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Editorial

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Change is a Challenge: Veränderung bedeutet Herausforderung. Wahrscheinlich sogar die größte unserer Gesellschaft. Und was ist schon unsere kleine Zeitung im Kontext dieser großen Herausforderung? Das haben wir uns auch streckenweise gefragt. Wie kommuniziert man Nachhaltigkeit, ohne den Begriff noch mehr auszulutschen? Wir haben das Wagnis auf uns genommen, auch wenn wir teilweise nicht das verwirklichen konnten, was wir uns vorgestellt hatten. Manchmal ist die Leuphana eben doch nicht so offen für Neues, wie sie sich gibt. Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf drei Ausgaben CHA[LLE]NGE mit und für euch. Von den besten BlogN Einträgen, über die Berichterstattung eurer Seminare bis hin zu interessanten Artikeln rund um das Thema Homöostase ist alles dabei. Und wenn ihr euch jetzt fragt, was Homöostase ist, dann müsst ihr sogar in unsere Zeitung blättern, um das zu erfahren. Und wenn ihr das tut, dann haben wir schon mehr als genug erreicht: Eine kleine Veränderung, ein kleinen Denkanstoß für jeden. Doch was ist so eine kleine Veränderung schon im Kontext dieser großen Herausforderung? Mehr als keine Veränderung. Und wenn wir das im Hinterkopf behalten, dass jede Veränderung in kleinen Schritten geht, dann kommen wir unserem Ziel ein bedeutendes Stück näher. In diesem Sinne verabschieden wir uns mit den Worten eines weisen Mannes: Challenge accepted. Viel Spaß beim Lesen Eure Redaktion

Konferenzwochenzeitung zum Tag des Aufbruchs

Ausgabe 1 ¡ 26. Februar 2013

© Henriette Vorname Nachname Schulz

Leuphana Universität Lüneburg

Zu Semesterbeginn sind wir aufgebrochen und haben seitdem unsere Koffer mit Wissen gepackt.

Reisen erweitert den Horizont: Die Leuphana-Tour 2013

Ich packe meinen Koffer und nehme mit ... Vor einem knappen halben Jahr startete eine Reise – unser Studium an der Leuphana begann. Als „Blind Booking“ kann man sie nicht bezeichnen, hatten wir ja bereits die metaphorischen Reiseführer gewälzt, bevor wir die Buchung abschlossen. Man hegte die üblichen mit dem Antritt einer Reise einhergehenden Hoffnungen und Bedenken und es war der Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt. Wir alle haben damals unsere Koffer hervorgeholt und seitdem so manches Souvenir eingesackt. Seien es fächerübergreifende oder spezifische Methodenkenntnisse, Aspekte der Geschichte von Wissenschaft oder eben die

Think Tanks – Modell mit Perspektive oder bloß Mode? Denker von morgen gibt es nicht nur in der Regierung, auch an der Leuphana. Seite 2

Einsicht, dass Wissenschaft Verantwortung trägt. Seitdem haben sich unsere Reisekoffer gefüllt mit Wissen über die Verantwortung uns selbst, künftigen Generationen und unserer Umwelt gegenüber. Das Wort „Nachhaltigkeit“ dürfte uns mittlerweile mehr als geläufig sein und insgeheim würden wir alle es sicher zum Unwort des Semesters wählen. Obwohl unser Reisegepäck manchmal überzuquellen droht und wir am liebsten einige Inhalte rausgeschmissen hätten, können wir doch stolz sein, unsere Koffer bis hierher geschleppt zu haben und jetzt befinden wir uns schon am Ende der ersten Reiseetappe. Wir haben uns todesmutig in ein Wohnheim voller Erstsemester gewagt und Fragen gestellt. Das Ergebnis findet ihr in dieser Ausgabe! Seite 4/5

Nun gilt es jedoch zukünftig, die richtigen Inhalte hervorzukramen. Immer wieder aufzubrechen. Change is a challenge. Das ist uns allen klar. Auf der Konferenz für nachhaltiges Handeln an unserer Uni können wir etwas von unseren Kofferinhalten anderen Reisenden präsentieren und selbst von ihren Erfahrungen profitieren. Die Werkzeuge für einen Umbruch und schlussendlichen Durchbruch sind uns an die Hand gegeben worden und werden in den nächsten drei Tagen nochmal aufgefrischt und vertieft. Der Aufbruch hat begonnen. Damals wie heute. Marie-Sophie Vorbrodt

Von Ökofundis und Grundeinkommen. Wenn ihr euch schon immer gefragt habt, wer hinter dem Gesicht der Nachhaltigkeit steckt, dann blättert rein! Seite 6


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Cha[lle]nge

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Ausgabe 1 ¡ 26. Februar 2013

Querdenker: In der Vielfalt liegt die Kraft

Wohl nicht zuletzt wegen der Deutschen Vorliebe für Anglizismen haben die „Think Tanks“ in den vergangenen Jahren ihren Weg in unser Vokabular gefunden. Doch was sind das eigentlich, diese Denkfabriken? Think Tanks sind Expertengruppen, Forschungsinstitute, die nicht auf Gewinn, sondern auf Lösungen aus sind. Selbstverständlich brauchen auch geniale Köpfe Geld – in Deutschland werden die meisten Think Tanks öffentlich oder durch Stiftungen finanziert. „Und dann?“ Und dann setzen sich die Experten hin und thinken. Das ist ihre Hauptaufgabe: Sie denken nach und entwickeln Konzepte, die Probleme ihres Fachgebietes ausmerzen, bevor sie überhaupt zustande kommen. „Denken auf Vorrat“ nennt man das. Doch was prädestiniert Think Tanks für einen Beitrag in der Aufbruch-Ausgabe unserer Zeitung? Ein klein wenig Frust und Fassungslosigkeit, kurz erklärt am Beispiel des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung „Globale Umweltveränderung“ (WBGU). Dieser ganz spezielle Think Tank berichtet in erster Linie an Frau Merkel und Konsorten, im Endeffekt aber an uns alle. Wie vorausschauend und Auf-Vorrat-Denkend diese Experten arbeiten, kann man

© Anna-Lena Blank

Think Tanks – Ein kleines Wort für große Denker

Das Prinzip der Think Tanks: Viele Köpfe, viele Lösungen

an den Themen ihrer Hauptgutachten der vergangenen Jahre ablesen: 2003: Energiewende, 2004: Armut, 2008: Bioenergie, 2011: Transformation. Das Problem ist, dass diese Gutachten nicht so ernst genommen werden, wie

sie eigentlich sollten. Die bereits vor Jahren vom WBGU abgehandelten und theoretisch gelösten Probleme lösen noch heute Panik in der Bevölkerung aus – keiner hat das Gefühl, dass sich etwas geändert hat – wenn aus der

Theorie keine Praxis wird, wozu dann das Ganze? Wollten wir nicht Veränderung? Genau diese Frage scheint sich auch die Leuphana gestellt zu haben und hat kurzerhand ihren eigenen Think Tank eröffnet: Die Digital School, Think Tank Cities. Unter der Leitung von Architekt Daniel Libeskind entwerfen die Mitglieder in Kleingruppen Modelle zum künftigen Leben in Ballungsgebieten. Und hier kommt die wahre Genialität der Think Tanks erst richtig zum Tragen: Die Digital School ist ein Online-Hochschulkurs und bietet Menschen auf der ganzen Welt die Möglichkeit, dabei zu sein. Die Praxisnähe der Denkfabriken beruht also darauf, nicht nur Theoretiker zu beschäftigen, sondern eine bunte Gruppe an Menschen: Die, die selbst von eventuellen Problemen betroffen sind, jung und alt, international oder aus der Lüneburger Heide. Um bei den Anglizismen zu bleiben: Think Tanks machen aus Geeks Visionäre, auf die wir uns verlassen sollten. Vielleicht sollten wir noch einen Schritt weiter gehen und uns fragen, ob wir nicht selbst Experte in etwas sind und uns damit in einer Denkfabrik engagieren – damit endlich mal etwas passiert! Kati Jovic

Best of blogN: Den Eintrag von Konstantin Sinn kürten wir zu einem der originellsten

Nachruf zum Aufruf – eine lyrische Betrachtungsweise

Wir nehmen Abschied von der Nachhaltigkeit * 3. Juli 1992, Rio de Janeiro † viel zu früh Vergewaltigt im Munde von HonigbartPolitik, Flower-Power-Wirtschaftsethik und Müssen-Medien, erlag sie ihren schweren Verletzungen. In stiller Trauer: Der gesunde Menschenverstand und die Kinder von morgen

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Nachhaltigkeit. Die Marter auf der Folterbank der Systemräder hat vom einstigen Klangbild der Hoffnung eine totgeprügelte Phrase übrig gelassen, die bis in den letzten Atemzug auf der Intensivstation der bedrohten Wortarten lag. Die Nachhaltigkeit trug PseudoWeltverbessertum, Scheinheiligkeit und menschliche Handlungsschwäche zu Kreuze und starb als Märtyrer für eine einst große Idee. Sie hat ihren Nachklang, ihre Haltbarkeit, ihre Einzigartigkeit und ihre Wirklichkeit verloren. Der Umgang mit dem Wort war und ist nicht nachhaltig. Der Begriff wird scheinbar nur noch um des Begriffes Willen benutzt und hat sich jeglichem Bezug zur Wahrhaftigkeit entledigt. Was bleibt ist ein gestöhntes „schon wieder“, wenn das Wort die Hörsäle betritt. Wie geht Veränderung? Am Anfang steht das Wort. Freiheit, Gleichheit, Frieden. Dafür kämpfen Menschen.

Nachhall der Nachhaltigkeit

Konstantin Sinn

Das Wort Nachhaltigkeit erbringt diese Kraft nicht, da wir kaum Positives mit ihm verbinden. So ergibt sich bei vielen die Assoziation: erhobener Zeigefinger, Einschränkung, Verzicht, Angst um Zukunft. Anders ist es bei dem Wort Liebe. Verbinden wir mit der Liebe doch Wärme, Geborgenheit, Vertrautheit, Sinnlichkeit. Die Liebe ist stark. Vielleicht besteht eine wichtige Aufgabe darin, den Begriff Nachhaltigkeit ideell zu erfüllen, damit das Wort nicht länger eine leere Hülle bleibt, sondern am Anfang von Begeisterung, Mut und dem festen Glauben an ein Morgen steht.

© Anna-Lena Blank

Die gute Nachricht zuerst: H&M, das Kernkraftwerk Brunsbüttel und die deutsche Geflügelfleischwirtschaft handeln nun NACHHALTIG. Die Welt scheint gerettet! H&M-Gutscheine sind wieder repräsentative Weihnachtsgeschenke und die Anti-AKW-Flaggen können zusammen mit den eh verbleichten Vegetariern/Veganern im Keller verstauben!

Auf dem Sterbebett will ich Dir geben, meinen Wunsch nach wahrem Leben. Denk mich länger als einen ARTE-Themenabend im TV, länger als ein Wirtschaftsjahr von Coca-Cola, C&A, länger als eine Legislaturperiode der Berlin-Frau, mein Sinn wird erst langfristig klar. Denk mich weiter als die kurze Autofahrt, weiter als das Ende vom Bio-Marktregal, weiter als die Grenzen von diesem Staat, meine Größe ist kolossal global. Denk mich höher als den Stromverbrauch, höher als den Konzernprofit, höher als den unverschämten Ressourcenraub, mein Wille in höchsten Tönen, ergibt des Lebens Lied. Auf dem Sterbebett will ich Dir geben, meinen Wunsch nach wahrem Leben. Nach wahrer Tugend, Tat und Drang, aus des Menschen Hand – fang an!

Dein Nachhaltigkeitsdozent kauft im Supermarkt Eier aus Käfighaltung. Was denkst du? „So ein Geizhals!“ [Michelle] ¡ „Hab ich auch schon oft


[ PER S PECTI V ES ]

Ausgabe 1 ¡ 26. Februar 2013

Cha[lle]nge

Klaus Töpfer per Skype zugeschaltet: die positiven Seiten der Digitalisierung

Kolumne

Stagnation ist Rückschritt Das Zeitalter der Technik. Eine Welt verschiedenster Möglichkeiten der Kommunikation. Doch wohin bringt uns dieser Aufbruch der Technologien? Wie weit entwickelt ist unsere Gesellschaft in 20 oder gar schon fünf Jahren!? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Die Arten, sich heutzutage gegenseitig mitzuteilen, sind uns bekannt, wir sind damit vertraut und möchten diese auch nicht mehr missen. Etwas Neues, Unbekanntes ist bei Menschen nun meist mit Angst oder Skepsis verbunden, was im Grunde nachvollziehbar ist, aber keinesfalls begründet! Die Unwissenheit wird häufig als Aufhänger benutzt, um der Veränderung abzusagen. Doch hat diese „Gruppe der Gesellschaft“ einmal darüber nachgedacht, dass Erneuerungen natürliche Prozesse sind? Lebendige Systeme sind auf permanente Erneuerung angewiesen, das hat man schon in der 6. Klasse gelernt. Dinge, die sich nicht mehr

verändern, sind am Ende der Entwicklungskette angekommen und sterben. Daraus erschließt sich der ständige Wandel der Technik. Stillstand ist keine Option und so ist es ein Wetteifern nach immer schneller, besser und weiter. Wenn wir in der Zeit zurück gehen, waren Handys – die in der heutigen Gesellschaft scheinbar unabdingbar sind – noch ein Fremdwort. „Mobiltelefone“ sollten die Fern-Übermittlung von Nachrichten erleichtern und es wurden Prognosen aufgestellt, wie viele davon wohl in den nächsten Jahren auf den Straßen kursieren würden. Man äußerte Zahlen, die dem Wunschdenken und Utopischen gleichgesetzt wurden, andererseits erwartete und erhoffte man auch diese rasante Entwicklung. Die Vorstellung, wie sich die Handys heute etabliert haben, war unvorstellbar. Und das war gerade mal im Jahr 2000! Diese Schnelllebigkeit ist genau das, was gefürchtet ist. Aber bringt die Ver-

änderung der Technik nicht auch Gutes mit sich? Die Gesellschaft profitiert in gewissen Hinsichten doch auch von diesen Entwicklungen, nicht wahr?! Ein Beispiel wird uns auf dem silbernen Tablett serviert: die Eröffnung der Konferenzwoche 2013 mit Prof. Dr. Klaus Töpfer als Redner. Dieser ist aber nicht physisch anwesend, sondern wird per Skype zugeschaltet. Nur durch den Wandel der Technik ist uns dies überhaupt möglich! Stelle man sich einmal vor ein begehrter Politiker müsste für jede Rede, jeden Auftritt und jede kleinste Besprechung von Ort zu Ort transportiert werden und das im täglichen Rhythmus. Sind da die Prominenz und die Umweltfreundlichkeit nicht aber kontrovers? Was macht dann ein ehemaliger Umweltminister? Und schon sind wir wieder bei unserem Ausgangspunkt: er nutzt die heutige Technik! Ann-Katrin Mävers

Die „grüne“ Suchmaschine

© Svenja Pape

Habt ihr mal Ecosia „gegoogelt“?

Beim Suchen etwas Gutes tun – Ecosia macht´s möglich!

Jeder kennt es, jeder braucht es, jeder macht es – die alltägliche Nutzung einer Suchmaschine! Doch was soll man daran verändern können, um es ökologisch nennen zu dürfen? Ganz einfach! Nutze die richtige Suchmaschine, wie etwa Ecosia.org! Die Ecosia GmbH ist ein Social Business, das sich für ökologische Nachhaltigkeit einsetzt, indem es seine Einnahmen für

den Schutz der Regenwälder spendet. Sie funktioniert ganz einfach: Ecosia wird von anderen Servern unterstützt: Die Suchergebnisse werden von Bing geliefert, die Anzeigen stellt Yahoo zur Verfügung. Wie jede Suchmaschine verdient Ecosia durch Werbeanzeigen Geld. Wenn man auf eine Reklame klickt, dann zahlt das werbende Unternehmen einige Cent an

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Bing oder Yahoo, die dann einen Großteil davon an Ecosia weitergeben. Mit mindestens 80 Prozent dieser Einnahmen wird die Arbeit des WWF im Amazonas unterstützt. Gleichzeitig werden alle Server von Ecosia mit Ökostrom von Greenpeace Energy betrieben. Da dies nicht für die Server von Yahoo und Bing gilt, kauft Ecosia zusätzlich zum Ausgleich Zertifikate zur Klimakompensation im Wert von 0,2 Gramm CO2 pro Suche von PURE – the Clean Planet Trust. Dadurch setzt sich das Unternehmen doppelt ökologisch ein. Pro Suche werden durchschnittlich 0,13 Cent gespendet. Das wird daraus errechnet, dass ca. 2 Prozent aller Suchanfragen dazu führen, dass ein Werbelink angeklickt wird, für den ca. 6,5 Cent gespendet werden. Das klingt jetzt vielleicht nach nicht viel, aber die Summe macht es: Bis heute wurden schon über 1.167.000 Euro an den Regenwald gespendet. Wenn du demnächst mal wieder etwas im Web suchst, dann benutze einfach mal Ecosia.org und verleihe einer täglichen Routine einen ökologischen Nutzen – und das komplett kostenlos!

© Arne Hansen

Wenn wir alle mal ganz ehrlich sind, fällt uns das Aufbrechen oft schwer. Wer kennt es nicht? Freitag Abend, man ist geschafft von den Strapazen der Woche und bleibt einfach mal zu Hause sitzen, nur um dann am nächsten Tag erfahren zu müssen, dass man die Party des Jahres verpasst hat. Sehr ärgerlich! Zu spät aufgestanden? Zug verpasst! Zu lange getrödelt? Euer Date hatte leider einfach keine Lust mehr, noch weitere 20 Minuten auf euch zu warten! Wie ärgerlich wäre es dann erst, wenn ihr eines Morgens aufwacht, nur um zu realisieren, dass es einfach mal zu spät ist, um die Welt zu retten? Ein kollektives „Uuups“ wäre vermutlich unangebracht. Und dabei kann wirklich jeder schon mit Kleinigkeiten dazu beitragen, die Welt jeden Tag ein kleines Stück besser zu machen. Ihr müsst auch nicht alles richtig machen! Selbst unser Modulverantwortlicher sagt über sich, dass er privat beim Abfall einen besseren Job machen könnte. Aber hey, dafür fährt er kein Auto und macht sich verdammt viele Gedanken darüber, wie man uns Studenten die Idee von einer nachhaltigen Entwicklung vermitteln kann. Und das ist doch letztlich auch das Wichtigste, dass man die Idee zu den Menschen bringt und ein Bewusstsein dafür schafft! Niemand von uns muss ein Superheld sein oder gar werden, um das zu erreichen! Aber selbst Mario ist irgendwann mal irgendwo aufgebrochen, um die Prinzessin zu retten. Natürlich weiß heute niemand mehr so genau, wann und wo das war. Und vielleicht sollten wir es einfach genau so machen. Aufbrechen in eine bessere und bewusstere Zukunft, Schritt für Schritt, Level für Level, der Weg ist das Ziel. John Paxson

Viviana Kneiske

gemacht. Ich denke mal, auch Dozenten dürfen manchmal Menschen sein.“ [Paul] ¡ „Würde mich wundern ...“ [Lukas] ¡ „Dieser Schlingel“ [Katrin]


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+++ We feed the world +++ LEUFARM – Ein studentischer Gemeinschaftsgarten an der Leuphana +++ Anstoß zur HafenCity – Die Spieler und ihre Intere

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[ Pr o j e c t s ]

Cha[lle]nge

Wasser: mehr als nur ein Durstlöscher

Das blaue Gold Wir verschütten, verschwenden, verschmutzen es – und das jeden Tag. Wasser. In letzter Zeit schleicht sich allerdings ein leichtes Unbehagen in unsere Wasserorgien. Immer deutlicher dringt es in unser Bewusstsein – Wasser ist eine endliche Ressource. Neue Wege zu finden, den Wasserverbrauch zu reduzieren ist eine der vielen Herausforderungen unserer Zeit. Viva Con Agua hat diese Herausforderung angenommen. Seit 2006 ist der in Hamburg gegründete, Verein aktiv. Die durch die Arbeit der Organisation generierten Spendengelder fließen über die Welthungerhilfe in Wasserprojekte auf der ganzen Welt. Viva Con Agua stellt ein öffentliches Netzwerk dar, in dem sich jeder ehrenamtlich engagieren kann. Jeden Dienstagabend am Lüneburger Hafen diskutieren die ehrenamtlichen Mitglieder der Zelle in Lüneburg im PONS anstehende Projekte und neue Ideen. Die Projektpalette reicht von der Kloschüssel im Hörsaal am „WorldToilet-Day“ bis zur Kanufahrt mit einer Schulklasse. Hip Hop und Viva Con Agua, passt das überhaupt zusammen? Unter dem Motto „Wasser, Beats und Graffiti – Was hat Hip Hop mit sozialem Engagement zu tun?“ organisieren und moderiert das Seminar „Aktions- & Projektmanage-

ment am Beispiel der Trinkwasserinitiative Viva Con Agua de Sankt Pauli e.v“ eine Podiumsdiskussion. Hier stoßen Michael Fritz, ein Mitbegründer des Vereins, Falk Schacht, Redakteur der Online-Plattform www. mixeryrawdeluxe.tv und der Streetart Künstler Gerrit Peters alias „TASEK“, aufeinander. Das wird sicher ein spannender Schlagabtausch. „Die drei kennen sich auch privat sehr gut und sind rhetorisch stark“, meint auch Pascal Kölpien, ein Teilnehmer des Projektseminars. Eine weitere Teilgruppe des Seminars organisierte „Nightflow“- Party, diesen Mittwoch im Salon Hansen, um 23 Uhr geht es los. Auch hier versickert kein Geld: die Eintrittsgelder fließen direkt in die Wasserprojekte der Welthungerhilfe. Durch die gute Zusammenarbeit zwischen Viva Con Agua und dem Salon Hansen wird eine Veranstaltung wie diese ermöglicht. Pascal Kölpien gibt auf jeden Fall zu, dass ihm das Projektseminar die Augen geöffnet hat. Er nimmt seit einiger Zeit an der Vereinsarbeit der Viva con Agua Zelle in Lüneburg teil. In seinem Fall war das Verantwortungsseminar also mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Corinna Thölke

Ausgabe 1 ¡ 26. Februar 2013

Dennis, Sara, Raphaela und Elias wohnen seit Beginn des Leuphana-Semesters 2012/13 gemeinsam im Ersti-Wohnheim

Erstis im Gespräch: Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin?

„Watt“ ist denn da los? – Ein Erstiw

Wenn man 6 Ja man genug Gas hre und 9 Monate ununterbroch gesammelt, um en furzt, hat die Energie einer freizusetzen. Atombombe Homöostase ist

ein Synonym fü

r Nachhaltigkeit

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Zwei Wochen vor der Konferenzwoche wollten wir von vier Erstsemestern aus dem Willhelm-Watt-Wohnheim wissen, wie sie das Verantwortungsseminar erlebt haben. ? Bevor wir anfangen, stellt euch doch bitte mal alle vor! Sara: Ich bin Sara, 19 Jahre alt, komme aus Langenfeld, das liegt zwischen Köln und Düsseldorf. Und ich studiere hier Wirtschaftspsychologie. Dennis: Ich bin der Dennis, ich komme aus Bad Honnef bei Bonn, studiere ebenfalls Wirtschaftspsychologie, und ich bin 20 Jahre alt. Elias: Ich bin Elias, ich bin auch 20, bin Umweltwissenschaftler, komme auch aus NRW, so zwischen Köln und Düsseldorf, nämlich aus Haan. Raphaela: Ich heiße Raphaela, bin 19 Jahre alt, studiere Kulturwissenschaften und komme aus Baden-Württemberg, aus der kleinen Stadt LaudaKönigshofen. ? Danke schön. Erzählt doch mal. Wie

war euer Leben hier im Ersti-Wohnheim nachdem ihr eingezogen seid? Elias: Also ich fand’s total gut, weil man einfach sofort vierzig Leute kannte. Und da müssen ja dann auch ein paar dabei sein, die nett sind. (lacht) Vor allem bevor die Uni begonnen hatte. Hier konnte man sich vom ersten Abend an absprechen. Wer geht auf welche Party? Dann kommen direkt 5 Leute vom Wohnheim mit. Sara: Man kannte schon so viele Leute, wenn man über den Campus gelaufen ist. Als es noch warm war, haben wir sogar alle zusammen noch draußen gegrillt. Da gewöhnt man sich dann auch schnell ein. Dennis: Also ich kann dem nichts weiter hinzufügen. Ich hätte dasselbe gesagt. ? Wie viel habt ihr vor eurem Studium über das Leuphana-Semester gewusst? War das Konzept auch ein Grund dafür, hier zu studieren? Dennis: Also ich habe mich vorher

„Letztendlich sagt das doch noch nicht besonders viel aus. Eventuell ist er im Bezug auf andere Dinge sehr nachhaltig.“ [Max] ¡ „Der passt zur


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essen +++ Die Wollhandkrabbe erobert Deutschland +++ Bis wir alle baden gehen! +++ Grün bleibt kleben! +++ KONY 2012 – Manipulation der Masse? +++

[ Pr o j e c t s ]

© © Svenja Svenja Pape Pape

Ausgabe 1 ¡ 26. Februar 2013

m in der William-Watt-Straße. Wir haben sie an einem Sonntag besucht und ein entspanntes Küchen-Gespräch geführt!

wohnheim im Nachhaltigkeitscheck schon genau informiert, was es da für einzelne Module gibt. Es war aber kein Grund hier anzufangen, das lag eigentlich wirklich nur am Studiengang, weil man den in der Form nur hier und an wenigen anderen Universitäten belegen kann. Elias: Ich hab mich nicht ganz so sehr informiert, was die Module angeht, aber diesen breiten Ansatz des Semesters fand ich irgendwie gut und auch wichtig. Raphaela: Was mich sehr angesprochen hat, war die Tatsache, dass eben alle Erstsemester zusammen studieren, und man so auch Leute aus anderen Studiengängen kennenlernt. Aber inhaltlich war das Leuphana-Semester kein ausschlaggebender Punkt. (lacht) Sara: Also ich wusste schon, dass es das irgendwie gibt. (lacht) Ich fand es auch schön, mit allen Erstsemestern zusammen zu studieren, habe aber auch schnell gemerkt, dass man nach einer gewissen Zeit doch mehr mit den

Leuten aus dem eigenen Studiengang zu tun hat. Elias: Im Verantwortungsseminar bin ich in einer Projektgruppe mit zwei Rechtlern, zwei KuWis und noch einem UWi, und das ist echt richtig gut, wir verstehen uns alle super. ? Wie hat euch denn die Vorlesungsreihe so gefallen? Der BlogN? Und eure Tutorien? Raphaela: Oh Gott! (lacht) Also es war schon manchmal wie ein Zwang. Gerade der Blog. Dieser Gedanke „Ich muss jetzt einfach 500 Wörter schreiben!“, Hauptsache 5x500 Wörter und egal und fertig! Sara: Ich hab auch irgendwann rausgefunden, dass die ja auch gar nicht so richtig gelesen werden, sondern dass das einfach nur vom Computer erfasst wird. Ein bisschen mehr Feedback wäre schön gewesen. Elias: Ich fand die Vorlesung jetzt nicht SO gut! Dagegen war der BlogN auch ganz hilfreich, um ein wenig das

Schwafeln zu lernen, um auf 500 Wörter zu kommen! (lacht) Es war schon schön, sich mit fünf eigenen Themen zu beschäftigen, und sich auch mit fünf anderen Beiträgen auseinanderzusetzen. Sara: Ich muss sagen, dass ich mein Tutorium wirklich sehr gut fand! Ich hatte einen guten Tutor und irgendwie hat mir das sogar mehr gebracht, als die Vorlesungen. Wir haben uns viel mit dem Studienbrief beschäftigt, und ich finde es generell schöner, wenn alles ein wenig interaktiver zugeht! Raphaela: Unser Tutor hat auch unsere Blog-Einträge teilweise durchgelesen. (alle lachen) ? Wonach habt ihr eure Verantwortungsseminare ausgesucht? Wurden eure Erwartungen an die Seminare erfüllt? Sara: Also das Seminar, das ich ursprünglich gewählt hatte, habe ich aus Interesse gewählt. Da ging es um Bildungs-Chancen. Das hab ich aber leider nicht bekommen. In der zweiten Losrunde hab ich dann auch kein Seminar bekommen, und musste dann einfach irgendwas nehmen. Da hatte ich dann auch keine Lust mehr, mir die Beschreibungen durchzulesen. Da geht es um die Verteilung von Wissenschafts- und Forschungsgeldern. Mich hat es nicht so begeistert. Es waren aber gute Seminar-Themen dabei! Schade, dass es für mich nicht geklappt hat! Dennis: Ich hab auch nach Interesse gewählt und zum Glück auch bekommen. Das Thema des Seminars war Food Justice, Lebensmittelgerechtigkeit, ein Thema, das mich schon immer interessiert hat. Bezüglich des Inhalts wurden meine Erwartungen zwar erfüllt, ich hätte aber mit weniger Arbeit gerechnet. (lacht) Elias: Mein Seminar beschäftigt sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Das habe ich gewählt, weil es ein Thema ist, das immer mal wieder irgendwo aufgekommen ist, und dann schreiben’s die Piraten in ihr ParteiProgramm. Da wollte ich mir einfach mal eine Meinung zu bilden! Jetzt kann ich die Gedanken dazu verstehen und für mich einordnen. Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit dem Seminar. Raphaela: Ich habe mich zuerst für das Seminar der lunatic-Spielwiese beworben, aber der Andrang war enorm groß. Im zweiten Durchgang habe ich auch wieder nach Interesse gewählt und dann „Museen und Nachhaltigkeit“ bekommen. Das habe ich gewählt,

Cha[lle]nge

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weil es in einem Vertiefungsfach der Kulturwissenschaften auch viel um Museen geht, und da wollte ich mal sehen, ob mir das liegt. Es war sehr interessant, aber ich weiß jetzt, dass ich das Vertiefungsfach nicht wählen werde! (alle lachen) Es hat aber Spaß gemacht, die Atmosphäre und die Gruppe waren klasse! ? Hat sich während des Semesters eure Einstellung oder euer Interesse zu dem Thema Nachhaltigkeit verändert, zum negativen oder positiven? Sara: Ja ich denke so Zeiten hat man immer. Über Nachhaltigkeit wird in der Presse und hier an der Uni einfach sehr viel berichtet. Und ich muss sagen, es gibt Tage, da hat man einfach keine Lust nachhaltig zu sein.(lacht) Da möchte man halt zu Hause mit dem Auto fahren weil es regnet. Und auch bei der Uni frage ich mich inwiefern die Nachhaltigkeit hier immer ernst genommen wird. Ich meine beispielsweise bei dem Libeskindbau könnte man sich diese Frage stellen. ? Unsere letzte Frage an euch: Mit welchen Erwartungen geht ihr jetzt in die Konferenzwoche? Dennis: Ja, ich könnte mir vorstellen, dass es sehr interessant wird. Ich bin gespannt, was es da für verschiedene Veranstaltungen und Vorlesungen gibt und ich hoffe es wird noch irgendwie klar, wie das genau abläuft. Sara: Ja,ich habe auch noch nicht verstanden, wann man jetzt genau wo da sein muss. Dennis: Ja, aber ich habe noch nicht so Lust auf den Vortrag. Raphaela: Auf deinen eigenen Vortrag? (lacht) Dennis: Und halt die ganzen Vorbereitungen, aber im Moment denke ich erst mal über die Klausuren nach und danach werde ich das mit meinem Team bestimmt noch hinkriegen. Elias: Ich war eigentlich eher skeptisch, dass das so mitten in den Semesterferien ist. Aber jetzt wo ich die Liste mit den Dozenten gesehen habe, denke ich mir, da sind sehr interessante Sachen dabei. Ich kann mir wirklich vorstellen, dass die Atmosphäre hier sehr schön wird und es zu einem wissenschaftlichen Austausch kommt. Raphaela: Ich bin wirklich gespannt, was die einzelnen Gruppen erarbeitet haben! ? Vielen Dank für das Interview! Corinna Thölke und John Paxson

Leuphana – mehr Schein als Sein!“ [Nele] ¡ „Bestimmt kauft er die Eier nur für sein nächstes Forschungsprojekt ein!“ [Henning]


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Cha[lle]nge

Ausgabe 1 ¡ 26. Februar 2013

Sven Prien-Ribcke: ein Gesicht, viele Facetten

Wer is´ eigentlich dieser Sven?

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? Warum genau Grundeinkommen? Sven Prien-Ribcke: Ha! In Heidelberg hatte ich natürlich viel Zeit, mir Gedanken zu machen: Wo liegen die ganz großen Herausforderungen? Ich hatte einen marxistischen Freund, mit dem ich viele Nächte durchdiskutiert habe und da sind wir, einfach durchs Diskutieren, wirklich selbst auf so etwas wie ein bedingungsloses Grundeinkommen gekommen. Nämlich dann auf eine, im Grunde genommen, Ausstattung, die man monatlich erhält, die den Menschen ermöglicht „nein“ zu sagen, damit sie eben bestimmten marktökonomischen Zwängen versagen können. ? Bevor auch wir die Nacht durchdiskutieren, kommen wir doch nochmal zurück zur Konferenzwoche. Sie machen das jetzt nicht das erste Mal... Sven Prien-Ribcke: ...genau, es ist die dritte Runde! ? Die dritte Runde. Und wir haben uns gefragt, bekommen sie Feedback von den Studierenden und wie fällt das aus? Sven Prien-Ribcke: Natürlich unterschiedlich. Wir haben ja ein großes

Problem: In Wirklichkeit hat man doch das Gefühl, man wird betrogen. Um die eigenen Ferien. Und zwar nicht nur die Studierenden empfinden das so, die Lehrenden zu einem Teil auch. Da war es wirklich eine Herausforderung die Stimmung zu drehen, eine Veranstaltung zu machen von der am Ende alle sagen: Es war gut. Besonders letztes Mal, gab es Leute, die haben gesagt: „Ich hab noch nie so viel gearbeitet, aber es war am Ende verdammt gut“. Also da hat man fast das Gefühl gehabt, es gibt so etwas wie Leistungsglück. ? Man hört zwischendurch auch immer wieder, wenn man mit den Studierenden redet, dass der Begriff Nachhaltigkeit doch relativ verhasst ist. Sven Prien-Ribcke: (lacht) Wunderbar, dass Sie das jetzt bringen! ? Zumindest kommt irgendwann der Punkt wo es dann doch mal nervt. Haben sie eigentlich manchmal Angst, dass es zu viel oder sogar kontraproduktiv werden könnte? Sven Prien-Ribcke: Das gehört fast zu den Überraschungen. Es ist natürlich

© Henriette Schulz

? Wie ist die Lage, kurz vor der Konferenzwoche? Wie geht es Ihnen persönlich? Sven Prien-Ribcke: Ich würde jetzt eigentlich gerne sagen tiefenentspannt, aber das ist natürlich nicht ganz die Wahrheit. Also wir stehen jetzt am Freitag schon ein wenig unter Strom, aber ich würde sagen die Spannung, die sich hier jetzt entlädt, die ist positiv. Es gibt keine großen Konflikte, keine Gewaltexzesse, alles hält sich im Rahmen. ? Vom Student zum Modulverantwortlichen für Nachhaltigkeit. Wie sind Sie dahin gekommen? Sven Prien-Ribcke: Ja, das ist eine spannende Frage. Das war nie ein Plan, aber es gibt da natürlich eine Geschichte dazu. Studiert hab’ ich in Heidelberg, bin also kein Lüneburger Gewächs. ? Ist aber ‘ne schöne Stadt. Die zweitschönste Stadt. Sven Prien-Ribcke: Genau, ich vermute die Heimatstadt ist ihre Nummer eins? Und das ist Lüneburg? (lacht) Sehr schön. Ich hab’ diese Stellenausschreibung gesehen, „Wissenschaft trägt Verantwortung“, und mir dann noch diese Formate dazu angeschaut und da merkt man gleich, das hat was besonderes, da entsteht etwas neues, etwas lebendiges, was man noch gestalten kann. Ich selbst hab’ ja noch in einem anderen System studiert und habe das in Heidelberg ehrlich gesagt auch immer sehr geschätzt. Diese Freiheit, mich eigentlich zwischen den Fakultäten relativ frei bewegen zu können und einfach auch selbst entscheiden zu dürfen, was mich interessiert. ? Was haben sie eigentlich studiert? Sven Prien-Ribcke: ´Ne Menge eigentlich (lacht). Formal tatsächlich Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft. War dann aber auch viel in der Philosophie, in der Soziologie unterwegs und sogar aber auch mal bei den Biologen. Das sagt aber noch nicht: Wie bin ich hier her gekommen? Ich hab tatsächlich eine ganze Zeit lang versucht meinen Weg zu gehen. Ich bin sehr stark in Hamburg aktiv gewesen und hab mich für’s bedingungslose Grundeinkommen eingesetzt. ? Wir haben da schon so was gefunden... wenn man ihren Namen googelt, dann kommt man da nicht drumrum. Sven Prien-Ribcke: Genau, ich hab also dieses Hamburger Netzwerk „Grundeinkommen“ mitbegründet, mit vielen Freunden, und inzwischen gehört das in der Grundeinkommensbewegung zu einer wichtigen Kraft.

Trotz Konferenzwochenstress wirkt Sven Prien-Ribcke sehr entspannt

so, wenn man sich ein halbes Jahr damit beschäftigt – und zwar nicht absolut freiwillig – dann haben wir sofort dieses Motivationsproblem, weil die Leute sich das nicht selbst wählen. Ich glaube, das ist das Hauptproblem. In der Sache selbst ist das eigentlich schwierig. Nachhaltigkeit als Prinzip ist ja vergleichbar mit Freiheit. Und das wäre irgendwie merkwürdig, wenn jetzt Leute sagen: Immer diese Freiheit... ? Jetzt haben wir viel über Nachhaltigkeit geredet. Wie sieht das denn mit der gelebten Nachhaltigkeit im Leben des Sven Prien-Ribcke aus? Sven Prien-Ribcke: (lacht) Oha. Ich hab’ ein Feld da bin ich wirklich super Vorbildlich. Das ist richtig Klasse. Ich fahre einfach kein Auto, ich hab überhaupt gar keinen Führerschein. ? Damals schon vorrausschauend nicht gemacht den Führerschein? Sven Prien-Ribcke: Vielleicht bin ich ja immer durchgefallen ... Nein, die Wahrheit ist: Ich hab’ mich tatsächlich länger mit einer Greenpeacestudie beschäftigt und fand das einfach plausibel, was dort gesagt wurde. Aber ich bin, das merkt man mir wahrscheinlich an, kein Ökofundi. ? Zum Abschluss stellen Sie sich mal folgendes vor: Sie sind im Supermarkt, stehen vor dem Eierregal und greifen grade zu den Eiern aus Käfighaltung, weil sie günstig sind. Im Augenwinkel sehen sie eine Gruppe Studierender, die sie beobachtet. Wie verhalten sie sich? Sven Prien-Ribcke: Das ist ´ne interessante Situation, kann bei Eiern aber wirklich nicht passieren. Hab’ mich einmal mit Käfighaltung beschäftigt und einfach festgestellt, das will ich nicht. Aber trotzdem gibt es andere Felder beim Essen, wo ich dann wahrscheinlich ... naja. Bei uns gibt’s oft Süßigkeiten zu Hause und keine Ahnung, was da so drin ist. Wahrscheinlich Pferdeblut oder so. ? Apropos. Schonmal ‘ne Fertiglasagne gegessen? Sven Prien-Ribcke: (Lacht) Ja genau, das gibt’s natürlich. Aber ich bemüh´ mich schon. Also grad beim Fleisch. Wir sollten uns doch darüber einigen, Massentierhaltung die sollte es doch nicht geben oder? ? Darauf können wir uns gerne einigen! Vielen Dank für das Interview. Sven Prien-Ribcke: Ja, das hat mir auch Spaß gemacht! John Paxson und Max Rauer

„Elender Heuchler“ [Sara] ¡ „Sieht wohl scheinheilig aus, doch ich werde nicht voreilig über den Mann urteilen, da ich seine Geschichte nicht kenne.“


[ Pe o p l e ]

Ausgabe 1 ¡ 26. Februar 2013

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Stimmen der Konferenzwoche Monika Griefahn

Dirk Scharmer

Gerhard Jochum

Joachim Radkau

1954 ward sie geboren. In 60 Jahren Lebenszeit kann sich viel tun, die Welt, sie verändert sich, man selbst, verändert sich. Und das in Zeiten, in denen die Leitparole aller „Höher / Schneller / Weiter“ ist. Es geschieht Unfassbares, so schnell kann man gar nicht gucken. Die Frage ist: konnte Monika Griefahn „so schnell gucken“, um ihren eigenen Wandel miterleben zu können? Chronologisch: Diplomsoziologin / Greenpeace-Aktivistin / Mitgründerin Greenpeace Deutschland / niedersächsische Umweltministerin (1990-1998) / Status der „Umweltexpertin“ / Mitglied des niedersächsischen Landtags (für SPD) und von 1998-2009 Mitglied des Deutschen Bundestags / Gründung und Leitung des Instituts für Medien, Umwelt, Kultur in Buchholz / „Chief Sustainability Officer“ (zu deutsch: Direktorin für Umwelt und Gesellschaft) von AIDA Cruises // Um mein Fazit zu ziehen: ich denke Frau Griefahn gebührt das gewisse Maß an Respekt, das man eben für Leute verspürt, die so viel erreicht haben in ihrem Leben. Nichtsdestotrotz bleibt mir schleierhaft, wie jemand, den so viel Passion für die Umweltdebatte im Leben um getrieben hat (die Titel ihrer Publikationen wecken eine große Neugierde in mir, beispielsweise „Kreativität – ein Wirtschaftsfaktor“ oder der Titel der Rede „Cradle to Cradle als Motor für die Produktion der Zukunft“) bei einem solchen Unternehmen wie AIDA Cruises im Namen der Nachhaltigkeit an Bord gehen kann. Aber wie gesagt, die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Menschen. Wir dürfen gespannt sein, was sie uns hier an der Leuphana zu sagen hat und ob sie wohl ihren Kreuzfahrtschiffen, die ja ein eigener Kosmos seien (so wird sie in einem Artikel der taz zitiert), ein Nachhaltigkeitssiegel sondergleichen verpassen kann!

Ich baue ein Haus. - So einfach ist das. Genau danach klingt es, wenn man sich die Projekte von dem Architekten Dirk Scharmer (44) ansieht. Es sind Häuser aus Stroh, Holz und Lehm, die die Flamme der Neugierde wecken, wenn man davon erfährt. Dirk Scharmer hat seine Karriere mit einer Zimmermannslehre im Jahr 1987 begonnen, die im Grunde die Basis für alles Folgende legen sollte. Hier lernte er, wie man Treppen, Fenster und Möbel baut, Gefache ausfacht, Decken verkleidet und natürlich lernte er auch, Verantwortung zu übernehmen. Darauf folgte ein Architekturstudium, einige Fortbildungen und was daraus entstand, war eine passionierte, leitende Mitarbeit an insgesamt drei Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zum Strohballenbau. Diese faszinierende Bauweise ist nicht gerade eine Neuheit. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie von Siedlern in Nebraska verwendet. Nach einem Bruch kam dieser Stil Mitte der 80er Jahre wieder ins Gespräch und gewinnt seitdem mehr und mehr an Bedeutung und Interesse. Die überzeugenden Merkmale sind zum einen die quasi unbegrenzte Verfügbarkeit, da es sich um nachwachsende Materialien handelt, und zum anderen die nicht vorhandenen Schadstoffe. Dazu kommt, dass der Lehm für einen optimalen Feuchtigkeitsausgleich sorgt. Der in Südergellersen lebende Dirk Scharmer, ein Vertreter der energiesparenden Architektur, ist am Dienstag, den 26.02.2013 von 14-16 Uhr auf dem Hauptcampus in C 12.1, anzutreffen!

Energie-Manager aus Berlin. Er vertritt die These: „Ohne Nachhaltigkeit bei der Unternehmens-Entwicklung bleibt auch die Nachhaltigkeit des Energie-Systems auf der Strecke“ – so viel verrät das Programm der Konferenzwoche in Hinblick auf seinen heutigen Vortrag zum Thema „Energiewende nachhaltig: Der lange Weg von gut gemeint zu gut gemacht“. Um die Rolle, die wirtschaftliche Unternehmen in der Debatte zur Energiewende spielen, soll es gehen. Mit dieser hat Jochum sich schon viel beschäftigt. 1953 geboren, machte er eine kaufmännische Berufsausbildung und studierte dann die Wirtschaftswissenschaften. Die erste Berufserfahrung sammelte Jochum in einer Beratungsgesellschaft mit Schwerpunkt unter anderem in der Energiewirtschaft. Später übernahm er den Vorstandvorsitz der sbw AG, der vormaligen Stadtwerke Bremen. Im Zuge dessen vollzog sich die Privatisierung des Energieunternehmens. Anschließend wechselte er zur Energie Baden-Württemberg AG, bevor er 2003 das BÜRO JOCHUM gründete und sich seitdem als Berater mit Unternehmensentwicklung insbesondere in Bezug auf Energiewirtschaft und -politik beschäftigt. Was Gerhard Jochum auf dieser beruflichen Reise gelernt und über die Gradwanderung zwischen Firmenrendite und Nachhaltigkeit in Unternehmen berichten und beichten kann, könnt ihr heute um 16.30 Uhr in C 12.1 herausfinden.

Joachim Radkau ist ein deutscher Historiker, der sich seit den 80er Jahren vor allem mit der Technik- und Umweltgeschichte beschäftigt. Er studierte zwischen 1963-1968 Geschichte in Münster, Berlin und Hamburg und promovierte dann 1970 über die Rolle deutschsprachiger Emigranten in der Zeit von 1933 bis 1945 im Umfeld des damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Seit 1981 lehrt er an der Universität Bielefeld Neuere Geschichte. Aufmerksamkeit erhielt er durch seine 1980 veröffentlichte Studie über Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft. Im Jahr 2011 veröffentlichte er „Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte.“. Darin stellt er die Geschichte der Umweltbewegungen dar: Von der Waldromantik und der Holznot während der Aufklärung bis zum bedeutenden Thema des Klimaschutzes beschreibt er die jeweiligen ökologischen Motive, „charismatischen Leitfiguren“ und politischen Verwicklungen. In seinem heutigen Vortrag von 16:30– 18:00 Uhr in C 12.6 könnt ihr euch auf interessante Thesen zur Ära der Ökologie sowie zum Thema der zukünftigen nachhaltigen Veränderung freuen!

FACTS 2013

Milena Scipio

Ann-Katrin Mävers

Marie-Shophie Vorbrodt

Viviana Kneiske

Coca Cola wäre ohne Farbstoff grün – wie nachhaltig!

[Dennis] ¡ „Den könnte ich nicht mehr ernst nehmen“ [Julia] ¡ „Gegefrage: Kann man denn vollkommen ohne Widersprüche leben?“ [Leslie]

!


[Post Scriptum: Für einen Perspektivwechsel]

Cha[lle]nge

Kommentar Luxusproblem Nachhaltigkeit? Sie ist in aller Munde. Sie begegnet uns überall. Auf jedem Joghurt. Jeder Müsliriegel und jede Schokolade verspricht sie uns. Jetzt ist sie auch noch hier an der Uni und bedrängt uns – die Nachhaltigkeit. Besonders in den nächsten Tagen wird sie uns an jeder Ecke auflauern. Sie begegnet uns in jedem Seminar und jeder Vorlesung, jedem Vortrag auf der Konferenzwoche. Da stellt sich die Frage, ist das schon Alltag? Ist das noch normal? Man glaubt es kaum, aber es gibt Regionen auf der Welt, in denen sie weniger präsent ist. Länder, in denen die Frage, was morgen auf den Teller kommt, wichtiger ist, als die Frage, ob es Bio – oder eben doch Eier aus Käfighaltung sind. Es gab Tage, da saß ich in eben diesen Vorlesungen und konnte mich nicht gegen den Gedanken wehren, dass ich gerade an einem unglaublichen Luxusprogramm teilnehme. Ist das eventuell der eigentliche Beweis für unseren Luxus, dass wir uns so intensiv mit dem Problem der Nachhaltigkeit auseinander setzen können? Der Grundgedanke der Nachhaltigkeit – keine Frage – ist gut. Er ist weder egoistisch, noch auf den ersten Blick auf Profit ausgerichtet. Aber letztlich ist er exklusiv und nur wenige haben Zeit und Geld sich ernsthaft mit ihm auseinanderzusetzen. Wir haben den Luxus für uns zu entscheiden nachhaltig zu leben. Vielleicht stimmt mich dieser Gedanke milde, wenn ich mich im Supermarkt mal wieder von dem Bio-Angebot erschlagen fühle oder auf der Konferenzwoche das Gefühl des Überflusses, und Überdrusses an Nachhaltigkeit aufkommt. Raoul Duke

Ausgabe 1 ¡ 26. Februar 2013

Apfelallee in Kaltenmoor: das Ghetto, das keiner kennt.

Da laust mich doch der Apfel Eigentlich wollte unser Mitbewohner nur gemütlich zu Max Bahr radeln, doch auf dem Weg durch Kaltenmoor fand er sich auf einmal inmitten einer Allee, die fast nur Apfelbäume zählte. Apfelbäume verschiedenster Sorten, Grüne, Rotbäckige und auch eher Gelbe waren darunter. Ganz begeistert erzählte er uns davon. Wir waren Feuer und Flamme, dort einmal Äpfel zu pflücken. Er fertigte eine Wegbeschreibung für uns an, denn das Internet, Google Maps im Speziellen, ließ uns im Stich. Wir hielten eine Skizze in Händen, mit der wir unser Ziel, die wundersame, menschenleere Apfelallee, unmöglich verfehlen konnten. Sogleich machten wir uns auf den Weg dorthin: durch Wilschenbruch, über den Bahnübergang dort, durch den Wald, immer der Nase nach, vorbei an Äckern und dem Waldfriedhof, über Stock und Stein, die Konrad-Adenauer-Straße überqueren, noch ein kleines Stück gradeaus – geschafft!

Bewaffnet mit einem Müllgreifer, einer großen, leeren Postbox und Rucksäcken, schoben wir unsere Räder von Baum zu Baum, sodass wir uns vom Gepäckträger aus besser auf den Baum hieven konnten. Alternative ist die gute alte Räuberleiter. Besonders lange verweilten wir an den Bäumen, von denen Boskoop-Äpfel baumelten (die einzige Sorte, die wir mit unseren Apfelkenntnissen mit Sicherheit ausmachen konnten). Während des Erntens wurde schon der ein oder andere Apfel schnabuliert, denn es gab sie en masse und nie enden wollend. Folge war, dass es bei uns fast jede Woche mindestens einen Apfelkuchen, Apfelkompott oder Apfelpfannkuchen gab. Den nächsten goldenen Herbst werden wir mit dreimal so vielen „Apfelgreifern“ begrüßen und hoffen, dass ihr auch ein paar Äpfelchen vor dem Vergammeln und „wieder Eins werden mit dem Boden“ rettet!

Gönn‘ dir einen Perspektivwechsel!

8

Milena Scipio

Heinrich-Böll-Haus Die sage und schreibe 15 Gruppen (location: Katzenstraße 2, Lüneburg) versuchen, den Gedanken der Nachhaltigkeit in Lüneburg zu verankern. Dafür engagieren sie sich in den vielfältigsten Bereichen. Man kann sich zum Beispiel für die Einhaltung der Menschenrechte und besonders der Kinderrechte einsetzen, indem man den „Freunde für Naturvölker e.V.“ oder die „terre des hommes Arbeitsgruppe“ unterstützt oder zusammen mit der Greenpeace Gruppe Lüneburg für eine intakte Umwelt kämpfen! Doch macht das Heinrich-Böll-Haus nicht nur die verschiedenen Arbeitsgruppen aus, sondern auch der Laden, der sich gleich im Erdgeschoss befindet, zu erkennen an der von der Hauswand baumelnden Hängematte, die man drinnen auch erwerben kann, ebenso Kaffee, Tee, Reis, Schokolade und Körbe oder Musikinstrumente. Dies ist dann der sogenannte „Eine-Welt-Laden“, es gibt auch noch den „Umwelt-Laden“ mit umweltfreundliche Schreibwaren, Öko-Wein, Bio-Saft u.v.m. Unter diesem Dach geschieht alles frei nach Böll „Mir muss eine Sache Spaß machen, sonst werde ich krank.“

IMPRESSUM Herausgeberin: Leuphana Konferenz 2013 ¡ Chefredaktion: Max Rauer und Marie-Sophie Vorbrodt ¡ Text-Redaktion: Wolff-Rüdiger Gevert, Kati Jovic, Viviana Kneiske, Ann-Katrin Mävers, Milena Scipio, Corinna Thölke ¡ Foto-Redaktion: Anna-Lena Blank, Jacqueline Krebs, Julian Mann, Khaled Nahiz, Svenja Pape, Jytte Rohland, Henriette Schulz ¡ Grafik + Layout: Katrin Eismann, Leslie Aliza Grosch ¡ Dozentinnen: Katrin Eismann, Angela Franz-Balsen, Eva Rahe ¡ Druck: nordlanddruck GmbH ¡ Auflage: 1100 Stück

© Henriette Schulz

Fotostory: Von der Apfelallee zum Apfelkuchen

CHA[LLE]NGE Ausgabe 1  

Das erste Exemplar der CHA[LLE]NGE. Der Zeitung zur Konferenzwoche [AUF]BRUCH der Leuphana Universität Lüneburg. Alles weitere zur Konferenz...

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