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Wohnsiedlung ‹Hunziker-Areal›, Häuser I + J, Zürich-Leutschenbach Auf dem Hunziker-Areal in Zürich-Leutschenbach ist bis Mitte 2015 ein neues Quartier mit 13 Häusern sowie vielfältigen Grün- und Freiflächen entstanden. Das städtebaulich und ökologisch wegweisende Projekt der Baugenossenschaft mehr als wohnen fördert zeitgemässe, nachhaltige Lebens- und Arbeits­ formen. Als Gewinnerbüro des international ausgeschriebenen Wettbewerbs hat Futurafrosch gemeinsam mit Duplex Architekten das Gesamtkonzept, den Masterplan und einen prototypischen Grundriss erarbeitet. Die Gebäudevolumen im Projekt ‹Hunziker-Areal› wurden entwickelt als direktes Gegenstück zum detailliert definierten öffentlichen Raum. Die städtebauliche Lage wird damit unmittelbar prägend sowohl für die Volumetrie und den Ausdruck als auch für die Gebäudestruktur jedes einzelnen Hauses. Fünf Architekturbüros realisierten schliesslich die 13 Häuser. Angelegt als Jubiläums- und Forschungsprojekt des Dachverbands der Zürcher Wohnbaugenossenschaften, bildet das Gesamtprojekt eine umfassende Innovationsplattform des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Nebst wegweisenden Beiträgen in den Themenbereichen kooperative Prozesse, Stadtentwicklung, Raumangebot und Wohnqualität wurden im Sinn einer praktischen Bauforschung verschiedene Konstruktionsweisen realisiert, darunter die zwei Holzbauten Haus I von Futurafrosch und Haus J von pool Architekten. Die Struktur von Haus I ist konzeptionell mit dem städtebaulichen Ansatz verwandt: Die Ausgangslage bildet der Cluster als private Minimaleinheit, der als individuell bespielbare Fläche und kleinräumiger Rückzugsort ausformuliert ist. Dank tragenden Cluster-Aussenwänden ist im Innern eine freie Einteilung von zwei bis drei Schlafzimmern mit oder ohne Teeküche und Nasszelle möglich. Dazwischen spannen sich Räume mit öffentlicherem Charakter auf, die Raum bieten für gemeinschaftliches Wohnen. Damit entsteht ein flexibles System von Privateinheiten und gemeinschaftlichen Bereichen, welche sich zu verschiedensten Wohnungsgrössen kombinieren lassen. Die Tiefe des Baukörpers ermöglicht einen weitläufigen Treppen- und Kommunikationsraum mit natürlicher Belichtung. Im Innern des Gebäudes entsteht so eine eigene kleine Welt, die Begegnungen fördert und eine Gemeinschaft für die Bewohner ermöglicht, die über die klassische Mietwohnung hinausgeht. Im Haus I ist der Typus der Familienwohnung vielfältig umgesetzt. Wohnungen unterschiedlicher Grössen und für verschiedene Lebensphasen sind realisierbar. Klassische Typen mit 3½ und 4½ Zimmern werden ergänzt durch Studios und zumietbare Zimmer. Clusterwohnungen schlagen eine Brücke zwischen Wohngemeinschaft und Kleinwohnung. Der Charakter der Innenräume wird durch die weitgehend roh belassene Tragstruktur definiert. Während die mineralischen Flächen im Gemeinschaftsbereich den urbanen Ausdruck unterstreichen, stärken die sichtbaren Oberflächen der in massivem Holz erstellten Cluster den introvertierten Charakter und die individuelle Atmosphäre der privateren Räume. Die hybride Konstruktion ermöglicht einen effizienten und präzisen Einsatz der Materialien. Die Eigenschaften von Holz sind prädestiniert für den kleinräumigen Bereich, für einen hochwertigen

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Aussenwandaufbau und wohnliche Atmosphäre mit minimalsten Mitteln. Haus J profitiert vom Anstoss an den grosszügigen Freiraum im Osten. Es erfährt so eine eindeutige Orientierung zur Parkseite, an die möglichst viele Wohnungen pro Geschoss vorstossen und die sich auch als Hauptfassade manifestiert. Für die bedrängte Westseite gilt es aber eine Erfindung zu machen: Durch das Zusammenfassen der zur Verfügung stehenden ‹Luft› des Mantelvolumens mit den privaten Aussenräumen und eine offen geführte Erschliessung entsteht ein grosszügiger Hofraum. Die kompakte Anordnung von sechs Wohnungen pro Regelgeschoss erlaubt sodann, diesen Hof – durch Weglassen zweier Wohnungen – gegen Süden um eine grosse Terrasse auf halber Höhe der Wohngeschosse zu ergänzen. Dieser halbgedeckte, zweigeschossige Aussenraum ersetzt die individuellen Aussenräume der Wohnungen, die somit zugunsten einer kompakten Gebäudehülle eingespart werden können. Die Wohnungen profitieren von zwei- oder dreiseitiger Orientierung, zeigen einfache Grundrisse und erfüllen die knappen Flächenvorgaben des Eco-Standards der Genossenschaft. Der Wohnungsmix besteht aus zwei Studios (31 m2) sowie 22 3½- bis 5½-ZimmerWohnungen (84 m2 bis 118 m2). Dabei er­ schlies­sen zwei Treppen alle Geschosse. Eine ist konventionell innenliegend mit Lift und eine frei durch den Hofraum bis auf das Erdgeschossniveau geführt. Letztere leistet damit eine direkte Verbindung zu den umliegenden Gassen- und Hofräumen. Gewerberäume und die gemeinsame Waschküche besetzen das Erdgeschoss, neben der Parkierung finden sich Keller- und Technikräume im Untergeschoss. Der Sockel und die Treppenhauskerne wurden als Massivbau in Beton erstellt, die vier Wohngeschosse als struktureller, unverkleideter Holzbau. Alle tragenden Elemente wie Geschossdecken, Aussen- und Wohnungstrennwände, Stützen und Unterzüge sind aus FichtenMassivholz vorfabriziert und in Elementbauweise vor Ort aufgerichtet. Das objektbezogene Brandschutzkonzept für die beiden Bauten ermöglichte erstmals fünf­ geschossige, im Inneren unbekleidete Holzbauten. Dank der hohlraumfreien Konstruktions­ weise in Massivholz bleibt der Aufbau radikal einfach, bei gleichzeitig optimalen Eigenschaften für Raumklima, Gebäudehülle und Tragwerk. Die dadurch erzielten räumlichen und haptischen Qualitäten verleihen den Wohnungen eine eigenständige Atmosphäre. Die sichtbar bleibenden Holzoberflächen über alle fünf (Haus I) respektive vier (Haus J) Geschosse erlauben eine deutliche Reduktion der Ausbaukosten. Die Fassade in Beton, Kunststein und Faserzementschindeln bildet eine hinterlüftete Hülle mit textilem Charakter.

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Holzbulletin 117/2015  

Wohnsiedlungen

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