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18th Century Suicide Girls


18th Century Suicide Girls


© 2013 Lennart Nölle Betreuung: Prof. Ulrich Namislow, FH Mainz


Lennart Nรถlle

18th Century Suicide Girls Eine wahre Geschichte in Reimen


In der Hölle gibt es zehn Kreise, dort tummeln die Sünder sich dicht. Der Teufel quält sie auf eben die Weise, die des jeweil’gen Sünden entspricht.

1


Als Todsünde gilt als jeher der Mord und ganz besonders auch der Suizid. Ganz unten tief gibt’s darum einen Ort, in den der Teufel die Selbstmörder zieht.

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Der ewigen Qual kann nur jener entkommen, der vor seinem Tode ins Beichthaus geht; Gott heißt ihn persönlich im Himmel willkommen, sofern er zunächst alle Sünden gesteht.

3


Sophia Charlotte Krügerin – eine Dienstmagd von 18 Jahren – sie sah im Leben für sich keinen Sinn, nach dem was ihr widerfahren.

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Sie diente einer gar grausamen Frau, die immerzu schaute, dass nirgends was fehle und alles im Haushalt stimme genau und niemand der Dienerschaft je etwas stehle足.

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Aus einem Lederbeutel von Wert einhundert Reichsthaler waren entschwunden; ein Dieb riss sie an sich unbemerkt und sie wurden nicht wieder gefunden.

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»Sie werden mir alle Schuld daran geben«, so dachte Sophia Charlotte sich still, »und eher als mit dem Ruf einer Diebin zu leben, ist Tod und Erlösung das was ich will!«

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Bei ihrem ersten Versuch Suizid zu begehen, da wurde Sophia Charlotte gestört – sie wurde von einer Bekannten geseh’n und so wurde an dem Tag ihr Wunsch nicht erhört.

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Dann bei ihrem zweiten Versuch unterm Dach, da sah es Sophia ganz klar – dass wenn sie Selbstmord begänge, danach ihre Seele verloren war.

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Drum lieĂ&#x; den Strick sie fallen geschwind und lief voller Wehmut hinaus. Da erblickte im Hof das Mädchen ein Kind, das spielte vorm Nachbarshaus.

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»Welch reines Geschöpf, von Sünde so frei«, so dachte Sophia vom Bübelein da kam die Idee wie ein Blitzschlag herbei − sie nahm ihn zu sich in den Keller rein.

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Sophia nahm ihn geschwind bei der Hand, der Junge lachte und folgte ihr schnell, da stieĂ&#x; sie ihn heftig gegen die Wand und schnitt ihm die Kehle mit einem Skalpell;

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Sie rannte hinaus und zur Polizei, die hĂśrten verblĂźfft wie Sophia gestand und verhafteten sie am 24. Mai, da man sie des Kindsmordes schuldig befand.

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Bevor das Todesurteil das M채dchen erreichte, gestand sie die S체nde, die sie hatte getan. Und Gott vergab ihr die r체hrende Beichte und nahm sie zu sich in den Himmel an.

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Dort traf Sophia wieder das B端belein, dessen Leben sie brutal hat genommen und beide freuten sich, dass im Himmel sie sein, denn so ergeht es den Guten und Frommen.

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Der Fall von Sophia Charlotte Krügerin hat sich tatsächlich so

zugetragen. Im Mai 1753 wurde sie des Kindsmordes für schuldig befunden und zum Tode verurteilt, nachdem sie sich selbst gestellt hatte. Alle Einzelheiten der Tat wurden von einem Priester aufgezeichnet, während sie im Gefängnis ihre Strafe erwartete. Sophia Charlotte Krügerins Tat war kein Einzelfall. In Gerichtsdokumenten von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden im gesamten deutschsprachigen Raum ähnliche Fälle vermerkt.

Rechtssprecher versuchten diesen Trend einzudämmen, indem

zunächst die Strafe für Kindsmörder qualvoller gestaltet und schließlich ganz abgeschafft wurde. Dennoch brachten Menschen mit Wunsch nach Selbstmord bis ins frühe 19. Jahrhundert Kinder um, in der Hoffnung Gott auszutricksen und durch dieses Schlupfloch in den Himmel zu gelangen.



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