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Holzbulletin 104/2012 Verkaufsräume Markthalle und Läden ‹Im Viadukt›, Zürich Umnutzung Markthallenkomplex, Basel Neues Einkaufszentrum ‹Marin Centre›, La Tène Enea-Hauptsitz, Rapperswil-Jona Skoda-Zentrum, Bern

Die Haupthalle ist das Herz des neuen Einkaufzentrums ‹Marin Centre› in La Tène. Das Dach mit seinen unregelmässigen Öffnungen besteht aus 38 vorgefertigten Rahmen in Holz. Architektur: Bauart Architectes et Urbanistes SA, Neuenburg


Kunden gewinnen mit Holz

Holz ist heute ein anerkannter Baustoff. Das Material bietet sich zunächst aufgrund seiner konstruktiven Vorzüge an: Es erlaubt optimierte Kon­ struktionen und weist unbestreitbare Pluspunkte hinsichtlich Bauzeit und Baulogistik, Nachhaltigkeitsbewertung sowie Kostenmanagement auf. Holz ist jedoch aufgrund der Vielfalt seiner Erscheinung auch ein starkes Gestaltungselement. Gerade in Verkaufsräumen kann diese Eigenschaft verkaufsfördernd und/oder identitätsbildend eingesetzt werden. Das vor­ liegende Holzbulletin spannt einen Bogen aktueller Beispiele zu beiden Aspekten auf. Die neuen Strukturen der Markthalle und der Läden ‹Im Viadukt› in Zürich sind bewusst zurückhaltend ausgebildet. Sie inszenieren die beste­ henden Bögen zweier Bahnviadukte aus dem Jahr 1894. Der Baustoff Holz leistet hier seinen Dienst als Konstruktionsmaterial und ermöglicht im Zusam­menspiel mit Stahl einfache Bauteile, welche dem faszinie­ renden Raumgebilde dienen und die Realisation in einem engen Kosten­ rahmen ermög­lichten. Die Basler Markthalle wurde 1928/1929 als Kuppel mit eindrücklichen 60 m Durchmesser und 28 m Höhe erbaut. Mit der aktuellen Umnutzung werden radial um eine Freifläche unter der Kuppel Einbauten nach dem Haus-im-Haus-Prinzip angeordnet, in denen sich hochwertige Gastround Verkaufsflächen ansiedeln. Die äusseren Oberflächen der Einbauten sind in Kirschholzfurnier ausgeführt. Sie heben sich damit klar vom Bestand ab, dem Betonbauwerk. Sie wirken leichter, zeigen aber durch ihr klares Volumen, konstruiert in einer optimierten Stahl-Holz-Bauweise, und ihre eigenständige Form Präsenz. Die Haupthalle stellt das Herz des neuen Einkaufzentrums ‹Marin Centre› nahe Neuenburgs dar. Das Dach über Haupthalle und Flanierzone ist mit unregelmässigen Öffnungen versehen, was je nach Tages- und Jahreszeit ganz unterschiedliche Lichtspiele entstehen lässt. Das Dachtragwerk von 180 m Länge und 24 m Breite besteht aus 38 vor­ gefertigten Rahmen in Holzbauweise, welche auf der Innenseite weiss gestrichen sind. Damit wird die Materialität zurückgenommen und die helle Wirkung mit dem Lichteintritt unterstützt. Die Holz­ bauweise mit vorfabrizierten Elementen drängte sich aufgrund der ge­ setzten Randbedingungen mit sehr kurz bemessener Bauzeit und engen Platzverhältnissen im Dachbereich auf. Im neuen Enea-Hauptsitz in Rapperswil-Jona bildet der eingeschossige, leicht abgewinkelte Baukörper den Dreh- und Angelpunkt der Anlage, zu der auch ein Park mit Baummuseum gehört. Die Gestaltung des Neu­ baus geht auf materialneutrale Skizzen von Chad Oppenheim und Enzo Enea zurück. Erst in einem Auswahlverfahren bezüglich Wirtschaft­ lichkeit, Nachhaltigkeit sowie Kosten-Nutzen-Verhältnis überzeugte die Holzbaulösung in sämtlichen Punkten. Der realisierte Holzbau zeigt sich in entsprechend grosser Selbstverständlichkeit. Beim Skoda-Zentrum in Bern bildet die natürliche Holzoptik einen starken Kontrast zu den präsentierten High-End-Produkten. Sie verleiht dem Innenraum einen möbelartigen Charakter und setzt das Credo des Mar­ kenauftritts um. Ästhetik und Nachhaltigkeit liessen sich in einer aus­ drucksstarken Konstruktion zusammenführen.

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Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum


Markthalle und Läden ‹Im Viadukt›, Zürich Nordwestlich des Zürcher Hauptbahnhofs steht ein Brückenbauwerk von 1894, das den Zürcher Stadtkreis 5 beherrscht. Es besteht aus dem tieferliegenden Lettenviadukt und dem Wipkingerviadukt mit der Bahnlinie Richtung ZürichOerlikon. Das denkmalgeschützte Bauwerk wurde mit der Umwandlung des Areals auf 500 m Länge von der stadträumlichen Barriere zum durchlässigen und verbindenden Element. Heute verläuft ein Fuss- und Radweg auf der stillgelegten niedrigeren der beiden Bahn­ trassen. In 53 Viaduktbögen sind Läden und Cafés eingefügt; den Kopfbau bildet die Markt­ halle im Raum zwischen beiden Trassen. Für eine neue Nutzung der Viaduktbögen und für den Fuss- und Radweg auf dem Letten­­ viadukt haben die SBB Immobilien und die Stadt Zürich im Sommer 2004 einen Wettbe­ werb durchgeführt. Zuvor fanden Workshops mit der Bevölkerung statt, um den Viadukt mit seinen Nutzungen optimal in das Quartier ein­zubetten. Das Projekt von EM2N Architek­ ten und Zulauf, Seippel, Schweingruber Land­ schafts­archi­tekten, das den Zuschlag erhielt, war Grundlage für den Gestaltungsplan und für den Lettenviaduktweg. Nach der Ende 2005 abgeschlossenen Sanierung des Bahn­viadukts begann die Sanierung der vier in den Letten­ viadukt integrierten Stahlbrücken im Mai 2008. Anfang April 2010 wurde der erste Teil der neu gestalteten Viaduktbögen eröffnet, im September desselben Jahres war das Gesamt­ vorhaben fertiggestellt. Die Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigem Wohn- und Gewerberaum der Stadt Zürich

(PWG) realisierte die Einbauten im Letten- und Wipkingerviadukt. Die Markthalle und die Marktgasse zwischen Heinrich- und Limmat­ strasse betreibt die Bauherrin gemeinsam mit einer Trägerschaft. Die Markthalle bildet die Hauptattraktion der Viaduktbögen. Sie liegt am verkehrstech­ nisch besterschlossenen Bereich zwischen den sich trennenden Viadukten. Hier spannt sich eine Dachlandschaft auf und bildet einen grosszügigen Innenraum für ein Restau­ rant, Marktstände und weitere Geschäfte. Die bewegte Dachuntersicht und transparente Oberlichter schaffen eine grosszügige Wirkung. Die Einbauten für Geschäfte sind in den Viaduktbögen weitergezogen. Als einheitliches Element verbinden die bandartig gegliederten Fronten optisch die Läden zwischen den Pfeilern, und in die Dachflächen sind überall Oberlichtkuppeln eingelassen. Der Fuss- und Radweg auf dem Lettenviadukt wird rege genutzt. In Koordination mit den Bogenausbauten wurde der Fuss- und Radweg verlängert. Bei allen Strassen, die den Viadukt queren, gibt es Auf- und Abgänge. Bei der Limmatstrasse erschliesst eine velo- und roll­ stuhlgängige Rampe den Viadukt, bei der Geroldstrasse ein Lift. In der Umsetzung nutzen die Architekten die charakteristische Zyklopenmauer als zentra­ les atmosphärisches Element. Die neuen Struk­turen sind bewusst zurückhaltend ausgebil­ det und inszenieren die bestehenden Bögen. Das Tragwerk bilden Mischkonstruk­tionen aus Stahl und Holz. Dazu sind Fachwerk­binder und Träger im Mauerwerk verankert, teils zu­

sätzlich mit Stahlstützen. Dazwischen schlies­ sen vorgefertigte Holzelemente die Gebäude­ hülle, welche von einer EPDM-Folie umspannt ist.

Situation

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Ansicht Lettenviadukt

Grundriss der Abschnitte 5–1

Querschnitt Abschnitt 2, Shop

Querschnitt Abschnitt 3, Zugang Lettenviadukt

Querschnitt Abschnitt 4, Shop

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100 m

Querschnitt Abschnitt 1, Markthalle

20 m

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Dachaufbau von oben: Abdichtung Folie EPDM 1,6 mm, fixiert mit Klemmhaltern Trennvlies Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippe 400 mm/Dämmung/Kantholz 200 mm OSB-Platte 22 mm Lattung 60 mm Lattung 30 mm Gipskartonplatte 15 mm Lichtkuppel dreischalig aus Polykarbonat 3 mm und Acrylglas 2 x 3 mm Detailschnitt Dachfalten Markthalle

Isometrie

Ort 8005 Zürich Auftraggeber Stiftung PWG, Zürich Architektur EM2N, Mathias Müller und Daniel Niggli Architekten, Zürich; Projektleitung: Marc Holle, Claudia Peter Landschaftsarchitektur Schweingruber Zulauf, Zürich Bauleitung b + p Baurealisation, Zürich Bauingenieur WGG Schnetzer Puskas Ingenieure, Zürich Holzbau Knecht AG, Oberwil Materialien Bauholz 620 m3; Platten: OSB 22mm 9360 m2, Dreischichtplatten 27 mm 5300 m2 und 22 mm 3200 m2, Gipsfaserplatten 15 mm 4500 m2; Stahlteile: 216 000 kg Baukosten CHF 35,3 Mio. davon BKP 214 und BKP 213 CHF 2,8 Mio. Geschossfläche 9008 m2 Bauzeit Juni 2008 – September 2010 Fotograf Roger Frei, Zürich

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Aufbau Aussenwand von innen: Kalksandstein 180 mm, gestrichen Dämmung 180 mm, verputzt Aufbau Decke von oben: Rippenelement: Dreischichtplatte 27 mm, geölt Rippen 260 mm 



Bodenaufbau von oben: Verbundestrich imprägniert 30 mm Stahlbeton 200 mm Gipsfaserplatte auf schwingungsdämpfender Lage Dämmung 160 mm Feuchtesperre Magerbeton 80 mm

Detailschnitt Bogen der Abschnitte 2–4

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Umnutzung Markthallenkomplex, Basel Beim Konzept zur Umnutzung des Markthallenkomplexes nahe dem Basler Hauptbahnhof stand die Idee einer Stadt innerhalb der Stadt im Vordergrund. Die Markthalle mit der gleichen Grundfläche wie der bekannteste Basler Platz, der Barfüsserplatz, sollte auch als städtischer Raum mit den üblichen städtischen Mischnutzungen wahrgenommen und belebt werden. Die Markthalle Basels wurde 1928/1929 als Engrosmarkt für Obst und Gemüse erbaut. Ziel war es, eine grosse Fläche mit einfachen Mitteln möglichst stützenfrei zu überdecken. Zum Zeitpunkt ihrer Erstellung war die Kuppel mit einem Durchmesser von 60 m und einer Höhe von 28 m der drittgrösste Massivkuppel­ bau der Welt. Die Kuppel wurde von acht Säu­ len getragen und überspannte eine Fläche von rund 3000 m2. Bereits in jener Zeit entstanden auch die flankierenden Randbauten mit Laden­ geschäften, Büros und Gastronomie, welche die damalige Rendite dieser riesigen Fläche ver­ bessern sollten. Ein Flachdach verbindet den Kuppelbau mit den Randbauten. In den letzten Jahrzehnten verlor der Handel in der damaligen Form immer mehr an Be­ deutung. Im Jahr 2004 wurde der Grossmarkt geschlossen und 2005/2006 von der Stadt Basel ein Investorenwettbewerb zur Umnutzung der Halle durchgeführt. Voraussetzungen für die Umnutzung waren unter anderem der Erhalt der Kuppel sowie die Errichtung eines Hoch­ baus, welcher die Rentabilität und Revitalisie­ rung des En­sembles gewährleisten sollte. Wesentlicher Aspekt der Umnutzung war, die ehemals einer spezialisierten Nutzung zuge­ wiesene, nichtöffentliche Markthalle einer

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neuen, publikumsorientierten Mischnutzung mit stark urbaner Ausprägung zuzuführen. Die Sanierung des Gebäudes fand in enger Ab­ stimmung mit der Denkmalpflege statt, wobei der industrielle Charakter des Gebäudes er­halten blieb. So wurde beispielsweise der Haupt­eingang an der Viaduktstrasse wieder frei­ gelegt; am Steinentorberg erschliesst neu eine gross­zügige Kaskadentreppe die Kuppelhalle und stärkt damit die Achse von der Innenstadt zum Bahnhof. Im Inneren werden nun die bei­ den Hauptebenen Kuppelebene und Säulen­ ebene durch eine Fahrtreppe miteinander ver­ bunden. Die Fläche unter der Kuppel wird als Eventfläche von rund 1000 m2 freigehalten. Vorgesehen sind städtische, private, gemeinnützige und kom­ merzielle Events, zum Beispiel aus dem Sportund Kulturbereich. Um die Eventfläche ordnen sich radial die Einbauten nach dem Haus-imHaus-Prinzip an und definieren so den zentralen Platz. Die polygonal geformten Einbauten sind losgelöst von der Hallenstruktur und flexibel un­ terteilbar. In ihnen siedeln sich hochwertige Gastro- und Verkaufsflächen an. Das Nutzungs­ konzept wird im unteren Geschoss, der Säulen­ eb­ene, durch grossformatigere Läden erweitert. Anlieferung, Warenverteilung und Technikräume sind ebenfalls in dieser Ebene untergebracht. Die Randbauten um die Markthalle herum wur­ den saniert und dienen weiterhin vor allem als Büroräumlichkeiten. Der in die Markthalle eingreifende zwölfstöckige Wohnturm im Norden des Grundstücks wurde durch das Büro Diener & Diener Architekten realisiert. Die Einbauten waren ursprünglich als reine Holz­ konstruktion geplant. Aufgrund der statischen Abhängigkeiten vom bestehenden Gebäude

bezüglich Lastableitung und des Wunsches nach einer möglichst flexiblen Raumeinteilung inner­ halb der Einbauten ergaben sich grosse Spann­ weiten von 7–14 m. Eine Optimierung der Kon­ struktion ergab neu eine Mischkonstruktion in Stahl und Holz. Die Wände der Einbauten sind in Holzrahmenbauweise realisiert, die De­ cken als Kastenelemente innerhalb eines Skelet­ tes in Stahlbauweise. Als äussere Oberfläche wurde Kirschholzfurnier gewählt, um einen war­ men Kontrast zur bestehenden Markthalle, dem Betonbauwerk, zu bilden. Die Einbauten heben sich damit klar vom Bestand ab, indem sie in ihrer Materialität leichter wirken, aber durch ihr klares Volumen und ihre eigenständige Form Präsenz zeigen.

Situation


Grundriss Kuppelebene

Grundriss Säulenebene

60 m

Schnitt Nord-Süd

Schnitt West-Ost

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Vertikalschnitte und Frontansicht Shopeinbauten

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Ort Viaduktstrasse, 4051 Basel Bauherrschaft Allreal Markthalle AG, Zürich Eigentümer Credit Suisse Anlagestiftung Real Estate Switzerland, eine Anlagegruppe der Credit Suisse Anlagestiftung, Zürich Projektentwicklung und TU Allreal Generalunternehmung AG, Zürich Architektur Blaser Architekten AG, Basel (Markthalle und Randbauten), Diener & Diener Architekten AG, Basel (Hochhaus) Bauingenieur Walt + Galmarini AG, Zürich (Markthalle und Randbauten), WGG Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Basel (Hochhaus) HLKKSE-Ingenieur Amstein + Walthert AG, Zürich Bauphysik Amstein + Walthert AG, Zürich Holzbau Husner AG, Frick Materialien Schichtverleimtes Vollholz 135 m3, OSB-Platten 15 mm 3700 m2 und 18 mm 2600 m2, Gipsfaserplatten 1100 m2, mitteldichte Faserplatten 19 mm 1100 m2 Geschossfläche SIA 416 12 965 m2 (Markthalle), 6808 m2 (Randbauten), 6363 m2 (Hochhaus) Bauzeit September 2009 – März 2012 Fotografie Blaser Architekten AG, Basel (Aufnahmen Shopeinbauten), und psm Center Management AG, Basel (Aufnahmen von aussen und Markthalle)

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Neues Einkaufszentrum ‹Marin Centre›, La Tène Das neue Einkaufszentrum ‹Marin Centre› wurde etappenweise realisiert, um ohne Unter­ brechung des Betriebes das bestehende Zen­ trum zu ersetzen. Seine Erscheinung ist das Resultat einer intensiven Beschäftigung mit den Charakteristiken des Standortes am Eingang zur Agglomeration Neuenburg. Sowohl hinsichtlich Anordnung als auch in bezug auf die Form wurde der Neubau durch die Geome­ trie der Umgebung beeinflusst und drückt dadurch genau die verschiedenen massgebenden Nuancen des Standortes aus. Auf seiner Nordseite zeigt sich das Einkaufszen­ trum mit einer geradlinigen Fassade. Diese nimmt die durch die nahe Autobahn gegebene Linearität der Landschaft auf und versteckt das ins Gebäude integrierte Parkhaus. Die Zu­ fahrtswege von der Autobahn sind effizient gehalten, beanspruchen wenig Platz und führen direkt in das fünfstöckige Parkhaus. Die Infra­ struktur für die Anlieferung und die Logistik konzentriert sich auf die Ost- und auf die Süd­ seite, was eine genaue und getrennte Orga­ nisation der Materialflüsse ermöglicht. Auf der Westseite konnte der frühere Parkplatz in einen grossen öffentlichen Park umgewandelt werden, was einem gewissen Bruch in der Land­ schaft zwischen der Autobahn und der Ort­ schaft Marin Rechnung trägt. Der Park hat die Form einer Reihe begrünter Pyramiden. Er besteht aus aufgeschüttetem Aushubmate­rial des alten Einkaufszentrums und dient archi­ tektonisch dazu, das neue Zentrum in seiner Umgebung zu verankern. Die Haupthalle stellt das Herz des neuen Ein­ kaufzentrums dar. Sie ist über Rampen vom Park­haus direkt zu erreichen. Jedes Geschäft ist direkt an die Halle angebunden. Ihre einfache geometrische Form steht für Dauerhaftigkeit. Damit wird sie gegenüber den ständigen Ver­ änderungen, denen die Innenausstattungen der angegliederten Ladengeschäfte unterworfen

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sind, zum ruhenden Pol. Das Dach über Haupt­ halle und Flanierzone ist mit unregelmässigen Öffnungen versehen. Diese sind teils so gross, dass der Himmel sichtbar wird, teils so klein, dass je nach Tages- und Jahreszeit ganz unter­ schiedliche Licht­spiele entstehen. Oberhalb der Rolltreppen sind die Lichtöffnungen schräg angeordnet, was hier zu einem besonders starken Lichteinfall führt. Das Dachtragwerk mit einer Abmessung von 180 m Länge und 24 m Breite wurde in Holz erstellt. Die sehr kurz bemessene Bauzeit und die engen Platzverhältnisse im Dachbereich machten eine Bauweise mit vorfabrizierten Ele­ menten unumgänglich. So besteht die Kon­ struktion aus 38 vorgefertigten Rahmen, die auf dem Dach in Beton abgestellt sind. Die Rahmen sind als U-Querschnitte von 3,25 m Breite und 1,7 m Tiefe aufgebaut, die aus Furnierschichtholz der Stärke 40–60 mm beste­ hen. Auf der Aussenseite sind gedämmte Holzbauelemente montiert, die innere Beplan­ kung besteht aus weiss gestrichenem Furnier­ schichtholz. Bei der Planung und Realisierung der Anlage wurde grosser Wert darauf gelegt, den zukünfti­ gen Verbrauch an thermischer und elektrischer Energie möglichst tief zu halten. In thermischer Hinsicht liegt bei einem derartigen Bau die grösste Herausforderung in der Kühlung. Beim ‹Marin Centre› werden dazu bei steigenden Aussentemperaturen Lüftungsklappen an den Dachelementen in Holz geöffnet, um die warme Luft durch die Elemente nach aussen zu brin­ gen. Diese natürliche Lüftung ist nichts anderes als die konsequente Umsetzung der Forderung nach einer grösstmöglichen Reduktion des Ener­ gieverbrauchs. Das neue Einkaufszentrum ist nach dem Miner­ gie-Standard zertifiziert. Der spezifische Ener­ gieverbrauch beträgt lediglich etwa 20 % des durch­schnittlichen Verbrauchs vergleich­barer, in konventioneller Bauweise erstellter Gebäude.

Gegenüber dem früheren Einkaufs­zentrum ver­ braucht das neue pro Quadratmeter etwa dreimal weniger Wärmeenergie und nur rund halb soviel Elektrizität. Zusätzlich zu den energetischen Bemühungen wurden weitere Umweltaspekte berücksichtigt: Reduktion der Bauemissionen, Nutzung von Regenwasser (Filtration und Rückhaltung), Wahl von Baustoffen mit günstiger Ökobilanz, Er­ höhung der Biodiversität am Standort (begrünte Dächer, Wiesen anstelle der früheren Park­ plätze).

Situation


Längsschnitt

100 m

Grundriss Einkaufszentrum/Parkhaus Niveau 3

Grundriss Parkhaus Niveau 5/Dachaufsicht

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Dachaufbau von oben: Abdichtung Dämmung 160 mm Dampfbremse Gipsfaserplatte 15 mm OSB-Platte 25 mm Rahmenelement 1700 mm, Innen­ seiten gestrichen

Querschnitt Dachträger

Querschnitt Dachträger

Grundriss der Anordnung von Teilen der Dachträger

Ort 2074 Marin-Epagnier (Gemeinde La Tène) Bauherrschaft Marin Centre SA Architektur Bauart Architectes et Urbanistes SA, Neuenburg/Bern/Zürich; Mitarbeit: Willi Frei, Stefan Graf, Peter C. Jakob, Emmanuel Rey, Yorick Ringeisen, Marco Ryter Bauleitung Atelier dʼarchitecture Dominique Rosset SA, Villars-sur-Glâne Bauingenieur Merz, Kley Partner AG, Altenrhein Holzbauingenieur Merz, Kley Partner AG, Altenrhein Holzbau Zaugg AG Rohrbach, Rohrbach (Produktion, Logistik, Montage), und Kaufmann Bausysteme, Reuthe (Subunternehmer) Materialien Bauholz: schichtverleimtes Vollholz 72 m3, Brettschichtholz 265 m3; Platten: OSB-Platten 18–25 mm 6350 m2, Furnierschichtholz 24/27/39/45 mm 10 020 m2, diffusionsoffene mitteldichte Faserplatten 2650 m2, Gipsfaserplatten 15 mm 2530 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 150 Mio. davon BKP 214 CHF 3,6 Mio. Bruttogeschossfläche 66 900 m2 Verkaufsfläche 36 000 m2 Bauzeit 2007–2011 in 5 Etappen, Mai 2008 – November 2009 (Dachkonstruktion) Fotograf Thomas Jantscher, Colombier

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Aufbau Aussenwand von innen: Furnierschichtholz 24 mm, gestrichen Rahmenelement 1700 mm OSB-Platte 18 mm Dampfbremse Dämmung 180 mm Mitteldichte Holzfaserplatte 16 mm Unterkonstruktion 40 mm Fassadenbekleidung 20 mm


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Enea-Hauptsitz, Rapperswil-Jona Der Landschaftsgestalter Enzo Enea pflanzt seit 17 Jahren ausgewählte Bäume auf ein riesiges Grundstück in Rapperswil-Jona. Inzwischen hat das Ensemble dieser natürlich gewachsenen, zum Teil über hundertjährigen lebenden Skulpturen museale Bedeutung erlangt. Das Tor zum 2010 eröffneten Baummuseum bildet ein stolzer Holzbau aus einem gemeinsamen Entwurf des Bauherrn mit dem Architekturbüro Oppenheim aus Miami. Die Parkanlage mit Baummuseum steht am Ran­ de des Industriegebiets in Jona auf einer leicht zum See abfallenden Wiese. Darin ist ein einge­ schossiger, leicht abgewinkelter Baukörper als Dreh- und Angelpunkt der gesamten Anlage situiert. Zusammen bilden der Park und der Neu­bau den Firmenhauptsitz, der an den beste­ henden Bürobau anschliesst. Vom grosszügigen Parkplatz gelangen die Besucher zum Neubau mit der repräsentativen Emp­­­fangshalle und den Ausstellungsräumen. Die raumhohen, grosszügigen Verglasungen zum Park im Süden schaffen eine Grosszügig­ keit, welche den Park direkt in das reduzierte Rauminnere fliessen lässt. Diese Erscheinung kontrastiert mit den eher geschlossen wirkenden Fassaden auf der Nordseite und dem zur Emp­ fangshalle abgewinkelten Teil des Baus, welcher auch Werkstätten beinhaltet. Die Skizzen von Chad Oppenheim und Enzo Enea zu Beginn der Projektierung liessen noch nicht auf eine Umsetzung in Holz schliessen. In einem Auswahlverfahren bezüglich Wirt­ schaftlichkeit, Nachhaltigkeit sowie KostenNutzen-Verhältnis wurden Stahlbau, Massivbau und Holzelementbau durch den Generalplaner

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unter Einbezug der geforderten Ästhetik der Entwerfer untersucht. Bezüglich sämtlicher Punkte überzeugte die Lösung in Holz, womit der Holzbauingenieur und die Holzbaufirma mit ins Ausführungsteam kamen. Um die stützenfreie Halle zu konstruieren, wurden die Tragwerksteile in die Fassadenebe­ nen verlegt. Brettschichtholzstützen von 240 x 420 mm Querschnitt im Abstand von 6 m tragen die Lasten ab. Darüber lagern die Dachträger mit 140 x 520 mm Querschnitt in Brettschichtholz im Abstand von 1 m auf einem Unterzug in Brettschichtholz im Werk­ statt-Teil, einem ins Dach integrierten Unterzug aus Stahl bei der Glasfassade der Ausstellung sowie auf den Holzrahmenbauwänden bei den opaken Fassaden. Den Rhythmus der Dach­ träger nehmen aussenliegende Fächer mit Ab­ messungen von 276 x 771 mm wieder auf, gliedern so die Fassaden und lassen die Kons­ truktion gleichzeitig volumetrisch in Erschei­ nung treten. Diese Fächer sind auf einem schlanken Stahlprofil abgestellt und mit der Fassa­den­schalung bekleidet. Die gesamte Möblierung und der Innenausbau wurden von der Firma Enea gestaltet und ge­ baut. Bereits vor der Fertigstellung wurde der Bau mit dem American Architecture Award 2009 des Chicago Athenaeum ausgezeichnet.

Situation


Grundriss

60 m

Axonometrie

Ort Buechstrasse 12, 8645 Jona Bauherrschaft Enea GmbH, Rapperswil-Jona Generalplaner Ghisleni Planen Bauen GmbH, Rapperswil-Jona; Team: Stefano Ghisleni, Thomas Müller Architektur/Design Chad Oppenheim, Oppenheim Architects, Miami, und Enzo Enea, Enea GmbH, Rapperswil-Jona Bauingenieur Walter Böhler AG, Rapperswil-Jona Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau AG, Rain Holzbau Renggli AG, Sursee Materialien Bauholz: schichtverleimtes Vollholz 66 m3, Brettschichtholz 444 m3; Platten: OSB-Platten 12 mm 2061 m2, 15 mm 3500 m2 und 25 mm 1434 m2, diffusionsoffene mitteldichte Faserplatten 15 mm 846 m2, Gipsfaserplatten 334 m2; Fassadenschalung 22 x 93 mm 2647m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 8,0 Mio. davon BKP 214 CHF 2,5 Mio. Grundstücksfläche 100 780 m2 Geschossfläche 2500 m2 Gebäudevolumen SIA 416 11 000 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 300.– Bauzeit August 2009  – Januar 2010 Fotografie Renggli AG, Sursee

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Dachaufbau von oben: Substrat 80 mm Drainage 30 mm Dichtungsbahn Gefällsdämmung ab 100 mm OSB-Platte 25 mm Dachrippe 500–800 mm/Dämmung 240 mm Luftdichtigkeitsbahn OSB-Platte 12,5 mm (in Werkstatt sichtbar) Lattung 130 mm Schalung in Fichte/Tanne 20 mm (bei Ausstellung) Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm (bei Ausstellung) OSB-Platte 15 mm (in Werkstatt sichtbar) Luftdichtigkeitsfolie Rippe 240 mm/Dämmung OSB-Platte 15 mm Lattung 30 + 30 mm, gekreuzt Schalung in Fichte/Tanne 20 mm, vertikal Wandaufbau Fächer: Schalung in Fichte/Tanne 20 mm, vertikal Lattung 18 mm OSB-Platte 15 mm Rippe 170 mm OSB-Platte 15 mm Lattung 18 mm Schalung in Fichte/Tanne 20 mm, vertikal

Detailschnitt Fächer bei Verglasung

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Skoda-Zentrum, Bern Dem Bedürfnis nach Zentralisierung folgend, hat sich die AMAG Bern 2010 entschlossen, den Standort der Skoda-Geschäftsstelle in Büm­ pliz auf das betriebseigene Areal im Berner Wan­kdorf zu verlegen. Anfang 2012 konnte hier die neue Skoda-Autoausstellung eröffnet werden, realisiert in Zusammenarbeit mit GWJ Architektur. Das neue Skoda-Zentrum steht in einem städte­ baulich heterogenen Kontext. Zwischen Punkt­ hochhäusern und Hochhausscheiben im Stil der Internationalen Bauausstellung 1957 Berlin, einer Monumentalarchitektur in Sichtbeton für das Bildungszentrum ‹Feusi› und der schief­ winkligen Sporttribünenarchitektur des Leicht­ athletikstadions gegenüber behauptet sich diese Holzkonstruktion in einer der Funk­tion angemessenen Geste. Bei Tag gesehen, fällt das mit signalweissem Aluminiumblech bekleidete, rund einen Meter über dem Boden schwebende umgekehrte ‹L› auf. Es ist mit zwei spitzen Winkeln verzo­ gen, abschüssig für die Dachentwässerung und macht neugierig, was dahinter steckt. Mit diesem ‹Aufmerksamkeitstrick› wird das Übel eines jeden Autohauses neutralisiert – die gros­sen, spiegelnden Schaufensterscheiben, die dem Betrachter keinen Einblick gewähren. Des Nachts zeigen die raffinierten Winkel des Tragwerkes in Brettschichtholz ihren gan­ zen Charme.

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Der Verkaufspavillon ist in zwei Raumreihen ge­gliedert und besteht aus der Ausstellungshal­ le, der Direktannahme und der Auslieferung. Die Ausstellungshalle ist das prägende und re­ präsentative Raumelement des Gebäudes. Die funktionale Ebene ist seitlich angegliedert und ermöglicht optimale betriebliche Abläufe. An der Südseite befindet sich der Haupt­ein­gang für Besucher des Skoda-Zentrums. Die Ost-West-Achse der Autoeinfahrten bildet eine attraktive Situation, die einer Mall ähnelt. Die Raumgliederung zwischen Repräsentation und Funktionalität bildet zugleich die Konzep­ tion der Brandabschnitte ab und zeigt sich auch wieder in der Struktur des Tragwerks. Die Rahmenbinder in Brettschichtholz mit einem Querschnitt von 160 x 800 mm formen das Ge­ bäude und verfügen im Bereich der Raumteilung über eine zusätzliche Stütze. Darum herum ist teils die opake Hülle gezogen, im Dach als ein extensiv begrüntes Warmdach, im oberen Bereich der Fassade als Holzrahmenbau mit vorgehängter Blechbekleidung. Die Verglasung ist als Pfosten-Riegel-Fassade vor die Rahmen­ binder montiert. Die natürliche Holzoptik bildet einen starken Kontrast zu den High-End-Produkten der Autoshow und verleiht dem Innenraum einen möbelartigen Charakter, welcher ähnlich wie in einem Automobil eine eigenständige Qualität aufweist. Mit dem Neubau in Bern will Skoda den Markenauftritt mit dem Slogan ‹Green Line:

because tomorrow starts today› umsetzen. Den Architekten ist es in enger Zusammenarbeit mit den Holzbauingenieuren gelungen, Ästhetik mit Nachhaltigkeit zu verbinden und in eine Konstruktion mit einer einfachen Logistik für den Bauablauf münden zu lassen.

Situation


Grundriss

Querschnitt

10 m

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Dachaufbau von oben: Substrat 80 mm Wasserspeicherschicht 50 mm Wurzelschicht Wasserdichtung Dämmung 200 mm Dampfbremse Schalung 50 mm oder Dreischichtplatte 42 mm Rahmenbinder 160 x 800 mm/ Abhängung 300 mm/Dämmung 30 mm/Vlies/ Gipskartonplatte 12,5 mm, gelocht Verglasung Südfassade mit Sonnenschutz-Isolierglas Ug-Wert 1,1 W/m2K, g-Wert 54 % Aufbau Nordfassade von innen: Rahmenbinder und Windverband Gipskartonplatte 12,5 mm Dampfbremse OSB-Platte 18 mm Rippen 200 mm/Dämmung Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 16 mm Unterdachfolie Distanzhalter 155 mm Aluglattblech Verglasung Nordfassade mit Sonnenschutz-Isolierglas Ug-Wert 1,1 W/m2K, g-Wert 61 %

Detailschnitt Südfassade

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Detailschnitt Nordfassade


Ort Wankdorffeldstrasse 60, 3014 Bern Bauherrschaft AMAG Automobil- und Motoren AG, Zürich Architektur GWJ Architektur AG, Bern Bauingenieur Beyeler Ingenieure AG, Bern Bauphysik Gartenmann Engineering AG, Bern HLKS-Ingenieur René Décorvet, Energie- und Sanitärplanungen, Bern Elektroingenieur CSP Meier AG, Bern Holzbauingenieur Neue Holzbau AG, Lungern Holzbau Herzog Bau und Holzbau AG, Bern Materialien Brettschichtholz 74 m3; Platten: Dreischichtplatten 42 mm 11 m2, OSB3-Platten 18 mm 138 m2, diffusionsoffene, mitteldichte Faserplatten 16 mm 138 m2; Schalung 50 mm 432 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 3,445 Mio. davon BKP 214 CHF 342 000.– Geschossfläche 653 m2 Gebäudevolumen SIA 416 3793 m3 Bauzeit April 2011 – Januar 2012 Fotograf Thomas Jantscher, Colombier

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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Mühlebachstrasse 8 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Holzbulletin, September 2012 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Redaktion Roland Brunner, Lignum Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 140.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten.

Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

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ISSN 1420-0260

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Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug

Holzbulletin 104/2012  

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