Page 1

IRZ

L950201701

www.irz-online.de

Zeitschrift für Internationale Rechnungslegung Paul Grabowski und Tim Zinowsky Abbildung von Konzernsachverhalten in der steuerlichen Überleitungsrechnung nach IAS 12.81(c) Christian Zwirner und Corinna Boecker Abschlussprüfung: Aktuelles zur Berichtspflicht über die Honorare und zur Marktkonzentration Jens W. Brune und Benita Hayn Nachrichten zu IFRS und US-GAAP Michael Dobler 30 Jahre IAS 26: Vom Vorreiter zum Hemmschuh

5 Auf den .Punkt gebracht! 8 IRZ-Aktuell 12 Blickpunkt 15

19

Anita Dietrich und Annette Malsch Bilanzierung von Investmentanteilen im IFRS-Konzernabschluss eines Investors

25

Christoph Fröhlich Bewertung von Anteilen an assoziierten Unternehmen bei wechselseitigen Beteiligungen

33

C.H.BECK Vahlen München Wien

Herausgegeben von Prof. Dr. Dirk Hachmeister WP/StB Dr. Gernot Hebestreit Prof. Dr. Roman Rohatschek WP/StB Dr. Thomas Senger Dr. Evelyn Teitler-Feinberg

Der Fall – die Lösung

Benjamin Roos Darstellung von Wertminderungen und Wertaufholungen auf Sachanlagen im Umsatzkostenverfahren nach IFRS

Bilanzierung und Bilanzpolitik

1

Mit r egiste r s e r h IRZ-Ja 16 20

Januar 2017 Bern

71927

Seiten 1 – 44 12. Jahrgang


– r e s i e w g e W r e n e g o z G e b M s i P x K a r e Pr d n e t r e p x E n e d n o v

hlt e i f p m e Linde

www.lindeverlag.at I www.lindeverlag.de


IRZ, Heft 1, Januar 2017

IRZ

Zeitschrift für Internationale Rechnungslegung

12. Jg. · Heft 1 · Januar 2017 Editorial

Liebe Leserinnen und Leser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

Auf den .Punkt gebracht!

Abbildung von Konzernsachverhalten in der steuerlichen Überleitungsrechnung nach IAS 12.81(c) Der Fall – die Lösung StB Dipl.-Ök. Paul Grabowski, Essen, und StB Dipl.-Ök. Dr. Tim Zinowsky, München . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Abschlussprüfung: Aktuelles zur Berichtspflicht über die Honorare und zur Marktkonzentration WP/StB Prof. Dr. Christian Zwirner und WP/StB Dipl.-Kffr. Dr. Corinna Boecker, München . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

IRZ-Aktuell

Nachrichten zu IFRS und US-GAAP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Zeitschriftenspiegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

Blickpunkt

30 Jahre IAS 26: Vom Vorreiter zum Hemmschuh Prof. Dr. Michael Dobler, MBR, Dresden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Darstellung von Wertminderungen und Wertaufholungen auf a Sachanlagen im Umsatzkostenverfahren nach IFRS m -The p Dipl.-Kfm. Dr. Benjamin Roos, Herzogenaurach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 o T Bilanzierung von Investmentanteilen im IFRS-Konzernabschluss eines Investors Zweifelsfragen bei der Anwendung des IFRS 9 auf Anteile an Investmentvermögen WP/StB Anita Dietrich und WP/StB Annette Malsch, Frankfurt am Main . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Bewertung von Anteilen an assoziierten Unternehmen bei wechselseitigen Beteiligungen WP/StB CPA (U.S.) MMag. Dr. Christoph Fröhlich, Wien . . . . . . . . . . . . . . . 33 Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

Zitat des „In der hiesigen Praxis bliebe eine Aufhebung des IAS 26 Monats ebenso unbeachtlich, wie es sein Bestehen in den letzten 30 Jahren war.“ Dobler, IRZ 2017, S. 17

1


Mehr DBA geht nicht.

Wassermeyer DBA ¡ Doppelbesteuerung #WČŠCIG5VCPF1MVQDGT 4WPF5GKVGP +P.GKPGPQTFPGTPas (mind. 3 Ergänzungslieferungen, danach jederzeit kĂźndbar). ISBN 978-3-406-45143-0 Preis ohne Fortsetzungsbezug â‚Ź 328,– ISBN 978-3-406-50046-2 0GWKO&G\GODGT /GJT+PHQTOCVKQPGP YYYDGEMUJQRFGFED

Das umfassende Konzept

Aktuell mit Stand Oktober 2016:

Band I: Eigenständige Kommentierung der OECD-Musterabkommen Steuern vom Einkommen und VermÜgen sowie Nachlass-, Erbschaft- und Schenkungsteuern. Zusätzliche Kommentierungen des EU-Schiedsßbereinkommens sowie des OECD-MA ßber den Informationsaustausch in Steuersachen.

Q

MA: Vor Art. 1 (Rechtsprechung des BVerfG zum Treaty Override)

Q

ErbSt-MA: EuGH zum ÂťkleinenÂŤ persĂśnlichen Freibetrag DGKDGUEJTĂ€PMVGT5VGWGTRČŠKEJV

Q

DBA: Aserbaidschan, China, Irland, SĂźdafrika, Usbekistan

Q

Ăœberblick Ăźber das Steuerrecht: Bulgarien, Portugal, SĂźdafrika, TĂźrkei

Band II bis VI: Kommentierung aller von Deutschland abgeschlossenen DBA inkl. Kurzdarstellungen des ausländischen Steuerrechts sowie bei den wichtigsten DBA ergänzende Kommentierungen aus der Sicht des anderen Abkommensstaates.

Besonders hervorzuheben ist das neue DBA China, welches zum 1.1.2017 gilt. AuĂ&#x;erdem wurde im Rahmen der Kommentierung zu Irland die Apple-Entscheidung der Kommission thematisiert (SteuervergĂźnstigungen als Beihilfe).

Der Praxiskommentar hilft bei der AusschÜpfung steuerlicher Gestaltungsspielräume und der Vermeidung steuerlicher Nachteile.

Erhältlich im Buchhandel oder bei: beck-shop.de | Verlag C.H.BECK oHG ¡ 80791 Mßnchen | bestellung@beck.de | Preise inkl. MwSt. | 135769


IRZ, Heft 1, Januar 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

Editorial

Herausgeber der IRZ: Professor Dr. Dirk Hachmeister ist Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Email: accounting@ uni-hohenheim.de

WP/StB Dr. Gernot Hebestreit, Mitglied des Global Leadership Team von Grant Thornton International, London. Email: gernot.hebestreit @gti.gt.com

Professor Dr. Roman Rohatschek ist Lehrstuhlinhaber am Institut für Unternehmensrechnung und Wirtschaftsprüfung der Universität Linz sowie stellv. Leiter der OePR (Österreichische Prüfstelle für Rechnungslegung), Wien. Email: roman. rohatschek@jku.at WP/StB Dr. Thomas Senger, Senior Partner, Mitglied des Vorstands der Warth & Klein Grant Thornton AG, Düsseldorf. Email: thomas. senger@wkgt.com

Dr. Evelyn Teitler-Feinberg, Inhaberin von Teitler-Consulting, Accounting + Communication, Zürich. Email: consulting@teitler.ch

wie werden Wertminderungen und Wertaufholungen auf Sachanlagen im Umsatzkostenverfahren (UKV) dargestellt? Die Frage interessiert nicht nur in der Theorie. Sie spielt insbesondere eine praktische Rolle, da die Mehrzahl der deutschen kapitalmarktorientierten Unternehmen (73% der DAX- und 67% der MDAX-Unternehmen) 2015/2016 ihre GuV nach dem UKV aufstellten. Die IFRS zumindest geben keine konkreten Handlungsanweisungen, wie die Sachverhalte bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens zu behandeln sind. In der Praxis ist nahezu jede Variante denkbar: uneinheitlicher Ausweis (d.h. die Zuordnung der Wertminderungen zu den Umsatz- und/oder Funktionskosten und die Zuordnung der Erträge aufgrund von Wertaufholungen zu den Sonstigen Erträgen), einheitlicher Ausweis oder mixed presentation. Benjamin Roos hat diese „diversity in practice“ unter Auswertung der Konzernabschlüsse 2015 bzw. 2015/2016 der im DAX und MDAX notierten Unternehmen näher untersucht. Welches ist die richtige Vorgehensweise? In Ermangelung expliziter IFRS-Vorgaben beurteilt Roos – unter dem Aspekt der internen Steuerung – den Ausweis der Wertminderungen auf Sachanlagen entweder in den Umsatz- oder den Funktionskosten am sachgerechtesten. Ein Ausweis als Sonstiger Aufwand würde letztlich dazu führen, dass jene Funktionsbereiche, denen die Sachanlagen zuzuordnen sind, von Ergebnisbelastungen (z.B. aufgrund einer Fehlinvestition) entlastet würden. Näheres im Top-Thema des Monats. 2017 wird für Prüfungsgesellschaften ein bewegtes Jahr. Und damit schwenken wir auf das neue Jahr 2017 um, für das sich insbesondere im Wirtschaftsprüfungsbereich ein Umbruch abzeichnet. Aktuelles zur Abschlussprüfung, zur Berichtspflicht über die Honorare und zur Marktkonzentration erfahren Sie von Christian Zwirner und Corinna Boecker. Die großen börsennotierten Unternehmen haben bereits begonnen, den Markt zu sondieren und ihre Prüfungsmandate neu auszuschreiben. „Wanderbewegungen“ einzelner Prüfungsgesellschaften zwischen den Mandanten werden sich deutlich verstärken. 2017 wird ein bewegtes Jahr. Und nicht nur für Prüfungsgesellschaften. Unternehmen müssen sich auf die ab 1.1.2017 verpflichtende Beachtung der CSR-Berichtspflichten (wir haben in Heft 12/2016 darüber informiert) einstellen oder etwa den in Gang gesetzten Countdown bis zum Zeitpunkt des Inkrafttretens von IFRS 9 und IFRS 15 am 1.1.2018 weidlich nutzen. Im Januar feiert IAS 26 30. Geburtstag. (Einen kurzweiligen Seitenblick auf ein Relikt der 80er Jahre finden Sie in diesem Heft, vorgestellt von Michael Dobler.) Die Deutsche Börse führt ab 1. März 2017 ein KMU-Segment ein, das den skandalgebeutelten Entry-Standard ersetzen wird; und packend wird es wohl mit der ebenso für März 2017 angekündigten Veröffentlichung des neuen Versicherungsstandards IFRS 17. 2017 wird spannend! Einen glücklichen Jahresbeginn 2017! Eva Trischberger, IRZ-Redaktion IRZ

3


Im Blickpunkt: 7PVGTPGJOGPUȨPCP\KGTWPI g

Neuerscheinun

Das neue Handbuch bietet eine anschauliche systematische Darstellung des 4GEJVUFGT7PVGTPGJOGPUȨPCP\KGTWPIOKV\CJNTGKEJGP RTCMVKUEJGP$GKURKGNGP'UDGJCPFGNVFKG\KXKNIGUGNN UEJCHVUWPFKPUQNXGP\TGEJVNKEJGP)TWPFNCIGPHØT-CRKVCN IGUGNNUEJCHVGP2GTUQPGPIGUGNNUEJCHVGPWPF'KP\GNWPVGT nehmen.

Die Themen Q

'KIGPMCRKVCNȨPCP\KGTWPI

Q

(TGOFMCRKVCNȨPCP\KGTWPI

Q

-QP\GTPȨPCP\KGTWPI

Q

7OYCPFNWPIWPF7OVCWUEJXQP(KPCP\KGTWPIU instrumenten

Q

Absicherung gegen Marktpreisänderungen und Bestandsrisiken

Q

(TGKGWPFIGTKEJVNKEJDGINGKVGVG5CPKGTWPIUȨPCP\KGTWPI

Q

#MSWKUKVKQPUWPF2TQLGMVȨPCP\KGTWPIGP

Q

#W»GPJCPFGNUȨPCP\KGTWPI

Der Autor Prof. Dr. Dres. h.c. Theodor Baums lehrt Bürgerliches 4GEJV*CPFGNUWPF9KTVUEJCHVUTGEJVCPFGT7PKXGTUKVÃ&#x20AC;V Frankfurt am Main. Er ist Mitherausgeber mehrerer <GKVUEJTKHVGP5EJTKHVGPTGKJGPWPF5COOGNYGTMGWPF FWTEJ\CJNTGKEJG2WDNKMCVKQPGPJGTXQTIGVTGVGP

Perfekt

Baums Recht der 7PVGTPGJOGPUȨPCP\KGTWPI 2017. XL, 824 Seiten. In Leinen â&#x201A;¬ 169,â&#x20AC;&#x201C; ISBN 978-3-406-68963-5 Neu im Dezember 2016 Mehr Informationen: www.beck-shop.de/bjdedb

HÃ&#x2DC;T5VWFKGTGPFGKO5EJYGTRWPMVDGTGKEJ7PVGTPGJOGPU D\Y9KTVUEJCHVUTGEJV4GEJVUCPYÃ&#x20AC;NVGLWTKUVKUEJG/KV CTDGKVGTKP(KPCP\KGTWPIUCDVGKNWPIGPXQP7PVGTPGJOGP WPFKO(KPCP\FKGPUVNGKUVWPIUUGMVQT

Erhältlich im Buchhandel oder bei: beck-shop.de | Verlag C.H.BECK oHG · 80791 München | kundenservice@beck.de | Preise inkl. MwSt. | 166763


IRZ, Heft 1, Januar 2017

Auf den .Punkt gebracht!

ung die Lös – l l a F Der

Abbildung von Konzernsachverhalten in der steuerlichen Überleitungsrechnung nach IAS 12.81(c) Der Fall – die Lösung Paul Grabowski und Tim Zinowsky

Paul Grabowski, StB, Dipl.-Ök., Manager bei der AMANA treuhand GmbH WPG StBG, Essen. Email: Paul. Grabowski@amanatreuhand.de

Dr. Tim Zinowsky, StB, Dipl.-Ök., Senior Associate bei DLA Piper UK LLP, München. Email: Tim.Zinowsky@ dlapiper.com

Keywords: ■ ■ ■ ■ ■ ■

IAS 12 § 8c KStG Ertragsteuern steuerliche Überleitungsrechnung tax rate reconciliation Zinsschranke

1. Vorbemerkungen Die Bilanzierung tatsächlicher und latenter Ertragsteuern nach den Vorschriften der IFRS folgt den Ansatz-, Bewertungsund Ausweisbestimmungen des IAS 12. Zu den danach bilanzierten Ertragsteuern sind Angaben im Anhang nach IAS 12.79–88 zu machen. Diese umfassen gem. IAS 12.81(c) eine Überleitungsrechnung (sog. tax rate reconciliation, kurz: TRR) zur Erläuterung der Beziehung zwischen Steueraufwand und dem IFRS-Ergebnis vor Steuern (EBT).1 Diese kann wahlweise den Unterschied zwischen Steueraufwand gemäß GuV und dem Produkt aus IFRS-Ergebnis vor Steuern und dem anzuwendenden Steuersatz2 (IAS 12.85) erläutern (IAS 12.81(c) (i)) oder aber den durchschnittlichen effektiven Steuersatz auf den anzuwendenden Steuersatz überleiten, (IAS 12.81(c) (ii)). In der Praxis vorherrschend ist die erste Alternative. Ziel dieser Überleitungsrechnung ist, dem Abschlussadressaten zu erläutern, welche maßgeblichen Faktoren dazu führen, dass der Ertragsteueraufwand gemäß GuV von dem Steueraufwand abweicht, der angesichts des anzuwendenden Steuersatzes erwartet wird (IAS 12.84). Die einzelnen Überleitungsposten (reconciling items) können dabei Aufschluss über potenzielle Einmaleffekte oder aber über in der Zukunft zu erwartende Steuersatzabweichungen geben. Darüber hinaus liefert die TRR dem erfahrenen Abschlussadressaten ein Spiegelbild der steuerlichen Aufstellung eines Unternehmens, das gleichzeitig erste Ansätze für die Optimierung der Steuerposition offenbart. Obwohl der IAS 12 seit seinem Inkrafttreten im Jahre 1998 zu den inhaltlich „stabileren“ Standards gezählt werden darf, ist die Erstellung der TRR in der Praxis für gewöhnlich eine ungeliebte,

oft zeitraubende, und sehr fehleranfällige Aufgabe. Dies gilt insbesondere für Konzernsachverhalte, bei denen neben der Berücksichtigung der steuerlichen Vorschriften unterschiedlicher Jurisdiktionen auch Effekte aus Konsolidierungsmaßnahmen zu berücksichtigen sind. Aus diesen Anforderungen ergibt sich die Notwendigkeit der Integration steuerlicher Berichtsprozesse in das Konzernberichtswesen, wie sie häufig durch Einführung einer Steuerreportingsoftware gelöst wird. Überleitungsposten entstehen immer dann, wenn für ein entstandenes IFRSErgebnis kein mit dem erwarteten Steuersatz korrespondierender Steueraufwand/-ertrag anfällt oder wenn ein Steueraufwand oder -ertrag anfällt, dem kein IFRS-Ergebnis gegenübersteht. Die Ursachen für Überleitungsposten lassen sich demnach grob wie folgt kategorisieren: ■

Bilanzielle Ursachen (Abweichungen in der Veränderung von IFRS-Buchwerten gegenüber der Entwicklung der Steuerwerte ohne Bildung latenter Steuern),

Außerbilanzielle Ursachen (steuerfreie Erträge oder nicht abziehbare Betriebsausgaben),

Steuersatzdifferenzen (Differenzen zwischen lokalen Steuersätzen und Konzernsteuersatz),

1

DRS 18.67 fordert die Überleitungsrechnung auch für den Anhang des handelsrechtlichen Konzernabschlusses. In der Praxis wird hier (wie vom Standard gedeckt) entweder ein gewichteter Durchschnittssteuersatz verwendet oder aber der für das Mutterunternehmen geltende (kombinierte) Steuersatz. Nach IAS 12.85 ist der Steuersatz zu verwenden, „der für die Informationsinteressen der Abschlussadressaten am geeignetsten ist“.

2

5


6

Auf den .Punkt gebracht!

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Aperiodische Steuereffekte (z.B. Betriebsprüfungs-Nachzahlungen, TrueUp Effekte3),

Konsolidierungssachverhalte (z.B. aus der Zwischenergebniseliminierung, siehe 3., zu d).

b) T-Inland (IFRS-EBT = 1.000 GE) muss im Jahr 2016 eine Kartellbuße von 400 GE zahlen. Zudem sind nach Abschluss einer steuerlichen Betriebsprüfung 200 GE Steuernachzahlungen für vergangene Veranlagungszeiträume zu zahlen.

IFRS-Ergebnisses aufgrund der Nutzung dieser Verlustvorträge5 steht kein latenter Steueraufwand aus der Auflösung von aktiven latenten Steuern für die Verlustvorträge gegenüber. Es ergibt sich ein Überleitungsposten („Korrekturen von Wertberichtigungen – Verlustvorträge“).

Die Darstellung der TRR im Detail, insbesondere was den (Mindest-)Umfang und die Unterscheidung und Benennung von reconciling items betrifft, ist in der Praxis uneinheitlich, weil nicht genauer durch IAS 12 geregelt.4 Der nachfolgende Fall enthält einige typische Konzernsachverhalte, deren Abbildung in der TRR veranschaulicht werden soll.

c) Im Jahr 2016 beschließen T-Ausland und UK-Ltd. je eine Dividende von 200 GE an die M-AG auszuschütten. Für die Dividende der UK-Ltd. werden dabei Quellensteuern i.H.v. 30 GE einbehalten, für die kein Nachweis gem. § 68b EStDV erbracht werden kann.

2. Der Fall

d) T-Ausland (dort anzuwendender Steuersatz 20%) erwirtschaftet im Jahr 2016 ein IFRS-EBT von 800 GE. Darin enthalten ist der Gewinn aus der Lieferung einer Maschine an M-AG i.H.v. 200 GE.

Zu b): Die Kartellbuße mindert zwar das IFRS-Ergebnis, ist steuerlich aber nicht abzugsfähig und daher außerbilanziell dem Einkommen hinzuzurechnen, § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 8 EStG, § 8 Abs. 1 Satz 1 KStG. IFRS-Aufwand ohne entsprechenden Steuereffekt bedeutet einen Überleitungsposten in der TRR (400 GE × 30% = 120 GE).

Die in Deutschland ansässige M-AG ist im Jahr 2016 zu 100% an der in Deutschland ansässigen T-Inland und der im Drittland ansässigen T-Ausland (beides Kapitalgesellschaften) beteiligt. Weiterhin hält sie eine Streubesitzbeteiligung ‹ 10% an einer in Großbritannien ansässigen Kapitalgesellschaft (UK-Ltd.), die nicht Teil des Konsolidierungskreises ist. Der kombinierte Steuersatz aus KSt+SolZ, GewSt beträgt für die deutschen Gesellschaften 30%.

e) Auf Ebene der M-AG (IFRS-EBT = 3.000 GE) sind bedingt durch die Zinsschranke (§ 4h EStG, § 8a KStG) 300 GE Zinsen steuerlich noch nicht abzugsfähig. Eine Nutzbarkeit des Zinsvortrags in den kommenden Jahren wird nicht erwartet. Die Höhe der abziehbaren Zinsen beträgt 400 GE. Es bestehen keine Bilanz- oder Ergebnisdifferenzen zwischen IFRS und HGB.

Der Ertragsteueraufwand beträgt in der Konzern-GuV 1.547 GE, in den Einzelgesellschaften 977 GE (M-AG), 470 GE (T-Inland) und 160 GE (T-Ausland).

3. Analyse der Einzeleffekte

a) Die Beteiligung an T-Inland hatte die M-AG im Jahr 2015 von der T-Ausland erworben. Im Zuge dieser Transaktion waren die Verlustvorträge (500 GE) der T-Inland aufgrund des bis dato geltenden Rechtsstands des § 8c KStG als untergegangen erklärt worden.

Zu a): Mit der seit 1.1.2016 geltenden Neufassung des § 8c KStG wurde die sog. Konzernklausel in Satz 5 der Vorschrift rückwirkend neu gefasst. Demnach sind die Verlustvorträge beim konzerninternen Verkauf der Anteile an der T-Inland nicht untergegangen. Der fehlenden tatsächlichen Steuerbelastung des

Die Nachzahlung von Steuern aus der abgeschlossenen Betriebsprüfung stellt einen aperiodischen Steuereffekt dar, dem kein laufendes IFRS-Ergebnis gegenübersteht. Hieraus ergibt sich betragsgleich (200 GE) ein Überleitungsposten bei der T-Inland. Zu c): Die Dividende der T-Ausland wird in der Konzernbetrachtung im Rahmen der Aufwands- und Ertragskonsolidierung eliminiert. Demnach ist im Konzernergebnis kein Dividendenertrag enthalten. Steuerlich erhöht die Dividende jedoch den Jahresüberschuss der M-AG. Aufgrund der Fiktion nichtabzugsfähiger Betriebsausgaben nach § 8b Abs. 5 KStG reicht die 100%ige Steuerfreistellung des § 8b Abs. 1 KStG nicht aus, um den Steuereffekt der Dividende vollständig zu eliminieren. Es entsteht ein Überleitungsposten, da dem Konzern-IFRS-Ergebnis von 0 ein Steuerergebnis von 10 GE gegenübersteht. Da die UK-Ltd. nicht konsolidiert wird, ist ihre Ausschüttung an die M-AG vollumfänglich im Konzernergebnis enthalten. Aufgrund der Beteiligung ‹ 10% erfolgt auch steuerlich keine Kürzung 3

Dividende 200 GE Warenverkauf Gewinn: 200 GE

T-Ausland EBT: 800 GE

M-AG EBT: 3.000 GE Dividende 200 GE

100%

4

<10%

100% T-Inland EBT: 1.000 GE

UK-Ltd. 5

Abb. 1: Konzernstruktur

Gemeint sind hiermit Unterschiede, die aus dem Vergleich der Detailberechnung laufender Steuern im Zuge der Steuererklärungsarbeiten mit der typischerweise weniger genauen Berechnung der Steuerrückstellung während der Jahresabschlussarbeiten resultieren. Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hat das Fehlen eines standardisierten TRR-Schemas im Jahr 2011 im Discussion Paper Improving the Financial Reporting of Income Tax (Rz. 2.21 ff.) bemängelt, unter http://www.efrag.org/Assets/D ownload?assetUrl=%2Fsites%2Fwebpublish ing%2FSiteAssets%2F120127_Income_tax_ DP_final.pdf&AspxAutoDetectCookieSuppo rt=1, abgerufen am 24.11.2016. Von der Mindestbesteuerung nach § 10d Abs. 2 EStG sei hier abstrahiert.


Grabowski/Zinowsky, Abbildung von Konzernsachverhalten in der steuerlichen Überleitungsrechnung nach IAS 12.81(c) IRZ, Heft 1, Januar 2017

der Dividendenerträge (§ 8b Abs. 4 KStG). Insoweit entsteht kein Überleitungsposten. Es entsteht jedoch ein Überleitungsposten aufgrund des fehlenden Nachweises nach § 68b EStDV, der dazu führt, dass die Vorschriften zur Steueranrechnung bei der M-AG leer laufen. Die Steuerbelastung der Dividendenerträge beträgt somit 30% in Deutschland und 15% im Ausland, liegt summarisch also über der erwarteten Gesamtsteuerbelastung. Zu d): Der Steuersatz von 20% bei der T-Ausland führt dazu, dass das Konzernergebnis, soweit es auf diese Gesellschaft entfällt, steuerlich weniger belastet ist als eigentlich erwartet (30%). Die Steuersatzdifferenz führt entsprechend zu einem Überleitungsposten (10% × 800 GE = 80 GE). Der Zwischengewinn aus der Warenlieferung ist im Einkommen der T-Ausland enthalten und führt zu laufenden Steuern i.H.v. 40 GE (20% × 200 GE). In der Konzernbetrachtung wird das Zwischenergebnis eliminiert, und der IFRSBuchwert der Maschine in der Konzernbilanz ist entsprechend 200 GE geringer als in der Steuerbilanz der anschaffenden M-AG. Somit sind aktive latente Steuern i.H.v. 60 GE in der Konzernbilanz zu berücksichtigen (es wird der Steuersatz des Erwerbers verwendet, hier 30%). Dem korrespondierenden Steuerertrag von netto 20 GE (latenter Steuerertrag 60 GE ./. laufender Steueraufwand 40 GE) steht kein IFRS-Ergebnis gegenüber; es verbleibt ein im Posten „Abweichung durch

ausländische Steuersätze“ der T-Ausland enthaltener Überleitungseffekt i.H.v. 20 GE. Aufgrund der unterschiedlichen Steuersätze zwischen T-Ausland und M-AG gelingt eine vollständige Eliminierung des Steuereffekts nicht, durch die Zwischenergebniseliminierung kommt es vorliegend jedoch nicht zur Entstehung eines gesonderten Überleitungspostens. Zu e): Die durch die Zinsschranke nicht abzugsfähigen Zinsaufwendungen (300 GE) verhindern, dass trotz Minderung des IFRS-EBT ein entsprechendes Tax-Shield entsteht. Somit liegt ein Überleitungsposten vor. Dieser wirkt sich körperschaftsteuerlich und gewerbesteuerlich in voller Höhe aus und ist entsprechend mit 30% zu bewerten.6 Die abzugsfähigen Zinsen (400 GE) führen für körperschaftsteuerliche Zwecke nicht zu einem Überleitungseffekt, da insoweit sowohl EBT nach IFRS als auch steuerliches Einkommen gemindert werden. Für gewerbesteuerliche Zwecke sind die in Abzug gebrachten Zinsen anteilig nach § 8 Nr. 1 GewStG wieder hinzuzurechnen (hier: 100 GE). Insoweit ergibt sich ein nur mit dem Gewerbesteuersatz (hier: 14,175%) zu bewertender Überleitungsposten.

Die in der Analyse dargestellten Überleitungseffekte stellen sich in Einzel-TRR und Konzern-TRR wie in Abb. 2 veranschaulicht dar. Die tatsächlich im Konzernanhang zu veröffentlichende Angabe umfasst indes nur die letzte mit „Konzern“ überschriebene Spalte dieser Tabelle.

5. Praxishinweise ■

In der Praxis gilt für unerklärte TRRDifferenzen eine Daumenregel, die den US-GAAP entlehnt ist.7 Demnach dürfen bis zu 5% des erwarteten Ertragsteueraufwands in der TRR unter einem Auffangüberleitungsposten für „sonstige Effekte“ ausgewiesen werden.8

Bei der Erstellung der Konzern-TRR stoßen Excel-Lösungen vielfach an ihre Grenzen. Hier bietet sich aus verschiedenen Überlegungen die Einführung einer Software für Steuerreporting an. IRZ

6

7 8

4. Die Lösung Der erwartete Ertragsteueraufwand ergibt sich als Produkt aus anzuwendendem Steuersatz (hier: 30%) und IFRS-EBT.

Gesamtsteueraufwand (tatsächlich und latent) IFRS Ergebnis vor Steuern (EBT)

Der resultierende Überleitungsposten von 90 GE (300 GE × 30%) ist in der TRR mit dem Effekt aus den nichtabzugsfähigen Betriebsausgaben aus der erhaltenen Dividende der T-Ausland (3 GE) im Überleitungsposten „Nicht abzugsfähige Betriebsausgaben“ zusammengefasst. US-GAAP Regulation S-X Rule 4–08(h). Die 5%-Regel kodifiziert ein Einzelausweiserfordernis in der TRR. Die 5%-Schwelle darf nicht – wie in der Praxis häufig zu Unrecht – derart interpretiert werden, dass gegenläufige Einzeleffekte, deren Summe weniger als 5% beträgt, aus „Wesentlichkeitsgründen“ nicht aufgegliedert werden müssen.

M-AG T-Inland T-Ausland Konsolidierung Konzern 977 470 160 -60 1.547 3.000

1.000

800

-400

4.400

Erwarteter Ertragsteueraufwand (30%) Abweichungen durch ausländische Steuersätze

900

300

240 -80

-120

1.320 -80

Hinzurechnungen Gewerbesteuer Nicht abzugsfähige Ausgaben Steuerfreie Erträge Korrekturen von Wertberichtigungen - Verlustvorträge

14 93 -60

120

Überleitungsrechnung (TRR)

Nicht anrechenbare Quellensteuern

-150

14 213 0 -150

200

200

60

30

Periodenfremde Steuern

30

Sonstige Gesamtsteueraufwand (tatsächlich und latent)

Abb. 2: Überleitungsrechnung

0 977

470

160

-60

1.547

7


8

Auf den .Punkt gebracht!

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Auf den .Punkt gebracht!

Abschlussprüfung: Aktuelles zur Berichtspflicht über die Honorare und zur Marktkonzentration Christian Zwirner und Corinna Boecker

WP/StB Dipl.-Kfm. Prof. Dr. Christian Zwirner, Geschäftsführer der Dr. Kleeberg & Partner GmbH WPG StBG, München, www.kleeberg. de. Email: christian. zwirner@kleeberg.de. Weitere Informationen auch unter www.kleeberg-ifrs.de

WP/StB Dipl.-Kffr. Dr. Corinna Boecker, Prokuristin der Dr. Kleeberg & Partner GmbH WPG StBG, München, www.kleeberg.de. Email: corinna.boecker @kleeberg.de

Die deutschen handelsrechtlichen Vorschriften verlangen im Anhang zum Einzelabschluss (§ 285 Nr. 17 HGB) sowie im Konzernanhang (§ 314 Abs. 1 Nr. 9 HGB) quantitative Angaben zu den Honoraren, die der (Konzern-)Abschlussprüfer für das betreffende Geschäftsjahr berechnet hat. Über den Verweis in § 315a Abs. 1 HGB, der den Konzernabschluss nach internationalen Rechnungslegungsnormen regelt, auf § 314 Abs. 1 Nr. 9 HGB legt der deutsche Gesetzgeber fest, dass auch ein IFRS-Konzernabschluss Angaben zum Abschlussprüferhonorar enthalten muss. Darüber hinaus ist mit Blick auf die Reform der Abschlussprüfung auf europäischer Ebene,1 die für Unternehmen von öffentlichem Interesse2 u.a. eine verpflichtende externe Rotation des Abschlussprüfers eingeführt hat, die Entwicklung auf dem Markt für Abschlussprüfungsleistungen wieder einmal in den Fokus des Interesses gerückt. Vor diesem Hintergrund werden aus empirischen Daten des Geschäftsjahrs 2015 (bzw. 2014/2015) zu den Abschlussprüfern sowie den berichteten Honoraren für die 160 Unternehmen aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX die aktuelle Marktverteilung und das Verhältnis zwischen Abschlussprüfungsleistungen und weiteren Leistungen kurz dargestellt.

1. Anhangangaben zum Abschlussprüferhonorar

Keywords: ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■

IDW RS HFA 36 n.F. Honorarangaben im IFRS-Abschluss Gesamthonorar Abschlussprüfungsleistungen andere Bestätigungsleistungen Steuerberatungsleistungen Sonstige Leistungen Marktkonzentration EU-Abschlussprüfungsreform

Die Angaben zum Abschlussprüferhonorar müssen nach vier Kategorien aufgeschlüsselt werden. In der Praxis bestehen regelmäßig bei angefallenen Honoraren Unsicherheiten dahingehend, welcher Kategorie diese zuzuordnen sind. Vor diesem Hintergrund hat das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) seine diesbezügliche Stellungnahme zur Rechnungslegung (IDW RS HFA 36) jüngst dahingehend überarbeitet bzw. konkretisiert, dass Unklarheiten hinsichtlich der inhaltlichen Abgrenzung beseitigt werden sollen.3 Die Angabepflichten zum Abschlussprüferhonorar entsprechen sich in inhaltlicher Hinsicht für den Einzel- sowie den Konzernabschluss. Anzugeben ist jeweils das „von dem Abschlussprüfer [des Konzernabschlusses] für das Geschäftsjahr berechnete Gesamthonorar“,4 das in eine der vier im Gesetz aufgeführten Kategorien eingeordnet werden muss: Honorar für

a) die Abschlussprüfungsleistungen, b) andere Bestätigungsleistungen, c) Steuerberatungsleistungen, d) sonstige Leistungen. Auf eine Angabe des Honorars im Einzelabschluss kann allerdings verzichtet werden, wenn die entsprechenden Angaben in einem Konzernabschluss enthalten sind, in den das betreffende Unternehmen, welches auf die Angabe verzichten will, einbezogen ist. Darauf sollte allerdings hingewiesen werden. Darü1

2

3

4

Vgl. hierzu auf europäischer Ebene stellvertretend Veidt/Geithner, WP Praxis 2014, 172 ff., sowie zur Umsetzung in Deutschland durch das AReG Petersen/Zwirner/Boecker, DStR 2016, 984 ff. Siehe auch Lenz, DB 2016, 2555 ff. In der EU-Verordnung werden diese als PIE (= Public Interest Entities) bezeichnet. Vgl. IDW Stellungnahme zur Rechnungslegung: Anhangangaben nach §§ 285 Nr. 17, 314 Abs. 1 Nr. 9 HGB über das Abschlussprüferhonorar (IDW RS HFA 36 n.F.) vom 8.9.2016, IDW life 2016, 996 ff. § 285 Nr. 17 HGB bzw. § 314 Abs. 1 Nr. 9 HGB.


Zwirner/Boecker, Abschlussprüfung: Aktuelles zur Berichtspflicht über die Honorare und zur Marktkonzentration

ber hinaus beinhaltet das HGB weitere Erleichterungsmöglichkeiten für den Anhang zum Einzelabschluss von kleinen und mittelgroßen Kapitalgesellschaften: Während Erstere gänzlich von der Berichtspflicht befreit sind (§ 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB), dürfen Letztere zwar auch auf die Anhangangabe verzichten, müssen indes auf Anforderung der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) entsprechende Informationen zur Verfügung stellen (§ 288 Abs. 2 Satz 2 HGB).

Praxishinweis: Für Zwecke der Berichterstattung im Konzernanhang existieren keine Erleichterungsmöglichkeiten. Unabhängig von der Frage nach der trennscharfen Abgrenzung der vier Kategorien, auf die weiter unten noch zurückzukommen sein wird, ergibt sich aus der Gesetzesformulierung weiterer Konkretisierungsbedarf, um die Berichtspflichten ordnungsgemäß erfüllen zu können. Gegenstand der Berichterstattung ist das Gesamthonorar des (Konzern-)Abschlussprüfers. Dabei ist jeweils auf den betreffenden Prüfer abzustellen. Angaben zu Honoraren aus internationalen Verbünden und Netzwerken des Abschlussprüfers müssen nicht aufgenommen werden. Falls dies auf freiwilliger Basis geschieht, bietet sich ein DavonVermerk zur Kenntlichmachung an. Bezüglich Honoraren, welche gegenüber verbundenen Unternehmen des Abschlussprüfers anfallen, findet sich im Gesetz keine Verpflichtung, diese anzugeben. Allerdings erscheint nach IDW RS HFA 36 Tz. 7 die Berücksichtigung und Angabe solcher Honorare nach Sinn und Zweck der Vorschrift sachgerecht. Auch hier ist die Kenntlichmachung mittels Davon-Vermerk zu empfehlen.

Kategorie a) Abschlussprüfungsleistungen Gesetzlich vorgeschriebene Jahres- und Konzernabschlussprüfungen Nachtragsprüfungen (§ 316 Abs. 3 HGB) Bescheinigung zur Offenlegung (IDW PS 400) Prüfung eines nach § 325 Abs. 2 HGB offenzulegenden IFRS-Einzelabschlusses Prüfung eines Risikofrüherkennungssystems nach § 317 Abs. 4 HGB Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung (§ 53 HGrG) Prüfungen i.S.v. § 29 Abs. 2 KWG Prüfungen i.S.v. §§ 35, 39 VAG Prüfung des Abhängigkeitsberichts nach § 313 AktG Prüfungen von Konzernpackages des Bilanzierenden Projektbegleitende Prüfungen IT-gestützter rechnungslegungsbezogener Systeme Forensische Untersuchungen bei festgestellten Verstößen, die sich auf die Rechnungslegung auswirken Tätigkeiten des Teilbereichsprüfers und/oder des Konzernprüfungsteams in Bezug auf bedeutsame und nicht bedeutsame Teilbereiche nach IDW PS 320 n.F. Leistungen in Zusammenhang mit Enforcement-Verfahren Prüfung von Abschlüssen, die nach Rechnungslegungsgrundsätzen für einen bestimmten Zweck aufgestellt wurden (IDW PS 480) Prüfungen einzelner Abschlussangaben (IDW PS 490) Prüferische Durchsicht von Zwischenabschlüssen nach IDW PS 900 Prüfung des internen Kontrollsystems bei Dienstleistungsunternehmen nach IDW PS 951 n.F. Leistungen, die mit dem Aufsichtsrat oder Prüfungsausschuss vereinbart wurden (z.B. Prüfungsschwerpunkt), wenn sie den Gegenstand der Abschlussprüfung betreffen

Tab. 1: Leistungen des Abschlussprüfers aus Kategorie a)

das Geschäftsjahr entfallende Honorar“ (IDW RS HFA 36 Tz. 8).5 Relevant ist folglich das im Geschäftsjahr in der Gewinn- und Verlustrechnung enthaltene Gesamthonorar, d.h. unter Berücksichtigung einer erforderlichen Rückstellungsdotierung. Der in der Gewinn- und Verlustrechnung enthaltene Aufwand für den Abschlussprüfer muss insoweit auf seine wirtschaftliche Verursachung respektive Zurechnung zum Berichtsjahr hin untersucht werden. Gegenstand der Anhangangabe ist eine Auskunft darüber, welches Honorar der Abschlussprüfer für das entsprechende Geschäftsjahr erhalten hat bzw. nach bestmöglicher Schätzung erhalten wird. Praxishinweis:

Gegenstand der Berichterstattung ist das Gesamthonorar des (Konzern-)Abschlussprüfers. Dabei ist jeweils auf den betreffenden Prüfer abzustellen.

Zu beachten ist, dass es sich bei dem Gesamthonorar nicht um das bis zum Abschlussstichtag in Rechnung gestellte Honorar handelt, sondern um „das aus der Perspektive des Bilanzierenden auf

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Sofern eine Rückstellung über- oder unterdotiert war, ist der entsprechende Betrag bei der Honorarangabe im Abschluss des Folgejahres zu berücksichtigen (bspw. als Davon-Vermerk). Nachberechnungen für Vorjahre sind zudem als periodenfremd anzugeben. In das Gesamthonorar einzubeziehen ist auch der berechnete Auslagenersatz, der etwa für Tage- und Übernachtungsgelder, Fahrt- und Nebenkosten oder Be-

richts- und Schreibkosten berechnet wird. Nicht dazu gehören allerdings durchlaufende Posten wie die Umsatzsteuer oder auch einzeln zurechenbare Versicherungsprämien. Die geforderten Angaben sind für die vier im Gesetz vorgegebenen Kategorien zu machen. Die bloße Angabe des Gesamthonorars in einer Summe ist nicht zulässig. Sofern aus einer oder mehreren Kategorien im Berichtsjahr keine Honorare angefallen sind, muss allerdings keine Negativanzeige gemacht werden. Bei einem Joint Audit erscheint es zudem sachgerecht, die Angaben jeweils getrennt für die dabei beteiligten Prüfer zu machen. Die Zuordnung der Honoraraufwendungen zu einer der vier Kategorien sorgt in der Praxis immer wieder für Unsicherheit. Als besonders hilfreich erweist sich in diesem Zusammenhang die Ergänzung von IDW RS HFA 36 um einen Kriterienkatalog, in dem insgesamt fast 40 in der Praxis mehr oder weniger häufig auftretende Sachverhalte aufgeführt und einer der vier relevanten Kategorien zugeordnet werden.6

5 6

Hervorhebung durch die Verfasser. Vgl. IDW RS HFA 36 n.F., IDW life 2016, Anlage (999 f.).

9


10

Auf den .Punkt gebracht!

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Kategorie b) andere Bestätigungsleistungen Gesetzlich oder durch Rechtsverordnung geforderte andere Bestätigungsleistungen Gründungsprüfung nach § 33 AktG Verschmelzungsprüfung nach § 9 UmwG Spaltungsprüfung nach § 125 i.V.m. § 9 UmwG Prüfungen nach § 34c GewO, § 16 MaBV und § 34f GewO, § 24 FinVermV Prüfungen nach dem EEG oder dem KWG (IDW PS 970 n.F.) Prüfung nach § 16 der Verordnung über Immobiliendarlehensvermittlung Prüfung von Pro-Forma-Finanzinformationen (IDW PH 9.960.1) Freiwillige Bestätigungsleistungen freiwillige Prüfungen von Risikomanagementsystemen oder von Corporate GovernanceSystemen (z.B. CMS-Prüfung nach IDW PS 980) Erteilung von Comfort Lettern

teiligungsquote) erbracht wurden. Die Angaben erfolgen dabei jeweils aggregiert nach den vier Kategorien; d.h., es sind keine Einzelangaben für jede Gesellschaft notwendig. Praxishinweis: Im Entwurf zum neuen IDW RS HFA 36 war noch vorgesehen, dass auch Honorare des Konzernprüfers an assoziierte Unternehmen mit aufgenommen werden müssen. Dieses Vorhaben wurde allerdings seitens des HFA wieder aufgegeben.

Tab. 2: Leistungen des Abschlussprüfers aus Kategorie b) Kategorie c) Steuerberatungsleistungen Beratung im Zusammenhang mit der Erstellung von Steuererklärungen Aufzeigen von Gestaltungsalternativen Steuerplanung und andere steuerbezogene Beratungsleistungen Unterstützung bei der Lösung von Steuerstreitigkeiten

Tab. 3: Leistungen des Abschlussprüfers aus Kategorie c) Kategorie d) sonstige Leistungen Bewertungsleistungen treuhänderische Tätigkeiten Beratungen in Corporate Governance-Angelegenheiten (z.B. Compliance, Risikomanagement und Interne Revision) sonstige Beratung in wirtschaftlichen Angelegenheiten

Tab. 4: Leistungen des Abschlussprüfers aus Kategorie d)

Eine Leistung ist nach IDW RS HFA 36 Tz. 12a der Kategorie a) Abschlussprüfungsleistungen zuzuordnen, wenn sie unmittelbar durch die Abschlussprüfung veranlasst ist oder im Rahmen der Abschlussprüfung genutzt wird. In der bereits angesprochenen Anlage zu IDW RS HFA 36 hat das IDW die in Tab. 1 enthaltenen Beispiele aufgeführt. Im Vergleich zu der bisher häufig vorzufindenden Vorgehensweise in der Praxis hat dies in Teilen zu einer Ausweitung der Inhalte von Kategorie a) geführt. Für die Zuordnung der Honoraraufwendungen zu einer der vier vorgegebenen Kategorien ist die Ergänzung von IDW RS HFA 36 um einen Kriterienkatalog hilfreich. In die Kategorie b) andere Bestätigungsleistungen sollen sämtliche Leistungen i.S.v. § 2 Abs. 1 WPO (= Vorbehaltsaufgaben eines Wirtschaftsprüfers), die keine Abschlussprüfungsleistungen

sind, eingeordnet werden. Auch hierzu liefert IDW RS HFA 36 Beispiele, welche in Tab. 2 wiedergegeben werden. Die Steuerberatungsleistungen in Kategorie c) umfassen sowohl Honorare für erbrachte Steuerdeklarationsberatungsleistungen als auch für erbrachte Steuergestaltungsberatungsleistungen. Als Beispiele nennt der Standard die in Tab. 3 aufgeführten Sachverhalte. Kategorie d) ist mit sonstige Leistungen bezeichnet und stellt als solche eine Sammelkategorie für verschiedene Sachverhalte dar, zu denen u.a. die zulässigerweise erbrachten Bewertungsleistungen zählen. Tab. 4 enthält die weiteren Beispiele aus der Anlage zu IDW RS HFA 36. Für die Angaben bezüglich des Konzernabschlussprüfers ist festzuhalten, dass hierbei das Gesamthonorar anzugeben ist aus Leistungen der einzelnen Kategorien, die von dem Prüfer des Konzernabschlusses an Mutterunternehmen, vollkonsolidierte Tochterunternehmen und quotal konsolidierte Gemeinschaftsunternehmen (hier entsprechend der Be-

2. Marktkonzentration: Abschlussprüfung bei den Unternehmen des DAX, MDAX, SDAX und TecDAX In einer empirischen Untersuchung wurden die IFRS-Konzernabschlüsse des Geschäftsjahrs 2015 (bzw. 2014/2015) der 160 Unternehmen, welche zum Stichtag 21.03.2016 in den Auswahlindizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX der Deutsche Börse AG enthalten sind, dahingehend untersucht, wie sich die jeweiligen Prüfungsmandate in den Indizes sowie insgesamt verteilen. Wie nicht anders zu erwarten und wie bereits auch bei früheren Untersuchungen7 dominieren KPMG, PwC und EY den Markt, gefolgt von Deloitte & Touche an vierter Stelle (sog. Big 4). Konkret stellt sich die Situation für die untersuchten Abschlüsse wie in Tab. 5 aufgeführt dar. Insgesamt waren in den betreffenden Abschlüssen für die oben enthaltenen Prüfungsgesellschaften Gesamthonorare i.H.v. 917,776 Mio. c enthalten. Auf die vier gesondert angabepflichtigen Kategorien verteilen diese sich wie in Tab. 6. Die Erfahrungen der Praxis zeigen schon jetzt, dass gerade die großen börsennotierten Unternehmen bereits damit begonnen haben, den Markt zu sondieren und ihre Prüfungsmandate neu auszuschreiben bzw. zu vergeben. 7

Vgl. zu früheren empirischen Erhebungen stellvertretend Boecker/Hartmann/Zwirner, KoR 2013, 156 ff., sowie bereits Petersen/ Zwirner, DStR 2007, 1739 ff.


Zwirner/Boecker, Abschlussprüfung: Aktuelles zur Berichtspflicht über die Honorare und zur Marktkonzentration

Die Zusammenstellung zeigt, dass fast zwei Drittel (rd. 64%) der gesamten Honorare für Abschlussprüfungsleistungen angefallen sind. Dies verwundert nicht, da es sich bei den hier untersuchten Unternehmen allesamt aufgrund der Kapitalmarktorientierung um sog. Unternehmen von öffentlichem Interesse handelt, bei denen die verschärften Unabhängigkeitsanforderungen zu beachten sind. Ebenso wenig ist es deswegen ungewöhnlich, dass nur ein geringer Prozentsatz von rd. 5% der Honorare auf die Steuerberatungskategorie entfallen, da bei den hier betrachteten Unternehmen zumeist eine Trennung von Prüfung und Steuerberatung erfolgt. Im Bereich der anderen Bestätigungsleistungen sowie insbesondere auch der sonstigen Leistungen wird sich zukünftig zeigen, inwieweit hierin (noch) Honorare für Leistungen enthalten sind, die jetzt – bei Anwendung der sog. Black List mit den nicht zulässigen Nichtprüfungsleistungen aus der EU-Abschlussprüfungsverordnung – nicht mehr vom Abschlussprüfer erbracht werden dürfen.8 Neben den verschärften EU-Vorgaben zur Abschlussprüferunabhängigkeit bei den Unternehmen von öffentlichem Interesse gilt hier zudem die Verpflichtung zur externen Rotation in bestimmten Zeitabständen.9 Besonders stark betroffen sind hiervon KPMG, PwC, EY sowie Deloitte & Touche. Die Erfahrungen der Praxis zeigen schon jetzt, dass gerade die großen börsennotierten Unternehmen bereits damit begonnen haben, den Markt zu sondieren und ihre Prüfungsmandate neu auszuschreiben bzw. zu vergeben. Die Notwendigkeit zum Prüferwechsel einerseits sowie die in Teilen noch weiter notwendige Trennung zwischen Prüfung und Beratung andererseits werden dazu führen, dass Tab. 5 und Tab. 6 zumindest mittelfristig anders aussehen werden. Zwar wird sich an der Marktkonzentration auf die Big 4 an sich wohl nichts oder nicht viel ändern. Die „Wanderbewegungen“ der einzelnen Prüfungsgesellschaften zwischen den Mandaten werden sich aber im Vergleich zur Vergangenheit, wo viele Unternehmen seit vielen Jahren denselben Abschlussprüfer immer wieder beauftragt haben, deutlich verstärken. Im Einzelfall wird es zudem „kleineren“ Prüfungsgesellschaften ge-

IRZ, Heft 1, Januar 2017

DAX

MDAX

SDAX

TecDAX

Summe

KPMG

18

15

15

5

53 (= 34%)

PwC

9

15

11

7

42 (= 26%)

EY

3

10

11

8

32 (= 20%)

Deloitte & Touche

0

8

7

3

18 (= 11%)

Andere

0

2

6

7

15 (= 9%)

Summe

30

50

50

30

160 (= 100%)

Tab. 5: Verteilung der Prüfungsmandate über alle vier Indizes in Mio. €

Abschlussprüfungsleistungen

andere Bestätigungsleistungen

Steuerberatungsleistungen

sonstige Leistungen

Summe

DAX MDAX

411,376 120,291

125,736 25,275

28,819 12,094

78,825 25,627

644,756 (= 70%) 183,287 (= 20%)

SDAX

33,189

11,738

3,832

12,749

61,508 (= 7%)

TecDAX

19,772

1,960

2,568

3,925

28,225 (= 3%)

Summe

584,628 (= 64%)

164,709 (= 18%)

47,313 (= 5%)

121,126 (= 13%)

917,776 (= 100%)

Tab. 6: Gesamthonorarsumme nach Kategorien aufgeteilt

IDW RS HFA 36 n.F. anzusehen, in welcher Beispiele für die Zuordnung von Sachverhalten zu den gesetzlich vorgeschriebenen vier Kategorien von Honoraren enthalten sind.

lingen, Prüfungen bei den kleineren Unternehmen der hier untersuchten Top 160 zu erhalten. Die nächsten Jahre werden damit von deutlichen Marktverschiebungen gekennzeichnet sein. ■

Die jüngsten Reformen der Abschlussprüfung auf Ebene der EU werden dazu führen, dass sich der Markt deutlich verändern wird. Die Vorschriften zur externen Rotation machen Prüferwechsel erforderlich und werden die bislang noch festzustellende Konzentration verändern.

Wie sich dies auf die Honorargestaltung auswirken wird, bleibt abzuwarten. Insgesamt wird sich der Prüfungsmarkt bei den größten deutschen börsennotierten Unternehmen in den kommenden Jahren verändern, und Marktanteile werden sich verschieben.

Praxishinweis: Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Verteilung der Mandate insgesamt sowie auf die Honorarzusammensetzung haben werden, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist davon auszugehen, dass der Markt sich auf absehbare Zeit deutlich verändern wird.

3. Praxishinweise ■

Die im HGB enthaltenen Regelungen zur Berichterstattung über die Honorare des Abschlussprüfers im (Konzern-)Abschluss gelten auch für IFRSBilanzierer.

Mit der Überarbeitung von IDW RS HFA 36 n.F. zu den Anhangangaben zum Abschlussprüferhonorar konkretisiert das IDW an manchen Stellen die bestehenden Berichtspflichten.

Als wertvolle Hilfe für die Praxis der Berichterstattung ist v.a. die Anlage zu

IRZ

8

9

Zu solchen Leistungen zählen bspw. bestimmte Steuerberatungsleistungen, Lohnund Gehaltsabrechnungen, Bewertungsleistungen, bestimmte juristische Leistungen, Interne Revision u.a. Vgl. hierzu weiterführend bspw. Lanfermann, BB 2014, 1771 ff.; Petersen/Zwirner/Boecker, DStR 2016, 986 f. Vgl. hierzu im Einzelnen Art. 17 Abs. 2b) EU-Abschlussprüferverordnung (537/2014); Velte, DStR 2014, 1690.

11


12

IRZ-Aktuell

IRZ, Heft 1, Januar 2017

IRZ-Aktuell

Nachrichten zu IFRS und US-GAAP

1. IASB

Unternehmen die Interpretation erstmalig anwendet, oder zu Beginn der früheren Berichtsperiode, die als Vergleichsinformation dargestellt wird.

IFRIC 22 veröffentlicht Am 8. Dezember 2016 hat der International Accounting Standards Board (IASB) die vom IFRS Interpretations Committee (IFRS IC) entwickelte Interpretation IFRIC 22 „Transaktionen in fremder Währung und im Voraus gezahlte Gegenleistungen“ veröffentlicht, mit der die Bilanzierung von Geschäftsvorfällen klargestellt werden soll, bei denen ein Erhalt oder eine Zahlung von Gegenleistungen in fremder Währung erfolgt. Betroffen sind Transaktionen, die folgende Voraussetzungen erfüllen: ■

Gegenleistungen, die in fremder Währung ausgewiesen sind;

Ansatz der Gegenleistung in Form eines Vermögenswerts aus der Vorauszahlung oder einer Schuld aus aufgeschobenem Ertrag in Bezug auf die Gegenleistung durch das Unternehmen zeitlich vor der Erfassung des zugehörigen Vermögenswerts, des Aufwands oder des Ertrags; und

nicht monetärer Vermögenswert aus der Vorauszahlung oder der Schuld aus aufgeschobenem Ertrag.

IFRIC 22 tritt für Berichtsperioden in Kraft, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen. Eine frühere Anwendung ist zulässig. EU-Anwender haben vor einer Erstanwendung die Anerkennung der Regelung in der EU (Endorsement) abzuwarten.

IASB ergänzt IAS 40 Ebenfalls am 8. Dezember 2016 hat der IASB sein Projekt zur Ergänzung von IAS 40 mit der Veröffentlichung des Ergänzungsstandards „Übertragungen von als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien (Änderungen an IAS 40)“ abgeschlossen. Durch die Änderungen wird klargestellt, dass Übertragungen in den oder aus dem Bestand der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien nur erfolgen können, wenn es zu einer Nutzungsänderung gekommen ist. Im Einzelnen wurden folgende Änderungen in IAS 40 vorgenommen: ■

Diese Transaktionen sollen nach IFRIC 22 wie folgt behandelt werden: ■

Der Zeitpunkt der Transaktion für Zwecke der Bestimmung des Wechselkurses ist die erstmalige Erfassung des nicht monetären Vermögenswerts aus der Vorauszahlung oder der nicht monetären Schuld aus aufgeschobenem Ertrag. Wenn es im Voraus mehrere Zahlungen oder Erhalte gibt, wird ein Transaktionszeitpunkt für jede Zahlung und jeden Erhalt bestimmt.

Die Interpretation sieht zwei Möglichkeiten der Erstanwendung vor: ■

Vollständig retrospektiv in Übereinstimmung mit IAS 8 oder

prospektiv auf alle Vermögenswerte, Aufwendungen und Erträge in fremder Währung, die in den Anwendungsbereich der Interpretation fallen, bei deren erster Erfassung zu oder nach Beginn der ersten Berichtsperiode, in der ein

IAS 40.57 wurde geändert, um klarzustellen, dass ein Unternehmen eine Immobilie dann (und nur dann) in den oder aus dem Bestand der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien übertragen kann, wenn es Belege für eine Nutzungsänderung gibt. Eine Nutzungsänderung liegt vor, wenn die Immobilie die Definition einer als Finanzinvestition gehaltenen Immobilie erstmals erfüllt oder erstmals nicht mehr erfüllt. Dagegen ist eine Änderung der Absichten der Unternehmensleitung in Bezug auf die Nutzung der Immobilie für sich genommen kein Beleg für eine Nutzungsänderung. Nachdem die Liste von Indikatoren in IAS 40.57(a)-(d) bisher als abschließend angesehen wurde, wird nunmehr klargestellt, dass die dort aufgeführten Beispiele nur exemplarischen Charakter haben und somit die Liste nicht abschließend zu verstehen ist.

Die Änderungen treten für Berichtsperioden in Kraft, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen. Eine vorzeitige

Anwendung ist gestattet, wobei EU-Anwender zunächst noch das EndorsementVerfahren abzuwarten haben. Die Änderungen sind auf Nutzungsänderungen anzuwenden, die am oder nach Beginn der Berichtsperiode auftreten, in der das Unternehmen erstmalig die Änderungen anwendet. Eine rückwirkende Anwendung ist gestattet, wenn dies ohne Verwendung späterer Erkenntnisse möglich ist.

Verabschiedung der jährlichen Verbesserungen im Zyklus 2014–2016 Zeitgleich zu den beiden vorstehenden Verlautbarungen hat der IASB am 8. Dezember 2016 die endgültigen Änderungen im Rahmen des jährlichen Verbesserungsprojekts im Zyklus 2014–2016 verabschiedet. Im Rahmen des Annual Improvements Project werden vom IASB notwendige, aber nicht dringliche Änderungen an bestehenden Standards vorgenommen, die nicht im Rahmen eines gesonderten Projekts adressiert werden. Es handelt sich dabei i.d.R. um kleinere Änderungen und Ergänzungen, oft mit klarstellendem Charakter. Von den nunmehr veröffentlichten Änderungen des Zyklus 2014–2016 sind insgesamt drei Standards betroffen. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Ergänzungen: ■

IFRS 1: Streichung der befristeten Ausnahmen in IFRS 1.E3–E7, da sie sich durch Zeitablauf erledigt haben

IFRS 12: Klarstellung des Anwendungsbereichs des Standards durch Präzisierung, dass die Angabevorschriften im Standard mit Ausnahme derjenigen in IFRS 12.B10–B16 auf die in IFRS 12.5 genannten Beteiligungen eines Unternehmens anzuwenden sind, die als zu Veräußerungszwecken gehalten, als zu Ausschüttungszwecken gehalten oder als aufgegebene Geschäftsbereiche nach IFRS 5 klassifiziert sind.

IAS 28: Klarstellung, dass das Wahlrecht, eine Beteiligung an einem assoziierten Unternehmen oder Joint Venture, die von einem Unternehmen gehalten wird, das eine Wagniskapitalgesellschaft oder ein anderes qualifizie-


IRZ, Heft 1, Januar 2017

rendes Unternehmen ist, zum beizulegenden Zeitwert mit Erfassung der Veränderungen in der Gewinn- und Verlustrechnung zu bewerten, bei erstmaligem Ansatz für jede Beteiligung an einem assoziierten Unternehmen oder Joint Venture auf Einzelbeteiligungsgrundlage zur Verfügung steht. Die Änderungen an IFRS 1 und IAS 28 sind verpflichtend erstmalig für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2018 anzuwenden, diejenigen an IFRS 12 erstmalig für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2017. Eine freiwillige frühere Anwendung ist möglich, jedoch haben IFRS-Anwender, die einen befreienden IFRS-Konzernabschluss in der EU aufstellen möchten, vor der Erstanwendung die derzeit noch ausstehende Anerkennung durch die EU (Endorsement) abzuwarten.

IASB aktualisiert sein Arbeitsprogramm Im Nachgang zu seiner turnusmäßigen Sitzung im Dezember hat der IASB am 16. Dezember 2016 eine Aktualisierung seines Arbeitsprogramms vorgenommen. Bei den größeren Projekten wurden die Arbeiten zur Wesentlichkeit im Rahmen der Angabeninitiative nunmehr in zwei Projekte aufgeteilt. Das Leitliniendokument befindet sich jetzt in der Entwurfsphase, ein endgültiges Dokument wird aber weiterhin erst nach sechs Monaten erwartet. In Bezug auf die Definition von Wesentlichkeit wird jetzt ein gesonderter Entwurf von Änderungen an IAS 1 und IAS 8 erarbeitet, der innerhalb der nächsten sechs Monate veröffentlicht werden soll. Die Veröffentlichung eines endgültigen Standards zu Versicherungsverträgen ist jetzt für März 2017 geplant (zuvor innerhalb von sechs Monaten). Bei den Umsetzungsprojekten und IFRIC-Interpretationen haben sich folgende Änderungen ergeben: ■

Im Projekt zur Definition eines Geschäftsbetriebs/Neubewertung zuvor gehaltener Anteile wird eine Entscheidung zur Projektausrichtung jetzt innerhalb von drei Monaten erwartet (zuvor innerhalb von sechs Monaten). Hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise im Projekt zur Neubewertung bei einer Planänderung, -erfüllung oder -kürzung bzw. Verfügbarkeit der Erstattung eines Überschusses eines leistungsorientierten Plans sollen endgülti-

ge Änderungen nach Ablauf von sechs Monaten herausgegeben werden. ■

Es wurde ein neues Projekt zu symmetrischen Vorauszahlungsoptionen in den Arbeitsplan aufgenommen, über dessen Ausrichtung innerhalb von drei Monaten entschieden werden soll.

Bei dem Forschungsprojekt zu den Hauptbestandteilen des Abschlusses hat der Board entschieden, nach Ablauf von sechs Monaten ein Diskussionspapier oder einen Entwurf zu veröffentlichen. Der IASB-Workplan steht auf der Internetseite des IASB (www.ifrs.org) zur Einsicht zur Verfügung und kann in einer druckerfreundlichen Version heruntergeladen werden.

2. EU/EFRAG Aktualisierter Bericht zum Status des Übernahmeprozesses Als Folge der Übernahme von IFRS 9 in europäisches Recht (Bekanntgabe im Amtsblatt am 29. November 2016) und nach der Veröffentlichung dreier endgültiger Verlautbarungen des IASB (s.o.) hat EFRAG letztmalig am 14. Dezember 2016 ihren Statusbericht betreffend den Übernahmeprozess der IFRS, einschließlich Standards, Interpretationen und Änderungen, gemäß der europäischen Rechnungslegungsregulierung aktualisiert. Nach den Veränderungen des letzten Monats enthält der aktuelle EFRAG-Endorsement-Statusbericht nunmehr elf IASBVerlautbarungen, deren Übernahme in europäisches Recht derzeit noch aussteht, oder die – im Fall von IFRS 14 – gar nicht von der EU anerkannt werden sollen. Der Bericht kann auf der EFRAG-Website (www.efrag.org) eingesehen bzw. heruntergeladen werden.

3. IDW Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) will künftig abgegrenzte Fragen der IFRS-Rechnungslegung in einer einheitlichen und modularen Form behandeln. Durch den modularen Aufbau soll der Kritik an den bisherigen IDWStellungnahmen zur Rechnungslegung nach IFRS entgegengewirkt werden. Insbesondere war der Umfang der Ausführungen und die teilweise beliebige Anei-

nanderreihung von IFRS-Themen in den IDW-Verlautbarungen kritisiert worden. Deshalb sollen IFRS-Fragestellungen künftig in einer deutlich kompakteren Form behandelt werden. Ein Entwurf des ersten der neuen Modulstandards (IDW RS HFA 50) wurde vom IDW am 28. November 2016 verabschiedet. Das erste Modul befasst sich mit der „Bilanzierung von Versorgungszusagen mit versicherungsförmigen Durchführungswegen angesichts der andauernden Niedrigzinsphase“ nach IAS 19. Zentrale Fragestellung ist der Übergang von einer Bilanzierung eines Plans als beitragsorientierter Plan auf eine Bilanzierung als leistungsorientierter Plan im IFRS-Abschluss, wenn die Inanspruchnahme des Arbeitgebers zum Abschlussstichtag nicht mehr als sehr unwahrscheinlich eingeschätzt wird. Der Entwurf kann auf der Internetseite des IDW (www.idw.de) eingesehen und heruntergeladen werden. Die Kommentierungsfrist für die Verlautbarung endet am 24. Januar 2017.

4. FAF/FASB Standardsetzungsaktivitäten Nach den umfangreichen Aktivitäten des Vormonats hat der FASB nunmehr lediglich den folgenden Entwurf einer Standardänderung zur Aktualisierung der Rechnungslegungsstandards in den USA veröffentlicht: ■ Proposed Accounting Standards Update: Distinguishing Liabilities from Equity (Topic 480): I. Accounting for Certain Financial Instruments with Down Round Features / II. Replacement of the Indefinite Deferral for Mandatorily Redeemable Financial Instruments of Certain Nonpublic Entities and Certain Mandatorily Redeemable Noncontrolling Interests with a Scope Exception (Veröffentlichung: 7. Dezember 2016; Ende der Kommentierungsfrist: 6. Februar 2017). Die Verlautbarung steht auf der Website des FASB (www.fasb.org) zum Download zur Verfügung. Verantwortlich für Auswahl und Aufbereitung der Inhalte: WP/StB Dr. Jens W. Brune, Warth & Klein Grant Thornton AG, Düsseldorf, und Dr. Benita Hayn, Warth & Klein Grant Thornton AG, Hamburg. IRZ

13


14

IRZ-Aktuell

IRZ, Heft 1, Januar 2017

IRZ-Aktuell

Berninger, Marc/Schiereck, Dirk: Die Transparenzrichtlinie-Änderungsrichtlinie und ihre Konsequenzen auf die quartalsweise Berichterstattung in Deutschland, KoR 12/2016, S. 554–562 Boller, Michael/Warda, Michael: Vom Liquidationswert bis hin zur Investitionsstrategie, EF 12/2016, S. 946–951 Buchheim, Regine/Hossfeld, Christopher/Schmidt, Martin: Quartalsberichterstattung in Europa, WPg 24/2016, S. 1347–1356 Fischer, Daniel: TRG-Meetings 2016: Ausgewählte Bilanzierungsfragen, PiR 12/2016, S. 355–357 Fodor, Jürgen/Borst, Hanne: Rechnungszins und Inflationsrate für betriebliche Versorgungsleistungen im nationalen und internationalen Jahresabschluss zum 31.12.2016, BB 49/2016, S. 2987–2991 Freiberg, Jens: Verbot der Steuerlatenzierung bei ergebnisneutraler Zugangsbewertung, PiR 12/2016, S. 358–361 Grünberger, David/Kühle, Ulf: Enforcement in Österreich: Ergebnisse und Analysen für das erste Prüfungsjahr, KoR 12/2016, S. 575–579 Haaker, Andreas/Freiberg, Jens: Better Communication?, PiR 12/2016, S. 351–354 Höbener, Julian/Dust, Yannic/GimpelHenning, Nils: Die Bilanzierung sukzessiver Unternehmenserwerbe im Lichte des Conceptual Framework-Projekts – Erfolgswirkungen aus der Neubewertung der Altanteile, PiR 12/2016, S. 337–344 Hoffmann, Sebastian/Lahmann, Alexander: Negative Zinsen in der FairValue-Bewertung derivativer Finanzinstrumente, WPg 23/2016, S. 1274–1281 Koch, Christian/Tesche, Thomas/Pfirmann, Armin: Interaktion von IFRS 16 mit IFRS 15 – Analyse und kritische Würdigung, PiR 12/2016, S. 345–350

Zeitschriftenspiegel

Labrenz, Helfried/Thorand, Laura: Der Einfluss gesellschaftsrechtlicher Beschlussquoren auf die Wertstabilität assoziierter Beteiligungen – Ökonomische Relevanz und Signalisierungsmöglichkeiten, KoR 12/2016, S. 545–553 Landgraf, Christian/Brunnhübner, Andreas: Die steuerliche Überleitungsrechnung nach IFRS – Von der Pflicht zur Kür, PiR 12/2016, S. 329–336 Lüdenbach, Norbert: Front loading bei anteilsbasierter Vergütung mit Erfolgsziel?, PiR 12/2016, S. 362 Verzeichnis der ausgewerteten Fachzeitschriften AG

Die Aktiengesellschaft

BB

BetriebsBerater

BC

Zeitschrift für Bilanzierung, Rechnungswesen und Controlling

CON

Controlling

DB

DER BETRIEB

DStR

Deutsches Steuerrecht

EF

EXPERT FOCUS (ehemals: Der Schweizer Treuhänder)

FP

ForderungsPraktiker

GesRZ Der Gesellschafter KoR

Zeitschrift für internationale und kapitalmarktorientierte Rechnungslegung

PiR

NWB Internationale Rechnungslegung

r&c

rechnungswesen&controlling

RdW

Zeitschrift Österreichisches Recht der Wirtschaft

RWZ

Zeitschrift für Recht und Rechnungswesen

StuB

Unternehmensteuern und Bilanzen

SWI

Steuer- und Wirtschaftskartei International

SWK

Steuer- und WirtschaftsKartei

WPg

Die Wirtschaftsprüfung

Möller, Manuela/Frey, Lisa/Weinzierl, Rebecca: § 37q-WpHG-Fehlerveröffentlichungen und Wechsel der Abschlussprüfungsgesellschaft, KoR 12/2016, S. 563–574 Schmidt, Martin: Enforcement-Prüfungsschwerpunkte 2017, BB 50/2016, S. 3051–3055 Schröder, Torsten: Ermessensspielräume bei der bilanziellen Abbildung modifizierter finanzieller Vermögenswerte nach IFRS 9, KoR 12/2016, S. 579–584 Thormann, Bettina/Barth, Daniela: Enforcement von Non-GAAP Measures durch die DPR, BB 48/2016, S. 2923–2927 van Bakel-Auer, Katharina/Stojaspal, Carina: Internationaler Rundblick, RZW 11/2016, S. 368–370 Vogel, Raoul/Compt, Hans B./Maier, Katharina: Bilanzielle Konsequenzen aus Reverse Factoring-Transaktionen. Vorschlag eines umfassenden Entscheidungsbaums zur Klassifizierung von Verbindlichkeiten in der IFRS-Bilanz des Schuldners, RWZ 11/2016, S. 360–364 Wieneke, Laurenz/Schulz, Stephan: Durchführung eines Delistings, AG 22/2016, S. 809–819 Witte, Nina Natalie: Kennzahlenbasierte Unternehmenssteuerung: Lösungsansätze zum effektiven Einsatz in der Unternehmenskrise, DB 46/2016, S. 2673–2681 Zülch, Henning: Qualität der Finanzkommunikation in Deutschland: Weitergehende Erkenntnisse auf Basis des Wettbewerbs Investors’ Darling, KoR 12/2016, S. 591–592

IRZ

Aktuelle Kurzmeldungen finden Sie auch unter: www.irz-online.de


IRZ, Heft 1, Januar 2017

Blickpunkt: Nischenstandards

15

30 Jahre IAS 26: Vom Vorreiter zum Hemmschuh Michael Dobler

Ohne in der hiesigen Bilanzierungspraxis erkennbar in Erscheinung getreten zu sein, begeht IAS 26 Bilanzierung und Berichterstattung von Altersversorgungsplänen sein 30-jähriges Jubiläum. Das bietet Anlass, die Bedeutung des ältesten originären Standards der gültigen IFRS und seinen Status innerhalb der IFRS zu hinterfragen.

1. IAS 26 als branchenspezifischer Nischenstandard Die internationale Harmonisierung branchenspezifischer Regulierung der Rechnungslegung erweist sich seit jeher als besonders heikel.1 Derzeit bestehen auf Ebene der IFRS vorrangig fünf Standards, die sich speziell branchenspezifischen Tätigkeiten widmen.2 Inhaltlich deckungsbreit sind dabei nur die Regelungen des IAS 41 Landwirtschaft, die hierzulande bekanntermaßen nur untergeordnete Bedeutung entfalten.3 IFRS 4 Versicherungsverträge und IFRS 6 Exploration und Evaluierung von mineralischen Ressourcen stellen permissive Interimstandards dar.4 IFRS 14 Regulatorische Abgrenzungsposten, dem das EUEndorsement versagt wurde, glänzt durch Inhaltsleere. Es bleibt IAS 26 Bilanzierung und Berichterstattung von Altersversorgungsplänen, der vor 30 Jahren – im Januar 1987 – veröffentlicht wurde und in materiell weitgehend unveränderter Form bis heute besteht.

Keywords: ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■

IAS 26 IFRS 13 additive Harmonisierung Altersversorgungspläne Fair Value Pensionsfonds Pensionskasse

IAS 26 regelt die Bilanzierung und die Berichterstattung leistungs- wie beitragsorientierter Altersversorgungspläne gegenüber der Gesamtheit der Begünstigten. Der Anwendungsbereich zielt damit auf Versorgungseinrichtungen – etwa Pensionsfonds oder -kassen – ab, während IAS 19 Leistungen an Arbeitnehmer die Rechnungslegung für solche Pläne aus Sicht des Arbeitgebers adressiert.5 Das charakterisiert IAS 26 als branchenspezifischen Nischenstandard. Wie IAS 34 Zwischenberichterstattung besorgt auch IAS 26 keine eigenständige Berichtspflicht (IAS 26.1). Vielmehr knüpft der persönliche Anwendungsbe-

reich an die Berichtspflicht nach (supra-)nationalen Regimen oder die freiwillige Berichterstattung gemäß IFRS an. IAS 26 befasst sich mit Altersversorgungsplänen aus Sicht eines Fonds oder einer Kasse, IAS 19 aus Sicht des finanzierenden Arbeitgeberunternehmens. Zwar wurde der Standard 2003 mit der ersten Tranche von IFRS in Europäisches Gemeinschaftsrecht übernommen.6 Jedoch besteht in Deutschland – anders als 1

2

3

4

5

6

Vgl. m.w.N. Dobler, Stolpersteine auf dem Weg zu branchenspezifischen IFRS, in Dobler et al. (Hrsg.), Rechnungslegung, Prüfung und Unternehmensbewertung, FS Ballwieser, Stuttgart 2014, 75, 89. Ferner lassen sich einzelne Regelungen zu Finanzinstrumenten produktspezifisch der Finanzdienstleistungsbranche zuordnen; auch IAS 7 umfasst Spezifika für Finanzdienstleister (z.B. IAS 7.24, .33). Vgl. Ballwieser/Dobler, in Ballwieser et al. (Hrsg.), Wiley IFRSHandbuch 2011, 7. Aufl., Weinheim 2011, Abschn. 26 Rn. 16–17. Im Geschäftsjahr 2013/14 weisen nur zwei Konzernabschlüsse der im DAX, MDAX, SDAX oder TecDAX notierten Gesellschaften ausdrücklich auf die Anwendung des IAS 41 hin. Im Rahmen des Projekts Insurance Contracts steht die Ablösung des IFRS 4 (durch einen nun avisierten IFRS 17) bevor. Eine solche Ablösung zeichnet sich für IFRS 6 zumindest nicht zeitnah ab; vgl. politisch und empirisch unterlegt Dobler (Fn. 1), 73–94. Vgl. Höpken/Torner, in Driesch et al. (Hrsg.), Beck’sches IFRS-Handbuch, 5. Aufl., München 2016, § 26 Rn. 2. Vgl. Verordnung (EG) 1725/2003 vom 29.9.2003.

Blickpunkt

Prof. Dr. Michael Dobler, MBR, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsprüfung und Steuerlehre an der Technischen Universität Dresden. Email: michael. dobler@tu-dresden.de


Blickpunkt

16

Blickpunkt: Nischenstandards

IRZ, Heft 1, Januar 2017

in etlichen angelsächsisch geprägten Staaten – kaum Raum für die Anwendung von IAS 26. Denn hiesige Pensionsfonds oder -kassen werden schwerlich vom obligatorischen Anwendungsbereich der IFRS erfasst oder optional IFRS anwenden. Auch der zumindest denkbare Einbezug von Pensionsfonds oder -kassen in einen IFRS-Konzernabschluss entfaltet keine Relevanz, womit „der praktische Anwendungsbereich von IAS 26 aus nationaler Sicht gegen null tendiert.“7 Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass IAS 26 hierzulande der am wenigsten bekannte Standard der gültigen IFRS ist, dessen Behandlung im Wesentlichen Bilanzrechtskommentaren vorbehalten bleibt.

2. Wesentliche Inhalte und Vorreiterrolle Originär entstammt IAS 26 der durch additive Harmonisierung8 geprägten frühen Schaffensphase des International Accounting Standards Committee (IASC), dem Vorgänger des heutigen IASB. Dies spiegelt sich – wie in kaum einem anderen gültigen Standard – im oft beschreibenden statt vorschreibenden Wortlaut und den von Wahlrechten geprägten Regelungen wider. Davon betroffen sind selbst die zentralen Regelungen zur Bewertung von Kapitalanlagen und zur Darstellung des versicherungsmathematischen Barwerts von zugesagten Leistungen: ■

Der Fair Value von marktfähigen Wertpapieren (marketable securities) wird erst pauschal (IAS 26.32), dann üblicherweise mit deren Marktwert gleichgesetzt (IAS 26.33). Von der Bewertung der als Planvermögen zu verstehenden Kapitalanlagen zum Fair Value oder dem Marktwert kann aus Gründen der Praktikabilität auch abgewichen werden, ohne dass ein alternativer Bewertungsmaßstab fixiert ist. Der versicherungsmathematische Barwert (actuarial present value) zugesagter Versorgungsleistungen kann anhand des gegenwärtigen oder des künftigen Gehaltsniveaus ermittelt werden (IAS 26.23). Gleich drei Optionen bietet IAS 26.17 für den Ausweis der Größe. Er kann (i) in der Nettovermögensaufstellung, (ii) im Anhang oder (iii) in einem anliegenden aktuariellen Gutachten erfolgen.

In mindestens zwei Belangen kann IAS 26 als Vorreiter angesehen werden. Zum einen gilt er als erster Standard des IASC, der die Zugangs- und Folgebewertung von Kapitalanlagen zum Fair Value erfordert.9 Eine solche Bewertung ist heute z.B. in IAS 19, IAS 39, IAS 41 und IFRS 9 verankert. Zum anderen verdeutlicht er, dass das IASC – allen Kontroversen zum Trotz – einen branchenspezifischen Standard vorzulegen vermochte.10 Dabei kam er dem bankspezifischen IAS 30 Angaben im Abschluss von Banken und ähnlichen Finanzinstitutionen zuvor. Der wurde mit Einführung des branchenunabhängig gültigen IFRS 7 Finanzinstrumente: Angaben schon vor Jahren wieder abgelöst (IFRS 7.45).11

systems.14 Das zeigt sich z.B. bereits in den oben angesprochenen zentralen Regelungen: ■

Die Regelungen des IAS 26.32–33 zur Bewertung zum Fair Value passen nicht (vorbehaltlos) zu IFRS 13 Bemessung des beizulegenden Zeitwerts und wurden mit dessen Einführung im Wortlaut nicht angepasst. Dabei sind Altersversorgungspläne nicht von den Bewertungsvorschriften des IFRS 13, sondern nur von seinen Angabepflichten ausgespart (IFRS 13.5, .7(b)).

Der – in keinem anderen IFRS erwähnte – versicherungsmathematische Barwert und das Wahlrecht zu seiner Ermittlung gemäß IAS 26.23 passen nicht zu IAS 19. Der spricht vom Barwert einer leistungsorientierten Verpflichtung und sieht eine Ermittlung anhand des künftigen Gehaltsniveaus vor (IAS 19.8, .76(b)(ii), .87(b), .90).

Insgesamt ist IAS 26 als eine Kompromisslösung additiver Harmonisierung auf einem kleinen gemeinsamen Nenner zu werten. Er ist Ausfluss heterogener nationaler Branchenpraktiken der an seiner Entwicklung beteiligten Staaten in den 1980er Jahren.

Hinweis: Die Befreiung von Angabepflichten gem. IFRS 13.7(b) gilt nur, wenn die Kapitalanlagen des Altersversorgungsplans zum Fair Value angesetzt sind. Demnach gilt die Befreiung nicht, wenn die Kapitalanlagen zu einem anderen Bewertungsmaßstab angesetzt sind, aber ihr Fair Value nach IAS 26.33 angegeben wird.

IAS 26 ist ein Relikt der additiven Harmonisierung in der frühen Schaffensphase des internationalen Standardsetzers.

3. Entwicklungen und Hemmschuh 7

In den drei Dekaden seines Bestehens wurde IAS 26 im Jahr 1994 umgegliedert und insgesamt nur geringfügig angepasst. Anders als seinem Pendant IAS 19 wurde IAS 26 auch ansonsten nur stiefmütterliche Behandlung zuteil. Von der Entwicklung des IFRS for SMEs wurde IAS 26 rasch ausgespart.12 Das IFRIC entschied im Mai 2010, das Verhältnis von IAS 26 und IAS 39 in Bezug auf die Bewertung von Planvermögen nicht klären zu müssen (Non-IFRIC 26–1).13 IAS 26 tritt zwar in der Abgrenzung des Anwendungsbereichs anderer Standards in Erscheinung (z.B. IFRS 4.4(b), IFRS 13.7(b)). Die dynamische Fortentwicklung des Rechnungslegungssystems IFRS ist aber weitestgehend an IAS 26 vorbeigegangen. Unweigerliche Konsequenz sind konzeptionelle und terminologische Verwerfungen zwischen IAS 26 und anderen Standards oder Interpretationen des Rechnungslegungs-

8

9 10

11

12

13

14

Neumeier/Hagemann, in Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg (Hrsg.), Haufe IFRS-Kommentar, 13. Aufl., Freiburg 2015, § 41 Rz. 3. Bruns/Hülsberg, in Hennrichs/Kleindiek/Watrin (Hrsg.), Münchner Kommentar zum Bilanzrecht, Bd. I, München 2014 (5. EL), IAS 26 Rn. 3, „ist kein Anwendungsfall in Deutschland bekannt.“ Vgl. zu einer detaillierten Analyse des sachlichen und persönlichen Anwendungsbereichs Dobler, KoR 2007, 200 f. Vgl. zum Begriff – auch in früheren Auflagen – Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn, Internationale Rechnungslegung, 9. Aufl., Stuttgart 2014, 46. Vgl. Cairns, Accounting in Europe 2006, 14 f. Vgl. Camfferman/Zeff, Financial Reporting and Global Capital Markets, Oxford 2007, 141 f. Vgl. Weigel/Meyding-Metzger, IRZ 2015, 187. Vgl. mit empirischen Befunden Dobler, KoR 2007, 203 f. Vgl. Bruns/Hülsberg, (Fn. 7), IAS 26 Rn. 39– 40. Vgl. ausführlich und zu Verwerfungen in der deutschen Übersetzung Dobler, KoR 2007, 202 f.


Dobler, 30 Jahre IAS 26: Vom Vorreiter zum Hemmschuh

In der hiesigen Praxis bliebe eine Aufhebung des IAS 26 ebenso unbeachtlich, wie es sein Bestehen in den letzten 30 Jahren war. Die betont flexiblen Regelungen des vor drei Dekaden im engen Kreis verabschiedeten IAS 26 scheinen also den sich gewandelten Rahmenbedingungen und dem international erheblich angewachsenen und diversifizierten Anwenderkreis von IFRS nicht mehr gerecht werden zu

können. Das ist gepaart mit konzeptionellen und terminologischen Verwerfungen. Insgesamt stellt IAS 26 heute im Branchenkontext einen Hemmschuh der Harmonisierung und der globalen Verbreitung der IFRS dar.

4. Resümee IAS 26 ist über die letzten 30 Jahre vom Vorreiter zum Hemmschuh in der internationalen Rechnungslegung verkommen. Bereits zu seinem 25-jährigen Jubiläum galt es, dem antiquierten Nischenstandard „nach verhaltener Laudatio den zeitnahen Abdank nahezulegen.“18 Das gilt heute umso mehr, als sich weiterhin keine ernsthafte Überarbeitung des Standards seitens des IASB abzeichnet. Angezeigt ist konsequenterweise eine Aufhebung des IAS 26. Damit würde den Standard ein ähnliches Schicksal ereilen wie den bankspezifischen IAS 30, der im Zuge der Einführung von IFRS 7 vor einer Dekade kassiert wurde. Eine Aufhebung von IAS 26 würde eine verschmerzbare Lücke im Rechnungslegungssystem IFRS hinterlassen. Folgeprobleme in Jurisdiktionen, in denen

IAS 26 unmittelbar oder mittelbar eine Rolle spielt, dürften – nach erforderlicher Debatte – behebbar sein. Umgekehrt würden durch eine Aufhebung des IAS 26 branchenspezifische Hemmnisse der Anwendung und der internationalen Verbreitung der IFRS in originärer Form abgebaut und zweifelsohne die Konsistenz des Rechnungslegungssystems gefördert werden. Die deutsche Bilanzierungspraxis bliebe jedenfalls kaum tangiert. IRZ

15

16

17

18

Vgl. für Jordanien Omar, International Business Research 2/2015, 161; für Kuwait Alfraih/Alanezi, The International Journal of Business and Finance Research 3/2015, 7; für Mitgliedstaaten des Gulf Co-Operation Council Al-Shammari/Brown/Tarca, The International Journal of Accounting 2008, 445. Vgl. auch weitergehend m.w.N. Dobler, KoR 2012, 2; Dobler/Dobler, The Journal of Insurance & Risk Management (Pravartak) 8/2009, 25. Vgl. Pfeffer/Jacobs/DeLong/Tang, The Journal of Corporate Accounting & Finance 6/2012, 32. Dobler, KoR 2012, 3. Ein entsprechender Vorschlag im Rahmen der Pro-Active Accounting Activities in Europe ist im Sande verlaufen; vgl. ASB/EFRAG/CNC/ASCG/ OIC, DP The Financial Reporting on Pensions, 2008; ASB/EFRAG/CNC/ASCG/OIC, The Financial Reporting on Pensions – Feedback and Redeliberations, 2009.

Save the date! 8.–10.11.2017: Ź 1. ACA Research Symposium : „From Insight to Impact in Accounting, Control, and Auditing – Behavioral Issues“ Eine Plattform, aktuelle sowie zukünftige Herausforderungen in der Rechnungslegung mit Experten aus Wissenschaft und Praxis zu diskutieren. Call for Papers – Einreichungsfrist: 30.6.2017 Institut für Accounting, Controlling und Auditing Universität St. Gallen (ACA-HSG) www.symposium.aca.unisg.ch

17

Blickpunkt

Vor diesem Hintergrund ist IAS 26 als antiquierter Nischenstandard zu charakterisieren, der kaum mehr in das aktuelle Rechnungslegungssystem IFRS passt. Daran stört sich die deutsche Praxis deshalb nicht, weil der Standard hier bedeutungslos ist. Das gilt für eine ganze Reihe von EU-Mitgliedstaaten und – wenngleich aufgrund teils anderer Ursachen – auch für weitere Jurisdiktionen, etwa im Nahen Osten.15 Gerade in Australien und Neuseeland, aber auch in Indien rieb man sich im Adoptionsprozess erheblich an IAS 26.16 Kanada hat von einer Übernahme des IAS 26 abgesehen.17 Von wesentlichen Konvergenzprogrammen ist IAS 26 ausgeklammert.

IRZ, Heft 1, Januar 2017


Der Schmidt. Trennt die Spreu vom Weizen. Bei der Vielzahl der Informationen im Einkommensteuerrecht kommt es darauf an, die relevanten von nicht wichtigen Informationen zu trennen. Mit dem jährlich neuen Schmidt kann der Steuerberater sicher sein, dass er alle wichtigen Informationen erhält.

Jährliche Informationssammlung Das ganze Jahr ßber sammeln die Autoren aktuelle Gesetzesänderungen, Rechtsprechungsentscheidungen, neue oder geänderte Verwaltungsanweisungen sowie relevante SchrifttumsverÜffentlichungen.

Sorgfältige Materialsichtung und -verarbeitung &KGLĂ&#x20AC;JTNKEJGSWCNKȨ\KGTVG5KEJVWPIWPF)GYKEJVWPIFGT wichtigen Veränderungen sowie deren Einarbeitung und kritische Darstellung bringt dem Steuerberater eine erhebliche Zeitersparnis, da er die Unmenge an neuen EStGInformationen nicht selbst lesen und gewichten muss.

Klare und meinungsprägende Kommentierung Der ergebnisorientierte Kommentierungsstil des Schmidt mit eigenen begrßndeten Stellungnahmen zu komplexen Fragestellungen sowie seine hohe Wertschätzung bei der Finanzverwaltung sind weitere entscheidende Vorteile dieses seit 1982 erscheinenden Jahreskommentars.

Schmidt Einkommensteuergesetz ¡ EStG #WČŠCIG4WPF5GKVGP +P.GKPGPECas ISBN 978-3-406-69841-5 | 0GWKO/Ă&#x20AC;T\

(...) Bewährt kompetent und handlich trotz der enormen Stofffßlle ist der Schmidt auch in diesem Jahr geblieben. Daher wird dieser Kommentar sicherlich auch in Zukunft einer der wichtigsten in Steuerkanzleien bleiben. 7FQ4GWKP#ITCT$GVTKGD\WT#WȊCIG

/GJT+PHQTOCVKQPGP YYYDGEMUJQRFGDMIRNE

Erhältlich im Buchhandel oder bei: beck-shop.de | Verlag C.H.BECK oHG ¡ 80791 Mßnchen | kundenservice@beck.de | Preise inkl. MwSt. | 166795


IRZ, Heft 1, Januar 2017

Bilanzierung und Bilanzpolitik

ema Top-Th

19

Darstellung von Wertminderungen und Wertaufholungen auf Sachanlagen im Umsatzkostenverfahren nach IFRS

Dipl.-Kfm. Dr. Benjamin Roos, Mitarbeiter im Bereich IFRS Compliance bei der Schaeffler AG, Herzogenaurach, sowie Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Nürnberg GeorgSimon-Ohm und Dozent an der VWA Nürnberg. Email: benjamin.roos@ schaeffler.com

Hinsichtlich der Darstellung von Wertminderungen und Wertaufholungen auf Sachanlagen enthalten die IFRS keine konkreten Vorgaben, wie diese Sachverhalte bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens zu behandeln sind. Aufgrund dessen hat sich diesbezüglich eine diversity in practice gebildet. Neben dem Ausweis derartiger Komponenten in den Umsatz- oder Funktionskosten erfolgt regelmäßig auch ein Ausweis im Sonstigen Ergebnis. Weiterhin wird diese diversity in practice zusätzlich dadurch verstärkt, dass Wertminderungen und -aufholungen oftmals nicht einheitlich ausgewiesen werden.

1. Problemstellung Mit Blick auf die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) in einem IFRS-Abschluss kann aus IAS 1.103 gefolgert werden: Grundsätzlich sollte das Umsatzkostenverfahren (UKV) zur Anwendung kommen, da es „relevantere Informationen als die Aufteilung nach den Aufwandsarten“ liefert. Gemäß UKV ist eine Gliederung der Aufwendungen nach betrieblichen Funktionsbereichen (Umsatz-, Vertriebs-, Verwaltungskosten etc.) vorgesehen. Der Posten „Bestandsveränderungen“ wird in der GuV im Gegensatz zur Anwendung des Gesamtkostenverfahrens (GKV) nicht erfasst. Die Herstellungskosten umfassen lediglich die zur Erzielung der abgesetzten Leistungen angefallenen Kosten.1

Keywords: ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■

IAS 1.103 Umsatzkostenverfahren Sachanlagen Wertminderung Wertaufholung Umsatzkosten Funktionskosten Sonstiges Ergebnis diversity in practice mixed presentation

Insbesondere aufgrund der fehlenden Aufteilung nach den Aufwandsarten ergeben sich in der Praxis regelmäßig Schwierigkeiten bei der Zuordnung bestimmter, nicht regelmäßig anfallender Aufwendungen. Hier lassen sich bspw. die Behandlung von Wertminderungen aufgrund der Vornahme außerplanmäßiger Abschreibungen und Wertaufholungen2 anführen. Da dies nicht explizit geregelt ist, kommen verschiedene Darstellungsalternativen in Betracht. So kann z.B. eine Zuordnung zu den Umsatzkosten, den Funktionsbereichen oder aber ein Ausweis im Sonstigen Ergebnis erfolgen. In Abhängigkeit davon, wie ggf. vorzunehmende

Wertaufholungen ausgewiesen werden, kann es zu „Verwerfungen“ in der Form kommen, als sich Auswirkungen auf das Bruttoergebnis ergeben. Vor diesem Hintergrund soll im Folgenden der Frage nachgegangen werden, welche Darstellungsalternativen grundsätzlich denkbar sind. Darauf aufbauend wird gezeigt, wie deutsche IFRS-Bilanzierer derartige Sachverhalte behandeln. Hierzu wurden die IFRS-Konzernabschlüsse des Geschäftsjahres 2015 bzw. 2015/2016 der im DAX und MDAX notierten Unternehmen3 untersucht.

2. Ausweisalternativen 2.1. Uneinheitlicher Ausweis Uneinheitlich soll im vorliegenden Kontext die folgende Konstellation bedeuten: ■

Zuordnung der Wertminderungen zu den Umsatz- und/oder Funktionskosten und

* Der Verfasser gibt seine persönliche Meinung wieder. 1 Vgl. Schlüter/Schönhofer, Beck’sches IFRSHandbuch, 5. Aufl. 2016, § 15, Rz. 96. 2 Zu den Konstellationen, wann Wertminderungen und Wertaufholungen vorzunehmen sind, vgl. ausführlich Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn, Internationale Rechnungslegung, 9. Aufl. 2014, 299 ff. 3 Hiervon ausgenommen wurden die in den Indizes notierten Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute.

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Benjamin Roos*


20

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Bilanzierung und Bilanzpolitik

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Zuordnung der Erträge aufgrund von Wertaufholungen zu den Sonstigen Erträgen.4

Bezüglich der Wertminderungsaufwendungen lässt sich in der deutschen Kommentarliteratur die Meinung finden, dass der in den Umsatzkosten auszuweisende Posten Abschreibungen sowohl die planmäßigen als auch die außerplanmäßigen Komponenten umfasst.5 Erträge aus Wertaufholungen wären hingegen grundsätzlich unter den Sonstigen Erträgen zu zeigen.6 Diese Sichtweise könnte man u.U. in Anlehnung an das HGB begründen: Hiernach sind im Rahmen einer nach dem GKV gegliederten GuV unter dem Posten Abschreibungen i.S. des § 275 Abs. 2 Nr. 7a HGB grundsätzlich alle planmäßigen und außerplanmäßigen Abschreibungen auszuweisen.7 Analog dazu sind in den Herstellungskosten der GuV nach UKV sowohl die planmäßigen als auch die außerplanmäßigen Abschreibungen – soweit sie den Herstellungsbereich betreffen – auszuweisen.8 Mit dieser Vorgehensweise stellt sich letztlich der Effekt ein, dass sich die Wertminderungen im (nicht verpflichtend auszuweisenden) Bruttoergebnis vom Umsatz niederschlagen, wohingegen die in späteren Perioden ggf. vorzunehmenden Wertaufholungen im sonstigen Ergebnis gezeigt werden. Damit kommt es über die Gesamtperiode zu Verwerfungen im Bruttoergebnis vom Umsatz. Das Bruttoergebnis entspricht einem vollkostenorientierten fertigungsbezogenen Ergebnis9 und stellt regelmäßig eine wichtige Steuerungsgröße nach innen und Berichtsgröße nach außen dar (oder bildet zumindest eine Grundlage zur Ermittlung bestimmter Kennzahlen).10 Das Bruttoergebnis und die daraus abgeleitete Marge (Verhältnis von Umsatz zu direkten Kosten) gibt wieder, wie gut ein Unternehmen in der Lage ist, die direkten und fixen Kosten sowie Steuern und Zinsen abdecken zu können.11 Werden Wertminderungen den Funktionskosten zugeordnet, Wertaufholungen hingegen dem Sonstigen Ergebnis, würde sich in Folgeperioden der Effekt einstellen, dass die Funktionsbereiche nicht durch ggf. vorzunehmende Wertaufholungen entlastet werden. Hier würde sich in der Gesamtperiode zwar keine Verwerfung im Bruttoergebnis ergeben, dennoch käme es zu einem „Schiefstand“ in den Funktionskosten.

Würden Wertminderungen den Funktionskosten zugeordnet, Wertaufholungen hingegen dem Sonstigen Ergebnis, würde es in Folgeperioden zu Verwerfungen im Bruttoergebnis vom Umsatz sowie zu einem „Schiefstand“ in den Funktionskosten kommen.

werden, Wertminderungen analog der planmäßigen Abschreibungen und/oder Amortisationen zu klassifizieren,16 d.h. den Umsatzkosten und/oder den entsprechenden Funktionsbereichen zuzuordnen. Für einen einheitlichen Ausweis müssen dann aber auch die Wertaufholungen entsprechend dargestellt werden.17

2.3. Mixed presentation 2.2. Einheitlicher Ausweis Umsatzkosten umfassen ausschließlich Aufwendungen, die direkt oder indirekt dem Produktionsprozess zuzurechnen sind. Nach IAS 1.103 sind im Rahmen des UKV Aufwendungen auf die entsprechenden Funktionsbereiche zu verteilen. Beispielhaft anzuführen sind ■ Material- und Personaleinzelkosten, aber auch ■ planmäßige Abschreibungen von Vermögenswerten, die im Produktionsprozess eingesetzt werden, sowie ■ Reparatur- und Instandhaltungskosten, die im Zusammenhang mit dem Produktionsprozess anfallen.12 Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg äußern sich hierzu wie folgt: „Die Umsatzkosten [...] umfassen neben den Einzel- auch die produktionsbezogenen Gemeinkosten der in der Periode zu Umsatzerlösen gewordenen Leistungen. Zu den Gemeinkosten zählen in jedem Fall die planmäßigen Abschreibungen auf Sach- und immaterielle Anlagen (darunter z.B. auch Abschreibungen auf in Vorperioden aktivierte Entwicklungskosten). Bei außerplanmäßigen Abschreibungen ist ein separater Ausweis vertretbar.“13 Ebenso wie ein separater Ausweis14 erscheint auch ein Ausweis der Wertminderung im Sonstigen Ergebnis vertretbar. Diese Möglichkeit wurde in der Literatur bislang allerdings nicht näher thematisiert, lässt sich aber wie folgt begründen: Grundsätzlich können Wertminderungen ebenso wie ggf. Wertaufholungen als außergewöhnliche Erträge und Aufwendungen interpretiert werden, die nicht betriebstypisch und bezogen auf die Geschäftstätigkeit unregelmäßig sind. Daher wird i.d.R. eine funktionale Zuordnung nicht ohne Weiteres möglich sein. Demzufolge erscheint ein Ausweis im Sonstigen Ergebnis prinzipiell ebenfalls vertretbar.15 Umgekehrt könnte es – wie unter Punkt 2.1. dargestellt – als sachgerecht erachtet

Im Oktober 2004 hatte sich das damalige IFRIC bereits mit der Frage befasst, ob ungewöhnliche Aufwendungen, etwa aus der außerplanmäßigen Abschreibung von Vorräten oder Anlagen oder aus Abfindungen von Arbeitnehmern, in einer nach dem UKV erstellten GuV separat, d.h. nicht den Funktionsbereichen zuge4

5

6

7

8

9

10

11 12

13

14 15 16

17

Denkbar wäre grundsätzlich auch die umgekehrte Variante, wobei diese als nicht sachgerecht einzustufen ist. Vgl. Schlüter/Schönhofer, Beck’sches IFRSHandbuch, 5. Aufl. 2016, § 15, Tz. 111. So im Ergebnis wohl auch Brücks/Ehrcke, Internationales Bilanzrecht, IAS 1 (2007), Rz. 296 (25. Erg.-Lfg./März 2016), und Achleitner/Bähr/ Schäfer, Internationale Rechnungslegung, 4. Aufl. 2009, 282. Letztere Auffassung bleibt jedoch auslegungsbedürftig, da lediglich darauf hingewiesen wird, dass Wertminderungen von Vermögenswerten als ordentlicher Betriebsaufwand der Periode zu erfassen sind. Vgl. Schlüter/Schönhofer, Beck’sches IFRSHandbuch, 5. Aufl. 2016, § 15, Tz. 126; Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, Haufe IFRSKommentar, 13. Aufl. 2015, § 2, Tz. 69; Achleitner/Bähr/Schäfer, Internationale Rechnungslegung, 4. Aufl. 2009, 285. Vgl. Schmidt/Peun, Beck’scher Bilanz-Kommentar, 10. Aufl. 2016, § 275, Tz. 141. Vgl. Schmidt/Peun, Beck’scher Bilanz-Kommentar, 10. Aufl. 2016, § 275, Tz. 274. Vgl. Coenenberg/Haller/Schultz, Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, 21. Aufl. 2014, 575. Insbesondere für den Mehrjahresvergleich im Unternehmen und für den zwischenbetrieblichen Vergleich stellt das Bruttoergebnis eine relevante Angabe dar. Laier, Value Reporting, 2011, 45. Vgl. KPMG, Insights into IFRS, 11th Edition 2014/2015, 4.1.30.30–40, 863. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, Haufe IFRSKommentar, 13. Aufl. 2015, § 2, Tz. 69. Vgl. hierzu ausführlich Punkt 2.3. Vgl. Lorson et al., KoR 2013, 267. Vgl. PwC, Manual of accounting, IFRS 2015, Vol. 1, Chapter „Presentation of financial statements“, Tz. 4.147, 4050. So im Ergebnis auch Wobbe, IFRS: Sachanlagen und Leasing, 2008, 65. Hier wird gefordert, dass der Ausweis der Zuschreibungen in der GuV unter derselben Position zu erfolgen hat, unter der auch die Wertminderungen ausgewiesen wurden.


Roos, Darstellung von Wertminderungen und Wertaufholungen auf Sachanlagen im Umsatzkostenverfahren nach IFRS

3. Vorgehensweise in der deutschen Bilanzierungspraxis 3.1. Untersuchungsergebnisse Die Frage ist sowohl von theoretischer, aber auch von praktischer Relevanz, weil die Mehrzahl der deutschen kapitalmarktorientierten Unternehmen ihre GuV nach dem UKV aufstellen. Die Auswertung der Konzernabschlüsse 2015 bzw. 2015/2016 der im DAX und MDAX notierten Unternehmen hat mit Blick auf die Anwendung des UKV die in der Tabelle 1 dargestellten Ergebnisse gezeigt. Es wurde nun untersucht, wie diese 50, das UKV anwendenden Unternehmen ihre Anhangangaben zu den Wertminderungen und Wertaufholungen ausgestaltet haben, um darauf aufbauend abzuleiten, welche Vorgehensweise bzw. Ausweisalternative am häufigsten zur Anwendung kommt, und um hierdurch letztlich auch eine Indikation für die in Deutschland vorherrschende gängige Praxis ableiten zu können. Betrachtet man zunächst die Wertminderungen, so zeigt sich: Indexübergreifend weisen 19 Unternehmen die Wertminderungsaufwendungen entweder in den Umsatzkosten oder den Funktionskosten aus oder nehmen sogar eine Aufteilung zwischen Umsatz- und Funktionskosten in Abhängigkeit von der Nutzung des Vermögenswerts vor. Von den verbleibenden 30 Unternehmen weisen 15 Unternehmen die Wertminderungsaufwendungen im Sonstigen Aufwand aus. Die anderen 16 Unternehmen machen hierzu keine Angaben.

Ein anderes Bild ergibt sich bei den Wertaufholungen. Hier weisen indexübergreifend lediglich sieben Unternehmen die Wertaufholungserträge entweder in den Umsatzkosten oder in den Funktionskosten aus oder nehmen eine Aufteilung zwischen Umsatz- und Funktionskosten in Abhängigkeit von der Nutzung des Vermögenswerts vor. 14 Unternehmen zeigen den Wertaufholungsertrag im Sonstigen Ergebnis. Mehr als die Hälfte der betrachteten Unternehmen macht hierzu keine Angaben. Bei den DAX- und MDAXUnternehmen ist sowohl der Ausweis der Wertminderungen als auch der Wertaufholungen durch eine erhebliche Heterogenität gekennzeichnet. Als Zwischenfazit bleibt an dieser Stelle festzuhalten: Bei den betrachteten Unternehmen ist sowohl der Ausweis der Wertminderungen als auch der Ausweis der Wertaufholungen durch eine erhebliche Heterogenität gekennzeichnet. Vor dem Hintergrund der Auswirkungen auf das Bruttoergebnis ist etwas verwunderlich, dass mehr Unternehmen die Wertminderungen in den Umsatzkosten zeigen als die Wertaufholungen. Unter bilanzpolitischen Gesichtspunkten wäre zu erwarten gewesen, dass mehr Unternehmen die Wertaufholungen in den Umsatzkosten zeigen.

DAX MDAX

26

19

MDAX 46

31

72

50

Explizit einen uneinheitlichen Ausweis beschreiben lediglich zwei der analysierten Unternehmen. Hier werden jeweils die Wertminderungen in den Umsatzkosten und die Wertaufholungen im Sonstigen Ergebnis gezeigt. Weiterhin hat die Analyse gezeigt, dass zumindest keines der untersuchten Unternehmen von der in der Literatur stellenweise als zulässig erachteten mixed presentation Gebrauch macht.

3.2. Musterbeispiele 3.2.1. Einheitlicher Ausweis im Sonstigen Ergebnis Die BASF AG zeigt sowohl die Wertminderungen als auch die Wertaufholun-

18

19

UK

FuKo

4 3 7

2 5 7

20

Vgl. IASB, IFRIC Update, Oktober 2004, 2 (abrufbar unter: http://www.ifrs.org/Updates/ IFRIC-Updates/2004/Pages/2004-IFRIC-Up date.aspx). Vgl. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, Haufe IFRS-Kommentar, 13. Aufl. 2015, § 2, Tz. 69. A.A. Brücks/Ehrcke, Internationales Bilanzrecht, IAS 1 (2007), Rz. 296 (25. Erg.Lfg./März 2016). Das Herauslösen bestimmter Aufwendungen ist nach der dort vertretenen Auffassung im Hinblick auf die Entscheidungsrelevanz als nicht sachgerecht einzustufen, da hierdurch die Zielsetzung des UKV – die vollständige Verteilung der ertragsgenerierenden Aufwendungen auf die betrieblichen Funktionen – ins Leere laufen würde. Ausgenommen Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute

Aufteilung UK/FuKo 2 3 5

Summe 8 11 19

Sonstiger Aufwand 7 8 15

k.A. 4 12 16

Tab. 2: Übersicht Wertminderungen

Zahl relevanter Anwendung Anteil Unternehmen20 UKV in % DAX

Unternehmen für einen einheitlichen Ausweis entschieden. Zwar ist auch hier eine gewisse Heterogenität festzustellen, allerdings überwiegt ein Ausweis sowohl der Wertminderungen als auch der Wertaufholungen im Sonstigen Ergebnis.

Mit Blick auf einen einheitlichen Ausweis haben die Untersuchungen die in der Tabelle 4 dargestellten Ergebnisse gezeigt. Wie Tabelle 4 entnommen werden kann, haben sich lediglich 17 der untersuchten

UK

FuKo

Aufteilung UK/FuKo

Summe

Sonstiger Ertrag

k.A.

73%

DAX

1

1

0

2

6

11

67%

MDAX

1

2

2

5

8

18

2

3

2

7

14

29

Tab. 1: Umfang der Anwendung des UKV

Tab. 3: Übersicht Wertaufholungen

21

Bilanzierung und Bilanzpolitik

ordnet, ausgewiesen werden können.18 Ob eine solche mixed presentation mit der Kombination von funktionaler Gliederung (UKV) und Kostenartengliederung (GKV) zulässig ist, wurde – mit Verweis auf das damals unter der Bezeichnung reporting comprehensive income laufende Projekt – offengelassen. Derzeit könnte also auch dieser Ansatz als vertretbar angesehen werden.19

IRZ, Heft 1, Januar 2017


22

Bilanzierung und Bilanzpolitik

IRZ, Heft 1, Januar 2017

3.2.4. Uneinheitlicher Ausweis

UK

FuKo

Aufteilung UK/FuKo

Sonstiges Ergebnis

Summe

DAX

1

1

-

4

6

MDAX

1

2

2

6

11

2

3

2

10

17

Tab. 4: Einheitlicher Ausweis von Wertminderungen und Wertaufholungen

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Wertminderungen Wertaufholungen Aufteilung Sonstiger Aufteilung Sonstiger UK FuKo UK FuKo UK/FuKo Aufwand UK/FuKo Ertrag DAX

1

-

-

-

-

-

-

1

MDAX

1

-

-

-

-

-

-

1

2

2

Tab. 5: Uneinheitlicher Ausweis von Wertminderungen und Wertaufholungen

gen im Sonstigen Ergebnis (in Mio. EUR, siehe Tabelle 6).21 Anzumerken ist: Die Bezeichnung „Abschreibungen und Wertminderungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen“ ist etwas irreführend, da in dieser Position ausschließlich Wertminderungen gezeigt werden, wohingegen die Abschreibungen den Funktionskosten zugeordnet werden.22

Henkel macht im Zusammenhang mit Wertminderungen folgende Angaben: „Die Kosten der umgesetzten Leistungen setzen sich aus den Kosten der verkauften Erzeugnisse und Dienstleistungen sowie den Einstandskosten der verkauften Handelswaren zusammen. Neben direkt zurechenbaren Material- und Fertigungseinzelkosten umfassen die Kosten der umgesetzten Leistungen indirekte Gemeinkosten der Produktion einschließlich der fertigungsbezogenen Abschreibungen und Wertminderungen (Impairment) auf Immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen.“26 Die Angaben zu den Wertaufholungen finden sich in der Tabelle 9.27

netärer Vermögenswerte: „Die Wertminderungen und Wertaufholungen werden in den Kosten des Umsatzes erfasst.“24 3.2.3. Einheitlicher Ausweis in Umsatzund Funktionskosten Im Anhang der Dürr AG sind zum Thema „Wertminderung und Wertaufholung“ die in Tabelle 8 dargestellten Angaben enthalten (TEUR).25

21

Zu der Position „Sonstige“ wird ausgeführt: „Außerdem betrafen Erträge [...] Zuschreibungen auf Sachanlagen [...].“23 3.2.2. Einheitlicher Ausweis in den Umsatzkosten So schreibt die Hella AG im Zusammenhang mit der Wertminderung nicht-mo-

Tab. 6: Wertminderungen BASF 2015

Mit Blick auf den Ausweis bzw. die Darstellung von Wertminderungen bzw. Wertaufholungen auf Sachanlagen im UKV ist nahezu jede Variante denkbar.

22 23 24 25 26 27

Siehe BASF, Geschäftsbericht 2015, 184– 185. Zudem zeigt BASF zumindest einen Teil der planmäßigen Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte – in Abhängigkeit von der Art des immateriellen Vermögenswerts – ebenfalls in den Sonstigen Aufwendungen (vgl. hierzu auch BASF, Geschäftsbericht 2015, 166). Vgl. BASF, Geschäftsbericht 2015, 183. BASF, Geschäftsbericht 2015, 184. Hella, Geschäftsbericht 2015/2016, 130. Siehe Dürr, Geschäftsbericht 2015, 144. Henkel, Geschäftsbericht 2015, 168. Siehe Henkel, Geschäftsbericht 2015, 169.


IRZ, Heft 1, Januar 2017

Tab. 7: Wertaufholungen BASF 2015

Tab. 8: Wertminderungen und Wertaufholungen Dürr 2015

4. Fazit Wie die vorangegangenen Ausführungen gezeigt haben, ist mit Blick auf den Ausweis bzw. die Darstellung von Wertminderungen bzw. Wertaufholungen auf Sachanlagen im UKV nahezu jede Variante denkbar. Lediglich die sog. mixed presentation fand bei keinem der untersuchten Unternehmen Anwendung. In Ermangelung expliziter Vorgaben kann letztlich allerdings keine Aussage dahingehend getroffen werden, welche Vorgehensweise richtig und welche Vorgehensweise falsch ist. Unter dem Aspekt der internen Steuerung eines Unternehmens ist allerdings wohl ein Ausweis der Wertminderungen auf Sachanlagen entweder in den Umsatz- oder den Funktionskosten am sachgerechtesten einzustufen. Ein Ausweis der Wertminderungen als Sonstiger Aufwand führt letztlich dazu, dass insbeson-

23

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Roos, Darstellung von Wertminderungen und Wertaufholungen auf Sachanlagen im Umsatzkostenverfahren nach IFRS

Tab. 9: Sonstige betriebliche Erträge Henkel 2015

dere die Funktionsbereiche eines Unternehmens, denen die Sachanlagen zuzuordnen sind, von den Ergebnisbelastungen, die sich bspw. aufgrund einer Fehl-

investition ergeben, vollständig entlastet werden. IRZ


Anzeigenbestellschein IRZ – Zeitschrift für Internationale Rechnungslegung Anzeigenbestellschein an Fax (089) 3 81 89 – 599 Wir möchten folgende Anzeige veröffentlichen: Anzeigenformate/-preise Format

Größe (B x H in mm)

Farbe in €

s/w in €

1/1 Seite

186 x 260*

2.500,00

1.860,00

2/1 Seite

394 x 260

4.920,00

3.640,00

1/2 Seite

90 x 260

186 x 127

1.600,00

960,00

1/3 Seite

58 x 260

182 x 86

1.330,00

690,00

1/4 Seite

90 x 127

186 x 63

1.140,00

500,00

1/8 Seite

90 x 63

186 x 32

910,00

270,00

* Angeschnittene Anzeige plus 5 mm Beschnittzugabe auf allen Seiten.

Rubrik Schulungen/Seminare/Tagungen*

Sonstiges

Weitere Rubriken auf Anfrage. * auch online unter www.beck-stellenmarkt.de, Online-Laufzeit auf Anfrage

Erscheinungstermin/Druckunterlagen/Sonstige Angaben nächsterreichbare IRZ

IRZ-Ausgabe Nr.: _____________________

Manuskript als gedruckter Text

Druckunterlagen per Mail

Die Anzeige soll mit Rahmen erscheinen

Die Anzeige soll unter Chiffre erscheinen

Chiffregebühr € 20,00

Alle Preisangaben zzgl. gesetzlicher MwSt. Ausführliche Informationen unter www.mediadaten.beck.de. Es gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen unter www.beck-stellenmarkt.de.

Zahlung per SEPA-Lastschrift: Ich ermächtige die VERLAG C.H.BECK oHG (Gläubiger ID: DE63ZZZ00000054707), offene Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die von der VERLAG C.H.BECK oHG auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Die zu diesem SEPA-Lastschriftmandat gehörende Mandatsreferenznummer erhalte ich mit der Rechnung.

Firma/Kanzlei

Ansprechpartner/Telefon

Straße, Hausnummer

Bei Bankeinzug erhalten Sie 2 % Skonto!

PLZ, Ort

Bank

BIC

Datum, Unterschrift

Verlag C.H.BECK oHG Anzeigenabteilung Wilhelmstraße 9 80801 München www.beck.de www.beck-stellenmarkt.de

IBAN

Anzeigenbestellung online: www.anzeigenbestellscheine.beck.de Anzeigenbestellung E-Mail: anzeigen@beck.de

Kontakt: Media-Beratung Tel. (089) 3 81 89 – 687 Herstellung/Druckunterlagen: Tel. (089) 3 81 89 – 598


IRZ, Heft 1, Januar 2017

Bilanzierung und Bilanzpolitik

25

Bilanzierung von Investmentanteilen im IFRS-Konzernabschluss eines Investors

Anita Dietrich, WP/StB, Director im Servicebereich Capital Markets and Accounting Advisory Services – Financial Services bei der PricewaterhouseCoopers AG WPG, Frankfurt am Main; verantwortlich für die Themen Strukturierte Finanzierungen, Alternative Investments und Real Estate. Sie ist die deutsche Vertreterin in den globalen IFRS Asset Management und Real Estate Industry Accounting Groups von PwC. Email: anita.dietrich@de.pwc.com

Annette Malsch, WP/StB, Manager im Servicebereich Capital Markets and Accounting Advisory Services – Financial Services bei der PricewaterhouseCoopers AG WPG, Frankfurt am Main, und dort u.a. spezialisiert auf das Thema Asset Management sowie die Themen Umsatzrealisierung und Darstellung im Jahresabschluss. Email: annette.malsch@de.pwc. com

Anita Dietrich und Annette Malsch1 Die Regelungen des IFRS 9 zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten und deren Auswirkungen auf die Bilanzierung von Investmentvermögen beim Investor führen in der Bilanzierungspraxis regelmäßig zu großem Erstaunen. Insbesondere die Frage, ob es sich bei Anteilen an Investmentvermögen um Eigenkapitalinstrumente oder doch eher um Fremdkapitalinstrumente handelt, wird hoch emotional diskutiert. Hintergrund der Befürchtungen ist dabei, dass Anteile an Investmentvermögen, die der langfristigen Vermögensanlage dienen, aufgrund ihrer verpflichtenden Klassifizierung als at fair value through profit or loss zu kurzfristigen Bewertungsänderungen und damit zu einer erhöhten Volatilität in der Gewinn- und Verlustrechnung des Investors führen könnten. Befürchtet wird auch ein negativer Effekt auf die Attraktivität von Investmentvermögen im Vergleich zur Direktanlage bzw. auf die Asset Management-Industrie insgesamt.2 In dem nachfolgenden Beitrag werden zunächst die Regelungen des IFRS 9 zur Bilanzierung von Anteilen an Investmentvermögen beim Investor erläutert und den Regelungen des IAS 39 gegenübergestellt. Danach werden Zweifelsfragen der Bilanzierung konsolidierungspflichtiger Investmentvermögen nach IFRS 9 behandelt.

1. Charakteristika eines Investments in Investmentvermögen Investmentvermögen sind Organismen für gemeinsame Anlagen, die von einer Anzahl von Anlegern Kapital einsammeln, um dieses gemäß einer festgelegten Anlagestrategie zum Nutzen der Anleger zu investieren. Derartige Investmentvermögen sind keine operativ tätigen Unternehmen außerhalb des Finanzsektors.3 In Deutschland können Investmentvermögen in Form eines Sonderver-

mögens4 oder als Investmentgesellschaft5 aufgelegt werden. Im Ausland sind weitere Rechtsformen denkbar.6 Im 4

5

Keywords: ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■

IFRS 9 IAS 39 Investmentvermögen Eigenkapital/Fremdkapital Kündigungs- bzw. Rückgaberechte SPPI-Kriterium Geschäftsmodell

1

2

3

Die Verfasser geben ihre persönliche Meinung wieder. Beispielhaft hierfür die Einschätzung der European Fund and Asset Management Association (EFAMA) (http://www.efama.org/Public ations/Public/16-4041_EFAMA%20Letter_I FRS%209%20phase%201%20implementatio n.pdf; abgerufen am 24. Oktober 2016). § 1 Abs. 1 KAGB.

6

Sondervermögen sind inländische offene Investmentvermögen in der Vertragsform, die von einer KVG für Rechnung der Anleger nach Maßgabe des KAGB und den Anlagebedingungen, nach denen sich das Rechtsverhältnis der KVG zu den Anlegern bestimmt, verwaltet werden (§ 1 Abs. 10 KAGB). Dem Sondervermögen ähnlich ist der in Frankreich und Luxemburg vorkommende FCP (Fonds commun de placement). Investmentgesellschaften sind Investmentvermögen in der Rechtsform einer Investmentaktiengesellschaft oder Investmentkommanditgesellschaft (§ 1 Abs. 11 KAGB). Vergleichbare ausländische Investmentgesellschaften sind die SICAV (soci´et´e d’investissement a` capital variable) bzw. SICAF (soci´et´e d’investissement a` capital fixe) oder der dem Spezial-Investmentvermögen ähnliche SICAVSIF (SIF = specialised investment fund). Z.B. der Unit-Trust.

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Zweifelsfragen bei der Anwendung des IFRS 9 auf Anteile an Investmentvermögen


26

Hinblick auf die Art der Investoren werden ferner Spezial-Investmentvermögen und Publikums-Investmentvermögen unterschieden. Als Spezial-Investmentvermögen werden alle Investmentvermögen bezeichnet, deren Anteile aufgrund schriftlicher Vereinbarung mit der Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) oder der Satzung/des Gesellschaftsvertrages nur von professionellen7 oder semi-professionellen8 Anlegern gehalten werden.9

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Bilanzierung und Bilanzpolitik

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Charakteristisch für Investmentvermögen ist, dass die von den Investoren eingelegten Gelder zum Nutzen der Anleger basierend auf einer festgelegten Anlagestrategie verwaltet werden. Eine Nutzenziehung aus den eingelegten Geldern erfolgt dabei sowohl aus den laufenden Ausschüttungen des Investmentvermögens als auch aus der Realisierung von Marktwertschwankungen des Anteilwertes. Letzteres erfordert, dass ein Investmentvermögen über eine Exit-Strategie verfügen muss. Hierfür werden dem Investor entweder regelmäßige (z.B. tägliche) Kündigungs- bzw. Rückgaberechte eingeräumt (offene Investmentvermögen) oder das Investmentvermögen mit einer begrenzten Laufzeit ausgestattet (geschlossene Investmentvermögen). Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen findet man im Ausland Investmentvermögen mit einer diskretionären Endschaftsregelung (z.B. Auflösung bei Verkauf des letzten Vermögenswertes).10

Während Investments in SpezialInvestmentvermögen häufig als Alleininvestment abgeschlossen werden und damit dazu führen, dass dieses als Tochterunternehmen durch Vollkonsolidierung in den IFRSKonzernabschluss einzubeziehen ist, werden Anteile an PublikumsInvestmentvermögen vielfach als Wertpapiere i.S.v. IAS 39/IFRS 9 bilanziert.

Bei Ausübung des Kündigungs- bzw. Rückgaberechtes erfolgt die Rückgabe zum Rücknahmepreis, der sich aus dem Anteilwert11 vermindert um einen ggf. vereinbarten Rücknahmeabschlag ermittelt.12 Dies gilt analog auch für Investmentvermögen, die über eine feste Laufzeit verfügen, bei denen die Investoren im Liquidationszeitpunkt den Anspruch auf Auszahlung des verbleibenden

Fondsvermögens (net asset value) haben. Institutionelle Investoren halten Anteile an Investmentvermögen überwiegend zur langfristigen Kapitalanlage, aber auch zur kurzfristigen Anlage liquider Mittel. Investmentvermögen zur langfristigen Kapitalanlage können dabei Wertpapierfonds (z.B. Rentenfonds, Aktienfonds, gemischte Wertpapierfonds), Private Equity Fonds oder Sachwertefonds (z.B. Immobilienfonds, Flugzeugfonds) sein. Die kurzfristige Anlage liquider Mittel erfolgt hingegen häufig in Geldmarktfonds (money market funds). Die Investoren nutzen sowohl Investments in Publikums-Investmentvermögen als auch Spezial-Investmentvermögen. Während Investments in Spezial-Investmentvermögen häufig als Alleininvestment abgeschlossen werden und damit dazu führen, dass das Spezial-Investmentvermögen als Tochterunternehmen im Wege der Vollkonsolidierung in den IFRS-Konzernabschluss einzubeziehen ist,13 werden Anteile an Publikums-Investmentvermögen vielfach als Wertpapiere i.S.d. IAS 39 bzw. IFRS 9 bilanziert.14 Die Bilanzierungsfragen des IFRS 9, die sich bei Konsolidierung von Investmentvermögen stellen, werden in Kapitel 4 des Beitrags beantwortet. Die Analyse in Kapitel 3 bezieht sich auf die Bilanzierung von Anteilen an Investmentvermögen, die als Wertpapier nach IFRS 9 bilanziert werden. Zuvor wird in Kapitel 2 die bisherige Regelung nach IAS 39 dargestellt.

genswerte handelt, die über feste oder bestimmbare Zahlungen verfügen und die nicht in einem aktiven Markt notiert sind.17 IAS 39 verfügt in IAS 39.AG27 über eine eigene Definition eines „Eigenkapitalinstrumentes“ und stellt damit aus Investorensicht nicht auf die Eigenkapitaldefinition des IAS 32.11 ab. Ein Basisvertrag hat hiernach den wirtschaftlichen Charakter eines Eigenkapitalinstruments, sofern dieser über keine oder keine vorherbestimmte Laufzeit verfügt und einen Residualanspruch auf das Nettovermögen verbrieft. Investmentfonds mit Kündigungs- bzw. Rückgaberechten verbriefen einen laufzeitunabhängigen Anspruch auf das Residualvermögen. Das in den Investmentanteil eingebettete Kündigungs- bzw. Rückgaberecht ist aufgrund der expliziten Ausnahmeregelung des IAS 39.AG32 nicht trennungspflichtig. IAS 39 verfügt über eine eigene Definition eines „Eigenkapitalinstrumentes“ und stellt damit aus Investorensicht nicht auf die Eigenkapitaldefinition des IAS 32.11 ab.

7 8 9 10

11

12

2. Die Bilanzierung von Investmentvermögen im Konzept des IAS 39 Anteile an Investmentvermögen mit Kündigungs- bzw. Rückgaberechten werden nach IAS 39 als Eigenkapitalinstrumente i.S.d. IAS 39.AG32 i.V.m. IAS 39.AG27 behandelt und sind entweder der Kategorie available-for-sale oder der Kategorie at fair value through profit or loss zuzuordnen.15 Ein Fremdkapitalinstrument z.B. der Kategorie loans and receivables16 liegt nur dann vor, wenn das Investmentvermögen ausschließlich Investments hält, bei denen es sich um finanzielle Vermö-

13

14

15

16 17

§ 1 Abs. 19 Nr. 32 KAGB. § 1 Abs. 19 Nr. 33 KAGB. § 1 Abs. 6 Satz 1 KAGB. Derartige Sonderfälle sind nicht Gegenstand des nachfolgenden Beitrags. Der Anteilwert entspricht dem Fondsvermögen (Nettoinventarwert des Fonds) dividiert durch die Anzahl der umlaufenden Anteile. In Deutschland sind Rücknahmeabschläge selten vereinbart. Zur Konsolidierungspflicht von Investmentvermögen vgl. auch Dietrich, Anita/Malsch, Annette, Neuregelung der Vorschriften zur Konsolidierung und Fair-Value-Bewertung nach IFRS und deren Auswirkung auf die Bilanzierung von Investmentfonds, RdF 2012, 191–199. Dies setzt voraus, dass weder die Bedingungen für eine Konsolidierungspflicht nach IFRS 10 erfüllt sind noch eine Bewertung at equity gem. IFRS 11 bzw. IAS 28 erfolgt. Vgl. hierzu PricewaterhouseCoopers (Hrsg.), IFRS für Investmentfonds – Implikationen der IFRS auf die Bilanzierung von Investmentfonds im IFRS-Konzernabschluss des Investors, 2. erw. u. akt. Aufl., Frankfurt am Main 2007, 329 ff. Umkehrschluss aus IAS 39.9. Derartige finanzielle Vermögenswerte erfüllen damit die Definition von loans and receivables in IAS 39.9.


Dietrich/Malsch, Bilanzierung von Investmentanteilen im IFRS-Konzernabschluss eines Investors

Praxishinweis: Da nicht alle Investmentvermögen mit Kündigungs- und Rückgaberechten die Bedingungen des IAS 32.16A-16B erfüllen oder sich die Bedingungen im Zeitablauf auch ändern können,18 führte das Abstellen auf die Regelungen des IAS 39.AG27 auch zu einer Vereinheitlichung der Bilanzierung von Investmentvermögen aus InvestorenSicht unter IAS 39. Investmentvermögen mit Laufzeit verfügen zwar über eine vorherbestimmte Laufzeit, sie verbriefen aber unabhängig davon auch einen Residualanspruch auf das Nettovermögen. In der Bilanzierungspraxis wurde daher häufig auf den wirtschaftlichen Charakter der Beteiligung an einem geschlossenen Investmentvermögen19 abgestellt, und die Regelung des IAS 39.AG27 wurde ebenfalls angewendet.20 Die Regelung des IAS 39.AG27 wurde zwar unverändert in IFRS 9 übernommen,21 ihr Anwendungsbereich ist nun jedoch auf die Bilanzierung von in finanzielle Verbindlichkeiten eingebetteten Derivaten beschränkt.

3. Die Bilanzierung von Anteilen an Investmentvermögen nach IFRS 922 3.1. Die Regelungen des IFRS 9 im Überblick23 Finanzielle Vermögenswerte werden im Zugangszeitpunkt mit ihrem Fair Value ggf. einschließlich Transaktionskosten aktiviert.24 Die Folgebewertung erfolgt entweder zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zum Fair Value entsprechend der Klassifizierung der finanziellen Vermögenswerte.25 Die Klassifizierung der finanziellen Vermögenswerte erfolgt unter Berücksichtigung des Geschäftsmodells, mit dem die finanziellen Vermögenswerte gemanagt werden, und unter Berücksichtigung der Zins- und Tilgungszahlungs-

22

23

24 25

Die Übernahmeverordnung 2016/2067 der EU-Kommission zum EU-Endorsement des IFRS 9 wurde am 29. November 2016 im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Zu den Regelungen des IFRS 9 vgl. bspw. Gehrer, Judith/Krakuhn, Joachim/Schüz, Peter, IFRS 9 Financial Instruments – die finale Fassung im Überblick, IRZ 2014, 385–394; Mannigel, Gesa/Wüest, Stefan, IFRS 9: Betrifft alle IFRS-Anwender, IRZ 2015, 477–481. IFRS 9.5.1.1. IFRS 9.5.2.1.

ja

18

19

20

21

Vgl. hierzu PricewaterhouseCoopers, A practical guide to IAS 32 for Investment funds; Dezember 2013 (https://inform.pwc.com/info rm2/show?action=informContent&id=09011 84602191771; abgerufen am 25. Oktober 2016). Dies gilt auch für sonstige Gesellschaften in der Rechtsform der Kommanditgesellschaft und damit auch für sog. „Altfonds“, die aufgrund der Übergangsregelungen des § 353 KAGB nicht in den Anwendungsbereich des KAGB fallen. Ähnliche Überlegungen wurden auch angestellt im Hinblick auf die Bilanzierung von Hedgefondszertifikaten (vgl. hierzu: IFRS für Banken, PricewaterhouseCoopers (Hrsg.), 5. überarb. und. erw. Aufl. 2012, Kapitel C.1.9.14, 780 ff. IFRS 9.B4.3.2.

ströme, dem sog. SPPI-Kriterium (vgl. Abb. 1).26 Die Bewertung von finanziellen Vermögenswerten at amortised cost oder at fair value through OCI ist nur dann zulässig, wenn die Fremdkapitalinstrumente, die ausschließlich Zins- und Tilgungszahlungen verbriefen, einem Portfolio zugeordnet sind, das entweder nach dem Geschäftsmodell „Halten“27 oder nach dem Geschäftsmodell „Halten und Verkaufen“28 gemanagt wird. Fremdkapitalinstrumente, die nach einem anderen Geschäftsmodell gemanagt werden, oder die das SPPI-Kriterium nicht erfüllen, 26

27

28

29

Vgl. hierzu auch IDW ERS HFA 48: Einzelfragen der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9, Stand: 13.05.2016, IDW Life 6/2016, 455 ff, Tz. 139 ff. Das Geschäftsmodell „Halten“ liegt vor, wenn finanzielle Vermögenswerte zur Erzielung der vertraglichen Zahlungsströme gehalten werden. Verkäufe sind in diesem Geschäftsmodell nur zulässig, wenn diese kurz vor der Fälligkeit des finanziellen Vermögenswerts erfolgen oder unwesentlich sind. Verkäufe in einem wesentlichen Umfang sind nur dann zulässig, wenn diese unregelmäßig stattfinden (IFRS 9.B4.1.2C ff.). Das Geschäftsmodell „Halten und Verkaufen“ setzt voraus, dass sowohl das Halten finanzieller Vermögenswerte zur Erzielung der vertraglichen Zahlungsströme als auch Verkäufe Bestandteil der Managementstrategie sind (IFRS 9.B4.1.4A ff.). Ähnlich auch in Gehrer/Krakuhn/Schüz, a.a.O., 387.

Fremdkapitalinstrumente

Geschäftsmodell „Halten“?

nein

Geschäftsmodell „Halten & Verkaufen“?

ja

nein

ja

Handelsabsicht? nein

nein

ja

Wurde die Fair Value-Option angewendet? nein

Eigenkapitalinstrumente

Derivate

ja

Liegen ausschließlich Zins- und Tilgungszahlungsströme vor (SPPI-Kriterium erfüllt)?

ja

nein

Anwendung der FVOCI-Option? ja

nein

Amortised Cost

FVOCI (mit Recycling)

FVPL

FVOCI (ohne Recycling)

Keine Erfassung von Bewertungsänderungen

GuV-neutrale Erfassung von Bewertungsänderungen im OCI

GuV-wirksame Erfassung der Bewertungsänderungen

GuV-neutrale Erfassung von Bewertungsänderungen im OCI

Erfassung des erwarteten Kreditrisikos (Impairment)

27

Umbuchung in die Gewinnrücklagen

Abb. 1 Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten nach IFRS 929

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Für Investmentvermögen mit Kündigungs- und Rückgaberechten bedeutet dies, dass es sich bei diesen aus Investoren-Sicht i.d.R. immer um Eigenkapitalinstrumente handelt, während das Investmentvermögen selbst nur dann das Fondsvermögen als Eigenkapital ausweist, wenn das Investmentvermögen mit Kündigungs- oder Rückgaberechten die Bedingungen des IAS 32.16A-16B erfüllt.

IRZ, Heft 1, Januar 2017


28

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Bilanzierung und Bilanzpolitik

sind verpflichtend der Kategorie at fair value through profit or loss zuzuordnen.30 Eigenkapitalinstrumente sind, sofern nicht im Zugangszeitpunkt von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, diese unwiderruflich der sog. fair value through OCI-Option31 zuzuordnen, GuV-wirksam zum fair value zu bewerten. Die fair value through OCI-Option gestattet es, die Bewertungsänderungen von Eigenkapitalinstrumenten in der Neubewertungsrücklage auszuweisen. Im Zeitpunkt des Verkaufs werden jedoch, anders als bei fair value through OCI für Fremdkapitalinstrumente, die Bewertungseffekte in der Neubewertungsrücklage nicht in die GuV umgebucht (recycelt), sondern ergebnisneutral in den Gewinnrücklagen erfasst.32 Für die Bilanzierung von Anteilen an Investmentvermögen stellt sich damit die Frage, ob es sich bei Investmentanteilen um Fremdkapital- oder Eigenkapitalinstrumente handelt, wie diese im Konzept des IFRS 9 zu klassifizieren sind, und ob sich wesentliche Änderungen gegenüber der bisherigen Bilanzierung nach IAS 39 ergeben.

3.2. Stellt ein Investmentvermögen nach IFRS 9 ein Eigenkapital- oder Fremdkapitalinstrument dar? IFRS 9 verweist im Hinblick auf die Definition eines Eigenkapitalinstruments aus Investoren-Sicht auf IAS 32 (IFRS 9.App.A). IAS 32.11 definiert Eigenkapitalinstrumente als Residualbetrag, der sich ergibt, wenn von den Vermögenswerten die Verbindlichkeiten in Abzug gebracht wurden. Ein Finanzinstrument, welches über ein Kündigungs- bzw. Rückgaberecht (puttable instrument) verfügt, ist seinem Charakter nach ein Fremdkapitalinstrument.33

Bilanzierung und Bilanzpolitik um ein Eigenkapitalinstrument i.S.d. IFRS 9 handelt oder ob der Investmentanteil als Fremdkapitalinstrument zu behandeln ist. Die Regelungen der IAS 32.16A-16B sind grundsätzlich auch auf IFRS 9 anwendbar.35 Für die Klassifizierung des Investmentvermögens als Eigenkapitalinstrument spricht, dass IFRS 9.2.1(d) explizit darauf verweist, dass der Inhaber eines Eigenkapitalinstruments i.S.d. IAS 32.16A-16B die Regelungen des IFRS 9 auf diese anzuwenden hat. IFRS 9.App. A verweist im Hinblick auf die Definition eines Eigenkapitalinstruments zunächst einmal allgemein auf IAS 32. Hieraus könnte zunächst gefolgert werden, dass hiervon auch Regelungen des IAS 32.16A-16B umfasst werden. Da jedoch die „Definition“ von Eigenkapital in IAS 32.11 erfolgt und es sich bei IAS 32.16A-16B lediglich um Ausweisvorschriften handelt, führt eine andere Interpretation zum Schluss, dass für die Frage, ob ein Investmentfonds ein Eigenkapitalinstrument ist oder nicht, alleinig auf IAS 32.11 abzustellen ist. Damit wäre ein Investmentfondsanteil immer ein Fremdkapitalinstrument unabhängig davon, wie der Investmentfonds selbst sein Fondsvermögen ausweist. Der Vorteil dieser Interpretation gegenüber der vorhergehenden liegt u.a. auch darin, dass somit alle Investmentfonds aus Investorensicht einheitlich behandelt würden. Das Abstellen auf die Regelungen des IAS 32.16A-16B würde jedoch zu einer hohen Unsicherheit führen, da sich mit jeder Ausgabe einer neuen Anteilscheinklasse oder der vollständigen Rücknahme einer Anteilscheinklasse die Klassifizierung des Investmentfonds als Eigenkapital ändern würde. Dies würde damit auch in Widerspruch zur Unwiderruflichkeit der fair value through OCI-Option stehen.

für Investmentvermögen mit einer begrenzten Laufzeit, die die Bedingungen des IAS 32.16C-16D erfüllen. Investmentvermögen verfügen üblicherweise entweder über Rückgaberechte (puttable instrument) oder eine Laufzeit oder eine sonstige sog. Exit-Strategie. Ein Rückgaberecht besteht auch dann, wenn die Rückgabe der Anteilscheine bei fehlender Liquidität für eine bestimmte Zeit ausgesetzt werden kann. Damit ist für nahezu alle Investmentvermögen die Ausübung der fair value through OCIOption i.S.d. IFRS 9.5.7.5 ausgeschlossen.36 Instrumente, die mit Rückgabe- oder Kündigungsrechten ausgestattet sind, erfüllen nicht die Definition eines Eigenkapitalinstruments.

3.3. Können Anteile an einem Investmentfonds die SPPI-Kriterien erfüllen? Da ein Investmentfonds, der mit Rückgabe- oder Kündigungsrechten ausgestattet ist, grundsätzlich Fremdkapitalcharakter i.S.d. IAS 32.18(b) aufweist, stellt sich nun die Frage, ob ein Investmentvermögen bei Zuordnung zu einem Portfolio, welches z.B. nach dem Geschäftsmodell „Halten und Verkaufen“ gemanagt wird, auch der Kategorie fair value through OCI für Fremdkapitalinstrumente zugeordnet werden kann. Dies erfordert, dass der Investmentfondsanteil letztlich ausschließlich Zinsund Tilgungszahlungen verbrieft, die denen eines einfachen, unstrukturierten Kredites entsprechen (sog. Standardkre30

31 32

Lediglich für den Fall, dass die Bedingungen des IAS 32.16A-16B (bzw. bei geschlossenen Investmentvermögen auch IAS 32.16C-16D) erfüllt werden, kann ein Investmentvermögen in seinem eigenen IFRS-Abschluss das Fondskapital als Eigenkapital ausweisen.34 Fraglich ist nun, ob die Regelungen der IAS 32.16A-16B auch auf die Klassifizierung eines Anteils an einem Investmentvermögen aus Investorensicht Anwendung finden können, d.h., ob es sich bei einem Investmentanteil

Es kann jedoch dahingestellt bleiben, ob ein Investmentanteil ein Eigenkapitalinstrument i.S.d. IFRS 9 ist. Die Anwendung des IFRS 9.5.7.5., d.h. die Option zur Erfassung der Wertänderungen in der Neubewertungsrücklage, ist für Instrumente mit Rückgaberechten i.S.d. IAS 32.16A-16B nicht zulässig. Das IASB stellt in IFRS 9.BC5.21 klar, dass Instrumente, die mit Rückgabeoder Kündigungsrechten ausgestattet sind, nicht die Definition eines Eigenkapitalinstruments erfüllen. Dies gilt auch

33 34

35

36

Ein solches Geschäftsmodell könnte z.B. das Management auf Fair Value-Basis sein (IFRS 9.B4.1.5). IFRS 9.5.7.5. IFRS 9.5.7.1. Zum GuV-wirksamen Ausweis der Ausschüttungen (Dividenden) vgl. IFRS 9.5.7.1A. IAS 32.18(b). Bei der Regelung des IAS 32.16A-16D handelt es sich um eine besondere Ausweisvorschrift (Abschnitt „Presentation“). IAS 32.96C sieht zwar einen beschränkten Anwendungsbereich der Regelung vor, verweist jedoch explizit auf IFRS 9 im Hinblick auf die Standards, für die die Regelung Anwendung finden soll. Nicht als Eigenkapitalinstrument gelten Investmentanteile hiernach im Zusammenhang mit IFRS 2 „Share based payments“. Vgl. hierzu auch IDW ERS HFA 48, Tz. 182.


Dietrich/Malsch, Bilanzierung von Investmentanteilen im IFRS-Konzernabschluss eines Investors

Der geschlossene Investmentfonds wurde mit einer festen Laufzeit von 10 Jahren aufgesetzt und investiert sein gesamtes Vermögen in ein festverzinsliches Wertpapier, welches die Zahlungsstromkriterien des IFRS 9 erfüllt, mit einer Laufzeit von ebenfalls 10 Jahren, wobei das Laufzeitende des Investmentfonds für Abwicklungszwecke nur wenige Tage nach dem Fälligkeitsdatum des Wertpapiers liegt. Die Anlagebedingungen des Investmentvermögens sehen eine monatliche Ausschüttung der ordentlichen Nettoerträge vor. Weitere Käufe und Verkäufe in Wertpapieren oder der Abschluss von risikoerhöhenden Derivaten sind ausgeschlossen. Der Investmentfonds zahlt zwar auch in diesem Fall formal lediglich am Ende der Laufzeit das Fondsvermögen an die Anleger zurück, aber dieses entspricht dem Rückzahlungsbetrag des Wertpapiers. Darüber hinaus werden die Zinsen abzgl. der Gebühren für die Verwaltung des Investmentfonds an den Investor durchgeleitet. Insofern entsprechen die Zahlungsströme des Investmentfonds im Wesentlichen denen eines einfachen Wertpapiers mit der gleichen Laufzeit.

Ein Anteil an einem Investmentvermögen erfüllt damit zunächst einmal nicht die Zahlungsstromkriterien des IFRS 9.4.1.2A (keine feste Zinszahlung und kein fester Rückzahlungsbetrag). Besteht die Möglichkeit, die Regelungen des IFRS 9.B4.1.21 für contractually linked instruments auf Investmentfonds anzuwenden? Aufgrund der Abhängigkeit des Fondsvermögens von den der Berechnung zugrunde liegenden Fondsinvestments wird in der Bilanzierungspraxis häufig auch die Frage gestellt, ob der sog. Look Through-Approach39 des IFRS 9.B4.1.21 für contractually linked instruments zur Anwendung kommen könnte. Überlegungen dahingehend scheitern zunächst schon an der Tatsache, dass ein Investmentfonds über keinen für ein contractually linked instrument typischen Wasserfall verfügt, sodass bereits hieraus Zweifel an der Anwendbarkeit der Regelungen bestehen könnten.40 Aber auch die Anwendung der Regelungen des IFRS 9.B4.1.21 selbst führt dazu, dass ein Investmentanteil die Kriterien nicht erfüllt, da die zu beurteilende Tranche (hier der Investmentanteil), abstrahiert man von der Verlinkung auf die Fondsinvestments, selbst nicht die SPPIKriterien erfüllt.41 Lediglich für einen sehr spezifischen Ausnahmefall könnte sich bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise ein entsprechendes Ergebnis erzielen lassen (vgl. Beispiel 1).

valente erfüllen (z.B. hoch diversifiziertes Portfolio an Investments mit einem Kreditrating von AAA und einer maximalen durchschnittlichen Restlaufzeit von 60–90 Tagen);

Beispiel 1: Investmentvermögen mit wirtschaftlichem Charakter eines Fremdkapitalinstruments

Investmentvermögen schütten i.d.R. jährlich die ordentlichen Nettoerträge37 und z.T. auch das realisierte Veräußerungsergebnis aus. Die Entscheidung, ob und in welcher Höhe eine Ausschüttung erfolgt, hängt i.d.R. von der Entscheidung der KVG ab (discretionary). Eine Ausnahme bilden lediglich verpflichtend ausschüttende (seltener Ausnahmefall) und thesaurierende Investmentvermögen. Letztere verfügen über keine laufende Ausschüttung. Eine Realisierung des Ertrags in der GuV des Investors erfolgt damit ausschließlich durch Verkauf der Investmentanteile.38 Darüber hinaus sieht ein Investmentanteil, sofern keine Garantie besteht, eine Rückzahlung in Höhe des Anteilwertes vor, welche von der Entwicklung der Fondsinvestments abhängt.

Erfüllen Geldmarktfonds, die die Kriterien für eine Klassifizierung als Zahlungsmitteläquivalente erfüllen, die SPPIKriterien? Geldmarktfonds investieren in Geldmarktinstrumente und sonstige kurzfristige, hoch liquide Wertpapiere. Aufgrund der Ausrichtung der Investmentstrategie auf kurzfristige zinstragende Instrumente sind viele Geldmarktfonds nur geringfügigen Schwankungen des Anteilwertes ausgesetzt. Die Klassifizierung als Zahlungsmitteläquivalente ist für einen Geldmarktfonds nur dann sachgerecht, wenn dieser kurzfristig in einen vorherbestimmten Betrag an Zahlungsmitteln getauscht werden kann. Hierzu muss der Geldmarktfonds u.a.42 ■

über eine Anlagestrategie43 verfügen, die ausschließlich Anlagen in hoch liquiden Instrumenten vorsieht, die ihrerseits die Bedingungen für Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläqui-

29

die Ausschüttungen so bemessen, dass diese den Zinszahlungen entsprechen, die auch für kurzfristige Geldmarktinstrumente gezahlt würden;

Kontrollen und Prozesse einrichten, die sicherstellen, dass der Anteilwert niemals um mehr als 0,5% schwankt (sog. constant NAV funds).

Sind die Bedingungen kumulativ jederzeit erfüllt, dann wird die Klassifizierung eines Geldmarktfonds als Zahlungsmitteläquivalent i.S.d. IAS 7 für zulässig erachtet. Derartige Fonds könnten wirtschaftlich betrachtet – sofern diese tatsächlich über einen konstanten44 Anteilwert verfügen – auch die Zahlungsstromkriterien des IFRS 9 erfüllen. In diesem Fall ist die Frage aber eher theoretisch, da selbst bei einer Klassifizierung eines Geldmarktfonds mit konstantem NAV in fair value through OCI keine Beträge in der Neubewertungsrücklage zu berücksichtigen wären. Dies ergibt sich einmal daraus, dass der Anteilwert nur unwesentlich und wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum (bis zur nächsten Ausschüttung) von den Anschaffungskosten abweicht. Ferner ergibt sich bei Änderungen des Anteilwertes das Erfordernis, 37

38

39

40 41 42

43

44

Zins- und Dividendenerträge abzgl. ordentliche Aufwendungen. Die steuerlichen Regelungen zu ausschüttungsgleichen Erträgen bleiben hiervon unberührt. Bei dem Look Through-Approach erfolgt eine Durchschau auf die zugrunde liegenden Vermögenswerte oder die Zahlungen aus diesen Vermögenswerten. IFRS 9.B4.1.20. IFRS 9.B4.1.21(a). Vgl. im Detail hierzu: PricewaterhouseCoopers, Manual of Accounting, o.O., 2015, Tz. 30.39 ff., bzw. IFRS IC Update Mai 2009 (http://www.ifrs.org/Updates/IFRIC-Updates /2009/Documents/IFRIC0905.pdf; abgerufen am 26.10.2016). In diesem Zusammenhang sind nicht nur die tatsächlich vorhanden Investments zu berücksichtigen, sondern auch die entsprechend der Allgemeinen und Besonderen Anlagebedingungen zulässigen Investments. Neben dem tatsächlich z.B. auf 1$ fixierten Anteilwerten fallen hierunter auch thesaurierende Geldmarktfonds, deren Anteilwert sich entsprechend des Geldmarktzinses entwickelt.

Bilanzierung und Bilanzpolitik

ditvertrag bzw. basic lending agreement).

IRZ, Heft 1, Januar 2017


30

eine Neuschätzung der Zahlungsströme i.S.d. IFRS 9.B5.4.645 vorzunehmen.

3.4. Wie sind Investmentvermögen nach IFRS 9 zu klassifizieren?

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Bilanzierung und Bilanzpolitik

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass nach den derzeitigen Regelungen des IFRS 9 Investmentvermögen beim Investor unabhängig davon, nach welchem Geschäftsmodell sie gemanagt werden, nach IFRS 9 immer der Kategorie at fair value through profit or loss zuzuordnen und GuV-wirksam zum fair value zu bilanzieren sind. Eine Abbildung der Bewertungsänderungen in der Neubewertungsrücklage, wie dies bisher bei Wahl der Kategorie available-for-sale der Fall war, ist nicht mehr länger möglich. Dies führt dazu, dass selbst bei Investmentvermögen mit langfristiger Anlagepolitik, die z.B. in festverzinsliche Wertpapiere investieren und diese bis zur Endfälligkeit halten wollen, kurzfristige Bewertungsänderungen des Investmentportfolios, die sich im Fondsvermögen niederschlagen, zu GuV-wirksamen Bewertungseffekten führen.

4. Die Bilanzierung von konsolidierungspflichtigen Investmentvermögen nach IFRS 9 Die Bestimmung des Geschäftsmodells eines konsolidierungspflichtigen Investmentvermögens nach IFRS 9 bildet neben der Beurteilung der Zahlungsstromkriterien für jedes einzelne Investment die Basis für die Bilanzierung und Bewertung der von dem Investmentvermögen gehaltenen finanziellen Vermögenswerten. Klarstellend sei an dieser Stelle angemerkt, dass es sich bei der Bestimmung des Geschäftsmodells nicht um ein Wahlrecht handelt, sondern um das Ergebnis einer Analyse der Fakten und Gesamtumstände.46 Bei Erfüllung z.B. der Bedingungen für das Geschäftsmodell „Halten und Verkaufen“ hat zwingend eine Klassifizierung in die Kategorie at fair value through OCI zu erfolgen, sofern nicht eine Designation der Vermögenswerte in die Fair Value-Option erfolgt ist.47 Bei der Bestimmung des Geschäftsmodells handelt es sich nicht um ein Wahlrecht, sondern um das Ergebnis einer Analyse der Fakten und Gesamtumstände.

4.1. Kann ein Investmentvermögen in mehrere Portfolien aufgeteilt werden?

liomanager gemanagt. Kauf- und Verkaufsentscheidungen im Aktienportfolio werden auf Basis der individuellen Performance der jeweiligen Aktie getroffen, während das Rentenportfolio auf Basis einer „buy and hold“-Strategie verwaltet wird.

Die Beurteilung, ob das Investmentvermögen anhand von Teilportfolien oder als Ganzes gemanagt wird, stellt den ersten Schritt bei der Bestimmung der einschlägigen Geschäftsmodelle dar. Gemäß IFRS 9.B4.1.2 ist es möglich, dass ein bilanzierendes Unternehmen – und damit auch ein Investmentvermögen – mehr als ein Geschäftsmodell zum Management seiner finanziellen Vermögenswerte verwendet. Entsprechend kann auch ein Investmentvermögen aus einem Teilportfolio bestehen, dessen finanzielle Vermögenswerte auf Fair Value-Basis gemanagt werden, und aus einem anderen Teilportfolio, welches gemanagt wird, um vertragliche Zahlungsströme zu generieren.

Die Fondsperformance wird für das gesamte Fondsvermögen einheitlich unter Zugrundelegung der Fair Values der Wertpapiere ermittelt und an die Mitarbeiter in Schlüsselpositionen der KVG sowie die Anleger kommuniziert. Da die Performance des Investmentvermögens auf Basis einer Gesamtbetrachtung an das Management in Schlüsselpositionen und die Anleger berichtet wird, bilden die Aktien- und Rentenpapiere zusammen das nach IFRS 9 zu betrachtende Portfolio. Eine Unterteilung in zwei Portfolien ist nicht sachgerecht.

Die folgenden Kriterien können zur Beurteilung, ob ein Investmentvermögen über ein Portfolio oder mehrere Portfolien verfügt, herangezogen werden: ■

Die Managementstrategie und die Performance-Messung;

Die Berichterstattung an die Mitarbeiter in Schlüsselpositionen der KVG (key management personnel)48 und/ oder die Anleger.

Beispiel 3: Ein Portfoliomanager verwaltet ein gemischtes Investmentvermögen Das Investmentvermögen investiert in Aktien und Renten.49 Die Kauf- und Verkaufsentscheidungen in Aktien und Renten werden von einem Portfoliomanager auf Basis von zwei unterschiedlichen Investmentstrategien getroffen. Die Aktien werden aktiv gehandelt, während die Rentenpapiere nach einer „buy and hold“-Strategie gekauft werden.

Ferner können Teilportfolien nur bestehen, wenn hierfür separate Buchungskreise bestehen.

Die Performance des Aktienportfolios wird gegen einen Fair Value-basierten Aktienindex gemessen, während für das Rentenportfolio die Realisierung von Zinsen im Vordergrund steht. Das interne Reporting an die Mitarbeiter in

Setzt eine Aufteilung in zwei Portfolien immer auch die Beauftragung von zwei Portfoliomanagern voraus? Die Beauftragung von zwei Portfoliomanagern kann ein Indikator dafür sein, dass zwei Portfolien i.S.d. IFRS 9 vorliegen, doch hängt die Beantwortung der Frage letztlich davon ab, wie die Performance des Investmentvermögens gemessen wird (vgl. Beispiel 2). So ist es auch möglich, dass auch nur ein Portfoliomanager das Investmentvermögen managt, obwohl dieses über zwei unterschiedliche Portfolien verfügt (siehe hierzu Beispiel 3). Beispiel 2: Zwei Portfoliomanager und eine gemeinsame Benchmark Das Investmentvermögen investiert in Aktien und Renten. Die Aktien und Renten werden jeweils von einem auf die Assetklasse spezialisierten Portfo-

45 46 47

48

49

Die Regelung entspricht IAS 39.AG8. IFRS 9.B4.1.1. Die Anwendung der Fair Value-Option setzt ein Accounting Mismatch voraus (IFRS 9.4.1.5). Vgl. zur Bestimmung des Managements in Schlüsselpositionen bei Investmentvermögen auch PricewaterhouseCoopers, A practical guide to IFRS 8 for investment funds (https:// inform.pwc.com/inform2/s/A_practical_guid e_to_IFRS_8_for_investment_funds/inform Content/1220105408105373#ic_1220105408 105373; abgerufen am 26.10.2016). Die nachfolgenden Ausführungen gelten analog auch für z.B. ein Investmentvermögen, welches ausschließlich in Renten investiert, sofern die Portfolien ausreichend klar abgegrenzt sind (z.B. langfristige Rentenpapiere und Geldmarktpapiere).


Schlüsselpositionen enthält insofern zwei unterschiedliche Performancekennzahlen. Die Berichterstattung an die Anleger im Jahresbericht des Sondervermögens erfolgt jedoch, entsprechend der gesetzlichen Vorgaben, für das Gesamtportfolio. Lediglich im Tätigkeitsbericht der KVG wird auf die unterschiedlichen Performancekennzahlen eingegangen. Es ist möglich, dass ein Investmentvermögen mehr als ein Portfolio enthält. Obwohl das Investmentvermögen für die externe Berichterstattung eine einzige Berichtseinheit darstellt und die Investments alle von einem Portfoliomanager gemanagt werden, schließt dies nicht die Existenz von mehr als einem Geschäftsmodell und mehr als einem Portfolio aus. In dem zuvor dargestellten Fall deutet viel darauf hin, dass die Investments des Investmentvermögens in zwei separaten Portfolien gemanagt werden, was durch die unterschiedlichen Investmentstrategien, die gesonderte Performancemessung und das separate Reporting an das Management in Schlüsselpositionen nachgewiesen wird. Entsprechend hat das Investmentvermögen die Beurteilung des Geschäftsmodells für jedes Portfolio individuell durchzuführen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Portfolien ausreichend buchhalterisch voneinander abgegrenzt sind. Dies erfordert u.U. auch, dass die finanziellen Mittel, die für die Anlage in einem Portfolio verwendet wurden, auch in diesem reinvestiert werden, sodass es nur in Ausnahmefällen dazu kommt, dass finanzielle Mittel reallokiert werden, nicht aber die Auflegung von sog. Teilfonds nach § 96 KAGB.

4.2. Indikatoren für die Bestimmung des Geschäftsmodells eines konsolidierungspflichtigen Investmentvermögens Das Geschäftsmodell eines Investmentvermögens wird von dem Management in Schlüsselpositionen bestimmt.50 Für die Umsetzung der sich daraus ergebenden Investmentstrategie können dann andere Personen (hier der Portfoliomanager) verantwortlich sein. Wie zu Beginn des Kapitels 4. festgestellt wurde, basiert die Bestimmung des Geschäftsmodells auf Fakten. Zur Bestimmung dieser Fakten können u.a. die in Abb. 2 aufgeführten Fragen herangezogen werden.

IRZ, Heft 1, Januar 2017

1

Wie managt das Investmentvermögen seine finanziellen Vermögenswerte?

2

Wie wird die Performance des Investmentvermögens gemessen?

3

Welche Risikofaktoren müssen bei Investition in das Investmentvermögen berücksichtigt werden?

4

Wie werden die Ergebnisse des Investmentvermögens an die Investoren kommuniziert?

5

Was ist die Bewertungsbasis für die Investmentanteile bei Anteilscheinrückgabe (oder -ausgabe)?

6

Wie erfüllt das Investmentvermögen die Liquiditätsanforderungen aus Anteilscheinrückgaben?

Abb. 2 Fragen zur Bestimmung des Geschäftsmodells eines Investmentvermögens

Wie managt das Investmentvermögen seine finanziellen Vermögenswerte? Die Festlegung des Geschäftsmodells eines voll konsolidierten Investmentvermögens erfordert die Auseinandersetzung mit der Frage, wie das Investmentvermögen seine finanziellen Vermögenswerte managt. Ausgangspunkt hierfür bildet die in den Allgemeinen und Besonderen Anlagebedingungen festgelegte Investmentstrategie. In vielen Fällen wird man hierbei zum Schluss kommen, dass das Investmentvermögen aktiv oder passiv unter Zugrundelegung eines Aktienindex oder sonstigen Preisindex oder einer Fair Value-basierten Benchmark gemanagt wird. Ein solches Investmentvermögen wird dann vermutlich nicht auf Basis eines Geschäftsmodells gemanagt, welches auf die Erzielung von Zins- und Tilgungszahlungsströmen auf die ausstehenden Kapitalbeträge ausgerichtet ist. Solche Investmentvermögen werden üblicherweise finanzielle Vermögenswerte laufend und deutlich vor deren Laufzeitende verkaufen, um dem Index zu folgen oder Änderungen des Fair Values auszunutzen. Ebenfalls eher unwahrscheinlich ist ein Geschäftsmodell „Halten“ oder „Halten und Verkaufen“ für ein gemischtes Investmentportfolio, bestehend z.B. aus Aktien und Renten, bei dem es laufend zu Anpassungen der Asset Allocation kommt. Für Investmentvermögen, die ausschließlich in festverzinsliche Wertpa-

piere nach einer buy and hold-Strategie investieren, stellt sich aber z.T. schon die Frage, ob diese nicht nach einem Geschäftsmodell „Halten“ oder „Halten und Verkaufen“ gemanagt werden. Nicht auf Basis des Geschäftsmodells „Halten“ werden Investmentvermögen gemanagt, welche Gewinne aus der Veränderung der Marktparameter durch Verkäufe von finanziellen Vermögenswerten erzielen. Verkäufe sind bei Wahl des Geschäftsmodells „Halten“ nach IFRS 9 nicht zwangsläufig ausgeschlossen, jedoch muss das bilanzierende Unternehmen hinterfragen, was die Gründe für die Verkäufe sind.51 Werden die Verkäufe getätigt, um Gewinne zu erzielen oder Verluste zu minimieren, managt das Investmentvermögen seine finanziellen Vermögenswerte vermutlich nicht dahingehend, nur Zins- und Tilgungszahlungen auf den ausstehenden Kapitalbetrag zu erzielen. Jedoch können solche Verkäufe immer noch in Übereinstimmung mit dem Geschäftsmodell „Halten und Verkaufen“ stehen. Sind Investmentvermögen darüber hinaus aufgrund vertraglicher oder gesetzlicher Regelungen verpflichtet, ihre finanziellen Vermögenswerte zu verkaufen, um die Liquidität des finanziellen Vermögenswertes nachzuweisen, wie dies für einige Geldmarktfonds der Fall ist, wird das entsprechende Portfolio nicht nur zur Erzielung von Zinsen und 50 51

IFRS 9.B.4.1.1. IFRS 9.B4.1.3.

31

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Dietrich/Malsch, Bilanzierung von Investmentanteilen im IFRS-Konzernabschluss eines Investors


32

Tilgungen auf den ausstehenden Kapitalbetrag gemanagt.

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Bilanzierung und Bilanzpolitik

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Die Nutzung derivativer Finanzinstrumente durch Investmentvermögen für unterschiedliche Zwecke, z.B. zu Sicherungszwecken oder um eine synthetische Position zu generieren, ist in der Asset Management-Branche gängige Praxis. Hierbei kann die Sicherung eines Portfolios von Schuldinstrumenten noch als das Management zum Erzielen von vertraglichen Zahlungsströmen angesehen werden, wohingegen Investmentvermögen, die Derivate nutzen bzw. einsetzen, um synthetische Positionen aufzubauen, typischerweise auf Fair Value-Basis gemanagt werden. Wie wird die Performance des Investmentvermögens gemessen? Die Performance eines Investmentvermögens wird häufig gegen eine Benchmark gemessen. Derartige Benchmarks, wie z.B. ein Aktienindex einer Börse, basieren dabei i.d.R. auf Fair Values. Ein Investmentvermögen kann jedoch auch, wenngleich für dieses keine Benchmark festgelegt wurde, auf Fair Value-Basis gemanagt werden. Ein Investmentvermögen, das jedoch auf die Erzielung einer bestimmten Zinsrendite ausgerichtet ist und dem Investor Ausschüttungen in einem bestimmten Umfang zusichert, wird hingegen an den erzielten Zinszahlungsströmen gemessen werden. Welche Risikofaktoren müssen bei der Investition in das Investmentvermögen berücksichtigt werden? Wird das Marktrisiko als eines der signifikantesten Risiken hervorgehoben, welches die Investoren zu berücksichtigen haben, ist es fraglich, ob das Investmentvermögen auf Basis des Geschäftsmodells „Halten“ gemanagt wird. Ein Investmentvermögen mit dem Geschäftsmodell „Halten“ sollte vielmehr das Kreditrisiko, welches mit dem Erzielen von Zins- und Tilgungszahlungsströmen verbunden ist, hervorheben. Wie werden die Ergebnisse des Investmentvermögens an die Investoren kommuniziert? Werden dem Investor keine detaillierten Informationen über die Entwicklung der Fair Values der Investments oder über die Entwicklung des Fondsvermögens im Verhältnis zu einer Fair Value-basier-

ten Benchmark zur Verfügung gestellt, könnten Zweifel bestehen, ob das Investmentvermögen auf Fair Value-Basis gemanagt wird. Während im Jahresbericht aufgrund gesetzlicher Vorschriften immer Fair Value-Angaben enthalten sind, ist diesbezüglich insbesondere auf die Angaben im Anlegerreporting oder auf die gegebenen Erläuterungen im Anlageausschuss abzustellen. Allerdings schließt die Veröffentlichung von Fair Value-Informationen auch nicht aus, dass das Investmentvermögen nach dem Geschäftsmodell „Halten und Verkaufen“ gemanagt wird. Was ist die Bewertungsbasis für die Investmentanteile bei Anteilscheinrückgabe oder -ausgabe? Beruht der Anteilwert eines Investmentvermögens, der die Basis für den Ausgabewert und den Rücknahmewert des Sondervermögens darstellt, auf einer Fair Value-Bewertung der Investments des Sondervermögens, könnte auch dies ein Indikator sein, dass das Investmentvermögen seine Investments auf Fair Value-Basis managt. Dieses Kriterium ist jedoch aufgrund der gesetzlichen Pflicht zur Fair Value-Bewertung der Anteilwerte als nicht hinreichend anzusehen.

Investoren, die ihre Anteile an Investmentvermögen als Finanzinstrumente i.S.d. IFRS 9 bilanzieren, werden um eine Kategorisierung der Investmentanteile in die Kategorie at fair value through profit or loss nicht herumkommen.

Wie erfüllt das Investmentvermögen die Liquiditätsanforderungen aus Anteilscheinrückgaben? Um Anteilscheinrücknahmen durchführen zu können, müssen die offenen Investmentvermögen entweder Liquidität in ausreichendem Maße vorhalten oder durch entsprechende Verkäufe der Investments die Liquidität beschaffen.52 Die Klassifizierung eines Investmentportfolios in das Geschäftsmodell „Halten“ wird insofern regelmäßig daran scheitern, dass Verkäufe zur Sicherung der jederzeitigen Erfüllung der Anteilscheinrücknahmen vorgenommen werden müssen. Lediglich für den Fall, dass

das Investmentvermögen in mehrere Portfolien aufgeteilt ist, könnte, sofern das Investmentvermögen über einen ausreichenden Liquiditätspuffer verfügt oder anderweitig in der Lage ist, die Anteilscheinrückgaben aus den vertraglich vereinbarten Zahlungsströmen zu gewährleisten, das Geschäftsmodell „Halten“ zumindest auf einen Teil des Investmentvermögens angewendet werden. Das Management muss dabei die erwarteten und unerwarteten Anteilscheinrückgaben, die im Lauf der Zeit auftreten können, schätzen. Müssen regelmäßig Verkäufe getätigt werden, um die erwarteten und unerwarteten Anteilscheinrückgaben erfüllen zu können, managt das Investmentvermögen seine finanziellen Vermögenswerte vermutlich nicht, um nur Zins- und Tilgungszahlungen zu vereinnahmen.53 Es könnte sich aber in diesem Fall dennoch um ein Geschäftsmodell „Halten und Verkaufen“ handeln.

5. Fazit Investoren, die ihre Anteile an Investmentvermögen als Finanzinstrumente i.S.d. IFRS 9 bilanzieren, werden um eine Kategorisierung der Investmentanteile in die Kategorie at fair value through profit or loss nicht herumkommen. Hierdurch kann es auch zu Verwerfungen in den IFRS-Abschlüssen kommen, sofern die Anlagen in Investmentvermögen der Absicherung von z.B. Versicherungsrisiken, Risiken aus Kernkraftwerken oder Pensionsverpflichtungen dienen. Im Hinblick auf die Klassifizierung der Investments konsolidierungspflichtiger Investmentvermögen werden zukünftig auch Umstrukturierungen von Portfolien nicht ausgeschlossen sein, um aus gemischten Investmentvermögen z.B. solche zu machen, die über eine einheitliche Investmentstrategie verfügen oder die in Portfolien eingeteilt werden können. IRZ 52

53

Generell ist jedoch anzumerken, dass das Management von Liquiditätsrisiken i.d.R. eher ein Thema der offenen Publikums-Investmentvermögen ist und weniger der SpezialInvestmentvermögen, bei denen sich Investor und KVG über Anteilscheinrückgaben im Vorfeld i.d.R. abstimmen. Verläufe zur Abdeckung außergewöhnlicher Liquiditätserfordernisse, wie z.B. in der Wirtschaftskrise, bleiben hiervon unberührt (IFRS 9.B4.1.3B).


IRZ, Heft 1, Januar 2017

Bilanzierung und Bilanzpolitik

33

Bewertung von Anteilen an assoziierten Unternehmen bei wechselseitigen Beteiligungen

Dr. Christoph Fröhlich, WP/StB, CPA (U.S.), FH-Doz. MMag., Mitglied der Österreichischen Prüfstelle für Rechnungslegung (OePR). Email: C.Froehlich@ oepr-afrep.at

Bestehen wechselseitige Beteiligungen zwischen assoziierten Unternehmen, ist unklar, ob bzw. in welchem Umfang das eigene Ergebnis die Fortschreibung des Beteiligungsbuchwerts am jeweils anderen Unternehmen beeinflusst. Das IFRIC hat im Jahr 2002 eine klare Aussage zugunsten des Nettoansatzes getroffen,1 dabei allerdings nur den Ergebniseffekt erwähnt und damit vieles offen gelassen. Kessler/Leinen haben dazu in ihrem Beitrag eine klare Gegenposition eingenommen und die Nettomethode als unvereinbar mit IAS 28 beschrieben.2 Diese Kritik ist jedoch nicht gerechtfertigt – wie im folgenden Beitrag gezeigt wird, ist die Nettomethode sogar die bestmögliche Methode, wechselseitige Beteiligungen mit maßgeblichem Einfluss abzubilden.

1. Ausgangslage

welches Ergebnis von B für die Berechnung herangezogen wird:

1.1. Problemstellung und Lösungswege

a. das eigene operative Ergebnis von B (110.000);

Bei der Equity-Methode werden die anteiligen Ergebnisse des assoziierten Unternehmens als Beteiligungsertrag beim beteiligten Unternehmen bilanziert. Ist nun auch das assoziierte Unternehmen mit maßgeblichem Einfluss am Investor beteiligt (wechselseitiger maßgeblicher Einfluss), ist im Ergebnis des assoziierten Unternehmens auch das anteilige Ergebnis des Investors enthalten; der Investor müsste somit sein eigenes anteiliges Ergebnis noch einmal als Beteiligungsertrag erfassen.

b. das eigene operative Ergebnis von B zzgl. des Beteiligungsertrags B an A (110.000 + 30% x 60.000 = 128.000);

Ausgangsbeispiel:

Keywords: ■ ■

■ ■ ■ ■

IAS 28 Anteile an assoziierten Unternehmen Equity-Fortschreibung wechselseitige Beteiligung Nettoansatz (Net Approach ) Hochrechnung (Full Gross Up)

Im Ausgangsbeispiel von Kessler/Leinen ist Unternehmen A mit 40% an B und Unternehmen B mit 30% an A beteiligt. Im Geschäftsjahr haben sie ein Ergebnis aus eigenen operativen Aktivitäten – also vor Berücksichtigung des Ergebnisses aus Anteilen an assoziierten Unternehmen – von 60.000 (A) bzw. 110.000 (B) erzielt.3 Der Beteiligungsertrag gem. Equity-Methode von A an B ergibt sich aus 40% des Ergebnisses von B. Die Frage ist,

c. das Ergebnis von B, wenn neben dem unmittelbaren Anteil am operativen Ergebnis von A auch die Rückbeteiligung an B usw. einbezogen wird (145.455).4 Lösung a) wird Net Approach oder Nettoansatz genannt; bei diesem Ansatz bleiben die wechselseitigen Beteiligungen unberücksichtigt bzw. werden eliminiert. Der Beteiligungsertrag bei A beträgt nach dieser Methode 44.000. Diese Lösung wurde vom IFRIC im Jahr 2002 * Die Ansichten des Autors sind keine offizielle Meinung der OePR. 1 IFRIC Update August 2002, 3. 2 Vgl Kessler/Leinen, IRZ 2016, 159, bzw. IRZ 2016, 221. 3 Kessler/Leinen, IRZ 2016, 159. 4 Dieses hochgerechnete Ergebnis kann einerseits durch mehrmalige Iterationen zur Berücksichtigung der wechselseitigen Beteiligung errechnet werden, andererseits durch Auflösung von zwei Gleichungen in zwei Variablen: A = 60.000 + 40% x B; B = 110.000 + 30% x A; Lösung: A = 118.182; B = 145.455

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Christoph Fröhlich*


Bilanzierung und Bilanzpolitik

34

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Bilanzierung und Bilanzpolitik

vertreten.5 Auch EY6 und Deloitte7 vertreten den Nettoansatz, bei PwC8 ist das nicht eindeutig.

Kessler/Leinen bringen in ihrem Beitrag zahlreiche Argumente für die Hochrechnung:

Lösung b) wird interessanterweise in der Literatur überhaupt nicht vertreten und soll daher nicht weiter behandelt werden.

1) Der Nettoansatz von EY sei aufgrund der notwendigen Annahme fiktiver Einlagen des assoziierten Unternehmens beim Investor unsinnig.13

Lösung c) beruht auf der Hochrechnung (Full Gross Up) der wechselseitigen Beteiligungserträge über unendlich viele Iterationen. Der Beteiligungsertrag von A beträgt 58.182 und setzt sich zusammen aus 40% des operativen Ergebnisses von B + 40% x 30% des operativen Ergebnisses von A + 30% x 40%x 30% des operativen Ergebnisses von B usw. Diese Lösung wird von KPMG9 und Kessler/ Leinen10 sowie im Haufe IFRS-Kommentar11 vertreten, wobei weder bei KPMG noch im Haufe IFRS-Kommentar die relevante Aussage des IFRIC erwähnt bzw. die Bevorzugung der Hochrechnung gegenüber dem Nettoansatz begründet wird.

2) Der Nettoansatz von EY führe in manchen Situationen zur Ergebniserfassung in Höhe der getätigten Ausschüttungen. Dies ist gem. IAS 28.11 nicht mit der Equity-Methode vereinbar.14

Als vierte Variante käme noch die Ergebnisermittlung unter Annahme einer Profit-Sharing-Vereinbarung in Betracht,12 die aber in der Literatur von niemandem – auch nicht von Kessler/ Leinen – befürwortet wird und daher in weiterer Folge nicht behandelt werden soll. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass auf Basis der von KPMG herangezogenen effektiven Beteiligungsquoten (im Beispiel A an B: 45,455% bzw. B an A: 34,091%) eine Kombination mit dem Nettoansatz möglich wäre. Bei dieser Variante würde A das eigene operative Ergebnis von 60.000 und ein Ergebnis aus assoziierten Unternehmen von 50.000 (45,455% von 110.000) zeigen. Auch diese Variante wird in der Literatur nicht vertreten.

2. Hochrechnung vs. Nettoansatz 2.1. Argumentation für die Hochrechnung Für den Nettoansatz werden v.a. zwei Argumente vorgebracht: 1) Die Vermeidung von Doppelerfassungen; 2) die analoge Anwendung von IFRS 10 zur Eliminierung konzerninterner Vorgänge bei der Equity-Methode gem. IAS 28.26 1. Satz.

3) Der Nettoansatz führe zu einem Beteiligungsbuchwert, der geringer ist als der von einem potenziellen Erwerber zu bezahlende Kaufpreis; der Beteiligungsbuchwert zeige nicht das volle Ertragspotenzial.15 4) Der Zweck der Anteilsbewertung at equity – namentlich die Beteiligung des Investors an der Ertragskraft des assoziierten Unternehmens zu verdeutlichen – werde nur durch Einbezug der Rückbeteiligungen erreicht.16

Egal ob Nettoansatz oder Hochrechnung: Beides kann nicht nur für die Ergebniserfassung, sondern muss auch für die Übernahme des anteiligen Reinvermögens gelten, damit Ergebnisrechnung und Bilanz konsistent zueinander sind.

Da bei EY nur der Ergebniseffekt für ein Jahr dargestellt wird, geht aus der Quelle nicht eindeutig hervor, wie der Nettoansatz in den Folgejahren zu handhaben ist. Diese Lücke schließen Kessler/Leinen aufgrund ihrer eigenen Argumentation mithilfe der Fiktion einer Einlage des assoziierten Unternehmens beim Investor. In weiterer Folge weisen sie nach, dass diese (ihre eigene) Argumentation nicht vertretbar ist und verwerfen daraufhin den von ihnen gezeigten Nettoansatz. Tatsächlich lässt sich die in der Kurzdarstellung von EY offengelassene Lücke m.E. sehr wohl sinnvoll, konsistent und mit allen Zielsetzungen der Rechnungslegung schließen; letztlich geht auch aus der Darstellung des anteiligen Vermögens bei EY klar hervor, dass die Vorgangsweise, wie sie von Kessler/ Leinen beschrieben wird, nicht dem Ansatz von EY entspricht. Die gegen den Nettoansatz vorgebrachten Argumente

treffen allerdings nur auf den Nettoansatz zu, wie er von Kessler/Leinen gezeigt wird. In Abschnitt 2.3. wird gezeigt, dass bei dem Nettoansatz, wie bei EY gezeigt, diese Gegenargumente nicht stichhaltig sind.

2.2. Hochrechnung: Doppelerfassung von Erträgen und Vermögen IFRIC und Kessler/Leinen behandeln in erster Linie das Ergebnis bzw. die Ergebniserfassung, was auch plausibel ist, da bei der Equity-Methode nach IAS 28 die Fortschreibung des Beteiligungsansatzes auf Basis der ursprünglichen Anschaffungskosten und aller übernommenen Ergebnisse im Vordergrund steht.17 Wenn man den im Rahmen der Anschaffungskosten abgegoltenen Firmenwert außer Acht lässt, muss aber auch in der Bilanz der Beteiligungsansatz immer dem anteiligen Reinvermögen entsprechen;18 EY behandeln bei ihrer Darstel5

6 7 8

9

10 11

12 13 14 15 16 17 18

IFRIC Update August 2002, p3: „Like the consolidation procedures applied when a subsidiary is consolidated, the equity method requires reciprocal interests to be eliminated.“ EY, International GAAP 2016, 748 f. Deloitte, iGAAP 2015, Vol A, 1964 f. PwC, Manual of Accounting 2015, 27026. Im von PwC gezeigten Beispiel wird bei Erwerb der Anteile das anteilige Reinvermögen zugunsten des Firmenwerts bereinigt; ob in weiterer Folge die anteiligen Erträge bereinigt werden sollen, bleibt unklar. Im letzten Satz zum Beispiel heißt es, dass Dividenden des Investors an das assoziierte Unternehmen berücksichtigt werden sollen, ob im Ergebnis (was nur Sinn ergibt, wenn die Gegenbeteiligung keinen maßgeblichen Einfluss vermittelt) oder als Einlage ist unklar. Kessler/Leinen schließen aus der von PwC beschriebenen Notwendigkeit von simultanen Gleichungen bei komplexeren wechselseitigen Verhältnissen auf eine Bevorzugung des Bruttoansatzes, was aber auch nicht zwingend ist. KPMG, Insights to IFRS 2015/16, 3.5.350. KPMG kommen zu diesem Ergebnis nicht durch Hochrechnung, sondern durch die Berechnung effektiver Beteiligungsquoten. Da das Ergebnis dasselbe ist, werden die beiden Methoden im Folgenden nicht getrennt behandelt. Kessler/Leinen, IRZ 2016, 159. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, Haufe IFRSKommentar, § 33, Rz. 63. Kessler/Leinen, IRZ 2016, 162. Kessler/Leinen, IRZ 2016, 224 ff. Kessler/Leinen, IRZ 2016, 228. Kessler/Leinen, IRZ 2016, 228 f. Kessler/Leinen, IRZ 2016, 228. IAS 28.10. Dieser bilanziellen Betrachtung verdankt die Equity-Methode schließlich ihren Namen.


Fröhlich, Bewertung von Anteilen an assoziierten Unternehmen bei wechselseitigen Beteiligungen

Bilanz A 1.1.X1 Grundstück

Bilanz B 1.1.X1

100

40% Anteile an B

30% Anteile an A

Abb. 1: Wechselseitige Beteiligung mit einem Vermögenswert

Bilanz A 31.12.X1

Bilanz B 31.12.X1 Grundstück

40% Anteile an B

30

30% Anteile an A

Beispiel: Problem der Doppelerfassung Bei den Beteiligungsverhältnissen laut Ausgangsbeispiel hält Unternehmen A als einzigen Vermögenswert neben der Beteiligung ein Grundstück mit einem unstrittigen Wert von 100. Unternehmen B hält außer der Beteiligung gar kein Vermögen. Die Bilanzen zeigen daher das in Abb. 1 gezeigte Bild. Nach der Nettomethode bewertet B seine Beteiligung an A mit 30 (30% von 100), während A seine Beteiligung an B mit null bewertet, schließlich hält B keinerlei Reinvermögen, das A anteilig bilanzieren könnte. Die Beteiligung von B an A ist ja nichts anderes als der anteilige Grundstückswert, der auf B entfällt. Da A das Grundstück bereits zu 100% in seinem Abschluss ausweist, wäre es unsinnig, über die Beteiligung an B und die Rückbeteiligung an A den anteiligen Grundstückswert ein weiteres Mal in den Abschluss aufzunehmen. Dies entspricht auch der Logik der IFRS: Die Vollkonsolidierung geht der Equity-Methode vor, wenn ein Grundstück beherrscht wird, ist das Grundstück zu zeigen, der zusätzliche (indirekte) maßgebliche Einfluss auf dieses Grundstück ist bedeutungslos; mehr Rechte als bei Beherrschung kann man an einem Vermögenswert nicht haben. Bei Anwendung der Methode der Hochrechnung wird die Beteiligung von B an A nicht mit 30 bewertet, sondern um den anteiligen Wert der Rückbeteiligung ergänzt. Ebenso wird die Beteiligung von A an B nicht mit null, sondern mit dem Wert der Rückbeteiligung angesetzt. Letztlich ergibt sich für die Beteiligung von A an B ein Wert von 13,64 und für die Beteiligung von B an A ein Wert von 34,09.20 Hier zeigt sich der Vorwurf der Doppelerfassung: Obwohl im Bei-

35

Abb. 2: Wechselseitige Beteiligung nach Ausschüttung des Vermögenswerts

spiel bei beiden Unternehmen insgesamt nur ein realer Vermögenswert mit dem Wert von 100 vorliegt, wird bei A im Jahresabschluss ein Vermögen von 113,64 gezeigt, die 13,64 Beteiligungsbuchwert bestehen ja letztlich aus dem über mehrere Iterationen berechneten anteiligen Grundstückswert. Einen Vermögenswert zu mehr als 100% im Jahresabschluss auszuweisen, kann nicht dem True and Fair View entsprechen. Kessler/Leinen versuchen das Argument der Doppelerfassung zu relativieren, indem sie anmerken, dass alle Methoden – auch der Nettoansatz – zu einer Doppelerfassung führen, weil in beiden Jahresabschlüssen gemeinsam höhere Erträge bzw. mehr Vermögen erfasst werden, als in Summe bei beiden Unternehmen bestehen.21 Diese Argumentation greift zu kurz: Der Umstand, dass ein Vermögenswert in verschiedenen Jahresabschlüssen (direkt oder indirekt) mehr als einmal erfasst wird, ist etwas Alltägliches; dazu reicht eine einfache Beteiligung völlig aus, eine wechselseitige Beteiligung ist gar nicht nötig. Die Kritik an der Hochrechnung bezieht sich darauf, dass ein Vermögenswert bzw. ein Ertrag in einund demselben Jahresabschluss zu mehr als 100% gezeigt wird, und das ist ausschließlich bei der Bilanzierung wechselseitiger Beteiligungen mittels Hochrechnung der Fall.

2.3. Nettoansatz: Einlage des Investors beim assoziierten Unternehmen Fortsetzung des Beispiels: A schüttet das Grundstück in Form einer Sachdividende an seine Eigentümer aus. Dazu wird das Grundstück in Parzellen geteilt, 30% des ursprünglichen Grundstücks werden daher an B übertragen. Nach dieser Transaktion zeigen die Bilanzen das in Abb. 2 dargestellte Bild. Nach dem Nettoansatz beträgt nunmehr die Beteiligung von B an A null, da A sämtliche Vermögenswerte abseits der Rückbeteiligung an seine Eigentümer abgegeben hat. Der Beteiligungsansatz von A an B ist hingegen auf 12 gestiegen (40% x 30). Wie kann dieser Anstieg der Beteiligung von A an B von null auf 12 erklärt werden? Ganz einfach durch eine Einlage: Vor der Ausschüttung hatte A die Kontrolle über das Grundstück und hat dieses daher zu 100% bilanziert, eine zusätzliche indirekte anteilige Bilanzierung desselben Grundstücks war damit – nach der Idee des Nettoansatzes – ausgeschlossen. Durch den Ausschüttungsbeschluss von A hat Unternehmen A die Kontrolle über das Grundstück verloren, 19

20

Einen Vermögenswert zu mehr als 100% im Jahresabschluss auszuweisen, kann nicht dem True and Fair View entsprechen. 21

Vgl. EY, International GAAP 2016, 749, unter „Statement of financial position“, ebenso bereits bei den von Kessler/Leinen zitierten EY, International GAAP 2014, 741 ff. Die Berechnung erfolgt durch mehrere Iterationen zur Berücksichtigung der Rückbeteiligungen oder durch die Auflösung der Gleichungen A = 40% x B und B = 30% x (100 + A). Durch Einsetzen erhält man A = 40% x (30% x (100 +A)) bzw. A = 12 + 12% x A. Das Ergebnis lautet 13,64 für A und 34,09 für B. Kessler/Leinen, IRZ 2016, 222.

Bilanzierung und Bilanzpolitik

lung von Nettoansatz bzw. Hochrechnung auch das Reinvermögen.19 Egal ob man den Nettoansatz oder die Hochrechnung vertritt: Beides kann nicht nur für die Ergebniserfassung, sondern muss auch für die Übernahme des anteiligen Reinvermögens gelten, damit Ergebnisrechnung und Bilanz konsistent zueinander sind. Anhand des Vermögensausweises lässt sich das Problem der Doppelerfassung bei der Hochrechnung besonders plastisch darstellen:

IRZ, Heft 1, Januar 2017


36

Bilanzierung und Bilanzpolitik

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Bilanzierung und Bilanzpolitik

damit wird es auf einmal bedeutsam, dass über 12% des ursprünglichen Grundstücks ein maßgeblicher Einfluss besteht. Durch den eigenen Ausschüttungsbeschluss hat sich Unternehmen A somit entschieden, einen Teil des Grundstücks bei seiner Beteiligung B einzulegen. Diese Einlage des Investors bei der Beteiligung ist keine fiktive, sondern eine durchaus reale Transaktion, die im Rahmen der Equity-Bilanzierung abgebildet werden kann und muss. Kessler/Leinen versuchen hingegen, den Nettoansatz mithilfe einer fiktiven Einlage des assoziierten Unternehmens beim Investor zu erklären.22 Völlig zu Recht kommen sie zu dem Schluss, dass diese fiktive Einlage weder eine rechtliche noch eine wirtschaftliche Grundlage hat. Die weitere Schlussfolgerung ist aber nicht nachvollziehbar: Nicht der Nettoansatz an sich ist abzulehnen, sondern die von den Autoren behauptete Konstruktion einer fiktiven Einlage. Der Vollständigkeit halber sei noch angefügt, wie im Beispiel nach der Methode der Hochrechnung vorzugehen ist: A schüttet 100 an seine Eigentümer aus, die Beteiligung an B bleibt unverändert 13,64. B erhält ein Grundstück im Wert von 30 als Ausschüttung, der Beteiligungsbuchwert wird erfolgsneutral um diese Ausschüttung gekürzt und beträgt damit 4,09. Die Doppelerfassung liegt nunmehr bei B, das insgesamt ein Ver-

1

mögen von 34,09 ausweist, obwohl außer einem Grundstück im Wert von 30 weder bei B noch bei A ein Vermögen vorhanden ist.

2.4. Vollausschüttung und Teilausschüttung in der langjährigen Entwicklung Kessler/Leinen vergleichen die Methoden anhand ihres Beispiels auf Basis der Entwicklung über 10 Jahre. Dabei erzielt Unternehmen A jährlich ein eigenes operatives Ergebnis von 60.000 und Unternehmen B ein eigenes operatives Ergebnis von 110.000 (vor anteiligen Beteiligungserträgen). In ihrer Lösung zeigen sie jeweils nur die Erträge bzw. den Equity-Buchwert, zum besseren Verständnis der Lösung sei aber auch die Entwicklung der Vermögenswerte in der Bilanz gezeigt. Diese ist völlig unabhängig von der Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode für die Beteiligungsansätze und ergibt sich bei Vollausschüttung der vorhandenen Geldbestände wie in Abb. 3 dargestellt.23

bei jeweils der Anfangsstand von 500.000 (A an B) bzw. 1.000.000 (B an A) hinzugezählt werden muss. Dieser Anfangsstand im Beispiel kann nur als Firmenwert interpretiert werden, der jeweils im Rahmen des Erwerbs der Anteile bezahlt wurde.25 Vgl. hierzu Abb. 5. Der Buchwert für die Beteiligung von A an B ergibt sich dabei jeweils aus 40% des Zahlungsmittelbestands von B (direkte Beteiligung) und 12% des Zahlungsmittelbestands von A (Rückbeteiligung), hochgerechnet auf alle Iterationen,26 zzgl. des ursprünglich vorhandenen Firmenwerts. Für die Beteiligung von B an A gilt Entsprechendes. Mit dieser Rechnung kann gezeigt werden, dass Vermögensausweis und Erfolgsausweis immer konsistent erfolgen müssen: Eine 22 23

24 25

Die Beteiligungsbuchwerte bei Anwendung der Hochrechnung ermitteln Kessler/Leinen richtigerweise wie in Abb. 4 gezeigt.24 Diese Beteiligungsbuchwerte können auch anhand der zuvor gezeigten Vermögensentwicklung abgeleitet werden, wo-

26

Kessler/Leinen, IRZ 2016, 225 f. Dabei wird angenommen, dass der Anfangsbestand zum 1.1.X1 null beträgt und alle Erträge sofort zahlungsmittelwirksam sind. Kessler/Leinen, IRZ 2016, 223. Kessler/Leinen nehmen bei Hochrechnung denselben Anfangsstand an wie beim Nettoansatz. Soweit der Beteiligungsbuchwert auf anteiligem Reinvermögen beruht, muss der Buchwert aber unterschiedlich sein. Somit kann der Anfangsstand nur durch einen bezahlten Firmenwert verursacht worden sein, bei diesem besteht zwischen Hochrechnung und Nettoansatz kein Unterschied. Die Hochrechnung erfolgt durch Division durch 0,88; dies ergibt sich wiederum durch Auflösung von zwei simultanen Gleichungen.

CASH A 1.1. Ergebnis A (cashwirksam) Dividende von B Ausschüttung an B Ausschüttung an Dritte Cash A 31.12.

0 60 000 0 0 0 60 000

2 60 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 104 000

3 104 000 60 000 51 200 -31 200 -72 800 111 200

4 111 200 60 000 56 480 -33 360 -77 840 116 480

5 116 480 60 000 57 344 -34 944 -81 536 117 344

6 117 344 60 000 57 978 -35 203 -82 141 117 978

7 117 978 60 000 58 081 -35 393 -82 584 118 081

8 118 081 60 000 58 157 -35 424 -82 657 118 157

9 118 157 60 000 58 170 -35 447 -82 710 118 170

10 118 170 60 000 58 179 -35 451 -82 719 118 179

CASH B 1.1. Ergebnis B (cashwirksam) Dividende von A Ausschüttung an A Ausschüttung an Dritte Cash B 31.12.

0 110 000 0 0 0 110 000

110 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 128 000

128 000 110 000 31 200 -51 200 -76 800 141 200

141 200 110 000 33 360 -56 480 -84 720 143 360

143 360 110 000 34 944 -57 344 -86 016 144 944

144 944 110 000 35 203 -57 978 -86 966 145 203

145 203 110 000 35 393 -58 081 -87 122 145 393

145 393 110 000 35 424 -58 157 -87 236 145 424

145 424 110 000 35 447 -58 170 -87 255 145 447

145 447 110 000 35 451 -58 179 -87 268 145 451

Abb. 3: Vermögensentwicklung bei Vollausschüttung

Beteiligung A an B Beteiligung B an A

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 558 182 572 364 579 345 581 047 581 885 582 089 582 190 582 214 582 226 582 229 1 035 455 1 052 909 1 057 164 1 059 258 1 059 769 1 060 020 1 060 081 1 060 111 1 060 119 1 060 122

Abb. 4: Equity-Fortschreibung mit Hochrechnung bei Vollausschüttung


1 44 000 7 200 51 200 58 182 500 000 558 182

40% Cash B 12% Cash A Cashwert hochgerechnet Firmenwert A an B Equity Wert A 30% Cash A 12% Cash B

2 51 200 12 480 63 680 72 364 500 000 572 364

3 56 480 13 344 69 824 79 345 500 000 579 345

4 57 344 13 978 71 322 81 047 500 000 581 047

5 57 978 14 081 72 059 81 885 500 000 581 885

IRZ, Heft 1, Januar 2017

6 58 081 14 157 72 239 82 089 500 000 582 089

7 58 157 14 170 72 327 82 190 500 000 582 190

8 58 170 14 179 72 349 82 214 500 000 582 214

9 58 179 14 180 72 359 82 226 500 000 582 226

10 58 180 14 181 72 362 82 229 500 000 582 229

18 000 31 200 33 360 34 944 35 203 35 393 35 424 35 447 35 451 35 454 13 200 15 360 16 944 17 203 17 393 17 424 17 447 17 451 17 454 17 454 31 200 46 560 50 304 52 147 52 596 52 818 52 872 52 898 52 905 52 908 35 455 52 909 57 164 59 258 59 769 60 020 60 081 60 111 60 119 60 122 1 000 000 1 000 000 1 000 000 1 000 000 1 000 000 1 000 000 1 000 000 1 000 000 1 000 000 1 000 000 1 035 455 1 052 909 1 057 164 1 059 258 1 059 769 1 060 020 1 060 081 1 060 111 1 060 119 1 060 122

Cashwert hochgerechnet Firmenwert A an B Equity Wert B

Abb. 5: Vermögensbezogene Ableitung des Equity-Werts bei Hochrechnung

Beteiligung A an B Beteiligung B an A

1 544 000 1 018 000

2 544 000 1 018 000

3 544 000 1 018 000

4 544 000 1 018 000

5 544 000 1 018 000

6 544 000 1 018 000

7 544 000 1 018 000

8 544 000 1 018 000

9 544 000 1 018 000

10 544 000 1 018 000

Abb. 6: Equity-Fortschreibung mit Nettoansatz nach Kessler/Leinen bei Vollausschüttung

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Equity-Bet A an B Stand 1.1. At Equity-Ergebnis B Dividendenzahlung B an A Einlage von A in B Stand 31.12.

500 000 44 000 0 0 544 000

544 000 44 000 -44 000 7 200 551 200

551 200 44 000 -51 200 12 480 556 480

556 480 44 000 -56 480 13 344 557 344

557 344 44 000 -57 344 13 978 557 978

557 978 44 000 -57 978 14 081 558 081

558 081 44 000 -58 081 14 157 558 157

558 157 44 000 -58 157 14 170 558 170

558 170 44 000 -58 170 14 179 558 179

558 179 44 000 -58 179 14 180 558 180

Equity-Bewertung B an A Stand 1.1. At Equity-Ergebnis A Dividendenzahlung A an B Einlage von B in A Stand 31.12.

1 000 000 18 000 0 0 1 018 000

1 018 000 18 000 -18 000 13 200 1 031 200

1 031 200 18 000 -31 200 15 360 1 033 360

1 033 360 18 000 -33 360 16 944 1 034 944

1 034 944 18 000 -34 944 17 203 1 035 203

1 035 203 18 000 -35 203 17 393 1 035 393

1 035 393 18 000 -35 393 17 424 1 035 424

1 035 424 18 000 -35 424 17 447 1 035 447

1 035 447 18 000 -35 447 17 451 1 035 451

1 035 451 18 000 -35 451 17 454 1 035 454

Abb. 7: Equity-Fortschreibung mit Nettoansatz gem. EY bei Vollausschüttung

Hochrechnung der wechselseitigen Erträge bedingt bzw. führt zu einer Hochrechnung der wechselseitigen Beteiligungen am Vermögen.27 Für den Nettoansatz führen Kessler/Leinen die in Abb. 6 dargestellte Entwicklung der Beteiligungsbuchwerte an.28 Diese Werte ergeben sich aufgrund der von den Autoren fälschlicherweise angenommenen „fiktiven Einlage des assoziierten Unternehmens beim Investor“. Dabei ignorieren sie die Vermögensdarstellung nach dem Nettoansatz, wie er bei EY eindeutig nachzulesen ist.29 Unter korrekter Berücksichtigung der Einlage des Investors beim assoziierten Unternehmen aufgrund der Ausschüttung des

Investors ergeben sich hingegen die Werte in Abb. 7. Anders als bei Kessler/Leinen bleibt der Buchwert trotz Vollausschüttung nicht konstant, sondern steigt an, bis er nach 12 Jahren bei ca. 558.182 (A an B) bzw. ca. 1.035.455 (B an A) ein Gleichgewicht erreicht. Dieser Anstieg ergibt sich aus dem Anstieg bei den Zahlungsmitteln, bis die Ausschüttungen an Dritte dieselbe Höhe wie die jährlichen extern erzielten Erträge erreichen. Die Richtigkeit dieser Rechnung kann durch die Überleitung der Zahlungsmittelbestände auf die Beteiligungsbuchwerte gezeigt werden, wobei beim Nettoansatz neben dem ursprünglich bezahl-

ten Firmenwert jeweils nur die unmittelbare Beteiligung an den Zahlungsmitteln des assoziierten Unternehmens berücksichtigt wird, vgl. Abb. 8.

27

28 29

37

Dieser Zusammenhang wird für die Hochrechnung auch bei EY, International GAAP 2014, 742, dargestellt. Kessler/Leinen, IRZ 2016, 225. Vgl EY, International GAAP 2014, 743, wonach sich das Nettovermögen aus dem anteiligen Nettovermögen des assoziierten Unternehmens exklusive Rückbeteiligung ergibt. Diese Rechnung wird von Kessler/Leinen bei ihrer Darstellung des Nettoansatzes ignoriert. Bei ihrer Kritik an dem EY-Ansatz beziehen sich die Autoren somit gar nicht auf den Ansatz, wie er von EY selbst dargestellt wurde.

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Fröhlich, Bewertung von Anteilen an assoziierten Unternehmen bei wechselseitigen Beteiligungen


38

Bilanzierung und Bilanzpolitik

IRZ, Heft 1, Januar 2017

40% Cash B Firmenwert A an B Equity Wert A

44 000 500 000 544 000

51 200 500 000 551 200

56 480 500 000 556 480

57 344 500 000 557 344

57 978 500 000 557 978

58 081 500 000 558 081

58 157 500 000 558 157

58 170 500 000 558 170

58 179 500 000 558 179

58 180 500 000 558 180

30% Cash A Firmenwert B an A Equity Wert B

18 000 1 000 000 1 018 000

31 200 1 000 000 1 031 200

33 360 1 000 000 1 033 360

34 944 1 000 000 1 034 944

35 203 1 000 000 1 035 203

35 393 1 000 000 1 035 393

35 424 1 000 000 1 035 424

35 447 1 000 000 1 035 447

35 451 1 000 000 1 035 451

35 454 1 000 000 1 035 454

Bilanz B

60

Cash

40% Anteile an B

110

30% Anteile an A

Bilanz A

Bilanz B

Jahr 2

Cash

60

Cash

110

Cash

44

Cash

18

40% Anteile an B

30% Anteile an A

Externer Ertrag

Cash

Jahr 1

Auschüttung an Externe: 66

Ausschüttung an Externe: 42

Bilanz A

Externer Ertrag

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Abb. 8: Vermögensbezogene Ableitung des Equity-Werts bei Nettoansatz

Abb. 9: Einlagen bei Ausschüttung des Investors in das assoziierte Unternehmen

Worin besteht nun der Unterschied zwischen dem hier vertretenen Nettoansatz und der Modifikation von Kessler/Leinen? Im ersten Jahr ist noch alles klar: A hat 60.000 externen Ertrag am Bankkonto, B entsprechend 110.000. Diese werden im Jahr 2 vollständig ausgeschüttet, d.h., A erhält eine Dividende von 44.000 (40% x 110.000), B erhält eine Dividende von 18.000 (30% x 60.000), aufgrund der neuerlich erzielten externen Erträge steigt der Bargeldbestand von A auf 104.000, der von B auf 128.000, vgl. Abb. 9. Kessler/Leinen lassen die Beteiligungsbuchwerte aber unverändert, da sie nur die Ertragsseite betrachten und im Nettoansatz (richtigerweise) nur den externen Ertrag berücksichtigen. Die bezahlte Ausschüttung wird aber (ebenfalls richtigerweise) in tatsächlicher Höhe beim Beteiligungsansatz korrigiert. Der Anteil von A an B entwickelt sich im Jahr 2 daher wie in Abb. 10 dargestellt. In dieser Rechnung fehlt der Vermögenszuwachs bei B aufgrund der Ausschüt-

Anteil 1.1. anteiliger externer Ertrag erhaltene Ausschüttung Anteil 31.12.

-

44 000 44 000 44 000 44 000

Abb. 10: Entwicklung Equity-Wert bei Ausschüttung nach Kessler/Leinen

tung von A um 18.000, der eine Erhöhung des Beteiligungsbuchwerts um 7.200 bewirkt. Erst im dritten Jahr entsteht für Kessler/Leinen ein Widerspruch, denn jetzt können die beiden Unternehmen plötzlich mehr Geld ausschütten als sie zuvor im Ertrag gezeigt haben: Das Geld, das sie schon im ersten Jahr verdient haben, steht im Jahr 2 aufgrund der Rückbeteiligung z.T. ein zweites Mal zur Verfügung. Diesen Widerspruch im dritten Jahr lösen Kessler/Leinen auf, indem sie die Differenz zwischen dem nach der Equity-Methode erfassten Nettoertrag und der tatsächlichen vom assoziierten Unternehmen erhaltenen Ausschüttung in Höhe von 7.200 als Einlage des assoziierten Unternehmens beim In-

vestor annehmen. Wie sie zu Recht feststellen, entbehrt diese Annahme jeglicher Grundlage. Tatsächlich entsteht die Differenz zwischen anteiligem Ertrag und anteiligem Vermögen aber nicht erst im dritten, sondern bereits im zweiten Jahr: Die Ausschüttung, die die beiden Unternehmen zahlen, kommt z.T. dem jeweils anderen Unternehmen zugute. Diese reale Transaktion wird beim Ansatz von Kessler/Leinen außer Acht gelassen, wodurch die Beteiligungen im Jahr 2 unterbewertet werden. Wird diese reale Transaktion im Jahr 2 entsprechend einer Einlage des ausschüttenden Unternehmens beim jeweiligen assoziierten Unternehmen berücksichtigt, lösen sich alle Widersprüche auf, und die Annahme einer fiktiven Transaktion im Jahr 3 ist nicht mehr nötig. Der Vollständigkeit halber sei auch noch die Lösung bei Teilausschüttung (Ausschüttung in Höhe der jeweils extern erzielten Erträge) gezeigt. Die Zahlungsmittelbestände entwickeln sich dabei wie in Abb. 11 dargestellt.


1

IRZ, Heft 1, Januar 2017

CASH A 1.1. Ergebnis A (cashwirksam) Dividende von B Ausschüttung an B Ausschüttung an Dritte Cash A 31.12.

0 60 000 0 0 0 60 000

2 60 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 104 000

3 104 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 148 000

4 148 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 192 000

5 192 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 236 000

6 236 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 280 000

7 280 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 324 000

8 324 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 368 000

9 368 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 412 000

10 412 000 60 000 44 000 -18 000 -42 000 456 000

CASH B 1.1. Ergebnis B (cashwirksam) Dividende von A Ausschüttung an A Ausschüttung an Dritte Cash B 31.12.

0 110 000 0 0 0 110 000

110 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 128 000

128 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 146 000

146 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 164 000

164 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 182 000

182 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 200 000

200 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 218 000

218 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 236 000

236 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 254 000

254 000 110 000 18 000 -44 000 -66 000 272 000

9 544 000 1 018 000

10 544 000 1 018 000

Abb. 11: Vermögensentwicklung bei Teilausschüttung

1 544 000 1 018 000

Stand 31.12. Stand 31.12.

2 544 000 1 018 000

3 544 000 1 018 000

4 544 000 1 018 000

5 544 000 1 018 000

6 544 000 1 018 000

7 544 000 1 018 000

8 544 000 1 018 000

Abb. 12: Equity-Fortschreibung mit Nettoansatz gem. Kessler/Leinen bei Teilausschüttung

Equity-Bet A an B Stand 1.1. At Equity-Ergebnis B Dividendenzahlung B an A Einlage von A in B Stand 31.12. Equity-Bewertung B an A Stand 1.1. At Equity-Ergebnis A Dividendenzahlung A an B Einlage von B in A Stand 31.12.

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

500 000 44 000

544 000 44 000 -44 000 7 200 551 200

551 200 44 000 -44 000 7 200 558 400

558 400 44 000 -44 000 7 200 565 600

565 600 44 000 -44 000 7 200 572 800

572 800 44 000 -44 000 7 200 580 000

580 000 44 000 -44 000 7 200 587 200

587 200 44 000 -44 000 7 200 594 400

594 400 44 000 -44 000 7 200 601 600

601 600 44 000 -44 000 7 200 608 800

1 018 000 18 000 -18 000 13 200 1 031 200

1 031 200 18 000 -18 000 13 200 1 044 400

1 044 400 18 000 -18 000 13 200 1 057 600

1 057 600 18 000 -18 000 13 200 1 070 800

1 070 800 18 000 -18 000 13 200 1 084 000

1 084 000 18 000 -18 000 13 200 1 097 200

1 097 200 18 000 -18 000 13 200 1 110 400

1 110 400 18 000 -18 000 13 200 1 123 600

1 123 600 18 000 -18 000 13 200 1 136 800

544 000 1 000 000 18 000

1 018 000

Abb. 13: Equity-Fortschreibung mit Nettoansatz gem. EY bei Teilausschüttung

40% Cash B Firmenwert A an B Equity Wert A

1 44 000 500 000 544 000

2 51 200 500 000 551 200

3 58 400 500 000 558 400

4 65 600 500 000 565 600

5 72 800 500 000 572 800

6 80 000 500 000 580 000

7 87 200 500 000 587 200

8 94 400 500 000 594 400

9 101 600 500 000 601 600

10 108 800 500 000 608 800

30% Cash A Firmenwert B an A Equity Wert B

18 000 1 000 000 1 018 000

31 200 1 000 000 1 031 200

44 400 1 000 000 1 044 400

57 600 1 000 000 1 057 600

70 800 1 000 000 1 070 800

84 000 1 000 000 1 084 000

97 200 1 000 000 1 097 200

110 400 1 000 000 1 110 400

123 600 1 000 000 1 123 600

136 800 1 000 000 1 136 800

Abb. 14: Vermögensbezogene Ableitung des Equity-Werts bei Nettoansatz

Kessler/Leinen kommen hier für den Nettoansatz zu dem in Abb. 12 gezeigten Ergebnis.30 Da bei Teilausschüttung die Zahlungsmittelbestände bei den beiden Unternehmen noch stärker ansteigen als bei Vollausschüttung, ist diese konstante Entwicklung der Beteiligungsbuchwerte unlogisch. Richtig müssen die Beteili-

gungsbuchwerte unter Berücksichtigung der realen Einlagen aufgrund der Ausschüttungen wie folgt fortgeschrieben werden, vgl. Abb. 13. Dies lässt sich wiederum durch die Überleitung aus den Zahlungsmittelbeständen nachweisen, vgl. Abb. 14. Als Zwischenergebnis kann festgehalten werden, dass bei Anwendung des

Nettoansatzes die Entwicklung der Erträge und des Vermögens in sich schlüssig ohne Widersprüche und ohne künstliche Ergänzung fiktiver Transaktionen abgebildet werden kann, sowohl im Szenario der Vollausschüttung als auch bei Teilausschüttung. 30

Kessler/Leinen, IRZ 2016, 227.

39

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Fröhlich, Bewertung von Anteilen an assoziierten Unternehmen bei wechselseitigen Beteiligungen


40

3. Vorteilhaftigkeit Nachdem nun gezeigt wurde, dass der Nettoansatz ebenso wie die Hochrechnung in allen Szenarien ein in sich schlüssiges Ergebnis liefert, muss die Vorteilhaftigkeit beurteilt werden. Dabei sind in erster Linie die Rechnungslegungsvorschriften zu berücksichtigen.

Bilanzierung und Bilanzpolitik

Bilanzierung und Bilanzpolitik

IRZ, Heft 1, Januar 2017

3.1. Widerlegung der Argumente für die Hochrechnung Das IFRIC begründet die Eliminierung der wechselseitigen Beteiligungen – und damit den Nettoansatz – mit IAS 28.16 (nunmehr IAS 28.26), der für die EquityMethode die analoge Anwendung der Vorschriften des IAS 27 (nunmehr: IFRS 10) für die Vollkonsolidierung verlangt.31 Kessler/Leinen bringen letztlich kein Argument mit Bezug auf den Standardtext dafür, warum der Verweis des IAS 28.26 nicht für die Behandlung wechselseitiger Beteiligungen gelten soll. Ihre einzige Begründung liegt darin, dass beim Nettoansatz die Zielsetzung der Equity-Methode nicht erreicht wird. Dazu führen sie die eingangs genannten vier Gründe an: 1) Der Nettoansatz sei aufgrund der notwendigen Annahme fiktiver Einlagen des assoziierten Unternehmens beim Investor unsinnig. 2) Der Nettoansatz führe in manchen Situationen zur Ergebniserfassung in Höhe der getätigten Ausschüttungen. Dies sei gem. IAS 28.11 nicht mit der Equity-Methode vereinbar. 3) Der Nettoansatz führe zu einem Beteiligungsbuchwert, der geringer ist als der von einem potenziellen Erwerber zu bezahlende Kaufpreis; der Beteiligungsbuchwert zeige nicht das volle Ertragspotenzial. 4) Der Zweck der Anteilsbewertung at equity – namentlich die Beteiligung des Investors an der Ertragskraft des assoziierten Unternehmens zu verdeutlichen – werde nur durch Einbezug der Rückbeteiligungen erreicht. Das erste Argument wurde im vorigen Abschnitt deutlich widerlegt: Bei richtiger Anwendung des Nettoansatzes ist keine Annahme fiktiver Einlagen notwendig, es bestehen keine Widersprüche zwischen Erfolgsausweis, Ausschüttungspotenzial und Vermögensausweis.

Bei richtiger Anwendung des Nettoansatzes ist keine Annahme fiktiver Einlagen notwendig. Auch dem zweiten Argument ist nicht zu folgen: In ihrem Szenario der Teilausschüttung haben Kessler/Leinen die Ausschüttungen bewusst in der Höhe des jeweiligen externen Ertrags (des Vorjahres) festgelegt. Wenn Ausschüttungen willkürlich in Höhe der Ergebnisse festlegt werden, müssen diese gleich hoch sein. Das liegt aber weder an der EquityMethode noch am Nettoansatz. Tatsächlich wird der Ertrag nach der Equity-Methode auch in der Lösung nach dem Nettoansatz von Kessler/Leinen nicht durch die Ausschüttung bestimmt, sondern durch den operativen Ertrag des assoziierten Unternehmens. Die (zufällig) gleich hohe Ausschüttung findet erst ein Jahr später statt, der von Kessler/Leinen beobachtete Effekt (Ertrag = Ausschüttung) funktioniert daher nur deshalb, weil die Ergebnisse über 10 Jahre konstant bleiben. Um diesen Effekt zu erzielen, braucht man aber gar keine Rückbeteiligung: Wenn ein assoziiertes Unternehmen jedes Jahr denselben Ertrag erzielt und diesen jedes Folgejahr in voller Höhe ausschüttet, dann ist beim Investor der Ertrag gem. Equity-Methode ab dem zweiten Jahr immer gleich der erhaltenen Ausschüttung. Dennoch wird die Equity-Methode ihrer Zielsetzung gerecht. Das dritte Argument ignoriert die Zielsetzung der Equity-Methode: Diese hat gerade nicht das Ziel, einen von einem potenziellen Käufer zu bezahlenden Kaufpreis abzubilden, wie es bei der Bewertung der Anteile mit dem Fair Value nach IAS 39 bzw. IFRS 9 der Fall wäre. Aus demselben Grund ist das vierte Argument zu verwerfen: Die Equity-Methode soll das anteilige Reinvermögen des assoziierten Unternehmens zeigen, nicht dessen Ertragskraft. Letzteres ist von vornherein unmöglich, da die Ertragskraft u.a. auf dem originären, während der Beteiligung mit maßgeblichen Einfluss entstandenen Firmenwert des assoziierten Unternehmens beruht, der nach der Equity-Methode keinesfalls abgebildet werden kann. So wie das Eigenkapital lt. Bilanz nicht die Ertragskraft des Unternehmens zeigt, zeigt auch der Beteiligungsansatz nach der Equity-Methode nicht die Ertragskraft des assoziierten Unternehmens.

Vielleicht beziehen sich Kessler/Leinen beim letzten Argument nur auf die im Rahmen der Equity-Methode gezeigten Erträge. Diesbezüglich sind sie der Meinung, dass es beim Nettoansatz zu einer Unterbewertung kommt; nur die hochgerechneten Erträge zeigen das echte Ertragspotenzial. Dazu ist zu sagen, dass bei der Hochrechnung die beschriebene Doppelerfassung auch bei den Erträgen auftritt. Erzielt Unternehmen A 100 Ertrag aus einem Geschäftsvorfall, während Unternehmen B keinerlei Geschäfte tätigt, werden bei Anwendung der Hochrechnung bei Unternehmen A Erträge von 113,64 gezeigt. Laut Kessler/Leinen entspricht dieser Ertragsausweis der Generalnorm, weil (über mehrere Ausschüttungszyklen) dem Unternehmen letztlich 113,64 an Zahlungsmitteln zufließen. Dabei lassen sie unberücksichtigt, dass dem Unternehmen immer wieder derselbe Ertrag zufließt; eine Ausschüttung von Zahlungsmitteln von Unternehmen B an Unternehmen A wird erst dadurch ermöglicht, dass davor Unternehmen A eine Ausschüttung an Unternehmen B leistet usw. Es wird also immer wieder ein Teil desselben Ertrags aus dem ursprünglichen Geschäftsfall ein weiteres Mal hin- und hergereicht. Ein solcher Doppelausweis zeigt eben gerade nicht die wahre Ertragslage, im Gegenteil: Tatsächlich erzielte Erträge sind von hin- und hergeschobenen Einlagen und Ausschüttungen zu trennen, damit die Ertragslage vernünftig beurteilt werden kann. Ein Aktionär, der 10% an Unternehmen A hält, erhält bei Vollausschüttung letztlich eine Dividende in Höhe von 11,36 Euro, d.h. 10% des Ergebnisses, das bei Hochrechnung gezeigt wird. Dies rechtfertigt allerdings nicht die Hochrechnung zur besseren Darstellung der Ertragslage. In einem Konzernabschluss soll in erster Linie die Ertragslage des Konzerns gezeigt werden, nicht der Ertrag, der den Eigentümern zusteht. Letzteres erfolgt erst bei der Aufteilung der (Netto-)Ergebnisse in nicht beherrschende Anteile und Anteile der Konzerneigentümer bzw. durch Darstellung des Ergebnisses je Aktie. Wie bei EY nachzulesen ist, wird beim Ergebnis je Aktie beim Nettoansatz die effektive Beteiligung aufgrund der Rückbeteiligung (analog zur Vorgangsweise bei IFRS 10) berück31

IFRIC Update August 2002, 3.


Fröhlich, Bewertung von Anteilen an assoziierten Unternehmen bei wechselseitigen Beteiligungen

3.2. Doppelerfassung bei der Hochrechnung Das Problem der Doppelerfassung bei der Hochrechnung kann anhand eines Extrembeispiels noch besser verdeutlicht werden: Beispiel zur Doppelerfassung: Die beiden Konzerne A und B planen gemeinsame wirtschaftliche Aktivitäten, wobei einmal A und einmal B die wirtschaftliche Führung haben soll. Der führende Partner soll jeweils zu 50,5% am Ergebnis beteiligt sein und die Beherrschung haben, der andere Partner soll jeweils zu 49,5% am Ergebnis beteiligt sein und weitgehende Mitspracherechte bekommen (maßgeblicher Einfluss), vgl. Abb. 15. Im ersten Jahr erwirtschaftet TU A einen Ertrag von 100, während TU B ein Nullergebnis erzielt. Im Konzernabschluss von A wird daher ein operatives Ergebnis von 100 und ein Ergebnis aus assoziierten Unternehmen von null gezeigt; von den 100 Gewinn entfallen 49,5 auf nicht beherrschende Anteile. Auf der anderen Seite zeigt der Konzernabschluss von B ein operatives Ergebnis von null und ein Ergebnis aus assoziierten Unternehmen von 49,5.

A

B 49,5% 49,5%

50,5% TU A: +100

50,5% TU B: null

Abb. 15: Ausgangsbeispiel gemeinsame Aktivitäten

In Kenntnis der gezeigten Methode der Hochrechnung kommen die Konzerne auf folgende Idee: Jeder Konzern erhält nur 1,98% der Kapitalanteile am jeweiligen Tochterunternehmen, die zu 98,02% wechselseitig aneinander beteiligt sind,33 an den Beherrschungs- und sonstigen Mitspracherechten ändert sich nichts, d.h., durch die wechselseitige Kapitalbeteiligung wird ein maßgeblicher Einfluss vermittelt. In wirtschaftlicher Betrachtungsweise hat sich im Vergleich zum Ausgangsbeispiel somit nichts geändert, s. Abb. 16. Folgt man der Methode der Hochrechnung, ergeben sich in den Konzernabschlüssen von A und B folgende Gewinn- und Verlustrechnungen, siehe Abb. 17.34

giert wird. Mit der Ertragslage der beiden Konzerne – in Summe wurden 100 Ertrag erzielt – haben die gezeigten Ergebnisse von 2.500 bzw. 2.550,5 nichts zu tun. Im Nettoansatz sehen die Konzerngewinn- und Verlustrechnungen hingegen so aus, wie in Abb. 18 dargestellt. Für A stimmt das Ergebnis somit mit der Ausgangsvariante überein. Bei B gelingt dies auch mit dem Nettoansatz nicht ganz: Da für die Equity-Methode gem. IAS 28.27 alle vom Konzern gehaltenen Anteile heranzuziehen sind, wird im Konzernabschluss von B ein Ergebnis aus assoziierten Unternehmen in Höhe von 98,02 gezeigt, von dem 48,5235 auf 32

In beiden Konzernabschlüssen kommt es durch die Hochrechnung aufgrund der Doppelerfassung zu einer absurden Aufblähung der Gewinn- und Verlustrechnung, die erst durch die Trennung der nicht beherrschenden Anteile korri-

33

34

A

B

1,98%

1,98% 98,02%

TU A: +100

TU B: null 98,02%

Abb. 16: Gestaltungsvariante gemeinsame Aktivitäten

41

35

EY, International GAAP 2014, 744. Aufgrund der gewählten Kapitalanteile ergibt sich nach wiederholter Ausschüttung der beiden Tochterunternehmen eine Ausschüttung an den jeweils beherrschenden von 50,5% und von 49,5% an den anderen Partner. Diese effektiven Beteiligungen können durch Inversion einer Beteiligungsmatrix ermittelt werden. Die 2.450,5 bzw. 2.550,5 Ertrag aus Sicht der beiden Tochterunternehmen lassen sich durch Auflösung der beiden Gleichungen TU A = 98,02% x TU B und TU B = 98,02% x (100 + TU A) errechnen. Diese Erträge werden über die Vollkonsolidierung in die Konzernabschlüsse der Mutterunternehmen A und B übernommen. Der durchgerechnete Anteil von B an TU B beträgt 50,5%, die nicht beherrschenden Anteile am Ergebnis errechnen sich daher: 98,02 x 49,5% = 48,52.

operatives Ergebnis Ergebnis aus assoziierten Unternehmen Gewinn davon Konzernanteil davon nicht beherrschende Anteile

A 100,00 2 450,50 2 550,50 50,50 2 500,00

B 0,00 2 500,00 2 500,00 49,50 2 450,50

Abb. 17: Gewinn- und Verlustrechnungen bei gemeinsamen Aktivitäten bei Hochrechnung

operatives Ergebnis Ergebnis aus assoziierten Unternehmen Gewinn davon Konzernanteil davon nicht beherrschende Anteile

A 100,00 0,00 100,00 50,50 49,50

B 0,00 98,02 98,02 49,50 48,52

Abb. 18: Gewinn- und Verlustrechnungen bei gemeinsamen Aktivitäten beim Nettoansatz

Bilanzierung und Bilanzpolitik

sichtigt.32 Ist das Nennkapital von A in Summe in 100 Stückaktien geteilt, entfallen 12 Stück auf die Rückbeteiligung. Das Ergebnis je Aktie beträgt im Beispiel daher 100 / 88 = 11,36 und zeigt den korrekten Ertrag, der auf den einzelnen Aktionär entfällt. In der Gewinn- und Verlustrechnung wird aber anders als bei der Hochrechnung nur ein Ertrag von 100 gezeigt, weil nur in dieser Höhe tatsächlich ein Ertrag aus einem operativen Geschäft erzielt worden ist. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Ertragslage beim Nettoansatz zutreffend – keinesfalls unterbewertend – dargestellt wird.

IRZ, Heft 1, Januar 2017


Bilanzierung und Bilanzpolitik

IRZ, Heft 1, Januar 2017

Bilanzierung und Bilanzpolitik

nicht beherrschende Anteile entfallen. Im Vergleich zur Ausgangsvariante wird infolge der wechselseitigen Beteiligung zwar ein höheres Ergebnis gezeigt, dieses ist aber nicht höher als der tatsächlich erzielte Ertrag von 100, eine Doppelerfassung findet somit nicht statt. Das Hauptargument gegen die Doppelerfassung beim Reinvermögen wurde bereits in Abschnitt 2.2. erwähnt: Ein Vermögensgegenstand kann nicht gleichzeitig der Beherrschung und dem maßgeblichen Einfluss unterliegen. Beherrschung ist der engere Begriff und geht daher dem maßgeblichen Einfluss vor, solange ein Vermögenswert beherrscht wird und aufgrund der Beherrschung zu 100% bilanziert wird, kann er daher nicht noch einmal über den Umweg des maßgeblichen Einflusses bilanziert werden. Erst bei Ausscheiden des Vermögenswerts aus der Beherrschung durch den eigenen Ausschüttungsbeschluss wird der maßgebliche Einfluss für die Bilanzierung relevant. Daher wird die Vermögenslage durch den Nettoansatz zutreffender abgebildet als durch die Hochrechnung.

Im Ergebnis ist der Nettoansatz als die einzige Methode anzusehen, die mit den IFRS in Einklang zu bringen ist.

4. Conclusio Den von Kessler/Leinen genannten Argumenten für die Vorteilhaftigkeit des Bruttoansatzes kann nicht gefolgt werden. Selbst wenn Stellungnahmen des IFRIC im Rahmen des europäischen Rechts nicht als eigenständige Rechtsgrundlage zählen, müssen für ein Abweichen von Äußerungen des IFRIC gute Gründe vorliegen. Diese bestehen im Fall der wechselseitigen Beteiligungen mit maßgeblichen Einfluss nicht. Im Ergebnis ist der Nettoansatz als die einzige Methode anzusehen, die mit den IFRS in Einklang zu bringen ist. Anzumerken ist, dass das IFRIC in seiner Begründung die Equity-Methode als Konsolidierungsmethode ansieht, bei der so weit wie möglich die Bestimmungen des IFRS 10 ana-

log anzuwenden sind. Dies ist allerdings keine besondere Ansicht des IFRIC, sondern ergibt sich unmittelbar aus IAS 28.26, der so auch von der EU übernommen wurde. Sieht man die EquityMethode entgegen dieser Bestimmung als reine Bewertungsvorschrift, könnte für die Hochrechnung bzw. die dabei inhärente Doppelerfassung u.U. argumentiert werden: Werden wechselseitige Beteiligungen mit dem Fair Value bewertet, kommt es nämlich ebenfalls zur Doppelerfassung, schließlich würde ein unabhängiger Dritter den Wert der Rückbeteiligung sehr wohl abgelten. Anteile an assoziierten Unternehmen sollen gem. IFRS aber nicht wie Finanzinstrumente behandelt und auf Basis externer Wertmaßstäbe bewertet werden, sondern sie werden anhand der Jahresabschlüsse des jeweiligen assoziierten Unternehmens bilanziert. Bei einer solchen Betrachtung widerspricht die Hochrechnung von Erträgen bzw. Vermögen der Generalnorm, weil die tatsächliche Ertragslage bzw. Vermögenslage durch die Doppelzählung verschleiert wird. IRZ

Von Arbeitsrecht bis Zivilrecht.

beck-online – einfach, komfortabel und sicher. beck-online ist DIE DATENBANK für Anwälte, Gerichte, Justiziare, Steuerberater und Hochschulen in Beck‘scher Qualität und Aktualität. beck-online garantiert rund um die Uhr schnelle und zuverlässige Problemlösungen zu zahlreichen Rechtsgebieten. Weitere Infos unter www.beck-online.de |

facebook.com/beckonline |

twitter.com/beckonlinede

ten: 4 Wochen kostenlos tes www.beck-online.de

146443

42


IRZ, Heft 1, Januar 2017

Impressum

Schriftleitung/Herausgeber: Prof. Dr. Dirk Hachmeister, Universität Hohenheim (510A), Fachgebiet BWL insbes. Rechnungswesen und Finanzierung, Schloss 1, D-70593 Stuttgart, Telefon: +49 (0)7 11 459-2 29 13, Telefax: +49 (0)7 11 459-2 27 21, Email: accounting@uni-hohenheim.de WP/StB Dr. Gernot Hebestreit, Grant Thornton International Ltd., Regent’s Place (7th Floor), 338 Euston Road, London NW1 3BG, UK, Email: gernot.hebestreit@gti.gt.com Prof. Dr. Roman Rohatschek, Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Unternehmensrechnung und Wirtschaftsprüfung, Altenbergerstraße 69, A-4040 Linz, Telefon: +43 (0)7 32 24 68-94 88, Telefax: +43 (0)7 32 24 6894 95, Email: roman.rohatschek@jku.at WP/StB Dr. Thomas Senger, Warth & Klein Grant Thornton AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Johannstraße 39, 40476 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)2 11 95 24 8531, Telefax: +49 (0)2 11 95 24 8200, Email: thomas.senger@ wkgt.com Dr. Evelyn Teitler-Feinberg, Teitler Consulting, Accounting + Communication, Susenbergstrasse 5, CH-8044 Zürich, Telefon: +41 (0)43 243 7000, Email: consulting@teitler.ch Redaktion: Betriebsw. (VWA) Eva Trischberger M.A. (V.i.S.d.P.), Dipl.-Betriebsw. (FH) Ernst Maier-Siegert (mitverantwortlicher Redakteur) und Dr. Alexandra Dunkel M.A., Verlage C.H.BECK oHG und Franz Vahlen GmbH, Wilhelmstr. 9, D-80801 München, Telefon: +49 (0)89 381 89-593, Telefax: +49 (0)89 381 89-477, Email: redaktion@irz-online.de, www.irz-online.de. Manuskripte: Manuskripte sind an die Redaktion zu senden. Der Verlag haftet nicht für Manuskripte, die unverlangt eingereicht werden. Sie können nur zurückgegeben werden, wenn Rückporto beigefügt ist. Die Annahme zur Veröffentlichung muss schriftlich erfolgen. Mit der Annahme zur Veröffentlichung überträgt der Autor dem Verlag C.H.BECK an seinem Beitrag für die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts das exklusive, räumlich und zeitlich unbeschränkte Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung in körperlicher Form, das Recht zur öffentlichen Wiedergabe und Zugänglichmachung, das Recht zur Aufnahme in Datenbanken, das Recht zur Speicherung auf elektronischen Datenträgern und das Recht zu deren Verbreitung und Vervielfältigung sowie das Recht zur sonstigen Verwertung in elektronischer Form. Hierzu zählen auch heute noch nicht bekannte Nutzungsformen. Das in § 38 Abs. 4 UrhG niedergelegte zwingende Zweitverwertungsrecht des Autors nach Ablauf von 12 Monaten nach der Veröffentlichung bleibt hiervon unberührt. Urheber- und Verlagsrechte: Alle in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Das gilt auch für die veröffentlichten Gerichtsentscheidungen und ihre Leitsätze, denn diese sind geschützt, soweit sie vom Einsender oder von der Schriftleitung erarbeitet oder redigiert worden sind. Der Rechtsschutz gilt auch gegenüber Datenbanken und ähnlichen Einrichtungen. Kein Teil dieser Zeitschrift darf außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ohne schriftliche Genehmigung des Verlags in irgendeiner Form vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben oder zugänglich gemacht, in Datenbanken aufgenommen, auf elektronischen Datenträgern gespeichert oder in sonstiger Weise elektronisch vervielfältigt, verbreitet oder verwertet werden. Anzeigenabteilung: Verlag C.H.BECK, Anzeigenabteilung, Wilhelmstraße 9, 80801 München, Postanschrift: Postfach 40 03 40, 80703 München. Media-Beratung: Telefon +49 (0)89 3 81 89-687, Telefax +49 (0)89 3 81 89-589. Disposition, Herstellung Anzeigen, technische Daten: Telefon +49 (0)89 3 81 89-603, Telefax +49 (0)89 3 81 89-589, Email: anzeigen@beck.de Verantwortlich für den Anzeigenteil: Bertram Götz, c/o Verlag C.H.BECK, Postfach 400340, 80703 München Verlage: Verlag C.H.BECK oHG, Wilhelmstr. 9, D-80801 München, Telefon: +49 (0)89 381 89-0, Telefax: +49 (0)89 381 89-398, Telex: 5215085 beck d, Postbank München, IBAN DE82 7001 0080 0006 2298 02, BIC PBNKDEFFXXX. Der Verlag ist oHG. Gesellschafter sind Dr. Hans Dieter Beck und Dr. h.c. Wolfgang Beck, beide Verleger in München. Verlag Franz Vahlen GmbH, Wilhelmstr. 9, D-80801 München, Telefon: +49 (0)89 381 89-0, Telefax: +49 (0)89 381 89-477, Geschäftsführer ist Dr. Hans Dieter Beck, Verleger in München. Linde Verlag Ges.m.b.H., Scheydgasse 24, A-1210 Wien, Telefon +43 (0)12 46 30-0 Telefax: +43 (0)12 46 30-23. Email: office@lindeverlag.at, http://www.lindeverlag.at DVR 0002356. Rechtsform der Gesellschaft: Ges.m.b.h., Sitz: Wien, Firmenbuchnummer 102235x. Firmenbuchgericht: Handelsgericht Wien, ARA-Lizenz Nr. 3991. Gesellschafter: Axel Jentzsch und Mag. Andreas Jentzsch. Geschäftsführer: Mag. Klaus Kornherr. Stämpfli Verlag AG, Wölflistr. 1, Postfach 5662, CH-3001 Bern, Schweiz, Telefon: +41 (0)31 300 63 25, Telefax: +41 (0)31 300 66 88. Verleger: Dr. Rudolf Stämpfli. Erscheinungsweise: monatlich. Bezugspreise 2017: Deutschland: jährlich EUR 235,– (inkl. MwSt.), Vorzugspreis für Studierende (fachbezogener Studiengang, gegen Nachweis) sowie Bezieher der Zeitschriften BC und IStR EUR 189,– (inkl. MwSt.), Einzelheft EUR 29,50 (inkl. MwSt.), Doppelheft EUR 42,– (inkl. MwSt.), jeweils zzgl. Versandkosten. Österreich: jährlich EUR 264,50 inkl. Onlinezugang und App (inkl. MwSt.), zzgl. Versandkosten. Einzelheft EUR 31,– (inkl. MwSt.), Doppelheft EUR 43,– (inkl. MwSt.). Schweiz: jährlich CHF 274.– (inkl. MwSt.), inkl. Versandkosten; Einzelheft CHF 35.00 (inkl. MwSt.), Doppelheft CHF 52.00 (inkl. MwSt.), zzgl. Versandkosten. Der Abonnementpreis wird im Voraus in Rechnung gestellt. Bestellungen nehmen entgegen: jede Buchhandlung und die Verlage. Abo-Service: Deutschland: Telefon: +49 (0)89 381 89-750, Telefax: +49 (0)89 381 89-358, Email: kundenservice@beck.de Österreich: Telefon +43 (0)12 46 30-16, Telefax: +43 (0)12 46 30-23, Email: office@lindeverlag.at Schweiz: Telefon: +41 (0)31 300 63 25, Telefax: +41 (0)31 300 66 88, Email: periodika@staempfli.com Adressenänderungen: Teilen Sie uns rechtzeitig Ihre Adressenänderungen mit. Dabei geben Sie bitte neben dem Titel der Zeitschrift die neue und die alte Adresse an. Hinweis gemäß § 7 Abs. 5 der Postdienste-Datenschutzordnung: Bei Anschriftenänderung des Beziehers kann die Deutsche Post AG dem Verlag die neue Anschrift auch dann mitteilen, wenn kein Nachsendeantrag gestellt ist. Hiergegen kann der Bezieher innerhalb von 14 Tagen nach Erscheinen dieses Heftes beim Verlag widersprechen. Abbestellungen müssen 6 Wochen vor Jahresschluss erfolgen. Satz: FotoSatz Pfeifer GmbH, D-82152 Krailling. Druck: NOMOS Druckhaus, In den Lissen 12, 76547 Sinzheim. ISSN 1862-5533

43


hlt e i f p m e Linde

n o i t a t n e m Doku EPS-Zeiten B t s o P in

Handlungsbedarf auch fĂźr KMU

www.lindeverlag.at I www.lindeverlag.de


g n u g e l s g n u n h c e r n r e Konz t h c a m e g t h leic

hlt e i f p m e Linde

Mit den Ă&#x201E;nderungen durch das RĂ&#x201E;G 2014

www.lindeverlag.at I www.lindeverlag.de


Jahresabschluss richtig erstellen.

Farr/Niemann/Bruckner Jahresabschlusserstellung #WČŠCIG8++5GKVGP +P.GKPGPOKV#TDGKVUJKNHGP \WO&QYPNQCFas ISBN 978-3-406-69605-3 /GJT+PHQTOCVKQPGP YYYDGEMUJQRFGDL\\V[

Klare Vorgaben

Davon proďŹ tieren Sie sofort:

Das Werk bietet praktische Arbeitshilfen fĂźr die Abschlusserstellung ohne PrĂźfungshandlungen. Der Abschlussersteller kann dabei ohne weitere Kosten online alle Arbeitshilfen mit einem entsprechenden Auswahlprogramm individuell zusammenstellen, die er fĂźr die Erstellung des Jahresabschlusses benĂśtigt.

Q

Jahresabschlusserstellung ohne teures Software-System

Q

alle Arbeitshilfen Ăźber online-Zugriff digital verfĂźgbar und bearbeitbar

Q

alle BilRUG-Ă&#x201E;nderungen eingearbeitet.

Inhalt Q

Ă&#x153;bersicht Ăźber die BilRUG-Ă&#x201E;nderungen fĂźr den Einzelabschluss

Q

Arbeitshilfen: Abschluss der BuchfĂźhrung; Arbeitshilfen zur Abschlusserstellung; Arbeitshilfen zum Anhang/ Lagebericht; Arbeitshilfe zur Schlusskontrolle; Arbeitshilfe fĂźr Kleinstgesellschaften.

Mit allen BilRUG Neuerungen Sämtliche Arbeitspapiere wurden an den Rechtsstand Januar 2016 angepasst, neu zusammengestellt und entsprechen den Anforderungen der IDW S 7 sowie der Verlautbarung 3.1.1 der BStBK zu den Grundsätzen fĂźr die Erstellung von JahresabschlĂźssen. Ein tabellarischer Ă&#x153;berblick Ăźber die Ă&#x201E;nderungen des BilRUG fĂźr den Einzelabschluss erleichtert die Anwendung der umfangreichen Ă&#x201E;nderungen.

Erhältlich im Buchhandel oder bei: beck-shop.de | Verlag C.H.BECK oHG ¡ 80791 Mßnchen | bestellung@beck.de | Preise inkl. MwSt. | 165961

Irz  
Irz