Issuu on Google+

Energie sparen

Teil 1 Sparprogramm f端rs Haus


ENERGIE SPAREN

SEITE 2

D I E N S TA G, 1 8 . M A I 2 01 0

Bei Energiesparmaßnahmen geht es nicht nur um finanzielle Fragen, sondern auch um den optischen Gesamteindruck eines Gebäudes. So beeinflusst die Dämmung unter Umständen nicht nur das Erscheinungsbild des Hauses, sondern stellt auch Anforderungen an den Dachüberstand.

Wer abwartet, zahlt drauf Viele Hausbesitzer kapitulieren vor dem komplizierten Thema Energiesparen

T

rotz steigender Energiepreise sind viele Hauseigentümer reserviert, was die energetische Sanierung ihrer Gebäude betrifft. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 1000 Ein- und Zweifamilienhausbesitzern des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE), eines gemeinnützigen Beratungsinstitutes in Frankfurt. Die Ursache ihrer Zurückhaltung liegt allerdings nicht in der Furcht vor den Kosten einer Sanierung. Über 60 Prozent der befragten Hausbesitzer seien schlicht der Ansicht gewesen, dass ihr Gebäude in einem guten Zustand sei und deshalb keine weiteren Maßnahmen notwendig seien, so das Institut nach seiner Umfrage. „Es ist dramatisch, wie viele Hausbesitzer ihre Lage verkennen“, kommentiert Dr. Immanuel Stieß das Ergebnis der Befragung. „Viele Energieeinsparpotenziale liegen schlicht aufgrund mangelnden Problembewusstseins brach. Das ist nicht nur schädlich fürs Klima, sondern belastet die Bewohner durch unnötig hohe Energiekosten.“ In Deutsch-

Altersverteilung der Hausbesitzer unterschieden nach Sanierern und Nicht-Sanierern Sanierer

Nicht-Sanierer

Angaben in Prozent

25

19 13

14

20

10 15

9 10

7

5

1 0,2

8

9 6

4

bis 29 30 - 39 40 - 49 50 - 59 60 - 69 über 70 Quelle: ENEFHAUS

Grafik: SZ

land gibt es rund 14,5 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser. Nur etwa ein Prozent wird jährlich energiebezogen saniert. Durch eine effiziente Modernisierung könnten der Energieverbrauch und die damit verbundenen KohlenstoffdioxidEmissionen um bis zu 80 Prozent gesenkt werden, so die Initiative „Energieeffiziente Sanierung von Eigenheimen“ (Enef ). Deutlich sei bei der Umfrage auch geworden, dass wirtschaftliche Barrieren nicht der einzige Grund für geringe energetische Sanierungsraten sind. „Bisher wurde der Fokus stark auf finanzielle Förderung gelegt. Unsere Befragung zeigt nun, dass die Gebäudesanierungsprogramme zwar ein wichtiger Baustein sind. Doch sind sie allein nicht ausreichend, um den Energieverbrauch in den Haushalten zu reduzieren“, erklärt Stieß. Viele Hausbesitzer kapitulierten offenbar vor der zunehmenden Komplexität des Themas. Die Untersuchung habe gezeigt, dass viele Hausbesitzer angesichts der zahlreichen >> Fragen, die eine energetische Sanierung


ENERGIE SPAREN

D I E N S TA G, 1 8 . M A I 2 01 0

aufwirft, abgeschreckt würden und deshalb abwartend reagierten. Andere fürchteten bei einer Entscheidung, aufs falsche Pferd zu setzen, und warteten deshalb lieber ab. Im Projekt „Energieeffiziente Sanierung von Eigenheimen“ will das Institut daher jetzt herausbekommen, wie zum Beispiel die Energieberatung von Eigenheimbesitzern verbessert werden kann, um höhere Sanierungsraten zu erreichen. Denn den meisten Eigenheimbesitzern sei durchaus klar, dass Energiesparen doppelten Gewinn bringt – sowohl den eigenen Geldbeutel entlastet, als auch den Klimaschutz verbessert. „Viele Hausbesitzer stehen einer professionellen Beratung positiv gegenüber. Von einem kompetenten Berater an die Hand genommen zu werden, vom Erstgespräch bis hin zur Investitionsentscheidung, erleichtert die Entscheidung für viele“, so Stieß. Die Befragung habe gezeigt, dass die aktivsten Sanierer heute in der Gruppe der 50- bis 70-Jährigen zu finden sind. In der Altersgruppe von 30 bis 50 Jahren seien die Anteile deutlich geringer. Neben dem Alter unterscheiden sich die Hausbesitzer auch in ihren Zielen und Einstellungen zur Sanierung und bei den durchgeführten Maßnahmen, habe die Untersuchung ergeben. Im Er-

Finanzielles Volumen der untersuchten Sanierungsmaßnahmen Standard

energetisch

Angaben in Prozent

23 22 20

15

14

15

10

9

8 6

5

2 50 000 Euro und mehr

10 000 bis 50 000 Euro

4000 bis 10 000 Euro

Quelle: ENEFHAUS

bis 4000 Euro

weiß nicht/ keine Angaben Grafik: SZ

SEITE 3

gebnis präsentieren die Forscher eine Einteilung der Hausbesitzer in insgesamt fünf Typen, vom „überzeugten Energiesparer“ bis zum „desinteressierten Unwilligen“. „In Zukunft muss es verstärkt darum gehen, maßgeschneiderte Instrumente für diese unterschiedlichen Zielgruppen zu erstellen“, so Dr. Julika Weiß vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Denn Energieberatungsangebote würden bisher vor allem von den Hausbesitzern angenommen, die ohnehin schon recht gut über das Thema informiert seien, so Immanuel Stieß. Dass angesichts der komplexen Regelungen der Beratungsbedarf groß ist, spüren auch die saarländischen Architekten. Für sie hat sich der Schwerpunkt ihrer täglichen Arbeit längst verschoben. „Im gesamten vergangenen Jahr gab es im Saarland noch etwa 700 Baugenehmigungen. Enthalten sind bereits Änderungsanträge und Pläne für Sanierungen“, erklärt Rainer Christ, Geschäftsführer der Architektenkammer des Saarlandes. Der Anteil von Neubauten sei heute verschwindend gering. Rainer Christ betont, dass es bei der Arbeit der Architekten mittlerweile größtenteils darum gehe, den Wert bestehender Gebäude zu erhalten. Das geschieht >>

Bank 1 Saar EnergieSparKredit

* 2,95 % p. a. Damit Träume keine bleiben. Für Maßnahmen zur Energieeinsparung. ­

5 Jahre Zinsfestschreibung

­

Energie-Check Vor-Ort-Analyse und Erstellung einer Investitionsempfehlung durch Architekten der AKS, Architektenkammer des Saarlandes. Kostenübernahme durch die Bank 1 Saar im Rahmen einer Energiespar-Finanzierungsberatung. *effektiver Jahreszins

3,02 %

Infos und Beratung bei allen Kundenberatern. Telefon: 0681/3004-4003 | www.bank1saar.de/baufinanzierung Stand 05 / 2010

die persönlichere Note


Wer sein Haus modernisiert, kann gleichzeitig fürs Alter vorsorgen und Wohn- und Badezimmer behindertengerecht gestalten.

über eine umfassende Modernisierung. Diplomingenieur Samih Rende, Architekt und Spezialist für Sanierung und Modernisierung, erklärt, worauf es ankommt: „In der Regel verfolgen wir vier Ziele. Wir wollen eine Wertsteigerung erreichen, die Bausubstanz erhalten, den Wohnkomfort steigern und Energie einsparen.“ Bei einer richtigen Modernisierung sollten all diese Bereiche berücksichtigt werden. Deshalb wird empfohlen, mit einem Fachmann eine detaillierte Bestandsaufnahme vor Ort durchzuführen. So lasse sich ein umfassendes Konzept erstellen. Der Planer habe dann auch die Fördermöglichkeiten einzelner Maßnahmen im Blick. Es gilt eine Menge zu berücksichtigen. Eine Solaranlage ist schwer. Ihr Gewicht muss vom Dach getragen werden. Der Fensterbauer muss für die Bemessung der Fensterbänke wissen, wie dick die Fassadendämmung wird. Ist die Fassade einmal gedämmt, ist es nicht mehr sinnvoll, Kabel für eine vergessene Außenbeleuchtung zu verlegen. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass bei einer Außenwanddämmung auch die Regenfallrohre versetzt werden müssen. Diese und andere Beispiele zeigten, wie wichtig ein

Gesamtkonzept sei. Dieses könne sich aber immer nur an den Anforderungen vor Ort orientieren, betont Christ. „Am Anfang sollte immer ein Wunschzettel stehen. Damit sollten sie zum Fachmann gehen und besprechen, was realistisch und was sinnvoll ist.“ Da nur in den seltensten Fällen ein unbegrenztes Budget zur Verfügung stehe, betont Christ, dass es durchaus mög-

„Wir wollen eine Wertsteigerung erreichen, die Bausubstanz erhalten, den Wohnkomfort steigern und Energie einsparen.“ Samih Rende, Architekt

lich ist, ein erstelltes Gesamtkonzept in einzelne Bereiche aufzudröseln. Dann empfehle es sich, mit den Maßnahmen zu beginnen, die den größten Effekt versprechen. „Schritt-für-Schritt-Lösungen sind meist sehr gut machbar“, so Christ. Wie wichtig ein Gesamtkonzept ist, belegt Samih Rende mit einer Zahl. Er erklärt, dass im Zeit-

raum von 1985 bis 2000 in Deutschland sehr viel saniert worden sei. Nach aktuellen Erhebungen seien jedoch in einem Viertel aller Fälle die Möglichkeiten einer umfassenden, abgestimmten Sanierung nicht ausgeschöpft worden. So hätten die Hausbesitzer zwar Fenster erneuert, aber zum Beispiel nicht die Fassade gedämmt. Zum Konzept einer Modernisierung gehört auch die Barrierefreiheit für das Wohnen im Alter. „Wer heute sein Haus umbaut, sollte solche Dinge unbedingt beachten“, so Rende. So sei ein Bad im Erdgeschoss beispielsweise ein Muss. Dabei sei auch darauf zu achten, dass bei einem barrierefreien Umbau die Türen auf einen Meter verbreitert würden, um später gegebenenfalls auch mit einem Rollstuhl die Räume erreichen zu können. Die Prognose der Architekten ist eindeutig. Sie rechnen mit einer weiteren Zunahme von Aufträgen im Gebäudebestand, da es zum einen immer mehr Auflagen zu erfüllen gelte und zum anderen die Menschen auch gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eher dazu neigten, in die eigenen vier Wände zu investieren. Text: Oliver Spettel Fotos: Oliver Dietze, Caro


D I E N S TA G, 1 8 . M A I 2 01 0

ENERGIE SPAREN

SEITE 5

W

er heute neu bauen möchte, findet rechtliche Vorgaben zum Thema Energie in der aktuellen Energieeinsparverordnung, der EnEV 2009. „Die Regelung bedeutet eine deutliche Verschärfung gegenüber früheren Vorgaben“, erklärt Hans-Ludwig Bernardi, Präsident des Arbeitgeberverbandes der Bauwirtschaft im Saarland. Bei dem Gesetz handele es sich um einen Text von etwa 900 Seiten. Er lässt sich in einem Satz so zusammenfassen: Die zulässigen Werte für den Transmissionswärmeverlust wurden um 15 Prozent reduziert. Der komplizierte Begriff bezeichnet den Wärmeverlust beheizter Räume durch Wände, Decken und Böden. Außerdem sei verankert, dass der Bedarf an Primärenergie um 30 Prozent gesenkt werden müsse. In die Berechnung des Primärenergiebedarfs geht neben der Energie, die ein Brennstoff liefern kann, auch die Energie mit ein, die zu seiner Aufbereitung notwendig war. Angesichts der neuen Auflagen betonen die Vertreter der saarländischen Bauwirtschaft, dass eine umfassende Planung unbedingt notwendig ist. Hinzu komme, dass die Bauvorhaben sehr exakt ausgeführt werden müssen, so Bernardi. Fehler in der Umsetzung könnten zu wesentlichen Schäden am Gebäude führen. Das wird am Beispiel des Dachs deutlich. Wurde hier die vorgeschriebene Dampfbremse fehlerhaft installiert, könne es zu beachtlichen Schäden im Bereich der Dachisolierung kommen. Im schlimmsten Fall könne der Dachstuhl anfangen zu schimmeln. Die Dampfbremse ist eine Folie, die das Entweichen von Feuchtigkeit aus dem Wohnraum in die Dämmung hinein verhindern soll. Dazu muss sie aber hochpräzise und luftdicht an den Stößen und mit den Wänden verklebt werden. Da die Gebäude nach der EnEv 2009 nahezu luftdicht sein müssen, kommen sie nicht mehr ohne eine geregelte Wohnraumlüftung aus. „In solch einem Haus reicht es nicht mehr, wenn sie morgens und abends mal das Fenster aufstellen“, so Bernardi. Die Feuchtigkeit im Gebäude müsse also automatisch über die Luftzufuhr geregelt werden. Diese Technik hat natürlich ihren Preis. Auch wenn keine gesicherten Zahlen vorliegen, könne doch davon ausgegangen werden, dass ein Neubau nach heutigen Auflagen teurer werde als einer, der den Anforderungen der früheren Gesetzgebung entsprochen habe. Das liege vor allem an den immer höherwertigen Materialien sowie einer umfassenden Dämmung von Dach, Decken und Keller und dem damit verbundenen höheren Planungsaufwand. Aufgrund der engen Vorgaben rät Martin Vanoli, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Bauwirtschaft im Saarland, zu einer professionellen Überwachung

Die strengen Werte der heutigen Energieverordnungen verlangen gründliche Planung und großes handwerkliches Geschick bei Bau. Das Bild zeigt ein Passivhaus in Holzrahmenbauweise.

Das Haus wird zur Thermoskanne Moderne Gebäude werden mit extrem hohem Aufwand gedämmt

der Baufortschritte. Für einen Neubau müsse bereits sehr früh in der Planung feststehen, was notwendig ist, um die geforderten Werte zu erreichen. Daher empfiehlt Vanoli, mehr Geld und Arbeit als früher in die Planung zu investieren. Beide Vertreter der Bauwirtschaft sind sich in

der Empfehlung einig, sich bei einem Neubau an den heute gültigen Standards zu orientieren und nicht bereits auf eine künftige Änderung der Gesetzgebung zu schielen. Text: Oliver Spettel, Foto: Thomas Wieck


Das intelligente Haus 5

In Zukunft helfen elektronisch vernetzte Geräte beim Energiesparen

STEUERUNG UND ÜBERWACHUNG

12 3 ÜBERWACHUNGSKAMERA

1 BEDIEN-PANEL Hier können Funktionen angezeigt und gesteuert werden. Der „Zentral-Aus“-Schalter trennt beim Verlassen des Hauses alle gewünschten Geräte, zum Beispiel Kaffee-Maschine und Bügeleisen, vom Stromnetz.

2

Die Bilder der Kamera können über das Hausnetz an verschiedenen Bildschirmen angezeigt werden.

18 2

4

10

TELEFONE, HANDYS UND PC können je nach Gerätetyp zur Steuerung der gesamten Anlage verwendet werden und zeigen den Status an.

ANZEIGE UND STEUERUNG Über TV oder Computer lässt sich der aktuelle Zustand der Anlage abrufen und der Energieverbrauch anzeigen. Außerdem lassen sich die einzelnen Installationselemente der Hausanlage ansteuern. Da jedes Bauteil seine eigene Intelligenz besitzt, ist kein zentraler Steuerrechner notwendig.

5 WETTERSTATION Ein Windmesser und ein Regensensor schützen beispielsweise die Markise bei Sturm. Ein Sonnenstandssensor hilft bei der Steuerung von Beschattungselementen.

8

11

17 2 9

16

7

20

WÄRMEHAUSHALT 8 6 DIGITAL GESTEUERTE HEIZUNG Sie richtet sich in der Warmwasser-Bereitung nach dem aktuellen Wärmebedarf im Haus. Dieser wird dem System von Sensoren gemeldet. So zeigen Präsenzmelder an, wo sich die Bewohner aufhalten. Wenn sich niemand im Raum befindet, wird die Temperatur gesenkt.

7 FUSSBODENHEIZUNG Sie kann als Alternative zum Wandradiator auch für jeden Raum einzeln regelbar installiert werden.

HEIZKÖRPER-STEUERUNG Das System erhöht die Temperatur, sobald Sensoren melden, dass sich jemand im Raum aufhält.

6

9

11

FENSTER-KONTAKTE

MARKISE

im gesamten Haus helfen beim effektiven Lüften. Heizungsventile werden bei geöffnetem Fenster geschlossen. Die Kontakte können in ein SicherheitsSystem eingebunden werden. So wird Alarm ausgelöst, wenn in Abwesenheit der Bewohner ein Fenster geöffnet wird. Außerdem kann beim Verlassen des Hauses abgefragt werden, wo noch ein Fenster offen steht.

Die Beschattung kann automatisch in Abhängigkeit von Sonnenstand und Raumtemperatur gesteuert werden.

10 12 INTELLIGENTER THERMOSTAT In jedem Raum kann die gewünschte Temperatur vorgewählt werden. Je nach Geräteart kann die gesamte Hausanlage gesteuert werden.

JALOUSIEN UND ROLLLÄDEN können automatisch zur gezielten Beschattung von Räumen in Abhängigkeit von Tageszeit, Sonnenstand, Raumklima und Witterung gesteuert werden.


STROMHAUSHALT 13

16 MULTIMEDIA-GERÄTE

FERNGESTEUERTE GROSSGERÄTE Ein intelligenter Stromzähler erkennt, wann besonders günstiger Strom zur Verfügung steht und startet dann zum Beispiel Wäschetrockner und Waschmaschine.

können im ganzen Haus mit einem einzigen Schaltbefehl vom Stromnetz getrennt werden. Standby-Betrieb wird verhindert.

17 BELEUCHTUNG

14 HAUSGERÄTE MIT NETZANSCHLUSS

10

zeigen Störungen im Betrieb an. So meldet zum Beispiel der Kühlschrank, wenn seine Tür offen steht.

17

Hier ist eine helligkeitsund tageszeitabhängige Steuerung oder eine Schaltung über Bewegungsmelder möglich. Einzelne Licht-Szenarien können programmiert werden.

15 AUSSENBELEUCHTUNG ist von innen steuer- und programmierbar.

19 3 14

15

13 18 WARMWASSER-BEREITUNG Ein elektronisch gesteuerter Durchlauferhitzer sorgt für warmes Wasser nur dann, wenn es benötigt wird.

4 19 SCHALTBARE STECKDOSE

20 ZENTRALER KABELSCHACHT Alle Geräte im Haus werden über ein sogenanntes BusSystem miteinander verbunden.

erlaubt es, auch aus der Ferne Geräte ein- und auszuschalten.

Quelle: Initiative Intelligentes Wohnen, Grafik: Illunaut.de


Die Aufnahme einer Wärmebildkamera zeigt, wo aus einem Haus Heizenergie entweicht. Besonders groß sind die Verluste in den roten und weißen Bereichen.

Der gläserne Tresor Heutige Fenster isolieren fünffach besser als die frühere Einfachverglasung

I

n einem Gesamtkonzept zur energetischen Modernisierung eines Hauses spielen die Fenster eine wichtige Rolle. Nach Angaben des Informationsdienstes Bine („Bürgerinformation Neue Energietechniken“) isolieren Fenster in bestehenden Gebäuden oft viel schlechter als beispielsweise Außenwände oder Dächer. So weist das FachinformationsZentrum Karlsruhe (FIZ), Betreiber des BineDienstes, darauf hin, dass etwa 20 bis 25 Prozent des gesamten Wärmeverlustes eines Hauses auf das Konto der Fenster gehen. Für die Dämmwirkung einzelner Bauteile steht der sogenannte UWert. Er gibt den Energieverlust in Watt pro Quadratmeter Fläche pro Grad Temperaturunterschied an. Ein niedriger U-Wert bedeutet weniger Energieverlust und damit eine bessere Dämmung, erklärt Diplom-Ingenieur Jürgen Haupenthal, Architekt und Gutachter der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes. Allerdings könne nicht ohne Weiteres nur anhand der U-Werte berechnet werden, wie hoch der Wärmeverlust konkret am eigenen Haus sei. Hier kämen viele verschiedene Faktoren ins Spiel. „Es kann zum Beispiel gut sein, dass sie durch Fenster auf der Südseite permanent Wärmeenergie gewinnen, auf der Nordseite aber das ganze Jahr über verlieren“, erklärt Haupenthal. Der Dämmwert eines Fensters hängt stark von seiner Konstruktion ab. Martin Weisgerber vom Arbeitgeberverband des Saarländischen Handwerks betont: „Eine Einfach-Verglasung geht nach heutigem Stand auf gar keinen Fall mehr.“ Die RWE vergleicht auf ihrem Informationsportal www.energiewelt.de die Dämmwerte unterschiedlicher Fensterkonstruktionen. Demnach ist bei einer Standard-Einfach-Verglasung mit einem U-Wert von 5,0 zu rechnen. Eine Doppelverglasung, ein sogenanntes Isolierfenster, war etwa bis zur Mitte der 90er Jahre Standard. Des-

halb ist es heute besonders häufig anzutreffen. Die Fenster erreichen einen U-Wert um 3,0. Das ist zwar deutlich besser als eine Einfach-Verglasung, entspricht aber nicht mehr den heutigen Möglichkeiten. Diplom-Ingenieur Samih Rende, Architekt und Experte für Sanierung und Modernisierung, spricht aus eigener Erfahrung: „Ich selbst denke nach jetzt etwa 19 Jahren über die Modernisierung der Glasflächen an meinem Haus nach.“ Der Grund ist die Entwicklung der Materialien seit den 90er Jahren. Ein heutiges Wärmeschutz-Fenster hat einen U-Wert zwischen 0,8 und 1,1. Damit isoliert es etwa fünfmal besser als eine alte Einfach-Verglasung. Die hohen Dämmwerte neuer Fenster können auf zwei Arten erreicht werden. Entweder wird eine Doppel-Verglasung mit Edelgas, zum Beispiel Argon, gefüllt oder es wird eine zusätzliche Scheibe eingebaut, so entsteht die Dreifach-Verglasung. Wer selbst vergleichen will, sollte laut Haupenthal darauf achten, dass die richtigen Werte herangezogen werden. Der Fensterrahmen habe generell einen schlechteren Dämmwert als die Scheibe, deshalb müssten die Werte für die Gesamtkonstruktion verglichen werden. Am besten stellen sich hier Passivhaus-Fenster dar, also Fenster die für Häuser konstruiert wurden, die in ihrer Jahresbilanz keine zusätzliche Heizenergie benötigen. „Die Anforderungen an Dichtigkeit und Rahmen sind bei diesen Fenstern extrem hoch“, erklärt Haupenthal. Der Rahmen müsse so gut gedämmt sein, dass er sich im Dämmverhalten kaum schlechter darstelle als die Verglasung selbst. Das habe allerdings auch seinen Preis. Laut Energiewelt.de kann dieser bis zu 70 Prozent über dem eines Normalfensters liegen. Haupenthal empfiehlt deshalb: „Mit einem guten Dreifach-Modell liegen sie nur unwesentlich drüber.“ Text: Oliver Spettel, Foto: Mauritius


D I E N S TA G, 1 8 . M A I 2 01 0

ENERGIE SPAREN

SEITE 9

Wenig Aufwand, große Wirkung Schon mit kostengünstigen Maßnahmen lässt sich viel Energie in einem Haus einsparen

S

eit dem Jahr 2002 betrachtet die Gesetzgebung Gebäudetechnik und Dämmstandard gemeinsam, erklärt Diplomingenieur Jürgen Haupenthal, Architekt und Sachverständiger der Architektenkammer des Saarlandes. „Im Bereich der Dämmung heißt der Klassiker: Fenster, Vollwärmeschutz und Dach“, sagt Haupenthal. Dabei sei wichtig, dass alle Bereiche in der Planung gut abgestimmt seien und bei der Ausführung der einzelnen Maßnahmen auch koordiniert würden. So beeinflusse eine 20 Zentimeter starke Außenwand-Dämmung nicht nur das Erscheinungsbild des Hauses, sondern stelle auch Anforderungen an andere Bereich des Gebäudes, zum Beispiel den Dachüberstand. Deshalb müsse am Anfang einer jeden Planung eine Erfassung der Situation vor Ort stehen. Dann muss geprüft werden, was baulich zu realisieren ist und was davon auch wirtschaftlich rentabel ist. Wichtige Bereiche für die Dämmung sind Geschossdecken, Fassaden, Kellerdecken und -wände und natürlich auch das Dach. Werden an diesen einzelnen Bereichen größere Änderungen oder Instandsetzungen ausgeführt, schreibt die neue Energieeinsparverordnung, EnEV 2009, sogar eine energetische Sanierung der Bauteile vor. Der Grund für solche Verordnun-

Jürgen Haupenthal: Gute Planung entscheidet über den Erfolg aller Sanierungsmaßnahmen.

Das Mikroskop liefert oftmals verblüffende Perspektiven altbekannter Motive. Dieses Bild zeigt zum Beispiel in extremer Vergrößerung das Rohmaterial für Dämmstoff-Platten.

gen wird am Beispiel der Dachdämmung sichtbar. Wie die Energieberater der Verbraucherzentrale des Saarlandes mitteilten, wurden in den 80er Jahren Dächer nur vereinzelt gedämmt. Dort wo eine Dämmung eingebaut wurde, fehle es aber häufig an der sogenannten Unterspannbahn, einer Folie zwischen Gebälk und Dacheindeckung. Diese lässt Feuchtigkeit nach außen entweichen, lässt aber keine hinein. Durch dieses System wird verhindert, dass die Dachdämmung von außen feucht wird. Nach Angaben der Energieberater kann eine feuchte Dachdämmung mehr als die Hälfte ihrer Isolationswirkung verlieren. „Im Grunde ist jede Art von Dämmung sinnvoll“, betont Rainer Christ, Geschäftsführer der Architektenkammer des Saarlandes. Wenn möglich sollten aber beispielsweise Fenster und Dämmung aufeinander abgestimmt sein. Jürgen Haupenthal weist darauf hin, dass mit immer besser werdender Dämmung auch der Haustechnik eine immer größere Bedeutung zukomme. „Das Ziel ist es, den Hauptwärmebedarf für die Trinkwassererwärmung einzusetzen und nicht mehr bei der Heizung“, so Haupenthal. Mit einer umfassenden Modernisierung sei es möglich, den Heizölbedarf eines Wohngebäudes auf drei bis fünf Liter pro Quadratmeter zu senken. „Der Bedarf lag 1977 bei 25 bis 30 Litern“, so Haupenthal. Wer sich kein Komplettpaket leisten kann oder will, könne mit wenigen und auch

günstigen Maßnahmen bereits eine spürbare Wirkung erzielen. Als erste Maßnahmen raten die Architekten dazu, begehbare Decken zum Speicher und zum unbeheizten Keller zu isolieren. Ein Bereich, der auch mit kleinem Geldbeutel große Wirkung verspricht, ist die Isolierung von Warmwasserleitungen. „Ohne Dämmung müssen sie mit der Heizung einfach höhere Systemtemperaturen fahren“, erklärt Haupenthal. Obwohl eine gute Dämmung nicht nur im Winter warm hält, sondern im Sommer auch verhindert, dass es zu warm wird, rät Haupenthal unbedingt, auch entsprechende außen liegende, Schatten spendende Elemente zu installieren. „Die Bandbreite ist auch hier recht groß. Das kann von einfachen Rollläden bis zu unterschiedlich geformten Jalousien reichen.“ Spezielle Lichtleitsysteme könnten verhindern, dass die Bewohner, wenn sie einen kühlen Wohnraum haben wollten, im Dunkeln sitzen müssten. Angesichts aller technischen Möglichkeiten weisen die Architekten auf eines hin: Das rechnerische Einsparpotenzial wird entscheidend auch vom Verhalten der Nutzer beeinflusst. „Wir erleben immer wieder, dass Leute ihr Haus wirklich gut dämmen. Dann fahren sie aber nicht die Heizung herunter und gewöhnen sich an die um zwei Grad höhere Raumtemperatur“, schmunzelt Haupenthal. Text: Oliver Spettel, Fotos: Thomas Wieck, BASF


ENERGIE SPAREN

SEITE 10

D I E N S TA G, 1 8 . M A I 2 01 0

Mein Kraftwerk steht im Keller Moderne Heizungsanlagen machen sich durch Energieeinsparung schnell bezahlt

N

ach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen verschwendet ein 30 Jahre alter Gas-Heizkessel knapp die Hälfte der Verbrennungsenergie. Damit ist eine alte Heizungsanlage der größte Energie- und Wärmeverschwender in einem nicht modernisierten Haus. Die Hersteller bieten mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher Heizungs-Systeme an. „Was im konkreten Fall sinnvoll ist, muss eine detaillierte Bestandsaufnahme vor Ort zeigen“, erklärt Martin Weisgerber, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands des Saarländischen Handwerks. Deutlich wird das am Beispiel der Wärmepumpe. Die Anlagen entziehen der Umgebung Wärme und geben sie an das Heizungssystem ab. Als Wärmequelle dient je nach Gerätetyp entweder die Umgebungsluft oder Grundwasser. Eine andere nutzbare Quelle stellt die im Boden gespeicherte Wärme dar. Hier gibt es die Möglichkeit, Erdwärme-Sonden in Bohrlöchern zu betreiben oder aber ein Rohrkollektor-System in geringer Tiefe, aber mit großer Fläche zu installieren. Die Technik bietet den großen Vorteil, für die Wärme-Erzeugung nur auf den Strom zum Betrieb der Anlage angewiesen zu sein. Reiche die Umgebungswärme allerdings mal nicht aus, müssten auch diese Geräte zuheizen. Das geschehe in der Regel nach dem Tauchsieder-Prinzip mit einem entsprechenden Stromverbrauch, erklärt Weisgerber. Dabei wird mit Strom eine Heizschlange erwärmt, die ihre Wärme an das Wasser abgibt. Beim Bau der Anlage müssten verschiedene Impressum

Sonderveröffentlichung der Saarbrücker Zeitung

Chefredakteur Peter Stefan Herbst

Punkte berücksichtigt werden. Ob eine Wärmepumpen-Anlage überhaupt interessant ist, hängt von der Situation vor Ort ab. Wo zum Beispiel keine Bohrungen genehmigt werden, fällt die Erdsonden-Technik bereits aus. Eine Luft-Anlage auf der Grundstücksgrenze könne hingegen wegen der Geräuschentwicklung zu Problemen mit den Nachbarn führen. Ein weiterer Faktor bei der Entscheidung für oder gegen eine Wärmepumpe sei die niedrige Vorlauftemperatur

„Die steckerfertige Lösung, die vor Ort optimal läuft, gibt es nicht.“ Martin Weisgerber, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands des Saarländischen Handwerks

des Systems. Daher würden große Wärmeverteilungsflächen benötigt. „Ideal sind hier Fußboden- oder Wandflächen-Heizungen“, erklärt Weisgerber. Die seien allerdings nicht ohne größeren Eingriff ins Gebäude nachzurüsten. Wegen all dieser Faktoren ist eine umfassende Planung Pflicht. Eine Alternative zur Wärmepumpen-Technik bilden Geräte zur Verfeuerung fester Biomasse, in der Regel Holzpellet-Öfen oder Hackschnitzel-Anlagen. Auch sie machen unabhängig von der Versorgung mit fossilen Energieträgern. Die Geräte seien so ausgereift, dass sie vollautomatisch funktionierten, so Weisgerber. Allerdings

Art-Director Robby Lorenz

Redaktion Peter Bylda Oliver Spettel

Geschäftsführung Dr. Joachim Meinhold (Vorsitzender) Christian Erhorn

müsse hier, ähnlich wie beim Öl, eine Lösung für die Lagerung des Brennstoffs gefunden werden. Eine der größten Ursachen für die Energieverschwendung mit alten Anlagen löse allerdings schon die mittlerweile bewährte BrennwertTechnik. Die Anlagen entziehen dem Abgas über Wärmetauscher nutzbare Energie und erzielen so deutlich höhere Wirkungsgrade. Das gelte für Öl- und Gas-Geräte gleichermaßen, so Weisgerber. Da bei beiden Systemen die Abgastemperatur gegenüber einer herkömmlichen Technik deutlich sinke, müssten hier jedoch Veränderungen am Kamin vorgenommen werden. Er muss verengt werden, damit die kühleren Abgase richtig abziehen. „Hier gibt es Systeme, die in bestehende Kamine eingebaut werden können. Der Außenwandkamin kommt nur zum Einsatz, wenn es anders nicht möglich ist oder der Kunde es so möchte, weil es ihm gefällt“, bemerkt Weisgerber. Egal ob Wärmepumpe, Pellet-Kessel oder Brennwert-Gerät, alle haben eines gemeinsam: Verglichen mit älteren Anlagen helfen sie in jedem Fall, deutlich Heizenergie einzusparen. Martin Weisgerber weist darauf hin, dass die moderne Technik eine sorgfältige Planung und Installation erfordere, was auch eine regelmäßige Wartung einschließe. Die Anlage müsse auf die konkreten Anforderungen zugeschnitten sein. „Die steckerfertige Lösung, die vor Ort optimal läuft, gibt es nicht“, so Weisgerber. Text: Oliver Spettel

Verlagsgeschäftsführer Thomas Deicke

Verlagsleitung Michael Schmierer Thomas Marx

Druck und Verlag: Saarbrücker Zeitung Verlag und Druckerei GmbH, 66103 Saarbrücken, Gutenbergstraße 11-23


So spart das Saarland:

Ein Muss für alle energie- und umweltbewussten Verbraucher: der Energiespar-Ratgeber von energis. Auf über 50 Seiten gibt’s viele wertvolle Tipps zum Energiesparen und Klimaschutz. Wer auch immer sie liest, eins ist sicher: Dahinter steckt ein schlauer Kopf. Erst recht nach der Lektüre ...

Ein Unternehmen der VSE-Gruppe


Energiespar-Serie