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Lebenswege Ausgabe 46 · Februar 2012

m u z s o l n e t kos ! n e m h e n Mit

www.lebenswege-forum.de

Forum für Krebspatienten und ihre Angehörigen

Fortschritt beim Eierstockkrebs Die Therapieoptionen erweitern sich Frauen mit Eierstockkrebs werden üblicherweise zuerst operiert und anschließend mittels einer Chemotherapie behandelt. Nun wurde für Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) eine neue, zusätzliche Behandlungsform zugelassen. Bei dem neuen Medikament handelt sich um einen so genann-

ten Angiogenesehemmer, also einen Wirkstoff, der die Neubildung von Blutgefäßen unterbindet. Über solche neuen Blutgefäße versorgt sich der Tumor mit Nährstoffen und Sauerstoff. Wird die Gefäßbildung unterbunden, so wird damit zugleich das Tumorwachstum gehemmt. Es wird so zwar leider keine Heilung der Erkrankung

Darmkrebsmonat März

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Darmkrebs wird im März Mittelpunkt vieler Aktionen und Kampagnen sein. Dabei wird verstärkt über die Hintergründe der Erkrankung und über Fortschritte in der Behandlung informiert werden. Auch die Internetseite www. M ärz darmkrebszentrale.de greift das Thema „Fortschritte in der Behandlung von Darmkrebs“ im März mit einem aktuellen Filmbeitrag mit dem Titel „Darmkrebs - Mythen, Ziele und Therapievisionen“ auf.  Siehe Seite 3

bewirkt, die neue Therapieoption ist aber eindeutig ein Fortschritt, erklären Experten, wie Professor Dr. Jalid Sehouli aus Berlin: „Die klinischen Studien haben gezeigt, dass die Zeit bis zum Neuauftreten des Tumors nach einer Operation oder einer Chemotherapie verlängert wird, die Frauen also deutlich länger tumorfrei leben können“. Frauen mit Eierstockkrebs, die nach einer Operation oder einer Chemotherapie länger tumorfrei leben, sprechen nach seiner Erfahrung beim Wiederauftreten des Tumors zudem besser auf eine erneute Behandlung an. Rund 10.000 Frauen erkranken hierzulande pro Jahr an einem Ovarialkarzinom, das damit zu den eher seltenen Krebserkrankungen gehört. Allerdings wird der Eierstockkrebs meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt.  Siehe Interview Seite 2

Bei Brustkrebs am besten ins Brustzentrum Behandlung entsprechend der Leitlinien Frauen mit Brustkrebs sind gut beraten, wenn sie sich in einem zertifizierten Brustzentrum behandeln lassen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie die in ihrem Fall optimale Behandlung erhalten. Das hat ein so genannter Benchmarking-Bericht ergeben, der gemeinsam von der Deutschen

Den Motor der Tumorzellen gezielt abschalten

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Keine Angst vor Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall

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Optimale Krebstherapie auch im Alter

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Krebs – auch die Seele leidet

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Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) erarbeitet wurde. Die beiden Fachgesellschaften haben die Qualität der medizinischen Versorgung bei Brustkrebs in den 205 zertifizierten Brustzentren in Deutschland genau unter die Lupe genommen. Sie haben dazu die Daten von 50.000 Frauen mit Brustkrebs analysiert und parallel dazu 7.000 Frauen auch direkt befragt. „Die Ergebnisse der Studie spiegeln eine hohe Qualität der Versorgung in Brustzentren wider“, berichtete Professor Dr. Rolf Kreienberg, Ulm. Derzeit werden nach Angaben der Fachgesellschaften etwa 90 Prozent der Frauen mit Brustkrebs in einem zertifizierten Brustzentrum betreut. Die Mediziner hoffen, dass in zehn Jahren alle

Flüsterpost – Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern

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1 – ©Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com, 2 – Shutterstock

Inhalt Peniskarzinom – den Tumor aus der Tabuzone holen

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Noch nicht alle Frauen mit Brustkrebs werden im Brustzentrum behandelt. (2) betroffenen Frauen in einem entsprechend spezialisierten Zentrum diagnostiziert und behandelt werden. Zertifizierte Brustkrebszentren finden Sie unter www.dkg.de/. 

Tumorerkrankungen, wie auch die Tumortherapie, können das Risiko steigern, dass sich ein Thrombus im Blutgefäß bildet. (1)

Erhöhtes Thromboserisiko Menschen, die an Krebs erkranken, haben ein erhöhtes Risiko für die Bildung einer Thrombose. Dabei verklumpen Blutplättchen zu einem Blutgerinnsel. Der entstehende Blutpfropf kann das Blutgefäß verschließen und den

Blutstrom in der betroffenen Region zum Erliegen bringen. Ursache kann die Tumorerkrankung per se sein, aber auch die jeweilige Behandlung.  Siehe Seite 5

Krebs – immer häufiger eine „chronische Erkrankung“ Deutscher Krebskongress bietet Patiententag In Deutschland wächst die Zahl der Menschen, die lange Zeit mit dem Bewusstsein leben, einen Tumor im Körper zu haben: Ursache hierfür sind Fortschritte bei der Früherkennung sowie besser wirksame Behandlungsstrategien bei vielen Tumoren. Sie sind „schuld“ daran, dass es immer häufiger gelingt, aus der lebensbedrohlichen Erkrankung eine chronische Krankheit zu machen. Das wurde im Vorfeld des Deutschen Krebskongresses in Berlin bekannt gegeben. Doch was bedeutet eine solche Situation für die Betroffenen? Das ist eines der Schwerpunktthemen beim diesjährigen Kongress, zu dem alle zwei Jahre Krebsmediziner nach Berlin reisen, um die neuesten Entwicklungen und Fortschritte in der Onkologie zu diskutieren. In diesem Jahr findet der Kongress vom 22. bis 25. Februar statt und öffnet am letzten Kongresstag seine Tore auch für Patienten, ihre Angehörigen und allgemein Interessierte. Sie können sich im Kongresszentrum ICC zu vielfältigen Themen rund um Krebserkrankungen informieren, im Internet: In Berlin tagen im Februar die www.krebsaktionstag.de  Krebsmediziner.


Lebenswege

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Es gibt Fortschritte beim Eierstockkrebs Interview mit Prof. Dr. Jalid Sehouli, Charité Berlin sor Dr. Jalid Sehouli in einem Interview. Professor Sehouli ist Direktor der Universitäts-Frauenklinik an der Charité in Berlin.

Prof. Dr. Jalid Sehouli

Meldungen Fortschritte im Kampf gegen Hirntumore erhoffen sich Krebsforscher vom Einsatz bestimmter Viren, den so genannten Parvoviren. Diese können Krebszellen befallen und abtöten, verursachen aber ihrerseits beim Menschen keine Erkrankung. Ob sich mit Parvoviren die Behandlung gefährlicher und ansonsten kaum therapierbarer Hirntumore verbessern lässt, wird derzeit im Rahmen einer klinischen Studie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg erprobt.  Medikamente gegen Übelkeit infolge einer Chemotherapie sind bei einem Drittel der Patienten nicht ausreichend wirksam. Wissenschaftler am Universitätsklinikum Heidelberg sind der Ursache hierfür auf der Spur: Bestimmte Bindungsstellen im Gehirn sind bei den betroffenen Patienten anders aufgebaut. Dadurch können die Arzneimittel nicht an ihrem Zielort im Gehirn andocken. Die Forscher arbeiten nun an Strategien, mit denen sich künftig eine für jeden Patienten individuell angepasste Behandlung gegen die Übelkeit realisieren lässt. 

Welche Frauen profitieren von dieser Behandlungsoption? Der Angiogenesehemmer wurde zugelassen zur Behandlung von

Was kann man als betroffene Patientin tun, um im Falle eines Eierstockkrebs eine optimale Behandlung zu erhalten? Wir raten den Frauen, sich an eine Klinik zu wenden, die umfas-

„Das Tumorwachstum wird gehemmt“ Frauen mit bereits fortgeschrittenem Eierstockkrebs. Bei diesen Patientinnen – leider ist es die Mehrzahl der Frauen, die einen Krebs im Bereich des Eierstocks entwickeln – wird der neue Wirkstoff zusätzlich zu der üblichen Behandlung gegeben, stellt also keine Alternative dar, sondern ist eine zusätzliche Option. Was können die Frauen als Behandlungserfolg erwarten? Wir können bei einem großen Teil der Frauen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom mit unseren derzeitigen Möglichkeiten noch keine Heilung erzielen. Auch der Antikörper führt nicht dazu, dass der Tumor ganz verschwindet, also die Krebserkrankung definitiv geheilt wird. Der Angiogenesehemmer bewirkt aber eine Hemmung des Tumorwachstums. Konkret haben wir in den klinischen Studien gesehen, dass sich die Zeit bis zum erneuten Auftreten des Tumors, zum Beispiel nach einer Operation und Chemotherapie, deutlich verlängert. Die erkrankten Frauen können dank dieser Behandlung zum Teil erheblich länger tumorfrei leben. Damit verbunden ist außerdem die Chance, auch beim Wiederauftreten des Tumors besser behandelt werden zu können. Denn wir wissen, dass die Therapiechancen besser sind, wenn erst nach einem längeren tumorfreien Intervall eine erneute Chemotherapie erforderlich wird.

sende Erfahrung bei der Therapie des Ovarialkarzinoms hat und bei der eine Qualitätssicherung gegeben ist. Vor allem Kliniken, in denen Studien zum Eierstockkrebs

Für Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs gibt es seit kurzem erweiterte Behandlungsmöglichkeiten. (3) durchgeführt werden, sind aus meiner Sicht günstig, da die Frauen dann oft auch die Möglichkeit haben, in eine solche Studie eingeschlossen zu werden und da-

mit direkt von möglichen Therapiefortschritten zu profitieren.  Herr Professor Sehouli, herzlichen Dank für das Interview.

Internet zum Thema Eierstockkrebs I n te

rne Umfassende und allgemein verständtf ü hr liche Informationen zum Thema Eierstockkrebs finden Interessierte unter der Webanschrift www.eierstockkrebsforum.de. Auf der Internetseite www.eierstock-krebs.de wird erklärt, warum klinische Studien wichtig sind und warum es Vorteile hat, an einer spezialisierten Klinik behandelt zu werden, wo eventuell auch die Teilnahme an einer klinischen Studie möglich ist. Welche Kliniken an Studien zum Eierstockkrebs beteiligt waren, lässt sich auf dieser Internetseite geordnet nach Postleitzahlen ermitteln. Die Informationen auf der Webseite werden von der Kommission Ovar der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) e. V. erarbeitet und zur Verfügung gestellt.  er

Beim Eierstockkrebs, der Mediziner spricht vom Ovarialkarzinom, wurde zusätzlich zur bislang üblichen Therapie, die auf der Operation und der Chemotherapie basiert, eine weitere Behandlungsmöglichkeit in Form eines so genannten Angiogenesehemmers, also eines Hemmstoffs der Gefäßneubildung, zugelassen. Welche Frauen von der neuen Option profitieren können, erläutert Profes-

Herr Professor Sehouli, gibt es tatsächlich einen Fortschritt bei der Behandlung von Eierstockkrebs? Ja, die Zulassung des Angiogenesehemmers ist aus meiner Sicht ein wichtiger Fortschritt. Der Antikörper unterbindet das Wachstum neuer Blutgefäße, über die sich der Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und hemmt so das weitere Tumorwachstum.

Wie steht es mit Nebenwirkungen? Die Angiogenesehemmung wird in aller Regel gut vertragen. Sie hat nicht die Nebenwirkungen einer klassischen Chemotherapie, es kommt also im Allgemeinen nicht zu Übelkeit oder Erbrechen und die Frauen brauchen auch keinen Haarausfall zu fürchten. Die häufigste Nebenwirkung ist ein Ansteigen des Blutdrucks, was die Einnahme blutdrucksenkender Medikamente notwendig machen kann, in aller Regel aber keinen Therapieabbruch erfordert.

Lexikon

Angiogenese Der Begriff Angiogenese leitet sich von den griechischen Worten Angio für Gefäß und Genese für Neubildung ab und steht somit für die Bildung neuer Blutgefäße im Körper. Das spielt bei Tumoren eine wichtige Rolle: Wenn ein Tumor entsteht, hat er zunächst noch keine eigenen Blutgefäße und

kann nur bis zu einer Größe von ein bis zwei Millimetern heranwachsen. Für das weitere Wachstum braucht er Blutgefäße, um sich mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen zu können. Auch die Bildung von Metastasen ist ohne Blutgefäße in der Umgebung so gut wie nicht möglich, da Tumorzellen in umlie-

gende Blutgefäße einbrechen müssen. Erst dann können sie in entfernte Körperregionen transportiert werden und dort Metastasen bilden. Bösartige Tumore können daher durch die Bildung bestimmter Wachstumssignale den Körper dazu veranlassen, neue Blutgefäße zu bilden. Die Angiogenese ist somit eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Tumore ungehindert wachsen können. Diese Erkenntnis macht man sich bei der modernen Krebstherapie zunutze. So wurden gezielt Arzneimittel entwickelt, die die Ausbildung der Blutgefäße verhindern. Die Mediziner sprechen von einem Angiogenesehemmer, also einem Hemmstoff der Gefäßneubildung. Es handelt sich um einen speziellen Antikörper, der sich an die von den Tumorzellen gebildeten Wachstumssignale bindet, diese abfängt und so verhindert, dass das Signal zur Ausbildung von Blutgefäßen zur Versorgung der Tumorzellen führt. 

3 – Shutterstock


Lebenswege

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Peniskarzinom – den Tumor aus der Tabuzone holen Es fehlen noch einheitliche Behandlungsschemata Sel t e n e

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Rostock in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft geleitet. „Wenngleich die Ursachen noch weitgehend unerforscht sind, gibt es bekannte Risikofaktoren, die wir allen Männern bewusst machen möchten“, erklärt dazu Professor Dr. Oliver Hakenberg von der urologischen Universitätsklinik Rostock. So tritt die Erkrankung häufiger bei Männern auf, die unter einer Vorhautverengung (Phimose) leiden. Diese verhindert das komplette Zurückschieben der Vorhaut

len Patienten zu sammeln, um daraus Rückschlüsse auf die Erfolgsaussichten der unterschiedlichen Behandlungsstrategien zu ziehen. Aus diesem Grund werden die Daten deutschlandweit zentral an einer Stelle gesammelt. Das Peniskarzinom-Register wird federführend von der Urologischen Klinik und Poliklinik der Medizinischen Universitätsklinik

und erschwert die Genitalhygiene, so dass chronische Entzündungen entstehen können, die die Bildung von Tumoren begünstigen. Auch Infektionen mit dem sexuell übertragbaren Humanen Papilloma-Virus (HPV) und Genitalwarzen sind mit Peniskrebs assoziiert. Darüber hinaus gelten ultraviolette Strahlung und Tabakkonsum als Risikofaktoren. 

Die Behandlung erfolgt individuell anhand des jeweiligen Tumortyps

4 – Shutterstock, 5 – Pitopia

„Darmkrebs – Mythen, Ziele und Therapievisionen“ Informationen für Betroffene und Angehörige Da

r m kr Hilfestellung im Umgang mit eieb sm o ner Darmkrebserkrankung bietet eine Internetseite der Kampagne „Durch dick und dünn – Leben mit Darmkrebs“, die speziell für Betroffene sowie ihre Angehörigen konzipiert ist. Unter der Internetadresse www.darmkrebszentrale.de M können Sie sich umfassend zum ärz Thema Darmkrebs und dem Umgang mit der Erkrankung informieren. Im Februar steht das Schwerpunktthema „Metastasierter Darmkrebs“ auf dem Programm, im März folgt dann „Darmkrebs – Mythen, Ziele und Therapievisionen“. Auch in den vergangenen Monaten gab es jeweils ein Schwerpunktthema, das im Rahmen einer Filmreihe über interessante Themen rund um die Darmkrebserkrankung berichtet hat. In der Rubrik „Mediathek“ sind folgende Filmbeiträge archiviert: - Darmkrebszentren: „Schrittmacher für eine moderne Therapie“ - Krebs und Ernährung: „Darmkrebs-Diät oder alles, was schmeckt?“ - Therapie-Nebenwirkungen und Lebensqualität: „Vorbereitung auf das Unvorhersehbare“ - Komplementärmedizin: „Gegen den Krebs – mit Naturmedizin, Ayurveda, Akupunktur?“ - Angehörige: „Wie geht es dem Patienten – und wie geht es mir?“ - Psychoonkologie: Wohin mit Angst, Kummer, Wut und Ver zweiflung?“ - Jeder Schritt zählt – Darmkrebs und Bewegung - Diagnose, Behandlung – und danach? „Zurück in den Alltag“ - Palliativmedizin: Balance Lebensverlängerung-Lebensquali tät - Krebs und Partnerschaft: Nähe ist wichtig – gerade jetzt!?  t

„Schamhaftes Schweigen ist fehl am Platz“

Brustkrebs zielgerecht behandeln Die einheitliche Behandlung von Brustkrebs nach dem Gießkannenprinzip ist schon lange passé. Durch intensive Forschung ist es der Wissenschaft gelungen, den Tumor besser zu verstehen, Untergruppen der Tumore zu bilden und gezielt Angriffspunkte für die im individuellen Fall erfolgversprechendsten Therapien zu definieren. Der Brustkrebs war quasi Vorreiter des neuen Konzepts der zielgerichteten Therapie. Dabei wird die Behandlung immer besser auf den jeweils vorliegenden Tumor ausgerichtet. Durch das bessere Verständnis der Tumorzellen und die Möglichkeit, diese direkt anzugreifen, sind bei einigen Tumorarten die Heilungschancen erheblich gestiegen. Frauen mit einer weit fortgeschrittenen Krankheit haben außerdem durch neue Therapien häufig eine bessere Lebensqualität und eine höhere Lebenserwartung. „Für Brustkrebspatienten ist die Entwicklung der letzten Jahrzehnte ein wahrer Segen“, erläutert dazu Eva Schumacher-Wulf,

Auch beim Peniskarzinom gilt: Bei frühzeitiger Diagnostik und Therapie sind die Heilungschancen am besten. (4)

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In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise 600 Männer an einem Peniskarzinom. Genaue Zahlen fehlen jedoch. Das liegt unter anderem daran, dass die Erkrankung noch mit Tabus behaftet ist. Doch Unwissenheit und schamhaftes Schweigen führen dazu, dass das Peniskarzinom oft erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert wird. Dann ist meist keine völlige Heilung mehr möglich und es drohen verstümmelnde Operationen wie eine Teilamputation oder Amputation des erkrankten Organs. Da die Erkrankung so selten ist, gibt es bislang auch keine einheitlichen, unumstrittenen

Behandlungsschemata. Mit intensiver Aufklärung und der Einrichtung eines bundesweiten Peniskarzinomregisters will die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) dies ändern. Die Gesellschaft hat im Internet hierzu eine Webseite (www.urologie.uni-rostock.de/peniskarzinom/peniskarzinom.htm) eingerichtet, auf der sich Patienten mit Peniskarzinom über die Erkrankung informieren und zudem registrieren lassen können. Ziel dieses Registers ist es, alle wichtigen Daten über Diagnostik und Therapie bei möglichst vie-

Lesetipp

Der Brustkrebs war praktisch Vorreiter der modernen zielgerichteten Tumortherapie. (5) Chefredakteurin des Magazins Mamma Mia!, zu dem jüngst ein kostenloser Ratgeber zum Thema Brutkrebs erschienen ist. „Es wird aber auch klar, dass es auf der einen Seite zwar große Fortschritte gibt, auf der anderen Seite aber noch großer Bedarf an weiteren Forschungen herrscht. So gibt es immer noch Tumorarten, die schwer oder gar nicht behandelbar sind. Außerdem sollten neue Erkenntnisse

viel schneller Einzug in den klinischen Alltag finden“, fordert Schumacher-Wulf. „Die positive Entwicklung der letzten Jahre bedeutet außerdem nicht, dass wir unser Ziel erreicht haben. Insbesondere in den Bereichen Prävention und Früherkennung gibt es noch viel zu tun“, erläutert dazu Professor Dr. Rolf Kreienberg, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. 

Tumor ist nicht gleich Tumor Das neue Sonderheft „Tumor ist nicht gleich Tumor – Orientierungshilfe zur individuellen Brustkrebstherapie“ des Brustkrebsmagazins Mamma Mia! gibt einen Überblick über Möglichkeiten der Brustkrebsbehandlung. Dabei werden grundlegende Zusammenhänge erklärt, Behandlungsstrategien aufgezeigt sowie Orientierungshilfen für bestimmte Tumorarten und Erkrankungsstadien geboten. Das Sonderheft ist zu beziehen bei: Mamma Mia! Das Brustkrebsmagazin, Goethestr. 12, 69226 Nußloch (mit 1,45 Euro frankierten DIN-A4-Rückumschlag beilegen) oder via Internet unter www.mammamia-online.de als Download erhältlich. 


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Den Motor der Tumorzellen gezielt abschalten Es gibt Fortschritte beim Lungenkrebs Der Lungenkrebs gehört allgemein zu den schwer behandelbaren Erkrankungen. Dennoch gibt es auch bei diesem Tumor spürbare Behandlungsfortschritte, betonte Dr. Ulrich Gatzemeier aus Großhansdorf bei der Jubiläumsveranstaltung der Initiative „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“ in Hamburg. „Wir konnten die Heilungsraten beim Lungenkrebs in den vergangenen 30 Jahren verdoppeln und haben auch erreicht, dass Patienten, die nicht geheilt werden können, mit der Tumor-

erkrankung weitaus länger leben können“. Das aber ist den Krebsmedizinern nicht genug, es wird intensiv an der Entwicklung weiterer Fortschritte gearbeitet. Bereits seit einigen Jahren ist es laut Pro-

auf den individuellen Tumor zuzuschneiden. „Der Tumor wird vor Beginn der Behandlung eingehend untersucht und anhand der ermittelten Befunde werden die Medikamente ausgewählt, die der Pati-

„Das Tumorwachstum lässt sich aufhalten“ fessor Dr. Wolfram Brugger aus Villingen-Schwenningen möglich geworden, auch die Behandlung beim Lungenkrebs zielgerichtet

Anhand von Videoeinspielungen werden wichtige Schritte der Diagnostik und Therapie erläutert.

ent erhält“, berichtete er in Hamburg. Diese Entwicklung wird sich aus seiner Sicht künftig noch fortsetzen. „Wir können die Tumorzellen immer besser auf molekularer Ebene charakterisieren und das wird uns Fortschritte bei der zielgerichteten Therapie erlauben“, prognostizierte Brugger. Viele Patienten mit Lungenkrebs können nach seinen Worten schon heutzutage von den neuen Medikamenten der zielgerichteten Therapie profitieren. Patienten mit bestimmten Veränderungen (Mutationen) der Tumorzellen können beispielweise mit einem Wachstumshemmer in Tablettenform behandelt werden, wodurch sich das Fortschreiten der Erkran-

Bei den Veranstaltungen der Kampagne „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“ wird Interessierten neben Vorträgen und Diskussionen auch umfassendes Informationsmaterial geboten. kung aufhalten lässt. Noch relativ neu ist außerdem die Möglichkeit, durch einen speziellen Wirkstoff, der die Gefäßneubildung unterdrückt (Angiogenesehemmer) das Tumorwachstum aufzuhalten und den Tumor regelrecht auszuhungern. Mit beiden Strategien lässt sich quasi der „Motor der Tumorzellen“ gezielt abschalten. Ein Fortschritt ist nach Ansicht von Professor Brugger auch die Einrichtung spezieller Lungenkrebszentren, in denen die Betroffenen entsprechend der Leitlinien mit viel Expertise behandelt werden und in denen sie die modernen Behandlungsformen erhalten

„Man muss stets nach vorne schauen“ Die Krankheit annehmen, sich umfassend über sie informieren, nicht mutlos werden, sondern weiter nach vorne schauen – das ist wichtig, um eine Krebserkrankung zu bewältigen, erklärt Susanne Kranz, die im Jahre 2007 mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert wurde. Der Tumor war noch recht klein und konnte angeblich gut entfernt werden, doch der Lungenkrebs trat bereits ein Jahr später wieder auf. Es folgte eine erneute Operation mit anschließender Chemotherapie, was jedoch die Bildung von Metastasen nicht mehr verhindern konnte. „Ich werde seit dieser Zeit mit einem Medikament behandelt, das den Tumor am weiteren Wachstum hindert“, erklärt Frau Kranz, die sich inzwischen auch in einer Selbsthilfegruppe zum Lungenkrebs (www.selbsthilfe-lungenkrebs.de) in Berlin engagiert. Zwei Metastasen sind durch die Behandlung mit dem Wirkstoff, der zielgerichtet Wachstumssignale an die Tumorzellen blockiert, verschwunden, die beiden übrigen wurden kleiner.

Dieter Kürten

und oft auch an klinischen Studien teilnehmen können. „Diese Zentren sind eine wichtige Bereicherung der Krebsmedizin, die den Fortschritt vorantreiben“, betonte der Mediziner in Hamburg. Zur Sache: Seit 2005 gastierte die Informationsveranstaltung „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“ bereits 50 Mal in insgesamt 45 deutschen Städten. Die Veranstaltungsreihe wird auch 2012 unter der bewährten Moderation von Dieter Kürten fortgesetzt. Informationen zu aktuellen Terminen sind auf der Internetseite www.der-zweiteatem.de zu finden. 

Für mehr Offenheit im Umgang mit dem Thema Lungenkrebs plädiert Dieter Kürten. Der Fernsehmoderator ist Schirmherr der Kampagne „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“ und moderierte fast alle 50 Informationsveranstaltungen der Kampagne seit dem Jahr 2005. Damals war die Erkrankung noch mit weit mehr Tabus behaftet, sagt Moderator Kürten: „Inzwischen wird das Thema Lungenkrebs zum Glück nicht mehr so sehr hinter vorgehaltener Hand diskutiert“. Dazu haben auch die Informationsveranstaltungen zu der Thematik beigetragen.

Lesetipp

Broschüren zum Lungenkrebs Aktiv zu bleiben, ist für Krebspatienten wichtig. Beim Wandern und Spazierengehen lässt sich die Belastung gut den individuellen Möglichkeiten anpassen.(6) Frau Kranz hat gelernt, mit dem Tumor zu leben. Sie war stets sportlich aktiv und ist im Jahr 2009 zusammen mit ihrem Mann 600 Kilometer weit den Jakobsweg gewandert, obwohl kurz zuvor das erneute Auftreten einer Metastase festgestellt wurde. Nach ihrer Rückkehr waren die beiden älteren Metastasen ebenfalls verschwunden und nur die neu gebildete Tochtergeschwulst noch nachweisbar. „Ohne die Möglichkeiten der modernen Therapie wäre ich wohl nicht mehr

am Leben. Ich hoffe, dass es bald weitere Fortschritte gibt, die vielleicht sogar eines Tages den Tumor zur Heilung bringen können“, sagt Frau Kranz getreu ihrem Lebensmotto „stets nach vorne schauen“. Geholfen hat ihr nach eigenem Bekunden auch die regelmäßige sportliche Aktivität, die sie allen Patienten entsprechend ihren Möglichkeiten empfiehlt: „Es ist wichtig, aktiv zu bleiben, so gut dies mit der Erkrankung eben geht“. 

Wichtige Informationen zum Thema Lungenkrebs, zu den Hintergründen der Erkrankung sowie den Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten bietet der Ratgeber „Lungenkrebs – Informationen für Patienten und Angehörige“. Eine zweite Broschüre informiert schließlich über Lungenkr ebs die „Atemtherapie“ Atemtherapie Informatio nen Übungen für Patienten und Angehö für Patienten und beschreibt Übunrige mit Lungenkrebs gen, mit denen Patienten mit Lungenkrebs ihre Atmung regelrecht trainieren können. Die zwei Broschüren sind kostenfrei anzufordern bei der Roche Pharma AG, Telefon 07624/142073 oder unter www.roche-onkologie. de. 

6 – ©Alexander Rochau - Fotolia.com


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Erhöhtes Thromboserisiko Die Gefährdung ist nicht bei allen Tumoren gleich

Menschen mit einer Krebserkrankung entwickeln überproportional häufig eine Thrombose. Gelegentlich ist die Thrombose sogar das erste Zeichen, mit dem sich die Krebserkrankung bemerkbar macht. Wie hoch das Thromboserisiko im Einzelfall ist, hängt von der Art des Tumors ab, von dessen Stadium und auch von der

Art und Intensität der Behandlung sowie möglichen weiteren Erkrankungen und Risikofaktoren. Im Falle einer Krebserkrankung ist das Thromboserisiko vor allem erhöht, wenn die Bauchspeicheldrüse, der Magen, die Nieren, die Lunge oder die Eierstöcke betroffen sind. Auch Menschen mit ei-

lösen und mit dem Blutstrom in die Lunge gespült werden kann. Es kommt dann zu einer Lungenembolie und damit zu einer möglicherweise lebensbedrohlichen Komplikation. Sie macht sich durch Atemnot bemerkbar, durch akute Schmerzen im Brustbereich, durch Husten und oft auch durch Herzrhythmusstörungen.

„Bei Krebs ist die Blutgerinnung oft gestört“ Treten Symptome einer Thrombose oder gar einer Lungenembolie auf, muss unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Damit es gar nicht erst so weit kommt, wird oft eine gezielte Thromboseprophylaxe mit Wirkstoffen durchgeführt, welche die Blutgerinnung hemmen. Dabei wird jedoch die Neigung zu Blutungen verstärkt, so dass der Arzt stets sorgfältig den Nutzen einer solchen Maßnahme gegen die potenziellen Risiken einer Blutung abwägen wird. 

Konsequent Thrombosen vorbeugen Interview mit Professor Dr. Rupert Bauersachs, Darmstadt Warum Krebspatienten ein erhöhtes Thromboserisiko aufweisen und wie sich dem begegnen lässt, erläutert Professor Dr. Rupert Bauersachs aus Darmstadt in einem Interview.

Gefahr, dass die Blutplättchen miteinander verklumpen und einen Blutpfropf bilden, der dann den Blutfluss in den betroffenen Venen beeinträchtigt. Was bedeutet das für Krebspatienten? Man muss bei Tumorpatienten generell wachsam sein im Hinblick auf die Entwicklung einer Thrombose. Kommt es dazu, so ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, damit sich nicht weitere Komplikationen wie eine Lungenembolie ausbilden. Eine Thrombose lässt sich bei Krebspatienten ebenso gut wie bei anderen Patienten behandeln. Davon abgesehen kann man mit Medikamenten, die das

7 – ©Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com

Herr Professor Bauersachs, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

„Aus der Mitte“ – Newsletter zum Bauchspeicheldrüsenkrebs I n ter n Jedes Jahr erkranken in Deutschland e tf üh mehr als 12.600 Menschen an eir nem Krebs der Bauchspeicheldrüse. Die Diagnose trifft die Betroffenen und ihre Angehörigen meist völlig unvorbereitet. Um besser mit der Erkrankung umgehen zu können, sind verständliche Informationen wichtig. Diese bietet die Kampagne „Aus der Mitte – Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs“ auf der Internetseite unter www.aus-der-mitte.de. Dort können außerdem Informationsmaterialien – darunter ein Film mit dazugehöriger Broschüre und ein Ernährungsratgeber – angefordert werden. Es kann ferner ein Newsletter bestellt werden, der in regelmäßigen Abständen über Neuigkeiten rund um das Thema Bauchspeicheldrüsenkrebs informiert. 

Bei hohem Darmkrebsrisiko frühzeitig zur Darmspiegelung? Wer nahe Angehörige hat, die an D ar m kr eb sm Darmkrebs erkrankt sind oder wao ren, trägt selbst ein erhöhtes Risiko, den gleichen Tumor zu entwickeln. Die Mediziner sprechen dann auch von einem familiär erhöhten Darmkrebsrisiko. Mediziner plädieren schon länger dafür, bei solchen Personen frühzeitig nach entsprechenM ärz den Darmkrebs-Vorstufen zu fahnden, um diese sofort entfernen und damit das Krebsrisiko abwenden zu können. Allerdings ist den Betroffenen selbst oft nicht bewusst, dass sie ein erhöhtes Risiko aufweisen, einen Darmkrebs zu entwickeln. Deshalb machen sich nun Mediziner dafür stark, Personen, die sich der so genannten Check-up-Untersuchung unterziehen, routinemäßig auch danach zu fragen, ob in ihrer Familie Todesfälle durch Darmkrebs bekannt sind. Ist das der Fall, sollte frühzeitig eine Darmspiegelung erfolgen und das auch vor dem allgemein für diese Früherkennungsuntersuchung vorgesehenen Alter ab 56 Jahren. Die erste Darmspiegelung sollte dabei möglichst zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen erfolgen. Erkrankt beispielsweise ein Mann mit 45 Jahren an Darmkrebs, sollte bei seinen Kindern im Alter von 35 Jahren eine erste vorsorgliche Darmspiegelung durchgeführt werden. Ist das genaue Erkrankungsalter nicht bekannt, so wird in so genannten „Darmkrebsfamilien“ generell zu einer ersten Untersuchung ab einem Alter von 25 Jahren geraten. Die Darmspieglung sollte mindestens alle zehn Jahre wiederholt werden.  t

Woran liegt das? Der Tumor selbst wie auch seine Behandlung können die Blutgerinnung im Körper aktivieren. Die Blutgerinnung ist wichtig, damit wir im Falle einer Verletzung nicht verbluten. Ist die Gerinnungsneigung aber erhöht, wie das zum Beispiel durch einen Tumor ausgelöst werden kann, besteht die

Prof. Dr. Rupert Bauersachs

Womit wird behandelt? Die Behandlung erfolgt üblicherweise mit Heparin-Präparaten, was allerdings Injektionen unter die Haut erfordert. Man braucht sich unter einer solchen Behandlung aber keine Sorgen zu machen, dass Blutungen auftreten werden, das Risiko hierfür ist gering. Es gibt andererseits Hinweise, dass sich Heparine möglicherweise sogar günstig auf die Tumorentwicklung auswirken und vielleicht sogar eine Metastasenbildung hemmen. Allerdings sind die vorliegenden Daten bislang leider noch widersprüchlich, so dass wir noch keine allgemeinen Empfehlungen geben können. 

Eine Thrombose bildet sich, wenn sich im Zuge einer gesteigerten Blutgerinnung Blutplättchen, die so genannten Thrombozyten, zusammenlagern und miteinander verklumpen. Es entsteht dann ein Blutpfropf, der Thrombus, der sich an die Wand des betroffenen Blutgefäßes anlegt und dort üblicherweise haften bleibt. Meist entstehen die Thrombosen in den Beinvenen oder den Venen des Beckenbereichs. Typische Symptome sind Schmerzen in dem betroffenen Bein, eine bläuliche Verfärbung und eine Schwellung des Beins. Solche Symptome können, müssen aber nicht unbedingt auftreten. 

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Herr Professor Bauersachs, warum kommt es bei Krebspatienten so oft zu einer Thrombose? Das hat mehrere Ursachen: Ein Grund dürfte schon darin liegen, dass die Krebserkrankung meist erst im fortgeschrittenen Alter auftritt. Ältere Menschen aber haben per se ein höheres Thromboserisiko als junge Menschen. Davon abgesehen kann das Thromboserisiko direkt durch die Tumorerkrankung erhöht sein und auch durch die Tumorbehandlung. So wissen wir, dass beispielsweise unter einer Chemotherapie und ebenso unter einer Strahlenbehandlung die Neigung zur Thrombenbildung ansteigt.

Blut verdünnen, Thrombosen vorbeugen. Auch dies geschieht bei Tumorpatienten ganz genauso wie bei Menschen mit erhöhtem Thromboserisiko. Allerdings wird man sich bei Krebspatienten, zum Beispiel nach einer Operation, wegen des prinzipiell erhöhten Risikos eher als sonst üblich zu einer solchen Maßnahme entschließen und eine konsequente Thromboseprophylaxe einleiten.

Lexikon Thrombose

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Bei vielen Krebserkrankungen steigt die Gefahr, dass Blutzellen miteinander verklumpen. (7)

nem Lymphom oder einem Hirntumor weisen ein höheres Risiko auf. Das ist vor allem in der ersten Zeit nach der Diagnosestellung der Fall, aber auch bei Tumoren im fortgeschrittenen Stadium, so heißt es in den neuen Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung der so genannten thromboembolischen Komplikationen im Verlaufe einer Tumorerkrankung. Gefürchtet ist die Thrombose, weil sich unter Umständen der Blutpfropf in der Beinvene

Lexikon


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Keine Angst vor Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall Richtig umgehen mit Nebenwirkungen der Tumortherapie Viele Krebspatienten haben Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen der Tumortherapie. Zu viel schon hat man von Eltern und Großeltern in früheren Tagen über die quälende Übelkeit und das Erbrechen unter der Be-

Moderne Krebsmedikamente sind im Allgemeinen gut verträglich. (9)

handlung gehört. Vergessen wird dabei oft, dass es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erhebliche Fortschritte bei der Krebsbehandlung gegeben hat und das nicht nur in puncto Wirksamkeit, sondern auch hinsichtlich einer besseren Verträglichkeit der Behandlungsregime. So ist die Strahlentherapie weitaus präziser als früher und das gesunde Gewebe kann dadurch besser geschont werden. Auch die Chemotherapie ist verträglicher geworden als zur Zeit unserer Eltern und Großeltern und mit den modernen Wirkstoffen der zielgerichteten Therapie (Targeted Therapy) haben die Ärzte zudem neue Behandlungsmöglichkeiten, die weitaus besser verträglich sind als die althergebrachten Zytostatika. Dennoch können belastende Ne-

benwirkungen unter der Behandlung auftreten. Selbst wenn der Arzt zu Beginn der Therapie um- Die Strahlentherapie ist heutzutage fassend über die möglichen Re- früheren Zeiten. (8) aktionen des Körpers auf die Behandlung aufklärt, fühlen sich dem Arzt oder mit der betreuenviele Betroffene beim Auftreten den Krankenschwester. Sie könder Beschwerden verunsichert, nen helfen, die Symptome richvor allem wenn sie die Sympto- tig einzuordnen und sie können me nicht klar zuordnen können. dafür sorgen, dass die BeschwerIst dieses Kribbeln in den Händen den durch eine gezielte Behandnormal? Warum fühle ich mich so lung gelindert werden. Denn es müde und zerschlagen? Muss ich gibt zahlreiche unterstützende, diese Übelkeit aushalten? Soll ich so genannte supportive Maßnahdem Arzt von dem Durchfall er- men, mit denen sich Nebenwirzählen oder wird er dann die Be- kungen einer Tumortherapie linhandlung abbrechen? Das Grübeln und Zweifeln lässt die Betroffenen oftmals die Situation schlimmer erleben als es eigentlich notwendig wäre. Das muss nicht sein und in aller dern lassen oder mit denen ihnen Regel hilft ein offenes Wort mit direkt vorgebeugt werden kann. Es ist deshalb sinnvoll, mit seinem Arzt zu sprechen, wenn man bestimmte Reaktionen wie etwa den Haarausfall oder die Übelkeit besonders fürchtet. Oftmals gibt es die Möglichkeit, diese Nebenwirkungen zu umgehen, indem zum Beispiel bei der Chemotherapie Wirkstoffe eingesetzt werden, die kaum Haarausfall verursachen oder indem der Übelkeit durch eine vorbeugende Behandlung entgegengewirkt wird.

Es gibt keine Altersgrenze, ab der die Krebsbehandlung anders durchgeführt wird als bei jüngeren Menschen. Vielmehr werden betagte Patienten grundsätzlich genauso behandelt wie junge Menschen, wenn ihr allgemeiner Gesundheitszustand das zulässt. Das bedeutet aber nicht, dass ältere Menschen immer die gleiche Behandlung wie ein junger Patient mit dem gleichen Tumor bekommen. Die Krebstherapie richtet sich vielmehr am so genannten biologischen Alter aus, also an der Frage, wie fit der ältere Patient ist und ob es möglicherweise weitere Erkrankungen gibt, die die Krebsbehandlung erschweren können. Ist der Betreffende rüstig und körperlich fit, so werden bei der Therapie keine Abstriche gemacht. Hat er aber mehrere Begleiterkrankungen, wie etwa eine Herzerkrankung oder einen Diabetes mit bereits

Broschürenre

Es gibt keine rechtliche Grundlage für Therapieabstriche bei älteren Menschen. (10) massiver Nierenschädigung, so muss die Behandlung an den individuellen Gesundheitszustand angepasst werden. In den Schlagzeilen ist in diesem Zusammenhang immer wieder von der „stillen Rationierung“ zu lesen. Mit diesem Begriff wird umschrieben, dass möglicherweise einige Patienten stillschweigend nicht die

Broschüren n reihe: bs bewältige tag trotz KreBroschürenreihe: Den Alltag trotz Krebs bewältigen

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von Einem Dr. Astrid er Christine Vett

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Norbert Bauschert Dr. Astrid von Einem Christine Vetter Bernd Schlander

nicht selten der Fall. Dann ist es wichtig, den Arzt früh genug darüber zu informieren, damit die Behandlung angepasst und damit auch langfristig fortgeführt werden kann. Es kann zudem wichtig sein, auftretende Beschwerden rechtzeitig behandeln zu lassen, da sich selbst scheinbar harmlose Infektionen, wie Entzündungen der Mundschleimhaut, zu einem ernsthaften Problem entwickeln können, wenn sie nicht rechtzeitig angemessen therapiert werden. 

Lesetipp

Hilfen für Krebspat ienten im zum Umga Rentenalte ng mit Kr en r ich tzl ankenk se Ä ge m tern, Vers in derSelbständig und krebskrank? Hilfen zum Umgang er m eh icherungen assen, ng Arbeitn r ru fü he n sic lfe mit Krankenversicherungen und Behörden er Hi und Behör kenv an Kr n te de priva n und

Es ist noch aus einem anderen Grund wichtig, auftretende Nebenwirkungen nicht einfach stillschweigend hinzunehmen: Solche Reaktionen können anzeigen, dass die gewählte Therapie gut wirkt, die eingesetzten Wirkstoffe aber vielleicht anfangs etwas niedriger dosiert sein sollten. Bei Veränderungen der Haut im Hand- und Fußbereich ist dies

„Im Zweifel frühzeitig den Arzt informieren“

Optimale Krebstherapie auch im Alter Serie Patientenrechte

deutlich weniger belastend als in

Den Alltag

trotz Krebs

bewältigen

optimale Behandlung erfahren in der Vorstellung, diese Behandlung sei aufgrund des fortgeschrittenen Alters nicht mehr notwendig. Ein solches Vorgehen ist weder aus ethischer noch aus medizinischer Sicht gerechtfertigt, da viele Studien zeigen, dass ältere Menschen und sogar Hochbetagte von den modernen Strategien der Krebstherapie eindeutig profitieren. Die medizinischen Fachgesellschaften sprechen sich einheitlich gegen eine „stille Rationierung“ aus. Es gibt außerdem keinerlei rechtliche Grundlage für ein solches Vorgehen.  Hilfen im sozialen Umfeld Mit Fragen rund um die Rechte von Patienten sowie Hilfen im sozialen Umfeld befasst sich die Broschürenreihe „Den Alltag trotz Krebs bewältigen“. Die Broschüren können kostenfrei angefordert werden beim Verlag Wortreich GiK mbH, Postfach 1402, D-65534 Limburg oder per Fax 06431/59096-11.

Nebenwirkungen der Tumortherapie Damit Menschen, die eine Krebstherapie erhalten, wissen, wie sie bei Nebenwirkungen richtig reagieren und was sie in Absprache mit dem Arzt selbst tun können, hat die Bayerische Krebsgesellschaft e. V. eine neue Broschüre mit dem Titel „Nebenwirkungen der Tumortherapie“ herausgegeben. Der Ratgeber informiert praxisnah über die wichtigsten unerwünschten Begleiterscheinungen, die bei der medikamentösen Krebstherapie, der Strahlentherapie oder bei Operationen vorkommen können. Da so mancher Patient subjektiv weniger unter Nebenwirkungen leidet, wenn er selbst etwas zur Linderung beitragen kann, bietet die Broschüre auch viele praktische Ratschläge zur Vorbeugung und Linderung von Beschwerden. So schildern zum Beispiel ein Prostatakrebspatient und eine Brustkrebspatientin ihre Erfahrungen mit der Behandlung und erläutern, was ihnen selbst in einer bestimmten Situation geholfen hat. Die Informationen zu häufigen Nebenwirkungen werden ergänzt durch allgemeine Gesundheitsempfehlungen für Krebspatienten, Tipps für den Umgang mit Angst und Depressionen sowie Adressen von Psychosozialen Krebsberatungsstellen. Die Broschüre ist kostenfrei zu beziehen bei der Bayerischen Krebsgesellschaft e. V., Nymphenburger Straße 21 a, 80335 München. Infos gibt es dazu auch unter www.bayerische-krebsgesellschaft.de. 

Norbert Bau schert Dr. Astrid von Christine Vet Einem ter

8 – SPL, 9 – ©Falko Matte - Fotolia.com, 10 – ©Robert Kneschke - Fotolia.com


Lebenswege

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Vielen Betroffenen hilft eine psychoonkologische Betreuung

Krebspatienten, die sich aufgrund der Erkrankung depressiv und ängstlich fühlen, sollten psychoonkologische Unterstützung nachfragen. (11) Rund jeder dritte Krebspatient leidet durch die Erkrankung unter einer hohen emotionalen Belastung und entwickelt als deren Folge psychische Störungen wie massive Ängste oder Depressionen. Darauf hat Dr. Rolf Stecker, Herford, bei der 10. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in Köln hingewiesen. Der Psychologe hat zugleich über eine Untersuchung bei 477 an Krebs erkrankten Personen berichtet. Er hat darin festgestellt, dass insbesondere Patienten, die mit Depressivität auf die Erkrankung reagieren, länger als andere Krebspatienten in der Klinik liegen und auch einer intensiveren medizinischen Betreuung bedürfen. Unabhängig davon, dass Depressi-

onen die Lebensqualität zusätzlich einschränken, gibt es weitere Gründe dafür, im Fall einer hohen emotionalen Belastung frühzeitig eine psychologische Betreuung anzunehmen oder nachzufragen. Andernfalls können die anhalten-

te dort auch Tagungsleiter Privatdozent Dr. Jens Ulrich Rüffer aus Köln: „Wir sind sehr froh, dass die psychischen Belastungen der Patienten heutzutage offener thematisiert werden und dass inzwischen sehr viele Patienten das Angebot einer psychoonkologischen Begleitung erhalten“. Das war laut Rüffer keineswegs immer selbstverständlich: „Früher drehte sich alles primär um das Überleben der Patienten. Wie es der Seele infolge der Belastungen ging, wurde kaum thematisiert“. Das sieht man mittlerweile anders und es wurden praktisch bundesweit Beratungsstellen eingerichtet, in denen Krebspatienten im Bedarfsfall psychologische Hilfe bekommen können. Die Beratung dreht sich dabei keinesfalls nur um die seelische Belastung als Folge der Erkrankung. Thema sind generell Probleme, die im Zuge der Krebser-

Unterstützung für Patienten und Angehörige Die Diagnose Krebs versetzt den BeI n ter n e tf troffenen in eine Ausnahmesituüh r ation: Zukunftsängste, Sorgen wegen der notwendigen Behandlungen und Unsicherheit im Umgang mit der Erkrankung und der veränderten Lebenssituation machen sich breit. Die seelischen Belastungen sind für so manchen Patienten kaum alleine zu bewältigen. Der Krebsinformationsdienst hat deshalb ein Informationsblatt erarbeitet, das über die Anzeichen einer hohen seelischen Belastung informiert und darlegt, welche psychologischen Hilfsangebote es gibt und wer sie in Anspruch nehmen kann. Das Informationsblatt ist im Internet unter der Webseite www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/ iblatt-psychoonkologie.pdf erhältlich. Ein Online-Adressverzeichnis zu psychoonkologischen Beratungsstellen finden Interessierte auf der Webseite www.krebsinformationsdienst. KID bietet Informationsblatt zum de/wegweiser/adressen/krebsberatungsstellen.php.  Umgang mit dem Krebs. (12) er

Krebs – auch die Seele leidet

Schreibtherapie via Internet für geheilte Kinder

„Lernen, die eigenen Ressourcen zu mobilisieren“ den Symptome unter Umständen sogar dazu führen, dass die Tumorbehandlung in ihrer Intensität zurückgenommen oder ganz abgebrochen werden muss, berichtete Dr. Heike Schmidt aus Halle bei der Tagung. Für eine frühzeitige psychoonkologische Betreuung plädier-

krankung auftreten. „Wir wollen die Patienten unterstützen, sie in die Lage versetzen, ihre Ressourcen im Kampf gegen den Tumor und die Begleiterscheinungen der Erkrankung zu mobilisieren und sie kompetent machen, die anstehenden Fragen aktiv anzugehen und zu lösen“, so Rüffer. 

Eine Schreibtherapie via Internet bietet die Universitätsklinik Ulm Kindern und Jugendlichen, die von einer Krebserkrankung geheilt wurden, aber noch lange danach unter psychischen Belastungen leiden. Das Unterstützungsangebot läuft als Pilotprojekt und

ist unter www.onko.step.de zu erreichen. 

Polycythämie: Vermehrung roter Blutzellen Seltene Tumorerkrankung mit chronischem Verlauf Sel t e n e

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Auffällige Blutbefunde, eine ungewöhnlich rote Gesichtsfarbe, eine Vergrößerung der Milz und oft auch der Leber sowie Schwindel und ein starker Juckreiz – das sind Symptome, die auf eine so genannte Polycythämie, oder genauer ausgedrückt eine Polycythaemia vera, hinweisen können. Es handelt sich um eine seltene

Tumorerkrankung, die zur Gruppe der myeloproliferativen Erkrankungen gehört. Diese beruhen auf einer bösartigen Veränderung bestimmter blutbildender Zellen, die irgendwann im Verlauf des Lebens beginnen, sich unkontrolliert zu vermehren. Bei der Polycythämie sind vor allem die roten Blutzellen betroffen, was die rote Gesichtsfarbe der Patienten erklärt. Doch auch die weißen Blutzellen und die Blutplättchen nehmen in aller Regel zu, das Blutvolumen steigt dadurch an. Das kann über kurz oder lang dazu führen, dass das Blut auch zähflüssiger wird und damit schlechter die Gefäße passieren kann. Die betroffenen Patienten entwickeln nicht selten einen

11 – Shutterstock, 12 – ©Lisa F. Young - Fotolia.com, 13 – Shutterstock

Bluthochdruck sowie Durchblutungsstörungen und sie haben ein überproportional erhöhtes Thromboserisiko. Bei der Behandlung geht es vor allem darum, die Blutveränderungen zu mindern, was zum Beispiel durch einen Aderlass möglich ist. Außerdem zielt die Therapie darauf ab, thrombotische Komplikationen abzuwenden. Gelingt dies,

tigt ist. Allerdings kann sich die Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium auch akut verschlechtern und in eine akute myeloische Leukämie übergehen. Eine definitive Heilung der Polycythämie ist nur durch eine Stammzelltransplantation möglich. Das Krankheitsbild ist insgesamt selten, nur etwa einer von

„Mit der Therapie Komplikationen vorbeugen“ so verläuft die Erkrankung quasi chronisch. Sie kann bis zu 20 Jahre fortbestehen, so dass die Lebenserwartung der Patienten dann nur gering gegenüber der Normalbevölkerung beeinträch-

100.000 Einwohnern hierzulande entwickeln eine Polycythämie. Meist tritt diese um das 60. Lebensjahr herum auf, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. 

Eine Schreibtherapie kann psychisch entlastend wirken. (13)

Impressum Herausgeber: WORTREICH Gesellschaft für individuelle Kommunikation mbH, Barfüßerstr. 12, 65549 Limburg/Lahn, Tel.: 06431/59096-0, Fax: 06431/ 59096-11, info@wortreich-gik.de Verantwortliche Redaktion: Christine Vetter, Köln freie Mitarbeit: Dr. med. Klaus Steffen Grafik: Inken Pöhlmann, Bremerhaven Druck: Druckzentrum Lang, Mainz

„Lebenswege“ ist eine Initiative der Roche Pharma AG, GrenzachWyhlen.


Lebenswege

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Flüsterpost – Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern Ist Krebs ansteckend? Wodurch bekommt man Krebs? Muss man sterben, wenn man an Krebs erkrankt ist? Bin ich schuld, dass Mama krank geworden ist? Kinder haben viele Fragen, wenn sie damit konfrontiert werden, dass ihr Vater oder ihre Mutter an Krebs erkrankt sind. Die Kinder spüren die Bedrohlichkeit, erhalten aber oft nicht genug verständliche Informationen, um mit ihrer Unsicherheit und ih-

gründet wurde. „Wir informieren, beraten und begleiten die Kinder zusammen mit ihren Eltern in dieser schwierigen Lebenssituation“, sagt Anita Zimmermann. Die Mitarbeiter des Vereins haben ein umfassendes Angebot an Informationsmaterialien für Kinder unterschiedlicher Altersstufen erarbeitet, das sehr anschaulich und jeweils altersgerecht auf die Erkrankung eingeht, diese erklärt und die von Kindern häufig gestellten Fragen beantwortet. Eine spezielle Unterstützung der Kinder ist laut Frau Zimmermann immer dann besonders wichtig, wenn es den Eltern schwerfällt, mit ihren Kindern offen über die

Erkrankung in dem guten Glauben, sie so vor psychischen Belastungen schützen zu können. Für die Kinder aber ist laut Anita Zimmermann ein offenes Wort wichtig, um Ängste oder Schuldgefühle aufzufangen. Flüsterpost steht nach ihren Worten allen betroffenen Familien offen, und das bundesweit. Es besteht die Möglichkeit der Beratung vor Ort in Mainz, wobei im Bedarfsfall auch Hausbesuche erfolgen. Wer nicht nach Mainz kommen kann, der kann kostenfreies Informationsmaterial bei dem Verein, der sich rein über Spenden finanziert, anfordern oder telefonisch anfragen, wo es in seiner Re-

Lesetipp

Mir sagt ja doch (K)einer was! Was die Erkrankung Krebs bedeutet, wird in der Broschüre des Vereins Flüsterpost „Mir sagt ja doch (K)einer was“ kindgerecht am Beispiel eines Aquariums, das den menschlichen Körper darstellt, erklärt. Im Aquarium schwimmen viele bunte Fische, die für die Körperzellen stehen. Einige Fische spielen eines Tages verrückt und fangen an, andere Fische aufzufressen. Diese Fische, die für Krebszellen stehen, können durch verschiedene Methoden zerstört werden – wie das geschieht, wie also die Krebstherapie wirkt, das wird in der Broschüre – mit kindgerechten Aquarellen illustriert – sehr anschaulich geschildert. Die Broschüre kann kostenfrei angefordert werden beim Verein Flüsterpost e. V. Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern, Kaiserstr. 56, 55116 Mainz. 

gion ähnliche Anlaufstellen gibt, in denen Kinder und Eltern entsprechend beraten und betreut werden. Weiterführende Informatio-

nen wie auch Angaben zum Spendenkonto bietet die Internetseite von Flüsterpost unter www.kinder-krebskranker-eltern.de. 

Traubenkernöl – Vorsicht mit großen Mengen während der Chemo Serie Komplementäre Krebsmedizin A ll e s r u

nd

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m Pflanzen enthalten viele verschiedene Inhaltsstoffe und einigen von ihnen werden auch günstige Effekte bei Krebserkrankungen zugesprochen. Dazu gehört unter anderem Traubenkernöl. Es enthält pflanzliche Fette und so genannte Proanthole m zyanidine, die laut Dr. Jutta Hüben tärm ner, Frankfurt, möglicherweise vor Tuedizin morerkrankungen schützen können. Immerhin konnten Proanthozyanidine das weitere Wachstum von Krebszellen in Laborversuchen hemmen. Unklar ist bislang allerdings, ob Traubenkernöl beim Menschen eine bestehende Krebserkrankung günstig beeinflusst. „Leider könnte Traubenkernöl zudem parallel zur Chemotherapie die Wirkung der Medikamente abschwächen“, erklärt die Medizinerin. Man sollte deshalb als Krebspatient keine übertriebenen Hoffnungen in Traubenkernöl setzen, solange entsprechende Befunde fehlen. Keinesfalls sollten Patienten unter einer laufenden Chemotherapie oder Strahlenbehandlung größere Mengen des Öls zu sich nehmen. Hübner: „Es ist aber nichts dagegen einzuwenden, Traubenkernöl im Inhaltsstoffe der Trauben kön- Rahmen der üblichen Ernährung nen die Effekte der Chemothe- zu sich zu nehmen, also zum Beirapie schwächen. (14) spiel als Dressing für Salate.“ 

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Krebsinformationstag 2012: Leben mit Krebs e. V. „Wissen macht mutiger!“ Unter diesem Motto steht eine Informationsveranstaltung am 21. April 2012 im Rathaus der Stadt Sankt Augustin. Der Eintritt ist kostenfrei; weitere Infos: Ingrid Schürheck Tel. 02241-315330 E-Mail: i.schuerheck@lebenmitkrebsrsk.de oder unter www.lebenmitkrebs-rsk.de. 

„Kinder brauchen Ehrlichkeit“

Bild der 12jährigen Michelle, deren Mutter zwei Jahren zuvor an Lungenkrebs erkrankte.

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Lebensfreude – Lebenskraft lautet der Titel eines Wochenendseminars der niedersächsischen Krebsgesellschaft e. V., das vom 30. März bis 1. April 2012 in Cloppenburg stattfindet. Die Kosten des Seminars (außer An- und Abreise) trägt die Niedersächsische Krebsgesellschaft. Weiterführende Informationen gibt es im Internet unter www.nds-krebsgesellschaft.de oder telefonisch unter 0511-3885262. 

Krebserkrankung zu sprechen oder wenn die Kinder sich in ihrem Verhalten verändern, wenn sie erfahren haben, dass ein Elternteil schwer erkrankt ist. „Die Eltern brauchen selbst oft eine gewisse Zeit, um mit der Diagnose klar zu kommen“, erklärt Frau Zimmermann. Auch sprechen viele Eltern mit ihren Kindern nicht über die

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Termine

ren Ängsten in Bezug auf die Erkrankung des Vaters oder der Mutter umgehen zu können. Unterstützung in einer solchen Situation bietet betroffenen Familien der gemeinnützige Verein Flüsterpost e. V., der 2003 von der Sozialpädagogin Anita Zimmermann zusammen mit dem Arzt Professor Dr. Gerhard Trabert ge-

Sollten Sie Fragen zu den hier vorgestellten Themen haben, rufen Sie uns unter der angegebenen Service-Nummer an, schicken Sie uns eine E-Mail oder schreiben Sie uns an die angegebene Adresse.

Lebenswege Ausgabe 46 · Februar 2012

www.lebenswege-forum.de

Forum für Krebspatienten und ihre Angehörigen

Fortschritt beim Eierstockkrebs Die Therapieoptionen erweitern sich

Innovationen für Darmkrebspatienten

@

06431/59096-25

Darmkrebs

Frauen mit Eierstockkrebs werden üblicherweise zuerst operiert und anschließend mittels einer Chemotherapie behandelt. Nun wurde für Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) eine neue, zusätzliche Behandlungsform zugelassen. Bei dem neuen Medikament handelt sich um einen so genann-

Darmkrebsmonat März ärz

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Darmkrebs wird im März Mittelpunkt vieler Aktionen und Kampagnen sein. Dabei wird verstärkt über die Hintergründe der Erkrankung und über Fortschritte in der Behandlung informiert werden. Auch die Internetseite www.. M ärz darmkrebszentrale.de greift das Thema ma „Fortschritte in der Behandlung von Darmkrebs“ im März mit einem aktuellen Filmbeitrag mbeitrag mit dem Titel „Darmkrebs - Mythen, Ziele und Therapievisionen“ rapievisionen“ auf.  Siehe Seite 3

bewirkt, die neue Therapieoption ist aber eindeutig ein Fortschritt, erklären Experten wie Professor Dr. Jalid Sehouli aus Berlin: „Die klinischen Studien haben gezeigt, dass die Zeit bis zum Neuauftreten des Tumors nach einer Operation oder einer Chemotherapie verlängert wird, die Frauen also deutlich länger tumorfrei leben können“. Frauen mit Eierstockkrebs, die nach einer Operation oder einer Chemotherapie länger tumorfrei leben, sprechen nach seiner Erfahrung beim Wiederauftreten des Tumors zudem besser auf eine erneute Behandlung an. Rund 10.000 Frauen erkranken hierzulande pro Jahr an einem Ovarialkarzinom, das damit zu den eher seltenen Krebserkrankungen gehört. Allerdings wird der Eierstockkrebs meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt.  Siehe Interview Seite 2

Bei Brustkrebs am besten ins Brustzentrum Behandlung entsprechend der Leitlinien

info@lebenswege-forum.de www.lebenswege-forum.de

Frauen mit Brustkrebs sind gut beraten, wenn sie sich in einem zertifizierten Brustzentrum behandeln lassen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie die in ihrem Fall optimale Behandlung erhalten. Das hat ein so genannter Benchmarking-Bericht ergeben, der gemeinsam von der Deutschen

Optimale Krebstherapie auch im Alter

6

Krebs – auch die Seele leidet

7

Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) erarbeitet wurde. Die beiden Fachgesellschaften haben die Qualität der medizinischen Versorgung bei Brustkrebs in den 205 zertifizierten Brustzentren in Deutschland genau unter die Lupe genommen. Sie haben dazu die Daten von 50.000 Frauen mit Brustkrebs analysiert und parallel dazu 7.000 Frauen auch direkt befragt. „Die Ergebnisse der Studie spiegeln eine hohe Qualität der Versorgung in Brustzentren wider“, berichtete Professor Dr. Rolf Kreienberg, Ulm. Derzeit werden nach Angaben der Fachgesellschaften etwa 90 Prozent der Frauen mit Brustkrebs in einem zertifizierten Brustzentrum betreut. Die Mediziner hoffen, dass in zehn Jahren alle

Flüsterpost – Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern

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1 – ©Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com, 2 – Shutterstock

Inhalt Peniskarzinom – den Tumor aus der Tabuzone holen Den Motor der Tumorzellen gezielt abschalten Keine Angst vor Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall

ten Angiogenesehemmer, also einen Wirkstoff, der die Neubildung von Blutgefäßen unterbindet. Über solche neuen Blutgefäße versorgt sich der Tumor mit Nährstoffen und Sauerstoff. Wird die Gefäßbildung unterbunden, so wird damit zugleich das Tumorwachstum gehemmt. Es wird so zwar leider keine Heilung der Erkrankung

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Leben mit

WORTREICH GiK GmbH „Lebenswege“ Postfach 1402 D-65534 Limburg

Bestellung bitte per Fax an: 06431/59096-11

Hier können Sie auswählen, was Sie bestellen möchten:

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KONTAKT

14 – Shutterstock

 Neu überarbeitete Broschüre: Leben mit Darmkrebs

Seite 3 4 6

Noch nicht alle Frauen mit Brustkrebs werden im Brustzentrum behandelt. (2) betroffenen Frauen in einem entsprechend spezialisierten Zentrum diagnostiziert und behandelt werden. Zertifizierte Brustkrebszentren finden Sie unter www.dkg.de/. 

Tumorerkrankungen wie auch die Tumortherapie können das Risiko steigern, dass sich ein Thrombus im Blutgefäß bildet. (1)

Name, Vorname

Erhöhtes Thromboserisiko Menschen, die an Krebs erkranken, haben ein erhöhtes Risiko für die Bildung einer Thrombose. Dabei verklumpen Blutplättchen zu einem Blutgerinnsel. Der entstehende Blutpfropf kann das Blutgefäß verschließen und den

Blutstrom in der betroffenen Region zum Erliegen bringen. Ursache kann die Tumorerkrankung per se sein, aber auch die jeweilige Behandlung.  Siehe Seite 5

Krebs – immer häufiger eine „chronische Erkrankung“ Deutscher Krebskongress bietet Patiententag In Deutschland wächst die Zahl der Menschen, die lange Zeit mit dem Bewusstsein leben, einen Tumor im Körper zu haben: Ursache hierfür sind Fortschritte bei der Früherkennung sowie besser wirksame Behandlungsstrategien bei vielen Tumoren. Sie sind „schuld“ daran, dass es immer häufiger gelingt, aus der lebensbedrohlichen Erkrankung eine chronische Krankheit zu machen. Das wurde im Vorfeld des Deutschen Krebskongresses in Berlin bekannt gegeben. Doch was bedeutet eine solche Situation für die Betroffenen? Das ist eines der Schwerpunktthemen beim diesjährigen Kongress, zu dem alle zwei Jahre Krebsmediziner nach Berlin reisen, um die neuesten Entwicklungen und Fortschritte in der Onkologie zu diskutieren. In diesem Jahr findet der Kongress vom 22. bis 25. Februar statt und öffnet am letzten Kongresstag seine Tore auch für Patienten, ihre Angehörigen und allgemein Interessierte. Diese können sich dann im Berliner Kongresszentrum ICC direkt vor Ort zu vielfältigen Themen rund um Krebserkrankungen infor- In Berlin tagen im Februar die mieren.  Krebsmediziner.

 DVD-Set:  Zeitung: Ein Tag wie Lebenswege jeder andere? Mein Weg mit Darmkrebs.

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Lebenswege - Zeitschrift für Krebspatienten und ihre Angehörigen Ausgabe 46  

Ausgabe 46, Februar 2012 der Lebenswege - Zeitschrift für Krebspatienten und ihre Angehörigen

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