Ins Rote Moor - Fieldtrip Booklet

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IM ROTEN MOOR

26.9.19 - 150 Km Weimar - Fladungen


Das Rote Moor ist mit seinen 50 Hektar eines der größten Moore in der Hessischen Rhön. Es ist Teil des Naturreservats Rhön welches sich über die Landesgrenzen der drei angrenzenden Bundesländer Thüringen, Hessen und Bayern, erstreckt. Es ist ein sagenumwogener Ort. Er erzählt Geschichten von unheilvollen Moorjungfrauen, Hungerkünstlern, einzigartigen Lebensgemeinschaften und vom harten Kampf des Menschen gegen die sumpfigen Weiten. Fast 8 Stunden verbringen wir im Moor. Währenddessen zeigt uns die Landschaft all ihre Gesichter. Nebelschwaden ziehen auf und beleben unheimliche Schemen, plötzlich breitet sich eine Weite vor uns aus, der feste Boden weicht einem Meer aus wogendem Rot, Regen fällt und lässt das Moor erklingen, dichte Birkenwälder biegen sich schützend über unseren Köpfen und unsteter Boden erschwert das Gehen. Es scheint als stünde die Zeit still.

O schaurig ist‘s übers Moor zu gehn,


Wenn es wimmelt vom Heiderauche,

Inhalt 1. Moore in Deutschland 1.1 Das Rote Moor

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2. 2.1 2.2 2.3 2.4

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Moorzonen und ihre Bewohner Karpatenbirkenwald Moor- Randgehänge Niedermoor Hochmoor

3. Moorboden 4. Kulturlandschaft Moor 4.1 Die Moorjungfrauen

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5.

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Moore sind KlimaschĂźtzer


Sich wie Phantome die Dünste drehn Ein Moor ist ein Moor... In Deutschland waren ursprünglich 1,5 Millionen Hektar von Mooren bedeckt, was 4,2 Prozent der Landfläche Deutschlands entspricht. Sie bildeten sich nach der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren. Durch anthropogene Nutzung verbleiben heute jedoch nur 5% , die restliche Flächen gelten als „tot“. 1 Das heisst, keine der charakteristischen Funktionen der Moore werden mehr erfüllt. Zu diesen Funktionen zählt maßgeblich die Torfbilung. Torf entsteht wenn sich abgestorbene Pflanzenreste in in wassergesättigten Milieus unter Sauerstoffausschluss befinden undso nicht vollständig zersetzt werden können. So bildet sich langsam eine immer dickere Torfschicht. Sobald die Schicht so dick ist, dass das Moor den Kontakt zum Grunwasser verliert und sich nur noch durch Regenwasser vernässt, wird das Niedermoor zum Hochmoor.

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NABU Bundesverband, 2012 Schutz Entwicklung unserer Moore, Zum Nutzen von Mensch, Natur und Klima, S. 8

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NABU Bundesverband, 2012 Schutz Entwicklung unserer Moore, Zum Nutzen von Mensch, Natur und Klima, S. 6

Die Torfschicht eines gesunden Hochmoores kann im Jahr bis zu 1mm wachsen. 2 Die meisten Moore kommen in Deutschland in Niedersachsen vor, wo jedoch bereits große Teile durch Menschenhand zerstört sind. Doch Moorlandschaften waren früher für den Menschen fruchtloses Land, denn hier konnte weder Landwirtschaft noch Viehzucht betrieben werden. Moore galten daher als unheilvolle, wilde Orte. So entstanden etliche gespenstische Mythen und Sagen. Als später Wege gefunden wurden, die Moore trockenzulegen galt das als Sieg des Menschen über die Natur.

Moorflächen Weimar Rotes Moor


Und die Ranke häkelt am Strauche, .... Ist ein Moor?

1 Großes Rotes Moor 2 Kleines Rotes Moor 3 Stausee am Roten Moor 4 Aussichtsturm 5 Bohlenweg

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NABU Bundesverband, 2012 Schutz Entwicklung unserer Moore, Zum Nutzen von Mensch, Natur und Klima, S. 8

Eine Reihe von Faktoren haben mich dazu bewogen, das Rote Moor als zentraler Ort meiner Untersuchungen zu wählen. Das Rote Moor zeichnet sich besonders durch seine Vielfältigkeit aus. Es ist unterteilt in verschiedene Gebiete, die iverse natürliche und anthropogene Entwicklungen im Moor abbilden. So zum Beispiel Moorwiesen, Karpatenbirkenwald, Hochmoor und das ehemalige Torfabbaugebiet. Anhand dieser lassen sich die verschiedenen Zeitlichkeiten und Abschnitte in der Geschichte des Moores gut nachvollziehen. Durch den Torfabbau ist nur eine Kernzone von 5 Ha Hochmoor erhalten geblieben, die sich als relativ kleiner Bereich gut in Gänze erfassen lässt. Seit 1979 finden dort Renaturierungsmaßnahmen statt, daraus entstand auch das Haus am Roten Moor, welches zum NABU gehört und ein reiches Programm rund ums Thema „Moorschutz ist Klimaschutz“ anbietet. Diese thematische Nähe und mögliche Ressourcen für Recherche bieten einen weiteren Anreiz. Zudem weist das Gebiet eine lange Besiedelungsgeschichte auf. In direkter Nachbarschaft befand sich zudem einstmals eine kleine Siedlung namens „Moordorf“. Aus diesem Kulturellen Umfeld sind verschiedene Sagen und Mythen zum Roten Moor überliefert. Das Rote Moor zeichnet sich durch eine einzigartige Flora aus, die dem Moor seinen Namen gab. Deren Vielfalt kann von einem Bohlenweg aus betrachtet werden, so wird die empfindliche Landschaft anvor Trittspuren geschützt.


Fest hält die Fibel das zitternde Kind

Karpatenbirkenwald Der Randwald um gibt das Rote Moor zu allen Seiten, besonders breit ist er jedoch an der Ostseite. Dieser Bereich besteht zum Großteil aus knorrigen Karpatenbirken, die einen hohen Wert für den Naturschutz haben. Das Innere des Moores muss regelmäßig „entkusselt“ werden, das bedeutet Gehölze die sich dort ansiedeln und dem Moor viel Feutchte entziehen entfernt werden. Eine einzige Birke kann zu einer Verdunstung von bis zu 100 Litern pro Tag beitragen. 1

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NABU Bundesverband, 2012 Schutz Entwicklung unserer Moore, Zum Nutzen von Mensch, Natur und Klima, S. 21


Und rennt, als ob man es jage;

Nebelbeere / Vaccinium uliginosum

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Wird den Pfeifengraswiesen und den Sumpfdotterblumenwiesen zugeordnet. In der Volksheilkunde wurden Kraut und Wurzel aufgrund des Gerbstoffanteils zur Wundbehandlung sowie zum Stillen von Blut verwendet.

Teufelsabbiss

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/ Succisa pratensis

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In Moor- und Magerwiesen anzutreffen. Bevorzugt wechselfeuchte, basenreiche, mäßig saure und humose Böden. Der Gewöhnliche Teufelsabbiss gilt als Magerkeitszeiger und ist aufgrund von Entwässerung bereits stark zurückgegangen. Früher nahm man an er helfe gegen Pest und Hexerei. Nach der Roten Liste deutschlandweit als stark gefährdet eingestuft (3).


O schaurig ist‘s übers Moor zu gehn,

Moor - Randgehänge Weiter nach innen folgt das Moor-Randgehänge. Dort gedeihen kleinwüchsige Bäume und Sträucher (Moor-Birke, Kiefer, Rauschbeere, Heidelbeere, Besenheide, Schwarze Krähenbeere). Dieser Bereich ist, bedingt durch das deutliche Gefälle, im Vergleich zur nahezu ebenen Hochfläche der trockenste Bereich innerhalb des Moores.


Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Grosser Wiesenkopf / Sanguisorba officinalis

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Wird den Pfeifengraswiesen und den Sumpfdotterblumenwiesen zugeordnet. In der Volksheilkunde wurden Kraut und Wurzel aufgrund des Gerbstoffanteils zur Wundbehandlung sowie zum Stillen von Blut verwendet.

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Besenheide / Calluna vulgaris

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Blume des Jahres 2019. Wächst bevorzugt auf trockenen, aber auch auf wechselfeuchten Böden, wie in entsprechenden Bereichen von Mooren. Besonders für Imkerei geeignet.


Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,

Niedermoor Das Niedermoor umschließt das Hochmoor wie ein Sumpfgürtel. Dort finden sich typischerweise Pflanzengesellschaften wie Kleinseggenriede (Scheiden-Wollgras, Schmalblättriges Wollgras, Grau-Segge, Hunds-Straußgras, Sumpf-Blutauge, Sumpf-Kratzdistel), Trollblumenfeuchtwiesen und Borstgrasrasen, die vom Aussterben bedrohte Moosbeere, die Krähenbeere, das Wollgras und das Purpur-Reitgras. Ein Niedermoor hat im Unterschied zum Hchmoor Zugang zum Grundwasser, dadurch ist der boden Nährstoffreicher,weshalb dort Kleinseggenriede wachsen können.


Wenn aus der Spalte es zischt und singt,

Borstige Schuppensimse / Isolepis setacea

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Wächst als Pionierpflanze auf nassen, mäßig sauren Sand- oder Torfböden, bevorzugt Ufer von Gräben in Hoch- und Zwischenmooren, aber auch niedere, nasse Streuwiesen.

Sumpf Straussgras / Agrostis Canina

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Gedeiht aus sickernassen und staunassen, nährstoffarmen und kalkarmen, mäßig sauren, modrig-torfig-humosen Tonböden. Pionierpflanze in Flachmooren & abgetorften Böden. Blütezeit Juni bis August.


Hohl über die Fläche sauset der Wind -

Hochmoor Das Hochmoor liegt im Zentrum. Hier wachsen Torfmoose wie das rote Magellans Torfmoos und das Spieß-Torfmoos (Sphagnum cuspidatum) mit grünlicher Farbe auf nährstoffarmen und wassergesättigtem Boden. Hier wachsen ausserdem der mückenfangende Rundblättrige Sonnentau, und das Fettkraut sowie verschiedene Heidegewächse so wie die Glockenheide.


Was raschelt drüben am Hage?

Schlangen-Bärlapp / Lycopodium annotium

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Nach der BArtSchV* besonders geschützt. Früher wurde er als Zauberoder Hexenpflanze, als Aphrodisiakum und galt generell als Heilpflanze. kommt in feuchten, bodensauren, schattigen Wäldern, insbesondere in

Spiess Torfmoos / Sphagnum cuspidatum

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Charakteristische Hochmoorart an stark sauren, nassen Stellen. Durch Lebensraumzerstörung stark gefährdet (nach Roter Liste Deutschland). Können unbegrenzt wachsen. Während sich die Pflanze nach oben hin entwickelt, stirbt die Basis wegen Luftabschluss ab; aus dem sich unvollständig zersetzenden Gewebe


Das ist der gespenstische Gräberknecht, Moorböden Der Moorboden ist wassergesättigt und hat eine mindestens 30cm dicke Torfschicht. Torf ist eine kohlenstoffreiche Bodenart, die hauptsächlich durch den unvollständigen Abbau von Pflanzenresten entstanden ist. Diese organischen Böden haben oft mehrere Meter dicke Humusschichten mit mindestens 30% organischer Substanz. Moorböden bilden in der deutschen Bodensystematik eine eigene Abteilung, weil wie bei keinem anderen Boden mit ihrer Bildung zugleich das Ausgangsmaterial entsteht. Das Moor wächst also auf seinem eigenen abgestorbenen Körper.


Der dem Meister die besten Torfe verzecht; Bodenquerschnitt Moor Der Moorkörper besteht aus verschiednen überinandergelagerten Schichten, die von Jahrtausendelangen Wachstum zeugen. Die erste Schicht direkt unter der Erdoberfläche nennt sich Bunkerde. Diese ist stark durchwurzelt und unzersetzt. Darunter folgt der Weisstorf der die Struktur der Pflanzen noch deutlich erkennen lässt. Bei weiterer Zersetzung entsteht ein homogener vermeintlich strukturloser Körper, der Brauntorf. Die älteste Torfschicht ist der Schwarztorf, welcher, da er über größeren Zeitraum einem höheren Druck ausgesetzt ist in der Zersetzung am weitesten fortgeschritten ist.


Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind! Kulturlandschaft Rhön Die Geschichte der Rhön als Kulturlandschaft beginnt im 8. Jhdt.mit der Klostergründung zu Fulda. Ab diesem Moment wurden dort Wälder gerodet um Ackerflächen zu gewinnen. Das Rote Moor blieb jedoch unbewirtschaftet. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Brennholz für die Bevölkerung knapp. Auf der Suche nach alternativen Brennstoffen für den Hausgebrauch sowie für Glashütten und Töpfereien fingen die Menschen an, händisch und unter schwersten Bedingungen Torf als Brennmaterial abzubauen; den tonigen Untergrund verwendete man zum Ziegelbrennen. Die gestochenen Torfsoden hatten eine Größe von ca. 10x15x36cm.

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NABU Bundesverband, 2012 Schutz Entwicklung unserer Moore, Zum Nutzen von Mensch, Natur und Klima, S. 8

Ab dem 19. Jahrhundert wurde der Torfstich im großen Roten Moor mit dem Bau von Entwässerungsgräben professionaliesiert. Der Wasserhaushalt des Moores wurde dadurch maßgeblich gestört, sodass die Torfbildung zum erliegen kam.


Hinducket das Knäblein zage. Ab 1960 wurden Greifbagger zum Torabbau eingesetzt wodurch sich die Menge des gestochenen Torfes deutlich erhöhte. So wurde bis 1970 eine Fläche von 8,8 Hektar abgebaggert. Diesellokomotivenbrachten die Loren zum Rand des Moores von wo aus sie per Lastwagen abtransportiert wurden. Insgesamt wurden im Großen Roten Moor bis in die 80er Jahre etwa 700.000 Kubikmeter Torf abgebaut. Nach 99 Jahren Torfabbau war das Moor von 32 Hektar auf eine Fläche von 11 Hektar geschrumpft, von der Hochfläche verblieben nur 4 Hektar, die jedoch kein Torfwachstum mehr aufwiesen. Seit den 90er Jahren werden aufwändige Renaturierungsmaßnahmen betrieben wodurch in Teilen eine neue Torfschicht von bis zu 10cm gebildet hat. 1

Torfbau im Roten Moor WilmaGutermuth, Archiv Gersfeld

Schlamm für Körper und Geist Ab 1937 wurde Torf aus dem Roten Moor in Moorbäder in ganz Mitteldeutschland geliefert. Diese Moorbäder sollten gegen verschiedene Körperliche Leiden, wie zum Beispiel Rheuma, helfen.

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Ansichtskarte aus dem Moorbad