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bunte

blick

auf

die

jubiläumsrückblick #verlagegegenrechts „nichts, was uns passiert“ lesesucht? lesefreude! bibliotherapie leipziger stimmen 50 / Frühling 2019

branche

Studierendenzeitschrift des Studienganges Buchandel/Verlagswirtschaft der HTWK Leipzig

der


© Susanne Bez

und

Menschen

aus aller

Welt

www.adobestock.com - © Cifotart

Bücher

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Leipziger Lerche .indd 1

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VORWORT

editorial

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leipziger lerche frühling 2019

Liebe Leserinnen und Leser, mit der 50. Ausgabe läutet für uns die Glocke zu einem großen Jubiläum. Das wollen wir natürlich gebührend feiern! Dazu liefern wir einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Leipziger Lerche (Seite 14) und erkunden die Herkunft des für uns namensgebenden Gebäcks (Seite 15). Da wir aber natürlich keine ganze Ausgabe damit zubringen wollen, uns selbst zu feiern, haben wir auch dieses Mal wieder einen Schwerpunkt, nämlich das Thema „Vielfalt“. Dementsprechend präsentieren wir euch eine „kunterbunte Lerche“ und haben für das (farbige!) Coverfoto direkt einmal eine große Portion Konfetti geworfen. Inhaltlich berichten wir über alles, was nicht ganz genau in der herkömmlichen Mitte der Gesellschaft steht und leicht übersehen wird. So etwa die Arbeit von Blindenbibliotheken (Seite 18), die Geschichte des weiblichen Lesens (Seite 16) oder das Aktionsbündnis Verlage gegen Rechts (Seite 9). Außerdem haben wir im Lokalteil verschiedene Leipziger Persönlichkeiten und Kulturschaffende gefragt „Was bedeutet Vielfalt für dich?“ (Seite 24) und Bücher empfohlen, die aus fremden Kulturkreisen stammen (Seite 28); zum Beispiel den Science-Fiction-Roman eines chinesischen Autors und ein Jugendbuch über Rassismus. Natürlich haben wir uns angesichts des Themas auch gefragt, ob wir das Binnen-I, den Gender_Gap oder das * verwenden sollen und uns schließlich zur besseren Lesbarkeit dagegen entschieden. Wir bauen darauf, dass unser Engagement auch abseits der Typographie zur Genüge sichtbar wird. In den Interviews findet ihr jedoch mitunter alternative Schreibweisen, die den jeweiligen Wünschen der Interviewpartner entsprechen. Vielfalt, Buntheit, Diversity, Perspektivenreichtum und Pluralismus - dass es viele verschiedene Worte für das Themenfeld gibt, liegt in der Natur der Sache. Wir hoffen, für euch ein wenig Ordnung ins Chaos bringen zu können und wünschen wie immer viel Spaß beim Lesen! Eure Leipziger Lerchen


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inhalt

INHALTSVERZEICHNIS editorial ........................................................ 3

branchenanekdoten ................................................ 5

buchmarktforschung niederlande ...................................................... 6

branche reclam-museum in leipzig ......................................... 8 #verlagegegenrechts .............................................. 9 bibliotherapie .................................................. 10 was macht eigentlich...? ........................................ 12 jubiläum jubiläumsrückblick .............................................. 14 leipziger lerche ................................................ 15 vielfalt lesesucht? lesefreude! .......................................... barrierefreies lesen ............................................ „nichts, was uns passiert“ ...................................... bunte verlagswelt ...............................................

16 18 20 22

lokales htwk-news ....................................................... 23 leipziger stimmen ............................................... 24 vielfalt für leipzig ............................................ 26 buchempfehlungen die drei sonnen von cixin liu ................................... diese dinge geschehen nicht einfach so von taiye selasi ......... wer schatten küsst von marc levy ................................ the hate u give von angie thomas ................................

28 28 29 29

opencall und impressum .......................................... 30

Besucht uns auf unserem Blog leipzigerlerche.com! Jeden Sonntag erscheinen hier Blogeinträge zu spannenden Themen rund ums Buch, lustige Anekdoten oder unser monatlich erscheinender Veranstaltungskalender mit heißen Tipps zu Veranstaltungen in Leipzig.

Leipziger Lerche 50

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Frühling 2019


branchenanekdoten

GESCHICHTEN aus

dem bücher-alltag Auf Leben und Tod

Tod eines Segelreisenden In der ersten Woche nach den Sommerferien: „Ja, hallo. Ich soll so‘n Buch für Englisch besorgen.“ „Hallo. Weißt du vielleicht den Titel? Oder ist es ein Workbook?“ „Nee, das ist so ein Theaterstück oder so. Glaub‘ es hat irgendwas mit Segeln zu tun.“ „Mit Segeln? In der wievielten Klasse bist du denn?“ „11. Klasse. Das ist so ein kleines rotes Buch. The Sailing Man oder so heißt das, glaub‘ ich.“ „Achso. Meinst du Death of a Salesman von Arthur Miller?” „Ja, genau! Death of Sailman war’s. Habt ihr das vielleicht da?“ „Warte kurz, ich hol’s dir.“ Anonym

Beim Aufbau einer Aktion vor Ladenöffnung (!) hat es eine Frau in die noch dunkle Buchhandlung geschafft. Sie wird freundlich von mir darauf hingewiesen, dass noch geschlossen ist und sie ihre bestellten Bücher während der Öffnungszeit abholen müsse. Einige Stunden später, beim Abholen, beschwert sie sich bei der Kollegin über mich und sieht mich dabei zufällig vorbeilaufen. Kundin: „Der da! Der war’s! Er hat mich vorhin rausgeschmissen!” Ich: „Der Laden war noch geschlossen und die Lichter waren noch aus.” Kundin: „Ich habe jahrelang hier das Krankenhaus geleitet. Da wurde nie jemand abgewiesen!” Ich: „Na, zum Glück geht es hier nicht um Leben und Tod.” Kollegin zuckt mit den Schultern und unterdrückt ein Lachen: „Er hat schon recht.” Anonym

Schockierende Freundlichkeit Die Kundin hatte wenige Stunden zuvor ein Buch bestellt und kam noch einmal in den Laden, um es abzuholen. Sie hatte schon bezahlt und wendete sich zum Gehen. Ich, der Buchhändler: „Tschüss, Frau Müller.” Kundin: *bleibt wie angewurzelt stehen, dreht sich langsam um* „Das war aber sehr aufmerksam von Ihnen!” Anonym

Sie kennen nur Bukowski, Burroughs, Kerouac & Fante? Hoppla! Das MaroProgramm ist weit vielfältiger! Entdecken Sie unsere Autorinnen und Autoren: Persephone Abbott · Uli Becker · Mark Beyer · Bernhard Blöchl Raymond Carver · Fernando Contreras Castro · Lydia Daher Christoph Derschau · Rudolf Diesel · Juliet Escoria · Jörg Fauser Raymond Federman · Claudia Gohmert · Gert Heidenreich · John Cl. Holmes · Matthyas Jenny · Marael Johnson · Thomas Kraft Peter Krüll · Robert Lowry · Philipp Luidl · Bernard MacLaverty Andreas Mand · Miquel Martí i Pol · Malcolm Mc Neill · Jim Morrison Lisel Mueller · Susanne Neuffer · Harold Norse · Günter Ohnemus Charles Olson · Elliot Paul · Paul Renner · Frank Schäfer · Michael Schulte · Gilbert Sorrentino · Tiny Stricker · Danny Sugerman Jan Tschichold · Anne Waldman · Ruth Weiss · u. v. a. m. Über zweihundert lieferbare Titel:   w w w . m a r o v e r l a g . d e

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buchmarktforschung

WIE, ES GIBT KEIN AMAZON?! Ein Überblick über die niederländische Buchbranche

hauptstadt amsterdam fläche 41 548 km2 einwohner 17 139 856 umsatz buchmarkt ca. 467 Mio. € Verkaufte Exemplare ca. 35,3 Mio. alphabetisierungsrate 99 %

Es gibt ein kleines Land direkt am Meer, das insbesondere für seinen Käse, Holzschuhe und Wohnmobile bekannt ist. Ein Land, in dem Bücher vor allem in Buchläden gekauft werden und wo die Welt des stationären Buchhandels noch in Ordnung ist: Die Niederlande. Rund 1 500 Verlage sind als solche in den Niederlanden registriert. 95 Prozent aller erscheinenden Titel werden allerdings von gerade einmal 100 ebendieser Verlage produziert. Der Trend geht auch in den Niederlanden zur Konzentration, dennoch schaffen es viele der kleinen Verlage auf dem Markt erfolgreich zu sein. Die meisten behalten ihr individuelles Profil bei und sind konstante Mitstreiter im Wettbewerb. Die durchschnittliche Auflage eines Buches ist meist recht niedrig. Sie liegt gewöhnlich zwischen 2 000 bis 3 000 Exemplaren. Der durchschnittliche Buchpreis liegt bei circa 13 Euro. Aufgrund dieser eher kleinen Auflage verdienen niederländische Autoren vergleichsweise wenig. Damit trotzdem eine große Vielfalt in der Literatur gewährleistet wird, gibt es eine Autorenförderung. Diese soll dazu beitragen, dass das Literaturland spannend und dynamisch bleiben kann und auch neue Autoren den Sprung in die Branche wagen, ohne von den relativ niedrigen Verdiensten abgeschreckt zu werden. In den Niederlanden herrscht darüber hinaus eine Buchpreisbindung. Lange Zeit beruhte diese Regelung schlicht auf Absprache zwischen Verlegern und Buchhändlern. Erst 2005 wurde sie auch gesetzlich verankert. Wie in Deutschland sind Bücher in den Niederlanden mit einem geringeren Steuersatz belegt, der dort bei sechs Prozent liegt. Diese Regelung gilt allerdings nicht für E-Books, die mit den üblichen 21 Prozent besteuert sind.

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Bis 2010 spielten E-Books auf dem niederländischen Markt kaum eine Rolle. Bis dahin war das digitale Lesen wenig verbreitet und der Umsatzanteil lag bei gerade einmal einem Prozent. Mittlerweile wächst das Interesse der Bevölkerung allerdings und schon 2014 konnte ein Umsatzanteil von 5,4 Prozent erreicht werden. Seitdem haben Branchenunternehmen verstärkt ins E-Book-Geschäft der Niederlande investiert. Kobo und Tolino, die auf dem deutschen E-Book-Markt schon seit Jahren eine große Rolle spielen, gingen verschiedene Kooperationen mit niederländischen Anbietern ein. Auch Amazon eröffnete 2014 seinen Webshop und schloss Verträge mit großen Verlagshäusern. Buchhandlung oder Amazon? Der stationäre Buchhandel spielt als Absatzweg für Bücher immer noch die wichtigste Rolle. Zwar mussten in den 2010er Jahren viele Buchhandlungen ihre Läden schließen, doch eine Menge Niederländer waren schockiert von den Entwicklungen und haben mit großem Engagement dafür gekämpft, dass einige dieser Buchhandlungen wieder eröffnen konnten. Mittels Crowdfunding wurde vielen Filialbuchhandlungen großer Buchhandelsketten der Sprung in die Unabhängigkeit ermöglicht. Natürlich sind die großen Buchhandelsketten im ganzen Land sehr erfolgreich und sorgen für den Hauptumschlag an Büchern. Dennoch gelingt es einigen unabhängigen Buchhandlungen sich zu halten. Eine Ausnahme bildet etwa die unabhängige Buchhandlung Athanaeum, die zu den größten Buchhandlungen in Amsterdam zählt. Wenige Bücher werden online bestellt, was zum Großteil daran liegt, dass die Möglichkeiten dazu andere sind als hierzulande. Der Lieferdienst Bertelsmann online hat sich in den Niederlanden durchgesetzt und ist eigentlich die einzige Plattform, die die Niederländer nutzen,


Neu von der Leipziger Autorin

um online Bücher zu bestellen. Der Grund dafür ist ganz simpel: Anders als in Deutschland ist Amazon in den Niederlanden gar nicht präsent. Bis 2014 wurde man von der niederländischen Amazon-Domain auf die britische Website des großen Versandhändlers weitergeleitet. Mittlerweile gibt es einen Webshop. Allerdings kann man dort keine Küchengeräte, Klamotten oder gedruckte Bücher bestellen. Es gibt ausschließlich E-Books zu kaufen. Der Lizenzmarkt in den Niederlanden Rund 75 Prozent aller veröffentlichten Bücher in den Niederlanden sind Übersetzungen. Englisch spielt als Ausgangssprache dabei mit Abstand die größte Rolle, wobei englische Titel in den Niederlanden ebenfalls sehr häufig in der Originalsprache gekauft werden. Dieses Käuferverhalten führt dazu, dass englischsprachige Bücher zu einer echten Konkurrenz für die heimischen Titel auf dem niederländischen Markt geworden sind. Beliebt sind außerdem Übersetzungen aus den skandinavischen Sprachen. Deutschsprachige Titel werden nur sporadisch ins Niederländische übersetzt, während sehr viele niederländische Titel ins Deutsche übersetzt werden. Die niederländische Sprache galt lange als eine der wichtigsten Übersetzungssprachen für den deutschen Buchmarkt. Seit Jahren geht der Trend in der niederländischen Publikumsliteratur in Richtung Spannungsromane und Thriller. Viele niederländische Verlage sehen allerdings ein anderes Genre als ihr Aushängeschild an, nämlich die Poesie. Es werden traditionell zahlreiche Gedichtbände verlegt, was einerseits zum guten Ton gehört, andererseits eine literarische Visitenkarte für den Verlag darstellt. Häufig ist deren Produktion sogar ein Zuschussgeschäft. Davon lassen sich die Verlagshäuser jedoch nicht beeindrucken und halten weiterhin an ihren geliebten Gedichtbändchen fest. Milena Lohse

Foto: Maurice Haas / © Diogenes Verlag

Daniela Krien

Daniela Krien Die Liebe Di im Ernstfall Roman · Diogenes

288 Seiten, Leinen, Euro (D) 22.– Auch als e-Book und Hörbuch

Liebe ist kein Gefühl. Liebe ist keine Romantik. Liebe ist eine Tat. Fünf Frauen versuchen das Unmögliche: Lieben, stark sein – und sich treu bleiben.

Diogenes


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branche

Reclam-Museum in Leipzig

VOM BÜCHERAUTOMATEN BIS ZUR THOMAS MANN-MITSCHRIFT

© Christian Bartl

Egal ob begeisterter Leser oder eingefleischter Lesemuffel, fast jeder kennt die kleinen gelben Bände des Reclam-Verlags. Die Bekanntheit der sogenannten Universalbibliothek geht sogar so weit, dass sich der Wahlspruch „Reclam braucht keine Reklame“ zum geflügelten Wort entwickelt hat. Um die älteste noch laufende Taschenbuchreihe zu zelebrieren, öffnete nun im Oktober letzten Jahres das Reclam-Museum in Leipzig seine Pforten.

Nachbau eines Reclam-BücherAutomaten

Wer das Museum besuchen möchte, muss zunächst ein paar Treppen hinabsteigen. Die Ausstellungsräume liegen im Souterrain eines Gebäudes im Graphischen Viertel, wo anno dazumal auch die Reclam-Bände gedruckt wurden und sind mit 50 Quadratmetern nicht riesengroß. Doch „besser ein kleines Museum als keines“ findet Hans-Jochen Marquart. Der Germanist im Ruhestand (und Gründer des Trägervereins Literarisches Museum e. V.) ist Initiator, Leiter und nicht zuletzt die gute Seele des Museums. Ein Großteil der Ausstellungsstücke stammt außerdem aus Marquarts Privatbesitz: In über 50 Jahren hat er als Sammler über 10 000 ReclamHefte zusammengetragen, was etwa ein Drittel der Gesamtproduktion ausmacht. Die Produktion aus der DDR-Zeit ist sogar vollständig vorhanden, was sich dadurch ergibt, dass der in Leipzig geboren und aufgewachsene Marquardt sich diese bereits als Jugendlicher verschaffen konnte. Seine Sammelleidenschaft erklärt er mit „der Bewunderung für die verlegerische Idee, Literatur weiten Teilen der Bevölkerung für wenig Geld zugänglich zu machen“. Ein besonderes Anliegen des Museums ist es, speziell auf die große Leipziger Vergangenheit des, mittlerweile aus der Gründungsstadt abgewanderten und komplett in Stuttgart beheimateten, Verlages aufmerksam zu machen.

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Folglich ist es zwar möglich, sich einfach gemütlich hinzusetzen und in einem der vielen gelben Bände zu schmökern, spannender sind aber die zusammengetragenen historischen Dokumente. So findet sich zum Beispiel die Originalfassung einer feuchtfröhlichen Rede, die Thomas Mann auf einer Festveranstaltung des Verlages gehalten hat. Auf Karten der Stadt kann nachvollzogen werden, welches Mitglied der Familie Reclam zu welchem Zeitpunkt wo in Leipzig gewohnt hat. Ebenfalls einsehbare Schriftstücke belegen, dass die Auslieferung der Universalbibliothek exakt an dem Tag begann, an dem das damals neuartige Gesetz zur Gemeinfreiheit literarischer Werke in Kraft trat und damit das reclamsche Geschäftsmodell möglich machte. Dass kein einziger Tag verschwendet wurde, beweist die verlegerische Umtriebigkeit und ist Hans-Jochen Marquart besonders wichtig. Erst auf seine Hinweise hin hat nämlich der heutige Verlag, die zuvor unstimmigen Angaben auf der eigenen Homepage korrigiert, nach denen es erst wenig später losgegangen sei. Ein besonderes Prunkstück der Ausstellung ist der originalgetreue Nachbau eines ReclamBücher-Automaten. Diese funktionierten nach dem Prinzip von Kaugummiautomaten und waren zwischen 1912 und 1940 zuhauf an Bahnhöfen, auf Ozean-Dampfern oder in Kurorten aufgestellt, wo sie die Reisenden schnell und einfach mit Lesestoff versorgten. Im Museum kann dieser heute kurios anmutende Apparat von den Besuchern nach Lust und Laune getestet werden. Christian Bartl


branche

#verlagegegenrechts

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#WIRSINDMEHR

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Maxi Josephine Rauch

#VIE

Die Initiative #Verlagegegenrechts versucht genau diese Gedanken aufzugreifen. Das Aktionsbündnis von Verlegern, Autoren, Übersetzern und anderen Akteuren der Buchbranche positioniert sich gegen rassistisches, antifeministisches und LGBTQI+-feindliches Gedankengut. Bereits über 80 Verlage und 200 Einzelpersonen sind als Unterstützer an Bord. Mit diversen Veranstaltungen soll zum Umdenken und zur Positionierung angeregt werden. Zum Beispiel wurde mit der Aktion #diegedankensindbunt vor der feierlichen Eröffnung der Leipziger Buchmesse 2018 eingeladen, die Freiheit zu nutzen, Rechten zu widersprechen und damit ein Zeichen zu setzen. Bei der Kundgebung versammelten sich über 300 Menschen und bildeten ein Meer aus bunten Büchern gegen den Alltagsrassismus und die zunehmende Verbreitung rechter Ideologien durch die entsprechenden Verlage.

Doch es sind immer noch nicht genügend Stimmen. Alle müssen sich positionieren, um Büchern wie „Die große Verschwulung - Wenn aus Männern Frauen werden und aus Frauen keine Männer“ des Sonderwege Verlages und „Hitler überlebte in Argentinien“ des Kopp Verlages keinen Platz in unseren Bücherregalen zu geben.

#WIR

Ihre Arbeit sollte die Welt zwischen zwei Buchdeckel bringen, alle Perspektiven beleuchten und jeder Stimme, vor allem der der Unterdrückten und der Andersdenkenden, Gehör verschaffen. Ebenso sollten Buchhändler als Kulturvermittler gegen rechtes Gedankengut mit der Wahl des Sortiments aufklären und Position beziehen. In Zeiten von Intoleranz, Fremdenhass, Hetze und Angst sollten doch die traditionellen Kulturmittler Flagge zeigen und sich gegen den immer größer werdenden rechten Druck stellen. Doch es wird noch nicht deutlich genug Position bezogen. Die Debatte über den Verkauf rechten Contents in Buchhandlungen wird noch heftig geführt. Auf den Buchmessen wirft der passende Umgang mit der Präsenz rechter Verlage nach wie vor Fragen auf. Um gegen diesen Kulturkampf und die Normalisierung des Gedankenguts zu wirken, müssen Vielfalt und Aufgeschlossenheit wieder fokussiert werden.

Neben solchen Kundgebungen versucht die Initiative mit Statements die Öffentlichkeit zur Diskussion anzuregen. Auch mit Werbemitteln wie Buttons, Stickern, Lesezeichen und Plakaten sollen mehr Verlage, Autoren, aber auch Buchhändler angetrieben werden, Stellung zu beziehen. Die Idee hat bereits gefruchtet, neben einer immer größer werdenden Mitgliederzahl entstanden weitere Initiativen. So etwa im Namen des unabhängigen Buchverlages Binooki die Aktion #Vielfaltdurchlesen. Die Idee: Die Erstellung der buntesten Literaturliste Deutschlands mit Hilfe persönlicher Empfehlungen von Büchern, welche für Diversität stehen. Die Liste soll die Vielfalt der Gesellschaft, die Weltoffenheit und Aufgeschlossenheit demonstrieren und so Zweiflern und Spaltern den Wind aus den Segeln nehmen. Mit der Aktion Aufstehen gegen rechte Hetze positionieren sich über 60 Buchhändler audiovisuell unter dem #Wirsindmehr gegen Extremismus und Fanatismus.

NKE GEDA #DIE

Sollten Autoren sowie Verleger in der Funktion als Bildungs- und Kulturproduzenten das Medium Buch nutzen, um gegen den heutigen Populismus ein Zeichen zu setzen? Ich finde schon.

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BIBLIOTHERAPIE

INTERVIEW MIT TRUDE SCHNEIDER VON LITERATURPOWER

Wann und wie bist du mit der Bibliotherapie in Kontakt gekommen? Ich glaube das war um das Jahr 2012 herum. Ich steckte mitten in meinem Philosophiestudium, beschäftigte mich viel mit praktischer Ethik und führte lange Gespräche über Gelesenes mit FreundInnen. Irgendwann erzählte mir dabei eine Freundin vom Konzept der Bibliotherapie und für mich war das wie Liebe auf den ersten Blick. Mir leuchtete sofort ein, dass Literatur und Bücher starken Einfluss auf unsere Stimmung, unsere Psyche und unser Wohlbefinden haben. Im Grunde war es mir selbst immer so gegangen: War ich schlecht drauf, las ich ein Buch und konnte mich wieder besser sammeln. Stand ich vor einer Herausforderung, las ich ein Buch und fasste Mut zum Handeln. Bibliotherapie habe ich quasi immer betrieben, wie die meisten von uns, und das ohne den Begriff oder das Konzept wirklich zu kennen. Wie hast du dich zur Bibliotherapeutin ausgebildet? Literaturpower versteht sich als Plattform für individuelle Leseprozesse, bietet Buchempfehlungen in über 100 Kategorien und steht für Achtsamkeit, bewusstes Leben und Freude am Leben. Bücher lesen ersetzt jedoch keine Therapie und dieser Eindruck soll auch nicht erweckt werden. Bücher helfen beispielsweise in schwierigen Phasen die nächsten Schritte zu wagen und Energie zu tanken, oder auch um neue Perspektiven zu entwickeln. Das mache ich in meinen Artikeln immer sehr deutlich. In Deutschland gibt es eine bibliotherapeutische Weiterbildung für TherapeutInnen, die ich jedoch nicht absolviert habe, da ich mich nicht als Therapeutin, sondern als Kuratorin für gute und schöne Bücher verstehe. Ich habe englischsprachige, bibliotherapeutische Online-Kurse absolviert und mir natürlich sehr breite Kenntnisse über Bibliotherapie angeeignet. Literatur ist für mich ein Wohlfühlmedium und das vermittle ich mit meiner Arbeit.

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Für wen eignet sich die Bibliotherapie? Können auch Menschen, die nicht gerne lesen davon profitieren? Martha Nussbaum, eine wichtige zeitgenössische amerikanische Philosophin, hat einmal gesagt, dass wir Geschichten brauchen, um das Herz zu berühren. Ich denke, dass alle Menschen von Geschichten, Wörtern, Bildern profitieren. Bücher sind zum Glück sehr vielschichtig. Ich möchte ja fast behaupten, dass Menschen, die nicht gerne lesen, eben noch nicht das richtige Buch für sich entdeckt haben. Niemand sollte widerwillig einen dicken Wälzer durcharbeiten. Für Menschen, denen die Zeit oder Konzentration für Romane fehlt, können Graphic Novels oder Bildbände das richtige Medium sein. Hörbücher, Lesekreise, Bookstagram - das Angebot ist so breit und selbst Lesemuffel finden darunter bestimmt Anregungen, die zu ihnen und ihren besonderen Bedürfnissen passen. Lesen macht das Leben einfach schöner. Kann jedes Buch für die Bibliotherapie verwendet werden oder braucht es bestimmte Voraussetzungen? Nicht jedes Buch eignet sich für jede Leserin und jeden Leser. Ein Buch, das für eine andere Person überhaupt nicht wirkt, kann für mich sehr passend sein und andersrum. Das ist sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig. Oft helfen an dieser Stelle die Intuition und ein Vertrauen auf das altbewährte Bauchgefühl. Wenn mich ein Roman überhaupt nicht anspricht, dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass ich aus bibliotherapeutischer Sicht einen Nutzen aus der Lektüre ziehe. Je besser wir uns auf eine Geschichte und die ProtagonistInnen einlassen können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf kognitiver und emotionaler Ebene positiv beeinflusst werden. Wie suchst du nach Büchern, die du für deinen Blog und die Beratung nutzen kannst? Manchmal möchte ich ein ganz bestimmtes Thema behandeln. Dann nutze ich verschiedene Parameter in den Online-Suchmaschinen,


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um einen passenden Roman zu finden. Ob ich dieses spezielle Buch dann in mein Programm nehme, entscheidet sich jedoch erst nach der Lektüre. Ansonsten bin ich aber auch oft in der Bibliothek und recherchiere interessante Neuerscheinungen. Genauso lese ich Fachmagazine, Blogs und Literaturkritiken. Wenn ich dort von einem Werk erfahre und denke, dass es gut zu Literaturpower passt, frage ich beim Verlag oder der Autorin/dem Autor den Titel als Leseexemplar an. Mir ist auch wichtig, Bücher vorzustellen, die in den letzten beiden Jahren erschienen sind. So biete ich neben der bibliotherapeutischen Ausrichtung auch eine Art Orientierung durch den manchmal unübersichtlichen Literatur-Dschungel. Was ist der Antrieb der Menschen, um sich von dir beraten zu lassen? Buchempfehlungen sind im Grunde persönlicher, als das manchmal den Anschein hat. Ich denke, dass besonders Menschen zu Literaturpower finden, die sich mehr Achtsamkeit und Reflexion für ihr Leben wünschen. Sie haben Lust ihre Lebensqualität zu verbessern und an richtiger Stelle zu entschleunigen. Ich versuche, das Angebot auf Literaturpower immer vielfältiger auszubauen und bekomme dafür sehr positives Feedback. Die Leserinnen und Leser wissen meine modernen und entspannten, manchmal sogar unkonventionellen Ansätze der Literaturvermittlung zu schätzen. Wie möchtest du Literaturpower in Zukunft ausbauen? Die Webseite und meine anderen digitalen Formate werden von mir ständig verbessert, verändert und angepasst. Zum einen möchte ich den Trend, Bücher als Lebenshilfe zu nutzen, noch stärker im deutschsprachigen Raum etablieren. Zum anderen möchte ich mit meiner Arbeit ganz allgemein Lesefreude und Lebenslust vermitteln. Auf Instagram betreibe ich ein Format mit dem Titel #humansofbooks. Dort fotografiere, befrage und filme ich lesende Menschen im urbanen Raum. Das möchte ich

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noch stärker ausbauen und auch einer größeren Öffentlichkeit präsentieren. Es zeigt einfach ganz wunderbar, wie sozial und cool Lesen ist und gibt Literatur wieder einen moderneren Anstrich. Daneben habe ich im Herbst 2018 ein Live-Video-Interviewformat auf Facebook ins Leben gerufen, welches Buchmenschen aus den verschiedensten Bereichen eine Plattform gibt. In diesem Frühjahr möchte ich damit auch auf YouTube starten. Manchmal wäre ich gerne mehrere Personen, um alles umzusetzen, was ich an Ideen habe, aber auch so wächst Literaturpower Schritt für Schritt und begeistert immer mehr Menschen für gute Literatur. Das macht mich sehr glücklich. Das Interview führte Danielle Schneider

© Rebecca Sampson

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branche

WAS MACHT EIGENTLICH...?

LEA AMELIE PETERKNECHT

Projektassistentin bei der Leipziger Buchmesse geboren am 19.04.1993 in Cuxhaven von 2012 bis 2015 Ausbildung zur Buchhändlerin bei Lünebuch von 2015 bis 2018 Bachelorstudium Buchhandel/Verlagswirtschaft an der HTWK

© Tom Orgel

Liebe Lea, wieso hast du dich damals für den Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft an der HTWK entschieden? Für mich war der Studiengang eine sinnvolle Weiterführung meiner Ausbildung als Buchhändlerin. Der hohe Praxisbezug und die Mischung aus betriebswirtschaftlichen und branchenbezogenen Inhalten haben mich zudem sehr gereizt. Auch die Stadt Leipzig habe ich schon immer gern besucht und konnte mir diese somit gut als Studienort vorstellen. Wie empfandest du den Einstieg ins Berufsleben nach dem Abschluss? Und wie bist du zu deinem jetzigen Arbeitsplatz gekommen? Mein Arbeitsplatz hat sich über die Praxisphase in meinem 5. Semester ergeben, die ich im Team der Leipziger Buchmesse verbracht habe. Glücklicherweise wurde zur genau richtigen Zeit eine Stelle im Team ausgeschrieben, sodass ich fast nahtlos an mein Praktikum anknüpfend bei der Messe bleiben konnte. Da ich zu diesem Zeitpunkt jedoch parallel noch mein 6. Semester und somit meine Bachelorarbeit beenden musste, war der Berufseinstieg schwieriger als zunächst gedacht. Das Team und die Erfahrungen, die ich bereits im Praktikum sammeln konnte, haben mir den Einstieg aber abgesehen davon sehr leicht gemacht.

Meet & Greet zwischen Autor und Verlag sowie einer neu ins Leben gerufenen Wildcard für Autoren. Was ist für dich persönlich das Spannende daran für die Leipziger Buchmesse zu arbeiten? Es ist sehr faszinierend zu sehen, wieviel Arbeit und Gedanken hinter einem Großprojekt wie der Buchmesse stecken und diese Prozesse jetzt hinter den Kulissen miterleben zu dürfen. Insbesondere auch, da wir uns momentan intensiv mit der Weiterentwicklung der Buchmesse beschäftigen. Letztendlich zu sehen, wie die Arbeit eines Jahres dann an den vier Messetagen Früchte trägt, ist natürlich ebenfalls ziemlich aufregend. Worauf freust du dich im Rahmen der LBM2019 am meisten? Hast du ein paar MesseGeheimtipps für unsere Leser? Unser „Großer Leipzig liest-Abend“ wird auf jeden Fall eines meiner persönlichen Highlights, da er sich um ein Thema dreht, das mir sehr am Herzen liegt. Verraten werde ich aber noch nichts! Ab dem 21. Februar könnt ihr dann bei uns online im Programm stöbern und es selbst herausfinden.

Und zum Abschluss: Welche guten Ratschläge hast du für die aktuellen Studenten Buchhandel/Verlagswirtschaft parat? Könntest du uns kurz deine Aufgaben beschrei- Die Studienzeit und insbesondere die Stadt Leipben? Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich zig zu genießen. Über den Tellerrand des eigenen Studiums hinauszublicken und sich frühzeitig aus? nach einem Praktikumsplatz für das 5. Semester Einen typischen Arbeitstag gibt es tatsächlich umzusehen, bei dem sich wertvolle Erfahrungen nicht, was unter anderem damit zusammenfür den späteren Berufseinstieg sammeln lassen. hängt, dass über das Jahr hinweg immer wieder unterschiedliche Aufgaben anstehen. Momentan Das Interview führte Christian Bartl verbringe ich einen Großteil meiner Arbeitszeit mit der Ausstellerbetreuung, bin aber zudem in die Organisation zahlreicher anderer Projekte involviert, wie dem Preis der Leipziger Buchmesse, dem

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jubiläum

JUBILÄUMSRÜCKBLICK

EIN STREIFZUG DURCH DIE GESCHICHTE DER LEIPZIGER LERCHE

Mit dem Vorliegen der 50. Ausgabe begeht die Leipziger Lerche ein großes Jubiläum. Seit nun schon 25 Jahren erscheint jedes halbe Jahr zu den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig eine druckfrische neue Zeitschrift. Dieser Anlass ist Grund genug dafür, eine kurze Rückschau zu halten.

Cover der 36. Ausgabe der Leipziger Lerche

Die erste Leipziger Lerche erschien im Herbst 1994 und zwar noch nicht als gebundene Zeitschrift, sondern im großen Zeitungsformat auf insgesamt 16 Seiten. Während sich die Aufmachung späterhin noch das ein oder andere Mal gewandelt hat, war die inhaltliche Richtung von Anfang an gefunden. So fragte die zweite Ausgabe auf dem Titel „Ist Leipzig Buchstadt?“ und suchte sich damit ihr Thema an der Schnittstelle von Buchbranchen- und Stadtmagazin, wie wir es auch heute noch tun. Zum genannten Aufmacher wurden übrigens die damaligen Verleger Michael Faber und Klaus F. Lunkewitz interviewt. Beide sind heute nicht mehr in der Buchbranche tätig - auch daran sieht man, wie die Zeit vergeht. Das zeigt ebenso der Bericht eines Redaktionsmitglieds darüber, zum Studieren als Wessi unter die Sachsen gezogen zu sein. Das unter der Überschrift „Rübergemacht“ präsentierte Thema wirkt heutzutage doch eher angestaubt. Auch andere Inhalte stehen selbstredend im Zeichen ihrer Zeit. In der Lerche Nr. 8 findet sich noch ein Artikel darüber, wie man in Deutschland am besten an englischsprachige Bücher gelangt. Der Bericht mit exklusiven Insiderinformationen des British Council in Leipzig stammt ganz offensichtlich aus einer Zeit vor Amazon! Zur vierten Ausgabe gab es dann zum ersten Mal richtig etwas zu feiern. Die Leipziger Lerche gewann den Bürgerpreis der Medienstadt Leipzig in der Sparte Publizistik. Außerdem erschien das Heft zum ersten Mal mit Inhaltsverzeichnis. Selbiges wurde damals, um Platz zu sparen, noch kurzer Hand auf den Titel gedruckt. Zudem wurde die Lerche zum ersten Mal mit einer zusätzlichen Grundfarbe neben schwarz-weiß gedruckt.

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Ein besonderes Experiment wurde zur siebzehnten Ausgabe im Jahr 2002 gewagt. Um die Kooperation mit den Partnerhochschulen der HTWK Leipzig in Kiew und Oxford zu würdigen, erschien die Leipziger Lerche komplett auf Englisch. Die Beiträge wurden dabei von Studenten aller drei Hochschulen geschrieben. Und wo wir gerade beim Stichwort Experimente sind: die gab es immer wieder auch im Bereich der journalistischen Formen. So findet sich in einer nicht weit zurückliegenden Ausgabe „Kein Interview mit Jeff Bezos“. Dahinter verbarg sich dann doch ein solches mit dem Amazon-Gründer, nur eben komplett erfunden und sichtbar gekennzeichnet als Satire. In der jüngeren Vergangenheit hat die Lerche sich vermehrt Themen gewidmet, die reich an gesellschaftlicher Relevanz waren. Wir beschäftigten uns über ganze Ausgaben hinweg mit dem Trend zu Retro und Vintage oder der Frage, warum Männer weniger lesen. Wir sind dem brandaktuellen Thema Nachhaltigkeit ebenso nachgegangen, wie dem gefühlten Dauerbrenner Innovationen. „Wir“, das sind übrigens die Studierenden des Faches Buchhandel/Verlagswirtschaft im stetigen Wechsel der Mitarbeiter. Ein Redaktionsjahrgang bringt dem nächsten das Blattmachen bei und schon nach drei Ausgaben hat sich das gesamte Team einmal ausgetauscht. Vor dem Erscheinen jeder neuen Leipziger Lerche haben daher im Hintergrund junge Menschen eine Menge für sie neue, zuvor unbekannte Aufgaben bewältigt. Kein Wunder, dass wir jedes Mal wieder mächtig stolz sind! Christian Bartl

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jubiläum

LEIPZIGER LERCHE

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ABER WIESO EIGENTLICH?

Leipziger Lerche – Ein Name, der nicht nur unsere Zeitschrift ziert, sondern, und daran haben wohl die meisten Leser zuerst gedacht, auch das berühmte Leipziger Gebäck. Diese kleine Köstlichkeit aus Marzipan und Fruchtcreme gehört zu Leipzig wie das Völkerschlachtdenkmal und der Thomanerchor. Doch wieso eigentlich? Und wie kommt das Gebäck eigentlich zu seinem Namen? Angefangen hat alles mit dem Vogel in unserem Logo, der Lerche. Im 18. und 19. Jahrhundert war sie als Speisevogel ein beliebtes Gericht. Gefüllt mit allen möglichen Kräutern oder selbst als Füllung für eine Pastete dienend, war die Lerche besonders im sächsischen Raum beliebt. Die Jagd auf die Singvögel wurde über die Jahre immer exzessiver. Im Oktober 1720 sollen sogar nahezu eine halbe Million Lerchen getötet worden sein. Die Bestände der Lerchen gingen demnach immer weiter zurück und es gab zunehmend Stimmen aus der Bevölkerung, die die ausufernden Jagdgepflogenheiten anprangerten. 1876 schließlich erließ der damalige sächsische König Albert I. ein offizielles Fangverbot für die Lerchen.

Als Entschädigung für den Verlust der beliebten Speise entwickelten Leipziger Konditoren also einen Ersatz: die Leipziger Lerchen wie wir sie heute kennen. Die Form des Gebäcks erinnert an die Form der damaligen Pasteten und das charakteristische Kreuz auf der Oberseite symbolisiert das Kreuzband, mit dem die gefüllten Vögel damals zugebunden wurden. Die Leipziger nahmen diese Alternative schon nach kurzer Zeit freudig an und so können wir uns noch immer an der kleinen Köstlichkeit erfreuen. Milena Lohse

Lerche 1-2019_Bramann_HKS 36N_210x94 Kopie 1 18.01.19 04:10 Seite 1

Die neue Reihe für Medienberufe

Band 1 Band 2 Band 3

Ulrich Huse, Verlagsmarketing ISBN 978-3-934054-53-0 Birgit Menche, Urheber- und Verlagsrecht ISBN 978-3-934054-55-4 Thomas Breyer-Mayländer, Klaus-W. Bramann Online-Marketing und E-Commerce für Buchverlage ISBN 978-3-934054-54-7

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LESESUCHT? LESEFREUDE! ÜBER EINE ZEIT, IN DER LESEN SÜCHTIG MACHEN KONNTE

Menschen, die viel lesen, gelten im Allgemeinen als klug, gebildet und fantasievoll. Oft hört man Aussagen wie: „Ich habe ewig schon kein Buch mehr gelesen.“ oder „Ich finde gar nicht mehr die Zeit zum Lesen.“ Implizierend, dass dies ein Zustand ist, den man eigentlich beheben sollte. Viel zu lesen wird in unserer Gesellschaft eher als Tugend, denn als Sünde und schon gar nicht als schädlich für Körper und Geist angesehen. Doch dem war nicht immer so. Die Geschichte Bis weit ins 18. Jahrhundert las man vom niederen Adel bis hin zur Mittelschicht vorwiegend Zeitungen und religiöse Literatur. Religiöse Schriften, insbesondere die Bibel, wurden dabei in wiederholter, oftmals laut deklamierender und intensiver Lektüre rezipiert. Das Lesen von Texten war damit immer mit einer gewissen Ehrfurcht verbunden, so dass Lesen damals vielmehr ein religiöses als ein literarisches Ereignis war. Das änderte sich in Folge des gesellschaftlichen Wandels, der sich im 18. Jahrhundert in der Schicht des Bürgertums vollzog. Es entstand das neue Bildungsbürgertum. Eine Gesellschaftsschicht, welche humanistische Bildung, Literatur, Wissenschaft und Engagement in Staat und Gemeinwesen in den Fokus stellte. Neuartig war, dass es für diese wachsende Gruppe an Intellektuellen, zu denen unter anderem Professoren, Kaufleute und Ärzte zählten, Freizeit und Muße neben ihrer Erwerbsarbeit gab. So gab es viel Zeit sich zu bilden und Männer wandten sich zu dieser Zeit vermehrt der Lektüre von Sachliteratur zu. Neben den Männern entstand aber noch ein neues Lesepublikum, das die Buchbranche des 18. Jahrhunderts entscheidend veränderte: Frauen der Mittelschicht. Dafür gab es zwei entscheidende Gründe: Zum einen standen erstmals auch der Mittelschicht die finanziellen Ressourcen für den Erwerb von Büchern

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zur Verfügung. Zum anderen war gemäß der damaligen Arbeitsteilung der Tätigkeitsbereich der Frauen der Haushalt und die Kinder. Mädchen und Frauen waren dadurch nicht nur räumlich häufig an das Haus gebunden. Da bot die aufkommende Fülle an Romanen die ideale Möglichkeit, lesend die Fantasien zu erleben, die ihnen im echten Leben verwehrt blieben. Das öffentliche Bild der Leserin wandelte sich und es tauchte die gemütlich mit einem Buch auf dem Sofa sitzende, von Zeit zu Zeit versonnen lächelnde Frau auf, der die eigene Anwesenheit und die ihres Buches ausreichend waren. Diese Selbstgenügsamkeit der Frauen, die Unabhängigkeit und der souveräne Zugang zu Bildung waren neu und bedeuteten für die Männer einen Kontrollverlust. „Lesesucht“ Als Antwort auf diese Entwicklungen entstand sowohl unter Anhängern als auch Gegnern der Aufklärung der Begriff „Lesesucht“. Dieser wurde 1809 von Joachim Heinrich Campe wie folgt in seinem Wörterbuch definiert: „Lesesucht, die Sucht, d. h. die unmäßige, ungeregelte und auf Kosten anderer nöthiger Beschäftigungen befriedigte Begierde zu lesen, sich durch Bücherlesen zu vergnügen.“ Er führte außerdem in einem Aufsatz aus, dass übermäßiges Lesen Gleichgültigkeit gegenüber allem hervorrufe, was nicht mit dem Lesen zu tun habe: Man vernachlässige Tätigkeiten im Haushalt, die Aufmerksamkeit für die Kinder gehe abhanden und auch körperlich würde man geschwächt werden. Dies stelle dann als Konsequenz eine Gefahr für den häuslichen Frieden dar. Noch drastischer waren die gesundheitlichen Folgen, die der Pädagoge Karl G. Bauer bereits 1791 niederschrieb: „Der Mangel aller körperlichen Bewegung beym Lesen, in Verbindung mit der so gewaltsamen Abwechslung von Vorstellung und Empfindungen führt zu Schlaffheit, Verschleimung, Blähungen und Verstopfungen in den Eingeweiden, die bekanntermaßen bey beyden, namentlich bey dem weiblichen Geschlecht, recht eigentlich auf die Geschlechtstheile wirkt.“


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Als gefährdet galten vor allem Jugendliche und Frauen, weil sie hauptsächlich belletristische Literatur konsumierten. Daher wurden im 18. Jahrhundert sogar in die Einbände mancher Romane Nadel und Faden eingelassen, um Frauen daran zu erinnern, was ihre eigentliche Bestimmung war: nicht lesen, sondern den Haushalt in Ordnung halten. Sonst gab es nur wenige „Therapievorschläge“ für die von Lesesucht Befallenen. Ein Vorschlag war, zum Lesen weniger Bücher zurückzukehren, diese jedoch immer wieder zu lesen. Außerdem gab es die Idee, eine Enzyklopädie zu erstellen, die die „gute“ Literatur auflistete. Wie Frauen heute lesen Heute hat sich vieles, aber nicht alles geändert. Sieht man heute eine Frau in der Bahn lesen, ist man allenfalls verwundert, dass sie nicht wie alle anderen auf ihr Smartphone schaut. Stefan Bollmann, Autor von Büchern wie „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ oder „Frauen, die schreiben, leben gefährlich“ sagte dazu in einem Interview für den Südkurier: „Weibliches Lesen ist eine Suchbewegung. In einer im Beruflichen immer noch männlich dominierten Welt suchen Frauen nach dem, was sie sind, was sie erreichen könnten und was sie wollen.“ Dies sei auch der Grund, weshalb Frauen andere Bücher lesen als Männer. In der Buchbranche gilt gemeinhin die Faustformel „Frauen lesen Romane, Männer lesen Sachbücher“. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Fest steht, während Frauen nicht nur mehr, sondern auch vielfältiger lesen, beschränken sich Männer überdurchschnittlich häufig auf einzelne Sparten. Es ist branchenweit bekannt, dass Männer eher Bücher männlicher Autoren lesen. Dies ist übrigens einer der Gründe, weshalb auch heute noch viele Autorinnen unter männlichem Pseudonym schreiben. Frauen sind aber auch diejenigen, die deutlich mehr Bücher kaufen. 54 Prozent der Männer, aber knapp zwei Drittel der Frauen haben im Jahr 2015 mindestens ein Buch gekauft. Auch

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die Vielkäufer, also die Personen, die mehr als 14 Bücher pro Jahr kaufen, sind in der Mehrzahl weiblich. Frauen kaufen im Durchschnitt 1,7 Bücher mehr pro Jahr als Männer. Nicht nur kaufen Frauen mehr Bücher, sie lesen auch mehr: 43 Prozent der Frauen lesen mehrmals in der Woche oder täglich ein Buch, währenddessen das Gleiche nur auf 26 Prozent der Männer zutrifft. Man könnte es auch anders formulieren: Die Buchbranche ist auf Frauen angewiesen. Sind Frauen nun lesesüchtig? Das wohl kaum, denn süchtig ist, wer nicht ohne das Objekt der Sucht leben kann, aber das ist nicht der Fall. Wir könnten ohne Bücher auskommen, wir wollen es nur nicht. Paula Heinze

© pixabay

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BARRIEREFREIES LESEN

MEDIEN FÜR BLINDE UND SEHBEHINDERTE MENSCHEN

In Deutschland leben circa 1,2 Millionen Menschen, die eine Sehbehinderung haben oder komplett erblindet sind. Es ist ganz natürlich, dass sie sich trotz Einschränkungen über verschiedene Medien informieren und unterhalten lassen wollen. Trotzdem gibt es in ihrem Alltag viele Hürden, die einen barrierefreien Medienkonsum erschweren. In kaum einer Buchhandlung gibt es eine Abteilung allein für Bücher und Hörbücher, die den Bedürfnissen von Menschen mit einer Sehbehinderung gerecht werden. Auch gängige Bibliotheken führen selten Literatur in Brailleschrift. Digitale Inhalte sind oft nicht genügend angepasst. Nur etwa fünf Prozent der in Deutschland verfügbaren Literatur ist für Sehbehinderte erhältlich. Für sie dauert es lange bis der neueste Bestseller, die ersehnte Fortsetzung oder wichtige Ausbildungslektüre in passendem Format zur Verfügung stehen. Zu einem großen Teil können die Bedürfnisse dieser Leser nicht erfüllt werden. Eine wichtige Bezugsstelle für speziell auf sie abgestimmte Medien bildet dabei die Deutsche Zentralbücherei für Blinde in Leipzig. Fernleihe mit besonderem Service Bei der DZB handelt es sich um eine Spezialbibliothek. Sie gehört zu einer der wenigen Bibliotheken in Deutschland, die nur Medien für Blinde und Sehbehinderte verleiht und verkauft. Zum Angebot gehören hauptsächlich Bücher, Zeitschriften und Noten in Braille, Hörbücher in speziellem Standard und Reliefs. Insgesamt stehen dort 65 500 Medien sehbehinderten Menschen kostenlos zur Verfügung. Anders als öffentliche Bibliotheken kann man das Archiv als Besucher nicht frei betreten und in den Regalen stöbern. Es gibt auch keine Leseplätze, an denen man sich stundenlang aufhalten kann. Selten kommen die Leser und leihen sich ihre Lektüre vor Ort aus. Dies liegt unter anderem daran, dass die circa 6 000 deutschsprachigen Nutzer auf der ganzen Welt verteilt leben. Vor allem wäre es für sie aber sehr umständlich die Bücher zu transportieren.

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Ein in Brailleschrift umgewandeltes Buch ist meist doppelt so dick wie das Original. Der erste Teil von „Der Herr der Ringe“ musste bei der Produktion sogar in mehrere Bände aufgeteilt werden. Die Nutzer wenden sich oftmals mit einer konkreten Bestellung an die Bibliothekare. Diese kennen die Vorlieben ihrer Nutzer meist sehr genau und halten teilweise engen Kontakt. Beraten werden die Leser dabei über Telefon oder E-Mail. Wenn dann die passenden Bücher gefunden wurden, verschickt die DZB diese dem Leser kostenfrei und weltweit zu. Bei Hörbüchern ist es auch möglich diese über die DZB App herunterzuladen und im sehbehindertengerechten DAISY-Standard anzuhören. Im Unterschied zu gängigen Hörbuchtiteln wird ein Buch komplett mit seiner Struktur gelesen. Beispielsweise wird auf Kapitel, Anhänge oder abgebildete Tabellen verwiesen, wodurch sich die Nutzer leichter im Buch orientieren können. Neben der Fernleihe werden circa 7 000 Artikel im Verkauf angeboten. Dort können unter anderem auch Kalender, Grußkarten und Reliefs erworben werden. Ein weiteres Angebot der DZB stellt die Technikberatung dar, wo Nutzer bei dem Umgang mit Abspielgeräten und digitalen Inhalten Unterstützung erhalten. Produktion barrierefreier Medien In erster Linie ist die DZB jedoch nicht nur Bibliothek sondern auch Produktionshaus. So gut wie alle Leihmedien wurden unter dem Dach der DZB in eine barrierefreie Form umgewandelt. Zunächst entscheidet eine Buchauswahlkomission, welche Verlagsprodukte neu produziert und angeboten werden sollen. Bei allen Prozessen stehen die Nutzer mit ihren Vorlieben und Bedürfnissen im Mittelpunkt. Somit ist es beispielsweise möglich, dass Leser Wünsche äußern, welches Buch sie gerne in Brailleschrift lesen würden. Die Verlagsmitarbeiter kümmern sich darum, die passende Editionsform zu finden und übertragen dann das Original in diese. Damit die Bücher im Haus produziert werden können, bezahlt die DZB über die Mediengemeinschaft für blinde und


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sehbehinderte Menschen, Medibus e. V., eine Gebühr an die VG Wort. Um die Eigenproduktion zu ermöglichen, verfügt das Haus über eine eigene Druckerei und Binderei sowie ein Hörbuchstudio. Bei aufwändigen Reliefarbeiten oder Sonderdrucken werden teilweise auch Aufträge an Spezialdruckereien vergeben. Neben der Realisierung von eigenen Projekten werden auch Aufträge angenommen. Beispielsweise lassen Behörden oder Kultureinrichtungen Informationsmaterial, Orientierungspläne und digitale Inhalte übertragen. Zusammenarbeit mit der Verlagsbranche Für die DZB besteht eine der wichtigsten Aufgaben darin, das Medienangebot stetig auszubauen und die Leserbedürfnisse erfüllen zu können. Allerdings stehen sie dabei als eines der wenigen deutschen Produktionshäuser dieser Art vor einer Mammutarbeit. Es wäre eine enorme Erleichterung, wenn noch mehr Verlage ein Interesse dafür entwickeln, die Bibliothek bei der Publikation von Literatur in Braille und Hörbüchern im DAISY-Standard zu unterstützen. Der DZB kann ein Teil des Prozesses durch eine gute Zusammenarbeit abgenommen werden. Beispielsweise stellen Verlage digitale Inhalte bereit, die dann die Herstellung von den Büchern in Brailleschrift erleichtern. Für die bestehende Büchernot braucht es viele Beteiligte, die im Sinne des uneingeschränkten Zuganges zu Literatur und Bildung denken. Da auch sehbehinderte Leser genauso wie Sehende das Bedürfnis haben sich stetig weiterzubilden und von Texten begeistern zu lassen, wäre es für die DZB sehr wünschenswert, wenn die Zusammenarbeit mit Verlagen ausgeweitet werden kann. Unterstützung für die Zukunft Um die Leistungen und Qualitäten der Bibliothek weiterhin beizubehalten, ist die DZB auf Förderer angewiesen. Zum größten Teil wird dies durch die Grundfinanzierung des Freistaates Sachsen und weiterer Unterstützung des Freunde der DZB e. V. gewährleistet.

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Zu den treusten Spendern gehören die Nutzer selber, da es ihnen natürlich besonders wichtig ist, neue Projekte und Übertragungen realisieren zu können. Sie sind für alle Publikationen, die ermöglicht werden sehr dankbar. Als Spender ist es sogar möglich, eine Buchpatenschaft zu übernehmen, bei der man einen konkreten Titel finanziell bei der Produktion unterstützen kann. Die DZB wünscht sich zukünftig mehr gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit und Unterstützung, um weiterhin die Hürden zum barrierefreien Informationszugang für blinde und sehbehinderte Menschen abbauen zu können. Danielle Schneider Alle Informationen wurden freundlicherweise von Ronald Krause, PR-Referent der DZB, bereitgestellt.

© DZB

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„nichts, was uns passiert“ EINE GESCHICHTE ÜBER ZWEI MENSCHEN UND EINE VERGEWALTIGUNG

Nichts, was uns passiert - schon der Titel des Romans spielt darauf an, dass das zentrale Thema des Buches zu denen gehört, mit denen man sich eigentlich nur sehr ungerne beschäftigen möchte. Mit Dingen, die scheinbar immer nur den anderen passieren. Bis man selbst damit konfrontiert ist. Vielleicht sind es die Bildschirme, die diese Distanz schaffen, vielleicht auch nicht. Unabhängig davon, Umweltkatastrophen, Überfälle, Terrorismus, all diese Dinge passieren immer irgendwo anders, irgendjemandem anders. Genauso wie Vergewaltigungen? Verbrecher Verlag 19,00 € 168 Seiten, Hardcover ISBN 978-3-957-32307-1 Cover: © Verbrecher Verlag

Die Geschichte „nichts, was uns passiert“ handelt von Anna und Jonas. Die beiden lernen sich im linken Leipziger Studentenmilieu kennen. Sie haben gemeinsame Freunde und Bekannte und finden ineinander Diskussionspartner für die Themen, die sonst niemanden zu interessieren scheinen. Anna und Jonas landen zusammen im Bett, es ist einvernehmlich. Beiden Beteiligten ist klar, dass sie kein Paar werden, dafür ist keiner von den Zweien bereit. Jonas kommt gerade aus einer gescheiterten mehrjährigen Beziehung, Anna weiß nach abgeschlossenem Studium nicht wohin mit sich und lebt mangels Plänen für die Zukunft nur in den Tag hinein. Aber Leipzig ist nicht groß und so laufen sich die beiden immer wieder über den Weg. So auch bei einer Geburtstagsfeier. Und dann kommt es zu der einen Nacht, in der die beiden wieder zusammen im Bett landen, wieder sehr betrunken, Anna noch viel mehr als Jonas. Diesmal ist es nicht einvernehmlich. Erst nach mehreren Wochen, in denen es Anna psychisch immer schlechter geht, zeigt sie Jonas an. Über den Roman und die Autorin Die Handlung ist annähernd linear, obwohl es durchaus Sprünge zwischen unterschiedlichen Zeiten und Personen gibt. Es existiert so gut wie keine Nebenhandlung, so dass sich alles auf Annas und Jonas‘ Schicksal konzentriert und

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dem Leser keine Pause gegönnt wird. Die Geschehnisse scheinen seltsam alltäglich, was sie nur ungleich eindringlicher wirken lässt. Wer in Leipzig wohnt, wird das sicher noch intensiver erleben, denn die Orte, an denen sich die Handlungsstränge vollziehen, sind bekannt. Man sieht vor sich, wie Anna Jonas das erste Mal nach der Vergewaltigung im Rewe am Connewitzer Kreuz wieder sieht und wie sie die Karli runter zur Polizeistation fährt. Der Schreibstil ist konsequent, braucht weder Metaphern, noch große Worte und findet dennoch die richtigen. Bettina Wilperts Debütroman erschien kurz vor der letzten Leipziger Buchmesse und, auch wenn nicht so beabsichtigt, pünktlich zur #MeToo Debatte, die sich als Reaktion auf den Weinstein-Skandal entsponnen hatte. Der Roman wurde mit diversen Preisen ausgezeichnet und erhielt weitere Nominierungen. Darunter waren unter anderem der Förderpreis zum Lessing-Preis des Freistaates Sachsen und der ZDF-‚aspekte‘Literaturpreis für das beste literarische Debüt des Jahres 2018. Bettina Wilpert studierte Kulturwissenschaft, Anglistik und Literarisches Schreiben in Potsdam, Berlin und auch Leipzig, ihrem aktuellen Wohnort. Zwischen den Stühlen Erzählt wird die Geschichte von einem IchErzähler. Wer das genau ist – eine Journalistin oder ein Freund – spielt letzten Endes keine Rolle. Diese Person spricht nicht nur mit den beiden Protagonisten, sondern auch mit Freunden, Bekannten und anders Involvierten. Viele der Positionen spiegeln das Hin und Her der Meinungen wider, dessen Schwankungen auch der Leser unterworfen ist. Die Freunde wissen nicht, wie sie mit der eigenen Unsicherheit und Verwirrtheit umgehen sollen. Sie sehen sich gezwungen, Position zu beziehen, wollen keinen verletzen, das Richtige tun. „Sie wusste, was passiert war, rational. Aber war es wirklich eine Vergewaltigung? Die hatte sie sich anders vorgestellt: Ein Mann, der einen nachts auf


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dem Nachhauseweg überfällt, oder der Onkel, der die Nichte als Kleinkind missbraucht. Aber kein Doktorand, den man kennt, zu dem man Vertrauen aufgebaut hat. Ihre Geschichte unterschied sich wenig von denen der unbekannten Mädchen im Internet. Also wurde sie auch vergewaltigt? Logische Schlussfolgerung. Wirklichkeit.“ „Jonas sagte daraufhin, dass es um ihn und Anna geht. Anna hat Anzeige erstattet. Niemals sei er zu so was fähig, niemals würde er Anna so was antun. Jonas sprach weiter und sagte, er hat eine Bitte. Ob Hannes mit Anna sprechen kann, er muss wissen, warum sie es getan hat, warum sie ihn falsch beschuldigt.“ Der Leser kann die Situation demnach unterschiedlich interpretieren und das soll er auch. Das Spinnennetz, was Bettina Wilpert um die Figuren spinnt, sorgt dafür, dass dem Leser ununterbrochen die Gedanken im Kopf kreisen. Die Art und Weise der Darstellung der Protagonisten spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Autorin erklärte dazu in einem Interview für den SWR: „Mir war es bei Jonas schon ziemlich wichtig, dass er sympathisch ist, und auch, dass es eben in diesem Milieu spielt, und dass jetzt nicht nur arbeitslose Hartz-IV-Empfänger Frauen vergewaltigen, sondern auch reflektierte junge Männer; das hat, glaube ich, auch funktioniert.“ Über Anna sagt sie, dass sie als Charakter leichter zu finden gewesen wäre. Für sie sei sie sympathisch, obwohl sie wohl durch ihre psychische Verfassung weniger charismatisch und dadurch weniger für sich einnehmend wäre.

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Aber obwohl Zweifel gestreut werden, handelt es sich bei dem Roman definitiv nicht um eine klassische „He said, she said.“-Geschichte. Dazu ist die Situation klar genug. Für Sex braucht es mindestens zwei Personen und wenn eine Person ihr Einverständnis nicht gibt oder dazu nicht mehr in der Lage ist, dann spielt es an der Stelle keine Rolle mehr, ob die andere damit einverstanden wäre. Sich Gedanken machen, kritisch mit der eigenen Meinung umgehen, sich in andere hineinversetzen, das sind alles Dinge, zu denen „nichts, was uns passiert“ auf jeder Seite herausfordert und darin liegt die Stärke des Romans. Paula Heinze

© linonono

Was bleibt? Während des Lesens stellt sich immer wieder eine Frage: Kann es für die eine Person eine Vergewaltigung und für die andere betrunkener, nicht besonders guter Sex gewesen sein? Die Frage danach, was hier die Wahrheit ist, steht dabei unübersehbar im Raum. Denn, wie kann etwas wahr sein, wenn es für jeden doch nur subjektives Erleben und Empfinden gibt? www.buecherfrauen.de/akademie akademie@buecherfrauen.de

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BUNTE VERLAGSWELT SO SKURRIL IST DIE BUCHBRANCHE

Wenn man in die Buchhandlung geht, sieht man hauptsächlich die Bücher der großen Publikumsverlage im Regal stehen und kaum ein Leser weiß, wie vielfältig die Welt der Verlage in Deutschland sein kann. Es gibt einige kleinere Verlagshäuser, die mit ihrem ungewöhnlichen Programm und ihrer besonderen Nische die Verlagswelt ein Stückchen bunter machen. Drei dieser speziellen Verlage wollen wir euch heute vorstellen. Comicladies.de Comicladies.de gehört zur Werbeagentur RTO GmbH, die Print- und Online-Kampagnen im Bereich Erotik auf den Markt bringt. Die Zielgruppe sind hauptsächlich Hostessen, FKK-Clubs, Massagestudios und Escortagenturen. Mit ihrer Comicreihe „Geschichten aus der Erotikwelt“ wollen sie ihren Lesern einen unterhaltsamen Einblick in die unterschiedlichen Ausformungen des Erotikgewerbes bieten. Dabei arbeitet der Verlag eng mit Autoren zusammen, die in dieser Branche tätig sind, damit die Geschichten möglichst authentisch erzählt werden können. Die Reihe umfasst mittlerweile drei Bände in denen der Leser der Hauptperson Fifi folgt und mit ihr Abenteuer im Erotikgewerbe erlebt. MenschHund! Der MenschHund! Verlag ist ein kleiner Selbstverlag, der seit 2005 existiert. Er verlegt, wie der Name schon vermuten lässt, Bücher für den Menschen und seinen vierpfotigen Begleiter. Hier geht es hauptsächlich darum, wie Menschen mit ihren Hunden kommunizieren können und wie man dem Hund bestimmte Verhaltensmuster an- oder abtrainieren kann. Außerdem stellt der Verlag eine DVD zum Thema Anti-Jadgtraining zur Verfügung und eine App, die dem Hundebesitzer helfen soll, für den DHVE-Hundeführerschein zu trainieren. Die Auflagen des Verlags sind sehr klein, weshalb die Bücher in den Kreisen der Zielgruppe teilweise sogar zu Sammlerstücken geworden sind und auch einen recht hohen Wert haben.

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In enger Zusammenarbeit mit den Autoren entstehen recht wenige, aber dafür qualitativ hochwertige Ratgeber für den Menschen und seinen besten Freund. Karl-May-Verlag Schon seit 1913 gibt es den Karl-May-Verlag. Dieser hat seinen Sitz in Bamberg und Radebeul und bringt eine beeindruckende Geschichte mit sich. Verlagsgründer Dr. Euchar Albrecht Schmid war ein großer Bewunderer der Literatur von Karl May und hat seine hohe Meinung auch dann schon öffentlich bekundet, als der Autor noch verschmäht wurde. Nach regem Briefwechsel haben sich Schmid und May schließlich auch persönlich getroffen. May äußerte dabei den Wunsch, dass Schmid sein Verleger werden möge. Zwei Jahre später verstarb May. Da die Verkaufszahlen seiner Werke dramatisch gesunken waren, verkaufte der Erstverleger Mays die Rechte an den Schriftstücken. Karl Mays hinterbliebene Frau Klara erinnerte sich an Karls Wunsch, von Schmid verlegt zu werden und organisierte, dass die Rechte an den Büchern zu ihm übergingen. Zu diesem Anlass wurde der Verlag unter dem Namen Verlag der Karl-May-Stiftung gegründet. Noch heute besteht das Verlagsprogramm ausschließlich aus Werken, die mit Karl May zu tun haben. Von den klassischen Ausgaben seiner Werke bis hin zu Comics und Bastelbüchern für die jüngere Zielgruppe - alles steht im Zeichen des legendären Westernromanciers. Milena Lohse


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HTWK NEWS

NEUES AUS DER HOCHSCHULE

Ihr seid neugierig, was in den kommenden Monaten an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig so alles geschieht? Dann freut euch auf die nächsten Zeilen, denn hier berichten wir alles Wissenswerte. Hochschulinformationstag am 11.05.2019 Informieren geht über blind losstudieren. Aus diesem Grund findet an der HTWK auch in diesem Jahr wieder der Hochschulinformationstag statt, an dem angehende Studierende sich eine genaue Vorstellung verschaffen können, was sie erwartet. Die Veranstaltung geht von 10:00 bis 15:00 Uhr und erstreckt sich über sämtliche Gebäude der Hochschule in der Karl-Liebknecht-Straße. Neben öffentlichen Vorträgen von Professoren, Studierenden und Absolventen gibt es auch individuelle Beratungsangebote und praxisorientierte Workshops, in denen man beispielsweise sein Vorwissen testen kann. Außerdem werden Führungen durch die Atelier- und Laborräume oder die Bibliothek geboten. Ein genaues Programm - das viel zu umfangreich ist, um es hier vollständig aufzulisten findet ihr auf der Website der HTWK Leipzig. ... und die Lange Nacht der Computerspiele am selben Tag Wer nach dem Hochschulinformationstag noch Lust und Laune hat, kann sich an selber Stelle weiter ins Getümmel stürzen.

Dann findet im Lipsius-Bau der HTWK die nun schon 13. Lange Nacht der Computerspiele statt. Den Kern der Veranstaltung stellen dabei etwa 250 frei zugängliche Spielstationen, an denen Videospiele aus über vier Jahrzehnten nach Herzenslust gezockt werden können. Zudem wird es ein Mario Kart-Turnier und andere E-Sports-Wettkämpfe geben. Als Mischung aus Retro-Treffen, LAN-Party und StudentenCamp hat sich das Event über die letzten Jahre hinweg etabliert. Der Eintritt ist frei und die Veranstaltung beginnt um 14:00 Uhr. Girl‘s Day am 28.03.2019 Der alljährliche und deutschlandweit begangene Mädchenzukunftstag ist den meisten Schülerinnen mittlerweile bekannt. Mädchen aus der 8. bis 10. Klassestufe bietet sich dabei die spannende Möglichkeit, in die Praxis von, als Männerdomänen geltenden, Berufen hinein zu schnuppern. Dass dabei jedoch nicht nur Betriebe, sondern auch Hochschulen mitmachen, muss noch bekannter werden! Also: An der HTWK besteht am Girl‘s Day die Chance, interessante Einblicke in die Aufgabenfelder von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern zu erhalten und ausgewählte Vorlesungen zu besuchen. Wer sich unter www.htwk-leipzig/ girlsday dazu anmeldet, wird zudem für den Tag von der Schule freigestellt.

das lerche-abo

Christian Bartl

informativ, regelmässig, kostenlos

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Ja, hiermit abonniere ich die Leipziger Lerche. Ich erhalte zwei Hefte pro Jahr pünktlich zu den Buchmessen kostenlos zugeschickt. Ich kann das Abonnement jederzeit kündigen. Einrichtung/Firma: _________________________________________________________________ Name: _______________________________________________________________________________ Straße: ______________________________________________________________________________ PLZ, Ort:

_____________________________________________________________________________

Telefon: __________________________________ Fax:

_______________________________________

E-Mail: ______________________________________________________________________________ Ort, Datum: __________________________ Unterschrift:

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HTWK Leipzig, Lerche-Abo, Karl-Liebknecht-Straße 145, 04277 Leipzig :: Fax: 0341 / 3076-5455 :: E-Mail: lerche-online@htwk-leipzig.de


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LEIPZIGER STIMMEN

WAS DEFINIERT VIELFALT FÜR DICH?

Daniel Lessig (47) - Besitzer des Plattenladens Phonocentrum

© Maxi Josephine Rauch

Instagram: phonocentrum Für mich wird Vielfalt durch verschiedenste kleine, innovative Läden und Ideen im Einzelhandel definiert. Die Karl-Liebknecht-Straße ist in der Hinsicht eine der wenigen funktionierenden Straßen in Leipzig mit solch einer Vielfalt in den Läden. Glücklicherweise entwickelt sich diese Vielfalt an vielerlei Orten wie Reudnitz und Lindenau ebenfalls. Über Social Media-Kanäle wie Instagram werde ich dauerhaft über neue Cafés und Second-Hand-Läden informiert. Ich freue mich über jeden Laden, der von der Lampe über den Pullover bis hin zu einer schönen Idee mit Kaffee, Kuchen und Quiche Vielfalt in einen Stadtteil bringt.

Emmely Schulze (22) - Studentin und nebenberufliche Tätowiererin Instagram: damagedonetattoo Es ist in meinen Augen schon fast so ein Leipzig-Ding, dass Menschen von überall herziehen, sich hier treffen und eine neue große Gemeinschaft bilden. Man hat das Gefühl, hier sei jeder willkommen, egal woher er auch komme. In meinem internationalen Studiengang traf ich auf viele ausländische Studenten und tauschte mich mit ihnen über Sitten, Traditionen, Sprachen und Kulturen aus. Wir debattierten über Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Die Möglichkeit, wie sie in dieser Studentenstadt geboten wird, Sprache und Bräuche zu teilen und kennenlernen zu dürfen. - Das definiert für mich Vielfalt.

© Maxi Josephine Rauch

Heidi Schwarzkopf (34) - Gestalttherapeutin, Familienaufstellerin, Body Workerin, Kunstpädagogin, Initiatorin des Studio Anderthalb

© Maxi Josephine Rauch

Website: anderthalb-leipzig.de Vielfalt ist für mich, was jeder einzelne Mensch ausdrückt. Jeder hat seinen ganz eigenen Schatz und etwas ganz Spezielles. In meinen Sitzungen, Kursen und Workshops versuche ich einen Raum zu schaffen, in welchem wir uns gegenseitig anders entdecken und erfahren können. In der Vielfalt in der wir sind, in all unseren Aspekten und das sind nicht immer nur die schönen und fröhlichen, sondern auch die Facetten, die wir sonst nicht so gerne zeigen. Räume dafür zu schaffen, wo alle Aspekte von uns da sein dürfen, alle die die zum Mensch-Sein gehören und mit Menschen zu arbeiten und diese Individualität zu entdecken definiert Vielfalt für mich.

Susi Struppert (34) - Besitzerin der Kinderbuchhandlung Serifee Website: kinderbuchladen-serifee.de Meine Buchhandlung definiert, mit einem großen Sortiment an tollen Kinderbüchern, für mich Vielfalt. Ich freue mich über die Auswahl von Themen, die mittlerweile abgebildet werden. Es geht nicht mehr um das „Schema F“ Mama-Papa-Kind, sondern um Regenbogen- und Patchwork-Familien. Auch das Abdrucken farbiger Personen in Kinderbüchern wird häufiger. Es geht um Gender-Mainstreaming und das Aufbrechen von Rollenklischees. Es ist noch längst nicht so vielfältig, wie es zu wünschen wäre, aber es wird immer mehr. © Maxi Josephine Rauch

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Nastassja von der Weiden (27) - Chefredakteurin FrohFroh, selbständige Autorin, Social Media Managerin MDR Aktuell Blog: frohfroh.de Zu unserem zehnjährigen Jubiläum von FrohFroh bringen wir die erste PrintAusgabe heraus. Für diese Ausgabe haben wir uns etwas Besonderes überlegt, was unser Magazin bereichern soll und Vielfalt für mich ausdrückt. Dafür starten wir im Februar einen OpenCall, um auch für andere KünstlerInnen, IllustratorInnen, FotografInnen und AutorInnen eine Plattform zu sein. Eingesandtes wird von uns ausgewählt und kuratiert. Ich will schöne Einflüsse von Außen an uns ranlassen, sodass der Content der ersten Print-Zeitung nicht nur aus unserer eigenen Suppe entsteht, weil in dieser Suppe kann ich noch oft genug kochen.

© Flory Gründig

Robert Herrmann (39) - Pianist und Kulturschaffender

© Ulrike Kase

Website: kleinmecka.de Für mich wird Vielfalt definiert durch einen hohen Grad an Abwechslung im Leben und im Sein. Nach diesem Prinzip versuche ich meinen Alltag authentisch und vielfältig zu gestalten. Vielfalt wird allein durch den Beruf des Pianisten geboten: Als Jazzpianist spiele ich im Horns Erben, als Ersatzpianist einer Klezmer Band bespiele ich Synagogen, als Klavierlehrer unterrichte ich Kinder und Schüler. Authentizität möchte ich meinem Handeln verleihen, indem ich mich für den Erhalt und die Geschichte am Bau einsetze. Mit dem Horns Erben erhielten wir die Möglichkeit, Kultur zu gestalten und in Austausch zu treten mit Rezipienten. Mein neues Projekt „Cultural Farming“ des Kulturhofes Rausch & Bach in Kleinmecka erweckt in mir den Denkmalschützer.

Moritz Zedar (22) - Leiter der Warte für Kultur und Debatte, Winzer und Student Website: wfkd.org Meine Idee von Vielfalt ist, wenn Menschen zusammenkommen können, obwohl sie vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie zusammenkommen sollten. Menschen, die sich so nicht treffen würden, weil die einen sich nur in der Kunstblase rumtreiben, andere in ihrer Literaturblase bleiben und manche in einer Altersblase gefangen sind. Mit der Warte möchten wir einen Raum schaffen, in dem sich Menschen begegnen, netzwerken und kennenlernen können. Die Idee ist, gemeinsam etwas zu finanzieren, was einen vielleicht erstmal nicht interessiert, aber dadurch eine „erzwungene“ Bereitschaft zu schaffen, über den Tellerrand hinausschauen zu müssen. Denn Vielfalt funktioniert nicht indem junge oder moderne Strömungen das Alte verdrängen, sondern nur im Dialog aller Strömungen miteinander.

© Moritz Zedar

Die Interviews führte Maxi Josephine Rauch

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vielfalt für leipzig!

KULTURORTE IN LEIPZIG

Vor zwei Jahren betrete ich das Areal des ehemaligen Eutritzscher Ladebahnhofes im Leipziger Norden zum ersten Mal. Hinter einer alten Bowlingbar und leerstehenden Industriehäusern führt uns eine löchrige Kopfsteinpflasterstraße zu dem neuen Club, von dem jeder sprach. Der holprige Weg leitet an einem Schild vorbei, auf dem in großen weißen Lettern der Name des neuen Kulturvereins prangt: So&So. Nach der meterlangen Schlange zum Eingang strahlt uns aus einem Holzverschlag eine süße Frau mit Glitzer im Gesicht an, drückt uns den Stempel auf und wünscht viel Spaß. Hinter dem Holzzaun und der Hütte verbirgt sich ein großer Innenhof. Ich komme an dem Abend aus dem Staunen nicht mehr raus, überall wurde liebevoll dekoriert und bepflanzt: Im Entree ein alter Trabant zur Sitzecke ausgebaut, Sonnenblumen die Wände erklimmend sowie alte Einmachgläser mit Grünpflanzen und Kerzen. Von dem Hof führen drei unscheinbare Türen ab, die eine in den Wintergarten, die andere in den Wandschrank und die dritte zur Bar und zum Mainfloor. Vor allem der Wandschrank hat es mir angetan, zwischen riesigen alten Lampen und überfüllten Bücherregalen kann man das Tanzbein schwingen, auf Sitzerhöhungen klettern und das bunte Treiben beobachten. Die Wand des Mainfloors wird von Birken und riesigen runden Strahlern gesäumt. Ein weiterer Hingucker ist die Bar. Auf alten verstimmten Klavieren servieren studentische Kräfte den berühmten Likör Ronny. So einen Club habe ich vorher noch nie gesehen. Doch hinter dem So&So steckt nicht nur ein Nachtlokal. Das Team gründete eine gemeinnützige Musikschule, Proberäume und eine offene Werkstatt. Eine neue Community entstand und ein neuer Ort gelebter Utopie wurde geschaffen. Mitten in der Hochphase ereilte die Gemeinschaft eine bittere Hiobsbotschaft: Das Kulturzentrum steht vor dem Aus und ein neues Stadtviertel soll auf dem Areal entstehen. Ein Tiefschlag für alle Menschen, die so viel persönlichen Einsatz in das Projekt steckten und ein großer Verlust für Leipziger.

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Doch wir können uns glücklich schätzen, denn wenn in Leipzig ein Kulturort von der Bildfläche verdrängt wird, entstehen dafür Neue. Eine Handvoll möchte ich an dieser Stelle vorstellen und für ihr vielfältiges Engagement danken. Horns Erben - Kultur/ Lokal Die im Jahre 1923 von Wilhelm Horn gegründete Spirituosenfirma in der Arndtstraße 33 produzierte im Keller und verkaufte darüber in der gleichnamigen Weinstube Schnaps, Wein und Liköre. Horns Betrieb überlebt den Zweiten Weltkrieg und bestand bis zur Enteignung durch den sozialistischen Staat 1972. Viele Jahre später entdecken vier Studenten durch Zufall das heruntergekommene Lokal, welches bis heute im Besitz der Familie Horn verblieben ist. Zu diesem Zeitpunkt hausten die Studenten über der noch unbekannten und unzugänglichen Kneipe und erhielten dank eines Rohrbruchs im Keller Einblick in die leeren Hallen. Sie kontaktierten die Familie Horn und ergriffen die Chance, der alten Weinstube wieder neuen Glanz zu verleihen. Heute erhellt die detailgetreue Rekonstruktion der Glasfassade von 1931 die Straße und lockt Nachtaktive von der Karl-Liebknecht-Straße an. Eine kleine, geheime Treppe führt von der Kneipe hoch zum Tanzsaal und zur Bar. Jede Woche wird hier ein vielfältiges Programm geboten. Neben Vorträgen, Konzerten, Musiksessions, Theater und Kabarett findet jeden Sonntag der Tatortabend statt. Warte für Kultur und Debatte Vor nicht mal einem Jahr wurde die Warte für Kultur und Debatte e. V. in der HermannLiebmann-Straße 88 gegründet, aufbegehrend gegen die Kürzungen nationaler Kulturetats. Seither schafft der Verein mit verschiedensten Veranstaltungen einen Raum des kulturellen Zusammentreffens in welchem Kultur und Debatte gelebt werden. Hier kann man Mate trinkend und ruhigen Bässen lauschend im Hinterhof disputieren oder Bier in bunten Sesseln neben verspachtelten Wänden schlürfen und literarischen Perlen lauschen.


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In der Lesereihe HofLiteratur lädt die Warte Schreiberlinge und Literaturinteressierte zum Beiwohnen ein, wetterabhängig wird zur überdachten Version KlubLiteratur geladen. Beim OpenCall wird schüchternen Kreativen die Möglichkeit geboten, sich hinter ihren eigenen Zeilen zu verstecken. Das Kuratorium wählt eingesandte Texte aus und eine Sprecherin trägt die Werke zunächst anonymer UrheberInnen vor. Simultan antwortet eine Illustratorin mit einer kleinen Zeichnung auf das Vorgetragene. Nach fakultativer Demaskierung des Autors wird zum Gespräch bei Musik und Umtrunk geladen. Kunstkraftwerk - Art.Science.Education.Event. Im Leipziger Westen wurde 1863 ein Heizwerk errichtet und versorgte den Stadtteil Lindenau/Plagwitz mit Wärme. 1900 ging dieses in den Besitz der Straßenbahngesellschaft als Elektrizitätswerk für den Bahnstrom über. 90 Jahre später wurde die Anlage in der Saalfelder Straße stillgelegt. Der Architekt Ulrich Maldinger und Professor Markus Löffler-Mantovani kauften 2012 die Immobilie mit der Absicht, ein Kulturzentrum zu errichten. Dank vieler Partner und Förderer wurden die denkmalgeschützten Hallen und Keller mit originalen Heizkesseln, Förderbändern und Schaltzentrale saniert. 2016 wird das Heizkraftwerk umfirmiert und offiziell als Kunstkraftwerk eröffnet. Das genre- und generationsübergreifende Ausstellungsprogramm erstreckt sich über 2 300 Quadratmeter. Im Mittelpunkt steht die Verknüpfung von Kunst und Wissenschaft. Das Kunstkraftwerk bietet Raum für Ausstellungen, Kunstprojekte, Meetings, Multimedia-Shows, Symposien, Workshops und Messen. Die Dauerausstellungen Visible Sounds und Hundertwasser experience kann man wärmstens empfehlen. In beiden dienen die Wände des alten Elektrizitätswerk als Leinwand für Projektionen, welche den Raum verwandeln und Welten multidimensional erleben lassen.

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Kulturhof Kleinmecka Rausch & Bach Cultural Farming Außerhalb der Stadtmauern rumort im Altenburger Land ein weiteres Projekt, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Die Landschaft beherbergt sogenannte Bauernweiler, welche bereits in Aufzeichnungen aus dem 13. Jahrhundert auftauchen. Diese besondere Eigenart beschreibt eine Anhäufung von drei bis neun Gehöften, welche heute vielerorts vom Untergang bedroht sind. In Kleinmecka findet man drei dieser Hofstellen, eine davon, lange im Besitz der Familie Rauschenbach, soll jetzt wiederbelebt werden. Das Erbe erweckte in Robert Herrmann den Denkmalschützer. Er stellt sich aktuell der Herausforderung, dem Gutshof wieder neues Leben einzuhauchen. Unter dem Titel Cultural Farming soll an der Zukunftsvision zur Rettung und Entwicklung des Gutshofs sowie seiner Umwandlung zum Kunst- und Kulturhof gearbeitet werden. Mittels staatlicher Subventionen, privater Spenden und helfender Hände soll der Gutshof erhalten, saniert und wiederbelebt werden. Maxi Josephine Rauch

Leipziger Lerche 50 | Frühling 2019


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buchempfehlung

„DIE DREI SONNEN“ VON CIXIN LIU

Heyne 16,99 € 592 Seiten, Paperback ISBN 978-3-453-31716-1 Cover: © Heyne

Während im Jahr 1967 in China die Kulturrevolution tobt, verliert die Wissenschaftlerin Ye Wenjie ihre Familie und wird auf die Militärbasis „Rotes Ufer“ gebracht. Dort erforscht sie Himmelskörper und geht davon aus, dass sie diese Tätigkeit ihr restliches Leben lang ausführen wird. Bis sie herausfindet, dass die Forschung nur eine Tarnung sein soll. Denn in Wirklichkeit sendet die Militärbasis Signale ins All, um intelligentes Leben zu suchen. Ye Wenjie tritt dieser Mission bei und empfängt eines Tages ungewöhnliche Signale. Daraufhin trifft sie eine folgeschwere Entscheidung. In naher Zukunft sieht der Wissenschaftler Wang Miao Dinge, die es gar nicht geben sollte. Er wird schließlich zu einem Kongress gerufen, bei dem er erfährt, dass weltweit geheimnisvolle Phänomene auftreten, die von jeder wissenschaftlichen Erkenntnis abweichen. Er ist sich sicher, dass es in den Weiten des Weltalls Leben geben muss, das Kontakt zu den Menschen aufnehmen will. Doch kommen die Außerirdischen in Frieden? Das Buch ist absolut empfehlenswert für jeden, der sich für das Weltall oder Science-Fiction interessiert. Nebenbei lernt man auch noch einiges über die Kultur und den Umgang mit Wissenschaft in China. Der Roman bildet den Auftakt zu einer sehr vielversprechenden Trilogie, die sich nicht nur Einzelschicksalen widmen wird, sondern der weitreichenden Zukunftsgeschichte der Menschheit. Milena Lohse

„DIESE DINGE GESCHEHEN NICHT EINFACH SO“ VON TAIYE SELASI

S. Fischer 21,99 € 400 Seiten, Gebunden ISBN 978-3-10-072525-7 Cover: © S. Fischer

Der Familienroman ist eine traditionsreiche Gattung der Literatur, die sich einerseits bewährt hat und nie ganz ihren Reiz verliert, aber andererseits leicht angestaubt wirken kann. Dieser Gefahr entgeht die afroamerikanische Autorin Taiye Selasi in ihrem Debütroman auf geschickte Weise. In einigen kleineren Texten hat die junge Schriftstellerin zuvor den Begriff der „Afropoliten“ geprägt. Das Kofferwort (zusammengesetzt aus Afrikaner und Kosmopolit) dient der Beschreibung hochgebildeter, ambitionierter Menschen afrikanischer Abstammung. „Weltafrikaner“, die an die Anforderungen der westlichen Gesellschaft perfekt angepasst sind, ihren Wurzeln jedoch nie ganz entkommen können. In „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ spielt sie deren Biographien beispielhaft anhand ihrer Figuren durch. Der aus Ghana stammende Kwaku Sai hat als angesehener Arzt in den USA Karriere gemacht und seine nigerianische Ehefrau Fola gibt für die vier gemeinsamen Kinder die perfekte Vorstadt-Mutter. Doch dann fällt er einer Krankenhausintrige zum Opfer, wird fristlos gekündigt und zeigt sich unfähig die Schande vor seiner Familie einzugestehen. Stattdessen flieht er zurück nach Afrika und verschwindet völlig ohne Erklärung aus deren Leben. Die Handlung nimmt mit dem Tod des abwesenden Familienoberhauptes Fahrt auf, woraufhin sich die verstreuten Kinder zur Beerdigung in Ghana versammeln. Diese sind alle höchst unterschiedliche Lebenswege gegangen, die der Roman in Rückblenden schildert. So wird ein beeindruckendes erzählerisches Panorama abgebildet, vor allem aber bleibt die Handlung dank der verschiedenen Perspektiven stets frei von Langeweile. Christian Bartl

Leipziger Lerche 50 | Frühling 2019


buchempfehlung

„WER SCHATTEN KÜSST“

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VON MARC LEVY

Der Roman erzählt eine berührende Geschichte über einen Jungen mit einer übernatürlichen Fähigkeit. Er kann die Schatten anderer Leute stehlen, die seinen Weg kreuzen. Dabei erlangt er Zugriff auf die Hoffnungen, Träume, Wünsche und Sorgen, die die Leute in ihrem Herzen tragen. Stück für Stück versteht er so mehr von sich selbst und der Welt, in der er existiert und fragt sich schließlich: Kann er seine Gabe nutzen, um anderen Menschen zu helfen? Zur Beantwortung dieser Frage führt Marc Levy seine Leser durch die Jugend und das Erwachsenenleben seiner Hauptfigur. Sein Schreibstil ist sehr poetisch und bilderreich, was der emotionalen Dimension des Romans gerecht wird. Denn schon das Familienleben des Schattendiebes ist von Trübsaal geprägt. Seine alleinerziehende Mutter opfert sich unter Entbehrungen für ihn auf, was allein schon schlimm genug wäre. Doch dass er in ihre Schmerzen, wie in die aller anderen Menschen, durch ihren Schatten Einblick erlangen kann, macht es nicht besser. Es lässt ihn den Gefühlen niemals entkommen. Jahre später ist aus dem jungen Mann ein Arzt geworden, was ihn nur wieder die gleiche Frage auf andere Weise stellen lässt: Wie kann er anderen Menschen helfen glücklicher zu leben? Trotz der durchscheinenden Erkenntnis, dass die Einsamkeit der Menschen in der Welt schwer zu beheben ist, selbst wenn man alle ihre Geheimnisse kennt, schafft es der Autor Marc Levy Trost und Zuversicht zu spenden. In den besten Momenten ist seine Geschichte bittersüß. So ist der Roman eine wunderbare Lektüre für kalte Tage, und besonders alle, die sich mit seinem romantischen Schreibstil anfreunden können.

Blanvalet 8,99 € 256 Seiten, Taschenbuch ISBN 978-3-442-38026-8 Cover: © Blanvalet

Ngoc Anh To

„THE HATE U GIVE“

VON ANGIE THOMAS

Im Leben der sechzehnjährigen Starr gibt es zwei Welten. In der einen ist sie die Tochter eines ehemaligen Gangmitgliedes und lebt in einem Viertel, wo Pistolenschüsse zum Alltag gehören. In der anderen ist sie das ruhige, schwarze Mädchen auf einer Eliteschule mit privilegierten weißen Schülern. Täglich balanciert sie zwischen beiden Welten und passt ihr Verhalten drastisch ihren Mitmenschen an. Die Nachbarn sollen nicht denken, sie würde sich durch die teure Ausbildung für etwas Besseres halten. Vor ihren weißen Freunden möchte sie nicht im Ghettoslang sprechen. Doch die Mauern, die Starr um sich errichtet hat, brechen innerhalb eines schrecklichen Momentes zusammen. Sie muss mitansehen, wie ihr Kindheitsfreund Khalil von einem Polizisten erschossen wird. Als einzige Zeugin hat das Mädchen Angst, eine Aussage zu treffen. Für die Polizei war es ein unglücklicher Unfall. Das gesamte Viertel wiederum fordert Gerechtigkeit im Angesicht willkürlicher Polizeigewalt. Starr will nicht, dass ihr von beiden Seiten Worte in den Mund gelegt werden. Neben der Trauer hat sie auch damit zu kämpfen, dass viele Khalils Tod als gerechtfertigt ansehen, da er mit Drogen gedealt hat. Das Buch gewährt Einblicke in eine gespaltene Gesellschaft, die sich auf Vorurteile und Hass stützt. Die Menschen stecken sich gegenseitig in Schubladen, doch die Individuen werden darüber vergessen. Danielle Schneider

Cbt 18,00 € 512 Seiten, Gebunden ISBN 978-3-570-16482-2 Cover: © Cbt

Leipziger Lerche 50 | Frühling 2019


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opencall und impressum

opencall

IMPRESSUM „LEIPZIGER LERCHE“ ISSN: 1430-0737

Anzeigen: Milena Lohse, Christian Bartl

Auflage: 3 000 Exemplare

Layout-Chefin: Danielle Schneider

Herausgeber: Hochschule für Technik, Wirtschaft und

Layout: Paula Heinze, Danielle Schneider, Maxi Josephine Rauch

Kultur Leipzig, Fakultät Medien,

Herstellung: Paula Heinze

Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft,

Fotografin Titelbild: © Maxi Josephine Rauch

Karl-Liebknecht-Str. 145, 04277 Leipzig

Model Titelbild: Paulin Golla

Internet: www.fm.htwk-leipzig.de

Titelbild Spezial: © Lisa Wagner

www.leipzigerlerche.com

Editorial: © Christian Bartl

E-Mail: lerche-online@htwk-leipzig.de

Reproduktion/Druck: Anke Schlegel, Roger Troks,

V.i.S.d.P.: Prof. Gunter Janssen

Hausdruckerei der HTWK,

Chefredakteur: Christian Bartl

Gustav-Freytag-Str. 40, 04277 Leipzig

Redaktion: Christian Bartl, Paula Heinze, Danielle Schneider, Milena Lohse,

Weiterverarbeitung: Zschämisch Buchbinderei,

Maxi Josephine Rauch, Anh Ty Le Tran, Ngoc Anh To

Weststraße 9, 04425 Taucha

Vertrieb: Milena Lohse, Christian Bartl


Schleipen Papier zum Lesen Papierfabrik Schleipen Kaiserslauterer Straße 403 67098 Bad Dürkheim Telefon 0 63 22 / 6 00 80 Fax 0 63 22 / 6 17 02

Die Leipziger Lerche wurde gedruckt auf Schleipen Fly 07 Schneeweiß 1,2-faches Volumen 115 g/qm

Ein Unternehmen der Cordier Spezialpapier GmbH www.cordier-paper.de

Studiengang Buchhandel / Verlagswirtschaft Fakultät Medien Regelstudienzeit: 6 Semester (inkl. Praxissemester) Voraussetzungen: allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife Studienabschluss: Bachelor of Arts » Buchhandel / Verlagswirtschaft «

HTWK Leipzig Dezernat Studienangelegenheiten Postfach 30 11 66 04251 Leipzig www.htwk-leipzig.de

Studium Rund ums Buch Besuchen Sie den Gemeinschaftsstand der Hochschulen auf der Leipziger Buchmesse 2019 und auf der Frankfurter Buchmesse 2019

Profile for Leipziger.Lerche

50. Leipziger Lerche  

Liebe Leserinnen und Leser, mit der 50. Ausgabe läutet für uns die Glocke zu einem großen Jubiläum. Das wollen wir natürlich gebührend...

50. Leipziger Lerche  

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