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DER WETTBEWERB

Dorfplatz Vintl: Die Neugestaltung

Gemeinde Vintl


Wettbewerb Dorfplatzgestaltung Vintl

IMPRESSUM Herausgeber: Gemeinde Vintl Gestaltung: Leitner Graphics, Feldthurns, t. 0472 857200 Druck: Kraler Druck, Brixen


VINTL: (K)EIN DORFBILD? Die Ausgangssituation „Die Staatsstraße zieht an Vintl im Pustertal

Liebe Leser/innen,

die Gemeinde Vintl hat sich zum Ziel gesetzt, am Erscheinungsbild unserer Dörfer zu arbeiten. Durch die neuen Besitzverhältnisse im Bereich Gasthof Stampfl und Raika-Platz in Niedervintl ergeben sich neue Möglichkeiten, an die Aufwertung des Ortszentrums heranzugehen und einen echten, attraktiven und nutzerfreundlichen Ortskern anzustreben. Die Studentenarbeiten um Arch. Michael Rieper waren sicher auch ein Anstoss, weitere Ideen zur Dorferneuerung zu entwickeln. Die nun vorliegenden Ergebnisse sind der Beweis für das positive Gelingen dieses gemeinsam mit der RAIKA Vintl durchgeführten Ideenwettbewerbes. Allen die in den veschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen Vorarbeit geleistet und Ideen beigesteuert haben, sei herzlichst gedankt. Großes Lob gebührt dem Koordinator des Wettbewerbes, der professionellen Begleitung in der Jury aber auch den Projektanten, die interessante, brauchbare Ideen geliefert haben. Gemeinsam wollen wir nun daran arbeiten, die Ideen zu verwirklichen und mit Leben zu füllen. Der Bürgermeister

souverän vorbei… An der Peripherie des eher unscheinbaren Dorfes gedeihen Gewerbegebiete und touristische Infrastruktur bestens und prägen nachhaltig. – Aber man wird es nicht glauben, es gibt trotzdem so etwas wie einen Ortskern, ja vielleicht sogar einen heimlichen Hauptplatz, wenngleich die Kirche davon weit im Abseits liegt. Vintl positioniert sich mit seinem Zentrum zum Eingang des Pfunderertales und wird dadurch zu „ einem eigenartigen Nadelöhr... Aus: Dorfgasthaus Stampfl. 9 Bachelorarbeiten. Arch. Michael Rieper

Ein Nadelöhr: Die Pfunderer Straße, die sich durch den Ortskern zieht, auf der einen Seite begrenzt vom Pfunderer Bach, auf der anderen von einer Zeile alter und neuer Wohn- und Geschäftsbauten. Dieses Bild wird geprägt vom letzten historischen Gebäude, dem Dorfgasthaus Stampfl, nun in Gemeindebesitz. Seit das leerstehende Gebäude auf dessen gegenüberliegender Seite abgerissen wurde, ist der Blick frei auf das verbaute Bachbett und den dahinter liegenden Platz vor der Raiffeisenkasse. Diese neu entstandene Raumsituation sollte im Rahmen eines Wettbewerbes organisiert, strukturiert, und aufgewertet werden. Ziel war die Verbesserung des bestehenden Dorfplatzes, der in seinem Erscheinungsbild eine Visitenkarte des Ortes werden sollte. Alle Ressourcen - Gebäude, Straßen und Bach- sollten in die Planung mit einbezogen werden, der Gasthof Stampf als gewachsene Struktur erhalten bleiben.

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Die Problemstellungen

Verschiedene Arbeitsgruppen aus der Dorfbevölkerung befassen sich bereits seit langem mit der Dorfplatzgestaltung. Sie erstellten folgenden Forderungskatalog: • • • • • • • • • • • •

Grünflächen und Ruheplätze zu schaffen Platz für ein Kunstwerk oder einen Brunnen zu schaffen Informationsmöglichkeiten „zum Dorf“ und „fürs Dorf“, Beflaggung, Infopoint vorzusehen Platz für eine Wertstoffsammelstelle vorsehen Den Pfunderer Bach als Naherholungszone aufwerten Die Verkehrsflüsse (Fahrräder, Fußgänger, Kraftfahrzeuge) zu regulieren Eine Bushaltestelle für die Verbindung nach Pfunders beizubehalten Architektonische Barrieren zu eliminieren Die Positionierung der Marktstände für den Monatsmarkt anzudenken Die Situation und Position der Brücken zu überprüfen Die Parkplätze in geordneter Form unterzubringen Kundenfreundlichen Parkraum und Ladezonen für die angrenzenden Wirtschaftstreibenden zu schaffen • Die Dauerparkmöglichkeiten stark zu reduzieren • Die Bebauung „Waggerhäuser“ (B.P. 158/1 und 158/2) zu überprüfen

Projektziele

Der Planungswettbewerb, ausgeschrieben von der öffentlichen Verwaltung und der Raiffeisenkasse Vintl, sollte aufzeigen, welchen Erholungs- und Nutzwert die Zone im Zusammenhangmit einer Neugestaltung des Platzes gewinnt. Der Dorfkern wird damit attraktiver und nutzerfreundlicher, vorhandene Einrichtungen können besser und sicherer erreicht werden, was somit auch ihren Fortbestand sichert. Die Schaffung eines richtigen Dorfmittelpunktes spielt auch in der Förderung des sozialen Dorflebens eine wesentliche Rolle.

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Auftraggeber

Der Dorfplatz in bestehender Form

Gemeinde Vintl und Raiffeisenkasse Vintl

Wettbewerb Dorfplatzgestaltung Vintl


Koordinierung des Planungswettbewerbes Bürogemeinschaft Stauder Arch. Martin Stauder

Wettbewerbsteilnehmer

1. Architekt Uwe Bacher, Feldthurns 2. Architekten Brida & Moser, Brixen 3. Architekt Hermann Gschnitzer, Sterzing 4. Architekten Kerschbaumer, Pichler & Partner, Brixen 5. Architekt Wolfgang Meraner, Brixen

Die Beurteilung

Eine Vorprüfung, die vom Koordinationsbüro durchgeführt wurde, kontrollierte die Vollständigkeit der Unterlagen und die Erfüllung der formalen Wettbewerbsbestimmungen. Die endgültige Bewertung der Wettbewerbsarbeiten erfolgte durch ein Bewertungskomitee, das die Qualität der Projekte in mehreren Durchgängen nach festgelegten Kriterien beurteilte.

Das Bewertungskomitee

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Sachpreisrichter: 1. Vertreter der Gemeinde Vintl: Bürgermeister Walter Huber 2. Vertreter der Raiffeisenkasse Vintl: Walter Fischnaller

Die Fachjury bei der Arbeit

Fachpreisrichter: 3. Ein Architekt ernannt von der Architektenkammer: Arch. Werner Seidl 4. Ein Architekt oder Ingenieur ernannt von der Gemeinde Vintl: Arch. Michael Rieper 5. Ein Architekt oder Ingenieur ernannt von der Raiffeisenkasse Vintl: Arch. Walter Angonese


Die Projekte:

SIEGERPROJEKT ____ Architekt

Uwe Bacher

Das Siegerprojekt:

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GESTALTUNGSKONZEPT - DIE IDEE: Gestaltungskonzept Der Entwurf zielt darauf ab, die bereits vorhandenen Elemente Bach, Straße, Auto, Café, Mensch, Bebauung, Grün, Bus, usw. in ihrer Individualität zu erfassen und zu akzentuieren, gleichzeitig aber neu zu ordnen und in Szene zu setzen, um damit linke und rechte Ufer des Pfunderer Baches gemeinsam zum Zentrum, zur Bühne des Dorfes zu machen. Maßnahmen Wesentliche Maßnahme des Entwurfes ist die Verschiebung der Straße in Richtung Bach. Der Fußgänger spielt dadurch wieder die Hauptrolle im Dorfgeschehen. Es entstehen eine breite Fußgängerzone und Einkaufsstraße. Neu angepflanzte Laubbäume vor den Geschäften als Weiterführung der prächtigen Allee in der B.v.Guggenberg-Straße sorgen für eine angenehme Atmosphäre und dienen gleichzeitig als

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Pufferzone und Vorbereich zu den Geschäften. Die hochstämmigen Birken am steilen westseitigen Bachufer werden entfernt, und beziehen somit den Raiffeisenplatz in das neue Areal mit ein. Autoverkehr Der Stellenwert des Auto- und Schwerverkehrs wird im Entwurf durch verschiedene, geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen zugunsten des Fußgängers, verändert: Reduzierung der Straßenbreite Straßenbegleitende Baumreihe Anhebung der Straße auf Gehsteigniveau (Straße wird zum Platz) Spezialbelag oder Pflasterung der Straße, bzw. der Zebrastreifen Markierung der Fahrbahn durch punktuelle, in unregelmäßigen Abständen positionierte und leuchtende Steinquader


Raiffeisenplatz Der Platz, bestehend aus einem befestigten Teil und einem zum Bach hin leicht abgesenkten Grünbereich mit hochstämmigen Bäumen, der Ruhe- und Erholungszone sein will, bietet mit seinen, aus dem leicht ansteigenden Gelände wachsenden Platten, Stufen und Bänken, das passende Ambiente für verschiedenste Aktivitäten (Auftritte der Musikkapelle, Treffpunkt, u.a.) und ist Zugang zur Uferzone. Brücken Beide Bachseiten werden über mehrere Brücken miteinander verbunden: die bestehende befahrbare Brücke bleibt dem Autoverkehr vorbehalten, wird aber verbreitert und dadurch auch zum sicheren Fußgängerübergang. Der bestehende Holzsteg bleibt für Fußgänger erhalten. Als zusätzliche Verbindung wird eine breite, zum Verweilen einladende, bespielbare Brücke errichtet, die wesentlicher Bestandteil des neu geschaffenen Dorfzentrums wird.

Infostand Für die Position der Anschlagetafel wird der Ort südlich der bestehenden Brücke zur Raiffeisenbank vorgeschlagen, sie ist eine zentrale Stelle und liegt direkt an der neu geplanten Verbindung zum Rathaus. Hier ist im Entwurf auch der „Serpentinstein aus dem Pfunderer Bach“ positioniert. Gedanken Ein Dorfzentrum neu zu gestalten bedeutet das Überdenken und Neuorientieren von Abläufen, Wegen, Gewohnheiten. In diesem besonderen Fall ist es zudem ein Versuch, die Energie des Elements Wasser zu nutzen, sie einzubinden in den städtebaulichen Kontext und die Lebensqualität zu steigern.

Architekt Uwe Bacher Handwerkerstraße 12, 39040 Feldthurns Tel. 0472 857097 | uwe.bacher@dnet.it

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Das Fachurteil der Jury:

Das Projekt, das Straßenraum, Bach und Bebauung gut aufteilt, schafft als einziges neuen Raum und verbindet beide Seiten zu einem Ganzen. Zu den weiteren Vorzügen gehört, dass der Flussraum des Pfunderer Baches integriert und durch einen Zugang aufgewertet wird. Positiv ist die dritte Brücke, die als Ingenieursbaukunstwerk schlank ausgeführt werden muss. Die Anbindung zum Bach bietet Chancen, auch die Bepflanzung trägt zur Urbanität bei. Die Idee hat großes Entwicklungspotential, wobei aber das Wesentliche stärker herausgearbeitet und Überflüssiges weggelassen werden soll. Insgesamt empfiehlt die Jury die Gestaltung der Oberfläche bis zur Hochrainerbrücke weiterzuführen, auf der orografisch linken Seite sind Kurzparkplätze und Ladezonen vorzusehen. Für die Weiterentwicklung des Projektes wird von Seiten der Gemeinde und der Raiffeisenkasse jeweils ein Fachexperte bestimmt, von Seiten der Jury garantieren die Architekten Michael Rieper und Werner Seidl ihre Mitarbeit.


PROJEKT ____ Architekt

Wolfgang Meraner

Projektbeschreibung: GESTALTUNGSKONZEPT: Der Dorfplatz Vintl, so wie er derzeit genutzt wird, funktioniert. Das Dorfleben spielt sich an der orthographisch linken Seite des Pfunderer Baches ab. Es erscheint falsch, das Dorfleben auf die andere Seite zu verlegen, selbst wenn dort mehr Sonne und Weite spürbar sind. Dieser Eingriff würde nur Sinn ergeben, wenn anstelle des Raiffeisengebäudes wichtige öffentliche Strukturen untergebracht würden. Der Entwurf gibt in reduzierter Form Antwort auf diese spezielle städtebauliche Situation. Durch Oberflächengestaltungen und Verteilung von Baumassen entsteht eine Vereinheitlichung des Areals, der durch den Bach geteilte Platz wird optisch zusammengeführt. Der Ort kann damit vom Durchzug des Autoverkehrs leben, gibt aber dem Fußgänger eindeutig Vorrang. Verkehrs- und Wegekonzept Der gesamte Platz links und rechts des Baches wird mit Pfunderer Serpentin gepflastert.

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Dadurch wird das Dorf optisch zusammengeführt und beruhigt. Der Autofahrer bemerkt, dass er sich auf einem Platz befindet und wird sich dementsprechend verhalten. Straßenmarkierungen werden mit heimischem Silberquarzit kenntlich gemacht. Der Großteil des Platzes ist dem Fußgänger vorbehalten. Dies wird durch gläserne Granaten unterstrichen, die wie zufällig herumliegen. Sie lenken den Verkehr, zudem dienen sie als Sitz- und Ruhemöglichkeit sowie Lichtquellen. Das Dorfgasthaus erhält einen großzügig bemessenen Platz. Hier findet auch der Wochenmarkt statt. Der Bach Der geschwungen durch das Dorf fließende Bach ist eine Besonderheit, die das Dorfbild prägt und teilt. Eine in Serpentin gehaltene Mauer mit integriertem Wasserlauf verstärkt die Krümmung des Baches und gibt ihm seine Kraft zurück. Ein Fußgängerweg führt von einer Brücke zur anderen.


Museum und Mühle Auf der B.p. 158/2 soll ein Museum mit integrierter Mühle, Dorfmuseum, Infobereich etc. entstehen und auf die alte Riepermühle verweisen. Der Besucherstrom, der die nahe liegende Lodenwelt und das Käsemuseum besucht, würde damit in das Dorf geleitet.

Bepflanzung: Bestehende Birkenbäume werden aufgrund der Höhe ersetzt Bergahorn an der orographisch rechten Seite, um die Kurve des Baches spürbar zu machen Am Museum Eiche oder Kastanienbaum

Materialien: Platzgestaltung: Pfunderer Serpentin, spaltrau Pflastersteine Beleuchtung, Abgrenzung, Sitzmöglichkeit Granat: Stahlglasskulpturen mit integriertem Leuchtkörper Abgrenzung Mensch-Verkehr-Zebrastreifen: Silberquarzit hell diamantgesägt

Hinter dem Projekt steckt eine Idee, die gut sichtbar gemacht wird. Der Beitrag arbeitet mit dem starken Element Wasser, das auf besondere Weise sichtbar gemacht wird. Der Sachzwang der Flussverbauung ist gestalterisch gut gelungen. Die Vernetzung von Städtebau, Architektur und Kunst im öffentlichen Raum wird begrüßt.

Dr. Arch. W. Meraner Brennerstrasse Nr. 17/A, I-39040 Vahrn (BZ) Tel. +39 0472 920288 wolfgang.meraner@archmeraner.it

Pfunderer Granaten als Inspiration für Beleuchtung und Platzabgrenzung

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Wegführung zum Dorfplatz in Serpentin

Pfunderer Serpentin spaltrauh Silberquarzit weiss diamantgesägt

Niedervintl um 1904. In der Bildmitte die alte Rieper-Mühle. Foto: Sammlung Ivo Klammer-Mayr

Studie Verdichtung Wohnbau

Fachurteil der Jury:


PROJEKT ____ Architekten

Kerschbaumer, Pichler & Partner

Projektbeschreibung: Entwurfskonzept Grundidee hinter dem Entwurf ist die Stärkung und Verbesserung der wichtigsten Wegachse vom Dorfzentrum zur Raiffeisenbank, also der Brückenschlag vom Dorf und vom verschatteten Dorfplatz zur Sonneninsel. Ausdruck dieses Brückenschlages ist ein transparentes Gebäude mit ausladendem Dach, das zahlreiche Funktionen in sich vereint: Ein attraktives Café-Bar über dem Pfundererbach mit Sitzplätzen innen und außen, die auf einer Länge von über 30 Metern den Weg vom Dorfplatz zur Raiffeisenbank begleiten. Das Gebäude wird um ca. 80 cm gegenüber der heutigen Brücke erhöht neue überdachte Straßenbrücke an der Stelle und Quote der bestehenden Brücke separater überdachter Fußweg höher angelegt gegenüber der Straße (um ca. 80 cm) überdachte Bushaltestelle am Dorfplatz Informationstafel am Dorfplatz

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Wettbewerb Dorfplatzgestaltung Vintl

Dieses Gebäude bringt das abgelegene Raiffeisengebäude näher an das Dorf heran undbricht mit seiner absoluten Sonderstellung als einziges Gebäude jenseits des Pfundererbaches. Die Überbauung des Baches durch das neue Gebäude schränkt den Bachquerschnitt in keiner Weise ein. Die Deckenunterkante ist gegenüber der bestehenden Brücke um ca. 80 cm erhöht. Das sog. „Waggerhaus“ BP. 158/2 sollte abgebrochen werden, um das neue Brückengebäude besser in der Mitte des Dorfplatzes zu verankern. Zudem werden dadurch wertvolle PKW-Stellplätze am Dorfplatz gewonnen. Platzgestaltung Der Dorfplatz wird nach dem Konzept von SHARED SPACE vom abzubrechenden „Waggerhaus“ bis zur nördlichen Fußgängerbrücke einheitlich ohne Ausbildung von Gehsteigen mit Granit gepflastert, wobei die Parkplätze mit einbezogen werden. Auch die neue Brü-


Fachurteil der Jury: cke über den Pfundererbach und der östliche Bereich des Raiffeisenplatzes werden gepflastert. Der Dorfplatz wird markiert durch eine Brunnenskulptur mit dem Findling aus Serpetin und einem großen Baum. Drei mögliche Standorte für den 14-tägigen Markt sind ausgewiesen.

Das Projekt ist couragiert: Beide Platzsituationen werden mit einem Brückenschlag verbunden, die Raiffeisenkasse wird näher ans Dorf gebracht. Der Baumbestandt wurde mit Bedacht behandelt, belassen bzw. neu positioniert. Die Größe des Brückenbaues muss hinterfragt werden, die sowohl für die Bank als auch für den Platz bedenklich ist. Das Projekt verdient mit seinem konzeptionellen Ansatz und dem Brückenschlag eine besondere Belobigung.

Architekten Kerschbaumer Pichler & Partner Säbenertorgasse 2, 39042 Brixen Tel. +39 0472 83 61 38 | info@kup-arch.it

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PROJEKT ____ Architekten

Brida Moser

Projektbeschreibung:

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GESTALTUNGSKONZEPT: Das primäre Anliegen dieses Gestaltungskonzepts ist es, im Dorfzentrum von Niedervintl klare Bereiche zu definieren, um die Entwicklung einer attraktiven Ortsmitte für die gesamte Gemeinde zu ermöglichen.

Schaffung einer Uferpromenade mit Verweil- und Ruhezonen Verlegung der Marktstände auf den Dorfplatz Barrierefreie Erschließung sämtlicher Bereiche.

Verlegung der Straßentrasse zur Bachseite hin Verkehrsberuhigung der Wiedenhofeggstraße Aufwertung des Ortskernes durch Schaffung eines neuen Dorfplatzes vor den bestehenden Gebäuden Errichtung eines Brunnens als Kunstobjekt mit hohem Symbolgehalt Errichtung von Ladezonen bzw. Parkraum in zentraler Lage Errichtung einer neuen Bushaltestelle Verlängerung der „Lauben“ zum neuen Dorfplatz hin durch eine gedeckte Passage im Bereich der „Waggerhäuser“ Schaffung eines kleinen Vorplatzes mit Infopoint und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder Einbindung des öffentlichen Grüns zwischen den beiden Brücken als Erlebnisraum

Verkehrs- und Wegekonzept für das Dorfzentrum Die Aufwertung erfolgt durch das Verlegen der Straßentrasse in Richtung Bach und durch die verkehrsberuhigte Straßenführung der Wiedenhofeggstraße mittels elektronisch gesteuerter Senkpoller, die eine Durchfahrt zur J.A. Zoller Strasse bzw. Troyenbachstraße nur mehr für öffentliche Verkehrsmittel, Einsatzfahrzeuge und Berechtigte ermöglichen. Dadurch entsteht eine verkehrsberuhigte Fläche vor den bestehenden Gebäuden. Nach dem Prinzip des „shared space“ wird dabei gänzlich auf Verkehrszeichen, Signalanlagen und Fahrbahnmarkierungen verzichtet. Durch die Verbreiterung der Fußgängerzone entsteht eine Kurzparkzone und Platz für die Bushaltestelle. Im Bereich der „Waggerhäuser“ wird ein neuer Gebäudekomplex mit einer ge-

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deckten Passage als Verlängerung der „Lauben“ vorgeschlagen. Zwischen den beiden Brücken erstrecken sich die Fußwege entlang der Ufer des Pfunderer Baches. Ortskerngestaltung und –nutzung Die gepflasterten, auf Asphaltniveau abgesenkten Querstreifen an den Randbereichen dienen als optisches und akustisches Signal. Das neue Dorfzentrum wird zur Begegnungsund Bewegungsfläche, auf der Fußgänger überall Vortritt haben. Auf Bordsteinkanten wird verzichtet. Eine Bänderung von Leistensteinen dient als Begrenzungslinie zwischen Fahrbahn und Fußgängerbereich. Der Brunnen ist inspiriert von der Leben spendenden Kraft des Pfunderer Baches. Der Bach im Dorf ist zweifelsohne eine Bereicherung für

das Ortsbild. Ein Spazierweg wurde zwischen den beiden Brücken vorgesehen. Arena-artig angeordnete Sitzstufen aus Natursteinblöcken laden zum Sitzen und Verweilen am Bachbett ein.

Fachurteil der Jury:

Das Projekt setzt sich intensiv mit Funktionsabläufen auseinander, bleibt aber in formaler Beliebigkeit stecken. Dazu scheint die Gestaltung beschleunigende Wirkung auf den Verkehr zu haben, in Bezug auf die Gegebenheiten von Vintl ist sie zu urban, eine Sperre der Wiedenhofeggstraße nicht realistisch.

Brida Moser Architekten Weisslahnstrasse nr. 9, 39042 Brixen Tel. 0472 970000 | info@bridamoser.it

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PROJEKT ____ Architekt

Geschnitzer Hermann

Projektbeschreibung: GESTALTUNGSKONZEPT:

VERKEHRS- UND WEGEKONZEPT:

Vor der Raiffeisenkasse entstehen Naherholungsbereich und Parkplatz. Die bestehende Böschung zum Pfunderer-Bach bleibt zum Großteil erhalten. Nur im Bereich des kleinen befestigten Platzes mit den Bänken werden die Birken entfernt, eine optische Verbindung Richtung Dorfzentrum entsteht. Auf der Dorfseite entsteht eine „Promenade“ entlang des Pfunderer-Baches. Das Ufer an der orografisch linken Bachseite wird aufgefüllt, die Flussmauer erhöht – dadurch verbreitert sich der schmale Streifen, die Fußgänger klommen näher an den Fluss. Die Promenade mündet beim Gasthof Stampfl in einen breiteren Bereich.

Um die Verkehrssituation im Dorfzentrum zu verbessern, sollen gefährliche Punkte entschärft und das Dorfzentrum verkehrsberuhigt werden

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Wettbewerb Dorfplatzgestaltung Vintl

Die Pfunderer-Straße ist zu verschmälern Geschwindigkeitsbegrenzung: 30 km/h! An den Einfahrten zum Dorfzentrum werden auf den Straßen leichte Rampen errichtet. Innerhalb der Rampen sind Straßen, Gehsteige und Plätze ebenbündig Die Positionierung der Brücken bleibt. Sie werden saniert, die Autobrücke verbreitert. Die derzeitigen Parkplätze im Dorfzentrum werden zu Kurzparkzonen. Vor den Gasthäusern entstehen Bereiche für das Aufstellen von Tischen und Bänken. Die Bushaltestelle wird nach Norden versetzt. Straße und Promenade werden durch höher gesetzte Grünstreifen getrennt.


Fachurteil der Jury:

Das Projekt legt den Platz zum Fluss hin. Die bestehende Platzsituation vor Stampfl und Pflanzer allerdings wird nicht aufgewertet und verkommt zu einem Gehsteig. Auch die Straße erhält keine Aufwertung, die Wirkung des Flusses als Kanal wird verstärkt. Die Raiffeisenkasse bleibt hinter den Bäumen verborgen.

Arch. Gschnitzer Hermann & Geom. Markart Christian Bahnhofstraße 1, Sterzing (BZ) Tel. 0472 764603 | arch.gschnitzer@libero.it

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Gemeinde Vintl_2012


Dorfplatzgestaltung Vintl - der Wettbewerb