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PORTFOLIO Leo Herrmann B.Sc. Architektur und Stadtplanung


MUSEUM DES 20. JAHRHUNDERTS Wettbewerbsbeitrag von sauerbruch hutton architects September 2016

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HOCHHAUS AM BERLIN PAVILLON Wettbewerbsbeitrag von sauerbruch hutton architects Mai 2016

S.9

BURNE HOUSE REFURBISHMENT Bachelorarbeit Wintersemester 2015/16

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STUDIO FOR EVA ROTHSCHILD Vorübung Wintersemester 2015/16

S.19

BAHNHOFSAREAL LUDWIGSBURG Städtebaulicher Stegreif Sommersemester 2015

S.20

WERK STADT HAUS Entwurf Wintersemester 2014/15

S.22

DER URBANE MÖNCH Entwurf Wintersemester 2013/14

S.30

REITHALLE IN MARBACH Integriertes Projekt Sommersemester 2013

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MUSEUM DES 20. JAHRHUNDERTS Wettbewerbsbeitrag von sauerbruch hutton architects M20 – Museum des 20. Jahrhunderts Berlin September 2016 Mit Tom Geister, Moojin Park, Graciano Macarrón, Jörg Albeke

Die öffentlichen Räume des Berliner Kulturforums waren über Jahrzehnte Gegenstand verschiedenster Diskussionen und Planungen. Zwischen den ehrfurchtgebietenden Westberliner Ikonen – Scharouns Philharmonie und Mies‘ Nationalgalerie – klafft eine Lücke, die fast durchweg als defizitär erlebt wird. Auf eine Bebauung konnte man sich allerdings erst vor wenigen Jahren einigen. In einem zweistufigen, gigantischen Wettbewerbsverfahren wurde im November der Entwurf von Herzog de Meuron für das Museum des 20. Jahrhunderts zur Realisierung empfohlen. Ich erarbeitete bei sauerbruch hutton architects mit einigen Kollegen ebenfalls einen Entwurf zu diesem Thema. Matthias Sauerbruch schreibt in der Projektbeschreibung: „Neben seiner Funktion als Ort der Präsentation, Vermittlung und der Aufbewahrung von Kunst ist das M20 4

vor allem auch der aktivste Teil des Kulturforums. Das Gebäudevolumen reagiert auf die umgebenden Inkunabeln der modernen Architektur mit Respekt. Es schreibt den Scharoun’schen Gedanken der gebauten Stadtlandschaft fort und schafft ein Gefüge von klar definierten städtischen Räumen. Der Matthäikirchplatz wird zu einem gelassenen, öffentlicher Ort, frei vom Verkehr und vom Kommerz. Dieses Äußere Forum findet seine Fortsetzung in einem Inneren Forum im Gebäude - beides von den Programmen des Museums belebte öffentliche Räume, die zum Aufenthalt und zum informellen Zusammentreffen mit der Kultur einladen. Das viergeschossige Innere Forum dient als zentraler Sammelpunkt und Verteiler, von dem aus die verschiedenen Ausstellungsräume und andere Besucherangebote erschlossen werden.

Das Museum selbst besteht aus 19 Volumina, die zu einer künstlichen Topographie zusammengefügt sind. Zwölf dieser Körper sowie eine großzügige Galerie im Untergeschoss dienen der Präsentation der Kunst. In den verbleibenden sieben sind - in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Galerien - die Besucherdienste, die Restaurierung und die Verwaltung untergebracht. Diese Struktur erlaubt eine übersichtliche Aufteilung der Museumspräsentation in einzelne Kapitel, die im Inneren Forum immer wieder mit zusätzlichen Angeboten flankiert werden kann. Der angrenzende Stadtraum wird von der Masse des neuen Gebäudes räumlich und programmatisch definiert, das Museum wird durch die Verwebung mit der Stadt zum sozialen Ort, der das klassische Angebot im Sinne des ‚lebenden Museums‘ vielfach bereichert.“


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HOCHHAUS AM BERLIN PAVILLON Wettbewerbsbeitrag von sauerbruch hutton architects Bebauung im Hansaviertel am Berlin Pavillon Berlin Mai 2016 Mit Tom Geister, Graciano Macarrรณn, Tara Selvaraj

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BURNE HOUSE REFURBISHMENT Bachelorarbeit WS 15/16 Room, City, Building IRGE Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens Visiting Prof. Andy Groarke Prof. Markus Allmann

Die Gastprofessoren Kevin Carmody und Andy Groarke hatten ihrem ersten Entwurf an der Uni Stuttgart einen programmatischen Titel gegeben: Room, City, Building. Der Raum, als kleinste Einheit bis ins Detail geplant, und die Stadt, im großen Maßstab des öffentlichen Raums, bestimmen gemeinsam den Gebäudeentwurf. Als Vorübung entwickelten wir ein Studio für einen Künstler unserer Wahl und dokumentierten das Ergebnis in einem Modellfoto (siehe Seite 13). Bei der anschließenden Reise nach London besuchten wir Burne House, dessen Zukunft der Gegenstand des Entwurfs ist. Das Gebäude stammt aus den 1960er Jahren und beherbergt Anlagen für Telekommunikation, die in diesem Umfang nicht mehr benötigt werden. Der Investitionsdruck im inneren London legt einen großmaßstäblichen Neubau an der selben Stelle nahe. Die noch weitestgehend intakte 10

Sozialstruktur des umgebenden Viertels Church Street würde dadurch aber sehr beschädigt. Ein sensibler Umgang mit der Bausubstanz bedarf größeren Bewusstseins für den Ort und seine Geschichte. Er könnte die grassierend Gentrifizierung zumindest noch ein wenig aufschieben. Das Programm meines Entwurfs war: Returning Burne House to the Neighborhood. Ich entschied mich für den Erhalt der Grundstruktur des Gebäudes: Sockel und Turm in solider Stahlbetonbauweise. Die Erschließung des Gebäudes wird neu organisiert, Eingänge neu gesetzt und der umgebende Freiraum klarer definiert. Das vorgegebene Raumprogramm - Künstlerateliers und Galerien habe ich um Wohnungen erweitert, zum Teil im geförderten Bereich. Sie werden in London ganz besonders benötigt. Auf knapp 20000qm entsteht so eine Mischnutzung, die auch ökonomisch realistischer

erscheint als Monokulturen. Umgenutzte Galerieräume wie der Palais de Tokyo in Paris oder die Tate Modern eben in London bedienen sich gerne einer gewissen Ruinenästhetik mit rohen Oberflächen und offenen Installationen. Für ein Gebäude, das in erster Linie seiner Nachbarschaft dient, schien mir dieser Look ungeeignet. Günstige und jedermann bekannte Oberflächen wie Holz, Backstein und Linoleum prägen die Erscheinung der Innenräume. Die Gestaltung der Gemeinschaftsflächen und die Verbindung der Künstlerateliers untereinander war mir besonders wichtig. Typische räumliche Situationen habe ich im Maßstab 1:25 als Modell gebaut und fotografiert. Die Belichtung des Gebäudes über einen Luftraum, der die ganze Höhe des Gebäudes umfasst, habe ich versucht in texturierten Schnitten darzustellen.


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STUDIO FOR EVA ROTHSCHILD Vorübung WS 15/16 Room, City, Building IRGE Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens Visiting Prof. Andy Groarke Prof. Markus Allmann

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BAHNHOFSAREAL LUDWIGSBURG Städtebauliches Seminar/Stegreif mit Sibylle Schmitt SoSe 15 Städtebau-Institut & Stadt Ludwigsburg

Die stadträumliche Situation rund um den Bahnhof in Ludwigsburg wird von den Bewohnern der Barockstadt als sehr unbefriedigend erlebt. Aufenthaltsqualität besitzt das Areal kaum und das subjektive Sicherheitsempfinden der Passanten ist erschreckend gering. Die Stadtverwaltung Ludwigsburg bearbeitet diese Themen intensiv und hat bereits mehrere öffentliche Diskussionen und Planungswerkstätten ausgerichtet. Mit dem Wunsch nach neuen Ideen für das Bahnhofsareal ist sie auch an das Städtebau-Institut der Universität Stuttgart herangetreten. Im Rahmen eines städtebaulichen Stegreif-Entwurfs haben Studenten in Zweierteams die Situation analysiert und Vorschläge zur Verbesserung erarbeitet. Unsere Planung sieht vor, den bisherigen Bahnhof – der ohnehin mehr einer zweitklassigen Shoppingmall gleicht – aufzulassen und eine neue offene Verteilerhalle im Süden zu errichten. Dort wäre der Umstieg zwischen verschiedensten Verkehrsmittel möglich und eine effiziente Vernetzung der vorhandenen Infrastrukturen würde nachhaltige Mobilität in der Region Stuttgart exemplarisch ermöglichen. 20


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WERK STADT HAUS Entwurf mit Max Schäfer WS 14/15 Ankauf beim XELLAStudentenwettbewerb IBK3 Nachhaltigkeit, Baukonstruktion und Entwerfen Prof. Jens Ludloff

Der Baustoffhersteller XELLA lobt jährlich den größten deutschen Architekturwettbewerb für Studierende aus. Im WS 2014/15 galt es, in Stuttgart ein Zentrum für Migration zu entwerfen. Das Grundstück liegt direkt an einer überaus vielbefahrenen Kreuzung im Zentrum. Mein Entwurf, gemeinsam mit Max Schäfer, wurde von der Fachjury aus über 200 Arbeiten unter die Preisträger gewählt. Im Folgenden die Projektbeschreibung, die wir mit den Wettbewerbsplänen eingereicht haben: WerkStadtHaus - ein Zentrum für Stuttgarterinnen und Stuttgarter Ein offenes Haus gemäß dem Credo: In Stuttgart leben nicht Einheimische und Ausländer hier leben Stuttgarterinnen und Stuttgarter. Das institutionelle Angebot eines “Zentrums für Migration” kann unseres Erachtens erst durch die Nutzer zum Leben erweckt werden. Wir wollen weder ein technokratisches Behördenbauwerk noch ein weiteres Repräsentationsobjekt an der Kulturmeile. Die verschiedenen am Grundstück anliegenden Situationen bieten die Möglichkeit, 22

ein komplexeres Stück Stadt zu schaffen. Unser Vorschlag ist ein WerkStadtHaus, das sich nicht als fertiger Gegenstand präsentiert. Wir wollen eine Struktur anbieten, die immer wieder neu gefüllt werden kann und sich mit den Nutzern verändert. Das Erdgeschoss bietet mit seinem offenen Grundriss die Möglichkeit für verschiedenste Angebote, die sich auch auf den neu angelegten Platz an der KonradAdenauer-Straße ausdehnen dürfen und sollen. Uns schwebt in diesem Bereich kein Stück “Schöne Stadt” vor, sondern ein Platz mit “Werkstattcharakter”, der den Verkehr durchaus vertragen kann. Offene Bibliothek, internationale Presse, offene Workshops, Ladenateliers, freie Arbeits- und Leseplätze, Stammtische, DIYWerkstätten, Repair-Café usw. sind nur einige Vorschläge für mögliche Aktivitäten. Bestimmt werden könnte das Leben im WerkStadtHaus von der Hausgemeinschaft: Kreative und Asylbewerber - chronisch auf der Suche nach Raum. Ihnen könnten Teile des Gebäudes zur Verfügung gestellt werden, um gemeinsam einen Alltag des Zusammenlebens zu erproben, der sich gegen die Wertschöpfungslogik sperrt, die die Innenstädte sonst fest im Griff

hat. Funktionierende Beispiele für solche Experimente gibt es bereits in Augsburg (”Kosmopolis”) und in Wien (”VinziRast”). Das WerkStadtHaus ist im Gegensatz zu diesen Projekten als Tagesangebot gedacht. Im angrenzenden Kernerviertel könnten allerdings durchaus Wohnquartiere für Teile der Hausgemeinschaft eingerichtet werden, beispielsweise in der leerstehenden ehemaligen Neckarrealschule. Die Struktur, die wir vorschlagen, zieht sich in L-Form an den bereits vorhandenen Stützwänden entlang. Durch diese Figur nimmt sich das Gebäude im Stadtraum zurück und vermeidet finstere Ecken, Straßenschluchten, Unorte, wie sie mit Solitärbauwerken an dieser Stelle fast zwangsläufig entstehen. Das WerkStadtHaus gehört weder zur Kulturmeile noch zum Kernerviertel, sondern nutzt die spezifische Qualität des Zwischenraums.


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DER URBANE MÖNCH Entwurf im internationalen Kontext WS 13/14 IRGE Fachbereich Grundlagen der Raumgestaltung Prof. Franziska Ullmann

Nach dem Grundstudium entwickeln die Studierenden an der Uni Stuttgart im fünften Semester einen ersten individuellen Entwurf. Ich entschied mich für ein Projekt auf der Kykladeninsel Paros. Das gestellte Thema war ein Rückzugsort für den „Urbanen Mönch“. Auf einer dreiwöchigen Exkursion in Griechenland lernten wir mögliche typologische Vorbilder kennen - bei einem Aufenthalt in der Mönchsrepublik Athos beispielsweise. Ich wünschte mir eine kleinteilige, dichte Struktur, die sich an vernakulären Architekturen orientiert. Als Grundstück wählte ich einen terrassierten Bereich unterhalb des zentralen Gipfels der Insel, der schwer zugänglich ist. Im Begleittext schrieb ich damals: Kein Ort für Mönche. Die Bewohner geben nicht ihre Individualität auf, kein bisschen. Kein gemeinsamer Glaube, der die Gemeinschaft verbindet. Keine Regeln, wenn’s gut läuft keine Pflichten, keine Hierarchien, die sich nicht die Bewohner selbst vorgeben. Ein Rückzugsort für jedermann. Willkommen ist, wer weg will, wovon auch immer. Für Tage, für Monate, vielleicht für Jahre. Am Anfang steht die Reise, mit dem Schiff, mit dem 30

Auto, zuletzt zu Fuß. Etwas unterhalb des Gipfels, am Fuß des Steilhangs: das Dorf. Das Grundstück ist Teil der Kulturlandschaft Paros. Bis kurz unterhalb des Gipfels ist das Gelände terrassiert. Früher wurde hier offenbar Landwirtschaft betrieben, heute ist davon kaum etwas zu sehen - außer diesen groben Stützmauern aus Naturstein überall. Weit oben gibt es einen niedrig umfriedeten fünfeckigen Bezirk, vielleicht sechzig Meter breit. Es ist nicht zu erkennen, wofür diese Fläche gesondert markiert wurde. Nichts als Himmel und Felsen sind dort oben zu sehen und ein kleines Stückchen Meer. Hier soll der Rückzugsort entstehen. Die Organisation der Anlage nutzt das Verhältnis von Zentrum und Peripherie, das durch die dörfliche Struktur entsteht. Private Räume, Zellen und dienende Funktionsräume ziehen sich an den Rand zurück, in der Mitte finden sich Gemeinschaftsräume wie Refektorium, Ateliers, Bibliothek. Jeder Baukörper besitzt außerdem eine vorgesetzte Kolonnadenreihe, die sich vom öffentlichen Freiraum zu oder von ihm abwendet und Privatheit weiter differenziert.


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REITHALLE IN MARBACH Intgeriertes Projekt Bautechnik mit Anton Aldinger, Lukas Gesell, Aljoscha Rösch, Julienne Zürn SoSe 13 IBK2, IBBTE, ITKE Prof. Peter Schürmann, Prof. Jan Knippers, Prof. Jürgen Schreiber, Vertr. Prof. Stefan Birk

Abschluss und Höhepunkt des Grundstudiums bildet an der Uni Stuttgart im vierten Semester das sogenannte „Integrierte Projekt“. Eine Gruppe von fünf Studenten bearbeitet dabei in der Regel eine Hallentypologie vom Vorentwurf bis zur - freilich fiktiven - Werkplanung. Dabei werden tragkonstruktive, bauphysikalische und gebäudetechnische Anforderungen zumindest grob ermittelt und berücksichtigt. Unser Entwurf ist eine neue Reithalle für das bekannte Haupt- und Landesgestüt in Marbach an der Lauter. In der Entwurfsdokumentation schrieb ich: Im Mittelpunkt des Entwurfs für die neue Reithalle des Gestüts Marbach stand ein sensibler Umgang mit der historischen Bausubstanz und der angrenzenden Landschaft. Daher ist geplant, überwiegend einfache, lokale Materialien zu verwenden, welche auch bereits in den umliegenden Bestandsgebäuden zu finden sind. Der Entwurf sieht vor, das Gelände so zu formen, dass Vorplatz, Reifläche, Tribünen und das angrenzende Gelände mit seinem leichten Gefälle ineinander übergehen. Über die zwischen den Tribünen entstehende Wanne wird mithilfe von vier Holzträgern ein brückenartiges 34

Gebäude gelegt, welches alle für die Besucher relevanten Räume enthält. Die Konstruktion spannt dabei zwischen einem Sockelbau, in welchem alle Reiternutzräume kompakt untergebracht sind, zum ankommenden Gelände hin. Es ensteht ein langer, schmaler, flacher Baukörper welcher sich in den nördlichen Teil des Gestüts integriert. Die ursprüngliche Entwurfsidee war es, das ähnlich einem Amphitheater geformte Gelände mit zwei großen begehbaren Brückenträgern zu überspannen. Gleichzeitig sollte Holz das dominierende Material unserer Reithalle sein, konsequenterweise nicht nur im Innenausbau sondern auch in der Konstruktion. Angesichts einer Spannweite von beinahe 55 Metern stellte sich allerdings die Frage: Ist ein Holztragwerk für unseren Entwurf überhaupt sinnvoll? Ausgangspunkt dieser Überlegung ist eine einfache Tatsache, die uns bei der Entwicklung unseres Tragwerks beschäftigt hat: Bei gleicher anliegender Last sind die erforderlichen Querschnitte für Holzträger wesentlich größer als für alternative Baustoffe, insbesondere Stahl. Der Oberzug unseres inneren Fachwerkträgers beispielsweise wird

mit einer Stabkraft von maximal -4450kN belastet. Daraus ergibt sich für Brettschichtholz mit maximaler Druckspannung von 30N/qmm ein Querschnitt von mindestens 1483qcm. Für einen Stahlträger der gängigen Güteklasse S235 dagegen wären 189qcm ausreichend. Offensichtlich bedeutet der hohe Materialaufwand aber eben nicht, dass Holztragwerke unwirtschaftlich oder umweltschädlich sind. Was ist also der wesentliche Unterschied zu anderen, stärker belastbaren Baustoffen? Vor allem ist Holz ein natürliches Material. Im Gegensatz zu Stahl, Beton, Glas oder Kunststoffen, kann es mehr oder weniger „naturbelassen“ eingesetzt werden. Wo Stahl bei ungeheuer hohen Temperaturen mit entsprechendem Energieaufwand erzeugt werden muss, genügen für die Holzgewinnung einfache Forstmaschinen. Größere Tragelemente bestehen allerdings meistens aus Brettschichtholz (BSH), werden also in einem weiteren Arbeitsschritt aus mehreren Holzschichten zusammengesetzt und verleimt. Dadurch wird die Anisotropie eingeschränkt, die bei Holz als organischem, gewachsenen Material sehr ausgeprägt ist, außerdem sind größere Querschnitte möglich.


Trotzdem ist der energetische und finanzielle Aufwand für BSH-Träger vergleichsweise gering. Wichtig ist dabei allerdings, wie und wo das Holz geschlagen wird. Der „ökologische Fußabdruck“ des Baustoffs hängt natürlich direkt mit den Transportwegen und dem forstwirtschaftlichen System des Herkunftslandes zusammen. Jürgen Mayer-H. beispielsweise verwendet für den gigantischen Metropol Parasol in Sevilla das BSH- Produkt kerto. Dieser Holzwerkstoff besteht aus finnischem Fichtenholz, wurde in Deutschland weiterverarbeitet und schließlich in Andalusien montiert. Etwa 5000 Kilometer musste die ganze Konstruktion also zurücklegen. Das Holz für eine Reithalle in Marbach würde im Idealfall vollständig von der Schwäbischen Alb stammen und auch dort verarbeitet werden. Der Transport

würde sich auf einige Dutzend Kilometer beschränken, nachhaltige Forstwirtschaft den Baumbestand sichern. Tatsächlich ist der Fichtenbestand auf der Schwäbischen Alb nach Aufforstungen im 19. Jahrhundert recht groß. Theoretisch ließe sich das Projekt also mit regionalem Holz verwirklichen. Gegenüber einer Ausführung in Stahl, Beton oder alternativen Baustoffen wäre das ein konkurrenzlos ökologischer Bau. Leider bedeuten der Verzicht auf lange Transportwege und der Rückgriff auf regionale Ressourcen nicht unbedingt Kosteneinsparungen. Vermutlich ist es ähnlich wie im Supermarkt: Das günstige Obst stammt aus Übersee, Produkte aus unmittelbarer Umgebung sind wesentlich teurer. Wie sich dieser Konflikt auflösen lässt, hängt wohl in erster Linie vom Bauherren und seinen Prioritäten ab. Unser Projekt trägt allerdings

auch der eingangs erwähnten “Querschnittsproblematik” Rechnung. Bei den ersten Rundgängen hatten wir die großen, längsspannenden Fachwerkträger vollständig aus BSH vorgesehen. Ober- und Unterzug mit einem Querschnitt von 50cm*30cm, Durckstäbe und Zugdiagonalen mit jeweils 30cm*30cm. Dadurch wirkten die “Brücken” im Süden und Norden der Halle sehr massiv, der Bezug zur Halle war durch die schiere Oberfläche des Tragwerks gebrochen. Schließlich haben wir uns entschieden, die massiven Zugdiagonalen durch Stahlseile zu ersetzen, die eine Zugkraft von bis zu 2000N/ qmm aufnehmen können und Holzstäben gegenüber entsprechend filigran wirken.

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Portfolio Leo Herrmann