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Hej.

Brauchtum, Blumenkin der, Backwerk, Bauten, bumfideldum ,

H端pf!

mag

#7


Midsommar! – das große Fest in Schweden, ebenso wichtig wie Weihnachten. Am Freitagabend geht es los, der Maibaum wird geschmückt und aufgestellt, es wird getanzt, gegessen (Hering, Kartoffeln, Erdbeeren :) und getrunken (was wohl :) Wer mal in eine der Massenveranstaltungen hineinlinsen möchte, kann das unter anderem auf www.skansen.de. Ansonsten feiern die Schweden meist mit Familie und Freunden auf dem Lande, wo ja alle ein Sommerhäuschen zu haben :) Ein schöner ländlicher Brauch ist es, verschiedene Blumen in der Mittsommernacht zu pflücken und unter das Kopfkissen zu legen – dann soll man von demjenigen träumen, den man einmal heiraten wird. Man darf allerdings während des Pflückens nicht reden und auch niemandem erzählen, von wem man geträumt hat, sonst geht der Traum nicht in Erfüllung. Schön beschrieben ist das bei Astrid Lindgrens BullerbüKindern, in der dieser Brauch noch um das Klettern über neun Zäune erweitert ist ... hier ein Auszug: (und wer noch mehr lesen möchte, kann mal bei Maren vorbeischauen, die mit ihrer Familie vor kurzem von Amsterdam nach Stockholm gezogen ist, in einem sehr schönen Haus wohnt und gerade von ihrem ersten Midsommar dort berichtet! > rosaroodgoesstockholm.blogspot.de)


Agda sagt, man muss ganz leise sein, wenn man über die Zäune klettert. Die ganze Zeit über darf man weder lachen noch sprechen. „Man darf die ganze Zeit über nicht sprechen?“, fragte Lasse. „Dann kann Lisa genauso gut gleich nach Hause und ins Bett gehen.“ „Warum denn?“ fragte ich. „Weil man es niemals schafft, in zwei Minuten über neun Zäune zu klettern. Und länger kannst du nicht still sein, oder du musst Ziegenpeter haben.“ Wir kümmerten uns nicht um die Jungen, sondern kletterten über den ersten Zaun. Es war der Zaun von der SüdhofWiese, den wir zuerst überstiegen, und wir kamen in den Laubwald, der hinter die Wiese liegt. Wie seltsam so ein Wald doch aussieht, wenn es dunkel ist! Es war ja nicht ganz dunkel, sondern nur etwas schummrig, aber trotzdem! Und dann war es ganz still, denn die Vögel hatten aufgehört zu zwitschern. Und es duftete so herrlich nach all den Bäumen und Blumen. Wir pflückten uns jede eine Blume, als wir über den ersten Zaun geklettert waren ... ... Aber meine neun Blumen legte ich für alle Fälle doch unter mein Kopfkissen. Es waren eine Butterblume und ein Hornkleestengel und ein Labkraut, eine Glockenblume, ein Gänseblümchen, ein Körnersteinbrech und dann noch zwei Blumen, deren Namen ich nicht kannte. Aber ich träumte nicht ein bißchen in dieser Nacht. Nur weil die dummen Jungen uns zum Lachen gebracht hatten, das ist sicher. Aber auf jeden Fall heirate ich Ole.


ZIMTBROT. Ihr Duft fliegt durch die Straßen – man kann einfach nicht an den feinen Bäckereien und Cafés vorbeigehen, ohne sich so einen leckeren kleinen Bulle zu kaufen. Ich mag besonders die zum Knoten geschlungenen (irgendwie finde ich, dass sich so Teig und ZimtZucker noch besser vermischen), frisch und warm, mit diesem Hauch Kardamom, der das schwedische Backwerk so besonders macht. Auch fein: statt vielen kleinen Schnecken ein Zimtbrot formen (Teigplatte mit Zimtmischung bestreichen und aufrollen, dann im Ganzen backen und zum Genießen in Scheiben schneiden)!

Lieblingsbäckereien in Stockholm:

meine Zimtknoten :)


Fabrique (Nybrogatan 6)

Bakery & Spice (Torsgatan 46)

Brunkebergs Bageri (Dalagatan 9) *

Stadsmisson (Stortorget 3) **

* auf der Straße wohnte übrigens Astrid Lindgren und dort habe ich sie tatsächlich vor vielen Jahren vor ihrer Haustür gesehen – trotz einer Straße dazwischen und keinem Mum, sie zu stören und anzusprechen, war es ein bewegender Moment ... ** die Stadsmission hat einen netten Second Hand-Laden dort, wo man z.B. altes Geschirr und Bücher und Kram finden kann. Daneben ist die Bäckerei und ein Café.


Dies ist das Fenster von Astrid Lindgrens Geburtshaus, das man mit Führung besichtigen kann. In der Nähe liegt der Freizeitpark „Astrid Lindgrens Värld“, der im Sommer zwar sehr voll, mit Kindern aber trotzdem ein tolles Erlebnis ist!

www.astridlindgrensnas.se www.alv.se www.manufaktum.de


... und dieses ist das Schulhaus im Skansen.

Falunröd.

Nichts steht wohl mehr für Schweden als die roten Häuser. Die Farbe besteht aus einer Pigmentmischung aus Eisenoxid mit Spuren von Aluminium, Zink, Kupfer und Blei. Vor Jahrhunderten begann der Trend, der heute die Landschaft bestimmt. Wer sein Haus in Schwedenrot streichen möchte, kann z.B. die bei Manufaktum erhältiche Fassadenfarbe verwenden (eine Abwandlung der ursprünglichen Schlämmfarbe, die nur für unbehandeltes Holz genutzt werden kann).


Små grodorna, små grodorna Die kleinen Frösche, die kleinen Frösche är lustiga att se. sind lustig anzusehen

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Små grodorna, små grodorna Die kleinen Frösche, die kleinen Frösche är lustiga att se. sind lustig anzusehen Ej öron, ej öron, Keine Ohren, keine Ohren ej svansar hava de! keine Schwänze haben sie Keine Ohren, keine Ohren ej svansar hava de! keine Schwänze haben sie Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, Ko-ack-ack-ack-ack-a. Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, Ko-ack-ack-ack-ack-a. Das Lied „Små Grodorna“ gehört fest zur schwedischen Mittsommertradition - dazu tanzen und hüpfen alle um den Mittsommerbaum, zu sehen z.B hier im Skansen, Stockholms großem Freilichtmuseum. Man munkelt, dass dieses Lied tatsächlich zum Test für im Ausland lebende Schweden zum Behalten der schwedischen Staatsangehörigkeit gehört(e) ... das sagt wohl einiges über den Status dieses Kinderliedes :)

LINGONmag#1 | Juni 2012 © Bild und Text Katrin Gamerschlag (soweit nicht anders angegeben)

Ej öron, ej öron,

LINGONmag#7X  

ansichtsexemplar