__MAIN_TEXT__

Page 29

LEIBNIZ | LICHT

Mystik des Lichts Jörg Drauschke vom Leibniz-WissenschaftsCampus Mainz forscht zur Lichtkunst in Byzanz.

Bereits im alten Byzanz wussten die Menschen Licht in Szene zu setzen. Sie verfeinerten ihre Technik dabei immer weiter — zu Zeiten, als nördlich der Alpen noch überwiegend Kienspäne und einfache Tonlampen zum Einsatz kamen. Die Lichtquellen der einstigen Hochkultur und ihre Bedeutung für die damalige Gesellschaft erklärt der Mainzer ByzanzExperte Jörg Drauschke.

2/2015 



Herr Drauschke, wir leben im Zeitalter von LEDs und Laserkunst. Warum beschäftigen Sie sich im 21. Jahrhundert noch mit dem byzantinischen Reich und seinen L ­ icht­quellen? Byzanz war, was vielen Menschen heute möglicherweise nicht mehr präsent ist, über viele Jahrhunderte die Leitkultur im Mittelalter, an der sich alles orientiert hat. Das wollen wir mit unserem WissenschaftsCampus ins Bewusstsein rufen. Beim Thema Licht fasziniert mich, dass sich seine Funktionen zwischen der byzantinischen Zeit und heute gar nicht so sehr unter-

scheiden. Neben der einfachen Beleuchtung von Räumen wurde Licht schon vor über 1.000 Jahren gezielt genutzt, um bestimmte Dinge in Szene zu setzen – vor allem im sakralen Bereich. Bei der Planung von Kirchen haben die Architekten damals versucht, das Tageslicht zu steuern, etwa durch die Platzierung der Fenster oder Lichtöffnungen in der Kuppel. Durch den Einsatz künstlicher Beleuchtung wurden bestimmte Bereiche dann noch stärker akzentuiert. In der Theologie wurde eine regelrechte Lichtmystik entwickelt. Das Licht hatte also einerseits eine gar nicht hoch genug einzuschätzende Bedeutung für die Menschen. Andererseits stand es im Unterschied zu heute nicht einfach auf Knopfdruck zur Verfügung. Alles war mit einem großen Aufwand ver­bunden. Welche Techniken haben die Byzantiner genutzt, um künstliche Lichtquellen ohne Strom zu erschaffen? Im Prinzip bedienten sie sich spezieller Gefäße, die mit Öl

gefüllt waren und in denen ein Docht lag. Seit der Antike kennen wir einfache und kostengünstige Varianten aus Ton, die auch Privatleute verwendeten. Nach diesen Vorbildern entstanden kurze Zeit später aufwändigere Lampen aus Bunt- und Edelmetalllegierungen. In der Zeit des frühen Christentums wurden sie mit christlichen Symbolen wie der Taube oder dem Kreuz verziert und besaßen zum Teil sogar mehrere Flammen. Schließlich entdeckte man im vierten und fünften Jahrhundert das Glas als Lichtträger, ein Material, das seinerzeit in großen Mengen zur Verfügung stand. Das war die entscheidende Innovation. Welche Vorteile hatte denn Glas? Es war wesentlich effektiver. Fachleute haben in Experimenten nachgewiesen, dass eine mit Rizinusöl befüllte Glaslampe eine Lichtstärke von 1,4 Candela erreichen konnte. Das ist fast doppelt so viel wie bei einer Ton- oder Metalllampe. Man kann das vergleichen mit

29

Profile for Leibniz-Gemeinschaft

Leibniz-Journal 2/2015: Erhellend. Licht strahlt überall in unserem Leben  

Das Magazin der Leibniz-Gemeinschaft

Leibniz-Journal 2/2015: Erhellend. Licht strahlt überall in unserem Leben  

Das Magazin der Leibniz-Gemeinschaft

Advertisement