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4 Generalplanung für die obertägigen Anlagen bei der

Erdgasspeicherung im Kavernenfeld Gronau-Epe Erdgasspeicher sind im Erdgasmarkt von zentraler Bedeutung. Sie gewährleisten Versorgungssicherheit und schaffen optimale Bedingungen beim Erdgasein- und -verkauf. In Deutschland sind heute 46 Erdgasspeicher mit einer Gesamtkapazität von rund 20 Mrd. m³ in Betrieb. Damit ist Deutschland weltweit die viertgrößte Speichernation. Die optimale Nutzung und der Neu- und Ausbau vorhandener Kapazitäten für das Lagern von Erdgas sind wichtig, denn sie sind ein wichtiges Instrument zur Sicherstellung der wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit von außereuropäischen Lieferanten.

im Vorteil: Die kleinräumigen Eingriffe in die Erdoberfläche schonen Natur und Umwelt. Die Speicher können jedoch nur dort angelegt werden, wo aufgrund der geologischen Gegebenheiten Gas unter hohem Druck innerhalb einer gasdichten Formation gespeichert werden kann.

Kavernenspeicher Gronau-Epe Im Nordwesten von Nordrhein Westfalen, unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden befindet sich das Salzbergwerk Epe. Dort wird hochreine Industriesole gewonnen, z.B. zur Produktion von Farben und Waschmitteln. Kaum eine andere Salzlagerstätte weist eine derartige Qualität, Festigkeit, Mächtigkeit und Ausdehnung auf. Die bei der Solegewinnung entstehenden Hohlräume werden von namhaften Energieversorgungsunternehmen zur Speicherung von Erdgas genutzt. Der Standort Epe hat somit eine enorme Bedeutung für die Soleproduktion und die Energieversorgung Deutschlands.

Naturfreundlicher Raum für Erdgas In Deutschland verteilt sich die Speicherkapazität derzeit auf 23 Poren- und 23 Kavernenspeicher, die zur untertägigen Speicherung von Erdgas eingesetzt werden. Porenspeicher sind natürliche Lagerstätten, die durch ihre geologische Formation zur Erdgasspeicherung dienen. Es handelt sich dabei zumeist um ausgeförderte Erdgasoder Erdölfelder. Im Unterschied dazu werden Kavernenspeicher künstlich geschaffen. Dazu werden Salzstöcke über eine Tiefenbohrung durch kontrollierte Wasser- oder Gaszufuhr entsolt. Der nach der Entsolung entstandene Hohlraum dient anschließend der Lagerung von Erdgas. Die physikalischen Eigenschaften der Salzschicht garantieren eine natürliche Dichtheit der Kavernen.

Größtes Kavernenfeld Europas Die Salzlagerstätte in Epe ist aufgrund ihrer günstigen geologischen Verhältnisse besonders gut für das Anlegen von Kavernenspeichern geeignet. Der erste Kavernenspeicher am Standort Epe wurde 1976 in Betrieb genommen. In Epe wird in einer Tiefe von 900 bis 1500 Metern von verschiedenen Gasspeichergesellschaften Untertage Erdgas gespeichert - bis zu 3,5 Mrd. m³ in insgesamt 59 Kavernen. Damit ist die Anlage die größte ihrer Art in Europa. Das gespeicherte Erdgas stammt aus den Niederlanden, der Nordsee und Russland, das Versorgungsgebiet reicht von Hamburg bis Frankfurt und in die Niederlande.

Im Vergleich zu oberirdischen Gasspeichern (z.B. Gasometern) ist die Aufnahmekapazität unterirdischer Speicher um ein Vielfaches höher. Auch in puncto Naturschutz ist die unterirdische Lagerung klar

Wenn man den durchschnittlichen Erdgasverbrauch eines 4-PersonenHaushaltes von 3000 m³/Jahr zugrunde legt, könnten mit einer einzigen Kavernenfüllung 20000 Haushalte je ein Jahr lang mit Erdgas versorgt werden.

Funktionsweise eines Erdgasspeichers Ein Erdgas-Kavernenspeicher besteht aus drei Teilen: der Verdichter- und Entnahmestation (VES), den Feldleitungen und den Kavernen. Nach Entnahme aus der Ferngasleitung wird das Erdgas auf der VES über Filter von Feststoffen befreit sowie vom Fernleitungsdruck auf Kavernendruck verdichtet und anschließend über Feldleitungen in die Kaverne geleitet. Zur Auslagerung wird das Erdgas bei Bedarf aus der Kaverne über die Feldleitungen bis zur VES geleitet, wo es einen Flüssigkeitsabscheider durchläuft und abschließend der Druck auf den zulässigen Wert der Transportpipeline reduziert wird.

Hohe Sicherheitsstandards in Deutschland gewährleisten einen sicheren Betrieb von Kavernenspeichern. Kavernen, Feldleitungen und alle obertägigen Anlagen werden von den Speicherbetreibern rund

um die Uhr überwacht, gewartet und instand gehalten. Alle Maßnahmen sind in einem Sicherheitsbericht festgehalten und für jeden einsehbar.

Generalplanung für die Energiewirtschaft LINDSCHULTE ist am Standort Epe für mehrere Speichergesellschaften aktiv. Der erste Auftrag kam 2006 von der Trianel Gasspeichergesellschaft Epe mbH, einem Zusammenschluss kommunaler Versorgungsbetriebe, über die Gesamtplanung sämtlicher obertägiger Anlagen. Auf einen ca. 5,5 Hektar großen Baufeld waren Gebäude unterschiedlicher Bauart, Größe und Funktion zu errichten. Mit diesem Großauftrag hatte sich LINDSCHULTE auf zunächst ungewohntes Terrain begeben. „Für uns war das ein Auftrag, bei dem wir wirklich auf alle unsere Dienstleistungen zurückgreifen mussten“, erklärt Hochbau-Geschäftsführer Thomas Garritsen. Denn an einer Verdichter- und Entnahmestation für Kavernen, also durch Solegewinnung entstehende unterirdische Hohlräume, die zur Lagerung unterschiedlicher Stoffe wie Öl oder Gas genutzt werden

können, hatte das Ingenieurbüro zuvor noch nicht gearbeitet. Dabei hat LINDSCHULTE dem Projekt als Generalplaner für alle baulichen Anlagen praktisch das Gesicht gegeben. „Alles, was man draußen auf unseren obertägigen Anlagen sehen kann, hat die LINDSCHULTE geplant und umgesetzt“, beschreibt der frühere Trianel-Geschäftsführer Christian Rohde in einem Interview mit einem Wirtschaftsmagazin. Das war mitunter nicht ganz einfach. LINDSCHULTE musste die einzelnen Gebäudeelemente so planen, dass sie sich der umfangreichen Technik der Kavernenspeicher-Anlage unterordnen. „Das erforderte eine intensive Abstimmung mit der Anlagentechnik“, so Garritsen. Bei einem derartigen Gasspeicherprojekt kommen immer zahlreiche, sehr verschiedene Anforderungen zusammen - so auch bei Trianel: Ob es Erwägungen des Landschaftsund Naturschutzes, der Brand- und Explosionsschutz oder die Schall-

In Epe herrscht die besondere Situation vor, dass die gelöste Sole nicht in die Gewässer geleitet wird, sondern von der Industrie zur Produktion weiterverwendet wird, u.a. von Farben und Waschmittel. Quelle: KGE - Kommunale Gasspeichergesellschaft Epe mbH & Co. KG

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JournalPlanung 2  

Nr. 2 – Januar 2012 Tuning für die CAD-Bauplanung Parkhaus „Alter Steinweg“ Münster LINDSCHULTE auf ExpoReal Erdgasspeicher...

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