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Lebenswege Ausgabe 34 · Februar 2010

m u z s o l n e t kos ! n e m h e n Mit

Forum für Krebspatienten und ihre Angehörigen

Die Krebsmedizin ist im Aufbruch „Strukturen verändern – Heilung verbessern“ Die Zahl der Krebspatienten steigt seit Jahren unaufhörlich an. Das hat laut Professor Dr. Wolff Schmiegel vom Knappschaftskrankenhaus der Ruhr Universität in Bochum zwei Gründe: Zum einen erkranken durch die steigende Lebenserwartung immer mehr Menschen an Krebs. Zum anderen aber haben sich dank der Fort-

Prof. Dr. Wolff Schmiegel

schritte in der Krebsmedizin die Heilungschancen deutlich verbessert und die Überlebenszeiten bei vielen bösartigen Tumorerkrankungen erheblich verlängert. „Das hat zur Folge, dass zunehmend mehr krebskranke Menschen hierzulande leben und behandelt werden müssen“, betonte Professor Schmiegel als Präsident des 29. Deutschen Krebskongresses im Februar in Berlin. „Strukturen verändern – Heilung verbessern“, so lautet in diesem Jahr das Motto des Deutschen Krebskongresses. Es signalisiert, dass die Krebsmedizin vor großen Herausforderungen steht, erklärte Professor Schmiegel im Vorfeld der Tagung. So sollen einerseits alle Patienten unabhängig von ihrem Alter, von der Tumorart und der Frage, in welcher Krankenkasse sie versichert sind, eine optimale Behandlung erfahren. Die Krebstherapie aber ist kostenintensiv und es muss auch

dafür gesorgt werden, dass die Behandlung finanzierbar bleibt. Die verantwortlichen Gremien und Fachgesellschaften haben deshalb gemeinsam einen „Nationalen Krebsplan“ erarbeitet, der derzeit in den Kliniken und Praxen umgesetzt wird. Mit seiner Hilfe sollen die Krebsfrüherkennung verbessert und optimierte Strukturen bei der Betreuung der Patienten geschaffen werden. Weitere erklärte Ziele des Nationalen Krebsplans sind die Sicherstellung einer adäquaten Arzneimittelversorgung und die Stärkung der Patientenorientierung. Dem dient auch ein spezieller Patiententag am 28. Februar in Berlin. An diesem Tag können sich Betroffene wie auch ihre Angehörigen im Berliner Kongresszentrum ICC zu vielfältigen Themen rund um Krebserkrankungen informieren.  Siehe auch Seite 6 D ar m kr

Inhalt Übelkeit und Erbrechen – da gibt es Hilfe, Interview mit Professor Petra Feyer

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Krebstherapie bei Senioren

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Schicksal Lungenkrebs

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Krebs – auch die Angehörigen brauchen Hilfe

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Schwimmen, Aquajogging – Bewegung im Wasser

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Haarausfall – wie ist die Kopfhaut zu pflegen?

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Ziel haben auch die vielen Aktionen und Kampagnen, die alljährlich im März, dem so genannten „Darmkrebsmonat“, in Deutschland stattfinden. Denn beim Darmkrebs – der Mediziner spricht vom Kolonkarzinom – ist es wie bei vielen anderen Tumoren auch: Die Heilungschancen sind umso besser, je früher der Tumor erkannt wird. Deshalb empfiehlt es sich, die Möglichkeiten der Früherkennung durch eine Darmspiegelung und durch Tests auf verborgenes Blut im Stuhl konsequent wahrzunehmen. Denn noch während der Darmspiegelung können Vorstufen des Kolonkarzinoms, die Darmpolypen, in aller Regel problemlos entfernt werden. Liegt jedoch bereits ein Darmkrebs vor, so wird er üblicherweise operativ entfernt. Die weitere Behandlung rich-

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Chancen der Früherkennung konsequent nutzen Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist der Darmkrebs nach wie vor die zweithäufigste Krebserkrankung. Grund genug, immer wieder den Finger in die Wunde zu legen und in der Öffentlichkeit für mehr Informationen rund um das Thema Darmkrebs zu sorgen. Dieses

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Darmkrebsmonat März

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tet sich nach dem jeweiligen Tumorstadium. Neben der Strahlen- und der Chemotherapie kommt dabei auch eine zielgerichtete Behandlung in Frage, bei der der Tumor durch eine Hemmung der Blutgefäßbildung am Wachstum gehindert wird. Informationskampagnen wie zum Beispiel die Aktion „Dem Darmkrebs auf der Spur“ und „Ein Tag wie kein anderer. Mein Weg mit Darmkrebs“ helfen betroffenen Patienten im Umgang mit der Erkrankung.  Siehe Seite 3

Jubeln und Klagen – beides gehört zu einer Krebserkrankung dazu. Das jedenfalls soll ein Kunstwerk bestehend aus 94 Einzelexponaten ausdrücken, das von Mitgliedern des Landesverbandes Frauenselbsthilfe nach Krebs Rheinland-Pfalz/Saarland erarbeitet wurde. Es ist ein eindrucksvolles Kunstwerk entstanden, das derzeit im Rahmen einer Wanderausstellung in verschiedenen Orten Deutschlands gezeigt wird. Siehe Seite 8

Antikörper verbessert die Überlebenszeit Patienten mit einer chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) haben deutliche Vorteile, wenn sie bei der Erstbehandlung neben der Chemotherapie auch den Antikörper Rituximab erhalten. Das zeigen neueste Untersuchungsergebnisse, die bei einem internationalen Ärztekongress in New Orleans präsentiert wurden. Die neuen Daten, die Professor Dr. Michael Hallek aus Köln dort vorstellte, belegen erstmals, dass Patienten mit einer CLL durch die zusätzliche Gabe des Antikörpers nicht nur länger ohne Krankheitserscheinungen bleiben, sondern insgesamt auch länger mit der Krankheit überleben. 

In der Jazzmetropole New Orleans fand Ende 2009 der Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie mit mehr als 20.000 Teilnehmern statt. Siehe Seite 4

Rückgang der Krebs-Sterberate Um rund zehn Prozent hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Sterberate an Krebs in Europa verringert. Das hat eine Erhebung in 27 Ländern der EU ergeben. Der erfreuliche Trend dürfte mehrere Ursachen haben, meint Professor Dr. Carlo La Vecchia aus Mailand. Einen maßgeblichen Anteil misst der Mediziner der Tatsache bei, dass inzwischen weniger als früher geraucht wird. Auch die zunehmenden Bemühungen um die Krebsfrüherkennung scheinen zu einer früheren Diagnose von Krebserkrankungen und damit zu verbesserten Heilungschancen beigetragen zu haben. Dass es positive Entwicklungen bei den Heilungsraten gibt, zeigt auch eine Untersuchung des schwedischen Karolinska-Instituts. Die Wissenschaftler um Professor Nils Wilking in Stockholm stellten fest, dass in Europa der Anteil der Frauen, die zehn Jahre nach der Diagnose „Brustkrebs“ noch leben, in den vergangenen 50 Jahren erfreulicherweise von 50 auf rund 80 Prozent angestiegen ist. 


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Meldungen Eine Art genetischen Fingerabdruck für die Entstehung von Metastasen beim Dickdarmkrebs haben Forscher am Max-Delbrück Zentrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch und dem Universitätsklinikum Charité in Berlin identifiziert. Die Wissenschaftler konnten 115 Gene dingfest machen, die im Ursprungstumor wie auch in dessen Metastasen verändert sind. Die neuen Erkenntnisse können eventuell helfen, bei Patienten mit Darmkrebs frühzeitig abzuschätzen, wie aggressiv der Tumor wachsen wird.  Chemische Markierungen, die so genannten Methylgruppen, legen bei vielen Krebsformen Teile des Erbguts lahm. Betroffen sind vor allem Gene, die als Bremse des krankhaften Wachstums wirken. Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg untersuchen gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern bei Mäusen, wie es zu den abweichenden Methylmarkierungen in Krebszellen kommt. Sie hoffen, mit den Erkenntnissen ihrer Forschungen Medikamente entwickeln zu können, die die Methylanheftung verhindern und so die Krebsentstehung verzögern. 

Übelkeit und Erbrechen – da gibt es Hilfe Interview mit Professor Dr. Petra Feyer, Berlin

Viele Patienten reagieren mit Übelkeit und Erbrechen auf die Chemotherapie. Auch andere Nebenwirkungen können auftreten. In solchen Fällen unbedingt mit dem Arzt über die Probleme zu sprechen und nach Behandlungsmöglichkeiten zu fragen, rät Frau Professor Dr. Petra Feyer, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie, Radioonkologie und Nuklearmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin, den Betroffenen. Frau Professor Feyer, wie sollten sich Patienten verhalten, wenn sie unter Nebenwirkungen der Krebsbehandlung leiden? Krebserkrankungen verlangen oftmals eine recht aggressive Behandlung. Diese verfolgt das Ziel, die Krebszellen im Körper möglichst vollständig abzutöten. Leider gelingt dies zum Beispiel bei der Chemotherapie noch nicht zielgenau. Es kommt in aller Regel auch zu Schädigungen gesunden Gewebes, was belastende Nebenwirkungen verursachen kann. Diese aber können wir meist gut behandeln, vorausgesetzt, der Arzt weiß davon. Man sollte als

Betroffener deshalb unbedingt seinem Arzt mitteilen, wenn Begleitreaktionen wie Übelkeit oder Erbrechen auftreten. Warum geschieht das oft nicht? Wenn Übelkeit und Erbrechen unmittelbar während der Chemotherapie auftreten, wird den Betroffenen direkt geholfen. Oft aber treten die Beschwerden erst einige Tage nach der Behandlung auf. Dies sollte dem Arzt sofort oder spätestens beim nächsten Zyklus unbedingt mitgeteilt werden. Leider aber vergessen das

Es zählt das biologische, nicht das kalendarische Alter

Mehr als die Hälfte derjeniger, bei denen die Diagnose Krebs gestellt wird, ist zu diesem Zeitpunkt älter als 65 Jahre. Da die allgemeine Lebenserwartung weiter steigt, ist anzunehmen, dass der Anteil älterer Menschen unter den Tumorpatienten künftig ebenfalls weiter zunehmen wird. Das aber stellt die Krebsmedizin vor neue Herausforderungen. Denn ältere Menschen lei-

den oft unter weiteren Krankheiten wie zum Beispiel einer Herzoder Nierenerkrankung, die bei der Krebstherapie zu berücksichtigen sind. Wie sich eine solche Situation auf die Tumorbehandlung auswirkt, wurde jedoch bislang kaum untersucht. Auch die Krebstherapie selbst wurde fast ausschließlich bei jüngeren Patienten geprüft und erprobt. Damit auch ältere Menschen im gleichen Ausmaß wie jun-

Muss man als Patient ein gewisses Maß an Übelkeit und Erbrechen unter der Chemotherapie aushalten? Nein. Es gibt gute Möglichkeiten, mit Medikamenten solche Nebenwirkungen zu vermeiden. Da nicht alle Menschen auf die Chemotherapie mit Übelkeit und Er-

Nebenwirkungen, die bei oder nach der Chemotherapie auftreten, sollte man unbedingt mit seinem Arzt besprechen. (1)

Krebstherapie bei Senioren

Auch ältere Menschen profitieren von Fortschritten in der Krebsbehandlung. (2)

manche Patienten dann, oder sie sagen dem Arzt nichts aus Sorge, er könne die Dosis der Medikamente zurückfahren und die Behandlung wäre dann weniger effektiv.

ge von den Fortschritten in der Krebsbehandlung profitieren, werden nunmehr zunehmend Studien geplant, die die älteren Semester mit einbeziehen, so hieß es kürzlich bei einem Kongress der Krebsmediziner in Mannheim. Dabei zeichnet sich bereits ab, dass nicht das kalendarische Alter der Patienten, also das Geburtsjahr, im individuellen Fall darüber entscheidet, welche Krebsbehandlung sinnvoll ist und welche nicht. Bedeutsamer ist vielmehr das biologische Alter, also die Frage, wie fit der Patient unabhängig von seiner Krebserkrankung ist und ob er an weiteren Krankheiten leidet. Ist dies der Fall, so muss die Therapie schonender erfolgen. Ist der ältere Mensch aber körperlich belastbar und hat keine schweren Begleiterkrankungen, so gibt es nach derzeitiger Kenntnis keinen Grund, warum die Krebstherapie anders sein sollte als bei jüngeren Patienten. 

brechen reagieren, werden diese Medikamente aber nicht automatisch gegeben. Tritt nach dem ersten Behandlungszyklus Übelkeit auf, so sollte man dies notieren und vor dem nächsten Zyklus mit dem Arzt besprechen, da dann schon eine vorsorgliche Behandlung gegen die Übelkeit eingeleitet werden kann.

Prof. Dr. Petra Feyer Welche anderen Nebenwirkungen können unter der Krebsbehandlung auftreten? Zu den möglichen Reaktionen auf die Krebsbehandlung gehören neben Übelkeit und Erbrechen Schleimhautentzündungen im Mund, in der Speiseröhre und im Darm, Reaktionen, die medizinisch als Mukositis bezeichnet werden. Es kann außerdem zu Veränderungen des Blutbildes kommen und insbesondere zu einem Abfall der roten Blutkörperchen. Die Betroffenen fühlen sich oft sehr müde und schlapp. Was können sie tun, um sich unabhängig von einer möglichen medikamentösen Behandlung der Reaktionen besser zu fühlen? Es ist eine regelmäßige körperliche Bewegung wichtig, um Reaktionen wie der Tumormüdigkeit entgegen zu wirken und die körperliche Fitness möglichst weitgehend zu erhalten. Hilfreich ist außerdem eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Die Patienten sollten ferner ausreichend trinken und auftretende Probleme unbedingt mit ihren Arzt besprechen.  Frau Professor Feyer, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Geringeres Krebsrisiko bei fleischloser Kost Vegetarier haben offenbar ein um rund zwölf Prozent geringeres Krebsrisiko als Menschen, die häufig Fleisch verzehren. Das zeigt eine britische Studie mit 61.000 Teilnehmern. Die Ergebnisse bestätigen frühere Vermutungen, wonach fleischlose Kost die Krebsgefahr etwas eindämmt. Allerdings betrifft das offenbar nicht den Darmkrebs, wie frühere Erhebungen hatten vermuten lassen. Denn in einer aktuellen Studie erkrankten Menschen, die konsequent auf Fleisch verzichten, ebenso häufig an Darmkrebs wie diejenigen, die Fleisch verzehrten. Seltener aber traten bei fleischloser Kost Lymphome sowie Blasen- und Magentumore

und auch Multiple Myelome auf, also Erkrankungen, bei denen bestimmte Zellen im Knochenmark bösartig verändert sind. 

Fleisch sollte nur sehr maßvoll verzehrt werden. (3)

(1) Shutterstock, (2) © Kzenon/Fotolia.com, (3) Pitopia


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suchungen sowie eine vorsorgliche Darmspiegelung, wobei die Kosten der Maßnahmen ab einem gewissen Alter durch die Krankenkassen übernommen werden.

Dem Ziel, die Bevölkerung noch besser über den Darmkrebs und die Möglichkeiten der Früherkennung und Vermeidung zu informieren und sie zu motivieren, die Untersuchungen in Anspruch zu nehmen, hat sich die Stiftung LebensBlicke verschrieben. „Durch das konsequente Nutzen der Untersuchungsmöglichkeiten ließen

untersuchungen wahrgenommen haben und somit mehr Tumore frühzeitig gefunden wurden. Parallel dazu ist die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs zurückgegangen. Sie liegt zurzeit bei etwa 26.000 pro Jahr. „Auch wenn wir damit das uns gesetzte Ziel noch nicht ganz erreicht haben, sind wir doch mit dieser Entwicklung

„Wir wollen langfristig die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs weiter senken“

Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, gehen die Stiftung LebensBlicke und der angeschlossene Förderverein auch unkonventionelle Wege. Das zeigt die Komödie „Alarm im Darm“, die bei entsprechenden Aktionen und Aufklärungskampagnen vom „LebensBlicke VorsorgTheater“ aufgeführt wird. Mit dem humorvollen Stück, das mittlerweile mehr als 100mal gezeigt wurde, soll den Menschen Angst vor der Darmspiegelung (Koloskopie) genommen werden.

sich viele Todesfälle durch Darmkrebs hierzulande verhindern“, erklärt dazu Professor Dr. Jürgen F. Riemann aus Ludwigshafen, auf dessen Initiative hin die Stiftung LebensBlicke bereits vor mehr als zehn Jahren gegründet wurde. Dass sich das Engagement lohnt, verdeutlichen laut Professor Riemann am besten Zahlen: So erkrankten 1998 rund 57.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs, etwa 30.000 verstarben durch diese Erkrankung. Damals setzte sich LebensBlicke das Ziel, die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs bis zum Jahre 2010 zu halbieren. Zunächst stieg dabei bis 2008 die Zahl der entdeckten Darmkrebserkrankungen an, was daran liegt, dass vermehrt Menschen die Früherkennungs-

Lesetipp

Leben mit Darmkrebs Dank moderner Therapieverfahren hat sich auch die Situation von Patienten mit fortgeschrittener Darmkrebserkrankung deutlich verbessert. Welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt, können Betroffene in einer neuen Informationsbroschüre mit dem Titel „Leben mit Darmkrebs“ erfahren. Anschaulich und gut verständlich wird in der Broschüre geschildert, wie der Darmkrebs entsteht, wie er diagnostiziert wird und was bei der Behandlung wichtig ist. Der Leser erfährt zum Beispiel, warum meist zuerst eine Operation ansteht, was bei der Strahlenbehandlung geschieht und was bei der Chemotherapie. Es wird außerdem eindrucksvoll vermittelt, wie die Möglichkeiten der modernen zielgerichteten Behandlung das herkömmliche Therapiespek-

trum erweitern. So kann der Tumor inzwischen durch Medikamente, die die Aussprossung neuer Blutgefäße verhindern, regelrecht ausgehungert werden. Denn wenn sich keine neuen Blutgefäße ausbilden, kann der Tumor auch nicht weiter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, sein Wachstum wird folglich aufgehalten. Die neue Broschüre, die im Rahmen der Kampagne „Dem Darmkrebs auf der Spur“ erarbeitet wurde, gibt ferner wertvolle Tipps, wie Nebenwirkungen der Krebstherapie gelindert werden können. Die Leser bekommen außerdem Ratschläge zu therapiebegleitenden Maßnahmen sowie zur Nachsorge. Hilfreiche Kon-

taktadressen, Tipps zu weiterführender Literatur und ein Glossar der wichtigsten Fachbegriffe runden das Informationsangebot ab. Der Ratgeber, der unter wissenschaftlicher Beratung von Professor Dr. Wolff Schmiegel aus Bochum entstand, kann kostenfrei angefordert werden bei „Lebenswege“ (siehe Seite 8) oder via Internet unter www. dem-darmkrebs-auf-der-spur. de. 

sehr zufrieden“, sagt Professor Riemann. „Sie zeigt, dass sich die Bemühungen um die Früherkennung lohnen“. Die Zahlen demonstrieren nach seinen Worten aber auch, dass der Darmkrebs nach wie vor eine Herausforderung darstellt und alles getan werden muss, um die Heilungschancen der Menschen nachhaltig zu bessern. LebensBlicke hat deshalb ein Netzwerk an lokalen Repräsen-

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Wie bei vielen Tumoren, so sind auch beim Darmkrebs die Heilungschancen umso größer, je früher die Erkrankung entdeckt wird. Der Früherkennung dienen Stuhlunter-

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LebensBlicke – Engagement für die Darmkrebs-Früherkennung

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tanten der Stiftung im ganzen Bundesgebiet aufgebaut. Es handelt sich vor allem um Ärzte, die sich direkt um die Aufklärung der Bevölkerung bemühen und zum Beispiel während des „Darmkrebsmonats März“ mit vielfältigen Aktionen auf die Erkrankung aufmerksam machen. Das erklärt, warum in den kommenden Tagen in vielen Arztpraxen und Kliniken auf das Problem Darmkrebs verstärkt hingewiesen werden wird. Weitere Informationen über LebensBlicke gibt es im Internet unter www.lebensblicke.de oder unter der Hotline 0800-2244221. 

„Wie kommt das Wurstbrot ins Blut?“ Informationskampagne „Dem Darmkrebs auf der Spur“ „Wie kommt das Wurstbrot ins Blut?“ oder auch: „Tatort: die Darmschleimhaut“ – das sind nur zwei Überschriften aus dem umfangreichen Informationsmaterial, mit dem die Bevölkerung in den kommenden Wochen im Rahmen der Kampagne „Dem Darmkrebs auf der Spur“ zum Thema Darmkrebs aufgeklärt wird. Bereits seit dem Jahr 2007 ist die Kampagne regelmäßig in verschiedenen Orten Deutschlands unterwegs, um umfassend über alle Themen rund um den Darmkrebs zu informieren. Im Frühjahr 2010 macht sie in Hamburg, Chemnitz, München und Friedrichshafen Station. Am multimedialen Infostand können sich Interessierte dann anhand von Schautafeln und interaktiven Computerterminals ausführlich und in aller Ruhe darüber informieren, wie Darmkrebs entsteht, wie er sich bemerkbar macht und wie er erkannt und behandelt werden kann. Darüber hinaus ist umfangreiches und kostenloses Material in Form von Broschüren, einem Hörbuch sowie einer DVD über die modernen Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung erhältlich.

Hier die genauen Daten und Orte, an denen die Informationskampagne im Februar und März halt macht:  17.-20. Februar im AlstertalEinkaufszentrum in Hamburg  24.-27. Februar 2010, HessenCenter, Borsigallee in Frankfurt am Main  10.-13. März in der Galerie Roter Turm in Chemnitz  10.-13. März in den Riem Arcaden in München  17.-21. März auf der Verbrauchermesse IBO in Friedrichshafen

Übrigens können all jene, die nicht direkt vor Ort dabei sein können, weitere Informationen via Internet erhalten unter der Webseite www.dem-darmkrebsauf-der-spur.de. 


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Der Begriff Lymphom bezeichnet streng genommen lediglich eine Vergrößerung der Lymphknoten. Beruht diese auf einem bösartigen – der Mediziner nennt dies malignen – Prozess, so ist von einem malignen Lymphom die Rede. Die Erkrankung geht vom lymphatischen System aus, wobei sich die bösartig veränderten Zellen über den ganzen Körper ausbreiten können. Je nachdem welche Zellen betroffen sind, unterscheidet man verschiedene Lymphomformen wie zum Beispiel das Hodgkin-Lymphom, auch Morbus Hodgkin genannt, sowie das Non-Hodgkin-Lymphom, kurz NHL. Hierbei handelt es sich aber um eine ganze Gruppe von Erkrankungen, die je nach ihrem Verlauf noch weiter unterteilt werden. Ein Lymphom ist auch die Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL). Da bei dieser Erkrankung viele Lymphomzellen in die Blutbahn ausgeschwemmt werden, wurde sie zunächst für eine Leukämie gehalten, woran der Name heute noch erinnert. 

Bei der CLL gilt oft zuerst das Motto „Abwarten“ Antikörper haben die Therapie bei Lymphomen spürbar verbessert

Stephan B. ist 53 Jahre alt. Bei der alljährlichen Check-up-Untersuchung fallen im Blutbild ungewöhnlich viele weiße Blutzellen – der Mediziner spricht üblicherweise von Leukozyten – auf, wobei vor allem die Untergruppe der Lymphozyten vermehrt ist. Der Hausarzt rät dem technischen Zeichner zu einer Wiederholung der Untersuchung, wobei sich der Befund jedoch bestätigt. Die Konsultation eines Hämatologen, also eines Fachmediziners für Erkrankungen des Blutes, ergibt die Diagnose „Chronisch Lymphatische Leukämie“, oder auch kurz CLL, wie die Mediziner sagen. Dem ersten Schock der Diagnose folgt eine gewisse Erleichterung. Denn Stephan B. erfährt von seinem Arzt, dass es sich bei der CLL in aller Regel um eine langsam fortschreitende Erkrankung handelt und nicht sofort eine Behandlung notwendig ist. Ein gezieltes Eingreifen ist erst ratsam, wenn die Lymphozyten sich auffallend rasch vermehren, wenn vergrößerte Lymphknoten auffallen, der Patient Beschwerden wie zum Beispiel Nachtschweiß, eine ungewollte Gewichtsabnahme und Fieber entwickelt oder wenn im Blutbild erkennbar ist, dass sich die Krankheit fortentwickelt.

Im Blutausstrich zeigen sich bei der CLL vermehrt weiße Blutzellen „Ist das nicht der Fall, so warten wir üblicherweise zunächst einmal ab“, erklärt Professor Dr. Kai Uwe Chow vom Ambulanten Krebszentrum Schaubstraße in Frankfurt. Während übrigens zur Diagnose eine Biopsie des Knochenmarks nicht notwendig ist, sollte diese dann durchgeführt werden, wenn eine Therapie eingeleitet werden soll. Soweit ist es bei Stephan B. allerdings noch nicht. Für ihn aber ist es, wie für viele andere Betroffene auch, zunächst schwer zu verstehen, warum einerseits eine Leukämie diagnostiziert, andererseits aber nicht sofort eine Behandlung gegen die Erkrankung eingeleitet wird. „Die Therapie

Nicht nur am – auch im Leben bleiben Die Lebensqualität erhalten fähigkeit erheblich beeinträchtigt“, sagte Professor Dr. Volker Diehl, Köln, bei einem großen amerikanischen Krebskongress. Doch nicht nur die Tumormüdigkeit ist ein Problem: „Viele junge Patienten sind in ihrer Fruchtbarkeit beeinträchtigt, können keine Kinder mehr bekommen und möglicherweise keine FaEine Kunsttherapie kann helfen, nach der Krebs- milie gründen“, gab Professor Diehl zu bebehandlung ins Leben zurück zu finden. (4) denken. Nachdem bis Vor allem Patienten mit einer vor wenigen Jahren alles daran Krebserkrankung des lymphati- gesetzt wurde, durch die Behandschen Systems leiden nach der lung die Patienten am Leben zu eraggressiven Tumortherapie oft halten, setzt zunehmend ein Umunter erheblichen Folgen. „Vie- denken ein: „Wir wollen die Patile Patienten werden von einer enten nicht nur am, sondern auch starken Tumormüdigkeit geplagt im Leben erhalten“, so Diehl. Ground fühlen sich in ihrer geistigen ße Forschungsanstrengungen richwie auch körperlichen Leistungs- ten sich nach seinen Worten der-

zeit darauf, die Behandlung der Lymphome schonender zu gestalten, ohne jedoch dabei Heilungschancen einzubüßen. Davon abgesehen muss die Krebstherapie nach Meinung des Kölner Mediziners, der dort das Haus Lebenswert als Modelleinrichtung einer psychoonkologischen Betreuung begründet hat, unbedingt ganzheitlich erfolgen, also nicht nur mit Blick auf den Tumor, sondern auf die Behandlung des ganzen Menschen. Dabei ist laut Diehl nicht nur die medizinische Versorgung wichtig: „Wir müssen den Patienten auch helfen, aktiv im Leben zu bleiben, sei es durch Sportgruppen mit Schwimmen, Walking und Gymnastik oder durch eine Tanztherapie, durch QiJong, eine Musik- oder Kunsttherapie oder andere Behandlungsformen, die die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit erhalten und trainieren.“ 

ist aber erst sinnvoll, wenn sich ein Fortschreiten der Erkrankung zeigt“, so Professor Chow.

gar häufig eine Heilung erwirkt werden. Zum Beispiel hat der Antikörper Rituximab, der in Kombination mit einer Chemotherapie gegeben wird, die Heilungschancen von Patienten mit aggressivem Non-Hodgkin-Lymphom erheblich verbessert. Außerdem leben immer mehr Patienten mit follikulärem Lymphom durch Rituximab erheblich länger mit der Erkrankung. Bei der CLL ist eine definitive Heilung bislang leider meist nicht möglich, allerdings verlängert der Antikörper ebenfalls die Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung sowie – für den Patienten vielleicht noch entscheidender – die Überlebens-

„Dank der Behandlung mit Antikörpern erreichen viele Patienten eine volle Remission“ Dann gibt es zudem gute Chancen, die CLL wieder zurückdrängen zu können. Ganz allgemein haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei den Lymphomen – und dazu gehört die CLL – in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Wo früher wenig Hoffnung für die Patienten bestand, ist heutzutage eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeit ohne jegliche Krankheitszeichen möglich und es kann so-

zeit. In sehr vielen Fällen kann durch die Behandlung dabei das Krankheitsbild sogar soweit zurück gedrängt werden, dass der Patient keine Beschwerden mehr hat und wieder ein normales Blutbild bekommt. „Wir sprechen dann von einer Remission“, so Professor Chow. Seine Erklärungen haben Stephan B. beruhigt. Er hofft auf eine lange Zeit ohne Behandlung und anschließend im Fall des Falles auf eine volle und anhaltende Remission. 

Deutscher Krebshilfe-Preis für Lymphomforscher Für seine Verdienste um die Erforschung bösartiger Erkrankungen des Lymphsystems hat Professor Dr. Harald Stein den Deutschen Krebshilfe-Preis erhalten. Der Berliner Forscher hat maßgeblich dafür gesorgt, dass maligne Lymphome besser klassifiziert

werden können. „Er hat dadurch die Forschung voran getrieben und mit dazu beigetragen, die Heilungschancen vieler Patienten zu verbessern“, sagte Professor Dr. Dagmar Schipanski, aus deren Händen Professor Stein die Auszeichnung entgegen nahm. 

Prof. Dr. Harald Stein (li.) und Prof. Dr. Dagmar Schipanski (re.) (4) © Swetlana Wall/Fotolia.com


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Schicksal Lungenkrebs? Prominent besetzte Diskussionsrunde

„Wer Lungenkrebs hat, ist doch selbst schuld“ – mit solchen oder ähnlichen Bemerkungen werden viele Betroffene im Laufe ihrer Krankheit konfrontiert. Doch wie jede andere Erkrankung ist auch der Lungenkrebs ein Schicksal, das keinesfalls nur Raucher ereilt – so das Fazit bei einer prominent besetzten Diskussionsrunde in Berlin. Mit von der Partie war der Fernsehmoderator Hugo Egon Balder, der einen nahestehenden Menschen durch Lungenkrebs verloren hat: „Eigentlich sollte ich ja nicht rauchen, aber ich schaffe es einfach nicht aufzuhören“, erklärte er in Berlin. Anders der Schauspieler Sky Du Mont: Nach mehr als 30 Jahren des Rauchens hat er es geschafft, damit Schluss zu machen. Doch dem Schauspieler ist klar, dass er dennoch auf längere Sicht noch ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko hat. Intensiv wurde in Berlin diskutiert, inwieweit die Solidargemeinschaft für die Kosten von Erkrankungen, die durch das Rau-

chen mitbedingt sind, einzustehen hat. Das Problem dabei: Zwar weiß man, dass Rauchen den Lungenkrebs fördert, nicht jeder Patient aber hat zuvor geraucht. Zudem sieht man auch bei anderen Erkrankungen, dass die Lebensführung einen Einfluss auf ihre Entstehung hat, ohne jedoch die Frage der Kostenübernahme zu stellen. Zum Beispiel ist gut bekannt, dass Kinderlosigkeit das Brustkrebsrisiko steigert.

Darstellung in der Tat ein wichtiger Risikofaktor für den Lungenkrebs. Aber es gibt auch andere Faktoren wie Asbest, Radon oder eine vorangegangene Tuberkuloseerkrankung, die die Entstehung von Lungenkrebs fördern. „Lungenkrebs ist zunächst einmal ein Krebs wie jeder andere. Der Vorwurf „selbst schuld“ tut vielen Menschen Unrecht und ist ein billiger Versuch, Hilfe zu verweigern, die man jedem anderen Krebskranken zubil-

„Längst nicht jeder Patient mit Lungenkrebs raucht oder hat geraucht“ Niemand aber würde auf die Idee kommen, einer kinderlosen Frau deshalb die Schuld an ihrer Erkrankung zu geben, hieß es in der von Fernsehmann Ulrich Meyer geleiteten Diskussionsrunde. Außerdem gibt es zahlreiche Fälle, in denen Lungenkrebs nicht durch Rauchen verursacht ist, wie der Krebsmediziner Professor Dr. Norbert Frickhofen aus Wiesbaden bestätigte. Rauchen ist nach seiner

Diskussionsrunde zum Thema Lungenkrebs

ligen würde“, betonte der Mediziner. „Menschen mit Hautkrebs wird doch auch nicht vorgeworfen, sie hätten im Sommer am Strand gelegen. Das wäre doch absurd“, ergänzte Sky Du Mont. „Niemand fragt zudem Darmoder Brustkrebspatienten, ob sie geraucht haben“, betonte Barbara Baysal, die als Vertreterin der Lungenkrebs-Selbsthilfegruppen mit von der Partie war. „Wir, die Lungenkrebspatienten, wünschen uns auch den Verzicht auf solche Fragen, denn nicht jeder Lungenkrebspatient raucht oder hat geraucht.“ Fernsehmoderatorin Sonja Zietlow, deren Vater kürzlich an Lungenkrebs verstorben ist, brachte die Diskussion dann auf den Punkt: „Auch wenn der Einzelne für sein Handeln verantwortlich ist, sollte jeder Patient – unabhängig von der Ursache seiner Krebserkrankung – angemessen behandelt werden.“ 

Sind Männer Vorsorgemuffel? Nur jeder vierte Mann nutzt hierzulande konsequent die Chancen der Krebsfrüherkennung. Immer noch zu gering, aber doch deutlich besser ist die Teilnahme der Frauen bei den Vorsorgeuntersuchungen: So nehmen immerhin sechs von zehn Frauen das Angebot wahr, sich regelmäßig untersuchen zu lassen. Das hat eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker-Krankenkasse (TK) ergeben. Es wurde dabei auch gefragt, warum die Angebote der Früherkennung nicht wahrgenommen werden. Die häufigsten Antworten: „Ich gehe nur zum Arzt, wenn ich krank bin“ und „Ich bin doch gesund“. Die Sorge, die Untersuchung sei unangenehm, ist ebenso wie „Zeitmangel“ ein weiterer Grund, auf die Möglichkeit der Krebsfrüherkennung und damit im Falle eines Falles wahrscheinlich auch auf die Chance einer Heilung durch eine frühzeitige Entdeckung des Tumors zu verzichten. 

Krankenpflege zu Hause Serie zum Thema Patientenrechte

Wenn Krebspatienten einer besonderen Behandlung bedürfen, die sie oder ihre Angehörigen nicht leisten können, die andererseits aber nicht zwingend einen Krankenhausaufenthalt erfordert, besteht die Möglichkeit der häuslichen Krankenpflege. Das bedeutet, dass die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst erfolgt. Dieser sorgt dafür, dass die angeord-

(5) ©bilderbox/Fotolia.com

neten Maßnahmen, also die Gabe von Medikamenten und insbesondere das Setzen von Injektionen, aber auch zum Beispiel Verbandswechsel, wie vom Arzt angeordnet, durchgeführt werden. Die Pflegepersonen helfen außerdem bei der Grundpflege, also bei der Körperhygiene und bei Bedarf auch bei der Nahrungsaufnahme. In Fällen, in denen die betreffenden Patienten sich nicht alleine versorgen können, kann die häusliche Krankenpflege außerdem auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie das Einkaufen oder das Zubereiten von Mahlzeiten umfassen. Die häusliche Krankenpflege ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie muss durch den behandelnden Arzt verordnet und durch die Krankenkassen bewilligt

werden. Sie setzt voraus, dass die Maßnahme medizinisch notwendig ist und dass keine im Haushalt lebende Person den Kranken im erforderlichen Umfang pflegen kann, betont Fachanwältin für Sozialrecht Dr. Astrid von Einem aus Köln. Sie weist aber darauf hin, dass der Haushaltsangehörige, der für die Krankenpflege in Frage kommt, objektiv in der Lage sein muss, die Pflege und Versorgung des Patienten tatsächlich zu übernehmen. Darüber hinaus muss die Hilfeleistung auch subjektiv zumutbar sein. „Dies ist insbesondere bei Kindern und Berufstätigen oft problematisch“, sagt Dr. von Einem. Von Seiten der Rechtsprechung wird außerdem grundsätzlich auch das Einverständnis des Hilfebedürftigen sowie der Pflegeperson für erforderlich gehalten. Wird von der

Im Bedarfsfall übernehmen die Krankenkassen die Kosten der häuslichen Krankenpflege (5) Krankenkasse eine häusliche Pflege abgelehnt, so rät die Fachanwältin in begründeten Fällen zum Widerspruch, um eine Überprüfung des Einzelfalls zu erreichen. Hilfe bieten hierbei insbesondere Rechtsanwälte, die im Sozial- und oder Medizinrecht spezialisiert sind.  Haben Sie Fragen? Die Serie zum Thema Patientenrech-

te entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Rechtsanwaltskanzlei Norbert Bauschert und Dr. Astrid von Einem aus Köln. Wenn Sie Fragen zu Ihren Rechten als Patient haben, können Sie diese an die Lebenswege-Redaktion (Barfüßerstr. 12, 65549 Limburg, info@ wortreich-gik.de) richten. Die Anfragen werden gesammelt und an die Rechtsanwälte weiter geleitet.


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Erste Patientenleitlinie zum Prostatakarzinom Zur Behandlung des Prostatakarzinoms gibt es jetzt neben der S3Leitlinie für Ärzte auch eine erste Patientenleitlinie, die online einzusehen ist. Der Ratgeber trägt den Titel „Prostatakrebs I – lokal begrenztes Prostatakarzinom“ und kann von Interessierten von der Webseite der Deutschen Krebsgesellschaft unter www.krebsgesellschaft.de/patientenleitlinien herunter geladen werden. Die Patientenleitlinie gibt das aktuelle Fachwissen zum Thema Prostatakarzinom in auch von medizinischen Laien gut zu verstehender Sprache wieder. „Wir übersetzen damit die Empfehlungen für Ärzte in allgemeinverständliche Form, so dass auch die Betroffenen über den aktuellen Stand des medizinischen Wissens informiert sind“, erläutert Dr. Johannes Bruns als Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft. Der Ratgeber soll die Patienten darin unterstützen, im Gespräch mit ihren Ärzten die „richtigen“ Fragen zu stellen und sie ermutigen, anstehende Entscheidungen in Ruhe und nach entsprechender Beratung mit dem Arzt sowie mit ihren Angehörigen zu treffen. 

Lesetipp

Wie kann ich helfen? – Leben mit einem an Krebs erkrankten Menschen Wer unsicher ist im Umgang mit Nahestehenden, findet verschiedene Broschüren, die hilfreich sind und erklären, worauf zu achten ist. So informiert zum Beispiel die Broschüre „Wie kann ich helfen? Leben mit einem an Krebs erkrankten Menschen“ umfassend über die verschiedensten Facetten, die im Zusammenleben auftreten können, wenn sich bei einem Partner eine Krebserkrankung entwickelt. Wie ist auf die Diagnose zu reagieren? Wie kann man den Betreffenden bei der Behandlung unterstützen? Wie geht es weiter, wenn er oder sie aus der Klinik nach Hause kommt? Wie geht man mit der langen Zeit der Unsicherheit um und wie verhält man sich, wenn sich die Krankheit verschlimmert? Das alles sind Fragen, auf die es keine pauschalen Antworten gibt. Die Broschüre, die übrigens kostenfrei über „Lebenswege“ zu beziehen ist (siehe Seite 8), bietet jedoch einfühlsam mögliche Wege an, die gemeinsam beschritten werden können. Sie macht dabei auch darauf aufmerksam, dass Angehörige krebskranker Menschen selbst in einer Krisensituation leben und auf ihre eigene Gesundheit achten müssen. Eigene Wünsche und Bedürfnisse sollten nicht im Angesicht der Erkrankung völlig zurück gedrängt werden. Vielmehr ist es wichtig, auch weiterhin Dinge zu unternehmen, die Freude machen, damit die eigene Kraft erhalten bleibt und die Aufgaben im Zusammenleben mit dem an Krebs erkrankten Partner tatsächlich bewältigt werden können. Hilfreiche Informationen bietet ferner die Broschüre „Hilfen für Angehörige“, die in der Reihe „Die blauen Ratgeber“ der Deutschen Krebshilfe erschienen ist. Die Broschüre widmet großen Raum auch der besonderen Situation von Kindern, bei denen ein Elternteil an Krebs erkrankt ist. „Hilfen für Angehörige“ ist ebenfalls kostenfrei erhältlich, und zwar bei der Deutschen Krebshilfe, Buschstr. 32, 53113 Bonn oder direkt via Internet über die Webseite www.krebshilfe.de. 

Nationaler Krebsplan – die Versorgung der Patienten optimieren Ein „Nationaler Krebsplan“ soll dafür sorgen, dass auch künftig alle Krebspatienten optimal versorgt werden können. Wie ehrgeizig die Pläne sind, die von verschiedenen Gesellschaften und Institutionen wie zum Beispiel der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und dem Bundesministerium für Gesundheit getragen werden, hat Professor Dr. Wolff Schmiegel aus Bochum anlässlich des Deutschen Krebskongresses erläutert: „Wir müssen trotz der steigenden Zahl an Krebskranken dafür sorgen, dass auch künftig jeder Patient bestmöglich behandelt werden kann“, sagte Kongresspräsident Schmiegel. Das geht nur, wenn alle Disziplinen optimal zusammenarbeiten. Gewährleistet wird dies in den Krebsorganzentren, also in den bundesweit bereits entstandenen oder entstehenden Brustkrebs-, Darmkrebs-, Prostata- sowie Lungenkrebszentren. Daneben gibt es so genannte onkologische Zentren, in denen mehrere Organkrebszentren zusammen geschlossen sind und in denen ferner auch andere Tumore mit

Frauen mit einem Mammakarzinom, die in einem Brustkrebszentrum behandelt werden, schneiden insgesamt besser ab als andere. (6) entsprechend hohem Qualitätsstandard behandelt werden. Wer in einem solchen Organkrebszentrum behandelt wird, hat deutlich bessere Überlebens- und auch Heilungschancen, berichtet Professor Schmiegel. Das zeigen erste Analysen bei Brustkrebspatientinnen: „Wir haben gesehen, dass Frauen, die in einem Brustkrebszentrum behandelt werden, in allen Bereichen besser abschneiden als Frauen, die außerhalb solcher Zentren therapiert werden.“ Bevor man sich in einem „Zen-

trum“ behandeln lässt, sollte man sich laut Schmiegel aber vergewissern, dass es sich tatsächlich um eine entsprechend qualifizierte Einrichtung handelt. Das setzt voraus, dass die Klinik durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert ist. Ob dies der Fall ist, sollte man direkt in der jeweiligen Klinik nachfragen. Man kann es im Zweifelsfall auch auf der Internetseite der Deutschen Krebsgesellschaft (www.krebsgesellschaft.de, Stichwort: zertifizierte Zentren) nachschauen. 

Krebs – auch die Angehörigen brauchen Hilfe Die Diagnose Krebs belastet die ganze Familie sicher ist, wie man mit dem Erkrankten umgehen soll. Soll man über die Krankheit und ihre möglichen Folgen sprechen oder lieber so tun, als wenn nichts wäre? Wie lässt sich erspüDie eigene Lebensplanung wankt, wenn ren, was der Betreffende braucht, wie es ihm Angehörige an Krebs erkranken (7) geht und wie er mit Jede schwere Erkrankung ist nicht der Situation klar kommt? Scheu nur für die Betroffenen eine er- macht sich breit, vieles bleibt unhebliche Bürde, sondern auch gesagt, Ängste werden nicht befür die Angehörigen. Es ist im- wältigt. mer schockierend, wenn bei einem Familienmitglied oder auch bei einem engen Freund die Diagnose „Krebs“ gestellt wird. Nicht selten benötigen die Angehörigen selbst ebenfalls medizinische Doch es hilft niemandem, wenn und/oder psychologische Hilfe, jeder dem anderen vorspielt, gut um den eigenen Schmerz verar- klar zu kommen und die Vorstellung, man müsse immer stark beiten zu können. Wichtig ist, dass man sich sein, ist völlig fehl am Platze. selbst Zeit nimmt, die Diagnose Auch übertriebene Fürsorge tut zu verkraften, sich über die Er- nicht gut. Ein offenes Wort wäre krankung und ihre Behandlung meist besser für alle Beteiligten. zu informieren, und dass man Denn auch den Krebspatienten nach und nach lernt, mit der Si- plagen oft Ängste und die Sorge, tuation umzugehen. Es ist dabei mit der eigenen Erkrankung den normal, dass man zunächst un- Partner zu belasten. Besser als das

Schweigen ist es, als Angehöriger und auch als Krebskranker die Situation und die eigenen Gefühle darin anzusprechen, sich gegenseitig zu sagen, was man braucht, wie man empfindet, wie unsicher man ist, welche Ängste und Sorgen einen plagen. Aber nicht jeder kann heikle Themen ansprechen und es gibt Menschen, die sich aus Sorge, nicht die richtigen Worte zu finden, emotional in sich zurückziehen. Das aber ist die denkbar schlechteste Lösung. Vielmehr

„Es ist eine falsche Vorstellung zu glauben, man müsse immer stark sein“ sollte man in einer solchen Situation versuchen, Hilfe von außen zu erhalten, sei es über eine Selbsthilfegruppe, eine Patientenorganisation wie etwa die Deutsche Krebshilfe, über Einrichtungen, die psychosoziale Beratungen anbieten, oder auch über ein offenes Wort mit dem behandelnden Onkologen oder vielleicht besser noch mit dem betreuenden Hausarzt. 

(6) Pitopia, (7) © Carmeta/Fotolia.com


Lebenswege

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Schwimmen, Aquajogging – Bewegung im Wasser Serie Bewegung und Sport

Bewegung im Wasser ist auch für viele Krebspatienten vorteilhaft (8)

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beim Aquajogging durch spezielle Gürtel als Auftriebshilfen noch steigern. Neben dem Aquajogging, das dem Jogging an Land ähnelt, ist auch Aquagymnastik möglich. Diese zielt vor allem darauf ab, die Koordinationsfähigkeit und die Mobilität zu steigern, während das Aquafitness anstrengender ist und mehr auf eine Steigerung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit abzielt. Zu nennen ist schließlich noch Aqua-NIA, das sich an fernöstliche Kampfsportarten anlehnt und Körper und Geist in Einklang

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Hyperthermie unterstützt die Wirkung der Chemotherapie

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Aquafitness, Aquajogging, Aquagymnastik oder auch Aqua-NIA – Wasser bietet auch neben dem Schwimmen viele Möglichkeiten, seine körperliche Fitness zu trainieren. Durch die gegenüber der Luft weitaus höhere Dichte des Wassers bekommt der menschliche Körper Auftrieb und fühlt sich sehr viel leichter an. Das wirkt vor allem bei Ödemen und/oder Gelenkbeschwerden entlastend. Die Betroffenen können im Wasser oft ohne Schmerzen sportliche Übungen absolvieren und ihre Leistungsfähigkeit steigern. Dieser Effekt lässt sich zum Beispiel

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Gezielte Hitzebehandlung beim Weichteiltumor

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bringen soll. Die Bewegung im warmen Wasser ist zudem entspannend und hat damit auf Menschen, die angespannt sind, besonders vorteilhafte Effekte. Außerdem wirkt die Wasserzirkulation wie eine leichte Massage, wovon Patienten mit Lymphödemen profitieren können. Auch für Krebspatienten mit Knochenmetastasen ist die Bewegung im Wasser vorteilhaft. „Sie können körperlich aktiv sein, ohne Knochenbrüche fürchten zu müssen“, berichtete HermannJosef Stefes bei einem Symposium der Deutschen Sporthochschule in Köln. Allerdings muss vor dem Bewegungsprogramm mit dem Arzt geklärt werden, ob der Wassersport gefahrlos möglich ist. Vor-

Die zusätzliche Anwendung einer gezielten Hitzebehandlung (Hyperthermie) kann bei Menschen mit einem Weichteiltumor (Sarkom) den Prozentsatz derjenigen, die gut auf die Chemotherapie ansprechen, deutlich erhöhen. In einer Untersuchung bei mehr als 340 Patienten konnte der Münchener Mediziner Professor Dr. Rolf Issels zeigen, dass Patienten, die neben der Chemotherapie auch die Hitzebehandlung erhielten, länger tumorfrei bleiben und auch insgesamt länger leben. Nach zwei Jahren waren noch 76 Prozent der Patienten in der Hitzetherapiegruppe ohne Fortschreiten der Tumorerkrankung am Leben. In der Patientengruppe, die nur die Chemotherapie erhalten hatten, waren es nur 61 Prozent, berichtete der Mediziner beim Europäischen Krebskongress in Berlin. Die guten Ergebnisse sollten nach Meinung von Professor Issels Anlass sein, die Möglichkeiten der Hyperthermie auch bei weiteren Tumorerkrankungen zu untersuchen. 

sicht ist beispielsweise geboten, wenn Operationsnarben noch nicht richtig verheilt sind, wenn eine Infektion besteht, der Kreislauf labil ist oder ein unkontrollierter hoher Blutdruck bekannt ist. Auch wenn das Immunsystem geschwächt ist, sollte von der Bewegung im Wasser erst einmal Abstand genommen werden. Bestehen keine gesundheitlichen Bedenken, so kann in aller Regel sechs bis acht Wochen nach der Krebsoperation und drei Wo-

„Botschafterin gegen den Krebs“ Interview mit Janine Pietsch

Die erfolgreiche deutsche Schwimmerin Janine Pietsch erkrankte im Jahre 2008 an Brustkrebs. Im Interview mit „Lebenswege“ erläutert die junge Frau, wie sie die Krankheit bewältigt hat und warum sie sich nun in Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) als „Botschafterin gegen den Krebs“ engagiert. Frau Pietsch, Sie machen sich als „Botschafterin gegen den Krebs“ stark. Was möchten Sie mit diesem Engagement erreichen? Ich möchte damit erreichen, dass sich vor allem jüngere Frauen mehr mit dem Thema Krebs befassen und frühzeitig Vorsorge betreiben. Zusammen mit der Deutschen Krebsgesellschaft versuche ich, zu mehr Prävention zu motivieren, um so die Zahl der Menschen zu senken, die an Krebs erkranken. Außerdem machen wir uns dafür stark, durch Früherkennung die Überlebenschancen von Tumorpatienten zu erhöhen und durch Fortschritte in der Forschung die Lebensqualität von Menschen mit Krebs zu verbessern. (8) © fotografiche.eu/Fotolia.com

Wie haben Sie selbst Ihre Krebserkrankung erlebt? Wie belastend war die Therapie? Als ich die Diagnose bekam, war es ein großer Schock – ich habe aber sehr schnell angefangen zu kämpfen und habe immer versucht, nach vorne zu schauen. Die Therapie war sehr, sehr hart, aber das Wissen, dass sie mir hilft,

Janine Pietsch

hat mich angespornt, nicht aufzugeben. Wie wichtig ist aus Ihrer Erfahrung Sport in Bezug auf eine Krebserkrankung? Man muss unterscheiden zwischen normaler sportlicher Aktivität und dem Leistungssport, den ich betrieben habe, der sicherlich nicht dazu

beiträgt, einer Krebserkrankung vorzubeugen. Ganz anders kann das beim normalen Breitensport aussehen, wobei ich vor allem einen moderaten Ausdauersport für alle Menschen für wichtig erachte. Was kann durch sportliche Aktivität bewirkt werden? Ich bin fest davon überzeugt, dass sportliche Aktivität auch während einer Krebsbehandlung hilfreich ist, um rascher wieder körperlich fit zu werden. Wie intensiv Sport betrieben wird, muss aber jeder anhand seiner individuellen Situation entscheiden. Mir selbst fiel es sehr schwer, während der Behandlung Sport zu treiben, aber ich habe versucht, jeden Tag wenigstens eine halbe Stunde spazieren zu gehen. Die Deutsche Krebsgesellschaft ist ein sehr kompetenter Ansprechpartner in jeglichen Fragen rund um das Thema Krebs bis hin zur Frage nach geeigneten Sportarten. Man sollte sich außerdem nicht scheuen, dieses Thema mit seinem behandelnden Arzt zu besprechen. Meiner Meinung nach ist moderater Ausdauersport wie

chen nach einer Strahlenbehandlung mit dem Training begonnen werden. War eine Chemotherapie erforderlich, so ist die Situation individuell sehr unterschiedlich und es sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, ab wann Schwimmen und allgemein Wassersport erlaubt ist. Bei einer Immunbehandlung oder einer Hormontherapie kann dagegen jederzeit ein Bewegungsprogramm im Wasser aufgenommen werden. 

Impressum Herausgeber: WORTREICH Gesellschaft für individuelle Kommunikation mbH, Barfüßerstr. 12, 65549 Limburg/Lahn, Tel.: 06431/59096-0, Fax: 06431/ 59096-11, info@wortreich-gik.de Verantwortliche Redaktion: Christine Vetter, Köln freie Mitarbeit: Dr. med. Klaus Steffen Grafik: Inken Pöhlmann, Bremerhaven Druck: Kessler, Druck+Medien, Bobingen „Lebenswege“ wird gefördert von der Roche Pharma AG, GrenzachWyhlen.

das Walken, Joggen, Schwimmen und Rad fahren zur Vorsorge und auch zur Nachsorge von Krebserkrankungen die beste Möglichkeit, um sich fit zu halten. Wie stark dürfen und sollten Krebspatienten sich sportlich belasten? Das sollte jeder für sich selbst herausfinden und mit den Ärzten besprechen – wichtig ist: Man sollte sich bei der sportlichen Betätigung immer wohl fühlen.  Frau Pietsch, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.


Lebenswege

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„Klage- und Jubelmauer“ Kunstwerk von Krebspatientinnen geht auf „Wanderschaft“

Eine Krebserkrankung konfrontiert den betroffenen Menschen nicht nur mit dem Schmerzhaften und dem Leidvollen. „Sie gewährt auch die Chance, die Kostbarkeiten und Schönheiten des Lebens neu zu entdecken“, sagt Dr. Sylvia Brathuhn, Vorsitzen-

de des Landesverbandes Frauenselbsthilfe nach Krebs RheinlandPfalz/Saarland. Menschen, die es schaffen, sich diesem Gedanken zu öffnen, führt die Erkrankung nach ihren Worten nicht selten zu dem, was ihnen wichtig und wesentlich ist und sie glücklich

Krebs – wie zwischen Zahnräder geraten

Termine

Die „1. Hertener Krebstage“ werden vom 16. bis 17. April 2010 in Herten. stattfinden. Das Motto der Informationsveranstaltung lautet „Krebs – Herausforderung für Körper, Geist und Seele“. Veranstalter ist Lotus-Care e. V., eine Selbsthilfeorganisation onkologisch und hämatologisch Erkrankter und deren Angehöriger. Weiterführende Informationen gibt es unter 02366/503610 oder über die Webseite www.selbsthilfe-lotus-care.de. 

Aus 94 einzelnen kleinen Kunstwerken besteht die „Klage- und Jubelmauer“. Schmerzhafte und das Leidvolle“ der Erkrankung, aber auch über „das Helle, das Freudvolle und das Kostbare“. Entstanden ist, so schreibt es eine der Frauen der Selbsthilfegruppe, „ein Konzentrat aus Freude und Qual, Leben und Tod, Angst und Hoffnung“. Die „Klage- und Jubelmauer“ ist seit Ende des vergangenen Jahres „auf Wanderausstellung“ und wird in verschiedenen AOKGeschäftsstellen gezeigt. 

Haarausfall – wie ist die Kopfhaut zu pflegen? Serie Hautpflege und Kosmetik-Tipps Wenn durch die Chemotherapie die Haare ausfallen, ist meist eine besondere Pflege der Kopfhaut erforderlich. Denn die vormals behaarte Hautpartie reagiert oft besonders sensibel. Durch den plötzlichen Haar-

Wenn durch die Chemotherapie die Haare ausfallen, ist eine gute Pflege der Kopfhaut wichtig. (9)

ausfall ist diese Hautpartie nicht so gut an Kälte und Wärme, an Druck und Zugluft gewohnt wie andere Hautregionen. Sie wird daher zunächst oft schuppig und juckt und bedarf beim täglichen Pflegeprogramm ganz besonderer Aufmerksamkeit. „Die Kopfhaut kann dabei aber mit den normalen Pflegeprodukten, die auch für das Gesicht benutzt werden, behandelt werden“, erklärt Kosmetikerin Marion Wehmeier aus Köln. Die Kopfhaut sollte ebenso wie das Gesicht morgens und abends sorgfältig gereinigt werden. Danach ist entsprechend wie im Gesicht eine dem Hauttyp angepasste, pflegende Creme aufzutragen. Übrigens ist bei der Pflege der Kopfhaut wie auch ganz allgemein eine ausreichende Hygiene wichtig. Deshalb sollte Pflege-

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Der „4. Krebsaktionstag“ findet am 28. Februar 2010 im Rahmen des 29. Deutschen Krebskongresses in Berlin statt. Die Informationsveranstaltung richtet sich an Krebskranke, Angehörige und Interessierte. Veranstaltungsort ist das Kongresszentrum ICC, der Eintritt ist kostenfrei. Weitere Informationen gibt es unter der Webseite www.dkk2010.de 

macht. Neben das Klagen könne dann nicht selten Dankbarkeit und sogar Jubel treten. „Klagen und Jubeln – alles hat und braucht (m)eine Zeit“ hieß daher das Motto einer ungewöhnlichen Aktion, die anlässlich des 30jährigen Bestehens des Landesverbandes gestartet wurde. Maßgeblich initiiert durch die Künstlerin und stellvertretende Landesvorsitzende Ingrid Wolff haben Mitglieder der Selbsthilfegruppe ihrem eigenen Erleben von Jubeln und Klagen im Zusammenhang mit ihrer Krebserkrankung ideenreich und phantasievoll Ausdruck verliehen. 94 Exponate sind entstanden, die zu einer eindrucksvollen „Klage- und Jubelmauer“ zusammengefügt wurden. Viele der Exponate wurden dabei in der Gruppe erarbeitet als Folge gemeinsamer Gespräche über „das Dunkle, das

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Weitere Stationen der „Klage- und Jubelmauer“ 20.2. - 29.3.2010 AOK Trier 30.3. - 29.4.2010 Gemeinschaftsklinik Kemperhof Koblenz 30.4. - 24.5.2010 AOK Mainz 25.5. - 24.6.2010 AOK Ludwigshafen 26.6. - 25.7.2010 AOK Kaiserslautern 26.7. - 22.8.2010 AOK Landau

Haarschonende Chemotherapie

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creme am besten mit einem kleinen Spachtel aus dem Cremetopf entnommen werden. Es empfiehlt sich, diesen nach jedem Gebrauch mit Alkohol zu reinigen, um Verunreinigungen der Pflegecreme zu vermeiden. Alternativ kann die Creme auch mit einem Wattestäbchen, das anschließend weggeworfen wird, aus dem Töpfchen geholt und auf die Haut aufgebracht werden. 

Vor allem für Frauen ist es sehr belastend, wenn als Folge der Chemotherapie die Haare ausfallen. Ob diese Nebenwirkung auftritt und wie ausgeprägt der Haarausfall ist, hängt wesentlich von den eingesetzten Zytostatika ab. Die Haare wachsen zwar nach Beendigung der Chemotherapie innerhalb einiger Wochen und Monate wieder nach, die haarlose Zeit ist aber für viele Frauen schwer zu ertragen. Es lohnt sich deshalb, vor Beginn der Chemotherapie mit seinem Arzt zu besprechen, ob nicht haarschonende Zytostatika eingesetzt werden können. Übrigens werden oftmals so genannte Kältehauben empfohlen, um dem Haarausfall entgegen zu wirken. Die Kühlhauben sind aber wenig wirksam, das Verfahren an sich ist recht umstritten. 

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(9) © Cleomiu/Fotolia.com

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PLZ, Ort  Broschüre: Wie kann ich helfen?

 Broschüre: Leben mit Darmkrebs

 Zeitung: Lebenswege E-Mail

Lebenswege - Zeitschrift für Krebspatienten und ihre Angehörigen Ausgabe 34  

Ausgabe 34, Februar 2010 der Lebenswege - Zeitschrift für Krebspatienten und ihre Angehörigen

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