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r ist der gefeierte Star unzähliger Blockbuster: Johnny Depp selbst hat aber ob seines Weltruhms nie den Boden unter den Füßen verloren. Der Schauspieler, der am 9. Juni seinen 50. Geburtstag feierte, war immer auch ein „Outlaw“ in der Star-Maschinerie. Weshalb er zum Interview auch mit seinem geliebten löchrigen Hut erschien. Sein neuer Film kommt am 8. August in die Kinos: „Lone Ranger” ist eine amerikanische Kult-Story, die nun unter der Regie von Gore Verbinski („Fluch der Karibik“) verfilmt wurde: Der Indianer Tonto (Depp) erzählt die sagenhafte Geschichte, die den Texas Ranger John Reid (Armie Hammer) in einen maskierten Rächer gegen das Verbrechen verwandelt – und nimmt die Zuschauer mit auf eine tollkühne Achterbahnfahrt voller Überraschungen und witziger Reibereien zwischen den beiden ungleichen Helden, die erst lernen müssen, zusammen zu arbeiten, um gemeinsam gegen Korruption und Habgier zu kämpfen. „Lone Ranger“ war eine populäre Radioshow, die es bis 1954 insgesamt auf 2956 Folgen brachte. Auch im TV waren die Figuren der Reihe ein Erfolg. celluloid: Mr. Depp, was bedeutet die Geschichte von „Lone Ranger“ für Sie? JOHNNY DEPP: Als Kind sah ich die Show im Fernsehen und verstand nie, warum Tonto nur die Nebenfigur war. Bei der Recherche für die Rolle wollte ich mich genau mit den Lebensumständen der amerikanischen Ureinwohner auseinandersetzen. Ich habe die Rolle des Tonto so angelegt, um – für mich in meinen bescheidenen Möglichkeiten – ein paar der vielen Ungerechtigkeiten, die man diesen Menschen angetan hat, richtig stellen zu können. Sie sind gerade 50 geworden. Wie sehen Sie heute den SchauspielerBeruf und auch den Rummel, den ein Star wie Sie permanent auslöst? Schauspielen tu’ ich mittlerweile nur mehr, um davon zu leben. Ich bin sehr dankbar, dass ich das Privileg habe, diesen großartigen Job machen zu dürfen. Aber das, was wirklich zählt, sind einzig meine Kinder.

plötzlich den Grund erkannt, weshalb ich überhaupt lebe. Ich hatte Jahre der Selbstzerstörung und des Raubbaus hinter mir und wusste eigentlich nie genau, wofür ich da bin. Nichts war wirklich befriedigend, nichts hat mir wirklich etwas bedeutet. Und das hat sich durch meine Kinder verändert. Geht es Ihnen auf die Nerven, nicht mal in eine Bar auf einen Drink gehen zu können, ohne gleich von Fans umringt zu sein? Ja, das ist manchmal schon sehr unangenehm. Als ich es das letzte Mal ausprobierte, hatte ich eine große Baseball-Mütze auf. Aber es hat nicht funktioniert. Man hat mich trotzdem erkannt. Wie gehen Sie damit um, überall als großer Star gefeiert zu werden? Ich gehe damit gar nicht um, weil ich mich selbst nicht als Star bezeichne. Ich denke nicht in diesen Dimensionen, die die Medien für mich erfunden haben. Die Leute reden sehr viel darüber, wie sie sich anziehen. Steckt dahinter eine Message? (Depp trägt einen alten Schlapphut, steinalte Schuhe, eine verwaschene Jacke und hat einen Drei-Tage-Bart, Anm.) Das, was ich heute anhabe, ist Absicht. Ich habe es so ausgesucht. Das ist die traurige Wahrheit (lacht). Ich ziehe nur das an, worin ich mich wohlfühle. Der Hut ist zum Beispiel ein alter Freund von mir. Ich habe ihn schon 30 Jahre, und er ist eine Art Sicherheitsdecke für mich. Ich mag neue Sachen nicht so gern, ich stehe mehr auf alte, gebrauchte Klamotten. Darin fühle ich mich

ehrlicher. Ich will niemandem mehr etwas vorspielen, schon gar nicht mir selbst. Ich möchte einfach so sein, wie ich bin. Dazu gehört auch, dass Sie keinen Hehl daraus machen, Raucher zu sein. Wie verhalten Sie sich in L.A., wo es verpönt ist, auf der Straße zu rauchen? Man muss sich das so vorstellen: Du bist in einer Stadt, die zu den verschmutztesten der Welt zählt. Und dort erzählen sie dir: Rauchen verboten. Stellen wir das mal klar: Du kannst in jede Bar gehen und dich dort komplett vollsaufen. Danach kannst du dich in dein Auto setzen und dich oder andere umbringen. Aber: Du darfst nicht rauchen. Das ist pervers. Ich habe schon beschlossen, meine eigene Airline zu gründen. Sie wird „Air Smoke“ heißen, und an Bord ist es Pflicht, zu rauchen (lacht). In den USA gibt es wohl häufig diese Doppelmoral? Einige Zeitungen haben geschrieben, ich sei antiamerikanisch und hasse die Vereinigten Staaten. Das ist bullshit. Ich liebe Amerika, sowohl das Land als auch die Menschen. Dieses Land hat mir meine Karriere überhaupt erst ermöglicht. Was ich immer wieder kritisiert habe, und was falsch verstanden wurde: Ich bin enttäuscht darüber, in welche Richtung Amerika geht. Es gibt immer mehr Geiz, der alles antreibt und auch immer mehr Gewalt und Ignoranz in der Gesellschaft. Wenn man Vater ist, will man seine Kinder vor all dem so gut es geht abschirmen, vor der Ignoranz und der stupiden Realität. Es gibt zuviel Verrücktheit auf  Erik Hartmann der Welt. 

Johnny Depp und Armie Hammer in „Lone Ranger“

Filmstart: 08.08.13

Wie haben Ihre Kinder Ihr Leben verändert? Als meine Tochter Lily-Rose zur Welt kam, hatte ich nach der Geburt das Gefühl, erstmals in meinem Leben wirklich klar zu sehen. Jemandem das Leben geschenkt zu haben! Ich war 35 und alles wurde klar vor meinen Augen. Ich habe celluloid 5a/2013

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Celluloid5a Beilage zur Wiener Zeitung  

Unsere Beilage zur Wiener Zeitung am 29.6.2013 mit Johnny Depp, Andreas Prochaska, Anne Hathaway, und Robert Redford

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