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AC T I V I T Y

BERN-KIRCHENFELD

Gegen Gewalt und Armut in Medellin Seit einigen Jahren engagiert sich der LC Bern-Kirchenfeld für den Verein Combos in Medellin, Kolumbien. Der 1993 von einer kleinen Gruppe von Pädagogen und Psychologen gegründete Verein wollte nachhaltig etwas unternehmen, um die grösser werdende Armut und Gewalt in ihrer Stadt einzudämmen.

Viele Familien in Medellin leben in bitterer Armut. Da oft der Vater fehlt, versuchen schon fünfjährige Kinder, die Familie finanziell zu unterstützen. Sie verbringen ihre Tage auf der Strasse. Dadurch entgeht ihnen Bildung, Erziehung, Spiel und Freizeit. Sehr oft werden sie Opfer von Gewalt, landen in der Kriminalität, der Prostitution oder in den Drogen. Mit verschiedenen Projekten hat der Verein im Verlauf der Jahre erfolgreich Kindern, jungen Menschen und damit ganzen Familien geholfen, sich mit Bildung und Sozialkompetenz auszurüsten, um diesem negativen Strudel zu entkommen und Erlerntes weiterzugeben. Nach vielen Jahren loser Zusammenarbeit mit engagierten Freiwilligen in der Schweiz wurde 2010 der Verein combos.ch gegründet, um die Unterstützung aus der Schweiz gezielter zu organisieren. Augenschein vor Ort Lions-Bern-Kirchenfeld-Mitglied Maurizio Mancini reiste mit seiner Familie nach Kolumbien und war auch in Medellin, um das Projekt Painit zu besuchen. Hier sein kurzer Bericht:. «Wie gering teilweise die Wahrnehmung und die Kenntnisse über die Institution und die Projekte von Combos in Medellin selber sind, wurde uns erst bewusst, als wir mit unserem Gastgeber darüber sprachen. Er begleitete uns in den Stadtteil ‹Hueco›, einem nicht ungefährlichen Zentrumsquartier, in dem sich die Schule befindet. Herzlich war die Begrüs­­sung und gross die Freude, die beiden Glorias, die seit über 20 Jahren die Geschicke dieses Vereins leiten, wieder zu sehen. Von Francisco, dem Leiter des Schulbetriebes, wurden wir in die Organisation eingeweiht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden uns vorgestellt und die Räumlichkeiten des administrativen Teils gezeigt. Nebst einem Tanzcoach und einem Musikcoach lern-

Plakat im Dachgeschoss der Schule, Titel und Thema der Theateraufführung

ten wir Frauen und Männer kennen, die sich mit der Auf- und Vorbereitung der Aktivitäten auf der Gasse und in der Schule beschäftigen und diese auswerten. Andere kümmern sich um Ernährung, Beratung und Kontrolle. Da der Schulbetrieb wegen der Ferien bereits eingestellt war, hatte es nicht sehr viel Betrieb. An den Wänden hingen Plakate und Zeichnungen mit Aussagen zu den mit den Kindern erarbeiteten Themen wie Gewalt respektive Gewaltlosigkeit. Als wir in den Trakt eintraten, wo sich die Schul- und Freizeiträume befinden, war es unserem Sohn (11) etwas mulmig zumute. Was würde uns erwarten? Die Kinder, die wir in der Bibliothek antrafen, spielten oder lasen. Mit viel Engagement war erst kürzlich die Bibliothek erneuert worden. Die ‹Bibliothekarin› war mit Recht stolz darauf. Der gegenüberliegende Computerraum war ebenfalls kürzlich dank einer grosszügigen Spende neu ausgerüstet worden. In der Mensa, die sich auf demselben Stock befindet, war die Köchin beim Vorbereiten des Mittagessens. An den Infoboards hingen nebst allgemeinen Informationen auch die Schulstundenpläne für die

Vormittags-und Nachmittagsschicht. Der Schichtbetrieb erlaubt es den Kindern, sich mindestens einen halben Tag der Bildung und dem Spiel zu widmen. Die Klassenräume waren nicht belegt. Wir gingen in den Dachraum, wo sich die etwa 70 Kinder, die trotz der Schulferien anwesend waren, in einem Karaoke-Wettbewerb massen. Wir stellten uns kurz vor und ‹durften› zur allgemeinen Belustigung auch noch singen. Nach Marthas Darbietung in Spanisch und meiner in Italienisch durfte ‹Alperose› nicht fehlen. In der Zwischenzeit war unser Sohn stets von vier bis fünf Jungs umgeben, die ihn ausfragten. Ihm war anfangs überhaupt nicht wohl bei der Sache, doch als sie ihn zum Spielen aufforderten, war das Eis gebrochen. Das gemeinsame Singen, Essen, Spielen und Unterhalten erlaubte uns einen kleinen Einblick in das Leben dieser Kinder. Mit einer Aufführung einiger Kinder zum Thema ‹Gesundheitsrecht, soziale Sicherheit und richtige Ernährung› wurde in einigen kurzen Sketches dem Publikum die Wichtigkeit und die Selbstverständlichkeit dieser Grundbedürfnisse spielerisch aufgezeigt. Die Verteilung der mitgebrachten Geschenke durch unseren Sohn und die Reaktionen und Dankbarkeit der Kinder, die vielen Gespräche, das Lachen und die Fröhlichkeit, das gegenseitige Interesse, all dies liess uns emotionale, berührende Momente verbringen, die unsere Überzeugung stärkten, unser Engagement für diese Projekte zu bestätigen und zu vertiefen.» Maurizio Mancini

❯ www.combos.ch

5 | 2015

LION

51

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Lion 5 2015 komplett low  

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