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Holzbulletin 97/2010 Investitionen im Wohnungsbau Wohnüberbauung Eulachhof, Winterthur Wohnüberbauung Victor Ruffy, Lausanne Wohn- und Geschäftshaus an der Badenerstrasse, Zürich Mehrfamilienhaus L der Quartierüberbauung Heiligkreuz, Chur REKA-Feriendorf, Urnäsch Mehrfamilienhaus FRED, Courrendlin Wohnüberbauung Silence, St. Erhard Überbauung Oberbad, Appenzell

Die Wohnüberbauung Eulachhof in Winterthur mit ihren 132 Wohnungen umfasst rund 20 000 Quadratmeter Gebäudehüllfläche. Architektur: GlassX AG, Architekturbüro ETH/SIA Prof. Dietrich Schwarz, Zürich


Mehrgeschossiger Holzbau hat Akzeptanz erlangt Beim Neubau von Mehrfamilienhäusern lag der Holzbau 2009 hinsicht­ lich der Tragkonstruktionen bereits bei 4,9% Marktanteil. Das ist das Resultat einer Studie auf Basis der Baubewilligungen, die im Oktober 2010 publiziert worden ist. Unternommen hat sie die Berner Fachhoch­ schule (BFH) im Auftrag des Baumeisterverbandes. Diese Zahl ist absolut gesehen sicher noch bescheiden. Aus der Optik des Holzbaus hat sie jedoch Signalwirkung. In den neunziger Jahren lag der Holzbau im Segment Mehrfamilienhaus praktisch bei 0%. Noch 2005 erreichte er vielleicht knapp 3%. Seither ist es von den Brand­ schutzvorschriften her möglich geworden, mit Holz ohne Sondergenehmi­ gung bis sechsgeschossig zu bauen. Das ebnete dem Holzbau vor allem im Markt der Wohnbauten mit drei und vier Geschossen den Weg – und dies in offensichtlich beachtlichem Umfang. Der deutliche Marktanteilsgewinn zwischen 2005 und 2009 deutet darauf hin, dass Holz nicht nur bei privaten, sondern auch bei profes­ sionellen Bauherrschaften an Zuspruch gewinnt. Unabdingbare Voraus­ setzung dafür war die Schaffung gleich langer Spiesse durch die VKF-Brandschutzvorschriften, die den Spielraum für die Holzanwendung enorm erweitern. Die immense Forschungs- und Entwicklungsarbeit, die dafür Bedingung war, hat den Holzbau technisch zweifellos ge­ stärkt. Doch auch positive Eigenschaften des Baustoffs Holz wie erst­ klassige CO²-Bilanz, geringe graue Energie, vorzügliche Eignung für energie­effiziente Bauweisen und gutes Wohnklima scheinen als ver­ marktbare Merkmale zunehmend Wertschätzung zu erlangen. In diesem Holzbulletin versuchen wir diese Thematik aufzugreifen. Die versammelten Objekte spiegeln ein bemerkenswert breites Spektrum an Investoren und Bauherrschaften von mehrgeschossigen Wohnbauten. Acht realisierte Bauten, viele verschiedene Bauträgerschaften: Versiche­ rungen, Vorsorgeeinrichtungen, Immobilienfonds, Feriendorfbetreiber, KMUs mit Baulandbesitz und natürlich Baugenossenschaften, neben der öffentlichen Hand, die im Verwaltungsbau vorangeht, die eigentli­ chen Vorreiter dieser Bewegung. Es ist wie beim oben erwähnten Marktanteil: Der Holzbau beginnt auf einem tiefen Niveau und legt rasch zu, auch bezüglich Abstützung, sprich auf seiten der ansprechbaren Investoren. Mit der vorliegenden Holzbulletin-Ausgabe lässt sich guten Gewissens postulieren, dass der Holzbau mittlerweile in der ganzen Schweiz Akzeptanz für den mehrgeschossigen Wohnungsbau erlangt hat.

2018

Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum


Wohnüberbauung Eulachhof, Winterthur Das Projekt stellt den Auftakt zur Wohnquartierentwicklung auf einer weitläufigen Sulzer-Industriebrache in Oberwinterthur dar. Die Baukörper spannen Innenhöfe als subtil gestaltete Gärten auf. An den Parzellengrenzen werden die Gebäude mit Brandmauern ab­ geschlossen. Diese ermöglichen das nahtlose Weiterstricken des Bebauungsmusters zu einer vielschichtigen Stadtraumstruktur. In unmittelbarer Nachbarschaft des Grund­ stücks wird durch die Stadt Winterthur eine neue Parkanlage, der Eulachpark, erstellt. Ein rechtsgültiger Rahmenplan lag bereits vor. Auf dieser Basis hat Sulzer durch das Planungs­ büro Dürig ein städtebauliches Konzept er­ arbeiten lassen, den ‹Hybrid-Cluster›. Durch die umliegenden Gebäude kommt es zu keiner zusätzlichen Verschattung; eine passivsolare Bebauungsstruktur war gut zu realisieren. Dazu wurde das Wissen der GlassX AG genutzt, welches das Bauen von Nullenergiehäusern mit angemessenen Gestehungskosten ermög­ licht. Das Kernelement des entwickelten Gebäu­ dekonzeptes liegt in der Ausgewogenheit von Heizenergieersparnis und Solarenergiegewinn. Die beiden Hauptkörper des Eulachhofs sind als 100 m lange und 16 m tiefe Ost-West-Riegel mit 40 m Abstand zueinander organisiert. Das ermöglicht auch im Winter optimal besonnte Südfassaden. Die zweigeschossigen Neben­ baukörper mit den publikumsorientierten Nut­ zungen entlang der Else-Züblin-Strasse profi­ tieren von den Fussgängerströmen zwischen der neuen S-Bahn-Station und der Stadt. Die Innenhöfe werden im Westen durch zweige­ schossige Reihenhäuser abgeschlossen. Die Wohnbauten sind über einem Hochpar­ terre organisiert; die Privatsphäre ist bereits im

ersten Wohngeschoss gewährleistet. Im Erd­ geschoss sind die langen Gebäude für die Fussgänger durchlässig. In Nord-Süd-Richtung führen sechs Passagen von der BarbaraReinhart-Strasse zu den Gartenhöfen. In OstWest-Richtung sind die Nebenbauten an der Else-Züblin-Strasse für die Feuerwehrzu­ fahrten durchbrochen. Die Südfassade ist energetisch optimiert, ohne das Komfortbedürfnis und das Lebensgefühl der Bewohner zu vernachlässigen. Zu 60 % wird diese mit dreifachisolierverglasten Fen­ stern belegt. Die flache Wintersonne dringt tief ins Gebäude ein. Komplementär dazu wird ein speziell entwickeltes Solarglas einge­ setzt. Es ermöglicht das Speichern des Son­ nenlichts in Form von Wärme im Glas selbst, und zeitverzögert bietet es eine komfortable Wärmeabstrahlung zum Innenraum. Ein inte­ griertes Prismenglas wirkt als saisonaler Über­ hitzungsschutz. Grosszügige Balkone bieten einen zusätzlichen Sonnenschutz und den von den Bewohnern gewünschten Aussenraum zum Garten. Die gewählte Vertikalerschliessung als Zwei­ spänner hat den grossen Vorteil, dass alle Wohnungen beidseitig ausgerichtet sind. Die zentral gelegenen Nasszellen sind direkt an den Installationsschächten angeordnet. Dies ermöglicht absolut minimierte Horizontalin­ stallationen für sämtliche Medien. Eine optima­ le Ausnutzung der Nutzfläche des Gebäudes relativiert den Mehraufwand für das Nullener­ giekonzept. Die Haupt- und die Nebenbauten sind zu einem Gebäude verschmolzen. In der Fassadenge­ staltung wurde darauf geachtet, dass trotz stark repetitivem Charakter der vorfabrizierten Holzelemente eine ausgewogene, differenzierte

Erscheinung entsteht. Die Fassaden sind durch die Minimierung der Transmissionsverluste und die Maximierung der solaren Gewinne geprägt. Hochwärmegedämmte Fassadenmodule, klas­ sische Fensterteilungen und grossformatige Solargläser wechseln innerhalb der Fassaden­ gestaltung ab. Die geschlossenen Fassaden­ oberflächen bestehen aus sägeroher, vorver­ grauter, horizontaler Schalung in Dou­glasie. So entsteht ein städtischer Bautypus mit einer soliden Selbstverständlichkeit, der sich auf ungewohnte Weise an den benachbarten hel­ len Industrie-Backsteinbauten orientiert.

Situation

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Grundriss

Schnitt

2020

20 m


Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 15 mm Dampfbremse OSB 15 mm Ständer 380 mm/Holzfaserdämmung Gipsfaserplatte 12,5 mm Windpapier Lattung 40 mm Schalung in Douglasie 25 mm Fenster: Holz-Metall-Fenster mit Dreifachverglasung (0,5 W/m²K), Randverbund aus Chrom-Nickel-Stahl, kleiner Rahmenanteil (1,35 W/m²K), U-Wert Fenster 0,97– 0,63 W/m²K

Fassadenschnitt

Ort Else-Züblin-Strasse/Barbara-Reinhart-Strasse, 8404 Winterthur Bauherrschaft Allianz Suisse Lebensversicherungsgesellschaft AG, Zürich, und Profond Vorsorgeeinrichtung, Rüschlikon Architektur GlassX AG, Architekturbüro ETH/SIA Prof. Dietrich Schwarz, Zürich Bauingenieur Werner Höhn, Ingenieurbüro für Hoch- und Tiefbau, Winterthur Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, dipl. Holzbau-Ingenieure HTL/SISH, Beinwil am See Haustechnik Amstein + Walthert AG, Zürich GU Allreal Generalunternehmung AG, Zürich Holzbau Erne AG Holzbau, Laufenburg, und Husner AG Holzbau, Frick Materialien Bauholz 850 m³; Fassade: Lattung 21 500 m, Schalung in Douglasie 7800 m²; Fenster: Leibungsbretter in Fichte 5500 m², Leibungs- und Sturzbretter in Douglasie 6100 m, Fensterkanteln in Föhre 20 000 m, Fensterfläche inklusive Rahmen 3600 m²; Gläser: Glas total 103 Tonnen, Solarglas 1350 m² Bausumme ca. CHF 55 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 11 526 m² Geschossfläche SIA 416 Wohnen 14 512 m², Laden 660 m², Lager 333 m² Gebäudevolumen SIA 416 96 300 m³ Bauzeit März 2006 – Dezember 2008 Fotografie huberlendorff fotografie, Zürich

2022


Wohnüberbauung Victor Ruffy, Lausanne Die am Hang oberhalb der Avenue Victor Ruffy entstandene Überbauung stellt die erste Etappe des 2005 von der Stadt Lausanne lancierten Wohnbauförderprogramms dar, welches den Bau von insgesamt 3000 neuen Wohnungen zum Ziel hat. Die Bauparzellen 57, 59, 61 und 63 befinden sich an privilegier­ ter Lage. Einerseits liegt das neue Wohn­ quartier nahe beim Stadtzentrum und der neuen Metro, andererseits ist es von einem ausgedehnten Grüngürtel umgeben. Die Überbauung besteht aus vier Mehrfamilien­ häusern. Diese entsprechen dem Standard Minergie-Eco und zeigen damit die Anstren­ gungen der Stadt Lausanne zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung. Spiegel dieser Be­mühungen ist insbesondere auch der Um­ stand, dass sich bei den Liegenschaften unter einer mineralischen Aussenschicht eine Kon­ struktion aus Holz verbirgt. Die Stadt Lausanne stellte das Grundstück zur Verfügung und beauftragte die Wohnbau­ genossenschaft Cité Derrière mit der Realisie­ rung der Überbauung. Als Sieger aus dem Architekturwettbewerb ging das Büro Bonhôte­ Zapata Architectes aus Genf hervor. Die vier Gebäude beherbergen insgesamt 64 Wohnungen, welche über den unterirdischen Tiefgaragen angeordnet sind. Die Baukörper sind eingebettet in eine Umgebung aus Garten­ terrassen und untereinander über ein ver­ schlungenes Wegnetz verbunden. Die grösste Gartenterrasse liegt auf halber Höhe und ver­ bindet die Eingangsbereiche aller vier Liegen­ schaften. Grosszügig mit Bänken, Sträuchern und Bäumen versehen, ist diese Terrasse das

2024

Aushängeschild der ganzen Überbauung. Von hier aus führen kleine Pfade zu verschie­ denen Spiel- und Erholungszonen. Der vertikale Aufbau der Gebäude besteht jeweils aus einem Erdgeschoss, drei Oberge­ schossen sowie zwei Dachwohnungen. Auf jedem Stockwerk befinden sich drei oder vier Wohnungen. Diese sind unabhängig von ihrer Anzahl an Zimmern in einer einheitlichen, rechtwinkligen Geometrie angeordnet. Die Nassbereiche liegen im Bereich des zentralen Betonkerns. Der Eintritt in die Wohnungen führt zunächst zu einem Eingangsflur, von wo aus die übrigen Räume erreicht werden. Die Küchen, Balkone und Wohnzimmer bilden die Eckpunkte der Wohnungen. Die Wohnzimmer lassen sich je nach Ansprüchen der Bewohner ganz oder teilweise unterteilen. Um das Label Minergie-Eco zu erlangen, wur­ de als Baustoff Holz gewählt. Dieses stammt aus dem eigenen Wald der Stadt Lausanne. Es wurde in einer regionalen Sägerei getrocknet und verarbeitet und anschliessend auf die Baustelle gebracht. Dadurch liessen sich die Transportwege minimieren und die Treibhaus­ gas-Emissionen gegenüber einer konventio­ nellen Bauweise um 55 % reduzieren. Die 180 mm dicken Decken- und Dachelemente sind in Brettstapelbauweise aufgebaut, die Wände in Holzrahmenbauweise mit rund 300 mm Dämmung bei den Aussenwänden. In die Öffnungen der Holz-Metall-Fenster ist ein Schiebefenster aus Aluminium integriert, was ein ebenes Fassadenbild ergibt. Um die Wohnungen vor Verkehrslärm zu schützen, wurden sie mit speziellen Schallschutzfenstern ausgerüstet.

Die Überbauung mit den vier Bauköpern ver­ fügt über kein eigenes Heizsystem, sondern wurde an das bestehende Fernwärmenetz der Stadt Lausanne angeschlossen. Die ökologi­ sche Bauweise war zwar mit leicht höheren Kosten verbunden, aber zweifellos der Haupt­ grund dafür, dass sich die Wohnungen der drei ersten Blöcke innert kürzester Zeit ver­ kaufen liessen. Dieser Erfolg erlaubte die Finan­ zierung des vierten Blocks, welcher Miet­ wohnungen für sozial weniger gut gestellte Familien enthält. Damit ist in der Überbauung auch eine ausgeglichene soziale Mieterdurch­ mischung gewährleistet.


Situation

2025


Grundriss Typ A/B

2026

Grundriss Typ C

Attikageschoss

10 m


Querschnitt

2027


Ort Avenue Victor-Ruffy 57– 59 – 61– 63, Lausanne Bauherrschaft Coopérative Cité-Derrière, Lausanne Architektur Bonhôte Zapata architectes, Genf Holzbauingenieur Chabloz et partenaires SA, Lausanne Holzbau Amédée Berrut, Vouvry Baukosten CHF 30 Mio. Gebäudegrundfläche 10 516 m2 Bauzeit 2008 –2010 Fotografin Corinne Cuendet, Clarens

2028


Deckenaufbau von oben: Parkett 10 mm Zementunterlagsboden 80 mm Trittschalldämmung 30 mm Brettstapelelement 180 mm Gipsfaserplatte 15 mm Unterkonstruktion 80 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Lattung 50 mm Gipsfaserplatte 18 mm Dampfbremse Ständer 200 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Verputzte Aussendämmung aufgeklebt 100 mm

Fassadenschnitt

2029


Wohn- und Geschäftshaus an der Badenerstrasse, Zürich Der Baukörper überspannt die gesamte Parzelle zwischen der Badenerstrasse und dem neuen Stadtpark Hardau. Die Ausrichtung auf diese beiden öffentlichen Räume wird mit der Bildung von zwei prägnanten Hauptfassaden gestärkt. Entlang der Badenerstrasse wird die Strassenflucht geschlossen. Die vertikale Gliederung mit den aus dem durch­ gehenden Sockelgeschoss aufsteigenden Volu­men nimmt den Rhythmus der typischen Erkerbauten auf. Das Projekt wurde konsequent nach den Kri­ terien der 2000-Watt-Gesellschaft entwickelt. Es ist das erste Gebäude in Zürich, welches den hohen Standard erfüllt, der neu durch die Gemeindeordnung vorgegeben wird. Mit Hilfe des SIA-Effizienzpfads Energie wurden die entscheidenden Grössen, Verbrauchs- und Herstellungsenergie (Grauenergie), permanent überprüft und optimiert. Zusätzlich eingesetz­ te Nachhaltigkeitsspezialisten begutachteten im interdisziplinären Planungsteam sämtliche Entscheide. Das Volumen reagiert auf die Umgebungssitua­ tion, indem die Baukörper auf der lärmbelas­ teten Strassenseite geschlossen sind, während sich zum Park hin wohnliche Balkone finden, die das Bild baumartig auflösen. Aus der plasti­ schen Gestalt des Gebäudes ergeben sich in den drei obersten Geschossen gross­zügige Terrassen, welche die dazugehörenden Wohnungen attraktiv erweitern. Die Hauseingänge sind gleichmässig auf bei­ den Seiten angeordnet und begünstigen so die Belebung der Umgebung und die Vernet­ zung mit ihr. Die Idee eines ‹Central Park› wird mit den Häusersilhouetten interpretiert, die den Park begrenzen. Der Parkzugang wird von der Badenerstrasse her durch eine volu­

2030

metrische Ausweitung akzentuiert. An dieser markanten Gebäudeecke befindet sich der Eingang der im Erdgeschoss liegenden MigrosFiliale. Eine raumhohe Verglasung begleitet den Weg zum Park. Die Überbauung bietet durchgehende, weit und grosszügig wirkende Wohnungen mit einer linearen Abfolge von Räumen. Sie sind sowohl nach Süden als auch zum Park hin orientiert. Für die Bewohner, mehrheitlich Single- und Zwei-Personen-Haushalte sowie Kleinfamilien, ist das offene Wohnkonzept ideal. Das Raumkontinuum wird mit präzise gesetzten Verengungen moduliert. Es erzeugt ein hohes Mass an Raumerlebnis und erlaubt trotzdem eine Zonierung der einzelnen Wohnbereiche. Eine vielseitige Nutzbarkeit für unterschiedliche Wohnformen ist gewährlei­ stet. Jeweils ein Raum kann sowohl als ge­ schlossenes Individualzimmer als auch als Wohnraumerweiterung genutzt werden. Das siebengeschossige Gebäude ist oberhalb der Betondecke über dem ebenerdigen La­ dengeschoss als Holzbau ausgeführt. Das Sockelgeschoss ist als Abfangtisch in Ortbeton ausgeführt, um der Migros eine möglichst stützenfreie Verkaufsfläche anzubieten. Dar­ auf wurde in Holz der sechsgeschossige Wohnteil erstellt. Die Vorteile dieser Bauweise waren neben der kurzen Erstellungszeit, gege­ ben durch Vorfabrikation und Elementbau, das geringere Gewicht und die optimalen Werte des Holzbaus bezüglich Nachhaltigkeit. Das in den Aussenwänden verwendete Bau­ system besteht aus vertikalen, in einem Raster von 200 mm aneinandergereihten Bohlen in der Abmessung 100 x 195 mm. Die Bohlen wurden in der Montagephase mit Hartholz­ dübeln auf eine Schwelle respektive einen Ein­ binder aufgesteckt. Bei konzentrierter Last­

ableitung bei grösseren Fensteröffnungen nimmt eine entsprechend dicker dimensionierte Stütze aus Brettschichtholz die Last aus dem Fenstersturz auf. Innenseitig sind die Bohlen mit Vorsatzschale aus Blechständer, Gipsfaserbeplankung und Steinwolldämmung abgedeckt. Direkt auf die Bohlenwände ist aussen ein vollflächiges Windpapier aufgebracht. Zwischen die Vor­ hängekonstruktion ist die Dämmebene aus Steinwolle geklemmt und in die Bohlenwand geschraubt. Die Wohnungstrennwände sind nach demsel­ ben Prinzip stehender Bohlen wie die Aussen­ wände konstruiert. Die Brandschutzanforde­ rungen wurden mit einem Standardkonzept für fünf- bis sechsgeschossige Bauten erfüllt und mit einer entsprechenden Qualitätssiche­ rung gewährleistet. Die einfache, über alle Geschosse gleichblei­ bende Struktur erlaubte eine wirtschaftliche Erstellung der Überbauung. Die durchgehen­ de Schottenstruktur der Wohngeschosse wird im Ladengeschoss in Stützenreihen aufgelöst. Eine Ausnahme zum Holzbau bilden im Wohnteil die massiven Treppenhäuser, die den Zugang, den Fluchtweg und die Gebäudeaus­ steifung sicherstellen. Durch die Verwendung von Holz für das leichte Tragwerk konnte die Massivbaukonstruktion des Ladengeschosses im Erdgeschoss aus Stützen und einer Rippen­ decke entsprechend kleiner dimensioniert werden. Die Kastenelemente der Geschossdecken spannen als Einfeldträger über bis zu 5,65 m. Die Elemente sind in ihrer Ebene als Scheibe zur Gebäudestabilisierung ausgebildet und geben ihre horizontalen Kräfte an die massi­ ven Treppenhäuser ab. Der Hohlraum im Ka­ stenelement ist mit getrocknetem Splitt mit


einem Flächengewicht von ca. 90 kg/m² ge­ füllt. Für das Dach und die Terrassen der ober­ sten Geschosse kamen Brettstapelelemente mit einer scheibenbildenden Beplankung aus OSB-Platten zur Anwendung. Die vorgehängte Fassade aus Faserzement­ platten ist an vertikalen Profilen und Alumini­ umkonsolen befestigt. Die Platten enthalten nicht nur wenig Grauenergie, sondern er­ scheinen auch hinsichtlich Unterhalt günstig. Zudem verleihen sie dem Gebäude den massi­ ven Ausdruck, der für das innerstädtische Wohngebäude gewünscht wurde. Die HolzMetall-Fenster sind aussen mit farbig anodi­ sierten Aluminiumprofilen abgedeckt. Die Wärmeerzeugung erfolgt über die Rück­ kühlung der Kälteaggregate des Grossvertei­ lers im Erdgeschoss sowie eine Grundwasser­ wärmepumpe, welche mit Strom der Fotovoltaikanlage auf dem Dach betrieben wird. Die unter Druck stehenden Leitungen (Wasser/Heizung) und die Elektrozuleitungen werden im Treppenhaus in jederzeit frei zu­ gänglichen Schächten geführt. Die kontrollier­ te Wohnungslüftung ist dezentral mit einem CO² -gesteuerten Fensterlüfter mit Wärme­ rückgewinnung unter geringem Installations­ aufwand gelöst.

Situation

2031


Querschnitt

20 m

Längsschnitt

Erdgeschoss

schoss

Erdgeschoss

5. Obergeschoss

1. Obergeschoss 1. Obergeschoss

0

N

10

20

30

40

50m

Publikationspläne 1_500 0176

WohnundObergeschoss Geschäftshaus 2. / 3.

Badenerstrasse

380

2./3.•Obergeschoss pool Architekten Bremgartnerstrasse 7 • 8003 Zürich

gez. tza

0

N

Grundrisse

10

Format

20

1: 500 A3

Datum

30

03.07.2009

40

50m

Publikationspläne 1_500 0176

Wohn- und Geschäftshaus

Badenerstrasse

pool Architekten • Bremgartnerstrasse 7 • 8003 Zürich

2032

380

Grundrisse gez. tza

Format

1: 500 A3

Datum

N

03.07.2009

5. Obergeschoss

0176

5. Obergeschoss

pool Arch


Ort Badenerstrasse 378/380, 8004 Zürich Bauherrschaft Baugenossenschaft Zurlinden, Zürich Architektur Pool Architekten, Zürich Bauleitung Caretta Weidmann Baumanagement, Zürich Beratung Nachhaltigkeit Architekturbüro H.R. Preisig, Zürich Bauingenieur Henauer Gugler AG, Zürich Bauphysik Wichser Akustik + Bauphysik AG, Zürich HLS-Planer Amstein + Walthert AG, Zürich Elektro-Planer Kälin & Müller AG, Zürich Holzbauingenieur SJB Kempter Fitze AG, Herisau Brandschutzexperte Holzbau Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Zimmereigenossenschaft Zürich und Jäggi Hafter Holzbau, Regensdorf Materialien Bauholz: Wandbohlen 329 m³, Brettstapelelemente 212 m³; Platten: Dreischichtplatten 40 mm 9593 m² und 55 mm 304 m², Furnierschichtholz 33 mm 2018 m²; Dübel in Buche 20 mm 4023 m; Stahlteile 6500 kg Baukosten BKP 1– 5 CHF 33,5 Mio. (ohne öffentliche Parkierung) davon BKP 214 CHF 2,9 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 2670 m² Verkaufsfläche im EG 1300 m² Hauptnutzfläche Wohnen SIA 416 7050 m² Bruttogeschossfläche 13 876 m² Kubatur SIA 116 46 640 m³ Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 709.– Bauzeit September 2008 – März 2010 Fotograf Giuseppe Micciché, Photography, Zürich

2033


Visualisierung Montageablauf: Verlegen und Verankern der Schwellen, Einstecken der Buchend端bel, Aufsetzen der Holzbohlen, Einstecken der Buchend端bel, Aufsetzen des Einbinders, Einlegen der Deckenelemente und Montage der Bohlen im dar端berliegenden Geschoss.

2034


Dachaufbau von aussen: Rundkies 80 mm Schutzbahn 10 mm Wasserdichtung Dämmung 150 –250 mm Dampfsperre OSB 10 mm Brettstapelelemente 200 mm Luftdichtigkeitsbahn Unterkonstruktion mit Federbügeln 27 mm Gipsfaserplatte 18 mm

Detail Dachrand 6. OG

Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Filz Unterkonstruktion 30 mm Dämmung 80 mm Holzbohle stehend 100 mm Windpapier Dämmung 160 mm Unterkonstruktion 30 mm Glasfaserbetonelement 70 mm

Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm Zementunterlagsboden mit Bodenheizung 70 mm Trittschalldämmung 30 mm Kastenelement: Dreischichtplatte oder Furnierschichtholz 40 mm Rippen 160 mm/Splittschüttung 50 mm Dreischichtplatte oder Furnierschichtholz 40 mm Unterkonstruktion mit Federbügeln 27 mm Gipsfaserplatte 18 mm

Detail Deckenanschluss

Aufbau Wohnungstrennwand: Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Filz Unterkonstruktion 30 mm Holzbohle stehend 100 mm Dämmung 40 mm Holzbohle stehend 100 mm Unterkonstruktion 30 mm Filz Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm

Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm Zementunterlagsboden mit Bodenheizung 70 mm Trittschalldämmung 30 mm Kastenelement: Dreischichtplatte oder Furnierschichtholz 40 mm Rippen 160 mm/Splittschüttung 50 mm Dreischichtplatte oder Furnierschichtholz 40 mm Unterkonstruktion mit Federbügeln 27 mm Gipsfaserplatte 18 mm

Detail Wohnungstrennwand

2035


Mehrfamilienhaus L der Quartierüberbauung Heiligkreuz, Chur Im Bündner Hauptort hat die Wohnbau­ genossenschaft der Stadt Chur mit der Übernahme eines Baurechtgrundstückes von der Stadt die Gelegenheit wahrgenommen, ein ökologisches und energieeffizientes Mehrfamilienhaus nach Minergie zu erstellen. Zur Realisierung des Objekts entschied sie sich für die Holzsystembauweise. Der enorm hohe Grad der Elementvorfertigung und eine ausgeklügelte Transportlogistik ermöglichten das Errichten des fünfstöckigen Gebäudes in nur neun Tagen. Als Antwort auf die anhaltende Nachfrage nach geräumigen 3½- und 4½-ZimmerWohnungen und um in Zukunft auf demo­ grafische und soziale Entwicklungen reagieren zu können, wünschte die Bauherrschaft ein Konzept mit einer frei gestaltbaren Grundriss­ einteilung sowie das Einhalten des Standards Minergie. Nach einer Offertrunde wurde der Architekt mit dem Ausarbeiten des Konzeptes beauf­ tragt. Zur Steigerung der Energieeffizienz und Verbesserung der Ökobilanz schlug er der Wohnbaugenossenschaft ein Passivhaus in Holzelementweise vor, also eine Erhöhung der Anforderungen an den Baustandard. Um die Bedenken der Bauherrschaft bezüglich Kosten auszuräumen, wendete der Architekt das Ver­ fahren der Gesamtleister-Ausschreibung mit konkreten Vorgaben respektive genauen Rah­ menbedingungen an. Das Verfahren hatte sich in der Umsetzung von Grossbauten durch das kantonale Hochbauamt bereits bewährt. Nach Freigabe dieses Vorgehens arbeitete ein Projektteam um den Architekten mit Fach­ planern die Rahmenbedingungen aus. Die engen Vorgaben des Quartierplanes Heilig­ kreuz liessen architektonisch nur wenig Spiel­

2036

raum. Nebst einer Studie der Grundrisse im Massstab 1:50 und der Detailpläne im Mass­ stab 1:5 wurden die Statik des Holztragwer­ kes sowie die Heizungs- und Elektroinstallati­ on genau geprüft. Es folgten die Kontrolle und Berechnung durch den Bauphysiker und die Überprüfung durch die internen Fachleute des städtischen Hochbauamtes. Zum Schluss erfolgte die rechtliche Kontrolle der Ausschrei­ bung von einem in diesem Gebiet versierten Juristen. Das Ausarbeiten der Ausschreibung ging von folgenden architektonischen Parametern aus: Obwohl die Orientierungen der Wohnungen verschieden sind, sollten gleichwertige Grund­ risse für helle und grosszügige Wohnungen entstehen. Dabei sollte die Flexibilität der Wohnungen bezüglich Vergrösserung über die Ecke gewährleistet werden. Die Hauptin­ stallationen sollten im zentralen Kern Platz finden, um eine Wohnungsverschiebung zu ermöglichen. Nebenräume und Hausinstalla­ tionen würden hier konzentriert angeordnet, und im Treppenhaus aus Beton müssten auch Haustechnikzentralen (Lüftung usw.) gut zu­ gänglich sein. Mit Blick auf den Minergie-P-Standard erfolg­ ten etliche Änderungen am Grundkonzept des Gebäudes. Um jedoch auch die Wirtschaft­ lichkeit und Vermietbarkeit der Wohnungen zu sichern, wurde im Baubeschrieb zusätzlich eine Alternative vorgegeben, eine Optimie­ rung des zertifizierten Standards Minergie. Diese Variante stellte teilweise die gleichen Anforderungen wie beim Umsetzen des Minergie-P-Standards: Wärmebrückenfreiheit sowie Ausstattung der sprossen- und flügel­ teilungslosen Fenster mit Solarglas. Die Unter­ schiede lagen vor allem bei der Reduktion der Dämmstärke in den Aussenwänden, den nicht

notwendigen Balkonverglasungen, der redu­ zierten Dämmstärke im Untergeschoss, dem Wegfallen der künstlichen Be- und Entlüftung des Kellergeschosses sowie den tieferen An­ forderungen an die U-Werte der Gläser. Die komplette Gesamtleister-Ausschreibung bestand am Ende aus einem detaillierten Bau­ beschrieb, den Grundriss- und Schnittplänen, den Detailplänen und den Projektplänen zur Gebäudetechnik sowie dem Gesamtleisterver­ trag, womit dem Gesamtleister wenig Spiel­ raum für Qualitäts- und Kostenabweichungen blieb. Das schliesslich nach Minergie realisierte Mehrfamilienhaus L fügt sich architektonisch harmonisch in das bestehende Quartierbild ein, dem Farbkonzept des Quartierplans Hei­ ligkreuz Chur aus dem Jahr 2007 folgend. Die verputzten Zementbauplatten als Fassaden­ bekleidung unterstreichen den Charakter des Gebäudes und unterstützen die Integration ins Quartierbild. Die dreizehn Wohnungen unterschiedlicher Grösse, eine mit 5½, zwei mit 4½ und zehn mit 3½ Zimmern, weisen einen gehobenen Standard auf. Sämtliche Balkone sind in den Baukörper integriert und werden räumlich als erweiterter Wohnraum wahrgenommen. Die Ausrichtung der Wohnungen nach Südwesten und die erhöhte Lage garantieren eine opti­ male Besonnung und Aussicht. Die Gestaltung der Grün- und Spielzonen ist sehr familien­ freundlich. Insbesondere beim Tragwerk wird die weitge­ hende Optimierung ersichtlich. Die Lastabtra­ gung erfolgt über in den Aussenwänden inte­ grierte Stützen mit Stirnholzstössen im Geschossübergang, über den massiven Kern und über tragende Innenwände. Die Haupt­ aussteifung erbringt die betonierte Kernzone.


2. Obergeschoss

10 m

Zwei in den Aussenwänden integrierte Trag­ wände in Holz reduzieren die Exzentrizität von horizontaler Steifigkeit und Massenzen­ trum. Für das Dach und die Geschossdecken kamen Kastenelemente zum Einsatz, welche die ver­ bleibende Konstruktionshöhe, vorgegeben von den Geschosshöhen und Deckenniveaus des Bebauungsplanes, optimal nutzen. Trotz­ dem war die Reduktion der Spannweiten notwendig, was durch den Einbezug von tragenden Innenwänden und in den Decken inte­grierte Unterzüge in Stahl erfolgte.

Schnitt im Aussenbereich

Situation

Schnitt im Kernbereich

2037


Dachaufbau von aussen: Kies 40 mm Wasserdichtung Dachschalung 24 mm Lattung 140 mm Unterdachfolie OSB 22 mm Balkenlage 260 mm/Dämmung Dampfbremse Unterkonstruktion abgehängt 60 mm/Dämmung Gipskartonplatte 18 mm Deckenaufbau Terrasse von oben: Lattenrost in Lärche 26 mm Lattung 24–50 mm Gummischrotmatte 10 mm Wasserdichtung Dämmung 60–80 mm Zementplatte 40 mm Dampfbremse Gipsfaserplatte 18 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 240 mm/Dämmung 80 mm Dreischichtplatte 27 mm/Gipsfaserplatte 15 mm Unterkonstruktion abgehängt 60 mm/Dämmung Gipskartonplatte 18 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 15 mm Metallrost 50 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 260 mm/Dämmung/Gipsfaserplatte 15 mm Windpapier Lattung 30 mm Putzträger Zementbauplatte 12,5 mm Deckenaufbau von oben: Parkett 10 mm Unterlagsboden 60 mm Trennlage Trittschalldämmung 20 mm Dämmung 20 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 180 mm/Dämmung 80 mm Dreischichtplatte 27 mm/Gipsfaserplatte 15 mm Unterkonstruktion abgehängt 60 mm/Dämmung Gipskartonplatte 18 mm

Fassadenschnitt

2038


Ort Schellenbergstrasse 18, 7000 Chur Bauherrschaft Wohnbaugenossenschaft der Stadt Chur WSC Architektur Konzept und Vorprojekt von Robert Albertin, Haldenstein, Ausführung von Büsser AG, Chur Bauingenieur Foidl Hegland & Partner AG, Thusis Haustechnik HT-Plan, Chur Bauphysik Martin Kant, Chur Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Generalunternehmer Büsser AG, Chur Holzbau Künzli Holz AG, Davos Materialien Bauholz: Rahmenbaukanteln 85 m³, Brettschichtholz 40 m³; Platten: Furnierschichtholz 15 m³, Gipsfaserplatten 5100 m²; Fassadenbekleidung: Zementbauplatten 780 m² Baukosten BKP 2 CHF 4,4 Mio. davon BKP 214 CHF 970 000.– Gebäudegrundfläche SIA 416 342 m² Gebäudevolumen SIA 416 Erd- bis Dachgeschoss 4650 m³, Untergeschoss 1265 m³ Bauzeit Mai 2009 – März 2010 Fotografinnen Dolores Rupa, Chur (Aussenaufnahmen) und Andrea Badrutt, Chur (Innenaufnahme)

Visualisierung Tragwerk: Die Hauptaussteifung erbringt die betonierte Kernzone. Mit den zwei in der Fassadenebene liegenden Holztragwänden (Ständer 206 mm, beidseitig beplankt mit Dreischicht­ platten 27 mm) von rund 4 m Länge wird die Exzentrizität aus der Verschiebung von horizontaler Steifigkeit zum Massenzentrum reduziert.

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REKA-Feriendorf, Urnäsch Am Fusse des Säntis liegt auf etwa 800 m.ü.M. das Dorf Urnäsch. Östlich des Bahnhofs der Appenzellerbahn befindet sich auf einem sanft abfallenden Gelände das REKAFeriendorf. Die 50 Wohneinheiten für Familien mit Kindern sind in drei winkelförmigen Trakten zusammengefasst, die kammartig an einer Basis aus vier Häusern mit Gemeinschaftseinrichtungen andocken. Das Bauen mit eigenem Holz gewinnt, insbe­ sondere in kommunalen Bauprojekten, zuneh­ mend an Beliebtheit. Je grösser und breiter gestreut die Unternehmerkonkurrenz im Zuge vermehrt europaweit ausgeschriebener Bau­ projekte ist, desto geringer sind die Chancen ortsansässiger Betriebe, in solchen Verfahren zum Zug zu kommen. Hier spielt die Vorbe­ dingung, eigenes Holz zu verwenden, die Rol­ le eines wirksamen Hebels, um regionalen Betrieben einen Heimvorteil zu verschaffen. Neben dieser wirtschaftlichen Komponente leisten die enorme Reduzierung von Materi­ altransporten und die Wiedergewinnung regio­­ naler Kompetenzen der Selbstversorgung ent­ scheidende Beiträge zur Ökobilanz solcher Projekte, die mit vor Ort gewonnenem Holz realisiert werden. Das gilt auch für das REKA-Feriendorf in Ur­ näsch. Über den Untergeschossen und Ge­ bäudesockeln aus Stahlbeton zeigt es sich als Holzkonstruktion, wobei dem Brandschutz grosses Gewicht beigemessen wurde. Die Flachdächer sind extensiv begrünt, so dass sich die Siedlung, die meist schräg von oben zu sehen ist, gut in die Umgebung einfügt. Im Süden führt die Kantonsstrasse an der Siedlung vorbei. Hier schirmen die vier dem Gelände folgenden Gemeinschaftshäuser die dahinterliegenden Wohngebäude und -höfe vor Lärm und Staub ab. Eine Unterführung erlaubt den gefahrlosen Zugang zu den Spiel­ flächen und zum Badeplatz an der Urnäsch.

2040

Die Zufahrt zum Feriendorf erfolgt an der Ostseite, wo der Parkplatz und unter dem ersten Wohntrakt ein Parkdeck angeordnet sind. Die Zeile der Gemeinschaftsbauten weist ebenerdig im Osten den Haupteingang mit der Rezeption auf. Daneben befindet sich der Jugendraum, ein multifunktionaler Saal mit der Gemeinschaftsküche, der für Veranstal­ tungen vorgesehen ist. Im nächstliegenden Haus sind der Kindergarten, die Schulküche, die Bibliothek und der Fernsehraum unterge­ bracht. Im Untergeschoss liegen die Gardero­ ben für das Schwimmbad, das im dritten Haus zugänglich ist. Im vierten Haus ist für fünf Kleintierarten in ihren Ställen Platz. Der Kon­ takt mit diesen Tieren und ihre Betreuung ge­

Ebene –1

hören zum Konzept des Feriendorfes. Hinter den vier Gemeinschaftshäusern verläuft über Rampen die interne Hauptachse der Siedlung. Die Wege zu den Ferienwohnungen zweigen davon rechtwinklig ab. Daran reihen sich in drei abgewinkelten, zweigeschossigen Bau­ körpern die Wohnungen mit zwei, drei, vier und fünf Zimmern, so dass zwei weitgehend geschlossene und ein halboffener Wohnhof entstehen. An einem Treppenhaus liegen im Erdgeschoss und im Obergeschoss je zwei Wohnungen. Ihre Grundrisse sind flächen­mäs­ sig optimiert, entsprechen aber in der Struktur normalen Familienwohnungen, die an der West- beziehungsweise Südseite über breite Sonnenterrassen verfügen.


Querschnitt

20 m

Ebene 0

Ebene +1

40 m

2041


Ort Appenzellerstrasse 11, 9107 Urnäsch Bauherrschaft Feriendorf Urnäsch AG Architektur Dietrich | Untertrifaller Architekten zt GmbH, Bregenz (AT) mit Professor Roland Gnaiger Landschaftsplaner Engeler, Herisau Bauingenieur Moggi, Herisau Haustechnik Enplan, Herisau Bauphysik Weithas, Hard Holzbauingenieur SJB Kempter Fitze AG, Herisau Holzbau ARGE Holzbau REKA Urnäsch, Blumer-Lehmann, Gossau Materialien Bauholz: Ständerholz 250 m³, Brettschichtholz 135 m³, Vollholz 60 m³; Kastenelemente 395 m³; Platten: Dreischichtplatten 648 m², OSB 11 845 m², Gipsfaserplatten 6350 m², diffusions‑ offene, mitteldichte Holzfaserplatte 1606 m²; Täfer für Innenbeklei­ dungen 6705 m²; Schalung für Fassadenbekleidungen 3081 m² Baukosten BKP 1– 6 CHF 19,5 Mio. Grundstücksfläche ca. 10 000 m² Bruttogeschossfläche 7335 m² (ohne Terrassen) Gebäudevolumen 34 170 m³ Bauzeit April 2006–März 2008 Fotograf Bruno Klomfar, Wien (AT)

2042


Dachaufbau von aussen: Substrat 80 mm Vlies Drainageschicht 20 mm Schutzschicht 5 mm Wasserdichtung 10 mm Dämmung 30 –180 mm Dämmung 60 mm Dampfsperre OSB 15 mm Kastenelemente 180 mm Aufbau Aussenwand von innen: Holzschalung 20 mm Lattung 30 mm OSB 15 mm Ständer 200 mm/Dämmung Holzfaserplatte 16 mm Lattung 80 mm/Dämmung Winddichtung Lattung 40 mm Rhomboidschalung 24 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Holz 20 mm Anhydritunterlagsboden 60 mm Trennlage Trittschalldämmplatte 20 mm Ausgleichsschüttung 45 mm OSB 15 mm Kastenelemente 200 mm Unterkonstruktion abgehängt Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm

Fassadenschnitte


Mehrfamilienhaus FRED, Courrendlin In der jurassischen Gemeinde Courrendlin, vor den Toren des Kantonshauptortes Delsberg, wurde ein Mehrfamilienhaus aus Holz mit insgesamt 18 Wohnungen als erster Bau seiner Art im Jura errichtet. Bauherrin ist die Personalvorsorgestiftung der Stadt Delsberg (FRED), welche mit dem Projekt günstige Familienwohnungen bereitstellen will. Der symmetrisch konzipierte Wohnblock be­ herbergt 18 Wohnungen zu 4 ½ und 5 ½ Zim­ mern. Dem Architekten war es ein grosses Anliegen, kostengünstige Lösungen zu finden, ohne deswegen jedoch Qualitätseinbussen in Kauf nehmen zu müssen. Eine Brandmauer trennt die beiden Hauptflü­ gel der Liegenschaft voneinander und schafft dadurch zwei eigenständige Einheiten. Auf jedem Stockwerk befinden sich zwei Gruppen zu je drei Wohnungen, welche über das Trep­ penhaus erschlossen sind. Im Grund- und Aufriss sind die einzelnen Gruppen leicht ge­ geneinander verschoben. Dadurch erfährt der Baukörper eine willkommene Belebung und erscheint nicht wie ein monolithischer Block. Die einzelnen Wohnungen sind grosszügig und familienfreundlich konzipiert. Türen und sanitäre Einrichtungen sind behindertenge­ recht ausgeführt. Der ganze Bau ist von war­ mem Licht durchflutet und bietet eine weite Aussicht auf die Umgebung. Steht man vor der Liegenschaft, würde man darin keinen Holzbau vermuten, denn die Fas­ sadendämmung wurde direkt mit einem Ver­ putz versehen. Dieser erzeugt zusammen mit der wechselnden Sonneneinstrahlung ein leb­ haftes Farbenspiel auf den Fassaden. Einzig der Betonkern, die Brandmauer und das Un­

2044

tergeschoss mit der Tiefgarage wurden massiv realisiert. Der Rest ist vollständig aus Holz gebaut. Für die Wände wurde die Holzrahmen­ bauweise verwendet, während die Decken und das Dach aus Kastenelementen aufgebaut sind, welche zur Verbesserung des Schall­ schutzes beschwert sind. Zur einfacheren Montage und zur Vermeidung von Schallbrücken ist der Holzteil statisch völlig unabhängig vom massiven Erschliessungskern. Auch die Metallkonstruktion der Balkone ist ohne Verbindung zum Gebäude. Dadurch las­ sen sich Wärmebrücken vermeiden, und die Gebäudehülle bleibt unangetastet. Ökologische Aspekte waren der Bauherrschaft sehr wichtig. So sorgen eine zweischichtige Wärmedämmung von 220 mm aus Mineral­ wolle und Faserplatten dafür, dass das Gebäu­ de die energetischen Zielwerte erreicht. Zu­ dem übernehmen 36 m² Sonnenkollektoren auf dem Dach einen grossen Teil der Warm­ wasseraufbereitung.

Situation


Längsschnitt

Grundriss

20 m

2045


Ort En Solé 4, 2830 Courrendlin Bauherrschaft Personalvorsorgestiftung der Stadt Delsberg (FRED) Architektur archi-prest, Jean-François Mercier, Courrendlin Bauingenieur Bureau d'ingénieurs M. Jobin, Delémont Holzbauingenieur Daniel Ingold, Cedotec-Lignum, Le Mont-sur-Lausanne Holzbau Guenat-Monnerat, Pleigne Baukosten BKP 2 CHF 5,22 Mio. davon BKP 214 1,06 Mio. Kubatur SIA 116 10 830 m³ Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 482.– Bauzeit Mai 2005 – Juli 2006 Fotografin Corinne Cuendet, Clarens

2046


Dachaufbau von aussen: Kies 50 mm

Wasserdichtung 10 mm

Dämmung 200 mm Dampfsperre

Kastenelemente 180 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Dampfbremse Ständer 160 mm/Dämmung

Verputzte Holzfaserdämmplatte 60 mm

Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm

Zementunterlagsboden 70 mm

Dämmung 30 mm/Installationsebene Luftdichtigkeitsbahn Trittschalldämmung 20 mm

Holzwerkstoffplatte 10 mm Kastenelement 220 mm

Fassadenschnitt

2047


Wohnüberbauung Silence, St. Erhard Im Rahmen des Gestaltungsplans Wiberg erstellte der Immobilienfonds Credit Suisse Real Estate Fund PropertyPlus in St. Erhard bei Sursee mit der Holzbau­ unternehmung als Totalunternehmerin vier Mehrfamilien­häuser in moderner Holz­ architektur. Die Überbauung Silence umfasst insgesamt 38 Wohnungen im Standard Minergie-P-Eco. Das Pilotprojekt mit einem Volumen von rund 16 Millionen Franken soll wegweisend für künftige Investitionen des Fonds sein. Das Projekt Silence zeigt die heutigen Mög­ lichkeiten im mehrgeschossigen Holzbau. Nur das Untergeschoss und die Erschlies­ sungs­zonen sind massiv ausgeführt. Für die weiteren Geschosse kamen die Holzrahmen­ bau­weise für die Wände und das Dach sowie Holz-Beton-Verbundelemente mit Brettsta­ peln für die Decken zum Einsatz. Dabei sind alle Bauteile kompakt ohne Hinterlüftungs­ ebenen aufgebaut. Die Überbauung hält schlüssige Antworten auf die Fragen des Brand- und Schallschutzes bereit und beweist von der Energieeffizienz bis zur Zertifizierung einen weiten Horizont. Der Investor hat ein optimal gedämmtes Ge­ bäude erhalten, welches auf rationellste Art erstellt wurde. Geringe Betriebs- und Unter­ haltskosten erhöhen die Rendite und reduzie­ ren die Nebenkosten für die Mieter.

Die vier Mehrfamilienhäuser, jeweils in zwei Einheiten, sind mit einer Einstellhalle verbun­ den. Die Gebäude weisen drei Regelgeschosse und ein Attikageschoss auf. Die 38 Wohnun­ gen waren für die erste Etappe ab Februar 2010 und für die zweite Etappe ab April 2010 bezugsbereit. Insgesamt stehen den Mietern 38 Einstellplätze zur Verfügung. Silence bietet viel Holz, warme Materialien und grosse Glasflächen. Ein interdisziplinäres Team aus Spezialisten entwickelte kreative Detaillösungen und architektonische Feinhei­ ten. Spezielle Solarspeichergläser geben an kalten Tagen Wärme ab. Im Sommer nehmen sie die Wärme auf und helfen bei der Kühlung des Raumes. Die Räume werden laufend mit Frischluft versorgt. Die raumhohen Fenster lassen viel Licht her­ ein. Zugleich öffnen sie die Sicht auf das Bergpanorama sowie auf zwei Seen. Eine durchdachte Konstruktion der Bauteile und Anschlüsse vermindert die Übertragung von Schall. Die Verwendung ökologischer Bau­ materialien reduziert die Emission von Schad­ stoffen in die Innenräume. Es werden Bau­ stoffe verwendet, die bei ihrer Herstellung und beim späteren Rückbau die Umwelt mini­ mal belasten. So auch bei der Fassadenbe­ kleidung. Die vorvergraute Schalung aus Fich­ te nimmt den Alterungsprozess vorweg. Sie bleibt über die Jahre einheitlich und verändert nur leicht das Aussehen.

20 m

Querschnitt

Untergeschoss

2048

Situation

Erdgeschoss


3. Obergeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

2049


Dachaufbau von aussen: Substrat 70 mm Vlies Drainageschicht 25 mm Wasserdichtung Dämmung 320 mm Dämmung 40 –140 mm Dampfsperre Brettstapelelemente 140 mm Terrassenaufbau von aussen: Lattenrost in Lärche 27 mm Unterkonstruktion Schutzbahn 5 mm Wasserdichtung Dämmung 70 mm Dämmung 200 mm Dampfsperre Holz-Beton-Verbunddecke: Überbeton 70 –100 mm Brettstapel 140 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 60 mm/Dämmung Luftdichtigkeitsschicht Flachpressplatte 16 mm Ständer 280 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 35 mm/Dämmung Windpapier Holzschalung 20 mm Deckenaufbau von oben: Klebeparkett 10 mm Unterlagsboden mit Fussbodenheizung 80 mm Trennlage Trittschalldämmung 40 mm Holz-Beton-Verbunddecke: Überbeton 140 mm Brettstapel 140 mm

Fassadenschnitte

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Ort Wiberg, 6212 St. Erhard Bauherrschaft Immobilienfonds Credit Suisse Real Estate Fund PropertyPlus, Zürich Architektur GlassX AG, Zürich Projektleitung Bau Jörg Hertrampf, Sursee Holzbauingenieur Josef Kolb AG, Uttwil Totalunternehmer HBS Immobilien (Schöb AG), Gams Materialien Bauholz: Rahmenholz 70 m³, Brettschichtholz 11 m³; Brettstapelelemente 195 m³; Platten: Flachpressplatten 924 m², Dreischichtplatten 100 m², Gipsfaserplatten 1000 m²; Fassade: Schalung in Fichte 980 m² Baukosten BKP 2 CHF 14 Mio. (Häuser 10+11) davon BKP 214 CHF 2 Mio. (Häuser 10+11) Grundstücksfläche SIA 416 4694 m2 Geschossfläche SIA 416 5418 m2 (Häuser 10+11) Gebäudevolumen SIA 416 20 100 m3 (Häuser 10+11) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 696.– (Häuser 10+11) Bauzeit Mai 2009 – Mai 2010 (Häuser 10+11) Fotograf Bruno Meier, Sursee

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Überbauung Oberbad, Appenzell Eingebettet in eine grünhüglige Landschaft, bietet der charmante Hauptort des Kantons Appenzell Innerrhoden ein hohes Mass an Lebensqualität. In diesem ansprechenden Umfeld entstanden nahe dem Dorfzentrum im Oberbad – in unmittelbarer Nachbarschaft zeigt das Museum Liner zeitgenössische Kunst – neun Eigentumswohnungen von besonderem Zuschnitt und ausserordentlicher Flexibilität in der Raumgestaltung. Das Grundstück wird im Norden bestimmt durch die grossmassstäblichen Bauten einer ehemaligen Fabrik. Im Süden und Westen stösst eine sehr kleinteilige Bebauungsstruktur mit Einfamilienhäusern an das Areal, die in den fünfziger Jahren entstanden. Ostseitig begrenzt der Gringelbach die bebaubare Flä­ che. Das Areal Oberbad birgt Tradition: Hier stellte einst die Familie Züger den ersten Appenzeller Käse her. Ihr prächtiges Gründer­ haus blieb bestehen und bildet mit der Über­ bauung ein harmonisches Ensemble. Die Ausgangslage für das Volumen ergab sich aus einem Quartiergestaltungsplan, in wel­ chem die bebaubare Fläche und die maximale Gebäudehöhe mit zehn Meter festgelegt wurden. Die kubische Gliederung in drei Bau­ körper entspricht der jeweiligen Grundfläche einer Wohnung. Zwei Baukörper bilden mit dem transparenten Treppenhaus eine Einheit, behalten jedoch im Erscheinungsbild ihre Eigenständigkeit. Der dritte Baukörper weist eine innenliegende Erschliessungsstruktur auf. Die abgedrehte Stellung der Baukörper zum bestehenden Appenzellerhaus unterstützt ihre Eigenständigkeit.

2052

Das Untergeschoss mit den Kellerräumlichkei­ ten, die Einstellhalle und die Erschliessungs­ zonen wurden in Massivbauweise ausgeführt. Die drei komplett im Holzbau realisierten Wohnungsgeschosse unterscheiden sich nur in der Höhenlage. Es wurde bewusst auf die Ausbildung eines Dachgeschosses verzich­ tet. Das Erdgeschoss liegt leicht erhöht über dem Terrain. Die Sprache des Baus ist klar; stimmige Proportionen waren den Architekten wichtig. Die raumhohen Fenster jeder Front haben einheitliche Masse, und alle Aussenräu­ me sind als Loggia zurückversetzt im Gebäu­ devolumen eingeschnitten. Im Sommer sind dies Zimmer, in denen man ein Stück weit in der Landschaft lebt. Bekleidet wurden die Baukörper mit Lärchen­ schindeln. Die Schindelfassade nimmt ein typisches Element einheimischer Baukultur auf, das bei den heutigen Neubauten fast in Vergessenheit geraten ist. Der laufende Alterungsprozess der Lärchen­ schindeln unterstützt die Einbindung der Bau­ körper ins bestehende Quartier. Alle ergän­ zenden Bauteile wurden bewusst dunkel gehalten, was den späteren Farbunterschied zur Schindelfassade vermindert. Das Innenleben der Wohnungen folgt dem Grundkonzept ‹Vier Wände›. Vier Wände – in jede Himmelsrichtung eine, das ist das Spiel­ feld. Die Regeln sind denkbar einfach: Die Flächen werden aufgeteilt, die Wände werden geschoben, Wohnräume, Arbeitsräume, Schlafräume werden geschaffen, oder alles wird belassen, wie es ist. Die Umsetzung die­ ser Idee erforderte eine entsprechende Bau­ weise. Tragende Aussenwände und eine fest­

gelegte Installationszone mit einer tragenden Innenwand übernehmen die Lastabtragung. Holz-Beton-Verbundelemente spannen über acht Meter. Durch die individuelle Raumgestaltung und den entsprechenden Planungsprozess waren eine möglichst hohe Installationsflexibilität und eine kurze Realisierungsphase von Vor­ teil. Dies waren die entscheidenden Faktoren für die Entscheidung zugunsten des Holzbaus, der Varianten von der Loftwohnung bis hin zur Familienwohnung ermöglichte. Die Woh­ nungen lassen sich auch veränderten Lebens­ situationen anpassen.

Situation


Ort Oberbad 18/20, 9050 Appenzell Bauherrschaft Züger AG, Appenzell Architektur HTS Architekten Harksen Trachsel Städeli, Cham Bauingenieur Hersche, Appenzell Holzbauingenieur Blumer Lehmann AG, Gossau Holzbau Blumer Lehmann AG, Gossau, und WEY-Modulbau AG, Wohlen Materialien Bauholz 90 m3, Holz-Beton-Verbundelemente 1320 m2, Stahlteile 15 Tonnen Baukosten BKP 2 CHF 4,42 Mio. davon BKP 214 CHF 925 000.– (Haus 1 und 2) Grundstücksfläche SIA 416 1223 m2 (Haus 1 und 2), 2853 m² (Gesamtfläche) Geschossfläche SIA 416 2488 m2 (Haus 1 und 2 und Einstellhalle) Gebäudevolumen SIA 416 7750 m3 (Haus 1 und 2 und Einstellhalle) Kubatur SIA 116 8329 m3 (Haus 1 und 2 und Einstellhalle) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 850.– Bauzeit September 2006–Juli 2007 (Haus 1 und Einstellhalle), März–September 2009 (Haus 2) Fotografie Jürg Zürcher Fotografie, St. Gallen


Doppelhaus, Querschnitt Erschliessung

20 m

Doppelhaus, Längsschnitt

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

2054


Dachaufbau von aussen: Substrat 70 mm Schutzschicht Wasserdichtung Trennlage OSB 22 mm Keilschiftung 0–40 mm Rippen 400 mm/Dämmung OSB 12 mm Luftdichtigkeitsschicht feuchteadaptiv Abhängesystem 80 mm Gipskartonplatte 15 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm Unterlagsboden 80 mm Trittschalldämmung 20 mm + 30 mm Holz-Beton-Verbundelement 420 mm/Dämmung 120 mm Abhängesystem 80 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 15 mm Federschiene 27 mm OSB 15 mm Ständer 240 mm/Dämmung Windpapier Blindschalung 27 mm Schindelschirm 20 mm

Fassadenschnitt


Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Falkenstrasse 26 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Holzbulletin, Dezember 2010 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, Mélanie Pittet-Baschung und Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

ISSN 1420-0260

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 100.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holz­bulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern. Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Tele­fon von 8 –12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

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Holzbulletin 97/2010  

Investitionen im Wohnungsbau

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