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45 :: Herbst Rubrik2016 :: 1

Der kritische Blick auf die Branche

Leipziger Lerche Studentenzeitschrift des Studienganges Buchhandel/Verlagswirtschaft der HTWK Leipzig

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Spezial: Zwischen Zensur und Freiheit Buchmarkt Brasilien Sebastian Caspar Journalist werden Die Wurzeln des Verlegertums in Leipzig Leipziger Lerche 42 | Herbst 2013


Eure Droge

Wir dealen mit den richtigen Stoffen! Der Blog der Leipziger Lerche


Editorial Rubrik :: 3

Editorial Leipziger Lerche Herbst 2016

Liebe Leserinnen und Leser, mit den Arbeiten an der nunmehr 45. Ausgabe der Leipziger Lerche sind wieder neue Jung­ lerchen geschlüpft, die frischen Wind in unser Redaktionsnest gebracht haben. Mit unserem Spezial-Thema „Zwischen Zensur und Freiheit“ nehmen wir in dieser Ausgabe Bezug auf akt­ uelle Diskussionen über Journalismus, Meinungen, Grenzen und Rechte. Statt dem gewohnten Nachgefragt erwarten euch in dieser Ausgabe kleine Anekdoten aus der Buch- und Verlags­ branche (S. 5) und ein weiterer Part des Best of Lerche-Blog (S. 10). Die Rubriken HTWK L­e­ ipzig und Leben und Studieren in Leipzig haben wir für euch zu einem reinen Leipzig-Spezial (S. 28 – 31) zusammengefasst und weil wir schließlich auch mit der Zeit gehen möchten: Ein tolles Buch-Lerchen-Mandala (S. 34)! Viel Spaß mit der aktuellen Ausgabe und dem Lerchen-Blog wünschen Eure Leipziger Lerchen

© Viktoria Gamagina

Leipziger Lerche 45 | Herbst 2016


4 :: Inhalt Rubrik

Überschrift Inhaltsverzeichnis Unterüberschrift Artikel .........................................................................................................................................................................3 Editorial

Branchenanekdoten ...............................................................................................................................................5

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für Hintergrundberichte zum aktuellen Heft, monatliche Spezialthemen und alles rund ums Buch.

Buchmarktforschung Brasilien .......................................................................................................................................................................6

Branche Mit Stift und Würfel .................................................................................................................................................8 Harry Potter und Peace&Love .............................................................................................................................9 Best of Lerche-Blog ...............................................................................................................................................10 Rechte und Lizenzen im Verlagswesen .........................................................................................................11 Zone C – Einblicke eines Jungautors ..............................................................................................................12 Journalist werden ............................................................................................................................................14

Spezial Zwischen Zensur und Freiheit Objektivität im Journalismus ............................................................................................................................16 Licht ins Dunkle ..........................................................................................................................................................18 Pegida ist mittlerweile Tradition ......................................................................................................................20 Pressefreiheit ist ein Grundrecht ......................................................................................................................22 Von Damals bis Heute ..........................................................................................................................................24 Im rechtlichen Minenfeld ....................................................................................................................................26

Leipzig Die Wurzeln des Verlegertums .........................................................................................................................28 Die Leipziger Gose ................................................................................................................................................30

Rezensionen – Aufgeschlagen Der Zorn der Wölfe .............................................................................................................................................32 Ready Player One ...................................................................................................................................................32 Kleiner Wahn ...........................................................................................................................................................33 Ekhö ..........................................................................................................................................................................33

Ausmalen .................................................................................................................................................................34

Impressum ...............................................................................................................................................................34

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Branche Rubrik :: 5

Branchenanekdoten Geschichten aus dem Medien-Alltag

Es war einmal eine Bibliotheksnutzerin, die des Öfteren in regelmäßigen Abständen ihren Spind mit Nahrung in den Händen besuchte. Eines Tages ging ein Wachmann ihrem ver­ dächtigen Verhalten nach, um herauszufin­ den, was sie dort trieb. Es stellte sich heraus, dass sie eine Ratte als Haustier in ihrem Spind aufbewahrte und sie diese des Öfteren füt­ terte. Leider gelang es bei der Gegenüberstel­ lung nicht die Ratte in Gewahrsam zu nehmen und so lebt sie vielleicht noch heute in der Bi­ bliothek.

Es hat sich einmal zugetragen, dass man in der Bibliothek einen jungen Mann sehen konnte, umringt von Büchern und einem Wasserkocher, welcher offensichtlich in Be­ nutzung war. Denn der junge Mann war sehr hungrig und wollte sich soeben ein Mahl zu­ bereiten. Er schien sehr verwundert darüber, dass so etwas in einer Bibliothek verboten sei. Und so aß er weiter, unbehelligt von der An­ schuldigung, und lebte glücklich bis an sein Lebensende.

Vor einigen Jahren in einer Buchhandlung in Weimar: Kunde: „Guten Tag. Ich suche eine Buch.“ Buchhändler: „Was für ein Buch?“ „Es ist grün.“ „Können Sie mir noch mehr dazu sagen?“ „Ich habe es bei Ihnen im Schaufenster gese­ hen.“ „Da ist kein grünes Buch.“ „Doch, muss aber. Ich habe es schließlich selbst dort hinein gestellt.“ „Bitte was? Sie dürfen nicht einfach Ihre Bü­ cher bei uns ins Schaufenster stellen!“ „Es ist ja gar nicht von mir, ich habe es bei Ih­ nen gekauft.“ „Und dann ins Schaufenster gestellt?“ „Ja, natürlich. Ich wollte überprüfen, ob es noch da steht.“

Niklas Gaube und Michael Kroschwald

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6 :: Buchmarktforschung Rubrik

Überschrift Brasilien: Digitales Potenzial Unterüberschrift Warum der brasilianische Buchmarkt wie am Schnürchen läuft Brasilien Hauptstadt: Brasília Fläche: 8 514 877 km² Einwohner: 204 860 000 Buchhandlungen: ca. 2 700 Umsatz Buchmarkt: ca. 1,91 Mrd. € Jährliche Novitäten: 20 792 Alphabetisierungs­ rate: 92 Prozent

Artikel Das größte Land Südamerikas produziert rund die Hälfte aller lateinamerikanischen Bücher und nimmt somit Platz acht der größten Buchbranchen der Welt ein. Für ein ökonomisches sowie soziales Schwellenland ist dies eine beachtliche Leistung, die von einer gewissen Tradition und Kompetenz im Buchgeschäft zeugt. Nun mag diese Tatsache widersprüchlich erscheinen und wirft Fragen auf, doch genau das macht den brasilianischen Buchmarkt so faszinierend wie brisant. Brasilien wird in den Medien zumeist aufgrund sozialer Ungerechtigkeit, Umweltvergehen oder Korruption in den Medien rezipiert. Den­ noch fördert der Amazonasriese die Buchkon­ junktur durch eine schon Jahre anhaltende Bildungsoffensive. Diese hat zur Folge, dass vor allem Wissenschafts- sowie Schulbuchver­ lage durch regelmäßige Ankäufe von staat­ licher Seite einen enorm gesicherten Status innehaben. Dennoch ist die Rate der Analpha­ beten in Brasilien vergleichsweise hoch, denn cirka acht Prozent der über 15-Jährigen Be­ völkerung können nicht lesen und schreiben – die meisten Analphabeten finden sich aller­ dings bei den über 60-Jährigen. Damit ist die Zahl der Analphabeten in Brasilien auch deut­ lich höher als die anderer südamerikanischer Länder wie Paraguay, Ecuador oder Peru, ob­ wohl die besagte Rate, dank der staatlichen Lehrmittelaufwendungen, nach Schätzungen jährlich um 0,4 Prozentpunkte sinkt. Ein Land in Leselaune Etwa 600 000 Besucher weist das entweder in Sao Paulo oder in Rio de Janeiro stattfin­ dende Bienal do Livro – „das Buchfestival“ auf. Damit zieht diese Messe mehr Bibliophile und Brancheninterne an, als die Frankfurter und die Leipziger Buchmesse zusammen. Dort ist eine Vielzahl der populären brasilianischen Autoren anzutreffen, obgleich der Großteil in

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Deutschland eher unbekannt ist. Um dies zu ändern, erfährt der dortige Buchmarkt eine in den letzten Jahren immer stärker vertretene Übersetzungsförderung. Rund 7,6 Millionen US-Dollar sollen bis 2020 in diesen Branchen­ zweig investiert werden. Diese Investition soll einen transparenteren Kulturaustausch ermöglichen. Ebenso erhoffen sich Verle­ ger, einen zweiten Exporterfolg, wie den in 75 Sprachen übersetzten und millionenfach verkauften Paulo Coelho zu entdecken. Denn an jungen und vielversprechenden Autoren mangelt es keinesfalls und einige haben be­ reits in deutschen Verlagen ein zu Hause ge­ funden.

© Diego Dacal

Literatur an der langen Leine Die Vielfalt des brasilianischen Buchmarktes lässt sich auch an der Art der ca. 550 sehr diffe­ renten Verlage festmachen. Diese sind jedoch auch vonnöten, um die vielen verschiedenen Grundnoten der brasilianischen Literatur ein­ zufangen. Besonders gut verkaufen sich hier seit jeher Kurzgeschichten und Comics, vor­ rangig über lateinamerikanische Kultur und deren Legenden. Ein Paradebeispiel dafür bie­ ten die schon seit dem 17. Jahrhundert ver­ breiteten Literatura de Cordel, kleine, ex libris nicht unähnliche Hefte mit volkstümlichen, sehr publikumsorientierten Anthologien, hi­ storischen Fragmenten oder politischen The­ men. Diese werden damals wie heute an Wä­


Buchmarktforschung Rubrik :: 7

scheleinen befestigt zum Verkauf angeboten, Artikel daher der Name – „Literatur an der Schnur“. In den heutigen Kurzgeschichten und auch in den erfolgreichen Romanen des 21. Jahrhun­ derts, steht ganz klar das urbane Leben im Fo­ kus des Interesses. Die Faszination für die sich schier unendlich ausdehnenden Großstädte, der tägliche Kampf um den individuellen Er­ folg und die soziale Ungerechtigkeit, die in den Metropolen am deutlichsten zu sehen ist, wird eingehend betrachtet. Auch Migrati­ on und Diversität sind essentiell im Themen­ spektrum brasilianischer Autoren und Leser. Oft wird in diesem Kontext die Vergangenheit Südamerikas reflektiert, ein Bogen zwischen den indigenen Völkern und der heutigen Be­ völkerung gespannt, analysiert, ausgewertet sowie kritisiert. Äußerster Beliebtheit erfreu­ en sich außerdem Kriminalromane, sowohl stringente urbane Polizeikrimis, als auch im Amazonasgebiet spielende, mystisch ange­ hauchte Thriller. Diese dürfen darum in keiner Buchhandlung fehlen. Doch wie steht es in Brasilien um den stationären Buchhandel? Buchhandel im urbanen Extremum Wenn auch die Anzahl an Buchhandlungen im Vergleich zu der enormen Fläche des Lan­ des gering erscheinen mag, so findet sich in Brasilien doch ein äußerst vielfältiger und dynamischer Buchmarkt. Die Ursache für die geringe Anzahl der stationären Buchhand­ lungen, lässt sich durch verschiedene Fak­ toren erklären: Zum einen lebt, als Folge der zunehmenden Urbanisierung, der Großteil der Bevölkerung (ca. 86 Prozent), in den Bal­ lungsgebieten der Großstädte. Dies bewirkt, dass die Majorität des brasilianischen Lan­ des eher dünn bevölkert ist und daher wenig Nährboden für rentable Buchhandlungen bil­ det. In den urbanen Zentren des südamerika­ nischen Riesen, herrscht hingegen schlicht zu viel Konkurrenz auf engem Raum. Ein anderer Faktor, der für die geringe Anzahl an bibliophi­

len Einzelhändlern verantwortlich ist, ergibt sich aus den wichtigsten Vertriebswegen des brasilianischen Buchmarkts. So werden ca. 39 Prozent über den stationären Buchhändler vertrieben, während bereits ca. 38 Prozent der Umsätze auf digitalem Wege erzielt wur­ de. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass lediglich ca. die Hälfte der brasilianischen Be­ völkerung zu den Internetnutzern zählt – Ten­ denz rapide steigend. Daraus lässt sich eine interessante Entwicklung der Vertriebswege prognostizieren, welche vor allem das Interes­ se von digitalen Unternehmern weckt. Aus Tradition modern Darum gehören elektronische Publikationen seit einigen Jahren fest zum Buchmarkt im Land des Amazonas. Schließlich lautet ein altes brasilianisches Sprichwort: Só quem acredita no futuro acredita no presente. – „Nur wer an die Zukunft glaubt, glaubt an die Ge­ genwart.“ Den Startschuss dafür markierte die Buchhandelskette Livraria Cultura in Zusam­ menarbeit mit der Firma Kobo. Fest etablierte Internetquellen für Medien in portugiesischer Sprache sind Amazon, Apple und eBay – doch auch einige heimische Verlage haben gut funktionierende Online-Konzepte entwickelt. So auch der Verlag 34, welcher seit 2011 vor allem den Verkauf von granuliertem Content im Netz anbietet. Oft werden die in Brasilien so gern gelesenen Kurzgeschichtensamm­ lungen in ihre einzelnen Geschichten zer­ gliedert und für einen geringen Betrag als EBook angeboten. So schafften verschiedene, besonders klassische Kurzgeschichten, sogar schon den Sprung in die lokalen Bestsellerli­ sten. Dies verdeutlicht ungemein, wie gut in Brasilien die literarische Tradition mit den mo­ dernen Vertriebsmöglichkeiten einhergeht und wie viel Potenzial in dem erwachenden Buchriesen Brasilien steckt. Tankred Hielscher

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8 :: Branche Rubrik

Überschrift Mit Stift und Würfel Unterüberschrift Über das Verlegen von Rollenspielbüchern Für das Hobby Pen&Paper-Rollenspiel geArtikel hört schon eine gewisse Verrücktheit dazu. Doch wer sind die Leute hinter einem Spielsystem? Ein Blick auf die etwas andere Verlagsarbeit. Der größte Schatz in meiner großen Bücher­ sammlung sind einige schwere Bände mit roten, blauen und grünen Rücken, die mit selbstverständlichem Ernst den fiktiven Kon­ tinent Aventurien vorstellen und dieses fan­ tastische Land in sämtlichen Details beschrei­ ben. Dazu finden sich obskure Tabellen über die Tragkraft verschiedener Tiere, kompli­ zierte Formeln zur Berechnung eines Angriffs und wortreiche Beschreibungen, welche ver­ schiedenen Wirkungen ein Trank haben kann. Hier sind wir in der Welt des Pen&Paper ange­ langt, einem Hobby mit denkbar einfachem Grundprinzip: Die Spieler steuern jeder einen Helden durch eine interaktive Geschichte; auf Basis eines Datenblattes mit Fähigkeitswerten des Helden entscheiden Würfel in Zu­ fallssituationen über deren Wohl und Wehe. Diese Grundstruktur ermöglicht die Existenz unzähliger Settings: Von Fantasy über Cy­ berpunk bis hin zu Star Wars und Exoten wie „Power, Plüsch und Plunder“ gibt es für jeden Geschmack ein Spielsystem. Kosten-Kalkulation auf Messers Schneide Doch wer entwickelt diese Systeme, Welten und Hintergründe? Die Menge der Bücher und Regelwerke dazu ist oft umfangreich und ihre Gestaltung mit hunderten A4-Seiten Text, kunstvoll gestalteten Seitenrändern, Hardco­ ver-Einband und heutzutage vollfarbigen Bildern äußerst hochwertig. Diese Qualität hat ihren Preis, aber reich wird ein Verlag mit solchen Werken nicht. Die Käuferzahl ist we­ sentlich geringer als bei Büchern für den Mas­ senmarkt, je nach System beträgt die Auflage eines Titels nicht mehr als einige hundert Ex­ emplare. Selbst bei bekannten Systemen wie

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dem „Schwarzen Auge“ (DSA), dem größten im deutschsprachigen Raum, sind es heutzu­ tage nur wenige Tausend. Dadurch können die Herstellkosten schwer gesenkt werden, und diese sind angesichts der Qualität sehr hoch. Der Durchschnittspreis eines üblichen Grundregelwerkes beträgt fünfzig Euro, ob­ wohl für eine faire Bezahlung der Mitarbeiter und eine gewisse Rentabilität das vierfache nötig wäre.

© Niklas Gaube

Der Beruf als Hobby So verwundert es nicht, dass die Verlage vor allem auf freie Autoren setzten. Zusätzlich wol­ len auch noch Convention-Auftritte, Marke­ ting und natürlich die üblichen betrieblichen Kosten für so banale Dinge wie Buchhaltung und Strom erwirtschaftet und eventuelle Ver­ kaufsflops aufgefangen werden. Dennoch bietet beispielsweise DSA noch ein riesiges Zusatzsortiment wie thematische Würfelbe­ cher, großformatige Poster-Landkarten und Tabletop-Miniaturen an. Wie schafft es eine Redaktion, die aktuell aus sechs Mitarbeitern besteht, jeden Monat mehrere Abenteuer­ bücher, Hintergrundwerke und das eine oder andere Gimmick herauszubringen? Neben vielen engagierten Fans und Überstunden, ist das Schmiermittel der Rollenspiel-Branche vor allem eines: eimerweise Herzblut. Niklas Gaube


Branche Rubrik :: 9

Harry Potter und Peace&Love Studien zeigen, dass Harry Potter Kinder toleranter macht Für mehrere Generationen hat die Harry Potter-Saga eine wichtige Bedeutung. Bei den Gryffindors ist die Herkunft nicht wichtig, alle werden akzeptiert: Hexenmeistersöhne, Muggelkinder, Exzentriker… Und die Welt bietet mehr als Träume und Spiele. Verschiedene italienische, britische und amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass das Lesen dieser Bücher einen positiven Einfluss auf das Verhalten von Kindern hat, insbesondere auf ihre Toleranz. © Wikimedia

Im Jahre 2013 hat Anthony Gierzynski von der University of Vermont Harry Potter and the Millennials: Research Methods and the Politics of the Muggle Generation veröffentlicht. In dieser Abhandlung erklärt er, dass die Harry PotterBücher die Generation Y in eine weniger eng­ stirnige Bevölkerung verwandelt haben. Men­ schen, die die Bücher gelesen haben, wären offener für andere, politisch toleranter, weni­ ger autoritär und politisch aktiver. Forscher aus italienischen und britischen Universitäten sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Warum? Weil man in den Bü­ chern Gruppen findet, die diskriminiert wer­ den: Muggel, Halbblüter, Hauselfen, Riesen, Kobolde… Und oft kämpfen Harry und seine Freunde für deren Rechte und die Akzeptanz dieser Minderheiten. Drei Studien, gleiche Ergebnisse Für die erste Studie haben 35 Kinder über mehrere Wochen Ausschnitte aus dem zwei­ ten Band (Die Kammer des Schreckens) gehört. Dann haben die Forscher die Haltung und die Reaktionen der Kinder gegenüber Migranten bemessen, vor und nach den Lesestunden. Sofortige Folge: Die Kinder sind offener. Für die zweite Studie wurden Schüler und Studenten aus Italien befragt. Die Forscher haben auch hier eine Beziehung zwischen dem Lesen von Harry Potter-Büchern und der Toleranz gegenüber Migranten und Homo-

sexuellen festgestellt. Die dritte Studie befasst sich mit Schülern in Großbritannien und bestätigt die Ergebnisse der zweiten. Sie zeigt eine Erhöhung der Em­ pathie-Fähigkeit durch die Thematiken der Bücher. Ein pädagogisches Interesse Diese Studien sind interessant für Lehrer, weil sie ermöglichen, neue Strategien in den Schu­ len zu schaffen, die einfach, preiswert und angenehm für die Kinder und Jugendlichen sind. „Diese Verwendung von Büchern kann zum Lehrplan angereiht sein und gibt den Schülern soziale Werte, die unverzichtbar in unserer Gesellschaft sind“, sagt Professor Dino Giovannini, Mitautor dieser Studie. Das Lesen dieser Geschichten verringert Vorurteile. Der Hauptcharakter, Harry Potter, „hat wichtige Verbindungen mit Personen, die zu gebrandmarkten Minderheiten ge­ hören. Er versucht, sie zu verstehen und zu helfen… und er kämpft für eine Welt ohne soziale Ungleichheiten“, erklären die Forscher in The greatest magic of Harry Potter: Reducing prejudice. Diese Figuren sind fantastisch, aber sie besitzen menschliche Züge. Damit können sie die Leser für reale Gruppen wie Migranten, Flüchtlinge und Homosexuelle sensibilisie­ ren. Ein gutes Beispiel für uns, die Muggel. Fanny Perdereau

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10 :: Best Rubrik of Blog

Überschrift Best of Lerche-Blog Unterüberschrift Literatur & Rock ’n’ Roll – Eine Playlist aus zwei Welten Artikel und Lesen – auf den ersten Blick ein Musik Gegensatz wie laut und leise. Unsere Playlist soll jedoch zeigen, dass sich viele Bands und Künstler des Rock von den großen Werken der Literatur inspirieren ließen und deren Inhalte für ihre Fans zugänglich machten.

zufolge jedoch primär von den Kinderbü­ chern Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln des britischen Schriftstellers Lewis Carroll inspirieren und greift viele Figuren der Buchvorlage im Text auf.

Obwohl im Allgemeinen das Genre der Rock­ musik nicht mit Eigenschaften wie Intellektu­ alität, Anspruch und Komplexität assoziiert wird, findet sich gerade hier eine erstaunlich hohe Anzahl an Songs, die sich auf Bücher und Erzählungen beziehen und deren Ge­ schichten musikalisch interpretieren.

Als eine der größten Hardrock-Bands aller Zeiten ließ sich auch Led Zeppelin von der Welt der Bücher inspirieren. Besonders die Fantasy-Geschichten von J. R. R. Tolkien hat­ ten es Sänger und Texter Robert Plant an­ getan und somit finden sich gleich mehrere Stücke im Katalog der Band, die sich auf Der Herr der Ringe beziehen. Im Text von „Ramble On“ vom Album „Led Zeppelin II“ werden mit Mordor und Gollum sowohl ein Schauplatz als auch eine Figur aus dem Mittelerde-Kosmos direkt benannt. Weitere Referenzen auf Tol­ kiens Werk finden sich in späteren Songs wie „Misty Mountain Hop“ und „The Battle of Ever­ more“.

1967: Jefferson Airplane – White Rabbit Im Kontext der aufblühenden Flower PowerBewegung und der Verwendung in der Pop­ kultur wird der Song oft als reine LSD-Hymne interpretiert. Sängerin Grace Slick ließ sich beim Schreiben des Liedes eigenen Angaben

1969: Led Zeppelin – Ramble On

1974: David Bowie – 1984 Der 1949 erschienene Dystopie-Roman 1984 von George Orwell gilt als eines der wich­ tigsten Werke der modernen Literatur und hat eine nachhaltige Wirkung hinterlassen. So wird das Buch regelmäßig zitiert, wenn es um das Aufkommen eines Überwachungsstaates geht. Dies war bereits in den siebziger Jahren ein besorgniserregendes Thema, weshalb sich David Bowie dazu entschloss, dem Titel ein Musical zu widmen. Jedoch stellte sich während des Schreibprozesses heraus, dass die Witwe Orwells die Rechte nicht einräumen würde und somit musste der Plan verworfen werden. Stattdessen finden sich die Songs auf dem 1974er Album „Diamond Dogs“. Der ganze Artikel und weitere musikalische Empfehlungen von Norman Zwanzig auf leipzigerlerche.com.

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Branche Rubrik :: 11

Rechte und Lizenzen im Verlagswesen Lizenzhandel zwischen Deutschland und Frankreich Es gibt viele Veranstaltungen, bei denen sich internationale Einkäufer und Verkäufer für Buchlizenzen treffen. Zu den wichtigsten Buchmessen gehören die London Bookfair (Großbritannien), die Bologna Children‘s Book Fair (Italien) und die Pariser Buchmesse (Frankreich). Jedoch ist der zentrale Ort für die Rechteverhandlung die Frankfurter Buchmesse, die jährlich im Oktober stattfindet. Der Vorleser, Die Wand, Das Parfum, Im Westen nichts Neues – alle diese Bücher haben die deutschen Grenzen überschritten. Deutsche Buchtitel sind im Ausland sehr beliebt. Aller­ dings existieren außerhalb der Grenzen noch viele Klischees über die deutschen Bücher, insbesondere bei unserem großen Nachbarn Frankreich. Es wird allgemein angenommen, dass deutsche Verlage sich nur für geschicht­ liche Themen interessieren, besonders die Zeit des Zweiten Weltkriegs, der Fall der Berli­ ner Mauer und die Wiedervereinigung. Lizenzverkäufe Im Jahr 2014 haben die deutschen Verlage 6 443 Lizenzen, d.h. Übersetzungsrechte, in andere Länder verkauft. Die meisten Lizenzen für Übersetzungen ins Ausland wurden an eu­ ropäische Länder vergeben, aber der größte Interessent an deutschen Büchern kommt aus Asien. Zu den wichtigsten Partnern gehört China mit 938 Lizenzen (14,6 % aller Verkäufe). Frankreich steht auf Platz zwei (5,2 %), dicht gefolgt von Polen, Spanien und Russland. In Frankreich gingen im Jahr 2014 genau 13  046 verkaufte Lizenzen ins Ausland. Dies ist mehr als bei seinem Nachbarn. Mit 1  336 Buchtiteln ist China auch das größte Ab­ nehmerland der Lizenzen der französischen Buchverlage. Deutschland steht auf Platz vier, hinter Südkorea und Italien. Insgesamt 754 Lizenzen wurden nach Deutschland verkauft, mit großer Mehrheit an Comics, Graphic No­

© Unsplash/pixabay

vels und Manga (genau 404 Titel). Diese Zahl ist deutlich weniger als 2011, wo Deutschland das wichtigste Empfängerland für franzö­ sische Bücher war (insgesamt 1 071 Lizenzen). Akquisition Im Jahr 2014 wurden von den deutschen Ver­ lagen genau 10 812 Übersetzungen (Erst- und Neuauflagen) aus anderen Sprachen heraus­ gebracht. Davon stammen 6  527 Titel aus dem Englischen, mit einem Anteil von 65,5 % des Lizenzgeschäfts. Englisch ist ohne Frage die wichtigste Herkunftssprache der Überset­ zungen ins Deutsche mit 6 527 Titeln. Weit da­ hinter folgt Französisch mit einem Anteil von zehn Prozent. Mehr als 1 000 Titel wurden aus dieser Sprache ins Deutsche transferiert. In Frankreich sind 11  859 Werke aus frem­ den Sprachen ins Französische übersetzt worden. Während mehrerer Jahre rangierte Deutsch als zweite Übersetzungssprache in Frankreich. Heute steht Deutsch an dritter Stelle, hinter Englisch mit 7  060 Titel (59,5% aller Übersetzungen) und Japanisch mit 1 396 Titel (11,8%). Seit einigen Jahren können wir beobachten, dass die Zahl der übersetzten Bücher ins Französische stagniert. Es gibt kei­ ne größeren Verschiebungen: im Jahr 2007 waren es 642 Titel aus Deutschland. 2015 stieg die Zahl auf genau 754 Titel. Aurélie Scherrer

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12 :: Branche Rubrik

Überschrift Zone C – Einblicke eines Jungautors Unterüberschrift Sebastian Caspar: Autor und Sozialarbeiter Artikel Sebastian Caspar ist Autor beim Berliner Klak Verlag. Dort erschien Anfang 2014 sein Debütroman Zone C. Mit seinem Werk legt er die erste deutschsprachige literarische Auseinandersetzung zum Thema Crystal Meth vor, die viele aufschreckt. In unserem Interview sprachen wir über seine Erfahrungen als Jungautor sowie über Hürden und Herausforderungen eines Autors innerhalb der Verlagswelt.

eines Lektors oder des Verlegers. So etwas soll es ja auch geben. Der Suhrkamp Verlag zum Beispiel bekommt täglich um die 200 unauf­ geforderte Manuskripte zugeschickt. Die mei­ sten davon wandern sofort in den Papierkorb. Da ist es schon eine andere Situation, wenn ein Agent mit dem Text vorspricht und die richtigen Leute kennt.

1. Was hat dich daran gereizt ein Buch auf den Markt zu bringen? Ich schreibe seitdem ich sechzehn bin. Ange­ fangen hat alles mit dem Verfassen von Ge­ dichten. Stark beeinflusst haben mich hier die deutschen Expressionisten. Benn, Trakl oder Ehrenstein, um nur einige zu nennen. Seit der Jahrtausendwende habe ich mich mehr der Prosa zugewandt, woraus dann auch mein Debütroman entstanden ist. Wenn man jah­ relang im stillen Kämmerlein für sich schreibt, möchte man schon, dass sein Buch, seine Texte, irgendwann veröffentlicht werden. Ein­ fach auch, um seine Literatur einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 2. Welche Herausforderungen stellen sich deiner Meinung nach an einen Autor aus deinem Genre, um einen Verlag zu finden? In erster Linie geht es nicht um ein Genre. Sicher, manche Genreschreiber haben es leichter. Liebes- oder Krimiromane gehen fast immer. Chick-Lit ist ja zum Beispiel quasi ein Selbstläufer. Je ferner vom Mainstream, desto schwieriger wird sicherlich eine Vermittlung. Das habe ich auch mit meinem Debütroman erfahren, der ja ein ziemlich hartes Thema bearbeitet. Trotz allem muss ich jedem Autor, der eine klassische Verlagsveröffentlichung anstrebt, einen Literaturagenten empfehlen. Ohne Agent hat man bei Verlagen so gut wie keine Chance. Es sei denn man ist die Tochter

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© fLy

3. Was hast du in deinen 2 1/2 Jahren als Au­ tor über die Verlagsbranche gelernt? Es ist ein Haifischbecken. Da die gesamte Ver­ lagslandschaft in einer Krise steckt, wird oft nur noch nach Schema F publiziert. Also, es wird genommen, was ziemlich sicher, ziem­ lich schnell viel Geld bringt. Sei es die dritte Oliver Kahn Biographie oder der textliche Erguss eines YouTube Stars. Vieles hat nichts mehr mit anspruchsvoller Literatur zu tun. Das macht es für Nachwuchsautoren ziem­ lich schwierig. Viele Verlagslektoren sind von Texten begeistert, bekommen diese vielleicht noch durch die Lektorenkonferenz, doch am Ende scheitert es am Vertrieb. Mir sagte da­ mals ein großer Publikumsverlag ab, da er glaubte von meinem Debüt im ersten halben


Branche Rubrik :: 13

Jahr nur 5 000 Exemplare verkaufen zu kön­ Artikel nen. Das sind natürlich Realitäten, die gerade für Jungautoren schwer zu ertragen sind. 4. Wie sind die Reaktionen auf deinen De­ bütroman, welcher gleichermaßen der erste deutsche Roman über Crystal Meth ist? Ich habe immer an meinen Text geglaubt, da ich wusste, dass es ein wichtiges Buch ist. Und obwohl mein Roman Zone C schlussendlich bei einem relativ kleinen Berliner Verlag ver­ öffentlicht wurde, hat er sich etabliert. Man kann sagen, das Buch hat den Nerv der Zeit getroffen. Ein gutes Beispiel also, dass Ver­ lagsentscheidungen gelegentlich wenig mit den momentanen Befindlichkeiten der Zeit zu tun haben. Das ist schade und oft frustrierend. 5. Wie entscheidend ist deiner Meinung nach das brisante Thema Crystal für den Er­ folg deines Romans? Sicher, das Thema war ein guter Aufhänger, obwohl ich meinen Roman als viel mehr betrachte, als einen reinen Drogenroman. Schlußendlich ist es ein klassischer Coming of Age Roman in dem Crystal Meth als Brand­ beschleuniger für jugendliche Zerwürfnisse herhält. 6. Dein Buch wurde im letzten Jahr als Schullektüre in Sachsen Anhalt empfohlen. Wie ist das Feedback besonders bei jungen Menschen in deinen Vorlesungen an Schu­ len? Durchweg positiv. Literatur ist eben ein an­ derer Ansatz in der Suchtprävention und hat meiner Meinung nach mehr Erfolg, als der klassische Polizeibesuch in der Schule. Sicher­ lich profitiere ich da auch durch mein Tripel­ mandat als Sozialarbeiter, Exkonsument und Autor. Wenn diese Karten erst einmal auf dem

Tisch sind, haben die Kids auch keine Hem­ mungen mehr, wirklich nach den Dingen zu fragen, die sie interessieren. Ich habe unge­ fähr 200 Lesungen in Mitteldeutschland ab­ solviert und keine von ihnen war ein Reinfall. Ich denke, jeder Beteiligte ist bereichert aus den Veranstaltungen hinaus gegangen. So auch ich. 7. Was erfüllt dich bei deinen Lesungen und Präventionsarbeit am meisten? Ehrlich gesagt möchte ich dieses Jahr mit den Präventionsveranstaltungen abschließen. Ich bin nun über zwei Jahre mit meinen Roman durch das Land gereist und habe viel in der Prävention bewirkt. Die Gefahr besteht, dass man dadurch auf eine Rolle reduziert wird. Auf die des Exkonsumenten und Präventions­ typen. Doch der Sebastian von heute hat nur noch wenig mit diesen Themen zu tun. Das Leben geht ja weiter, man entwickelt sich wei­ ter. Anderes wird wichtig, auch muss ich Sa­ chen irgendwann final abschließen. Dies wird dieses Jahr passieren. Auch, da ich sehr weit in meinem neuen Roman vorgedrungen bin. 8. Was möchtest du bei deiner zweiten Pu­ blikation besser machen? Nun, besser kann ich nur in meinem Hand­ werk werden. Ich bemerke bereits, dass das neue Buch eine Steigerung ist. Vom Schrift­ stellerischen, den Themen und der Story her. Da habe ich mich sicherlich weiterentwickelt, was gut ist und auch so sein sollte. Was eine Veröffentlichung angeht, so ist es wie ein neuer Beginn. Neues Spiel, neues Glück. Mo­ mentan liegt mein Romanprojekt, durch das Wirken meines Agenten, auf verschiedenen Lektorentischen. Jetzt heißt es abzuwarten. Eine Zeit die Monate dauert. Hoffen wir das Beste. David Barthelmann

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14 :: Branche Rubrik

Überschriftwerden Journalist Unterüberschrift Studium, Ausbildung oder doch der Weg des freien Journalisten?

© Viktoria Gamagina

Der Einstieg in die Journalismusbranche ist Artikel vielfältiger als es im ersten Augenblick den Anschein erweckt. Ein Journalismusstudium ist genauso denkbar, wie eine schulische Ausbildung oder Praktika in Verlagen. Doch welchen Weg einschlagen, um den Traumjob zu ergattern?

Studiengang auch nach bestimmten The­ mengebieten wählen. Um mit der nötigen Ex­ pertise zu schreiben, kann es von Vorteil sein, beispielsweise Wirtschaft-, Politik- oder gar Sportwissenschaften studiert zu haben.

Um eines vorweg zu nehmen: Journalist kann im Grunde jeder sein. Denn die Berufsbe­ zeichnung „Journalist“ ist nicht geschützt und somit darf sich jeder so nennen, der im wei­ testen Sinne Texte verfasst. Der Unterschied zur Brauchbarkeit eines gut recherchierten Ar­ tikels einer Nachrichtenanstalt oder die eines beliebigen Facebook-Posts mit der Überschrift „Die Wahrheit über ...“ spricht für sich.

Jährlich bewerben sich tausende junge Men­ schen an den rund 18 Journalistenschulen in Deutschland. Zu den Aufnahmebedingungen an einer dieser Schulen zählen unter ande­ rem ein Gespräch mit einer Kommission über den im Vorfeld geleisteten Eignungstest und eine erbrachte Reportage. Wenn man es dann geschafft hat, einen der begehrten Plätze zu bekommen, bringt die Ausbildung einige Annehmlichkeiten mit sich. Da wäre zum ei­ nen die ausgezeichnete und meist kostenlose Ausbildung, zum anderen werden hier auch private und berufliche Freundschaften ge­ knüpft, was sicherlich nicht selten von Vorteil im Berufsalltag ist. Gleich welchen Weg der werdende Journa­ list auch einschlagen mag, bieten sich eine Menge Möglichkeiten den Job seiner Träume zu ergattern. In jedem Falle sollte unbedingt ein Volontariat oder zumindest ein Praktikum nach Beendigung der Ausbildung erfolgen. Dies gilt gerade für jene, welche noch keine Praxiserfahrung in dieser Branche sammeln konnten. Auch ein freier Mitarbeiter täte gut daran, seinen Horizont in verschiedenen Pres­ seanstalten zu erweitern. Letztendlich ist es aber nicht zwingend notwendig einen perfekten Lebenslauf vor­ weisen zu können, vielmehr ist es von Bedeu­ tung mit Herz und Seele dabei zu sein.

Der freie Mitarbeiter Eine gute Option, sich seine Sporen zu ver­ dienen, bietet die freie Mitarbeit bei Lokal­ zeitungen. Gerade der Neueinsteiger kann hier das nötige Handwerkszeug erlernen, um später auch in überregionalen Zeitungen „durchzustarten“. Auch wenn der jugendliche Enthusiasmus des Zeitungsneulings aufgrund des begrenzten Themenspektrums der Lo­ kalzeitung etwas gedämpft werden könnte. Leider wird ebenso die geleistete Arbeit in den meisten Fällen nicht sonderlich hoch vergütet. Was einem aber nicht als finanzielle Aufwandsentschädigung und „Tiefe“ im Job zukommt, macht die gesammelte Praxiserfah­ rung wieder wett. Der Student Natürlich kann man sich dazu entscheiden, ein Journalismus-Studium aufzunehmen. Dies ist aber nicht der alleinige Weg in den großen Medienhäusern Fuß zu fassen. Eben­ so ist Germanistik, Philosophie und Kommu­ nikationswissenschaft denkbar. Idealerweise sollte der künftige Jung-Schreiber seinen

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Der Auszubildende

„Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.‘‘ Arthur Schopenhauer Ronny Wenzel


Zwischen Zensur und Freiheit

Rubrik :: 15

Artikel

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Überschrift im Journalismus Objektivität Unterüberschrift Von der Meinung lebt die Presse Artikel Im Springer Gabler Wirtschaftslexikon wird Objektivität als die „Unabhängigkeit einer wissenschaftlichen Aussage von subjektiven Einschätzungen und Bewertungen“ definiert und Duden.de gibt Begriffe wie „Gerechtigkeit“ und „Neutralität“ als Synonyme an. Doch berichtet die deutsche Presse noch objektiv genug? Berichtet sie gerecht und neutral? Für eine Demokratie gelten sie als Grundvo­ raussetzung: Die von Politik unbeeinflussten freien Medien. Doch endet ihre Freiheit dort, wo die Rechte anderer anfangen. Nach Arti­ kel 5 GG hat jeder das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugäng­ lichen Quellen ungehindert zu unterrichten, wobei die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film gewährleistet werden. Doch wie ist das mit Objektivität vereinbar? Ist es überhaupt mög­ lich, objektiv zu sein?

Achtung von Religionen und Weltanschau­ ungen, die Beachtung des Jugendschutzes und der Verzicht auf Sensationsberichterstat­ tung sowie der Achtung und Wahrung von Intim- und Privatsphäre. Eine Verletzung des Kodex kann zur öffentlichen Rüge, Missbilli­ gung oder Hinweisen führen, welche die Be­ treffenden freiwillig für ihre Leser transparent machen. Doch längst nicht alle Medien halten sich an diese Absprache, was dem Presserat den Titel des von der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommenen „zahnlosen Tigers mit ge­ ringem Durchsetzungsvermögen“ verleiht.

Selbstkontrolle © Pixabay

Nicht jeder Medienbericht entspricht in sei­ ner Qualität den oben genannten Kriterien. Vor allem die Objektivität ist mehr eine in der Medienethik verankerte Empfehlung als eine Vorschrift. Doch existiert seit 1956 mit der Gründung des Deutschen Presserats ein freiwilliges Kontrollorgan ohne staatlichen Einfluss. Mit dem Deutschen Journalisten-Verband, der Deutschen Journalisten und Journalistinnen Union, dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und dem Verband Deutscher Zeitungsverleger als Pfeiler, ergänzt der Deutsche Presserat kontinuierlich einen Pressekodex, dessen Inhalte als Grundsätze für die tägliche Arbeit mit den Medien als Richtlinien gelten. Der Fokus im Pressekodex liegt dabei auf 16 Punkten, zum Beispiel die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwür­ de, der gründlichen und fairen Recherche, die

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Objektivität Objektivität sollte weltweit als angestrebter journalistischer Standard gelten und Bericht­ erstatter sollten deshalb ihre eigene Vorein­ genommenheit zurückstellen. Doch warum daran halten, wenn ein frisch aufgedeckter Skandal sich so viel besser verkauft? Selbst wenn Objektivität gefragt ist, können Jour­ nalisten ihre individuellen Eigeninteressen nicht immer unterbinden, „da die Auslegung der Objektivitätsnorm scheinbar selbst von persönlichen Interessen der Journalisten ab­ hängig ist“. So Cornelia Mothes zu den Ergeb­ nissen ihrer Arbeit Objektivität als professionelles Abgrenzungskriterium im Journalismus – Eine dissonanztheoretische Studie zum Informationsverhalten von Journalisten und NichtJournalisten. Unterschiede in der Objektivität


SPEZIAL :: 17

werden allein in den verschiedenen Themengebieten vorgenommen. Artikel Während in Wirtschaft, Politik und Naturwissenschaft Objektivität und geprüfte Fakten ein wichtiges Gut darstellen, ist bei kulturellen Themen oft die eigene Meinung vorherrschend. Ist es daher sinnvoll, Kriterien für objektive Berichterstattung festzulegen? Und ist solch ein Unternehmen überhaupt realisierbar?

Islamisches Recht: Ein Lehrbuch Hans-Georg Ebert, Julia Heilen Hardcover, 39,90 Euro ISBN: 978-3-95817-024-7 © Pixabay

Eine Frage der Moral Objektivität, Glaubwürdigkeit und Qualität des Journalismus standen selten so in der Kritik wie heute. Oft wird dabei sogar von „Lügenpresse“ gesprochen. Das Verhältnis zu den Massenmedien scheint gestört. Vor­ würfe zur Gleichschaltung und reduzierten Vielfältigkeit bei großen The­ men werden vor allem in Foren und Sozialen Netzwerken laut – nach dem Motto: „Wenn es in einer großen Tageszeitung steht, ist es gelogen.“ Doch sind diese Anschuldigungen gerechtfertigt? Laut Daten des Eurobarome­ ters ist das Vertrauen in die Medien stabil. Im Herbst 2015 vertrauen 46 Prozent der Befragten der deutschen Presse – das Misstrauen überwiegt durchaus. Doch 2000 war es schlimmer: In diesem Jahr vertrauten nur 30 Prozent der Presse. Die Daten zeigen weiterhin, dass das aktuelle Miss­ trauen besonders links und rechts ausgeprägt ist und auch vom Wohn­ ort abhängt. Es kann daher schon von einer generellen Vertrauenskrise gesprochen werden. „Realität [bleibt] immer an die Wahrnehmung des erkennenden Subjektes gebunden und lässt sich nicht unabhängig vom Subjekt erfassen. […] [T]rotz massiver Kritik [wird Objektivität] […] nach wie vor als fundamentale Norm im Journalismus angesehen[.]“ (Cornelia Mothes im Interview mit heise.de) Zum Schluss bleibt nur noch eines zu sagen: Objektivität ist vor allem eine Frage der Moral. Christin Fetzer

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Überschrift Licht ins Dunkel Unterüberschrift Wie investigativer Journalismus verdeckte Machenschaften aufklärt

© Pixabay

Artikel Von der Watergate- bis zur NSA-Affäre: Manipulation, Verheimlichung und Machtmissbrauch sind nur einige der Begleiterscheinungen in politisch-wirtschaftlichen Angelegenheiten. Sie stellen jedoch eine Gefahr für demokratische Strukturen dar und müssen deshalb aufgedeckt und zur öffentlichen Diskussion gestellt werden. Machtkontrolle, Transparenz und Aufklärung sind Kernaufgaben der Medien als vierte Gewalt im Staat. Wie steht es um diese Aufgaben und welche Rolle spielt dabei der investigative Journalismus? Wichtigster Bestandteil des investigativen Journalismus ist eine tiefgehende Recher­ che, die so lange dauert, bis ein Sachverhalt umfassend aufgeklärt ist. Dass diese journa­ listisch detektivische Kleinarbeit in der Regel viel Zeit und Geld kostet, ist naheliegend. Beides sind Ressourcen, die in den Redakti­ onen knapp bemessen sind. Ohne ausdau­ ernden Willen des Journalisten einen Sach­ verhalt zu ergründen, Sinnzusammenhänge herzustellen und diese zu veröffentlichen, geht es deshalb nicht. Zusätzlich ist eine ge­ wisse Unabhängigkeit gegenüber Namen, Ämtern und Funktionen notwendig, da sich die aufzuklärenden Fälle meist in den Spitzen­ positionen der Politik und Wirtschaft abspie­ len. Da involvierte Akteure wenig Interesse daran haben, ihr eigenes Fehlverhalten auf­ zudecken, gilt es, etliche Barrieren zu über­ winden – was durch die Zusammenarbeit mit einem Informanten erheblich erleichtert wer­ den kann. Das sind Gegebenheiten, die nicht für jeden Journalisten vielversprechend klin­ gen. Investigativer Journalismus ist harte aber notwendige Arbeit, wollen die Journalisten ihre kritisch-informierende Funktion erfüllen. Um eine Selbstverständlichkeit handelt es sich hierbei allerdings nicht, da die Medien als Wirtschaftsunternehmen in einem Netz un­ terschiedlicher, oft gegenläufiger Interessen eingebunden sind.

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Herausforderungen der Unternehmen Deutsche Zeitungsverleger kämpfen seit Jahren mit rückläufigen Auflagezahlen und Werbeumsätzen. Redaktionen werden aus­ gedünnt und Budgets gestrichen. Die Bedeu­ tung von Anzeigenkunden ist seit jeher hoch. Diese orientieren sich wiederum an der Aufla­ ge bzw. der Quote bei Sendeanstalten. Dort wird es besonders deutlich: Hohe Einschalt­ quoten werden selten mit umfassend recher­ chierten Dokumentationen erzielt. Die Quali­ tät der Beiträge leidet zunehmend unter dem kommerziellen Druck. Privatwirtschaftlichen Interessengruppen kann das nur recht sein, die mithilfe von PR-Agenturen Einflussnahme auf die öffentliche Meinung nehmen wollen. Problematisch wird es, wenn diese Gruppen Medienunternehmen besitzen, wie General Electrics NBC ab 1986 oder Berlusconis Unter­ nehmen in Italien. Interessenkonflikte zeigen sich auch bei der Verstrickung von sogenannten Alpha-Jour­ nalisten mit der Politiklobby. Diese Verbin­ dungen werden in der Dissertation des Leip­ ziger Medienwissenschaftlers Uwe Krüger thematisiert. Seine Erkenntnisse stießen auf wenig Gehör, bis die ZDF-Sendung Die Anstalt diese in einem satirischen Erklärstück aufgriff. Der Widerspruch: Journalisten beteiligen sich aktiv in politischen Think Tanks, während sie gleichzeitig über deren Arbeit objektiv be­ richten sollen. Die beiden genannten Aspekte sind nur ein Teil einer umfassenden Medienkritik, die es in unterschiedlicher Ausprägung bereits seit dem 19. Jahrhundert gibt. Doch gerade der manipulative Einfluss wirtschaftlicher und politischer Interessensgruppen auf die Be­ richterstattung und damit auf die öffentliche Meinung, sollte kritisch beobachtet werden. Sonst besteht die Gefahr einer eingeschränk­ ten Meinungsvielfalt, was bis zu einer tenden­ ziösen Berichterstattung, des Manufactoring Consent führen kann. Dieser wurde bereits


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1988 im gleichnamigen Buch von Noam Cho­ Artikel msky und Edward S. Herman untersucht. All das verdeutlicht die Notwendigkeit des unab­ hängigen investigativen Journalismus. Ans Tageslicht Eines der bekanntesten Beispiele für investi­ gativen Journalismus ist die Watergate-Affäre in den 1970er Jahren in Amerika. Ausgangs­ punkt war die Festnahme von fünf Einbre­ chern in den Watergate-Gebäudekomplex, in dem sich das Hauptquartier der Demo­ kraten befand. Infolgedessen wurden von den beiden Reportern Bob Woodward und Carl Bernstein von der Washington Post eine Vielzahl von Missbräuchen von Regierungs­ vollmachten etlicher beteiligter Personen aufgedeckt. Die Verbindungen reichten bis zu den höchsten Posten im Weißen Haus und führten schließlich zum Rücktritt des repu­ blikanischen Präsidenten Nixon. Die Aufklä­ rungsarbeit wurde im wenige Jahre später erschienenen Hollywoodfilm Die Unbestechlichen anschaulich dokumentiert. Sie erwies sich als Puzzlespiel, beginnend mit Unge­ reimtheiten der offiziellen Version über etli­ che Telefonanrufe und Befragungen bis hin zu konspirativen Treffen mit einem Informanten in dunklen Parkhäusern. Ganz anders gestaltete sich die Aufklärungs­ arbeit des NSA-Überwachungsskandals. Der NSA-Infrastrukturanalytiker Edward Snowden verfügte über die nötigen Dokumente und spielte sie dem Journalisten Glenn Greenwald zu, der sie öffentlich machte. Wieder diffe­ rent ging der deutsche Enthüllungsjournalist Günter Wallraff vor, indem er sich mit ande­ rer Identität in soziale und berufliche Milieus einschleuste, um deren Missstände aufzude­ cken. Die bisher größte Zusammenarbeit von investigativen Journalisten fand im Zuge des „Offshore-Leaks“ 2013 statt, an deren Auswer­ tung rund 85 Journalisten von 38 Medienun­ ternehmen aus 46 Ländern beteiligt waren.

Aktuelle Entwicklungen Seit der Watergate-Affäre hat sich für Journa­ listen viel verändert. Statt analoger Schreib­ maschine und Telefonen mit Wählscheibe, gibt es heute Smartphones mit Internetzu­ gang. Neue technische Möglichkeiten erleich­ tern die Vernetzung und den Zugang zu Informationen – sie sollten andere Recher­ chemethoden aber nur ergänzen und nicht ersetzen. Auch bei den erwähnten Herausfor­ derungen gibt es positive Entwicklungen. Der Anspruch vieler, besonders auch junger Medi­ enschaffender, sich von verschiedenen Inte­ ressengruppen nicht beeinflussen zu lassen, ist auch in Zeiten von Sparzwang durchaus vorhanden. Manche Großen der Branche in­ vestieren sogar wieder in Inhalt, Qualität und Recherche. Im Gegensatz zu der Schwemme an oberflächlichen Informationen und News­ meldungen, werden gerade im Internet fun­ dierte Hintergrundinformationen, möglichst mit Mehrwert, von den Lesern geschätzt. Doch gibt es noch viel zu tun: Das so wichtige Whistleblowing sollte möglichst nicht unter Strafe stehen, sondern als erwünscht gelten und mit entsprechenden Schutzregelungen politisch unterstützt werden. Von den 48 000 hauptberuflichen Journalisten gilt nur ein sehr geringer Teil als investigativ tätig. Um der öffentlichen Kontrollfunktion nachzukom­ men, sollte die Anzahl jedoch noch deutlich steigen. Eine erste Anlaufstelle bietet das Netzwerk Recherche, das den recherchierenden Jour­ nalismus in Deutschland stärken will. Oder eine Nummer größer: Der Weltkongress, die Global Investigative Journalism Conference, an der im letzten Jahr 900 Enthüllungsjourna­ listen aus 120 Ländern teilnahmen. Wir dür­ fen gespannt sein, von welchen verdeckten Machenschaften wir Dank ihnen in Zukunft erfahren werden. Fabian Schwab

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Überschrift Pegida ist mittlerweile Tradition Unterüberschrift Ein Interview mit Tobias Wolf von der Sächsischen Zeitung

© privat

Artikel Tobias Wolf begann seine Karriere bei der Zeitung nicht auf den geläufigen Wegen. Er hat Politikwissenschaft studiert und ist eher zufällig durch ein Praktikum bei der Lokalredaktion Pirna der Sächsischen Zeitung gelandet. Heute ist er erfolgreicher Autor, Fotograf und Journalist. Seit 2015 ist Tobias Wolf angestellt bei der Sächsischen Zeitung und deren Lesern vor allem bekannt durch seine Berichterstattungen über Pegida. Dafür erhielt er 2016 zusammen mit seinen Kollegen Alexander Schneider und Ulrich Wolf von der Sächsischen Zeitung sowie Matthias Meisner vom Tagesspiegel Berlin den 2. Preis des Wächterpreises der Tagespresse. Wie lang berichtest du schon über Pegida und wie hat sich die Situation im Laufe der Zeit verändert? Von Anfang an sind meine Kollegen und ich dabei. Die Veränderungen sind eher schlei­ chend eingetreten. Pegida hat dafür gesorgt, dass man mehr Dinge in der Öffentlichkeit sagt und dass mehr Leute zu Aktionen an­ geregt werden. Außerdem sind die Reden krasser geworden. Am Anfang sprachen sie noch über 19 Punkte, die circa 70 Prozent als richtig erachtet hätten. Der Inhalt der Reden hat sich arg eingeschränkt. Allerdings sind die Anhängerzahlen seit dem letzten Jahr un­ gefähr gleich geblieben. 2015 gab es einen kleinen Einbruch, als Pegida sich stark radika­ lisiert hat, beispielsweise die Äußerungen von Bachmann bei Facebook. Es war wie eine Kur­ ve, die bis Mitte Mai nach unten ging. Dann hatte Pegida mit dem Dresdner Oberbürger­ meister bis etwas Anfang Juli kurzzeitig ein neues Thema. Dann hat sich angedeutet, dass mehr Flüchtlinge kommen. Pegida brauchte anscheinend einen Sündenbock. Ohne die Flüchtlingswelle hätte Pegida ver­ mutlich nicht mehr ausreichend mobilisieren können. Mittlerweile ist Pegida ein Stück weit abgeebbt. Die Anhängerzahlen stagnieren nun.

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Wie bereitest du dich auf einen Einsatz vor? Zuerst schauen wir natürlich im Internet, wer was wo mobilisiert. Entscheidend hierfür sind auch die Zonen, in denen Demonstranten und Gegendemonstranten aufeinander tref­ fen. Pegida-Veranstaltungen sind Pflicht, auch bei anderen rechts- oder linksextremen Ver­ anstaltungen schauen wir, wer wie vor Ort sein kann. Außerdem habe ich zeitweise zu bestimm­ ten Demonstrationen, wenn man weiß, dass es hef­tiger zugehen kann, einen Fahrradhelm mitgenommen. Kein Scherz! Gab es prägende Ereignisse? Du meinst sowas wie Angriffe oder Übergriffe? Mittlerweile reicht da ein Ereignis nicht mehr aus. Es sammeln sich viele an mit der Zeit. Bei Pegida sind es grundsätzlich die üb­ lichen Pöbeleien. Wenn allerdings ein kon­ kretes Ziel feststeht, beispielsweise die Eröff­ nung von Flüchtlingsheimen in Prohlis oder Heidenau, gehen solche Angriffe auch ins Körperliche über. In Prohlis beispielsweise wurden wir im Oktober mit Steinen beworfen. Die waren eigentlich für die Polizei gedacht, aber wir mussten mit den Einsatzkärften vorrücken. Sonst hätte es für uns gefährlich werden können, weil der Bereich hinter den polizeiformationen nahezu ungeschützt war. Sehr heftig war auch der Pegida Jahrestag, bei dem eine Straßenschlacht direkt vor unserem Redaktionsgebäude stattfand. Kommen solche Angriffe nur von PegidaAnhängern oder auch von Gegendemons­ tranten? Von beiden Seiten natürlich. Extremismus endet oft in Gewalt, egal ob rechts oder links beeinflusst. In Heidenau haben mich fünf Gegendemonstranten, also Linksextreme, angegriffen und geschlagen. Sie dachten wohl, dass ich ein Rechter bin oder zu Pegi­ da gehöre. Ich habe sie angeschrien, dass sie aufhören sollen, ob sie wollen, dass nach den


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Nazikrawallen nun in der Zeitung stehen soll, Artikel dass die Antifa Journalisten angreift. Irgend­ wann haben sie mir offensichtlich geglaubt, dass ich von der Presse bin. Ganz grundsätz­ lich sind Linksextreme ebenso gewaltbereit wie Rechte. Du hast von der Sache mit Prohlis erzählt. Ist es schwierig der Polizei zu vertrauen? Das kann man nicht so grundsätzlich beant­ worten. Es gab einen Vorfall in Übigau zur Eröffnung des neuen Flüchtlingsheims. Ich war als Erster vor Ort. Dort standen circa 40 bis 50 Einwoh­ ner, mit einem Teil habe ich mich unterhalten, bis ich bedrängt wurde und mich ein Stück zurück zog. Ein Kollege rief nach meiner tele­ fonischen Rückmeldung dann den Polizeino­ truf an. Dann waren wir zu dritt, mein Kolle­ ge und der Fotograf einer anderen Zeitung. Dann wurden wir arg bedrängt. Die Polizei kam dann und hat uns von dort weggenom­ men, damit wir außer Gefahr sind. Einer der Polizisten meinte, dass er im Dienst sei und dass es sein Job wäre, aber er die Leute ver­ steht und was sie für ein Problem mit der Lü­ genpresse haben. Am nächsten Tag hat sich die Pressestelle der Polizei für diese Äußerung entschuldigt, aber das nimmt einem schon ein Stück weit das Gefühl von Sicherheit. Allerdings kann man das nicht generalisie­ ren. Keinesfalls alle Polizisten sind so. Die Poli­ zei ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, genau wie jede andere Institution. Bei all diesen Erlebnissen muss es dir doch sehr schwer fallen objektiv zu bleiben, oder? Nein. Eine eigene Meinung hat jeder und mit solchen heftigen Ereignissen festigt sich diese natürlich. Aber das müssen wir als Redakteure beim Schreiben außer Acht lassen. Zumindest, wenn es um normale Berichte geht. Bei einem Kommentar ist das noch mal etwas anderes. Man kann eine Sache ja schlecht finden, aber trotzdem neutral über sie berichten.

Was denkst du, sind die wesentlichen Un­ terschiede zwischen Pegida und Legida? Beides hat, sarkastisch gesagt, seine „Qua­ litäten“. Legida hat sich mehr radikalisiert, aber die Teilnehmerzahl ist sehr gering. Der Gegenprotest ist allerdings um einiges höher. Bei Pegida gibt es viele Teilnehmer, die aber eher aus der Mittelschicht kommen und sonst nicht viel mit Rechtsextremismus am Hut ha­ ben. Außerdem ist Pegida schon eine Art Tra­ dition geworden. Man trifft sich mit Freunden oder der Familie um bei dem „Spektakel“ da­ bei zu sein. Und woran liegt das deiner Meinung nach? Leipzig ist anders, eher links und weltoffener. Das begründet sich ja schon in der Tradition Leipzigs als Handelsstadt. Da war man „Aus­ länder“ in der eigenen Stadt mehr gewohnt. Dresden dagegen ist Residenzstadt. Sehr vor­ zeigbar und die Bewohner können sich viel darauf einbilden. Das Problem liegt in der Psyche Dresdens. Die Leute haben keine Lust sich gegen Pegida zu stellen. Sie wollen nur ihre Ruhe haben. Leidet dann allerdings der Ruf der Stadt, wie an den zurückgehenden Tourismuszahlen deutlich wird, dann ist da­ ran nicht Pegida schuld, sondern die Bericht­ erstattung. Was viele dabei vergessen ist, dass wir als Zeitung eine Chronistenpflicht haben und dieser auch nachkommen müssen. Wenn Dresden schuld ist, was können die Dresdner denn dagegen machen? Aufmucken. Sich hinstellen und klar positio­ nieren: „Ich will Pegida nicht in meiner Stadt haben!“ Wenn sich viele so klar ausdrücken, würde das schon sehr helfen. Nicht nur gegen Pegida sondern vor allem für den Ruf Dres­ dens. Vielen Dank für das Interview! Melanie Uhlig

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Überschrift ist ein Grundrecht Pressefreiheit Unterüberschrift Reporter Ohne Grenzen kämpft für Internetfreiheit Artikel Nicht umsonst ist die Pressefreiheit in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und im deutschen Grundgesetz verankert. Ohne unabhängig recherchierte Artikel gibt es keine unbeeinflussten Medien und ohne freie Medien wird die Demokratie stark entwertet. Als die bekannteste Organisation, die sich für den Erhalt der freien Berichterstattung einsetzt, gilt Reporter Ohne Grenzen. Sie beobachtet nicht nur die Entwicklung in Staaten, die mittlerweile Sinnbilder für Zensur und Unterdrückung geworden sind, sondern macht auch auf Fehler im System der Industriestaaten aufmerksam.

Einsätze in möglichen Kriegsgebieten und den Verlust von Gepäck. Desweiteren bietet die Organisation Nothilfe an, in Form von fi­ nanzieller und rechtlicher Unterstützung.

© Reporter Ohne Grenzen

Die Nichtregierungsorganisation Reporter Sans Frontières wurde 1985 in Montpellier ge­ gründet. Bereits neun Jahre später wurde der deutsche Ableger in Berlin ins Leben gerufen. Als Anlass für die Entstehung gilt der Tod des Journalisten Egon Scotlands. 1991 war der Kriegsreporter nach Kroatien gereist, wo er Recherchen zum Stand der Spannungen zwi­ schen Serben und Kroaten anstellte. Als er in eines der umkämpften Gebiete reiste, wurde seine Reisegruppe von Scharfschützen ange­ griffen. Scotland erlag seinen Verletzungen später in einem Krankenhaus. Daraufhin wur­ de auch in Deutschland der Ruf nach einem besseren Schutz für Auslandsjournalisten laut. Die Geburtswiege der deutschen Sektion Reporter Ohne Grenzen war ein Konferenzraum im Verlagsgebäude der Tageszeitung taz. Erst 1995 erfolgte der Umzug in die ersten eigenen Geschäftsräume. Über ihre Arbeit als Informa­ tionskatalysator für die Pressefreiheit hinaus, ist Reporter Ohne Grenzen der wichtigste An­ sprechpartner für Journalisten, die verfolgt, bedroht und in ihrer Arbeit eingeschränkt werden. Um Krisenreporter besser abzusi­ chern, bietet die Organisation seit 2002 eine Versicherung für freie Auslandsjournalisten an. Diese versichert anders als eine reguläre Auslandskrankenversicherung auch riskante

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Die Zensur des Internets Welchen Stellenwert das Medium Internet für die Presse- und damit auch Meinungsfreiheit besitzt, erkannte Reporter Ohne Grenzen sehr zeitig. Die Organisation veröffentlichte bereits 1999 zum ersten Mal den Bericht Feinde des Internet. Damals wurden 20 Staaten vorge­ stellt, welche eine Zensur oder Beschränkung auf digitale Daten vornahmen. Im Jahr 2015 wurde der Report von der Aktion Grenzenloses Internet abgelöst. Anlässlich des Welt­ tages der Internetzensur (12. März) wurden bereits zwei Jahre in Folge ausgewählte Por­ tale freigeschaltet, die aufgrund ihrer Bericht­ erstattung über aktuelle Nachrichten und die Lage des Menschenrechts von der Regierung gesperrt wurden. Hierbei werden die betrof­ fenen Seiten von Reporter Ohne Grenzen auf einen Cloudserver von Anbietern wie Microsoft, Google oder Amazon gespiegelt. Eine Zensur wäre daraufhin nur möglich, wenn die gesamte Cloud vom Netz genommen werden würde, was aus wirtschaftlichen und politi­ schen Gründen nicht realisierbar ist. Selbst für Staaten, die den Datenfluss stark regulieren, wie China oder die Türkei, hat die Blockade eines dieser global agierenden Unternehmen


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deutliche Folgen, denn nicht nur Privatper­ Artikel sonen nutzen deren Dienste. Eine Herausfor­ derung ist die Verbreitung der Information, wo die Seiten ohne Beschränkung erreichbar sind. Zusätzlich stellt die Organisation dem Nutzer die Browsererweiterung RSF Censorship Detector zur Verfügung. Der Service leitet direkt auf die gespiegelte Version um, wenn die gesperrte Seite aufgerufen wird. Der Lauscher im Netz Ähnlich wichtig ist die Beobachtung des Verkaufs von Überwachungstechnologie im In- und Ausland. Der Eingriff in die digi­ tale Privatsphäre schränkt auch die Arbeit von Journalisten ein, die ihre Quellen auf immer umständlicheren Wegen schützen müssen. Gerade in Zusammenarbeit mit

Whistleblowern ist die Versicherung von Re­ gierungen, dass Vorratsdatenspeicherung nur dem Aufspüren von terroristischen Akti­ vitäten dient, kritisch zu hinterfragen. Auch aus Deutschland stammt Spionagesoftware, die bislang noch ohne Beschränkungen ex­ portiert werden kann. Eine Kontrolle, wie der Käufer diese einsetzt, findet nicht statt. 2015 fand eine Anhörung von Reporter Ohne Grenzen vor dem Bundestagsausschuss Digitale Agenda statt, bei dem die Organisati­ on stichhaltige Beweise für den Export von Überwachungssoftware durch deutsche Un­ ternehmen in Länder mit fragwürdiger Men­ schenrechtssituation vorlegte. Zuvor hatte bereits die OECD den Zustand angeklagt. Eine Gesetzesänderung steht bislang noch aus. Beatrix Dombrowski

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Überschrift Von Damals bis Heute Unterüberschrift Die Geschichte der Kriegsberichterstattung Artikel Krieg ist ein Grundpfeiler unserer Geschichte. Nicht nur unserer Geschichte als Nation, sondern unserer Geschichte als Menschen. Erste Anzeichen für gewalttätige Auseinandersetzungen finden sich bereits an den Überresten früher Menschen von vor 10 000 Jahren. Doch während der Krieg auf eine lange Tradition zurückblickt, ist die Kriegsberichterstattung wie wir sie heute kennen, ein Produkt des 20. Jahrhunderts.

Alexander der Große ©Wikimedia Commons

Lange stammten die einzigen Informationen, die die Zivilbevölkerung über den Krieg hat­ te aus den Berichten von Heimkehrern. Dies änderte sich mit Alexander dem Großen. Er erkannte den Wert von Information und ließ Schreiber die Geschehnisse dokumentieren. Diese Schriften hielten sich allerdings nur sel­ ten an die Wahrheit. Sie wurden häufig zu Pro­ pagandazwecken oder zur Fehlinformation der Gegner genutzt. Bildhafte Abbildungen aus dieser Zeit zeigen zwar Heere und krie­ gerische Handlungen, doch dienen diese nur bedingt der historischen Dokumentation. Neutralität ist somit bereits seit den Anfängen der Kriegsberichterstattung unerwünscht. Die überwiegende Systemtreue der Berichte gerät erst Jahrhunderte später ins Wanken. Bilder aus dem Krieg Als im 19. Jahrhundert die Fotografie auf­ kommt, birgt sie neue Möglichkeiten der D­ okumentation. Erste Kriegsfotografien stammen aus dem Amerikanischen Bürger­ krieg. Reisende Fotografen ziehen mit ganzen Wagenladungen Equipment von Schlacht zu Schlacht um festzuhalten. Seitdem werden Konflikte multimedial dokumentiert. Obwohl Möglichkeiten bestehen, findet während des Ersten Weltkriegs kaum Bericht­ erstattung von der Front statt. Die Bevölke­ rung wird lange in Sicherheit gewogen, um die Moral und den Willen zur Unterstützung des Krieges aufrechtzuerhalten.

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Der Zweite Weltkrieg wird zum ersten medial gut abgedeckten Krieg. Presse, Hörfunk und Film sind inzwischen besser entwickelt und unabhängiger. Einzelne Journalisten werden erstmals mit tragbaren Filmkameras ausge­ stattet. Sie schließen sich den Truppen an und berichten von der Front. Filmrollen erreichen durch den Flugverkehr schnell ihr Ziel, die zu­ gehörigen Texte werden häufig nicht mehr durch Brieftauben, sondern über Funk wei­ tergegeben. Zum ersten Mal ist es möglich, zeitnah die Zivilbevölkerung über den Krieg zu unterrichten. Die Berichte sind allerdings noch immer an die Politik gekoppelt. Neue Spielregeln Dies ändert sich endgültig im Vietnamkrieg. Die Sechziger Jahre bringen einen großen gesellschaftlichen Umbruch. Die Werte der Nachkriegsjahre bröckeln und überall in der westlichen Welt fangen Menschen an sich kritisch mit ihren Systemen auseinanderzu­ setzen. Die Zahl der Journalisten steigt in die­ sem Krieg exponentiell an. Sie können sich frei im Land bewegen, ihr Journalistenstatus schützt sie und das US-Militär kontrolliert ihre Arbeit kaum. Es kommt zur weitgehend un­ zensierten Dokumentation des Krieges. Die im Vietnamkrieg tätigen Journalisten produ­ zieren Bilder und Berichte, die erstmals die brutale Realität des Krieges darstellen und die Berichterstattung bis heute prägen. Für die amerikanische Regierung kommt es zu einem nie dagewesenen Mediendebakel. Im Frühsommer 1982 führt Großbritannien Krieg gegen Argentinien um die Falklandin­ seln. Eine geringe Anzahl Journalisten beglei­ tet die britischen Truppen um die Kämpfe zu dokumentieren. Da es sich, um einen Seekrieg handelt, ist alle Informationsübermittlung an das Militär gebunden. Dieses verhindert je­ doch weitgehend den Austausch. Berichter­ stattung ist nur schleppend und zeitversetzt möglich, was de facto zur Zensur führt. Eine


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Image-Katastrophe wie der Vietnamkrieg Artikel kann vermieden werden. Nach diesem „Erfolg“ wird eine ähnliche Strategie auch in den Golfkriegen angewandt. Ausgewählte Journalisten dürfen sich in ab­ gegrenzten Camps in der Konfliktzone oder in einem Hotel außerhalb aufhalten. Diese abge­ schlossenen Bereiche sind allerdings nicht zu verlassen. Einem britischen Journalisten und früheren Offizier gelingt es, sich bei der Ope­ ration Desert Storm in die britische Truppe ein­ zuschleusen und Filmmaterial aufzunehmen und außer Landes zu bringen.

Britische Einheit, 2. Golfkrieg © Wikimedia Commons

biete wagt, muss seit jeher mit dem Tod rech­ nen, doch in den letzten 15 Jahren hat sich für Reporter etwas Entscheidendes verändert:

Embedded Journalism Nach dem Scheitern des totalen Medien­ ausschlusses, kommt der sogenannte eingebettete Journalismus. Es handelt sich dabei um die Berichterstattung von der Front durch Begleitung einzelner Einheiten. Viele Journa­ listen vertreten eine gespaltene Meinung zu dem Thema, da die Politik indirekt Einfluss auf die Berichte ausübt. Diese Technik findet im Irakkrieg 2003 einen ersten Höhepunkt. Von Alexander dem Großen bis in die 1990er Jahre war es nie leicht verdientes Geld über den Krieg zu berichten. Wer sich in Konfliktge-

Journalist zu sein bot früher zumindest einen gewissen Schutz, heute hingegen ist oft das Gegenteil der Fall. Gezielte Jagd und medial aufbereitete Hinrichtungen sind zur traurigen Realität geworden und doch weigern sich die meisten, den Kampf für freien Journalismus aufzugeben.

Amelie Müller

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Geschichte des Buchmarkts

Buchhandelsmanagement

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Die Inhalte der aktuell geplanten 21 Hefte ergeben sich aus den Themen der Lehrveranstaltungen und Module der unterschiedlichen Studiengänge ›Rund ums Buch‹. buch & medien Studienhefte

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Die Studienhefte erscheinen im DIN-A4-Format und bieten in fünf Rubriken: Inhalte der buchwissenschaftlichen und buchpraktischen Studiengänge; kompakte, lernorientierte Umsetzung der Inhalte; prägnante Darstellungen; übersichtliche typografische Gestaltung; bedruckte Ordnerrücken für eine thematische Ablage.

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Überschrift Im rechtlichen Minenfeld Unterüberschrift Was bei der Veröffentlichung von Bildern zu beachten ist

© Pixabay

Artikel Fotografen tummeln sich auf Veranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse überall. Beliebte Fotomotive finden sich schließlich an jeder Ecke der Messe, sei es der berühmte Autor, der bunte Cosplayer oder einfach einer der tausenden Besucher. Fotos sind in Zeiten sozialer Medien schnell mit der Welt geteilt, die besten von ihnen verteilen sich wie ein Lauffeuer. Doch was, wenn ein Besucher der Buchmesse etwas dagegen hat, sich selbst auf einem Foto der Veranstaltung im Internet wiederzufinden? Bild oder Bildnis? Um die rechtliche Seite dieses Problems klä­ ren zu können, muss man den Unterschied zwischen einem Bild und einem Bildnis ken­ nen. Die Nutzung von Bildern in den Medien allgemein hat seit Mitte des 20. Jahrhunderts stark zugenommen, immerhin sagen Bilder einem Sprichwort nach mehr als tausend Worte. 1994 prägte der amerikanische Kunst­ historiker W. J. Thomas Mitchell den Begriff pictorial turn, womit er die Ablösung der Schrift als bestimmendes Medium durch das Bild bezeichnete. Bilder übernehmen, je nach Nutzung und Kontext, verschiedene Funktionen. Diese kön­ nen zum Beispiel dokumentierend, didaktisch, psychologisch und ästhetisch sein. Besonders in der Dokumentationsfunktion sollen Bilder Situationen und Momente für die Öffentlich­ keit ausdrucksstark abbilden und damit nach­ vollziehbarer und greifbarer machen. Texte und Themen können so schneller verstanden werden. Bilder wecken die Aufmerksamkeit der Leser und können illustrativ Zusammen­ hänge darstellen und Gedächtnisstützen bil­ den. Sie können auch manipulieren, sugge­ rieren, täuschen oder verschleiern. Zwingend vorauszusetzen ist daher die Objektivität von Fotos, wenn sie zu journalistischen Zwecken verwendet werden. Unter einem Bildnis hingegen versteht man

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laut § 22 KUG (Kunsturheberrechtsgesetz) eine Abbildung einer Person, deren äußere Er­ scheinung in einer für Dritte erkennbare Wei­ se wiedergegeben wird. Die Erkennbarkeit ergibt sich in der Regel aus der Abbildung der Gesichtszüge oder anderer typischer Merk­ male einer Person. Zeigt das Foto einer Person keine deutliche Erkennbarkeit, vermittelt aber durch eine Bildunterschrift eindeutig den Na­ men des Abgebildeten, handelt es sich trotz­ dem in jedem Fall um ein Bildnis. Somit kann sicher gesagt werden, dass es sich bei einem Bild des Messebesuchers um ein Bildnis handelt, wenn er auf dem Foto er­ kennbar ist. Das Recht am eigenen Bild Bildnisse dürfen nur mit vorheriger Einwilli­ gung der abgebildeten Person veröffentlicht werden. Diese Zustimmung für den jewei­ ligen Verwendungszweck einzuholen liegt in der Pflicht des Fotografen und kann mündlich, sollte aber zur Absicherung besser schriftlich eingeholt werden. Das Recht am eigenen Bild basiert auf § 22 Satz 1 KUG und schützt zu Lebzeiten, plus zehn Jahre darüber hinaus. Da es sich hierbei aber auch um ein wichtiges Persönlichkeitsrecht handelt, können ebenso Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes der Bun­ desrepublik Deutschland (GG) hinzugezogen werden. Werden trotz dieser Regeln Bildnisse un­ erlaubt veröffentlicht, kann der Geschädigte auf Unterlassung oder sogar Schadensersatz bestehen. Ausnahmen bestätigen die Regel Da ein dauerhaftes Verzichten auf das Veröf­ fentlichen von Bildnissen die Pressefotografie und die in Artikel 5 GG festgelegte Pressefrei­ heit zu stark einschränken würde, gibt es Aus­ nahmen von der strengen Einwilligungserfor­ dernis. Definiert sind sie im § 23 KUG.


SPEZIAL :: 27

Bei der ersten Ausnahme handelt es sich Artikel um die Abbildung von Personen der Zeitge­ schichte. Medien haben für das allgemeine Interesse der Öffentlichkeit die Pflicht über Vorkommnisse aufzuklären, zu informieren und zu kritisieren. Um dies zu gewährleisten dürfen Personen frei gezeigt werden, die zur politischen, sozialen, wirtschaftlichen oder kulturellen Öffentlichkeit gehören. Ausge­ nommen davon sind aufgrund des Jugend­ schutzgesetzes Kinder und Jugendliche. Doch auch wenn Medienschaffende auf­ grund der allgemeinen Pressefreiheit ihre Ar­ beit ohne Zensur durchführen dürfen, muss stets zwischen einem wirklichen Informati­ onsinteresse der Allgemeinheit und dem Sen­ sationsbedürfnis unterschieden werden. Ein Bericht oder Bildnis ist unangemessen sen­ sationell, wenn der Mensch zum Objekt oder bloßen Mittel herabgewürdigt wird. Diese Art der Berichterstattung rechtfertigt nicht die Nennung und Abbildung von Personen. Besonders wichtig ist diese Einschränkung bei der Veröffentlichung von Bildern, die ver­ letzte oder tote Menschen zeigen. Dahinter steht das Recht auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde, verankert im Grundgesetz und zur Überwachung speziell der Medien im Kodex des Deutschen Presserates. Mithilfe von Artikel 5 GG kann für jeden ein­ zelnen Fall ein Spielraum abgeleitet werden, innerhalb dessen nach publizistischen Krite­ rien entschieden werden kann, was im öffent­ lichen Interesse steht. Maßgeblich ist aber im­ mer die öffentliche Relevanz der Abbildung selbst, nicht die der Person im Bild. Die zweite Ausnahme tritt ein, wenn eine Person lediglich Beiwerk des Hauptmotivs eines Bildes darstellt. Ein Beispiel dafür ist die Aufnahme einer Landschaft, an deren Bildrand eine Person erkennbar ist. Das Feh­ len dieser Person würde das Bild nicht beein­ trächtigen, was sie zu einem Beiwerk macht. Es handelt sich also nicht um eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild, sollte diese Auf­

nahme der Landschaft veröffentlicht werden. Zu beachten ist, dass immer für jedes Bild ein­ zeln abgewogen werden muss, ob es sich um Hauptmotiv oder Beiwerk handelt. Die dritte Abweichung stellen Fotos von öffentlichen Versammlungen dar. Wer an eben solchen teilnimmt, muss immer damit rechnen, abgelichtet zu werden. Dabei geht es um frei zugängliche, öffentliche Veranstal­ tungen wie Konzerte, Demonstrationen und Konferenzen, welche auf der Aufnahme auch im Vordergrund stehen müssen. Das Hervor­ heben einzelner Personen ist nicht gestattet. Zufällig ausgeführte Versammlungen, wie sie beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmit­ teln auftreten, sind ebenso von der Ausnah­ me ausgeschlossen. Vierte und letzte ausnahmsweise Zulässig­ keit der Bildnisveröffentlichung stellen Bild­ nisse dar, die einem höherem Interesse der Kunst dienen. Veröffentlichen oder nicht? Grundsätzlich ist jede Entscheidung über die Veröffentlichung eines Fotos, welches eine Person zeigt, individuell zu treffen. Um dies zu tun, können allerdings generelle Schritte ab­ gearbeitet werden. Folgende Fragen helfen bei der Entscheidung: Liegt überhaupt ein Bildnis vor? Wenn ja, habe ich die Einwilligung des Abgebildeten zur Veröffentlichung? Liegt ansonsten eine Ausnahme gemäß § 23 Absatz 1 KUG vor? Ver­ letze ich mit der Veröffentlichung die berech­ tigten Interessen des Abgebildeten? Nach der Klärung dieser Fragen lässt sich an dieser Stelle sagen, dass das Foto des Buch­ messenbesuchers ohne seine vorherige Er­ laubnis veröffentlicht werden darf, da er dabei Teil einer öffentlich zugänglichen Veranstal­ tung war. Cindy Schulze

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28 :: Lokales Rubrik

Überschrift Die Wurzeln des Verlegertums Unterüberschrift ...in Leipzig

Friedrich Arnold Brockhaus © Wikimedia Commons

Artikel Leipzig war einst eine der größten Verlagsmetropolen, bis Berlin Leipzig den Rang abgelaufen hat. In der Zeit um 1928 waren hier um die 500 Verlage ansässig, davon sind nur knapp ein Zehntel übriggeblieben. Doch wenn man Leipzigs Geschichte näher betrachtet, fällt es auf wie viele großartige Erfolgsgeschichten hier ihren Ursprung genommen haben. Friedrich Arnold Brockhaus (1772-1823)

Ernst Rowohlt © Rowohlt Archiv

Der Brockhaus hat in Leipzig eine lange tra­ ditionsreiche Vergangenheit. Friedrich Ar­ nold Brockhaus, Begründer des Verlages F. A. Brockhaus wählte nur wenige Jahre nach der Gründung 1817 den Standort Leipzig für sein Lebenswerk aus. Seine Entscheidung sollte auch in den kommenden Generationen wäh­ ren. Nach seinem Tod übernahmen seine Söh­ ne Heinrich und Friedrich die Führung und dann wiederrum deren Söhne, um die ange­ sehenen Enzyklopädien und Lexika herauszu­ bringen. Später ist der Verlag nach Mannheim umgezogen, doch bis heute erinnert der Name des F. A. Brockhaus-Gymnasiums Leip­ zig an die 200-jährige Verlagsgeschichte. Verlegerweisheit von Friedrich Arnold Brockhaus: „Der Verlagsbuchhandel ist eine Lotterie, wo es immer neun Nieten gegen einen Treffer gibt.“ Kurt Wolff (1887-1963)

Kurt Wolff © Frank Eugene

Vielleicht bei einem kleinen Winterspazier­ gang an der Elster, lernte Kurt Wolff im Jahre 1909 Ernst Rowohlt kennen. Kurt Wolff war zu der Zeit ein wohlhabender Student und Ernst Rowohlt auf der Suche nach einem Geldgeber für seinen ersten Verlag. Viel Mitspracherecht hatte Wolff wohl nicht und so trennten sich die Wege beider Herren wieder. Wolff blieb der Inhaber des Verlages und Rowohlt trat aus, daraufhin benannte er ihn um in den Kurt Wolff Verlag. Dieser wurde einer der damals

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wichtigsten Verlage expressionistischer Lite­ ratur mit Werken von Franz Kafka, Max Brod und Georg Heym. Wolff war später außerdem im Besitz mehrerer Imprint-Verlage und grün­ dete in Leipzig den Der neue Geist Verlag. Kurt Wolff war ein wahrer Weltenbummler. Weitere Aufenthaltsorte waren Florenz, London, Fran­ kreich, New York und Marbach. Verlegerweisheit von Kurt Wolff: „Man verlegt entweder Bücher, von denen man meint, die Leute sollen sie lesen, oder Bücher, von denen man meint, die Leute wollen sie lesen.“ Ernst Rowohlt (1887-1960) Ernst Rowohlt wurde in Bremen geboren, star­ tete aber seine berufliche Laufbahn in Leipzig. Vor Rowohlts Zeit als Verleger absolvierte er ein Volontariat in der Druckerei Breitkopf & Härtl in Leipzig. Nachdem er einige Einblicke in die Buchbranche erhielt, fasste er den Ent­ schluss einen eigenen Verlag zu gründen und schloss sich mit Kurt Wolff zusammen. Doch die Zusammenarbeit währte nicht lange, auch aufgrund Rowohlts Temperament. Einen zweiten Versuch der Verlagsgründung wagte er 1919 in Berlin, der leider auch nicht von Dauer war. Rowohlts Verlag war sehr erfolg­ reich mit bis zu einer Millionen verkauften Ex­ emplaren eines Bestsellers – doch als die Na­ tionalsozialisten an die Macht kamen, wurde die Hälfte seiner verlegten Bücher verbrannt, beschlagnahmt und verboten. Er und seine Familie flüchteten nach Brasilien und hinter­ ließen den Verlag, der 1943 endgültig schlie­ ßen musste. Doch das hielt ihn nicht davon ab einen neuen Versuch zu starten, als sich die Lage stabilisiert hatte. So öffnete der Rowohlt Verlag 1945 in Stuttgart erneut und ist bis heute eines der bedeutendsten Verlagshäu­ ser Deutschlands. Verlegerweisheit von Ernst Rowohlt: „Kein Autor wird dich im Wesen richtig erkennen. Entweder bist du für ihn ein pfiffiger Kauf-


Lokales Rubrik :: 29

mann oder ein freundlicher Mäzen; du bist Artikel aber keins von beiden. Du hast den blödesten Beruf der Welt ergriffen.“ Paul List (1869-1929) Wer in Leipzig schon einmal in die Notfallauf­ nahme musste, kennt vielleicht die Paul-ListStraße. Wie die damalige Carolinenstraße ih­ ren heutigen Namen bekommen hat, ist eine interessante Geschichte. Paul List wurde als Sohn eines Landwirts geboren und begann zuerst ein Studium der Landwirtschaft in Göttingen. In einem Berli­ ner Verlag erlernte er zusätzlich den Beruf des Buchhändlers, da sein Großvater Verlagsbuch­ händler war. Er entschied sich schlussendlich für die Karrierelaufbahn des Verlegers und gründete 1894 den Paul-List-Verlag in Berlin,

der kurzerhand nach Leipzig in die Carolinen­ straße 22 gezogen ist. Durch den damaligen Standort des List-Verlagshauses bekam die Straße ihren Namen. Zu Lists Verlagspro­ gramm zählten Unterhaltungsromane sowie Sachbücher. Heute ist der List-Verlag Teil des Ullstein Verlags. Paul List war wohl ein sehr schweigsamer Geselle oder es fehlen einfach die Aufzeich­ nungen. Deswegen gibt es an dieser Stelle keine Verlegerweisheit.

Paul List © Wikimedia Commons

Das war nur eine kleine Exkursion in die verle­ gerische Geschichte Leipzigs. Bis heute setzt sich diese Tradition fort: Immer wieder grün­ den sich neue Verlage und schreiben einzig­ artige Geschichten. Viktoria Gamagina

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30 :: Lokales Rubrik

Überschrift Die Leipziger Gose Unterüberschrift Eine kulinarische Zeitreise So trinkt man Leipziger Gose: Pur Mit einem Sirup rot oder grün (der „Sonnen­ schirm“) Mit Kirschlikör (die „Frau­ enfreundliche“) Mit einem Kümmellikör (Allasch, der „Regen­ schirm“)

Artikel Erfunden, verbreitet, etabliert, enteignet, vergessen, erinnert, wiederbelebt – dies wäre die bewegte Geschichte des besonderen Getränkes im extremen Zeitraffer. Die Leipziger Gose ist trotz ihrer wechselhaften und krisendurchsetzten Vergangenheit nie ganz verschwunden, erfreut sich heute internationaler Beliebtheit und gehört wieder fest zur Identität der sächsischen Metropole. Doch woher kommt sie genau und wohin mag ihr Weg noch führen?

Mit Curacao (der „Blaue Engel“) Mit Bananen- und Erd­ beersaft Mehr zur Gose unter: gosenschenke.de bayerischer-bahnhof.de leipziger-gose.com

© Viktoria Gamagina

Der Name der Gose (nicht zu verwechseln mit Umberto Eco‘s Debütroman) geht auf die nie­ dersächsische Stadt Goslar im Harz zurück. Das Wasser des Flusses Gose wurde dort bereits im Mittelalter zum Brauen benutzt und gab dem „Goslarischen Bier“ seinen Spitznamen. Dieses Gebräu ist obergärig und erhält seinen speziellen und für Erstprobierer durchaus ge­ wöhnungsbedürftigen Geschmack durch den Zusatz von Kochsalz und Koriander in Verbin­ dung mit einem hohen Anteil an biologischer Milchsäure. Unbestätigten Überlieferungen zufolge soll Kaiser Otto III., Herrscher über das Heilige Römische Reich deutscher Nation, ein Freund dieses Geschmackes und somit erster prominenter Unterstützer der Gose gewesen sein. Die älteste erhaltene urkundliche Erwäh­ nung datiert auf das Jahr 1332 und stammt aus dem Kloster Ilsenburg. Zügig verbreitete sich die Spezialität in die gesamte Harzregi­

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on und es entstanden weitere Brauereien in Blankenburg, Halberstadt und Quedlinburg. Die Gose wurde sogar in die für damalige Ver­ hältnisse extrem weit entfernte Hansestadt Hamburg exportiert. Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) beendete jedoch die erste Blüte­ zeit der Gose-Braukunst. Die Gose kommt nach Leipzig Es sollte bis ins 18. Jahrhundert dauern, ehe die Gose einen erneuten Popularitätsschub erfuhr. Anhalt war nun Gose-Region Num­ mer eins, da die Fürstenhäuser in Dessau und Köthen das finanzielle Potenzial des Brauens erkannt hatten und somit in Glauzig, Sanders­ leben und Wiendorf Gosebrauereien entstan­ den, welche die umliegenden Gegenden mit dem Bier versorgten. Fürst Leopold I. von An­ halt-Dessau, auch bekannt als „Der Alte Des­ sauer“, tat sich als prominenter Förderer der Gose hervor und brachte diese im Jahr 1738 nach Leipzig. Dort erwirkte er beim Leipziger Rat eine Ausschankgenehmigung und die erste Gosenschänke am Eutritzscher Markt war geboren. In der Messestadt entwickelte sich die Gose schnell zum Trendgetränk. Viele Studenten der ansässigen Universität gingen in der Gosenschenke ein und aus. Zu dieser Zeit entstand das Sprichwort „Die Studiosen tranken zwei bis zwanzig Gosen“, welches teilweise unter Kennern heute noch geläufig ist. Auch der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe soll während seiner Zeit in Leip­ zig (1765 - 1768) die eine oder andere Gose konsumiert und zudem einmal geschrieben haben „Ja, in der Gosenschänke hab‘ ich oft gesessen!“. Während der Napoleonischen Zeit wurde die Einfuhr der Gose durch Zölle und Beschrän­ kungen erschwert, was dazu führte, dass die anhaltischen Gosebrauereien in Konkurs gerieten. Braumeister Johann Philipp Leder­ mann begann deshalb 1824 mit der Herstel­


Lokales Rubrik :: 31

lung einer Gose auf dem Rittergut Döllnitz bei Artikel Halle, welches sich im Laufe der Zeit zu einem der wichtigsten Lieferanten entwickeln sollte und die berühmte Döllnitzer Rittergutsgose hervorbrachte. Auch andere Brauereibesitzer erkannten die Zeichen der Zeit und stellten aufgrund der hohen Popularität ihre Produk­ tion auf das obergärige Bier um. Die Gose war um 1900 das meistgetrunkene Bier in Leipzig und es wurde sogar mit dem Titel der „Gose­ stadt“ um Besucher geworben, was die Be­ deutung des Getränks für die Region zusätz­ lich unterstreicht.

Jahr die aufwendig rekonstruierte, traditions­ reiche Gosenschenke Ohne Bedenken, welche sich seit 1899 im Stadtteil Gohlis befunden hatte. Nach der Wiedervereinigung beginnen erste Versuche des Gosebrauens im kleinen Format, bevor die Produktion 1999 in der neu gegründeten Döllnitzer Gosebrauerei in Serie geht und die Rittergutsgose wieder erhältlich ist.

Niedergang und Wiederauferstehung Auf den Gose-Boom, welcher bis in die 1920er Jahre anhält, folgt eine Zeit der Stagnation und des Rückganges der Begeisterung für die Gose. Ein Grund dafür ist das Aufkommen des „neuen“ Biers, des Pils, welches den Weg aus Tschechien in den deutschen Markt findet und dort in kürzester Zeit andere etablierte Sorten verdrängt. Noch heute bilden nach Pilsner Brauart hergestellte Biere den Großteil der in Deutschland produzierten und verkauf­ ten Biere. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begin­ nt das dunkelste Kapitel der Leipziger Gose. 1945 erfolgt die Enteignung der Brauereien und es gibt für die nächsten vier Jahre über­ haupt keine Gose, da das Getreide zur Ernäh­ rung der hungernden Bevölkerung gebraucht wird. In einer kleinen Brauerei stellt der Leip­ ziger Braumeister Friedrich Wurzler ab 1949 wieder Gose im kleinen Umfang her und beliefert die Gastronomen der Stadt. Die Fir­ ma muss jedoch 1966 schließen und für lan­ ge Zeit wurde es ruhig um das Kultgetränk. Erst 1986 kommt es zur Auferstehung. In der Weißbierbrauerei des VEB Getränkekombinat Berlin lässt der Leipziger Spezialkneipier Lo­ thar Goldhahn erstmals wieder Gose nach al­ ter Rezeptur brauen und eröffnet im gleichen

© Viktoria Gamagina

Im neuen Jahrtausend begann eine weitere Renaissance der Leipziger Gose mit der Eröff­ nung der Gosebrauerei Bayrischer Bahnhof, welche die Leipziger Gose in der historischen Flasche mit langem Hals anbietet. Immer mehr Gastronomen bieten seitdem die Gose wieder an und auch im Einzelhandel ist sie mittlerweile zu haben. Der anhaltende CraftBeer-Trend der letzten Jahre sorgt für Auf­ merksamkeit, sodass es die preisgekrönte Gose sogar in den USA zum Hype gebracht hat und von Bierfreunden aus der ganzen Welt geschätzt wird. Die Entwicklung weg vom Po­ chen auf das deutsche Reinheitsgebot hin zur Offenheit und Experimentierfreudigkeit beim Brauen hat der Gose in Sachen Akzeptanz zu­ sätzlich geholfen und sie als regionale Köst­ lichkeit wieder etabliert. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch in Zukunft der Fall ist und die Tradition weiter leben kann. Goseanna!

Norman Zwanzig

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32 :: Rezensionen

Aufgeschlagen Rezensionen ... © Albrecht © Goldmann KnausVerlag Verlag

Titel 1Zorn der Wölfe“ von Jiang Rong (Lu Jiamin) „Der

© Kiepenheuer © Penhaligon & Verlag Witsch

Goldmann Albrecht Knaus Verlag Verlag 24,99€€ 9,99 432 Seiten, Taschenbuch 704 Gebunden ISBN:978-3-442-47395-3 ISBN 978-3813503937

„Im Norden Text Rezension Pekings, hinter dem Gebirgszug mit der Großen Mauer, frisst sich, wenige Au­ tostunden von den Vororten der Metropole entfernt, die Wüste ins Land. Wo sich heute karge Steppe ausbreitet, erstreckten sich vor einem halben Jahrhundert schier unermess­ liche Weideflächen.“ (Elke Kreil, Der Zorn der Wölfe, 2. Auflage, S. 7) China, 1960er Jahre: Als die Mongolei noch keine Wüste war, reist der chinesische Stu­ dent Chen Zhen zu den dort lebenden Vieh­ züchtern. Er lernt die Traditionen und Mythen des mongolischen Volkes kennen und findet große Faszination an den Wölfen, die mit den Menschen in Einklang leben. Seine besondere Liebe gilt einem Wolfsjungen, das er aufzieht. Doch die fortschreitende Kulturrevolution unter Mao Zedong zerstört dieses Gleichge­ wicht.

Unter dem Pseudonym Jiang Rong hat der chinesische Schriftsteller Lu Jiamin ein Werk geschaffen, das Roman, Autobiografie und politischer Aufruf zugleich ist. Dabei gleicht es einem Wunder, dass es das Buch überhaupt durch die chinesische Rezension geschafft hat. Viermal wurde er als Konterrevolutionär verfolgt und saß 18 Monate in Haft. Heute ist sein Werk das Meistgelesene in China nach der Mao-Bibel. Man schätzt, dass bis zu 20 Millionen Raubkopien im Umlauf sind. Unterhaltsam und mit einem Schreibstil, der unter die Haut geht, zeigt Lu Jiamin eine ganz persönliche Seite der Geschichte Chinas und der Mongolei. Maxi Pfeil

Titel 2 Player One“ von Ernest Cline „Ready

Penhaligon KiepenhauerVerlag & Witsch 14,14 19,99 € 512 399 Seiten, Gebunden ISBN 978-3-764-53090-7 ISBN-13: 978-3462040449

In einer Text Rezension Welt, in der die Klimakatastrophe, aufgebrauchte fossile Ressourcen und stän­ diger Hunger Realität geworden sind, besteht Wades Alltag aus Unterricht und der Jagd nach Hinweisen auf einen legendären Schatz – online. Das global vernetzte Multiplayer­ game OASIS ist die Basis des sozialen Lebens geworden. Nach dem Tod dessen Schöpfers, Game Designer James Halliday, wurde mit­ hilfe einer Videobotschaft verkündet, dass demjenigen, der ein in OASIS verstecktes Rät­ sel löst, das Vermögen und der Konzern des Genies vermacht wird. Wade ist derjenige, der den ersten Schlüssel findet und damit einen Wettlauf gegen die Zeit startet, denn auch ein gieriger Großkonzern ist an Hallidays Erbe in­ teressiert und würde OASIS in einen weiteren Ort der Ausbeutung verwandeln.

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In den USA erschien Ready Player One bereits 2010 und glänzt mit einer geballten Ladung an Wissen über Spiele, Serien, Filme und Mu­ sik der 80er Jahre. Doch auch für Leser, die sich nicht in ihre Kindheit zurückversetzen wollen, birgt der Roman jede Menge spannungsgela­ dene Action in einem sehr realistischen Onli­ negame und einen Hauptcharakter, der erst nach und nach begreift, auf welches Spiel er sich eingelassen hat. Was nach einer düsteren Erzählung klingt, wurde von Ernest Cline auf eine selbstironische Art und Weise verpackt, denn sowohl der Autor als auch Halliday kann man als Nerdgötter auf ihrem Fachgebiet bezeichnen. 2018 soll das Buch von Steven Spielberg verfilmt werden. Beatrix Dombrowski


Rezensionen :: 33

Michael Text Rezension ist das Einzige, das Rose außer dem Theater spielen noch liebt. Und Michael liebt Rose, das zeigen sie sich, wenn sie im Flur kur­ ze Berührungen austauschen oder sich heim­ lich küssen. Und weil sie sich lieben, schlafen die beiden miteinander, in den Dünen, als der Sommer endet und vergessen völlig die Verhütung. So kommt es, dass Rose ein paar Wochen später „Meine Periode ist seit 61 Ta­ gen überfällig“ googelt. Ein Test bestätigt die Schwangerschaft der Schülerin. Doch schwanger sein, das ist doch wie einen Virus haben, der irgendwann wieder weg geht, denkt Rose. So beginnt sie mit allen Mitteln den „Virus“ loszuwerden, der in ihrem Bauch heranwächst und das Unheil nimmt seinen Lauf ... Die australische Autorin Dianne Touchell hat mit ihrem zweiten Roman geschafft, was viele

Romane rund um das Thema Schwanger­ schaft von Teenagern nicht schaffen. Die Ge­ schichte lässt den Leser auch nach Zuklappen des Buches nicht los und so möchte man Rose am liebsten schütteln für das, was sie sich selbst und ihrem ungeboren Kind antut und ihr Umfeld auf das Drama hinweisen, das sich vor ihren Augen abspielt. Kleiner Wahn ist im Königskinder Verlag er­ schienen, einem Imprint des Carlsen Verlags. Gemäß dem Grundsatz „Ein Werk der Schön­ heit ist ein Glück für immer“ veröffentlicht der Verlag pro Jahr zehn bis zwölf Bücher von Debütanten und bereits bekannten Autoren, die sowohl „von innen als auch von außen schön“ sind.

© Königskinder Goldmann Verlag

Titel 3 Wahn“ von Dianne Touchell „Kleiner

Königskinder Verlag Goldmann 7,95 €€ 15,99 244 Seiten, Taschenbuch 272 Gebunden ISBN:978-3-551-56009-4 ISBN 978-3442465866

Lina Al Ghori

© Splitter UBooks-Verlag Verlag

Titel 4 von Christophe Arleston und Alessandro Barbucci „Ekhö“ Als Freund Text Rezension von Parallelwelten möchte ich heute eine Perle aus dem Hause Splitter vor­ stellen. Ausgestattet mit dem wunderlichen Namen Ekhö überfährt die mittlerweile vier­ teilige Reihe den Leser mit einer absurden Story und einem extravaganten Zeichenstil. Eine junge Studentin mit dem passend ku­ riosen Namen Ludmilla wird während eines Fluges vom Blitz getroffen und landet mit ih­ rem grummeligen Begleiter Juri in New York – allerdings einer seltsam anderen Version des Big Apple. Drachen durchqueren statt Flugzeugen die Lüfte, die Hochhäuser glei­ chen eher gigantischen mittelalterlichen Tür­ men und der Central Park ist eine unwirtliche Wildnis voller Monster. Über allem wachen die Preshauns, kleine eichhornähnliche We­ sen mit einem ungesunden Teekonsum, die irgendwie an den Rädern und Schalthebeln

dieses bizarren Universums zu sitzen schei­ nen. Die zwei Weltenwandler müssen nun schnell ihre Überraschung abschütteln, denn Ludmilla hat eine ominöse Künstleragentur geerbt, die kurz vor dem Bankrott steht. Und der einzige Weg zurück nach Hause führt über die mysteriösen Preshauns, doch diese ha­ ben ihre ganz eigenen Pläne mit den beiden. Herzstück des überdrehten Comics sind die fantasievollen Zeichnungen, die strotzend vor aberwitzigen Details und leuchtenden Farben dazu einladen, einige Stunden vollständig in diesen traumhaften Bilderrausch abzutau­ chen.

Splitter Verlag UBooks-Verlag 9,95 €€ 14,80 142Seiten, 64 Seiten,Gebunden Broschiert ISBN 978-3-86869-675-2 978-3-86608-143-7

Niklas Gaube

Leipziger Leipziger LercheLerche 42 | Herbst 45 | 2016 2013


34 :: Ausmalen Rubrik & Impressum

Überschrift Jetzt wird ausgemalt! Unterüberschrift Artikel

Impressum „Leipziger Lerche“ Anzeigen-Chef: Tankred Hielscher ISSN: 1430-0737

Anzeigen: Melanie Uhlig, Ronny Wenzel, David Barthelmann, Nor­

Auflage:

3 500 Exemplare

man Zwanzig, Michael Kroschwald, Eva Goetzke

Herausgeber:

Hochschule für Technik, Wirtschaft und

Layout-Chef: Beatrix Dombrowski

Kultur Leipzig, Fakultät Medien,

Layout: Fabian Schwab, Fanny Perdereau, Maxi Pfeil, Lina Al Ghori,

Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft,

Viktoria Gamagina, Amelie Müller

Karl-Liebknecht-Str. 145, 04277 Leipzig

Titelbild: © Maksim Mladzinau

Internet: www.fbm.htwk-leipzig.de

Editorial:

© Christin Fetzer

www.leipzigerlerche.com

Titelbild Spezial:

© Beatrix Dombrowski

E-Mail:

lerche-online@htwk-leipzig.de

(Text: Deutsches Grundgesetz)

V. i. S. d. P.:

Prof. Gunter Janssen

Reproduktion/Druck:

Anke Schlegel, Roger Troks,

Chefredakteur: Christin Fetzer

Hausdruckerei der HTWK,

Redaktion:

Gustav-Freytag-Str. 40, 04277 Leipzig

Christin Fetzer, Beatrix Dombrowski, Cindy Schul­

ze, Fabian Schwab, Tankred Hielscher, Melanie Uhlig, Amelie Müller,

Weiterverarbeitung: IGT Colordruck GmbH,

Fanny Perdereau, Aurélie Scherrer, Lina Al Ghori, Niklas Gaube,

Ronny Wenzel, Maxi Pfeil, David Barthelmann, Viktoria Gamagina,

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung bei der

Norman Zwanzig

Leipziger Lerche 45 42 | Herbst 2016 2013

Mommsenstraße 2, 04329 Leipzig

Papierfabrik Schleipen und der Lehrbuchhandlung Bumerang.


Die n채chste Leipziger Lerche erscheint p체nktlich zur Leipziger Buchmesse 2017. Bis dahin sind wir rund um die Woche und bei Wind und Wetter online verf체gbar. Bald auf unserem Blog leipzigerlerche.com:

Berichterstattung zu den Buchmessen

Digitalisierung der Branche

Lieblingsb체cher


Rubrik :: 1

Schleipen Papier zum Lesen Papierfabrik Schleipen Kaiserslauterer Straße 403 67098 Bad Dürkheim Telefon 0 63 22 / 6 00 80 Fax 0 63 22 / 6 17 02

Die Leipziger Lerche wurde gedruckt auf Schleipen Fly 07 Schneeweiß 1,2-faches Volumen 115 g/qm

Ein Unternehmen der Cordier Spezialpapier GmbH www.cordier-paper.de

Studiengang Buchhandel / Verlagswirtschaft Fakultät Medien Regelstudienzeit: 6 Semester (inkl. Praxissemester) Voraussetzungen: allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife Studienabschluss: Bachelor of Arts » Buchhandel / Verlagswirtschaft «

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HTWK Leipzig Dezernat Studienangelegenheiten Postfach 30 11 66 04251 Leipzig www.htwk-leipzig.de

Leipziger Lerche 42 | Herbst 2013

Profile for Leipziger.Lerche

Leipziger Lerche 45  

Die aktuelle „Lerche“ Nr. 45 wirft im Spezial einen kritischen Blick auf die Buch- und Medienbranche. Wir erforschen alles rund ums aktuell...

Leipziger Lerche 45  

Die aktuelle „Lerche“ Nr. 45 wirft im Spezial einen kritischen Blick auf die Buch- und Medienbranche. Wir erforschen alles rund ums aktuell...

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