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Euro 2,40_September 2013_23. Jahrgang E30481_www.lift-online.de

DER SEPTEMBER IN STUTTGART & REGION

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GEILES GESCHMIERE Wie die Stuttgarter Graffiti-Szene das Stadtbild prägt – oder es zumindest versucht

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DIE QUAL VOR DER WAHL Diese fünf Bundestags-Kandidaten fühlen sich unwohl WASEN LOS! Zuckerwatte oder Feuerwurst? Promis verraten ihre Bierbank-Geheimnisse BLUTIGER HERBST Das Fantasy Filmfest kommt mit Horror und Gemetzel


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DAS BESTE IM SEPTEMBER

DAS BESTE...

40 WASEN LOS! Stuttgarter Promis verraten ihre Bierbank-Geheimnisse

7 DIE QUAL DER WAHL Diese fünf Kandidaten fühlen sich unwohl

INHALT STADT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .6 ABO-AKTION . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .26 LEBEN STUTTGART KAUFT EIN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .29 STUTTGART FLIEGT AUS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .32 STUTTGART FÜR KINDER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .34 STUTTGART GEHT AUS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .36 STUTTGART FEIERT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .42 KULTUR SEHEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .47 ENTDECKEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .54 LESEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .58 HÖREN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .61 SPIELEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .70 PLANEN VERANSTALTUNGSKALENDER . . . . . . . . . . . . . . . . . . .74 KINDERKALENDER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .113 A BIS Z . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .120 VERANSTALTER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .128 KLEINANZEIGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .130 IMPRESSUM . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .136 LIFT LIEBT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .138

47 BLUTIGER HERBST Das Fantasy Festival kommt mit Horror und Gemetzel nach Stuttgart – die besten Filme zum Gruseln


DAS BESTE IM SEPTEMBER

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IM SEPTEMBER

42 15 GEILES GESCHMIERE Wie die Stuttgarter Graffiti-Szene bis heute das Stadtbild prägt – oder es zumindest versucht

RAUS AUS DEN CLUBS Von Wohnmobil bis Bowlingbahn – Stuttgarts findige Partymacher feiern im September überall

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DER LETZTE HIPPIE T.C. Boyle liest aus seinem neuen Roman

70 TANZLOKAL Stuttgart hat ein neues Tanzfestival

20 LEISE TÖNE AUS STUTTGART? Mini Schulz wehrt sich gegen die Abschaffung des Jazz-Studiengangs

PUDELWOHL AUF BALI Der Fellbacher Simon Weiss hat in Padang Padang eine Surfschule eröffnet


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Foto: Schönebaum

STADT

DIE QUAL VOR DER BUNDESTAGSWAHL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .7 GEILES GESCHMIERE: WIE GRAFFITI DAS STADTBILD PRÄGT . . . . . .15 MEIN MONAT, ROCKSTARS, JAZZ- UND SKY-DISKUSSIONEN . . . .18

SIMON WEISS HAT EINE SURFSCHULE AUF BALI ERÖFFNET . . . . . . . . . .22 VOR ORT: MIT MARKUS HEFFNER IN DER WILHELMA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18 ABO-AKTION . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ....................................................20


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AM 22. SEPTEMBER IST BUNDESTAGSWAHL: DIESE FÜNF KANDIDATEN FÜHLEN SICH UNWOHL

DIE QUAL VOR DER WAHL Wer in den Bundestag einziehen will, hat es nicht leicht: Mehrere Termine am Tag, gefühlte 95 Fassanstiche pro Woche, tausende Hände, die geschüttelt werden wollen. Und dann kommen auch noch die vom LIFT und haben diesen Wahnsinnsplan: „Treffen wir uns doch zum Interview an einem Ort, an dem Sie sich ganz bestimmt unwohl fühlen.“ Klar, dass wir Cem Özdemir im CDU-Bunker Ratskeller und Sozi Nicolas Schäfstoß auf einen Champagner treffen. antrag lag dann aber noch eine ganze Weile auf dem Schreibtisch, bevor Schäfstoß 2002 beitrat. „Ich wollte kein stilles Mitglied sein, wollte mich engagieren“, sagt er. In seinen Augen blitzt Tatendrang auf. Den hat sein SPDOrtsverein wohl auch gesehen: Schnell wurde er zum Kreisvorsitzenden der Jusos. Nach dem Motto „ein Bein in der Partei, eins draußen“ wollte Schäfstoß Initiativen mitgestalten, zum Beispiel beim Hotel Silber. Doch nicht nur dafür habe man gekämpft: „Wir hatten heftige Auseinandersetzungen mit der Partei.“ So viel Kampfgeist traut man dem Musterschüler gar nicht zu. Ein Vorteil, weil man dann auch gerne mal unterschätzt wird? Zum Beispiel von einer Konkurrentin, die bei Experten als haushohe Favoritin gilt? „Ob eine Frau Maag mich unterschätzt oder nicht, ist nicht entscheidend. Ich ziehe mein Ding durch.“ Sein Ding, das sind Haubesuche. Im Internet gewinne man schließlich keinen Wahlkampf. Und: In einem Wahlkreis, der sich vom idyllischen Münster bis hin zum industriellen Zuffenhausen erstreckt, lassen sich die Themen eben nicht so einfach bündeln. „Idyll und Milieu liegen nah beieinander, und man lernt nur durch den direkten Kontakt zu den Menschen.“ Vor allem als Neuer hat Schäfstoß da einiges nachzuarbeiten: „Um das Bekanntheitsdefizit Mit Nicolas Schäfstoß im Besserverdiener-Spot Flo: „Dekadenz ist eine furchtbare Eigenschaft“ aufzuholen, haben wir das klassische Wahlkampf-Programm vorgezogen.“ Seit Monaten zieht er von Tür zu Tür, um den Menschen seine Themen nahe zu bringen. Aber lassen sich die Menschen von einem 31-Jährigen überWohl scheint er sich hier nicht zu fühlen. „Dekadenz ist eine furchtbare Eigenschaft“, haupt etwas sagen? Schon der Vorschlag, sich im Restaurant Flo, sagt Schäfstoß. Normalerweise trinkt er sei- Die Reaktionen seien unterschiedlich, sagt dem Besserverdiener-Spot im Untergeschoss nen Kaffee im Bistro Astoria in S-Ost. In der Schäfstoß. Junge Menschen gehörten nun mal des Kaufhauses Breuninger, zu treffen, hat ihm Nähe ist Schäfstoß aufgewachsen. Und dort in die Parlamente: „Der Bundestag ist kein nicht gefallen. Das wundert nicht: Dem Sozi- lebt er jetzt wieder. Nahe der Heinrich-Bau- Spiegel der Gesellschaft mehr, sondern ein – aldemokraten Nicolas Schäfstoß wird eine be- mann-Straße, „dem linken, alternativen Verzeihung – Altherren-Club von Juristen.“ sondere Nähe zu linken Themen nachgesagt. Nest“, wo ihn seine alUnd denen fehle „Da hättet ihr mit Cem Özdemir ja ins Atom- leinerziehende Mutter eben das Wissen der „DER BUNDESTAG kraftwerk gehen müssen“, sagt er. So ähnlich mit linksliberaler Hand IST EIN ALTHERRENCLUB“ jüngeren Generation. haben wir es ja auch gemacht. großzog, inklusive BeBei der CDU vermisst Zum Interviewtermin erscheint der 31-Jährige such im Multikulti-Frieder Jungpolitiker klain Jeans, Hemd, Sakko und Turnschuhen. Und dens-Kindergarten. Den zypriotischen Vater re Worte zu brennenden Fragen. Die Parteier hat eine dieser Nerd-Brillen im Gesicht, die besuchte Nicolas als Kind regelmäßig auf des- en müssten wieder klare Standpunkte beziedem Träger eine intellektuelle Coolness ver- sen Heimatinsel. Dort hat er die Auswirkun- hen. „Steinbrück polarisiert zwar, aber man leihen soll. Trotzdem sieht der SPD-Kandidat gen der Zypernkrise früh miterlebt. weiß, woran man ist“, sagt er. Dann verfällt für den Bundestag des Wahlkreises Stuttgart In der Schulzeit hat ihn die Politik dann voll- Schäfstoß wieder in Wahlkampfpolemik – das II eher aus wie ein harmloser Musterschüler. ends gepackt: „Der Wahlkampf Kohl-Schröder tut er gerne. Er ist halt doch ein MusterWarum er sich so gegen das Flo gesträubt hat? 1998 hat mich mitgerissen.“ Der SPD-Partei- schüler. Nina Bauer

Foto: Schönebau

MUSTERSCHÜLER MIT KAMPFGEIST


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Mit Cem Özdemir im Ratskeller, dem Stammlokal der CDU: „Aber der Büffelmozzarella schmeckt“

Foto: Schönebaum

aktuell m i ’s t b i kel g zen Arti n iosk a g n e !D zt am K t e e b j o r p n e e les Les LIFT zu


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STADT

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VEGETARIER MIT BAHNHOFSFRUST Mitten im Gespräch wird Cem Özdemir plötz- desvorsitzender der Grünen hat er die wahr- wohl versehentlich seinen „Herausforderer“ lich leiser. Er lässt sich auffällig lange Zeit mit scheinlich auch schon irgendwo kundgetan. nennt. Nur ein Freud’scher Versprecher oder der ersten Gabel seines Büffelmozzarellas. Seine Antworten kommen wie von Band, ihn eine klare Ansage? „Das Thema bleibt aktuell“, sagt der Grüne zu überraschen scheint unmöglich. Gesprächs- Um nicht nur der Bundespolitiker zu sein, beschließlich, die Stimme etwas gesenkt. „Aber partner sind für ihn nur Stichwortgeber, um tont Özdemir auffällig oft, dass er gelernter Erich hätte beim Volksentscheid und der Ent- wahlweise das grüne Wahlprogramm zu pro- zieher ist, aus einer Arbeiterfamilie stammt und scheidung des Aufsichtsrats natürlich gerne ein pagieren oder gegen den politischen Gegner in Stuttgart und der Region hervorragend veranderes Ergebnis gesehen.“ zu schießen – oder im Idealfall gleich beides. netzt ist. Auch einen schwäbischen Leitspruch Özdemir sitzt im Ratskeller am Stuttgarter Dabei sagt er selbst, dass es die großen Kon- hat er sich zurecht gelegt. „Des isch kei g’mähts Marktplatz, ein Ort, den ein Grüner für ge- fliktlinien zwischen den Parteien nicht mehr Wiesle“, sagt er zum Ausgang des Duells mit wöhnlich meidet: Immerhin feiert die CDU gebe. Woher das kommt? „Man könnte scherz- Kaufmann. Die Absicht ist klar: Nähe schaffen, hier ihre Siege und beweint ihre Niederlagen. haft sagen: Wenn die Grünen eine Copyright- dem Wähler zeigen, einer von ihnen zu sein. An einem Ort wie diesem ist es womöglich Abgabe auf ihre Ideen verlangen würden, Denn es gibt nicht nur den Politiker Özdemir, nicht ratsam, sich zu laut gegen S21 zu äußern. wären wir mit Abstand sondern auch den Seine Pressestelle reagierte dementsprechend die reichste Partei.“ Familienmenschen, wenig begeistert auf den Vorschlag, das Inter- Wie aber lassen sich IST ER STUTTGARTER ODER der sich grundsätzSCHON BERLINER? view hier zu führen. bundespolitische Amlich die Sonntage Auch an diesem Tag wirken die Gäste hier eher bitionen mit der Arbeit frei hält, um sie mit wie Stammwähler von Stefan Kaufmann, der vor Ort im Wahlkreis verknüpfen? Özdemir ist seiner Frau und den beiden Kindern zu vermit Özdemir um das Direktmandat im Wahl- in Bad Urach im Kreis Reutlingen geboren, sein bringen. Der von seiner siebenjährigen Tochkreis Stuttgart I konkurriert. Vor vier Jahren Wahlslogan lautet „Für Stuttgart nach Berlin“ ter erzählt, die gerade Mozarts „Entführung ging der CDU-Mann mit fünf Prozentpunkten – aber ist er wirklich noch Stuttgarter und nicht aus dem Serail“ in der Schule gehört hat und Vorsprung als Sieger aus der Wahl hervor. Öz- schon Berliner nach all den Jahren in der ihm, dem Rock-Hörer, damit einen Zugang zu demir war im Gegensatz zu heute nicht über Hauptstadt? Klassik und Oper verschafft. Davon, dass er die Landesliste abgesichert. Er zog nicht in den Özdemir teilt diese Sorge nicht: „Ich bin um zwar ein lausiger Fußballer sei, aber dennoch Bundestag ein. die Ecke geboren und in Stuttgart seit Jahren hin und wieder kicken gehe. Hauptsächlich in Generell ist es im Wahlkampf auffällig still um gut verankert. Ich mache das Angebot, Stutt- der Abwehr, betont er. Dort, wo es nicht so den Bahnhof. „Ich spreche das Thema an“, sagt gart auf Bundesebene stark zu vertreten.“ Er auf die Technik ankommt. Özdemir zwar und bezeichnet sich als über- setzt dabei auf seinen Namen und eine enge Seinen Humor hat er in all den Jahren trockezeugter K21-Befürworter, Priorität scheint es Zusammenarbeit mit Kuhn und Kretschmann. ner politischer Arbeit nicht verloren. Trotz der bei den Grünen aber nicht mehr zu genießen. „Wir stehen uns nahe, haben gemeinsam viel Kredit- und Flugmeilen-Affäre, die ihn 2002 Zu groß ist die Ernüchterung bei Teilen des erreicht und haben eine ähnliche Denke, ge- sein Bundestagsmandat gekostet hat, trotz Wahlvolks, das große rade auch was die bundesweiter Empörung über den VeggieHoffnungen in die wichtige Rolle un- Day, dem angedachten fleischfreien Tag in POLIT-PROFI IN NEWgrün-rote Landesregieseres Mittelstandes Kantinen, den die Springer-Presse zum SkanBALANCE-TURNSCHUHEN rung gesetzt hatte. Özangeht.“ dälchen aufbauschte. „Manchmal helfen soldemir musste das vor Kuhn könne er bei che holzschnittartigen, polemischen Debatten, Kurzem erst wieder selbst erfahren, als er auf den Wohnungsproblemen in Stuttgart unter die gegen uns ins Feld geführt werden, auch einem Termin am Bahnhof Vaihingen von ei- die Arme greifen: „Der Bund kann eine Miet- uns“, sagt der überzeugte Vegetarier. „Danem S21-Gegner beschimpft wurde. preis-Obergrenze bei Wiedervermietungen durch rückt man das eigentliche Thema wieOder haben die Grünen einfach resigniert? „Ich einführen“, wirbt er für sich. Wer ihn wähle, ge- der stärker in den Mittelpunkt.“ kann nicht versprechen, dass das Projekt be- be zudem einer Regierung das Vertrauen, die Die Aufregung um die Veggie-Debatte sei völerdigt wird, die Entscheidung liegt bei der mehr Geld in Kitas stecken will, und wähle auch lig überzogen: „Wir sind nicht strukturkonserBahn“, sagt Özdemir und reiht sich damit in das Betreuungsgeld ab, das Kaufmann mitbe- vativ, wir wollen den Leuten ihr Leben nicht den Tenor des Ministerpräsidenten Winfried schlossen habe. Und: Er könne etwas bewegen, vorschreiben.“ Wichtig sei ihm, „dass wir alle Kretschmann und des Stuttgarter Oberbür- meint Özdemir. „Es geht darum, wie kraftvoll darauf achten, wie unsere Lebensmittel hergermeisters Fritz Kuhn ein. Er habe oft ver- Stuttgart in Berlin vertreten wird. Die Stärke ei- gestellt werden, dass die Erzeuger ein ausreisucht, Brücken zu bauen. Die CDU habe sei- nes Abgeordneten hängt auch vom Standing in chendes Einkommen haben und die Produkte ne Angebote aber durchweg ausgeschlagen. der Partei ab.“ Dabei hat er als Grünen-Bun- gesund sind. So etwas müsste doch eigentlich „Es gibt bei der Union niemanden, der bereit desvorsitzender gegen den CDU-Kreisvorsit- auch von einem Christdemokraten kommen ist, Gräben zuzuschütten.“ zenden Kaufmann natürlich die Nase vorn. und nicht nur von einem Grünen.“ Özdemir hat den Faden wiedergefunden, er Die Niederlage vor vier Jahren habe ihn ge- Sollte sich die CDU irgendwann in diese Richspricht jetzt wieder mit voller Stimme und dem fuchst: „Ich hätte den Wahlkreis gerne in Ber- tung ändern, wäre eine schwarz-grüne KoalitiBrustton der Überzeugung. Koteletten hin, lin vertreten. Jetzt möchte ich Stuttgart im on prinzipiell denkbar, sagt Özdemir. „Die UniNew Balance-Turnschuhe her: Hier redet ein zweiten Anlauf überzeugen. Ich freue mich auf on ist eingeladen, die gesellschaftliche Realität Berufspolitiker, der sich längst im Wahlkampf- die Herausforderung und bin zuversichtlich.“ anzunehmen und in ihr anzukommen.“ Ein Promodus befindet. Man könnte mit ihm über al- Özdemir erscheint selbstbewusst, aber nicht blem gebe es dann trotzdem noch: „Die stockle politischen Themen dieser Welt sprechen, arrogant. Auch wenn er den amtierenden konservative Verwandtschaft von der CSU er hätte zu allem eine Meinung. Und als Bun- Mandatsinhaber Kaufmann hin und wieder gehört eben auch dazu.“ David Hilzendegen


LEBEN STUTTGART KAUFT EIN

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LIFT LIEBT

SCHÄTZE UND STERNE IN DEN KREATIVVIERTELN S-SÜD UND S-WEST

LADEN-HOPPING ZUM ZACKE-BIER das selbstgebraute Zacke-Bier schmecken. Kostbarkeiten gibt’s auch eine Woche später bei „Schätze des Westens“. Hier präsentieren sich 41 Künstler und Kunsthandwerker in ihren Ateliers, Werkstätten und Läden in dem Gebiet zwischen Augusten-, Seiden- und Rotenwaldstraße. „Wir möchten die Kreativschaffenden des Westens zusammenbringen“, so Karina Payk von den Westschätzen. Während die Zirkuswelt im Vogelsangatelier mit Jongleuren und Zuckerwatte verzaubert, kann man sich in vielen Ateliers auch selbst als Schöpfer versuchen. MAK STERNE DES SÜDENS [14.9. 10-18 Uhr, versch. Läden, S-Süd, www.stuttgart-sued.info/502_Sternedes-Suedens.html] SCHÄTZE DES WESTENS [21.9. 11-19 Uhr, versch. Läden, S-West, www.schaetze-des-westens.de]

SCHLICHTE MÖBELSYSTEME GIBT’S IM USM-SHOWROOM IN S-MITTE

NEUER SCHWABENLIEBE-LADEN

BESTÄNDIG UND SCHICK

SCHWÄBISCH GUT

Was heute Regal ist, kann morgen Tisch werden und sieht dabei auch noch schick aus. Mit diesem Konzept hat sich die Schweizer Mö-

Exil-Schwaben und Touristen konnten sich bisher im Online-Shop mit den Köstlichkeiten von Schwabenliebe eindecken. Jetzt gibt es die regionalen Feinkosterzeugnisse in einem eigenen Laden in S-Sillenbuch. „Das Besondere im Lädle ist, dass Geschenke nach Wunsch zusammengestellt werden können“, so Petra Stotz, die Schwabenliebe vor drei Jahren gründete. So gibt es etwa „Überlebenspakete“ und Geschenkboxen mit allem, was schwäbische Genießer lieben. Ob Pasta in Brezel-Form, Bio-Bärlauch-Pesto oder Streuobstwiesen-Quittenbrand – Stotz und Geschäftspartnerin Heidi Dürrstein setzen auf regionale Herstellung und erzählen gerne die Geschichten ihrer Produkte dazu. Und das auf Schwäbisch, isch doch klar. KD

belmarke USM durchgesetzt. Die modularen Möbelbausysteme sind wandel- und vielseitig einsetzbar, das Design ist schlicht und funktional. In über 40 Ländern werden die Möbel vertrieben, Showrooms gibt’s in Hamburg, Tokio, Paris – und jetzt auch in Stuttgart. In S-Mitte zeigt der Möbelhersteller seine aktuellen Kollektionen, dazu gibt’s Design- und Architekturtreffs mit Vorträgen. MAK BY USM [Stephanstr. 30, S-Mitte, 0711/21 74 74 00, Mo-Fr 10-19, Sa 10-16 Uhr, www.usm.com]

LIFT LIEBT

BEI POULE FOLLE IN S-SÜD GIBT’S VERSPIELTE PAPETERIE

VERRÜCKTE PAPIERKUNST französische Variante „poule folle“. Die Mediendesignerin stellt mit alten Druckmaschinen aus den Jahren 1890 und 1956 Papierprodukte wie Grußkarten und Visitenkarten mit feinster Prägung her. In Amerika lernte sie die alte Drucktechnik, kaufte dort auch eine der nostalgischen Druckpressen, ließ sie einfliegen und eröffnete ihr Atelier. „Was ich hier mache, ist auch eine verrückte Aktion“, lacht sie. Wir finden: zum Verlieben verrückt! MAK Weil sie schon in der Schule als verrücktes Huhn bezeichnet wurde, gab Céline Hermel ihrem neu eröffneten Atelier als Namen die

POULE FOLLE [Weißenburgstr. 18, S-Süd, Tel. 0174/ 190 21 97, Di+Do 12-19 Uhr, www.poulefolle.com]

SCHWABENLIEBE [Kirchheimer Str. 38, S-Sillenbuch, Tel. 0711/76 16 43 36, Mo-Mi 9:30-12, Do+Fr 9:30-12+13-18, Sa 9:30-14 Uhr, www.schwabenliebe.com]

Fotos: Schönebaum

Stuttgart als Einkaufsstadt ist weit mehr als die Shoppingmeile Königstraße. Im September bieten gleich zwei Events Gelegenheit ansässige Künstler und Kreative zu entdecken – hier ist alles „made im Viertel“. Am 14. September öffnet das Lehenviertel in S-Süd bei „Sterne des Südens“ seine Ladentüren. Mit dabei sind 31 Designer, Gastronomen, Ladenbesitzer und Musiker. „Selbst Leute aus dem Viertel wissen oft nicht, was es hier alles gibt. Wir wollen den Einzelhandel fördern“, sagt Jochen Siegel, der mit seinem Grafikbüro einer der Sterne des Südens ist. Ob Bücher, handgefertigte Taschen oder eine Stadtteilführung – beim Streifzug durch Filder-, Zeller- und Immenhoferstraße lässt sich S-Süd entdecken. Alte Handwerksbetriebe und die junge Kreativszene locken mit Rabatten zum Laden-Hopping, dazu lässt man sich


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WAGENHALLEN-MACHER THORSTEN GUTBROD PRÄSENTIERT SEINE

EIN KESSEL BUNTES: SHOPPING-NEWS

LIEBLINGSSTÜCKE

LADENFEIEREI

Der Stuttgarter Thorsten Gutbrod ist zusammen mit Stefan Mellmann Geschäftsführer der Wagenhallen in S-Nord. Gemeinsam machen sie das Stuttgarter Nachtleben regelmäßig um ein paar schöne Events reicher.

Stylisch und neu: Direkt gegenüber des bereits bestehenden Shops hat der Innenausstatter Ikarus einen weiteren Ableger eröffnet. Das Besondere daran ist der integrierte KARTELL FLAGSHIP-STORE mit Stühlen, Sofas und Regalen der Möbelmarke. [Stephanstr.

BILD (Clemens Schneider, Paulinenstr. 18, S-Mitte): „Für mich ist Clemens Schneider einer der besten Maler Stuttgarts. Sein Atelier ist in einer Garage, in der man seine Zeichnungen und Malereien bestaunen kann.“ FAHRRAD (Mega Bike, Voltastr. 10, S-Bad Cannstatt): „Das Rad habe ich bei den Jungs von Mega Bike gekauft. Man sollte den Laden unterstützen, da die Besitzer großes Fachwissen besitzen und dazu faire Preise haben.“ CD (Anna Gemina, www.annagemina.com) „Anna Gemina ist toller, verrückter Sound aus Stuttgart. Die junge Band klingt richtig gut

30, S-Mitte, Tel. 0711/327 79 66, www.ikarus.de]

und schreibt zudem wirklich schöne Texte. Für mich immer wieder ein Ohrenschmaus.“ SHOPPINGTIPP BREUNINGER (Marktstr. 1-3, S-Mitte) „Dort kaufe ich meistens ein, weil ich wie ein Schlamper kommen kann und kein Mitarbeiter mich deswegen schräg anschaut.“

Aromatisch und exotisch: Ab September bietet VIOLAS GEWÜRZE UND DELIKATESSEN in S-Mitte auch Gewürz- und Kochworkshops an. Die Events rund um die Delikatessen aus der Hamburger Gewürzmanufaktur finden im neu eröffneten zweiten Stock des Geschäftes statt. [Neue Brücke 4, S-Mitte, Tel. 0711/99 79 48 80, Mo-Sa 10-20, Do 10-22 Uhr, www.violas.de]

DER BOARDSPORT-SPEZIALIST BLUE TOMATO ERÖFFNET IN S-MITTE

Foto: Schönebaum (o.)

DIE BLAUEN BRETT-EXPERTEN

500 Quadratmeter für Boardsportliebhaber gibt’s ab Ende August in S-Mitte. Dann eröffnet der österreichische Spezialist für Snowboard, Freeski, Skate und Surf Blue Tomato hierzulande seinen fünften Laden. Ob Boardsportzubehör oder Streetwear – der Stutt-

garter Store-Manager Marc Petrinic will den Kunden „das anbieten, was sie wirklich benötigen, um zum Beispiel mit ihrem Snowboard den maximalen Spaß zu haben.“ Petrinic skatet und snowboardet selbst seit 25 Jahren und ist in der Szene kein Unbekannter. „Stuttgart hat schon seit Mitte der 90er Jahre einen guten Ruf in Sachen Skateboarden. Wir wollen mit verschiedenen Events dafür sorgen, dass die Szene wieder enger zusammenrückt“, sagt er. Los geht’s am 30. August mit einem Skatecontest. KD BLUE TOMATO [Alte Poststr. 3-5, S-Mitte, Mo-Sa 10-20 Uhr, www.blue-tomato.com]

Literarisch und musikalisch: Das Musikfachgeschäft Einklang in S-Mitte bekommt Zuwachs. Die Buchgemeinschaft BÜCHERGILDE gibt ihren Standort in der Willi-Bleicher-Straße auf und zieht an den Charlottenplatz. Beim Einweihungsfest am 14. September ab 16 Uhr kann man sich vom neuen Shop-in-Shop-Prinzip überzeugen. [Charlottenstr. 1, S-Mitte, Tel. 0711/224 93 10, Mo-Mi 10-19, Do+Fr 10-20, Sa 10-18 Uhr, www.buechergilde.de]

Romantisch und modisch: Am selben Tag feiert die Hipster-Boutique LÀ POUR LÀ mit tollen Specials ihr Zweijähriges. Ab 22 Uhr wird in der Bar Romantica in der Hauptstätter Straße 40 weitergefeiert. [Königstr. 1B, S-Mitte, Tel. 0711/91 28 22 30, Mo-Sa 11-19 Uhr, www.lapourla.de]


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LEBEN STUTTGART GEHT AUS

S GEHT AUS VOLL AMERIKANISCH: DIE KÖNIGSBAU PASSAGEN HABEN JETZT EINE FOOD LOUNGE

„ESSEN ZIEHT DIE LEUTE AN“

Kennen wir aus den USA: Zu jeder ShoppingMall gehört ein ganzes Stockwerk voll mit Gastros. Das gibt es seit Mitte August auch im zweiten Obergeschoss der Königsbau Passagen in S-Mitte. LIFT-Autorin Nina Bauer hat mit Center-Manager Christian Langsdorff über die neue Food Lounge und schwere Bauch-Entscheidungen gesprochen. LIFT Herr Langsdorff, was erwartet hungrige Mägen in der neuen Food Lounge der Königsbau Passagen? LANGSDORFF 13 Gastronomen sorgen mit ihren Spezialitäten für eine Schlemmerpause der besonderen Art. Hinter dem einheitlichen

Thekenbereich wartet von asiatischen, indischen, thailändischen, italienischen oder türkischen Köstlichkeiten über schwäbische Klassiker bis hin zu Crêpes, Frozen Yoghurts, Smoothies und Donuts alles mögliche auf hungrige Gäste. LIFT Ganz schön viel Auswahl. LANGSDORFF Das Besondere ist, dass die einzelnen Gastros durch eine gemeinsame Theke miteinander verbunden sind. So hat man die Auswahl an einem zentralen Ort und muss sich in der Mittagspause mit den Kollegen nicht auf eine Geschmacksrichtung einigen. Jeder holt sich das, worauf er Lust hat. Ge-

meinsam gegessen wird dann in einem der vier Sitzbereiche mit Blick auf die Bolzstraße. LIFT Wollen Sie damit mehr Publikum als bisher in die oberen Stockwerke des Königsbaus locken? LANGSDORFF Klar, Essen zieht die Leute an. Wir bieten hier hochwertige Fast Food-Küche an, haben uns bewusst gegen die üblichen Gerichte entschieden. Das soll sich auch im Ambiente widerspiegeln: kein Fast Food-Charakter – sondern eben eine Food Lounge. FOOD LOUNGE IN DEN KÖNIGSBAU PASSAGEN [Königstr. 26, S-Mitte, Mo-Sa 21 Uhr]


LEBEN STUTTGART GEHT AUS

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DAS PUNTO FISSO HEISST JETZT IL PUNTO

BLEIBT ALLES ANDERS

JEDEN TAG EIN BISSCHEN BESSER...

Das Punto Fisso im Gerberviertel stand 20 Jahre lang für authentische, italienische Küche. Doch dann war Schluss mit Bella Italia in der Christophstraße – der Pachtvertrag von Giuseppe Trivigno und Stavros Vogiatzis wurde nicht verlängert. Aber kein Grund traurig zu sein, denn das Ehepaar Snezana und Nenad Bokun, die auch das Da Cesare in S-Mitte führen, haben vor Kurzem aus dem Punto Fisso das Il Punto gemacht. Neben kleinen Schönheitsreparaturen wurde nahezu nichts verändert. Auch das Personal ist geblieben. Somit zeigt sich Koch Angelo Brancato noch immer ver-

antwortlich für die schnörkellose Küche. Die Penne Arrabiata (€ 7,50) haben es in sich. Auch die Paccheri Manzo (€ 10,50) überzeugen. Zwar etwas weicher als al dente gekocht, schmecken sie aber in der Kombination mit Rindfleisch und Rotweinsoße fein. Nur der gegrillte Tintenfisch ist (€ 16,90) nicht das, was wir uns vorgestellt haben – der Fisch zäh, die Gemüsebeilage verkocht. CLU IL PUNTO [Christophstr. 14, S-Mitte, Tel. 0711/67 44 36 74, Mo-Sa 11:3014:30+16-0 Uhr] ! ! ! ! ! ESSEN ! ! ! ! ! AMBIENTE ! ! ! ! ! SERVICE

Frische Zutaten, liebevolle Zubereitung, außergewöhnlicher Service und eine tolle Location – das ist das Spalatum. Unser wichtigster Antrieb ist es, einfach immer noch ein bisschen besser zu sein und uns stets weiterzuentwickeln. Mit dem Durchschni! geben wir uns nicht zufrieden. Diese Einstellung treibt uns Tag für Tag dazu an, das Beste für Sie zu geben. Das ist das Mo!o vom Spalatum Stu"gart! Wir verwöhnen Sie vom Frühstück über den Mi!agstisch bis hin zum exklusiven Dinner mit den allerfeinsten Köstlichkeiten aus unserer medi!erran inspirierten Küche. Entdecken Sie Genuss mit allen Sinnen im Spalatum Restaurant & Bar Stu"gart. Niko Vurbic definiert das Konzept vom Spalatum Stu!gart in einfachen, aber klaren Worten: "Es geht uns nicht um Trends oder flüchtige Momentaufnahmen sondern um Lebensgefühle, die von Dauer geprägt sind".

Jeden 1. Sonntag am Piano ab 11:00 Uhr: Ma"hias Weiss Jeden 2. Donnerstag Open Kitchen und Piano Menü 19.00 - 21.30 Uhr

SPALATUM Restaurant & Bar – Cafe & Lounge Heusteigstraße 114 70180 Stu"gart Telefon 0711/518 723 52 www.spalatum.de info@spalatum.de

Öffnungszeiten: Mo – Do: 11.00 - 00.00 Uhr Fr: 11.00 - 3.00 Uhr Sa: 9.00 - 3.00 Uhr So: 9.00 - 00.00 Uhr

LECKER: GASTRO-NEWS AUS STUTTGART UND REGION

NACHHALTIG FEIERN Weiß, rot oder rosé? In der Schankstelle wird am 16.9. kräftig ausgeschenkt, denn die Weingüter Haller, Knauß und Zimmerle laden zur JAHRGANGSVERKOS TUNG ein. (S-Mitte, 16-22 Uhr).

Foto: Schönebaum

Wo ein Weg zu Ende geht, beginnt ein neuer: In den Räumen des Italieners Locanda am Rotebühlplatz in S-Mitte eröffnet am 20.9. eine neue (Lieblings-)Kneipe: Das PETRUSILIUS von den Hotzenplotz-Machern. Was tut man zwischen Frühlingsfest und Wasen? Man geht zum BRAUEREIFEST! Zur Feier des 125. Dinkelacker-Jubiläums gibt es Jubiläumsbier und einen Ausflug

durch die Dinkelacker-Geschichte mit Bierprobe. (Brauereigelände Tübinger Str., 7.+8.09., ab 11 Uhr, Eintritt frei) Und dann ist auch schon wieder Wasen-Zeit: Wer gerne mit gutem Gewissen schunkelt, ist dieses Jahr in WILHELMERS SCHWABENWELT richtig – denn hier wird nachhaltig gefeiert: Die Stadtwerke Stuttgart versorgen die Zeltgäste mit 100 Prozent Ökostrom. (27.9-13.10. www.cannstatter-volksfest.de)

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LEBEN STUTTGART FEIERT

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S FEIERT LIFT LIEBT

RAUS AUS DEN CLUBS: STUTTGARTS FINDIGE PARTYMACHER FEIERN ÜBERALL

IMMER AM SELBEN ORT FEIERN? LANGWEILIG!

Sieht nicht nur von außen äußerst fesch aus: die Disco 432

Es ist schwer, ein Club in Stuttgart zu sein. Betreiber streiten sich mit der Stadt, die Anwohner mit den Clubs und die wieder mit der Polizei. Und unter all dem Gezank leidet die Szene. Findige Partymacher suchen schon länger nach Möglichkeiten, den Querelen aus dem Weg zu gehen. Erst vor kurzem feierte das Party-Kollektiv Ohhi! auf dem Turm des Stuttgarter Bahnhofs. Und auch andere Partyveranstalter basteln munter an neuen, frischen Konzepten. Einer von ihnen ist Mirko Ruppenstein. Bis vor einigen Monaten schmiss er das KimTimJim. Nachdem es über Nacht schließen musste, ist er nun auf der Suche nach neuen Räumen. Etwas Festes muss das gar nicht sein: „Zwischennutzung finde ich spannender“, sagt Ruppenstein, „und die Gäste nehmen neue Locations dankbar auf.“ Momentan veranstaltet er mangels eigener Räume Events an wechselnden Orten, zum Beispiel am 7. September eine Bowling-Disco der etwas cooleren Art im City-Bowling in S-Mitte. Da läuft dann Elektronisches von Muallem, gebowlt werden kann auch. Ende Oktober ist eine Veranstaltung in der Staatsgalerie geplant.

Ungewöhnlich feiern kann man auch bei Valentin Hillengass und Hannah Häußer. Die beiden betreiben seit kurzem die Disco 432 – in einem Wohnwagen. „Wir saßen beim Katerfrühstück“, sagt Hillengass, „und haben überlegt, dass wir eine eigene Bar brauchen, damit wir günstiger trinken können.“ Immer am selben Ort zu feiern, kam den beiden aber langweilig vor. Innerhalb von zwei Monaten bauten sie einen Wohnwagen aus, mit Bar, Anlage, Nebelmaschine, LED-Decke und Zapfanlage. Etwa 20 Leute finden bei maximaler Besetzung Platz. „Wir machen das nicht für das Geld“, sagt Hillengass, „sondern um Spaß zu haben.“ Getränke in Markenqualität gibt es deshalb fast zum Selbstkostenpreis. „Wir sind zwar klein, haben aber einen hohen Standard“, so der frisch gebackene Wirt. Die ersten Partys, etwa an der Aka oder auf dem Künstlerareal Contain't, haben sie schon hinter sich, die ersten Vermietungen für Hochzeiten und Geburtstage sind bereits unter Dach und Fach. Ebenfalls fahrbar, aber für etwas mehr Publikum geeignet, ist ein Ungetüm namens Black Pearl. Jürgen Heyl, in Stuttgart als Macher des legendären Clubs Oz bekannt und heute Chef

einer Firma für Veranstaltungstechnik, fand beim Aufräumen seines Lagers eine alte Anlage. „Die habe ich 1986 selber gebaut“, erinnert sich Heyl, „danach war sie erst im alten Club M1 hinter dem Südmilch-Areal im Einsatz und später für zwölf Jahre im Prag auf dem Pragsattel.“ Zum Verkaufen war die geschichtsträchtige Anlage Heyl zu schade, deshalb schraubte er sie auf einen alten Anhänger – und verfügt nun über das wohl größte Soundsystem der Stadt. 12.000 Watt bringt die Black Pearl auf die Boxen – „genug für 8.000 Leute“, sagt Heyl. Seinen ersten Einsatz hatte das furchterregende Gefährt beim Stuttgarter CSD auf dem Schillerplatz – und ist jetzt schon für den Rest des Jahres ausgebucht. „Wenn es sich selber trägt, ist es cool“, sagt Heyl. Nikolai Worms KIMTIMJIM GOES BOWLING MIT MUALLEM [7.9. 21 Uhr, City Bowling, Schloßstr. 28, S-West, Reservierung unter: kontakt@kimtimjim.de, www.facebook.com/KimTimJim] OHHI! [www.facebook.com/ohhicrew] DISCO 432 [www.facebook.com/Disco432] BLACK PEARL [www.blackpearl-events.de]


LEBEN STUTTGART FEIERT

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CHILL-HOUSE-DOPPELPACK IM ROCKER 33

MIT RIHANNAS SEGEN

Es gibt wahrscheinlich keine Musikrichtung, die so gut zum Sommer passt wie Chill-House. Klar, Reggae geht auch. Aber im Winter trösten einen die sanften Beats des Chill-House’ ein wenig besser über so manchen trüben Schneematsch-Tag hinweg. Und Marius Hörsturz, dieser

LIFT LIEBT

blutjunge Fachmann für elektronische Musik aus Ravensburg, ist ein ziemlich talentierter Vertreter seiner Zunft. Spätestens seit seinem Remix von Rihannas Song „Stay“ ist er in aller Munde. Ist das Original eine träge Schmalz-Ballade, macht der Ravensburger daraus eine veritable Tanznummer, zu der man aber noch lässig seinen Cocktail schlürfen kann. Falscher Hase (Bild) ist ein nicht minder begabter Vertreter seines Fachs. Er sagt: „Ich bin kein DJ. Ich liebe Musik und empfehle sie weiter. Sie soll mich nicht reich machen. Und nicht berühmt. Nur glücklich. Das ist alles.“ Auf den ersten Blick könnte man den Burschen doch glatt mit dem HipHop-Reibeisen Casper verwechseln, doch Falscher Hase lässt lieber seine Finger als seine Stimme sprechen. DS

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43 GEBIETER DES HOUSE: ÂME IM ROMY S.

ABSOLUT TRENDRESISTENT Von Karlsruhe hinaus in die ganze Welt: Âme sind seit über zehn Jahren ein Fels in der HouseBrandung. Die Laufbahn von Kristian Beyer und Frank Wiedemann alias Âme, die sich einst in einem Karlsruher Plattenladen kennenlernten, ist außergewöhnlich. Außergewöhnlich deshalb, weil es in der Elektro-Szene schließlich Usus ist, dass gewisse Acts für eine gewisse Zeit den „Sound der Stunde“ fabrizieren und dann wieder in Vergessenheit geraten. Âme hingegen liefern stets zuverlässig und hochkarätig ab, egal ob mit eigenen Produktionen oder mit einem von zwi-

schenzeitlich über 150 Remixen. Ihre Labelplattform „Innervisions“, die sie mit ihrem Seelenverwandten Dixon betreiben und die regelmäßig grandiose Perlen mit Clubhit-Potential veröffentlicht, zählt zu einem der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte der internationalen House-Szene. Ihre epischen Sets sind absolut trendresistent und bei ihrer Plattenauswahl legen sie vor allem auf eines Wert: fürstliche Qualität. ELBE ÂME [28.9. 23 Uhr, Romy S., Lange Str. 7, S-Mitte. WIR VERLOSEN 3x2 Tickets. Mail, Fax oder Karte mit dem Stichwort „Qualität“ an LIFT.]

FALSCHER HASE & MARIUS HÖRSTURZ [27.9. 23 Uhr, Rocker 33, Friedrichstr. 23A, S-Mitte. WIR VERLOSEN 3x2 Tickets. Mail, Fax oder Karte mit dem Stichwort „Chill“ an LIFT.]

KULINARISCHER AUSFLUG: NEUE SENTINEL-REIHE „ACKEE & SALTFISH“

NACH ALTEM JAMAIKANISCHEN REZEPT Ackee was? Hinter „Ackee & Saltfish“ verbirgt sich nichts anderes als das jamaikanische Nationalgericht – ein deftiger Mischmasch aus den Früchten der Akipflanze und getrocknetem, gesalzenem Fisch. Die Mitglieder des Stuttgarter Soundsystems Sentinel haben auf ihren unzähligen Jamaika-Reisen schon oft den ein oder anderen Teller davon verspeist und sich so wohl Inspiration für ihre neue Partyreihe geholt, die künftig jeden dritten Freitag im Cue stattfindet. Das Soundsystem bündelt hierfür seine Kräfte mit der Keep It RealCrew. Die Gang verkörpert nicht erst seit gestern die näch-

ste Generation an Stuttgarter Dancehall-Aktivisten. Beim Debüt stehen aber auch, eine kleine Sensation, die Jugglerz mit auf der Bühne. DJ Meska und Shotta Paul gehörten einst zu Sentinel. Jetzt also die große Reunion – die keine einmalige Sache bleiben soll. Im Gegenteil: Die Jugglerz werden regelmäßig bei „Ackee & Saltfish“ Stuttgarts guten Ruf als Dancehall-Hauptstadt untermauern. ELBE ACKEE & SALTFISH [20.9. 23 Uhr, Cue, Rotebühlplatz 11, S-Mitte. WIR VERLOSEN 3x2 Tickets. Mail, Fax oder Karte mit dem Stichwort „Kulinarik“ an LIFT.]


KULTUR ENTDECKEN

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ENTDECKEN LIFT LIEBT

DER VEREIN ABSEITZ FEIERT SEINEN 20. MIT EINER AUSSTELLUNG ÜBER HOMOSEXUELLE SPORTLER

„ES GIBT NICHT NUR SCHWULE EISKUNSTLÄUFER“

Liest aus seinem Buch: Ex-Stabhochspringer Balian Buschbaum

Im Frühjahr outete sich der USFußballer Robbie Rogers. Schwul in der Männerdomäne Fußball? Im deutschen Profibereich ist Homosexualität immer noch ein Tabu. Doch Sport ist nicht gleich

Fußball. Abseitz, der Stuttgarter Verein für Schwule, Lesben und Freunde, beherbergt viele verschiedene Sportarten. Zu seinem 20. Jubiläum präsentiert der Verein in der ehemaligen Post-Filiale

am Hauptbahnhof die Ausstellung „Gegen die Regeln – Lesben und Schwule im Sport“. LIFT Wie wichtig ist Deutschlands Sport Nummer 1 in der Ausstellung? MÜNCHBACH Männerfußball spielt in der Ausstellung die gleiche Rolle, wie jede andere Sportart auch. Es ist nicht richtig, dass Homosexualität lediglich im Männerfußball ein Tabuthema ist. Die Ausstellung will Tabus beseitigen. Sie informiert über Diskriminierungen, aber sie berichtet auch über die große Chance, die der Sport Schwulen und Lesben bietet, ihr Leben selbstbewusst zu gestalten. Daneben soll auch mit Vorurteilen aufgeräumt werden: Es gibt nicht nur den schwulen Eiskunstläufer und die lesbische Fußballspielerin. LIFT Was genau gibt es in der Ausstellung zu sehen? MÜNCHBACH Die Ausstellung besteht insgesamt aus 37 Bannern, auf denen homosexuelle Spitzen-sportlerinnen und -sportler in ihrem Werdegang porträtiert werden, beispielsweise

Amelie Mauresmo, Judith Arndt oder Martina Navratilova. Daneben präsentiert Abseitz eine eigene kleine Ausstellung mit Eindrücken und Exponaten aus der Vereinsgeschichte. LIFT Haben sich die Sportler schwer getan an die Öffentlichkeit zu gehen? MÜNCHBACH Für die bekannten Sportler kann ich das nicht beurteilen. Bei der Erarbeitung der „eigenen“ Ausstellung waren die Reaktionen unterschiedlich: Der Großteil im Verein hat wenig Probleme damit, sich in der Öffentlichkeit als vereinszugehörig zu outen. Dennoch ist es nach wie vor so, dass ein Teil sich nicht gerne auf Plakaten, in Broschüren oder auf Flyern sieht. Manche fürchten dadurch Diskriminierung am Arbeitsplatz oder im privaten Umfeld. TM GEGEN DIE REGELN [14.9.-2.10. tägl. 8-20 Uhr, ehemalige Postfiliale im Hauptbahnhof, S-Mitte] LESUNG MIT BALIAN BUSCHBAUM [24.9. 20 Uhr, Zentrum Weißenburg, Weißenburgstr. 18, S-Mitte]

GROSSE ABSCHLUSS-FEIEREI IM WILHELMSPALAIS

Foto: Gaby Gerster (o.)

48 STUNDEN KUNST Willy will’s zum Abschluss nochmal wissen: Nach 17 Monaten Zwischennutzung gibt’s im September nochmal ein dickes Abschiedsprogramm im Wilhelmspalais: die 48-Stunden-Willys-Kunstshow. Alle Künstler, die in den letzten Monaten im Palais gespielt, gelesen, ausgestellt und performt haben, stellen ein letztes gemeinsames Kunst- und Kultur-

programm auf die Beine. Von Konzert über Ausstellung bis DJSet ist alles dabei. Das ganze Gebäude wird innen und außen vom 13. September ab 12 Uhr bis zum Morgen des 15. September geöffnet sein. RED 48-STUNDEN-WILLYS-KUNSTSHOW [13.-15.9. ab 12 Uhr, Wilhelmspalais, Konrad-Adenauer-Str. 2, S-Mitte]


KULTUR ENTDECKEN

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FREIE GEISTER IM INDUSTRIEGEBIET: IN FEUERBACH ENTSTEHT BALD EIN NEUES KÜNSTLERDORF

MULTIKULTI-KUNST UND -KULTUR

Stuttgart-Feuerbach ist bislang nicht gerade der Stadtbezirk, den man auf Anhieb mit Kunst und Kultur in Verbindung bringt. Bis auf das Theaterhaus auf dem Pragsattel spielt sich das kulturelle Leben eher in der Innenstadt ab. Das könnte sich in den kommenden Monaten ändern: Im Industriegebiet Feuerbach-Ost entsteht zwischen Siemens- und Mauserstraße ein Künstlerdorf. Bereits jetzt ist das riesige Areal als Multi-Kulti-Treff mit Moschee, zahl-

reichen Einzelhändlern, Gastronomien und Vereinen recht belebt. Ein Gebäudekomplex blieb bislang jedoch ungenutzt: das ehemalige Werk 8 des Automobilzulieferers Behr. Dort sollen demnächst auf 10.000 Quadratmetern Werkstätten, Ateliers, Ausstellungsräume, eine Bio-Gastronomie und eine Kita entstehen. Hinter dem Projekt mit dem Namen „ImWerk8“ steckt eine Investorengruppe, die Kommunikations-Agentur PDT und das Büro

Südwind, die seit letztem Jahr auch das Kulturprogramm im Zollamt verantwortet. „Wir wollen, dass hier viele Kunst- und Kulturprojekte eine neue Heimat finden“, so Sevil Özlük von PDT. „Es soll ein Ort entstehen, an dem kultureller Austausch stattfindet, wo sich Jung und Alt treffen und Kreative ihrem Geist freien Lauf lassen können.“ Über 400 Bewerbungen sind bislang eingegangen und die ersten Mieter haben auch schon ihre Mietverträge unterschrieben. „Wir wollen eine schöne Mischung, damit sich unser Konzept gegenseitig befruchtet und die Stadt sich als multikultureller Kreativstandort profilieren kann“, so Özlük. Das Areal könnte aber nicht nur die Platznot der hiesigen Künstler, sondern noch ein weiteres Stuttgarter Defizit lindern: fehlende Veranstaltungsräume. „Wir können hier Veranstaltungen von 3.000 bis 5.000 Personen auffangen.“ Wer wissen will, wann es genau losgeht und welche Veranstaltungen zum Auftakt geplant sind, wird auf der Facebook-Seite mit aktuellen Infos versorgt. JMB [www.facebook.com/Kunstlerdorf.Stuttgart]

REAL-PHANTASTISCHE ÖLGEMÄLDE VON PATRICK BOUSSIGNAC

DANIELA WOLFER ZEIGT „SPAM“

ÄSTHETISCHE ABGRÜNDE

LECKER FLEISCH

Die Ölgemälde des französischen Künstlers Patrick Boussignac fallen auf. Durch ihre knalligen Farben, durch die irgendwie zu ästhetisch wirkenden Menschen und ihre skurrilen Kompositionen. Trotz dieser Überzeichnungen sieht sich der 1956 geborene Boussignac

Kenner denken beim Begriff „Spam“ nicht nur an lästige Mails, sondern auch an eine Dosenfleischmarke. Die Künstlerin Daniela Wolfer hat sich mit dieser Doppeldeutigkeit auf der Leinwand auseinandergesetzt. In ihren Gemälden zeigt sich, dass dieser zufällige Zusammenhang einiges über unser Gesellschaft aussagt. Ihre Kritik an den Phänomenen der Massenkultur und dem zeitgenössischen Hedonismus zeigt sich in einem immer wiederkehrenden Motiv: Die Verarbeitung des Individuums in eine Dose Frühstücksfleisch. RED

in seiner Arbeit als Realist. So steht im Zentrum seines Schaffens der Mensch in seinen unentwirrbaren kulturellen, ästhetischen und existentiellen Verflechtungen, mit seiner Schönheit und seinen Abgründen. „Seine phantastischen Kreaturen sind keine wunderlichen Fabelwesen, sondern Sinnbilder für das Menschliche“, beschreibt Veranstalter Uwe Reiser die Arbeiten, die er auf einer SingapurReise entdeckte. Seitdem ist das Stuttgarter Event-Urgestein Fan des Franzosen. Dass der in Paris und Moskau lebende Maler zum ersten Mal hierzulande ausstellt, liegt vor allem daran, dass der Käufermarkt in diesem Preissegment hauptsächlich in Russland, Asien und der arabischen Welt zu finden ist. Um die 10.000 bis 20.000 Euro muss man hinblättern, will man sich einen echten Boussignac zu Hause an die Wand hängen. Wer das nötige Kleingeld hat: Nach der Ausstellung können einige der 28 Ölgemälde käuflich erworben werden. Wer nur schauen will, ist natürlich auch herzlich willkommen. LZ PATRICK BOUSSIGNAC [6.-8.9. 16-22 Uhr, Wilhelmspalais, Konrad-Adenauer-Str. 2, S-Mitte]

SPAM [6.9.-4.10. Zero Arts, Ostendstr. 16, S-Ost, Mi 11.+25.9 18-19 Uhr, Vernissage: 6.9. 20 Uhr]


KULTUR LESEN

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KOLUMNIST AXEL HACKE BITTET LITERARISCH ZU TISCH

LECKERES AUS ALLER WELT

Seit 1997 beschäftigt sich Axel Hacke in seiner Kolumne „Das Beste aus aller Welt“ im Süddeutsche Zeitung Magazin immer wieder mit Sprechirrtümern. Jetzt hat sich Hacke auf Recherche begeben und die lustigsten Gerichte auf Speisekarten aus al-

ler Welt zusammengetragen. „Oberst von Huhn bittet zum Tisch“ heißt das Werk, das auf eine Speisekarte eines Hotelrestaurants in Dublin zurückgeht. „Oberst von Huhn breitet sich drastisch in einer Weißweincreme aus“ habe es dort als Gericht gegeben, erzählt Hacke. Wie dieses spezielle Menü wohl zustande kam, erklärt Hacke bei seiner Lesung in Sindelfingen, die er klassisch gestalten wird. Crossmedia-Elemente gibt es bei ihm nicht. „Ich tanze nicht, singe nicht und verkleide mich auch nicht“, sagt Hacke. „Ich sitze vor den Leuten, lese und erzähle. Das reicht. Man muss sonst nichts tun, um einen witzigen und unterhaltNAY samen Abend zu haben.“ AXEL HACKE [12.9. 18:30 Uhr, Schauwerk, Eschenbrünnelstr. 15/1, Sindelfingen. OBERST VON HUHN BITTET ZU TISCH Antje Kunstmann Verlag, 112 S., € 14,-]

LESUNGEN UND MEHR BEI DER ZEHNTEN LYRIKNACHT

DICHTER ÜBER DICHTER

Die Stuttgarter Lyrikszene steht im Mittelpunkt, wenn das Literaturhaus, das Schriftstellerhaus und die Stadtbibliothek im September zur Lyriknacht laden. Wer langweilige Monologe fürchtet, irrt. „Der gemeinsame Austausch bei einem Gläschen Wein steckt von Beginn an hinter unserer Veranstaltung“, sagt Meike Jung von der Stadtbibliothek.

Den Anfang des Abends im Max-Bense-Forum macht Michael Braun, der über den autodidaktischen Nachkriegslyriker Rainer Brambach und dessen Freund und Unterstützer Günter Eich spricht. Sprecher Florian Ahlborn trägt deren Lyrik vor. Danach führen Uwe Kolbe (Bild) und Nico Bleutge ein Gespräch in Gedichten. In der besonderen Akustik der Eingangshalle der Stadtbibliothek wird es zum Abschluss musikalisch. Stuttgarter Musikstudenten spielen Kunstlieder von den Dichtern Friedrich Hölderlin, Eduard Mörike und Ludwig Uhland, die allesamt in der Region Stuttgart gewirkt haben. NAY STUTTGARTER LYRIKNACHT [6.9. 19 Uhr, Stadtbibliothek, Mailänder Platz, S-Mitte]

UNSERE LESETIPPERIN Verena Krieg von Klett-Cotta entdeckt Berliner Cliquen und kranke Kühe

UNSER LESETESTER LIFT-Redakteur David Hilzendegen wundert sich über manche Architekten

MARIE-RENÉE LAVOIE – ICH & MONSIEUR ROGER

JARVIS COCKER – MOTHER, BROTHER, LOVER

„Manchmal hat man wenig Glück im Leben, ist im Weg, wenn die Scheiße quillt, und kriegt sie voll ab.“ Das ist eine der Weisheiten, die der alte Roger der kleinen Hélène vermacht. Die nennt sich Joe und macht sich älter, um die besten Jobs im Viertel zu ergattern. Sie will eine Heldin sein, mutig und stark, muss aber feststellen, dass sie leider mindestens genauso sensibel und schwach ist. Lavoie erzählt immer liebevoll und oft komisch eine wunderbare Geschichte vom Erwachsenwerden. [Hanser, 256 S., € 17,90]

Jarvis Cocker, Sänger der englischen Kult-Band Pulp, gehört zu den großen Songwritern. Selbst wenn er seine Texte niemals als Poesie, sondern als „Worte zu einem Song“ bezeichnet. „Mother, Brother, Lover“ gibt einen Einblick in sein Schaffen – mitsamt deutscher Übersetzung. Cockers narrative Welt schwarz auf weiß zu durchforsten und die Schönheit abseits seiner Musik zu entdecken, ist ein Genuss. [Berlin Verlag, 352 S., € 19,99]

SAM BYERS – IDIOPATHIE

„Ein Roman über Liebe, Narzissmus und kranke Kühe“ lautet der Untertitel. Apathisch starrende Kühe, um genau zu sein. Apathisch wie Katherine. Die größte emotionale Aufwallung erlebt sie bei den Fernsehnachrichten. Sie raucht viel, isst fast nichts und ist dummerweise schwanger von Keith, dem größten Idioten überhaupt. Ihr Ex Daniel lässt sich derweil von den tumben Liebesschwüren seiner Neuen einlullen. Das geht alles irgendwie. Bis ihr alter Freund Nathan wieder auftaucht. Ein kluges, lustiges und trauriges Romandebüt. [Tropen, 378 S., € 21,95]

WILHELM GENAZINO – WENN WIR TIERE WÄREN

Es ist nicht immer einfach, sich in Genazinos wunderliche Protagonisten hineinzufühlen. Vor allem, wenn es sich um einen solch kauzigen Melancholiker handelt wie den namenlosen Architekten in „Wenn wir Tiere wären“, der nach dem Ausweg aus der modernen Welt sucht, in der nur Tiere glücklich sein können. Wäre er doch nur einer der Vögel, die er so gerne beobachtet... Ein grandioser, stiller, aber fesselnder Roman, der jetzt endlich auch als Taschenbuch erschienen ist. [dtv, 160 S., € 8,90]

ERNST HAFFNER – BLUTSBRÜDER. EIN BERLINER CLIQUENROMAN

ASTRID SCHLUPP-MELCHINGER – 333 ENTDECKUNGEN IN DER REGION STUTTGART

Ein neuer alter Berlin-Roman, einst von den Nazis verbrannt, jetzt wiederentdeckt. Das einfühlsame Porträt einer von vielen Jungenbanden in den 1930ern: Immer auf der Suche nach Geld, einem Schlafplatz, Zigaretten und Frauen. Ein spannendes Plädoyer für Kameradschaft in schwierigsten Zeiten. [Metrolit, 240 S., € 19,99]

Nicht nur Stuttgart, auch die Region hatte und hat einiges zu bieten. Egal ob ober- oder unterirdisch, im Pflanzen- und Tierreich oder in der Wissenschaft, egal ob Bauwerke, Literatur oder Autos – in der Stadt und der Umgebung gibt es viel zu entdecken. Man muss nur mal raus aus dem Kessel... [Theiss, 240 S., € 16,95]


KULTUR HÖREN

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HÖREN LIFT LIEBT

IM SEPTEMBER GIBT’S FÜR FANS ALTERNATIVER MUSIK DREI PFLICHTTERMINE IN DEN WAGENHALLEN

DIE INDIE-DREIFALTIGKEIT

DIE GEISTERSCHWESTERN Sie singen von Geisterpferden und Totgeborenen, erzählen Geschichten von grauen Ozeanen. CocoRosie umweht eine gespenstische Schönheit, eine Aura, die sich wie ein Leichentuch auf den ätherischen Pop des Geschwisterduos legt. Nach zehn Jahren haben die Amerikanerinnen einen einzigartigen wie andersweltlichen Stil perfektioniert, ein zufällig geöffnetes Fenster nach Nimmerland, durch das man Abenteuer, Geheimnisse, aber auch dunkle Abgründe erahnen kann. Die Frage vor einem der Konzerte des Duos ist nur: Ist man Peter Pan genug für diese Reise? Wenn, dann erwartet den Hörer ein Panoptikum an Sounds, eine schwebende Kreation aus Björk'schem Astralpop, angekratzter DillonUnschuld und Gesängen wie von einem anderen Stern. Auf der Bühne tauchen Kinderspielzeug, Harfen, orientalische Flöten und auch mal ein Fön zwischen den Damen auf. Wie man zu diesem Konzert kommt? Am zweiten Stern rechts und dann immer geradeaus bis zur Morgendämmerung. BS

DIE DÜSTEREN HIPSTER Ist ja längst eher ein Schimpfwort, dieser Begriff. Hipster. Dabei wissen die wenigsten, dass man ihn schon im Amerika der 40er-Jahre für Vorreiter benutzte, die nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten suchten und nicht nur nach Pomade für ihren Moustache. In dieser Hinsicht können wir Junip also getrost als Hipster bezeichnen. Was die düster vor sich hinbrütenden Schweden nämlich seit einiger Zeit abliefern, ist etwas Neues, Faszinierendes, Packendes. Düster zwar, aber jene Art von düster, die im schwedischen Zwielicht für wohlige Schauer sorgt. Indie, Folk, Blues, Rock, rezitiert von einer Stimme, die direkt aus den Sechzigern zu kommen scheint. Mit einem Logo, das eher an eine finstere Black Metal-Band erinnert, und einem Faible für hypnotische, monotone, dunkelbunte Strukturen gehören Junip definitiv zu den Weirdos unter den Beutelträgern, zu den seltenen Formationen, die gänzlich in ihrem eigenen kleinen Wald musizieren und den Sternen ein Lied singen. BS

DIE FAULEN SCHWEDEN So eine Frechheit: Eigentlich wollten John Engelbert und Oskar Bonde schon viel früher eine Band gründen. Akute Faulheit, wie sie sagen, ließ das allerdings erst 2004 geschehen. Besser spät als nie, mag man nun sagen, dennoch hätten Johnossi mehr Rücksicht zeigen können, denn seit sie mal den Hintern hochbekommen haben, will die Indie-RockWelt nicht mehr auf sie verzichten. Vier Alben gab es bislang, das letzte, „Transitions“, überzeugt mit seiner Mischung aus einer Melancholie, die sich auf samtenen Katzenpfoten heranschleicht, und schroffen Ausbrüchen ins verzerrte Post Rock-Milieu. Bester Stoff für die Bühnen, auf denen die Stockholmer gerne eine ganze Spur heftiger und harscher in die Saiten greifen als auf ihren Platten. Haben ja auch was gut zu machen – und mit frech eingängigen Hymnen wie „Gone Forever“ setzen sie ganz klar den Blinker links in Richtung schwedischer IndieOlymp. Warm anziehen, ihr Mando Diaos und Shout Out Lounds! BS

COCOROSIE [13.9. 21 Uhr, Wagenhallen, Nordbahnhofstr. 1, S-Nord. WIR VERLOSEN 3x2 Tickets. Mail, Fax oder Karte mit dem Stichwort „Peter Pan“ an LIFT.]

JUNIP [23.9. 19 Uhr, Wagenhallen, Nordbahnhofstr. 1, S-Nord. WIR VERLOSEN 3x2 Tickets. Mail, Fax oder Karte mit dem Stichwort „Hipster“ an LIFT.]

JOHNOSSI [26.9. 19 Uhr, Wagenhallen, Nordbahnhofstr. 1, S-Nord. WIR VERLOSEN 3x2 Tickets. Mail, Fax oder Karte mit dem Stichwort „Faul“ an LIFT.]


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ABO-AKTION

EIN JAHR LIFT NUR 24 EURO 17 0 17 17 6 / 1 1 7 FON: 0 E L E T INE.DE ER L P N O O B A E: LIFT N I L N ABO O

Zu jedem Neuabo schenken wir Ihnen ein kulinarisches Wasen-Paket - zwei Wertmarken für je ein halbes knuspriges Göckele und zwei Maß Stuttgarter Hofbräu Volksfestbier (oder andere Speisen und Getränke aus der Göckelesmaier-Karte). Einzulösen im Göckelesmaier-Festzelt vom 27.9. - 13.10.2013 auf dem 168. Cannstatter Volksfest.


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COUPON JA, ICH ABONNIERE LIFT DAS STUTTGARTMAGAZIN

ab der nächsten erreichbaren Ausgabe für 1 Jahr (12 Ausgaben für nur € 24,- statt € 28,80 einzelner Kaufpreis). Frei Haus! Das Abonnement verlängert sich danach um jeweils ein weiteres Jahr, wenn ich es nicht vier Wochen vor Ablauf des Bezugsjahres kündige.

Name & Vorname Straße PLZ & Ort Telefon E-Mail GESCHENKABONNEMENT: Ich will LIFT verschenken. Schicken Sie bitte das Stuttgartmagazin LIFT an diese Lieferanschrift. Das Geschenk-Abonnement verlängert sich danach nicht automatisch.

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LIFT 0913

Widerrufsbelehrung: Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen nach Erhalt dieser Belehrung schriftlich bei der PV Projekt Verlag GmbH, Postfach 10 30 45, 70026 Stuttgart, widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

LIFT Stuttgart - Leseprobe September 2013  

LIFT Stuttgart - Leseprobe September 2013

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