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CO2-neutrale LGT

Mehr Energie, bessere Ernten – und gesunde, saubere Luft Die LGT kompensiert ihren CO2-Verbrauch durch den Kauf von Emissionszertifikaten nach dem Social Carbon Standard. Damit unterstützt sie ein vom Zürcher Unternehmen South Pole Carbon entwickeltes Projekt, das den steigenden Energiebedarf im südwestlichen Hochland von China durch die Förderung von Fliesswasserkraftwerken deckt.

«Bevor ich das erste Mal nach Nujiang in der Provinz Yunnan kam, wusste ich nicht, wie unterschiedlich die wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen in China sind», zeigt sich Li Yin heute noch erstaunt. Seit vier Jahren kommt der in Peking aufgewachsene Projektleiter von South Pole Carbon – das inter­ national operierende Unternehmen entwickelt innovative, kli­ mafreundliche Projekte zur Reduzierung des CO2-Ausstosses – regelmässig aus der Hauptstadt in die malerisch-wilde Bergwelt der Region Nujiang im Südwesten des Landes.

lichen Aufschwung und die Verbesserung der Lebensbedingun­ gen verwehren. Doch soll dafür der Saluen (engl.: Salween), einer der letzten noch völlig unverbauten Flüsse in China, durch Talsperren für grosse Wasserkraftwerke verschandelt werden?

Hier war bis vor kurzem Holz eine wichtige Energiequelle. Ge­ kocht wurde meist auf offenem Feuer, und Strom wurde oft mit ineffizienten und die Luft verpestenden Dieselgeneratoren er­ zeugt. Der stetig steigende Energiebedarf führte zu Kahlschlag und Bodenerosion, was wiederum die Gefahr von Erdrutschen stark erhöhte. Der armen Region, in der mehr als zehn eth­ nische Minderheiten leben, möchte niemand den wirtschaft­

Fortbildung vor Ort: Der Landwirt Li Sancai (rechts) profitiert von Li Yins Tipps.

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«Kurzfristig betrachtet ist es sicher teurer, auf nachhaltige Energien zu setzen.» Max Zeckau, Pressesprecher South Pole Carbon

Der Saluen zählt zu den wasserreichsten Abflüssen des Hima­ layas. Über seinen strudelnden Wassermassen erheben sich Berge, deren Hänge über sechs Klimazonen reichen – von 760 Meter bis auf 6740 Meter über dem Meeresspiegel. Im NuCanyon haben Forscher 173 Säugetierarten, 417 Vogel- und 59 Reptilienarten gezählt, darunter 79 vom Aussterben bedrohte Tierarten. Wegen dieses Tierreichtums wurden die westlichen Hänge der Gaoligong-Berge vor zehn Jahren von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Fast 800 000 Tonnen CO2 eingespart In Nujiang und über das gesamte südwestliche Berggebiet werden mit einem CO2-Senkungsprojekt rund 100 Klein- und Kleinstwasserkraftwerke unterstützt, die das natürliche Gefälle der Bergregion zur Erzeugung von nachhaltiger Energie nutzen. Da sie keinen Damm brauchen, gibt es keine negativen Auswir­ kungen auf Flora, Fauna und Landschaft. Mit dem Erlös aus den Emissionszertifikaten wird die emissionsfreie Energieerzeugung unterstützt und langfristig gesichert. So wurden alleine in den beiden letzten Jahren fast 800 000 Tonnen CO2 eingespart. Will­ kommener Nebeneffekt ist der Rückgang von Atemwegserkran­ kungen durch die vor allem in Innenräumen gesündere Luft.


Naturschutz: Der Saluen ist einer der letzten Flüsse in China, die nicht durch Talsperren verbaut sind.

Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Zertifikate zur Reduzie­ rung des CO2-Ausstosses eine umwelt- und sozialverträgliche wirtschaftliche Entwicklung fördern. «Kurzfristig betrachtet ist es sicher teurer, auf nachhaltige Energien zu setzen», erklärt Max Zeckau, Pressesprecher von South Pole Carbon in Zürich. «Ohne die international gehandelten CO2-Zertifikate würde man noch mehr Kohlekraftwerke bauen, um den steigenden Energiebedarf zu decken.» Kohlekraftwerke sind billiger als die emissionsfreien Wasserkraftwerke. Mit den Zertifikaten, die Un­ ternehmen wie der LGT dabei helfen, CO2-neutral zu werden, wird die Finanzierungslücke geschlossen. Fester Bestandteil des Projekts, das dem strengen Social Carbon Standard unterliegt (siehe Kasten), ist die Fortbildung der ört­ lichen Landwirte und die Einrichtung einer Fachbibliothek mit Büchern und Lernvideos. Neue Anbaumethoden werden auch in Seminaren und Workshops vermittelt. «In den Workshops habe ich aber nicht nur von neuen Techniken erfahren, durch die wir

«Wir haben auch gelernt, wie der Markt funktioniert und dadurch Impulse für die ökonomische Entwicklung der Region bekommen.»

Li Sancai, Landwirt

unsere Anbaumethoden verbessern und die Erträge steigern können», berichtet der Bauer Li Sancai. Qia Fulin wiederum profitierte zudem von den neuesten Erkenntnissen für die Tier­ zucht. «Was ich im Workshop gelernt habe, hilft mir bei der tägli­

chen Arbeit», freut sich die Landwirtin. «Wir haben auch gelernt, wie der Markt funktioniert und dadurch Impulse für die ökono­ mische Entwicklung der Region bekommen», ergänzt Li Sancai. «Das sind wichtige Bausteine, die uns dabei helfen, unser Ein­ kommen zu steigern und die Armut in der Region zu senken.» Dazu wird auch die nachhaltige Energiegewinnung beitragen. «Durch die Modernisierung der bestehenden Wasserkraftwerke helfen wir mit, die prächtige Natur zu erhalten, welche die Region Nujiang auszeichnet», schwärmt Li Yin, ein begeisterter Wanderer. «Wenn diese Region später einmal touristisch erschlossen wird, kann das für einen weiteren Wirtschaftsaufschwung sorgen.»  Social Carbon Standard Der Social Carbon Standard ist ein vor mehr als zehn Jahren vom brasilianischen Ecologica Institute entwickeltes Gütesiegel. Nach diesem Standard zertifizierte Projekte müssen zusätzlich zur Reduzierung der CO2-Emissionen einen langfristigen sozialen und ökologischen Mehrwert für die Projektregion bieten. Um zu garantieren, dass die sozialen Projekte den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung entsprechen, werden sie mit dieser gemeinsam evaluiert und entwickelt. Fester Bestandteil des Social Carbon Standard ist die regelmässige Erfolgskontrolle. «Wir müssen zum Beispiel nicht nur nachweisen, wie viele Personen an unseren landwirtschaftlichen Fortbildungen teilgenommen haben, sondern auch ihren Lernerfolg genau dokumentieren», erklärt Max Zeckau von South Pole Carbon. Weitere Informationen: www.socialcarbon.org und www.southpolecarbon.com

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Nachhaltigkeit: CO2-neutrale LGT