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Knockout

in Runde zwei – Boxen ist nichts für Weicheier

Durststrecken werden auch in Beziehungen selten durchgehalten

Ausreden häufen sich im Homeoffice schnell

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Und Sie dachten, Kaffeekränzchen sind uncool.


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In 10 verlockenden Sorten www.maopop.ch


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Daniel Mahrer d.mahrer@lifemedien.ch


editorial

Liebe Lebenslustige getAlife – Komm zurück auf den Boden der Tatsachen, werde lebendig, LEBE!

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ocial Life, soziales Leben steht heute nicht mehr für persönliche Beziehungen, Privatsphäre und Abendessen unter Freunden. Social Life steht für Facebook, Twitter, Google+ und Co. Die Verlockung ist gross: Im Internet lässt es sich einfacher Freunde finden als auf der Strasse, dem Fremdflirten steht kein kritischer Blick im Weg. Facebook fragt uns Tag für Tag, wie es uns geht, was in unseren Köpfen vorgeht. Mal ehrlich: Wer interessiert sich sonst noch so brennend für uns? Wir tauschen Musik, treffen uns zu mitternächtlichen Gamesessions mit Gleichgesinnten, verschicken PMs in die ganze Welt, teilen sowohl unseren Chefs als auch unseren Müttern mit, wie es um unser Sexleben steht, wie kompliziert unsere Beziehungen grad sind, wie beschissen wir unseren Job doch finden, und wundern uns am nächsten Tag über die fristlose Kündigung. Und doch: Den meisten «gefällt’s». Das Ziel von getAlife ist es, euch zum Leben ausserhalb der virtuellen Wände zu animieren. Sport bedeutet für uns nicht nur Fussball und Tennis. Angesehen sind bei uns nicht nur Hollywoodgrössen, sondern vor allem auch junge Schweizer Talente, deren Namen bisher eher verborgen blieben. Ihr zeigt uns, was fancy ist, definiert die lesenswerten Themen der Zeit, formt Kultur. Wohin führt der nächste Städtetrip? Wo steigen die angesagtesten Partys? Was kann ich für meine Work-Life-Balance tun? Wie sehen die neuen Trends der Modewelt aus? Was gibt es Neues aus der Musik- und der Multimediabranche? – getAlife liefert nicht nur Antworten zu alltäglichen Fragen, sondern versucht, eure Bedürfnisse in jeglicher Hinsicht zu stillen. Wir sind der Ansicht, dass Lifestyle nicht bloss ein Trendwort ist, sondern mit viel Leidenschaft GELEBT werden sollte. Eure Redakteurin

Umso wichtiger ist es uns, dass ihr euch in unsere Medien einbringen könnt – ganz nach dem Motto «texts are made by their readers».

Valérie Ziegler

Der New Yorker Rapper Fabolous meint in seinem Hit Gangsta Don’t Play: «If life’s a bitch, better make every day your wife.» Uns «gefällt’s» – wir freuen uns, das Leben mit euch zu teilen.

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wenn frauen riskieren, sich die nase zu brechen

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wenn sport zu mord wird

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die vor- und nachteile von homeoffice


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I N T R O

D U C I N G

22 artzband , Jennifer H ork New Y text � valérie ziegler

Wo bist du aufgewachsen? In Chappaqua, Westchester County – ungefähr 30 Minuten nördlich von New York City. Wo lebst du heute? Ich besuche die Delaware Universität in Newark und lebe in einem Haus mit drei anderen Mädchen. Die Ferien verbringe ich zu Hause bei meinen Eltern in Chappaqua. Wie viele Geschwister hast du? Drei. Wo arbeitest du? Ich arbeite in Teilzeit in einem Spital in Newark. Diesen Mai werde ich meinen Abschluss im Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege machen. Wie bewegst du dich fort? Die Schule besuche ich mit meinem Auto, einem Jeep Cherokee. Auch nach New York fahre ich in meinem Jeep. Wie sieht dein Tagesablauf aus? Unter der Woche stehe ich früh auf. Ich besuche zweimal drei Stunden Vorlesungen am Tag. Den Rest des Tages verbringe ich mit Sport oder Lernen. Ich gehe früh zu Bett. Davor schaue ich TV – meine Lieblingsshow ist Sex and the City. Die Wochenenden sehen komplett anders aus: Ich liebe es, auszuschlafen. Gegen Mittag treffe ich mich meist mit Freunden zum Lunch. Wir gehen Shoppen oder ins Kino. Abends besuchen wir Bars, bis diese schliessen – was in Delaware leider bereits um ein Uhr früh der Fall ist. Welche Länder hast du bereits besucht? Als ich noch jünger war, besuchte ich mit meiner Familie die Bahamas und Jamaika. Wir Amerikaner sind ja nicht gerade bekannt dafür, zu realisieren, dass es auch ausserhalb der USA noch Leben gibt. Welches ist deine Lieblingsstadt? Da ich nicht viele andere Städte kenne, würde ich eindeutig NYC zu meiner Lieblingsstadt ernennen: Es gibt immer was Aufregendes zu tun. Die Liste der Sehenswürdigkeiten ist endlos – langweilig wird es nie! Die Stadt ist voller Leben. Ich möchte unbedingt mal dort leben, am liebsten direkt nach dem College, um als Krankenschwester zu arbeiten. Wie viel Geld gibst du monatlich aus? Glücklicherweise kommen meine Eltern für die Studiengebühren, die Lebensmittel und meine Rechnungen auf. Mein eigenes Geld gebe ich nur für Shopping und Ausgang aus – ich würde sagen, dies beläuft sich auf circa CHF 300 im Monat. Wo shoppst du am liebsten? Meine zwei Lieblingseinkaufszentren sind die Christiana Mall in Newark und die Westchester Mall in New York. Ich mag den

Style von Urban Outfitters und Anthropologie. Wenn es etwas ausgefallener sein soll, gehe ich zu Express. Sephora ist definitiv mein Lieblingsladen in puncto Make-up. Wer ist dein Lieblingsmusiker? Ich mag verschiedene Stilrichtungen: Rock, Country, Charts. Die einzigen Musikrichtungen, die ich hasse, sind Metal und Hardrock. Was war das letzte Geschenk, das du erhalten hast? Meine Mom hat mir das «silver heart necklace» von Tiffany gekauft – als ein sehr, sehr frühes Absolventengeschenk –, ich liebe es! Welches ist deine Lieblingsmahlzeit? Ich liebe italienisches Essen: Auberginen mit Parmesan, Chicken mit Parmesan, alles mit Parmesan. Ich bin ein ziemliches Schleckmaul und stehe auf Schokolade, Brownies, Cookies. Wie sah dein verrücktestes Erlebnis aus? Als im letzten Jahr meine Eltern für ein Wochenende verreist waren, beschloss ich, einige Freunde einzuladen. Gegen elf Uhr waren gut 100 Leute in meinem Haus. Plötzlich standen zwei Polizisten vor der Tür und kamen herein. Die leeren Alkoholflaschen und die Tatsache, dass noch nicht alle Gäste 21 Jahre alt waren, führten dazu, dass ich verhaftet wurde. Sie banden mir Handschellen um und führten mich zum Polizeiauto – ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich dabei ununterbrochen weinte. Sie steckten mich ins Gefängnis, glücklicherweise nicht für lange: Meine Eltern kamen, um die Kaution zu bezahlen. Ich erhielt eine Geldstrafe und musste viele Stunden Zivildienst leisten. Das war das letzte Mal, dass ich Leute zum Trinken eingeladen habe! Was ist dein grösster Traum? Ich möchte eine erfolgreiche Karriere durchleben, glücklich verheiratet sein und zwei oder drei Kinder grossziehen. Mein Wunsch ist es, weiterhin als Krankenschwester zu arbeiten und möglichst vielen Menschen helfen zu können – und dies hoffentlich immer so sehr zu lieben, wie ich es momentan tue. Wie sieht die Welt in 30 Jahren aus? Ich hoffe, dass die Medizin in 30 Jahren weitere Fortschritte gemacht hat – dass es Heilmittel gegen Krebs und Aids gibt. Die Welt wird hoffentlich ein nicht durch eine Wirtschaftskrise geschwächter Ort sein. Natürlich wünsche ich mir auch, dass wir friedvoll zusammenleben können – auf der ganzen Welt.

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got skills � ellin anderegg

text � valérie ziegler

Ellin Anderegg Fashion Photographer 26, Zürich

Unser Talent: Ellin Anderegg 8 � 00/12 � getAlife

bild � ellin anderegg

Bekannteste Persönlichkeiten vor der Linse: Coco Sumner (Tochter von Sting), Amanda Ammann, Kerstin Cook, Linda Fäh, Philipp und David Degen, Ronja Furrer, Stress und Zazou Mall. Wie bist du zur Fotografie gekommen? Ich habe eine Ausbildung als Polygrafin absolviert, mein Interesse für die Fotografie war jedoch schon immer gross. Meine Eltern haben mir vor knapp vier Jahren eine Kamera geschenkt – das Fieber hat mich sofort gepackt. Nachdem ich das Fotografieren lange Zeit nebenberuflich ausgeübt habe, beschloss ich letzen September, mich nur noch aufs Fotografieren zu konzentrieren und gründete meine eigene Firma. Ich arbeite nun als selbständig erwerbende Fotografin in Zürich. Bisheriger grösster Erfolg: Vor einem Jahr durfte ich die schweizweite Metro-Kampagne gestalten.


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Eindrücklichster Moment im Zusammenhang mit der Fotografie: Oh, da gibt es viele lustige und verrückte Momente, die ich erleben durfte. Das Spektrum reicht von einem Angriff eines Rottweilers auf meine Kamera, über Seekrankheit bei einem Shooting auf dem Wasser. Einmal ging sogar eine Blitzanlage in Flammen auf. Auch sind schon Models in Ohnmacht gefallen während meiner Shoots.

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Was fasziniert dich an der Fotografie, worin siehst du deine Herausforderung? Ich bleibe da realistisch: Ich will mit meiner Fotografie weder die Welt verändern, noch tiefgründige Kunst schaffen. Ich will ästhetisch schöne Bilder kreieren. Die grösste Herausforderung sehe ich darin, einen einzigartigen Stil zu entwickeln, der mich von den anderen Fotografen abhebt. Gleichzeitig möchte ich mich aber immer weiterentwickeln und neue Wege einschlagen. Wie sieht dein grösster Traum aus? Einer meiner grössten Wünsche wurde bereits wahr: Ich kann von der Fotografie leben. Nach vorne schauend, würde ich wahnsinnig gerne mal eine Fotostrecke für ein grosses Modemagazin wie beispielsweise die Vogue fotografieren dürfen.

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hair & make-up: fabienne pauli (make-it-up.ch) styling: amanda holzer model: ronja furrer @ option

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got skills � ellin anderegg

Zur Fotostrecke: Die Serie mit Ronja Furrer ist für mich etwas Besonderes. Ich kenne Ronja eigentlich schon von ganz klein auf, wir kommen beide aus Solothurn und haben als kleine Kinder zusammen im Sandkasten gespielt, nur wussten wir das lange gar nicht. Über Facebook und gemeinsame Freunde (die Szene in der Schweiz ist relativ klein) kamen wir Jahre später wieder in Kontakt und entdeckten diese «gemeinsame» Vergangenheit. Fabienne Pauli, die Visagistin dieser Fotostrecke, organisierte schliesslich das Shooting. Es war ein lustiger Shoot mit einem kleinen, aber sehr engagierten Team bei mir im Studio. Ronja war eines der besten Models, das ich je fotografieren durfte, ich war hin und weg. www.ellin.ch getAlife � 00/12 � 13


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S T Y L E

O S O P H Y

Wie macht ihr es euch im Winter gemütlich? Mit Marshmallows und Chai Tea Latte am Feuer text & bild � valérie ziegler

Dominique (21, mit Buch): Im Winter bin ich am liebsten zu Hause. Meine Tante Susy und meine Cousine Camila kommen jedes Jahr aus Mallorca zu uns, um die Festtage in der Schweiz zu verbringen. Sie bleiben immer für mindestens zwei Wochen hier. Ich geniesse die Zeit mit Cami sehr: Gemeinsam mit Freunden gehen wir in Strasbourg shoppen, spielen SingStar oder machen es uns vor dem Ofen mit Marshmallows gemütlich. Ich liebe es, mich in kuschelige, warme Klamotten zu werfen und dabei nicht auf mein Aussehen achten zu müssen. Eine heisse Schokolade, ein gutes Buch dazu und der Abend ist perfekt. Zurzeit lese ich «Jane Eyre» von Charlotte Brontë. Die passende Musik darf natürlich auch nicht fehlen: Momentan hören wir

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hauptsächlich Coldplay und Lenny Kravitz. Den Frosch habe ich von meinem Freund zu Weihnachten gekriegt. Er ist nicht nur süss, sondern eignet sich auch ganz gut als Kissen. Camila (16): Ich liebe Schnee. Auf Mallorca schneit es nie. Leider bekam ich ihn diesen Winter auch in Basel nicht zu Gesicht. Auch die Schweizer Trams faszinieren mich. Ich habe vorher noch nie welche gesehen. Ich finde es cool, dass man während der Fahrt etwas von der Stadt sieht – was in unterirdischen Metros ja nicht der Fall ist. Ich freue mich immer, meine Familie zu treffen. Vor allem Domi – sie ist meine Lieblingscousine. Auch wenn sie älter ist als ich, verstehen wir uns sehr gut. Mit ihr erlebe ich die verrücktesten Sachen.


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Rapper sind keine Musiker

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text � jelena perovanovic

Er produzierte unter anderem für Snoop Dogg, Sean Kingston und Richie Rich. Er ist einer von vielen und doch speziell: Der in den Ghettos von Oakland, Kalifornien, geborene Joshua Durham aka Five-Hunnet kennt sowohl das Leben auf der Strasse als auch den Bling Bling der grossen Bühnen. Sein Rap-Titel «Bubble Gum Pack» verkaufte sich nicht schlecht. Und doch: Sein Herz gehört dem Jazz.

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ls ich in seine blockhüttenähnliche Behausung hineintrete, begegne ich einer auf dem Sofa sitzenden, schwarzen Person mit Waffe in der Hand. Zuerst erschrecke ich und schreie auf. Dann aber erkenne ich, dass es sich um eine Körpergrosse Puppe handelt. «Keine Angst», ruft Joshua auf dem Weg zur Küche über seine Schulter, «der ist nur da, um Einbrecher abzuschrecken.» Ob die Waffe echt sei, frage ich. «Ja klar», antwortet er. Der einstöckige Bungalow ist stickig, düster und schmuddelig, laut dröhnt Sade aus dem Wohnzimmer. Ich trete in den zugemüllten Garten hinaus, um mich zu setzen und eine Zigarette anzuzünden. Einer der zwei Kampfhunde rennt auf mich los, kratzt mich aggressiv am Bein, bis ich ihn streichle, dann legt er sich hin und schnauft friedlich aus. Joshua Durham, alias Five-Hunnet (500), hat nicht immer so gelebt. Nach seinem tausendfach verkauften Rap-Titel «Bubble Gum Pack» wohnte er in einem neuen, schönen Haus in einer besseren Gegend, veranstaltete Partys und unterstützte seine Familie finanziell. Jetzt, da er wieder zu Hause wohnt, weiss er noch viel mehr zu schätzen, was er hatte. «Nach der Wirtschaftskrise verlor mein Stiefvater seinen Job. Meine Mut-

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ter arbeitete zwar, konnte sich die Hypothek jedoch nicht mehr leisten. Also zog ich nach sieben Jahren wieder zurück, um sie zu unterstützen. Zwei Häuser konnte ich mir nicht leisten, aber ich verdiene genug, um zu überleben und ich bin stolz darauf, dass wir nicht dahin zurück gesunken sind, wo wir einmal waren: im Ghetto von Oakland.» Dort sei er immer als «white boy» beschimpft worden. Obwohl seine Mutter pure Afroamerikanerin und somit dunkelhäutig ist, waren die Gene seines portugiesischen Vaters stärker. Er kennt seinen Erzeuger nicht: «Verschwand wohl nach einem One-Night-Stand», erklärt der heute 26-Jährige mit einem Schulterzucken. Five – so nennt ihn auch seine Mutter. Ob er das nicht als distanzierend empfinde, von der eigenen Mutter beim Künstlernamen genannt zu werden? «Es lässt mich ihre Anerkennung fühlen. Sie zeigt mir, dass sie mich und meine Musik ernst nimmt», antwortet er mit einem Lächeln im Gesicht. Im «Jammen» war er der Beste In Oakland, umgeben von Gewalt, Waffen, Drogen, Totschlag, Mördern und verwahrlosten Kindern, zeigte auch Joshua auffällige Verhaltensweisen. Man sagte ihm, er sei hyperaktiv. Der Grossvater meinte, musikalisches Potential in ihm zu erkennen und schenkte ihm ein Klavier – ein grosser Wunsch des damals Zehnjährigen. «Das war der schönste Moment meines Lebens. Ich erinnere mich noch genau daran, wie sie plötzlich im Wohnzimmer stand, als ich zur Tür hinein trat, die alte, braune Kiste. So glücklich war ich nicht oft», erzählt der Musiker nachdenklich, mit leiser Stimme. Joshua spielte stets ohne Noten, brachte sich alles selbst bei. Seiner Grossmutter gefiel es. Noch immer steht das Piano in seiner Garage. Auch die ist voller, teils undefinierbarer, Gegenstände. Und doch: Offensichtlich konnte er sich ein wenig Platz fürs Spielen freischaufeln.


Er setzt sich hin und beginnt, etwas Jazziges zu improvisieren. Melancholie macht sich breit. Ich bin fasziniert von seiner Hingabe, der Leidenschaft, die ich hier beobachte. Kurz darauf lacht er mich wieder an, als er mir von seinem Stanford Diplom erzählt. Er sei als 14-Jähriger auserkoren worden, an einem Sommer-Jazz-Diplomkurs für musikalisch begabte Kinder an der Stanford Universität teilzunehmen. Mit Stipendium! Grosse Musiker unterrichteten die Kinder. Er sei ein Aussenseiter gewesen, der einzige, der Slang gesprochen habe. Alle anderen Kinder seien aus guten Elternhäusern und Gegenden gekommen und hätten ihn anfangs nicht akzeptieren wollen. Einige Male wurde Five aus dem Unterricht geschmissen, weil man mit seiner Ungezogenheit und seinem Temperament nicht umgehen konnte. Er sei kurz vor dem Aufgeben gewesen, fühlte sich minderwertig. Theorie sagte ihm nichts, er wollte nur «Jammen», und darin war er der Beste. «Was macht dieser Motherfucker hier?» 500 produzierte für Snoop Dogg, tha East Sidaz, Sean Kingston und Richie Rich, um nur einige Grössen zu nennen. Auch hat er mit Tyga und Gucci Mane auf einem Song gerappt. «Oft rufen mich die populären Musiker aus der Gegend an, damit ich vorbeikomme und ihnen einen Songtext auf die Beats schreibe. Leider bin ich noch einer von vielen, ein ‹no-name›, sodass sie mir einen Scheiss bezahlen», erklärt Joshua. Als wir über seine aktuellen Ziele sprechen, zeigt er mir sein selbst erbautes Studio. Ein kleines Holzhäuschen im Garten, welches er von Grund auf selbst errichtet hat. Da stecke viel Herzblut drin, sagt er. Es sei zwar nicht besonders gut isoliert, doch es ist sein eigenes Studio – es ermöglicht ihm ständiges Arbeiten. Es ist bereits dunkel, als ich erneut eine Zigarette anzünde und die Pitbull-Hündin namens Diamond streichle. Seine Musik töne nach Drake, kommentiere ich. Er erzählt mir, wie er vor kurzem Backstage-Pässe hatte und darauf brannte, ein paar Worte mit Drake zu wechseln. Er sei hingegangen, hätte seinen Namen genannt und seine Bewunderung für ihn ausgesprochen. «Drake wandte sich an seine Bodyguards: ‹Was macht dieser Motherfucker hier? Nehmt diesen Pisser aus meiner Sichtweite!› Ich bin dann ruhig weggelaufen. Schade, dass er nach kurzer Zeit im Rampenlicht bereits so abgehoben ist. Schade. Aber weisst du was? Ich habe das Gefühl, dass er mir noch einmal begegnen wird.»

Sein Herz schlägt für den Jazz – Five-Hunnet in Aktion.

Five-Hunnet auf iTunes, youtube oder cduniverse.com probehören und downloaden.

Jelena Perovanovic ist Journalismusstudentin an der SAL Zürich.

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DESTINATION L O N D O N

«When a man is tired of London, he is tired of life» samuel johnson

London ist Leben – Leben in den verschiedensten Farben. Wer Einblick in dieses Leben erhalten möchte und die Highlights an einem Tag erkunden will, sollte früh aufstehen.

(2 Park Coffee» th u o m n g e ht n m «M o im Mage u z t s g fa n k a a es Clipein G a s e! sh Bre in «Tham Deck hnt sich nd einem Engli gg, ple e e lo in , d n n d e a n e m B ac o n zu werd sc hub u schliess sten bringt. Vo tig wach it einem Koffein ge», wo du an We thedral» a h C c a s n d l’ Um rich M ri u h ). a B h ic P r g d e t. u r w S e ro « o d o «T nst, e die Street, B ur berühmten igen kan ielsweis rz us – ste ie beisp w rb e e s k s c es weite a Prunkstü ine Art W per» – e t du historische s n au s k a n ern. Culture fag vs. barga b ew u n d in hunter Steig am «Waterloo Pie r» aus und hüpfe auf da s berühmte Riesenrad welches dir einen einzig «London Eye», artigen Blick über die eng lische Hauptstadt erm Ein Gang über die «G öglicht. olden Jubilee Bridge» bringt dich zum «Trafa Londons Herz. Wer Lu lgar Square», st hat auf einen Museu msbesuch, kann beisp «National Galler y» besuc ielsweise die hen, in der sich über 2’3 00 Kunstwerke befinden. tritt ist gratis. Wer lieb Der Einer mit einem vollen Ko ffer nach Hause reisen Stadtteil «Covent Garde will, geht im n» shoppen, schlende rt durch «Chinatown», «Big Ben» oder die Ma weiter zum ll hinunter zum «Bucking ham Palace».

t zum Verweilen essen «Regent’s Park» läd e rig jäh 0weiter Flanieren & geni 20 er n Pause geht es ng im Park: Der üb . Nach einer kurze ein Zeit für Entspannu es tyl es Lif er ern gibt. des London rarten zu bewund und Beobachten m es über 750 Tie de in o, Zo er on zum Lond A bende ss Beginne en im Iv y d Bar» (Th en Abend mit e Conna einem C u Hungrig ock tail in der « ? Ein A ght, Carlos Pla ce, May be nde s Coburg Street, fair). sen im Covent a n g e s ag Garden Voraus te ) ist ein lohnt sic Muss. E n «The Iv y» (1 h. -5 ine Res ervation im Live Jazz & Midnight Bagel mag: «Ronnie Scott’s» (47 Frith aterdistrikts. Wer es lieber jazzig Du befindest dich inmitten des The befinden sich verschiedenste ch östli er übrige Energie hat: Weit Street, Soho). Wer danach noch seinen vielseitigen Mix an DJs Street, Shoreditch) ist bekannt für Clubs. Das «Cargo» (83 Rivington und seine Live Events. Tanzen verbrannt? «Brick t getrunken, oder viele Kalorien beim Hast du ein bisschen über den Durs ht der Nac frische Bagels. Yummy! e, Spitalfields) serviert dir auch in Lane Beigel Bake» (159 Brick Lan

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Wenn Sport

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text � valérie ziegler

egelmässige Bewegung stärkt nicht nur das Immunsystem und hält das Herz-Kreislauf-System in Schwung – nein, wer häufig Sport treibt, fühlt sich vitaler, erhöht seine Lebenserwartung und tut darüber hinaus auch noch etwas für seine Figur. In diesen Punkten sind sich sowohl Medizinmänner als auch Sportwissenschaftler einig.

sondern muss sich teilweise ernsthafte Gedanken über neue Perspektiven machen, da beispielsweise ein schulischer Abschluss fehlt. Leistungssportler schulden dem Land und den Sponsoren den Sieg, rassenbedingte Unterschiede fordern einen Ausgleich, Chancengleichheit wird gewünscht – Gründe, nach Doping zu greifen, gibt es viele.

Doch wie sieht es mit Spitzensport aus? Dort, wo meist Hundertstel über Sieg oder Niederlage entscheiden: Ist es gesund, wenn sich ein Boxer jeweils vor einem Kampf zwei Kilo runterhungern muss, um sich nicht von einem Athleten der nächst schwereren Kategorie den Kopf einschlagen zu lassen?

Die Dopingdiskussion existiert seit mehr als 50 Jahren. 1999 gründete man die Welt Anti Doping Agentur (WADA) mit dem Ziel, regelmässige Kontrollen durchzuführen, dem Doping den Kampf anzusagen. Schön und recht. Doch was bringt dies, wenn gewisse Verbände nach ihren eigenen Regeln tanzen? Was, wenn diese Verbände Sportarten beinhalten, die zu den meistverfolgten gehören? American Football – Amerikas beliebteste Sportart. Dass gedopt wird, ist offensichtlich. Weder NBA, noch NFL, noch MLB gehören der WADA an. Nach einer einleuchtenden Begründung dafür muss wohl nicht gesucht werden.

Der sportliche Aspekt steht – so wird es uns zumindest meist verkauft – immer und überall im Vordergrund, sei es im Fussball oder im Boxen. Fair Play, Spass, Solidarität – Worte, die in der Sportwelt gross geschrieben werden. Doch was bedeutet das heutzutage, wo Doping teilweise nicht mehr wegzudenken ist und Athleten sich vor den Zug werfen, da sie dem Druck von aussen nicht mehr standhalten? Im Leistungssport geht es – wie der Name schon sagt – um Leistung. Wer erfolgreich ist, verschafft sich Medienpräsenz und somit auch Sponsoren, wenn auch nicht in allen Sportarten. Ein Kanufahrer kann zweifacher Olympiasieger und dreifacher Weltmeister sein – ein Shaqiri bleibt, zumindest in der Schweiz, trotzdem interessanter. Gewinner kassieren das Geld. Gewinner werden geliebt. Gewinner sind die Grössten. Doch im Rampenlicht zu stehen, Erfolg zu haben, bringt nicht nur Ruhm mit sich. Je besser man ist, desto höher ist der Druck, der auf einem lastet. Je näher an der SPITZE, desto mehr Anforderungen müssen erfüllt werden. Nicht nur Sponsoren gilt es glücklich zu stimmen, sondern auch das Publikum möchte durch eine gute Leistung befriedigt werden. Die Konkurrenz schläft nicht. Was, wenn diese Anforderungen nicht mehr erfüllt werden können? Wer unfallbedingt mehrere Monate aussetzen muss, ist meist nicht nur weg vom Fenster,

Doch nicht nur in Amerika gehört Doping zum Sportgeschehen wie ein guter Wein zu einem Essen: In der Schweiz ist das Thema Doping seit 1960 präsent. Ausschlaggebend waren verschiedene Todesfälle im Radrennsport und die Gerüchte, dass praktisch keine Spitzenradrennfahrer ungedopt zu einem Wettkampf antreten würden. Doping ist nicht nur Betrug an sich selbst, sondern auch am Gegner und am Zuschauer. Welchen Reiz bietet der Sport noch, wenn es nicht mehr möglich ist, die eigenen Grenzen kennenzulernen? Wer dopt, kann unmöglich stolz sein auf seine Leistung. Ideale wie Gesundheit, Fairness, Solidarität und Ehrlichkeit werden in den Dreck gezogen. Doch wie damit umgehen? Schauen wir weiter zu, trinken – «sportlich und gesund» – unser Bier, ziehen uns Spiel für Spiel rein und ignorieren das Problem? Oder nehmen wir die Gefahr auf uns, dass der Sport eines Tages vielleicht wieder zu dem wird, wofür er eigentlich steht: Unterhaltung, Spass, Solidarität, Fairness und Gesundheit. Schön wäre es auf jeden Fall.

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Es gibt wohl kaum eine Sportart, die so viel Raum bietet, die ungesunden Aspekte des Sports aufzuzeigen wie das Boxen. Jeder harte Schlag ins Gesicht hinterlässt seine Spur im Gehirn. Trotzdem gibt es immer mehr Frauen in der Schweiz, die dieses Risiko auf sich nehmen. VizeSchweizermeisterin Evelyne Ziegler erklärt uns wieso.

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text � valérie ziegler

s ist heiss. Zumindest kommt es mir so vor. Die zweite Runde wurde soeben eingeläutet. Vollgepumpte Körper stolzieren durch die Menge, bereiten sich auf ihren Auftritt vor. Die Atmosphäre ist testosterongeschwängert. Das Publikum tobt: «Mach sie fertig, hau sie runter!» Je härter der Kampf, desto begeisterter die Zuschauer. So muss es sich wohl bei den Gladiatoren abgespielt haben, geht es mir durch den Kopf.

«Boxen ist f ucking hart»

Die Zeit steht still, vier mal zwei Minuten. Ich komme mir vor wie auf einer endlosen Achterbahn. Ich möchte schreien: «Hört auf, holt mich hier runter!» Jeder Schlag wird begleitet von einem Stöhnen, schmerzvoller klingend als das beim Tennis. In einer Sekunde drei Schläge. Direkt ins Gesicht. Fadengerade. Muss das sein? Schläge ins Gesicht geben nicht mal mehr Punkte als andere. Endlich ist es soweit, die vierte Runde ist zu Ende. Ein harter Kampf, ziemlich ausgeglichen. Für einen Sieg hat es jedoch nicht gereicht.

ner Runde brach der Ringrichter den Kampf ab: technisches KO. Evelyne nutzte die Zeit in Rotterdam jedoch, um mit anderen internationalen Athletinnen zu trainieren. «Rotterdam war eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich erhielt einen Einblick in das hohe Niveau des internationalen Frauenboxens und durfte gleichzeitig feststellen, dass es durchaus Gegnerinnen gegeben hätte, die in meiner Reichweite waren. Mir fehlt halt noch die Erfahrung, die Routine. Umso härter trainiere ich nun weiter.»

Kampfgeist muss sein Ich treffe Evelyne direkt nach dem Kampf: «Alles okay, mir geht es gut, ich komme gleich zur Tribüne.» Nach einer halben Stunde steht sie wieder vor mir. Frisch geduscht, in Jeans und blauem Shirt gekleidet, die Haare nach oben gesteckt. Wie eine normale 23-jährige hübsche Frau eben. Bei genauerem Hinsehen fällt die Schürfung unter dem rechten Auge auf. Auch die Nase hat was abbekommen. Trotz Niederlage scheint die junge Boxerin sichtlich erfreut über ihre Leistung zu sein: «Es war ein ziemlich ausgeglichener Kampf, vor allem in der dritten Runde konnte ich Gas geben und meine Leistung vom Training abrufen.» Die Schweizerin boxt nun seit bald vier Jahren. Zuvor war sie Kickboxerin im Kun Tai Ko Frenkendorf (BL). Ein Freund – selbst Boxtrainer – hat sie Ende 2007 in den Ring geholt. Angefangen hat es mit einem spontanen Kampf. Die Begeisterung war schnell entfacht. Heute trainiert die Baslerin vier Mal wöchentlich. Sowohl für Noble Art Boxing Frenkendorf als auch für den Boxclub Basel. Letzten Herbst nahm die Vize-Schweizermeisterin im Leichtgewicht zum ersten Mal an einer Europameisterschaft teil. Evelyne hatte jedoch schnell ausgekämpft. Natascha Jonas hiess ihre erste Gegnerin – zweifache Europameisterin. Nach ei-

Ob diese Schläge ins Gesicht nicht schmerzten? «Nein. Das Gesicht ist die Partie am Körper, welche am schlechtesten gedeckt werden kann, deshalb schlägt man häufig auf den Kopf. Um die Gegnerin unterhalb des Kopfes zu treffen, braucht es nicht nur mehr Präzision, sondern auch eine viel schnellere Reaktion.» Schläge unterhalb der Gürtellinie sind nicht erlaubt. Dies erklärt auch die lächerlich weit oben getragene Hose. Beim Profiboxen ist ein Knockout (KO) – meist verursacht durch einen Schlag an die Schläfe – das Ziel. Beim Amateurboxen sei dies jedoch nicht der Fall. Überhaupt sei es nicht Evelynes Ziel, ihr Gegenüber niederzuschlagen: «Ich möchte meine Gegnerin durch Schläge und Technik ausboxen.» Mit Aggression sei man bei der Kämpferin fehl am Platz. «Kampfgeist muss sein. Wenn mich aber jemand auf den Kampf vorbereiten will, indem er mich aggressiv stimmt, geht bei mir der Laden sofort runter. Ich denke dann nur noch: Was willst du von mir, du Idiot!?» Sie habe jedoch auch schon beobachtet, dass sowohl im Publikum als auch im Ring selbst plötzlich der Moment kommt, in dem der menschliche Instinkt, sein Gegenüber kaltzumachen, jeglichen sportlichen Aspekt übertrifft. Als seien wir Menschen dazu geboren – zu schlachten, zu töten. Schlimmer noch: Es scheint viele zu befriedigen. «Ich glaube dies hängt zu einem

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grossen Teil mit dem Testosteron im Blut zusammen. Bei Männern drehen die Hormone schneller durch.» Ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Männer-Amateurboxen und den Frauen. Vom Profiboxen ganz zu schweigen. Im Clinch zwischen Zweifel und Faszination Es ist wohl keine Sportart so umstritten wie das Boxen. Zu Beginn ihrer Karriere als Boxerin war auch die 23-Jährige Evelyne Ziegler häufig von Zweifel gepackt: «Ich fragte mich jeweils vor meinen Kämpfen, wieso ich dies tat. Wollte ich wirklich kämpfen, Schläge ins Gesicht bekommen, riskieren, meine Nase zu brechen?» Sie hatte stets nur das Ende des Kampfes im Kopf, konnte es kaum erwarten. Wieso dann als intelligente Frau eine Sportart ausführen, von der man weiss, dass jeder Schlag ins Gesicht

Evelyne Ziegler (links) gegen die dänin camilla iversen, 2012 in schweden. Bild Angelo gallina

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Spuren am Gehirn hinterlässt? «Der Ehrgeiz ist immer da. Man möchte gut boxen, zeigen, was man kann. Hat man Angst, hat man bereits verloren.» Ehrgeiz brauche es doch in jedem Sport, eine gute Leistung fühle sich auch beim Schwimmen toll an. Wieso dann Boxen, wenn doch so viele negative Gedanken mitspielen? «Das Training macht mir grossen Spass. Ich liebe es, meine eigenen Grenzen auszutesten. Mir gefällt dieser Sport!» Sie empfinde das Risiko beim Frauenboxen nicht als hoch: «Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Hirn beziehungsweise meine Gesundheit darunter leiden würden.» Immerhin sind die Athleten im Amateurboxen durch Handschuhe und Kopfschutz geschützt. Die Kraftverhältnisse beim Frauenboxen sind auch nicht mit denen vom Profiboxen zu vergleichen. Trotzdem, sehen das Familie und der Freund auch so entspannt?


health nut � hau sie runter!

«Mein Freund unterstützt mich voll und ganz, obwohl er Angst um mich hat und jeweils sehr nervös ist vor den Kämpfen. Für ihn ist es sicherlich eine Erleichterung, wenn ich aufhöre.» Die Eltern hätten mehr Mühe damit. «Mein Vater findet, Boxen sei kein Sport für Frauen – was ich in gewisser Weise auch nachvollziehen kann. Meine Mutter hat einfach Angst. Ich verstehe das gut, die Mutterinstinkte sind nun mal stärker. Deshalb erwarte ich auch nicht, dass sie an meine Kämpfe kommt und sich quält. Ich habe mich damit abgefunden.» «Boxen ist fucking hart» «Nicht schmusen vor dem Training!» – Wieder befinde ich mich in einem stickigen Raum. An den Wänden kleben Bilder von Muhammad Ali, Zeitungsberichte und Fotografien der Basler Athleten. Es stinkt nach feuchten Socken. Gut 50 Leute in komplett durchnässten T-Shirts sind an diesem Montagabend im Basler Boxclub vereint. Während einige bereits am Schattenboxen sind, werden andere durch die Halle gejagt oder sind mit Seilspringen beschäftigt – Ausdauertraining. Im Hintergrund läuft Cypress Hill: «Coming up in the world don’t trust nobody. Gotta look over your shoulder constantly» – stets bereit sein, konzentriert, die Augen offen halten. Auch wenn jeder für sich trainiert, herrscht eine fast schon magische, anspornende Stimmung im Raum. Geradezu ansteckend, kämpferisch. Evelyne Ziegler und Schweizermeisterin Sandra Brügger stehen bereits wieder im Ring. «Du bist der Rammbock, Evelyne. Ihr seid gleich schwer – sie kann dich nicht einfach umhauen», für Nationaltrainer Angelo Gallina ist

Boxen mehr als ein Sport. Blickt man in seine Augen, entdeckt man die tief verborgene Leidenschaft. «Du bist zu langsam! Nicht wackeln! Gewicht nach hinten! Du musst sie tänzerisch kaputt machen!» Nach circa einer Stunde ist das heutige Training für die beiden jungen Boxerinnen bereits zu Ende. Es gilt, den Kampf vom letzten Wochenende zu analysieren: «Während der Vorbereitung war ich mit dem Kopf viel aktiver bei der Sache als bisher, ich war von Anfang an voll im Kampf. Ich kam auch mehr zum Schlagen als auch schon», fasst Evelyne ihre Fortschritte zusammen. «Boxen ist fucking hart. Die Konsequenz eines Fehlers zeigt sich unmittelbar danach, in Form eines Schlages. Du musst darauf vorbereitet sein, in einer Sekunde sechs Schläge zu kassieren.» – Auch der Trainer ist der Ansicht, dass Boxen ungesund ist, die Gefahr für Gehirnschädigung bestehe durchaus. Jedoch sei dies auch beim Fussball so. «Beim Boxen geht es um Duelle – für mich ein menschlicher Grundantrieb. Eine aggressive Spannung ist nötig, in jedem Sport.» Deshalb verlange Boxen enorm viel Professionalität. Gallina fokussiert sehr stark auf die individuelle Mentalität des einzelnen Athleten. Mit jedem müsse anders gearbeitet werden: «Gewisse müssen angeschrien werden, andere brauchen Zückerchen.» Evelyne müsse noch vertiefter an ihrer mentalen Stärke arbeiten. «Ich führe viele Selbstgespräche, konzentriere mich auf meine Stärken und im Vorfeld nicht auf meine Gegnerin», verrät die 23-Jährige. Studiere man an der Gegnerin herum, ordne man sich automatisch unter – was sich dann auch im Kampf zeige. «Ich bin stark. Ich bin besser als sie. Ich gehe vorwärts, bestimme den Kampf» – so müsse es tönen. Wer sich den Kopf über eine gebrochene Nase zerbricht, ist im Ring fehl am Platz. Frauenboxen vz. In der Schweiz hat sich das Frauenboxen in den letzten Jahren enorm entwickelt. Am 1. März 1996 wurde das Amateurboxen für Frauen vom Schweizerischen Boxverband bewilligt. Heute nehmen an einer Schweizermeisterschaft durchschnittlich 20 Frauen teil. Auch in ihrer Freizeit steigen immer mehr Frauen in den Ring – beim Boxen von Unisport Basel bestehen beispielsweise circa 70 Prozent aller Teilnehmenden aus Frauen. 2012 wird Frauenboxen in London erstmals als olympische Disziplin ausgeführt.

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«das bleibt mein kleines geheimnis» Singlegesellschaft heute – bloss eine Modeströmung oder auch in Zukunft Realität?

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gossip � singlegesellschaft heute

text � valérie ziegler

Die Scheidungsrate steigt, es gibt immer mehr Leute, die alleine leben. Egal ob jung oder alt, viele Menschen geniessen «die Freiheit» und möchten sich nicht für immer an jemanden binden. – War früher, in Zeiten niedriger Scheidungsraten, wirklich alles besser? Im Folgenden berichten Singles, junge Leute in Beziehung, glückliche, aber auch geschiedene Ehepaare über ihre Ansichten und Erwartungen an eine Beziehung.

verwitwete Rentnerin. Sie wurde in ihrer 22-jährigen Ehe drei Mal betrogen, jeweils über längere Zeitabschnitte hinweg. Für sie war eine Scheidung schlicht und einfach unmöglich, sie wäre aufgeschmissen gewesen, mit vier Kindern, finanziell vom Mann abhängig. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als die «Fehltritte» ihres Partners zu akzeptieren. Durch Gespräche darüber sei man sich gegenseitig wieder nähergekommen. «Heute werden Konflikte weniger ausgetragen, man kommuniziert zu wenig», meint sie.

Deine Eltern sind geschieden? – Was für ein armes Kind! Vor 15 Jahren gehörten Kinder geschiedener Eltern noch zur Minderheit. «Ich kann mich noch gut an meine Primarschulzeit erinnern, da hatte man Mitleid mit den einzelnen Kindern, deren Eltern geschieden waren. Heute fragt man nicht mal mehr nach. Geschiedene Paare erregen keine Aufmerksamkeit mehr», erzählt Céline, 25.

Selbstverständlich sind nicht alle Scheidungen unüberdachte Handlungen. Viele Paare oder einzelne Personen leiden über mehrere Jahre hinweg, da ihr Partner zum Beispiel Drogenprobleme hat, nur noch arbeitet, sich keine Zeit für die Familie mehr nimmt. Eine Scheidung kann in diesem Fall eine Befreiung darstellen.

«Beziehungen werden heute oft sehr oberflächlich gelebt, das Materielle steht im Vordergrund. Durch die kurzfristigen Verlockungen, oder Vorteile, die man sieht, ist man schneller bereit dazu, die Beziehung aufzugeben. Die Leute sind egoistischer als früher, heute wird nicht mehr gerne gelitten, man ist nicht mehr gewillt, auch mal eine Durststrecke durchzuhalten», meint Susanna, 52.

Robert Boss, Scheidungsanwalt, beobachtet immer wieder, wie bei Paaren, die sich scheiden lassen wollen, eine Person den Grund dafür oft gar nicht kennt. «Manchmal fragt der Mann plötzlich während der Besprechung, warum sich die Frau eigentlich scheiden lassen wolle. Diese reagiert dann ganz empört, sie hätte ihm das doch die letzten zehn Jahre schon erklärt – er hätte ihr nie zugehört», so Boss. Das eigene Ich stünde oft im Vordergrund, und nicht die Beziehung. An einer Beziehung müsse man arbeiten, sich Zeit dafür nehmen und bewusst Energie darin investieren. Wenn man nicht mehr zusammen redet, würde man sich auseinander leben. «Es ist wichtig, dass man ehrlich ist und spricht – auch streitet. Lieber immer wieder Streit, als eine plötzliche Explosion», sagt Boss. Nicht zu vergessen sei, dass in einer Partnerschaft auch die schwierigeren Zeiten dazu gehörten.

Früher habe man das Leiden noch gewillter auf sich genommen. Eine Frau hatte vor 50 Jahren gar nicht die Möglichkeit, eine Ehe aufzulösen, da sie meist finanziell vom Mann abhängig war. «Nur Frauen mit beispielsweise einem akademischen Titel hatten die Möglichkeit, sich scheiden zu lassen», berichtet eine 82-jährige

Der Anwalt und Ehemann vergleicht eine Beziehung mit einem Fluss: «Man muss stets versuchen, auf die Welle zu gelangen, die einen treiben lässt. Den richtigen, perfekten Moment gibt es jedoch nie für immer – es muss jeweils wieder aufs Neue dafür gearbeitet werden.»

Als Grund, warum es zu immer mehr Scheidungen kommt, sehen viele Leute unter anderem die heutige materielle Gesellschaft. «Wir leben im Zap-Zeitalter. Man kann sich, wenn es unangenehm wird, immer und überall wegzappen», so die verheiratete Anita, 53.

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heit Mühe, körperlichen Kontakt herzustellen – je intimer, desto schlimmer für ihn. Er hat ihr bereits am Anfang gesagt, dass er es unterstützen würde, wenn sie noch einen anderen Partner hätte. Trotzdem: Sylvia erzählte Daniel lange nichts vom zweiten Mann. Vom dritten würde sie nie was sagen. «Das bleibt mein kleines Geheimnis», meint sie. Vor 50 Jahren hatte man noch nicht die Verhütungsmittel, die man heute kennt. Kondome erhielt man in Apotheken, und dies nur durch Abgabe einer gewissen Karte, eines Rezepts. «Man war eine miese Frau, wenn man sich Kondome holte», erzählt die 82-jährige Witwe. Es gibt aber auch andere, für die Fremdgehen nicht in Frage kommt, schlicht und einfach nicht in eine Beziehung gehört. «Fremdgehen geht gar nicht! Einmal fremd gehen gleich Beziehungsaus!», so ein 21-jähriger Single. Seitensprünge werden als respektlose Handlungen angeschaut, zumindest von denen, welche an die Treue im Menschen glauben. «Die Verlockung kann immer mal da sein – ist jedoch etwas Kurzfristiges. Die Verletzung des Partners hingegen jedoch meist etwas Langfristiges, deshalb lohnt es sich nicht», glaubt ein seit 25 Jahren verheirateter Vater.

Ein Seitensprung ist schnell vorbei – das schlechte Gewissen bleibt.

«Fremdgehen gehört für mich zum natürlichen Leben» Für viele, auch junge Menschen ist Fremdgehen nichts Abwegiges, zum Teil sogar voraussehbar. Es gehöre zum natürlichen Leben, mal vom Weg abzukommen, meint der 23-jährige Yannick. Er ist nicht alleine mit dieser Ansicht. Es gibt auch solche, die glauben, dass niemand treu sein könne, da jeder mal einen sogenannten «Moment der Schwäche» erleben würde. – Für viele kommt es nicht in Frage, ihrem Partner zu sagen, dass sie untreu waren. Oft wird vorgezogen, nichts zu sagen, aus Angst, den Partner zu verletzen, ihn zu verlieren. «Wenn man fremd geht, fehlt etwas!» Die 42-jährige geschiedene Sylvia ist überzeugt davon. Dies sei auch bei ihr so. Sie führt momentan drei Beziehungen. Zuerst hat sie ihrem ersten (offiziellen) Partner nichts über die anderen zwei Liebhaber erzählt. Auch sie hatte Angst, ihn zu verletzen, vielleicht auch zu verlieren. Seit mehreren Jahren ist Sylvia nun schon mit Daniel zusammen. Auf der intellektuellen Ebene verstehen sie sich ausgezeichnet. «Es stimmt alles, abgesehen vom Sex.» Daniel hat durch seine Kind-

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Was wird von einer Beziehung erwartet? Auch wenn es viele Leute gibt, die es vorziehen, alleine zu sein, haben auch diese meist bestimmte Vorstellungen einer Beziehung: Die äussere Anziehungskraft des potentiellen Partners spielt für die meisten eine grosse Rolle. Wenn es um die Kriterien geht, die eine Beziehung funktionieren lassen sollen, scheiden sich die Geister vermehrt. Für die einen ist es am wichtigsten, dass man ehrlich ist, dem Partner vertrauen kann. Andere setzen den Spassfaktor zuoberst, wünschen sich die nötige Freiheit, zum Teil auch im sexuellen Bereich. Wozu dann eine Beziehung, könnte man sich fragen. Es gibt Menschen, die Angst haben vor dem Alleinsein. Auch empfinden einige eine gewisse Abhängigkeit von ihrem Partner, da man schon so lange zusammen ist, sich nahe steht, sich kennt und versteht. Auffällig ist, dass die meisten sehr wohl – auch wenn sie selbst untreu waren – vom Partner erwarten, dass dieser treu ist. Doch wie und wo findet man den «perfekten Partner» überhaupt? Diskotheken und Bars sind Orte, die häufig von Singles aufgesucht werden, in der Hoffnung jemanden kennen zu lernen. Auch das Internet wurde zur Datingplattform. Es stellt sich die Frage, ob man durch diese eher oberflächlichen Hilfsmittel wirklich das findet, was einem entspricht. «Ich bin momentan noch nicht bereit dazu, meine Freiheiten aufzugeben. Ausserdem geniesse ich es, im Ausgang immer wieder den Kick des Flirtens zu erleben und mir dadurch eine gewisse Selbstbestätigung zu holen. Auch wenn das armselig klingen mag – es macht halt trotzdem Spass», verrät ein junger Single. Die Tatsache, dass seine Flirtpartnerin eventuell auf der Suche nach etwas Festem ist, scheint ihn nicht zu interessieren.


S «Auch negative Gefühle müssen besprochen werden» Noch gibt es sie ja – die Paare, bei denen es klappt, auch wenn es nicht immer einfach ist. Die Kommunikation scheint ein wichtiger Faktor zu sein, eine Beziehung langfristig funktionieren zu lassen. Die verschiedenen Meinungen sollten akzeptiert werden. Immer wieder zu streiten und sich auseinanderzusetzen, mit kleinen und grossen Dingen, scheinen fundamentale Punkte zu sein, um eine Beziehung nicht sterben zu lassen. «Wenn das nicht mehr passiert, ist einem plötzlich alles egal», so die 53-jährige Ehefrau Christina. Auch eine intakte Familie kann binden. Wichtig scheint immer zu sein, dass man die Bereitschaft, den anderen kennenzulernen, ihn zu verstehen, nie aufgibt. «Man muss sich gegenseitig ernst nehmen, nicht gleich aufgeben. Es muss immer wieder von vorne begonnen werden», glaubt Christina.

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WHAT?! urban dictionary klärt auf:

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Die Basis müsse stimmen, was nicht bedeuten muss, dass beide Partner die gleichen Vorlieben und Leidenschaften teilen müssen. «Wir haben immer wieder gemeinsame Projekte, suchen diese gemeinsamen Ziele und leben sie auch», erzählt ein 49-jähriger Ehemann.

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Wenn man die Wertschätzungen des Partners kennt, wenn man sich versteht, dann scheint man bereit zu sein, auch die schwierigen Zeiten einer Beziehung überstehen zu können. Natürlich spielt auch die Liebe eine grosse Rolle. «Auch negative Gefühle müssen besprochen werden können, nur so kann man sich wieder näherkommen», sind sich mehrere Stimmen einig. Beziehungen, egal ob in der Liebe oder im Geschäft, müssen gepflegt werden.

urb e hook! was off th That party gt, cool a s e c h: ang zu Deuts

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Das Leben scheint heute viel freier zu sein, als noch vor 50 Jahren. Die Verlockungen, die Gelegenheiten, das Materielle – alles ist vorhanden. «Man wirft den Löffel schneller hin», meint die 87-jährige Marie. Viele ältere Leute haben Mühe mit der stetigen Modernisierung unserer Gesellschaft. In der momentanen Zeit nochmals zu heiraten, würde für einige alte Menschen nicht mehr in Frage kommen. «Es gibt so viele Paare, die sich schon nach nur ein paar Jahren scheiden lassen – schlimm!», so Marie weiter. Eine Ehe könne etwas Wunderschönes sein, jedoch müsse einem bewusst sein, welche Verantwortung man dabei trägt. Ob es nun die Singles sind, die die Mehrheit der zukünftigen Gesellschaft ausmachen werden, oder ob der eher konservative Sinn einer Ehe wieder an Wertschätzung gewinnt, bleibt in Frage gestellt. Anzunehmen ist, dass sich unsere, von etlichen äusseren Umständen bedingte, moderne Gesellschaft auch weiterhin in unterschiedliche Richtungen entwickeln wird.

A

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Auf dass die Wege der Gleichgesinnten sich treffen mögen.

Alle Namen wurden von der Redaktion geändert.

www.urbandictionary.com

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Wohnst du noch

oder arbeitest du schon? Die Vor- und Nachteile von Homeoffice Am Morgen eine Stunde länger schlafen, kaffeetrinkend meine Artikel schreiben, im Hintergrund läuft meine Lieblingsmusik, kein Mensch, der sich über meinen Out of Bed-Look lustig macht, kein ewiges Gejammer vom Kollegen am Pult nebenan. Ich gebe es zu: Wenn ich mir ein Arbeitsleben in meinem Homeoffice vorstelle, gelange ich durchaus ins Träumen. Doch bei allen Sonnenseiten soll man die schattigen bekanntlich ja nie ausser Acht lassen. Ich machte mich auf die Suche nach ihnen.

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business babble � homeoffice

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text � valérie ziegler

änger schlafen liegt zwar drin, doch herrje – jeder weiss doch, wie schwierig es ist, aufzustehen, wenn niemand auf einen wartet. Noch fünf Minuten, noch zwei … das habe ich mir eindeutig einfacher vorgestellt. Ich stehe also auf, mache mich frisch, verzichte auf das Deux-Pièces, steige in meine kuscheligsten Wohlfühlsocken und geniesse mein Frühstück. Sogar fürs Zeitunglesen bleibt Zeit. Es ist acht Uhr. Den Kaffee noch in der Hand starte ich mein Notebook, checke meine E-Mails und werde langsam wach. Bevor ich mich an die Arbeit setze, gehe ich eine Runde joggen. Ich liebe es, am Morgen Sport zu treiben. Gegen halb zehn sitze ich dann frisch geduscht und konzentriert vor meinem Computer. Bis zum Mittag läuft es eigentlich ganz glatt, die Zeit vergeht wie im Flug. Ich redigiere Texte, tippe ein Interview ab, ohne auf die Uhr zu schauen. Mein weicher Bürostuhl und meine Lieblingsmusik sorgen für eine anregende Atmosphäre. Zum Zmittag gibt es einen leichten Lunch, sodass ich nachher voller Elan und nicht von einer Fressnarkose betäubt weiterarbeiten kann. So geht es bereits um viertel nach eins wieder weiter – nein, nicht im stickigen Büro, sondern auf dem sonnigen Balkon, im Bikini. Ein Sonnenbad während der Arbeit, das nenne ich mal ein Leben! Gegen halb fünf bin ich dann fertig mit meinen Aufgaben. Für allfällige Einkäufe und Hausarbeiten bleibt noch genügend Zeit. So stelle ich mir das Leben im Homeoffice vor. Doch wir kennen ihn alle – unseren inneren Schweinehund. Wer selbständig arbeitet, benötigt eine Menge Disziplin. Was, wenn ich am Morgen plötzlich eine Stunde länger liegen bleibe? Schliesslich habe ich mir ja gestern schon bewiesen, dass ich es schaffe, rechtzeitig aufzustehen. Damit nicht genug: Was, wenn mir am Mittag, nach gerade mal einer Stunde konzentrierter Arbeit, der Geruch von mexikanischer Burrito Bowl in die Nase steigt und ich nett an den im Nebenzimmer stehenden Tisch gerufen werde? Da könnte ich glaub nicht widerstehen. Nicht beim Geruch von Guacamole

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business babble � homeoffice

und Koriander! So darf auch die Mittagspause eine Stunde länger dauern als eigentlich geplant. Wieso auch nicht? Schliesslich teile ich mir ja meine Arbeitszeit selbst ein. Der Arbeitsplatz auf dem sonnigen Balkon wirkt plötzlich nicht mehr anregend, sondern lädt zur Siesta ein. Was ja weiter auch nicht tragisch ist, oder? Wenn andere sich täglich bis zu zehn Rauchpausen gönnen, darf ich doch auch mal die Beine strecken und in der Vogue versinken. Ja ich weiss, die Ausreden beginnen, sich zu häufen. Zusätzlich wäre da ja noch zu beachten, dass ich nicht dauernd im direkten Kontakt zu meinen Arbeitskollegen stehe. Was, wenn mich plötzlich der Produktionsleiter anruft, um mir mitzuteilen, dass soeben ein Interview verkauft wurde, welches unbedingt noch heute Nachmittag durchgeführt werden muss. Scheisse – ich dachte, ich könnte meine zwei Artikel in aller Ruhe fertig schreiben. Willkommen zurück in der Realität! Wenn ich bis zehn Uhr abends arbeiten muss, verfliegt die Freude über meinen gebräunten Bauch wohl schnell.

Trotzdem: Vorteile von Homeoffice gibt es bekanntlich noch weitere: Der wegfallende Arbeitsweg schont nicht nur das Portemonnaie sondern auch die Umwelt. Die im Zug oder im Stau verlorene Arbeitszeit kommt einem zuhause zugute – vorausgesetzt, man steht am Morgen rechtzeitig auf. Auch liegen die Nerven wegen idiotischen Autofahrern oder stinkenden und lauten Zugpassagieren weniger blank. Die Hausarbeit kann nach Lust und Laune verrichtet werden, kein Problem also, den Waschplan einzuhalten. Auch die nach dem individuellen Geschmack eingerichtete Umgebung sorgt für Motivation und dementsprechend für mehr Produktivität. Es bleibt mehr Zeit für die Familie. Der Feierabend wird selbst festgelegt. Zusätzlich kann auch an Kosten fürs Essen gespart werden: Selbstgekochter Curryreis ist um Längen günstiger als ein Zmittag bei Hiltl –

Hmm, da war doch noch diese Louis Vuitton, die ich unbedingt ersteigern wollte. – Im Homeoffice kann es schnell passieren, dass man «Wichtigeres» zu tun hat, als zu arbeiten.

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und meist auch noch leckerer! Doch wissen wir längst, dass es immer und überall auch Nachteile gibt. So müssen auch im Homeoffice der Kontakt und der Austausch mit Kollegen und Kunden stets gewährleistet sein. Wer sich also für einen externen Arbeitssitz, eventuell sogar im Ausland, entscheidet, muss gut vernetzt sein. Telefonkonferenzen per Skype sind kaum zu umgehen – es sei denn, man ist selbständig.

Das Buch zum Thema

Die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben droht zu verwischen. Wer nicht permanent erreichbar sein will, benötigt dringend zwei Telefonanschlüsse. Auch unerwartete Besucher können plötzlich vor der Matte stehen. «Kunden erwarten von dir, dass du jederzeit erreichbar bist. Ob du gerade aus der Dusche hüpfst oder eigentlich Besuch hast, interessiert sie nicht», erzählte mir einst eine selbständige Treuhänderin. Der Kunde bleibt König und ist gleichzeitig dein Gast. – Gott sei Dank, ist meine Stube meist aufgeräumt.

Homeoffice, Birgit Golms und Gudrun Sonnenberg, 2009, Orell Füssli, CHF 37.90

Homeoffice Erfolgreiches Heimspiel dank Zeit- und Selbstmanagement. Nirgends sonst lassen sich Berufs- und Privatleben optimaler verbinden als im Homeoffice. Ein jeder kann arbeiten, wann er will und wie er will. Doch das Arbeiten zu Hause birgt ja bekanntlich auch Fallstricke. In ihrem Ratgeber zeigen Birgit Golms und Gudrun Sonnenberg, wie der Spagat zwischen erfolgreichem Arbeiten im Homeoffice und dem Nutzen der individuellen Freiheiten dieser Arbeitsweise zu schaffen ist. Ob kreativer Chaot oder strukturierter Homeworker: Der Ratgeber hilft nicht nur, Privat- und Berufsleben unter einen Hut zu kriegen, sondern versorgt die Leser auch mit hilfreichen Tages- und Wochenplänen, Checklisten und Ausstattungstipps. Für alle, die schon heute die Vorzüge der Arbeitsweise von morgen kennenlernen wollen.

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Vorschau

Neugierig auf die Erstausgabe von getAlife? Neben den inhaltlichen Schwerpunkten der Vorabausgabe wird es in der Frühlingsausgabe unter anderem Folgendes zu Lesen geben: Festivalfieber Vorschau auf die angesagtesten Festivals und Open Airs 2012 Weltuntergang 2012 Was bedeutet das Ende des Mayakalenders wirklich? Der grosse Traum wird wahr Zu Besuch bei Athletinnen und Athleten in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 in London Die Schweiz is(s)t rustikal Urchige Restaurants im Test Seien Sie dabei und definieren Sie mit uns die lesenswerten Themen der Zeit. Get a getAlife and rock the world!

Die Erstausgabe erscheint am 10. April 2012 IMPRESSUM Life Medien GmbH Dreispitz Areal Leimgrubenweg 4 CH-4053 Basel Tel. +41 (0) 61 338 20 00 Fax +41 (0) 61 338 20 22 Publisher Rolf Hess

All inclusive 27 functions, 205 g, 105 mm

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a n m e t n a n n l a s Dam

n I o t a v o Inn no ch g . n u d Erfin inserat

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die Welt verändert sich, Gutes bleibt Gut: seit 50 Jahren haben Wir die frischesten chips-ideen. an unserer pionierrolle haben wir freude. als allererster chips-hersteller der schweiz haben wir nie damit aufgehört, an neuen ideen und Geschmacksrichtungen zu arbeiten. diesmal überraschen wir sie mit den Jubiläums-chips in den sorten «Grillierter cervelat» und «fromage & oignons grillés». damit feiern wir, dass der Zweifel frisch-service für garantiert knusprigen Genuss sorgt. seit genau 50 Jahren. www.zweifel.ch

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