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NZBURG

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Schloss- und Goffersberg

Impressum: Herausgeber:

Natur- und Heimatschutzkommission, Lenzburg Gestaltung / Satz: Kneuss Satz AG, Lenzburg Fotos, Illustrationen: aus der aufgeführten Literatur Druck: KROMER PRINT AG, Lenzburg

4. Auflage 2008 © NHK, Oktober 1998

Zwee Hügel stönd wie Wächter doo z’mittst im grüene Land; die träged scho, waiss Gott wie lang, de Himel mitenand. E. Attenhofer


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Anhang: Literatur/Weitere Informationen Dank Übersichtskarte Impressum

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Die Burghalde Weinbau in Lenzburg Die Altstadt von Lenzburg Baum- und Strauchpfad Muscheln am Schlossberg Die Magerwiese Vögel am Schloss Die Wasserversorgung Der französische Garten im Schloss Ein Friedhof aus der Jungsteinzeit Hecken Steinbrüche und Höhlen Geologische Übersicht Unser Wald Frau Hilde Lenzburg zur Römerzeit Die Lenzburg

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LEGENDE Widme

Informationstafel Parkplatz

Der Natur- und Kulturpfad kann als Rundweg begangen werden. Der Ausgangspunkt ist also den Wandernden überlassen. Diese Broschüre beschreibt die einzelnen Stationen beginnend bei der Burghalde.

Regionalbus RBL Treppe Ruhebank Feuerstelle

Bö Tipp: Ab Bahnhof SBB benützen Sie den Bus, um zur Burghalde zu gelangen.

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Die Burghalde Weinbau in Lenzburg Die Altstadt von Lenzburg Baum- und Strauchpfad Muscheln am Schlossberg Die Magerwiese Vögel am Schloss Die Wasserversorgung Der französische Garten im Schloss Ein Friedhof aus der Jungsteinzeit Hecken Steinbrüche und Höhlen Geologische Übersicht Unser Wald Frau Hilde Lenzburg zur Römerzeit Die Lenzburg

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Schloss, Schlossparkplatz, Burghalde, Kronenplatz, Bahnhof

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V ORWORT Entdeckung und Erlebnis Lenzburg und seine Umgebung zeichnen sich landschaftlich aus durch den Schloss- und den Goffersberg. Diese beeindrucken nicht nur durch ihre Form, sondern auch durch ihren Reichtum an naturkundlichen und kulturellen Besonderheiten. Der als Wanderweg angelegte Natur- und Kulturpfad l채dt dazu ein, diesen Besonderheiten nachzusp체ren, zu entdecken, zu erleben und zu verweilen. Natur- und Heimatschutzkommission Lenzburg

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D IE B URGHALDE Die Burghaldenhäuser sind die künstlerisch wertvollste Baugruppe der Stadt Lenzburg. Kernbau des architektonisch reizvollen Ensembles ist die Alte Burghalde, ein spätgotisches Wohnhaus mit Fachwerkanbau und einem charakteristischen Treppenturm. Das östlich anschliessende langgestreckte Ökonomiegebäude, in dem sich neben Scheune und Ställen auch eine Trotte befand, weist das 1628 für den nachmaligen Schultheissen H. J. Spengler errichtete Gebäude als herrschaftliches Landwirtschaftsgut aus. Im rückwärtigen Teil des Wohnhauses befindet sich das grösste Juwel der ganzen Anlage, ein zwischen 1702 und 1718 eingebauter Barocksaal mit reichverzierter Stuckdecke. Heute befindet sich im Altbau das Regionalmuseum Burghalde.

Alte Burghalde

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Eckmedaillon der Stuckdecke im Barocksaal, um 1710

Eine ganz andere Geisteshaltung spricht uns aus der winkelförmig an den Altbau anschliessenden Neuen Burghalde an. Auf eine künstliche Steinterrasse gestellt, atmet die 1793 / 94 erbaute Villa den Geist des Ancien Régime der Epoche Louis XVI. Besonders eindrücklich sind das schmiedeiserne Tor, der grosse Kutschenwendeplatz (heute Weiher) und die geschwungenen Freitreppen. Im Innern besticht vor allem das erste Obergeschoss, die ehemalige Bel Etage, mit dem reichen Innenausbau (Rixheimer Tapeten, Fayence-Öfen, Kunsttischlerarbeiten≈). Gegenüber liegt das «Kutscherhaus», in dem die Dienstboten wohnten. Das Häuschen mit seinem eleganten Mansarddach ist ein einfacher verputzter Riegelbau.

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W EINBAU

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L ENZBURG

Die alten Weingärten von Lenzburg lagen alle an der Burghalde und am Schlossberg. Sie wurden lange Zeit von Privatleuten bebaut. Erst während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zogen die Landvögte ihre eigenen Reben. «Lentzburg ligt gar an einem lustigen fruchtbaren platz an einem wingartberg», wie Joh. Stumpf in seiner Chronik vom Jahre 1548 erwähnt. Weitere Reben wurden von der Stadt am Bölli, an der Sandrisi (in Richtung Hendschiken) sowie am Südhang des Goffersberges angebaut. Um 1590 wurde ein neuer Trottbaum aufgestellt. Daneben gab es eine Trotte am Gofi (1645) sowie eine private in der Burghalde für die Familien Seiler, Spengler, Bär und Ringier. 1591 trugen die Schlossreben 111/2 Saum (18,3 hl) ab, und die Reben der Stadtbürger 18 Saum 20 Mass (29 hl) – gesamthaft also eine Jahresernte von 47,3 hl. Dies war eine sehr geringe Menge im Vergleich zum jährlichen Weinkonsum in den Wirtshäusern der Stadt, der weit über 800 hl im Jahr betrug. Behördlichen Einfuhrverboten fremder Weine wurde gewöhnlich wenig Beachtung geschenkt.

1 Saum = 100 Mass, 1 Mass = 1,59 Liter

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Zur Zeit der Traubenreife erschien die Rebkommission und erklärte die Trauben als «gsperrt» – also im Bann. Sämtliche Zufahrtswege zu den Rebbergen wurden geschlossen. Darin liegt der Ursprung des Wegnamens «Bannhalde», am Fusse des Goffersberges. In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts fügten der Mehltau und die Reblaus den Reben beträchtlichen Schaden zu, was die Lenzburger bewog, das Rebland am Gofi für 1800 Franken an den Kanton zu verkaufen. Die 1864 eröffnete Kantonale Strafanstalt wurde zum Betreuer des Rebberges und Hersteller des «Goffersbergers». Am Schlossberg pflanzten die Ortsbürger 1950 einen neuen Rebberg an. Das Resultat der ersten Leset am 12. Oktober 1952 waren 107 Liter mit 80 ° Öchsle. Dank viel Idealismus und tatkräftiger Hilfe wurde ein zeitgemässer Rebberg eingerichtet, der 1996 2,5 hl Traubenmost mit über 80 ° Öchsle ergab.

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D IE A LTSTADT

VON

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L ENZBURG

Blick vom Schloss auf die Altstadt, 1911 (Einwohnerzahl: 3175)

Seit etwa 650 muss sich am Aabach ein alemannisches Dorf befunden haben, das 893 erstmals urkundlich als «Lenz» erwähnt wurde. Um 1000 stand am Fuss des Schlosshügels auch ein Herrenhof, an den sich vielleicht schon bald eine kleine Handwerkersiedlung anschloss. Die Gründung einer planmässig angelegten Marktsiedlung erfolgte spätestens gegen 1240 durch die Grafen von Kyburg.

Einwohnerzahl am 31. 8. 08: 8009

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Die hufeisenförmige Anlage dieser Gründung ist noch heute deutlich zu erkennen. Sie bestand aus einer Hauptgasse und zwei T-förmig angelegten Quergassen. Die einheitlichen Grundstücke wurden erst allmählich mit Holzhäusern überbaut und später mehrfach unterteilt. 1306 erhielt der Ort von Herzog Friedrich I. von Österreich das Stadtrecht. Von zwei Katastrophen erholte sich Lenzburg nur langsam: 1375 ordnete der Landesherr im Guglerkrieg die Schleifung der festen Anlagen an (vermutlich bestanden die Wehrbauten noch aus Holz), und 1491 brannte die Stadt fast völlig nieder. Um 1500 zählte man etwa 450 bis 500 Einwohner. Erst im 17. Jahrhundert begann eine rege öffentliche Bautätigkeit (Rathaus, Tore, Kirche). Nach 1744 fiel das Bauverbot ausserhalb der Stadtmauern und so konnten der Kranz der grossen Bürgerhäuser um die Altstadt und die kleinen Vorstädte an den Ein- und Ausfallstrassen (Aavorstadt) entstehen. Mit dem Bau des Bahnhofs 1877 bildete sich im Westen ein zweiter Siedlungskern mit Wohn- und Industriebauten.

Plan von Joseph Plepp, 1624

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S TRAUCHPFAD

Ein Teil des Natur- und Kulturpfades ist den Bäumen und Sträuchern gewidmet. Der Schlossberg bietet dank seiner Lage eine Vielfalt von Standorten an. Entlang des Pfades sind 64 Pflanzen nummeriert, die im Wald, am Waldrand, in Hecken, in Auen oder in Parkanlagen vorkommen. Bei den meisten Arten handelt es sich um Gehölzpflanzen, um Bäume oder Sträucher aus der einheimischen Flora. Die folgende Kurzbeschreibung enthält die wichtigsten und interessantesten Informationen zu jeder Art. Wuchsformen

Bäume

Sträucher

mit einer senkrecht wachsenden, selbsttragenden Achse (= Stamm), deren oberer Teil die Blattorgane (= Krone) trägt.

Kletterpflanzen

mit mehreren mit z. T. sehr langer gleichwertigen, Achse, die nicht aufrecht wachsenden selbsttragend, aufrecht Achsen von begrenztem zu wachsen vermag, Längenwachstum. sondern dazu einen Laufende Neubildung von Stützbaum braucht. Achsen aus der Basis.

TESTEN SIE IHR WISSEN! Kennen Sie unsere Bäume und Sträucher? Die einzelnen Arten sind nur mit einer Nummer versehen. Versuchen Sie, auf Ihrem Weg entlang des Pfades die Pflanzen zu benennen. Tragen Sie die Namen auf der linken Seite des aufliegenden Beiblattes ein und vergleichen Sie am Ende des Pfades mit der rechten Seite. Viel Vergnügen!

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1.

Traubeneiche Quercus petraea

Lange Blattstiele, Nerven nur in Lappen, Fruchtbecher (der Eicheln) in Trauben.

2.

Stieleiche Quercus robur

Kurzgestielte Blätter mit «Öhrchen», Blattnerven auch in Buchten; Eicheln lang gestielt, daher der Name.

3.

Roteiche Quercus rubra

Wichtigste fremdländische Laubholzart; 1740 aus Nordostamerika eingeführt.

4. ▲ Gemeiner Schneeball Viburnum opulus

Früchte giftig; Holz elastisch, früher für Spazierstöcke verwendet.

5.

Wolliger Schneeball Viburnum lantana

Oft als Zierstrauch in Gärten.

6.

Roter Hartriegel Cornus sanguinea

Junge Zweige lichtseits dunkelrot.

7.

Kornelkirsche, Tierlibaum Cornus mas

Blüht vor Blattaustrieb; Früchte eignen sich für Konfitüre und Saft.

8.

Feldahorn Acer campestre

An sonnigen Waldrändern; Zweige und junge Stämme oft mit Korkleisten.

9.

Spitzahorn Acer platanoides

Blüht vor Blattaustrieb; Blätter spitzig, der Platane ähnlich.

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10.

Bergahorn Acer pseudoplatanus

Begehrtes helles Holz für Furniere und Möbel; in den Alpen bis 1700m.

11.

Nussbaum, Walnussbaum Juglans regia

Gastbaumart aus Südeuropa; im Wald selten; als Möbelholz begehrt.

12.

Berberitze Berberis vulgaris

Junge Zweige kantig und mit dreiteiligen Dornen; selten.

13.

Feldulme Ulmus campestris

Durch Welkepilz gefährdet (verstopft Wassergefässe), blüht vor Laubausbruch; Früchte reifen ab Mai – Juni.

14.

Bergulme Ulmus glabra

Blattgrund ungleichseitig; begehrtes Furnier- und Möbelholz; selten geworden.

15. ▲ Faulbaum, Pulverholz Frangula alnus

Blattunterseite glänzend hellgrün; gedeiht auch in Sümpfen; leicht giftig.

16.

Winterlinde Tilia cordata

Rostfarbene Haarbüschel in den Blattnervenwinkeln (unterseits); Schnitzlerholz.

17.

Sommerlinde Tilia platyphyllos

Weisse Haarbüschel (unterseits); Blütenduft intensiv (Teepflanze); im Wald seltener.

18. ▲ Eibe Taxus baccata

Sehr schattenfest und langsamwüchsig; kann bis 1000 Jahre alt werden.

▲ = giftig 10

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19.

Weisstanne, Tanne Abies alba

Nadeln unterseits mit zwei silbernen Streifen; vielseitig verwendbar (Bauholz, Schindeln, Papier, usw.).

20.

Rottanne, Fichte Picea abies

Nadeln stechend; häufigste Baumart der Schweiz, bis an die Waldgrenze vorkommend; am vielfältigsten verwendbar.

21.

Douglasie Pseudotsuga menziesii

Wichtigste fremdländische Nadelholzart; aus Nordwestamerika seit 1827; raschwüchsig.

22.

Weymouthsföhre Pinus strobus

Fünfnadelig; stammt aus Nordostamerika (seit 1705); durch «Blasenrost» gefährdet.

23.

Waldföhre, Kiefer Pinus silvestris

Zweinadelig; Licht- und Pionierbaum auf allen Standorten; Möbel- und Fensterholz.

24.

Lärche Larix decidua

Einzige Nadelbaumart mit Nadelfall im Herbst; Gebirgsbaum; Konstruktionsholz.

25. ▲ Roter Holunder Sambucus racemosa

Früchte rot, Samen der Beeren giftig, Saft jedoch geniessbar; Mark der Triebe rötlich.

26.

Schwarzer Holunder Sambucus nigra

Früchte schwarz und früher geschätzt; Blattstiel rinnig; Mark der Triebe weiss.

27.

Schwarzerle Alnus glutinosa

Blätter stumpf; längs Bächen oder an nassen, nährstoffreichen Standorten (Erlenbrüche); begehrtes Möbelholz.

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Weisserle, Grauerle Alnus incana

Blätter spitzig; auch Pionierbaumart, kann bis an die Waldgrenze vorkommen.

29. ▲ Rotes Geissblatt, Blätter ganzrandig; Früchte Gemeine Heckenkirsche giftig; Holz früher als Lonicera xylosteum «Besenreis» verwendet. 30. ▲ Windendes Wald-Geissblatt Lonicera periclymenum

Blätter ähnlich wie beim Roten Geissblatt, jedoch Schlingpflanze; relativ selten; Früchte giftig.

31.

Zier- und Heckengehölz; Früchte ungeniessbar; im Wald selten. Schonen!

Stechpalme Ilex aquifolium

32. ▲ Pfaffenhütchen Evonymus europaeus

Zweige kantig; Fruchtkapsel rosa und vierkantig (Pfaffenhut!); Früchte giftig.

33. ▲ Liguster Ligustrum vulgare

Blätter lederartig; häufig in Parks und als Hecken; Früchte giftig.

34.

Waldrebe, Niele Clematis vitalba

Schlingpflanze; Blätter der Weinrebe ähnlich; Raucherware der Lausbuben.

35.

Vogelbeerbaum, Eberesche, Sorbus aucuparia

Blätter der Esche ähnlich; Pionierbaum; Früchte bitter; am Lenzburger Jugendfest besungen.

36.

Speierling Sorbus domestica

Südwesteuropäische Baumart; in der Schweiz heute sehr selten.

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37.

Elsbeerbaum Sorbus torminalis

Im Jura beheimatet; kalkund sonnenliebend; gesuchtes Möbelholz.

38.

Mehlbeerbaum Sorbus aria

Blätter unterseits dicht weissfilzig; im Jura häufig; Früchte kaum geniessbar.

39. ▲ Efeu Hedera helix

Kletterpflanze (Liane) mit Haftwurzeln, jedoch keine Schlingpflanze; Früchte giftig.

40.

Hundsrose Rosa canina

Früchte geschätzt als Hagebutten (Konfitüre, Tee), reich an Vitamin C.

41.

Hopfen Humulus lupulus

Kultiviert seit dem 8. Jahrhundert; vom Bierbrauer geschätzt. Prost!

42.

Weissdorn Crataegus sp.

Blätter mehrlappig; Zweige mit Dornen; vor Schlossfels West als Baum!

43. ▲ Gemeiner Kreuzdorn Rhamnus cathartica

Zweigende kreuzweise dornig; Steinbeeren giftig.

44.

Salweide Salix caprea

Früh austreibend; als Bienenweide geschätzt.

45.

Sanddorn Hippophaë rhamnoides

Zweige und Blätter bronzeglänzend; natürlich an Flussufern vorkommend; Früchte sauer, reich an Vitamin C.

▲ = giftig 13

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46.

Korbweide Salix viminalis

Ruten für Flechtarbeiten (Körbe); Weiden blühen vor Laubausbruch.

47.

Purpurweide Salix purpurea

Gute Keimfähigkeit als Steckling; im Hangverbau als Flechtzaun oder Faschinen häufig verwendet.

48.

Silberweide, Weissweide Salix alba

Baum der Weichholzaue; durch «Köpfen» entsteht bei Weiden die sog. «Kopfweide».

49.

Schwarzdorn, Schlehdorn Prunus spinosa

Kurztriebe in Dornen endend; Steinfrüchte für Saft und Konfitüre.

50.

Edelkastanie Castanea sativa

Aus Kleinasien; im Tessin häufig als Fruchtbaum; wenige Exemplare im Lenzburger Wald.

51.

Waldkirschbaum, Vogelkirsche Prunus avium

Rinde querrissig; blüht weiss vor Laubausbruch; Stammbaum unserer Kulturkirsche; begehrtes Möbelholz.

52.

Traubenkirsche Prunus padus

Weisse Blüten in Trauben; Steinfrüchte bittersüss; typisches Auengehölz.

53.

Esche Fraxinus excelsior

An feuchten Standorten oder trockenen Kalkhängen; Holz für Stielwerkzeuge und Möbel verwendet.

54.

Buche, Rotbuche Fagus silvatica

Bei uns im Naturwald häufigste Baumart; Holz begehrt für Möbel, Parkett, Bahnschwellen, Zellstoff und Brennholz.

▲ = giftig 14

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55.

Gemeiner Wurmfarn Dryopteris filix-mas

Sporenpflanze; unverholzt; an feuchten, schattigen Stellen.

56.

Hagebuche Carpinus betulus

Blätter scharf gesägt; energiereiches Brennholz; sehr hart, deshalb früher oft für Schuhleisten verwendet.

57.

Hasel Corylus avellana

Kätzchen (männlich) blühen sehr früh (Jan. – März). Wer kennt die Nüsse nicht!

58.

Rosskastanie Als Parkbaum häufig; Früchte Aesculus hippocastanum nur als Spielzeug brauchbar.

59.

Platane Platanus

Ursprünglich aus Asien; häufig als Allee- und Parkbaum; lustige Früchte.

60.

Robinie Robinia pseudoacacia

Familie der Schmetterlingsblütler (wie Klee); aus Nordamerika stammend; sehr dauerhaftes Holz.

61.

Hängebirke, Birke Betula pendula

Lichtbedürftige Pionierbaumart; bis in Hochlagen; begehrtes Cheminéeholz.

62.

Hybridpappel Populus sp.

Sehr raschwüchsige Zuchtform der Pappeln; Holz für Snowboard- und Skikerne.

63.

Silberpappel Populus alba

Typische Baumart der Weichholzaue; Pappeln «schneien» im Sommer bei Fruchtreife.

64.

Zitterpappel, Espe Populus tremula

Blätter rundlich; buchtig gezähnt; Blatt zittert im Wind (dünne Blattstiele); früher Holz für Zündhölzer.

▲ = giftig 15

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S CHLOSSBERG

Wie das gesamte Mittelland war auch die Gegend um Lenzburg vor 20 Millionen Jahren von einem untiefen Meer bedeckt. Grosse und kleine Flüsse aus Süden (Alpen), Norden und Osten schwemmten enorme Mengen von Geröllen, Sand und Ton in diesen Meeresarm, der dadurch allmählich aufgefüllt wurde. In den fächerförmigen Flussablagerungen (Delta) bildeten sich Gesteinsformationen, die als «Molasse», bzw. «Meeresmolasse» bezeichnet werden. Schlossberg und Gofi bestehen zumeist aus hartem Sandstein – im obersten Abschnitt aus «Muschelsandstein». Das häufige, bankweise Auftreten von Muscheln der Gattung Cardium (= Herzmuschel), von Resten von Schnecken, Seeigeln, Haifischzähnen und verkohltem Holz deutet auf küstennahe Ablagerungen hin. Die gleichzeitig zu beobachtenden schrägen Sandsteinschichten – die sogenannte «Kreuzschichtung» – sind charakteristische Kennzeichen für Ablagerungen in Flussdeltas. Muschelsandsteinbänke können längs des Fahrweges um den Schlossfelsen beobachtet werden, ebenso die Kreuzschichtung längs der südlichen Schlossmauer.

Delta mit unterschiedlich geneigten Schichtungen

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1 Muschelsandstein mit versteinerten Muscheln (Cardium) und Schnecken (Ficus 1, Trachycardium 2, Natica 3, Solariella 4)

Im Zusammenhang mit dem Bergsturz von Elm 1881 ergriff einige Lenzburger die Furcht, die überhängenden Felspartien am Schlossfelsen könnten auch für ihre Stadt eine Gefahr bilden. Während fast eines Jahrzehnts wurde zwischen den Besitzern Wedekind, der Stadt und der Aargauer Regierung diskutiert. Gutachten wurden erstellt, die z. T. so radikale Abbruchlösungen vorschlugen, dass der Charakter der Schlossanlage unwiederbringlich zerstört worden wäre. Nachdem sich der künftige Besitzer August Edward Jessup weigerte, unter diesen Bedingungen das Schloss zu kaufen, fand man schliesslich eine weniger radikale Lösung: es wurden einige Stützmauern errichtet, und der Regierungsrat und der Stadtrat von Lenzburg gaben dem Käufer die Erklärung ab, dass er niemals für Schutzbauten an den Schlossfelsen aufkommen müsse. 17

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D IE M AGERWIESE Magerwiesen stellen im Gegensatz zu intensiv bewirtschafteten, artenarmen Grünfutterflächen Biotope dar, die einen wichtigen Beitrag für den ökologischen Ausgleich in der modernen Kulturlandschaft leisten. Sie sind selten geworden und äusserst gefährdet. Deshalb wurde 1988 der Versuch gewagt, oben am Schlossberg bisher als Schafweide genutztes Land von 38 Aren in eine Magerwiese überzuführen. Die optimal südexponierte Lage, die natürliche Abmagerung des Bodens am steilen Hang, sodann das Einstreuen von Heublumensamen und pro Jahr bloss ein- bis zweimaliges Mähen führten rasch zum Erfolg. Die Artenvielfalt der Pflanzen vergrösserte sich von Jahr zu Jahr. Stellvertretend für viele seien erwähnt: die Wiesensalbei, die Margerite, das dichtblütige Wollkraut, der Feld-Thymian. Eine entsprechende Artenvielfalt lässt sich auch bei den Tieren beobachten. Vor allem Kleintiere sind reichhaltig vertreten: Grillen, Spinnen, Schmetterlinge, Wildbienen, Käfer, Ameisen. Zur Zeit läuft ein Versuch mit einer gezielten Beweidung der Fläche.

Wiesensalbei

© ANF

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Mauereidechse

© SBN

Besondere Erwähnung verdient die Mauereidechse (Podarcis muralis). Die mit Efeu überwachsene Schlossmauer und die Magerwiese mit ihrer reichen Insektenwelt ergeben für die Mauereidechse eine gute Lebensgrundlage. Die Mauereidechsen leben im Mittelland nur noch in isolierten Populationen und können oft nicht mehr von selbst wieder einwandern. Im Kulturland sind sie vor allem durch das Verschwinden alter Gemäuer (z. B. Beton- statt Trockenmauern) und die Zerstörung der Nahrungsbasis durch den Einsatz von Pflanzen- und Schädlingsbekämpfungsmitteln gefährdet.

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V ÖGEL

AM

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S CHLOSS

Wie alle andern Lebewesen sind auch die Vögel wichtige Glieder von Lebensgemeinschaften. Sie ernähren sich von Pflanzen oder Tieren – und sie sind selber Beute von Raubtieren. So sind sie ein Teil der natürlichen Nahrungskette. Typische Vogelarten, die auf eine vielfältige Kulturlandschaft angewiesen sind, haben leider in ihrem Bestand auch in Lenzburg seit den Fünfzigerjahren erschreckend abgenommen. Beispiele sind der Gartenrotschwanz, der Neuntöter und die Goldammer. Diese drei Arten sind nur noch in der geringen Zahl von 1 – 2 Paaren vor allem am GofiOsthang anzutreffen. Ein wenig häufiger sind folgende Arten vertreten: Bachstelze, Gartengrasmücke, Grauschnäpper, Dohle Trauerschnäpper, Distelfink, Grünspecht, Gartenbaumläufer, Hausrotschwanz. Hie und da brüten Greifvögel wie Mäusebussarde und Sperber. Erfreulicherweise haben sich seit den Sechzigerjahren Dohlen ums Schloss herum angesiedelt (1995: 3 Bruten).

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Fichtenkreuzschnabel

Interessante Beobachtungen liegen über den Fichtenkreuzschnabel vor: Jeden Morgen nach Sonnenaufgang fliegen etwa zwei Dutzend Kreuzschnäbel, die in den Wäldern um Lenzburg wohnen und nisten, an die Südmauer des Ritterhauses. Dort picken sie Mineralstoffe auf, die durch den Verputz nach aussen dringen. Kreuzschnäbel ernähren sich von Samen der Nadelbäume. Wahrscheinlich dienen die Mineralstoffe als Nahrungsergänzung.

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D IE W ASSERVERSORGUNG Die Trinkwasser-Versorgung wird von zwei Seiten sichergestellt: Grundwasser aus dem «Länzert» Die Stadt Lenzburg bezieht über 90 % ihres Trinkwassers aus den Pumpwerken Hard I (erbaut 1931) und Hard II (erbaut 1960) im Länzertwald. Aus den wasserführenden Schotterschichten des Aaretals dürfen rund 21 600 Liter pro Minute (21,6 m3/Minute) sauberes Trinkwasser gefördert werden, ohne dass sich der Grundwasserspiegel im Aaretal merkbar verändert. Dieses Wasser ist relativ hart (35 – 37 französische Härtegrade). Schloss

Verbindung mit Wohlen

StöckhofQuellen

Reservoir Schloss 600 m3 Quellen im Lütisbuech, Bergwald, etc.

Reservoir Goffersberg 5'000 m3

Versorgungszone II («obere Zone») Pumpwerk Wildenstein

Verbindung mit Niederlenz

Versorgungszone I («untere Zone»)

Grundwasser-Pumpwerke Hard I und Hard II

Verbindung mit Staufen

Verbindung mit HERO

Am Bau und Betrieb des Pumpwerkes Hard II hat sich auch die Gemeinde Wohlen beteiligt, welche ein Bezugsrecht von 7000 Litern pro Minute hat. Leistungsfähige Pumpen befördern das Grundwasser ins «Reservoir Goffersberg», das ein Speichervolumen von 5000 m3 (oder 5 000 000 Liter) hat. Die Wasserspiegellage befindet sich auf Kote 486,5 m. Damit steht das Reservoir rund 50 m über den obersten Gebäuden der aus diesem Reservoir versorgten Liegenschaften der «Zone I». 22

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Quellwasser aus dem Süden Aus dem Gebiet des Stöckhofes (Gemeinde Egliswil, ca. 580 m ü. M.) fliesst aus 12 Quellen gutes, weicheres Wasser (rund 25 französische Härtegrade) in freiem Gefälle ins «Reservoir Schloss», das ein Speichervolumen von 600 m3 aufweist und die «obere», bzw. «Zone II» versorgt. Weitere teilweise genutzte Quellen entspringen im Gebiet der Chäälematte, des Lütisbuech, im Bergwald, im Zweiweihertal, usw. Über das Pumpwerk «Wildenstein» wird ihr Wasser ins Netz gefördert.

Reservoir Gofi

Das Wasserversorgungsnetz der Gemeinde Lenzburg umfasst über 60 km Leitung und rund 400 Hydranten. Etwa 3500 Haushaltungen sind angeschlossen. 23

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D ER

FRANZÖSISCHE

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G ARTEN

Durchschreitet man das schöne Gittertor mit Rosenranken, breitet sich ein prachtvoller Garten vor den Augen aus, und man fühlt sich in die Zeit des Barock zurückversetzt. Der Garten wird um 1560 in einer Landvogteirechnung erstmals erwähnt. Die erste Abbildung stammt von Joseph Plepp (1624). Der Garten wird von einem Zaun und einem Zeughaus räumlich begrenzt. Wie er bepflanzt war, weiss man allerdings nicht. Der nächste Plan stammt aus dem 30-jährigen Krieg (1641) von Niklaus Willading. Die schönste Gestaltung gelang jedoch Samuel Steck, der von 1771 – 1778 Berner Landvogt des Oberamtes Lenzburg war: Nach französischem Vorbild wird die Fläche symmetrisch gegliedert. Zwei sich rechtwinklig kreuzende Wege teilen die Rasenfläche in vier gleich grosse Felder. Jedes Feld wird von einem schmalen Band eingefasst; dieses war wahrscheinlich mit Blumen bepflanzt. Die Schnittstelle der Wege erhält im Zentrum eine besondere Auszeichnung. Ein an der Mauer errichteter Pavillon liegt in der Achse des einen Weges und richtet sich zur Mitte hin aus. Weiter westwärts ist die Fläche in kleinere Beete unterteilt, sodass Lust- und Nutzgarten fliessend wechseln. Dieses Aussehen hatte der Garten wohl bis 1890, als das Zeughaus abgebrochen wurde.

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IM

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S CHLOSS

Mit dem Besitzerwechsel um 1900 trat eine grosse Veränderung ein: Der amerikanische Schlossherr A. E. Jessup vergrösserte den Garten gegen den Hof, den er mit einer grossen Rasenfläche versah. Darin wurden diverse exotische Bäume und Sträucher gepflanzt. Davon übrigeblieben sind nur noch zwei Bäume: der Tulpenbaum (beim Eingang) und der Trompetenbaum (beim Springbrunnen im Hof). Mit der Gesamtsanierung in den 1970er- und 1980er-Jahren gelangte der Plan von Samuel Steck wieder zu Ehren. Erneut werden durch sich schneidende Wege vier gleich grosse Rasenflächen erzeugt, die von einem umlaufenden Blumenband gefasst und von kurzgeschnittenem Buchsbaum umschlossen sind. Die Bepflanzung der Blumenbeete wechselt zweimal jährlich, wobei versucht wird, vor allem beliebte Blumen des 18. Jahrhunderts zu wählen. Zwei den Aussenmauern entlang laufende Beete sind erst seit wenigen Jahren bepflanzt. Im vorderen wachsen diejenigen Pflanzen, die im Museum auf dem spätmittelalterlichen Bildteppich aus dem Kloster Muri zu sehen sind. Im querverlaufenden Beet finden sich Küchen- und Heilkräuter, die zur Verfeinerung der nach historischen Rezepten gekochten Speisen dienen.

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E IN F RIEDHOF 1959 führten die Bauarbeiten für das Wasserreservoir Goffersberg zur Entdeckung und leider auch teilweisen Zerstörung des bis heute grössten jungsteinzeitlichen Gräberfeldes der Schweiz (ca. 3000 v. Chr.). Das Zentrum des Friedhofes bildete eine etwa 7 x 7 Meter messende Grossgrabanlage mit mindes tens 12 kleinen Steinkisten, in denen Kinder aller Altersstufen bestattet wurden. In 15 weiteren Steinkisten lagen zwischen 5 und 17 Personen. Es handelt sich offenbar um Familien- oder Sippengräber, in denen die Toten zeitlich nacheinander bestattet wurden. Die Grabkammern bestanden aus sorgfältig zusammengefügten, bis zu zwei Zentner schweren Muschelkalkplatten und waren mit einer sichtbar verlegten Deckplatte verschlossen. In der 16. Steinkiste lag ein etwa 35-jähriger Mann als einziger Erwachsener in einem Einzelgrab. Er bekleidete offenbar einen hohen sozialen Rang. Vielleicht war er Häuptling oder Medizinmann.

Grabungsübersicht mit Steinkisten und mehrkammeriger Grossgrabanlage im Ausschnitt

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AUS DER

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J UNGSTEINZEIT

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Alle Toten wurden auf die gleiche Weise bestattet: Sie lagen wie Schlafende mit angezogenen Knien auf der linken Seite mit Blick nach Osten zur aufgehenden Sonne, ihr Kopf ruhte meistens auf den aufeinandergebetteten Händen. Die Untersuchung der Skelette ergab eine hohe Kindersterblichkeit, nur etwa dreissig Prozent der Bevölkerung erreichten das Erwachsenenalter und nur sehr wenige das vierzigste Lebensjahr, das sechzigste hat kaum jemand erlebt. Die Kollektivbestattungen dürften Ausdruck eines starken sozialen Zusammengehörigkeitsgefühls der Sippenverbände sein. Ein Teil der Gräber ist im Museum Burghalde ausgestellt.

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H ECKEN Hecken und Feldgehölze entstanden zum grossen Teil durch Rodung von Urwald, nachdem der Mensch als Ackerbauer und Viehzüchter sich im Mittelland niedergelassen hatte. Bis in die Neuzeit prägten Hecken weitgehend das Bild einer vielfältigen, von Menschenhand geschaffenen Kulturlandschaft. Hecken säumten Flurgrenzen, umschlossen Gärten und trennten Acker- und Wiesland. Sie befestigten Bachufer und verhinderten das Abrutschen von Böden an Hängen, welche durch die Schaffung von Ackerterrassen entstanden. Sie schützten benachbarte Getreidefelder vor der Einwirkung des Windes (Erosion) und sorgten für ausgewogene klimatische Verhältnisse in Bodennähe. Hecken lieferten aber auch Nutz- und Brennholz, Blüten und Früchte.

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Mit ihrer Vielfalt an Bäumen, Sträuchern und Kräutern bilden Hecken den Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten: Hermelin, Wiesel, Spitzmäuse und Igel finden ebenso Nahrung und Unterschlupf wie Erdkröten und Blindschleichen. Turmfalken und Waldohreulen bieten sie Brutraum in Baumkronen, und der heute selten gewordene Rotrückenwürger profitiert von der reichhaltigen Insektennahrung. Hecken gehören zu den wertvollsten Landschaftselementen der Kulturlandschaft. Ihre besondere Bedeutung für die Lebewesen in der Kulturlandschaft liegt darin, dass Hecken, Säume und Gebüsche naturnahe Lebensräume vernetzen, indem sie Korridore und Trittsteine bilden. Der Intensivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft sind viele Hecken zum Opfer gefallen. Noch heute werden Hecken als störende Elemente oft ersatzlos abgeholzt. In den letzten 20 Jahren betrug der Rückgang an Hecken bis zu 30 %. Erfreulicherweise haben aber die Kantone die biologische Bedeutung der Hecken erkannt und sie teilweise inventarisiert und unter Schutz gestellt. Viele Naturschützer haben verdienstvolle Anstrengungen unternommen, um das Defizit an Hecken durch Neupflanzungen mit einheimischen Sträuchern zu mildern. Böschungen, Strassen- und Wegränder bieten viele Möglichkeiten dazu.

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S TEINBRÜCHE

UND

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H ÖHLEN

Seit der Römerzeit wurde der harte, widerstandsfähige Muschelsandstein, wie er als Teil der «Oberen Meeresmolasse» in der Gegend von Lenzburg vorkommt, abgebaut und zu Bauzwecken genutzt. Zahlreiche Steinbrüche am Gofi, im Lütisbuech und Berg, aber auch rund um das Meiengrün lieferten Bausteine aller Art, die unter der Bezeichnung «Muschelkalk» oder «Mägenwilerstein» weite Verbreitung fanden. Als der bergmännische Abbau im Laufe dieses Jahrhunderts eingestellt wurde, entstanden in den aufgegebenen Steinbrüchen neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere, welche durch die Intensivierung der Landwirtschaft und andere zivilisatorische Entwicklungen sonst keine Überlebensmöglichkeit mehr hatten. So zeichnen sich diese Steinbrüche durch eine Vielzahl von sehr spezifischen Lebensgemeinschaften auf kleinem Raume aus. Das Wäldchen um den Steinbruch steht im Übergang zu einem ökologisch wertvollen Naturwald mit viel Alt- und Totholz. Beachtenswert sind die Vielfalt und die reizvollen Strukturen der einheimischen Baumarten (wie Buche, Eiche, Birke, Hagebuche, Föhre, Vogelkirsche, Spitz- und Feldahorn). Mit etwas Glück hört man den Specht seine Höhle zimmern.

Buntspecht © Schweizer Vogelschutz (SVS), Zürich

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Die tiefer liegenden, weicheren Sandsteine der «Unteren Süsswassermolasse» begünstigten die Anlage grösserer und kleinerer Stollen, Gänge, Höhlen und Kavernen, wie zum Beispiel der «Felsenkeller» im Gofi oder der «Bierkeller» im Staufberg. Diese Bauten dienten vor allem der Lager- und Vorratshaltung, insbesondere der Frischhaltung von Lebensmitteln, in untergeordnetem Masse auch der Gewinnung von Wasser.

Tunnelbauwerk 1860.

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G EOLOGISCHE Ü BERSICHT Der Blick vom Rastplatz am südlichen Ende des Gofi (P. 505,3 m) wird gegen Norden und Nordwesten durch die Höhenzüge des Juragebirges begrenzt. Als letzte bedeutende Phase der Alpenbildung wurden mächtige Gesteinspakete aus dem Erdmittelalter, vorwiegend aus Kalkstein bestehend, von Süden her auf das Schwarzwaldmassiv aufgeschoben. Dachziegelartig liegen nun die Gislifluh, der Homberg, der Achenberg, der Brunnenberg und die solothurnischen Bergzüge als Teile des «Kettenjura» auf dem nördlicheren «Tafeljura». Sandsteine und Mergel aus der Erdneuzeit (Miozän, vor 20 – 25 Millionen Jahren) bilden den gesteinsmässigen Aufbau der Bergzüge im Westen, Süden und Osten. Sie entstanden durch Ablagerungen grosser Flüsse, die riesige Schutt- und Schlammmengen aus den werdenden Alpen ins Vorland verfrachteten. Staufberg, Schlossberg und Gofi, Lütisbuech und Berg, Schürberg und Lottenberg (westlich von Schafisheim) bestehen in ihren obersten Abschnitten aus Sandstein, der in einen untiefen Meeresarm abgelagert wurde und der häufig Muschelreste (Cardium), Haifischzähne und verkohlte Holzreste führt (Obere

Geologisches Profil Gislifluh – Lenzburg

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Lenzburg zur Zeit des Miozän

Meeresmolasse). Die entfernteren Kulissen des Meiengrüen, Rieteberg, Homberg, usw. werden ebenfalls durch Sandsteine und Mergel gebildet (Obere Süsswassermolasse), die aber häufig durch eiszeitliche Ablagerungen, Moränen der «Grössten Eiszeit» («Riss») bedeckt sind. Während dieser Eiszeit wurden auch die charakteristischen Formen des Schlossbergs, des Gofi, des Bölli und des Staufbergs aus der Sandsteinebene herausgeschliffen. Während der letzten Eiszeit («Würm») erfolgte die Auffüllung der tief eingeschnittenen Täler der Aare, des Aabachs und der Bünz mit mächtigen Schottermassen, so dass heute der Staufberg, der Schlossberg und der Gofi als «Zeugenberge» aus der sie umgebenden Ebene herausragen.

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U NSER W ALD Unsere Landschaft war ursprünglich fast durchwegs mit Wald bedeckt. Die Kelten und Römer, vor allem aber die Alemannen griffen schon früh in den Urwald ein und verwandelten das Mittelland in eine Kulturlandschaft. Sie rodeten und benützten die Wälder als Weide und Nahrungsquelle. Zur Deckung des Bauholz- und Energiebedarfs betrieben sie immer wieder Raubbau an den Holzvorräten. Aufgrund einer Forderung der Berner Regierung rodete die Stadt 1588 den bis dahin bewaldeten Goffersberg, damit das Schloss im Kriegsfall besser gesichert werden könne. Seit Beginn dieses Jahrhunderts ist der Wald gesamtschweizerisch geschützt. Die Forstgesetzgebung verbietet Kahlschläge, lässt Rodungen nur ausnahmsweise – in Verbindung mit Ersatzmassnahmen – zu und zwingt zu einer nachhaltigen Nutzung: Vom «Kapital» Wald darf nur der Zins bezogen werden, und das natürliche Produktionspotential muss für künftige Generationen erhalten bleiben. Im heutigen Verständnis gilt dieses Nachhaltigkeitsprinzip nicht mehr allein für die Holznutzung, sondern grundsätzlich für sämtliche Waldleistungen (siehe Kasten).

EIN NETZWERK DER NATUR MIT VIELFÄLTIGEN FUNKTIONEN Der Wald • ist Lebens- und Überlebensraum für Flora und Fauna • produziert den erneuerbaren Rohstoff und Energieträger Holz • ist Erholungs- und Erlebnisraum für die Bevölkerung • produziert Sauerstoff und verbraucht Kohlendioxid • prägt das Landschaftsbild • reinigt und schützt das Trinkwasser • reinigt die Luft und dämpft Lärm • mindert Klima-Extreme • schützt im Hochgebirge vor Lawinen, Hochwasser, Steinschlag und Rutschungen

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Die nachhaltige Nutzung und Pflege des Waldes kennt Lenzburg seit Mitte des letzten Jahrhunderts. Den Grundstein für den Wiederaufbau und die Qualitätsverbesserung des Holzvorrates legte der Wirtschaftsplan von 1850. Der naturnahe Waldbau wurde in Lenzburg bereits um die letzte Jahrhundertwende eingeführt. Seither werden alle waldbaulichen Massnahmen darauf ausgerichtet, naturnah aufgebaute, stabile Mischwaldbestände mit hoher Wertleistung zu fördern. Der Lenzburger Wald wurde durch die Verdienste der langjährig tätigen Oberförster Walo von Greyerz, Walter Deck und Niklaus Lätt weit über unsere Region hinaus bekannt. Vielseitige Beachtung unter Fachleuten finden die traditionsreiche, ökologisch ausgerichtete Waldbewirtschaftung und der damit verbundene Artenreichtum. International bekannt wurde auch die Lärchenwirtschaft im Forstrevier Berg. Das Forstrevier Lütisbuech (im Südosten) wurde im letzten Jahrhundert weitgehend von Kahlschlägen verschont und ist deshalb noch reich an alten, mächtigen Eichen, Buchen und Rottannen. Der bislang dickste Nadelbaum im Aargau – eine Rottanne – steht fast zuoberst im Lütisbuech. Der Esterliturm ganz oben auf dem Forstrevier Berg (im Südwesten) erlaubt eine eindrückliche Rundsicht; am Übergang zur Ebene lädt das Naherholungsgebiet Fünfweiher zum Verweilen und zur Besinnung ein.

Lenzburg ist mit einem Bewaldungsanteil von 50 % eine ausgesprochene Waldgemeinde! Unsere Wälder (581 Hektaren) leisten heute einen Holzzuwachs von 17 Kubikmetern pro Tag; ihr Holzvorrat ist doppelt so hoch wie vor 100 Jahren.

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F RAU H ILDE Wenn der Mond bleich und gross hinterm Lütisbuechwald aufgeht, so erscheint beim Schlösschen auf der Höhe des Goffersberges ein weissgewandet Weib. Es schreitet leise vom Schlösschen her zur Halde, setzt sich auf eine Bank und lugt über das stille, versilberte Land. Das ist Frau Hilde, die war eine nahe Verwandte eines gewissen Landvogts auf der Lenzburg. Im Leben ist sie ein stolzes, übermütiges Weib gewesen. Sie hatte sich das Gofischlösschen erbauen lassen, weil der Goffersberg um ein halbes Klafter den Schlosshügel von Lenzburg überragt: somit bewohnte sie die höchstgelegene Burg in zehn Meilen Runde. Da sass sie nun tagtäglich an der Halde und schaute hin übers Land, wo die vielen Burgen lagen: die Lenzburg, die Brunegg, die Wildegg, der Wildenstein, der Besserstein, der Biberstein und die Habsburg. Fernerhin die Schlösser Schenkenberg, Kastelen, Lostorf und Rore und endlich weit im Seetal die mächtige Wasserfeste von Hallwil. Und mancher edle Junker, der in diesen Burgen ein- und ausgesprengt, war unterm Gofischlöss chen vorbeigeritten und hatte um die Minne der Frau Hilde gewor ben. Aber diese hatte jedweden ausgeschlagen, denn keiner schien ihrer Liebe würdig und ihrer Hoffart vornehm genug.

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Doch die Jahre gingen ins Land, die Hilde ward älter, und ihre Blüte schwand. Da blieben auch die Junker allmählich aus, und es geschah, dass das Schlossfräulein sein Leben vereinsamen sah. Da packte sie der Kummer, und er frass an ihr, dass sie ganz mager wurde und spitz mit den Jahren – kein Rossknecht hätte sie mehr freien mögen. Und über eine kleine Weile verstarb Frau Hilde an der Gelbsucht. Manche Burg ist seither zerfallen, und die Junker sind längst schon zu Grabe gestiegen, aber heute noch erscheint Frau Hilde an der Halde vor ihrem Schlösschen in ihrem alten Stolz und ihrer Jugendfülle. Und sie schaut übers Land hin wie einst und harrt der Minne und wartet … und wartet.

Das ehemals zum Schloss gehörende Gofischlösschen wurde 1644 vom gleichen Steinmetzen erbaut wie die alte Burghalde. Es diente einst wohl als Jagd- oder Lustschlösschen.

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L ENZBURG

ZUR

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R ÖMERZEIT

Im Waldeinschnitt beim Autobahnzubringer liegen die Ruinen eines römischen Schauspieltheaters. Das halbkreisförmige Bauwerk mit einem Durchmesser von 74 Metern konnte über 4000 Besucher aufnehmen. Die Entdeckung eines so grossen Theaters bei einer Landsiedlung mit kaum 800 Einwohnern bildete 1964 eine riesige Überraschung. In der Regel hatten nämlich nur grosse Städte wie Aventicum (Avenches) oder Augusta Raurica (Augst) ihre Theater. Wahrscheinlich war das Theater zusammen mit noch nicht aufgefundenen Tempeln ein religiöses Zentrum für die Bevölkerung des Mittellandes. In der Provinz wurden aber kaum klassische Stücke und Tragödien gespielt, sondern eher Burlesken, wie sie auch heute noch in den dörflichen Theatern des Aargaus aufgeführt werden. Südlich des Theaters, im Bereich des Eisenbahneinschnittes, erstreckte sich beidseits einer 6m breiten Strasse eine 500m lange Siedlung. Die Gebäude, denen strassenseitig ein Porticus (Laubengang) vorgelagert war, beherbergten Tabernen (Kneipen), Verkaufsläden und Handwerksbetriebe. Im rückwärtigen Teil der Grundstücke lagen Wohn- und Ökonomiegebäude. An Handwerk ist im römischen Lenzburg, dessen Name leider immer noch unbekannt ist, nachgewiesen: Eisenverarbeitung, Mühlsteinproduktion, Töpferei, sowie Holz- und Lederverar-

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beitung. Möglicherweise befand sich auch ein Militärposten in der Siedlung bzw. im Vicus. Vici waren zentrale Orte, welche lokale Bedürfnisse deckten. Ihre Bewohner bildeten eine privatrechtliche Korporation mit einem jährlich gewählten Vorsteher. Sie waren aber nicht Teil der staatlichen Verwaltung, obwohl durchaus auch solche Funktionen wahrgenommen wurden: Es wurde Recht gesprochen und auch Markttage wurden abgehalten. Im ganzen ergibt sich das Bild eines Ortes, der nicht nur im religiösen, sondern auch im sozialen Bereich im Zeitraum von 40 – 250 n. Chr. Zentrum einer grösseren Region war.

Die Funde befinden sich im Museum Burghalde.

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D IE L ENZBURG Vom Gofi geniesst man einen umfassenden Blick auf verschiedene Bauteile der Schlossanlage; den besten Überblick über die Gesamtanlage erhält man jedoch erst im Schlosshof. Das markanteste Gebäude ist das Ritterhaus. Es wurde um 1340 wahrscheinlich im Zusammenhang mit der vorgesehenen Hochzeit eines Habsburgers mit der englischen Königstochter errichtet und beherbergt zwei Säle. Faszinierend ist nicht nur die Fassadengliederung, sondern auch die Dimension der Innenräume. Grabungen belegen ein westwärts angegliedertes Wohnhaus (bis 1509). Beide unter habsburgischer Herrschaft begonnenen Gebäude wurden erst von den Bernern fertiggestellt. Die durch die Umnutzung nötigen baulichen Veränderungen (1590) wurden um 1900 von A. E. Jessup wieder rückgängig gemacht. Eine ebenfalls um 1900 rekonstruierte Wehrmauer verbindet das Ritterhaus mit dem Bergfried (= Südturm). Auf einem Grundriss von 10x10m mit einer Mauerdicke von 2,5m entstand um 1150 / 1173 ein Turm, den man durch das erste Stockwerk erreichte. Um 1344 wurde der Turm um zwei weitere Stockwerke erhöht. Darin untergebracht waren auch die Gefängniszellen, die heute noch zu besichtigen sind. Die im 18. Jahrhundert erstellte West- und Nordfassade wurde bei der

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Sanierung um 1900 entfernt. Zudem wurde der Turm um ein Stockwerk erhöht. Anschliessend folgt der Palas (= Wohntrakt). Er wurde um 1100 von den Grafen von Lenzburg als bewehrter dreigeschossiger Wohnbau mit Zinnenabschluss errichtet. Im 3. Stock befanden sich der Eingang sowie eine Feuerstelle. Hier spielte sich im 12. Jahrhundert das tägliche Leben ab. Im 16. Jahrhundert erhielt der Bau ein Pultdach und eine neue Stockwerkeinteilung. Mit dem Bau der als Amts- und Wohnhaus dienenden Landvogtei wurde das Hauptgeschoss des Palas zur Folterkammer umfunktioniert. Bei der Sanierung um 1900 wurde das Pultdach durch eine rekonstruierte Zinnenbekrönung ersetzt. Die beiden Ausbuchtungen zwischen Palas und Landvogtei sind Teile der Ostbastion. Um eine fortifikatorische Schwachstelle zu beseitigen, erhielt Niklaus Willading den Auftrag, die Lücke zwischen Palas und Landvogtei zu schliessen. Damit mit den modernsten Geschossen vom Gofi aus kein Schaden angerichtet werden konnte, wurde ein 11m hoher Erdwall aufgeschüttet, der aussen von einer Quadermauer gestützt wurde. Durch die Erde drang jedoch bald Feuchtigkeit in die Landvogtei und machte sie unbewohnbar; deshalb entstand direkt anschliessend daran ein neues Wohnhaus für den amtierenden Landvogt. Mit der Sanierung um 1900 erhielt diese ihr heutiges Aussehen. In einigen Gebäudeteilen sind heute das Historische Museum des Kantons Aargau, sowie das Stapferhaus untergebracht.

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L ITERATUR Wer sich eingehender mit den einzelnen Themen auseinandersetzen will, dem seien untenstehende Bücher und Zeitschriften empfohlen. Die Nummern entsprechen den Stationen. 1

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Gesellschaft für Schweiz. Kunstgeschichte: «Schweizerischer Kunstführer: Lenzburg AG», Stämpfli & Cie. AG, Bern, 1988 Edward Attenhofer: «Vom Lenzburger Weinbau in Vergangenheit und Gegenwart», Kromer Druck AG Lenzburg, 1983 Heidi Neuenschwander: «Geschichte der Stadt Lenzburg» (2 Bände), Sauerländer, Aarau 1984 + 1994 J. J. Siegrist: «Lenzburg im Mittelalter und im 16. Jahrhundert», Aarau, 1955 J.-D. Godet: «Bäume und Sträucher», Arboris-Verlag, 1986 Dr. Hanspeter Müller: «Die Geologie von Lenzburg», Museum Burghalde, 1991 Heidi Neuenschwander: «Aus dem Tagebuch von Emilie Wedekind», Lenzburger Neujahrsblätter 1992 Edward Attenhofer und Hermann Hauri: «Lenzburgs Brunnen und Quellen», Verlag Städtische Werke Lenzburg, 1981 Peter Paul Stöckli: «Die Freiräume von Schloss Lenzburg». In: anthos, Zeitschrift für Freiraumgestaltung, Grün- und Landschaftsplanung, Heft 2 /1985. Baudepartement des Kantons Aargau, Abteilung Landschaft und Gewässer: «Naturatlas Aargau», 1994 Schweizer Vogelschutz (SVS) – Birdlife Schweiz: «Hecken: Sträucher, Pflege, Pflanzung», 1994 Christian Küchli, Jeanne Chevalier: «Wurzeln und Visionen, Promenaden durch den Schweizer Wald», Verlag Aargauer Tagblatt, Aarau, 1992 Nold Halder: «Aus einem alten Nest. Sagen und Spukgeschichten aus Lenzburg», Sauerländer, 1977 Hans Dürst und Hans Weber: «Schloss Lenzburg und Historisches Museum Aargau», AT Verlag Aarau, 1990. 42

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I NFORMATIONEN Weitere Informationen Museum Burghalde: Urgeschichte, Römerzeit, Frühmittelalter der Region Lenzburg / Seetal, Stadtgeschichte, Kunsthandwerk, Frühindustrie. Tel. 062 891 66 70 Öffnungszeiten: Di – Sa, 14 –17 / So 11–17 Schloss Lenzburg: Historisches Museum des Kantons Aargau Tel. 062 888 48 40 Öffnungszeiten: 1. April – 31. Oktober, Di – So, 10 –17 Stapferhaus: Tel. 062 888 48 00 Tourismus Lenzburg Seetal: Büro für Tourismus und Mobilität Kronenplatz 24 5600 Lenzburg Tel. 062 886 45 46 Broschüre Diese Broschüre ist erhältlich bei: Museum Burghalde: Tel. 062 891 66 70 Schloss Lenzburg: Tel. 062 888 48 80 Rathaus: Tel. 062 886 44 44 Bahnhof SBB: Tel. 062 891 72 73 Tourismus Lenzburg Seetal: Tel. 062 886 45 46 Projekt im Rahmen des Europäischen Naturschutzjahres (ENSJ) 1995. 43

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D ANK Die Anlage des «Natur- und Kulturpfades Lenzburg» wäre ohne das Engagement der Stadt Lenzburg und die namhafte Unterstützung privater Gönner, Firmen und Institutionen nicht möglich gewesen. Wir danken der/dem/den: • Stadt Lenzburg • Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft • Ernst Müller-Schöni und Familie, Lenzburg • LIONS CLUB Lenzburg • «Freunde der Lenzburg» • René Wernli, Ingenieur, Aarau • Walo Bertschinger AG, Bauunternehmung, Lenzburg

Gedankt sei gleichzeitig folgenden Firmen, ohne deren Beiträge die vorliegende Broschüre nicht entstanden wäre: • Aargauische Kantonalbank, Lenzburg • Baumann & Waser AG, Architekten, Lenzburg • P. Doninelli AG, Bauunternehmung, Staufen • Eich + Co., Teppiche und Bodenbeläge, Lenzburg • Eichenberger AG, Ingenieurbüro, Lenzburg • Elvia Versicherungen, Generalagentur, Lenzburg • Max Fischer AG, Hoch-, Tief- und Holzbau, Lenzburg • Härdi & Fritschi AG, Ingenieurbüro, Lenzburg/Buchs • Hero, Lenzburg • Hypothekarbank Lenzburg, Lenzburg • Moor AG, Bauunternehmung, Hunzenschwil • Neue Aargauer Bank, Lenzburg • Restaurant und Hotel Ochsen, Lenzburg • Sauerstoffwerk Lenzburg AG, Lenzburg • Schmid und Läuchli, Bauingenieure, Lenzburg • Schwarz Stahl AG, Lenzburg • Schweizerische Bankgesellschaft, Lenzburg • Schweizerischer Bankverein, Lenzburg

Ausführung:

Stadtbauamt Lenzburg, Stadtforstamt Lenzburg, Fa. Häfeli Lenzburg, Stiftung Wendepunkt, LIONS CLUB Lenzburg

Projektbegleitung: Fritz Schärer, Systems Engineer, Seengen Natur- und Heimatschutzkommission Lenzburg 44

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r u t a N d a f p r u t l u K

NZBURG

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Schloss- und Goffersberg

Impressum: Herausgeber:

Natur- und Heimatschutzkommission, Lenzburg Gestaltung / Satz: Kneuss Satz AG, Lenzburg Fotos, Illustrationen: aus der aufgeführten Literatur Druck: KROMER PRINT AG, Lenzburg

4. Auflage 2008 © NHK, Oktober 1998

Zwee Hügel stönd wie Wächter doo z’mittst im grüene Land; die träged scho, waiss Gott wie lang, de Himel mitenand. E. Attenhofer


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Schloss- und Goffersberg

Impressum: Herausgeber:

Natur- und Heimatschutzkommission, Lenzburg Gestaltung / Satz: Kneuss Satz AG, Lenzburg Fotos, Illustrationen: aus der aufgeführten Literatur Druck: KROMER PRINT AG, Lenzburg

4. Auflage 2008 © NHK, Oktober 1998

Zwee Hügel stönd wie Wächter doo z’mittst im grüene Land; die träged scho, waiss Gott wie lang, de Himel mitenand. E. Attenhofer

Broschüre Natur- und Kuturpfad  

Broschüre Natur- und Kuturpfad

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