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6 Klimaschonend und energieeffizient bauen mit Holz – Umsetzung

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Hintergründe und Konzeption von klimaschonenden Gebäuden

2.1 Die 2000-Watt-Gesellschaft als Zielvorstellung Wie in Kapitel 1 erläutert, streben Bundesrat und Parlament angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung in der beschlossenen Revision des CO2-Gesetzes an, die Emissionen an Treibhausgasen bis 2020 gegenüber 1990 um 20 % zu verringern. Noch weiter geht hier der SIA und mit ihm z. B. die Stadt Zürich: Bis ins Jahr 2050 soll die Bevölkerung in der Schweiz zwei Drittel weniger Energie verbrauchen als heute, die Emissionen aus Treibhausgasen sollen gar auf einen Viertel gesenkt werden. Das Merkblatt SIA 2040 ‹SIA-Effizienzpfad Energie› und die zugehörige SIA-Dokumentation D0236 bilden die Basis für die Umsetzung dieses Etappenziels für das Jahr 2050 der 2000-Watt-Gesellschaft im Gebäudebereich. Der Beitrag der Bauwirtschaft ist bei dieser Zielsetzung nicht zu unterschätzen: Heute verschlingt das Bauen,

2.2

Instandhalten und Betreiben von Gebäuden rund die Hälfte der gesamten Energie und emittiert fast die Hälfte der Treibhausgase in der Schweiz. 5 Auch in Zukunft bleibt nach Merkblatt SIA 2040 ‹SIA-Effizienzpfad Energie› für den Gebäudebereich in etwa die Hälfte der Energie und Treibhausgasemissionen reserviert. Wenn also beim Bauen und Betreiben von Gebäuden die Weichen richtig gestellt werden, ist ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan. Oder anders formuliert: Wenn die Kehrtwende im Gebäudebereich nicht gelingt, so bleibt die 2000-Watt-Gesellschaft eine Utopie. Bundesamt für Energie BFE, ‹Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2005›, www.admin.ch/bfe

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Energie und Treibhausgasemissionen

Das Merkblatt SIA 2040 ‹SIA-Effizienzpfad Energie› zeichnet sich durch eine gesamtenergetische Betrachtung aus: Neben der Betriebsenergie werden auch die Graue Energie und die standortabhängige Mobilität einbezogen. Als entscheidende Neuerung gegenüber der Vorgängerdokumentation ist es gelungen, auch Zielwerte für die Treibhausgasemissionen anzugeben. Sie sind wegen der Klimaauswirkungen eine zentrale umweltrelevante Grösse und nehmen, neben der nicht erneuerbaren Primärenergie, einen zumindest gleichrangigen, wenn nicht sogar höheren Stellenwert ein. Soll das Etappenziel der 2000-Watt-Gesellschaft für das Jahr 2050 im Bau erreicht werden, so müssen beide Zielwerte, der energetische wie auch jener für die Treibhausgasemissionen, berücksichtigt werden. Das neue Instrument des SIA gilt für Neubauten wie auch für Umbauten und Sanierungen. Die Zielwerte sind dabei die Summe des Energieverbrauchs und der Emissionen aus den drei Bereichen Erstellung, Betrieb und Mobilität. Die Einhaltung der Zielwerte ist die einzige Vorgabe im Effizienzpfad, Kompensationen zwischen den drei Bereichen sind erlaubt. Der Weg zur Zielerreichung bleibt völlig offen. Das erlaubt die Berücksichtigung projektspezifischer Rahmenbedingungen und führt zu innovativen Lösungen. Bereits nach den Zielwerten des Merkblatts SIA 2040 ‹SIA-Effizienzpfad Energie› realisierte Bauten zeigen denn auch, dass der Einbezug der Bereiche Erstellung und Mobilität neben der Betriebsenergie zu eher mehr denn zu weniger Spielraum für Planer führt. 2.2.1 Graue Energie / Primärenergie nicht-erneuerbar Der Begriff ‹Graue Energie› ist ausschliesslich für den Bereich ‹Erstellung› reserviert. In den Bereichen ‹Betrieb› und ‹Mobilität› spricht man von ‹Primärenergie nicht-erneuerbar›. Auch ‹Graue Energie› ist aber ‹Primärenergie nicht-erneuerbar› (vgl. ‹Bereich Erstellung› im nachstehenden Kapitel 2.3). In dieser Lignatec-Trilogie wird im

Bereich ‹Erstellung› konsequent ‹Graue Energie› aufgeführt, weil dieser Begriff bekannt ist. In den Bereichen ‹Betrieb› und ‹Mobilität› wird konsequent ‹Primärenergie nicht-erneuerbar› als einheitlicher Begriff aufgeführt. 2.2.2 Amortisation Sämtliche Produkte an einem Bau haben eine Amortisationszeit, welche in Merkblatt SIA 2032 ‹Graue Energie von Gebäuden› festgelegt ist.6 Die Graue Energie bzw. die Treibhausgasemissionen von Bauteilen etc. werden in der Regel auf die korrespondierende Amortisationszeit berechnet. Wenn nicht explizit darauf hingewiesen wird, sind alle angegebenen Zahlen in dieser LignatecReihe amortisierte Werte und beziehen sich somit auf ein Jahr. Die Festlegung der Amortisationszeiten in diesem Merkblatt beruht auf diversen Tabellen für die Lebens- und Nutzungsdauern. Jedoch hat die Kommission SIA 2032 die Amortisationszeiten im Anhang C bewusst nicht gleich den Nutzungsdauern festgelegt. Bei kurzlebigeren Bauteilen entspricht die Amortisationszeit zwar in etwa der Nutzungsdauer. Bei der Tragstruktur wurden aber kürzere Amortisationszeiten eingesetzt, um zu verhindern, dass künftige Generationen übermässig mit der Abschreibung heutiger Investitionen belastet werden.

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Klimaschonend und energieeffizient bauen mit Holz – Umsetzung  

Inhalt: I. Wald und Holz als Wegbereiter eines nachhaltigeren Gebäudeparks. II. CO2-Bank : Kommunikationsmittel für die Klimaleistung von Ho...

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