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Konzerte

Matthias Schriefl

MATTHIAS SCHRIEFL: RECHTS, STEHEND

„Ich sehe meinen Job gar nicht wirklich als Arbeit.“

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berhalb des Wertachtals liegt ein kleines Dorf, in dem ein kleiner Junge aufwuchs, der später einmal ein großartiger Jazzmusiker werden sollte. Die Rede ist von Matthias Schriefl, der sich aus Maria Rain in die große Welt der Musik wagte und heute mit zahlreichen Projekten auf der ganzen Welt unterwegs ist. Wir haben mit dem Multitalent im Interview über seinen ersten Berufswunsch, die Heimat und seine Aufregung vor Allgäuer Konzerten geplaudert. Stelle Dich doch bitte mal vor. Mit vier Worten. Jazzmusiker, Komponist, Multiinstrumentalist, Naturfreund. Welches Instrument würdest Du gerne noch lernen, wenn Du die Gelegenheit dazu hättest? Gitarre. Und warum hast Du es nie gelernt? Einfach weil ich dafür andere Instrumente gelernt habe. Jedes Instrument braucht wirkliche Pflege und da wird dann irgendwann die Zeit knapp. Aber vielleicht finde ich ja mal die Zeit dafür...

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Und welche Instrumente hast Du tatsächlich gelernt? Alle Blechblasinstrumente die es gibt, von der Piccolo-Trompete bis zur Tuba. Die Liste wäre wirklich zu lang, um sie jetzt aufzuzählen. Außerdem Ophikleide, Alphorn und ein paar eigenkonstruierte Instrumente, wie das Ventil-Büchel. Dann Saxophon, ein wenig Klavier, Maultrommel und Akkordeon, aber das eher nur für den Spaß. Wolltest Du schon immer Musiker werden oder war Dein allererster Berufswunsch ein ganz anderer? Mein erster Berufswunsch, als ich noch ein ganz kleiner Bub war, war Pfarrer und Bauer. Meine Idee war, dass ich das kombiniere und irgendwo in Südamerika oder Afrika den Menschen etwas beibringe. Aber mir war auch wichtig, dass ich kein normaler Pfarrer werde – nicht so ernst, sondern eher lustiger. Musik war aber durch meine Familie immer ein ganz zentrales Thema, deswegen war mir mit zehn klar, dass ich in meinem späteren Beruf etwas mit Musik machen würde, beispielsweise als Musiklehrer. Du komponierst auch eigene

Songs. Erzähl doch bitte, wie man sich das vorstellen kann. Schwirren einem da ständig Melodien im Kopf herum?

wurde. Manchmal müssen auch halbfertige Stücke noch ein bisschen liegen, bis mir die Lösung zufliegt.

Wenn ich irgendwo sitze und an eine Person oder einen Ort denke oder die Atmosphäre passt, dann kommen mir schon Melodien in den Kopf. Das kann manchmal auch ganz unerwartet kommen. Aber manchmal kann man natürlich auch lange warten auf solche Eingebungen. Und manchmal ist es so, dass man nur fühlt, dass etwas da ist, dass etwas im inneren schlummert.

Würdest Du Deinen Job als stressig bezeichnen?

Kommt es auch vor, dass Du eine wichtige Melodie wieder vergisst? Das ist tatsächlich schon tausendmal passiert, aber das macht nichts, dafür fällt mir ja wieder was Neues ein. Ich habe auch schon Zettel verloren, auf denen ich etwas notiert hatte. Wie schwer ist es, einen Song zu Ende zu komponieren? Das ist bei jedem anders. Manchmal ist ein Stück innerhalb von einer halben Stunde fertig, manchmal dauert es Wochen, bis die letzte wichtige Idee aufs Papier gebracht

(lacht) Ich würde schon sagen, dass ich viel mehr arbeite, als andere. Aber ich sehe meinen Job gar nicht wirklich als Arbeit. Ich muss neue Kompositionen und Arrangements schreiben, Konzerte ausmachen und viele andere Dinge bewältigen, die halt nebenher passieren. Ich muss vielleicht insgesamt schon mehr Stunden arbeiten, aber dafür darf ich meinen Traumberuf ausleben. Und ich glaube dass positiver Stress – also Stress, der einem Spaß macht – gar nicht so schlimm ist. Du stammst aus Maria Rain. Was verbindest Du mit Deiner Heimat? Die Menschen dort mag ich sehr gerne, die Einfachheit, die Ehrlichkeit und gleichzeitig das ehrliche Interesse an dem anderen – das merkt man vor allem in einer Notlage, dann sind plötzlich alle da und helfen einem. Die Dorfgemeinschaft ist super und auch die Blaskapelle kann sich hören lassen. Maria Rain ist eigentlich genau das,

04.2018

Allgäu LIVE IN (04.2018)  

Die Aprilausgabe des Allgäu LIVE IN, dem kostenlosen Kultur- und Freizeitmagazin für das komplette Allgäu. Diesen Monat u.a. mit Daniel Abt,...

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