Kinderbuch ohne Worte - Leya Luna

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Kinderbuch ohne Worte Leya Luna | GR16B SfGZ | Herbstsemester 2019/20



Kinderbuch ohne Worte Vertiefungsarbeit von Leya Luna



Inhaltsverzeichnis

Einleitung

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Recherche Einleitung Recherche Auswertung

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Interview Illustratorin Einleitung Im Interview mit Francesca Sanna Auswertung

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Kindergarten Einleitung Der Morgen im Kindergarten Auswertung

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Interview Verlagsleiter Einleitung Im Interview mit Gregory Zäch Auswertung

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Experiment Einleitung Experiment Auswertung

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Schlusswort

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Danksagung

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Quellenverzeichnis

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Abbildungsverzeichnis

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Selbstständigkeitserklärung

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Abb 1. Ballonillustration



Abb. 2: Nahaufnahme aus dem Buch «The Secret of Black Rock»



Einleitung

Kinderbuch ohne Worte Beim illustrierten Buch wird normalerweise ein fertiger Text illustriert, wobei die Bilder dem Text untergeordnet werden. Auch wenn die Illustrationen die Fantasie zur Interpretation anregen können, haben sie meist nur eine dekorative Funktion. Deshalb möchte ich mich anhand dieser Arbeit insbesondere in das Thema «Kinderbuch ohne Worte» vertiefen.

Mein Ziel ist es, eine eigene Geschichte für ein Kinderbuch ohne Worte auszudenken und zu illustrieren. Meine Zielgruppe sind Kindergartenkinder. Dazu habe ich mir folgende Forschungsfragen gestellt:

Jeder hatte schon mal ein Kinderbuch in der Hand und kennt das magische Gefühl, wenn man es öffnet und in eine völlig andere Welt eintaucht.

Welche Themen sind besonders ansprechend für Kindergartenkinder?

Mein Leben lang begleiten mich Kinderbücher. Schon früh inspirierten mich die Bilder und Geschichten, meine eigenen Welten zu Papier zu bringen. Ich wollte schon immer mal ein Kinderbuch selber erarbeiten, und die Vertiefungsarbeit scheint der perfekte Zeitpunkt dafür zu sein.

Welches sind die in der Schweiz nötigen Schritte von der Idee bis zur Publikation eines Kinderbuches ohne Worte?

Wie vermittle ich einem Kind eine Geschichte nur anhand von Bildern? Wie wird ein Kinderbuch publiziert? Um diese Forschungsfragen zu beantworten, werde ich zwei Interviews führen; mit einer Illustratorin und einem Inhaber eines Verlages. Das zusammen mit der Recherche erarbeitete Wissen werde ich bei meinem Experiment, bei welchem ich mein eigenes Kinderbuch erarbeite, praktisch einsetzen.

Abb. 3: Karottenillustration

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Abb. 4: Nahaufnahme des Buches «Danca»

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Abb. 5: Illustration, Hase mit Rucksack

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Einleitung

Recherche Zu Beginn der Arbeit werde ich mich online und mit Literatur darüber informieren, welche Arten wortloser Kinderbücher es gibt und was es überhaupt heisst, ein Kinderbuch zu publizieren. Obwohl ich bei den Interviews weitere Informationen erhalten werde, bilde ich mir in der Recherche ein Fundament, um dann die richtigen Fragen zu stellen und mir ein grobes Bild zu machen, was ein Kinderbuch überhaupt ist und ausmacht. Ich werde mich im Folgenden in die Definition von Kinderbüchern ohne Worte und deren Publikation vertiefen. 9


Recherche

Kinderbücher ohne Worte Es gibt eine Sprache, die jeder auf der Welt versteht: die Bildsprache. Bilder sagen oft mehr als tausend Worte, das ist ein grosser Vorteil bei textlosen Büchern, denn sie verlassen sich allein auf die Aussage des Bildes und verzichten gänzlich auf Text. Bettina Kümmerling-Meibauer, Proffesorin im Bereich Kinder- und Jugendliteratur, befasst sich in ihrem Buch «Wörterbuch der Rhetorik» ausführlich mit verschiedenen Werkern der Kinderliteratur. Laut ihren Forschungen kann man die verschiedenen Kinderbücher ohne Worte in drei Kategorien unterteilen:1 1. Kleinkinderbücher Die Webplatform Greenstories definiert und erklärt in ihrem Ratgeber, weshalb die kleinen Bücher aus Stoff, Plastik, Holz und Pappe wichtig für Kleinkinder ab dem Säuglingsalter sind. Mit verschiedenen haptischen Materialien und Knister-Elementen fördern sie die Feinmotorik und Entwicklung eines Babys. Kontrastreiche Bilder von einzelnen Gegenständen, welche nicht miteinander im Zusammenhang stehen, helfen dabei erste Konzepte von abstrahierten Bildern zu verstehen.2 2. Wimmelbücher Eines der gängigsten textlosen Bilderbücher ist das Wimmelbuch. Definiert von Educalingo, zeichnen sie sich durch die detailreichen Illustrationen, welche meist Alltagsszenen mit vielen Charakteren und Objekten darstellen, aus. Diese Bücher sind im Format meist grösser als A4 und auf stabilem Karton gedruckt. Sie fordern das Kind auf, genauer hinzusehen und Dinge zu entdecken.3

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3. Silent Books «Silent Books» (aus dem Englischen; «stille Bücher») werden alle Bilderbücher genannt, die ohne Text eine durchgängige Geschichte erzählen. Kümmerling-Meibauer berichtet, dass die Zielgruppe dieser Bücher besonders gross sei, da einfache wie auch komplexe Geschichten ohne Text erzählt werden können.1 Der pädagogische Wert von «Silent Books» Silent Books sind für alle, für Jung und Alt. Meiner Meinung nach regen sie die Fantasie an und laden ein, sich eigene Elemente zu den Bildern auszudenken. Das Buch kann auch von einem Kind selbständig «gelesen» werden, es ist nicht darauf angewiesen, dass Eltern anhand des Textes die Bilder erklären. Natürlich ist es auch etwas, das gemeinsam gelesen werden kann und dazu auffordert, die eigene Interpretation zu teilen. Solch ein Buch vorzulesen, hilft einem Kind, sich auszudrücken und den Wortschatz zu erweitern. Silent Books sind auch fürs Erlernen von Sprachen gut geeignet, was sie auf der Insel Lampedusa beweisen. 1 vgl. Bettina Kümmerling-Meibauer, Wörterbuch der Rhetorik 2 vgl. Greenstories, Internet 3 vgl. Educalingo, Internet


Lampedusa Die kleine Insel Lampedusa ist der südlichste Punkt Italiens und damit ein wichtiges Ziel für viele Flüchtlinge aus Afrika und dem Mittleren Osten. Seit 2011 ist die Insel immer wieder Thema in den Medien aufgrund der abertausenden Asylsuchenden. 4 Die Non-Profit-Organisation IBBY berichtet auf ihrer Webseite, wie sie 2012 ein Projekt lancierte, welches die Flüchtlinge und die Bewohner von Lampedusa trotz der Sprachbarriere zusammenbringen soll. Man sammelte Bilderbücher ohne Text aus der ganzen Welt und stellte sie in der ersten Bibliothek der Insel allen zur Verfügung. Diese einfache Massnahme soll die Sprachbildung und das Verständnis unter den verschiedenen Kulturen fördern. Die Türen der Bibliothek stehen allen Altersklassen und Ethnien offen. Dies war ein wichtiger Schritt in der Entwickling der textlosen Kinderbüchern. 5 4 vgl. Wikipedia, Internet

Abb. 6: Nahaufnahme meiner Kinderbüchersammlung

5 vgl. International Board on Books for Young People, Internet

Abb. 7: Nahaufnahme des Buches «Krokodrillo»

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Abb. 8: Nahaufnahme der Buchrücken mit Verlagslogos

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Recherche

Publikation eines Kinderbuches Anette Huesmann, Germanistik Professorin aus Heidelberg, befasst sich in ihrem Inernetartikel mit den drei verschiedenen Arten, ein Buch zu verlegen: das Publizieren über eine Agentur, bei einem Verlag oder auf eigenes Risiko und das Buch im sogenannten Selfpublishing herausbringen und vertreiben. Agentur Die Autorin legt dar, dass Agenturen die Marktchancen eines Buches prüfen und den Vertrieb übernehmen, sofern sie vom Manuskript überzeugt sind. Agenturen haben ein grosses Netzwerk an Kontakten und wissen meistens, zu welchem Verlag das Buch am besten passt. Wird das Buch erfolgreich von einem Verlag publiziert, bekommt der Agent einen Anteil der Tantiemen. Dieser beträgt meist 15 bis 20 Prozent des Einkommens pro Buch.

Selfpublishing Das Selfpublishing ist im Buchhandel durchaus akzeptiert, hängt jedoch mit Risiken zusammen. Huesmann warnt aber davor, dass die Produktionskosten, das Lektorieren und die Vermarktung selber übernommen werden müssen. Dies kann teuer werden, wenn das Buch qualitativ nicht ausreichend ist. Wenn das Buch erfolgreich ist, wird es auch interessant für Verleger, und die Möglichkeit besteht, für eine nächste Auflage mit einem Verlag zu arbeiten. 6

Verlag Die Zusammenarbeit mit einem Verlag ist laut Huesmann die klassische Art, ein Buch in die Läden zu bekommen. Um für einen Verlag in Frage zu kommen, muss man in das Profil des Verlages passen. Profilinformationen kann man meist auf der Webseite des Verlages beziehen. Wenn grössere Verlage das Buch ablehnen, lohnt es sich durchaus, auch kleinere Verlage zu kontaktieren. Antwort zu bekommen, kann sehr lange dauern, da die meisten Verlage viele Manuskripte zugeschickt bekommen. Mit einem Verlag zu arbeiten, ist das Ziel eines Autors, da diese am meisten Erfahrung in diesem Gebiet haben und konstruktive Kritik zum Buch geben können. Abb. 9: Illustration, telefonierender Hase

6 vgl. Anette Huesmann, Internet

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Auswertung

Recherche Nach dieser Recherche wird mir klar, dass Kinderbücher nicht nur für Kinder und Illustrationsliebhaber wie mich sind. Ich weiss jetzt, dass die Art Kinderbuch, die ich in meinem Experiment erarbeiten möchte, in die Kategorie der Silent Books gehört. Diese Bücher sind nicht nur für Kinder, welche noch nicht lesen können, sondern erweisen sich auch als wertvoll etwa in der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen. Das Publizieren eines Kinderbuches ist für mich ebenfalls Neuland. Die verschiedenen Arten des Verlegens beinhalten entweder die Zusammenarbeit mit einem Agenten, direkt mit dem Verlag oder selbständig. Ich gehe stark davon aus, dass ich mein Buch selbst vertreiben und das finanzielle Risiko selbst tragen müsste. Ob mein Buch für

einen Verlag in Frage kommen könnte, werde ich in meinem Interview mit dem Inhaber des Zürcher Midas-Verlages in Erfahrung bringen. Wie man genau ein Kinderbuch erarbeitet und welches die einfachste Herangehensweise ist, werde ich im folgenden Interview mit der Illustratorin Francesca Sanna herausfinden.

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Abb. 10: Nahaufnahme vom Buch «Ich und meine Angst»

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Abb. 11: Francesca Sanna mit ihrem Buch «Ich und meine Angst»

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Abb. 12: Illustration, Familienfoto

Einleitung

Interview mit der Illustratorin & Autorin Francesca Sanna Da ich nun weiss, auf welche Arten man ein Buch publizieren kann, möchte ich weitere Informationen zu diesem komplexen Vorhaben sammeln. Zusätzlich möchte ich die Forschungsfrage bezüglich der Arbeitsschritte weiterführend von einer Fachperson beantwortet bekommen. Ich möchte gerne herausfinden, wie ich ein Kinderbuch erarbeiten kann und worauf ich besonders achten muss. Ich würde gerne Techniken zur Ideenfindung einer Geschichte kennen lernen und erfahren, wie es ist, mit einem Verlag zu arbeiten.

Dafür wende ich mich an Francesca Sanna, eine bekannte Illustratorin im Feld der Kinderbücher. Francesca ist Kinderbuchautorin wie auch Illustratorin aus Sardinien und nimmt sich freundlicherweise die Zeit, sich mit mir zu treffen und meine Fragen zu beantworten. Ich treffe sie im «Kosmos Buchsalon», einem Kaffee und Buchladen in Zürich.

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Im Interview mit Francesca Sanna Was sind deine Schritte von der Idee bis zum Buch? Meistens schreibe ich Stichworte auf und erarbeite mir die Geschichte, Charaktere und Bildideen als Text, den ich danach skizziere. Wenn ich mit einer fertigen Geschichte arbeite, schicke ich immer erst die Skizzen an den Verlag, bevor ich zu zeichnen beginne. Sobald die Skizzen abgesegnet wurden, beginne ich mit der Finalisierung. Abb. 13: Portrait, Francesca Sanna

Francesca Sanna Mehrfach ausgezeichnete Kinderbuch Illustratorin & Autorin Bachelor in Illustration Fiction aus Sardinien, wohnt in Zürich 28 Jahre alt Bücher: Ich und meine Angst Die Flucht Meine Freundin Erde

Wenn ich eine Geschichte dem Verleger präsentiere, habe ich meistens alle Seiten skizziert und maximal acht davon fixfertig gestaltet. Wichtig dabei ist, den Charakter zu zeigen und anhand einer Farbpalette eine Stimmung zu erzeugen. Die fertigen Seiten sollten möglichst verschieden sein, um dem Verlag Vielfalt zu präsentieren. In das Cover investiere ich meistens nicht sehr viel Zeit, da ich aus Erfahrung weiss, dass fast jeder Verlag das Cover ändern möchte. Ich nehme meistens den Ausschnitt einer fertigen Seite als Platzhalter. In der Schweiz und in Deutschland sind Kinderbücher in Läden meistens in Holzboxen zum Stöbern, wobei der Titel immer oben sein muss, sonst kann man ihn nicht lesen. In Amerika und England sind die Bücher immer ausgelegt, deshalb sind die Cover-Gestaltungen im Ausland meistens anders. Wie kommst du auf Ideen? Hast du ein System? Zuallererst: Brainstorming. Die nächsten Schritte sind immer Recherche über bestimmte Themen im Internet

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und in Büchern. Ich informiere mich auch darüber, ob es im Markt diese Art Buch schon gibt und ob es überhaupt Nachfrage dafür gibt. Ich behandle meistens Inhalte, in die ich emotional involviert bin. Es ist auch immer eine andere Herangehensweise, wenn man mit Herz und Seele dabei ist.

anders. Ich versuche meine Bücher immer universal zu halten und etwas zu schreiben, das einen vierjährigen wie auch einen 45-jährigen Leser begeistert.

Oft spreche ich auch mit Kindern über die Themen, die ich im Buch festhalten möchte, und lasse sie verschiedene Aufgaben dazu lösen. Zum Beispiel bei meinem Buch «Ich und meine Angst» liess ich Kinder ihre Ängste zeigen und fragte sie, was sie am meisten fürchten und was sie dagegen machen. Das ist auch eine gute Methode, um das innere Kind zu wecken. Etwas Wichtiges, das ich im Umgang mit Kindern gelernt habe, ist: Kinder werden nicht gerne wie dumme Leute behandelt, nur weil sie kleine Leute sind.

Seitenzahlen werden vom Verlag festgelegt. Es gibt da gewisse Regeln, die beim Druck eingehalten werden müssen, um auch wirtschaftlich effizient zu sein. Meistens sind es entweder 24, 32 oder 40 Seiten, da auf einem Druckbogen meistens acht Seiten gedruckt werden.

« Kinder werden nicht gerne wie dumme Leute behandelt, nur weil sie kleine Leute sind. » Der Verlag hilft mir dann auch später noch auf die Sprünge, wenn ich mal feststecke. Ich bin nie allein, wenn ich ein Buch mache, die enge Zusammenarbeit mit einem Verlag ist sehr wichtig, um aus seinem eigenen Kopf zu kommen. Dinge, die mir sinnvoll erscheinen, sind für andere vielleicht verwirrend. Wie legst du deine Alterszielgruppe fest? Das entscheidet man selbst meistens nicht, jeder Verlag setzt die Altersgruppe selber fest, es ist auch von Land zu Land

Wie viele Seiten wählst du für ein Buch?

Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit einem Verlag vorstellen? Verlage haben meistens eine Liste mit Illustratoren, die sie dann Geschichten von Autoren illustrieren lassen. Das Verhältnis mit dem Lektor oder der Lektorin des Verlages ist meistens sehr eng, da man sich bei Unsicherheiten und Fragen immer an diese Person wendet. Da muss auch die Chemie stimmen. Die andere Situation wäre, wenn man selber Illustrator und Autor ist und eine Idee für ein Buch vorstellt. Dabei bleibt man trotzdem noch in engem Kontakt mit dem Lektor. Und schlussendlich muss das Buch auch zum Verlag passen. Wie vertreibst du deine Bücher? Die Distribution wird von einer Mittelsperson übernommen, nicht dem Verlag. Der Verlag übernimmt meistens die Geschichte, das Design und den Preis. Der Verteiler ist ein Mittelsmann zwischen dem Verlag und dem Buchladen, welcher das Buch produziert, es in die Buchläden verteilt und vorab manchmal auch Änderungen für das Cover vorschlägt. Er weiss, ob es angemessen für den Markt ist. So oder so, Glück ist ein grosser Teil beim Verlegen eines Buches.

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Ein Buch nur in der Schweiz zu publizieren, ergibt fast keinen Sinn, da man zehnmal weniger verdient als in den USA oder in England, weil der Markt hier viel kleiner ist. Deshalb habe ich einen Agenten, der Verträge und Verhandlungen in Übersee übernimmt, das spart mir viele Nerven.

« Glück ist ein grosser Teil beim Verlegen eines Buches. »

Was machst du, wenn du frustriert bist und nicht mehr weiterweisst? Frustration ist in diesem Beruf ein grosser Teil, weil man sich ständig vergleicht. Gerade Social Media kann Segen wie auch Fluch sein. Wenn ich etwa beim Illustrieren einmal nicht weiterkomme, versuche ich, mein Umfeld zu ändern und an andere Sachen zu denken. Meistens gehe ich ins Museum oder ins Kino, um mich auf andere Gedanken zu bringen und mich zu entspannen und später mit einem frischen Kopf wieder zurück an die Arbeit zu gehen. Mir hilft es immer, mir selbst zu sagen, dass es okay ist, Fehler zu machen oder zwischendurch auch mal etwas ganz anderes zu zeichnen.

Abb. 14: unsere Gläser im Buchsalon

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Abb. 15: Francescas Pulli

Auswertung

Interview Das Interview mit Francesca war sehr aufschlussreich, um zu sehen, welche Schritte und Methoden es gibt, um ein eigenes Kinderbuch zu schreiben und zu illustrieren. Ich weiss jetzt, dass sich ein Illustrator sehr auf Feedback und Input des Verlages verlässt und das Buch gar nicht allein erarbeitet, sondern im Team. Interessant ist auch die enge Zusammenarbeit mit dem Lektor des Verlages, die ich mir nicht so persönlich vorgestellt hätte. Dass der Illustrator einem Verlag oft kein fertiges Buch präsentiert, sondern nur ein paar fertige Seiten, Skizzen und eine Geschichtsidee, hat mich auch sehr überrascht. Spannend war auch Francescas Herangehensweise und Problemlösung

bezüglich Kreativität und Ideenfindung. Dass es gewisse Richtlinien und Zuständigkeiten gibt, an die man sich halten muss, wie das Definieren von Seitenanzahl und Altersgruppe durch den Verlag, hatte ich mir schon vorgestellt. Francesca war im Gespräch auch sehr zuversichtlich, dass ich es schaffen werde, und hat mir Adressen von guten Verlagen und Quellen gegeben. Gerne würde ich nun im Interview mit einem Verleger mehr über die Zusammenarbeit von Verlag und Illustrator aus dessen Optik erfahren, doch mir fehlen noch Grundlagen zur Zielgruppe.

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Abb. 16: Nahaufnahme vom Buch «Krokodrillo»

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Abb. 17: Fröhliches Toben auf dem Pausenplatz

Abb. 18: Ruhe vor dem Sturm im Kindergarten

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Abb. 19: Sophie und Lily-Ann beim Spielen in der Pause

Einleitung

Besuch im Kindergarten Nach dem Gespräch mit Francesca wurde mir klar, dass ich meine Zielgruppe eigentlich gar nicht so gut kenne und herausfinden muss, worum sich so ein Kinderleben eigentlich dreht. Zu meinem Glück ist Marianne Stauffer, die Mutter meines Freundes, Kindergärtnerin in Wil. Sie erlaubt mir, sie an einem Freitagmorgen zur Arbeit zu begleiten und der Klasse des Wiler Kindergartens Letten einen Besuch abzustatten. Ich erhoffe mir, Einblick und vor allem Erkenntnisse über die Interessen der Kinder sowie

Inspiration für meine eigene Geschichte zu bekommen. Ich möchte sie gerne beobachten, wie sie Bücher lesen und darin navigieren und herausfinden, was ihr Interesse besonders weckt. Ich werde sie fragen, welche ihre Lieblingsbücher sind und worüber sie gerne ein Buch hätten.

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Der Morgen im Kindergarten Bevor ich mich mit Marianne auf den Weg mache, sprechen wir beim gemeinsamen Frühstück über den Kindergarten.

Flugzeug in die Ferien fliege. Das regt ein wildes Gespräch über Nationalitäten und Ferien an.

Marianne erklärt mir, weswegen der Kindergarten in der Ausbildung eines Kindes so wichtig ist. Das Kind ist zu Hause bis zur Zeit des Kindergartens meistens der Mittelpunkt. Gerade Einzelkinder lernen oft erst im Kindergarten, zu teilen und mit anderen zu spielen. Da er auf die Einschulung vorbereiten soll, müssen sie lernen, stillzusitzen, Anweisungen zu befolgen, sich zu streiten und zu versöhnen und geduldig zu sein.

Zeit für die grosse Pause. Alle Kinder präsentieren mir mit vollen Stolz ihre Jacken und Schuhe und ziehen sich schnell an um Draussen zu spielen. Nach einer halben Stunde treffen sich alle für den zweiten Teil des Morgens im Kreis und Marianne liest ein Bilderbuch über Zwerge vor.

Schon beim Betreten des Kindergartens überkommt mich ein Gefühl von Nostalgie; die gleichen kleinen Tische und Stühle, die Zeichnungen, der Geruch von Malfarben und Bastelleim. Als die Kinder dann um 8 Uhr eintrudeln, füllt sich der ganze Raum mit Leben. Ich spüre schon, wie das innere Kind in mir erwacht. Die 15 Kinder sind ungeduldig und neugierig, wer denn heute zu Besuch ist. Nach einer kurzen Vorstellung beginnt Marianne auch schon den Tag. Es wird ein Guten-Morgen-Lied gesungen und ein bisschen Yoga gemacht. Die Kinder sollen basteln und zeichnen. Dabei gehe ich herum und stelle den Kindern ein paar Fragen. Alle sind sehr aufgeschlossen und freuen sich sehr, mit mir zu reden. Meine Befürchtungen bezüglich möglicher Scheu der Kinder verflogen rasch. Elena, Lily-Ann, Samantha und Sophie kleben schon nach den ersten fünf Minuten an mir. Sie sind sehr gesprächig und plappern nonstop. Die Themen springen von Wohnort über Geburtstag bis hin zum Lieblingsessen. Was mir auffällt, ist, dass alle Kinder es lieben, über ihre Lieblings- und Haustiere zu sprechen. Sie diskutieren miteinander, welches das beste Tier sei. Elena erzählt mir stolz, dass sie halb Schwedin sei und oft mit dem

Danach wird über Bilderbücher gesprochen. Die Kinder zeigen mir ihre Lieblingsbücher. Mir fällt auf, dass Milan und Nora nicht wirklich der Geschichte folgen, sondern einfach ihre Lieblingsseiten zeigen und über lustige Gesichtsausdrücke der Charaktere lachen. Die einzelnen Bilder scheinen viel wichtiger zu sein, da sie den Text nicht lesen können und sehr ungeduldig sind. In einer kleinen Gruppe betrachten wir anschliessend einige meiner mitgebrachten Bilderbücher. Wieder bestätigt sich, dass sich die Kinder viel mehr ob der lustigen Gesichter und kleinen Details amüsieren. Besonders das Buch «Krokodrillo» mit den lustigen Gesichtern und Szenen war beliebt. «Hasentage», eine Art Wimmelbuch mit sehr detaillierten Bildern, weckte auch viel Interesse. Die Kinder lieben es, ihre eigenen Geschichten zu den Bildern zu erfinden, und können ewig auf eine einzelne Seite starren und darüber diskutieren.

Abb. 20: Illustration, Hasenpantoffeln

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Abb. 22: Nora zeigt ihre Lieblingsseite aus einem Buch

Abb. 23: Die Kinder hören Marianne Stauffer gespannt zu

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Auswertung

Besuch im Kindergarten Vor diesem Besuch war mir gar nicht klar gewesen, wie wichtig der Kindergarten für die Entwicklung eines Kindes eigentlich ist. Sie lernen viel Zwischenmenschliches, soziale Interaktion, was im späteren Leben sehr wichtig ist. Der Morgen war ein guter Einblick in das Verhalten der Kinder und sehr inspirierend. Ich weiss nun, dass die Kinder sehr viel ungeduldiger sind, als ich dachte. Viele von ihnen erkunden einfach die Seiten der Bücher, ohne den Geschichten zu folgen. Ich habe nun ein grosses Repertoire an Dingen und Themen, die sie beschäftigen, etwa ihre Kleider, Lieblingstiere, Geburtstage und Reisen. Diese werde ich in meine Geschichte einzubinden versuchen. Abb. 21: Illustration, Hasenbad

Abb. 24: Die Kindergartenkinder begeben sich auf den Heimweg

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Abb. 25: Die Musik- und Bücherecke


Abb. 26: Das Café Terrasse in Zürich

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Einleitung

Interview mit Gregory Zäch, dem Inhaber des Midas-Verlags Ich habe mich sehr gefreut, dass Verleger Gregory Zäch für ein Interview zugesagt hat. Zäch ist seit 1991 Inhaber und Geschäftsführer des Midas-Verlags. Da im Moment viele Buchmessen stattfinden, hat er einen sehr vollen Terminkalender. Trotzdem fand er die Zeit, sich mit mir im Café Terrasse in Zürich zu treffen. Ich erhoffe mir von diesem Interview, mir anschliessend ein Bild davon machen zu

können, was einem Verlag wichtig ist bei der Zusammenarbeit und der Wahl eines Illustrators. Ich wüsste auch gerne, wie die finanziellen Aspekte aussehen und wie hoch eine Erstauflage eines Buches etwa ist. Mich interessiert auch, ob meine Buchidee vielleicht für seinen Verlag in Frage kommen könnte.

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Im Interview mit Gregory Zäch vom Midas-Verlag Anhand welcher Kriterien entscheidet ihr bei Midas, ob ein Buch veröffentlicht wird?

Abb. 27: Portrait, Gregory C. Zäch

Gregory Zäch Inhaber und Geschäftsführer vom Midas Verlag Studien in Betriebswirtschaftslehre & Anglistik und Publizistik wohnt in Zürich 55 Jahre alt Verlags Kategorien: Midas Sachbuch Midas Kinderbuch Midas Collection

Es gibt verschiedene Kriterien. Das ist auch von Verlag zu Verlag verschieden. Ich achte besonders auf zwei Dinge: Der illustrative Stil sollte originell, eigenständig und mit Charakter sein. Das Zweite ist das Erzählerische, wobei mir die gute Geschichte sehr wichtig ist. Eine Geschichte mit einem guten Plot, Dramaturgie und einer guten Auflösung. Wenn ich an eine Geschichte glaube, setze ich mich gerne dafür ein, auch falls mal eine etwas unkonventionell ist. Das ist auch eine Sache, die man als Kleinverlag meiner Meinung nach machen sollte: ein bisschen aus der Reihe tanzen und Aufmerksamkeit erwecken. Das gibt einem Verlag auch einen Ruf und ein Profil, das ein bisschen anders ist. Meiner Meinung nach kommt man nicht weiter, wenn man alles macht, was andere auch machen. Einzigartigkeit ist heutzutage sehr gefragt. Sind nonverbale Kinderbücher interessant für deinen Verlag? Die sind interessant, aber ich finde sie schwierig zu realisieren. Oft haben solche Bücher eine sehr enge Zielgruppe, die noch nicht lesen können. Wir bei Midas verlegen Bücher für Kinder ab sechs Jahren, also für wenn sie bereits lesen können. Spannend sind jedoch Geschichten, die nicht gezielt an Kinder, sondern ebenso auch an Erwachsene gerichtet sind und Text gar nicht nötig haben.

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Wie kann man sich die Zusammenarbeit als Illustrator mit dem MidasVerlag vorstellen? Im Idealfall als sehr vertrauensvoll. Es geht wirklich darum, dass man einander versteht und offen miteinander ist. Bei Illustratoren kommt es oft vor, dass er oder sie nicht mehr weiterweiss und einen kreativen Stau hat, da kann der Verlag auch helfen. Wir fragen regelmässig nach Zwischenständen bei Illustratoren, um einen ständigen Dialog zu haben und Dinge rechtzeitig zu besprechen, damit das Buch möglichst gut wird. Und natürlich auch, um den Zeitplan einzuhalten. Es gibt auch erfahrene Illustratoren, die fertige Bücher vorstellen, was ich aber einem Anfänger nicht empfehlen würde.

«Einzigartigkeit ist heutzutage sehr gefragt.» Wie weit mischt sich der Verlag in den kreativen Prozess ein? Bei uns relativ stark, ich bin der Verleger und habe eine klare Vorstellung davon, was ich gerne hätte. Ich würde niemandem einen Zeichenstil vorschreiben, aber es gibt gewisse Dinge, die mir einfach nicht gefallen. Ich mag keine kitschigen Dinge und klischeehaften Geschichten, und auch bestimmte Farben gehen mir gegen den Strich. Mir ist sehr wichtig, dass ein Illustrator weiss, was er macht, dass er nicht immer wieder unsicher ist und fundamentale Dinge ändert, sondern ein bisschen Persönlichkeit zeigt. Einmischen ist ein bisschen hart, das Buch sollte ja eine Zusammenarbeit sein, und wenn jemand von seinem Handeln überzeugt ist und sich durchsetzen kann, kann man mich auch mal überzeugen.

Ich glaube, dass ein Buch einfach besser wird, wenn zwei, drei schlaue Leute daran arbeiten. Ich glaube, ein richtig gutes Buch wird selten von nur einer Person erschaffen. Bei uns kann jeder Inputs geben, aber schlussendlich entscheidet der Illustrator, was für die Geschichten am besten ist.

« Ich glaube, ein richtig gutes Buch wird selten von nur einer Person erschaffen. » Wie lange dauert der Prozess von der Idee bis zum Buch normalerweise? Das ist ganz unterschiedlich. Ich kenne Illustratoren, die schaffen das in drei Monaten und andere, die zwei Jahre an einem Buch arbeiten. Sechs Monate ist etwa der Schnitt, aber bei allem, was länger dauert, wird es einfach schwierig, davon zu leben. Die Illustratoren, die ich kenne, welche davon leben, machen schon zwei bis drei Bücher im Jahr. Wie hoch ist die Erstauflage eines Kinderbuches? In der Schweiz normalerweise zwischen 2000 und 5000 Stück. Wir drucken meistens 3000. Das ist etwa, was man braucht, um auch einen Autor und einen Illustrator angemessen zu bezahlen. Da wir in Österreich und Deutschland unsere Bücher auch verkaufen, brauchen wir diese Anzahl, sonst sind es zu wenige.

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Kann ein Illustrator von Kinderbüchern in der Schweiz Leben? Ein Autor bekommt einen Vorschuss des Ladenpreises, das sind meistens 15 Prozent. Wenn ein Buch also im Laden 20 Franken kostet, bekommt er 3 Franken Tantiemen pro Buch. Wenn die Erstauflage 3000 Bücher beträgt, generiert das Buch im Idealfall also 9000 Franken. Der Vorschuss liegt dann meistens bei der Hälfte dieses Betrages. Wenn man ein Buch geschrieben hat, das erfolgreich ist und sich gut verkauft – und man bekommt natürlich für jedes verkaufte Exemplar diese Tantiemen –, desto mehr verdient man auch. Mit einem Kinderbuch-Hit kann man durchaus richtig reich werden.

« Mit einem KinderbuchHit kann man durchaus richtig reich werden.»

Abb. 28: Illustration, Lesender Hase

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Abb. 29: Detailaufnahme im Café Terrasse

Auswertung

Interview Ich bin überrascht, was die Kinderbücher für eine Herzenssache von Gregory sind. Für mich schienen Verlage immer sehr unantastbar, was gar nicht der Fall ist. Dass sich Gregory persönlich Zeit für die Illustratoren und Autoren nimmt, ist mir sehr sympathisch. Dass die Verlage auch verschiedene Persönlichkeiten und Bücherarten haben, ergibt auch absolut Sinn. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Illustrator, der ausschliesslich Kinderbücher macht, etwa drei Bücher im Jahr Illustrieren sollte,

um ein realistisches Einkommen zu generieren. Leider eignet sich mein Buch nicht für den Midas-Verlag von Gregory, da es gezielt Kindergartenkinder ansprechen soll. Bücher bei Midas sind an ältere Kinder gerichtet. Als nächsten Schritt werde ich mich der Erarbeitung meines Kinderbuches zuwenden.

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Abb. 30: Nahaufnahme des Buches «Kijk, Konijnen»

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Abb. 31: Selbstportrait, bei der Arbeit

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Einleitung und Zielsetzung

Experiment

Ergebnis meines Experimentes soll ein fixfertiges Kinderbuch sein. Mit dem gewonnenen Wissen aus der Recherche, dem Kindergartenbesuch und den Interviews ist mein Ziel nun, ein Konzept für das Buch zu erstellen, welches ohne Worte auskommt. Und das Ganze zu Illustrieren. Mir ist es wichtig, dass es in meinem Kinderbuch etwas zu entdecken und zu interpretieren gibt. Das Buch wird 12 Doppelseiten haben und im Format 21☓21cm gedruckt. Ich berichte darüber, wie ich die Tipps von Francesca bezüglich der Herangehensweise umsetze und welche Hürden sich mir in den Weg stellen. Abb. 32: Illustration, Karottensaft und Glas

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Konzept

Ideenfindung Das Experiment beginnt für mich mit dem Entscheid, in meiner Vertiefungsarbeit das Kinderbuch zu behandeln und eines zu verfassen. Schon ab dem ersten Tag versuche ich, Inspirationen zu finden und auf Ideen für eine Geschichte zu kommen. Nach dem Interview mit Francesca sprühe ich förmlich vor Kreativität und bin richtig inspiriert, meinen Horizont zu erweitern und Ideen aus kleinen Dingen zu schöpfen. Auf der Zugstrecke nach Hause ist eine der Haltestellen der Flughafen. Ich beobachte ein kleines Mädchen an den Gleisen, das vermutlich einen Flug vor sich hat. Ihr Rucksack ist klein, und das Einzige darin ist ein grosses, weisses Plüschhäschen. Das hat mich inspiriert. Kinder haben ganz andere Dinge, die ihnen wichtig sind; ich erinnere mich an meine eigene Kindheit, mein Rucksack sah genau gleich aus, vollgestopft mit Plüschtieren und Stiften. Der Tag im Kindergarten war auch sehr inspirierend. Zuzuhören, wie fantasievoll die Kinder sind und wie ihr Alltag aussieht, hat mich gleich auf neue Ideen gebracht. Mir fällt ein, wie die Kinder stolz auf ihre Kleider waren. Da Tiere in vielen Kinderbüchern anzutreffen sind und das Malen dieser eine meiner künstlerischen Stärken ist, möchte ich diese gerne kombinieren und in mein Buch integrieren. 1. Idee Auf den Doppelseiten jeweils links ein Tier abbilden, das bestimmte Kleider trägt, welche zum Lebensraum auf der rechten Seite passen.

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2. Idee Auf den jeweils linken Seiten nur Kleidung abbilden und rechts einen genau so gekleideten Charakter in einem Wimmelbild verstecken. 3. Idee In einem 24-seitigen Buch jedem Monat im Jahr eine Doppelseite widmen. Jeder Monat hat eine andere Wetterlage, links könnten die Kleider für diese Jahreszeit zu sehen sein und rechts jeweils eine Naturszene. Roter Faden soll ein gutgelauntes kinderfreundliches Tier sein. Ich entscheide mich für jene letzte Idee mit den Jahreszeiten und entwickle ein weiterführendes Konzept. Der Charakter soll ein weisser Hase sein, der in einem Haus auf einem Hügel wohnt. Ums Haus und den Hügel herum gibt es das ganze Jahr hindurch eine Menge zu entdecken. Einen Wald, einen See, einen Gemüsegarten mit Möhren und vieles mehr. Die Bilder werden so gestaltet, dass das Haus immer zu sehen ist. Auf einer Seite sieht man immer die Kleidung, die das Häschen auf der anderen trägt. Bildideen: August: Häschen badet im Badekleid und mit Schwimmring im See. September: Häschen sammelt im karierten Wanderhemd und mit Spankörbchen Pilze im Herbstwald. Oktober: Häschen sitzt mit Kochschürze im Haus und schnitzt einen Kürbis. Durchs Fenster sieht man einen bedrohlichen Herbststurm.


Abb. 33: Doppelseite aus meinem Skizzenbuch

Abb. 34: Doppelseite aus meinem Skizzenbuch

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Materialien & Konzept

Erster Test Um eine Idee zu Papier zu bringen, muss man sich erst für ein Medium entscheiden. Die Auswahl in meinem Schrank ist riesig. Ob Gouache, Wasserfarben, Farbstifte, Filzstifte, Ölmarker, Bleistifte oder Kreiden. Ich entscheide mich für Aquarell-Wasserfarben und mache sogleich meinen ersten Test. Schnell fällt mir auf, dass der kleinste Fehler irreversibel ist und sehr auffällt. Die Farben brauchen lang zum Trocknen, und eine einzige Doppelseite beansprucht über sieben Stunden Arbeit. Auch die Idee mit dem Haus, das durchs Jahr hindurch immer sichtbar ist, stellt sich schnell als eine schwierige Aufgabe heraus. So kann ich keinen realistischen Zeitplan aufstellen. Mittlerweile bin ich mir auch nicht mehr sicher bezüglich der Handlung der Geschichte, ob sie interessant genug ist.

Nach einem Gespräch mit meinen Mitarbeitern, welche Väter sind, scheint auch die Geschichte dahinter nicht stark genug zu sein. Ich muss nochmal von vorne beginnen. Wie mich Francesca schon vorgewarnt hatte, sind Zweifel prompt ein grosser Teil beim Illustrieren. Hier würde ich mir einen Lektor wünschen, der mir weiterhilft. Schliesslich entscheide ich mich, mein Buch digital zu illustrieren. Mein iPad verfügt über ein professionelles Illustrationsprogramm, das ich dazu nutzen werde. Der grosse Vorteil dabei ist die Möglichkeit, Fehler einfach zu beheben, Farben schnell zu ändern und vor allem: das Ganze immer dabei zu haben.

Abb. 35: Erster Entwurf des Bildstiles

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Das neue Konzept Ich belasse es bei dem weissen Häschen und ändere die ganze Geschichte rundum. Der Leser soll das Häschen in dessen Alltag begleiten. Es beginnt am Morgen früh, in der Badewanne, und begleitet das Häschen bis spät abends zur Schlafenszeit. Anstatt Kleidung werden auf einer Seite Dinge zu sehen sein, die man für die Situation auf der anderen Seite braucht. (Dies werden ergänzende Dinge für diese Situation sein.) Der Hase beginnt seinen Tag und bereitet sich auf einen Geburtstag eines Freundes vor. Dieser wohnt jedoch weit weg, am Nordpol, und das Häschen fliegt mit dem Flugzeug dahin.

Gestaltung des Buches Angefangen mit einem Storyboard, skizziere ich die ersten Bildideen. Ich lege den Ablauf der Geschichte fest und entscheide mich für die meist dynamische Bildgestaltung der Doppelseiten. Der kleine Hase ist lustig, frech und abenteuerlustig. Sein Name ist Emil, und er trägt ein gestreiftes T-Shirt. Das Häschen als Charakter soll lieblich und lustig aussehen. Ich gestalte es etwas simpler als bei dem ersten Versuch, das wird auch einen besseren Wiedererkennungswert haben und leichter zu zeichnen sein. Der nächste Schritt ist die Farbpalette. Ich definiere warme und kalte Farbtöne, die sich durch das Buch ziehen sollen und gut zusammenpassen. Ich skizziere dutzende Szenen und Objekte, die dazu passen, und entscheide mich für jene, die mir zu zeichnen am meisten

Abb. 36: Farbpaletten in meiner Illustrationssoftware

Spass bereiten und am besten in die Geschichte passen. Der Gestaltungsprozess ist viel aufwendiger und nervenaufreibender, als ich es mir vorgestellt hatte. Zweifel überkommen mich immer wieder, ob die Geschichte genug gut sei, ob ich den Zeitplan einhalten könne und ob ich meinen Erwartungen gerecht würde. Gleichzeitig muss ich mich daran erinnern, dass laut Gregory Zäch für professionelle Illustratoren, die keine Schule und Bürojob nebenbei haben, drei Monate schon wenig Zeit ist. Ich habe eineinhalb Monate Zeit und bin keineswegs erfahren genug, ein HitBuch zu illustrieren. Der Zeitdruck belastet extrem und hindert mich, mein volles kreatives Potenzial auszuschöpfen. Nach einer Weile fällt mir auf, dass etwas nicht ganz stimmt. Irgendetwas scheint nicht ganz zusammenzupassen. Also drucke ich die einzelnen Seiten aus, um sie nebeneinander zu sehen, wie sie auch im Buch nacheinander angeordnet sein 45


Abb. 37: Finale Doppelseite aus meinem Kinderbuch

Abb. 38: Finale Doppelseite aus meinem Kinderbuch

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werden. Etwas, das ich aus der Grafikbranche gelernt habe, denn nicht alles, was am Bildschirm gut aussieht, tut es auch auf Papier. Schnell merke ich, dass der Hase etwas steif und auf den verschiedenen Seiten nicht wie der selbe Charakter wirkt. Also überarbeite ich den Hasen auf allen Bildern noch einmal und zeichne dieses Mal alles auf einer Seite, um alle Skizzen im Blick zu haben und nicht zu stark abzuweichen. Die finalen Seiten des Buches beinhalten rund 91 Stunden illustrative Arbeit. Das umfasst lediglich die zeichnerische Zeit für jene Seiten, die es ins Buch geschafft haben. Im Prozess wurden viele Seiten verworfen, und die Erarbeitung der Geschichte ist zeitlich ebenso wenig berücksichtigt. Insgesamt habe ich bestimmt das Dreifache dieser Zeit investiert.

Abb. 39: Illustration, Hasencharakter

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Abb. 40: Nahaufnahme aus dem Buch «Wild»

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Auswertung

Experiment Die Erarbeitung eines Kinderbuches ist sehr aufwendig und nicht zu unterschätzen. Anhand der Tipps von Francesca hatte ich einen guten Start, doch das hat mich nicht vor Fehlern im Gestaltungsprozess bewahrt. Ich musste die Geschichte mehrmals anpassen und meinen ersten Illustrationsversuch verwerfen. Ich bin froh, dass ich mich schlussendlich für die Arbeit auf meinem iPad entschieden habe, was mir erlaubt hat, die Zeichnungen überallhin mitzunehmen, um daran zu arbeiten. Den Häschencharakter zu überarbeiten, war ebenfalls ein guter Entscheid. Der Hase ist nun viel lebendiger als zuvor.

Inspiration ist ein grosser Teil einer solchen Arbeit, da man mit Herz und Seele dabei sein muss. Grosse Ansprüche zu haben, kann einem dabei im Weg stehen. Ich habe jedoch alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte, und bin sehr stolz auf das Ergebnis.

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Abb. 41: Nahaufnahme aus dem Buch «The Secret of Black Rock»

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Abb. 42: Der Arbeitsplatz in meinem Zimmer

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Schlusswort Kinderbücher ohne Worte begeistern mich nach dieser Arbeit noch mehr als zuvor. Ich kenne nun die verschiedenen Arten von Kinderbüchern, die es gibt, und weiss auch etwas darüber, wie man sie vertreiben kann. Aus dem Gespräch mit Francesca Sanna habe ich einen guten Einblick in das Leben eines Illustrators erhalten und erfahren, was die nötigen Schritte beim Erarbeiten eines Bilderbuches sind. Der Besuch im Kindergarten war besonders aufschlussreich bezüglich meiner Zielgruppe und um Ideen für meine Geschichte zu finden. Im Gespräch mit Gregory Zäch bekam ich viele Informationen aus die Welt der Verlage und über die Zusammenarbeit mit Illustratoren und Autoren. Das gesamte Wissen, welches ich mir angeeignet habe, konnte ich in meinem Experiment anwenden und mir den Traum des

selbst illustrierten Kinderbuches erfüllen. Ein Grossteil davon ist es, Versuche zu machen und daran zu scheitern. Ich hatte einen enormen Zeitaufwand für die Geschichte und die Illustrationen, und ich glaube, dass es mir leichter fallen würde mit mehr Zeit für ein solches Projekt. Nun bin ich mir bewusst, dass man ein Kinderbuch normalerweise nicht allein erschafft, sondern in Zusammenarbeit mit einem Lektor. In der Zukunft würde ich für ein solches Projekt mehr Zeit einplanen und von Anfang an digital arbeiten. All die guten und weniger angenehmen Erfahrungen hätte ich ohne die Vertiefungsarbeit bestimmt nicht gemacht. Sie sind wertvoll und einzigartig, und ich freue mich schon jetzt auf mein nächstes Kinderbuchprojekt.

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Danksagung Für die Unterstützung bei meiner Vertiefungsarbeit bedanke ich mich bei folgenden Personen: Danke, Francesca Sanna, für das tolle Interview und die guten Tipps. Marianne Stauffer, für den erlebnis- und erkenntnisreichen Morgen im Kindergarten. Gregory Zäch, für die Zeit und das spannende Gespräch. Christoph Schlatter, für die Motivation. Susanne Bänziger, fürs Korrekturlesen dieser Arbeit. Marco Martoglio, fürs Überprüfen der Benotungskriterien. Joel Stauffer, Gisi und René, für die emotionale Unterstützung. Mine Dal, für das Beantworten vieler Fragen bezüglich der Vertiefungsarbeit.

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Quellenverzeichnis Literatur: Bettina Kümmerling-Meibauer, Wörterbuch der Rhetorik. Ergänzungsband. Berlin: de Gruyter 2012. Seite 146-147 Internet: Greenstories: Warum sind Kinderbücher wichtig?, 2015 URL: https://www.greenstories.de/mit-kinderbuechern-frueh-starten/ educalingo: Etymologie des Wortes Wimmelbild URL: https://educalingo.com/de/dic-de/ wimmelbild Wikipedia: Lampedusa URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Lampedusa#Station_auf_der_Fluchtroute_ übers_Mittelmeer International Board on Books for Young People: Silent Books URL: http://www.ibby.org/awards-activities/activities/silent-books/ Anette Huesmann: Buch veröffentlichen, 2015 URL: https://www.die-schreibtrainerin.de/ buch-veroeffentlichen/ Interview Partner: Francesca Sanna hello@francescasanna.com

Gregory Zäch Midas Verlag AG zaech@midas.ch

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Abbildungsverzeichnis Abb. 0: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 33: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 1: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 34: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 2: Bild: Leya, Zürich, 2019 Buch: «The Secret of Black Rock» Joe Todd Stanton, London, 2017, Flying Eye Books

Abb. 35: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 36: Bild: Leya, Zürich, 2019

Abb. 3: Illustration: Leya, Zürich, 2019 Abb. 37: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 4: Bild: Leya, Zürich, 2019 Buch: «Danca», João Fazenda, 2015, Lisboa, Pato -Lógico

Abb. 38: Bild: Leya, Zürich, 2019

Abb. 5: Illustration: Leya, Zürich, 2019

Abb. 39: Illustration: Leya, Zürich, 2019

Abb. 6: Bild: Leya, Zürich, 2019

Abb. 40: Bild: Leya, Zürich, 2019 Buch: «Wild», Emily Hughes, London, 2013, Flying Eye Books

Abb. 7: Bild: Leya, Zürich, 2019 Buch: «Krokodrillo» Giovanna Zoboli & Mariachiara di Giorgio, Milano, 2017, Topipittori

Abb. 41: Bild: Leya, Zürich, 2019 Buch: «The Secret of Black Rock» Joe Todd Stanton, London, 2017, Flying Eye Books

Abb. 8: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 42: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 9: Illustration: Leya, Zürich, 2019 Abb. 10: Bild: Leya, Zürich, 2019 Buch: «Me and My Fear» Francesca Sanna, London, 2018, Flying Eye Books Abb. 11: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 12: Illustration: Leya, Zürich, 2019 Abb. 13: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 14: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 15: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 16: Bild: Leya, Zürich, 2019 Buch: «Krokodrillo» Giovanna Zoboli & Mariachiara di Giorgio, Milano, 2017, Topipittori Abb. 17: Bild: Leya, Wil SG, 2019 Abb. 18: Bild: Leya, Wil SG, 2019 Abb. 19: Bild: Leya, Wil SG, 2019 Abb. 20: Illustration: Leya, Zürich, 2019 Abb. 21: Illustration: Leya, Zürich, 2019 Abb. 22: Bild: Leya, Wil SG, 2019 Abb. 23: Bild: Leya, Wil SG, 2019 Abb. 24: Bild: Leya, Wil SG, 2019 Abb. 25: Bild: Leya, Wil SG, 2019 Abb. 26: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 27: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 28: Illustration: Leya, Zürich, 2019 Abb. 29: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 30: Bild: Leya, Zürich, 2019 Buch: «Kijk, Konijnen», Daphne Louter, Rotterdam, 2017, Lemniscaat Abb. 31: Bild: Leya, Zürich, 2019 Abb. 32: Illustration: Leya, Zürich, 2019

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Eigenständigkeitserklärung Ich versichere hiermit, dass ich die vorliegende schriftliche Arbeit selbständig und ohne unerlaubte Hilfe verfasst habe. Ich habe alle wörtlichen und sinngemässen Übernahmen aus anderen Texten und Quellen kenntlich gemacht und angegeben. Ich versichere zudem, diese Arbeit nicht bereits anderweitig als Leistungsnachweis verwendet zu haben. Die Arbeit darf unter Einsatz entsprechender Software auf Plagiate überprüft werden. Titel der Vertiefungsarbeit: «Kinderbuch ohne Worte»

Ort, Datum, Name, Klasse und Unterschrift:

Bestätigung Lehrbetrieb:

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Wortanzahl 6059