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Eine Nacht dort verbringen, wo man normaler weise Geshopt wird Seite: 08-12 Und als er gerade gerade war, da brach er ab, was schade war. _Seite: xx Und als er gerade gerade war, da brach er ab, was schade war. _Seite: xx Und als er gerade gerade war, da brach er ab, was schade war. _Seite: xx

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] [ e t t a l P f u a t h c a N e EWieines ist auf HamburgsEinkaufsStraße die nacht zu Verbringen? Pepper Sammelt

erfahrungen

An die Scheibe der U-Bahn trommelt Eisregen, über Hamburg gewittern die letzten Ausläufer eines Sturmtiefs und ich bin auf dem Weg zu meiner Schlafstätte: der Spitalerstraße. Den ganzen Tag habe ich schon durchs Fenster das Wetter beobachtet. Auf dem Hamburger Hauptbahnhof weht mir ein steifer Wind entgegen und Regen und Schnee peitschen mir ins Gesicht. Nur mit Isomatte und Schlafsack ausgerüs-

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tet, stapfe ich zu dem Kiosk, an dem mein Zivikollege Andi und ich unseren Kumpel für die Nacht auf Platte treffen. „Platte machen“ sagen Obdachlose, wenn sie meinen: draußen schlafen. Die Wetternachrichten aus dem Radio des Kiosks machen keinen Mut: Bodenfrost und Sturmböen. Gedanklich verbring ich die Nacht schon klitschnass, verprügelt und ausgeraubt in der Wandelhalle. „Jetzt gibt es kein zurück mehr – heute Nacht schlafen wir draußen“ Was als Witz zwischen uns beiden Zivis begann, treibt uns heute Nacht in die

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Der 51-Jährige Herbert ist Obdachlos und wir heute Nacht auf uns Aufpassen

Innenstadt. Wir machen eine Nacht Platte und lassen alles Überflüssige zu Hause. Wir haben nur einen paar Euro, ein altes Handy für den Notfall und unsere Personalausweise.

Herbert, ein 51-jähriger Obdachloser mit dem Aussehen von Sean Connery, wird heute Nacht auf uns aufpassen. Er erwartet uns, schmunzelt und klopft uns ermunternd auf unsere hängenden Schultern. „Na dann mal los, Jungs.“ Wir trotten ihm in unser heutiges Schlafzimmer nach ein Hauseingang am

Anfang der Spitalerstraße. Herbert breitet routiniert seine Sachen aus und zeigt, wie wir uns hinlegen sollen. Nicht zu weit nach vorne wegen des Regens. Alles zusammenhalten, sonst ist es morgen weg. Die Sachen der anderen in Ruhe lassen. Schnell ist unsere karge Schlafstätte hergerichtet, eine Kerze brennt zu unseren Füßen. Als andere sich zu uns legen, werden wir nervös – Was machen die hier und wer sind die? Andrej, ein schweigsamer Mann, und Andreas, ein 60-jähriger, zu gesprächiger Pole, stellen sich vor. Doch der dritte Unbekannte starrt uns nur an und schweigt. „Macht euch

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mal keine Sorgen die sind alle in Ordnung“, beruhigt uns Herbert. Wir sitzen tatenlos auf unseren Schlafsäcken mit dem Rücken an der Glastür und lassen uns angewidert anstarren – als wären wir Aussätzige. Die Kälte kriecht in die Knochen, die Blicke der Passanten machen einen schüchtern und das Neonlicht zerstört jede Gemütlichkeit. Um halb elf machen wir uns auf den Weg zum Mitternachtsbus, hier werden Obdachlose mit heißen Getränken und Brötchen versorgt. Fast eine Stunde warten wir mit 20 anderen Obdachlose. Als der Bus endlich kommt, ist ein warmes Getränk bitter nötig. Zitternd wärmen wir uns die steifen Finger an einem Instantkaffee.  Zurück auf der Platte geben wir Zivis eine Runde Bier aus. Als eine Streife vorbei fährt, will ich schon verängstigt meine Sachen packen. Aber die Polizisten grüßen uns freundlich. „Wenn es richtig kalt ist, sehen die sogar nach, ob man warm genug eingepackt ist“, erzählt Herbert, dem die Rolle des Lehrmeisters zu gefallen scheint. Er zeigte uns, wie wir unsere Schuhe vor Diebstahl sichern und weist uns mehrmals

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darauf hin, dass die Klamotten in den Schlafsack sollten, damit wir Morgen noch eine Hose haben. Andreas, Andrej und der schaurige Na-

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Die Getränke vom Mitternachtsbus wärmen und geben einem ein Stück Normalität zurück.

menlose schlafen schon, als wir endlich in unsere Schlafsäcke kriechen. Es kommt eine richtige Lagerfeuerromantik auf, als Herbert uns aus seiner Jugend und den Jahren auf der Straße erzählt. Ich beginne mich wohl zu fühlen, der Kaffee, der warme Schlafsack und unser freund-

licher Plattenmentor trösten mich über das schlechte Wetter hinweg. Das Wohlfühlen dauert nicht lange. Eine Gruppe Jugendlicher beschimpft uns als Dreckpenner droht mit Schlägen. Ich werde aus meiner Idylle gerissen und mir wird klar, dass ich zu einer Randgruppe gehöre, dass ich ganz unten angekommen bin. „Macht zu, dass ihr abhaut, ihr Weicheier, sonst setzt es was“, dröhnt Herbert in einer Lautstärke, die ich ihm nicht zugetraut hätte. Die Halbstarken ziehen sich stumm zurück „Freitag ist es noch schlimmer. Wenn die was getrunken haben, werden die mutiger und aggressiver.“ Es fühlt sich seltsam an, von Leuten im eigenen Alter auf einmal so behandelt zu werden. Um halb eins legen wir uns schlafen. Das

heißt, Andi und ich versuchen es. Herbert, Andrej und Andreas schlummern schon eine Weile, als ich mich noch über die dämliche Leuchtreklame auf der anderen Straßenseite aufrege. Nach einer Ewigkeit dämmere ich weg. Als ich aufschrecke, bin ich mir sicher,

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So friedlich wie auf diesem gestellten Bild habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen

Schritte gehört zu haben, viel zu nah... Oh Gott, wenn jetzt einer kommt, komme ich nie schnell genug aus dem Schlafsack! Mit rasendem Herz spähe ich umher, lausche angestrengt – da ist tatsächlich jemand: ein Paar, Arm in Arm läuft es glücklich die Straße runter und be-

achtet mich kaum. Langsam beruhige ich mich wieder, lausche in die Nacht. Höre Busse, Stimmen, Schritte und schlafe ein. Nicht lange. Andreas hatte einen Alptraum, er flucht auf polnisch ohne wach zu werden und boxt im Schlaf meinen Mitzivi Andi. Als er endlich zur Ruhe kommt, bin ich hellwach. Lange liege ich da und lausche dem erwachenden Verkehr, das Rauschen lullt mich wieder in den Schlaf. Die Nacht ist um sechs Uhr beendet. Die freundlich grüßende Stadtreinigung macht mit ihren lärmenden Reinigungswagen jede Hoffnung auf ein paar Minuten weiteren Schlaf zunichte. Herbert, Andreas und Andrej verabschieden uns: „Wir bleiben noch bis halb acht, dann müssen wir erst abhauen.“ Ich denke nur noch an mein Bett, eine warme Dusche und ein Frühstück. Herberts Vorschlag, ihn die ganze Woche zu begleiten, werde ich wohl ausschlagen.

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