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getAlife getA life

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Verführerisch

und jung: Die neue Lacoste L!VEKollektion verspricht Abenteuer

Furchtlos

und alleine mit dem Boot über den Atlantischen Ozean

Gefühlssturm

im höchsten Mass: Lea Stahel über ihre Erlebnisse in Israel/Palästina


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SEITE: 2 ©

Daniel Mahrer d.mahrer@lifemedien.ch


editorial

Liebe Lebenslustige getAlife – Komm zurück auf den Boden der Tatsachen, werde lebendig, LEBE! Auch wenn der Sommer in der Schweiz dieses Jahr extrem lange auf sich warten lässt, es draussen momentan noch immer grau und verregnet ist, möchte ich jetzt nicht beginnen, zu nörgeln. Denn was ist ein kurzer Regenschauer an einem warmen Julitag schon gegen einen wilden Sturm mit bis zu acht Meter hohen Wellen auf offener See? Der Gedanke an eine Nacht im endlos tiefen, schwarzen Meer gibt mir nicht nur das Gefühl, als würde mir jemand den Stuhl unter meinem Gesäss wegziehen, sondern lässt mich kein Auge mehr schliessen – aus Angst, im Traum von einem Hai gefressen zu werden. Janice Jakait kennt keine Furcht: In ihrem Ruderboot überquerte sie während drei Monaten den Atlantischen Ozean – und das ganz alleine! Im Interview spricht sie über ihre Begegnungen mit Haien und verrät, wieso ihr die Rückkehr an Land so schwer fällt. Auch wenn die Schweizer Bevölkerung laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Isopublic aus dem Jahr 2010 zu den Zufriedensten der Welt gehört, treffe ich nicht nur im Büro und auf Facebook auf Nörgler («Heute ist es zu kalt, morgen zu warm.»), sondern auch auf der Strasse, im Tram, im Bus oder im Einkaufscenter – sie sind überall! Was, wenn wir plötzlich krank würden, unsere Karriere abrupt beenden müssten, uns einen Teil des Fingers abschneiden, täglich von Soldaten bewacht und von Mitmenschen mit Steinen beworfen würden? Was, wenn uns der Gang ins eigene Haus plötzlich versperrt wäre, uns das Dach über dem Kopf weggezogen würde – egal, ob es nun gerade stürmt, oder die Sonne mit ihrer gesamten Kraft auf uns prallt? Würden wir uns dann auch noch über den Regen und das zu scharfe Curry beklagen? Wieso scheinen viele so unzufrieden, wenn es uns in der Schweiz doch an «nichts» mangelt? Wir schauen ins In- und Ausland: «roving reporter» Lea Stahel berichtet über ihre Erfahrungen als Menschenrechtsbeobachterin in Israel/Palästina. Ausserdem traf getAlife vier junge Multikultis, die glauben, eine Erklärung für die Unzufriedenheit gewisser Schweizer zu kennen. Auch wenn sie selbst immer wieder mit Vorurteilen und Rassismus konfrontiert werden, teilweise mit einem schweren Schicksal zu kämpfen hatten und weiss Gott genug Grund hätten, sich zu beklagen: Sie tun es nicht!

Eure Redakteurin

Valérie Ziegler

Der Grund dafür wird in den unterschiedlichsten Beiträgen dieser Ausgabe deutlich. Auch Gandhi schien das Rezept für Zufriedenheit bereits zu kennen und brachte es in einem Satz auf den Punkt: «Be the change you want to see.» Ja ich weiss, wenn es nur immer so einfach wäre ...

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content � volume 02 // 2012

daniL

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editorial

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introducing

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got skills



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be fancy



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styleosophy

06

haute couture

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we live young – die neue Lacoste L!VE-Kollektion

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off the hook

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bäckstage imagine – im kampf gegen rassismus 

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culture fag

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the world is yours daniel bolliger: apocalypse

42

health nut

46

sweat-soaked umgang mit niederlagen

18

50

cosmopolitan

56 mit dem boot über den ozean destination istanbul 60 roving reporter

62

killer food

66

die schweiz is(s)t unter freiem himmel

50

wonderland

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gossip say what?!

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business babble

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mrs. right

history buff back in the wild seventies

zum cover: bild jennifer d. ries of lila21.ch // model nicole pezzullo of option-model.com

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I N T R O

D U C I N G

an , 2 6 Yoroko Ch g Hong Kon text � valérie ziegler

Wo bist du aufgewachsen? In Hong Kong, wo ich mit 26 Jahren übrigens bereits als «alt» gelte. Auch in den USA und in der Schweiz habe ich ein paar Jahre gelebt. Wo lebst du heute? Ich wohne in einer privaten Wohnung in Hong Kong. Der Wohnblock verfügt über 29 Stockwerke. Die 50 Quadratmeter grosse Wohnung teile ich mir mit einer Freundin – ein hübsches, sexy Mädel! Wir sind bereits seit sechs Jahren befreundet und verstehen uns super. Unser Zusammenleben ist für Hong Kong eher untypisch: Hier leben die jungen Leute bis zu ihrer Hochzeit meist bei ihren Eltern. Wie viele Geschwister hast du? Ich habe eine ältere Schwester. Sie ist Schmuckdesignerin. Wo arbeitest du? Ich arbeite als Sales & Marketing Managerin in einem Unternehmen mit Firmensitz in Frankreich, das textile Zierelemente an Lingerie- und Konfektionsunternehmen verkauft. Bevor ich diesen Job angenommen habe, war ich Musikerin. Am liebsten wäre ich mal eine Fashion Bloggerin oder Stylistin – ich träume von meinem eigenen Laden. Wie bewegst du dich fort? In der «MTR», Hong Kongs Metro. Sie bringt mich überall hin. Wie sieht dein Tagesablauf aus? Normalerweise wache ich gerade mal 20 Minuten bevor ich meine Wohnung verlasse auf. Die Zeit in der Metro nutze ich für Make-up und Kaffee. Meine verrückte Arbeit beansprucht den ganzen Tag. Ich arbeite bis 18:30 Uhr. Ausserdem reise ich zweimal die Woche nach Festlandchina. In meiner Freizeit besuche ich meinen Freund – ein kanadischer Spielzeugerfinder. Wir schauen TV, gehen ins Kino oder in Restaurants, besuchen Partys, geniessen das Leben. Auch mit meinen Girls gehe ich einmal die Woche aus. Ich liebe Facebook und Onlineshopping. Ich singe noch immer in meiner Band, «The Fourth Floor». Wir treffen uns zweimal die Woche und sind momentan sehr beschäftigt, da wir verschiedene Gigs planen. In Hong Kong darfst du nicht mit viel Freizeit rechnen. Wenn ich nicht gerade meine Wohnung putze, lasse ich mich irgendwo massieren oder besuche ein Wellness und gönne mir eine Gesichtsbehandlung. Welche Länder hast du bereits besucht? Thailand, Taiwan, Singapur, Japan, die USA, England, Spanien, Griechenland, Frankreich und natürlich die Schweiz! Welches ist deine Lieblingsstadt? Nach all den Besuchen der verschiedensten Städte, ist für mich Hong Kong der beste Platz auf der Welt. Ich liebe es, hier zu leben. Wie viel Geld gibst du monatlich aus? Zu viel! Circa CHF 2’000. Für die Miete bezahle ich

glücklicherweise nur CHF 550, was sehr wenig ist für Hong Kong. Wo shoppst du am liebsten? Hier in Hong Kong gibt es eine Boutique mit dem Namen Tsim Sha Tsui, wo von Haute Couture-Mode bis Street Fashion-Produkten alles verkauft wird. Ich liebe die Einzelstücke aus Boutiquen, die man weder bei H&M, noch bei Zara findet. Vor kurzem hat bei uns auch eine Forever 21-Filiale aufgemacht. Ich sollte endlich mal hingehen, um sie auszuchecken. Wer ist dein Lieblingsmusiker? Darf ich mehrere nennen? Tori Amos, Foy Vance und Adele. Was war das letzte Geschenk, das du erhalten hast? Ich bekomme immer wieder kleine, wunderbare Dinge von meinen Freunden geschenkt. Vor kurzem habe ich ein iPad 2 und eine Halskette von Tiffany erhalten – ich liebe sie! Welches ist deine Lieblingsmahlzeit? Sushi. Wie sah dein verrücktestes Erlebnis aus? 2006 bin ich zur Bank gegangen, um meine gesamten Ersparnisse – circa CHF 2’000 – abzuholen. Ich ging nach London, um dort für einige Monate zu leben. Das war aufregend, beängstigend und crazy zugleich: Ich plante den Trip gerade mal 36 Stunden vor dem Flug. Ich war 20 Jahre jung und fragte mich plötzlich: Wer möchtest du sein, Yoroko? So stand ich am Morgen auf, kündigte meinen langweiligen Job und flog nach London – ich wusste nicht, für wie lange ich bleiben würde, ich wollte mich einfach selbst finden. Ich hatte kein Zuhause, lebte mal da, mal dort. Glücklicherweise habe ich viele Freunde in London. Um etwas Geld zu verdienen, ging ich mit Freunden auf der Strasse singen. Nach neun Uhr abends bat ich Starbucks nach «alten» Sandwiches. Ich erlebte die beste Zeit meines bisherigen Lebens – ich war absolut frei! Dieser Trip hat mein Leben vollkommen verändert: Aus einem kleinen Mädchen, das für CHF 700 im Monat arbeitete, wurde ich zu dem, was ich heute bin. Was ist dein grösster Traum? Ich möchte gerne mal ein Buch über mein Leben schreiben: «Die 1’000 Dinge, die mir passiert sind». Wie sieht die Welt in 30 Jahren aus? Ich hoffe, dass ich in 30 Jahren Grossmutter sein darf. Ich glaube, dass es keine mit Benzin angetriebenen Autos mehr geben wird. Wir werden unlimitiert Energie beziehen können, ohne dafür bezahlen zu müssen. Aliens werden uns besuchen, um ihre Technologien mit uns zu teilen. Die grossartigste Technologie wird die sein, die das Problem des «Mangels» an Grundnahrungsmitteln beseitigen wird. Das wäre doch schön!

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Seifrei Seifrei Street Artist, 26, Basel

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text � valérie ziegler // bild � seifrei

Wie bist du zur Streetart gekommen? Ich komme aus dem Waldenburgertal, das recht affin zur Hip-Hop-Kultur ist. Das wird wohl auch der Grund sein, weshalb ich schon mit 14 Jahren angefangen habe, Graffitis zu malen. Mit der Zeit begannen die Schriftzüge, mich zu langweilen. Dazu kam, dass ich sehr langsam war in der Nacht. Ich begann also, mich voll und ganz den Schablonen zu widmen. Zwischen 2002 und 2003 bin ich auf die Streetart aufmerksam geworden. Ausschlaggebend war ein kleines schwarzes Büchlein von Banksy – ich weiss, Klischee (lacht), das ich im Ace-Records in Basel sah und sofort gekauft habe. Ich fand die Idee, mit Stencils (Schablonen) hochwertige und vor allem «schnelle» Bilder zu gestalten, äusserst interessant und attraktiv. Sämtliche Techniken und Methoden habe ich mir autodidaktisch angeeignet. Bisheriger grösster Erfolg: Mein grösster Erfolg ist es, dass ich immer noch auf der Strasse aktiv sein kann – ohne Verhaftungen. Auch Ausstellungen im In- und Ausland haben zu meinem Erfolg beigetragen. Eindrücklichster Moment im Zusammenhang mit der Kunst: Vor ein paar Jahren wurde ich zum Malen auf ein Festival in Bristol eingeladen. Nachts bin ich dann mit meinen Jungs noch durch die Strassen gezogen, um diese zu verschönern. Mit dabei war auch «Alias» – ein sehr aktiver Berliner Künstler. Er kletterte auf ein Hausdach, um ein Paste-Up (eine Art Plakat) anzubringen. Plötzlich tauchte ein ziemlich grosser und wütender Mob auf der Strasse auf (wohl die Entourage des Hausbesitzers), der ihn beleidigte und verprügeln wollte. Der Mob schnallte nicht, dass wir dazu gehörten. «Alias» gelang es glücklicherweise, über die Rückseite des Hauses flink zu entkommen. Eine weitere lustige Story ereignete sich in Basel, nähe St. Jakob: An einem Dienstag, um ein Uhr nachts, hatte ich zusammen mit einem Freund aus Amsterdam ein paar Paste-Ups angebracht und wurde danach intensiv von der Polizei kontrolliert. Sie fand all unser

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Alle Werke sind unter gallery-shop.ch & streetmarkt.ch zu kaufen.

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got skills � seifrei

Material. Nachdem wir aber beteuerten, dass wir dieses nur an «legalen Plätzen» angebracht hätten und ich ihnen alle unsere Sachen gezeigt hatte (sie fanden alles recht toll), liessen uns die netten Polizeileute unbescholten nach Hause gehen. Was fasziniert dich an der Streetart, worin siehst du deine Herausforderung? Mich faszinieren die mannigfaltigen Möglichkeiten und Methoden, den öffentlichen Raum mitzugestalten. Die kleinen aber feinen Unterschiede, die man mit ihrer Hilfe in den grauen und tristen Alltag zaubern kann. Mich fasziniert die Interaktion mit anderen Leuten, die durch Streetart möglich ist. Auch begeistern mich die Reaktionen – positive als auch negative – der Leute, die ich ab und zu per Zufall mitbekomme. Nicht zuletzt fasziniert mich der Schaffensprozess und die Aktion an sich, die doch immer (oder fast immer) mit viel Spass verbunden ist. Streetart bereitet mir Freude und dient als guter Ausgleich zu meinen normalen Tätigkeiten. Des Weiteren will ich ein Zeichen setzen: Der öffentliche Raum gehört uns allen und geht uns alle etwas an. Die Mitgestaltung des öffentlichen Raumes sollte nicht nur den Architekten, Immobilienhaien und Stadtplanern überlassen werden. Ich bin es auch Leid, ungefragt von Werbung penetriert zu werden, in einer Art, die bei mir epileptische Anfälle auslösen könnte. Es ist eine Art Ausgleich zur Werbung, den ich betreibe. Ich liebe es, Spuren zu hinterlassen, wenn auch nur temporäre. Die Vergänglichkeit von Graffiti und Streetart gefällt mir äusserst gut – sie stellt für mich quasi eine Allegorie der Vergänglichkeit des Lebens dar. Wo holst du die Inspiration für deine Kunst und was möchtest du durch sie vermitteln? Die Inspiration dazu erhalte ich aus dem täglichen Leben: Die grauen, langweiligen Wände animieren mich, diese zu verschönern und aufzupeppen. Als Gegenbild zur mühsamen Werbung, die uns an jedem Ort, zu jeder Zeit ungefragt belästigt. Das Leben ist so vielfältig und spannend – es ist Inspirationsquelle genug. Ich habe keine konkrete Botschaft. Schön wäre es, wenn die Leute zum Nachdenken animiert würden, da sie dies meiner Meinung nach zu wenig tun. Sicherlich werden durch meine Kunst auch Emotionen geweckt, was immer gut ist. Lebst du von deiner Kunst? Nein. Ich stehe kurz vor dem Master-Abschluss an der Uni und bin in Ausbildung zu einem gutbürgerlichen, sicheren Job mit gutem Einkommen. Momentan habe ich kleinere Nebenjobs, die mich über Wasser halten. Wie sieht dein grösster Traum aus? Zurzeit bin ich sehr zufrieden, was die Kunst anbelangt. Ich wünsche mir nur mehr Zeit dafür. Ausserdem würde ich gerne mehr grössere Wandgestaltungen vornehmen. Je grösser desto besser!

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S T Y L E

O S O P H Y

Wie holt ihr euch karibische Stimmung in die Schweiz? Mit Farbe und eiskaltem Bier text & bild � valérie ziegler

Corinne (25): Farbe ist ein Thema, das mich besonders fasziniert. Ganz nach dem Spruch: «Lebe bunter, trinke Fanta.» Starke Farben stimmen mich fröhlich und unbeschwert, und sind für mich ein Symbol für Sommer, Wärme und Zwanglosigkeit. Deswegen habe ich auch unsere Wohnung mit vielen kontrastreichen Farben eingerichtet und verziert. Aber auch SchwarzWeiss setze ich gerne ein – nicht zuletzt wegen der grafischen Wirkung. Die englische Designerin Tricia Guild ist mein grosses Vorbild. Durch unsere zwei Balkone hole ich mir die Karibik in die Schweiz. Da kommen die Blumen ins Spiel. Ich züchte aber auch Früchte, Gemüse und Kräuter zum Selberernten. Eine selbst gezogene Erdbeere zu essen, ist für mich, besonders

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an grauen Tagen – die ja in der Schweiz leider auch im Sommer nicht zur Seltenheit gehören – immer wieder ein Highlight. Die Schmetterling-Wandtattoos lassen die Stimmung nicht trüben. Wenn all das nicht hilft, male ich meine Fingernägel neonfarben an. Eine Hängematte erlaubt es uns, mal eine gemütliche Auszeit zu nehmen und die Sonne zu geniessen. Zum Ausklang eines perfekten Sommertags werfen mein Verlobter und ich den Grill an und braten ein paar Würstchen. Wenn unser Sohn im Bett ist, spielen wir im Laternen- und Kerzenlicht eine Runde Scrabble oder Yazzy und trinken ein eiskaltes Bier und Exotic Sirup aus der Migros – mhmmm, das liebe ich!


be fancy � je coeur la mode

show us what you got je coeur la mode

#1 #2

Shoppingtipp #1: i-tuepfel.blogspot.com – Klimbim für Gross und Klein

Shoppingtipp #2: Strasbourg – Die Stadt im Elsass ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch eine Freude für den Shoppingbag.

#3

Shoppingtipp #3: Riviera, Basel – Labels, zu klein, um schon berühmt zu sein. Zu gut, um nicht entdeckt zu werden.

Jacquelines Lieblingslook Sommerkleidli von Boutique Eden (Wallisellen) Schuhe aus der hintersten Ecke im Kasten (Vintage)

Bettinas Lieblingslook Shirt und Hose von H&M Stiefel von Zara Armreif aus Brasilien Brille von Express

Melissas Lieblingslook Shirt von Iron Fist Cardigan vom Flohmarkt Shorts von H&M Boots von UNIF Hellbound Tasche von Manor Fuchsschwanz von Shari’s Cyber Flohmi Brille von H&M

show us what you got Bereichere auch du uns mit deinen persönlichen Shoppingtipps und Lieblingslooks. Trete noch heute der FacebookGruppe «je coeur la mode» bei und poste uns deine Styles und Tipps auf der Facebookseite von getAlife. Mit etwas Glück erscheint dein Look in der nächsten Ausgabe.

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haute couture

Die hohe Kunst des Designs

fink und star

Nina Lehmann (28) & Lea Schiesser (29) Fashion Designer, Zürich

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be fancy � haute couture

Nina (links) und Lea verbinden Mädchenträume mit Nostalgie. text � valérie ziegler // bild � corinne kramer

Das Kleid «Star», welches auch in einem legeren Jersey existiert, bietet einem die Freiheit, zu wählen, ob man den grossen Ausschnitt am Rücken oder lieber vorne tragen möchte.

Wie seid ihr zum Design gekommen? Nina hat eine Lehre als Schneiderin gemacht, Lea als Floristin. Damit waren die Grundbausteine zum Modedesign gelegt. Wir lernten uns während der Ausbildung zur Modedesignerin an der Modedesignschule in Zürich kennen. Schon damals, 2006, träumten wir von einem gemeinsamen Label. Nach der Ausbildung trennten sich unsere Wege jedoch: Nina machte verschiedene Praktika im In- und Ausland und arbeitete unter anderem für Tanja Klein in Kleinbasel. Lea ging nach Griechenland und absolvierte danach ein Praktikum bei Martina Rogy in Wien. Nach vier Jahren haben wir unsere Idee vom eigenen Label wieder aufgegriffen. 2010 haben wir einen Atelierraum gemietet und Ideen umgesetzt. Die ersten Anfragen strömten ziemlich schnell ins Haus. Wir hatten sehr schnell sehr viel zu tun. Auch wenn wir weder die Zeit für eine ausgereifte Planung hatten, noch über das nötige finanzielle Polster verfügten, hat es irgendwie geklappt. Alles, was wir momentan durch den Verkauf von fink und star einnehmen, wird in neue Stoffe, Nähmaterialien, Werbung und in die Ladenmiete investiert. Umso wichtiger ist es uns, dass wir auch heute noch nebenbei arbeiten, um uns ein sicheres Einkommen zu garantieren. Unser Label verlangt sehr viel Zeit und Kraft, aber wir lieben es! Wir verbringen sehr abwechslungsreiche Tage, unser Aufgabengebiet ist riesig und wir werden jeden Tag gefordert, unser Bestes zu geben. Bisheriger grösster Erfolg: Unser grösster Erfolg ist es wohl, dass wir nun, gut zwei Jahre nach unserem Zusammenschluss, unseren eigenen Laden haben, welchen wir mit Kathrin Wegmann von ELFE 11 teilen dürfen. Seit 1. Mai befinden wir uns an der Zentralstrasse 52 in Zürich Wiedikon. Das ist ein gutes Gefühl! Erfolg bedeutet für uns, eine Kundin glücklich machen zu können – jedes verkaufte Stück ist eine Freude. Dadurch, dass wir zwei bis drei Tage pro Woche selbst in unserem Laden stehen, spüren wir viel besser, was ankommt, und was nicht.

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Die Bluse «Luftibus» umschmeichelt den Körper wie ein Lufthauch, so luftig leicht ist der Stoff. Die Spitze am Kragen sorgt für etwas Nostalgie.

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be fancy � haute couture

Der Overall «Wiedehopf» ist ein perfektes Outfit für einen lauen Sommerabend. Bequem und leicht wie ein Pyjama und durch den Wasserfallausschnitt chic zugleich. Wer will schon nicht mal von Kopf bis Fuss von schönen Blumen übersät sein?

fink und star Zentralstrasse 52 8003 Zürich Öffnungszeiten Dienstag - Freitag, 12:00 - 18:30 Uhr Samstag, 12:00 - 17:00 Uhr Die Kreationen von fink und star sind auch online oder im Kaffee-/Kulturhaus «Frau Meise» in Baden oder in der «Riviera» in Basel zu kaufen.

Eindrücklichster Moment im Zusammenhang mit dem Design: Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Sicherlich war einer der eindrücklichsten Momente für uns, als die ersten fink und star Teile fertig genäht waren und die ganze Kollektion an einem Ständer hing. Die Tage vor dem Endspurt sind immer die intensivsten, da wir alles selber nähen. Wir arbeiten dann pausenlos, bis spät in die Nacht hinein. Wir sind erst fertig, wenn auch das letzte Stück perfekt ist. Natürlich ist es immer eine grosse Freude, unsere Designs an Kundinnen oder Models zu sehen. Es sind kleine Momente, die Höhenflüge ausmachen. Was fasziniert euch am Modedesign, worin seht ihr eure Herausforderung? Die Herausforderung besteht darin, den schmalen Grat zwischen Trends und dem, was die normale Frau dann auch tatsächlich tragen möchte, zu treffen. Unser Ziel ist es, schöne tragbare Mode zu produzieren, welche dem Zeitgeist entspricht, speziell und wandelbar, bequem zu tragen ist und die weibliche Seite unterstreicht. Unsere Kleider sind alle sehr leicht und weiblich. Wir möchten, dass sich die Frauenwelt in unseren Kleidern frei wie ein Vogel fühlt. Wir mögen das Spiel mit der Weite aus weich fallenden Stoffen, möchten aber gleichzeitig auch einen sportlichen Touch in die Kollektionen hineinbringen. Wie sieht euer grösster Traum aus? Unser Traum ist es, dass wir noch lange das machen dürfen, was wir möchten und unsere Ideen aus unserem Kopf umsetzen dürfen. Gleichzeitig möchten wir gerne mal davon leben können. Zur Fotostrecke: Die Fotostrecke zeigt unsere Frühlings-/ Sommerkollektion «sonnengeküsst» – eine fröhliche Kollektion, die etwas mädchenhaftverträumtes an sich hat. Unser Prunkstück ist das Kleid «Star» aus 100 Prozent Seide. Den wunderschönen Blumendruck hat unsere Freundin Daniela Schweizer entworfen, umgesetzt und bedrucken lassen – exklusiv für uns. Dieser Stoff diente dann auch als Inspiration für die ganze Kollektion. Die gepressten Blüten und Gräser versprühen Nostalgie und Sommer zugleich. Die Kleider aus dieser Kollektion sind gemacht, um durch bunte Sommerwiesen zu streifen, Blumen zu pflücken und sich Träumereien hinzugeben – und dabei noch gut auszusehen!

finkundstar.ch getAlife � 02/12 � 15


BE UNIQUE – DO IT YOURSELF! Wieso kaufen, was du auch selbst machen kannst? No. 1 s a z i l i r Ya

BOAT PEOPLE mtv style

blog.boatpeopleboutique.com

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Aus Nieten wird fancy Kragen

I SPY DIY

A PAIR & A SPARE

ispydiy.com

apair-andaspare.blogspot.com

Aus Farbe wird Kanye Ombre Denim Shirt

Aus Foulard wird Hose

text � yariliza jiminian

Do-it-yourself (DIY) macht nicht nur Spass, sondern lässt deinen Look noch einzigartiger werden! Sei kreativ und greif zur Schere – kreiere dir deine Lieblingsstücke einfach selbst! Im Folgenden stelle ich euch meine fünf Lieblingskreationen aus verschiedenen Blogs vor. Do-it-yourself stand früher mehrheitlich für Handwerker, die im Fernsehen zeigten, wie man sein Zuhause mit tollen Ide-

en ganz einfach auffrischen kann. Warum nicht auch DIY-Kleidung entwerfen? Es muss ja nicht immer der Designer ran. Wie wäre es beispielsweise mit einem Jupe aus einem alten Hemd, das man sowieso nicht mehr anzieht? Wieso zu viel Geld für Billigschmuck ausgeben, wenn man ihn auch selbst gestalten kann? Glänze mit deinen eigenen Unikaten! Speziell gut gefällt mir die Idee, aus Grossmutters Foulards Shorts zu nähen. Sieht nicht nur

klasse aus, sondern sorgt auch für Leichtigkeit an heissen Sommertagen. Wer ein bisschen kreativ ist, oder es noch werden möchte, wird bestimmt grosse Freude daran haben, sich seine eigenen Kleidungsstücke und Accessoires zusammenzubasteln. Vielleicht spart man dabei sogar noch Geld? Inspiration und Hilfe findet ihr unter anderem auf den hier erwähnten Blogs.

LOVE AESTHETICS love-aesthetics.blogspot.de

Aus Hemd wird Jupe

HONESTLY WTF honestlywtf.com

Aus Muttern wird Armband

Unsere Lektorin Hédi Róka hat bereits selbst Hand angelegt. Wir stellen fest: Das Armband ist echt der Hammer – Rock’n’Roll, Baby!

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Yariliza Jiminian ist ambitionierte Fashionbloggerin und bereichert getAlife regelmässig mit ihren Stylingtipps und Fashionkolumnen. lizamoreene.blogspot.com


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WE L!VE YOUNG

SEITE: 18 18 � 02/12 � getAlife

Photography Jennifer D. Ries Hair & Make-up Pablo Kümin Models Nicole PezzuLlo, Roberto Lauber & Karim AÏt Ben SaÏd


SEITE: 19 Linke Seite Sweatshirt Lacoste L!VE, Shorts Lacoste L!VE Rechte Seite T-Shirt Lacoste L!VE, Trousers Lacoste L!VE, Watch Tendence


Oben Polo Lacoste L!VE, Skirt Lacoste L!VE, Watch Fossil // Sweatshirt Lacoste L!VE, Trousers Lacoste L!VE, Shoes Lacoste // Polo Lacoste L!VE, Jeans Lacoste L!VE, Shoes Lacoste Unten Links T-Shirt Lacoste L!VE, Watch Tendence // Dress Lacoste L!VE, Bracelets Esprit Unten Rechts Polo Lacoste L!VE, Skirt Lacoste L!VE, Watch Tendence


T-Shirt Lacoste L!VE, Shirt Peak Performance, Jeans Lacoste L!VE


Oben Links Parka Lacoste L!VE, Trousers Lacoste L!VE, Shoes Puma Oben Rechts Sweatshirt Lacoste L!VE, Trousers Lacoste L!VE // Polo Lacoste L!VE, Skirt Lacoste L!VE, Watch Fossil, Shades Fossil Unten Links Shirt Lacoste L!VE, Shorts Lacoste L!VE, Cathy Bag Lacoste Unten Rechts T-Shirt Lacoste L!VE, Trousers Lacoste L!VE, Shoes Lacoste, Watch Tendence


chef de bar

Wie die alten Griechen text � christian hausmann & lukas rytz

«Hey, hey, hier bin ich!», schreit er und untermalt seine lautstarke Anwesenheitsbekundung mit einem penetranten Schnippen. Entnervt vom scheinbaren Proleten gegenüber, reagieren auch wir teilweise zunächst mit demonstrativer Ignoranz, um der Gegenseite dann nach einiger Zeit Einhalt gebietend zu erwidern: «Ey, mach mal halblang, wenn du mir so kommst, kriegst du erstmal gar nix. Es wollen auch noch andere Gäste bedient werden!» Eine ähnliche Situation, so sind wir überzeugt, wird sich in jeder Bar – ob hohe Gastronomie oder einfache Stammkneipe – bereits mindestens einmal zugetragen haben. Diese Tatsache lässt die Situation jedoch für beide Seiten des Tresens – ob Gast oder Barkeeper – nicht angenehmer erscheinen.

erabendcocktail geniessen oder ausgelassen feiern, gehen wir unserer Berufung nach. Hinter dem Tresen wird hart dafür gearbeitet, dass vor dem Tresen die Stimmung passt. Klar, dass es da – insbesondere an feuchtfröhlichen Partys – hektisch zu und her gehen kann. Glücklicherweise gehören diese negativen Begegnungen zur Seltenheit. – Der Tresen soll ein Ort der Freude, des Genusses und des Austauschs sein, und nicht einer des Konflikts. Schliesslich waren bereits die alten Griechen davon überzeugt, dass die Gastfreundschaft ein zentrales Gut der zivilisierten Gesellschaft ist. Beim respektvollen Austausch zwischen Gast und Gastgeber wurde genossen und die Welt verändert.

Der Gast will sein Getränk möglichst schnell und möglichst lecker. Uns als Barkeeper ist es jedoch ein Anliegen, die Gastfreundschaft auf höchstem Niveau ausleben zu können, stets darauf bedacht, das Wohlergehen all unserer Gäste zu gewährleisten. Warum also trotzen, geschätzte Kollegen und warum also stressen, geschätzte Gäste? Klar kann gewisse Kundschaft nerven. Jedoch sollte man sich stets hüten, ein voreiliges Urteil zu fällen. Wir versuchen eher, stets positiv auf den Gast zuzugehen und ihm damit den Wind aus den Segeln zu nehmen. Vielleicht ist er oder sie ja einfach nur betrunken und eigentlich ganz nett …? Genauso kann es aber auch uns passieren, dass wir mal die Contenance verlieren. Denn während unsere Gäste ihren Fei-

Christian Hausmann (Bild) ist Chef de Bar in der Hinterhof Bar. Lukas Rytz ist Assistant Artist Booking, Administration in der Hinterhof Bar.

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Caliente! Lateinamerikanisches Feuer bringt Zürich ins Schwitzen Sei auch du dabei und gewinne mit getAlife Tickets für die Caliente!-Partys: facebook.com/getalife.mag Vom 6. bis 8. Juli bricht auf dem Helvetiaplatz und dem Kasernenareal in Zürich wieder das Caliente!Fieber aus. Liebhaber der Musikgenres Salsa, Brasil, Merengue, Bachata, Reggaeton, Cumbia und Latin Rock kommen an diesem Wochenende voll auf ihre Rechnung. Diesen Sommer feiert Caliente! zusammen mit rund 250’000 festivalfreudigen Besuchern aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland seine 18. Ausgabe. Am zweiten JuliWeekend wird der Zürcher Kreis 4 zur Latin Music-Zone mit tropischem Ambiente und ausgelassener Stimmung. Am Mercado Mundial treten hochkarätige internationale und nationale Gruppen sowie DJs auf. Die Künstler werden den Mercado in einen brodelnden Hexenkessel verwandeln. Das Beste: Die Shows am Weltmarkt sind für das Publikum kostenlos.

Caliente! CD

Brandneu und heiss wie immer: die Caliente!-Compilation 2012 mit den aktuellsten Latin Sounds. Nach Edy Herreras aufgekratztem Merengue Urbano «Vida Loca» geht es mit «El Cachito» von Kola Loka ähnlich knackig weiter. Das Kuriose daran: Bei Kola Loka handelt es sich um Kubaner, die musikalisch auf dominikanischem Gebiet wildern. Auffällig ist, dass sich in letzter Zeit die Kollaborationen unter diversen Stars häufen. Für die süffige Breitleinwand-Superstar-Bachata «Debate de 4» etwa haben sich mit Romeo Santos, Anthony Santos, Luis Vargas und Raulín Rodríguez gleich vier dominikanische Schwergewichte zusammengetan. Das gilt auch für «El Verdadero Amor Perdona», das Maná mit dem Bachatero Prince Royce vereint. Ein Höhepunkt auf der neuen CD ist zweifellos das raffiniert-melodiöse «En El Cielo No Hay Hospital» des dominikanischen Superstars Juan Luis Guerra, der kurz vor dem diesjährigen Caliente! zum ers-

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Mercado Mundial auf 32’000 Quadratmetern Im Bermuda-Dreieck Volkshaus/Helvetiaplatz/Kaserne geht es an den über 200 Marktständen und Bars heiss zu und her. Tropische Drinks, exotisch würzige Gerichte sowie Kunsthandwerk und Artesania aus aller Welt laden zum Verweilen ein. Die passende Musik darf natürlich auch nicht fehlen: Nicht nur in den Zelten, sondern auch openair spielen interessante Orchester und DJs. Ausserdem präsentieren sich faszinierende Danceshows und grosse Sambaschulen. Nirgendwo sonst in Europa wird das breite Spektrum der Latinokultur so gut abgedeckt wie am Caliente!-Festival in Zürich. Betriebszeiten Mercado Mundial Freitag, 6. Juli: 19:00 bis 02:00 Uhr Samstag, 7. Juli: 14:00 bis 02:00 Uhr Sonntag, 8. Juli: 14:00 bis 22:00 Uhr

ten Mal in Zürich auftritt. Nach dem Massenstar-Reggaeton – an der Sause nehmen unter anderem Osmani Garcia, El Chacal und Kola Loka teil – servieren Alexander Abreu y Havana d’Primera mit «El Pasaporte» gediegene kubanische Salsa. Und der in der República Dominicana mit erstaunlichem Dauererfolg gesegnete Anthony «El Mayimbe» Santos demonstriert mit «Vuelve», einer Bachata von eindrücklicher Schlichtheit, dass er auch in Zukunft nicht daran denkt, seine Roots zu verlassen. Die Musica Popular Brasileira ist mit dem Pop-Axé «Madeira De Lei» von Parangolé vertreten. Hingewiesen sei insbesondere auf «Lo Que Tú Necesitas», einen Vallenato der Kolumbianer Jorge Celedon & Jimmy Zambrano, der die Compilation um ungewöhnliche Klangfarben bereichert. Die Schweizer Latinoszene ist mit «Buen Parche» der Latin Hip-Hopper LDDC repräsentativ vertreten. Die insgesamt 19 Tracks bieten eine Fülle aktueller und vielfältiger Latin Sounds.


Energy

off the hook � festivals

Der grösste Dancefloor Europas wird 20 Jahre alt Sei auch du dabei und gewinne mit getAlife Tickets für die Energy: facebook.com/getalife.mag Am Samstag, 11. August 2012 ist es so weit: Die «Energy 12 – The Party Arena» lockt mit DJ-Superstars wie Tiësto, Avicii und Afrojack. Die traditionsreichste Party der Schweiz verwandelt anschliessend an die Street Parade das Hallenstadion Zürich in den grössten Dancefloor Europas. Die Energy gilt in Europa als Pionierin der Techno- und HouseHappenings und Mutter aller helvetischen Partys. Am Samstag, 11. August 2012 feiert sie wie die Street Parade ihr 20-jähriges Jubiläum. An der «Energy 12 – The Party Arena» wird ein Lineup der Superklasse begrüsst. Internationale DJ-Megastars wie Tiësto, Avicii («Levels») und Afrojack heizen die Jubiläumsausgabe richtig ein. Alle drei Stars präsentieren spektakuläre LEDShows, bei denen Visuals und Musik eine Einheit bilden. DJ Tiesto ist der DJ-Superstar schlechthin: Als Musikproduzent produzierte er viele Musiktitel und Remixes für die «crème de la crème», wie beispielsweise Lady Gaga, Coldplay, Kanye West oder Nelly Furtado. Der erst 22-jährige Schwede Tim Bergling alias Avicii landete mit «Levels» den weltweit grössten Dance-Hit des Jahres 2011. Avicii ist in den USA ein Megastar, der an Festivals mit über 200’000 Besuchern spielt. Sein Auftrittsplan ist prall gefüllt, ihn zu buchen, ist extrem schwierig. 2012 tritt er in der Schweiz einzig und allein an der Energy auf. Auch der Holländer Afrojack stürmte die Street Bass Festival Die Energy ist nicht alles, was Glamourama zu bieten hat: Am Samstag, 11. August 2012 geht im Anschluss an die Street Parade das bisher grösste Dubstep/Breaks-Festival der Limmatstadt über die Bühne: das «Street Bass Festival». Feed Me, Pendulum DJ Set, SkisM, Bailey, Total Science, Niskerone, SFR, MC Fava, Gemineye und weitere namhafte Dubstep- und Drum’n’Bass-Acts aus allen Landesteilen der Schweiz werden an diesem Mega-Happening im «Komplex 457» auf drei Floors für Bass Music und gebrochene Beats vom Feinsten sorgen. Ab 19:00 Uhr gibt es auf der wunderbaren Openair-Terrasse des «Komplex 457» ein «early jugging» mit Speis und Trank für alle, die direkt von der Street Parade kommen.

Charts: «Take Over Control» (featuring Eva Simons, 2010) und «Give Me Everything» (featuring Pibull, Ne-Yo & Nayer, 2011) gehören zu seinen grössten Hits. Mit David Guetta produzierte er 2010 «Louder Than Words» und fungierte als Co-Komponist von «Titanium» (David Guetta featuring Sia). Spektakuläre Shows Mit der grössten LED-Wand Europas, Lichtshows und spektakulären Choreografien wird den Partygängern ein Event auf Popkonzertlevel geboten. Neben Quentin Mosimann, Avesta, Mr. Da-Nos, Butterfly (I), Dave202, Igor Blaska, Mind-X meets Snowman, Minus 8, Max Robbers, Fred Lilla, Pascal Tokar vs Jerry Joxx, Djerem vs Assym, Lady Noon vs De Feo, Nobody’s Perfect, Davide Bomben (I), DJ S.P.H.E.R.E., Giuly sind noch viele weitere DJs, verteilt auf Mainstage, Foyer und Frontline, am Start. Happy Birthday Energy! Die Energy gilt bereits seit 20 Jahren als Vorreiterin der DancePartys in Europa. Organisiert wird die Veranstaltung von der Glamourama GmbH. Das Hallenstadion zieht während der Energy jedes Jahr mit den bekanntesten DJs gut 15’000 Partygänger ins Herz Europas. In den letzten zwei Jahrzehnten traten Künstler wie David Guetta, Sebastian Ingrosso, Richie Hawtin, Sven Väth, Jeff Mills, Erick Morillo, Carl Cox, Paul van Dyk, Roger Sanchez und viele andere auf. Das internationale Renommee der zehnstündigen Party ist gross. ELECTRIC CITY Welcome to «Electric City». Ebenfalls am Samstag, 11. August 2012 findet im riesigen Maag-Areal in Zürich anlässlich der Street Parade bereits zum zweiten Mal das grösste Techno-, Tech-House- und Minimal-Festival «Electric City» statt. Auf den vier Dancefloors und in einer einladenden OpenairZone werden von 21:00 bis 07:00 Uhr drei Dutzend führende Galionsfiguren der elektronischen Tanzmusik für euphorische Stimmung sorgen: Sven Väth, Monika Kruse, Umek, DJ Rush, Len Faki, Nina Kraviz, Der Dritte Raum live, Extrawelt live, Marika Rossa, Animal Trainer, We Love Machines live, Alex Bau, Andionatica, Fredy S, Smallotwn Collective, Lars Lindenberg, Phuture Traxx, Djerry C, Marcos del Sol, Luca Torre, DBMM, Marcel Werren & Edelstahl und viele mehr.

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Wo es Festivals noch gratis gibt text � patrick holenstein

Wenn die Abende länger werden und die lauen Nächte einen wohlig umschmeicheln, steht die schönste Zeit des Jahres vor der Tür: Die Festivalsaison. Doch was tun, wenn das eigene Budget den Kauf eines Festivalpasses nicht erlaubt? Hinzu kommt, dass Tickets für viele Festivals bereits knapp werden. Das Open-Air St. Gallen meldet stolz: «Sold Out» – und auch das Gurtenfestival wird in Kürze wohl ausverkauft sein. Zum Glück hat sich innerhalb der sommerlichen Freiluft-Musikkultur ein breites Angebot an GratisFestivals entwickelt, das den Genuss von oft kleinen, aber feinen Acts ohne verbindlichen Kaufpreis erlaubt. Am ersten Juniwochenende hat das inzwischen sehr renommierte und kostenlose Stolze-Open-Air mitten in Zürich die Saison eröffnet. Aber auch in anderen Regionen der Schweiz lässt sich Musik umsonst und legal geniessen. Vier Festivals aus verschiedenen Landesteilen möchten wir euch gerne vorstellen – irgendwie haben sie allesamt mit Wasser zu tun. Musik auf dem Wasser Das Kulturfloss ist aus Basel nicht mehr wegzudenken. Unter dem Motto «Im Fluss» zaubert das Team um Tino Krattiger jedes Jahr ein ausgewogenes Programm auf die Bretter, die wortwörtlich auf dem Rhein treiben. Zwar steht das Programm für dieses Jahr bei Redaktionsschluss noch nicht, aber wer jemals in einer lauen Sommernacht am Rheinufer gesessen hat, sich den Duft der kulinarischen Köstlichkeiten um die Nase wehen liess und den Klängen der Künstler gelauscht hat, weiss: Der Trip nach Basel lohnt sich. Das Floss von «Im Fluss» ist ein Fixstern im Basler Kulturkalender. Basel, 24. Juli bis 11. August // imfluss.ch

Viva con Aqua mit Rock the Docks Seit einem Jahr arbeitet das Festival Rock the Docks mit Viva con Aqua zusammen und findet somit nicht mehr nur im Hafen von Zug statt, also unmittelbar am Wasser, sondern tut auch gleich noch etwas für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern. Als Besucher kann man seine mit einem Depot belegten Trinkbecher direkt

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an die Mitarbeitenden von Viva con Aqua abgeben und somit das Depot spenden. Auch hier steht das Programm noch nicht. Ein Blick auf die Vergangenheit macht aber schnell klar, dass sich ein Besuch durchaus lohnen dürfte. Zug, 31. August bis 2. September // rock-the-docks.ch

Der Brunnen auf dem Platz Das wohl bekannteste Gratis-Festival der Schweiz sind die Winterthurer Musikfestwochen. Das Team dahinter stellt einen als Musikfan alljährlich vor die Qual der Wahl, denn es läuft einem – durch das bestechend gute Programm – förmlich das Wasser im Mund zusammen. Von Insidertipps wie Ewert and The Two Dragons, über begehrte Namen wie Kettcar oder Apparat Band bis zu Schweizer Künstlern wie The Bianca Story oder Greis: Die Musikfestwochen bieten ein grösstenteils kostenloses Programm, das weit über die Region hinaus beliebt ist. Wichtig ist dabei der Brunnen in der Steinberggasse. Kleine und grosse Kinder plantschen darin, oder aber man steht auf den begehrten Platz am Rand, um die Konzerte zu sehen. Den Abschluss bilden drei kostenpflichtige Konzerte mit Franz Ferdinand, Sigur Ros und Flogging Molly. Winterthur, 15. bis 26. August // musikfestwochen.ch

«Sunne» am Greifensee Last but not least verspricht das zweite Septemberwochenende zwei Tage Musik am Openair Greifensee. Wobei hier «nur» der Samstag kostenlos ist. Dafür hat das Programm mit Dabu Fantastic und ihrem Radiohit «Sunne» sowie dem unverkennbaren «Tom Waits trifft Schweizer Liedgut»-Rumpelrock der Kummerbuben viel Abwechslung zu bieten. Dazu kommt knackiger Ska von Pueblo Criminal und ein Surprise Act steht auch noch aus. Ähnlich wie in Basel wiegt auch hier die malerische Lage direkt am Greifensee und die Aussicht auf einen entspannten Konzertabend mehr als das Geschehen auf der Bühne. Greifensee, 7. und 8. September // openairgreifensee.ch


off the hook � bäckstage

«Der Weg auf die Waldbühne war wie eine Rock’n’RollKlassenfahrt!» text � linda von euw

The Birthday Girls kamen, sangen und gewannen: und zwar einen Auftritt auf der Waldbühne am Gurtenfestival. Seit drei Jahren gibt es die Multikulti-Schweizer Band. Zusammen gefunden haben sie via einen Aushang an der Uni. Ein Interview. Bäckstage: Ihr seid vier Jungs aus vier verschiedenen Ländern (Deutschland, Österreich, Türkei und England). Macht das The Birthday Girls aus oder was ist euer Erfolgsrezept? The Birthday Girls: Dieser kulturelle Mix, der sich ja teilweise auch in unserer Musik niederschlägt, ist schon etwas Spannendes – sowohl für unsere Fans, als auch für uns. Der Umgang miteinander erfordert viel Respekt, da in einem kreativen Prozess immer wieder ganz unterschiedliche Auffassungen und musikalische Vorlieben aufeinander prallen. Es gibt aber sicher noch einige andere Erfolgsfaktoren: Die mittlerweile sehr enge Freundschaft, die uns verbindet, der Wille, uns ständig zu verbessern und Neues zu schaffen und natürlich die Liebe zur Musik. Bäckstage: Ihr habt nach dem Rock Highway Contest 2011 auch einen Platz auf der Waldbühne 2012 gewonnen. Ist der Weg via Wettbewerbe heute der erfolgversprechendste Weg für eine «junge» Band, um bekannt zu werden? The Birthday Girls: Für uns war es auf jeden Fall ein guter Weg, um auf uns aufmerksam zu machen. Und es ist eine gute Referenz für zukünftige Bewerbungen für beispielsweise grössere Openairs. Wir wussten immer, dass unsere Stärke in der Live-Performance liegt, daher war es naheliegend, uns in Contests mit anderen Bands zu messen. Eine Band, die bereits gute Connections zum Musikbusiness hat oder schon von einem Label promotet wird, muss diesen Weg wahrscheinlich nicht gehen. Aber scheinbar gibt es sehr viele Bands, die in einer ähnlichen Situation sind wie wir, sonst hätten wir nicht gegen über 400 andere Bands um das Waldbühne-Ticket kämpfen müssen. Bäckstage: Was erwartet ihr von eurem Auftritt auf der Waldbühne? The Birthday Girls: Pure Fun! Wir freuen uns auf jede Gelegenheit, live zu spielen, aber das Gurtenfestival ist natürlich nochmals was ganz Besonderes! Es ist eine tolle Chance für uns, vor vielen Leuten zu spielen, die uns vorher noch nie gehört haben. Bäckstage: Der Preis des Rock Highway Contests, den ihr 2011 gewonnen habt, war unter anderem eine CD-Produktion. Wie laufen die Aufnahmen, wann wird die CD im Handel erhältlich sein? The Birthday Girls: Der Preis war eigentlich eine 5-Song EP-Produktion. Wir haben dann aber beschlossen, ein volles Album aufzunehmen, da wir soviel

Songmaterial hatten, das wir unbedingt auf der CD haben wollten. Im Moment sind wir in der Endphase der Aufnahmen. Mit Mixen, Mastern, Booklet Design, Produktion et cetera wird es aber sicher noch zwei bis drei Monate dauern, bis die CD dann wirklich im Handel erhältlich sein wird. Ein offizielles Release-Datum inklusive obligatorischer Plattentaufe-Party gibt es daher noch nicht. Bäckstage: Schreibt ihr eure Songs selbst? The Birthday Girls: Ja klar! Wir spielen zwar auch immer wieder Covers auf Konzerten, versuchen dann aber auch, diesen Songs unseren Stempel aufzudrücken und etwas Neues daraus zu machen. Auf der CD wird ein Coversong in einer ganz neuen Version enthalten sein – unsere Fans werden schon eine Vermutung haben, um welchen Song es sich handelt ... Bäckstage: Was darf man vom Album erwarten? The Birthday Girls: Es wird ein kraftvolles, vielseitiges, und hoffentlich unverwechselbares Album. Wir haben versucht, die Energie, die wir bei Live-Gigs haben, auf das Album zu bringen. Das bedeutet, dass wir an vielen Stellen bewusst auf Perfektion verzichtet und einer spontaneren Version den Vorzug gegeben haben. Perfektion ist viel langweiliger als die Magie eines Moments! Obwohl die Songs stilistisch teilweise recht unterschiedlich sind, soll ein Hörer nach wenigen Sekunden sagen können: Das können nur The Birthday Girls sein! Bäckstage: Was waren eure bisherigen Highlights in der Musikwelt? The Birthday Girls: Sicher der Gewinn der beiden Contests. Eine derartige Unterstützung von unseren Fans zu bekommen, war absolut unglaublich für uns. Beim Live-Contest für die Waldbühne sind 100 Fans von Zürich nach Bern in Bussen mitgereist. Das war wie eine Rock’n’Roll-Klassenfahrt! Und als erschöpfte, glückliche Sieger heimzukehren, war natürlich die Krönung. Bäckstage: Erhaltet ihr viel Support von Leuten aus der Branche? The Birthday Girls: Nein, so wie 99.9 Prozent aller Newcomer-Bands müssen auch wir uns den Goodwill von Leuten aus der Branche erst sehr hart erarbeiten. Schlussendlich ist es immer eine Frage des Geldes. Die Trendscouts der Musiclabels haben heutzutage einfach kein Budget mehr, werden aber tagtäglich mit Material von hunderten von Newcomer-Bands überschwemmt – geschenkt wird einem also nichts. Wir versuchen einfach, das gut zu machen, was in unserer Hand liegt: Konsequent unsere Fanbase zu vergrössern und auf uns aufmerksam zu machen, sei es mit legendären Gigs oder mit unserem neuen Album. bäckstage.ch

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off the hook � festivals

imagine a world without racism text � valérie ziegler

«imagine» ist vor allem durch das jährlich stattfindende imaginefestival in Basel bekannt. Mit unterschiedlichen Kunst- und Kulturveranstaltungen wollen die Initianten eine grosse Öffentlichkeit erreichen und sie für Themen wie Rassismus, Gewalt und Vorurteile sensibilisieren. Doch wie kann man überhaupt aktiv gegen Rassismus vorgehen? – Clara Ehrhard, 18-jährige Medienverantwortliche des imaginefestivals, lieferte im Interview die Antwort. getAlife: imagine ist das einzige Festival in der Schweiz, das gegen Rassismus kämpft. Was bewegte euch dazu, ausgerechnet gegen Rassismus aktiv zu werden?

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Clara Ehrhard: imagine ist ein Projekt von terre des hommes schweiz. Ziel war es, ein Projekt zu lancieren, das Jugendliche nicht nur anspricht, sondern auch von jungen Menschen geleitet wird. So ist die Idee eines Festivals entstanden. Am Anfang «kämpfte» man gegen Gewalt, mit der Zeit hat sich der Themenschwerpunkt auf Rassismus spezifiziert. Wichtig ist, dass die Jugendlichen ins Projekt miteinbezogen und selbst aktiv werden. Das Festival ist nur ein kleiner Teil von imagine. Wir führen über das ganze Jahr hinweg Workshops durch oder organisieren zusätzliche Events, wie beispielsweise das imagine international, welches auch in Kolumbien und Kenia stattfindet, oder «side events» (früher «premagine») – Konzerte und kleine Festivals.


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Steven Leisinger

off the hook � festivals

Fuel Fandango, einer der Hauptacts 2012.

getAlife: Wie du bereits angetönt hast, bietet ihr auch verschiedene Workshops zu Themen wie Rassismus, Ausgrenzung, Sprache und Gewalt an. An wen richten sich diese Workshops? Clara Ehrhard: Die Workshops finden meist in Schulen statt. Es geht darum, die Schüler für Rassismus und Vorurteile zu sensibilisieren. Bei allen Projekten von imagine stehen die eigenen Erfahrungen im Vordergrund. Die Teilnehmer werden in den Workshop miteinbezogen: Man möchte wissen, wie sie fühlen, was sie denken und wieso sie so denken. Sie sollen sich austauschen und ein Bewusstsein für die Thematik der Vorurteile erzeugen können. – Jeder Mensch hat Vorurteile, das ist ganz natürlich. Wichtig ist es, diese zu erkennen und zu lernen, damit umzugehen, sie zu hinterfragen. getAlife: Wie geht ihr am imaginefestival konkret gegen Rassismus vor? Durch Konzerte sensibilisiert man ja noch keine Menschen für Rassismus? Clara Ehrhard: Die meisten Leute, die ans imaginefestival kommen, wissen, dass es ein Festival gegen Rassismus ist. Dadurch wird meiner Meinung nach bereits etwas angestossen, man macht die Leute auf das Thema aufmerksam. Wir versuchen aber auch, die Besucher auf dem Festivalplatz mit Rassismus zu konfrontieren, beispielsweise durch provozierende Schriftzüge oder unser Magazin imagazine, in dem wir vertiefter auf die Thematik eingehen können. Die Poetry-Slammer auf der Kleinkunstbühne führen ihr Programm beispielsweise immer in zwei Teilen durch: ein Auftritt nach ihrer freien Wahl, sowie ein zweiter, in welchem gezielt auf die Thematik Rassismus eingegangen wird. Es ist gut möglich, dass die Acts in Zukunft noch mehr Bezug auf Rassismus nehmen werden. Zudem überlegen wir momentan, ob es nächstes Jahr eine Moderation geben wird, die das Thema während des Festivals noch mehr aufgreift. getAlife: Die Schweiz ist ein derart multikulturelles Land. Wieso, glaubst du, existiert Rassismus auch heute noch? Clara Ehrhard: Rassismus ist ein Thema, das es ziemlich sicher immer geben wird. Jeder Mensch ist rassistisch – dies nicht zu sein, ist praktisch unmöglich. Es ist ja bereits rassistisch, die Menschen in «Weisse» und «Farbige» zu unterteilen. Hinzu kommt der Einfluss der Medien: Wenn etwas Schlimmes passiert, wird in der Zeitung sofort die Nationalität der Täter erwähnt.

Ich denke, dass es natürlich ist, vor dem Fremden Angst zu haben. Wichtig ist es jedoch, dass man sich dessen bewusst ist und lernt, mit dieser «Angst» umzugehen. Andere Länder sind viel extremer von den negativen Folgen des Rassismus betroffen als die Schweiz. Doch auch in einer multikulturellen Stadt wie Basel gibt es noch immer viel zu viele Leute, die sich überhaupt nicht mit dieser Thematik auseinandersetzen, sich keine Gedanken dazu machen. Es ist ein grosses Anliegen von imagine, die Leute zum Denken anzuregen. Auch wenn wir die Problematik nicht beheben können, möchten wir den Umgang damit verbessern. getAlife: Am 8. und 9. Juni ging das imaginefestival bereits zum elften Mal über die Bühne. Wie zufrieden seid ihr mit der diesjährigen Durchführung, was erwartete die Besucher? Clara Ehrhard: Auch dieses Jahr war das Programm sehr vielfältig und sollte die verschiedensten Geschmäcker ansprechen. Auf der Kleinkunstbühne fanden beispielsweise Poetry Slam- oder Akapellaauftritte statt. Auf der grossen Bühne sorgte Selah Sue für eine der Hauptattraktionen – eine herausragende Musikerin mit einem riesigen Charisma. Sie war für mich persönlich definitiv eines der Highlights. Aber auch am Samstag ging auf der Barfüsserbühne die Post ab: Fuel Fandango schafften es mir ihrer Musik, nahezu alle zum tanzen zu bringen. Auf der Klosterhofbühne spielten ausschliesslich Schweizer Bands – in jeglichen Sparten, von Electro bis zu Indie.

Clara Ehrhard ist freiwillige Mitarbeiterin von imagine.

imagine – jung, partizipativ, kulturell

imagine sensibilisiert Jugendliche für die Themen Ausgrenzung, Rassismus und Diskriminierung. Ein Team von 30 bis 40 Jugendlichen zwischen 16 und 25 setzt sich freiwillig für imagine ein. Je nach Arbeitsgruppe beschäftigen sich die Volunteers beispielsweise mit dem imaginefestival, den Workshops oder der Medienarbeit. Das Team von imagine freut sich immer über neue Helferinnen und Helfer. imaginefestival.ch

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culture fag � the world is yours

text & bild � valérie ziegler

The world

Man braucht nicht Xerdan Shaquiri zu heissen, um deutlich zu machen, dass in der Schweiz ohne Ausländer nicht viel geht. getAlife traf vier junge Multikultis und unterhielt sich mit ihnen unter anderem über Prostitution in Thailand, heisse Sambatänzerinnen und die unzufriedenen Schweizer – und stellte dabei fest, dass es viel zu einfach ist, die Angst vor dem Unbekannten auf den Rassismus zu beschränken.

is yours «Nicht alle Brasilianerinnen sind knackarschige Sambatänzerinnen» «Wenn Männer hören, dass ich brasilianische Wurzeln habe, fordern sie mich oft auf, Samba zu tanzen. Viele Leute haben ein falsches Bild von Brasilianerinnen.» – Wenn Tania Tribelhorn spricht, lächelt sie meistens. In der Schweiz und in Brasilien quasi gleichermassen aufgewachsen, kennt die 26-jährige Studentin beide Kulturen nur zu gut. Der Vater ist Schweizer, die Mutter Brasilianerin mit italienischen Vorfahren. Tania ist in der Schweiz geboren. Vor der obligatorischen Schulzeit lebte sie jeweils während sechs Monaten in Brasilien und verbrachte den Rest des Jahres in der Schweiz: «Ich genoss das ganze Jahr über den Sommer», erzählt sie mit einem noch grösseren Grinsen. «Mein Vater besass ein Restaurant in Brasilien. Irgendwann mussten wir uns entscheiden: Brasilien oder die Schweiz? Da das Geschäft meines Vaters nicht mehr so gut lief, sind meine Eltern, mein Bruder und ich zu

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Beginn meiner Primarschulzeit endgültig in die Schweiz gezogen.» Zweisprachig aufgewachsen, hatte die Baslerin nie Probleme in der Schule: «Ich glaube, die Kinder haben sich sogar über meine multikulturelle Persönlichkeit gefreut. In meiner Klasse hatte es praktisch keine ausländischen Schüler.» Es gab eine Zeit, da wollte Tania nicht mehr Portugiesisch sprechen auf der Strasse: «Ich wollte nicht anders sein als die anderen.» Trotzdem: Probleme aufgrund ihrer Herkunft hatte sie nie: «Auch wenn es meiner Ansicht nach viele Schweizer gibt, die sehr engstirnig sind, stand mir meine Herkunft nie im Weg.» Als Kind wollte sie lange Zeit nach Brasilien auswandern. Heute schätzt sie den Schweizer Lebensstandard. «Ich hatte früher das Gefühl, dass alle Schweizer verschlossen sind und die Brasilianer viel mehr Lebensfreude


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versprühen. Wenn du in Brasilien das Haus verlässt, kommst du automatisch mit Leuten in Kontakt. Mit all den Jahren merkte ich jedoch, dass dies auch in der Schweiz so schwierig gar nicht ist. Vielleicht bin ich selbst ja auch offener geworden!?» Zudem ist Tania sehr froh darüber, dass in der Schweiz meist alles reibungslos funktioniert. «Wenn du in Brasilien zu einer Behörde gehst, wirst du von einem Ort zum nächsten geschickt. Auch habe ich keine Angst, in der Schweiz nachts alleine durch die Stadt zu radeln. Brasilia – wo ich aufgewachsen bin – ist vergleichsweise zwar eine eher sichere Stadt, am Abend würde ich jedoch trotzdem nie alleine herumlaufen.» Angst vor Überfällen, Vergewaltigungen ... – «Obwohl, diese Gefahr besteht ja auch hier.» «Macht mal die Augen auf» Momentan beschäftigt sich die Doppelbürgerin mit ihrer Masterarbeit für Wirtschaftspolitik im Kanton Basel-Landschaft. Nach ihrem Bachelor in Soziologie und Recht ist sie nun daran, ihr Masterstudium in Public Management & Policy zu absolvieren. «Ich möchte die nächsten Jahre sicher in der Schweiz bleiben, um zu arbeiten. Ich kann mir jedoch durchaus vorstellen, mal in einem anderen Land zu leben – muss nicht unbedingt Brasilien sein. Egal wo ich bin: Ich fühle mich sowohl in der Schweiz als auch in Brasilien zuhause.» Tania reist durchschnittlich alle zwei Jahre mit ihrem Freund nach Brasilien, um ihre Familie zu besuchen. «Mein Freund ist Schweizer, aber selbst sehr weltoffen. Mit einem typischen Bünzli könnte ich

nie zusammen sein.» Eine Brasilianerin und ein blonder Schweizer? Da läuten die Klischeeglocken: «Viele Europäer glauben, dass lateinamerikanische Frauen die europäischen Männer nur heiraten, um hier leben zu dürfen. Sie glauben, dass alle Brasilianerinnen Sambatänzerinnen sind und einen knackigen Arsch haben. Dies ist Schwachsinn! Ich habe viele brasilianische Kolleginnen, die sind wie ich. In Brasilien gibt es alles: von Blondhaarigen über Dunkelhäutige zu Dicken und Dünnen.» Doch nicht nur Klischees, sondern auch Rassismus sind in der Schweiz noch immer weit verbreitet. Und das, obwohl es schwierig ist, heute auf den Strassen noch «reinrassige» Schweizer zu finden. Wieso? «Rassismus existiert auf beiden Seiten. Viele Leute, die in die Schweiz kommen, empfinden die neue Kultur als derart fremd, dass sie sich ihr gar nicht öffnen wollen. Sie haben Angst vor dem Neuen, dem Anderen. Genauso verhält es sich umgekehrt. Rassismus ist meiner Ansicht nach immer eine Äusserung von Angst, Unbeholfenheit, Ausgeschlossenheit. Manchmal würde ich die Leute gerne schütteln und ihnen sagen: Macht mal die Augen auf! Es gibt auf der ganzen Welt verschiedene Völker und keinen Grund, wieso man sich gewissen Leuten gegenüber anders verhalten sollte als anderen – wir sind alle die gleichen Menschen!» Ob Sambatänzerin oder nicht, brasilianische Lebensfreude versprüht Tania mehr als genug.

«In der Schweiz kann jeder etwas erreichen – wenn er will» Trinkt man mit Dennis Karugu in Basel einen Kaffee, bleibt man selten mehr als zehn Minuten ungestört. Die Leute kennen ihn, rufen ihm freundlich zu, winken ihm. Vielleicht liegt dies daran, dass er früher in der R’n’B-Gruppe 4tonite sang, mit der er durch die ganze Schweiz und Deutschland tourte. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er Filialleiter einer mobilezoneFiliale in Basel ist und so mit vielen Leuten in Kontakt kommt. Oder aber es liegt daran, dass Dennis eine offene Person ist, die mit viel Leidenschaft lebt, den Kontakt zu anderen Menschen bewusst sucht und Freude ausstrahlt. Eins ist klar: Diese Offenheit hat ihm in der Schweiz gewiss einiges erleichtert. In Kenia aufgewachsen, ist Dennis im Alter von acht Jahren mit seinen zwei Geschwistern und seiner Mutter in die Schweiz gekommen. «Das Leben in der Schweiz bedeutete eine grosse Umstellung

für mich – auch wenn ich erst acht Jahre jung war. Glücklicherweise hat mir mein Schweizer Stiefgrossvater geholfen, Deutsch zu lernen.» Dennis’ Grossmutter ist im Alter von 29 Jahren in die Schweiz gekommen und hat hier nochmals geheiratet. Dadurch konnte sie ihre Familie in Afrika nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch dafür sorgen, dass diese 1990 in die Schweiz nachfolgen konnte. «An die Jahre in Afrika kann ich mich nicht mehr gut erinnern. Wir lebten in einem normalen Haus – nicht in einer Hütte, wie man sie aus dem Film ‹Die weisse Massai› kennt.» Auch wenn Dennis mit seiner Familie in Afrika relativ gut gelebt hatte, sei es in Kenia nicht nur extrem schwierig, eine Ausbildung zu absolvieren, sondern auch einen Job zu finden. «Ich kenne viele Leute aus Kenia, die Medizin oder Wirtschaft studiert haben und einfach keine Arbeit finden.» Auch müsse man in Afrika, im Vergleich zur Schweiz, deutlich mehr für die Bildung bezahlen, was sich viele Familien nicht

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leisten könnten. «In der Schweiz kann jeder etwas erreichen – wenn er will», ist der 30-Jährige überzeugt.

Im Militär sitzen alle im gleichen Boot Nach der erfolgreich abgeschlossenen Lehre im Detailhandel besuchte Dennis die Rekrutenschule. «Für mich war immer klar, dass das Militär zum Prozess des Erwachsenwerdens gehört. Ich habe wohl nirgends so viel über die Schweizer Kultur gelernt wie in der RS», erzählt er. Viele seiner Kollegen bewunderten es, ihn im Militär anzutreffen: «Sie schenkten mir Respekt. Man hatte keine Zeit, mich anzufeinden. Wir sassen alle im gleichen Boot. Im Militär lernst du, was Zusammenhalt bedeutet – egal ob du schwarz oder weiss bist.» Nachdem Dennis drei Jahre als Verkäufer bei mobilezone gearbeitet hatte, wurde er zum Filialleiter ernannt. «Das war immer mein Ziel!» Doch damit nicht genug: Eine Weiterbildung in Leadership und Management folgte. «Zusätzlich sollte ich nächsten Sommer mein Diplom als Führungsfachmann erhalten. Ich finde es wichtig, dass man sich weiterbildet.» «Beziehungen sind extrem viel wert», erzählt der 30-Jährige, während er einem weiteren Bekannten zuwinkt. «Auch wenn die Schweiz

klein ist und man viele Leute kennt, verbringen einige meiner Bekannten Weihnachten allein. Wieso? Weil sie geizig sind, immer und überall sparen wollen. Einige meiner Freunde wurden stets von ihren Eltern unterstützt, sogar verwöhnt. Waren sie dann mal selbstverdienend, fanden sie plötzlich: Okay, jetzt brauche ich die Alten nicht mehr. Dies käme für mich nie in Frage!» In Kenia stehe die Familie an erster Stelle: «Du bist nie alleine, erst recht nicht an Weihnachten! In der Schweiz sind gewisse Leute egoistischer, vielleicht auch nicht so sozial wie in Afrika. Würde man mehr zusammen unternehmen, wäre es einfacher, die verschiedenen Kulturen zu verstehen.» Wenn Dennis mit einer Schweizer Freundin unterwegs ist, lassen einige Leute vielleicht mal einen doofen Spruch fallen, was teilweise verletzend, jedoch nicht wirklich tragisch sei. «Ich würde mich gerne für Immigranten einsetzen, ihnen helfen, sich zu integrieren, um irgendwie zurückzugeben, was ich bekommen habe. Wenn man nicht mit den Leuten spricht, kann man nicht verstehen, wo ihre Probleme liegen. Ich bin froh, das zu machen, was ich immer wollte. Viele Leute haben keine Ziele – egal, welche Nationalität sie haben. Für mich hätte es nicht besser kommen können. Ich hatte grosses Glück, was nicht selbstverständlich ist.»

«Jungfräulichkeit ist in Thailand etwas sehr Wertvolles – nicht wie in der Schweiz» «Als ich an einem Sonntag im Mai 1997 in die Schweiz gekommen bin, fragte ich mich, wo all die Autos und Leute waren – das konnte es doch nicht sein!» In Bangkok aufgewachsen, lernte Enna Polsombat früh, was es heisst, in Slums zu leben. «Da mein Vater in Chiang Mai, im Norden Thailands, keine Arbeit finden konnte, hat uns meine Grossmutter zwei Monate nach meiner Geburt nach Bangkok geholt. Mit vielen anderen Menschen lebten wir alle auf einem Haufen zusammen. Gemeinsam mit meinen Eltern teilte ich mir ein circa vier auf vier Quadratmeter grosses Zimmer.» Wenn Ennas Mutter bei der Arbeit war, hat sich die Grossmutter um sie gekümmert. Nachdem der Vater die damals Sechsjährige alleine mit ihrer Mutter zurückgelassen hatte, wurde die Grossmutter jedoch krank. «So verbrachte ich die Zeit nach der Schule nicht mehr bei meiner Oma, sondern am Arbeitsplatz meiner Mutter. Ich habe quasi dort gelebt.» Durch eine Kollegin hat Ennas Mutter ihren zukünftigen Mann kennengelernt. Nachdem der Schweizer regelmässig nach Thailand gereist war, entschieden sie sich vor 15 Jahren dazu, gemeinsam nach Europa zu ziehen. «Meine Mutter zog ein halbes Jahr vor mir in die Schweiz, um alles zu organisieren.

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Ich wohnte während dieser Zeit bei meiner Tante. Als Kind war es ein Highlight, auf dem Land zu leben – Buffalo zu reiten, im Bach baden zu gehen. Klar, habe ich meine Mutter vermisst, aber das Familienverhältnis in Thailand ist viel intensiver als das in der Schweiz. Die sechs Monate vergingen wie im Flug. Ich habe häufig mit meiner Mutter telefoniert und freute mich sehr auf die Schweiz.» Für viele Thais gelten Europa oder Amerika als Paradies. Auch Enna freute sich auf ein besseres Leben, darauf, eine neue Sprache zu lernen. «Am Anfang war ich sehr fasziniert von diesem schönen, naturbezogenen Land, wo es doch um einiges sauberer ist als in Thailand. Auch die Ordnung imponierte mir. Mit der Zeit empfand ich gewisse Dinge jedoch als seltsam: Ich konnte beispielsweise nicht mehr einfach rausgehen, um mit anderen Kindern zu spielen. In Thailand triffst du immer auf unendlich viele Kinder auf den Strassen. Du spielst mit ihnen, holst dir mal Fleischbällchen oder eine Glacé an den vorbeiziehenden Wagen.» Im Land des Lächelns läuft das Leben viel offener, herzlicher, sozialer ab: «Wenn der Nachbar kocht, essen alle darum herum mit. Hier trifft man sich vielleicht mal auf einen Kaffee mit der Nachbarin. Dieses familiäre Zusammenleben habe ich in


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den ersten Jahren in der Schweiz sehr vermisst. Heute müsste ich es jedoch auch nicht mehr haben, dass mir mein Nachbar Spaghetti bringt.» Knapp zehn Jahre alt war die «schöne Seerose» – so die Bedeutung ihres ersten Namens Kamolthip – als sie in die Schweiz gekommen ist, wo sie jeden Morgen einen Deutschkurs und am Nachmittag die reguläre Schule besuchte. «Ich glaube, die anderen Kinder haben sich mega auf mich gefreut. Eine neue Mitschülerin, und dann erst noch aus dem Osten! Ich hatte als Kind auch keine Probleme, mich zu integrieren.» 2010 hat die 25-Jährige die Tourismusschule in Samedan abgeschlossen. Heute lebt und arbeitet Enna in Saas-Fee. «Ich habe klein angefangen, mit einem Schalterjob im Bereich der Beratung und des Verkaufs. Heute arbeite ich als Event- und PRAssistentin. Ich liebe es, Events zu organisieren.»

Rassisten werden so geboren Auch im Zusammenhang mit Thailand tauchen viele Klischees auf: «Wenn ein Mann vor ein paar Jahren sagte, dass er nach Bangkok ginge, dachten viele sofort an Sex. Teilweise auch berechtigterweise. Im Vergleich zu vielen anderen asiatischen Metropolen ist Bangkok weit entwickelt, man kann die Stadt seit jeher gut erreichen. Trotz des Tourismus ist die Armut weit verbreitet, was dazu führt, dass sich noch immer viel zu viele Frauen – und Männer! – verkaufen.» So ist es auch kaum weiter erstaunlich, dass viele von einem besseren Leben in der Schweiz träumen. «Ich kenne Thailänderinnen, die hier in Puffs arbeiten und so ihre Schweizer Ehemänner kennengelernt haben. Was mich aber stört, ist, dass gewisse Leute glauben, dass es immer so ist – dass thailändische Frauen nur des Geldes wegen in die Schweiz kommen würden. Meine Mutter hätte meinen Babbi nicht über zehn Jahre lang gepflegt – er hatte einen Hirnschlag und ist seither ein Pflegefall –,

wenn sie nur ans Geld gedacht hätte. Geld bekäme sie auch von einem anderen Mann.» Enna sieht nichts, was man gegen den Rassismus tun könnte: «Je älter ein Mensch ist, desto schwieriger ist es, ihn zu ändern. Entweder man ist rassistisch, oder man ist es nicht – man wird quasi als Rassist geboren, beziehungsweise dazu erzogen.» Vor allem in den Bergen gäbe es manchmal Situationen, wo Enna denkt: «‹Goht’s no?› – Einmal wollte sich eine Frau im Zug neben mich setzen. ‹Ist dieser Platz noch frei?›, fragte sie. Ehe ich antworten konnte, fügte sie hinzu: ‹Ach, die kann ja sowieso kein Deutsch.› Ich reagierte nicht. Was soll man dazu schon sagen? Trotzdem: Wirklich negative Erfahrungen aufgrund meiner Herkunft habe ich nie gesammelt.» Im Vergleich zu Enna, fallen die kulturellen Unterschiede ihrer Mutter nicht so leicht: «Meine Mama hatte sehr Mühe mit meinem ersten Schweizer Freund. Sex vor der Ehe ist in Thailand ein Tabu – Jungfräulichkeit etwas sehr Wertvolles. Ich machte ihr jedoch deutlich, dass ich hier aufgewachsen bin und dementsprechend anders denke. Mit der Zeit konnte sie dies akzeptieren und erlaubte mir, dass mein Freund bei mir übernachten durfte.» Auch wenn die Doppelbürgerin ihre Familie in Thailand sehr vermisst, kann sie sich nicht vorstellen, zurückzukehren, um dort zu leben: «Ich kann mir zwar ein Leben in Kanada oder den USA vorstellen, in der Schweiz gefällt es mir jedoch noch immer am besten – unter anderem auch wegen der Männer (lacht).» Ihren Traummann hat sie bereits gefunden. Hätte Ennas Mutter ihren Mann nicht kennengelernt, wäre nicht nur das Leben in der Schweiz, sondern auch ersterer ein Traum geblieben.

«Nur gemeinsam ist es möglich, Probleme zu lösen» Seine Familie lebte bereits in der Schweiz – Giorgio sollte jedoch in Barcelona zur Welt kommen. Schliesslich ist das die Heimat seiner Familie, oder zumindest ein Teil davon. Giorgio Sbalchieros Vater stammt aus Italien, die Mutter aus Spanien. Knapp ein Jahr nach Giorgios Geburt zogen sie wieder in die Schweiz. «Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, dies ist meine Heimat. Meine ersten Freunde waren Schweizer, ich habe auf dem Spielplatz, im Kindergarten und in der Schule Deutsch gelernt.» Wenn der 33-Jäh-

rige heute nach Spanien oder Italien reist, ist er immer wieder aufs Neue erstaunt darüber, wie unzufrieden viele Leute in der Schweiz sind: «Seien es die öffentlichen Verkehrsmittel, die Sauberkeit oder auch die immer wieder kritisierte Bürokratie – in der Schweiz funktioniert fast alles reibungslos. Trotzdem sind viele Leute unglücklich. Wahrscheinlich ist dies der Grund, weshalb alles so gut funktioniert – man möchte immer mehr.» Die hohe Sicherheit und die Lebensqualität sind für Giorgio Grund genug, in der Schweiz zu bleiben: «Wenn ich die heutige Situation in Europa und der Welt anschaue,

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culture fag � the world is yours

steht die Schweiz auf einem viel stabileren Fundament als die Mehrheit der Länder. Zudem halte ich das schweizerische politische System für einmalig, weil es alle dazu zwingt, zusammen an Problemen zu arbeiten. Auch wenn es immer wieder Gegner gibt, ist es längerfristig nur gemeinsam möglich, Probleme zu lösen.» Was ihn jedoch stört, ist die Macht der Lobbyisten in der Politik: «Diese würde ich gerne einschränken, wenn ich könnte.» Giorgio hat sich von Anfang an wohl gefühlt in der Schweiz. Die Herkunft seiner Eltern stand ihm nie im Weg. «In der Schule hatte ich eher Probleme wegen meiner bescheidenen Grösse (lacht).»

«Rassistische Äusserungen sind dumm und unüberlegt» Momentan absolviert der Zürcher sein Studium zum Übersetzer. Um dies finanzieren zu können, arbeitet er nebenbei in einer Bank: «Ich habe vor dem Studium bereits eine KV-Lehre abgeschlossen.» Nicht nur an seiner Schule kommt er in Kontakt mit den verschiedensten Kulturen, sondern auch durch seinen Beruf. Für ihn gehört die Multikultur zur Normalität. Trotzdem glaubt auch er, dass es noch immer viele Menschen gibt, die sich scheuen vor dem Unbekannten, Angst haben vor Veränderungen: «Rassismus ist wohl einfacher als Integration», so Giorgio, «und doch keine Lösung! Er führt dich selbst nur in die Isolation. Anstatt andere auszusperren, sperrt man sich durch Rassismus selbst ein. In der heutigen Welt ist der gemeinsame Weg der einzig mögliche. Man kann so viel entdecken, wenn man sich öffnet. Wer sich einschliesst und ande-

re ausschliesst, kommt früher oder später nicht mehr weiter.» Der 33-Jährige reagiert selbst sehr empfindlich auf rassistische Bemerkungen: «Ich kann mittlerweile sehr gut einschätzen, wann ich einen Spruch mit Humor nehmen kann. Rassistische Äusserungen sind jedoch häufig dumm und unüberlegt – und können zudem sehr viel auslösen.» In Spanien und Italien seien die Leute offener als in der Schweiz, man komme viel schneller mit anderen Menschen ins Gespräch. Jedoch leiden beide Länder unter ähnlichen Problemen, die dem Rassismus gewisse Türen öffnen: «Spanien und Italien befinden sich in einer schlechten wirtschaftlichen Lage und verfügen über eine hohe Zuwanderung illegaler Einwanderer aus Afrika. Ihre Vergangenheit wurde nicht aufgearbeitet. Es gibt noch immer viele Regionen, die sich die Unabhängigkeit wünschen. – Diese Faktoren sind ein guter Nährboden für Rassismus.» Giorgio Sbalchiero sieht keinen Grund, die Schweiz zu verlassen: «Meine Familie, meine Freundin und die meisten meiner Freunde leben hier. Ich könnte mir vorstellen, für eine gewisse Zeit im Ausland zu leben, langfristig möchte ich jedoch in der Schweiz bleiben.» Dass er fünf Sprachen spricht, drei Nationalitäten und Eltern aus verschiedenen Ländern hat, kann ihm niemand nehmen. Giorgio werde nie als Schweizer angesehen: «Dies wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Ich fühle mich jedoch weder ausgestossen noch aussen vor gelassen.»

#1 comment on facebook getAlife-Leser Mitja Roos zum Thema Rassismus:

«Die Rassenpolitik sollte man ganz vermeiden. Ich bin Schweizer, na und? Russe bin ich auch, aber was sagt das über meine Persönlichkeit aus? Es ist vollkommen unwichtig, woher ein Mensch kommt, am Ende sind wir alle gleich, und doch anders ... Entweder man betrachtet die Menschheit als Ganzes, oder man nimmt jeden einzelnen Menschen so, wie er ist. Aber wieso Schweizer auf diesen Haufen und Nichtschweizer auf jenen? Das ist vollkommener Unsinn. Ich beurteile einen Menschen aufgrund seines Charakters und nicht seiner Rasse. Das ist ein sehr nützliches und effektives Rezept, Rassismus – jedenfalls von meinem Standpunkt aus – zu vermeiden.»

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culture fag � michael kiwanuka

Home Again Auf Wurzelsuche mit Michael Kiwanuka

text � miky merz

Michael Kiwanuka, 25 Jahre jung, liefert einen stilistischen Anachronismus. Sein Erstlingswerk erreicht Chartspitzen, «Home Again» erinnert aber gleichzeitig an gemächliche Reisen auf Country- und Soulpfaden. Denkt man an London, denkt man an Madame Tussauds, an eine Beatles-Manie, an quirlige Dancegroups oder vielleicht an die Juwelen der Queen. Bis jetzt war Michael Kiwanuka niemandem ein Begriff. Kiwanuka ist ein afrikanischer Terminus für den Blitz- und Donnergott – Michael Kiwanuka frönte bis jetzt einem unbeschriebenen Leben als Nordlondoner Gitarrenpicker. Umso mehr verblüffte es die englische Presse, als sie Kiwanuka auf der alljährlichen BBC «Sound Of»-Talentbühne singen hörten. Zu Beginn dieses Jahres wurde er, quasi über Nacht, zum aufregendsten Newcomer gekürt – und das von über 180 Juroren. Nicht nur BBC-Hörer stufen den 25-jährigen Singer und Songwriter als Sensation ein, auch amerikanische Feuilletons wie die Sunday Times nennen ihn «einzigartig brilliant», die Los Angeles Times empfindet ihn sogar als «süchtig machend». Nicht so brummelig Anachronistische Charakterzüge verleihen seinen inzwischen weit verbreiteten Country- und Soulliedern Oberwasser: Die Arrangements erinnern an Zeiten, in denen Afroamerikaner erstmals mit eigenen Autos durch die Südstaaten fuhren – begleitet von Liedern von Sam Cooke und Co –, einen zwischenmenschlicheren Horizont bei der US-Bürgerrechtsfrage ersehnend. Auch wenn die zehn Songs auf «Home Again» keine Andeutungen von Protest-Folk innehalten, Kiwanukas geborene Poparrangements klingen fidel wie Bill Withers und zum Glück nicht so brummelig wie Bob Dylan, einer seiner Vorbilder. «Home Again» wurde durch den britischen Produzenten Paul Butler, Multiinstrumentalist und Frontmann von The Bees, sachte raffiniert. Seit Wochen ist jenes Album in den Top Ten und Michael Kiwanuka auf der ganzen Welt zuhause.

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culture fag � michael kiwanuka

Bevor er sich erstmals in der Schweiz in Zürich präsentierte, begegnete uns Michael Kiwanuka, Sohn ugandischer Einwanderer, backstage für das Interview. Um mehr über seine stilistischen Wurzeln zu erfahren, sollte man die noch unbeschwerte Aufrichtigkeit des jungen, britischen Soul-Epigonen berücksichtigen. getAlife: Michael, du bist in Muswell Hill in Nordlondon aufgewachsen. Wer hat dich in deiner Jugend geprägt? Michael Kiwanuka: Meine Schulfreunde haben mich sehr geprägt. Viele von ihnen spielten Gitarre in Bands, gestalteten ihre Hefte, teilten Musikvideos und führten auch sonst in gewisse Dinge ein. Yeah, ich habe noch starke Erinnerungen an diese Zeit. getAlife: Welche Rolle spielt der Titel «Home Again» – geht es um deine Heimat London? Michael Kiwanuka: Ich würde nicht sagen, dass der Titel davon handelt, dass ich mich irgendwohin begebe. Oft wird «Home Again» zu sprichwörtlich verstanden. Ich meine weder ein Haus, noch das Herkunftsland meiner Eltern. Es sind einfach persönliche Alltagserfahrungen, die ich besinge. Mehr als solche Bedeutungen gibt es nicht. getAlife: Welche sonstigen Gründe könnten dich bewegen, deinen Weg als Sänger weiter zu beschreiten? Michael Kiwanuka: Alles, was mich interessiert. Beispielsweise Musiker wie Sam Cooke, Shuggie Otis oder Bob Dylan, deren Songs ich mir immer wieder anhöre. getAlife: «Home Again» hat einen sehr guten Produzenten an der Seite. Welche Facetten brachte Paul Butler in Arrangements wie beispielsweise «Tell Me A Tale»? Michael Kiwanuka: Paul Butler stiess erst gegen Ende der Produktionszeit zu unserem Team hinzu. Zuerst liessen wir es einfach mal knattern, probierten die Elektrogitarre aus, fügten eine Basslinie, Flötenmusik, Schlagzeug und andere Dinge hinzu. Es nahm alles seinen natürlichen Lauf, obschon den eigentlichen Kern meine Gitarre und ich darstellen. getAlife: Wie lange dauerte die Studioarbeit?

Michael Kiwanuka: Wichtig ist, dass man sich selbst treu bleibt. Es gibt genug Herdenschafe – nicht nur in der Musikbranche –, welche auf kommerziellen Feldern herumtummeln und typischen Mustern folgen. Das beginnt beim Haarschnitt und hört bei der Musik auf. Ich bin nicht so. getAlife: Wie gelingt dir das? Michael Kiwanuka: Es ist wichtig, dass man sich seine eigenen Gedanken in der Popwelt macht. Unabhängig von jeglichen Trends sollte man stets an etwas glauben – ob die Sonne nun gerade scheint, oder ob es regnet. Viele Karrieren haben nämlich auch dunkle Seiten, die niemanden interessieren. Hauptsache man gibt nicht auf und steht immer wieder auf, wenn es mal unten durch geht. Sei, so gut es geht, dir selbst treu – so lautet mein Credo. getAlife: Schlussfrage: Gibt es etwas, worauf du nie verzichten möchtest – egal wohin die Tournee dich gerade hinführt? Michael Kiwanuka: Yeah, auf das, was mich auf «Home Again» ausmacht: Ich fühle mich nämlich nicht so, als käme ich von einem besonderen Ort. Klar, ich bin aus London, das lässt sich nicht verleugnen, aber ich möchte einfach Mensch sein, egal wo ich mich gerade befinde, egal woher ich nun stamme. Darauf möchte ich nie verzichten müssen. Wer sich für die Person Michael Kiwanuka sowie für eine glänzende Songauswahl interessiert, der sollte sich das Interview mit Kiwanuka auf SOULCITY anhören: mikymerz.podomatic.com

«Home Again» Michael Kiwanukas Faszination liegt in einer bedächtigen Herangehensweise: Der 26-Jährige greift auf, was ihn selbst berührt, er verwandelt seine Lieblingsmelodien so gründlich, bis es nicht mehr an ein frühes Zitat aus den sechziger Jahren erinnert, und doch ein liebenswertes Bild schillernder Soultroubadouren wie Sam Cooke oder Jimi Hendrix hinterlässt. Retrosoulhypes hin oder her: «Home Again» gibt einem das Gefühl, zu sich selbst heimzukehren (Home Again), seine Selbstzweifel zu überwinden (I’m Getting Ready), oder sich herzliche Geschichten (Tell Me A Tale) zu erzählen.

Michael Kiwanuka: Wir waren insgesamt zwei Jahre daran, allerdings arbeiteten wir im ersten Jahr eher halbjährlich, im zweiten Jahr nahm alles eine regelmässige Form an. Schliesslich musste ich mir ein paar neue Dinge beibringen, was die Arbeit im Studio betrifft. getAlife: Wie behältst du Übersicht im sogenannten Music Business-Tohuwabohu, das sich kommerziell und hoch geschäftig gibt?

Michael Kiwanuka: «Home Again» (Polydor/Universal)

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Geheimnisvolle Soundinseln text � miky merz

Unmöglich, einzig nur eine CD auf die ersehnte Trauminsel mitzunehmen, respektive hinüberretten zu dürfen. Deshalb stellen wir euch hier immerhin acht Überflieger für Latino-Draufgänger, elektrisierte Balkonrocker, Hip-Hopper und leidenschaftliche Pop-Abenteurerinnen vor. Ab in die Sommerferien!

Beach House: «Bloom» (Sub Pop) Der Alltag hat allzu oft etwas tretmühleartiges an sich. Aus diesem Winkel lässt sich die Blüte von Musikrichtungen wie Nu-Wave-Disco oder Dream-Pop erklären. Stile, die mit viel Streicher- oder Synthesizertupfer angerichtet werden, Musiker, die jeden Augenkontakt mit kommerziellen Köpfen meiden. Beach House ist ein verträumtes Gebilde zwischen minimalistischer Introvertiertheit und 1980-er Popnostalgie à la Cocteau Twins. Alex Scally und Victoria Legrand, alias Beach House, in Baltimore ansässig, erzeugen melodische Ruhepole zu den sonst üblichen vorlauten Pop-Beweihräucherungen. – «Bloom», die vierte CD des kongenialen Duos, könnte prickliger nicht klingen.

Sigur Rós: «Valtari» (EMI) Nachdem Sigur Rós diesen Frühling einen ersten Track mit «Ekki Mukk» loskoppelten, macht sich bei «Valtari», ihrem sechsten Album, welches übersetzt Dampfwalze bedeutet, eine neue, nicht minder verlockende Klangatmosphäre breit. «Dauðalogn», eine weitere Auskopplung, ist nun in der amerikanischen Serie Vampire Diaries zu hören. Es heisst, Jónsi und Co. experimentierten allmählich sehr elektronisch, sehr gesetzt lethargisch – vielleicht gar etwas zu versponnen für sanguinische Sonnenanbeter. Entweder man mag ihre modularen, isländischen Klanggebilde, oder nicht. Auf jeden Fall kommt man sich wie auf einem Planeten voller Vulkane vor.

NAS: «Life Is Good» (Universal) Aktuell steht Präsident Obamas zweiter Wahlkampf an. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen vermeidet er jedoch Rapper auf der aktuellen Kampagnen-Playlist. Auch R&B-Stars selbst schreiben den Yes We Can-Wahlkampf nicht mehr so gross auf die Fahnen wie 2008. Allerdings, so liest man auf Spotify, höre der Präsident gern NAS. NAS, der wie selten jemand das Leben in den USA kommentiert, Alltagshymnen in Dancehall-Rhythmen einbettet, erscheint mit seiner letzten CD unter dem Def Jam-Dach gerade rechtzeitig auf Mitte Juli 2012 mit seinen direkten, rührenden Lyrics. Ein subjektiver Anspieltipp: «Daughters» (file under youtube), intelligenter Rap für Familienoberhäupter.

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The Invisible: «Rispah» (Ninja Tune) Mit «Rispah», dem neuen Album von The Invisible, assoziiert der geneigte Hörer smaragdgrünes Wasser, epische, in die Ferne schwebende Melodien, allenfalls eine heisse Rockband, deren Mitglieder auf dieselbe filigrane Bellezza stehen. Okay, man könnte auch schreiben: The Invisible, beim Ninja Tune Label unter Dach, erinnern an U2 in jungen Jahren und an viel, viel Herzschmerz. Dave Okumu, der Kompositeur der sagenhaften elf taufrischen Lieder, liess sich gleichwohl von Massive Attack wie von Spirituals inspirieren, um tatsächlich von seiner Liebsten Abschied zu nehmen. «Rispah» – ein transistorisches Meisterwerk aus Brighton.

Los Fulanos: «Si Esto Se Acaba Que Siga El Boogaloo» (Lovemonk) Hier werden Erinnerungen an ein funky Barcelona wach. Besser gesagt, Los Fulanos weiten den Horizont mit Bolero, Funk, Latin und Disco aus und bringen damit Balken zum biegen. Mit «Blue Monday» wird eine groovy Coverversion von New Order wiederaufgegriffen. Die neunköpfige Band aus Barcelona, übrigens den Latin-Soul-Übervater Joe Bataan auf seinen Tourneen begleitend, verkörpern die nicht ganz ernste BoogalooBewegung, losgetreten auf Labels wie Vampisoul und Lovemonk. – Worauf wartet ihr? Dreht die Stereoanlage auf, nehmt eure Freundin an der Hand und achtet euch darauf, dass keine Plastiktische im Weg stehen.

Prince Fatty presents: «Hollie Cook» (Mr. Bongo) Sammler sind Menschen, die wissen, wer Bob Marley produzierte, und solche, die Stapel mit zig unbeschriebenen Instrumentalversionen bevorzugen. Prince Fatty würde auch nur ein paar Vinylsammlern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, wäre da nicht Hollie Cook, die Tochter des Sex Pistols Drummers, die den kommerziellen Äther mit Dub à la UB 40 unterwandert. Hollie Cook liess Fatty, den englischen ReggaeMeister nicht nur an ihr dahingehauchtes Erstlingswerk ran, sondern erlaubte ihm, rhythmisiertere, kernige Versionen von ihren Originalliedern wie «Walking In The Sand» einzuspindeln. Ob mit dem Original oder der Dub-Sammlung mit additiven Melodica- und MaultrommelEcholinien: Hollie Cook und Fatty bezirzen.


Innovativ, praktisch schick

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Das neue Samsung Galaxy-Tablet besticht durch multimediale Funktion text � valérie ziegler

Tablets liegen voll im Trend. Wir haben das neue Samsung Galaxy Tab 2 10.1 getestet. Das smarte Multimediatalent besticht mit Unterhaltung und komfortabler Anwendung. Das Samsung Galaxy Tab 2 10.1 sorgt mit einem 10,1-Zoll TFT-Touchscreen für mehr Komfort. Dank einer Bildschirmdiagonale von 25,65 Zentimetern fühlt man sich als Nutzer auch unterwegs wie im eigenen Heimkino. Kein Problem also, Lieblingsfilme und -serien im Flugzeug oder Zug zu schauen. Ob im Beruf oder in der Freizeit: Das Samsung Galaxy Tab 2 10.1 sorgt mit seinem grosszügigen Touchscreen für hohe Benutzerfreundlichkeit. So kann das Tablet durch das Zusammenspiel mit der neuen TouchWiz-Benutzeroberfläche intuitiv noch einfacher bedient werden als zuvor. Die Samsung HubDienste bieten ein vielseitiges Unterhaltungspaket an Spielen, eBooks und Musik zum Download an. Aus dem ein Gigahertz starken Dual-Core-Prozessor bezieht das neue Tab von Samsung umfangreiche Leistungsreserven für anspruchsvolle Apps, Websites und ein persönliches Unterhaltungsprogramm. Die Lieblingsapps können ganz einfach über Google Play und Samsung Apps bezogen werden. Darüber hinaus können gespeicherte Inhalte wie Videos, Bilder und Musik dank AllShare drahtlos auf kompatible DLNA-zertifizierte Geräte übertragen werden. Stilsicheres Auftreten garantiert Eine 3,2 Megapixel-Kamera auf der Rückseite sorgt dafür, dass die schönsten Schnappschüsse und Urlaubsfotos festgehalten werden. Mit den Optionen einer WiFi- oder WiFi+3G-Version können die gemachten Fotos anschliessend über soziale Netzwerke mit Freunden und der Familie geteilt werden.

Zubehöre wie beispielsweise die Dockingstation, Flip-Cover und Taschen erweitern die Funktionen für das Samsung Galaxy Tab 2 10.1 auf praktische Weise. Sie sorgen für den Schutz des Gerätes und garantieren einen stilsicheren Auftritt – ob zuhause oder unterwegs.

Das Samsung Galaxy Tab 2 10.1 ist seit Juni 2012 ab CHF 399 (UVP, 16GB, WiFi-Version) in der Schweiz erhältlich.

Über Samsung Electronics Samsung Electronics Co., Ltd. ist eines der weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen Halbleiterproduktion, Telekommunikation, digitale Medien und Technologien für die digitale Konvergenz mit einem Umsatz von USD 143,1 Milliarden im Jahr 2011. Mit 197 Niederlassungen in 72 Ländern und rund 206’000 Mitarbeitenden betreibt das Unternehmen zur Koordination seiner neun Geschäftszweige zwei Organisationen: Digital Media & Communications, wozu Visual Display, Mobile Communications, Telecommunication Systems, Digital Appliances, IT Solutions und Digital Imaging gehören, sowie Device Solutions, bestehend aus Memory, System LSI und LED. Für seine führenden Leistungen in Sachen Wirtschaft, Umwelt und Soziales wurde Samsung Electronics vom Dow Jones Sustainability Index 2011 zum nachhaltigsten Technologieunternehmen der Welt ernannt. samsung.ch

Werde Fan von Samsung und erfahre noch mehr über das neue, trendige Tablet: facebook.com/SamsungSwitzerland.

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Apocalypse

Gut und Bös gehen Hand in Hand «Die verborgene Schönheit zum Leuchten zu bringen, ist für mich immer das Schönste an der Fotografie.»

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«Menschen oder Sachen, die von der Gesellschaft als unschön oder nicht normal abgestempelt werden, faszinieren mich wie funkelndes Wasser.»

text � valérie ziegler // bild � daniel bolliger

Der Swiss Photo Award – ewz.selection – zählt zu den renommiertesten Fotopreisen der Schweiz. Auf den Gewinner wartet unter anderem eine Gesamtsumme von CHF 45’000. Für den diesjährigen Award nominiert ist auch das Projekt «Apocalypse» von Fotograf Daniel Bolliger. Apocalypse ist ein gemeinsames Projekt von Fashion Designer Sasa Kovacevic (SADAK) und Fotograf Daniel Bolliger. Die beiden Künstler arbeiten seit sieben Jahren zusammen. Ihr Ziel ist es, die Modewelt spannender werden zu lassen, den Fotografien mehr Tiefe zu geben. «Dabei will ich die Schnelllebigkeit der Fashionwelt herausfiltern und dem Ganzen eine Beständigkeit, eine Zeitlosigkeit geben. Es ist uns wichtig, Trends selber zu setzen. Aber gerade die Bilder sollen dem Betrachter bleiben und nicht nach einer Saison vergessen gehen», erklärt Daniel Bolliger. Die Kollektion Apocalypse zeige die Schnittstelle zwischen Apocalypse und Verzückung. «Die Düsterkeit des Weltuntergangs trifft auf die Offenbarung, die Erlösung, Science-Fiction auf Tradition», so der 36-jährige Fotograf. «Daher habe ich die Bilder so bearbeitet, dass sie wie gemalt wirken. Die Models habe ich so gewählt, dass einer das Futuristische verkörpert und der andere das Altertümliche, das Beständige. Mit dem Licht und dem dezenten Hintergrund fällt der Gegensatz zwischen den verschiedenen Kleidern aber auch den Models viel mehr auf. Das Gute und das Böse gehen so Hand in Hand.» danielbolligerstudio.com

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«Ich versuche, mich selbst immer wieder mit neuen visuellen Ideen zu übertreffen. Dabei habe ich den Anspruch, dass die Bilder einen hohen avantgardistischen Stil haben. Ich liebe es, wenn Bilder oder Stimmungen entstehen, die ich zuvor nicht kannte.»

photography

Daniel Bolliger «samo» fashion

Sasa Kovacevic «SADAK» make-up

Annette Kamont models

Max Vogel Dario Tozzi (Tattoed Boy) styling

Laura Lazura textildesign

Nadine Hensel

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DEIN INTERAKTIVER TV SENDER

NOIZ MIT GÜLSHA UND JULIAN JEDEN TAG AUF JOIZ UM 17:00

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«Der Sport gibt mir so viel zurück» Im Training mit Nicola Müller

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health nut � sweat-soaked text � valérie ziegler // bild � tobias merz

Mit seinen 34 Jahren gehört der Speerwerfer Nicola Müller bereits zum alten Eisen. Während sich sein grösster Konkurrent Stefan Müller (32) 2011 vom Spitzensport zurückgezogen hat, möchte es der Basler nochmals wissen: Auch diese Saison will er ganz klar die Schweizer Nummer eins bleiben. getAlife besuchte den aufgestellten Athleten im Training.

Schweiz und könnte mir gut vorstellen, nach so einem Höhepunkt zurückzutreten. Natürlich müsste aber auch die Leistung in London stimmen. Dabeisein ist nicht alles. Doch egal was kommt: Für mich ist klar, dass meine Gesundheit immer Vorrang hat. Auch die Freude am Sport ist sehr wichtig – wenn diese weg ist, höre ich auf.

getAlife: Was hast du heute im Training gemacht, woran arbeitest du zurzeit?

getAlife: Inwiefern hat sich das Speerwerfen in den letzten Jahren verändert?

Nicola Müller: Zuerst habe ich an meiner Wurftechnik gearbeitet, bevor ich im Kraftraum neue Reize gesetzt habe. Es geht nun darum, den im Winter stattgefundenen Kraftaufbau in Schnellkraft umzusetzen, indem ich dem Körper «sage», dass er schneller werden muss. Zum Schluss laufe ich jeweils noch viermal 60 oder viermal 40 Meter. Auslaufen und Ausdehnen gehören zu jedem Training – auch wenn ich Letzteres jetzt noch nicht gemacht habe (lacht).

Nicola Müller: Das Niveau ist enorm angestiegen. Vor vier Jahren lag die Qualifikationsdistanz für die Olympischen Spiele noch bei 77.5 Metern, heute bei 79.5 Metern. Das gleiche gilt beispielsweise für internationale Wettkämpfe wie die diesjährigen Europameisterschaften. Die Athleten werden immer besser, was sicher auch an den fortgeschrittenen Eigenschaften des Speers liegt. Heute ist der athletische Typ gefragt, während früher eher die «Fetzen» Erfolg hatten.

Heute ist es nicht so gut gelaufen. Mein Kopf war nicht bei der Sache, ich hatte keine Lust – das gibt’s halt manchmal. Hinzu kommt, dass ich mir vor kurzem die Rippe verletzt habe und deshalb ein bisschen gehemmt bin, aus Angst, die Verletzung ewig mitzuziehen.

getAlife: An Wettkämpfen wird dem Sprint oder dem Weitsprung meist mehr Aufmerksamkeit geschenkt als dem Speerwerfen. Woran liegt das? Tangiert dich diese Tatsache während des Wettkampfs?

getAlife: Deine letzte Saison verlief bekanntlich nicht nach Plan … Nicola Müller: Ja, ich habe eine schlechte Saison hinter mir, in der ich keine Fortschritte erzielen konnte. Dies war unter anderem auch der Grund dafür, wieso ich mich dazu entschieden habe, mein gesamtes sportliches Umfeld zu ändern. Ich habe neue Trainer ins Boot geholt und mir selbst neue Ziele gesetzt. Die neu gesammelten Inputs und die neue Denkensweise tun mir sehr gut. getAlife: In ein paar Wochen ist es bereits soweit: Die Olympischen Spiele 2012 stehen vor der Tür. Wie stehen deine Chancen? Wann wird entschieden, ob du nach London fliegst? Nicola Müller: Auch wenn ich gut in die Saison gestartet bin, wird es eng mit Olympia. Für eine Qualifikation müsste mir ein Glückswurf rausrutschen. Die Mindestlänge liegt bei 79.5 Metern – ich werfe momentan knapp über 70 Meter. Neun Meter wirken unrealistisch, aber man weiss ja nie. Ich lasse mir ein kleines Türchen offen. Am 8. Juli weiss ich definitiv Bescheid. Mein wesentliches Ziel ist es jedoch, am 6. und 7. Juli in Bern Schweizermeister zu werden, und circa 75 Meter werfen zu können. getAlife: Was würde es dir bedeuten, an den Olympischen Spielen zu starten? Nicola Müller: Eine Qualifikation wäre natürlich das Grösste! Ich gehöre mit 34 Jahren bereits zu den ältesten Athleten in der

Nicola Müller: Das ist richtig: Die Leute wollen wissen, wer der Schnellste ist. Auch wenn immer mehr Leute an regionale Wettkämpfe kommen und ich häufig positives Feedback von Zuschauern erhalte: An den Schweizermeisterschaften hat es meist eher wenig Publikum. Die Schweiz ist ein fussballlastiges Land. Die Leute interessieren sich höchstens für internationale Leichtathletikanlässe. Ich bin ein Typ, der die Unterstützung von aussen zwar extrem braucht, während des Wettkampfs selbst bin ich jedoch dermassen im Flow, dass ich praktisch nichts mehr mitkriege. getAlife: Wie bereitest du dich auf einen Wettkampf vor? Nicola Müller: Unmittelbar davor lockere ich mich auf und gehe den Ablauf des Wettkampfs mental durch. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, dieses Jahr ruhiger an die Wettkämpfe zu gehen. Wenn ich locker bin, fliegt der Speer einfacher. Hierfür arbeite ich einmal in der Woche mit einer Mentaltrainerin zusammen. Wir besprechen die Abläufe, um sie einzuspeichern und dann auf dem Platz locker abrufen zu können. Auch heute noch bin ich nervös vor den Wettkämpfen, ich habe richtige Bauchschmerzen. Das ist aber völlig okay – ich brauche diesen Kick! getAlife: Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus? Nicola Müller: Ich stehe um 05:45 Uhr auf, gönne mir ein leichtes Frühstück und verlasse das Haus um 06:25 Uhr – entweder

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«Früher wollte man ‹Fetzen›, heute Athleten.» auf dem Velo oder im Auto. Ich arbeite meist bis 16:00 Uhr. Die Mittagspause verbringe ich in der Kantine. Wenn es Cordon Bleu gibt, schlage ich zu – inklusive Pommes und Ketchup. Grundsätzlich achte ich sehr auf eine gesunde Ernährung – ich habe einfach mehr Power, wenn ich das Richtige esse. Ich arbeite als Maschinenmechaniker in der Produktentwicklung der Firma Vitra. Am Dienstag arbeite ich jeweils nur am Morgen, damit ich am Nachmittag mehr Zeit für das Training habe. Zur Erholung gehe ich gerne ins Dampfbad oder mache Pilates – auch wenn Pilates ja nicht wirklich Erholung ist (lacht). Am Abend habe ich von 18:00 bis 20:00 Uhr Training. Danach gehe ich nach Hause, esse ein Müsli und trinke einen Proteinshake. Zwischen 22:00 und 22:30 Uhr liege ich bereits im Bett. Ich brauche extrem viel Schlaf. Am Freitag und Sonntag finden keine Trainings statt, was bedeutet, dass ich mich erholen und Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen kann. getAlife: Zuerst Livorno-Profi Morosini, dann Schwimmweltmeister Dale Oen: Immer wieder sterben junge Spitzensportler an einem Herzstillstand. Woran liegt das? Glaubst du, dass Doping im Spiel sein könnte? Nicola Müller: Das habe ich mir schon oft überlegt. Auch wenn man vergleichsweise wenig darüber liest, ist Doping auch für viele Fussballer ein grosses Thema. Die Fussballer stehen, wie andere Spitzensportler auch, immer unter enormem Druck. Ihr Kontostand sieht zwar toll aus, der Körper leidet jedoch oft. Bei Verletzungen spritzen sie sich einfach fit – das kann ja nicht gesund sein. Im Spitzensport geht es um Grenzerfahrungen, immer auch verbunden mit einem Risiko – erst recht wenn zusätzlich noch Drogen oder Doping im Spiel sind. Eigentlich ist es doch nicht normal, dass Velofahrer mehrere hundert Kilometer an einem Tag zurücklegen, sie sind doch auch nur Menschen! Und doch wird alles und jeder immer schneller, der Druck von aussen immer grösser.

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getAlife: Du bist nun 34. – Andere Männer in deinem Alter sind bereits Vater oder planen eine Familie. Inwiefern verlief dein Leben anders? Gab es Dinge, die du beispielsweise während deiner Pubertät vermisst hast? Nicola Müller: Ich vermisse nichts, und habe nie was vermisst, nein! Der Sport gibt mir so viel zurück. Natürlich dachte ich manchmal, dass es schön wäre, jetzt eine Freundin zu haben. Nun habe ich eine – ich hoffe, dass es die Letzte sein wird (lacht). Klar, manchmal packte mich etwas Wehmut, als meine damals 18- bis 25-jährigen Kollegen Jubel und Trubel erlebten, während ich gerade im Trainingslager war. Dafür geniesse ich meine Ferien umso mehr. Ich hatte immer genügend Zeit und Raum, meinen Bedürfnissen Platz zu lassen. Ich besuche FCB-Matches, gehe Sushi essen oder irgendwo ein Bierchen trinken. Ich habe absolut keinen Nachholbedarf! getAlife: Wie bist du zu dieser «exotischen» Sportart gekommen? Nicola Müller: Im Alter von sechseinhalb Jahren habe ich mit dem Leichtathletiktraining begonnen, wo ich vor allem beim Ballwerfen herausstach. Irgendwann habe ich einen Speer in die Hand genommen. Er flog kreuz und quer durch die Luft. Ich sagte mir, dass ich das nie wieder tun werde. Beim zweiten Versuch verlief es jedoch besser (lacht). 1992 habe ich mich zum ersten Wettkampf angemeldet, wo ich mich direkt für die Schweizermeisterschaften qualifizieren konnte. So bin ich irgendwie in den Bann des Speers geraten. getAlife: Was ist dein Ziel für diese Saison? Nicola Müller: Ich träume davon, einen Exploit zu vollbringen. Ich will nochmals allen zeigen, dass ich, trotz Alter und Umstellung im letzten Jahr, noch was drauf habe. Mein grösster Wunsch ist es jedoch, gesund zu bleiben und die Freude am Sport nicht zu verlieren.

nicola-mueller.ch


health nut � das «zu» knappe höschen

Das «zu» knappe Höschen text � angelo gallina

Letzten Sommer war ich zu Gast bei einem Sportanlass, der sich mitten in der Stadt auf Sand abspielte. Ich durfte auf die leere Tribüne für besondere Menschen, obwohl ich selbst nichts Besonderes an mir festzustellen vermag. Ich setzte mich zu einem Kollegen, der allein in der dritten Reihe sass und begann, an meinem Gratis-Schokoriegel, welchen ich zuvor von lässig lachenden Empfangsdamen aufgezwungen bekommen hatte, zu knabbern. Das Spiel verlief einseitig: Die Schweizerinnen verloren Satz um Satz gegen eine unbekannte brasilianische Auswahl. Besonders auffällig waren die Zeichen, welche meistens in gebückter Position, auf der Höhe der Unterrückenpartie, direkt über dem immer kleiner werdenden Höschen, übermittelt wurden. Mein fachkundiger Sitznachbar meinte, dies sei ein Kommunikationsschlüssel, der der Partnerin mitteile, wohin diese aufspielen solle und sie danach hinzulaufen habe. Leider reichte meine Zahlenkombinatorik nicht aus, um zu verstehen, welche Fingerkombination für was stand. Ein Finger, drei Finger, einer gekrümmt et cetera. Vielmehr blieb mein Blick auf dem Höschen hängen – auch wenn nicht unbedingt gewollt, man musste einfach hinschauen! Er ist nämlich nicht nur eng, sondern auch extrem knapp geschnitten, was schliesslich dazu führt, dass jede, wirklich jede Kontur in der Intimzone zur Geltung kommt. – Der Blick auf die «Zeichenregion» war mir irgendwie unangenehm. Beim Abendessen fragte ich eine Freundin, selbst ehemalige Volleyballerin, wie das so sei mit dem Höschen und ob sich alle Spielerinnen freiwillig dieser Optik stellten oder ob es auch Verweigerinnen gäbe. Ob Frauen aus Ländern, wo man aus gesellschaftlichen Gründen nicht in Badehose auf dem Marktplatz auftauchen darf, zum Olympischen Beachvolleyball zugelassen seien. Es folgte ein Kopfschütteln, gepaart mit einem schrägen Blick und ungenauen Antworten – als ob ich etwas total Unmoralisches gefragt hätte. Ich solle doch gefälligst woanders hinschauen, am Strand hätten ja auch alle knappe Badehöschen an, und sie kenne niemanden, der sich daran störe, ausser mir. Ich verstummte. Das Thema war vom Tisch. Doch ganz freiwillig ist diese Bekleidung offensichtlich nicht. Laut den Bekleidungsvorschriften des internationalen Volleyballverbands dürfen Frauen beim Beachvolleyball zwar zwischen Ein- oder Zweiteilern wählen, ein Schlabberlook ist jedoch verboten. Stoff für die Beine ist nicht nur untersagt, der Stoffrest muss darüber hinaus an der Hüfte in «ansteigendem Winkel» geschnitten sein. In Zentimetern gesprochen, darf der Bund der Hose nicht breiter als sieben Zentimeter sein. Beim Boxen haben sich die Entscheidungsträger betreffend der Frage nach kleineren Höschen noch nicht durchsetzen können. Die Damen dürfen nach wie vor wählen, ob sie im klei-

nen Rock oder in der Boxerhose in den Ring steigen wollen. Den Olympiaopas wäre es lieber, sie würden mehr Körper zu sehen bekommen, um damit die Zuschauer länger vor den Fernseher zu fesseln, was wiederum mehr Werbegelder erwirtschaften würde. Sie klagen zudem, dass momentan kein Unterschied zum Herrenboxen ersichtlich sei (was ja eigentlich ein Kompliment an die noch junge Damensportart darstellt, welche 5’000 Jahre Vorsprung der Männer in wenigen Jahren wettgemacht hat). Gewisse Herren kennen keine Scheu: Beim Wiegen vor dem Kampf spielen sich oft unschöne Szenen ab. Bei internationalen Meisterschaften des Frauenboxens sind nur Frauen zugelassen. Geht es aber um andere Boxveranstaltungen, besammeln sich plötzlich überdurchschnittlich viele Herren – selbstverständlich alle aus einem wichtigen Grund – um die Waage, um sich einen Anblick von Damen in Unterwäsche zu ergaunern. Die meisten von ihnen sind in der Regel doppelt so alt wie die Athletinnen. Ich verbiete meinen Damen, in Unterhosen oder halbnackt auf die Waage zu stehen – und hatte deswegen auch schon unfeine Auseinandersetzungen. So dürfen sie mit Wettkampfhose und T-Shirt auf die Waage und erhalten 200 Gramm Gewichtsabzug. Bei der letzten Veranstaltung kam das bei allen auf Anhieb gut. Mit einer Ausnahme: einer Boxtrainerin … Mittlerweile scheint sich auch der Widerstand bei den Volleyballspielerinnen gegen die Bekleidungsvorschriften gelegt zu haben. Waren in den ersten Jahren noch ablehnende Statements gegen die knappen Dresses zu hören, gilt Beachvolleyball heute als die – wortwörtlich – attraktivste Sportart an den Olympischen Spielen. Heutzutage beschwert man sich eher wegen Platzmangel für Sponsoren. – Soweit sind wir beim Boxen leider noch nicht. Hier muss erstmal ein Frauenboxförderer gefunden werden. Ob es wohl an der Hose liegt? Meine Volleyballfreundin meldet sich unterdessen nicht mehr bei mir. Siebefindet sich zurzeit auf einer Asienreise – wohl eher nicht im kurzen Höschen.

Angelo Gallina ist Trainer des Boxclub Basel, Nationaltrainer der Schweizer Boxerinnen und in Basel eine bekannte Persönlichkeit.

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health nut � umgang mit niederlagen

«Ich spürte, dass es vorbei Vom Schicksal getroffen – war» Arthrose mit 23

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health nut � umgang mit niederlagen text � valérie ziegler // bild � ellin anderegg

Vor zwei Jahren träumte Sebastian Kollár noch von der Bundesliga. Heute hofft der 25-Jährige, wieder schmerzfrei Sport treiben zu können. Die Ärzte haben den Glauben aufgegeben – Sebastian kämpft weiter. Wer ihn sieht und nicht kennt, würde wohl kaum ahnen, dass er mal ein erfolgreicher Schweizer Fussballer war. Sein Baseldeutsch ist absolut rein, seine Aussagen klar und deutlich, seine Frisur sitzt auch ohne Gel ganz gut, und doch: Die Louis VuittonTasche könnte ihn verraten. Ich treffe Sebastian Kollár nach seinem Krafttraining im Starbucks. In seiner rechten Hand hält er einen Proteinshake. Typisch Sportler halt. Ein typischer Tag für einen Profifussballer, könnte man meinen. Und doch ist heute alles anders. Vor zwei Jahren jettete der Mittelfeldspieler mit dem FC St. Gallen, dem FC Zürich und der U-21 Nationalmannschaft noch um die ganze Welt: Reisen nach Moskau, Dubai, Katar, Bosnien, der Schweizermeistertitel mit dem FC Zürich 2007, sein Goal im UEFA Cup gegen Empoli und das zuhause gegen den FC Basel 2007 zählen zu seinen persönlichen Highlights. Sebastian Kollár ist talentiert, ehrgeizig, erfolgreich. Von klein auf stand er auf dem Fussballplatz. Viele seiner Kollegen spielen heute in der Bundesliga. Ambitionen, die auch Sebastian verfolgte, durchaus zu Recht. Es begann im Mai 2009 mit Schmerzen im rechten Knie. Sehnenentzündung, Knorpelverletzung – verschiedene Diagnosen, verschiedene Operationen. Besser wurde praktisch nichts. «Auch nach zwei Operationen nahmen die Schmerzen in meinem rechten Bein nicht ab. Ich spürte, dass etwas nicht stimmte.» Im Alter von gerade mal 23 Jahren erhielt der junge Sportler, dessen Eltern ursprünglich aus Budapest stammen, die sein Leben radikal verändernde Diagnose: Arthrose. Geduld haben und Schmerzen vergessen Damals wieder unter Vertrag beim FC Zürich verbrachte der in Binningen wohnhafte Fussballer im Jahr 2010 mehr Zeit bei Ärzten als auf dem Rasen: «Ich konnte weder schmerzlos sprinten, noch sonstige explosive Bewegungen ausführen.» Das Rätselraten nahm seinen Anfang: Zuerst gingen die Ärzte davon aus, dass es sich um eine harmlose Entzündung handelte, die nach zwei Wochen auskuriert sein würde. Das Warten begann. Besser wurde es nicht. Aus zwei Wochen wurden drei Monate. Die erste Operation stand bevor: «Mir wurde gesagt, dass es mit der Sehne zu tun hätte und ich sicherlich drei Monate aussetzen müsse. Ich ging relativ locker mit dieser Diagnose um. Mit zwölf Wochen konnte ich leben. Vor allem wusste ich ja, dass ich wieder Fussball spielen würde. Zumindest ging ich davon aus.» Doch dann kam der erste Schlag: «Nach der OP kam der Arzt zu mir und teilte mir mit, dass ich erst in sechs Monaten wieder aufs Feld könne.» Aus drei Monaten wurden also plötzlich

sechs. Sechs Monate Warterei, sechs Monate Hoffen, sechs Monate ohne Training, sechs Monate unter Druck: «Die Leute aus meinem Verein fragten natürlich nach – wie es ginge, was ich machte. Wer antwortet da schon gerne, dass er momentan absolut gar nichts tut? Dazu kam, dass ich selbst auch wollte, dass es vorwärts ging. Zu dieser Zeit war ich ziemlich unten durch.» Sechs Monate in Ungewissheit: Was fehlte dem Athleten, wieso konnte er nicht mal mehr schmerzfrei Treppen steigen? «Nach diesem halben Jahr war ich dreimal im Training bei Murat Yakin in Thun – meinem damals voraussichtlich zukünftigen Verein. Noch immer hatte ich Schmerzen. Mein Knie schwoll nach dem Training jeweils extrem an.» Wasserablagerung. Weiter nicht tragisch, das Wasser lässt sich ganz einfach absaugen. «Das sei normal, ich solle die Schmerzen einfach vergessen und Geduld haben, rieten mir die Ärzte erneut. So trainierte ich halt im Kraftraum ein bisschen vor mich hin.» Während bisher die Hoffnung das Warten erleichtert hatte, sank diese nun immer tiefer. Mit Thun hatte man sich in der Zwischenzeit geeinigt, dass eine Zusammenarbeit für beide Seiten keinen Sinn machte: «Ich hätte mich unter Druck gesetzt gefühlt. Gleichzeitig hätte der Verein nicht von meiner Leistung profitieren können.» Erneut besuchte der junge Athlet seinen operierenden Arzt. Noch immer konnte dieser nichts Konkretes finden. Die Wasserablagerungen stimmten ihn jedoch skeptisch. Eine arthroskopische Untersuchung stand bevor. Fazit: Der Knorpel war beschädigt. Er wurde abgeschliffen und die kaputten, abgesplitterten Teile wurden entfernt. Und da waren sie wieder, die Worte: Jetzt ist alles gut, nur Geduld! «Die Ärzte gingen davon aus, dass die Verletzung durch einen Schlag verursacht wurde, dass die Operation helfen würde.» Die Schmerzen hielten jedoch an. Vor allem beim Treppensteigen: «Ich war gerade mal 23 Jahre alt!» Vermehrt suchte Sebastian Gespräche mit seinem vertrauten Arzt in Basel: «Er machte mir Hoffnung, ich solle Geduld haben. Es sei noch nicht viel Zeit vergangen seit der letzten OP. Ich spürte jedoch, dass es nicht besser wurde.» Im Sommer 2010 lief dann auch der Vertrag mit dem FC Zürich aus. Nach seiner Ausleihe beim FC St. Gallen war Sebastian Kollár erneut beim FC Zürich unter Vertrag. Zum Spielen kam er in dieser Zeit jedoch nicht mehr. «Zwischenzeitlich habe ich mich für ein Wirtschaftsstudium an der Uni Basel eingeschrieben. Ich spürte irgendwie, dass es vorbei war.» Die Ärzte sahen auch keine Möglichkeit mehr, mit einem anderen operativen Eingriff noch etwas zu verbessern. «Ich wollte nur noch Abstand gewinnen. Ich habe jeden Tag trainiert, war lange voller Hoffnung, habe mich pausenlos mit meinem Knie auseinandergesetzt. Wenn man dann merkt, dass sich nichts bessern wird ...» – der 25-Jährige verstummt.

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health nut � umgang mit niederlagen

Wenn die Hoffnung stirbt Über ein Jahr lang hoffte Sebastian Kollár. Vergebens. Ob er wütend sei auf die Ärzte? «Das ist schwierig zu sagen. Ich habe mir immer gesagt: Was wissen die Ärzte besser als ich? Sie sehen bloss die Bilder, meinen Körper spüren können sie nicht. Sie wissen, wie ein Körper funktionieren sollte. Jedoch ist nicht jeder Körper gleich. Ich brauchte neue Perspektiven, ein neues Ziel. Das Studium hat mir in dieser Hinsicht sehr geholfen.» Dank dieser Übergangszeit voller Warterei und Hoffnung konnte er verhindern, von einem Tag auf den nächsten in ein tiefes Loch zu fallen. Nach der ersten OP begann der in Basel Geborene mit einem Mentalcoach zu arbeiten. «Ich habe viel über Mentaltraining gelesen, was mir sehr geholfen hat. Seit ich nicht mehr auf dem Platz stehen kann und nur noch Krafttraining ausführe, hatte ich viel Zeit, mir Gedanken zu machen. Ich wusste immer, dass ich wieder studieren möchte. Mir war auch klar, dass es Wirtschaft sein wird. Die Frage war bloss: Mache ich es jetzt schon oder warte ich noch?» Im April 2010 hat sich der 25-Jährige dann an der Universität Basel angemeldet. Eindeutig die richtige Entscheidung. In der Zwischenzeit hat er nämlich erfahren, dass er nie wieder Fussball spielen könne. «Meine Freunde hier in Basel und meine Familie haben mir sehr viel Kraft geschenkt. Vorher hatte ich wenig Zeit für sie, ich war in St. Gallen oder Zürich. Glücklicherweise habe ich den Kontakt zu meinen engsten Freunden nie verloren, sodass ich mich ganz schnell wieder integrieren konnte. Es tut gut, wieder in Basel bei meiner Familie und meinen Freunden zu sein.»

wollte, war, im Alltag wieder schmerzfrei zu sein – das war mir das Wichtigste.» Sebastian merkte jedoch schnell, dass er sich besser fühlte, wenn er regelmässig Sport trieb. Er begann, wieder Velo zu fahren, geht nun fast jeden Tag in den Kraftraum. Ist die Muskulatur im Knie zu schwach, schwillt dieses an: «Dies passierte kürzlich sogar im Ausgang. Und das, obwohl es ja jetzt besser sein sollte.» Deshalb trainiert Sebastian jetzt vermehrt und gezielt seine Beine und hofft, dass sich seine Geduld dieses Mal auszahlt. Neue Ziele, neue Perspektiven Sebastian ist noch immer mit seinem Proteinshake beschäftigt. Er wirkt nachdenklich, vielleicht auch etwas wehmütig: «Ich denke immer wieder an Fussball, jedoch ist mir bewusst, dass es eine unrealistische Vorstellung ist, je wieder Fussball spielen zu können.» Er wolle die Situation jetzt auch nicht ausreizen und riskieren, irgendwann ein völlig kaputtes Knie zu haben. «Mein jetziges Ziel ist es, dass ich irgendwann mal wieder schmerzfrei Sport treiben darf, sei es nur schon, indem ich im Sommer mit Freunden Beachvolleyball spielen kann.» Lange hätte er sich überhaupt nicht mehr mit Fussball auseinandersetzen können. Schon nur ein Spiel zu sehen, schmerzte. Heute verfolge er das Fussballgeschehen wieder etwas bewusster, jedoch viel lieber live im Stadion: «Ich renne nicht nach Hause, um ein Match am TV zu sehen.»

Die Gedanken ans Knie waren jedoch nicht einfach verflogen. Die Diagnose, nie wieder Fussball spielen zu können, war eine Sache. «Die Tatsache, dass ich auch im Alltag nicht schmerzfrei war, liess mich nicht einfach kalt.» Eine weitere MRI-Untersuchung zeigte erstmals deutlich, was Sache war: Arthrose. Nie mehr Sport! «Mein Arzt konnte mir nicht direkt ins Gesicht sagen, dass ich nie mehr Sport treiben könne. Es war jedoch deutlich rauszuhören. Das war ein harter Schlag für mich. Nicht nur mit dem Fussball war es vorbei, sondern mit Sport allgemein.»

Was er vermisse? «Ich hatte eine sehr gute Zeit, erlebte viele Momente, die mir niemand nehmen kann.» Natürlich sei das Leben als Fussballer durchaus sorgloser – eine Louis Vuitton bringt den Kontostand noch lange nicht ins Schwanken. «Im ersten Moment scheint dies vielleicht positiv, langfristig gesehen, macht es jedoch nicht glücklicher, wenn man sich alles leisten kann.» Einigen würden das viele Geld und der Erfolg schaden: «Vielen meiner Kollegen wurde zu Hause nicht vorgelebt, wie man mit Geld und Erfolg umzugehen hat. Sie entgleiten der Realität, heben ab. Die Fussballwelt ist eine Machowelt, in der du cool bist, wenn du das Neuste und Beste hast.»

Die Ärzte in der Schweiz waren mit ihrem Latein am Ende. Ein Bekannter hat ihn nach Wien geschickt. Zu einem Spezialisten, der bereits mehrere verletzte Athleten wieder zum Spitzensport zurück brachte. Und da war sie wieder: die Hoffnung. «Er konnte mir das Problem einleuchtend erklären und versicherte mir, dass er dieses mit einer OP beheben könne.» Nach Gesprächen mit seinem Arzt zu Hause entschloss sich Sebastian zum operativen Eingriff – kaputt machen könne er nichts. «Diese Operation war quasi meine letzte Chance.» Im Februar 2011 fand sie dann statt. Er könne danach sofort wieder Spitzensport betreiben, am besten solle er gleich wieder anfangen, die Muskeln aufzubauen und joggen zu gehen, versuchte der österreichische Mediziner ihn zu ermutigen. «Zu dieser Zeit war ich jedoch bereits sehr in mein Studium vertieft. Ehrlich gesagt fehlte mir langsam auch die Motivation, wieder Spitzensport zu betreiben. Alles, was ich

Umso wichtiger war es Sebastian Kollár stets, den Kontakt zu seinen engen Freunden in Basel aufrecht zu erhalten: «Freundschaften sind viel wertvoller als irgendwelche Autos oder Accessoires.» Andere Fussballer wären in seiner Situation nicht nur alleine, sondern hätten auch keine Perspektiven, da ihnen beispielsweise eine schulische Ausbildung fehlt. «Ich habe Spass an meinem Studium, bin froh, dass ich bisher gute Ergebnisse erzielen konnte. Eine solche Bestätigung tut mir gut, sie zeigt mir, dass es sich gelohnt hat – dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.» Sein Studium wolle er möglichst schnell und erfolgreich absolvieren. Die Konsequenz: Sebastian verabschiedet sich nach dem Mittag. Anstatt ins Fussballtraining geht es mit dem Fahrrad an die Uni. Intensivkurs – und das in den Semesterferien. Heute ist zwar alles anders und doch: Seinen Ehrgeiz hat Sebastian Kollár nicht verloren.

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health nut � sicherheit auf den strassen

Rollerfahren ist cool – Verletzungen nicht Modisch und sicher auf den Strassen unterwegs

Er zeigt, wie es geht: Markus Eigenmann, Fachberater Prävention der Stadtpolizei Zürich.

Warum soll ich mich auf dem Roller schützen? Ein Roller ist ein vollwertiges Motorrad. Dementsprechend sind auch die Verletzungen nach einem Unfall oft gravierend. Eine angemessene Kleidung kann schlimmen Folgen vorbeugen. Weshalb verzichten viele Rollerfahrende nach wie vor auf Schutzbekleidung? Sie sehen das Gefahrenpotential nicht. Vielfach ist ihnen auch nicht bewusst, dass sich funktionale Kleidung kaum mehr von Freizeitmode unterscheidet. text � gabriel diezi // bild � stadtpolizei zürich

Die warmen Sommertage machen Lust auf Ausflüge. Zeit, das verstaubte Motorrad oder den Roller aus der Garage zu holen! Doch auf der Strasse lauert auch Gefahr. Wer sich im Strassenverkehr jedoch angemessen kleidet, erleidet selten schwere Verletzungen. Kompakt, flink und für sportliches Fahren konzipiert – ein Roller begeistert. Oft vergessen Lenkerinnen und Lenker der «Lifestyle-Flitzer» jedoch, dass ein Roller kein Spielzeug, sondern ein vollwertiges Motorrad ist. Auch Rollerfahrer sind schnell unterwegs: Schwere Verletzungen bei vermeintlichen Bagatellunfällen sind leider häufig. «Ungenügende oder gar fehlende Schutzbekleidung ist einer der Hauptgründe dafür», weiss Markus Eigenmann von der Stadtpolizei Zürich. Wer gerade im Sommer luftig bekleidet Roller fährt, riskiert zu viel. T-Shirt, Shorts und Flipflops haben auf einem Roller nichts zu suchen. Lenkende sollten sich im eigenen Interesse konsequent mit Rollerbekleidung schützen, sei es auf dem Weg zur Arbeit oder unterwegs in die Badi. Sich mit Köpfchen kleiden Doch was ist unter einer angemessenen Bekleidung zu verstehen? Neben dem obligatorischen Helm gehören je eine abriebfeste Jacke und Hose mit eingenähten Protektoren, ein mindestens knöchelhohes Schuhwerk sowie Handschuhe dazu – damit auch ja alle exponierten Körperteile wie Schultern, Ellbogen und Knie geschützt sind. Atmungsaktive Materialien garantieren hohen Tragekomfort.

Attraktive Verlosung für getAlife-Leser Gewinne je eine moderne Damen- oder Herrenjacke von iXS im Wert von CHF 249 und CHF 259. Das Damenmodell «Cecilia» ist körperbetont geschnitten. Aber auch «Chris», das Pendant für Herren, überzeugt mit sportlichem Look. Sicherheit auf dem Roller bieten beide. Mach mit und sende uns bis am 1. September 2012 ein E-Mail mit Name, Adresse und Kleidergrösse an info@lifemedien.ch. Teilnahmebedingungen: Teilnahmeschluss ist der 1. September 2012. Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 18 Jahren. Davon ausgenommen sind Mitarbeitende der Stadtpolizei Zürich und der Hostettler AG in Sursee sowie deren Angehörige. Die Gewinner werden direkt benachrichtigt und publiziert. Ansonsten wird keine Korrespondenz geführt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung der Preise ist nicht möglich. Die persönlichen Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

Trendige Rollerbekleidung von iXS gibt es auch im Wettbewerb der aktuellen Kampagne der Stadtpolizei Zürich zu gewinnen. Zusätzlich lockt sogar ein nagelneuer Yamaha-Roller. stadtpolizei.ch/praevention

Gabriel Diezi ist PR-Redaktor bei der Karl F. Schneider AG.

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«Der

Bessere » gewinnt text � nicolas ottenheimer

getAlife hat Dr. René Fasel, Präsident des internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) getroffen, um mit ihm unter anderem über die Geschichte der Olympischen Spiele und die kulturelle Bedeutung der Austragung der kommenden Sommerspiele in London zu sprechen. getAlife: Herr Fasel, 1992 wurden Sie erstmals in das Nationale Olympische Komitee der Schweiz gewählt. Wie haben Sie den Start Ihrer olympischen Amtskarriere erlebt? René Fasel: Ja, das ist richtig: 1992 wurde ich als Präsident des Schweizerischen Eishockeyverbandes dem Nationalen Olympischen Komitee vorgeschlagen und als Mitglied aufgenommen. Nachdem ich 1994 in Venedig zum Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes ernannt wurde, wurde ich dank Juan Antonio Samaranch, dem damaligen IOK-Präsidenten, als Repräsentant der Olympischen Winterspiele in das Olympische Komitee aufgenommen. Es war eine grosse Ehre für mich, zumal mich die Olympischen Winter- und Sommerspiele schon in meiner Jugend faszinierten. Ich erinnere mich an die Olympischen Spiele in Rom 1960, die ich erstmals live mitverfolgen konnte: Mein Vater war sehr sportinteressiert, was die perfekte Gelegenheit bot, einen SchwarzWeiss-Fernseher zu mieten. Früher waren Live-Übertragungen am Fernseher noch ein Privileg.

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getAlife: Die Olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona waren Ihre ersten Spiele als Funktionär des Internationalen Olympischen Komitees. Was ist Ihnen von diesen Spielen geblieben? René Fasel: Erstaunlicherweise war ich gar nicht in Barcelona. Zum ersten Mal an Olympischen Spielen war ich 1988 in Calgary, als Präsident des Schweizerischen und Mitglied des Internationalen Eishockeyverbandes. Danach folgten Albertville 1992 und Lillehammer 1994. Meine ersten Sommerspiele, an denen ich als Funktionär des IOK anwesend war, waren in Atlanta 1996. getAlife: Sie haben aber lange in Barcelona gelebt und kennen die Stadt sehr gut. Kaum eine andere Gastgeberstadt hat so sehr von der Ausrichtung profitiert wie Barcelona. René Fasel: Ich bin mit meiner Familie 1997 nach Barcelona gezogen. Wir sind vor allem durch Gespräche mit den Katalanen auf die Veränderungen des Stadtbildes und des Tourismus seit der Ausrichtung der Spiele aufmerksam gemacht worden. Insbesondere die Umstrukturierung des Stadtteils am Meer – von einem mit Industriebetrieben und Lagerhallen zugebauten Gebiet zu einer attraktiven Wohngegend mit dem beliebten Stadtstrand – war ausschlaggebend für den kulturellen Aufwind der Stadt. In dieser Hinsicht hat Barcelona bis heute nachhaltig profitieren können.


health nut � olympia

getAlife: In Barcelona fanden zum ersten Mal boykottfreie Sommerspiele statt ...

getAlife: Hat die Wirtschaftskrise Auswirkungen auf die Vorbereitung der Spiele?

René Fasel: Das stimmt. Vier Jahre zuvor entsandten sieben Nationen keine Athleten nach Seoul. Trotzdem galten die Spiele in Südkorea nach Moskau 1980 und Los Angeles 1984 als das Ende der grossen «Boykottspiele». 1992 verliefen die Olympischen Spiele jedoch erstmals komplett boykottfrei, was bedeutet, dass zum ersten Mal seit 20 Jahren Sportler aller Nationen vertreten waren, die ein Nationales Olympisches Komitee hatten. Darunter auch Südafrika, das seit dem Ausschluss aufgrund der Apartheid erstmals seit 1960 wieder dabei war.

René Fasel: Oh ja, diese Problematik war schon während Vancouver 2008 sehr aktuell. Auch in London gab es kleinere Probleme. Aber London hält sich an sein Budget und wird diese Spiele ohne finanziellen Engpass durchführen können. Die Londoner haben gut auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagiert und machen das wirklich vorbildlich. Die Vorzeichen für London 2012 sind sehr gut.

getAlife: 1992 gewann die Schweiz eine einzige Medaille. Können Sie sich an den Sieger erinnern?

René Fasel: London ist eine Metropole, trotzdem möchte die Organisatoren um Sebastian Coe die Sicherheit im Hintergrund walten lassen. Zudem ist die englische Polizei eine der besten der Welt. Es wird das Maximum unternommen, um die Besucher und Sportler zu schützen – hundertprozentige Sicherheit kann jedoch bei keinem Event der Welt gewährleistet werden.

René Fasel: (schmunzelt) Marc Rosset gewann die Goldmedaille im Tennis. getAlife: Kommen wir nun zu den aktuellen Spielen. Welche Veränderungen erwarten uns dieses Jahr in London im Vergleich zu Peking? René Fasel: In London werden nur noch 26 statt 28 Spiele durchgeführt. Softball und Baseball wurden aus dem olympischen Programm gestrichen. 2016 werden diese durch Golf und 7er-Rugby ersetzt. getAlife: Nach 1908 und 1948 finden die Olympischen Sommerspiele bereits zum dritten Mal in London statt. Die Kandidatur setzte sich unter anderem gegen Madrid, Moskau, New York und Paris durch. Hat Sie die Wahl überrascht? René Fasel: Als halber Franzose mag ich das Land und ich habe viele Freunde, die dort leben: Es hätte mich also gefreut, wenn Paris die Kandidatur gewonnen hätte, aber letztlich muss man sagen, dass die Engländer innerhalb von nur sieben Jahren hervorragende Arbeit geleistet haben. Das East London-Quartier, welches bis vor wenigen Jahren noch als heruntergekommenes Industrieviertel galt, wurde durch gezielte nachhaltige Projekte aufgefrischt und wird nun einer der zentralen Orte der Olympischen Spiele sein. getAlife: Die Kandidatur von Paris wurde lange Zeit favorisiert, doch am Ende gingen die Franzosen leer aus. Was war aus Ihrer Sicht der ausschlaggebende Punkt für die Vergabe? René Fasel: Frankreich hatte damals interne Probleme, während London eine brillante Vorstellung ihrer Kandidatur präsentierte. Politiker beider Länder waren sehr engagiert, aber die Entscheidung verläuft wie im Sport: Der Bessere gewinnt!

getAlife: Hat London spezielle Sicherheitsvorkehrungen getroffen?

getAlife: Sprechen wir zum Schluss über den Sport. In Peking hat die Schweiz acht Medaillen gewonnen. Wie schätzen Sie die diesjährigen Chancen ein und wer ist Ihr Favorit? René Fasel: Ich bin ein Riesenfan von Roger Federer. In Peking hatte ich die Ehre, ihm und Stanislaw Wawrinka die Medaille zu überreichen. Er wird gute Chancen haben, zumal er auf seinem Lieblingsbelag spielen wird. Neben Tennis ist die Schweiz ja auch noch in vielen anderen Disziplinen vertreten. Ich bin sehr gespannt auf die Leistungen der Schweizer. getAlife: Werden Sie die Spiele besuchen? René Fasel: Ich werde als Exekutivmitglied in London anwesend sein, ja. Vor allem bei Disziplinar- oder Dopingfällen werde ich den Organisatoren beratend zur Seite stehen. Herausforderung und Ziel des Komitees wird es sein, einen reibungslosen und fairen sportlichen Wettkampf zu gewährleisten. Aber nicht nur Doping, sondern auch das Manipulieren im Vorfeld der Spiele, das sogenannte «Match fixing», wird eine grosse Herausforderung für den Sport allgemein. Sport soll immer autonom und frei von politischen Interessen sein. In gewissen Fällen braucht es die Hilfe des Staates, um Betrug zu bekämpfen, und letztlich die Glaubwürdigkeit wahren zu können.

Nicolas Ottenheimer ist Student am historischen Seminar der Universität Zürich.

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rubrik � rubrik

Drei Monate auf wilder See –

ganz alleinE «Nachts musste ich die Haie vertreiben»

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cosmopolitan � mit dem boot über den ozean text � valérie ziegler // bild � janice jakait

Während eine Nacht auf wilder See für viele einen Albtraum darstellt, wurde für Janice Jakait ein Traum wahr: Im Ruderboot überquerte sie während drei Monaten den Atlantischen Ozean – und das ganz alleine. Der Ozean ist zu ihrer Heimat geworden. Im Interview sprach sie mit uns über Grenzerfahrungen, Angst und über die Schwierigkeiten, wieder an Land zu sein. getAlife: Woher stammt die Faszination für das Projekt «Row for Silence»? Wieso «Rudern für die Stille» – um welche Stille ging es dir? Janice Jakait: Die Motivation lag für mich in der Unterstützung der Kampagne «Silent Oceans» von OceanCare gegen die dramatischen Auswirkungen des Unterwasserlärms. Durch die Überquerung des Atlantiks im Ruderboot wollte ich ein deutliches Zeichen setzen, ganz ohne Motor, ganz ohne Lärm. – Es gab für mich einfach keinen passenderen Weg. Vor Kurzem sind wieder viele tausend Delfine in Südamerika an Land gespült worden. Das ist für mich Motivation genug, etwas zu ändern. getAlife: Du warst während drei Monaten auf See – alleine! –, hast rund 6’500 Kilometer zurückgelegt. Wie hast du dich auf dieses Abenteuer vorbereitet? Janice Jakait: Die ersten Gedanken zu einer möglichen Überquerung machte ich mir vor etwa zehn Jahren. Ich bin also ganz langsam ins Projekt «hineingewachsen», habe die passenden Kontakte geknüpft, Erfahrungen gesammelt und viel geplant. Vor zwei Jahren startete ich mit der finalen Planung und Vorbereitung. Nicht nur ein Boot musste besorgt und ausgerüstet werden, sondern ich musste mich auch körperlich und mental auf den Trip vorbereiten. Ich begann mit intensivem Training – für Körper und Kopf. getAlife: Wie ging deine Familie damit um, dass du drei Monate alleine auf See warst? Janice Jakait: Ich habe meine Familie frühzeitig über mein Projekt informiert und sie so gut wie möglich «mitgenommen». So konnten sie sich davon überzeugen, dass ich wirklich gut vorbereitet war und genau wusste, was ich tat. Am Ende konnten sie es kaum erwarten, dass ich diesen Traum verwirklichen konnte, und sind nun natürlich stolz, dass ich es geschafft habe. getAlife: Wieso wolltest du den Ozean ausgerechnet rudernd überqueren? Janice Jakait: Ich habe nach einer mentalen Herausforderung gesucht. Diese ist bei der Ozeanüberquerung im Ruderboot natürlich enorm. Ich war umgeben von Stille, und Einsamkeit. Auch die körperliche Anstrengung war für mich ein wichtiger Teil des Projekts. Meine zwei Ruder stellten für mich Gebetsmühlen dar: Wer sich selbst finden will, muss sich bewegen. Das Rudern auf dem Ozean ist die perfekte Verbindung zwischen psychischer und physischer Belastung.

getAlife: Wie hat man sich einen Tag – und vor allem eine Nacht! – auf See vorzustellen, wie sah dein Alltag aus? Janice Jakait: Rudern, Essen, Schlafen. Ich ruderte täglich während zwölf Stunden – in Intervallen von je 60 bis 90 Minuten. Dazwischen stopfte ich mir irgendwie 5’000 bis 8’000 Kalorien pro Tag in den Magen. Mit diesem vollen Bauch versuchte ich dann auch noch, stundenweise, zu schlafen. Viel länger als eine Stunde am Stück schlief ich sowieso nie, da der Sauerstoff in der winzigen Schlafkabine schnell verbraucht war. getAlife: Wo und wie hast du auf dem Boot geschlafen? Janice Jakait: Ich schlief in einer winzigen Kabine im Heck des Bootes – auf einer 50 Zentimeter breiten Matte zwischen zwei Fangnetzen. Ich hatte kaum Platz, mich zu drehen. Von Komfort kann nicht die Rede sein. getAlife: Mit welchen Schwierigkeiten hattest du am meisten zu kämpfen? Janice Jakait: Mit Seekrankheit und der Nahrungsaufnahme. In bis zu acht Meter hohen Wellen ist das mit dem Kochen und dem Magen so eine Sache. Hinzu kam, dass ich, vor allem zu Beginn, in Küstennähe grosse Probleme hatte, da ich den vielen Schiffen – worunter sich bis zu 300 Meter lange Tanker und Frachtschiffe befanden – ausweichen musste. getAlife: Gab es eine Situation, die dir Angst machte? Janice Jakait: In wirklich kritischen Momenten hat man keine Zeit für Angst. Ob ich nun fast von einem Fischtrawler plattgewalzt wurde, oder meinte, von einem Hai gefressen zu werden: Das Herz pumpte zwar wie verrückt und Adrenalin schoss durch meine Adern, die Angst machte sich jedoch erst später breit. Vor allem nachts, wenn es draussen ruhiger wurde. Damit muss man umgehen können. Es reicht nicht aus, sich auf die Sinne zu verlassen. getAlife: Wie sah dein aufregendstes Erlebnis aus? Janice Jakait: Nach den ersten paar Wochen auf See gab es zum ersten Mal Windstille. Anstatt haushoher Wellen zeigte sich vor mir endlich mal eine ruhige See. Das ist überwältigend! Man hört nichts – wirklich gar nichts! Es kam mir vor, wie eine akustische Sonnenfinsternis – zu Beginn ergreifend, nach einigen Stunden überwältigend. Wenn dann noch Wale und Delfine auftauchen, möchte man hinterherspringen – nur, um nicht allein zurückzubleiben. Diese Erfahrung hat mich sehr geprägt. Aber wie bereits erwähnt, gab es auch kritische Situationen: beinahe Kollisionen mit anderen Schiffen, hautnahe Begegnungen mit Haien und Walen. Ich hatte meine aufregenden Momente, oh ja!

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cosmopolitan � mit dem boot über den ozean

getAlife: Warst du mal krank? Wenn ja, wie hast du dich da verhalten? Janice Jakait: Ich war ziemlich schwer seekrank und hatte heftige Probleme mit meiner Haut. Zudem plagten mich sehr oft Schmerzen aufgrund der körperlichen Anstrengung und den Salzwassergeschwüren. Hunderte von blauen Flecken, ständige Zerrungen und Verstauchungen strapazierten meinen Körper. Doch musste es immer weiter gehen – es gab kein zurück, keinen Plan B, zumindest solange ich mich nicht in Lebensgefahr befand. Aussteigen, mal eben so: Absolut unmöglich! Darauf war ich vorbereitet. Ich wusste also auch im Extremfall immer, was ich zu tun hatte, auch in medizinischer Hinsicht.

Aus dem Blog: «Dann streift mein schlagendes Bein einen massiven Körper. Nein, keine Dorade! Hinter mir ist alles dunkel. Ein riesiger … mein Hirn feuert: HAI, HAI, HAI … raus, raus, raus, RAUS HIER! Keine Logik, keine Analyse der Situation – nur Reflexe. Erst als die Beine aus dem Wasser sind, kommt die verspätete Angst. Schlimm. Ich dachte ich gehe drauf, ohne zu wissen weshalb. Aber sofort will der Verstand wieder beschäftigt werden. Keine Zeit für Emotionen. WAS ZUR HÖLLE?»

getAlife: Das hört sich nach viel Aufregung an. Gab es auch schöne Begegnungen mit Meeresbewohnern? Janice Jakait: Ja, ich hatte unglaubliches Glück auf meiner Reise. Ich wurde von unzählig vielen Delfinen begleitet. Ein Minkewal verfolgte mich während ganzen zwei Wochen. So etwas ist einmalig! Ich sah viele Wale – konnte sie sogar anfassen. Das prägt schon. Ich war selten allein. Eben: Nachts kamen die Haie, welche ich teilweise vertreiben musste. Auch tagsüber versammelten sich unter meinem Boot ständig Fische: Doraden, Drückerfische und sogar Baracudas und ein gigantischer blauer Marlin. Nicht zu vergessen sind natürlich die vielen Vögel. Eine Sturmschwalbe folgte mir über den gesamten Ozean! Sie kam jeden Morgen und jeden Abend vorbei, um mich zu begrüssen (lacht). getAlife: Wie kann man sich die Ausstattung deines Bootes vorstellen – verfügte es beispielsweise über eine Toilette? Wo hast du dich gewaschen? Janice Jakait: Mein Bad bestand aus einem roten und einem blauen Eimer. Natürlich befand sich unzähliges Equipment an Bord: Navigations-, Kommunikationsequipment, Kleidung, Nahrung und vieles mehr. Am Ende wog das Boot mehr als eine Tonne.

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getAlife: Drei Monate fernab von jeglicher Zivilisation: Du warst auf dich alleine gestellt, hattest niemanden zum Reden, niemanden, mit dem du deine Gedanken hättest teilen können. Wie gingst du mit deinen Emotionen um – was diente deren Verarbeitung? Janice Jakait: Ich benötigte etwa zwei Wochen, um mich an die Einsamkeit und die extremen Verhältnisse zu gewöhnen. Diese zwei Wochen waren nichts als ein Albtraum. Schwere Seekrankheit und extremer Schlafmangel plagten mich. Zudem litt ich an einem Reizentzug – konnte mich nur noch schwer auf meine Sinne verlassen, halluzinierte teilweise. Der Mensch ist jedoch ein Gewächs, das auch in Salzwasser wachsen kann. Nach zwei Wochen hatte ich Wurzeln geschlagen, nach zwei Monaten hatte ich Angst davor, wieder an Land zu gehen. Der Ozean war meine Welt geworden, mein Zuhause. getAlife: Bist du oft in Kontakt mit anderen Menschen geraten? Gab es kritische Begegnungen? Janice Jakait: Wie bereits gesagt, hatte ich zu Beginn der Reise viel Kontakt mit anderen Schiffen, Tankern und Frachtern. Ich musste oft um Kurskorrektur bitten oder den Schiffen, wenn immer möglich, ausweichen, um eine Kollision zu vermeiden. Später, auf dem offenen Ozean, entdeckte ich vielleicht einmal pro Woche ein Schiff auf dem digitalen Radar. Eine besonders prekäre Situation ereignete sich, als ich im Treibnetz von (vermutlich illegalen) Fischern verfangen war – ich konnte ihnen nicht ausweichen. Ihre Brücke war nicht besetzt, das Boot war nicht erreichbar – es war stockdunkel. Erst wenige Meter vor dem Aufprall haben sie meine Leuchtraketen gesehen. Nein, das möchte ich nicht noch einmal durchmachen! getAlife: Inwiefern hast du dich auf See verändert? Janice Jakait: Ich war etwas überrascht: Natürlich verändert man sich auf See, vor allem körperlich. Der eigentliche Prozess der Veränderung begann jedoch erst nach der Ankunft in Barbados. Noch immer bin ich dabei, mich neu zu sortieren. Meine Prioritäten im Leben sind nun ganz andere, ich habe zu mir selbst gefunden, weiss wieder, was ich will, was mich glücklich macht. Ich bin geerdet, wie man so schön sagt. Es ist ein wirklich faszinierender Prozess, auf den ich mich ganz bewusst einlasse. Ich habe vor allem eines gelernt: Endlich mal Nein zu sagen. Unglaublich, was das für einen Unterschied ausmachen kann. getAlife: Was hast du in den drei Monaten am meisten vermisst? Janice Jakait: Senf (lacht)! Nein, ehrlich, ich habe den Senf vergessen – ich träumte nachts sogar davon, meine Dosenwurst mit Senf zu verfeinern. Kann man das nachvollziehen? Naja, wenn man während drei Monaten nur gefriergetrocknete Nahrung, Dosenwurst und Schokolade isst, entwickelt man ganz verrückte Gelüste auf Essen.


getAlife: Was vermisst du nun, da du wieder an Land bist, am meisten? Janice Jakait: Den Ozean vermisse ich ganz schrecklich! Ich vermisse meine Gefährten – die Wale, die Delfine, meine Sturmschwalbe. Das Leben war extrem hart da draussen, gleichzeitig aber auch sehr einfach: Rudern, Essen, Schlafen. Ich vermisse die Deprivation, den Mangel an Reizen. Ich habe grosse Probleme, mich in unserer reizüberfluteten Welt wieder zurechtzufinden. getAlife: Auch auf deinem Blog kann man lesen, dass dir die Wiederankunft an Land extrem schwer gefallen ist. Wie geht es dir heute? Womit hast du noch immer zu kämpfen? Janice Jakait: Wie schon gesagt: Ich habe Schwierigkeiten mit der Reizüberflutung zurück an Land. Überall schillern Farben, die nach nichts riechen und schmecken. Überall ertönen Geräusche – Lärm, der mir keine Botschaft vermittelt. Im Supermarkt bekomme ich eher Kopfschmerzen als Kaufgelüste. Mir ist nun bewusst, wie wir von Reizen überschwemmt werden, und wie sehr mir dies schadet. Ich versuche deshalb, mich abzukapseln, suche mir meinen eigenen Weg durch diese bunte Welt. Ich passe mich nicht mehr zwangsläufig an, sondern weiche aus. Das tut mir gut. Auch wenn es schwierig ist, da ich nun wieder viele Termine wahrnehmen und Aufgaben in Angriff nehmen muss. An Bord war es wirklich einfacher: praktisch keine E-Mails, Anrufe und Erwartungen. getAlife: Es überrascht nicht, dass du bereits in Planung eines zweiten Projekts steckst. Was kannst du uns darüber erzählen? Janice Jakait: Nicht viel. Aber es ist richtig, ich habe neue Pläne. Der Pazifik reizt mich ungemein. Wir werden sehen. Ich würde ja wieder bei Null beginnen, müsste die Finanzierung irgendwie stemmen … Oje, ich denke, ich sollte mich erst einmal richtig erholen. getAlife: Auch ein Buch soll erscheinen. Weisst du schon wann? Janice Jakait: Nein, ich setze mich auch nicht unter Druck. Es ist fertig, wenn es fertig ist, und ich damit zufrieden bin. Ich reflektiere viel beim Schreiben, das hilft mir. Also schreibe ich so, wie ich es für sinnvoll halte. Ganz ohne Druck und grosse Erwartungshaltung. getAlife: Wir wünsche dir auf jeden Fall gutes Gelingen und alles Liebe auf deinem weiteren Weg – vielen Dank für das aufregende Gespräch!

Aus dem Blog, kurz nach Janices Ankunft: «Ich treffe kaum eine Taste, kann fast nicht mehr laufen und eiere durch den Raum, habe keine Tränen mehr übrig, bin absolut abgebrannt und von der Sonne v-e-r-brannt, habe Schmerzen in jedem Muskel, bin todmüde, verhungere und verdurste, ABER ich versuche wenigstens einen kurzen Blogeintrag zustande zu bringen. ES IST VOLLBRACHT! Ich habe heute, nach 90 Tagen, den Hafen von Barbados erreicht. Ein unglaublich anstrengender Tag, nach einer unglaublich anstrengenden Nacht. Ein gewaltiges Stück Arbeit, das am Ende fast noch schief gegangen wäre, als der Wind mich im Hafen gegen eine Multimillionendollar-Yacht drücken wollte. Unter reichlich Applaus – der ganze Hafen fieberte mit – gelang mir der Befreiungsschlag, und ich quälte mich mit längst aufgerissenen Handflächen doch noch an den Steg und machte mein Boot fest. 90 Tage, 3’500 Seemeilen. Im Ruderboot von Portugal nach Barbados. Höhen und Tiefen. Alles endet an einem winzigen Steg im Hafen von Port St. Charles in türkisfarbenem Wasser mit einem einzigen wankelmütigen Schritt in rettende Arme. Ich bin emotional im Moment total überfordert, kann nichts analysieren oder beschreiben. Ich bin körperlich angekommen, jetzt warte ich auf meinen Kopf. Ich werde sicher eine Weile brauchen, um das alles zu verarbeiten. Gebt mir ein wenig Zeit. Die ersten Bilder sind online und ich endlich in einem Bett, in dem ich mich nicht mehr angurten muss und von Haien geweckt werde. Bis in Kürze …»

Ruderboot «Bifröst» Am 23. November 2011 stieg Janice Jakait in Portimão, Portugal, in ihr Ruderboot und kam am 21. Februar 2012 mit dicken Oberarmen auf der Karibikinsel Barbados an. Ihr Ruderboot «Bifröst» ist eine Spezialanfertigung aus hochspeziellen Glas- und Kohlefaserverbundwerkstoffen. Es verfügt über zwei winzige, «wasserdichte» Kabinen für Equipment, Nahrung und den «Motor», einen 1.77 Meter langen Zweitakter und Zweischaufler aus Fleisch und Blut – Janice. Das Boot ist selbstaufrichtend, was im Falle einer Kenterung ein vollständiges Durchkentern um 360 Grad gewährleistet. Dazu befinden sich Ballasttanks im Kiel, die über diesen Zweck hinaus mit einer Notration an Süsswasser gefüllt sind. Das Boot verfügt über Solarpanels auf der Kabine, die, bei Sonnenschein, genügend Strom für die Entsalzungsanlage, das Kommunikationsequipment, den aktiven Radarreflektor, das AIS und den GPS-Tracker und Plotter liefern, sowie Licht, Lüftung und Unterhaltung an Bord sicherstellen. Gespeichert wird die Energie in zwei 105Ah Gel-Batterien, die zusammen fast 70 Kilogramm wiegen. Janice Jakait ist die erste Deutsche, die in einen Ruderboot über einen Ozean ruderte – und das komplett ohne Begleitschiff –, die erste Frau auf dieser Erde, die alleine vom Festland Europas aufbrach.

Wurde Janice wirklich von einem Hai «geküsst»? Taucht ein in das spannende Abenteuer von Janice Jakait und verfolgt ihren Blog auf rowforsilence.com.

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D E S T I N AT I O N

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I S TA N B U L «Würde die Welt aus einem Staat bestehen, wäre Istanbul die Hauptstadt davon» Napoleon Bonaparte

Istanbul ist die Stadt auf zwei Kontinenten, die mit bunten Basaren, über 2’000 Moscheen und einem aufregenden Nachtleben einiges zu bieten hat. Kein Wunder, gehört sie zurzeit zu den angesagtesten Reisezielen überhaupt. Geheimniskrämerei Wie so viele Städte hat auch Istanbul einige Geheimnisse auf Lager. Diejenigen des historischen Viertels Sultanahmet können auf einer halbtägigen Tour (ab CHF 34) erkundet werden – beim Spazieren durch kleine Gassen sowie bei dem Besuch einer Moschee. Auf dem grossen Basar warten zahlreiche türkische Spezialitäten auf Kulinariker.

Viertel mit Aussicht Der Galata-Turm steht im Istanbuler Stadtteil Beyoglu und bietet eine spektakuläre Aussicht über die Metropole am Bosporus. Besonders abends, wenn die Sonne die ganze Stadt in ein magisches Licht taucht. In der Nachbarschaft um den Turm finden sich zudem zahlreiche Galerien, Cafés sowie Shops, in denen Kunsthandwerk und Kleidung von einheimischen Designern angeboten werden. Hüfte schwingen Istanbul ist die Hauptstadt des Bauchtanzes. Es gibt keinen besseren Ort, den orientalischen Tanz zu erlernen. In einem Kurs (ab CHF 78) erhält man einen Einblick in den sinnlichen Tanz und kann die Hüfte kreisen lassen.

Besuch im türkischen Bad Als entspannende Ergänzung zum Sightseeing-Programm bietet sich der Besuch eines türkischen Bades an. Während eines Spaziergangs in Galata kann man sich ein traditionelles Pasternal kaufen, das man während des Waschens im Bad um die Hüfte trägt. Für das Baderitual selbst folgt ein Besuch des Kasampa Hamami, wo ein Peeling und eine Schaummassage für Entspannung sorgen. Die Turkish Bath Experience gibt es ab CHF 60. Nach der Entspannung folgen kulinarische Höhenflüge in den unzähligen Restaurants Istanbuls. Der perfekte Ausklang eines wunderschönen Tages. Wohnen nahe der Blauen Moschee Im historischen Viertel Sultanahmet, unweit der Blauen Moschee, der Hagia Sophia und des Topkapi Palasts, steht das Diva’s Boutique Hotel. Von dort aus können einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt bequem zu Fuss erreicht werden. Das Hotel verfügt über 40 Zimmer, die mit moderner Einrichtung und einem Touch Luxus aufwarten. Um nach den aufregenden Stadterkundungen etwas auszuspannen, steht ein gemütlicher und ruhiger Garten zur Verfügung. Ein Doppelzimmer, inklusive Frühstück, kann ab CHF 36 gebucht werden.

Come fly with me Wer von der Schweiz nach Istanbul fliegen will, hat jeden Tag die Möglichkeit dazu. Die Flugzeit beträgt gute drei Stunden. Turkish Airlines bietet Hin- und Rückflug (inklusive Taxen und Gebühren) ab etwa CHF 250 an. Gebucht werden können Flug, Hotel sowie weitere Reiseangebote zu Istanbul unter statravel.ch oder in einem der STA Travel Shops.

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text & bild � lea stahel

Als würde ich erzählen, dass ich mich freiwillig die NiagaraFälle runtergestürzt hätte ... – So werde ich regelmässig angeschaut, wenn Leute erfahren, dass ich letzten Winter als freiwillige Menschenrechtsbeobachterin in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten gearbeitet habe. – Ein kurzer Einblick in meine Erfahrungen vor Ort. Nach meinem dreimonatigen Einsatz kehrte ich im Februar 2012 in die Schweiz zurück. Im Gepäck zwei volle Tagebücher und fast 3’000 Fotos, die viel dokumentieren: Leid, Freude, Verzweiflung, Beklemmung, aber auch Skurriles. Aufgenommen wurden die Bilder nicht immer unter leichten Bedingungen. Ich befand mich auf einer permanenten Gratwanderung: Einerseits wollte ich die Würde der dort lebenden Menschen nicht verletzen, andererseits Provokationen der israelischen Armee vermeiden.

Im Kern des Konflikts zwischen Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten 62 � 02/12 � getAlife

Die drei Monate inmitten des Konflikts kommen einem subjektiven Zeitgefühl von drei Tagen, jedoch einem Lernprozess von drei Jahren gleich. Der geistige Ausnahmezustand und die chronische Spannung während dieser Zeit werden mir in voller Tragweite erst bewusst, während sich mein Alltag in der Schweiz wieder normalisiert. Meine Ausrüstung als Menschenrechtsbeobachterin habe ich abgelegt, die Erinnerungen bleiben jedoch haften ... David, Goliath und Desorientierung Ende November 2011 landet mein Flugzeug in Tel Aviv. Während der einstündigen Fahrt nach Ostjerusalem, meinen Hauptarbeitsort, klebe ich am Taxifenster. Die Sonne bricht durch die Wolken und wirft ihr Licht auf die kahlen Hügel Israels: Nichts als Steine und Sträucher, dazwischen schlängeln sich schmale Täler. So hatte ich mir das «Heilige Land» als Kind im obligatorischen Religionsunterricht vorgestellt.


cosmopolitan � roving reporter

Von «Peace, Love and Justice» keine Spur Wie sieht der Alltag einer Menschenrechtsbeobachterin aus? Er existiert nicht. Unvorhersehbares erwartet dich jeden Tag aufs Neue. Abstrakte Konzepte wie Peace, Love and Justice sind so weit weg wie der Mond. In Wahrheit handelt es sich vielmehr um harte, praktische Arbeit. Um 03:30 Uhr läutet mein Wecker: auf zur dreistündigen Beobachterschicht am Checkpoint Kalandya. Das Taxi bringt uns an den einschüchternden, dunklen Checkpoint. Drinnen trifft man auf junge israelische Soldaten mit umgehängten, überdimensionalen Maschinenpistolen. Für diese hatte mein Bewusstsein bald genauso viel Beachtung übrig wie für herkömmlich umgehängte Handtaschen.

Ankunft in Jerusalem: Es wird Wochen dauern, bis sich das geografische Bild des Israel-Palästina-Konflikts in meinem Kopf zusammengesetzt hat. Ein Puzzle aus israelischen und palästinensischen Zonen, von geschlossenen militärischen Gebieten zu sogenanntem Niemandsland, unsichtbaren Grenzen, dem Verlauf der Trennungsmauer und den über 500 israelischen Checkpoints innerhalb der palästinensischen Gebiete. «Was gibt’s da unten überhaupt für ein Problem? Die Israelis und Palästinenser sollen sich doch einfach vertragen», hört man immer wieder. Schön, wenn es so einfach wäre. Grob gesagt, gibt es die Besetzer (israelischer Staat) und die Besetzten (vier Millionen Palästinenser). Auf besetztem palästinensischem Gebiet leben rund eine halbe Million israelische Siedler, welche das israelische Zivilrechtssystem geniessen, und daneben Palästinenser, die unter dem israelischen Militärrechtssystem leben – und das seit 44 Jahren. Die palästinensische Bevölkerung in den besetzten Gebieten ist Gewaltübergriffen durch die israelische Armee und durch israelische Siedler ausgeliefert. Auf Seiten Israels sind im Süden des Landes israelische Einwohner von Raketen aus dem Gazastreifen bedroht. Durch die Anwesenheit von Menschenrechtsbeobachtern soll solcher Gewalt vorgebeugt werden. Doch meine Kollegen und ich sind nicht die einzigen «Internationals» in Jerusalem, der Kernstadt des Konflikts, wo es mehr weisse Autos der UN als Fliegen und Falafel zusammen gibt. Da die israelische Besetzung die palästinensische Wirtschaft hemmt, werden ganze Bevölkerungsteile von der internationalen Gemeinschaft «durchgefüttert». Während der Einführung in die Arbeit erzählt mir eine Ex-Menschenrechtsbeobachterin von ihrem eigenen Einsatz: einen Monat Schock, einen Monat Trauer, einen Monat Wut – und dann wieder nach Hause. Ich mache mich also auf etwas gefasst.

Hunderte Palästinenser – Arbeiter, Frauen und Kinder – sind eingepfercht zwischen Gittern, die sie täglich durchqueren, um – manchmal nach bis zu zweistündigem Warten – die andere Seite zu erreichen, um zur Arbeit oder in die Schule zu gelangen. Ein oft chaotischer Ort der Entmenschlichung und Verzweiflung, an dem mein Körper bei manchen Anblicken vor Hilflosigkeit schreit. Ausser dem Zuhören, Reportieren und gelegentlichen Vermitteln zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern sind uns meistens die Hände gebunden. – Dazwischen auch berührende Momente: In der kalten Neujahrsnacht bietet mir ein junger israelischer Soldat beim Anblick meiner Erkältung wortlos ein Taschentuch durch die vergitterten Panzerscheiben an – dieses hochhaltend wie eine weisse Fahne. Am Valentinstag werde ich von den vorbeilaufenden Palästinensern statt mit dem üblichen «Good Morning» unerwartet mit unzähligen herzlichen «Happy Valentine!» überschüttet. Ozeane von Bewilligungen und Berge von Einschränkungen Nach den Checkpoint-Schichten, die sich in meinem Kopf als moderate Albträume abgespeichert haben, gibt es für uns eine Stunde Schlaf, einen Kaffee, dann heisst es back to the road. Genauer gesagt, fahren wir zu einem Trümmerhaufen – das Resultat eines täglichen palästinensischen Kampfes für Bewilligungen, in diesem Fall für den Bau eines Hauses. Wir besuchen eine dreiköpfige palästinensische Familie, die gestern noch ein Dach über dem Kopf hatte. Heute jedoch steht sie vor ihrem durch das israelische Militär abgerissenen Haus. Der Nachbar, ein palästinensischer Journalist namens Jameel, erzählt mir: «Nebst den Bulldozern tauchte die Armee und die Polizei mit 35 Fahrzeugen (etwa 150 Soldaten und Polizisten) auf. Genug Leute für einen Krieg! – Doch nicht nötig, um ein Haus abzureissen!» Wie kam es dazu? Nach der israelischen Bürgerrechtsgruppe ICAHD ist Israel das einzige westliche Land, welches einer spezifischen nationalen Gruppe – den Palästinensern – systematisch Baubewilligungen verwehrt und deren Häuser zerstört. Gerade mal in 13 Prozent von Ostjerusalem sieht das israelische Planungssystem vor, dass Palästinenser Häuser bauen dürfen. Doch der grösste Teil dieses Gebietes ist bereits überbaut. Wie also geht eine solche Hauszerstörung vonstatten? Oft kommt die israelische Armee mitten in der Nacht oder tagsüber und gibt der Familie wenige Minuten, um ihr Hab und Gut aus dem Haus zu

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cosmopolitan � roving reporter

schaffen. Dann wird abgerissen; meist ohne Vorwarnung. Die Palästinenser müssen diesen – nach internationalem Recht illegalen – Abriss ihres Hauses oft selbst bezahlen. Zusätzlich drohen ihnen hohe Strafen wegen «illegalen Bauens». Bei Geldknappheit wartet das Gefängnis. Im Klartext: Eine fremde Besatzungsmacht reisst dir dein Haus nieder und schickt dir anschliessend die Rechnung. – Ja, während diesen drei Monaten habe ich oft meinen eigenen Ohren nicht getraut. Dazu ein Bild, das nicht mehr aus meinem Gedächtnis schwindet: Die Augen der palästinensischen Familienväter nach Hauszerstörungen; rot unterlaufen, voller Bitterkeit und Verzweiflung, offensichtlich alle Kraft aufwendend, um den im Innern wütenden Gefühlssturm zu kontrollieren. Es sind Augen, deren Anblick mir meine übliche Frage nach dem Wohlergehen des Gegenübers auf der Stelle mehr als überflüssig erscheinen lassen. Körperliche Verletzungen habe ich während meines Einsatzes selbst nie direkt erblickt – die tiefen psychologischen Wunden jedoch befinden sich in den Augen der Menschen. 15 Sekunden Auch in Israel gibt es Menschen, die willkürlicher Gewalt ausgesetzt sind. Hauptsächlich die israelischen Einwohner in der Nähe des Gazastreifens, beispielsweise im südisraelischen Städtchen Sderot. Seit Jahren leben sie unter der konstanten Bedrohung durch Raketen der Hamas und anderen militanten Gruppen aus Gaza. Daher sind jegliche Läden, Kindergärten und Bushaltestellen des Städtchens aus massivem und «raketengeschütztem» Material gebaut. Die Israelitin Roni erzählt mir: «An manchen Tagen kommen 20 bis 30 Raketen herunter. Wenn immer wir einen Alarm hören, haben wir 15 Sekunden Zeit, um uns in die Schutzräume zu flüchten, bevor die Raketen einschlagen.» Jedoch hat auch sie vereinzelt palästinensische Freunde in Gaza. «Nach den Raketen rufen diese Freunde an, um sicherzugehen, dass es mich nicht getroffen hat.» Ungewohnte Szenen erlebe ich auch in Tel Aviv: Während ich in einem Café sitze, macht sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite plötzlich ein Bombenentschärfungsteam an die Sicherung eines anscheinend verdächtigen, schwarzen Plastiksackes. Ich beobachte die Szene interessiert – die junge Israelitin am Tisch neben mir schaut kurz auf und widmet sich gleich darauf wieder desinteressiert dem Facebook-Account an ihrem Laptop.

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Empathie nur gruppenbezogen? Was mich während dieser drei Monate jedoch am meisten schockiert hat, waren die regelmässigen Verhaftungen palästinensischer Kinder. Manchmal lag ich nachts in Jerusalem wach, im Wissen, dass wahrscheinlich auch in dieser Nacht wieder Kinder vom israelischen Militär aus ihren Betten gerissen und verhaftet würden. – In einem Stadtbezirk namens Silwan, nur einen Kilometer weiter von meinem Hotel: Das jüngste, mir bekannte Kind war gerade mal sieben Jahre alt. Grund der Verhaftung? Die Anklage lautet in den meisten Fällen: Steinewerfen gegen Militärfahrzeuge. Die Kinder werden mehrere Stunden festgehalten, oft misshandelt und dann wieder freigelassen – für die meisten von ihnen eine traumatische Erfahrung. Drei von ihnen fragte ich, was sie denn später werden wollten. «Fussballer», antworteten sie mir allesamt. – Manche Dinge bleiben wohl trotz aller Umstände universell. Im herrschenden Elend bin ich aber immer wieder auf Palästinenser und Israelis getroffen, die sich trotz der Dominanz von Gewalt und Vorurteilen mit ungebrochenem Optimismus für eine Versöhnung einsetzen. So beispielsweise auch die Jüdin Anna, die in einem palästinensischen Flüchtlingslager Kinder mit Angstzuständen und Traumata therapiert – dies nach ihrem persönlichen Grundsatz «Be the change you want to see» (von Gandhi). Immer mehr wurde mir klar, dass die Linie oft nicht zwischen Israelis und Palästinensern verläuft – sondern zwischen Menschen auf beiden Seiten. Menschen, die sich entweder für oder gegen die Respektierung der Menschenrechte einsetzen. Tipp der Redaktion: DVD «The Promise – Gelobtes Land» von Peter Kosminsky

Lea Stahel war freiwillige Menschenrechtsbeobachterin in Israel/Palästina. Weitere Artikel von Lea findest du auf ihrem Blog: westbanklea.wordpress.com Lea Stahel absolvierte im Rahmen von EAPPI (Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel) einen dreimonatigen Freiwilligeneinsatz als Menschenrechtsbeobachterin in Israel/Palästina. Sie arbeitete im Auftrag der Schweizer Menschenrechtsorganisation «Peace Watch» und HEKS-EPER. EAPPI begleitet, unterstützt, und steht in Solidarität mit palästinensischen Gemeinschaften und israelischen Menschenrechtsorganisationen, beobachtet und dokumentiert Verletzungen von Menschenrechten und internationalem humanitärem Recht, und setzt sich für ein Ende der illegalen Besatzung und einen gerechten Frieden durch gewaltlose Mittel ein. Die in diesem Artikel vertretene Meinung ist persönlich und deckt sich nicht zwingend mit denjenigen von EAPPI oder des Weltrates der Kirchen. eappi.org // peacewatch.ch


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DIE SCHWEIZ

I S ( S ) T em r fre i unte mel him

L’Auberge

Die Kombination aus einer antiken und modernen Ausstattung sowie die perfekt eingesetzten und aufeinander abgestimmten Farben laden zum Wohlfühlen und Verweilen auf der Sonnenterrasse ein. Küchenchef Florian Stähli und sein Team verwenden in ihrer Küche ausschliesslich regionale, saisonale und frische Produkte. Mittagsmenüs ab CHF 23, Abendmenüs (4-Gang) ab CHF 85 Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 09:00 bis 24:00 Uhr L’AUBERGE LANGENTHAL Murgenthalstrasse 5

La Plage

/ Samstag: 16:00 bis 24:00 Uhr / Sonntag und Montag: geschlossen CH-4900 Langenthal +41 (0) 62 926 60 10 auberge-langenthal.ch

Mit der idyllischen Terrasse direkt am Bielersee sorgt das La Plage für Ferienstimmung pur. Nicht nur Thai- und Schweizerspezialitäten stehen auf der Speisekarte, sondern auch Fisch-, Fleisch- und Vegi-Liebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Zudem bietet das La Plage jeden Sonntag, von 09:30 bis 13:00 Uhr, ein grosszügiges Brunchbuffet an. Menüs ab CHF 24

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 10:00 bis 23:30 Uhr / Freitag und Samstag: 10:00 bis 00:30 Uhr / Sonntag: ab 09:30 Uhr Brunch, geöffnet bis 22:00 Uhr

Restaurant La Plage

Les Gareçons

Strandbad Biel

Uferweg 40

CH-2560 Nidau

+41 (0) 32 322 40 82

Eine frisch zubereitete Limo auf der Terrasse des Les Gareçons lässt so manchen sommerlichen Abend perfekt ausklingen. Das Restaurant im Badischen Bahnhof Basel versprüht Multikultur. Die gemütliche Lounge lädt zum Apéro ein. Zwischen Olivenbäumen fühlt man sich direkt in die Toscana versetzt. Ob Graupen-Tabulée mit Garam Masala und grünen Fischstäbchen oder Steak vom Baselbieter Natura Rindsentrecôte in «Code Green» an einem Soja-Thaibasilikum-Jus mit Kokos-Knoblauch-Kartoffeln und Kirsch-Rosmarin-Chutney: Das Les Gareçons zaubert immer etwas Leckeres auf den Tisch. Zu empfehlen ist auch der Brunch.

Mittagsmenüs ab CHF 23, Abendmenüs ab CHF 40 Öffnungszeiten: Montag bis Samstag: 09:00 bis 24:00 Uhr

Les Gareçons

Badischer Bahnhof Basel

/

Sonntag: 10:00 bis 23:00 Uhr (Küche montags ab 15 Uhr geschlossen) +41 (0) 61 681 84 88 lesgarecons.ch

Weitere Geheimtipps für aussergewöhnliche Sonnenterrassen: Zic-Zac in Allschwil (BL) // Asica in Basel // Noohn in Basel // Zum Kuss in Basel // Terrasse in Bern // Hofgarten in Luzern // Zum Rebstock in Luzern // Weisses Rössli in Staad (SG) // Fischer’s Fritz in Zürich // Seerose in Zürich // terrasse in Zürich 66 � 02/12 � getAlife


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Sommerlicher

Spargelsalat mit Schwarzwaldschinken Leserin Anouschka verrät uns ihr Lieblingsrezept im Sommer.

Wenn es draussen heiss ist und einem die Kleider am Leib kleben, würde man sich tagsüber am liebsten nur noch von Früchten und Glacé ernähren. Am Abend ist jedoch Grillieren angesagt, wobei der passende Salat nicht fehlen darf. Leserin Anouschka liess ihrer Kreativität freien Lauf.

Zutaten für 2 Personen: für den Salat: diverse Blattsalate 6 weisse gekochte Spargeln 4 grüne gekochte Spargeln 4 Tranchen Schwarzwaldschinken 1 gekochtes Ei Sherrytomaten fürs Dressing: 1dl weisser Balsamico 1dl Olivenöl oder Sonnenblumenöl 1 Prise Salz 1 Prise Pfeffer Schnittlauch oder Petersilie Zubereitung:

1. Blattsalat waschen und in mundgerechte Stücke schneiden.

2. Den Blattsalat in der Mitte des Tellers anrichten. Spargeln und Schinken in Stücke schneiden und über dem Blattsalat verteilen. 3. Das gekochte Ei mit dem Eierschneider schneiden und über dem Salat verteilen. Mit Sherrytomaten dekorieren.

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killer food � (w)eingebildet?

(W)eingebildet?

Schmalzig und kurz im Abgang

text � cécile richards

Schütteln, Schlürfen, Schmatzen … sind Weinkenner eingebildete Dandys von gestern? In der Weinsprache gilt es zwar, einige Regeln und Tipps zu beachten, ein Richtig oder Falsch existiert jedoch nicht. Wichtig ist, sich nicht vom ganzen Etepetete um den Wein beeindrucken zu lassen. Denn in der Quintessenz jeder Weindegustation gibt es nur zwei Alternativen: Schmeckt oder schmeckt nicht! Nervös stand ich da, im Weingeschäft. Leichte Panik begleitete meine Unsicherheit. Wie – fragte ich mich – sollte ich jetzt dem Verkäufer erklären, was ich suchte? Rot sollte er sein, der Saft. Und trocken. Und irgendwie weinig schmecken. Aber sonst? Der Gang in die Weinhandlung erfordert – so ging es zumindest mir vor vielen Jahren – Überwindung und Fachwissen. Ohne die Beherrschung der richtigen Weinsprache traut sich kaum einer in den Laden. Dabei gibt es wunderbare Weinhandlungen, in denen die Mitarbeitenden alle angebotenen Weine bestens kennen. Der Konsument kann probieren, und es werden sogar Verkostungsabende durchgeführt. Diese Möglichkeiten werden nur allzu oft abgelehnt. Warum? Dem Angesprochenen ist es schlichtweg peinlich, wortlos und ausgeliefert da zu stehen und dann noch, als Höhepunkt der Hilflosigkeit, aufgefordert zu werden, die eigenen Geschmackseindrücke wiederzugeben. Doch eigentlich gehören die Selbstzweifel überwunden. Schliesslich konnte jeder Weintrinker, auch der grösste Fachmann, mal nichts anderes als Brabbeln. Die Weinsprache zu erlernen, erfordert Zeit und Erfahrung. Die Lösung heisst also: Verkosten, verkosten und nochmals verkosten! Damit ihr selbst eine Degustation im vertrauten Kreis durchführen könnt, benötigt ihr neben guten Verkostungsgläsern (bitte keine Camping-Plastikbecher!) ein Spuckgefäss. Dazu taugt ein Blumentopf (ohne Loch) genauso wie eine undurchsichtige Vase.

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Zusätzlich empfehle ich ein stilles Wasser. Bitte beachtet dabei einen wichtigen Punkt: Grundsätzlich werden Weissweine bei Temperaturen um 10 bis 12 Grad und Rotweine bei 16 bis 18 Grad verkostet. Um diese Werte zu erreichen, könnt ihr euch Kühlmanschetten oder Weinkühler kaufen. Oder ihr legt die Flasche für einen kurzen Moment in den Tiefkühler. Doch Achtung, wenn ihr die da drin vergesst, kann der Korken rausflutschen. Eine Sauerei, die ich (aus Selbsterfahrung) niemandem wünsche. Was auch essentiell ist: Kein Aftershave, keine Parfümfahnen und ja keine Duftkerzen! Das killt jede Probe und treibt erfahrene Verkoster in den Wahnsinn. Dagegen sind Schlürfen und Schmatzen absolut zulässig. Um die Verkostungserfahrungen in Erinnerung zu behalten, hilft es, seine Geschmacksempfindungen auf einem Papier festzuhalten (vergesst die vorgefertigten Bögen!). Hierzu gilt es, folgende fünf Schritte zu befolgen: Sehen, Riechen, Schmecken, Gesamteindruck, Beurteilung. Schritt 1: das Sehen Wenn ihr einen Wein blind verkostet, das heisst ohne zu wissen, was für einer im Glas ist, dann seht ihr eine Farbe, ihr seht Kohlensäure oder auch nicht, und ihr könnt erkennen, ob der Wein klar oder trüb ist. Die Farbe kann Aufschluss über das Alter des Weines geben, und sie gibt Hinweise zur verwendeten Rebsorte. Die Farbschattierungen reichen bei Weisswein von blassgelb über goldgelb bis hin zu braun. Bei Rotweinen variiert das von blass rosa bis zu undurchsichtig schwarz. Schritt 2: das Riechen Steckt die Nase nicht direkt in das Glas, sondern versucht, den Geruch des Weins zuerst mit ein wenig Abstand zum Glas aufzunehmen und kommt dem Glasrand anschliessend langsam näher. Und nun kommt es: Es ist durchaus sinnvoll, den Weinduft zuerst ungeschwenkt und dann geschwenkt zu erkunden. Wenn


killer food � (w)eingebildet?

ihr noch Mühe oder Befürchtungen beim Glasschwenken habt, hier ein einfacher Trick: Glas auf den Tisch stellen und auf der Tischplatte schwenken, von aussen nach innen. So schüttet ihr, sofern ihr keinen Tornado erzeugt, auch keinen Wein aus. Als erstes gilt es, sich zu entscheiden, ob es sich um einen angenehmen oder unangenehmen Duft handelt. Riecht der Wein reintönig, sauber, leicht fehlerhaft oder übelriechend? Aber Achtung mit der Sprache – es gibt durchaus Faux-pas! Ein Beispiel dazu: Als Weinakademikerin kann ich schlecht in einer öffentlichen Verkostung erläutern, dass der Sauvignon blanc nach abgestandenem Brokkoli riecht. Unter Freunden erlaube ich mir das. An der Veranstaltung sage ich, dass der Weisswein einen herben, von Terpenen beeinflussten Eindruck hinterlässt. Wenn ein Wein mich an einen Sommertag im Garten meiner Grossmutter erinnert, dann ist das wunderbar. Jedoch solltet ihr nicht vergessen, dass eure Mitverkoster vielleicht noch nie im Garten eurer Omi waren, sich also verloren im Duftsammelsurium einer Blumenwiese, eines blühenden Obstbaumes, einer sonnenbeschienenen Holzscheune und dem Duft von Kölnisch Wasser wiederfinden. Wein riecht blumig, fruchtig, vegetabil, erdig, würzig, holzig. Man findet tierische, balsamische und mineralische Noten, unter anderem auch chemische Eindrücke. Wein kann verhalten, aufdringlich, intensiv oder sogar gar nicht riechen. Er kann sich einfach, fein, rassig oder plump präsentieren. Jetzt wird wohl auch klar, weshalb es nicht ausreicht, sich ausschliesslich theoretisch mit Wein zu beschäftigen, sondern zigfaches Probieren angesagt ist.

Zusammengefasst werden die Reintönigkeit, die Intensität und die Qualität eines Weins geprüft. Hinzu kommt eine unendliche Vielfalt an Aromen. Schritt 3: das Schmecken Bevor es nun ans Schmecken geht, macht euch mal auf die Suche nach euren unterschiedlichen Geschmackszonen der Zunge. Ihr schmeckt sauer, salzig, bitter, süss und «umami» (japanisch für «wohlschmeckend»). Umami versteht sich nicht als eigener Sinneseindruck, sondern ist vielmehr eine Mischung und eine Verstärkung der anderen Geschmacksrichtungen. Verantwortlich dafür ist ein minimaler Anteil an Glutamat im Wein. Vielleicht macht ihr vor dem Weingenuss noch mal ein paar Trockenübungen. Versucht es anhand eines Zitronenschnitzes, etwas Salz, einem Löffel Honig und einem Stück kräftigen Käse. Haltet den Zitronenschnitz mal an die Zungenspitze und dann auf die hintere Seite der Zunge. Für den zweiten Versuch nehmt ihr etwas Salz auf die Mitte der Zunge und später auf die Zungenspitze. Das Gleiche könnt ihr mit dem Honig und dem Käse machen. Nicht vergessen, dazwischen den Mund mit Wasser auszuspülen. Nun wird auch verständlich, warum so viele unterschiedliche Gläser im Angebot sind. Es gibt grosse und kleine Weinkelche für Weissweine, Rotweine und Süssweine oder Champagner. Es lassen sich sogar spezifische Weingläser für eine Rebsorte finden. Je nach Glas öffnen sich die Aromen, die Süsse und der Alkohol für das Riechorgan unterschiedlich. Der Rebsaft fliesst aufgrund der speziellen Wölbung der Gläser auf andere Geschmacksrezeptoren eurer Zunge. Verlässt man sich nur auf seinen Geschmackssinn, erscheint so mancher

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Weisswein als Rotwein und umgekehrt. Doch es muss kein Edelkristallglas sein. Generell genügt ein gutes Alltagsverkostungsglas um die CHF 15 wie zum Beispiel der Rotweinkelch «Vino Grande» von Spiegelau. Fühlt euch also frei und erkundigt euch beim Weinhändler eures Vertrauens oder besucht die Webseiten von Glasherstellern. Doch lasst euch nichts Unnötiges aufschwatzen! Auch im Gaumen zählt übrigens der erste Eindruck. Schmeckt der Wein sauer, salzig oder süss? Wein kann man sich im Mund als Geschmacksgerüst vorstellen. Die Säure kann den Wein prägen, ihm Volumen geben. Doch auch der Alkohol bringt Schmelz und Körper. Hinzu kommen die Gerbstoffe, auch Tannine genannt, die von den Traubenschalen oder vom Fassausbau herstammen. Sie können den Wein plump oder bitter erscheinen lassen, ihm aber auch Struktur verleihen. Restsüsse wiederum kann verbinden, also harmonisieren, jedoch auch klebrig wirken. Wichtig ist es, die Harmonie und die Spitze im Wein zu erkennen – denn diese formen unter anderem den Charakter des Weins. Schritt 4 und 5: Gesamteindruck und Bewertung Zusammenfassen könnt ihr am Schluss. Würdet ihr den Wein noch mal kaufen? Ihn Freunden empfehlen? Persönlich erscheint mir essentiell, euch eines mit auf euren Weg in die wunderbare Weinwelt zu geben: Es gibt Weine, die mir mit dem ersten Schluck überhaupt nicht munden. Doch wenn ich dann den Macher kennenlerne, einige Lebensmomente auf seinem Weingut verbringe, dabei seine Weine verkoste und einige Schritte durch seine Weinberge gehe, dann bin ich oft mit Glück erfüllt. Plötzlich schmecke ich im Wein den Boden, auf dem die Trauben gewachsen sind und spüre die Philosophie des Winzers. Ein Gänsehautmoment. Lasst euch also nicht beirren, seid nicht voreingenommen, fragt nach und geht vor allem die Winzer besuchen. Eine kurze Ankündigung eures Besuchs wäre hilfreich. Glaubt mir, kein Buch kann euch einen Besuch auf einem Weingut spüren lassen. Cécile Richards ist Weinakademikerin WSET Diploma und Inhaberin der Agentur für Wein.

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Kleiner Weinduden für Önophile Abgang: Nachhaltiges Empfinden der Geschmacks- und Aromastoffe nach dem Herunterschlucken des Weines am Gaumen. Bei raschem Abklingen wird dies als «kurzer Abgang», bei anhaltendem von rund 20 bis 50 Sekunden als «langer Abgang» bezeichnet. Assemblage: Verschneiden beziehungsweise kunstvolles Zusammenstellen von Weinen (verschiedene Jahrgänge, Rebsorten und Weinberglagen). Das Ergebnis von Verschnitten nennt man auch «Cuvée». Bukett: Das Bukett ist das Resultat aus der Vinifikation eines Weines und dem darauf folgenden Entwicklungsprozess im Fass und der Flaschenreifung. Der Begriff (Blumenstrauss) beschreibt die Summe aller Geruchsund Geschmacksstoffe, die dem Wein sein typisches, arteigenes Geruchsbild geben. Viele Rebsorten haben ein spezifisches Aromenbild, das man mit «sortentypisch» bezeichnet. Depot: Durch Ausscheiden von Stoffen (Bakterien, Gerbstoffe, Farbstoffe, abgestorbene Hefe) bildet sich während der Flaschenreifung ein mehr oder minder starker Bodensatz. Ein Depot tritt vor allem bei Rotweinen auf und wird durch das Dekantieren vom klaren Wein getrennt. Tränen: Auch Kirchenfenster genannt. Damit sind die farblosen Tropfenbahnen, die nach dem Schwenken eines Weinglases entstehen, gemeint. Je alkoholhaltiger der Wein, desto fetter die Tropfen. Weinstein: Verbindungen von Säuren, insbesondere Weinsäure, mit Kalium oder Kalzium. Diese scheiden sich in Form von Kristallen, Stäbchen oder Blättern aus dem Wein und setzen sich auf dem Flaschenboden ab. Es handelt sich dabei nicht um einen Weinfehler und hat auch keinen Einfluss auf den Geschmack.


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gossip � die ferienfrage

«Die Schweiz ist ein fleissiges Volk, das sich schwer tut mit Veränderungen» text � valérie ziegler

Zwei Wochen geschenkte Ferien – wie kann man dazu nicht Ja sagen? Nörgeln und Jammern können wir Schweizer bekanntlich auf hohem Niveau, will man uns jedoch was Gutes tun, schrecken wir oft zurück. Am 11. März 2012 hat das Schweizer Stimmvolk die Initiative «6 Wochen Ferien für alle» deutlich abgelehnt. Wieso nur? Unsere Leserinnen und Leser glauben, gewisse Antworten zu kennen. getAlife hat sich mit einigen von ihnen unterhalten. Die Leserinnen und Leser von getAlife zeigen mehrheitlich wenig Verständnis für das Ablehnen der eidgenössischen Volksinitiative «6 Wochen Ferien für alle». Sie bilden – das Stimmergebnis betrachtend (66,5 Prozent Nein, 33,5 Prozent Ja) – jedoch eine Minderheit. Die Gegner der Initiative machten ihren Stand bereits im Vorfeld deutlich: Mehr Ferien gleich weniger Jobs; KMU würden unter hohen Zusatzkosten leiden – und das neben dem bereits bestehenden Leiden unter der Frankenstärke und der schwierigen Wirtschaftslage –; höhere Arbeitskosten würden der Konkurrenzfähigkeit von KMU schaden, was zu Verlagerungen von Arbeitsplätzen ins Ausland führen könnte; bewährte flexible Arbeitsmodelle stünden in Gefahr, Lohnerhöhungen würden verhindert; es käme nicht zu weniger, sondern zu mehr Stress, da Ferienvertretungen gesucht werden müssten und Zusatzbelastungen und die Hektik dementsprechend zunehmen würden. Auch einigen Leserinnen und Lesern von getAlife scheinen diese Argumente durchaus einzuleuchten: «Die Leute entscheiden meist emotional. Sie befürchten, dass bei mehr Ferien weniger Arbeitsstellen zur Verfügung stehen, vielleicht weil gewisse Firmen mit ihren Arbeitsplätzen in andere Länder ziehen würden, wo die Lohnkosten wegen weniger Ferien und längerer Arbeitszeiten tiefer sind», glaubt ein 64-jähriger selbständiger Anwalt. «Überhaupt entscheiden sich Menschen oft für das Gewohnte, zumindest solange sie das Neue nicht kennen», fährt er fort. «Ich finde es in Ordnung, dass die Initiative abgelehnt wurde. Die Feriensituation in der Schweiz ist bereits sehr komfortabel, auch wenn gratis mehr Ferien für mich persönlich natürlich schön gewesen wären», so der 27-jährige Technische Berater Louis. In vielen Ländern liege die durchschnittliche Anzahl Ferientage weit unter derjenigen in der Schweiz: «Auch mit Feiertagen wird in der Schweiz an und für sich nicht gegeizt. Gemessen an der Wirtschaftsstärke und -stabilität

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ist die Balance zwischen Arbeit und Freizeit eigentlich nicht schlecht», glaubt Louis. So sind für ihn auch die möglichen Gründe für die Ablehnung alles andere als negativ: «Die Bevölkerung in der Schweiz denkt nicht nur an den eigenen Garten, sondern weiss Schweizer Gegebenheiten wie die Jobsicherheit, die wirtschaftliche Stabilität, hohe Löhne und eine gute Beschäftigungsquote zu schätzen. Diese wurde höher gewichtet als der persönliche Wunsch nach mehr Freizeit. Ausserdem sind viele Leute in KMU beschäftigt, bei welchen diese Regelung finanziell schwieriger tragbar gewesen wäre.» Die Schweiz sei laut Fabrice, 31-jähriger Verlagsleiter, nun mal ein KMU-Land: «Viele Unternehmen würden es finanziell nicht verkraften, den Angestellten sechs Wochen Ferien zu gewähren. Bevor wir wie Griechenland in Finanznot geraten, reichen mir meine vier Wochen vollkommen aus», meint er, und erwähnt im nächsten Satz, dass er vor drei Jahren zum letzten Mal in den Ferien war. Auch der 52-jährige Gustav ist überzeugt davon, dass die Schweiz für ein hohes Mass an Qualität bürgt: «Durch sechs Wochen Ferien und dem damit verbundenen Anstieg von Leistungskompensation kann das nicht ausgeglichen werden.» Zu faul, um selbst zu recherchieren Andere können das Ablehnen der Initiative überhaupt nicht verstehen: «Für mich ist klar, dass man sich mehr Zeit für sich nehmen sollte, dass man nur einmal lebt, morgen vielleicht schon tot ist, und dann? Die Arbeit macht dann halt ein anderer», so die Lehrerin Lena. «Zeit ist unbezahlbar! Ich bin da, um zu leben, und nicht, um meine Lebenszeit jemand anderem zu geben. Aber ja, die Schweizer sind halt ein fleissiges Volk und tun sich teilweise gerne etwas schwer mit Veränderungen», macht der 21-jährige Luca deutlich. Die 25-jährige Viola zeigt zwar Einsicht für die Ablehnung der Initiative, und doch: «Auch wenn KMU in den ersten Jahren vielleicht Mühe hätten, ihren Mitarbeitenden plötzlich mehr Ferien zu geben, denke ich, dass es bloss eine Frage der Zeit wäre, bis sich die Situation eingependelt hätte. Langfristig gesehen, wären die Arbeitnehmenden sicher zufriedener und somit wohl auch leistungsfähiger. Zudem könnten dadurch neue Teilzeitstellen geschaffen werden – dies wäre ein Gewinn.» Andere haben gar kein Verständnis für das Resultat der Abstimmung: «Wieder einmal wird uns aufgezeigt, dass nur die wirtschaftlich und nicht die sozial Interessierten abstimmen gehen», glaubt die 27-jährige Zoé, «die Schweizer haben wohl Angst, dass es ihnen in Zukunft


S wirtschaftlich schlechter gehen könnte. Anstatt selber zu recherchieren und Vergleiche anzustellen, glaubt man lieber an die bereits dargelegten Diskussionspunkte.» Stress wird durch Ferien nicht behoben Immer mehr Personen leiden an stressbedingten Krankheiten. Doch was steckt wirklich hinter einem Burnout? Ist es die Überlastung am Arbeitsplatz, oder ist Burnout einfach ein anderer, moderner Begriff für Depression? Schliesslich verbringen Leute, die unter einem Burnout leiden ja den grössten Teil des Tages am Arbeitsplatz – da liegt es nahe, die Unzufriedenheit auf den Job zurückzuführen.

urban dictionary klärt auf: 1. styleoso p

«Der Stress wirkt 52 Wochen im Jahr: der Druck der Firmen, aber auch der Druck der Gesellschaft sind permanent. – Dieses Problem gilt es, anzupacken», glaubt ein 52-jähriger Betriebsökonom.

Bis es soweit ist, dürften wohl noch einige Überstunden gemacht werden. Denn nicht nur getAlife-Leserin Chloé weiss: «Ohne Fleiss und Ordnung gibt es keinen Preis.» Auch wenn nicht wirklich zeitgemäss, trifft diese Aussage noch immer den Nerv der (Schweizer) Zeit. Zumindest bis zum nächsten SCHALTjahr.

hy

ur ban: st yl eosophy is the abbrevia sophy. Whe tion of st yle n speaking and philoabout fash trends and ion, st yle is fads, it’s ab not about out your ow what’s fab and right no n personal w. take on zu Deutsch : Das Wor t «s tyleosophy» den Wör tern ist eine Misch Style und Ph ung aus nur neue Tr ends und La ilosophie. Mode bede utet nicht unen. Vielm genen pers ehr geht es önlichen An um die eisichten darü und toll für ber, was ge einen selbst rade richtig ist.

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Für andere ist Stress etwas Kurzfristiges: «Stress entsteht meines Erachtens weitgehend durch kurzfristige Überforderungen: Es gibt einen Overflow an Informationen, es muss alles immer sofort erledigt werden. Zusätzlich stellen auch inkompetente Chefs und Arbeitskollegen oft ein Problem dar. Zu oft wird die Würde des Gegenübers vergessen und abschätzig und verletzend kommuniziert – was helfen da zwei Wochen mehr Ferien?», fragt ein 53-jähriger Ausbildungsberater.

Auch Fabrice setzt auf dieses Rezept: «Heute wird viel mehr Wert darauf gelegt, dass die Arbeit professionell erledigt wird. Keiner zählt mehr die Stunden. Ob nun acht oder achteinhalb Stunden gearbeitet wurden, interessiert mich nicht!» – Schön, wenn dies alle Arbeitgeber so sehen würden.

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WHAT?!

Für Fabrice geht es noch ein Stück weiter: «Ich glaube, dass Burnout oder andere psychische Belastungen immer häufiger zu Modeerscheinungen und von Arbeitnehmenden ausgenutzt werden. Zwei Wochen mehr Ferien werden das bestimmt nicht ändern.»

Manche Arbeitnehmende kommen bereits in den Genuss von fünf oder sechs Wochen Ferien jährlich. Die anderen müssen sich, wohl oder übel, auch weiterhin mit ihren vier Wochen begnügen. Viel wichtiger scheint jedoch zu sein, das Problem der Überlastung und der stressbedingten Krankheiten langfristig in den Griff zu bekommen. Die Idee von Homeoffice und Gleitzeiten sollen dem vorbeugen.

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urb r heal out his/he ist eine Per sessed ab ealth nut» «h ne Ei ist. ch: en ts ss eu se D zu undheit be n ihrer Ges son, die vo

3. -licious ur ban:

A suffix that can be placed at the Once «-licious» is end of most oth placed at the en er words. d of a word, it no xual connotations w usually has se or is of ghetto na tur e. It is meant to thing or person is imply that the voluptuous, sex y or «juicy». This su implemented by ffix was originally Beyoncé in the co mmon catch phras Parents and midd e «bootylicious». le-aged talk show hosts often use thi ghetto culture, mu s to parody the ch as they latched onto the suffix «-iz zu Deutsch: Ein zle». Suffix, welches an praktisch jedes Wo werden kann. No rmalerweise verleih rt angehängt t der Wortzusatz sexuelle Assozia dem Begriff eine tion, oder aber da s neu entstande die Sprache des ne Wort simuliert Ghettos. Man be nutzt das Suffix, auszudrücken, da um beispielsweise ss eine Sache od er eine Person ero reizvoll ist. Beka tisch, sex y oder nnt wurde «-licio us» durch Beyonc cious». Häufig wir és Song «bootyli d das Suffix auch vo n bern benutzt, um Eltern oder Talks how-Gastgedie Ghettokultur zu verspotten – äh Suffix «-iz zle». nlich wie mit dem

vs. boob 4. boop urban: whatever the f*** you want.

boop, zu Deutsch: Was auch immer ... es bedeutet nichts und alles zugleich. boob, urban: 1. a woman’s breast; 2. a stupid person, a rural oaf; 3. a blunder zu Deutsch: 1. die Brust einer Frau; 2. eine dumme Person, ein ländlicher Tölpel; 3. ein Patzer

Alle Namen wurden von der Redaktion geändert.

urbandictionary.com getAlife � 02/12 � 73


rubrik � rubrik

BE NERDY

Woher kommt der Sand am Strand? text � dr. alexander stahr

Er klebt unangenehm an der feuchten Haut und scheuert in der Badehose. Er rieselt in jede Ritze, und trotzdem sehnen sich ihn Millionen urlaubsreifer und Schmuddelwetter-geplagter Menschen herbei: den Sand am Strand. Doch woher kommt er? Sicherlich hast du dich schon einmal gefragt, woher denn der viele Sand am Strand kommt? Gesteine verwittern über Jahrmillionen zu Schutt, Sand und Staub. So beispielsweise auch diejenigen, die gewaltige Alpengipfel bilden. Durch den Niederschlag, Bäche und Flüsse gelangen diese Überreste schliesslich ins Meer. Wellen werfen ihn an den Strand Die sehr feinen Staub- und Tonteilchen mit Grössen von weniger als 0,063 Millimetern bleiben im Meer lange in der Schwebe und verschwinden meist in den Abgründen der Tiefsee. Jene Überreste hingegen, die einen Durchmesser zwischen 0,063 und 2 Millimetern aufweisen, werden als Sand bezeichnet und an der Küste von den Wellen als Strand abgelagert. Quarz ist dominant Wenn man den gewöhnlichen Sandstrand genau betrachtet, erkennt man, dass die einzelnen Körnchen abgerundet und milchig oder farblos sind. Sie bestehen oft alle aus einem Mineral, dem Quarz. Quarz ist Siliziumdioxid. Es ist das häufigste Mineral an

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der Erdoberfläche und härter als Stahl. Daher «überleben» meist nur die Quarzsandkörnchen den Transport vom Berg zum Meer. Auf ihrer langen Reise reiben sich die Körnchen immer wieder aneinander und werden auf diese Weise rundlich und glatt. Selbst am Strand werden sie in der Brandung noch weiter abgerieben, zerkleinert und zugerundet. Andere Länder, andere Farben Im Quarz eingeschlossene Mineralien sorgen für Farbe am Strand: Oxidiertes Eisen färbt den Sand rot, Feldspat tönt die Körner grün. Es gibt aber auch dunkle Sandstrände. Das hat zwei Gründe: Der Strand besteht, wie beispielsweise auf Hawaii, entweder aus dunklen vulkanischen Sandkörnchen oder aus dunklen Schwermineralien. Diese besitzen ein höheres Gewicht und werden durch die sortierende Wirkung des Wassers an bestimmten Stellen konzentriert. Zu diesen Mineralien gehört beispielsweise der schwarz glänzende Magnetit.

Dieser Beitrag stammt aus der Reihe «Rätsel des Alltags» von wissen.de. Weitere Rätsel finden Sie bei


business babble � bewerbungstipps

Wie stressresistent bist du?

text � michele di pippo

Adrenalin schiesst durch den Körper, der Puls steigt auf 180, die passenden Worte fehlen, der Kopf wird rot – Bewerbungsgespräche sind selten eine lockere Angelegenheit. Erst recht nicht, wenn man dabei noch tausend Dinge beachten muss: ein gepflegtes Aussehen, eine gute Vorbereitung und Ehrlichkeit. – Doch ist das bereits alles? Leider nein. Wer beim ersten persönlichen Gespräch punkten will, sollte sich gut vorbereiten. Hat man mit seiner schriftlichen Bewerbung den ersten guten Eindruck hinterlassen und wird zum persönlichen Bewerbungsgespräch eingeladen, ist bereits eine grosse Hürde geschafft. Doch nun kommen neue Fragen auf: Wie kann ich mich optimal vorbereiten? Welche Fragen sollte ich stellen? Wie verhalte ich mich richtig? Was ziehe ich an? Ein leichter Anflug von Panik macht sich breit. Das Vorstellungsgespräch ist vergleichbar mit einer mündlichen Prüfungssituation, auf die es sich gut vorzubereiten gilt. Ganz entscheidend im Gespräch ist der allererste Eindruck, der in den ersten ein bis zwei Minuten gesammelt wird. Umso mehr gilt es, bereits am Anfang unerlässliche Sympathiepunkte zu sammeln. Geschulte Personalentscheider können Bewerbende mit gezielten Fragen schnell durchschauen. Gibt es unschlüssige Lücken im Lebenslauf? Wurde eine Position etwas gar verschönert oder unklar beschrieben? Wie verhält es sich mit den Soft Skills: Ist der Bewerbende eher ein Teamplayer oder ein Einzelgänger, wirkt er selbstbewusst oder unsicher, ist er aufgeschlossen oder introvertiert? Personalentscheider durchschauen uns häufig schneller als wir glauben. Wer glaubt, er könne sich nicht mehr ändern, irrt sich. Soft Skills wie ein selbstsicheres Auftreten, Offenheit oder eine gute Artikulation können selbst im Erwachsenenalter noch erlernt oder verbessert werden. Für eine Reflexion des eigenen

Verhaltens ist es nie zu spät, oft fehlt es jedoch an professionellem Coaching oder Feedback. Auch gilt es, ausreichende Informationen über das Unternehmen zusammen zu tragen. Ein Blick auf die Firmenwebsite oder aktuelle Pressemeldungen über das Unternehmen bieten meist eine gute Grundlage. Wichtig ist es auch, hieraus spezifische Fragen zum Unternehmen auszuarbeiten und diese im passenden Moment zu stellen. Hilfreich ist es auf alle Fälle, Frage- und Antworttechniken zu beherrschen und zu wissen, wie man auf unangenehme Fragen flexibel reagieren kann. Denn das FrageAntwort-Spiel wird gerne plötzlich auch umgekehrt gespielt, sodass man aufgefordert wird, selbst Fragen zu stellen. Bei offen gestellten Fragen gilt die Faustregel: Weder zu knapp noch zu ausführlich antworten! Auch bei den eigenen «Verkaufsargumenten» sollte man weder über- noch untertreiben. Wer beim gesunden Mittelmass bleibt, kann nicht viel falsch machen. Viele Personalentscheider erzeugen durch provozierende Fragen gerne Stresssituationen. In diesen Situationen gilt es, ruhig, sachlich und gelassen zu reagieren. Diese Methodik wird nämlich meist nur eingesetzt, um herauszufinden, wie stressresistent ein Kandidat ist. Bewerbende sollten sich von der Begrüssung bis hin zur Verabschiedung stets freundlich und aufgeschlossen verhalten. Ein Gespräch auf Augenhöhe ist das, was überzeugt. Sei selbstkritisch und versuche, bereits im Vorfeld, dezente Hinweise aus dem privaten Umfeld zu reflektieren und zur Vorbereitung zu nutzen – dann kann eigentlich nicht viel schief gehen. Michele Di Pippo ist Managing Director der Hager Unternehmensberatung Schweiz GmbH in Zürich.

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rubrik � rubrik

Fast so wie in der Liebe Der Weg zum Erfolgsunternehmer text � thorsten hainke & simon may

Eigene Visionen entwickeln, neue Freiheiten gewinnen – ein Traum von vielen Jungunternehmern. Doch was muss bei der Gründung eines Start-ups alles beachtet werden? Wer folgende Tipps befolgt, hat gute Chancen, die Gleichung «selbständig = glücklich» auch für sich zu beanspruchen. Die Schweiz ist ein Gründungsland – noch nie wurden so viele neue Firmen gegründet wie im letzten Jahr. Das Handelsregister zählte insgesamt 39’665 Neueintragungen. Was ebenso bewiesen ist: Fast alle, die diesen Schritt gewagt haben, würden ihn wieder machen und sind demnach glücklicher als zuvor. Auch wenn es vor allem in der Gründungsphase einige Hürden zu meistern gilt, bilden die neu gewonnenen Freiheiten und der Anreiz, die eigenen Visionen zu verwirklichen für viele die ausschlaggebenden Argumente, den Schritt zu wagen. Allein in die Selbständigkeit Die grösste und gleichzeitig auch anspruchsvollste Herausforderung ist es, ein Unternehmen «auf der grünen Wiese» von Grund auf neu aufzubauen. Aus dem Nichts entsteht etwas – das Werk des Unternehmers oder der Unternehmerin. Doch aufgepasst: Die Konkurrenten erwarten einen Neuling keinesfalls mit offenen

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Armen. Wer eine eigene Firma gründet, muss sich seinen Platz im Markt hart erkämpfen. Von besonderer Wichtigkeit wird es sein, das Vertrauen der Kunden und der wichtigsten externen Beeinflussenden schnell zu gewinnen und durch gezielte Beziehungspflege langfristig halten zu können. Die Eigenschaften des Unternehmers Einige Faktoren sind für den Erfolg von zentraler Wichtigkeit. Neben einer fundierten unternehmerischen Idee sollten Neuunternehmer über genügend finanzielle Mittel verfügen, damit die zarte Pflanze «Selbständigkeit» während der anfänglichen Durststrecke nicht gleich vertrocknet. Zusätzlich ist es von grossem Vorteil, wenn man ausgezeichnete fachliche und unternehmerische Fähigkeiten vorzuweisen hat. Nicht zuletzt spielt auch die Bereitschaft zu einem überdurchschnittlichen, flexiblen Einsatz (durchschnittlich zehn Stunden pro Tag während sechs Tagen die Woche). Zusammen ist man weniger allein Das finanzielle Risiko und die persönliche Belastung, ein Unternehmen alleine aufzubauen, sind sehr hoch. Daher entschliessen sich viele Gründerinnen und Gründer dazu, den entscheidenden Schritt mit einem Geschäftspartner zu machen. Risiko,


business babble � start-up

Aufgaben und Verantwortungen können so auf mehrere Personen verteilt werden, um eine Stellvertretung braucht man sich nicht mehr zu kümmern. Zwei oder mehrere Personen können zudem mehr Kontakte zu Kunden und Meinungsbildnern knüpfen und dadurch auch schneller vorankommen als einer allein. Dafür steigen jedoch auch die Kosten generell an. Die Kehrseite der Medaille «Synergien» heisst «Reibungsverluste». Den passenden Geschäftspartner finden Im Geschäftsleben sollte der Partner mindestens so sorgfältig ausgewählt werden wie in der Ehe. Wird eine Partnerschaft nur aus finanziellen Gründen eingegangen, so ist das Scheitern vorprogrammiert: Die unterschiedlichen Ziele der beiden Partner führen über kurz oder lang zu Interessenkonflikten. Erfahrungsgemäss gehen 80 Prozent der Partnerschaften, innerhalb von Firmen wie auch zwischen verschiedenen Unternehmen innert zwei Jahren wieder auseinander. Das Wichtigste in einer Partnerschaft ist, dass sich die beiden Parteien optimal ergänzen (etwa durch Verkaufserfahrung sowie Fach- und Branchenwissen) und übereinstimmende Vorstellungen über die Zukunft der gemeinsamen Firma haben (Zielsetzungen, Wachstum, Finanzen, Engagement et cetera). Es ist also von Vorteil, sich ausreichend Zeit zu lassen, um sich mit allen auftretenden Fragen intensiv auseinanderzusetzen. Ohne Plan kein Business Vor der Umsetzung gilt es, sich intensiv mit der Geschäftsidee auseinanderzusetzen. Welche Grundbedürfnisse der künftigen Privat- oder Geschäftskunden werden befriedigt? Der Businessplan ist oftmals das Fundament für ein Unternehmen. Ein guter Businessplan sollte unter anderem folgende Fragen beantworten können: Was soll es? Was bringt es? Und was kostet es? Ein Businessplan ist nur so gut, wie diese Fragen beantwortet und die Antworten belegt werden können. Der Businessplan dient somit als Richtschnur für die Planung, Umsetzung und den finanziellen Hintergrund. Ausserdem werden darin die Stärken und Chancen des Vorhabens aufgezeigt und es wird auf Schwächen und Risiken hingewiesen. Saubere Analyse – klare Strategie Was sind die Stärken und Schwächen, wo liegen Chancen und Gefahren? Sinnvollerweise sollte man sich weitreichende Informationen verschaffen und Marktteilnehmende und die verschiedenen Absatzkanäle genau unter die Lupe nehmen. Die bekannte SWOT-Analyse (englisch für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Bedrohungen)) hilft, nichts zu übersehen. Ausserdem kann eine sorgfältig festgelegte Strategie den langfristigen Erfolg sichern. Das Businessmodell (Welchen Nutzen stiftet das Unternehmen oder das Produkt? Welche Leistungen bietet es auf welchen Märkten? Wodurch wird Geld verdient?) und die Kernkompetenzen der Firma (Strategische Erfolgspositionen (SEP)) sind der Schlüssel zum Erfolg. Zu guter Letzt geht es darum, sich mit einer Mass-

nahmenplanung verschiedenen Themen wie Rechtsform, Versicherungen, Marketing, Verkauf, Buchhaltung, Schutzrechte et cetera zu widmen. Bilanz, Erfolgsrechnung und Cashflow-Statement – so lauten die Bestandteile des Jahresabschlusses. Ausserdem befasst man sich in der Finanzplanung mit den verschiedensten Finanzierungsarten (Banken, Venture-Capital et cetera) für das Unternehmen und mit den geltenden Steuern. Mit dem Management-Summary zum Ziel Eine kurze, prägnante Zusammenfassung ermöglicht es, den Businessplan empfängerorientiert an verschiedene Adressaten zu übermitteln. Egal ob Geschäftspartner, Wirtschaftsförderung, Businessplanwettbewerb-Jury, Treuhänder, Bank oder Investor – mit dem Summary und dem «roten Faden» durch den Businessplan können selektierte Partner gewonnen werden. Thorsten Hainke ist Medien- und Kommunikationsverantwortlicher des IFJ Institut für Jungunternehmen. Simon May ist Mitglied der Geschäftsleitung des IFJ Institut für Jungunternehmen.

Firmengründung per Knopfdruck Seit 1989 begleitet das IFJ Institut für Jungunternehmen Neugründerinnen und Neugründer auf dem Weg in die Selbständigkeit. Dank einfacher und online-basierter Gründungsservices, wie sie das IFJ anbietet, ist es heute für Firmengründer in der Schweiz genial einfach, ihre eigene GmbH oder AG zu gründen. Der Schritt für Schritt-Prozess auf www.firmen-gruendung.ch führt die Gründer durch die rechtlich relevanten Angaben, die zur Gründung ihrer neuen Firma führen. Die notarielle Gründung sowie die Anmeldung im jeweiligen kantonalen Handelsregisteramt übernehmen Juristen und Urkundspersonen des IFJ. Alle notwendigen Dokumente stehen in einem geschützten Bereich online zur Verfügung. Der Prozess zur Firmengründung ist genauestens dokumentiert. Eine GmbH kann für CHF 950, eine AG für CHF 1'500 innert weniger Tage professionell gegründet werden. Weitere Informationen zur Firmengründung und die nötige Hilfe bietet dir das IFJ-Team. firmen-gruendung.ch ifj.ch

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rubrik � rubrik

MRS. RIGHT Geschenk mit Ablaufzeit text � lisa thieme

Manche empfinden es als nicht besonders kreativ, bei anderen – wie etwa bei mir! – ist das Geschenk sehr beliebt. Praktisch ist es auf jeden Fall – und viel falsch machen kann man mit dem Geschenkgutschein eigentlich auch nicht. Die oder der Beschenkte muss sich schliesslich nicht für ein Geschenk bedanken, das sie oder er total grässlich findet, sondern kann sich im Laden seinen Präferenzen hingeben. Alles schön und gut – zumindest auf den ersten Blick. Juristisch betrachtet, könnte man wohl eine ganze Doktorarbeit über Gutscheine schreiben. Denn allein die rechtliche Einordnung und deren Konstruktion können nicht in einem Satz definiert werden. Fraglich ist nämlich bereits, ob es sich um den Kauf eines Inhaberpapiers, um einen Vertrag zugunsten des Papierinhabers oder um einen Vorvertrag handelt. Spannender wird es, wenn man bedenkt, dass auf so gut wie allen Gutscheinen eine Einlösefrist steht, oder diese in den allgemeinen Geschäftsbedingungen festgehalten ist. Mal heisst es 12 Monate, mal 24 Monate. Auch wenn zwei Jahre eine lange Zeit sind – zumindest, um shoppen zu gehen –, passiert es immer wieder: «Es tut mir Leid, aber dieser Gutschein ist bereits abgelaufen. Wie wollen Sie bezahlen?» Wirklich ärgerlich, schliesslich hat die Freundin oder der Freund bereits im Voraus dafür bezahlt – völlig umsonst! Oder nicht? Ist die Beschränkung der Einlösefrist überhaupt zulässig? Tja, das ist hier die Frage der Fragen und kann leider (wie so einige andere interessante juristische Problemstellungen) pauschal nicht mit ja oder nein beantwortet werden. Die vertragliche Abänderung der Verjährungsbestimmungen der in Artikel 114 bis 142 im Obligationenrecht enthaltenen Fristen wird in Artikel 129 verboten. Diese Regelung ist zwingend. Darunter fällt jede Verkürzung oder Verlängerung der Fristen. Je nach Art der Forderung beläuft sich diese zwingende Frist auf fünf beziehungsweise zehn Jahre (Artikel 127 und 128 im Obligationenrecht). Auf die meisten verkörperten Forderungen in Gutscheinen wird die Fünfjahresfrist des Artikels 128 Anwendung finden. Im Bundesgerichtsentscheid BGE 132 III 285 ff, 290 aus dem Jahr 2006 wird ausdrücklich festgehalten, dass die Bedingung, Forderungen

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innert zwei Jahren gerichtlich geltend zu machen, gegen Artikel 129 verstösst. Die Mehrheit der Lehre findet es jedoch nicht einsichtig, dass dies nur Fristen zur gerichtlichen Geltendmachung erfassen soll. Anscheinend wird aber die Zulässigkeit der Verabredung kürzerer Fristen mit dem Argument geschützt, ein auf Artikel 129 gestütztes Verbot stelle im Ergebnis einen zu grossen Eingriff in die Vertragsautonomie dar. Wenn Lehre und Bundesgericht sich nicht einig sind, ist dies nie ein gutes Zeichen. Es bleibt also abzuwarten, was sich hinsichtlich der Einlösefrist von Gutscheinen noch tut. Fakt ist, dass die Vorleistung des Gutscheinerwerbers überhaupt nicht honoriert wird, da seine vertragliche Interessenslage nachteilig ist. Denn die gewöhnlichen Beschränkungen auf ein oder zwei Jahre sind bereits eine erhebliche Abweichung vom Gesetz. Zum Schluss kann ich lediglich den Tipp geben, vorgängig Informationen über die Einlösefrist einzuholen und – sollte es mal zu spät sein – auf die Kulanz des Geschäfts zu hoffen. Den diskutierfreudigen unter euch sei natürlich auch die Möglichkeit gegeben, auf den Tisch zu hauen und zu sagen, dass mit der Beschränkung der Einlösefrist gegen zwingendes Gesetzesrecht verstossen wird. Ich wünsche Gelingen!

Lisa Thieme ist Juristin.


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BACK IN THE WILD SEVENTIES

Kinoträume vs. Realitäten text � georg lutz

Kino bedeutet – bereits seit den ersten Vorführungen von bewegten Bildern – Abenteuer! Das Kino erlaubt es uns nicht nur, im Dunkeln in Traumwelten zu versinken, sondern es macht auch Mut, nach der Hand daneben zu greifen und eine erste Liebe an Land zu ziehen. Die Kinowelt gibt meist auch Aufschluss über den jeweiligen Zeitgeist. In den sechziger Jahren war das Kino opulent. Die grossen, mit schweren roten Vorhängen verzierten Kinosäle mit ihren Balustraden aus Kunstgold glichen Opernhäusern. Damals wurde man noch von Menschen mit Taschenlampen an seinen Platz geführt. Neben unsäglichen Heimatfilmen, die wir schlicht abschreckend fanden, kam das grosse Kino in erster Linie – wie heute noch – aus Hollywood. Für «Ben Hur» mit Charlton Heston oder «Cleopatra» mit Liz Taylor wurden ganze Studiostädte gebaut. Typisch für praktisch alle damaligen Filme: der Bösewicht und das Happy End. Ende der Sechziger stiessen die epischen Breitwandschinken an ihre Grenzen: John Wayne und Gary Grant sahen gegenüber Jane Fonda oder Faye Dunaway ganz schön alt aus. Das lag aber nicht nur am Charme der Jugend, sondern vor allem auch an den jungen und wilden Filmemachern, die keine Traumfabrik mehr bedienten, sondern mit im Outcast lebenden Verlierertypen ihre Gesellschaft abbilden wollten. Arthur Penn markierte im Jahr 1967 mit seiner Verfilmung von «Bonnie und Clyde» – einem Gangsterpärchen während der grossen Depression in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts – den Anfang. Der Dreh- und Angelpunkt war die Auseinandersetzung mit dem Krieg in Vietnam. Bereits 1970 drehte Robert Altman die bitterböse Kriegskomödie «MASH». Den Stilrichtungen waren kaum Grenzen gesetzt. So gab es die Verfilmung des Musicals «Hair», den verstörenden Kriegsfilm «Apocalypse Now», das umstrittene Kriegsepos «Deer Hunter», oder das Kammerspiel «Coming Home». Aber auch technisch und atmosphärisch kam man in den siebziger Jahren weiter. Eines der beeindruckendsten Beispiele liefert «French Connection» – Brennpunkt Brooklyn. William Friedkin inszenierte 1971 den Prototyp des modernen Polizeifilms.

Noch heute orientieren sich die Verfolgungsjagden in Filmen an diesem Vorbild. Auch in Europa wandelte sich das Kino, wobei hier die Altmeister und die jungen Experimenteure beeindruckenderweise die Kurve in die neue Zeit gemeinsam meisterten. Italiener wie Federico Fellini und Luchino Visconti, oder die Franzosen François Truffaut und Jean-Luc Godard erhöhten unsere Frequenz, ins Kino zu gehen gewaltig. Und das obwohl die imposanten Kinosäle in der Zwischenzeit fast ausschliesslich zu unbeliebten «Schuhschachtelkinos» mutierten. Was war das persönliche Highlight für mich? Mit «Picknick am Valentinstag» schaffte der Australier Peter Weir aus dem Jahr 1975 den internationalen Durchbruch. Drei junge Mädchen eines Internats verschwinden auf einem Ausflug zum Hanging Rock am Valentinstag 1900 auf mysteriöse Weise. Die gesetzte Ordnung der viktorianischen Zeit gerät aus den Fugen. Die Andeutungen einer verschwommenen Sexualität und eine euphorische Stimmung – im Rahmen von rigiden Moralvorstellungen – münden in einem subtilen Horrorfilm, der in einem atmosphärischen Schwebezustand zwischen Leben und Tod pendelt. Die Hauptdarstellerin Anne-Louise Lambert verdrehte mir als Miranda dabei völlig den Kopf … Die Zeit des Aufbruchs endete Ende der Siebziger: Der Aufstieg von Regisseuren wie George Lucas und Steven Spielberg markierte den Typ von Film, den wir heute Blockbuster nennen. In «Star Wars» gab es erneut sowohl die guten, als auch die bösen Welten – die Traumfabrik knüpfte wieder an ihre Wurzeln an.

Georg Lutz war in den siebziger Jahren Teenager und ist heute Chefredaktor der Life Medien.

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