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Lebenswege n!

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Ausgabe 29 · April 2009

Forum für Krebspatienten und ihre Angehörigen Vorsicht vor UV-Strahlung

Menschen mit Krebs müssen sich in besonderem Maße vor ihr in Acht nehmen, denn ihre Haut reagiert besonders empfindlich. Wer die wärmenden Sonnenstrahlen genießen möchte, sollte deshalb seine Haut durch eine Creme mit hohem Lichtschutzfaktor schützen. Das so genannte „Vorbräunen“ im Solarium ist keine Lösung. Im Gegenteil: Zum einen erhöht die durch die UV-Strahlung auf der

diese Strahlung hautkrebsfördernd wirken. Das gilt vor allem, wenn bereits in jungen Jahren mit dem „künstlichen Bräunen“ begonnen wird. Präventionsmediziner warnen deshalb vor einem regelmäßigen Besuch auf der Sonnenbank, was jüngst sogar zu einem Gesetzesentwurf für ein Solarienverbot für Minderjährige geführt hat.  Siehe Seite 8

Patientenverfügung – macht das Sinn? Wünsche zur medizinischen Versorgung niederschreiben Das Thema „Patientenverfügung“ hat in den Medien in den vergangenen Wochen und Monaten große Aufmerksamkeit erhalten. Der Grund: Es gibt aktuell mehrere Gesetzesvorschläge, wie die Rechtsverbindlichkeit solcher Erklärungen zu regeln ist. Üblicherweise wird in der so genann-

INHALT Seite Fortschritte bei Leukämie

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Krebserkrankung bei Migranten

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Sarkome oft spät erkannt

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Rekonstruktion der Brust

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Alarmzeichen für Magenkrebs

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PaPaSu – Patienten-Partnersuche 8

ten Patientenverfügung festgelegt, was bei einem konkret beschriebenen Krankheitszustand an medizinischen Maßnahmen gewünscht ist und was unterlassen werden sollte. Es geht zum Beispiel um die Frage, ob der Betreffende lebensverlängernde Maßnahmen wünscht und wenn ja, welche. Wer eine Patientenverfügung verfassen will, sollte sich in jedem Fall zuvor ausführlich mit einem Arzt seines Vertrauens beraten und gegebenenfalls auch einen entsprechend versierten Rechtsanwalt und/oder Notar konsultieren. Weiterführende Informationen rund um das Thema „Patientenverfügung“ gibt es außerdem auf der Webseite des Bundesjustizministeriums unter www.bmj.

In der Patientenverfügung Wünsche zu medizinischen Maßnahmen formulieren. (3) bund.de, wo kostenfrei auch eine Informationsbroschüre zu der Thematik bestellt werden kann. 

(1) Shutterstock, (2) Fotolia, (3) Fotolia

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UV-Strahlung fördert Hautkrebs – beim ungeschützten Sonnenbaden und auch beim ausgedehnten „künstlichen Bräunen“ im Solarium. (1)

Sport und Bewegung statt körperlicher Schonung Früher wurde Krebspatienten geraten, sich körperlich zu schonen. Das ist passé. Denn es besteht kein Zweifel mehr daran, dass Bewegung und sogar sportliche Aktivität auch Krebspatienten gut tut. Regelmäßig Sport zu treiben, kann nicht nur einer Krebserkrankung vorbeugen, sondern auch dazu beitragen, dass Menschen mit Krebs schneller genesen und weniger unter Begleiterscheinungen der Erkrankung und ihrer Behandlung leiden. „Vor allem der belastenden Tumormüdigkeit lässt sich durch Bewegung und Sport entgegen wirken“, sagt Dr. Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule in Köln. An dem Kölner Institut haben sich Dr. Baumann und seine Mitarbeiter intensiv mit dem Thema „Bewegung und Sport bei Krebserkrankungen“ auseinander gesetzt. Am Nutzen einer regelmäßigen körperlichen Aktivität ist dabei nicht mehr zu zweifeln. Der Sportwissenschaft-

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Sonnenbank erzeugte Hautbräunung nicht den Eigenschutz vor der Sonne, zum anderen kann auch

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Mit dem Frühjahr gibt es die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. So wohltuend die Sonne auch ist,

Aktiv gegen den Krebs

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ler fordert deshalb ein Umdenken in Sachen Sport: „Krebspatienten sollten nicht fragen, was in sportlicher Hinsicht nicht mehr geht, sondern welchen Sport sie problemlos betreiben können“.

Ein paar Grundregeln sind dabei zu beachten, im Prinzip aber ist auch bei Krebserkrankungen nach Abschluss der akuten Phase laut Baumann kaum eine sportliche Betätigung verboten. Was geht und worauf zu achten ist, soll in den kommenden Monaten in „Lebenswege“ in Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule beispielhaft vorgestellt werden.  Körperlich aktiv sein – wichtig für Krebspatienten. (2)

Siehe Seite 5

Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen – da gibt es Hilfe Palliativmedizinische Behandlung Eine Krebserkrankung ist für den Körper eine extreme Belastung. Das gleiche gilt für die Krebstherapie, mit der versucht wird, die bösartigen Zellen aus dem Körper zu eliminieren. Dabei nehmen sehr häufig auch gesunde Zellen und Organe Schaden. Kein Wunder also, dass es oft unter der Behandlung zu Beschwerden kommt, von Übelkeit und Erbrechen angefangen, über Schmerzen bis hin zu Atemnot und Schwierigkeiten bei der Ernährung. Auch können psychische Probleme auftreten. Das alles sind Situationen, in denen die Patienten umfassende Hilfe benötigen. Palliativmedizin, so heißt der Bereich der Krebsbehandlung, in dem es darum geht, nicht den Tumor direkt zu attackieren, sondern die Beschwerden, die mit der Erkrankung und ihrer Behandlung verbunden sind, zu lindern und zu beherrschen. „Jeder Krebspatient hat ein Recht darauf, eine bestmögliche palliativmedizinische Betreuung zu erhalten und das unabhängig davon, wie seine Heilungschancen sind“, sagt Professor Dr. Michael Stahl aus Essen. Der Onkologe und Palliativmediziner fordert Krebspatienten auf, Beschwerden, die im Verlaufe einer Krebserkrankung praktisch während jeder Krankheitsphase auftreten können, dem Arzt gegenüber anzugeben und um Hilfe nachzufragen. „Denn Tumortherapie, das bedeutet mehr als nur Operation, Chemotherapie und Strahlenbehandlung“, sagte der Mediziner kürzlich bei einem Ärzte-Symposium in Essen. „Es bedeutet vielmehr, dass die betroffenen Patienten wie auch ihre Angehörigen eine umfassende und optimale Therapie erhalten, um bestmöglich mit der Krebserkrankung fertig werden zu können“. 


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NACHRICHTEN Menschen mit Schizophrenie erkranken auffallend selten an Krebs. Japanische Wissenschaftler vermuten, dass dies mit dem bei der Schizophrenie erhöhten Spiegel des Botenstoffs Dopamin zu tun hat. Dieser regelt verschiedene Stoffwechselvorgänge im Körper. Bei Mäusen konnten die Forscher nachweisen, dass Dopamin auch hemmend auf das Tumorwachstum wirkt.  Inwieweit Kräuter gegen Krebs hilfreich sein können, wird zurzeit am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg untersucht. Dort werden 76 chinesische Medizinalpflanzen systematisch dahingehend analysiert, ob sie das Krebswachstum hemmen. Anhand der Pflanzen-Extrakte konnte dies bereits bei 18 der untersuchten Pflanzen demonstriert werden, wie in einer Mitteilung der Forschungseinrichtung berichtet wird.  Auf neue Strategien im Kampf gegen den schwarzen Hautkrebs hoffen die Wissenschaftler im nationalen Forschungsverbund zur Entwicklung neuer Therapieformen gegen maligne Melanome. Zwei Projekte der Universität Würzburg sind besonders erfolgversprechend: Dort wurden bei einer Fischart, die ebenfalls Hautkrebs entwickelt, Moleküle entdeckt, die sich als Marker oder als Ansatzpunkt für eine Therapie eignen könnten. In einem zweiten Projekt wird untersucht, ob auch der schwarze Hautkrebs analog wie der Darmkrebs möglicherweise über bestimmte Vorstufen entsteht. Das könnte dann die Entwicklung neuer Therapieansätze ermöglichen.  Ein Teil der Strahlentherapie kann beim Brustkrebs punktgenau schon während der Operation absolviert werden. Möglich ist dies durch die so genannte „intraoperative Radiotherapie“, kurz IORT. Dabei führen die Ärzte einen kugelförmigen Strahlenkopf direkt in die Wundhöhle ein. So können sie die erforderliche Strahlenmenge exakt dosieren. Diese ist am Zielort sehr hoch und fällt zur Umgebung steil ab, wodurch der Tumor effektiv bestrahlt, das umliegende Gewebe aber geschont wird. Geprüft wird derzeit, ob die neue Methode in bestimmten Fällen die herkömmliche Strahlentherapie ersetzen kann. 

Antikörper bringt Fortschritte bei der Leukämiebehandlung Interview mit Professor Dr. Michael Hallek, Köln

Prof. Dr. Michael Hallek Zwar ist die definitive Heilung der chronischen lymphatischen Leukämie, abgekürzt als CLL, außer durch eine Stammzelltransplantation bislang noch nicht möglich, die Behandlungschancen sind aber deutlich besser geworden. So können die Betroffenen weitaus länger ein ganz normales Leben führen, wenn sie zusätzlich zur Chemotherapie den Antikörper Rituximab erhalten. Das hat jüngst die CLL-8-Studie, eine große internationale Studie, die von Kölner Wissenschaftlern initiiert und geleitet wurde, gezeigt. Die Bedeutung der Ergebnisse erläutert Studienleiter Professor Dr. Michael Hallek in einem Interview. Herr Professor Hallek, was ist das wichtigste Ergebnis der CLL-8-Studie? Die Untersuchung belegt, dass sich die Chance der Patienten, einen Krankheitsstillstand, also eine komplette Remission, zu erreichen, praktisch verdoppelt. Sie steigt von rund 22 Prozent auf 44 Prozent an, wenn die Patienten

nicht nur die übliche Chemotherapie erhalten, sondern zusätzlich den Antikörper Rituximab. Durch die Antikörper-Behandlung wird außerdem die Zeit, in der die Patienten ohne Zeichen eines Fortschreitens der Erkrankung bleiben – wir Mediziner sprechen dabei vom progressionsfreien Überleben – statistisch eindeutig verlängert und das im Durchschnitt um 10 Monate. Wird auch die gesamte Lebenszeit verlängert? Es gibt Hinweise dafür, aber erst als Trend, noch nicht als eindeutiges Ergebnis. Das liegt daran, dass die Beobachtungszeit der Studie hierfür noch zu kurz ist. Aber wir wissen schon, dass zwei Jahre nach Beginn der Behandlung von den Patienten, die die herkömmliche Chemotherapie erhalten, noch 88 Prozent leben und von denjenigen mit Antikörperbehandlung sogar 91 Prozent. Das sind hoffnungsvolle Daten, die darauf hinweisen, dass deutlich mehr Patienten für mehrere Jahre länger ein ganz normales Leben führen können. Was bedeutet konkret mehrere Jahre? Wir erwarten, dass Patienten, die eine Kombination aus Chemo- und Antikörpertherapie erhalten, etwa fünf bis sieben Jahre Zeit bleibt, bis es zum Fortschreiten der Erkrankung kommt und eine erneute Behandlung notwendig wird.

Wird man dann die Behandlung wiederholen können? Nach heutigem Wissensstand kann man die gleiche Behandlung dann wiederholen. Aber ich bin sicher, dass sich die Fortschritte, die wir in jüngster Zeit sehen, auch künftig weiter fortsetzen. Ich gehe deshalb davon aus, dass wir in fünf bis sieben Jahren noch weitaus bessere Behandlungsmöglichkeiten entwickelt haben. Durch den neuen Standard der kombinierten Chemo- und Antikörpertherapie gewinnen wir daher für die Patienten wertvolle Zeit.

Wer ist aus Ihrer Sicht ein Kandidat für die Antikörperbehandelung? Entsprechend dem Ergebnis der CLL-8-Studie sollten alle Patienten, die körperlich in guter Verfassung und ausreichend fit sind, eine solche Behandlung erfahren, wenn die Diagnose einer aktiven CLL gestellt wird. Bis zu welchem Alter? Es gibt keine Altersgrenze. Wir haben in der Studie vielmehr ge-

Wie steht es mit den Nebenwirkungen des Antikörpers? Der Antikörper ist gut verträgAntikörper (blau) wie Rituximab binden sich an lich und weitaus weniger be- weiße Blutzellen und aktivieren das Immunsystem im Kampf gegen Tumore. lastend für die Patienten als die Chemotherapie. Man sieht un- sehen, dass die Patienten in allen ter der Behandlung etwas häufi- Altersgruppen von der modernen ger einen Rückgang der weißen Behandlung profitieren und es Blutkörperchen, aber es kommt gibt somit keinen Grund, älteren nicht häufiger zu Infektionen Patienten, die körperlich fit sind, oder gar schweren Infektionen. eine solche Behandlung zu ver Außerdem kommt es durch den wehren. Antikörper nicht zu mehr Übelkeit oder verstärktem Haaraus- Herr Professor Hallek, haben Sie vielen Dank für das Gespräch. fall.

LESERBRIEFE

„Tanzend zurück ins normale Leben“

(4) Zu unserem Bericht „Tanzend wieder zu Lebendigkeit und Kraft finden“ in der Ausgabe Lebenswege 1/2009 erreichte uns nachfolgende Zuschrift: „Als Betroffene möchte ich

die Tanztherapie, die für mich ein elementarer Bestandteil der Nachsorge geworden ist, nicht mehr missen. Nirgendwo sonst gibt es die Möglichkeit, die mit der Krebserkrankung verbunde-

nen Ängste und Probleme auch auf nonverbale Art aufzuspüren und auszudrücken – und damit zu überwinden. Die Tanztherapie ist für uns weit mehr als eine Selbsthilfegruppe: Wir alle staunen bei jedem Treffen aufs Neue, wie viel Kraft und Lebensfreude uns das Tanzen (zurück)gibt, wie sehr uns das angeleitete Tanzen hilft, uns im eigenen erkrankten Körper wieder wohl zu fühlen, vor allem auch körperliche Veränderungen zu akzeptieren und so wieder Selbstvertrauen zu gewinnen. Auf diese Weise hilft uns das Tanzen, zurück ins „normale“ Leben zu finden. Teilnehmerinnen unserer Gruppe, die sich noch in chemo- oder strahlentherapeutischer Behand-

lung befinden, berichten, dass sie durch das Tanzen sogar während der belastenden Therapien ein besseres Körperbefinden erlangen, die Nebenwirkungen der medizinischen Therapien so besser ertragen oder sogar als gemindert empfunden werden. Und wir alle spüren, wie die Tanztherapie das Vertrauen in uns und unsere Selbstheilungskräfte stärkt, weil die Kombination aus Tanzen, Gesprächen und Malen uns eine einmalige Form der Krankheitsverarbeitung ermöglicht, die keine Physio- und keine Psychotherapie so bieten kann.“  Tina Sponheimer-Gast, Berlin

(4) Pitopia


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Fragen, fragen und nochmals fragen

Kölner Gesundheitswegweiser für Migranten

Geduld ist wichtig, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist Die Diagnose Krebs ist für jeden Betroffenen eine enorme Belastung. Besonders schwer ist die Situation für Menschen, bei denen Deutsch nicht die Muttersprache ist. Vor allem Migranten, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind, tun sich mit dem Medizinbetrieb hierzulande schwer. „Viele von ihnen kennen die Strukturen nicht, wissen nicht, welche Rechte sie als Patient haben und an wen sie sich im konkreten Fall wenden sollen“, sagt Arif Ünal, der in Köln das „Gesundheitszentrum für Migranten“ leitet. Grundsätzlich hat jeder, der in Deutschland lebt und arbeitet, wie auch jeder gebürtige Deutsche das Recht auf eine gute medizinische Versorgung. „Das aber wissen viele Migranten nicht“, sagt Ünal. Hin-

ihn verstanden haben. „Tatsächlich verstehen sie oft aber nur einen Bruchteil, schämen sich aber, dies zuzugeben“, so der Kölner Mediziner und Sozialarbeiter. So entstehen Missverständnisse und Ängste bei den Betroffenen. Und das Gefühl des Ausgeliefertseins, wenn es um die Diagnose Krebs und um die belastenden Folgen der Behandlung geht. Was in dieser Situation hilft? „Fragen, fragen und nochmals fragen“, sagt Ünal. Er rät Migranten dazu, sich umfassend zu informieren, wie und wo sie Hilfe im Krankheitsfall erhalten und das von den Vorsorge- und Früherkennungs-Untersuchungen über die ambulante und stationäre Behandlung bis zur Nachsorge. Besonders wichtig ist dies, wenn entscheidende Gespräche anste-

Migranten sollten sich einen Hausarzt suchen, der aus ihrem Kulturkreis stammt und ihre Sprache spricht. (5) zu kommen sehr häufig sprachliche Probleme, und das vor allem bei älteren Menschen, die nicht hier geboren und aufgewachsen sind. Zu schnell sagen sie oft einfach ja, wenn der Arzt fragt, ob sie

hen und auch wenn es um die psychischen Belastungen durch die Krebserkrankung und deren Behandlung geht. Dann sind Migranten laut Ünal gut beraten, sich fachkompetenten Rat zu suchen,

Informationen in türkischer und russischer Sprache Die DVD „Herausforderung Brustkrebs“ der Kampagne „Durch die Brust ins Herz – Herausforderung Brustkrebs“ ist ebenso wie die zugehörigen Informationsbroschüren kostenfrei in russischer, türkischer und englischer Sprache zu erhalten. „Neben den Ängsten und Sorgen, die die Krankheit auslöst, verstärken Sprachbarrieren das Ohnmachtsgefühl, das die Betroffenen in dieser Situation spüren. Die DVD „Herausforderung Brustkrebs“ kann dazu beitragen, dieses Gefühl der Hilflosigkeit abzubauen“, sagt Hülya Özkan, TV-Moderatorin und Schirmherrin des Projektes. DVD und Broschüren können angefordert werden bei „Durch die Brust (5) Pitopia, (6) Shutterstock

ins Herz – Herausforderung Brustkrebs“, art tempi, Maria-HilfStr.15, 50677 Köln. 

TV-Moderatorin Hülya Ozkan

Arif Ünal dies am besten bei einer Vertrauensperson, die in der jeweiligen Landessprache aufgewachsen ist und die medizinischen Zusammenhänge versteht. Keinesfalls reicht es, einen Übersetzer hinzuziehen oder gar ein Familienmitglied zu bitten, das ArztPatienten-Gespräch zu übersetzen. Denn es kann bei den Ehepartnern und ebenso bei den Kindern andere Interessenslagen geben, die das Gespräch und den Betroffenen selbst in seiner Entscheidungsfähigkeit beeinflussen. „Davon abgesehen verlangt das Aufklärungsgespräch eine gewisse Fachkompetenz beim Übersetzer, damit dieser die Botschaft des Arztes tatsächlich richtig weitergibt“, betont Ünal. 

Bei der Suche nach einem Arzt aus dem eigenen Kulturkreis hilft der “Kölner Gesundheitswegweiser für Migrantinnen und Migranten“, den das Gesundheitszentrum für MigrantInnen, mit der AG Migration und Gesundheit für die Stadt Köln, erarbeitet hat. In der Broschüre sind die regional tätigen Ärzte anderer Kulturen nach medizinischem Fachgebiet und nach Sprachen geordnet aufgelistet worden. Das Beispiel hat bereits Schule gemacht und zur Erarbeitung ähnlicher Listen in anderen Städten geführt. Nähere Informationen erteilt auf Anfrage das „Gesundheitszentrum für MigrantInnen“, Marsilstein 6, 50676 Köln, Telefon 0221/95154231. Der Gesundheitswegweiser enthält außerdem wichtige Adressen von Institutionen und Einrichtungen, bei denen Migranten weiterführende Informationen zu unterschiedlichen Gesundheitsthemen in ihrer Landessprache erhalten können. 

Tipps für Migranten: - Erkundigen Sie sich im Krankheitsfall eingehend zum Beispiel bei Ihrer Krankenkasse, welche Rechte Ihnen als Patient zustehen. - Suchen Sie sich einen Hausarzt, der aus ihrem Kulturkreis stammt und Ihre Sprache spricht. - Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht genau verstanden haben. - Ziehen Sie zu den Gesprächen eine Vertrauensperson aus Ihrem eigenen Kulturkreis hinzu,

aber nicht ein Familienmitglied. - Versuchen Sie bei schwierigen Entscheidungen, sich bei einem Arzt Ihres Vertrauens rückzuversichern und sich die Zusammenhänge nochmals genau erklären zu lassen. - Wenden Sie sich im Zweifelsfall an das „Gesundheitszentrum für Migranten in Köln“. Dort wird man auch für Ihre Region einen Arzt benennen können, der Ihre Landessprache spricht. 

Krebs der Schilddrüse – zunehmende Tendenz Tumore werden früher erkannt Schilddrüsenkrebs ist hierzulande eine vergleichsweise seltene Tumorart. Allerdings steigt schon seit Jahren die Zahl der Krankheitsfälle kontinuierlich an, was unter anderem auch daran liegen kann, dass die Tumore inzwischen deutlich früher erkannt werden. Wird die Diagnose rechtzeitig gestellt, so sind die Heilungsaussichten gut. Bemerkbar macht sich der Tumor meist mit Knoten in der Region der Schilddrüse, mit Lymphknotenschwellungen im Halsbereich und gegebenenfalls mit Schluckbeschwerden, einem Kloß- oder Druckgefühl im Hals, mit Luftnot, Heiserkeit und Husten. Bestätigt sich die Diagnose Schilddrüsenkrebs, so wird der Tumor operativ entfernt. Im Anschluss an den Eingriff ist oft eine Radiojodtherapie erforderlich. Sie hat zum Ziel, verbliebene Reste der Schilddrüse zu ent-

fernen. Auch kann eine Strahlenbehandlung notwendig werden, während nur selten eine Chemotherapie erfolgt. Neue Entwicklungen gibt es bei der Behandlung besonders aggressiver Schilddrüsenkarzinome, den so genannten anaplastischen Schilddrüsentumoren. In einem Forschungsprojekt der Wilhelm Sander-Stiftung wird derzeit intensiv daran gearbeitet, eine Behandlungsstrategie zu entwickeln, die sich zielgenau gegen die zugrunde liegenden Zellveränderungen richtet. Mittels einer solchen zielgerichteten Therapie wurden bei anderen Tumore wie dem Darmkrebs und dem Brustkrebs bereits deutliche Behandlungserfolge erzielt. Eine Forschungsgruppe an den Universitätskliniken Gießen und Marburg arbeitet intensiv daran, ein ähnliches Konzept auch beim Schilddrüsenkrebs zu etablieren.

Per Ultraschall lässt sich die Schilddrüse untersuchen. (6) Die Wissenschaftler setzten dabei vor allem auf spezielle Enzyme, die so genannten Aurorakinasen, die beim anaplastischen Schilddrüsentumor im Übermaß gebildet werden und die Zellteilung anheizen. Gesucht wird deshalb nach Medikamenten, die die Aurorakinasen inaktivieren, eine Strategie, von der die Forscher sich eine spürbare Hemmung des Tumorwachstums erhoffen. 


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Ärzte sprechen häufig eine eigene Sprache und nicht immer haben sie Zeit, die medizinischen Fachbegriffe für die Patienten zu übersetzen. Mit „Medizinerdeutsch von A bis Z“ wollen wir zu etwas mehr Orientierung im Dschungel der Medizinersprache beitragen. Unter einer Leukämie verstehen die Mediziner eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems. Die Erkrankung wird gelegentlich auch als Blutkrebs bezeichnet. Sie betrifft vor allem das Knochenmark und die Lymphknoten und geht mit einer übermäßigen Bildung von weißen Blutzellen (Leukozyten) einher. Es wird je nach betroffenem Zelltyp unterschieden zwischen akuten Leukämieformen wie der akuten myeloischen Leukämie (AML) und der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) und chronischen Leukämieformen, wie der chronisch myeloischen Leukämie (CML) und einer chronisch lymphatischen Leukämie (CLL). Akute Leukämien verlaufen unbehandelt innerhalb weniger Wochen oder Monate tödlich, während chronische Leukämien einen langsamen Verlauf über Jahre aufweisen und dabei zunächst auch kaum Beschwerden verursachen. 

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nternet

Sarkome kennen keine Grenzen Weichgewebetumore werden oft zu spät entdeckt

Den meisten Menschen ist gut bekannt, dass sich Krebserkrankungen als Karzinome in verschiedenen Organen wie der Brust, der Lunge oder dem Darm entwickeln können. Wenig bekannt dagegen sind die so genannten Sarkome. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Tumoren, die vom mesenchymalen Stützgewebe – also von Bindegewebe, Knochen-, Muskel-, Knorpeloder Fettgewebe – ausgehen. Das Wort Lipo steht zum Beispiel für Fett. Ein Liposarkom ist damit ein bösartiger Tumor des Fettgewebes. Bei den Sarkomen werden zwei Hauptgruppen unterschieden, die Knochensarkome und die Weichgewebesarkome. Zusammen rechnet man mit etwa 5.000 bis 6.000 Neuerkrankungen pro Jahr in

Deutschland. Weichgewebesarkome treten – grob eingeteilt – zu rund 40 Prozent an den Beinen und Füßen, zu 15 Prozent an Hals und Nacken, zu 15 Prozent an den Armen sowie zu etwa 30 Prozent am Körperstamm oder im Brustkorb oder Bauchraum auf. „Wir sprechen deshalb bei den Sarkomen auch von Tumoren, die keine Grenzen kennen – also überall im Körper vorkommen können, sagt Markus Wartenberg, Sprecher der Patientenorganisation „Das Lebenshaus e. V.“ in Bad Nauheim. An die Möglichkeiten eines Weichgewebetumors muss immer gedacht werden, wenn sich eine nicht schmerzhafte Schwellung zum Beispiel an den Extremitäten, am Gesäß oder in der Bauchregion entwickelt. Tritt eine solche Schwellung ohne erkennbaren

LEXIKON

GIST Mit dem Begriff GIST, dem gastrointestinalen Stromatumor, wird ein Weichgewebesarkom im Gastrointestinaltrakt bezeichnet. Der Tumor ist erst seit 1998 als eigenständige Tumorart zu klassifizieren. Er stellt die häufigste Form des Sarkoms beim Menschen im Verdauungssystem dar und kann praktisch überall im MagenDarm-Trakt seinen Ausgang nehmen. In der Mehrzahl der Fälle wächst er vom Magen oder dem Dünndarm aus, wesentlich seltener entsteht er in der Speiseröhre oder im Enddarm. Er bleibt oft lange Zeit unbemerkt, da er wenige Beschwerden verursacht. Zu diesen kommt es meist erst, wenn der Tumor so groß geworden ist, so dass er auf andere Organe drückt. Die Erkrankung tritt im Allgemeinen jenseits des 50. Lebensjahres auf, wobei Männer etwas häufiger erkranken als Frauen. Die Zahl der Neuerkrankungen wird für Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen auf jährlich 1.500 bis 2.000 geschätzt. Je nach Erkrankungsstadium erfolgt eine multimodale Therapie durch Operation und/oder medikamentöse Therapien, den so genannten Target-Therapien. 

Thema: Darmkrebs

Mit einem erweiterten Informationsangebot ist die Webseite www.demdarmkrebs-aufder-spur.de. neu an den Start gegangen. Die Internetseite ist Teil der bundesweiten Kampagne „Dem Darmkrebs auf der Spur“, über die sich interessierte Bürger jeweils vor Ort – und nun auch per Internet - ausführlich über das Thema Darmkrebs informieren können. Auf der Webseite der Kampagne sind jetzt alle Text- und Hörbeiträge sowie Film- und Animationssequenzen enthalten, die vor Ort gezeigt werden. Ein Serviceteil, über den sich Broschüren, DVDs und ein Ernährungsleitfaden kostenfrei anfordern lassen, rundet den neuen Internetauftritt ab. 

© Haus Lebenshaus

Beim Verdacht auf ein Sarkom unbedingt einen Spezialisten zu Rate ziehen. Grund auf, muss mit der notwendigen Expertise unbedingt abgeklärt werden, ob ein Sarkom vorliegt und wenn ja welcher Subtyp. „Dies geht aber oft nur in einem auf Sarkome spezialisierten Zentrum, wo im Idealfall dann auch

aufzuhalten und es dem Patienten zu ermöglichen, ein ‚normales Leben’ führen zu können.“ Inzwischen kennt man rund 140 Subtypen von gut- und bösartigen Sarkomen, wobei 30 bis 40 bösartige Subtypen häufiger

„Sarkom ist noch lange nicht Sarkom“ die Behandlung erfolgt,“ erklärt Professor Dr. Peter Hohenberger, Leiter der Chirurgischen Onkologie an der Uniklinik Mannheim. Üblicherweise wird der Tumor operativ im Gesunden entfernt. Geschieht dies früh genug, so besteht eine gute Heilungschance. „Leider haben aber etwa 25 Prozent der Patienten bei Erstdiagnose bereits Metastasen entwickelt“, bedauert der SarkomExperte. „Dann handelt es sich um eine fortgeschrittene Erkrankung – für die es je nach SarkomSubtyp spezielle Behandlungsmöglichkeiten gibt. Hierbei muss es darum gehen, die Erkrankung

auftreten und als lebensbedrohende Krebserkrankungen einzuordnen sind. „Sarkom ist deshalb noch lange nicht Sarkom“, betont Markus Wartenberg. Deshalb ist es nach seinen Worten so wichtig, dass bei jedem Patienten die richtige Diagnose gestellt wird und die für die spezielle Situation am besten geeignete Therapieform gewählt wird. Das begründet auch die Forderung aller europaweit aktiven Sarkom-Patientenorganisation und europäischer Sarkom-Experten, Patienten mit entsprechender Verdachtsdiagnose unbedingt in spezialisierten Zentren zu behandeln. 

Das Lebenshaus Hilfe für Sarkom- und GIST-Patienten Menschen mit GIST, mit einem Sarkom und auch Patienten mit Nierenkrebs zur Seite zu stehen, ihnen Informationen rund um die jeweiligen Erkrankungen zu liefern und Hilfestellung zu leisten im Umgang mit dem Krebs, sind die zentralen Aufgaben des gemeinnützigen Vereins „Das Lebenshaus e.V.“. Entstanden ist die unabhängige Patientenorganisation Mitte 2003 als „Hilfe zur Selbsthilfe“. „Wir wollen die Patienten stärker machen durch Wissen, Solidarität und eine eigene Interessenvertretung.“, erläutert Vereinssprecher Markus Wartenberg. „Das Lebenshaus“ bietet Betroffenen unter

anderem Informationsmaterial, Veranstaltungen, Patientenpässe, das LH-Magazin sowie eine informative Web-Seite – aber auch die individuelle Beratung und Betreuung über eine Telefon-Hotline. Die Organisation ist zu erreichen unter 0700-4884-0700 (Mo bis Fr von 9 Uhr bis 17 Uhr) oder per e-Mail an info@lebenshauspost. org. 


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„Sportliche Aktivität unterstützt die Genesung“ chen Training beginnen“, betont der Sportmediziner. So lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit und die Mobilität erhalten. Mehr noch: Die Patienten gewinnen wieder Selbstvertrauen zu ihrem Körper. Vor allem sportliche Betätigung in der Natur hilft bei der Krankheitsbewältigung und gibt Kraft und Ausgeglichenheit. Mit der sportlichen Aktivität tragen Krebspatienten laut Dr.

seinen Worten beobachtet, dass die Rückfallgefahr um 40 bis 50 Prozent geringer ist, wenn die Patienten sportlich aktiv sind. Allerdings sollten laut Baumann nicht sofort Höchstleistungen angestrebt werden. Man sollte mit der Bewegung wohldosiert beginnen, sich nicht überlasten, doch die Intensität des Trainings nach und nach steigern. Langfristig ist dabei das Ziel, mindestens drei Stunden pro Woche zu wal-

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Freerk Baumann auch direkt zu ihrer Genesung bei und beugen einem Rückfall vor: „Wir haben in Studien gesehen, dass die Rezidivgefahr bei Frauen mit Brustkrebs um 20 bis sogar 40 Prozent geringer ist, wenn sie regelmäßig ein Bewegungsprogramm absolvieren“, erklärte der Sportwissenschaftler kürzlich bei einer Informationsveranstaltung zum Thema „Krebs und Sport“. Auch bei Darmkrebspatienten wurde nach

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Mehr Kraft, mehr Lebensqualität In gesunden Tagen gehört regelmäßige sportliche Aktivität für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Lebensalltag dazu. Im Falle einer Krebserkrankung aber hören die Betroffenen nicht selten den Rat, sich zu schonen. „Das Gegenteil ist richtig“, sagt Professor Dr. Klaus Schüle von der Deutschen Sporthochschule in Köln. „Bereits in der Akutphase der Krebsbehandlung können die Patienten mit einem körperli-

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Sport – ein Thema auch für Krebspatienten

(7) ken oder dreimal pro Woche mindestens eine halbe Stunde Fahrrad zu fahren. Wer anfangs nicht soviel schafft, sollte sich nicht grämen, denn so Baumann: „Es zählt im Grunde jede Minute, die man sich bewegt, denn der Körper merkt sich jede Minute der Bewegung“. Erlaubt sind praktisch alle Sportarten, Hauptsache sie machen dem Betreffenden Spaß. Ausdauersport wie Joggen, Nordic Walking und Radfahren sind generell gut. Krebspatienten können durchaus auch Ballspiele absolvieren, Tennis spielen, Tanzen oder sogar Kanufahren, sich im Krafttraining stärken oder Trekking-Touren absolvieren. Was alles möglich ist, soll in den kommenden Monaten in Lebenswege beispielhaft in einer kleinen Serie zum Thema „Sport und Krebs“ dargestellt werden. 

Rekonstruktion der Brust – sich frühzeitig informieren Nicht immer ist eine brusterhaltende OP möglich Bei den meisten Frauen mit Brustkrebs lässt sich der Tumor entfernen, ohne dass die betroffene Brust abgenommen werden muss. Eine solche brusterhaltende Operation ist jedoch nicht immer möglich. Wachsen zum Beispiel mehrere kleinere Tumore an verschiedenen Stellen, so muss eine so genannte Mastektomie, also eine völlige Entfernung der Brust, vorgenommen werden. Das ist immer auch dann der Fall, wenn anders eine vollständige Entfernung des Tumors und/oder eine Nachbestrahlung nicht erfolgen können. Wünscht die betroffene Frau einen Wiederaufbau der Brust, so können oft schon während der Operation erste Maßnahmen hierfür getroffen werden. Es ist deshalb sinnvoll, dass sich Frauen mit Brustkrebs bereits vor der chirurgischen Entfernung des Tumors darüber informieren, wie eine spätere Brustrekonstruktion durchgeführt werden kann. Grundsätzlich gibt es dabei zwei Möglichkeiten: Die Implantation einer Prothese oder der Brustwiederaufbau. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile, (7) Pitopia, (8) Shutterstock

Nordic Walking bei Krebs Serie Bewegung und Sport Als Sportart für Krebspatienten gut geeignet ist das Nordic Walking. „Dabei handelt es sich um eine Ausdauersportart, bei der zügiges Gehen durch den Einsatz von Stöcken im Rhythmus der Schritte unterstützt wird“, erklärt Gianna Thiess aus Köln. Das Nordic Walking ist nach ihren Worten leicht zu erlernen und kann praktisch von jung und alt ohne großen Aufwand betrieben werden. Neben den Nordic Walking-Stöcken braucht man nur gutes, festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung. Krebspatienten profitieren von Nordic Walking in vielfacher Hinsicht: Neben den allgemeinen Vorteilen der körperlichen Aktivität kann mit dieser Sportart insbesondere einem Knochenschwund vorgebeugt werden. Das ist vor allem für Frauen mit Brustkrebs sinnvoll, wenn sie eine Antihormontherapie erhalten und eben-

so für Männer mit Prostatakrebs unter einer Hormonbehandlung. Denn diese Therapieformen erhöhen das Risiko für eine Osteoporose. Frauen mit Brustkrebs können laut Frau Thiess außerdem durch die Aktivierung der Muskelpumpe beim Stockeinsatz direkt dem Auftreten eines Lymphödems in den Armen vorbeugen. Die Stöcke geben Sicherheit und Halt beim Gehen, so dass diese Sportart in besonderem Maße auch für Krebspatienten nach langer Liegephase geeignet ist. „Generell führt das Nordic Walking zu einer aufrechten Haltung und stärkt die gesamte Oberkörpermuskulatur“, so Frau Thiess. Trainiert werden sollte im Idealfall zwei bis dreimal pro Woche und zwar jeweils für 20 bis 45 Minuten, wobei die Intensität so gewählt werden sollte, dass beim zügigen Gehen keine Luftnot auftritt. 

LESETIPP

„Brustkrebs – Die Nummer 1 in Deinem Leben bist Du“

Schon vor der OP den Wiederaufbau der Brust planen. (8) so dass eine sorgfältige Beratung mit dem behandelnden Arzt und auch mit dem Chirurgen wichtig ist, damit im individuellen Fall die für die Frau optimale Lösung gefunden wird. Weltweit bisher einmalig ist ein Eingriff, der an der Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde der Universität München vorgenommen wurde: Dort wurde bei einer 67-jährigen Patienten in einer einzigen Operation der Tumor in der erkrankten Brust entfernt, gleichzeitig die gegenüber-

liegende gesunde Brust geteilt und aus dem Gewebe die andere Brust wiederaufgebaut. „Ein solcher Eingriff setzt natürlich ausreichend vorhandenen Brustgewebe voraus“, berichte Dr. Darius Dian vom Münchner Klinikum. Die Operationstechnik, die auch Mammasplitting genannt wird, bezeichnet er als vielversprechende Methode, zu der die Chirurgen allerdings nun noch mehr Erfahrungen sammeln müssen, ehe das neue Verfahren allgemein empfohlen werden kann. 

Selbstbewusstsein im Umgang mit dem Krebs, mit den behandelnden Ärzten, aber auch Selbstbewusstsein im Umgang mit sich selbst – dazu motiviert die Broschüre „Brustkrebs – Die Nummer 1 in Deinem Leben bist Du“. Klar und verständlich wird in der Broschüre über Brustkrebs informiert – von dessen Entdeckung bis hin zur Nachsorge. Die sachlichen Informationen werden dabei immer wieder ergänzt durch das emotionale Erleben der Künstlerin Kornelia Roth, die vor einigen Jahren an Brustkrebs erkrankte und die ihren Weg durch die Erkrankung schildert – berührend, doch ohne Pathos. Besonders bemerkenswert: Das Büchlein motiviert dazu, Fragen zu stellen – vor der Operation, vor der Bestrahlung, vor der Chemotherapie. Und es bietet diese Fragen gebündelt, zum einfachen Heraustrennen und Mitnehmen zum Arztgespräch. Die Broschüre kann kostenfrei angefordert werden bei Roche Pharma AG, 79630 Grenzach-Wyhlen. 


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Süßes belastet die Bauchspeicheldrüse Krebsrisiko erhöht Zuviel süße Kost belastet die Bauchspeicheldrüse und steigert das Krebsrisiko. Das haben schwedische Forscher festgestellt. In einer Untersuchung zu den Ernährungsgewohnheiten von 78.000 schwedischen Frauen und Männern haben sie einen direkten Zusammenhang zwischen dem Risiko für einen Krebs der Bauchspeicheldrüse und dem Konsum gesüßter Limonaden, gezuckertem Kaffee und süßer Fruchtzubereitungen gesehen, wie im Online-Newsletter „Aus der Mitte“ mitgeteilt wird. Während der mehr als siebenjährigen Studie dokumentierte die Arbeitsgruppe um Susanna Larsson vom Karolinska Institut in Stockholm bei 131 Teilnehmern einen Krebs der Bauchspeicheldrüse. Überproportional häufig waren Menschen betroffen, die mehr als zwei süße Softdrinks täglich zu sich nahmen. Bei ihnen stieg das

Tassen gesüßtem Kaffee pro Tag scheint demnach die Krebsgefahr zu steigen. Grundlage des Effektes könnte ein anhaltend erhöhter Blutzuckerspiegel und eine dadurch provozierte vermehrte Insulinausschüttung sein, heißt es in dem OnlineNewsletter. DieGesüßte Limonaden und gezuckerter Kaffee erhö- ser informiert rund um das Thema hen die Gefahr für Bauchspeicheldrüsenkrebs. (9) BauchspeicheldrüRisiko für einen solchen Tumor um senkrebs und kann kostenfrei abon93 Prozent gegenüber Menschen, niert werden unter newsletter@ die kaum Softdrinks konsumie- bauchspeicheldrüsenkrebszentra ren. Auch beim häufigen Verzehr le.de oder direkt per Post unter: von gesüßtem Fruchtkompott und Bauchspeicheldrüsenkrebszentrale, beim Genuss von mindestens fünf Postfach 511170, 50947 Köln. 

Schwerbehindertenausweis: So wird der Antrag gestellt Serie Patientenrechte Vielen Krebspatienten bietet ein Schwerbehindertenausweis deutliche Vorteile. Um ihn zu erhalten, muss ein Antrag auf Feststellung des Grades der Behinderung (GdB) gestellt werden. Die Antragstellung kann zunächst formlos erfolgen. Allerdings übersenden die Versorgungsträger daraufhin in der Regel ein spezielles Antragsformular. Häufig können die Formulare auch über die Webseite des Versorgungsamtes aus dem Internet herunter geladen werden. Neben den Personalien sind insbesondere die gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie die behandelnden Ärzte anzugeben. „Letztere müssen mit dem Formular zugleich von der Schweigepflicht entbunden werden“, erklärt Rechtsanwältin Dr. Astrid von Einem aus Köln. Hierzu holt die Versorgungsverwaltung mit Hilfe der so genannten Schweigepflicht-Entbindungserklärung bei den im Antrag angegebenen Ärzten Befundberichte ein. Nach Auswertung der medizinischen Unterlagen wird ein Bescheid über die Feststellung eines GdB oder eines Merkzeichens (siehe Lebenswege 1/2009) erlassen. Selbstverständlich kann es

auch zu einer Ablehnung des Antrages kommen. Die Richtlinien hierfür waren bislang in den so genannten „Anhaltspunkten“ festgehalten und sind zum 1. Januar dieses Jahres in die „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ übernommen worden. Sowohl die Anhaltspunkte als auch die neuen Rechtsgrundlagen können unter www.bmas.de eingesehen werden. Wer mit dem Bescheid der Versorgungsverwaltung nicht einverstanden ist, kann innerhalb eines Monats nach dessen Bekanntgabe Widerspruch einlegen. Bleibt der Versorgungsträger bei seiner Entscheidung, leitet er die Akte zur Überprüfung an die zuständige Widerspruchsbehörde weiter. „Wird dem Widerspruch nicht stattgegeben, so besteht die Möglichkeit, vor dem Sozialgericht Klage zu erheben“, so Frau Dr. von Einem. Hierbei ist ebenfalls eine Frist von einem Monat ab Bekanntgabe des Widerspruchsbescheides einzuhalten. Fehlen die finanziellen Mittel zur Durchführung des Verfahrens, wird regelmäßig Prozesskostenhilfe bewilligt, so dass ein Rechtsanwalt beigeordnet werden kann. Im Rahmen des sozialgerichtlichen Verfahrens werden grundsätzlich neutrale Sachverständigen-

gutachten eingeholt. Darüber hinaus besteht unter bestimmten Voraussetzungen für die Kläger auch die Möglichkeit, gemäß § 109 SGG selbst einen Sachverständigen zu benennen, der ein Gutachten erstellt. Da es bei der Feststellung des GdB auf die umfassende Bewertung medizinischer Feststellungen ankommt, ist es ratsam, sich von einem im Sozialrecht besonders spezialisierten Rechtsanwalt beraten und vertreten lassen.  Haben Sie Fragen? Die Serie zum Thema Patientenrechte entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Rechtsanwaltskanzlei Norbert Bauschert und Dr. Astrid von Einem aus Köln. Die Kanzlei ist auf sozial- und medizinrechtliche Fragestellungen spezialisiert. Wenn Sie Fragen zu Ihren Rechten als Patient haben, können Sie diese an die Lebenswege-Redaktion (Barfüßerstr. 12, 65549 Limburg, info@wortreichgik.de) richten. Die Anfragen werden gesammelt und an die Rechtsanwälte weiter geleitet.

Hautausschlag zeigt Therapieansprechen Tritt bei Patienten mit einem fortgeschrittenen Tumor der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ein Hautausschlag auf, wenn sie neben dem Zytostatikum Gemcitabin den Wirkstoff Erlotinib erhalten, so zeigt das offenbar an, dass sie auf die Behandlung ansprechen. Denn eine aktuelle Studie hat ergeben, dass Menschen, die mit einem solchen Hautauschlag auf die Behandlung reagieren, deutlich länger überleben.

Die Studienleiter der Untersuchung, die als AViTA bezeichnet wurde, raten deshalb dazu, Patienten mit Pankreaskrebs, der bereits Metastasen gebildet hat, mit der Kombination von Gemcitabin und Erlotinib zu behandeln und nach vier bis acht Wochen zu prüfen, ob ein Hautausschlag aufgetreten ist. Ist das der Fall, so sollte der Hautausschlag entsprechend behandelt, dabei die AntitumorTherapie aber möglichst fortgesetzt werden. 

Früh an plastische Operation denken Krebs der Mundschleimhaut häufiger als oft angenommen Besonders belastend sind Krebserkrankungen, wenn sie im Bereich des Kopfes auftreten. Denn die Entfernung des Tumors kann Probleme beim Kauen, beim Schlucken oder beim Sprechen nach sich ziehen. Das betrifft auch Krebserkrankungen der Mundschleimhaut und des Rachens, die deutlich häufiger sind als gemeinhin angenommen wird. „Oft werden solche Krebserkrankungen erst durch den Zahnarzt erkannt“, erklärt Privatdozent Dr. Robert Mischkowski von der Klinik und Poliklinik für Mund- Kiefer- und Plastische Gesichtschirur-

lerdings schon größer und eventuell schon in die Lymphbahn hinein gewachsen, so müssen Chemo- und Strahlentherapie hinzukommen. Für die betroffenen Patienten ist die Behandlung oft mit sehr viel Leid verbunden: „Wir müssen leider meist Teile des Mundbereichs oder auch der Zunge entfernen, um auf Nummer sicher zu gehen“, sagt Dr. Mischkowski. Schon vor der Operation sollte deshalb geplant werden, wie sich noch während des Eingriffs Gewebe, das entfernt werden muss, ersetzen lässt. „Das

Krebs der Mundschleimhaut wird oft per Zufall beim Zahnarzt entdeckt. (10) gie der Universität Köln. Denn Tumore der Mundschleimhaut bereiten den Betroffenen zunächst lange Zeit keine Schmerzen. Im Mund selbst spürt man möglicherweise ein kleines Geschwür, das langsam aber stetig größer wird, das aber von vielen Patienten kaum ernst genommen wird. Erst wenn der Tumor deutlich heran gewachsen ist, macht er sich mit Schmerzen bemerkbar und oft auch mit Schluckbeschwerden oder Sprachschwierigkeiten. Bis zu einer Größe von zwei Zentimetern lässt sich der Tumor meist problemlos chirurgisch entfernen, sofern keine Lymphknoten befallen sind. Ist der Krebs al-

kann eine Haut-, eine Muskel- oder auch eine Knochentransplantation notwendig machen“, sagt der Kölner Mediziner. Doch die Möglichkeiten der WiederherstellungsChirurgie haben sich nach seinen Worten in den vergangenen Jahren erheblich verbessert: „Wir können fast immer ein kosmetisch ansprechendes Ergebnis erzielen, und das umso besser, je früher der Eingriff erfolgt“, erklärt Dr. Mischkowski. Wichtig aber ist, dass die Patienten sich nach Abschluss der Behandlung regelmäßig zu den Nachsorgeterminen einfinden, damit im Falle eines Wiederauftretens des Tumors dieser rasch entdeckt und entfernt werden kann.  (9) Shutterstock, (10) Shutterstock


Lebenswege

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Appetitverlust – Alarmzeichen für Magenkrebs Es gibt frühzeitig Warnsignale

Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie ein ungewollter Gewichtsverlust – das sind allgemeine Warnsignale des Körpers. Sie müssen nicht, können aber Folge einer Krebserkrankung sein. Auf einen möglichen Magenkrebs weisen sie hin, wenn häufiger unklare Oberbauchbeschwerden bestehen, wenn jemand über längere Zeit ein Druck- und Völlegefühl in der Magengegend verspürt, wenn er allgemeine Verdauungsbeschwerden bekommt und viele Nahrungsmittel nicht mehr so gut verträgt wie früher. Kommt hinzu, dass man eine Abneigung vor bestimmten Speisen und Getränken entwickelt, die man früher gerne gemocht hat,

dass man häufig unter Schluckstörungen leidet und das Essen nicht mehr richtig hinunter bekommt, muss unbedingt ein Magenkarzinom abgeklärt werden. Vor allem ältere Menschen nehmen solche Beschwerden leider oft einfach hin, weil sie sie für altersbedingt halten. Damit werden je-

In aller Regel wird versucht, den Tumor operativ zu entfernen, was vor allem in Frühstadien möglich ist. Denn ist der Tumor noch klein und nicht tief in die Magenwand hineingewachsen, so kann er – ähnlich wie Polypen im Darm – möglicherweise sogar schon im Rahmen einer Magenspiegelung

„Chemotherapie in Tablettenform“ doch wertvolle Behandlungschancen vertan. Denn wie bei vielen anderen Krebserkrankungen sind auch beim Magenkrebs durchaus gute Heilungschancen gegeben, wenn die bösartigen Veränderungen sehr früh erkannt werden.

abgetragen werden. Ist der Tumor allerdings größer, so müssen häufig Teile des Magens operativ entfernt werden. Bei fortgeschrittener Erkrankung ist auf jeden Fall eine Chemotherapie notwendig, um das

Magentumore – auf dem Rückmarsch? Möglichkeiten der Vorsorge ernst nehmen Der Magenkrebs wird seit Jahren kontinuierlich seltener. Warum dies so ist und wie sich diese Entwicklung noch forcieren ließe, erklärt Professor Dr. Peter Malfertheiner aus Magdeburg in einem Interview. Herr Professor Malfertheiner, woran liegt es, dass Magenkrebs heutzutage seltener geworden ist als früher? Hauptursachen für diese Entwick-

lung ist ein Rückgang der Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori durch verbesserte Hygiene in den industrialisierten Ländern und durch eine gesündere Ernährung. Auch die Behandlung der Helicobacter pylori Infektion ist effektiv und kann – wenn sie früh genug erfolgt – das Magenkarzinomrisiko zu senken. Außerdem kann eine sinkende Zahl der Raucher einen Beitrag dazu leisten, dass das Magenkarzinom seltener wird.

LESETIPP

„Ratgeber für Patienten“ Sehr breit über Krebserkrankungen und über die Möglichkeiten der Vorsorge, sowie der Diagnostik und Therapie der verschiedenen Tumorarten informiert das „Handbuch Krebs“. Das Buch ist als gut verständliches Kompendium konzipiert und vermittelt Basisinformationen zu den häufigsten Krebserkrankungen. Die Informationen wurden unter der Schirmherrschaft von Professor Dr. Michael Bamberg, ehemaliger Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft von einem Kuratorium renommierter Onkologen entsprechend der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammengestellt. Dabei wurden auch Themen wie Sport und Ernährung, Fatigue sowie alternative Heilmethoden und sozialrechtliche Fragen nicht ausgespart. Besonders hervorzuheben ist ein „Krebs-Kompass“ am Ende des Buches mit den Adressen von Kliniken und onkologischen Praxen sowie Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen, die Krebspatienten zur Seite stehen. Das „Handbuch Krebs“ ist im Südwest-Verlag erscheinen, 592 S., ISBN 978-3-517-08220-2 und für 39,95 Euro im Buchhandel erhältlich. 

(11) SPL

Prof. Dr. Peter Malfertheiner Kann sich die rückläufige Häufigkeit weiter fortsetzen? Ja, aber das setzt eine noch konsequentere Behandlung von Infektionen mit dem Helicobacter pylori voraus. Obwohl bekannt ist, dass Magenkrebs meistens nur dann entsteht, wenn dieser Keim vorhanden ist, wird häufig keine strikte Elimination des Bakteriums angestrebt. Wir arbeiten daher zurzeit intensiv daran, einen Impfstoff gegen das Magenbakterium zu entwickeln. Denn trotz der rückläufigen Zahlen erkranken jährlich weltweit noch rund 900.000 Menschen an einem Magenkrebs. Dieser wird oft erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt. Dann gibt es leider kaum mehr Heilungschancen. Wie viele Menschen sind mit dem Magenbakterium infiziert? In Deutschland wird die Diagnose „Magenkrebs“ jährlich bei mehr als 15.000 Menschen gestellt. Das wird sich in naher Zukunft kaum ändern, da bei den über 50Jährigen fast jeder zweite mit dem Magenbakterium infiziert ist, meist ohne dies zu wissen. Deutlich geringer geworden sind die Infektionsraten in der jüngeren Bevölkerung und bei den Kindern, was mit den heut-

Tumorwachstum einzudämmen. Auch die Chemotherapie ist inzwischen weit verträglicher als früher geworden. So ist dank moderner Wirkstoffe wie dem Capecitabin eine Behandlung ohne Infusionen und ohne Portsystem möglich geworden. Der Wirkstoff wird vielmehr in Tablettenform eingenommen, wodurch die Therapie bequem zu Hause erfolDas Magenbakterium Helicobacter pylori gen kann. Das moderne kann Krebs verursachen. (11) Zytostatikum weist Studien zufolge dabei eine überzeu- bei aber gesunde Zellen und wird gende Wirksamkeit auf: Es zer- dadurch in aller Regel auch gut stört die Tumorzellen, schont da- vertragen. 

Ratgeber Magenkrebs Weiterführende Informationen zur Diagnostik und zur Therapie bei Magenkrebs bietet ein Patientenratgeber, der in der Reihe „Die blauen Ratgeber“ der Deutschen Krebshilfe erschienen ist. Die Broschüre kann kostenlos angefordert werden bei der Deutschen Krebshilfe e.V., Buschstr. 32, 53113 Bonn oder via Internet www. krebshilfe.de. 

zutage deutlich besseren hygienischen Verhältnissen zu tun haben dürfte. Auf lange Sicht wird der Magenkrebs damit zwangsläufig seltener werden. Die Zahlen zeigen aber auch, dass wir in unseren Bemühungen der Vorsorge beim Magenkrebs nicht nachlassen dürfen. Als Früherkennungsmaßnahme sollte ein Atemtest

durchgeführt werden, um nach einer Infektion mit dem Magenkeim zu fahnden. Wird diese nachgewiesen, so halten wir eine gezielte Behandlung zur Keimelimination für sinnvoll. 

Nachrichten

IMPRESSUM

Gene, die Tumore unterdrücken, bieten möglicherweise neue Ansätze bei der Krebsbekämpfung. Denn ehe eine Zelle zur Krebszelle entartet, muss sie einige Schutzfaktoren, die wie „Wächter des Genoms“ arbeiten, außer Kraft setzen. Hierzu gehört auch das so genannte Tumorsuppressor-Gen p53. Forscher in Cambridge wie auch an der Universität München untersuchen derzeit, wie sich p53 stabilisieren lässt und ob sich so neue Wege im Kampf gegen den Krebs finden lassen. 

Herr Professor Malfertheiner, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Herausgeber: WORTREICH Gesellschaft für individuelle Kommunikation mbH, Barfüßerstr. 12, 65549 Limburg/Lahn, Tel.: 06431/59096-0, Fax: 06431/ 59096-11, info@wortreich-gik.de Verantwortliche Redaktion: Christine Vetter, Köln freie Mitarbeit: Dr. med. Klaus Steffen Grafik: Inken Pöhlmann, Bremerhaven Druck: Druckerei Möller, Berlin „Lebenswege“ wird gefördert von der Roche Pharma AG, GrenzachWyhlen.


Lebenswege

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TERMINE Der 12. Bundesweite DLHPatienten-Kongress für Leukämie & Lymphom-Patienten sowie Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte findet vom 20. bis 21. Juni in Berlin statt. Veranstaltungsort ist die Freie Universität Berlin Dahlem, Habelschwerdter Allee 45 in Berlin, die wissenschaftliche Leitung hat Professor Dr. Bernd Dörken, Berlin. Thematische Schwerpunkte der Tagung sind neue Therapieansätze bei Lymphomen und Leukämien sowie neue Entwicklungen bei der Stammzelltransplantation. Für die Teilnahme wird vor Ort pro Tag ein Unkostenbeitrag von 10,- Euro erhoben. Informationen erteilt die Deutsche Leukämie & Lymphomhilfe e.V., Thomas-MannStr. 40, 53111 Bonn, Telefon 0228-33889299, E-Mail: info@ leukaemie-hilfe.de, www.leukaemie-hilfe.de  „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“ – unter diesem Motto finden auch 2009 weitere Informationsveranstaltungen zum Thema Lungenkrebs statt. Moderiert von Dieter Kürten beantworten jeweils Krebsexperten aus der Region Fragen zu den Ursachen von Lungenkrebs, zur Diagnostik und zur Behandlung. Außerdem schildern Betroffene und Angehörige ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung. Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen gibt es im Internet unter www.derzweite-atem.de. 

KONTAKT

06431/59096-25 info@lebenswege-forum.de www.lebenswege-forum.de

 WORTREICH GIK GmbH „Lebenswege“ Postfach 1402 D-65534 Limburg

Sokolski. Anders als im allgemeinen gesellschaftlichen Leben wissen diejenigen, die Kontakt zueinander aufnehmen, dabei jedoch von Anfang um die jeweiligen Krankheitsbilder und Handicaps. „Es gibt kein verstecktes und verschämtes Hin und Her“, erklärt Sokolski. „Bei PaPaSu.de wird Offenheit geübt, was es den Betroffenen oft allgemein wieder leichter macht, offen mit ihrer Krankheit umzugehen und zu Behinderungen zu stehen“. Über das Internet können kranke und behinderte Menschen neue Freunde finden. (12)

tergrund der schweren Krankheit Freunde und Bekannte zurückziehen. Und auch so manche Partnerschaft geht durch die Belastungen in die Brüche. Der Neuanfang aber fällt Krebspatienten meist besonders schwer. Aus Angst vor erneuten Enttäuschungen ziehen sie sich zurück, es droht die soziale Isolation. Diese Reaktion ist verständlich, schränkt aber die Lebensfreude stark ein. PaPaSu.de will es den Betroffenen einfacher machen, wieder Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Dazu kann man unter der Internetadresse www.PaPaSu. de Kontaktanzeigen von anderen Menschen mit Erkrankungen lesen und via E-Mail Kontakt zu ihnen aufnehmen. Ebenso gut kann man kostenlos sein „Profil“ in PaPaSu.de formulieren und so aktiv nach Freunden und Bekannten suchen. „Das muss nicht gleich der Lebenspartner sein. Viele Menschen suchen über PaPaSu.de einfach nur Gesprächspartner, Freunde oder Menschen, mit denen sie etwas unternehmen können“, sagt Hartmut

Selbstverständlich ist das Internetportal durch diverse Sicherheitselemente geschützt, so dass die Teilnehmer so lange anonym bleiben können, wie sie dies möchten. Es gilt außerdem die Regelung, dass

erst nach dem sechsten Kontakt zweier Mitglieder persönliche Daten wie Email-Adresse oder Telefonnummer ausgetauscht werden können. Mehr als 50 Mal hat es in den vier Jahren seit Bestehen

der Kontaktbörse bereits ernsthaft „gefunkt“, erzählt Betreiber Sokolski. Ganz unabhängig davon sind viele neue Freundschaften entstanden – auch das ist ein Plus an Lebensqualität und Lebensfreude. 

Grapefruit-Sanddorn-Kefir Mixgetränke sind erfrischend und zugleich nahrhaft. Sie bieten dem Körper Vitamine, sind leicht zuzubereiten und können die Kost von Krebspatienten gut ergänzen. Hier ein Beispiel: Zutaten (pro Person): 1 kleine rote Grapefruit (oder 1 Orange) 1 EL Sanddornkonzentrat 50 g Magerquark 100 ml Kefir 50 ml Sahne 3 EL Maltodextrin 1 EL kaltgepresstes Maiskeimöl 3 EL Zucker

Zubereitung: Die Grapefruit auspressen. Alle Zutaten in einem Mixer pürieren. Kalt stellen. Nährwerte: Energie Eiweiß Kohlenhydrate Fett Calcium Vitamine: Vitamine E Vitamin C

602 kcal 15 g 89 g 20 g 265 mg 7 mg 264 mg

Tipp: Sanddorn enthält ebenso wie die Zitrusfrucht viel Vitamin C.

Weitere Rezepte für “Energiereiche Mixgetränke” enthält die gleichnamige Broschüre, die kostenfrei angefordert werden kann bei der Roche Pharma AG, 79639 Grenzach-Whylen 

Vorsicht vor den ersten Sonnenstrahlen Serie Hautpflege und Kosmetik-Tipps

Ratsam ist ein Sonnenhut. (13) Schon fast sehnsüchtig wartet man nach den kalten Wintertagen auf die wärmende Sonne. Doch Vorsicht: Auch wenn man es kaum glauben mag, die ersten Sonnenstrahlen sollte man nicht unterschätzen. Sie können der Haut durchaus gefährlich werden und das ganz besonders bei Krebspatienten, deren Haut per se strapaziert ist und beson-

ders empfindlich reagiert. „Auch vor der vermeintlich noch leichten Frühjahrssonne muss die Haut durch das Auftragen von Sonnenmilch oder –cremes mit ausreichendem Lichtschutzfaktor geschützt werden“, sagt Marion Wehmeier aus Köln. Die Kosmetikerin rät Krebspatienten dazu, beim Spazieren in der Sonne außerdem als zusätzlichen Schutz einen leichten Sonnenhut zu tragen. Ganz besonders wichtig ist eine schützende Kopfbedeckung für all jene Krebspatienten, die infolge der Behandlung ihre Haare verlieren, da die Kopfhaut in aller Regel nicht an Sonne gewöhnt ist. Anders als im Winter braucht die Haut im Frühjahr nicht mehr soviel Fett, sondern eher Feuch-

tigkeit und man sollte wieder eine leichte Lotion statt der fetthaltigen Creme zur Hautpflege verwenden. Ein Puder-Make up kann auch wieder eingesetzt werden, am besten in frischen Farben, die gut zum Frühjahr passen. „Mit ein wenig Rouge kann man der Haut wieder frisches Aussehen verleihen“, sagt die Kosmetikerin, die in Zusammenarbeit mit der DKMS Life spezielle Kosmetik- und Pflegeseminare für Krebspatientinnen organisiert. Auch auf ein wenig Lidschatten sollte man nach ihren Worten als Krebspatientin nicht verzichten: „Der Lidschatten lässt die Augen ausdruckvoller erscheinen“, sagt Frau Wehmeier. Allerdings sollte vor dem Auftragen auf dem Lid keine fetthaltige Augen-

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PaPaSu.de – so heißt ein Internetdienst, der speziell für Menschen mit Krebs und anderen chronischen Erkrankungen oder Behinderungen eingerichtet wurde. „Über das Internetportal können Betroffene kostenfrei eine Kontaktanzeige aufgeben, um neue Freunde oder sogar einen neuen Lebenspartner zu finden“, sagt der Betreiber des Dienstes, Hartmut Sokolski. Denn oft erleben gerade Krebspatienten, dass sich vor dem Hin-

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Sollten Sie Fragen zu den hier vorgestellten Themen haben, rufen Sie uns unter der angegebenen Service-Nummer an, schicken Sie uns eine E-Mail oder schreiben Sie uns an die angegebene Adresse.

Kontaktbörse für Menschen mit Krebs und anderen chronischen Krankheiten

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„(Neue) Behandlungsmöglichkeiten von Metastasen der Leber, Lunge und Knochen“- so lautet das Thema der „Abendlichen Fragestunde“ der Bayrischen Krebsgesellschaft e.V. am 26. Mai 2009 in Regensburg. Die Veranstaltung ist kostenfrei und findet von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr im Konferenzraum der Volkshochschule im Thon-DittmerPalais am Haidplatz statt. 

PaPaSu – Patienten-Partnersuche

creme verwendet werden. Sonst schmiert der Lidschatten und setzt sich in den kleinen Fältchen fest. Besser haften Augenkosmetika, wenn zuvor ein neutraler Gesichtspuder aufgetragen wird. Mit diesem kann man Lidschatten, Eyeliner und Kajal „überpudern“. Die Farben halten dann deutlich länger und verlaufen nicht.  (12) Fotolia, (13) Shutterstock


Lebenswege ­ Zeitschrift für Krebspatienten und ihre Angehörigen Ausgabe 29