sie ihren Preis haben. Melenk-D.: Auch für Tierhalter kann es zu unerwarteten Ertragsausfällen kommen. In der Regel sind Tierbestände gegen Schäden durch Tierseuchen und deren Folgemaßnahmen versichert. Aktuell hört man aber auch von Fällen, in denen Geflügelhöfe aufgrund positiver Dioxinbefunde in Eiern gesperrt wurden und so finan-

ziell einen Totalausfall in dieser Zeit haben. Können auch solche Vorfälle abgesichert werden? Kirchhoff: Ertragsausfälle in der Tierhaltung können durch die Ertragsschadensversicherung ausgeglichen werden. Marktführer ist die R+VVersicherung. Ein weiterer Anbieter ist die Münchener-Magdeburger. Versichert sind der Ertragsschaden durch Tierverluste und/oder Verminderung der tierischen Produktionsleistung, Wertminderung der tierischen Erzeugnisse, Unterbrechung des Produktionsverfahrens, Lieferverbote und Verkaufsbeschränkungen. Versichert werden anzeigepflichtige Tierseuchen, Unfall im Tierbestand und als weiterer Baustein übertragbare Tierkrankheiten. Der Versicherungsbedarf, der sich unter anderem aus den DioxinSkandalen ergibt, kann man bei den Betrieben, die über R+V versichert sind, über eine Zusatzdeckung „Beanstandung bei amtlicher Untersuchung auf Kontamination durch Schadstoffe“ mitversichern. In der Ertragsschadensversicherung für die Rinderproduktion ist in der erweiterten Tierkrankheiten-Deckung bereits die Zusatzabsicherung unter anderem gegen Dioxin-Schäden enthalten. Melenk-D.: Wie schätzen Sie die Lage in den Landwirtschaftunternehmen ein? Sind sie ausreichend abgesichert oder werden teilweise „unnötige“ Versicherungsbeiträge entrichtet? Kirchhoff: Versicherungen sind für nicht wenige Landwirte „ein rotes Tuch“. Man braucht sie, JA, ABER

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BEX – Büro für Existenzsicherung

man möchte sich eigentlich nicht damit beschäftigen. Das hängt natürlich auch mit unserer Gilde zusammen, mit den Versicherungsvertretern, die nicht selten den Eindruck eines ständigen Nervens hinterlassen. Wichtig ist der vertrauensvolle Kontakt zu seinem Versicherungsberater. Dieser sollte die bestehenden Versicherungen regelmäßig hinsichtlich der Veränderung von Risiken kontrollieren, im Schadensfall an der Seite des Landwirts schnell und unbürokratisch regulieren. Manchmal ist auch die Analyse durch einen sachkundigen und unabhängigen Dritten, z.B. durch einen Versicherungsmakler, zu empfehlen, auch um gegenüber Aufsichtsgremien, Vorständen oder Gesellschaftspartnern die eigene kaufmännische Verantwortung klarzustellen. Für mein Unternehmen ist die Analyse bestehender Versicherungspakete tägliche Praxis. Dabei stellen wir fest, dass Unternehmen unter- oder auch überversichert sind (z.B. bei den Gebäudeversicherungen), dass teilweise Versicherungen seit Jahren nicht auf den neusten Stand gebracht wurden usw. Melenk-D.: Welche weniger bekannten Versicherungen sind sinnvoll für Agrarunternehmer und sollten vermehrt genutzt werden? Kirchhoff: Relativ unbekannt sind die D&O-Police und die SpezialStraf-Rechtsschutzversicherung. Bei der D&O-Police geht es vor allem die finanzielle Absicherung aller Unternehmensleiter, wenn durch kaufmännische Fehlentscheidungen dem Unternehmen Schaden zugeführt wurden. Solche Ansprüche,

38

Das Blatt

sofern sie berechtigt sind, können in die Privattasche des Unternehmensleiters greifen und diese spezielle Vermögensschadens-Haftpflichtversicherung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Gleiches gilt für die Spezial-StrafRechtsschutzversicherung, die immer dann zum Tragen kommt, wenn gegen den Unternehmensleiter strafrechtlich ermittelt wird. Ein weiteres Thema ist die soziale Verantwortung der Chefs für die Mitarbeiter/innen. Stichworte sind die betriebliche Altersvorsorge, die von jedem Arbeitgeber angeboten werden muss und über die Aufklärungspflicht herrscht. Auch die betriebliche Krankenzusatzversicherung oder die betriebliche Unfallversicherung sind wichtige soziale Zusatzleistungen. In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels gewinnen solche lohnergänzenden Leistungen an Bedeutung. Melenk-D.: In welche Richtung geht der Versicherungsmarkt? Kirchhoff: Die Weiterentwicklung bestehender und die Kreation neuer Produkte entsteht aus dem konkreten Versicherungsbedarf der Landwirte. Versicherungsmakler nehmen immer stärkeren Einfluss auf die Produktentwicklung der Versicherer, in dem sie mit den Risikoträgern nachgefragte Leistungsinhalte aushandeln. So bieten wir unseren Kunden eine neuartige Maschinenbruchversicherung, in der alle stationären und mobilen Maschinen und Geräte des Agrarbetriebes (ohne KFZ) pauschal ohne Einzelnennung abgesichert sind, auch die, die sich der Landwirt

für eine bestimmte Zeit ausgeliehen hat. Hier decken herkömmliche Maschinenversicherungen meist nur gemeldete Maschinen mit ab. Vergisst man die Anmeldung bei Neuanschaffung, kann dies im Schadensfall zur Ablehnung des Versicherungsschutzes führen. Ich sehe in den nächsten Jahren eine noch stärkere Präsenz von Spezialmaklern, die mit innovativen Versicherungsprodukten den Markt bereichern. Wichtig ist und bleibt jedoch, die persönliche Beratung der Landwirte vor Ort und die vertrauensvolle Partnerschaft zu seinem Versicherungsberater. Fazit Landwirtschaftsbetriebe können sich gegen fast alle Risiken versichern – sollten dies aber nicht in jedem Fall tun. Die Wahl der richtigen Versicherungen und die betriebsindividuelle Anpassung von Konditionen und versicherten Schäden ist dabei Voraussetzung für günstige Betriebsversicherungen, die im Schadensfall auch greifen. Paketlösungen bei einer einzelnen Versicherungsgesellschaft sind in der Regel teurer – ein Vergleich lohnt sich. Im Gespräch mit Herrn Gerhard Kirchhoff ist deutlich geworden wie wichtig es ist, den „Ist-Zustand“ des eigenen Unternehmens zu kennen. Bestehende Versicherungen sollten regelmäßig überprüft und angepasst werden. Nur so stimmt das Verhältnis von Versicherungsbeitrag und Leistung im versicherten Schadensfall. Kontakt: Sabine Melenk-Dexheimer Telefon:

0381 877133-45

E-Mail: smelenkdexheimer@lms

beratung.de


BEX – Büro für Existenzsicherung

Rechtsformen und Hauptgruppen der Testbetriebe

Wo stehen Sie? Ein Vergleich mit den Testbetrieben lohnt sich! Torsten Fiedler Wie in den vergangenen Jahren steht mit den Buchführungsergebnissen des Landes MecklenburgVorpommern 2010/11 wieder umfangreiches Datenmaterial für die einzelbetriebliche Analyse zur Verfügung. Sie ermöglichen durch das Gegenüberstellen wichtiger Kennzahlen des eigenen Betriebes mit denen vergleichbarer Unternehmen, Stärken und Schwächen zu analysieren und innere Reserven zu erschließen. Die Auswertungen lassen eine Vielzahl von Vergleichen zu. Umfangreiche Gruppierungsmerkmale ermöglichen es fast jedem Betrieb, seine für ihn typische Vergleichsgruppe zu finden. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass eine Änderung der Betriebssystematik ab 2010/2011 auf Grundlage des Standard-Outputs zu Verschiebungen innerhalb der Gruppen geführt hat. Somit ist in einigen Bereichen eine Vergleichbarkeit mit früheren Jahren nur eingeschränkt möglich.

die Ertragslage über alle Produktionsrichtungen gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Alle Betriebsformen verzeichneten starke Gewinnzuwächse. Das Ordentliche Ergebnis lag damit im Durchschnitt der letzten Jahre. Abbildung 1 zeigt die Einkommensentwicklung der Betriebe differenziert nach den einzelnen Betriebsformen für die vergangenen fünf Wirtschaftsjahre.

Rentabilität, Stabilität und Liquidität abhängig. Die Testbetriebe in MV erhalten die Auswertungen für ihren Betrieb und können sich mit den entsprechenden Auswertungsgruppen (Rechts-, Betriebsform, Größe, Erfolg, Agrarregion) in den Testbetriebsergebnissen vergleichen. Die Rentabilität zeigt, wie erfolgreich die Produktionsfaktoren eingesetzt

€ 400

300

200

100

306 Abschlüsse Grundlage der Testbetriebsergebnisse in MV für das Kalenderjahr 2010 bzw. das Wirtschaftsjahr 2010/11 bilden Buchführungsabschlüsse von 306 landwirtschaftlichen Betrieben, welche in Form des einheitlichen BMELV-Jahresabschlusses erfasst werden. Starke Gewinnzuwächse Im Wirtschaftsjahr 2010/11 hat sich

2006/07 Ackerbau

2007/08 Futterbau

2008/09 Verbund

2009/10

2010/11

Gesamt

Abb. 1: Entwicklung des Ordentlichen Ergebnisses in EUR/ha LF

Unternehmensziele – Rentabilität, Stabilität, Liquidität Die dauerhafte Existenzsicherung der Landwirtschaftsbetriebe ist vom Erreichen der Unternehmensziele

wurden. Wichtigste Größe für die Erfolgsmessung ist der Gewinn. Bereinigt um zeittraumfremde und außerordentliche Einflüsse ergibt sich das Ordentliche Ergebnis, welches die Produktivitätsleistung der Betriebe

Das Blatt

39


BEX – Büro für Existenzsicherung

Kapital und Liquidität Klassische Kennwerte für die Beurteilung der Liquidität sind der Cashflow sowie die Kapitaldienstgrenzen, verbunden mit dem zu erbringenden Kapitaldienst. Die langfristige Kapitaldienstgrenze gibt an, wie viel Geld ein Betrieb für Zins und Tilgung langfristig aufbringen kann, ohne die eigenen Abschreibungen dafür verwenden zu müssen.

% 12

8

4

2001/02

2002/03

2003/04

Ackerbau

2004/05

Futterbau

2005/06

2006/07

2007/08

2008/09

2009/10

2010/11

Gesamt

Verbund

Abb. 2: Entwicklung Gesamtkapitalrentabilität (ordentlich) in %

% 60

50

40 2001/02

2002/03

2003/04

Eigenkapitalanteil

2004/05

2005/06

2006/07

2007/08

2008/09

2009/10

2010/11

Fremdkapitalanteil

Abb. 3: Eigen- und Fremdkapitalanteil in %

€ / ha LF 350

150

0

-50 2001/02

2002/03 Kapitaldienst

2003/04

2004/05

langf. KDG

2005/06

2006/07

mittelfr. KDG

2007/08

2008/09

2009/10

2010/11

kurzfr. KDG

Abb. 4: Kapitaldienst – langfristige Kapitaldienstgrenze in EUR/ha LF

darstellt. Die Gesamtkapitalrentabilität 2010/11 lag im Durchschnitt der Betriebe bei 5,8 %. Bilanz der Stabilität Grundlegende Aussagen über die Stabilität des Unternehmens liefert die Bilanz, wobei Höhe und Entwick-

40

Das Blatt

lung des Eigen- und Fremdkapitals im Vordergrund stehen. Abbildung 3 zeigt, dass der Trend der Vorjahre beibehalten wird und der Eigenkapitalanteil mit aktuell 51% über dem des Fremdkapitals liegt. Allerdings gibt es enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Betriebsformen.

Die langfristige Kapitaldienstgrenze stieg gegenüber dem Vorjahr beträchtlich und lag im Durchschnitt aller Betriebe mit 121 EUR/ha LF weit unter dem zu erbringenden Kapitaldienst in Höhe von 266 EUR/ ha LF. Seit dem Wirtschaftsjahr 2008/09 werden die mittel- und kurzfristigen Kapitaldienstgrenzen ausgewertet. Abbildung 4 zeigt, dass im Wirtschaftsjahr 2010/11 nur die kurzfristige Kapitaldienstgrenze von 261 EUR/ha LF (also unter Einbeziehung sämtlicher Abschreibungen) fast ausreicht, um den Kapitaldienst zu erbringen. Mehr Daten online Umfangreiche Vergleichsdaten der Testbetriebsauswertungen werden im Internet bereitgestellt unter www. landwirtschaft-mv.de / Betriebswirtschaft / Buchführungsergebnisse MV. Da einige Betriebsgruppen in ihrer Anzahl nur unzureichend in den einzelnen Bundesländern vertreten sind, gibt es länderübergreifende Auswertungen der ostdeutschen Bundesländer für: Ökologisch wirtschaftende Betriebe, Veredlungsbetriebe sowie schafhaltende Betriebe. Kontakt: Torsten Fiedler Telefon: 0381 877133-37 Handy:

0162 1388014

E-Mail:

tfiedler@lms-beratung.de


Agrarberatung

Kommentar zur Preisentwicklung

Agrar- und Rohstoffmärkte genau im Blick Torsten Fiedler Rohöl Im ersten Quartal des Jahres 2012 waren die entscheidenden Themen beim Rohöl die guten Konjunkturzahlen der USA, die sich zuspitzende Iran-Krise, die Kaltwetterlage in Europa mit zugefrorenen Schifffahrtswegen, aber auch die unruhige politische Lage in der arabischen Welt. All diese Faktoren flossen in die Preisfindung für Rohöl mit ein und ließen das Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) auf über 100 $ steigen. Schwache Euro-Kurse sorgten auch für die anhaltend hohen Dieselpreise, die in den ersten vier Monaten teilweise deutlich über 1,50 EUR/l an deutschen Tankstellen lagen und damit neue Höchststände erreichten.

Preise von Agrar- und Rohstoffmärkten* Kennwert Bezugsbasis

Apr

Mai

Marktfrüchte Die Vermarktung von Weizen in den ersten Monaten des Jahres 2012 verlief sehr ruhig. Zugefrorene Häfen sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine ließen keine ungeahnten Preisausschläge zu, ebenso wie die erwarteten Auswinterungen in den ukrainischen Beständen, die auf bis zu 40 % geschätzt wurden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bewegten sich die Notierungen für B-Weizen um 4 EUR/t unter dem Niveau von 2011. Gleiches gilt auch für Gerste, wobei der Unterschied zum Vorjahresniveau mit ca. 3 EUR/t etwas geringer ausfällt. Der Preisunterschied bei den Rapsnotierungen mit über 10 EUR/t im Vergleich zum Vorjahr, fiel dagegen beträchtlich aus.

Jun

Jul

2011 Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

Düngemittel Die Preise für Düngemittel lagen Anfang 2012 auch weiterhin auf einem hohen Niveau, von dem zu Beginn der neuen Düngesaison nur wenige Abschläge gemacht wurden. Phosphordüngemittel haben leicht nachgegeben, verharren dennoch auf hohem Niveau, die Notierungen für Kali bewegten sich 2012 nahezu unverändert um 290 EUR/t (Kornkali) bzw. 385 EUR/t (60er Kali). Beim Harnstoff fiel im Vergleich mit den Vorjahreszahlen die Preissteigerung am gravierendsten aus: über 30 % Aufschlag binnen Jahresfrist, davon 15% Steigerung in den ersten 4 Monaten von 2012! Kontakt: Torsten Fiedler Telefon: 0381 8771333 Handy:

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E-Mail:

tfiedler@lms-beratung.de

Jan

Feb

2012

Mrz

Apr

Mittel

Min

Max

International Devisen

1$

0,69

0,70

0,70

0,70

0,70

0,73

0,73

0,74

0,76

0,78

0,76

0,76

0,76

0,73

0,69

0,78

$

1€

1,45

1,43

1,44

1,43

1,43

1,37

1,37

1,36

1,31

1,29

1,32

1,32

1,32

1,37

1,29

1,45

$/Barrel (WTI)

110,27

101,37

96,68

97,29

86,50

85,27

86,19

97,34

98,51

100,62

102,71

106,04

103,32

97,85

85,27

110,27

EUR/l

1,46

1,41

1,42

1,43

1,40

1,42

1,45

1,46

1,44

1,46

1,49

1,53

1,53

1,45

1,40

1,53

Rohöl Diesel** Milch Rohstoffwert ü. Eckverwertg. f. Magermilch und Butter Milchpreis MW NBL Schlachtvieh

ct/kg

34,60

34,80

35,80

35,20

33,40

34,00

34,20

33,40

32,00

31,90

30,60

27,90

33,15

27,90

35,80

4,0% F; 3,4% E; Cent/kg

33,41

33,94

34,07

34,08

34,13

34,14

34,65

34,59

33,47

32,44

31,93

31,83

33,56

31,83

34,65

NBL

Schweine

E; EUR/kg; MW NBL

1,53

1,61

1,55

1,60

1,56

1,56

1,56

1,63

1,66

1,57

1,58

1,63

1,70

1,59

1,53

1,70

Jungbullen

R 3, EUR/kg; MW NBL

3,47

3,40

3,32

3,28

3,34

3,54

3,56

3,68

3,76

3,75

3,77

3,81

3,77

3,57

3,28

3,81

Betriebsmittel Milchleistungsfutter

MV 18% RP, E III, EUR/t

234

234

233

232

224

219

221

218

216

216

214

216

236

224

214

236

Sojaschrot

43/44% RP, EUR/t

327

301

301

300

309

314

304

295

288

304

311

334

383

313

288

383

Rapsschrot

EUR/t

222

207

220

212

202

208

207

191

187

212

216

240

281

216

187

281

Marktfrüchte

MV

B-Weizen

EUR/dt

Futtergerste

EUR/dt

18,60

17,85

18,90

17,19

18,12

18,25

17,59

17,63

15,75

17,30

18,25

18,65

19,98

18,00

15,75

19,98

Brotroggen

EUR/dt

21,38

21,39

20,77

16,95

19,12

21,24

20,48

20,82

19,43

19,25

20,13

20,56

21,08

20,20

16,95

21,39

EUR/dt

48,53

44,28

46,56

44,09

43,17

44,18

42,99

42,81

41,38

42,16

44,19

45,05

47,36

44,36

41,38

48,53

293

283

280

287

290

294

303

299

301

296

289

288

278

291

278

Raps Düngemittel KAS

24,08

24,60

22,85

18,20

18,42

20,19

17,98

17,70

16,67

17,79

19,09

19,48

20,41

19,80

16,67

24,60

ab Station Ostdeutschland 27 % N, EUR/t

303

ASS

26 % N, 13 % S, EUR/t

319

310

305

309

310

312

325

317

319

313

311

313

312

313

305

325

ssA

21 % N, 24 % S, EUR/t

235

233

222

230

252

245

258

251

254

253

251

259

258

246

222

259

433

428

378

379

394

419

439

399

330

439

AHL

28 % N, EUR/t

242

241

244

260

260

260

260

260

252

240

238

238

239

249

238

260

MAP

Harnstoff granuliert

12 % N; 52 % P2O5, EUR/t

483

487

500

535

535

539

541

541

517

509

481

504

482

512

481

541

DAP

18 % N; 46 % P2O5, EUR/t

482

486

495

535

535

539

541

541

517

506

490

487

479

510

479

541

Tripelsuperphosphat

46 % N, EUR/t

46 % P2O5, EUR/t

330

425

348

433

393

440

403

455

412

460

430

465

475

474

455

455

460

449

448

453

425

475

40er Kali

40 % K2O, 6 % MgO, 4 % S, EUR/t

275

274

273

283

284

285

285

286

288

291

287

288

288

284

273

291

60er Kali

60 % K2O, EUR/t

370

371

377

375

376

382

387

387

387

387

384

382

386

381

370

387

Kosten der Einzelnährstoffe Harnstoff granuliert, EUR/kg

0,72

0,76

0,85

0,88

0,90

0,93

0,94

0,93

0,82

0,82

0,86

0,91

0,95

0,87

0,72

0,95

P2O5

N

MAP, EUR/kg

0,76

0,76

0,76

0,83

0,82

0,82

0,82

0,83

0,80

0,79

0,73

0,76

0,71

0,78

0,71

0,83

K2O

60er Kali, EUR/kg

0,62

0,71

0,63

0,63

0,63

0,64

0,65

0,65

0,65

0,65

0,64

0,64

0,64

0,63

0,58

0,71

Quellen: MIO-Marktinformation Ost; Top Agrar; www.ife-ev.de; www.finanzen.net Alle Angaben ohne Gewähr * alle Preise ohne Mehrwertsteuer

Das Blatt

41


LUFA Agraranalytik

Tränkwasseruntersuchungen Teil 2 von 2

Wasseruntersuchungen für Landwirtschaft und Verbraucher Dr. Stefan König, Dr. Wolfgang Sarich

Nur gesunde Nutztiere bringen gute Mast- und Milchleistungen. Dafür müssen sie neben der Futteraufnahme auch genügend Wasser aufnehmen. Es sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein, dass ihnen permanent Wasser in guter Qualität zur Verfügung steht. Zur Überprüfung der chemischen und biologischen Tränkwasserqualität bietet die LUFA Rostock einen umfassenden Service auf höchstem Niveau. Tränkwasser wird ebenso wie Trinkwasser gemäß den Methoden der Trinkwasserverordnung (TwVO) untersucht. Dabei unterscheidet man zwischen physikalisch-chemischen und mikrobiologischen Parametern. Neben den physikalisch-chemischen Parametern, die im ersten Teil des Artikels in „Das Blatt“, Heft 1/2012, behandelt wurden, gibt es auch organische Parameter, die nachfolgend bezüglich Analytik und Auslösung von Schadwirkungen

im tierischen Organismus erläutert werden sollen. Welche mikrobiologische Qualität muss das Wasser aufweisen? Es gibt keine „Tränkwasser-Verordnung“; man sollte den Tieren aber kein Wasser zumuten, das man nicht auch selbst trinken würde. Für Tränkwasser gibt es keine vorgeschriebenen Grenz-, jedoch erarbeitete und empfohlene Orientierungswerte. Diese liegen unter den Anforderungen

Einheit

unbedenklich

erhöht

bedenklich

unbrauchbar

Grenzwert nach TwVO

Koloniezahl bei 22°C

KBE/ml

<100

<1.000

<10.000

>10.000

100

Koloniezahl bei 36°C

KBE/ml

<100

<1.000

<10.000

>10.000

100

coliforme Keime

KBE/100 ml

<10

<100

<1.000

>1.000

0

Escherichia coli

KBE/100 ml

<1

<10

<100

> 100

0

Parameter

Tab. 1: Beurteilungswerte für Tränkwasser (mikrobiologische Parameter)

42

für Trinkwasser. Letzteres unterliegt strengen Anforderungen und Untersuchungen und kann deshalb ohne Bedenken eingesetzt werden. Grundsätzlich muss Tränkwasser frei von Escherichia coli und coliformen Keimen sowie Salmonellen sein, da diese Keime Darmerkrankungen und Fieber verursachen können. Erhöhte Keimzahlen weisen möglicherweise auf einen Eintrag aus Oberflächen- oder Abwasser hin (auch z. B. undichte Güllebehälter).

Das Blatt


LUFA Agraranalytik

Mikrobiologische Parameter Die mikrobiologischen Parameter für Tränk- werden ebenso wie Trinkwasser gemäß den Methoden der Trinkwasserverordnung (TwVO) untersucht. Die mikrobiologischen Parameter der Trinkwasserverordnung sind: Koloniezahl bei 22 °C und 36 °C Escherichia coli und coliforme Keime Enterokokken Clostridium perfringens Pseudomonas aeruginosa Legionellen (seit Novellierung der Trinkwasserverordnung)

Die Bestimmung der Koloniezahl erfolgt im Plattengussverfahren. Nach 48 h Bebrütung bei 22 °C bzw. 36 °C werden die gewachsenen Bakterienkolonien ausgezählt und als koloniebildende Einheiten/ml angegeben. Escherichia coli gilt als Indikator für fäkale Verunreinigungen und zählt zu den häufigsten Verursachern von Infektionskrankheiten. Wird dieser Keim nachgewiesen, ist wahrscheinlich, dass auch andere Krankheitserreger im Wasser sind. Um E. coli und coliforme Keime zu quantifizieren, werden 100 ml im Membranfiltrationsverfahren untersucht. Die Bebrütung des Membranfilters erfolgt auf einem selektiven Nährboden. Kolonien mit typischem Wachstum werden auf ihre Identität geprüft. Alternativ kann das Colilert-Verfahren angewandt werden (Abb. 1). Dabei werden die zu untersuchenden 100 ml in ca. 100 Einzelproben geteilt. Der Gehalt an coliformen Keimen und Escherichia coli wird anhand der po-

sitiven Reaktionen der Einzelproben geschätzt. Das Membranfiltrationsverfahren kommt ebenfalls bei der Bestimmung der Enterokokken, Pseudomonas, Clostridien und Legionellen (Abb. 2/3) zum Einsatz. Je nach zu bestimmendem Parameter wird jedoch ein spezifischer Selektivnährboden verwandt. Novellierung der Trinkwasserverordnung Ab dem 1. November 2011 besteht für Großanlagen zur Trinkwassererwärmung eine jährliche Untersuchungspflicht. In der novellierten Trinkwasserverordnung wurde für Legionellen ein „technischer Maßnahmewert“ von 100 KBE/100 ml festgelegt. Bei der Überschreitung dieses Wertes ist eine Gesundheitsgefährdung zu befürchten. Großanlagen zur Trinkwassererwärmung weisen einen Inhalt von mehr als 400 Liter und/oder 3 Liter in jeder Rohrleitung zwischen dem Abgang des Trinkwassererwärmers und der Entnahmestelle auf. Zusammenfassung Die Bereitstellung von Tränkwasser mit einer schlechten Qualität – chemisch wie biologisch – stellt für Nutztiere ein erhebliches Risiko dar und kann Ursache für Leistungseinbrüche und Gesundheitsprobleme sein. Eine Überschreitung der Orientierungswerte für physikalisch-chemische und biologische Parameter kann eine Vielzahl an Schadwirkungen im tierischen Organismus auslösen. Für mikrobiologische Untersuchungen sind eine sachgerechte Probenahme und -transport besonders wichtig. Diese sichert die LUFA Rostock über geschulte, erfahrene Probenehmer

Abb. 1: Colilert-Verfahren zur Bestimmung des Gehaltes an coliformen Keimen und Escherichia coli

Abb. 2/3: Bestimmung von Legionellen (links) bzw. Enterokokken (rechts) mittels Membranfiltrationsverfahren

und einen eigenen Kurierdienst ab. Schwerpunkte bei der Probenahme für mikrobiologische Parameter sind die Entnahme einer „qualifizierten Stichprobe“ in ein sterilisiertes Gefäß und eine ungebrochene Kühlkette zum Labor. Sämtliche beschriebenen Untersuchungsmethoden sind an der LUFA Rostock akkreditiert. Des Weiteren ist die LUFA auch in der Landesliste der akkreditierten Trinkwasseruntersuchungsstellen aufgeführt. Kontakt: Dr. Stefan König Telefon: 0381 20307-56 E-Mail:

skoenig@lufa.lms-

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Dr. Wolfgang Sarich Telefon: 0381 20307-40 E-Mail:

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Das Blatt

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LUFA Agraranalytik

Biogasproduktion – maSSgeschneiderte Analytik

Nur wer sich auskennt, Aldo Arndt

Die LUFA Rostock beantwortet alle Ihre Fragen, die zum wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb von Biogasanlagen notwendig sind. Die Biogasproduktion kann als mehrstufige Wertschöpfungskette betrachtet werden, bestehend aus Biomasse-Erzeugung, Ernte und Konservierung, Biogas- und Düngerproduktion. Nur durch gute Ergebnisse in allen Teilbereichen lässt sich ein optimaler wirtschaftlicher Erfolg sicherstellen. Die Bewertung des Inputs (NaWaRo, Gülle, Mist), des Fermenterinhalts und des Gärrestes sind Schwerpunkte unserer Analysen. Hinsichtlich der Bewertung des Inputs stehen zwei Fragestellungen im Mittelpunkt. Welches Gaspotenzial ist enthalten? Welches Gefährdungspotenzial gibt es? Gasbildungspotenzial berechnen Zur Bewertung des Gasbildungspotenzials stehen im Wesentlichen

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Das Blatt

drei Methoden zur Verfügung: entweder die Berechnung des Gasbildungspotenzials nach Baserga oder nach Weißbach oder der Batch- bzw. praktische Gärversuch. Die Berechnungsmethoden bieten den gemeinsamen Vorteil, dass sie schnell und günstig durchführbar sind. Die Basis der Berechnungen sind Standardfuttermittelanalysen, die in einer hohen Genauigkeit und zügig ausgeführt werden.

Die Berechnung nach Baserga weist gegenüber derjenigen nach Weißbach einige Nachteile auf. In erster Linie zu nennen wären: die Ungenauigkeit der Baserga-Methode und dass sie nicht für Gülle und Mist anwendbar ist. Die Berechnung nach Weißbach, die von der LUFA Rostock empfohlen wird, gestattet darüber hinaus eine Beurteilung von Mischsilagen (Mais/ Futter- u. Zuckerrübe).


LUFA Agraranalytik

kann Vollgas geben Der Batch- oder praktische Gärversuch simuliert in einem Modellfermenter die Verhältnisse in einer Biogasanlage. Die Ergebnisse sind mit, offenbar verfahrenstypischen, Messfehlern behaftet. Die Analyse ist äußerst langwierig und teuer. Batchversuche eignen sich daher in erster Linie zur Beurteilung von Mischsubstraten, Abfällen und Gärresten, die nicht über Berechnungsmethoden bewertet werden können. Gefährdungspotenzial einschätzen Das Gefährdungspotenzial von Inputstoffen resultiert im Wesentlichen aus deren Belastung mit Hemmstoffen. Die Vielzahl von möglichen Hemmstoffen und de-

ren unterschiedliche Wirksamkeit in Biogasanlagen lässt eine Analyse und Bewertung aller möglichen Hemmstoffe unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sinnvoll erscheinen. Die effizienteste Möglichkeit, das Gefährdungspotenzial schnell und günstig einzuschätzen, ist die auf der Grundlage eines „unspezifischen Hemmstofftests“. Hierbei werden verschiedene Mikroorganismen dem Testmedium (z. B. Gülle) ausgesetzt. Sollte es zu einer Hemmung des Wachstums der Mikroorganismen kommen, so kann davon ausgegangen werden, dass auch das Wachstum der Fermenterbiologie gehemmt wird. Welcher Hemmstoff letztlich für die Hemmung verantwortlich ist, lässt

sich nicht eindeutig festlegen. Aber diese Frage stellt sich aus unserer Sicht an zweiter Stelle. Im Vordergrund steht die Frage nach dem positiven oder negativen Ergebnis des unspezifischen Hemmstofftests. Fermenterinhalt und Biologie Die Analyse von Fermenterinhalt dient in den allermeisten Fällen dazu, die Fragen zu beantworten: ob die Fermenterbiologie gehemmt oder gestört ist und wie Störungen beseitigt bzw. vorgebeugt werden können. Die Biogasproduktion ist ein komplexes biotechnologisches Verfahren, dessen Basis die durch verschiedene Mikroorganismen durchgeführte Methangärung ist. Die Fermenterbiologie kann daher

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LUFA Agraranalytik

ohne Zweifel als wichtigster Produktionsfaktor bezeichnet werden. Durch die Komplexität des Verfahrens gibt es eine Vielzahl chemischer, physikalischer, biologischer und technischer Einflussgrößen. Es ist nahezu unmöglich, alle Einflussfaktoren zu erfassen und zu bewerten. Um trotzdem eine effektive Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Fermenterbiologie vornehmen zu können, ist es zwingend erforderlich, auf möglichst aussagekräftige Kenngrößen zurückzugreifen. Es hat sich herausgestellt, dass das Gärsäurespektrum für diesen Zweck besonders geeignet ist, weil eine negative Beeinflussung der Fermenterbiologie unabhängig von der Einflussgröße immer im Gärsäurespektrum ablesbar ist und weil die Gärsäuren einfach, zuverlässig und schnell bestimmbar sind. Das Gärsäurespektrum Die einzelnen Gärsäuren sind Zwischenprodukte des mikrobiellen Abbaus der organischen Substanz und werden von der LUFA Rostock gaschromatografisch bestimmt. Diese Methode gilt als die exakteste. In Abhängigkeit von der Zusammensetzung des Gärsäurespektrums und der Verhältnisse der einzelnen Säuren zueinander ist nicht nur eine Bewertung des Ist-Zustands möglich, sondern auch eine Prognose der zukünftigen Entwicklung im Fermenter. Der FOS/TAC-Wert ist das Verhältnis aus organischen Säuren (FOS) und der Pufferkapazität (TAC) der Fermenterflüssigkeit. Er gibt Hinweise zur Stabilität der Fermenterbiologie. Grundlage der Bestimmung ist die Titration nach McGhee und Nordmann. Ein Wert von ungefähr 0,3 gilt als optimal. In

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der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass jede Anlage ihr individuelles Optimum besitzt. Wichtig ist deshalb die Tendenz in einer möglichst engmaschigen Zeitreihe. Insbesondere der TAC-Wert gestattet in Zusammenhang mit dem Gärsäurespektrum eine effektive Beurteilung der Fermenterbiologie. Das von uns empfohlene Basispaket für Fermenterinhalte umfasst daher das Gärsäurespektrum, das FOS/ TAC-Verhältnis und selbstverständlich Trockenmasse und pH-Wert. Spurenelemente sind Bestandteile von Enzymen und Koenzymen, die maßgeblich an der Umwandlung der Gärsäuren in Biogas beteiligt sind. Folgende Spurenelemente gelten als unverzichtbar: Nickel (Ni), Kobalt (Co), Selen (Se), Mangan (Mn), Molybdän (Mo), Kupfer (Cu), Zink (Zn), Eisen (Fe). Sind diese Spurenelemente in nicht ausreichender Menge vorhanden, so häufen sich die Gärsäuren an und die Produktion von Methan verringert sich. Ein Indiz für einen Nährstoffmangel ist daher ein Anstieg der Gärsäuren (Essig-, Propion-,i-Buttersäure,...) bei gleichzeitiger Verringerung der Methankonzentration im Biogas. Die Gärsäuren lassen sich am zuverlässigsten und genauesten mittels Gaschromatografie (GC) bestimmen. Analyse der Nährstoffgehalte Die beschriebenen Symptome – Anstieg der Gärsäuren, Rückgang der Methankonzentration – sind nicht automatisch auf einen Nährstoffmangel zurückzuführen. Ursache können auch technische Störungen oder der Eintrag/Entstehung von Hemmstoffen sein. Daher sollten bei einem Verdacht auf Spurenele-

mentmangel die genauen Konzentrationen im Fermenter ermittelt werden. Die Ergebnisse können mit Kennwerten verglichen werden. Da die Kennwerte in weiten Bereichen schwanken, sollten „Risikofaktoren“ in die Bewertung einbezogen werden: Risikofaktoren können einseitige Fütterung sein, z.B. 100 % Mais oder ausschließlich pflanzliches Material oder geringe Güllemengen in der Ration, schlechte Güllequalität – z.B. wenig TS, hohe Raumbelastung oder geringe Verweilzeiten. Die Analyse von Gärresten soll im Wesentlichen nur eine Frage beantworten: Welche Menge an Nährstoffen ist enthalten? Durch die Vergärung im Fermenter verändert sich das Ausgangssubtrat. Die Literaturangaben zu den Nährstoffgehalten von Gärresten streuen in einem weiten Bereich (bspw. P2O5 von 0,9 bis 6kg/m³) Um den IST-Zustand zu kennen, ist eine Analyse der Nährstoffgehalte dringend angeraten. Die LUFA Rostock empfiehlt hierzu das Basispaket: TM, N, NH4, P2O5, K2O, MgO. Wenn die Gärreste in Verkehr gebracht werden, d.h. wenn eine Abgabe an Dritte stattfindet, ist eine Deklaration der Gärreste erforderlich. Hier empfehlen wir für Gärreste das Deklarationspaket: TM, org. Masse, N, NH4, P2O5, K2O, MgO, Cu, Zn. Kontakt: Aldo Arndt Telefon: 0381 20307-26 E-Mail:

aarndt@lufa.lms-beratung.de


LUFA Agraranalytik

Grünfutter

Wissen, was drin ist Marion Dunker

Wie in jedem Frühjahr informierte die LMS Agrarberatung mit ihrem Analytiklabor LUFA Rostock auch in diesem Jahr über den optimalen Grünfutter-Schnittzeitpunkt. Dafür wurden in bewährter Weise 18 repräsentative Probeparzellen über das Land verteilt ausgewählt. Es handelt sich um Praxisflächen mit Ackergrasbeständen sowie um Dauergrünland auf Mineralböden und Niedermoorstandorten. Damit wurde den unterschiedlichen Produk-

tionsbedingungen und Naturräumen Rechnung getragen. Daraus ergaben sich die Reifeverläufe und Prognosen zum optimalen

Schnittzeitpunkt der verschiedenen Bestände und Standorte. Dies half, den richtigen Schnittzeitpunkt abzuschätzen, wenn sich die Standortverhältnisse und Pflanzenbestände in

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LUFA Agraranalytik

diesem Schema wiederfanden. Eine Analyse der eigenen betrieblichen Futterfläche ein- bis zweimal vor dem Erntetermin ist selbstverständlich die bessere Alternative. In den Analysen werden wesentliche Parameter der Energiebewertung ermittelt und zur besseren Bewertung der Gesamtqualität dargestellt. Durch die Einbeziehung der Verdaulichkeitskennzahl „Gasbildung“ wird im Zusammenhang mit der Zellwandfraktion „ADForg“ eine viel differenziertere Energieangabe der Gräser möglich. Der Rohfasergehalt des Grasbestandes bleibt nach wie vor der entscheidende Parameter zur Bestimmung der Schnittreife, um optimale Futterqualitäten bei gleichzeitig guter Silierbarkeit zu gewährleisten. Allerdings signalisiert das „Auseinderdriften“ zwischen dem Rohfasergehalt und dem Zellwandparameter ADForg eine beginnende physiologische Alterung der Gräser und sollte aufmerksam beobachtet werden. Die Analysen der fertigen Silagen des Jahres 2012 werden zeigen, ob die Prognosen geholfen haben, einen vernünftigen 1. Schnitt ins Silo zu bringen. Wir können gespannt sein. Grassilagen der Ernte 2011 Die Grassilagen des vergangenen Jahres (Tab. 1) weisen in allen Schnitten durchschnittliche hohe Trockenmassegehalte auf, die Frage einer ausreichenden Verdichtung und Konservierungsstabilität stellt sich aber erst bei TM-Gehalten über 50 %. Die Rohproteingehalte sind dagegen relativ niedrig. Die Rohaschegehalte unterschreiten erfreulicherweise den Richtwert von 100 g/kg TM schon seit einigen Jahren. Ein Restzuckergehalt

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Parameter

Einheit

Richtwerte

Durchschnitt

Spanne

ES*

FS*

ES*

FS*

ES*

FS*

Trockenmassegehalt

g/kg FM

350– 400

350– 400

403

394

208– 794

180– 754

Rohfaser

g/kg TM

220– 250

220– 250

230

245

151– 325

172– 317

Rohprotein

g/kg TM

<170

<170

159

153

90– 242

81– 240

Rohasche

g/kg TM

<100

<100

89

96

55– 292

61– 336

Zucker

g/kg TM

>30

>30

68

51

n.n.– 199

3– 186

MJ NEL/kgTM

>6,4

>6,0

6,0

5,7

4,3– 7,4

3,3– 7,0

Rohfett

g/kg TM

>30

>30

33

33

11– 45

18– 47

ADForg

g/kg TM

250300

250300

286

302

182– 407

181– 577

ml/200 mg

>45

>45

45,7

43,7

31,7– 65,3

29,9– 59,3

Calcium

g/kg TM

4,5 – 5,5

4,5 – 5,5

6,0

6,0

2,5 –21,7

2,7 –22,0

Phosphor

g/kg TM

3,0 – 4,5

3,0 – 4,5

2,6

3,0

0,9 – 4,4

1,6 – 5,3

Natrium

g/kg TM

2,0 – 5,0

2,0 – 5,0

1,3

1,6

0,1 – 8,2

0,1–7,7

Magnesium

g/kg TM

>2,0

>2,0

1,8

2,1

0,8 – 3,8

0,9 – 4,2

Kalium

g/kg TM

<30

<30

20,2

20,0

4,3 –41,3

4,0 –39,7

Energiegehalt

Gasbildung (HFT)

Mineralstoffe

ES* = 1. Schnitt / FS* = Folgeschnitte Tab. 1: Grassilagen – 1. Schnitt, Folgeschnitt, Ernte 2011

von 68 im 1. Schnitt bzw. 51 g/kg TM in den Folgeschnitten ist verhältnismäßig hoch und damit in der Rationsgestaltung kein unerheblicher Faktor. Neben der Einbeziehung des Verdaulichkeitsparameters „Gasbildung (HFT-Hohenheimer Futterwerttest)“ ist auch die Analyse des Rohfetts und der ADForg (aschefreie saure Detergentienfaser) obligatorisch. Der wichtigste Effekt der Bewertung: Die Verdaulichkeit des Grasproduktes bekommt einen hohen Stellenwert und die Faserfraktionen werden detaillierter betrachtet.

Der Verdaulichkeitsparameter Gasbildung hat den größten Einfluss auf die Berechnung des NEL-Gehaltes und unterstreicht mit 45,7 bzw. 43,4 ml/200 mg TM die Verbesserungswürdigkeit bei einem Richtwert von >45,0. Im Zusammenhang mit dem Zellwandparameter ADForg (in der Regel je kg TM 20 bis 50 g höher als der Rohfasergehalt) erklären sich die mäßigen Energiegehalte von 6,0 bzw. 5,7 MJ/kg TM. Die Energieschätzformel verdeutlicht sehr gut die Unterschiede in den Energiepotenzialen der eingesandten Proben.


LUFA Agraranalytik

Untersuchung von Grund- und Einzelfuttermitteln durch die LUFA Rostock Der „Untersuchungsauftrag für Grundund Einzelfuttermittel“ auf Seite 59 bietet Ihnen die Möglichkeit, die gewünschte Analytik auszuwählen. Bitte füllen Sie zunächst das Feld zum „Auftraggeber“ (mit Adresse und Angaben zur Probenahme) leserlich aus. Da jeder Probe ein individueller Untersuchungsauftrag zugeordnet wird, ist die eindeutige Identifizierung über „Probe-Nr.“ und „Lagerort“ unbedingt erforderlich, bitte machen Sie hier Ihre Angaben. Darunter können Sie die sensorische Beschaffenheit mit der sogenannten Sinnesprüfung vornehmen. Ihre hier gemachten Angaben zu „Farbe“ und „Geruch“ runden die Einschätzung Ihres Futtermittels durch die folgende LUFA-Analytik ab. Für Ihre „Grasprodukte“ und/oder „Maisprodukte“ empfehlen wir die umfassende Analytik „Gras-Maxi“ bzw. „Mais-Maxi“, die Untersuchungsstandards bei der LUFA Rostock sind. Bitte kreuzen Sie unter „Grasprodukte“ den Futtertyp (Grassilage, Grünfutter, Heu) und die Schnitt-Nr. (1. bis 4.) an. Verfahren Sie bei „Maisprodukte“ dementsprechend. Den „Untersuchungsauftrag Grundund Einzelfutter“ können Sie für Einzelfutter jeglicher Art (Grundfutter, Getreide, Soja-/Rapserzeugnisse etc.) verwenden. Unter „Einzelfutter“ können Sie die gängige Analytik aller Inhaltsstoffe (sog. Weender Analyse) plus Angaben zum Energiegehalt auswählen. Wünschen Sie ausschließlich „Einzelanalysen“ für Ihr Futtermittel, wählen Sie diese bitte weiter unten auf dem Formular aus. Selbstverständlich

Probeparzelle

können Sie hier auch zu einer oben gewählten Untersuchung von Gras-/ Maisprodukten und Einzelfuttermitteln zusätzliche Analysen anfordern (von Eiweißparametern über Mengenund Spurenelemente, Gärparameter, mikrobiologische Untersuchungen bis hin zu Schadstoffen). Sollten Sie über die im vorliegenden Formular hinausgehende Untersuchungswünsche oder Fragen haben, vermerken Sie diese bitte unter „weitere Anforderungen“. Falls Sie für Ihr eingeschicktes Grund- oder

Foto: Johannes Ullrich

Einzelfuttermittel, z. B. Maissilage, auch eine Einschätzung als „BiogasKomponente“ wünschen, können Sie hier die Untersuchung nach BASERGA oder WEISSBACH ankreuzen. Einen separaten „Untersuchungsauftrag „Fermenterinhalt/Gärsubstrat“ mit näheren Informationen zur komplexen Analytik rund ums Biogas finden Sie auf Seite 61. Kontakt: Marion Dunker Telefon: 0381 20307-27 E-Mail:

mdunker@lufa.lms-

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BIS – Büro für Immissionsschutz

Änderung des Baugesetzbuches

Beschränkung der gewerblichen Tierhaltung im Außenbereich Manja Beese

Der § 35 des Baugesetzbuches (BauGB) regelt das Bauen im Außenbereich und somit auch die bauplanerische Zulässigkeit von Tierhaltungsanlagen, sofern sie nicht im Innenbereich errichtet oder geändert werden sollen. Die geplante Novellierung des BauGB sieht die Abschaffung der Privilegierung aller gewerblichen Tierhaltungsanlagen im Außenbe-

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reich gemäß § 35 Abs. 1 Nr.4 BauGB vor, sofern diese der Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsuntersuchung im Sinne des

Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) unterliegen. Gemäß § 35 Abs. 1 Nr.4 BauGB ist im Außenbereich ein Vorhaben zulässig,


BIS – Büro für Immissionsschutz

wenn öffentliche Belange dem nicht entgegenstehen, die ausreichende Erschließung gesichert ist und wenn es wegen seiner besonderen Anforderungen an die Umgebung, wegen seiner nachteiligen Wirkung auf die Umgebung oder seiner besonderen Zweckbestimmung nur im Außenbereich ausgeführt werden soll. Dieser Privilegierungstatbestand ist häufig im Falle der Errichtung und des Betriebs von gewerblichen Tierhaltungsanlagen gegeben. Die Kriterien, wonach ein Tierhaltungsbetrieb unter den Begriff der Landwirtschaft oder des Gewerbes fällt, formuliert § 201 BauGB. Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Tierhaltung definiert sich über die Fläche, die theoretisch zur Erzeugung von mehr als 50 % des Futters notwendig ist. Stehen keine ausreichenden Flächen zur Verfügung, handelt es sich im Sinne des BauGB um gewerbliche Tierhaltungsanlagen. Die Konsequenz der geplanten Novellierung des BauGB ist demnach, dass der Außenbereich nur der Nutzung durch die Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Anlagen vorbehalten werden soll. Achtung bei wenig Fläche Größere Betriebe mit einer geringen Flächenausstattung haben somit zukünftig mit nachteiligen Auswirkungen zu rechnen. Nach der geplanten Neuregelung sollen gewerbliche Anlagen im Außenbereich nur noch dann entstehen dürfen, wenn sie aufgrund der geplanten Anzahl der Tiere nicht der Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegen. Für Schweinebetriebe beispielsweise liegt hier die Grenze bei 3.000 Tier-

plätzen für Mastschweine bzw. 900 Tierplätzen für Sauen. Aber auch schon ab 1.500 Tierplätzen für Mastschweine oder 15.000 Tierplätzen für Hennen kann die Zulässigkeit des Stallbaus im Außenbereich entfallen, wenn die Genehmigungsbehörde im Ergebnis der sogenannten Vorprüfung des Einzelfalls gemäß § 3 c UVPG entscheidet, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig erscheint. Unterschiedliche Entwicklungsabsichten Ziel der geplanten Novellierung des BauGB ist es, den Gemeinden die Möglichkeit zu gewähren, den Bau großer gewerblicher Tierhaltungsanlagen besser zu steuern und wo nötig zu begrenzen, da die Entwicklungsabsichten von Gemeinden zunehmend von denen tierhaltender Betriebe berührt werden. Zukunftsorientierte Tierhaltungsbetriebe investieren aber überwiegend in Stallanlagen an Standorten im Außenbereich aufgrund der in § 35 Abs. 1 Nr.4 BauGB formulierten Anforderungen und Wirkungen der Anlagen. Interessen ausgleichen Insbesondere an der Grenze zwischen Innen- und Außenbereich; am Rand der im Zusammenhang bebauten Ortsteile; befinden sich potenzielle Bereiche, welche die Gemeinden für ihre Flächenentwicklung nutzen wollen. Geplante und bereits existierende Ställe können allerdings z. B. die Ausweisung neuer Wohnbauflächen wegen der Einhaltung von erforderlichen Mindestabständen auf Grund von Geruchsimmissionen aus der Tierhaltung einschränken.

Bauleitplanerische Steuerungsinstrumente sollen grundsätzlich einen Interessenausgleich zwischen den Entwicklungsabsichten der Gemeinde und den gemäß Baugesetzbuch im Außenbereich privilegierten Tierhaltungsprojekten schaffen. Kein Anspruch auf Ausweisung Ein solches Steuerungsinstrument stellt die Ausweisung von Bebauungsplänen dar. Mit der Ausweisung von Sondergebieten für gewerbliche Tierhaltungsanlagen nach § 35 (3) Satz 3 BauGB oder der Festsetzung von sonstigen Sondergebieten für Tierhaltungsanlagen wäre eine Bebauung im Außenbereich somit auch künftig für gewerbliche Anlagen gegeben. Einen Rechtsanspruch auf die Ausweisung solcher Gebiete haben die Antragsteller aber nicht. Am 14.02.2012 wurde der „Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Innenentwicklung in den Städten und Gemeinden und weiteren Fortentwicklung des Städtebaurechts“ (Referentenentwurf zur Novellierung des BauGB des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung) an Länder und Verbände zur Stellungnahme übersandt. Das förmliche Gesetzgebungsverfahren soll noch im Jahr 2012 abgeschlossen werden. Gewerbliche Tierhaltungsanlagen mit Neubau- oder Erweiterungsabsichten sollten begonnene Planungen zügig weiterführen und die möglichen Konsequenzen der geplanten Novellierung des BauGB nicht außer Acht lassen. Kontakt: Manja Beese Telefon: 0381 877133-87 Handy: 0162 1388071 E-Mail: mbeese@lms-beratung.de

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LFB – Landwirtschaftliches Fachrecht & Beratung

Böden – ein knappes Gut

Bodenschadverdichtungen erkennen und vermeiden Dr. Silvia Kastell, Dr. Hans-Eberhard Kape

Böden sind ein knappes Gut. Sie sind die Produktionsgrundlage für Nahrungsmittel und für nachwachsende Rohstoffe. Böden sind ein Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Bodenorganismen. Sie speichern Wasser, Nährstoffe, Kohlenstoff und sind deshalb wichtig für den Klimaschutz. Schädliche Bodenverdichtungen müssen deshalb soweit wie möglich vermieden werden, um die natürliche Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. In ihrer gesamten Tiefe nicht verdichtete Böden mit entsprechender Mächtigkeit der Ackerkrume sind die Grundlage für die wirtschaftliche Existenz eines landwirtschaftlichen Betriebes. Je nach Ausprägung einer Bodenschadverdichtung ist mit Ertragsausfällen von 5 bis 40 % zu rechnen. Deshalb ist es wichtig, die Leistungsfähigkeit des Bodens als Standort für die landwirtschaftliche Nutzung zu erhalten. Bedeutung des Bodengefüges Die Struktur eines Bodens – das Bodengefüge – bestimmt sich nach der räumlichen Anordnung der Bodenteilchen zueinander und hat großen Einfluss auf die im Boden ablaufenden Prozesse. Sie ist ein Spiegel des Bodenzustands. Das Bodengefüge beeinflusst maßgeb-

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Das Blatt

lich den Wasser- und Lufthaushalt sowie die Wachstumsbedingungen für die Pflanzen. Es bestimmt auch die Tragfähigkeit eines Bodens. Je stabiler das Bodengefüge, desto mehr Auflast kann der trockene Boden tragen, ohne Schaden zu nehmen. Die Gefügeform des Bodens bestimmt die Wasser- und Nährstoffaufnahmekapazität eines Standortes und ist damit ein wichtiger Faktor für die Ertragsfähigkeit. Bei schlechter Struktur ist die Nährstoffaufnahme auf wenige Bereiche beschränkt, so dass ein insgesamt höheres Nährstoffpotenzial vorhanden sein muss. Eine gute Bodenstruktur ermöglicht eine optimale Durchwurzelung und damit eine gute Ausnutzung der gesamten Nährstoffe.


LFB – Landwirtschaftliches Fachrecht & Beratung

aufgrund ihrer jahrzehntelangen Bewirtschaftung nicht mehr mit der natürlichen Lagerungsdichte vergleichbar. Vor allem durch Entwässerung, Bodenbearbeitung und Düngung haben sich die Bodenstruktur und damit die Lagerungsdichte wesentlich verändert. Um einen erfolgreichen Pflanzenbau zu gewährleisten, darf auch die Bodenverdichtung nicht in einen Bereich ansteigen, der sich negativ auf das Pflanzenwachstum auswirkt und als Bodenschadverdichtung zu bezeichnen ist.

Abb.1: Durchwurzelung bei schlechter und guter Bodenstruktur (Bundesarbeitskreis Düngung, 2003)

Was ist eine Bodenschadverdichtung? Alle Böden haben eine natürliche Lagerungsdichte bzw. Bodenverdichtung, die u.a. von ihrer Entstehung (Bodenart, Eisdruck der Gletscher) bzw. anderen natürlichen Bedingungen (Frost, Durchwurzelung, Überschwemmung, biologische Aktivität) beeinflusst ist. Die Bodenverdichtung auf landwirtschaftlichen Flächen ist

Eine Bodenverdichtung wird dann zu einer Bodenschadverdichtung, wenn das Porensystem im Boden soweit verformt ist, dass die Versorgungsleistungen (Luft, Wasser) für den Pflanzenbestand und damit die Ertragsfähigkeit und Ertragssicherheit dauerhaft beeinträchtigt sind. Diese Gefügeänderung hat negative Auswirkungen auf die Produktionsfunktion (Ertrag, Kosten), die Regulationsfunktion (Puffer, Speicher und Leiter für Wasser, Sauerstoff, Nähr- und Schadstoffe) und auf die Lebensraumfunktion für Bodenorganismen. Des Weiteren werden die Wärmeleitfähigkeit beeinträchtigt und die Erosionsanfälligkeit erhöht.

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LFB – Landwirtschaftliches Fachrecht & Beratung

Wie erkennt man Bodenverdichtungen? Oberirdische Pflanzenteile:

gelbe Färbung und Kümmerwuchs

Bodensondenwiderstand:

2,0 MPa und höher

Bodenoberfläche: Bodenaufbau: Wurzelwachstum:

Rottezustand: Bodengeruch:

verschlämmt, Wasser versickert sehr langsam, Pfützenbildung, Fäulnisgeruch, grüne Farbe durch Algenbildung beim Auseinanderziehen mit dem Messer bricht der Boden entlang klarer Trennlinien teilweise Seiten- statt Tiefenwachstum, „Beinigkeit“ (Raps, Rüben), ungleichmäßige Durchwurzelung bevorzugt in Rissen, Klüften und auf Schichtgrenzen vertorfte organische Reste, Krusten, „Matratzen“ bilden Sperrschichten, organisches Material verfault, statt zu verrotten, Umsetzung erfolgt sehr langsam faulig nach Schwefelwasserstoff (ähnlich faulen Eiern) horizontal ausgerichtete, sehr feste Bodenaggregate, Klumpengefüge, Gefüge kompakt,

Bodengefüge:

porenarm, bricht scharfkantig, Verschlämmung und Einzelkorngefüge an der Oberfläche, Trümmergefüge aus verdichteten Brocken, anaerobe Zone im Inneren des Brockens, Polyedergefüge, Plattengefüge als Resultat der Bodenverdichtung

Verfestigungsgrad der Aggregate:

sehr stark/sehr fest; Boden zerfällt kaum, die groben Blöcke können kaum von Hand

Lagerungsdichte:

sehr hoch; Messer nur mit der Spitze oder gar nicht in den Boden zu drücken

zerteilt werden

gering; 1 bis 2 Volumenprozent der Fläche, nur vereinzelt alte Wurzelgänge, Regenwurmgänge Makroporenanteil:

selten, zerstörtes Leitbahnsystem (Wurm- und Pflanzenröhren, Spalten), wenige blasenförmige Hohlräume ohne Zusammenhang

Pflanzenertrag:

schlecht bei regelmäßiger und guter Nährstoffversorgung

Abb. 2: Polyedergefüge des Bodens zeigen eine Bodenschadverdichtung an

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Abb. 3: Kümmerwuchs von Rapspflanzen aufgrund von Bodenverdichtungen


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Abb. 4: Verschlämmte Bodenoberfläche infolge von sich stauendem Regenwasser als ein möglicher Hinweis auf eine Bodenschadverdichtung

Abb. 5: Zerstörtes Bodengefüge durch Befahren von nassem Boden

Besonders betroffene Flächen In landwirtschaftlichen Betrieben gibt es zahlreiche Flächen, die besonders betroffen sind, wie z.B. Vorgewende, Fahrgassen, Festmistlagerflächen, Rübenmieten, Weiden mit zu hohem Viehbesatz bei hoher Bodenfeuchte, vernässte Stellen und Krumenbasis (oft ganzflächig).

Technische Möglichkeiten zur Vorsorge gegen Bodenschadverdichtungen - Kontaktflächendruck durch Vergrößerung der Rei fenaufstandsfläche verringern (Breit- und Terrareifen, Reifendruckregelanlagen, Raupenfahrwerke) - Verringerung der Radlast (gezogene anstatt ange hängter Geräte, gleichmäßige Lastenverteilung auf alle Achsen) - Radschlupf verringern (Breitreifen oder Raupenlauf werke mit hoher Traktion; geringerer Reifeninnendruck, Verteilung der Last auf viele Achsen, Allradantrieb) - Reifendruck senken - Die Bodenverdichtung kann mit niedrigem Reifen druck bis zu 30 % verringert werden.

Ursachen von Bodenschadverdichtungen Die Ursachen der Verdichtungen sind ebenso vielfältig wie vermeidbar. Neben der Bodenbearbeitung bei feuchtem Boden (Boden schmiert) schaden auch falsch eingestellte Bodenbearbeitungsgeräte und abgenutzte oder fehlkonstruierte Schare das Fahren in der Furche beim Pflügen dem Boden. Staunässe entsteht durch verstopfte oder beschädigte Drainagen bzw. verzögerte natürliche Abflüsse, Viehtritt durch zu hohe Viehbesatzdichten bei feuchter Witterung. Das Fahren auf frischgepflügtem, feuchtem Acker ohne vorherige Rückverdichtung (Packerwalze) ist ebenso wenig förderlich wie Radlasten > 6 t bei feuchtem und > 10 t bei trockenem Boden (bezogen auf 600er Reifenbreite, 1 bar Reifeninnendruck bei feuchtem Boden, 2 bar Reifeninnendruck bei trockenem Boden) und Transportfahrzeuge mit normaler Straßenbereifung auf dem Feld. Ein geringer Humusgehalt des Bodens und wenig organische Substanz als Nährstoffquelle für Bodenlebewesen, wenig Bodenleben und Kalkmangel. Eine Steigerung der Druckfortpflanzung in die Tiefe bis in den Unterboden entsteht durch eine größere Reifenkontaktfläche.

Abb. 6: Schema der Reifendruckzwiebel beim Onland-Pflügen (a) und beim Pflügen in der Furche (b) (bei identischer Radlast)

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Anpassung von Arbeitsverfahren: - Onland-Pflügen mit breiten Reifen bewirkt eine geringe Verdichtung im Unterboden und ist effektiv (Rückgang der Bodendichte, Kraftstoffeinsparung, Furchenwand bleibt stabil). Der Bodendruck ist in 40 cm Tiefe geringer als beim Fahren in der Furche unter dem Furchenrad. - Verringerung der Anzahl der Überfahrten (Arbeitsgänge zusammenlegen bzw. deren Notwendigkeit prüfen, Einhalten angestammter Fahrgassen und Feldwege, GPS-Steuerung) - Bodenbearbeitung nur bei trockenem Boden und mit richtig eingestellten Bearbeitungsgeräten - Bearbeitungsintensität verringern (konservierende Bodenbearbeitung, flaches Pflügen) - Anlegen von Fahrgassen Erhöhung der Tragfähigkeit des Bodens: - Anbau von Zwischenfrüchten, Fruchtfolgegestaltung u. Verbleib von Ernteresten auf der Fläche (zur Gefüge stabilisierung, Förderung des Bodenlebens, Erhöhung des Humusgehalts, Leguminosen binden Luftstick stoff im Boden, Erosions- und Verschlämmungsschutz) - konservierende Bodenbearbeitungsverfahren (z. B. Streifenbodenbearbeitung) einsetzen - organische anstatt mineralische Düngung (Erhöh ung des Humusgehalts und der Bodenfauna) - optimale pH-Werte gewährleisten (bewirkt besseres Bodengefüge)

Abb. 7: Maßnahmen zur Verminderung von Bodenverdichtungen (Strip-tillage, Mulchschicht, Zwischenfrüchte)

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Unterbodenlockerung richtig anwenden: Die Unterbodenlockerung hat sich langfristig als nicht nachhaltig erwiesen. Unter den Bedingungen einer belastungsintensiven Landwirtschaft sind vorbeugende Maßnahmen vorrangig. Unterbodenverdichtungen können nur durch aufwendige mechanische und biologische Reparaturmaßnahmen mit hohem Energieeinsatz langfristig saniert werden. Wenn eine Unterbodenlockerung durchgeführt wird, muss dem Boden Zeit gegeben werden, sich wieder zu setzen, da ein zeitnahes Befahren eine stärkere Verdichtung zu Folge haben kann. Zusätzlich sollten tiefwurzelnde Fruchtarten angebaut werden, die in der Lage sind, die entstandenen Hohlräume zu durchwurzeln und so die Wirkung der Bodenlockerung aufrechtzuerhalten. Bei der Unterbodenlockerung ist zu beachten, dass Bodendenkmale, die häufig nur wenige dm unter der Bodenoberfläche liegen, beschädigt und zerstört werden.


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Gesetzliche Regelungen Die Grundsätze zur Vermeidung von Bodenschadverdichtung sind im § 17 BBodSchG aufgeführt und sehen unter anderem vor, dass die Bodenbearbeitung unter Berücksichtigung der Witterung grundsätzlich standortangepasst zu erfolgen hat. Zusätzlich sind die Regeln der guten fachliche Praxis des § 17 des BBodSchG zu beachten: „Bodenverdichtungen, insbesondere durch Berücksichtigung der Bodenart, Bodenfeuchte und des von den zur landwirtschaftlichen Bodennutzung eingesetzten Geräten verursachten Bodendrucks, sind so weit wie möglich zu vermeiden.“ Kontakt: Dr. Silvia Kastell und Dr. Hans-Eberhard Kape Telefon: 0381 20307-70 / -72 Abb. 8: Unterbodenlockerung in der Fahrspur

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Veranstaltungen

Workshop

Zweiter LMS-Workshop zur Milchproduktion sehr gut angenommen! Dr. Stefan Weber

Zum zweiten LMS-Workshop trafen sich vom 7.-9. März 2012 in Bützow 18 Teilnehmer aus verschiedenen Bundesländern in angenehm lockerer Atmosphäre. Mit verschiedensten Referenten wurde Altbekanntes aufgefrischt. Der intensive Erfahrungsaustausch, auch mit eigenen Betriebsdaten, stand dabei im Vordergrund. umfangreiches Nachschlagewerk und konnten mit gewonnenen Eindrücken wieder auf den eigenen Betrieb fahren. Auch dieses Mal hat es wieder viel Spaß gemacht, den Kurs zu organisieren und durchzuführen! Kontakt: Dr. Stefan Weber Telefon: 0381 877133-80 E-Mail: sweber@lms-beratung.de Dirk Prützmann in Aktion bei der Körperkonditionsbeurteilung

Tiergesundheit und Fruchtbarkeit waren Schwerpunkte, aber auch der Bereich Arbeitsorganisation war ein Thema, welches in Gruppen bearbeitet wurde. Die unterschiedlichen Erfahrungen wurden teilweise kontrovers diskutiert. Zu den Möglichkeiten der Bestandsbetreuung aus Sicht einer praktizierenden Tierärztin und Betriebsleiterin referierte Dr. Dorothee Hobel-Meiners in überzeugende Art und Weise. Am nächsten Tag konnten sich alle bei einer ausgiebigen Betriebsbesichtigung auf dem Betrieb der GbR Meiners/Hobel selbst ein Bild machen und überzeugen lassen. Während Frau Dr. Hobel-Meiners zu verschiedensten Arbeiten am Tier

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Das Blatt

mit den Kursteilnehmern Übungen absolvierte, führte LMS-Berater Dirk Prützmann in routinierter Art und Weise mit der anderen Gruppenhälfte an vorbereiteten Tieren eine intensive Körperkonditionsbeurteilung durch. Am letzten Kurstag standen u.a. Hilfsmittel zum Herdenmanagement in Milchviehherden auf der Tagesordnung. Gemeinsam mit LMS-Beraterin Marion Buck stellten wir den LMSHerdencheck vor und diskutierten unsere Herangehensweise vom LUFAAttest bis zur fertigen Ration mit Hilfe des in unserer Beratung genutzten Futter-Programms. Alle erhielten ein

Dr. Dorothee Hobel-Meiners mit WorkshopTeillnehmern beim Betriebsrundgang

Selbst Hand anlegen ist angesagt, Herr Mehrkens und Herr Matner in Aktion!


Die Dienstleister für Höchstleister

Untersuchungsauftrag Grund- und Einzelfutter LUFA Rostock

Auftraggeber: _____________________________________

Graf-Lippe-Straße 1 18059 Rostock

PLZ / Ort:

_____________________________________

Straße / Nr:

_____________________________________

Anerkanntes Prüflaboratorium

Tel / Fax:

_____________________________________

http://www.aks-hannover.de

Kopie an:

_____________________________________ E-Mail: _____________________________________

Telefon: +49 381 20 30 70 Telefax: +49 381 20 30 790 E-Mail: lufa@lms-beratung.de

Kenn-Nr

21304

Probenahme (Lufa): _________________ ; _________________€ Verpackung: _____________________________________ Probe-Nr.: _______________________________

Lagerort: _______________________________

Farbe:

Geruch:

grünlich

gebleicht

gelblich bräunlich Grasprodukte

angenehm säuerlich

aromatisch

arteigen

schwarz

noch angenehm

brotartig

fremdartig

arteigen

unangenehm

stechend

heuartig

Grassilage

Grünfutter

Schnitt:

Heu

1.

2.

3

4.

Gras-Maxi (LUFA Standard):

Gras-Mini + Ca, P, Na, Mg, K + NDForg + Zucker

Gras-Plus:

Gras-Mini + Ca, P, Na, Mg, K

Gras-Mini:

TM, RA, RP, Rfa, ADForg, Rfe, Gasbildung, Strukturwert, pH, nRP, RNB, ME, NEL

Maisprodukte

Maissilage

Grünmais

Maisschrot (CCM)

Körnermais

LKS

Mais-Maxi (LUFA Standard):

Mais-Mini + Ca, P, Na, Mg, K + ADForg

Mais-Plus:

Mais-Mini + Ca, P, Na, Mg, K

Mais-Mini:

TM, RA, RP, Rfa, NDForg, Rfe, Stärke, ELOS, Strukturwert, pH, nRP, RNB, ME, NEL

Einzelfutter TM, RA, RP, Rfa, Rfe, nRP, RNB, ME, NEL

TMR

GPS

Rapsprodukt

Sojaprodukt

Schlempe

Treber

Futterroggensilage

Luzernesilage

ZR-Silage

Biogas-Komponente

Material: _______________________________________________________________

Biogas nach BASERGA

(theoretische Gasausbeute lt. Verdaulichkeitsquotienten, Methanertrag)

Biogas nach WEISSBACH

(theoretische Gasausbeute lt. fermentierbarer organischer TS, Methanertrag)

Einzelanalysen Trockenmasse

Nitrat

Ca

Cu

pH-Wert

Aflatoxin

Rohasche

Reineiweiß

P

Mn

Siliererfolg (TM, pH, NH3)

Ochratoxin

Rohprotein

puRP

Na

Zn

unerwünschte Gärsäuren

DON

Rohfaser

NFE

Mg

Fe

Milchsäure

ZEA

Rohfett

ADL

K

Se

Alkohole

Salmonellen

Zucker

ADForg

Cl

Sand

Clostridien

Hefen / Schimmelpilze

Stärke

NDForg

S

DCAB

Pb, Cd, As, Hg

Eiweiß- und Energiebewertung nach niederländischem Modell (VEM, VOS, DVE, OEB, FOS) Weitere Anforderungen: ____________________________________________________________________________ ____________________ Datum

____________________________________ Unterschrift Auftraggeber

____________________________________ Unterschrift Probenehmer


Die Dienstleister für Höchstleister

Untersuchungsauftrag Fermenterinhalt / Gärsubstrat Auftraggeber: _____________________________________

LUFA Rostock

PLZ / Ort:

_____________________________________

Graf-Lippe-Straße 1 18059 Rostock

Straße / Nr:

_____________________________________

Anerkanntes Prüflaboratorium

Tel / Fax:

_____________________________________

http://www.aks-hannover.de

Kopie an:

_____________________________________ E-Mail: _____________________________________

Kenn-Nr

21304

Telefon: +49 381 20 30 70 Telefax: +49 381 20 30 790 E-Mail: lufa@lms-beratung.de

Probenahme (Lufa): _________________ ; _________________€ Verpackung: _____________________________________ Probe-Nr.: ____________________

Biogasanlage/Lagerort: ___________________________

Fermentervolumen: _________ m3

Inputstoffe: _____________ m3 o. t

Probenahmedatum: _____________

Inputmenge gesamt: _____________ m3 o. t

Untersuchungsanforderungen: Standards oder Einzeluntersuchungen TM, pH-Wert, organ. Säuren + Essigsäureäquival. TM, pH-Wert, organ. Säuren + Essigsäureäquival., N, NH4 TM, N, P, K, Mg, NH4 Spurenelemente (Fe, Co, Mo, Ni, Se, Mn, Cu, Zn) organische Trockensubstanz (oTS) FOS/TAC-Verhältnis theoretische Biogasausbeute nach BASERGA (TM, Ra, Rp, Rfa, Rfe; Biogas in l/kg oTS, m³/t FM, CH4 in Vol%) theoretische Biogasausbeute nach WEISSBACH (FoTS, Ra, Rfa, TS; CH4 / Biogas in l/kg FM und l/kg TM) Phyto- und Seuchenhygiene (Salmonellen, keimf. Samen und austriebsfähige Pflanzenteile) lt. DümV (Gesamt-N, P, K, Mg) Bei Einzeluntersuchungen gewünschte Analysen ankreuzen: Trockenmasse (TM)

Calcium (CaO)

Gesamtstickstoff (N)

Kupfer (Cu)

Ammoniumstickstoff (NH4-N)

Zink (Zn)

Phosphor (P2O5)

Schwefel (S)

Kalium (K2O)

pH-Wert

Magnesium (MgO)

Organische Säuren

Organische Trockensubstanz (oTS) Weitere Untersuchungsanforderungen: _______________________________________________________________ Deklarationserstellung (Biogasgülle / Gärrest) – Mindestuntersuchungsprogramm: als NPK-Dünger (Ausgangsstoffe und Endprodukt aus eigenem Betrieb) – TM, N, P, K, MG, NH4-N als NPK-Dünger (Ausgangsstoffe oder Endprodukt aus/für anderem/n Betrieb) – TM, N, P, K, Mg, NH4-N, OS, Cu, Zn Ausgangsstoffe:

____________________ Datum

_________ %

_________ %

____________________________________ Unterschrift Auftraggeber

_________ %

_________ %

____________________________________ Unterschrift Probenehmer


Extras

Fristen Juni bis September 2012

Juni

30.06.2012

Ende Mahd- und Mulchverbot Aus der Erzeugung genommene Acker- oder Dauergrünlandflächen müssen jährlich gemulcht (Aufwuchs zerkleinern und ganzflächig verteilen) oder alle zwei Jahre gemäht werden (Mähgut muss dann abgefahren werden). In der Zeit vom 1. April bis zum 30. Juni ist das Mähen und Mulchen aber verboten. (§4 DirektZahlVerpflV)

September 30.09.2012

Ende der Verbotsfrist Gehölzschnitt In der Zeit vom 15. März bis zum 30. September ist es verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen. (§ 39 (5) Naturschutzgesetz) (keine Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit der Fristen)

Kontakt: Torsten Fiedler, Telefon: 0381 877133-37, E-Mail: tfiedler@lms-beratung.de

Publikation

Milchkuhfütterung Eine optimale Fütterung versorgt Milchkühe leistungsund wiederkäuergerecht, ohne ihre Gesundheit oder Fruchtbarkeit zu gefährden. Das Heft erklärt, wie Milchviehhalter Rationen kostenorientiert planen, umsetzen und kontrollieren können. Dabei gilt es, Unter- oder Überversorgungen in den verschiedenen Laktationsphasen zu vermeiden. Wie können die Futteraufnahme und der Kraftfuttereinsatz optimiert werden? Was ist bei einer Total-Misch-Ration zu berücksichtigen? Welche Maßnahmen helfen gegen Fütterungskrankheiten? Auch aktuelle, in der Öffentlichkeit thematisierte Fragestellungen wie Fütterung und Umweltentlastung sowie Minderung der Klimagase werden behandelt. Eine Linkliste, Hinweise auf Literatur inklusive aid-Medien runden den Inhalt des Heftes „Milchkuhfütterung“ ab. Das Heft eignet sich für den Einsatz in agrarwirtschaftlichen Berufs- und Fachschulen, für Landwirte und alle, die sich schnell und kompakt über Milchkuhfütterung informieren möchten. Autoren: Hubert Spiekers und Annette Menke 3. veränderte Neuauflage 2012, Format DIN A5, 84 S., Bestell-Nr. 1089, ISBN/EAN: 978-3-8308-1020-9 EUR: 3,50 € zzgl. Versandkostenpauschale Online-Bestellung unter www.aid.de/shop, E-Mail: bestellung@aid.de

Das Blatt

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LMS Agrarberatung LMS Landwirtschaftsberatung MV/SH GmbH Graf-Lippe-Str. 1, 18059 Rostock Geschäftsführer: Berthold Majerus Tel.: 0381 877133-0, Fax: 0381 877133-70 E-Mail: gf@lms-beratung.de LUFA Rostock der LMS Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Graf-Lippe-Str. 1, 18059 Rostock Tel.: 0381 20307-0, Fax: 0381 20307-90 E-Mail: lufa@lms-beratung.de LMS Agrarberatung, Büro Neubrandenburg 17094 Tollenseheim Tel.: 039605 61250, Fax: 039605 61254 E-Mail: nb@lms-beratung.de LMS Agrarberatung, Büro Schwerin Waldschulweg 2, 19061 Schwerin Tel.: 0385 39532-0, Fax: 0385 39532-44 E-Mail: sn@lms-beratung.de

Impressum Das Blatt wird herausgegeben von der: LMS Agrarberatung / LMS Landwirtschaftsberatung MV/SH GmbH Redaktion/Anzeigen: Dr. Ulrike Hoffmeister, LMS Agrarberatung Rostock Tel.: 0381 877133-36, E-Mail: uhoffmeister@lms-beratung.de Layout: c.i.a.green communications GmbH Druck: Altstadt-Druck GmbH, Luisenstr. 16, 18057 Rostock, Tel.: 0381 2002698

Die Dienstleister für Höchstleister

LMS Agrarberatung Zuständige Stelle für Landwirtschaftliches Fachrecht und Beratung (LFB) Graf-Lippe-Str. 1, 18059 Rostock Tel.: 0381 20307-70, Fax: 0381 877133-45 E-Mail: lfb@lms-beratung.de LMS Agrarberatung, Büro für Immissionsschutz Graf-Lippe-Str. 1, 18059 Rostock Tel.: 0381 877133-82, Fax: 0381 877133-45 E-Mail: bis@lms-beratung.de LMS Agrarberatung, Büro für Existenzsicherung Graf-Lippe-Str. 1, 18059 Rostock Tel.: 0381 877133-38, Fax: 0381 877133-70 E-Mail: bex@lms-beratung.de

Fotonachweis Heft 2/2012: Die verwendeten Bilder entstammen Eigenproduktionen bzw. wurden eingekauft bei Shutterstock. Erscheinungsweise: „Das Blatt“ erscheint viermal jährlich in den Monaten März, Juni, September, Dezember. Im Juli erscheint außerdem das Sonderheft „Aussaatempfehlungen Herbst 2012 für MV“ Redaktionsschluss Heft 3/2012: 26. Juli


Das Blatt, Heft 2/2012 (Juni)  

Informationsdienst der LMS Agrarberatung / LUFA Rostock

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