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filmkritik

THE COMPANY YOU KEEP

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Robert Redford widmet sich in seiner neuen Regiearbeit wieder einem politischen Thema und spielt das Ex-Mitglied einer früheren Terrorgruppe.

Constantin

Filmstart: 26.07.13

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obert Redford ist mit seinen 76 Jahren nicht nur nach wie vor als Schauspieler gefragt (soeben erst stellte er den umjubelten „All Is Lost“ von Regisseur J.C.Chandor vor, in dem er einen auf hoher See um sein Leben bangenden Schiffbrüchling spielt), sondern ist auch in seiner Regiearbeit konsequent wie eh und je: Denn Redford lebt dafür, mit seinen Filmen auch relevante Aussagen zum Zustand der Politik zu treffen. „The Company You Keep“, der seine Weltpremiere letzten Herbst außerhalb des Wettbewerbs beim Festival in Venedig hatte, befasst sich mit einem wahren Ereignis der US-Geschichte, aber Redford interessiert weniger das Historische an der Buchvorlage von Neil Gordon, sondern die Auswirkung einstiger Ereignisse auf das Heute. In seiner letzten Regiearbeit „Die Lincoln Verschwörung“ (2010) hat er das noch im historischen Gewand versucht, als er zwischen den Zeilen einen Brückenschlag vom 19. Jahrhundert zum Post-9/11-Trauma zog. Jetzt hingegen verhandelt er aus heutiger Sicht lange zurückliegende Ereignisse. Redford spielt den Anwalt Jim Grant, der von dem jungen Journalisten Ben Shepard (Shia LaBeouf) mit seiner Vergangenheit

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celluloid 5a/2013

konfrontiert wird: Vor 30 Jahren war Grant Mitglied einer bis heute untergetauchten Terrorgruppe, die mit Anschlägen unter anderem gegen den Vietnam-Krieg protestierte. Als Shepard Grants wahre Identität lüftet, wird Grant zum Gejagten und taucht unter. Auch die übrigen Mitglieder der Gruppe leben unter verdeckten Namen und müssen sich ebenso vor der Enttarnung fürchten. Sie sind allesamt mit großen Namen des Hollywood-Kinos glänzend besetzt: Susan Sarandon, Julie Christie, Sam Elliot und Brendan Gleeson gefallen, einzig Nick Nolte wirkt ein wenig deplatziert. Das hat aber nichts mit seiner Figur, sondern mit seinem Allgemeinzustand zu tun: Nolte hat seine beste Zeit ganz offensichtlich hinter sich. SOLIDES POLIT-KINO  „The Company You Keep“ stellt sich als ein solide inszeniertes und ebenso gespieltes Polit-Drama heraus, das diese wahren Ereignisse rund um das radikale Manifest von „The Weather Underground“ thematisiert. Diese linksextreme Gruppierung ging in den 60er und 70er Jahren in den USA mit Bombenanschlägen gegen Regierungsgebäude vor, auch, um

ihren Frust über die Kriegs-(Vietnam-)Politik der Mächtigen abzubauen. Die Protestler von einst hatten sich falsche Identitäten zugelegt und lebten jahrzehntelang unentdeckt. Dennoch wissen sie: Sie werden bis an ihr Lebensende Gejagte sein, und Redford verhandelt in „The Company You Keep“ das zaghafte Schreiten seiner Figuren auf dem brüchigen Eis, unter dem die Wahrheit liegt. Redford hat „The Company You Keep” als effektarmes, aber suspensegeladenes Drama inszeniert, das mit viel Dialog hantiert, ohne sich jemals zum Sprechstück zu reduzieren. Redfords Regie und auch sein Spiel sind überaus geradlinig, und das ist eine beinahe schon gängige Eigenschaft des anspruchsvolleren US-Unterhaltungskinos: Es will eine Message transportieren, und die soll von jedem verstanden werden.   Matthias Greuling

THE COMPANY YOU KEEP USA 2012. Regie: Robert Redford. Mit Robert Redford, Shia LaBeouf, Julie Christie, Susan Sarandon FILMSTART: 26.07.2013

Celluloid5a Beilage zur Wiener Zeitung  

Unsere Beilage zur Wiener Zeitung am 29.6.2013 mit Johnny Depp, Andreas Prochaska, Anne Hathaway, und Robert Redford

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