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weltweite

blick

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OBDACHLOS ZWISCHEN KULTUREN „WELTOFFEN“ IN LEIPZIG DAS VIRUS UND DIE BUCHBRANCHE PRESSEFREIHEIT VS. ANGST IM ALLTAG 53 / Herbst 2020

branche

Studierendenzeitschrift des Studienganges Buchh- und Medienwirtschaft der HTWK Leipzig

der


Die nächste Ausgabe der Leipziger Lerche erscheint im März 2021. Wer uns bis dahin zu sehr vermisst, findet regelmäßige Beiträge auf unserem Blog und die alten Ausgaben als E-Paper auf der Magazinplattform ISSUU.

www.leipzigerlerche.com


VORWORT

Editorial

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Leipziger Lerche Herbst 2020

Liebe Leserinnen und Leser! In dieser besonderen Zeit plagt uns verstärkt das Fernweh nach unbekannten Kulturen, interessanten Menschen und fernen Ländern. Es ist wichtig für unseren Geist neue Eindrücke zu sammeln, den eigenen Horizont zu erweitern und hin und wieder über den Tellerrand zu schauen. Denn diese Welt ist nicht nur schwarz und weiß – sie strahlt in den unterschiedlichsten Farben. In unserer neuen Ausgabe der Leipziger Lerche dreht sich alles um Weltoffenheit. Wir nehmen euch mit auf eine spannende Reise nach Venedig, über Afrika bis nach Asien. Dabei geht es um Themen wie Massentourismus (Seite 30), Literatur in Entwicklungsländern (Seite 16) sowie Pressefreiheit (Seite 22). Außerdem berichten wir über das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse – Kanada. Wir haben aber natürlich auch den einen oder anderen lokalen Artikel, wie zum Beispiel über den Weltoffenen Verein Leipzig (Seite 29) sowie ein ausführliches Interview mit einer ehemaligen Studentin der HTWK, welche zu den ersten Mitgliedern der Leipziger Lerche zählte (Seite 34). Zu guter Letzt gibt es wieder spannende Rezensionen über Bücher, die sich mit atemberaubenden Geschichten von Flüchtigen oder dem Leben im Dschungel beschäftigen (Seite 36). Die Redaktion ist einigen Menschen auch in dieser Ausgabe zu großem Dank verpflichtet. Darunter sind unser Covermodel Alex, Tram, die uns mit ihrer kreativen Illustration bereichert hat, ebenso alle Interviewpartner*innen die uns ihre Stimmen geliehen haben und die Papierfabrik Schleipen, die uns seit Jahren mit ihrer Papierspende unterstützt. Viel Spaß beim Lesen wünschen Eure Leipziger Lerchen


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Inhalt

INHALTSVERZEICHNIS EDITORIAL .......................................................

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LEIPZIGER STIMMEN ...............................................

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BUCHMARKTFORSCHUNG KANADA – VIELFALT ALS STÄRKE ....................................

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BRANCHE BUCHMESSEN AUF DER GANZEN WELT ................................. SIGHTSEEING FÜR BUCHLIEBHABER*INNEN ............................. DAS VIRUS UND DIE BUCHBRANCHE ................................... KA|NON, DER (SUBSTANTIV, MASKULIN) .............................. LOST IN TRANSLATION.............................................. LITERATUR IN DEN ENTWICKLUNGSLÄNDERN ............................ MANGA – MIT BILDERN ERZÄHLEN .................................... ICH SCHREIB DANN MAL EIN BUCH ................................... DAS GOETHE INSTITUT ............................................. PRESSEFREIHEIT VS. ANGST IM ALLTAG ..............................

10 11 12 14 15 16 18 19 20 22

SPEZIAL ZWISCHEN KULTUREN ............................................... OBDACHLOS ....................................................... MÖGLICHKEITEN DES UMWELTBEWUSSTEN REISENS ....................... „WELTOFFEN“ IN LEIPZIG .......................................... SELFIES UND ZERSTÖRUNG .......................................... LOGBUCH „EXIT RACISM“ ...........................................

25 26 28 29 30 32

LOKALES WAS MACHT EIGENTLICH...? ........................................ 34 HTWK – NEWS ..................................................... 35 BUCHEMPFEHLUNG DIE KARTE DER ZERBROCHENEN TRÄUME ............................... DSCHUNGELKIND ................................................... DER GROSSE TRIP ................................................. „ICH BIN DANN MAL WEG“...........................................

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Besucht uns auf unserem Blog leipzigerlerche.com! Jeden Donnerstag erscheinen hier Blogeinträge zu spannenden Themen rund ums Buch, lustige Anekdoten und Artikel zu aktuellen Trends.

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66 leipziger Leipziger stimmen Stimmen

TABU INTERVIEWREIHE

Was bedeutet die Welt für dich?

Naomi (21), Studentin der Wirtschaftswissenschaften Sich mit der Frage auseinanderzusetzen war schon ein eigenes Projekt, weil ich aus ganz verschiedenen Richtungen darauf geschaut habe. Auf einer Seite könnte man die Frage interpretieren mit den Dingen, die einem wichtig sind. Eigentlich gibt es nur ganz wenige Sachen in meinem Leben, die mir die Welt bedeuten und die für mich wichtig sind, auch lebensnotwendig und dass es ganz viel Schnickschnack drum herum gibt, der für mich auch wichtig ist und nach dem ich mich vielleicht sehne, wenn es den nicht gibt. Man könnte es aber auch so betrachten, dass man sich mit der Frage beschäftigt: „Was bedeutet mir die Welt im Gesamten?“ In meinem Leben ist die Welt nur so relevant, wie ich sie lebe. Davon, was ich erlebe in dem Moment und alle Erfahrungen, die ich bis dahin gemacht habe, haben zu diesem gesamten Bild geführt. Es gibt meines Erachtens nach so viele Dinge, die ich nicht kenne, von denen ich noch nichts gehört habe und die ich nicht verstehe und trotzdem ist das nur ein Teil meiner ganz persönlichen Perspektive. Vielleicht ist es so, dass es eigentlich nichts über den Moment hinaus gibt in dem ich das reflektiere oder in dem ich über diese Frage denke. So wie Descartes gesagt hat: „Ich denke, also bin ich.“ Das ist so ein Standardspruch, aber es ist wahr. Was bin ich, ohne Bewusstsein? Die Welt ist das, was ich, oder so wie ich sie verstehe, weil letzten Endes kann ich mir nur sicher sein, dass meine Perspektive die ist, die ich kenne und das was ich sehe, das von der Welt ist, was ich in dem Moment wahrnehme und glaube. Katja (47), Diplomdesignerin und Berufsschullehrerin Ich finde, „Was bedeutet die Welt für mich?“ ist irgendwie nicht dasselbe wie was die Erde für mich bedeutet. Mein Vater sagt immer: „Das ist genau meine Welt.“, wenn etwas toll ist oder wenn ihm etwas besonders gut schmeckt. Ich habe mir also gedacht, dass meine Welt eher so etwas ist, wo es für mich ganz schön ist. Es ist also eher ein ganz kleiner Teil von der eigentlichen Welt, so ein ganz begrenzter Teil, wo alles in Ordnung ist, wo man sich richtig wohl fühlt und richtig verwöhnt wird. Also meine Welt in dem Sinne ist meine Familie auf der emotionalen Seite und dann Schreibwarenläden in Japan zum Beispiel, die sind meine Welt. Da kann ich mich richtig lange drinnen aufhalten. Und dann gibt es ja auch noch so etwas wie Geschmackswelten, das finde ich großartig. Also wenn man schön essen geht, sich rundum wohlfühlt und sich denkt: „Das ist genau meine Welt, das ist genau mein Stil, hier werde ich komplett von der Welt verwöhnt.“ Anika (32), Bibliothekarin in der Hochschulbibliothek der HTWK Leipzig Für mich umfasst die Welt eigentlich alles um mich herum und ich bin immer sehr bedacht, ihr möglichst wenig zu schaden. Ich bin sehr froh, dass ich mit meinem Beruf Leuten helfen kann und nicht das hundertste unnötige Produkt produziere. In der Bibliothek bin ich unter anderem für Schulungen zuständig, beispielsweise für das Literaturverwaltungsprogramm Citavi oder allgemein zu Recherche und wissenschaftlichem Arbeiten. Mit meiner Tätigkeit kann ich den Studenten helfen, gut durchs Studium zu kommen und ich bekomme da ziemlich viel Dankbarkeit zurück und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu machen. Ich denke auch, dass ich sagen kann, dass mein Lebensstil relativ umweltfreundlich ist. Ich lebe vegetarisch und habe meinen eigenen Schrebergarten, den ich sehr insektenfreundlich gestaltet habe. Ich habe dabei großen Wert auf Pflanzen gelegt, die gut für Bienen und andere Insekten sind. Dort ist auch ein kleiner Gartenteich – mein eigenes Biotop – in dem Molche und Kröten wohnen. Mir ist bewusst, dass ich ein Teil von dieser Welt bin und ich möchte versuchen, meinen kleinen Teil so mitzugestalten, dass sie so wie sie ist, erhalten bleibt und ich dabei meinen Platz finde, an dem ich mich wohlfühlen kann.

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Die Interviews führte Stefanie Kaiser

Marlene (27), Studentin der Ethnologie Das ist eine große Frage, aber sie passt momentan wirklich perfekt in mein Leben. Übersetzt bedeutet sie für mich auch „Was bedeutet das Leben für dich?“ und „Was ist dir wichtig?“. Seit den letzten Jahren und besonders in den letzten Wochen und seit der Sommersonnenwende passiert irgendwas in mir, eine Art spirituelle Transformation. Es fühlt sich an, als wenn etwas Altes stirbt und Platz für etwas Neues macht. Es ist extrem unangenehm, aber auch wichtig und ich begrüße es. Ich sehe es so, dass wir alle spirituelle Wesen sind und hier auf dieser Welt irgendwas erleben und im besten Fall wachsen wir und werden mehr. Wir kommen mehr nach Hause, zu uns selbst aber auch kollektiv als Ganzes. Gerade durch Ereignisse wie Corona und die Black Lives Matter Bewegung kommt immer mehr dieser ganze Schmerz hoch, der sich in den letzten tausend Jahren angesammelt hat. Jetzt wird es aufgedeckt und jetzt müssen wir erstmal damit klarkommen, wie schlimm es ist, auch in uns selbst. Für mich bedeutet das Leben eben genau an diesem Punkt aktiv zu werden und etwas Neues reinzubringen: Heilung und Hoffnung, Integrität und neue Werte für die Welt. Dass sie wieder eine gewisse Heiligkeit annimmt. Ich bin wirklich sehr daran interessiert, die Veränderung der Welt mitzuerleben, mit zu kreieren und selbst dazu beizutragen.

Lucas (27), kaufmännischer Angestellter und Musiker Die Welt ist für mich eigentlich ein schöner Ort, eine Art buntes Chaos. Aktuell ist dieses Chaos aber dunkel gefärbt, abgesehen von einigen aufmunternden Lichtblicken. Die Menschheit hat es geschafft, das Konzept „Welt“ herunterzuwirtschaften und durch Gier und Egoismus diese, inklusive ihrer eigenen Spezies, zu ruinieren. Die Welt ist ein – in unserem Planetensystem und in diesem Handlungsstrang – einzigartiger Ort der Vielfalt, welchen wir erhalten sollten. Seid lieb zueinander!

Eli (28), Kaffeeröster bei PURPLE BIKE COFFEE Das ist immer situationsabhängig und kommt sehr auf die Zeit an. Vor fünf Jahren hat die Welt etwas ganz anderes für mich bedeutet und selbst heute Morgen war es ganz anders als jetzt. Heute Morgen wollte ich vor allem ein bisschen mehr Schlaf. Aktuell würde ich sagen, ist mein komplettes weltbedeutendes Handlungskonzept, wenn man es so ausdrücken kann, voll in Nachhaltigkeit getrimmt. Anfang des Jahres hat das angefangen und es affektiert unglaublich viele Bereiche im Leben, wie zwischenmenschliche Beziehungen und die Arbeit, die man macht. Ich habe mich letzte Woche dazu entschieden, bei meinem alten Job zu kündigen. Wenn du mich vor zwei Monaten noch gefragt hättest, hätte ich sicher gesagt, dass das genau das ist, was ich machen will. Genau genommen ist es das eigentlich immer noch, aber ich merke einfach gerade, wie meine alte Arbeitsstelle mir mehr Energie zieht, als ich wiederbekomme. Am Ende des Monats ist dann ein Gehaltszettel da, aber das ist für mein reines Leben an sich absolut nicht nachhaltig genug gedacht. Das geht jetzt im Moment, aber so für die generelle Glücklichkeit, absolut nicht. Dieses Thema hat so viele Facetten, momentan ist es bei mir eben mein eigenes Leben und so ein bisschen das neue Business mit dem Kaffee.

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Buchmarktforschung

KANADA

Vielfalt als Stärke

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Unter dem Motto Singular Plurality – Singulier Pluriel begrüßt Frankfurt Kanada als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2020. Die Literatur Kanadas wird vor allem vom Miteinander verschiedenster Kulturen und Sprachen geprägt. Diese Diversität, auf die Kanada selbst besonders stolz ist, wird das zentrale Element der zweisprachigen Präsentation sein. Sie wird vom Organisationskomitee Canada FBM2020 gemeinsam mit englisch- und französischsprachigen Verleger*innen und Autor*innen auf die Beine gestellt. Kanadas Partnerschaft auf der FBM 2020 bietet eine große Chance, die Reichweite des kanadischen Buchmarktes zu erweitern. Eine Buchbranche lebt auf Die Buchbranche Kanadas befindet sich im Wachstum. Um sicherzustellen, dass Leser*innen auf der ganzen Welt Zugang zum breit aufgestellten Literaturangebot haben, förderte die kanadische Regierung in den letzten Jahrzehnten verstärkt die Entwicklung kanadischer Autor*innen und Verlagshäuser. Dieses Projekt trug Früchte, denn die Anzahl kanadischer Verlage verdreifachte sich in den letzten 25 Jahren auf 1 500 Verleger*innen, die mittlerweile rund 80 Prozent der in Kanada geschriebenen Bücher vertreiben. Durch die finanzielle Unterstützung und Förderung kanadischer Autor*innen und Verleger*innen (unter anderem durch Finanzierungsprogramme wie Canada Book Fund und Canada Council for the Art) gelingt es der Verlagsindustrie jährlich ca. 10 000 Titel kanadischer Autor*innen zu produzieren. Welcome, wherever you may come from Kanada bietet eine beeindruckend vielfältige Landschaft, angefangen bei Eisbergen am Nordpolarmeer, über reißende Flüsse, staubige Western-Städte und den Rocky Mountains, bis hin zu pulsierenden Großstädten. Der Norden

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des Landes ist überwiegend unbesiedelt. Ein Großteil der Einwohner*innen lebt in den Provinzen Ontario und Québec. Doch nicht weniger vielfältig als die atemberaubende Landschaft sind die Einwohner*innen Kanadas selbst. Als Einwanderungsland bildet Kanada einen Schmelztiegel der Nationen. Hier leben Menschen verschiedener Kulturen und einer Vielzahl unterschiedlicher Sprachen zusammen. Während sich europäische Staaten bislang schwer tun mit den „Fremden“, nimmt Kanada jährlich bis zu 300 000 Einwander*innen aus allen Teilen der Welt auf, darunter Einwanderungsgruppen aus Frankreich, Deutschland und Italien sowie Südostasien. Willkommen ist hier jeder Mensch. Staatsoberhaupt Justin Trudeau setzt sich politisch tiefgreifend für die Gleichberechtigung und Diversität Kanadas ein, weil er selbst darin die größte Stärke des Landes sieht. Damit zeigt Kanada eindrücklich, wie erfolgreicher Multikulturalismus aussehen kann.

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Literaturhighlights Kanadische Autor*innen haben bereits die europäischen Bestsellerlisten im Sturm erobert, doch über bekannte Größen wie Margaret Atwood, Alice Munro oder Michael Ondaatje hinaus, bietet die kanadische Literatur viele weitere Perlen. Esi Edugyan, Tochter ghanaischer Einwanderer, wohnhaft in Victoria, veröffentlichte 2018 ihren Roman „Washington Black“, der sich um den elfjährigen Sklavenjungen Wash Black dreht. Wash arbeitet auf einer Zuckerrohrplantage und soll


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als Leibdiener an den Bruder seines brutalen Besitzers weiterverkauft werden. So trifft er auf den Naturwissenschaftler und Forscher Christopher Wilde, der entgegen seiner Erwartung Gegner der Sklaverei ist. Mit einem selbstgebauten Heißluftballon flieht er zusammen mit dem Jungen von der Plantage und zeigt ihm eine Welt, in der alle Menschen sich ebenbürtig gegenüberstehen können. Der Roman wurde für zahlreiche Preise nominiert und sogar mit dem Giller-Preis ausgezeichnet. Im September 2020 erschien Washington Black auch in Deutschland beim Eichborn Verlag.

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Arif Anwar, geboren in Bangladesch, schrieb in seinem Roman „The Storm“ von Menschen unterschiedlicher Generationen und Teilen der Welt, die aufgrund politischer oder religiöser Konflikte ihr Heimatland verlassen mussten. Er beschreib wie negativ und umfassend die Vergangenheit die Gegenwart formen kann. Arif Anwar zeigt aber auch, wie Menschen einander helfen und füreinander einstehen können und wie man, unabhängig von Verwandtschaft, in der Fremde Familie und Zuhause erfahren kann. Sein Roman erschien 2019 unter dem Titel „Kreise ziehen“ beim Klaus Wagenbach Verlag. Sarina Libramm

bramann_Lerche 53 2020_Bramann_HKS 18 30.06.20 06:12 Seite 1

Die neue Reihe für Medienberufe

BRAMANNBasics U. Huse, Verlagsmarketing ISBN 978-3-934054-53-0 Band 2 B. Menche, Urheber- und Verlagsrecht ISBN 978-3-95903-011-3 Band 3 T. Breyer-Mayländer, K.-W. Bramann Online-Marketing und E-Commerce für Buchverlage ISBN 978-3-934054-54-7 Band 4 C. Norrick-Rühl, Internationaler Buchmarkt ISBN 978-3-95903-006-9 Band 5 O. Schlüter, Das Buch im Kontext der Medienkonvergenz ISBN 978-3-95903-007-6 Band 6 U. Störiko-Blume, Basiswissen Kinder- und Jugendbuchverlage ISBN 978-3-95903-015-1 (ET 2020/21) Band 7 M. Schickerling, Lektorat, Redaktion und Projektmanagement im LeipzigerBuchverlag Lerche 53ISBN | Herbst 2020 978-3-95903-013-7 Band 1

www.bramann.de


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BUCHMESSEN AUF DER GANZEN WELT Diese internationalen Buchmessen sind einen Besuch wert

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Die Leipziger und Frankfurter Buchmessen sind uns allen bekannt und viele haben mindestens eine der beiden Messen in Deutschland schon einmal besucht. Es finden allerdings jedes Jahr auch in vielen anderen Ländern verschiedene Buchmessen statt, von denen man vielleicht selbst noch gar nichts wusste. London Book Fair Die London Book Fair (LBF), die Buchmesse Londons, findet für gewöhnlich jedes Jahr im April statt. Sie ist, wie die Frankfurter Messe auch, ein globaler Marktplatz für den Handel von Rechten und Inhalten in Print, Audio und TV. Nach der Frankfurter Buchmesse ist sie die zweitgrößte Buchmesse der Welt. 1971 fand mit dem von Lionel Leventhals organisierten „The Specialist Publishers‘ Exhibition for Librarians“ die erste Form der Londoner Buchmesse statt. Damals noch mit rund 22 Aussteller*innen wuchs die Veranstaltung rasch an und 2017 präsentierten sich 2 282 Austeller für rund 25 000 Besucher*innen.

gendes kulturelles Ereignis im Iran und ist die größte Ausstellung im Mittleren Osten sowie eine der führenden in ganz Asien. Die Veranstaltung findet seit rund 30 Jahren statt und zieht mittlerweile durchschnittlich 2 500 inländische und 600 ausländische Verleger*innen an, mit einer Besucherzahl von rund 5 Millionen Menschen. 2016 waren über 19 Länder auf der Teheran International Book Fair repräsentiert und bei der letzten Veranstaltung wurden Bücher im Wert von 83 Millionen US-Dollar verkauft. BookExpo America Die BookExpo America (BEA) ist die größte jährliche Buchmesse in den USA. Sie findet jedes Jahr in einer anderen Großstadt im späten Mai oder frühen Juni statt. Die Veranstaltung wird von nationalen und internationalen Verlagen genutzt, um Rechte zu vermarkten und Neuerscheinungen vorzustellen. Sie gilt als international führende Messe für englischsprachige Bücher. Die Gründung erfolgte 1947 als „American Booksellers Association Convention and Trade Show“, erst 1995 erhielt sie den Namen BookExpo America.

Kinderbuchmesse Bologna Livre Paris Die Kinderbuchmesse Bologna, welche schon seit dem Jahr 1963 stattfindet, ist die größte und wichtigste internationale Buchmesse im Bereich Kinderbuch, Bilderbuch und Jugendbuch. Sie ist der führende Branchentreffpunkt für Kinderbuchautor*innen und -illustrator*innen sowie Kinder- und Jugendbuchverlage. Jedes Jahr ist ein anderes Land im Wechsel als Ehrengast auf der Fachmesse vertreten und stellt dort Kinderbücher und Illustrationen aus. Zusätzlich wird seit 1966 jedes Jahr auf der Messe der Bologna Ragazzi Award, ein Kinderliteraturpreis, in verschiedenen Kategorien verliehen.

Die Pariser Buchmesse ist als Publikumsmesse konzipiert und findet jährlich im März auf dem Ausstellungsgelände an der Porte de Versailles statt. Ihre Gründung erfolgte im Jahr 1981 und hat heute mehr als 150 000 Besucher*innen (Stand 2017) mit Verlagen aus rund 30 Ländern, die etwa 3 000 Autor*innen in Lesungen und anderen Veranstaltungen präsentieren. Seit 1989 gibt es Länderschwerpunkte, unter denen verschiedene Autor*innen und Verlage des jeweiliges Landes eingeladen werden, welche dann ihre Werke vorstellen.

Teheran International Book Fair Die Teheran International Book Fair (TIBF) findet jährlich im Frühjahr statt. Sie gilt als herausra-

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Sarah Hennig


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SIGHTSEEING FÜR BUCHLIEBHABER*INNEN Eine Auswahl der schönsten Bücherorte weltweit

Wer Städte besichtigt, besucht vor allem die für diese Stadt typischen Sehenswürdigkeiten: alte Kirchen, große Plätze, berühmte Brücken. Doch wer sagt, dass Buchhandlungen nicht auch dazu gehören können? Im Folgenden wird euch eine kleine Auswahl an Buchhandlungen weltweit vorgestellt, welche durch ihre Schönheiten, Raffinessen und Außergewöhnlichkeiten durchaus als Sehenswürdigkeiten gelten.

was sie dafür tun mussten, war täglich ein Buch zu lesen, ein paar Stunden auszuhelfen und etwas über sich zu schreiben. Bis heute soll Shakespeare and Company schon über 30 000 Gäste aufgenommen haben. Tipp: Am Abend ist die Buchhandlung besonders schön anzusehen, mit ihrer grünen Fassade, dem indirekt beleuchteten Namen und der bunten Lichterkette vor der Tür.

Weitere sehenswerte Bücherorte The Last Bookstore – Los Angeles Book and Bed – Toyko, Japan Fully Bookes – Manila, Philippinen

Livraria Lello – Porto, Portugal Waanders in de Broeren – Zwolle, Niederlande Außen eine große gotische Kirche, innen ein wahrgewordener Traum für Bücherfans: die Buchhandlung Waanders in de Broeren in den Niederlanden. Sie befindet sich in einem denkmalgeschützten Bauwerk, welches im 15. Jahrhundert erbaut wurde. Das Licht, welches durch die großen Fenster an der Südseite fällt, spiegelt sich an der schneeweißen Wand gegenüber und strahlt von dort in jede Ecke, so als wäre die Kirche eine einzige große Lichtquelle. An einer Seite der Kirche ziehen sich Treppen bis in den 3. Stock, von wo das gesamte Wunderwerk mit seinen Ornamenten und Schmuckverzierungen betrachtet werden kann. Im Binnenchor, an der östlichen Seite, befindet sich ein hauseigenes Café, in dem man gemütlich in seinen neuen Errungenschaften stöbern oder einfach das sich bietende Bild auf sich wirken lassen kann.

Die Livraria Lello in Porto ist eine alte Kathedrale, in welcher 1869 eine Buchhandlung eröffnet wurde. Wer die Buchhandlung betritt, dem wird als Erstes die wunderschön geschwungene Wendeltreppe auffallen. Ihre roten Stufen geben dem Besucher das Gefühl in geheime Welten einzutauchen, sobald er sie nach oben steigt. Kein Wunder also, dass J. K. Rolling hier ihre Inspiration für Harry Potters Welt gefunden haben soll.

Times of Paper – Xiamen, China Cafebrería El Péndulo Polanco – Mexiko-Stadt Eslite Taichung – Taichung, Taiwan El Ateneo – Buenos Aires, Argentinien Selexyz Dominicanen – Maastricht, Niederlande Zongshuge Bookstore – Shanghai, China

Shakespeare and Company – Paris, Frankreich

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Die Stadt der Liebe hat nicht nur den Eiffelturm und die Champs-Élysées, sondern auch eine wahre Schatzgrube für englischsprachige Literatur: Shakespeare and Company. Der Buchladen hat eine lange Geschichte, welche im Jahr 1919 begann. Berühmt wurde er vor allem als Hotspot für Schriftsteller wie Ernest Hemingway und T. S. Eliot. 1951 führte der damalige Besitzer die Tradition ein, jungen Schriftsteller*innen einen kostenlosen Übernachtungsplatz zu bieten. Das Einzige

Doch wer gerne in Ruhe stöbert, für den ist dieser Ort nicht geeignet. Die Geschichte um die Erschaffung der Harry Potter Bücher und die Schönheit der Kathedrale haben sie zu einer echten Berühmtheit gemacht. Der Andrang auf die Livraria Lello ist mittlerweile so groß, dass der Inhaber Eintritt verlangen muss, um die Massen in Grenzen zu halten. Dennoch ist ein Besuch der Buchhandlung ein Muss für jeden Buchliebhaber. Selina Günther

Cook & Book – Brüssel, Belgien en 2010 bis 2019

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DAS VIRUS UND DIE BUCHBRANCHE Wie Corona auf die Branche wirkte

COVID-19 – eine Erkrankung, die die Welt Anfang des Jahres 2020 heftig traf. Aufgrund dessen gab es viele Maßnahmen, die unser tägliches Leben auf den Kopf stellten: Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, Schließungen der Läden, Grenzüberwachungen und Reiserestriktionen. Auch auf die Verlagsbranche hatte die Corona-Krise vielfältige Auswirkungen.

schienen und ausgeliefert werden sollten, mussten zeitlich nach hinten verschoben werden. Dem entsprechend ist auch hier mit einer Verzögerung der Titel zu rechnen, die für das folgende Programm geplant waren. Im Verlag Dörling Kindersley wurde die Vorschau komplett digital realisiert. Außerdem strukturierte der Verlag im Zuge der Krise seine Ressourcen neu und konzentrierte sich seitdem auf digitale Inhalte.

Digitalisierung näher denn je

Unterstützung für Verlage

Insgesamt brachen die Umsätze bei Verlagen um ca. 80 Prozent ein. Die Frühlingsprogramme wurden vorfinanziert, doch aufgrund des Shutdowns im Einzelhandel wurden weniger Bücher in den Buchhandlungen verkauft. Auch über Amazon war der Vertrieb nur eingeschränkt möglich. Zu Beginn der Corona-Krise priorisierte Amazon Artikel des täglichen Gebrauchs, wie zum Beispiel Kosmetik oder Toilettenpapier. Bücher wurden mit Verzögerung geliefert, da sie nicht zu der am wichtigsten eingestuften Produktkategorie gehörten. Des Weiteren bestellte der Online-Riese keine Bücher mehr bei den Verlagen, um die Lager freizuhalten. Wenn Kunden ein Buch bestellen wollten, wurde zuerst die EBook Version für den Kindle vorgeschlagen und nicht die Printausgabe. Die Verlage gingen unterschiedlich mit der schwierigen Situation um. Der Suhrkamp Verlag brachte die April-Titel erst einmal nur als EBooks heraus. Hanser Berlin plante einzelne Titel teilweise bis September zu verschieben. Der Umfang der Programme wurde in vielen Verlagen reduziert, dadurch wird in diesem Jahr die Anzahl an Novitäten deutlich geringer ausfallen. In einem Interview mit der ZEIT beschrieb der Verleger Jo Lendle, dass die Verlagsarbeit vorwiegend digital weitergeführt wurde. Besprechungen wurden beispielsweise über Videokonferenzen abgehalten. Da dennoch viele Titel erschienen sind, wolle der Hanser Verlag weitere auf den Herbst verschieben. Beim Piper Verlag sah es anders aus. Titel, die im März und April er-

Die Krise bringt jedoch auch viel Unterstützung mit sich. Der Online-Versandhändler Buecher. de stellt unabhängigen kleinen Verlagen eine Plattform zur Verfügung, um mehr Sichtbarkeit zu erzeugen. Geplant sind Sonderaktionen, Themenseiten und Newsletter. Auch thematisch beschäftigte sich die Buchbranche mit dem Corona-Virus. Ab April erschienen erste Bücher zu dem Thema, wie zum Beispiel „Coronavirus. Alles was Sie wissen müssen“ oder „Quarantäne! Eine Gebrauchsanweisung“.

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Wie gingen Buchhandlungen mit dieser schwierigen Zeit um? Mitte März erfolgte der Shutdown für den Einzelhandel in ganz Deutschland, welcher auch den Buchhandel traf. Laut Media Control brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr im Sortiment um 30 Prozent ein. Ab dem 20. April konnte wieder geöffnet werden. Allerdings unter Berücksichtigung strenger Hygieneregeln.


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Viele stiegen auf Online-Angebote um, damit die Kund*innen trotz der geschlossenen Ladentüren Bücher kaufen konnten. Somit wurden Bestellungen telefonisch oder über den OnlineShop entgegengenommen. Hugendubel reagierte schnell und schickte über 150 Mitarbeiter*innen, die in den Filialen beschäftigt sind, in Kurzarbeit. Es wurde jedoch weiterhin dafür gesorgt, dass die Kund*innen per Online-Versand über den Zwischenbuchhandel und die eigenen Versandstationen an die Bücher ihrer Wahl kamen. Laut Geschäftsführerin Nina Hugendubel entwickelte sich das Online-Geschäft gut, speziell bei Spielen und Büchern. Jedoch sei das nur ein geringer Trost gewesen, da der stationäre Handel die größte Einnahmequelle ausmache. Doch auch zum damaligen Zeitpunkt wurde positiv in die Zukunft geschaut und an Plänen für die Wiedereröffnung gearbeitet. In Deutschland arbeiten rund 27 500 Mitarbeiter*innen in Buchhandlungen. Ein Großteil ist in kleinen Buchläden beschäftigt, welche eigenständige Betriebe sind. Auch hier wurde versucht, hinter den Kulissen weiterzumachen. In der Buchhandlung Breuer & Sohn in Bayreuth wurden die Bestellungen per SMS, EMail und WhatsApp angenommen und per Post verschickt. Viele Buchhändler*innen fanden andere Wege, um mit ihren Kund*innen in Kontakt zu bleiben. In Berlin durften die Buchhandlungen offenbleiben. Eine dieser Buchhandlungen ist Libelle in Friedrichshain, welche vorwiegend Kinderbücher anbietet. Trotz der geöffneten Ladentüren musste sich auch dort an strenge Hygieneauflagen gehalten werden. Nur zwei Kund*innen durften den Laden gleichzeitig betreten und die Spielecke musste gesperrt werden. Laut Geschäftsführerin Stefanie Maerz wollen die Kunden, dass die lokalen Läden überleben und entschieden sich bewusst für den Einkauf in der Buchhandlung.

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Hilfsaktionen für den Buchhandel Die Initiative „Buy Local“ startete eine SocialMedia-Kampagne, um mehr Sichtbarkeit für den stationären Handel zu erzeugen. Die Aktion startete am 26. März. Das Konzept sah vor, dass die Buchhändler*innen an einem bestimmten Tag auf allen Social-Media-Kanälen einen Beitrag posten. „Buy Local“ stellte für Buchhändler*innen Textvorschläge und Bilder als Inspiration zur Verfügung. Auch Thalia Mayersche und Osiander starteten eine Einzelhandelsinitiative. Mit der Plattform shopdaheim.de sollte auf die Händler*innen vor Ort aufmerksam gemacht werden. Die Seite entstand innerhalb einer Woche und umfasst Partner*innen aus Deutschland und Österreich. Da diese Krise alle Beteiligten in der Buchbranche trifft, beschäftigten sich auch die Fachausschüsse des Börsenvereins mit diesem Thema. Die drei Vorsitzenden Nadja Kneissler, Stephan Schierke und Christiane Schulz-Rother gaben eine gemeinsame Erklärung zu der Situation rund um den Corona-Virus ab. Man könne die wirtschaftlichen Auswirkungen nur ausfedern, wenn man „spartenübergreifend und solidarisch“ handelt und alle zusammenhalten.

Tanja Müller

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KA|NON, DER (SUBSTANTIV,MASKULIN) Plädoyer für einen weltoffenen Literaturkanon

Habt ihr euch schon mal gefragt, woher die Redewendung „unter aller Kanone“ kommt? Nun, falls ihr – wie ich – fest davon ausgegangen seid, es hätte etwas mit Piraten oder Wehranlagen auf Burgen zu tun, dann liegt ihr falsch. Die Redensart entspringt der griechischen Bedeutung des Wortes kanón, was so viel bedeutet wie Maßstab oder Leitfaden. Ist etwas also unter aller Kanone, dann ist es so schlecht, dass es dafür nicht einmal mehr einen Beurteilungsmaßstab gibt. Plural: die Kanons, die Kanones © Pixaby

Ein Kanon der Literatur wird beschrieben als eine Liste von Werken und Autor*innen, die als wichtig oder sogar verbindlich gelten. Heutzutage hat er vor allem im Schulunterricht noch eine gehobene Bedeutung, wenn es darum geht, welche Werke für Prüfungen vorausgesetzt werden. Eigentlich ist die Bedeutung des Kanons jedoch deutlich größer. Durch ihn hält eine bestimmte Gruppe Menschen – die Trägergruppe – für sich geltende Normen und Werte fest. Das Ziel dabei ist es, Identität zu stiften, die eigene Trägergruppe gegenüber anderen abzugrenzen. Daher gibt es auch so viele verschiedene Kanons, wie es Trägergruppen gibt. Es gibt nicht DEN einzig wahren Literaturkanon, da die Auswahl der Werke fach-, zeit-, ort- und bildungsabhängig ist. Das erklärt auch das solide Bestehen des Schulkanons, da die Schüler in einem gemeinsamen Bildungssystem als eine sehr homogene Gruppe angesehen werden. Ihnen wird seit jeher eine Literaturliste vorgegeben, mit deren Hilfe sie selbstbewusste und gebildete Deutsche werden sollen. Denn dass im Deutschunterricht auch deutsche Autoren gelesen werden müssen – das ist ja wohl selbstverständlich.

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Goethe, Hesse, Heine, Schiller, Juli Zeh und Shakespeare Dass in der Schule jeder (mehr oder weniger) Faust lesen musste, ist kein Geheimnis und auch verständlich. Schließlich ist Goethe einer der international wohl bekanntesten deutschen Autoren. Die Werke von Autorinnen waren dann schon nicht mehr bei allen Schüler*innen Teil des Lehrplans. Hermann Hesse und Friedrich Dürrenmatt – deutschsprachig und doch eigentlich Schweizer – haben es da im deutschen Schulsystem schon leichter. Und wird tatsächlich mal eine Übersetzung gelesen oder besprochen, dann reicht der Horizont in der Schule leider selten über Shakespeare, Oscar Wilde, Hermann Melville oder F. Scott Fitzgerald hinaus. Wem fällt da ein Muster auf? Genau: englischsprachig, männlich, weiß und tot. Moderne Gesellschaft – moderner Kanon Wer jetzt gegenhält, dass in Amerika oder Großbritannien auch keine deutschen oder türkischen Autor*innen in der Schule behandelt werden, dem muss ich leider recht geben. Aber gehen wir doch mit gutem Beispiel voran, statt durch einen größtenteils deutschsprachigen und westlich ausgerichteten Kanon die kulturelle Vielfalt einzuschränken. Wenn wir unsere Jugendlichen als tolerante und weltoffene Menschen aus der Schule entlassen wollen, dann sollten wir unseren literarischen Horizont auch nach Osten erweitern. Denn zwischen Estland, Südafrika und Japan gibt es mehr zu entdecken als nur Krieg und Frieden und 1001 Nacht.

Pauline Braune


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LOST IN TRANSLATION Übersetzer*innen auf dem Buchmarkt

Unsere Welt ist in den letzten Jahrzehnten immer bunter und aufgeschlossener geworden, Menschen aus verschiedenen Kulturen können sich binnen weniger Sekunden untereinander vernetzen und miteinander kommunizieren. Diese Internationalisierung macht vor keinem Aspekt unseres täglichen Lebens halt – auch nicht vor der Buchbranche. Der internationale Autorenmarkt sowie der Lizenzmarkt gewinnen mehr und mehr an Bedeutung, schließlich bietet es sich an, einen Inhalt mehrfach zu verwerten und Lizenzen in die ganze Welt zu verkaufen. Auch für inländische Verlage birgt der Lizenzeinkauf großes Potenzial, immerhin lässt sich so beobachten, wie sich bestimmte Titel in anderen Ländern verkaufen, was wiederum zu einer Minderung des eigenen wirtschaftlichen Risikos führt. Eine bestimmte Berufsgruppe ist für den internationalen Lizenzmarkt und für kulturelle Vielfalt in der Buchbranche unabdingbar – die Übersetzer*innen. Zwischen Kunst und Wirtschaftlichkeit Übersetzer*innen sind in der Regel freiberuflich tätig und werden pro Seite mit einem Normhonorar bezahlt. Obwohl dieser Beruf enorm wichtig für den internationalen Buchmarkt ist, lässt die aktuelle Situation der Übersetzer*innen zu wünschen übrig. Der Verband der Literaturübersetzer (VdÜ) kritisiert, dass Normhonorare immer weiter sinken – so bekamen Übersetzer*innen 2011 knapp 22 Euro pro Seite, 2018 waren es nur noch 19 Euro. Der VdÜ fordert eine Zulage zusätzlich zum vereinbarten Normhonorar bei besonders hohem Rechercheaufwand sowie bei Übersetzungen aus schweren Sprachen wie Arabisch oder Chinesisch. Nur wenige Übersetzer*innen können ausschließlich von Normhonoraren leben, Altersarmut ist die Regel. 2014 vereinbarte der VdÜ zwar die sogenannten „Gemeinsamen Vergütungsregeln“ mit mehreren Verlagen, die als Richtwert bei

Übersetzerverträgen gelten sollten, jedoch halten sich nur rund sieben Prozent der Verlage an die Mindestvorgaben. Bei Mehrfachverwertung von Inhalten gibt es eine Absatzbeteiligung in Höhe von 0,8 Prozent bei 5 000 verkauften Exemplaren, jedoch verkaufen sich die meisten literarisch anspruchsvollen Bücher nur in sehr kleinen Auflagen. Die Übersetzer*innen gehen hier meist leer aus, obwohl gerade diese Texte eine enorm hohe Übersetzungsleistung erfordern.

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Zu geringe Sichtbarkeit für Übersetzer*innen Doch nicht nur finanziell werden Übersetzer*innen nur unzureichend gewürdigt. Jeder weiß, wer „Der Herr der Ringe“ geschrieben hat, keiner kennt jedoch Wolfgang Krege. Was oft übergangen wird, ist die Tatsache, dass Übersetzer*innen auch eine Art Urheberschaft innehaben, da jede Übersetzung unterschiedlich ist. Zwar gibt es inhaltliche und stilistische Vorgaben durch das Original, nichtsdestotrotz erfordert die Übersetzung eines Manuskripts ein sehr gutes Sprachgefühl sowie Kreativität. Translation ist sowohl ein Handwerk als auch eine Kunst. Darüber denken viele Leser*innen beim Buchkauf nicht nach; sie verstehen nicht, was für eine große Leistung hinter dieser Arbeit steckt. Aus diesem Grund wünschen sich Übersetzer*innen eine Nennung auf der Haupttitelseite, eine Kurzvita im Buch und damit mehr Anerkennung. Nikola Kraa

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Branche

LITERATUR IN DEN ENTWICKLUNGSLÄNDERN? Der Stellenwert von Autor*innen und Verlagen

Der Anteil der Analphabeten (ü. 15, Stand 2018) beträgt 36,6% in Afrika, 31,3% in Asien, 27,7% in den arabischen Staaten und 6,2% in Lateinamerika. Statista

Etwa Zweidrittel der Menschheit leben in den sogenannten Entwicklungsländern. Zu diesen Ländern gehören alle wirtschaftlich wenig entwickelten Staaten Afrikas, Asiens, Süd- und Mittelamerikas sowie der Karibik und Ozeaniens. Laut Weltbildungsbericht sind rund 102 Millionen Jugendliche und 750 Millionen Erwachsene Analphabet*innen, da sie in ihrer Kindheit nicht die Möglichkeit hatten, eine Schule zu besuchen. Auch heute noch leiden viele Kinder unter miserablen Bildungsumständen. In solchen Ländern Literatur zu vermitteln ist also leichter gesagt als getan, wenn ein Großteil der Bevölkerung nicht einmal richtig lesen kann. Die Weltliteratur Mit Weltliteratur ist häufig nur europäische und nordamerikanische Literatur gemeint. Viele Leser*innen trauen sich nicht an die Literatur aus den eben genannten Entwicklungsstaaten heran. Doch das ist eine eingeschränkte Wahrnehmung. Dieser möchte sich das Haus der Kulturen und die Hamburger Stiftung Elementarteilchen annehmen und mit einem internationalen Literaturpreis entgegenwirken. Buchhändlerin Barbara Klefisch aus der Kölner Buchhandlung Bittner sagt in einem Interview mit DW.com: „Die spezifische Form der europäischen und amerikanischen Literatur hat offensichtlich bei vielen Lesern so eine starke Prägung hinterlassen, dass es für die meisten regelrecht Arbeit bedeutet, sich auf andere Literaturen einzulassen“. Übersetzungen aus anderen Ländern sind für Verlage mit viel Arbeit verbunden. Der Peter Hammel Verlag aus Wuppertal war einer der ersten Verlage der Übersetzungen afrikanischer und lateinamerikanischer Autor*innen auf den deutschen Buchmarkt brachte. Je fremder ein Land oder eine Kultur erscheint, desto schwieriger ist es, diese auf dem deutschen Buchmarkt zu vermitteln. Außereuropäische Literatur ist

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somit immer etwas außen vor. Doch die Erfolge einzelner Autor*innen können neugierig machen und somit die Literatur einer ganzen Region fördern, wie bei den lateinamerikanischen Autor*innen Gabriel Garcia Marquez oder Isabel Allende, die auf dem deutschen Markt sehr bekannt sind, hohe Auflagen erzielen und somit die Literatur Lateinamerikas vorantreiben. Schaut man sich beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste Nr. 19/2020 Hardcover Belletristik an, so findet man unter den Top 20 einen einzigen Titel aus einem Entwicklungsland. Auf Platz 14 erschien „Harte Jahre“ von dem peruanischen Autor Mario Vargas Llosa. Das bedeutendste afrikanische Land für Weltliteratur ist Nigeria. Afrikanische Autor*innen sind legitimiert wie niemand sonst, über ihr unglückliches, misshandeltes Herkunftsland zu berichten und sich mit ihrer Kultur, Geschichte, Religion, ihren Mythen und Traditionen auseinanderzusetzen. Jeder große, deutsche Publikumsverlag hat heute mindestens eine/n Autor*in Schwarzafrikas im Programm. Trotz allem kommt die afrikanische Literatur erst mit Verspätung bei uns deutschsprachigen Leser*innen an. Wir Deutschen sollten uns auch dieser Weltliteratur einmal widmen und sie für uns selbst verinnerlichen. Sprache der Kolonialherren Afrikanische Verlage gab es in Afrika lange nicht. Bestenfalls gab es Verlagsniederlassungen in den Hauptstädten der „Mutterländer“, daher auch in Paris. Somit konnte man Staaten der französischen Gemeinschaft besser erreichen. Das afrikanische Verlagshaus Presence Africaine verlegt daher heute noch in Paris. Die ersten eigenen Verlagsniederlassungen und Verlagsprodukte entstanden durch die Einführung der Schulliteratur in Afrika. Für Europa war diese Literatur nicht von Bedeutung, weshalb man Zweigstellen und eigene Verlage in Afrika gründete. Solche Verlagsprodukte waren die Übersetzung der Bibel, Schul- und Liederbücher,


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Gedichte und kleine Erzählungen. Doch das Verlagswesen steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Die Gründe dafür sind zum einen, dass der Großteil der gebildeten Bevölkerung Schwarzafrikas in den Einflussbereich der ehemaligen Kolonialsprachen Englisch und Französisch gehört. Zwischen diesen Sprachräumen herrscht jedoch keinerlei Beziehung, somit werden auch kaum Übersetzungen von der einen in die andere Sprache durchgeführt. Versuche Suaheli als eigene Sprache in Schwarzafrika zu propagieren sind bisher leider gescheitert. „Afrikanische Literatur, verfasst in der Sprache der Kolonialherren, ist keine afrikanische, sondern afroeuropäische Literatur“. […] „Nichts wird der Kultur eines Landes gefährlicher als der Verlust ihrer Sprache“, sagt Ngugi wa Thiong’o, afrikanischer Schriftsteller. „Afrika-Literatur“ Den meisten afrikanischen Staaten mangelt es an Kapital, um preiswerte Bücher machen zu lassen. Hierzulande wird der Literatur aus dem afrikanischen Kontinent kaum Beachtung geschenkt. Sie wird vereinfacht als „Afrika-Literatur“ bezeichnet. Die Romane werden in Englisch geschrieben, weshalb sie vor allem in anglophonen Sprachräumen ein Publikum finden. Der Blick auf Afrika ist zu unscharf und zu global. Afrika ist reichhaltiger, offener und beweglicher als man denkt. Dennoch wird es als verdüstert, katastrophisiert und kolonial angesehen und das zieht sich auch durch die Literatur. Die afrikanischen Autor*innen haben die Aufgaben Identität zu definieren, entkolonialisierte und globalisierte Werte zu vermitteln, sich von der alten Welt zu verabschieden und als Immigranten in der neuen, globalen Welt anzukommen. Die Literatur der Entwicklungsländer steht also noch ganz am Anfang. Durch einen weltweit offeneren Blick können wir dieser Literatur einen Zugang verschaffen. Wir sollten uns also nicht davor sträuben über

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den Tellerrand zu blicken, uns neue Literatur anzueignen und neue Kulturen zu begreifen. Eileen Abe

Dass auch in den Entwicklungsländern hervorragende Autor*innen leben und schreiben, beginnt sich hierzulande erst langsam herumzusprechen. In dieser Liste sollen sie mit ihren Büchern zu Wort kommen. Herr der Krähen – Ngugi wa Thiong‘o – Fischer Taschenbuch

©fischerverlag.de

Blauer Hibiskus – Chimamanda Adichie – Luchterhand Literaturverlag Die Kairo-Trilogie – Nagib Machfus – Unionsverlag Das Gleichgewicht der Welt – Rohinton Mistry – Fischer Taschenbuch

Geschwister des Wassers – Andrea del Fuego – Hanser Der Tod ist ein mühseliges Geschäft – Khaled Khalifa – Rowohlt Doruntinas Heimkehr – Ismail Kadare – dtv Die Erleuchteten – Miguel Syjuco – Klett-Cotta Zwischen den Fronten – Evelio Rosero – Berlin Verlag Blauwal der Erinnerung – Tanja Maljartschuk – Kiepenheuer und Witsch Verlag ©hanser-literaturverlage.de

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Spezial

MANGA – MIT BILDERN ERZÄHLEN

Die Tradition hinter dem größten Comicmarkt der Welt

Manga ist das japanische Wort für Comic und bedeutet wörtlich „skurriles Bild“. Während der Begriff in Japan auch für Karrikaturen und Comicstrips benutzt wird, bezieht sich das Wort in Deutschland auf japanische Comics oder Comics, die die klassischen stilistischen Merkmale (Charaktergestaltung, Leserichtung, Erzählweise) dieser aufweisen.

Manga und deren Fans sind nicht mehr aus deutschen Buchhandlungen wegzudenken, werden aber immer noch von einigen Seiten belächelt. Ganz anders in Japan, dem Ursprungsland des Manga, wo die Magazine und Sammelbände ca. 40 Prozent der Druckerzeugnisse ausmachen und von jeder Altersgruppe gelesen werden. Denn die Bildergeschichten haben im Land der aufgehenden Sonne eine lange Tradition. Im 8. Jahrhundert zeichneten buddhistische Mönche Alltagsszenen und religiöse Motive auf Papierrollen und Tempelwände. Mit der Zeit erfreuten sich auch zu Heften gebundene Holzschnitte in der höheren Gesellschaft großer Beliebtheit, hier kamen noch satirische und erotische Inhalte hinzu. Bei diesen Darstellungen handelt es sich um einzelne Bilder ohne sie verbindende Geschichten oder Texte. In der EdoZeit (1608-1868) entwickeln sich die kleinen Bücher mit Holzschnitten, in die nun auch Text integriert wird, zum Massenmedium und werden zunehmend vom aufstrebenden Bürgertum gekauft. Ein Meister der „Ukiyo-e – Bilder der fließenden Welt“ ist Katsushika Hokusai, dem häufig die Erfindung des Wortes Manga zugeschrieben wird. Doch auch seine Werke sind noch keine zusammenhängenden Geschichten. Westlicher Einfluss Gegen Ende des 19. Jahrhunderts öffnete sich Japan zunehmend für die westlichen Staaten. Diese brachten neue Drucktechniken und den europäischen Karikaturstil in Satiremagazinen nach Japan. So erschienen mit der Zeit auch japanische Karikaturmagazine und Comicstrips nach amerikanischem Vorbild in den Zeitungen. Diese schwarz-weiß Zeichnungen waren, trotz der westlichen Einflüsse in der Form, im typisch japanischen Stil gehalten. 1902 veröffentlichte Kitazawa Rakuten den Comicstrip „Tagosakus und Mokubes Besichtigung

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von Tokio“, die Geschichte zweier Landeier, die die Hauptstadt besichtigen, gilt als der erste Manga nach heutigem Verständnis. In den 20er Jahren wurden viele amerikanische Comics veröffentlicht. Da sie sehr beliebt waren, stellten viele Herausgeber eigene Zeichner an, um ebenfalls Comicserien für Kinder zu publizieren. Bald gesellten sich zu den Mangas auch erste Merchandise-Artikel, die auch heute fest zur Fankultur rund um beliebte Serien und Charaktere gehören. Während des Zweiten Weltkrieges blieb auch der Manga als Propagandamittel nicht verschont und so marschierten tapfere Soldaten durch die Bilder. Auf den Krieg folgte die amerikanische Besatzung. Die Amerikaner verstanden schnell das Potenzial des beliebten Unterhaltungsmediums und nutzten dieses zur demokratischen Erziehung der Bevölkerung. Die Manga-Industrie erhielt Papier und Zeichenmaterialien im Gegenzug für die inhaltliche Überwachung durch die Amerikaner und boomte. Der moderne Manga Viele innovative Zeichner traten nach Kriegsende in Erscheinung, doch einer wird bis heute als „Manga no Kami sama – Gott des Manga“ verehrt. Osamu Tezuka war eigentlich Arzt, doch von Disneyfilmen begeistert, begann er selbst Comics zu zeichnen. Zunächst nur kurze klassische Comicstrips, doch später begann er längere Serien zu zeichnen. Durch die Verwendung filmischer Stilmittel in Perspektive und Bildfolge sowie den kindlichen Gesichtszügen mit übergroßen Augen gilt Tezuka als der Vater des modernen Manga. Die Manga der Nachkriegszeit richteten sich an Kinder, doch der Markt erweiterte sich schnell. Zu den bis heute dominanten Genres Shonen für Jungen und Shojo für Mädchen gesellten sich immer mehr Genres und Themen für Erwachsene jeder Altersstufe. Hedwig Walter


Spezial

„ICH SCHREIB DANN MAL EIN BUCH!“

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Schauspieler*innen als die neuen Bestsellerautor*innen

Schauspieler*innen gehören auf die Leinwand? Von wegen! Viele Stars sind wahre Multitalente und veröffentlichen neben der Schauspielkarriere regelrechte Bestseller. Von Fantasyromanen über Kurzgeschichten, bis zu Kinderbüchern ist alles vertreten. Damit animieren sie viele alte und junge Fans zum Lesen. Vier dieser Bestsellerautor*innen wollen wir euch jetzt vorstellen. Tom Hanks Der zweifache Oscar-Gewinner und Schreibmaschinensammler verkörperte in seiner Schauspielkarriere bereits einzigartige und tapfere Charaktere wie Forrest Gump oder den Schiffbrüchigen Chuck Noland. Wenig verwunderlich ist, dass auch die Charaktere – Hobbyastronauten und Schauspielanfänger – seiner 17 Kurzgeschichten diesem Kosmos entstammen. „Schräge Typen – Stories“ heißt der Kurzgeschichtenband, der seit Februar 2018 in Deutschland im Piper Verlag erhältlich ist. Neben Zeitreisen und dem amerikanischen Traum schreibt Tom Hanks auch über sein Lieblingsthema: die Schreibmaschine. Cara Delevingne Neben der Schauspielerei ist Cara Delevingne vor allem ein bekanntes Model, Social-Media Star und – wer hätte das gedacht – Jugendbuchautorin. „Mirror, Mirror: Wen siehst du?“ erzählt die Geschichte von vier Bandmitgliedern, welche mit dem plötzlichen Verschwinden der Bassistin konfrontiert und aus dem Alltag gerissen werden. Bald stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie es scheint. Cara Delevingne schreibt in der Coming-of-Age-Story über Freundschaft, Liebe und die Suche nach dem wahren Ich, verwoben in einen spannenden Kriminalfall.

Ethan Hawke Die Filme „Der Club der toten Dichter“, „Training Day“ und „Before Sunset” machten Ethan Hawke weltberühmt. In Letzterem verkörperte er die Rolle des erfolgreichen Buchautors Jesse. Viele wissen allerdings nicht, dass er neben seiner Schauspielkarriere auch im wahren Leben ein erfolgreicher, sogar dreifacher Buchautor ist. Bereits 1996 erschien sein erster Roman „Hin und weg“, der von der bewegenden Liebesgeschichte eines Schauspielers erzählt. Der Liebesroman „Aschermittwoch“ folgte im Jahr 2002. Dass Ethan Hawke ein Autor mit vielen Facetten ist, bewies er mit der Veröffentlichung seines dritten Buches „Regeln für einen Ritter“ im Jahr 2016. Es erzählt von dem Ritter Sir Thomas Lemuel Hawke, ein angeblicher Vorfahre von Ethan Hawke, der sich die Frage stellt, was im Leben wirklich zählt und seinen Kindern die wahren Werte des Menschen vermitteln möchte.

©pexels

Hilary Duff Hilary Duff startete bereits im Alter von sechs Jahren ihre Karriere als Schauspielerin. Bekannt wurde sie durch ihre Hauptrolle in der Serie „Lizzie McGuire“ und durch zahlreiche Rollen in populären Filmen, wie „A Cinderella Story“ oder „Popstar auf Umwegen“. Ihre Freizeit widmet sie leidenschaftlich gern ihren Kindern, der Musik und ihrer Büchersammlung. Das Lesen inspirierte sie dazu, selbst zur Schreibfeder zu greifen und ihre eigene Fantasy-Buchreihe „Elixir“ zu erschaffen. Die Bücher erzählen die Geschichte einer renommierten Fotojournalistin, die nach dem Verschwinden ihres Vaters mit seltsamen und geheimnisvollen Ereignissen konfrontiert wird. In Deutschland ist die Buchreihe im cbtVerlag erschienen. Lisa Hauschild

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Spezial

DAS GOETHE-INSTITUT

Ein Interview mit Sebastian Huber

© Sebastian Lechner

Mittlerweile gibt es 157 Goethe-Institute in 98 Ländern. Das Ziel? Deutsche Sprache, Kultur und Information rund um den Globus zu vermitteln. Dabei gibt es verschiedene Schwerpunkte wie Film, Theater, Musik und – für uns am interessantesten – Literatur. Wie genau sieht das nun aus? Um einen besseren Einblick in die Tätigkeit des Institutes zu erlangen, haben wir am 18. Mai 2020 über Skype ein Interview mit Sebastian Huber geführt. In welcher Abteilung des Goethe-Institutes sind Sie tätig? Wie ist die Berufsbezeichnung? Ich bin im Bereich für Literatur und Übersetzungsförderung in der Zentrale in München tätig. Eine wirkliche Berufsbezeichnung würde mir jetzt nicht einfallen, aber am ehesten passt wohl Kulturmanager oder Literaturvermittler. Wie sind Sie dazu gekommen am Goethe-Institut zu arbeiten? Ich habe 2017 am Goethe-Institut Lissabon ein Praktikum gemacht. Im August 2018 habe ich ein Volontariat im Literaturbereich begonnen und jetzt arbeite ich hier als Referent. Studiert habe ich Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, auch in München. Was kann man sich unter deutschsprachiger Literaturvermittlung vorstellen? Es gibt viele verschiedene Arten deutsche Literatur zu vermitteln. Konkret in der Zentrale betreiben wir Kulturvermittlung, indem wir sie ermöglichen. Das heißt, wir schaffen zum Beispiel Begegnungen zwischen deutschen Autor*innen, Comickünstler*innen und anderen Mitgliedern der Literaturszene. Wir empfehlen sie verschiedenen Goethe-Instituten im Ausland, von denen sie dann zu Lesungen oder ähnlichen Veranstaltungen eingeladen werden. Jährlich gibt es auch immer größere Ereignisse,

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auf die wir uns vorbereiten müssen. Im Januar gibt es die Beiratssitzung für den Bereich der Literatur und Übersetzungsförderung, sozusagen die interne Beratungssitzung des Goethe-Instituts. Verschiedene Persönlichkeiten aus dem Literaturbetrieb nehmen daran teil. Man könnte es als unsere direkte Verbindung zu der Welt der Literaturschaffenden ansehen. Dann gibt es natürlich noch die Leipziger Buchmesse, an der wir mit einem Fortbildungsseminar teilnehmen und die Frankfurter Buchmesse. Dort sind wir mit fünf bis zehn Veranstaltungen vertreten. Gleichzeitig gibt es auch noch viele weitere Veranstaltungen und Aufgaben, für die die Vernetzung mit der Verlagsszene wichtig ist. Sie ist eine der wichtigsten Grundlagen, damit Kulturvermittlung im Literaturbereich überhaupt stattfinden kann. Mit welchen Ländern stehen Sie in Kontakt? Mit allen 98 Ländern in denen es Goethe-Institute gibt. Jedoch können die einzelnen Institute ihre Schwerpunkte selbst festlegen und so gibt es Institute mit einem Fokus auf zum Beispiel Musik, Film oder eben Literatur. Es hängt auch von anderen Faktoren, wie der Situation im Gastland und dem Genre ab. Klassische Belletristik wird stark in Europa nachgefragt, während in Ländern wie Kasachstan, Sibirien und Russland Poetry-Slam sehr beliebt ist. Wieder andere Länder sind sehr an Comics interessiert. In Subsahara-Afrika laden wir wenige deutsche Autoren ein, sondern konzentrieren uns darauf, afrikanische Autoren vor Ort zu vernetzen. Da geht es dann um Empowerment und darum, ihnen einen Raum – eine Bühne zu geben. Wie hat das Corona-Virus ihre Tätigkeit dieses Jahr beeinflusst? Wir waren sehr lange im Homeoffice, tatsächlich bin ich heute das erste Mal seit acht Wochen in der Zentrale. Es ist natürlich sehr schade, dass die Leipziger Buchmesse abgesagt wurde. Einmal


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wegen der Buchmesse selbst, aber auch weil wir ein Fortbildungsseminar für Kolleg*innen aus dem Ausland geplant hatten. Die Anfragen für unser Übersetzungsförderungsprogramm bei dem wir ausländische Verlage unterstützen, die deutsche Literatur in Übersetzung präsentieren, sind ein wenig zurückgegangen. Insgesamt finden im Ausland weniger Veranstaltungen statt. Unsere laufenden Aufgaben gehen jedoch ganz normal weiter.

des Verlagswesens befassen. Schon erwähnt habe ich ja die Region Subsahara-Afrika, wo wir versuchen, die lokalen Autor*innen, aber auch andere Mitglieder der dortigen Literaturszene, zu vernetzen und die Szene so zu stärken. Allgemein geht es bei den Fortbildungen um Wissensvermittlung.

Haben Sie in den letzten Jahren ein Ziel erreicht, dass Sie mit uns teilen möchten?

Mein Praktikum habe ich ja in Lissabon gemacht. Sonst war ich erst letztens in Barcelona und Madrid. Meine Stelle erfordert es jedoch nicht explizit, dass ich viel reise. Das sieht in anderen Positionen und Bereichen des Goethe-Instituts anders aus.

Ein großes Ziel fällt mir auf Anhieb nicht ein, aber es gibt auf jeden Fall ein paar interessante Ereignisse. Letztes Jahr wurde beispielsweise im Rahmen des „Deutschlandjahrs“ in den USA das Programm „Books First“ ins Leben gerufen. Ich habe bei den sogenannten Comic-Readern mitgearbeitet, diese sollen englischsprachigen Verlagen eine erste Orientierungshilfe auf dem deutschen Markt geben und die Bücher an die Verlage vermitteln. Diese waren sehr erfolgreich und die Lizenzen von sechs der 15 Comics wurden innerhalb eines Jahres gekauft! Ansonsten ist mein Tagesgeschäft eher weniger glamourös. Man organisiert, recherchiert, stellt Listen zusammen und so weiter. Trotzdem gefällt mir meine Arbeit sehr gut, man hat einfach einen Überblick darüber, was an den GoetheInstituten weltweit alles so passiert.

Waren Sie schon bei anderen Goethe-Instituten zu Besuch?

Möchten sie noch auf ein Programm, Workshop oder ähnliches aufmerksam machen? Das Projekt „Zeit zuzuhören“ oder auf Englisch „Time to Listen“, welches eine Initiative des Goethe-Institutes ist, liegt mir sehr am Herzen. Dabei haben wir von Autoren aus der ganzen Welt Videos gesammelt, in denen sie spannende Geschichten erzählen. Zum Beispiel Herta Müller, Ken Follet oder Hallgrímur Helgason haben sich daran beteiligt. Unbedingt reinhören! Das Interview führte Senta Keller

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Das Goethe-Institut bietet sowohl Praktika, Freiwilligendienste als auch Volontariate an! Diese können im In- und Ausland stattfinden. Tätigkeiten variieren vom Unterrichten der Deutschen Sprache, der Mitarbeit in den verschiedenen Arbeitsbereichen bis hin zur Pflege von Bibliotheken und Betreuung ausländischer Besucher. Falls das euer Interesse geweckt hat, könnt ihr auf der Webseite (www.goethe.de) weitere Informationen einholen.

Auf der Webseite des Goethe-Instituts heißt es: „[Das Institut] engagiert sich für die Stärkung lokaler Szenen in Form von Fortbildungen für Verleger*innen und Übersetzer*innen“. Wie sieht diese Fortbildung aus? Auch hier passen wir unsere Arbeit wieder an die Orte an. In Zentralasien bieten wir zum Beispiel verstärkt Verleger-Workshops an, da diese dort stark nachgefragt werden. Wichtig sind auch Workshops, die sich mit dem Marketing

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PRESSEFREIHEIT VS. ANGST IM ALLTAG

Das Leben als Journalist*in im Krisengebiet

Artikel 5 GG: (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. Wo wir uns in Deutschland frei äußern können und Zugang zu einer Diversität von Meinungen, Ansichten und Erfahrungen haben, so leben Journalist*innen in anderen Ländern mit ihrem ständigen Begleiter, der Angst. Angst auf die Straße zu gehen, Angst, getötet zu werden. 180 Länder sind im weltweiten Vergleich nach ihrer Pressefreiheit gelistet. 554 Journalist*innen wurden in den letzten zehn Jahren getötet. Reporter ohne Grenzen 1985 wurde eine Organisation gegründet, welche sich für das Überleben von Berichterstattenden einsetzt und versucht, die Existenz der Meinungsfreiheit in Krisenländern aufrechtzuerhalten. Die Rede ist hierbei von Reporter ohne Grenzen, kurz ROG. Es gilt, einen steten Kampf gegen neuartige Überwachungstechniken und Zensuren zu kämpfen und zu gewinnen, Runde für Runde. Journalist*innen werden dank ROG geschützt, Anwaltskosten so gut es geht übernommen und Equipment wird im besten Fall ersetzt. ROG hat sich entschlossen zu helfen. Ein kleiner Exkurs in die Länder Deutschland, China, Nordkorea und Mexiko soll helfen, ein besseres Verständnis für die „Pressefreiheit“ zu erlangen, welche in vielen Ländern bittere Realität ist. Deutschland Wir sind es gewohnt, offen und legal über unsere und auch andere Eindrücke und Erfahrungen berichten und lesen zu können. Doch auch unser Land steht nicht an erster Stelle, wenn es um die Sicherheit von Berichterstattenden

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geht. ROG sieht Deutschland auf Platz elf von 180. Es besteht das Recht auf freie Meinungsäußerung, dennoch müssen Schranken, wie das Jugendschutzgesetz, dabei beachtet werden. Viele Journalist*innen haben in Deutschland mit Gewaltandrohung und Mobbing im Internet zu kämpfen und stehen auf roten Listen bei rechtsextremen Personen. Auch körperliche Gewalt kann man nicht immer ausschließen, was aktuelle Vorfälle bestätigen. So wurde am ersten Mai das Kamerateam der heuteshow in Berlin, auf einer Hygienedemo, körperlich angegriffen. Dennoch sind gewalttätige Ausschreitungen nicht das tägliche Brot unserer Berichterstattenden und auch die Endkonsument*innen sind in der Regel keiner Gefahr beim Nachrichtenkonsum ausgesetzt. Deswegen sollte man einen Blick hinter die goldene Fassade werfen, um zu erfahren, was andere Menschen durchmachen, wenn wir seelenruhig beim Frühstück das Privileg erfahren durch die App der Tagesschau swipen zu können, um weltweite Nachrichten lesen zu dürfen. China Ein Land voller Gebirgsketten und atemberaubender Natur. Ein Land, welches eine wirtschaftliche Weltmacht darstellt. Urlaub in China fühlt sich an wie ein Kulturschock der Superlative, dennoch belegt dieses Land Rang 177/180, wenn es um die Pressefreiheit geht. Die Medien unterliegen hier einer starken Zensur. Seit 2014 müssen Journalist*innen eine Geheimhaltungsregel unterzeichnen, bevor sie an einen Presseausweis kommen. Nachrichten dürfen demzufolge nicht ins Ausland verbreitet und auf privaten Kanälen veröffentlicht werden. Sollte ein Abgeordneter im Hasenkostüm zur Pressekonferenz kommen, so werden wir das wohl leider nie erfahren. Zu den Tabuthemen in der Nachrichtenverbreitung zählen Menschenrechtsverletzungen und politische Proteste. Für kritische Themen braucht man Sonderbefugnisse, Recherchen außerhalb der Region bleiben verboten. Um die


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Meinungsfreiheit noch weiter einzudämmen, sollen öffentliche Zurschaustellungen und Festnahmen von Journalist*innen dienen, welche die Regeln verletzt haben. Auch ausländische Berichterstattende sind in einem Land wie China nicht immer sicher, das zeigte ein Vorfall im Dezember 2012. Es ging um ein weniger tabuisiertes Thema. Fünf Kinder wurden im Müllcontainer gefunden und diesem Fund wollte der Spiegel auf den Grund gehen. Allerdings wurde das Equipment des deutschen Journalisten von Unbekannten zerstört und der erstmalige Berichterstatter Li Yuanlong wurde in Zwangsurlaub geschickt.

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Nordkorea Knapp 2 100 Kilometer entfernt von China befindet sich das Land Nordkorea, Platz 180/180. Ein Land von dem man den Namen des Machthabers kennt, mehr jedoch nicht. Das hat seinen Grund. Gespräche ins Ausland sind verboten, Telefone an sich sind kaum verbreitet. Möchte man ausländische Medien konsumieren, so erwartet einen die Zwangsarbeit oder Todesstrafe. Im Fernsehen läuft primär Propaganda über den Staatsführer.

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Land liegt hauptsächlich in Korruption und organisiertem Verbrechen. Sämtliche Fernsehsender Mexikos gehören ganzen zwei Medienorganisationen an. Inhaber*innen von Sendelizenzen sitzen im mexikanischen Parlament. Forderungen, wie politikfreundliche Inhalte im Fernsehen sind die Folge. Demzufolge erhalten politikkritische Portale nur einen sehr geringen Anteil des mexikanischen Werbebudgets. Man erkennt Strukturen, welche in Deutschland kaum möglich sind, geprägt von Korruption und Selbstzensur. Maßnahmen Um gegen die Selbstzensur und gegen die politischen Systeme vorzugehen, startet ROG Kampagnen, um den betroffenen Journalist*innen die verdiente Stimme zu geben. Eine dieser Maßnahmen ist an Kreativität schwer zu übertreffen, sie wurde im März 2020 gestartet. Mit dem Hashtag #truthfindsaway wurde die uncensored Libary ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um eine virtuelle Bibliothek im weltweit am häufigsten gespielten Internetspiel Minecraft. Verpackt in Büchern stehen Artikel von Journalist*innen für alle Nutzer*innen frei zur Verfügung, welche unter normalen Umständen zensiert oder gar nicht verfügbar sind. Die einzige Voraussetzung für das Lesen der Artikel ist ein funktionierender Internetzugang. Eine weitere Maßnahme waren die Fonds of Freedom. Schriften verbotener Zeitungen wurden rekonstruiert und für deutsche Presseanbieter*innen frei zur Verfügung gestellt. Ziel dahinter war das Gedenken, damit diese Zeitungen nie vergessen werden. Wir haben die Chance unsere Stimme zu nutzen, andere Länder haben diese nicht. Nutzen wir sie. Sina Trautmann

Mexiko Mit Platz 143/180 zählt auch Mexiko laut ROG zu einem der gefährlichsten Länder für Journalist*innen. Die Problematik in diesem

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© Ngoc Tram Anh Nguyen


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ZWISCHEN KULTUREN HTWK – NEWS

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„Guten Appetit!“ - „Itadakimasu!“

Anfang der 2010er entstand eine Bewegung im Leipziger Osten, bei der sich junge Leute Gedanken über den beträchtlichen Leerstand in ihrem Viertel machten. Genauso auch eine Gruppe japanischer Architekt*innen, Künstler*innen, Städtedesigner*innen und angehenden Japanologen der Universität Leipzig, die sich als Ziel setzten, eine ungenutzte Räumlichkeit in einen Treffpunkt für die Vermittlung japanischer Kultur zu verwandeln. Sie gründeten „Das japanische Haus“ in der Eisenbahnstraße 113b.

allen Ecken der Welt lässt. Bis jetzt kamen Menschen aus über 90 Ländern, die gewissermaßen den Ort kulturell prägten und das Projekt in seiner Philosophie zu dem machten, was es heute is(s)t.

Das japanische Haus Mit der Intention eines kulturellen Austauschs zwischen Japan und Deutschland, gründete 2011 dieser Zusammenschluss von ambitionierten jungen Leuten den gemeinnützigen Verein „Das japanische Haus“. Als Plattform und Raum für kreative, kulturelle und kulinarische Veranstaltungen bietet der Verein außerdem regelmäßig Workshops, Kunstausstellungen und themenbezogene Vorträge an. Seitdem fungiert das Projekt nicht nur als Vermittler japanischer Kultur, sondern entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Treffpunkt verschiedener Weltkulturen. „Küche für Alle“… ...heißt, Essen für alle. Mit diesem gemeinnützigen Konzept offeriert „Das japanische Haus“ jeden Donnerstag- und Samstagabend jedem die Möglichkeit für eine freiwillige Spende eine vollwertige Mahlzeit zu bekommen. Dieses Prinzip der Solidarität fand schon damals in der DDR regen Anklang, wo jeder Zugang zu einer warmen Mahlzeit für einen erschwinglichen Preis hatte. Die sogenannte „Vokü“ (Volksküche) definiert heute: „gemeinsam Kochen und gemeinsam Essen“. Im Japanischen Haus wird ausschließlich veganes Essen angerichtet, welches die gesunde Esskultur Japans repräsentiert, aber auch Spielraum für andere kulinarische Einflüsse aus

© djh-leipzig.de

40 Quadratmeter Kulturkosmos Mit ihrer eigenen Interpretation von Vielfalt und Austausch presst das Projekt seinen ganz individuellen Stempel auf das Viertel des Leipziger Ostens, und zwar nicht nur mit fernöstlichen Köstlichkeiten, sondern auch mit dem interaktiven Prozess der Restaurierung des Objektes. Durch die Initiative junger Künstler und des Vereins an sich, verwandelten sie die verlassene heruntergekommene Ladenzeile der Eisenbahnstraße 113b in einen kleinen Kulturkosmos. Die Kombination aus selbstgebauten Möbeln und gespendeten Requisiten verleiht dem japanischen Haus einen ganz persönlichen Charme und lässt den Besucher immer aufs Neue aufregende Dinge entdecken. Unabhängig von Nationalität, Herkunft, Religion oder anderen gesellschaftlichen Hintergründen trifft man sich an einem lauen Sommerabend auf ein Getränk und lässt sich das gemeinsam Gekochte schmecken.

Ngoc Tram Anh Nguyen

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Spezial

OBDACHLOS

Ein Leben auf den Strassen deutscher Grossstädte

Obdachlosigkeit/ Wohnungslosigkeit Unterschied Die Begriffe Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit werden oft synonym verwendet, haben aber unterschiedliche Bedeutungen: Wohnungslos sind Menschen ohne Mietvertrag. Sie schlafen bei Freunden und Bekannten, in Notunterkünften oder staatlich finanzierten Wohnheimen. Obdachlosigkeit ist ein Teil der Wohnungslosigkeit. Als obdachlos werden Personen bezeichnet, die weder festen Wohnsitz noch Unterkunft haben. Sie übernachten auf der Strasse, also in Parks, Bushaltestellen oder UBahnstationen.

Das soziale Netz in Deutschland ist eng geknüpft. Wer arm ist oder seine Arbeit verliert, dem zahlt das Sozialamt die Miete. Warum also landen trotzdem Menschen auf der Straße? Gründe für Wohnungslosigkeit sind häufig Umbruchsituationen und persönliche Krisen. Dazu gehören insbesondere der Verlust des Arbeitsplatzes, das Ende einer Partnerschaft oder eine abrupte konfliktbehaftete Lösung aus dem Elternhaus oder einer Jugendhilfeeinrichtung. Aber auch psychische Erkrankungen, Migration, Überschuldung können dazu führen, dass ein Mensch in Wohnungsnot gerät. Im Grunde kann es also jede*n treffen, stärker betroffen sind dennoch vor allem diejenigen, die im Voraus schon in Armut leben oder nicht über ein starkes soziales Umfeld durch Familie und Freunde verfügen. Wohnungslosigkeit als gravierendes gesellschaftliches Problem entsteht aber vor allem infolge einer strukturellen Veränderung: Es fehlt zunehmend an bezahlbarem Wohnraum. In den letzten Jahren ist die Zahl der Sozialwohnungen drastisch gesunken, parallel dazu schnellten die Mieten in die Höhe, mit der Folge, dass die verfügbaren Wohnungen für viele Menschen schlichtweg zu teuer sind. Häufig ist dies dann noch mit mangelhaften sozialen Diensten verbunden, die die Menschen in ihren Krisensituationen nicht ausreichend beraten und unterstützen. Zitat: „Offizielle Statistiken zu Obdachlosen in Deutschland gibt es nicht – als ob es den staatlichen Stellen peinlich ist, dass diese Form der Armut überhaupt existiert. Das Statistische Bundesamt erhebt viele Dinge, etwa die Anzahl der Forellenteiche hierzulande oder die Größe der mit Keltertrauben bestockten Rebfläche. Zum Thema Obdachlosigkeit: nichts. Bislang hat die Bundesregierung eine solche Statistik abgelehnt.“  (Malteser Hilfsdienst e. V.)

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Die Zahlen beruhen daher auf der Grundlage von Schätzungen und anderen statistischen Quellen beispielsweise zu Arbeitslosigkeit, Wohnungsbau und zur Mietpreisentwicklung sowie auf Erfahrungsberichten von Hilfeeinrichtungen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) geht davon aus, dass im Jahr 2016 in Deutschland 52 000 Menschen obdachlos waren. Mitsamt der Wohnungslosen wächst die Zahl auf 440 000 an. Zudem hat die BAGW auch anerkannte, aber wohnungslose Flüchtlinge in das Zahlenwerk aufgenommen. Insgesamt geht die Arbeitsgemeinschaft also von 860 000 Menschen in Deutschland aus, die kein eigenes Dach über dem Kopf haben. Die Zahl der wohnungslosen Kinder und Jugendlichen liegt hier bei schätzungsweise acht Prozent. Der Weg zurück Wenn jemand erst einmal auf der Straße lebt, ist die Rückkehr in das alte Leben extrem schwer und die Hilfe, die dafür notwendig wäre, wird teuer. Eine Vielzahl der Obdachlosen gibt außerdem an, dass sie ihr neues soziales Umfeld nicht verlassen wollen und keine eigene Wohnung mehr möchten. Sie kehren freiwillig auf die Straße zurück. „Man muss sich in einer Stadt damit abfinden, dass es Leute gibt, denen man tatsächlich überhaupt nicht helfen kann. […] Wir können ja niemanden einfangen, wegsperren, zwangswaschen. Und dann kommt er satt und sauber wieder raus“, so Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten e. V. Jeder hat das Recht, so zu leben, wie er will – auch auf der Straße. Obdachlos in Zeiten einer Pandemie Eine offizielle Statistik über die Zahl der obdachund wohnungslosen Menschen existiert auch für Leipzig nicht. Trotz positiver Wirtschaftsentwicklung gehören auch hier Obdachlose, Bettler und Straßenkinder mit steigender Tendenz ebenso zum Straßenbild wie Touristen und Be-


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sucher. Im März wurde auch hier eine Ausgangssperre verhängt, um der rasanten Ausbreitung von COVID-19 entgegenzuwirken. Doch wie soll man zuhause bleiben, wenn man kein Zuhause hat? Die meisten Methoden, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, wie soziale Distanzierung und häufiges Händewaschen sind nicht so einfach umsetzbar ohne einen festen Wohnsitz. Die Stadt Leipzig ergriff in kürzester Zeit Maßnahmen. So wurden die Übernachtungseinrichtungen vorrübergehend ganztägig kostenlos geöffnet und eine weitere Notschlafstelle mit 44 Plätzen eingerichtet. Die Tagesaufenthaltsstellen „Insel“ und „Leipziger Oase“ wurden anfangs zwar geschlossen, standen aber nach kurzer Zeit wieder als Rückzugsort für Bedürftige zur Verfügung – allerdings mit begrenzten Plätzen. Neben Essensversorgung, Hygiene- und Schlafmöglichkeiten bieten diese Stellen auch die Auskunft über neue Informationen und Entwicklungen in der Corona-Pandemie. Der Hilfebus zur Notversorgung und die Straßensozialarbeit sind in Leipzig weiterhin im Einsatz. Träger und Vereine berichten über eine hohe Spendenbereitschaft der Einwohner*innen und nachdem bereits eine Vielzahl an Nachbarschaftsinitiativen gegründet wurden, entstanden im Laufe der Corona-Krise auch solidarische Aktionen für Obdachlose, wie die sogenannten Gabenzäune. Die Idee besteht darin, dass an bestimmten Orten im öffentlichen Raum Tüten mit Nahrungsmitteln, Kleidung, Hygieneprodukten usw. für Obdachlose angebracht werden. Trotz der guten Intension wird die Aktion etwas kritisch betrachtet. Anders als bei den von der Tafel gepackten Versorgungspaketen, kann bei den Gaben im öffentlichen Raum eine Ansteckungsgefahr nicht ausgeschlossen werden. Für die, die wirklich helfen oder sich nachhaltig engagieren wollen, gibt es eine Reihe anderer Optionen.

(SLZ) oder der Leipziger Tafel e. V. gibt es die Möglichkeit, Betroffenen direkt zu helfen. Wie in vielen anderen Großstädten, gibt es auch in Leipzig ein „Hilfe zur Selbsthilfe“-Projekt in Form einer sozial engagierten Straßenzeitung. Bereits 1995 entstand das Magazin KIPPE, das professionell, von fest angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, produziert wird. Der Verkauf erfolgt auf der Straße, aber auch in Gaststätten und Bars. „Die VerkäuferInnen sind in sozialer Not, von Wohnungslosigkeit bedroht oder gar wohnungslos – in dieser Hinsicht stehen sie auf der Kippe. Der Verkauf der Zeitung bietet diesen Menschen die Möglichkeit, einer gewinnbringenden Beschäftigung nachzugehen und in Kontakt mit der Gesellschaft zu bleiben.“(KIPPE) Von dem Preis von 2,00 Euro kommt 1,00 Euro den Verkäufer*innen direkt zugute. Bereits seit 25 Jahren besteht das Magazin und fungiert als eine Art Sprachrohr für Obdachlose und sozial Benachteiligte, mit dem Ziel, die Leser*innen für soziale Fragen zu sensibilisieren. Vielleicht also kann man sich beim nächsten Besuch in der Innenstadt kurz Zeit nehmen und nicht direkt kopfschüttelnd oder gar völlig ignorant weiterlaufen, wenn man von Verkäufer*innen einer Straßenzeitschrift angesprochen wird. Lieber einmal mehr mit einem kleinen Beitrag in ein wirklich gutes Projekt investieren.

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©kippe-leipzig.de

Stefanie Kaiser

Auf der Kippe Neben Sach- und Geldspenden an gemeinnützige Vereine wie dem Suchtzentrum Leipzig

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UMWELTBEWUSSTES REISENN

Wie können wir unsere Ferien umweltfreundlicher gestalten?

Die meisten Menschen reisen wahnsinnig gerne, doch da Nachhaltigkeit ein immer wichtigeres Thema in unserer Gesellschaft ist, stellen sich viele die Frage, wie auch beim Reisen darauf geachtet werden kann. Im folgenden Text erwarten dich ein paar Ansätze und Denkanstöße dazu. Was bedeutet nachhaltiger Tourismus?

©unsplash

Es geht dabei darum, dass man im Urlaub, wo man ja eigentlich sorglos sein möchte, trotzdem darauf achtet, dass die Tourismusangebote gegenüber der Natur und den Gastgebern fair bleiben. Der lokalen Bevölkerung sollen wirtschaftliche Chancen eröffnet werden, kulturelle Identitäten berücksichtigt, und die Umwelt nicht geschädigt werden. Tourismus ist mobiler Konsum. Wir leben in einer konsumorientierten Gesellschaft und viele Menschen definieren sich über genau diesen. Bedeutet: Je toller und luxuriöser der Urlaub, desto angesehener fühlen wir uns in der Gesellschaft. Deswegen fängt nachhaltiger Tourismus bei uns selbst an. Wieso eigentlich nicht fliegen? Man muss bereit dazu sein, weniger zu konsumieren. Wenn man an diesem Punkt einmal angelangt ist, kommt die Frage auf: Wie kann man so reisen, dass man einerseits viel erleben kann und auf der anderen Seite möglichst wenig Schaden verursacht? Das Paradies auf Erden wäre natürlich, wenn wir nur noch wandern oder mit dem Fahrrad fahren würden. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass eine solche Bereitschaft des Verzichts bei allen aufkommen wird, da diese umweltfreundliche Art der Fortbewegung für größere Entfernungen ungeeignet und unkomfortabel ist. Deshalb muss erst einmal anders angefangen werden. Schon bei der Anreise können wir beispielsweise darauf achten, einen nicht allzu großen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Fliegen sollte

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aufgrund der starken Produktion von Treibhausgasen möglichst vermieden werden, denn nach aktuellen Studien des BUND e. V. liegt die Klimawirkung des Flugverkehrs bei 4,9 Prozent. Bei einer Strecke von Berlin nach Köln und wieder zurück, liegt der CO2 Ausstoß pro Person beim Fliegen bei 298,0 Kilogramm, beim ICE-Fahren nur bei 27,6 Kilogramm. Für kurze Strecken eignet vor allem das Zugfahren, aber auch Mitfahrgelegenheiten sind eine gute Alternative. Doch wie das Ganze umsetzen? Aber wieso muss es eigentlich immer gleich ans andere Ende der Welt gehen? Es lohnt sich sehr, auch mal die nähere Umgebung oder angrenzende Länder, ganz ohne Flugreise, zu erkunden. Außerdem ist es wichtig, ein Verhältnis zu Ferne und Dauer zu haben. Je weiter man reist, desto mehr Zeit sollte man an diesem Ort verbringen, um die Vielfalt des Unbekannten auch wirklich entdecken zu können. Auch im Urlaub selbst können wir umsichtig handeln, indem wir nachhaltige Hotels oder Ferienwohnungen buchen, welche darauf ausgerichtet sind, erneuerbare Energien zu nutzen. Man könnte auch in den Ferien öffentliche Verkehrsmittel benutzen, wenig Müll produzieren und lokale Anbieter statt Großkonzerne unterstützen. Vielleicht scheint es im ersten Moment ein wenig überwältigend, all die Tipps zu beherzigen. Wenn man jedoch seinen Wunsch nach einem All-inclusive-Urlaub in der Karibik ein wenig in den Hintergrund stellt und sich mit der Frage des „Reisens“ an sich ein wenig mehr auseinandersetzt, entwickelt sich womöglich ganz von selbst in uns das Bedürfnis, unseren Urlaub nachhaltiger zu gestalten. Es heißt also Schritt für Schritt in die richtige Richtung, schließlich geht es dabei ja nicht nur um uns selbst. Lisa Hornung


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„WELTOFFEN IN LEIPZIG“

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Eine*r für alle, alle für eine*n!

Wohin man auch schaut, kann man sehen, dass Deutschland zu einem bunten und vielfältigen Land geworden ist, aber nicht alle sehen dieser Entwicklung positiv entgegen. Auch in Sachsen kommt es immer wieder zu fremdenfeindlichen Übergriffen. Organisationen, wie der WeltOffen Verein in Leipzig, haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem entgegenzuwirken und ein tolerantes Miteinander zu fördern. Der Welt mit all ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten gegenüber offen zu sein, hat dem Verein nicht nur seinen Namen gegeben, sondern stellt auch seine Philosophie dar. Vor zehn Jahren wurde der Verein gegründet und setzt sich seitdem dafür ein, den Reichtum der verschiedenen Kulturen und ihre Verständigung untereinander zu fördern. In der Straße des 17. Juni kommen die Vereinsmitglieder*innen und freiwilligen Helfer*innen, von denen ebenfalls viele einen Migrationshintergrund haben, zusammen, um die Bewohner*innen der Stadt Leipzig ein Stück enger zusammenzubringen. Sie betreiben dabei unterschiedliche Projekte und Workshops, bei denen das Toleranzverständnis der Teilnehmer*innen angeregt wird. Gemeinsam an einem Strang ziehen Eines dieser Projekte trägt den Namen „Grenzgänger“ und beschäftigt sich mit den Themen Migration und Flucht. Es richtet sich dabei an Berufsschüler*innen im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen, die im Laufe ihres Berufslebens häufig in Kontakt zu Migranten*innen und Geflüchteten kommen werden. Die Teilnehmer*innen sollen dabei auf bevorstehende Herausforderungen im Umgang mit verschiedenen Kulturen vorbereitet werden und lernen, empathisch mit schwierigen Situationen umzugehen. Zudem wird auch Aufklärungsunterricht in Schulen durchgeführt. Bei der Aktion „Global

gerecht können wir alle!“ nehmen Schülergruppen oder FSJ/FÖJ-Gruppen an einem interaktiven Stadtrundgang durch Leipzig teil und erleben wie sehr unser alltägliches Leben von der voranschreitenden Globalisierung beeinflusst wird. Die jungen Menschen werden dazu gebracht sich damit zu beschäftigen, wo ihre Alltagsgegenstände herkommen und unter welchen Umständen diese gefertigt wurden.

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Auch Grundschul- und Kindergartenkinder werden spielerisch an verschiedene Kulturen herangeführt. Mit Regionskisten erkunden sie Lebensmittel, Bücher und Spielsachen aus anderen Ländern. Referent*innen aus diesem Land teilen ihre Erfahrungen mit den Kindern. So lernen sie die vielfältigen Gebräuche auf der Welt vorurteilslos kennen und können Fragen stellen. Literatur rund um den Globus – Die interkulturelle Bibliothek Auch für Bücherbegeisterte bietet der Verein ein schönes Projekt an, welches in dieser Form einmalig in Sachsen ist. 2011 wurde die bunte Bibliothek eröffnet, in der Kinder- und Jugendbücher in 47 verschiedenen Sprachen zu finden sind. Regelmäßig finden dort auch Lesungen und Erzählungen statt, die oft mit Livemusik untermalt werden. Wer selbst noch Bücher in anderen Sprachen Zuhause hat, die nicht mehr gelesen werden, kann diese ebenfalls dem Verein spenden. Sollte dein Interesse geweckt worden sein und du möchtest dich ebenfalls dafür einsetzen die Herzen und Köpfe der Menschen für andere Lebensweisen zu öffnen, dann kannst auch du als ehrenamtliche*r Helfer*in oder Vereinsmitglied mitwirken.

Lisa-Maria Monetha

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SELFIES UND ZERSTÖRUNG

Die Folgen von Venedigs Massentourismus

Wer schon einmal durch die Gassen Venedigs gelaufen ist, weiß wie schön diese uralte Stadt ist. Und wer zur Hochsaison dort war auch wie voll. Ein Hotel reiht sich an das nächste, Souvenirshops soweit das Auge reicht und wer einen Kaffee trinken möchte, muss ein kleines Vermögen dafür ausgeben. Kaum eine andere Stadt ist so stark touristisch wie die Lagunenstadt. Und auch wenn man als Reisender kaum einen Gedanken an die Folgen seines Besuches verschwendet – die Stadt leidet seit vielen Jahren unter der Masse ihrer Besucher. Jährlich strömen etwa 30 Millionen Touristen durch die Tore Venedigs, die meisten von ihnen bleiben dabei nicht länger als einen Tag. Denn anstatt sich mit der uralten, spannenden Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner auseinanderzusetzten, wird mehr Wert auf Selfies vor dem Dogenpalast oder eine kurze Gondelfahrt gelegt. Reisen ist heutzutage günstig und einfach, warum sollte man also länger bleiben? Das hat zur Folge, dass die Tagestouristen wenig Geld ausgeben, welches die Stadt dringend brauchen könnte, denn sie hat mit schwerwiegenden ökologischen Problemen zu kämpfen. 30 Millionen Gefahren

len Klimawandel kommt es in Venedig außerdem immer häufiger zu Hochwasser. Das ist nicht nur gefährlich für die Einwohner, sondern sorgt auch für Einsturzgefahr der Häuser. Das salzige, mit Schadstoffen versetzte Wasser frisst sich durch die Mauern und lässt die mit Baumstämmen stabilisierten Fundamente verrotten. Die Schifffahrt trägt zu dieser drastischen Belastung bei. Durch das Ausbaggern von Fahrrinnen für Kreuzfahrtschiffe werden die instabilen Fundamente zusätzlich unterspült. Diese Giganten, welche täglich im Hafen der Lagunenstadt einlaufen, sorgen außerdem für eine immense Luftverschmutzung. Und sie haben natürlich noch mehr Tagestouristen an Bord. Besonders bedauernswert ist, dass die Venezianer aus ihrer Heimat vertrieben werden. Durch den ansteigenden Tourismus mussten viele traditionelle Betriebe den teuren Cafés oder Souvenirshops Platz machen. Das führt zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit unter den Einheimischen, die sich nun immer zahlreicher eine Anstellung auf dem Festland suchen müssen. Außerdem sind die Mieten in der historischen Altstadt rapide angestiegen. Heute leben nur noch etwa 59 000 Menschen im Zentrum Venedigs.

Seit Ende des ersten Weltkrieges verschwand immer mehr Fläche, die einem Flughafen, der Landwirtschaft sowie der Fischzucht Platz machen musste. Kaum ein Drittel der ursprünglichen Fläche der Lagune ist noch erhalten. Ölindustrien am Festland leiten giftiges Abwasser in die Kanäle, wodurch eine massive Wasserverschmutzung entsteht. Die Artenvielfalt in der Lagune schrumpft von Jahr zu Jahr und das liegt nicht nur am Abwasser. Auch die vielen Motorboote, mit denen sich die Venezianer auf den Kanälen fortbewegen, bedrohen Tier- und Pflanzenwelt. Dabei sind gerade die Wasserpflanzen ein unentbehrlicher Bestandteil des biologischen Gleichgewichts. Sie festigen den Untergrund und wirken so Erosionen entgegen. Durch die Umweltbelastungen und den globa-

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Klar ist jedoch, dass diese Menschen und die Stadt selbst auf den Tourismus angewiesen sind. Ein hausgemachtes Problem also, wenn man so will. Doch was passiert, wenn der Besucherstrom plötzlich ein Ende hat? Die Kraft der Natur Kaum ein Land ist so schwer von der CoronaKrise betroffen wie Italien. Das Land hat über 237 500 Infizierte und knapp 34 400 Todesopfer im Zusammenhang mit dem Virus zu verzeichnen (Stand 17.06.2020). Aus diesem Grund herrschen seit fast acht Wochen strenge Ausgangbeschränkungen. Für die Menschen ist das sicherlich eine harte Zeit und erfordert viel Durchhaltevermögen. Doch besonders in Venedig werden auch positive Auswirkungen der Krise deutlich. Viele Menschen posten Fotos von kristallklarem Wasser in den Kanälen, man kann sogar Fische beobachten. Auch Schwäne sind in den Hafen der Lagune zurückgekehrt. Aufgrund der fehlenden Schifffahrt fühlen sie sich nicht länger bedroht. Auch die Luftqualität der Region hat sich seit dem Wegbleiben der vielen Kreuzfahrtschiffe deutlich verbessert. Es ist bemerkenswert wie schnell sich die Natur erholt, wenn wir Menschen uns nur eine Weile zurückziehen. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die CoronaKrise langfristige Verbesserungen für Venedig hervorruft. Denn es gibt auch eine Schattenseite: wie schon erwähnt, ist die Stadt auf den Tourismus angewiesen, welcher einen großen Wirtschaftszweig ausmacht. Bleiben die Besucher über lange Zeit fern, bricht Venedigs Wirtschaft zusammen. Außerdem macht leider auch der Klimawandel keine Pause, welchem zurzeit keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Politiker sind viel zu sehr damit beschäftigt, Maßnahmen gegen das Virus zu ergreifen anstatt sich zum Beispiel um den Erhalt des sauberen Wassers zu kümmern. Dabei könnte Venedigs Zukunft durch einige Änderungen gesichert werden.

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Rettet Venedig! Seit einiger Zeit gibt es Debatten über Touristenabgaben, die über die Transportmittel eingezogen werden sollen. So muss jeder Besucher vor dem Betreten des historischen Zentrums Eintritt zahlen. Die zusätzlichen Mittel aus dem Eintrittsgeld könnten die Venezianer entlasten, etwa bei den Kosten für die Müllabfuhr, dem öffentlichen Verkehr, den Immobiliensteuern oder bei der Renovierung von Häusern. Außerdem würden einige Touristen so vielleicht auch länger in der Stadt verweilen. Eine weitere wichtige Maßnahme wäre Kreuzfahrtschiffen das Anlegen im Hafen seltener zu erlauben oder den Schiffverkehr auf das Festland umzuleiten. So gäbe es weniger Luftverschmutzung und die Zahl der Tagestouristen würde sinken. Um das Hochwasser zu bekämpfen, gibt es seit 2003 ein Projekt mit dem Namen „Modulo Sperimentale Elettromeccanico“, kurz MOSE. Dies ist ein riesiges Sturmflutsperrwerk, das im Falle einer Überschreitung des Normalpegels wie ein Tor zugeht und die Lagune vom Meer abschließt. Auf diese Weise wird der Wasserspiegel in Venedig theoretisch abgeschottet und bleibt unter dem Meeresspiegel der Adria. Doch ob sich dieses Projekt jemals verwirklichen lässt und auch Wirkung zeigt, steht noch in den Sternen. Die Stadt hat bereits etwa fünf Milliarden Euro in MOSE investiert und es kommt immer wieder zu Schwierigkeiten beim Bau. Auch wenn die Epidemie die ganze Welt in Atem hält – die Natur atmet auf. Man sollte die ökologischen Verbesserungen in der Lagunenstadt also nicht gleich als temporär abschreiben, sondern viel mehr anstreben sie zu bewahren. Vielleicht ist die Corona-Krise eine Chance für einen Neuanfang. Und nicht nur die Venezianer sollten sich bemühen ihre wunderschöne Stadt zu schützen. Allegra Wendemuth

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LOGBUCH „EXIT RACISM“

Ein Bericht über meine Reflexionen

©Vivian Koschig

Dieses Logbuch habe ich im Juni 2020 als Reaktion auf die Lektüre „EXIT RACISM – rassismuskritisch denken lernen“ von Tupoka Ogette verfasst. Ich bin mir darüber bewusst, dass ich mich in den Mittelpunkt einer Thematik stelle, die ich selbst nicht erfahre. Dennoch ist es ein Versuch, weiße Leser*innen zu ermutigen, sich ihrer Identität zu stellen und die Aufgabe anzunehmen, Denk- und Verhaltensstrukturen zu reformieren. KAPITEL I INTRO. Im Kindergarten habe ich Bilder gemalt, in denen Körper mit dem Stift „Hautfarbe“, der in einer einzigen Farbnuance vorhanden gewesen ist, ausgefüllt wurden. Mein Spielzeug oder Held*innen in Kinderbüchern hatten meistens die gleiche Haut-, Haar- und Augenfarbe wie ich. Beim gemeinsamen Zeitvertreib mit Altersgenoss*innen habe ich nie Ausgrenzung aufgrund meiner ethnischen Herkunft erfahren, weder von den Kindern noch von deren Eltern. Ich durfte unbeschwert sein, weil ich der Norm entsprach. KAPITEL II LOS GEHT´S. Gegen Rassismus zu sein schwebte bisher als Prämisse über meiner Weltordnung. Jede*r ist gegen rechtswidrige Ideologien, alle anderen sind Nazis, die nichts als kopfschüttelnde Mitmenschen hinterlassen. Nein, ich bin und war kein Nazi. Aber trotzdem fiel mir bis vor wenigen Wochen nicht auf, noch nie von einer PoC unterrichtet worden zu sein. Gerade sehe ich keinerlei Verständnis mehr dafür, meine Grundhaltung als ausreichendes Zeichen der Solidarität anzuerkennen. Gespräche mit Menschen, die sich als PoC verstehen, haben mich nicht nur einmal erschüttert. Aber offenbar nicht genug, um eine kritische Hinterfragung der Ursachen für ihre Erfahrungen anzustreben. Ein Arbeitskollege erzählte mir, er könne nachts nicht gelassen seinen Heimweg antreten, aus

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Angst vor rassistischen Übergriffen. Es falle ihm schwer, soziale Kontakte zu knüpfen, weil ihm zu oft der Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen verwehrt werde, was Spracherfahrung außerhalb des Deutschunterrichtes unmöglich macht. Seine Einladung für einen gemeinsamen Restaurantbesuch, bei dem er mir das Essen seines Heimatlandes näherbringen will, nehme ich an, zum Feierabend vergesse ich aber meine Handynummer zu hinterlassen. Ich bin Teil des Problems, denn es reicht nicht kategorisch gegen Rassismus zu sein.

KAPITEL III WILLKOMMEN IN HAPPYLAND. Frau Ogette beschreibt meinen Bewusstseinszustand als „Happyland“. Ich ertappe mich dabei, erleichtert zu sein, dass es nicht das Versagen meines Individuums ist, dessen Bildungslücke verheerende Folgen hat. KAPITEL IV ABWEHRMECHANISMEN VON HAPPYLAND. In der Literatur wird die Auseinandersetzung mit Rassismus in verschiedene Stadien unterschieden: Happyland, Abwehr, Scham, Schuld, Anerkennung. Mir fällt es schwer, mich einer zuzuordnen, denn ich fühle von allem ein bisschen. Ich bemerke, wie ich eigene Erfahrungen mit Diskriminierung, etwa sexistischer Herkunft, als Referenz zu betrachten beginne, die dazu verhelfen sollen, mich in das Leben eines nichtweißen Menschen hineinversetzten zu können. Es geht bei dieser gesellschaftlichen Aufgabe aber nicht um meine Wohlbefindlichkeiten als weiße Frau. Es geht darum, meine Rolle in den Wirkungsmechanismen von Rassismus nachzuvollziehen. Mich als Teil der Macht zu verstehen, die durch stetiges reproduzieren ihrer Sozialisierung aufrechterhalten bleibt. Warum ist das bisher nicht Teil der Suche nach mir selbst gewesen? Die Suche hatte wenig mit der Hin-


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terfragung von Privilegien zu tun. Es ging mehr darum, diese zu identifizieren und als Mittel zur Bestärkung meiner Zufriedenheit einzusetzen. KAPITEL V DIE GESCHICHTE DES RASSISMUS – ODER: WIE HAPPYLAND ENTSTAND. Nach dem Hören des fünften Kapitels und dem Ansehen des dazugehörigen Zusatzmaterials bin ich berührt. Der Ursprung greift so viel tiefer in die Historie, als dass es ausreichen würde, den Holocaust als Mahnmal zu betrachten. Ich, als Teil des erbenden Kollektivs, verachte. Ein Mittel zur Distanzierung von dem, was im Namen des Landes im 20. Jahrhundert passierte. Distanz, also Entfernung, bedeutet auch vergessen. Vergessen, dass der Nationalsozialismus Ausdruck eines Konzeptes war, das durch Sklaverei und Kolonialisierung hunderte Jahre erwachsen ist. Rassismus darf nicht mehr stattfinden! Die dahinterstehende Gefahr erkenne ich in mir selbst. Ich nehme dessen Auftreten als etwas Externes wahr, der Rand der Gesellschaft, dem Anne Franks Pitty nicht Beleg genug war, welch inakzeptables Gedankengut sie vertreten. Ich bin enttäuscht und suche nach Schuldigen. Die NS-Zeit als ausreichendes Lehrmaterial, um Schüler*innen zu belehren, während Kant, Hegel oder Darwin bedingungslos Unterrichtsgegenstand sein dürfen? Und warum habe ich das System Schule bezweifelt, aber auf inhaltlicher Basis wenig Konfrontierung gesucht? KAPITEL VI RASSISMUS UND WEISSSEIN HEUTE. Konstrukte, die durch Sklaverei und Kolonialisierung über Jahrhunderte implementiert wurden, sind zutiefst verflochten mit den Strukturen, denen wir täglich und überall begegnen. Die Lebensumstände Schwarzer Menschen/ PoC bleiben bemessen an ihrer Vorgeschichte, während ich mich dem Ursprung und der Auseinandersetzung mit dem Fortbestehen meiner Privilegien

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bisher entsagte. Nahezu alle von mir angenommenen Selbstverständlichkeiten lösen sich in Luft auf. Wenn ich vor die Haustür trete, versuche ich mir in jeglichen Situationen bewusst zu werden, ob das was ich tue bedingungslos ist. Was ist an die Bedingung weiß zu sein geknüpft? KAPITEL VII DEUTSCHLAND UND RASSISMUS ALS UNWORT DES JAHRZEHNTS. Menschen, die (wie ich in Kapitel vier) andere Diskriminierungserfahrungen zur Grundlage ihrer Empathie machen oder als Pendant für Gegenüberstellungen nutzen, haben nie selber Rassismus erfahren müssen. Es bleibt uns damit unmöglich nachzuempfinden. Dennoch befinde ich den Vergleich nicht für falsch, denn der Ursprung meines Gerechtigkeitswillens entsteht mitunter auch aus eigenen Ohnmachtsgefühlen. Ich verstehe ihn als Teil meiner Reflexion. KAPITEL VIII & IX STORY TIME. EIN PERSPEKTIVWECHSEL. & RAUS AUS HAPPYLAND – UND JETZT? Der Dialog mit Schwarzen-/ PoC-Communities ist essenziell, dennoch entfalten reaktionär, moralische Thematisierungen zumeist keine anti-rassistischen Auseinandersetzung mit der Komplexität und der eigenen Anteilhabe daran. Ich verstehe mich als Bestandteil eines unreifen Systems. Erziehung, die routinierte Annahmen in meinem Selbstverständnis etabliert hat, als eine Momentaufnahme zu kategorisieren, die es in einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive zu reflektieren gilt. Es ist nahezu unmöglich ein strukturell rassistisches System kurzfristig zu dekonstruieren. Dennoch ist dessen Halbwertszeit maßgeblich bemessen daran, ob wir uns mit eigenem (Fehl-)Verhalten konfrontieren und damit den Reproduktionszyklus unserer Sozialisierung unterbrechen. Vivien Koschig

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WAS MACHT EIGENTLICH...?

STEFANIE BRANDT

Account Director bei Peter und der Wolf Communications GmbH und Licensing-Expertin jekte betreut, mich wie damals häufig neu hineindenken müssen, habe unterschiedliche „Gewerke“ koordiniert und Budgets und Timings geplant. Und auch ein paar weitere Texte habe ich publiziert. Nach dem Studium zog es Sie nicht in den klassischen Verlag. Welche beruflichen Etappen haben Sie danach am meisten geprägt?

Liebe Frau Brandt, Ihr Diplom machten Sie im Jahr 2000. Was ist Ihnen aus der Studienzeit am nachhaltigsten im Gedächtnis geblieben? Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Zeit in Leipzig. An erster Stelle steht dabei das damals entstandene Netzwerk mit den Kommilitonen, das auch heute – 20 Jahre danach – noch immer funktioniert. Außerdem hatte ich das Glück, als Wessi kurz nach der Wende nach Leipzig zu gehen. Unsere Fakultät war damals in einem Gebäude im Osten der Stadt untergebracht, das noch den unverfälschten „Charme“ der DDR hatte. Es war gesellschaftlich und kulturell eine spannende Zeit. Als einer der ersten Jahrgänge haben Sie an der Leipziger Lerche mitgewirkt. Was haben Sie daraus mitgenommen? Bei der Leipziger Lerche habe ich erstmals für ein Projekt Verantwortung übernommen. Ich war für die Koordination der Produktion zuständig: einen Sponsor für das Papier finden, Termine für Layout und Druck abstimmen und dafür sorgen, dass die Lerche am Ende fertig geduckt in der richtigen Auflage pünktlich auf den beiden Buchmessen ankam. Und ich habe meinen ersten Text geschrieben, der veröffentlicht wurde. Seitdem habe ich viele unterschiedliche Pro-

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Mein erster Job nach dem Studium war in einer Lizenzagentur in München. Dort hatte ich die Möglichkeit, mein Verlagswissen mit den Medien Kino und TV zu verknüpfen, denn ich habe Lizenzrechte vor allem an Verlage für Bücher, Zeitschriften und Kalender aber auch an Lizenznehmer anderer Branchen vertrieben. Das war mein Start ins Licensing, das immer noch zentraler Teil meines Berufslebens ist. Später wechselte ich zu einer internationalen Agentur, die u.a. für McDonald’s Spielzeuge entwickelt. Ich war für den Einkauf von Lizenzthemen zuständig und hatte plötzlich mit den ganz Großen der internationalen Unterhaltungs- und Spielwarenindustrie zu tun. Seit dieser Zeit verfüge ich über ein großes internationales Netzwerk, das immer noch Grundlage meiner Arbeit ist. 2008 habe ich dann meine eigene auf Licensing, Markenführung, Kommunikation und Projektmanagement spezialisierte kleine Agentur BRANDTSATZ gegründet, die heute noch nebenberuflich existiert. Ich hatte mit vielen auch internationalen Kunden zu tun, für die ich Vermarktungskonzepte entwickelt und Projekte gesteuert habe. Ende 2019 bin ich zurück in eine Anstellung bei der Münchner Kommunikationsagentur Peter und der Wolf gewechselt. Hier leite ich den Kundenkontakt. Inhaltlich ist es eine Fortführung meiner Selbständigkeit, weil sich auch hier Markenführung, Kommunikation und Projektmanagement miteinander verbinden. Für viele unserer Kunden, für die wir Kommunikationskampagnen entwickeln, steht das Thema


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Nachhaltigkeit im Fokus. Neben dem Licensing waren Verlagsprodukte immer mein roter Faden: Ich habe unzählige Projekte mit oder für Verlage begleitet, selbst zwei Fachbücher und einige Artikel über Licensing geschrieben und ein Reisebuch als Ghostwriterin verfasst. Im Herbst 2020 erscheint wieder ein von mir entwickeltes Kinderbuch. Nach Jahren der Selbständigkeit sind Sie wieder Angestellte. Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag verändert? Konzepte für Marken (und Lizenzthemen) zu entwickeln und umzusetzen sind meine Kernkompetenzen. Beides ist auch weiterhin Kern meiner Arbeit. Aber ich bin froh, dass ich heute geregelte Arbeitszeiten habe. Das ist wohl der größte Unterschied. Als Selbständige war ich oft die „Feuerwehr“ meiner Kunden, habe übers Wochenende oder nachts eilige Konzepte „zusammengeschraubt“ und Projekt finalisiert. Auch in der neuen Agentur betreue ich namhafte Kunden, für die ich gemeinsam mit einem tollen Team maßgeschneiderte Kampagnen kreiere. Dass es dabei oft um Nachhaltigkeit geht, reizt mich beruflich und interessiert mich privat. Was würden Sie jungen Studierenden als Tipp für den Berufseinstieg mit auf den Weg geben? Bleiben Sie neugierig und lernen Sie weiter! Das Studium ist nur ein erster Meilenstein im (Berufs-) Leben. Das Lernen hört nie auf – auch weil sich die Welt ständig verändert. Man muss nicht jeden Trend mitmachen. Aber ich rate dazu, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Lernen Sie Sprachen, reisen Sie, testen Sie Neues, schnuppern Sie in andere Branchen, machen Sie sich schlau über neue Technologien und Entwicklungen. Überall können Inspirationen für die berufliche und private Weiterentwicklung sein. Das Interview führte Pauline Braune

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Buchempfehlung

„Die Karte der zerrbrochenen Träume“ von Jennifer Zeynab Joukhadar

Heyne Encore Hardcover, 448 Seiten 22,00 € ISBN: 978-3-453-27151-7 Cover: © randomhouse

„Geschichten lindern den Schmerz des Lebens, nicht den des Sterbens.“ In dem Roman Die Karte der zerbrochenen Träume von Jennifer Zeynab Joukhadar geht es um Nour, ein 12-jähriges syrisches Mädchen, die nach einem Bombenanschlag auf Homs mit ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg fliehen muss. Man blickt durch die Augen dieses Mädchens in das Kriegsgeschehen, in Hoffnung und Menschlichkeit aber auch in Schmerz und Tod. Parallel wird die Fabel von Rawiya erzählt, ein ebenfalls junges Mädchen die 800 Jahre zuvor, ähnlich wie Nour, eine gefährliche Reise antritt. Nour schöpft Kraft aus dieser Fabel, die viele Parallelen zu ihrem Weg aufweist. Seit über sieben Jahren wütet der Bürgerkrieg in Syrien. Die Flüchtlinge erfahren Schreckliches bei dem Versuch in Sicherheit zu gelangen. Dieser Roman ist eine Hommage an die arabische Gesellschaft. Die Autorin richtet sich am Ende ihres Buches gezielt mit ihren Worten an die Leser*innen: „Ich hoffe sehr, dass dieses Buch ein erster Schritt auf dem Weg zu mehr Empathie ist und es das Bedürfnis nach Information weckt und meine Leser dazu anregt, weitere Bücher zum Thema zu lesen, vor allem solche aus der Perspektive syrischer Autoren.“ Dieses Buch geht unter die Haut und bringt ein Gefühlschaos hervor, dass man sich eigentlich gar nicht ausmalen will und kann. Es ist nicht nur eine Geschichte, sondern die erschreckende Wahrheit.

Eileen Abe

DSCHUNGELKIND von Sabine Kügler

dtv Taschenbuch, 128 Seiten 8,95 € ISBN: 978-342-340-996-4 Cover: © dtv Verlag

Sabine wächst inmitten überwältigender Natur und ohne Einflüsse der westlichen Welt im Dschungel von Papua-Neuguinea auf. Klaus Kügler, ihr Vater und Linguist, möchte die Sprache und Kultur eines längst vergessenen, mittelalterlichen Stammes erforschen. So kommt es, dass die Familie ihr neues Zuhause beim Stamm der Fayu findet. Ein Stamm, in dem Brutalitäten wie Blutrache, Kannibalismus und ein andauernder Krieg noch immer das Leben der Einwohner bestimmen und der nicht an einen natürlichen Tod glaubt. Nach anfänglichen Hürden gelingt es Sabine Freunde zu finden. Nach einem schweren Schicksalsschlag entscheidet Sabine sich im Alter von siebzehn Jahren in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Sie passt sich an, doch sie merkt schnell, dass ihre Zeit als Dschungelkind sie geprägt hat. So beginnt in ihrem Inneren ein Kampf zweier Kulturen. Nach Erscheinen wurde die Erzählung kritisch aufgefasst, da viele Meinungen sich über die Hintergründe und Motive Sabine Küglers uneinig waren und den Wahrheitsgehalt ihrer Ausführungen streng hinterfragten. Doch egal ob nun als Fiktion oder Autobiografie, dieses Buch ist es in jedem Fall wert gelesen zu werden. Eine fesselnde Geschichte, die die Gefühle und Grenzen des Lesers auf die Probe stellt. Sie zeigt, wie Kulturen aufeinander einwirken und voneinander lernen können. Der Leser bekommt ein ungeschöntes Bild von Sabines Zeit bei den Fayu und beginnt zu verstehen, dass kulturelle Identität mehr ist, als nur der Ort, an dem man lebt. Sarina Libramm

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DER GROSSE TRIP

Buchempfehlung

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von Cheryl Strayed

Wandern ist nicht nur einen Fuß vor den anderen setzen. Dieser Tatsache muss sich auch Cheryl Strayed stellen, als sie die ersten Meilen des Pacific Crest Trail (PCT) hinter sich gebracht hat. Die Autorin ist gleichzeitig ihre eigene Protagonistin und erzählt in ihrem Roman von ihrer atemberaubenden Reise durch die Wildnis und zu sich selbst. Nach dem Tod ihrer Mutter hat Cheryl jeglichen Halt im Leben verloren, kämpft mit Scheidung und Drogensucht. Den einzigen Ausweg sieht sie in einer Wanderung auf dem PCT – ein Wanderweg, der Cheryl durch die Wüsten Kaliforniens, das Hochgebirge der Sierra Nevada und die Wälder Oregons führen soll. Dabei ist sie, ausgenommen von ihrem riesigen Rucksack, meistens allein. Die Autorin lässt den Leser in ihre Welt eintauchen und gleichermaßen an ihrer Vergangenheit sowie auch an ihrer Gegenwart teilhaben. Verzweiflung, Stolz, Glück, Trauer, Wut – all diese Gefühle beschreibt Cheryl Strayed so authentisch, dass man das Gefühl hat selbst mit ihr diesen Weg zu bezwingen. Eine Erfahrung, die tatsächlich ein Leben verändern konnte. Dieser Roman beweist, dass es sich lohnt nie den Mut zu verlieren, um sich selbst in den dunkelsten Stunden nicht zu verlieren.

Alfred A. Knopf, Inc. Taschenbuch 9,99€ ISBN: 978-3-442-15812-6 Cover: © randome house

Allegra Wendemuth

„ICH BIN DANN MAL WEG“

von Hape Kerkeling

Der Weg stellt jedem nur eine Frage: „Wer bist du?“ Am Morgen des 9. Juni 2001 startet ein bekannter deutscher Komiker seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Einmal quer durch Nordspanien läuft Hape Kerkeling nach Santiago de Compostela und nimmt uns in seinen Tagebuchaufzeichnungen mit. Während seiner Reise trifft er immer wieder auf andere Pilger mit denen er mal längere, mal kürzere intensive Momente teilt. Sie reichen von dem älteren Italiener, der ihn als Schwiegersohn gewinnen möchte, über das deutsche Ehepaar im Nachbarzimmer des Hotels, bis hin zu einer kleinen Engländerin aus Liverpool, mit der er irgendwann gemeinsam weiterläuft. Diese gemeinsamen Momente und die dazu im krassen Gegensatz stehende völlige Einsamkeit bringen Kerkeling dazu sich und seine Umwelt zu hinterfragen. Wer bin ich? Was ist Gott? Wie begegnen wir Leid und Tod? Wo komme ich an meine Grenzen? Mit all diesen Fragen fühlt man sich auch unweigerlich selbst beim Lesen konfrontiert. Gleichzeitig ist das Buch herrlich leicht und voller skurril lustiger Anekdoten, was die Lektüre abwechslungsreich und nicht zu philosophisch gestaltet. Außerdem ist das Buch mit einigen Fotos der Reise und einer Karte ausgestattet, wodurch man den zurückgelegten Weg gut nachverfolgen kann. Dieser Reisebericht führt zu einer Beschäftigung mit sich selbst und dem Wunsch selbst auch den Jakobsweg zu laufen.

Piper Taschenbuch,368 Seiten, 11,00€ ISBN 978-3-492-25175-4 Cover: © Piper

Hedwig Walter

Leipziger Lerche 53 | Herbst 2020


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Lokales

HTWK-NEWS

Das digitale Semester

Virtueller Spieleabend

Auch die HTWK Leipzig blieb nicht von den Ausmaßen der rasanten Ausbreitung von COVID-19 verschont und reagierte mit entsprechenden Maßnahmen. Zwar begann das Sommersemester 2020 bereits regulär im April, die Präsenzphase startete aber erst am 4. Mai und öffentliche Veranstaltungen bis Ende Juni wurden verschoben oder ganz abgesagt. „Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, mit dem Start des Sommersemesters umfassend digitale Lernformate anzubieten und virtuelle Lernräume einzurichten.“ so Prof. Mark Mietzner, Rektor der HTWK Leipzig am Anfang des Semesters. Bis auf weiteres erfolgt die Vermittlung der Lehrinhalte also vor allem über Online-Vorlesungen, YouTube-Videos und sogar Podcasts. Die Hochschulgebäude bleiben vorerst für externe Besucher*innen geschlossen, die Bibliothek der HTWK bietet nur noch eingeschränkte Öffnungszeiten mit der Möglichkeit der kontaktlosen Ausleihe vorbestellter Medien.

Die Lange Nacht der Computerspiele (LNC) zählt zu den festen Größen der Gaming-Veranstaltungen in Sachsen und lockt jedes Jahr mehrere tausend Besucher*innen in die HTWK Leipzig. Trotz Corona-Pandemie wurden den Gästen auch in diesem Jahr wieder vielfältige Angebote aus dem Gaming-Bereich geboten, mit dem Unterschied, dass das Event erstmals in vollständig digitaler Form ablief. Auf Plattformen, wie Twitch, YouTube und Instagram konnten Gaming-Fans und Interessierte in die virtuelle Veranstaltung eintauchen. Neben Online-Brettspiel-Turnieren, Retro-Games, wie Tekken oder Super-Mario auszuprobieren, gab es auch eine virtuelle Kunstgalerie mit Illustrationen von verschiedenen Künstler*innen Mitteldeutschlands im Bereich Game Design. Mit der Unterstützung des Branchenverbands Games & XR Mitteldeutschland bot die LNC auch wieder eine Plattform für die Indie-Spiele. Parallel dazu wurde in diesem Jahr das „Science MashUp“-Symposium von Studierenden des Studiengangs Medianmanagement ins Leben gerufen. Bei dieser wissenschaftlichen Vortragsreihe ging es um Themen, wie Storytelling, Games als Lernort, VR-Games oder adaptive Musik in Computerspielen.

IMPRESSUM „LEIPZIGER LERCHE“ ISSN: 1430-0737 Auflage: 3 000 Exemplare Herausgeber: Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Fakultät Informatik und Medien, Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft, Karl-Liebknecht-Str. 145, 04277 Leipzig Internet: www.fim.htwk-leipzig.de www.leipzigerlerche.com E-Mail: lerche-online@htwk-leipzig.de V.i.S.d.P.: Prof. Gunter Janssen Chefredaktion: Allegra Wendemuth, Stefanie Kaiser, Sarina Libramm, Senta Keller Redaktion: Stefanie Kaiser, Allegra Wendemuth, Sina Trautmann, Vivien Koschig, Eileen Abe, Selina Günther, Pauline Braune, Sarina Libramm, Senta Keller, Hedwig Walter, Sarah Hennig, Tram Ahn Ngyuyen, Lisa-Marie Monetha, Nikola Kraa, Tanja Müller, Linda Hornung, Lisa Hausschild Vertrieb: Stefanie Kaiser, Linda Hornung, Tanja Müller Anzeigen: Sina Trautmann, Pauline Braune, Lisa Hausschild, Nikola Kraa Layout-Chefin: Eileen Abe Layout: Sina Trautmann, Eileen Abe, Selina Günther, Tram Ahn Ngyuen, Hedwig Walter, Lisa-Marie Monetha

Herstellung: Eileen Abe, Lisa-Marie Monetha Fotografin Titelbild: © Eileen Abe Model Titelbild: Alexander Sehr Spezialcover: © Tram Ahn Nqyuen Editorial: © Allegra Wendemuth Druckvorberteitung/Druck: Anke Schlegel, Roger Troks, Hausdruckerei der HTWK, Gustav-Freytag-Str. 40, 04277 Leipzig Weiterverarbeitung: Zschämisch Buchbinderei, Weststraße 9, 04425 Taucha


Lokales 39

HTWK-NEWS

Neue Fakultät im Leipziger Westen

Umbenennung des Studiengangs BV-B

Die im Oktober 2019 gegründete Fakultät „Digitale Transformation“ der HTWK Leipzig nahm direkt mit Beginn des Wintersemesters den Studienbetrieb auf. Anfang März bezogen die Mitarbeitenden dann die neuen Büroräume in der Zschocherschen Straße 69. Der sogenannte Hopper-Bau, benannt nach der US-amerikanischen Computerpionierin Grace Hopper, bildet das Hauptgebäude. Insgesamt bieten die neuen Räumlichkeiten der Fakultät neben zwei Hörsälen für je 150 Studierende und den Büroflächen für Professor*innen und Mitarbeitende auch insgesamt zehn Lehr- und Forschungslabore, vier Seminarräume, vier PC-Pools und diverse Arbeitsräume für Studierende. Das Studienprogramm umfasst die beiden kooperativen Bachelorstudiengänge Telekommunikationsinformatik und Informations- und Kommunikationstechnik. Ein Masterstudiengang im Fach Informations- und Kommunikationstechnik startete zum Sommersemester 2020.

Der Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft wird zum Wintersemester 20/21 in Buch- und Medienwirtschaft unbenannt. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage die 2019 zur Ermittlung eines neuen Namens durchgeführt wurde. Mit einbezogen wurden die Lehrenden sowie Studierenden des Studiengangs. Bei den 79 Teilnehmer*innen stimmten 51 für die Namensalternative Verlags- und Medienwirtschaft, 26 für Buch- und Medienwirtschaft. Da das Buch allerdings als Kulturgut beibehalten werden soll, wurde sich kurzerhand für den neuen Studiengangsnamen Buch- und Medienwirtschaft entschieden. Redesign für floidTV Das Fernsehen der HTWK Leipzig, feierte in diesem Jahr bereits seinen 11. Geburtstag. Seit 2009 produzieren Student*innen der Fakultät Medien und Informatik in Eigenregie Beiträge zu aktuellen Nachrichten und spannenden Themen. Aus floid, wie man es bislang kannte, wird, mit neuem Design und einem Relaunch der Website, floidTV. Ab April 2020 gibt es die Videos nun auch auf einem eigenen YouTubeKanal zu sehen,. Wir wünschen Alles Gute!

das lerche-abo

informativ, regelmäßig, kostenlos Ja, hiermit abonniere ich die Leipziger Lerche. Ich erhalte zwei Hefte pro Jahr pünktlich zu den Buchmessen kostenlos zugeschickt. Ich kann das Abonnement jederzeit kündigen. Einrichtung/Firma: _________________________________________________________________ Name: _______________________________________________________________________________ Straße: ______________________________________________________________________________ PLZ, Ort: _____________________________________________________________________________ Telefon: __________________________________ Fax:_______________________________________ E-Mail: ______________________________________________________________________________ Ort, Datum: __________________________ Unterschrift:_____________________________________ HTWK Leipzig, Lerche-Abo, Karl-Liebknecht-Straße 145, 04277 Leipzig :: Fax: 0341 / 3076-5455 :: E-Mail: lerche-online@htwk-leipzig.de


Schleipen Papier zum Lesen Papierfabrik Schleipen Kaiserslauterer Straße 403 67098 Bad Dürkheim Telefon 0 63 22 / 6 00 80 Fax 0 63 22 / 6 17 02

Die Leipziger Lerche wurde gedruckt auf Schleipen Fly 07 Schneeweiß 1,2-faches Volumen 115 g/qm

Ein Unternehmen der Cordier Spezialpapier GmbH www.cordier-paper.de

Studien gang Buch- und Medien

Fakultät: Informatik und Medien Regelstudienzeit: 6 Semester (inkl. Praxissemester) Voraussetzungen: allgemeine Hochschulreife oder fachgebundene Hochschulreife Studienabschluss: Bachelor of Arts » Buch- und

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Studium rund ums Buch Besuchen Sie den der Hochschulen auf der Leipziger Buchmesse und auf der Frankfurter Buchmesse 2021!

Dezernat Studienangelegenheiten • Postfach 30 11 66 • 04251 Leipzig • htwk-leipzig.de

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53. Leipziger Lerche  

Auch wenn wir gerade nicht reisen können, lohnt sich der Blick über den Tellerrand. Wir melden uns zurück mit einem WELTWEITEN Blick auf die...

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