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28 • Juni 2013 • www.leibnitzaktuell.at

Regional

Millimeter mit Erfolg: Das Fragment einer kupferzeitlichen Urne wurde entdeckt.

Archäologische Sensation in Wildon: Am Bocksberg entdeckten Archäologen die ältesten Gräber der Steiermark – mit den Überresten eines Schädels eines jungen Mannes. Die Grabstätten stammen aus der Kupferzeit und sind rund 6.000 Jahre alt.

Foto: Kulturpark Hengist

A

m Ende stand eine veritable Neuigkeit, am Beginn aber nur ein vager Verdacht: An einer Stelle am Bocksberg, etwa 20 Kilometer nördlich von Leibnitz, hatten Archäologen schon bisher immer wieder Keramikfragmente gefunden, allerdings enträtselte sich die Steinformation den Experten

Der älteste Friedhof der Steiermark bisher nicht. Seit dem Sommer des Vorjahres ist das Team rund um den Archäologen Christoph Gutjahr der historischen Wahrheit einen großen Schritt näher gekommen: Nach umfangreichen Grabungen und Laboruntersuchungen bestehen de facto keine wissenschaftlichen Zweifel mehr, dass es sich bei dem Areal um den ältesten Friedhof der Steiermark handelt. In der Kupferzeit – vor rund 6.000 Jahren also – war

die Region um den Wildoner Berg demnach bereits besiedelt, die Menschen verbrannten ihre Verstorbenen und bestatteten sie in Urnen. Keramikschüssel als Urne „Insbesondere die Datierung mit einem Alter von 6.000 Jahren stellt eine wissenschaftliche Sensation dar“, erläutert Grabungsleiter Gutjahr, der die Untersuchungen im Auftrag des Bundesdenkmalamtes und im Rahmen des Kulturvereins „Kulturpark Hengist“ mit archäologischen Hilfskräften durchgeführt hat. Zentrales Fundstück ist eine sogenannte Knickwandschüssel aus Keramik, die etwa zur Hälfte erhalten ist. Gutjahr: „Aufgrund ihrer charakteristischen Form lässt sich die Schüssel archäologisch relativ genau einer Epoche der frühen Kupferzeit zuordnen.“ In dem offenbar als Urne verwendeten Gefäß fanden die Experten dann auch noch die Reste eines Schädels – der Leichnam des jungen Mannes war verbrannt und in der Keramikschüssel bestattet worden. Was den Fund bei Wildon derart besonders macht, ist die wissenschaftliche Präzision, mit der ihr Alter auf etwa 100 Jahre genau rekonstruiert werden kann. Mit der sogenannten C14-Methode, die

den Zerfall biologischen Materials rückrechnet, ergeben sich für zwei Bestattungen am Bocksberg Daten zwischen 4230 und 3970 vor Christus – und somit weit vor Kelten und Römern. Die nunmehr ältesten Gräber der Steiermark sind somit auch um gut 3000 Jahre älter als Grabstätten, die man in Kainach bei Wildon, aber auch unterhalb des Karmeliterplatzes in Graz gefunden hat. Gutjahr: „Hier in Bocksberg handelt es sich um die älteste bekannte Grablege der Steiermark.“ Frühe Blütezeit Insgesamt sind aus dieser Epoche der beginnenden Kupferzeit überhaupt nur fünf Grabstätten in ganz Österreich bekannt. „Diese Phase ist gekennzeichnet dadurch, dass die Menschen begonnen haben, Kupfer abzubauen und zu verarbeiten“, schildert Gutjahr. So wurde erst vor kurzem auf einem Hügel bei Gratkorn eine kupferzeitliche Siedlung entdeckt, in der es deutliche Nachweise für die Bearbeitung von Kupfer gibt. In gewissem Sinn muss diese Phase – nicht nur am Bocksberg bei Wildon – eine Art frühe Blütezeit gewesen sein: So sind in der Steiermark 120 kupferzeitliche Siedlungen bekannt.  Martin Link

06.2013  

Leibnitz Aktuell Ausgabe Juni 2013

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