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Lebenswege Ausgabe 23 · April 2008

Forum für Krebspatienten und ihre Angehörigen

„Tag der Patientenrechte“ Europaweiter Aktionstag

Europaweit wurde in diesem Jahr der 18. April als „Tag der Patientenrechte“ ausgerufen. Die Organisatoren wollen damit in allen Mitgliedsstaaten das Bewusstsein da-

für stärken, dass Patienten keineswegs der Medizin und dem Medizinbetrieb hilflos ausgeliefert sind. Informationsveranstaltungen im Umfeld des 18. April sowie Broschüren und Flyer zum Thema sollen die Patienten über ihre Rechte informieren und so ganz allgemein ihre Position stärken. Der erste europäische Tag der Patientenrechte hat im vergangenen Jahr stattgefunden und wird mit dem zweiten Tag nunmehr fortgesetzt. Es war im vergangenen Jahr eine Charta der Patien-

tenrechte formuliert worden, die unter anderem festgelegt hat, dass jeder Kranke Zugang zum Gesundheitswesen haben und alle für seine Gesundung erforderlichen Behandlungsmaßnahmen erhalten muss. Das muss unabhängig von wirtschaftlichen und finanziellen Betrachtungen auch innovative diagnostische Verfahren und neue Therapiemaßnahmen einschließen, wenn diese internationaler Standard sind.  Siehe auch Seite 3

Neue Behandlungschance beim Nierenkrebs Das Tumorwachstum wird gehemmt Auch Patienten mit fortgeschrittenem Nierenkrebs können nun von der neuen Möglichkeit der so genannten Angiogenesehemmung profitieren. Dabei wird der Krebs daran gehindert, die Bildung neuer Blutgefäße zu stimulieren, mit denen er seine eigene Versorgung und somit sein Wachstum sichert.

Moderne Wirkstoffe wie das Bevacizumab machen den Tumoren einen Strich durch die Rechnung. Das Mittel fängt die Wachstumssignale ab, die die Blutgefäße zum Aussprossen bringen sollen. „Es sorgt so dafür, dass der Tumor nicht mehr weiter wachsen kann“, berichtete Professor Dr. Gerald Mickisch aus Bremen kürzlich in Frankfurt.

Siehe Seite 5

Mit einen Weltrekord will die Deutsche Krebsgesellschaft stärker das Thema Brustkrebs im öffentlichen Bewusstsein verankern: Es soll die längste Brustkrebsschleife der Welt gestaltet werden. Die Weltrekord-Schleife setzt sich aus vielen kleinen der bekannten pinkfarbigen Brustkrebsschleifen zusammen, wobei ein Rekord zu brechen ist, der 2001 im kanadischen Alberta aufgestellt wurde. Dort wurden 24.000 kleine Schleifen zusammengelegt und so ein gigantisches Symbol von mehr als 2.000 Metern gelegt, das auf die Bedeutung der Brustkrebs-Früherkennung hinweisen sollte. Anlässlich des Deutschen Krebskongresses im Berliner Kongresszentrum ICC hat die Deutsche Krebsgesellschaft mit dem Versuch begonnen, den bisherigen Rekord zu brechen und einen neuen Weltrekord aufzustellen. Noch bis zum Brustkrebsmonat Oktober dieses Jahres will die Gesellschaft kleine Brustkrebsschleifen sammeln und das amtliche Endergebnis zum Weltrekordversuch beim Senologie-Kongress im Oktober in Stuttgart verkünden. Bereits beim Krebskongress hat eine große Schleife am Berliner ICC eindrucksvoll auf die Aktion aufmerksam gemacht. 

Immer weniger Frauen sterben an Brustkrebs

Mehr Informationen zum Prostatakrebs Beim Prostatakrebs gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Die Diagnose wirft deshalb oft Fragen auf, wie am besten vorzugehen ist und wann möglicherweise sogar ein abwartendes Verhalten gerechtfertigt ist. Der Krebsinformationsdienst hat nun sein Informationsangebot zu dieser Krebsform ausgeweitet: Unter der Telefonnummer 0800-4203040 können Betroffene und Interessierte einen Prostatakrebsexperten direkt anrufen. 

Brustkrebsschleife Weltrekord-verdächtig

Seine tumorhemmende Wirkung hat Bevacizumab bei verschiedenen Krebsarten in klinischen Studien unter Beweis gestellt. Beim Darmkrebs ist die neue Therapieoption längst Standard und auch zur Therapie des Brustkrebses und des Lungenkrebses wurde sie schon im vergangenen Jahr zugelassen. Nun haben die Gesundheitsbehörden auch für die Behandlung beim fortgeschrittenen Nierenkrebs grünes Licht für den Angiogenesehemmer gegeben, nachdem klinische Studien belegt haben, dass auch bei diesem Tumor das Fortschreiten der Erkrankung eindeutig gehemmt wird. 

Zahl der Neuerkrankungen steigt an Die Todesfälle bei Frauen mit Brustkrebs gehen seit Jahren kontinuierlich zurück, obwohl mehr Frauen an einem Tumor der Brust erkranken. Der Grund: Verbesserungen bei der Diagnostik, bei der Früherkennung und vor allem bei der Behandlung sorgen für stetig bessere Heilungschancen. Wird der Brustkrebs in einem frühen Stadium erkannt, so können inzwischen 80 bis 90 Prozent der betroffenen Frauen geheilt werden, so hieß es beim Deutschen Krebskongress in Berlin. Wie gut die Heilungschancen

sind, zeigen weitere Zahlen: Die Rate der Patientinnen, die die Diagnose „Brustkrebs“ fünf Jahre und mehr überleben, liegt bei etwa 80 Prozent. Nimmt man alle Tumorarten zusammen, so beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate lediglich 58 Prozent. Und noch eine Zahl verdeutlicht die Fortschritte: Erkrankt in der heutigen Zeit eine 50-jährige Frau an Brustkrebs, so ist ihre Heilungschance doppelt so hoch wie seinerzeit bei ihrer Mutter.  Siehe Seite 3, 4 und 6


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NACHRICHTEN Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs profitieren auch von einer Behandlung mit dem Antikörper Trastuzumab, wenn die Erkrankung fortschreitet und das Regime der Chemotherapie geändert werden muss. Das hat jüngst eine Studien-Interimsanalyse ergeben, die bei einem Treffen von Brustkrebs-Experten in San Antonio vorgestellt wurde. Nach den vorliegenden Daten ist Trastuzumab somit bei HER2-positivem Brustkrebs in allen Stadien der Erkrankung als Standardtherapie etabliert.  Die Strahlentherapie optimieren wollen Wissenschaftler am Mannheimer Universitätsklinikum. Die Mediziner setzen dazu ein so genanntes Oberflächen-Hyperthermiegerät ein, das mit Hilfe von Mikrowellen die Körperzellen kurz vor der Bestrahlung auf 43 Grad Celsius erwärmt. Vor allem bei Tumoren, die dicht unter der Haut liegen, wie zum Beispiel viele Kopf-Hals-Tumore, soll die Strahlenbehandlung so effektiver werden. 

Hilfe gegen Tumorschmerzen Interview mit Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Göppingen Viele Krebspatienten haben Angst, im Verlauf der Erkrankung unerträgliche Schmerzen aushalten zu müssen. Doch durch die Möglichkeiten der Schmerztherapie lassen sich Schmerzen zumindest auf ein erträgliches Maß lindern. Was dazu zu beachten ist, erläutert Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie in Göppingen. Herr Dr. Müller-Schwefe, wieviel Schmerzen muss man als Tumorpatient aushalten? Es gibt Tumorerkrankungen, in deren Verlauf schwere Schmerzen auftreten, die aber gut behandelt werden können. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass jeder Patient schmerzfrei wird. Doch es ist praktisch immer möglich, die Schmerzen so weit zu lindern, dass das Leben wieder erträglich wird und mit einer vernünftigen Lebensqualität gelebt werden kann. Wo diese Grenze liegt, wie stark der Schmerz gelindert werden soll, bestimmt der Patient und nicht der Arzt.

Heißt das, dass der Tumorpatient doch Schmerzen aushalten muss? Nein, wir streben eine Schmerzbehandlung an, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Patienten ausrichtet. Wie sollte man sich verhalten, wenn im Verlauf einer Krebserkrankung Schmerzen auftreten? Man sollte dies mit seinem Arzt besprechen und das nicht erst, wenn der Schmerz unerträglich geworden ist. Im Zweifelsfall sollte man darauf bestehen, dass der Schmerz ernst genommen und so effektiv behandelt wird, dass die Situation erträglich wird. Das ist immer möglich. Das bedeutet, dass Schmerzmittel eingenommen werden müssen. Was ist dabei zu beachten? Es ist wichtig, dass die medikamentöse Therapie von einem versierten Kollegen durchgeführt wird, und das gilt vor allem für die Einstellungsphase, also die Zeit,

Gute Heilungsaussichten Lymphomtherapie – eine Erfolgsgeschichte Bei kaum einer anderen Krebserkrankung haben die Onkologen so große Erfolge zu feiern wie bei den Lymphomen. Die Heilungsaussichten sind bei den verschiedenen Formen des Lymphknotenkrebses zwar unterschiedlich, bei den schnell und aggressiv wachsenden Non-Hodgkin-Lymphomen reichen sie aber schon nahe an 80 Prozent heran. Zu verdanken ist diese erfreuliche Entwicklung laut Professor Dr. Michael Pfreundschuh von der Universität Homburg/Saar den Fortschritten bei der medikamentösen Behandlung der Lymphome. In erster Linie nannte er dabei die Möglichkeit, die Patienten mit dem Antikörper Rituximab zu behandeln: „Studien haben gezeigt, dass weit mehr Menschen von der Erkrankung geheilt werden, wenn wir den Antikörper zu einer Chemotherapie dazu geben“, sagte der Lymphomexperte kürzlich in Frankfurt. Auch bei einer anderen Krankheitsform, dem so genannten follikulären Lymphom, das deutlich langsamer wächst, hat die Behandlung mit dem Antikörper entscheidende Fortschritte gebracht: „Die Lebenszeit der Pa-

in der die Medikamente erstmals gegeben werden. In dieser Zeit muss gut darauf geachtet werden, wie stark die Medikamente wirken und wie lange. Bei Tumorschmerzen werden auch Morphinpräparate verordnet. Wird man davon abhängig? Hat man eine Chance, irgendwann von diesen Medikamenten wieder wegzukommen? Eine Abhängigkeit entwickelt sich bei diesen Medikamenten nur, wenn man kurzwirksame Substanzen einsetzt. Denn der schnelle Anstieg des Wirkstoffs im Blut ist es, der den Weg in die Abhängigkeit bahnt. Bei der Schmerztherapie aber geht man ganz anders vor. Man wählt bewusst Wirkstoffe mit langer Wirkdauer aus, damit eine möglichst anhaltende Schmerzlinderung gewährleistet ist. Die Medikamente werden außerdem nicht eingenommen, um euphorische Gefühle zu ver-

Dr. Gerhard Müller-Schwefe

mitteln, sondern zur Schmerzlinderung und das nach einem festen Zeitplan. Eine Abhängigkeit ist deshalb nicht zu befürchten und man kann von den Schmerzmitteln jederzeit wieder wegkommen, wenn die Schmerzen zum Beispiel infolge einer Operation oder einer Chemotherapie gelindert sind und eine gezielte Schmerztherapie nicht mehr erforderlich ist.  Herr Dr. Müller-Schwefe, vielen Dank für das Gespräch.

INFO

Deutsche Schmerzliga Treten im Verlaufe einer Tumorerkrankung starke Schmerzen auf, so kann man sich auch an die Deutsche Schmerzliga e. V. wenden, die bei der Vermittlung eines versierten Schmerztherapeuten hilft. Die Patientenorganisation, deren Präsidentin Dr. Marianne Koch ist, sitzt in 61440 Oberursel, Adenauerallee 18 und ist telefonisch unter 0700-375375375 oder via Email unter info@schmerzliga.de zu erreichen. Weiterführende Informationen gibt es auf der Webseite der Organisation unter www.schmerzliga.de. 

Schmerztagebuch führen

Lymphome machen sich oft durch eine Schwellung der Lymphknoten in der Halsregion bemerkbar. Im Verdachtsfall werden deshalb die Lymphknoten vom Arzt sorgfältig ertastet.

tienten wird durch diese Behandlung erheblich verlängert“, berichtete Professor Dr. Wolfgang Hiddemann von der Universitätsklinik in München. Aus der Lymphomtherapie ist Rituximab nach seinen Worten deshalb nicht mehr wegzudenken. Mit den guten Ergebnissen geben die deutschen Lymphomforscher sich allerdings noch nicht zufrieden. Sie arbeiten weiter daran, die Behandlung noch zu verbessern. So sollen bei den follikulä-

ren Lymphomen durch eine noch intensivere Behandlung die Heilungschancen verbessert werden. Bei den aggressiven Lymphomen geht es eher darum, bei Patienten mit günstigen Heilungsaussichten die Intensität der Behandlung zurückzunehmen. Damit wollen sie diese verträglicher machen, ohne dabei jedoch Heilungschancen einzubüßen.  Siehe auch Seite 5

Beim Arztbesuch stehen für Krebspatienten meist andere Themen an als der Schmerz. Das ist mit ein Grund dafür, dass viele Tumorpatienten nur eine unzureichende Schmerzbehandlung erfahren. Es kann außerdem schwierig sein, sich genau zu erinnern, wann die Schmerzen auftreten und wann sie besonders stark sind, wenn man dem Arzt gegenüber sitzt und eigentlich das weitere Vorgehen und die Chancen bei der Chemotherapie besprechen will. Deshalb ist das Führen eines Schmerztagebuchs sinnvoll. In dieses soll eingetragen werden, wann Schmerzen aufgetreten sind und wie stark sie waren. Das ausgefüllte Schmerztagebuch nimmt man zum Arzt mit, der sich somit ein gutes Bild darüber machen kann, wie eine Schmerztherapie angelegt sein muss und ob eventuell Anpassungen notwendig sind. Ein Schmerz-

tagebuch kann kostenfrei bei der Roche Pharma AG, 79630 Grenzach-Wyhlen angefordert werden. Es wurde eigens für Patientinnen mit Brustkrebs und Knochenmetastasen konzipiert, kann aber auch anderen Tumorpatienten gute Dienste leisten. 


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Brustkrebs ist kein Notfall Behandlung oft weniger belastend als angenommen Obwohl die Heilungschancen beim Brustkrebs in den vergangenen Jahren stetig besser geworden sind, bleibt die Diagnose „Mammakarzinom“ doch für die meisten Betroffenen wie „ein gelebter Alptraum“. So fasste Franziska Rubin, Moderatorin der MDR-Sendung „Hauptsache gesund“, bei einer Podiumsdiskussion beim Deutschen Krebskongress die Situation von Frauen mit Brustkrebs zusammen. Vor allem die erste Zeit nach der Diagnose ist mit großen Ängsten behaftet: Werde ich die Erkrankung überleben? Wer kann mir am besten helfen? Wie werde ich die Chemotherapie durchstehen? Wird noch eine Bestrahlung nötig sein? Wie soll ich das alles schaffen? Sorgen, die die meisten Frauen in dieser Situation quälen. Befragt man sie nach erfolgreich abgeschlossener Behandlung, so geben viele jedoch an, die Therapie sei deutlich weniger belastend gewesen als zuvor befürchtet, berichtete die Aachener Psychologin Dr. Andrea Petermann-Meyer. Das liegt nicht zuletzt an den verbesserten Behandlungsmethoden. Denn die Krebsmediziner haben gelernt, die Tumorzellen genau zu klassifizieren, molekulare Veränderungen aufzuspüren und den Frauen eine entsprechend maßgeschneiderte Behandlung anzubieten. So tragen die Krebszellen bei vielen Frauen spezielle Merkmale, das so genannte HER2Antigen, auf der Zelloberfläche. Doch es gibt Antikörper wie das Trastuzumab, besser bekannt als

Herceptin®, die sich gezielt gegen das HER2-Antigen richten und die Tumorzellen eliminieren. Eine neue Option bei der Behandlung des Mammakarzinoms ist es, Wachstumssignale abzufangen, mit denen der Tumor die Bildung von Blutgefäßen anregt, um so seine Versorgung und sein Wachstum zu sichern. Bevacizumab, so heißt der Wirkstoff, der dem Krebs bei dieser Strategie

ein Schnippchen schlägt. Der Antikörper hat sich beim Darmkrebs schon länger etabliert, wird inzwischen auch bei anderen Tumoren eingesetzt und wurde kürzlich beim Brustkrebs zugelassen. Er ist das jüngste Beispiel dafür, dass sich die Therapiemöglichkeiten des Mammakarzinoms hinsichtlich der Wirksamkeit und auch hinsichtlich der Verträglichkeit kontinuierlich weiter verbessern. 

Mitreden und Mitentscheiden

Fragen rund um die Rechte von Patienten In den vergangenen Jahren hat es weit reichende Fortschritte bei der Diagnostik und vor allem der medikamentösen Behandlung von Krebserkrankungen gegeben. Doch die modernen Untersuchungen und Medikamente sind oft noch sehr teuer. Werden sie nicht verordnet, so schleicht sich leicht der Verdacht ein, die hohen Kosten könnten die Ursache hierfür sein. „Grundsätzlich gilt, dass jeder Patient Anspruch auf eine wirksame, zweckmäßige und wirtschaftliche Behandlung hat, die dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnis entspricht“, betont Rechtsanwältin Dr. Astrid von Einem von der Anwaltskanzlei Bauschert und Dr. von Einem in Köln.

eine lebensbedrohliche Erkrankung vorliegt und andere wirksame Therapiemöglichkeiten nicht gegeben sind. Allerdings muss eine zumindest auf Indizien gestützte Aussicht auf Heilung oder auf eine spürbare positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf gegeben sein. Das gleiche gilt für die Versorgung mit Arzneimitteln in Krank-

„Krebskranke haben ein Recht auf eine lebenserhaltende Behandlung mit modernen Medikamenten.“ Frauen mit Brustkrebs sollten gut über ihre Erkrankung informiert sein und durchaus selbstbewusst genug, gemeinsam mit dem Arzt über die beste Behandlungsstrategie zu beraten. Das war eine der Botschaften, die bei der Podiumsdiskussion „Brustkrebs – Moderne Therapien für Körper und Seele“ beim Patiententag des 28. Deutschen Krebskongresses in Berlin vermittelt wurden. Sich von seinen Ängsten nicht unterkriegen zu lassen, sondern aktiv mit der Krankheit umzugehen, dazu wollten MDR-Moderatorin Franziska Rubin (ganz links) und die Vertreter auf dem Podium Professor Dr. Andreas Schneeweiß aus Heidelberg, Privatdozent Dr. Volkmar Müller aus Hamburg und Dr. Andrea Petermann-Meyer aus Aachen (vlnr) erkrankte Frauen motivieren. Sie fanden Unterstützung bei zwei weiteren Teilnehmerinnen der Runde, die selbst an Brustkrebs erkrankt waren, und zwar Sabine Rheinsberg aus Lange (rechts) und Renate Haidinger aus München (zweite von rechts).

Beratung bei medizinischen Rechtsfragen Wer als Patient oder auch als Arzt medizin- oder sozialrechtliche Fragen hat, kann sich an das Medizinrechts-Beratungsnetz wenden. Dort erhält er einen Beratungsschein und bekommt ei-

Moderne Medikamente – was muss die Kasse zahlen?

nen Vertrauensanwalt in seiner jeweiligen Region genannt. Dieser prüft im Rahmen eines kostenlosen Orientierungsgesprächs, ob eine rechtliche Dimension vorliegt, wie nach der ersten Einschätzung

Beim Medizinrechts-Beratungsnetz erhalten Patienten kostenlos Hilfe.

die Erfolgsaussichten für den Ratsuchenden sind und welche weiteren Beratungs- und Hilfsangebote zur Verfügung stehen. Das Medizinrechts-Beratungsnetz ist unter der kostenfreien Rufnummer 0800-0732483 von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 17 Uhr erreichbar. Es wurde initiiert von der gemeinnützigen Stiftung Gesundheit (www. stiftung-gesundheit.de), die unter Aufsicht des Innenministeriums Schleswig-Holstein errichtet wurde und das Ziel verfolgt, Transparenz im Gesundheitswesen zu fördern und praktische Orientierungshilfen zu geben. Das Beratungsnetz wurde seit dem Jahr 2000 schrittweise ausgebaut und ist seit 2003 bundesweit tätig. 

Ein generelles Recht auf die jeweils neueste Behandlungsoption leitet sich daraus aber nicht zwangsläufig ab. Denn neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden dürfen nur dann zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung angewandt werden, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss (kurz G-BA, oberstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen) eine dahingehende Empfehlung ausgesprochen hat. Ähnlich sieht es bei neuen Medikamenten aus. Zwar haben alle gesetzlich Versicherten grundsätzlich Anspruch auf die Behandlung mit zugelassenen Arzneimitteln, allerdings gilt das so genannte Wirtschaftlichkeitsgebot. Der G-BA hat aus diesem Grund in den Arzneimittelrichtlinien bestimmte Medikamente ausdrücklich aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen und andere nur für bestimmte Fälle zugelassen. Was aber ist, wenn der G-BA bei innovativen Medikamenten noch keine abschließende Empfehlung herausgegeben hat? Auch in einem solchen Fall kann nach Frau Dr. von Einem durchaus ein Anspruch auf die Behandlung und auf eine Kostenübernahme bestehen. Das ist nach einer Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2005 der Fall, wenn

heitsfällen, für die diese (noch) nicht explizit zugelassen sind, also für den so genannten „offlabel-use“. „Auch in solchen Fällen ist eine Verschreibung und Kostenerstattung möglich, wenn die oben genannten Bedingungen erfüllt sind“, sagt Frau von Einem. 

Haben Sie Fragen? Die Serie zum Thema Patientenrechte entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Rechtsanwaltskanzlei Norbert Bauschert und Dr. Astrid von Einem aus Köln. Die Kanzlei ist auf sozial- und medizinrechtliche Fragestellungen spezialisiert. Wenn Sie Fragen zu Ihren Rechten als Patient haben, können Sie diese an die Lebenswege-Redaktion (Bahnhofstr.21, 65549 Limburg, info@2xfromm. de) richten. Die Anfragen werden gesammelt und an die Rechtsanwälte weitergeleitet.


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Darmkrebs – Therapie wird schonender Chemotherapie kann nun weitgehend zu Hause erfolgen

Schützen Röststoffe im Kaffee vor Krebs? Röststoffe im Kaffee können die Aktivität von Tumorenzymen hemmen und so möglicherweise der Ausbreitung von Tumoren entgegenwirken. Das deuten Untersuchungen einer Forschergruppe um Professor Dr. Thomas Henle aus Dresden an. Die Wissenschaftler nehmen derzeit die Inhaltstoffe von Capucchino und Co. genauer unter die Lupe und analysieren deren biologische Wirkung. Es interessieren sie vor allem Substanzen, die bei der Verarbeitung der Lebensmittel im Rahmen der so genannten Maillard-Reaktion entstehen. Hierbei handelt es sich um eine Reaktion, die auf nicht-enzymatischem Wege Lebensmittel bei deren Herstellung braun werden lässt. Sie ist verantwortlich für die braune Farbe der Brotkrumen und die braune Kruste des Schweinebratens und eben auch für die braune Färbung des Kaffees. „Bei der Maillard-Reaktion entstehen

chemische Verbindungen, welche ihrerseits im Körper Metalle wie zum Beispiel Zink binden“, sagt Professor Henle. Zink aber wird von einigen Enzymen des Körpers gebraucht und auch von Enzymen, die von Tumoren gebildet werden, den so genannten Matrix-Metalloproteasen (MMPs). Vor allem von bestimmten dieser MMPs, wie dem MMP1, ist ein Zusammenhang mit Tumoren und speziell mit dem Darmkrebs bekannt. Professor Henle und seine Mitarbeiter konnten bereits zeigen, dass sich genau dieses Tumorenzym durch Verbindungen, wie sie bei der Kaffeeröstung entstehen, hemmen lässt. Noch handelt es sich jedoch um Laborbefunde. Ob sich die Kaffee-Röststoffe eines Tages tatsächlich auch im Kampf gegen Tumore nutzen lassen, müssen nach Angaben des Dresdner Chemikers die weiteren Untersuchungen zeigen. 

Operation und Chemotherapie – an den Grundzügen der Behandlung beim Darmkrebs hat sich wenig verändert. Und doch ist die Therapie für viele Patienten weitaus schonender geworden: Denn oftmals kann die Chemotherapie nun wenigstens teilweise zu Hause erfolgen. „Das war für mich eine große Erleichterung, weil ich weniger Zeit in der Klinik verbringen musste“, berichtete Norbert Tablick bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Darmkrebs beim Deutschen Krebskongress in Berlin. Vor drei Jahren erkrankte er, auf die Operation folgte die Chemotherapie, die Norbert Tablick als weitaus schonender erlebt hat als zuvor gedacht. Dazu hat nach seinen Worten auch die Tatsache beigetragen, dass Zytostatika wie der Wirkstoff Capecitabin jetzt in Tablettenform verfügbar sind und die Behandlung ein Stück weit im häuslichen Umfeld möglich wird. An der Chemotherapie führt auch künftig beim Darmkrebs kein Weg vorbei: „Wir wissen, dass sich durch die Behandlungsform das Risiko für ein erneutes Auftreten des Tumors um gut 25 Prozent senken lässt“, mahn-

Bewegung tut gut – das gilt auch für lange Informationsveranstaltungen. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema Darmkrebs beim Aktionstag des Deutschen Krebskongresses in Berlin gab es daher eine sportliche Einlage. Eine Bewegungstherapeutin motivierte die Zuhörer – und auch die Experten auf dem Podium – zu leichten gymnastischen Übungen. Von links nach rechts: ehemaliger Darmkrebspatient Norbert Tablick, Krebsexperte Privatdozent Dr. Karsten Ridwelski, Dr. Gerhard Englert von der ILCO, Krebsexperte Professor Dr. Hanno Riess und Dr. Katharina Molenda.

te Privatdozent Dr. Karsten Ridwelski aus Magdeburg. Haben sich bereits Metastasen ausgebil-

„Es ist eine Erleichterung, weniger Zeit in der Klinik verbringen zu müssen“ det, so kann es sogar notwendig sein, die Chemotherapie vor der Operation zu absolvieren. Das ist

Krebszellen am Wachstum hindern Bei verschiedenen Tumoren senden die Krebszellen Signale an den Körper, die diesen veranlassen, neue Blutgefäße auszubilden. Diese wachsen in Richtung Tumor und sorgen dafür, dass die Krebszellen Nährstoffe erhalten und so praktisch ungestört wachsen können. Mit einer noch relativ neuen Strategie versuchen die Krebsmediziner, sich diesen Mechanismus bei der Tumorbehand-

lung zunutze zu machen. Sie haben Wirkstoffe wie den Antikörper Bevacizumab entwickelt, mit denen sich diese Wachstumssignale abfangen lassen. „Angiogenesehemmung“ – also Hemmung der Gefäßneubildung –, so lautet das Schlagwort für diese Behandlungsform. Bevacizumab kann den Tumor nicht eliminieren, die Krebserkrankung also nicht definitiv heilen. Der Wirkstoff kann allerdings den Tumor effektiv am weiteren Wachstum hindern. Er kann so mit dazu beitragen, dass Krebs zunehmend zu einer chronischen Erkrankung wird, mit der man lange überleben kann. Der Wirkstoff wird alle zwei Wochen als Infusion verabreicht und ist gut verträglich. Er hat sich zuerst beim Darmkrebs etabliert und ist inzwischen auch bei verschiedenen anderen Tumoren zu einer wichtigen Therapieoption geworden. 

dann ratsam, wenn zum Beispiel Tochtergeschwülste in der Leber nicht ohne weiteres operiert wer-

Viele Patienten wie zum Beispiel Norbert Tablick (Mitte) begrüßen es, dass die Chemotherapie beim Darmkrebs inzwischen durch die Einnahme von Tabletten weitgehend zu Hause durchgeführt werden kann. (links Moderatorin Franziska Rubin, recht Privatdozent Dr. Karsten Ridwelski, Magdeburg)

den können. „Durch die Chemotherapie gelingt es oft, die Metastasen so weit zu verkleinern, dass eine Operation dann doch wieder möglich wird“, erläuterte Krebsexperten Professor Dr. Hanno Riess aus Berlin. Obwohl die Darmkrebsbehandlung schonender geworden ist, fühlen sich dennoch viele Patienten anschließend körperlich und auch seelisch weitgehend erschöpft. Ratsam ist deshalb fast immer eine anschließende Reha-Behandlung. „Doch diese Chance wird noch viel zu wenig genutzt“, meint Dr. Katharina Molenda von der Median-Klinik in Kalbe. Nur jeder dritte Krebspatient nimmt nach ihren Worten bislang die Möglichkeit einer solchen Anschlussbehandlung wahr. 

30 Tonnen Nahrungsmittel verdaut Unser Darm ist ein sehr leistungsfähiges Organ: Er „verputzt“ rund 30 Tonnen an Nahrungsmitteln und etwa 50.000 Liter an Flüssigkeit während unseres Lebens. Kein Wunder, dass das etwa acht Meter lange Organ, das sich fein säuberlich zusammengefaltet im Bauchraum befindet, bei vielen Menschen irgendwann einmal streikt: Fatal

ist es, wenn sich im Darm langsam aber stetig Zellen verändern und zu Krebszellen werden. Dies geschieht nicht selten und jedes Jahr muss in Deutschland rund 70.000 Mal die Diagnose „Darmkrebs“ gestellt werden. Würden die Chancen der Früherkennung besser genutzt, so könnte diese Zahl bald kleiner werden. Doch die Experten beklagen,

dass noch zu wenig Menschen hierzulande das Angebot der vorsorglichen Darmspiegelung nutzen: „Nur 15 Prozent der berechtigten Frauen und nur zehn Prozent der Männer haben die Untersuchung bisher vornehmen lassen“, beklagte Privatdozent Dr. Karsten Ridwelski aus Magdeburg beim Deutschen Krebskongress in Berlin. 


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Im Einzelfall kann Abwarten des Beste sein

Gute Aufklärung ist wichtig. Denn beim Prostatakrebs gibt es vielfältige Behandlungsmöglichkeiten.

Eine der häufigsten Krebserkrankungen des Mannes ist der Prostatakrebs. Er zeichnet allgemein für rund 22 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich und tritt vor allem im höheren Lebensalter auf. Im Durchschnitt sind die betroffenen Patienten etwa 70 Jahre alt und damit etwas älter als bei den meisten anderen Krebserkran-

kungen. Sowohl hinsichtlich der Früherkennung des Prostatakarzinoms als auch bei dessen Therapie gibt es derzeit noch Kontroversen. Klar aber ist auch bei der Prostata: Je früher ein Karzinom erkannt wird, umso besser sind die Heilungsaussichten. Experten raten deshalb Männern ab dem 50. Lebensjahr eindringlich zur Teilnahme

an den Krebs-Früherkennungsuntersuchungen. Welche Bedeutung dabei dem so genannten prostataspezifischen Antigen (PSA) zukommt ist, wird nach wie vor umstritten diskutiert. Sicher ist, dass eine Erhöhung des PSA-Wertes nicht gleich „Krebs“ bedeutet. Erhöhte Spiegel des Antigens zeigen lediglich an, dass es Veränderungen in der Prostata gibt. Das aber können auch entzündliche Prozesse sein. Gesichert wird die Verdachtsdiagnose Prostatakrebs laut Professor Dr. Markus Hohenfellner aus Heidelberg durch bildgebende Untersuchungen und gegebenenfalls durch eine Prostatabiopsie mit feingeweblicher Untersuchung des entnommenen Probenmaterials. „Die Behandlung wird zunehmend vielfältiger und lässt sich damit besser der individuellen Situ-

ation anpassen“, berichtete Professor Hohenfellner bei einer Pressekonferenz des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Gemeinsam sollten die behandelnden Urologen, Chirurgen, Onkologen und Strahlentherapeuten über das Vorgehen im individuellen Fall beraten, was jedoch nur an spezialisierten Zentren möglich sein wird. Die Beratung aber ist nach Angaben des Mediziners wichtig, da die Behandlung sich an der Ausdehnung des Tumors und seiner Bösartigkeit ausrichten sollte, aber auch an der Lebenssituation des Patienten, seinem Lebensalter und seinem allgemeinen Gesundheitszustand. „Wichtig ist, dass wir mit der Behandlung einen maximalen Effekt bei möglichst geringer Belastung des Patienten erwirken“, sagte Professor Hohenfellner. 

„Marathonlauf – Symbol für den Sieg über den Krebs“ Britta Petersen kämpfte laufend gegen ihr Lymphom Wieder laufen? Und vielleicht so- der Kampf gewonnen. Ganz langgar wieder einen Marathon? Das sam startete die Sportlerin mit schien für Britta Petersen lange einem Muskelaufbautraining. Ihr nicht mehr möglich zu sein. Drei- Kampfeswillen war groß, trotz mal hat die junge Frau dem Krebs enormer Tumormüdigkeit begann die Stirn geboten. Den ersten Ma- sie wenige Monate nach Abschluss rathonlauf hat sie längst wieder der Behandlung wieder mit dem absolviert und in diesem Jahr will Joggen. sie auch beim Hamburg-Marathon Alle drei Monate musste sie zur erneut starten. Kontrolluntersuchung – trainierte Schon seit ihrer Jugend ist die aber parallel bereits wieder für eine heute 36-Jährige begeisterte Leis- Lauf-Meisterschaft. Dann ereilte die tungssportlerin. „Ich war immer junge Frau erneut eine vermeintlischon auf die Mittel- und Langstre- che „Sommergrippe“. Es folgte ein cke spezialisiert“, sagt die Hambur- Zusammenbruch während des Traigerin. Im Juni 2000 dann wie aus heiterem Himmel die Diagnose: HodgkinLymphom. Angekündigt hatte sich der Lymphknotenkrebs mit Symptomen, die zunächst an eine Allergie denken ließen. Neun Monate lang wurde Britta Petersen immer wieder mittels Chemotherapie und Bestrahlungen gegen den Krebs behan- Laufen ist ein Lebenselexier für die ehemalige Lymphomdelt. Dann schien patientin

nings. In der Klinik stellten die Ärzte ein Wiederauftreten des HodgkinLymphoms fest. „Für mich brach eine Welt zusammen“ erzählt Britta Petersen. Sie musste eine große Lungen-Operation über sich ergehen lassen, entwickelte Komplikationen bis hin zum Herzstillstand, musste reanimiert werden und anschließend eine Hochdosis-Chemotherapie und Stammzelltransplantation erhalten. Auf 39 Kilogramm abgemagert und im Rollstuhl sitzend nahm sie sich vor, sich keinesfalls unterkrie-

Britta Petersen mit der Marathonmedaille

jedoch zusammen. Ihre unbändige Energie, ihre Freude am Sport und speziell am Langlauf und ihr enormer Lebenswille haben Britta Petersen geholfen, auch über diesen Rückschlag und die erneute Chemotherapie hinweg zu kommen. „Seit dem Frühjahr 2007 gelte ich

„Ich habe den Marathon meines Lebens gewonnen.“ gen zu lassen, dem Krebs weiter die Stirn zu bieten und auch wieder mit dem Laufen zu beginnen. „Doch es hat zehn Monate gedauert, bis ich wieder richtig auf den Füßen war“, berichtet die energische Frau. Auf den Füßen? Schon ein Jahr später lief die ehemalige Krebspatientin ihren ersten Halb-Marathon nach der Erkrankung. „Das war für mich ein symbolischer Sieg über den Krebs“, so sagt sie. 2006 lief sie mit beim Köln-Marathon – brach im Ziel

als geheilt und laufe regelmäßig“, erzählt Frau Petersen. Sie hat noch 2007 erfolgreich den Frankfurt-Marathon absolviert und wird auch 2008 sportlich aktiv bleiben: „Meine Überlebenschancen lagen bei ein bis zwei Prozent und es gab Ärzte, die mich längst aufgegeben und zum Sterben nach Hause geschickt haben. Mein Beispiel zeigt, dass man auch mit einer aggressiven Krebserkrankung die Hoffnung auf das Leben nicht aufgeben darf.“ 

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Ärzte sprechen häufig eine eigene Sprache und nicht immer haben sie Zeit, die medizinischen Fachbegriffe für die Patienten zu übersetzen. Mit „Medizinerdeutsch von A bis Z“ wollen wir zu etwas mehr Orientierung im Dschungel der Ärztesprache beitragen. Der Begriff „Adjuvante Therapie“ beschreibt eine unterstützende Behandlungsform. Er wird in der Krebsbehandlung oft für Therapiemaßnahmen zum Beispiel nach einer Operation genutzt, wenn kein Tumor mehr nachweisbar ist, das Vorhandensein einzelner Tumorzellen aber nicht ausgeschlossen werden kann. Durch die unterstützende Maßnahme, zum Beispiel eine adjuvante Chemotherapie, sollen dann auch solche Zellen eliminiert werden. Antikörper sind Verbindungen, die das Immunsystem als Abwehrreaktion auf eindringende Fremdkörper bildet. Inzwischen haben die Antikörper speziell bei Krebserkrankungen auch therapeutische Bedeutung. Sie werden eingesetzt, wenn es darum geht, gezielt bestimmte Reaktionen und Signalwege, die den Tumor und sein Wachstum steuern, zu blockieren.

IMPRESSUM  Verlag Fromm&Fromm GmbH Medizinischer Fachverlag Verlagssitz: Achtern Felln 26 25474 Hasloh Tel.: 04106/6307-0 Fax: 04106/6307-15  Redaktionssitz: Bahnhofstr. 21, 65549 Limburg Tel.: 06431/21897-68 Fax: 06431/21897-10 E-mail: info@2xfromm.de www.2xfromm.de  Redaktion: Christine Vetter  Freie Mitarbeit: Dr. med. Klaus Steffen  Druck: Druckerei Möller, Berlin  „Lebenswege“ wird gefördert von der Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen.

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Prostatakrebs – eine Erkrankung des höheren Lebensalters

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„Wer gut informiert ist, lebt länger“ Aktionstag beim Deutschen Krebskongress fand regen Zuspruch Die Forderung, Krebspatienten mit ihren Bedürfnissen und mit ihren Sorgen und Ängsten ernst zu nehmen, war kein Lippenbekennt-

nis der Veranstalter des 28. Deutschen Krebskongresses in Berlin. Einen ganzen Tag lang stand das Berliner Kongresszentrum ICC Be-

mal eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt einzuholen, wenn sie das Gefühl haben, die Diagnostik sei noch nicht ausreichend oder wenn sie Therapievorschläge nicht voll mittragen können. Wie wichtig es ist, das Selbstbewusstsein der Krebspatienten zu stärken und ganz allgemein das Thema „Krebs“ aus der Ta-

Auch „Lebenswege“ war selbstverständlich mit einem Informationsstand beim Aktionstag des Deutschen Krebskongresses vertreten.

verdanken, ausgehend von den besseren Möglichkeiten der Früherkennung, über eine allgemein bessere Krebsdiagnostik bis hin

„Selbstbewusst bei Bedarf eine Zweitmeinung einholen“

der Krebserkrankungen insbesondere bei alten Menschen verbunden sind“, meinte dazu Professor Dr. Michael Bamberg, Tübingen, als Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. Die Gesellschaft setzt für die Zukunft auf die weitere Einrichtung so genannter Organzentren. Inzwischen gibt es bundesweit bereits 163 Brustkrebszentren. Außerdem wurden 42 Darmkrebszentren und 12 Prostatakrebszentren eingerichtet. Weitere Organkrebszentren sollen folgen. 

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buzone zu holen, machen ein- zu verbesserten Behandlungsdrucksvoll die anlässlich des Krebs- möglichkeiten und vor allem neukongresses veröffentlichten Zah- en Medikamenten, die zielgerichEine gesunde Ernährung ist für jedermann wichtig, ganz besonders für Tumorpa- len deutlich: Demnach erkran- tet und weit schonender als die tienten: Wie sich gesund und schmackhaft zugleich kochen lässt, demonstrierten ken jährlich in Deutschland etwa traditionellen Zytostatika gegen beim Aktionstag die Fernsehköche Johann Lafer und Cornelia Poletto (in der Mit- 436.000 Menschen an Krebs. Krebszellen wirksam sind. Rund 208.000 Menschen versterte zu sehen: Moderatorin Franziska Rubin). ben jährlich an einer Krebserkrantroffenen, Angehörigen und allge- kung, wie das Robert Koch-InTERMINE mein Interessierten offen. stitut bekannt gab. Die Zahl der Geboten wurden zahlreiche Ver- neuen Krebsdiagnosen hat damit Der „11. Bundesweite DLHanstaltungen rund um das Thema gegenüber der letzten Schätzung Patienten-Kongress“ für LeuKrebs: Von Expertenvorträgen und des Institutes um 11.000 jährlich kämie- und Lymphompatien-foren über Informationsstände von zugenommen. ten, Angehörige, Pflegekräfte Selbsthilfegruppen und PatientenWie groß das Krebsproblem und Ärzte findet vom 21. bis organisationen bis hin zu umfas- inzwischen ist, verdeutlicht ei22. Juni 2008 in Bremen statt. ne andere Zahl: Die Anmeldung zum Kongress Statistisch gekann per Post erfolgen direkt sehen wird fast beim Veranstalter, der Deutin jeder Minute schen Leukämie- und Lymhier in Deutsch- Viele Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen, die sich speziell um Krebsphomhilfe (DLH), Thomasland irgendwo Mann-Str. 40, 53111 Bonn, kranke kümmern, waren beim Aktionstag vor Ort vertreten und standen den die Diagnose oder online auf der Webseite Fragenden Rede und Antwort. „Krebs“ gestellt. www.leukaemie-hilfe.de.  Erfreulich ist Trotz der enormen Fortschritte seTERMINE hingegen die hen die Krebsmediziner sich aber „Darmkrebs – vermeiden, beEntwicklung bei auch vor große Herausforderungen „Durch die Brust ins Herz handeln, heilen“ so lautet das den Heilungs- gestellt. Denn die Zahl der Krebspati– Herausforderung BrustThema der „Abendlichen Frageraten: Immer- enten wird allen Prognosen zufolge krebs“ – unter diesem Titel stunde“ der Bayerischen Krebsbietet die Kampagne „Städte gesellschaft e. V. am 27. Mai Ängste und Sorgen sind im Zusammenhang mit einer Krebser- hin kann heut- stetig weiter steigen und es müssen gegen Brustkrebs“ am 22. Juni 2008 in Regensburg. Die Verankrankung normal, sollten aber nicht den Geist und die Seele be- zutage mehr als Strukturen geschaffen werden, um 2008 in Würzburg eine Inforstaltung ist kostenfrei und findet herrschen. Wenn es anders nicht geht, lassen sich die Sorgen auch jeder zweite Be- künftig eine optimale Versorgung mationsveranstaltung an. Einen von 19 bis 21 Uhr im Konferenzeinmal für eine gewisse Zeit an ein „Sorgenpüppchen“ abgeben. troffene von der der steigenden Patientenzahl geKrebserkran- währleisten zu können. „Wir müsersten Informationsblock gibt raum der Volkshochschule im sendem Aufklärungsmaterial, das kung geheilt werden, eine Zahl, sen verantwortungsbewusst und es von 11 bis 15 Uhr, modeThon-Dittmer-Palais am Haidzum Nachlesen mit nach Hause ge- die noch vor Jahren als undenk- gemeinsam handeln, um adäquat riert von der ZDF-Moderatoplatz statt.  nommen werden konnte, blieben bar galt. Sie ist dem Zusammen- auf die Herausforderungen vorberin Susanne Conrad und unkaum Informationswünsche un- spiel verschiedener Faktoren zu reitet zu sein, die mit der Zunahme ter Mitwirkung der Sängerin erfüllt. Die Deutsche KrebsgesellIna Deter, die vor Jahren selbst schaft, die den Kongress und auch an Brustkrebs erkrankt war. den Patienten-Aktionstag organiZwischen 15 und 16 Uhr finSollten Sie Fragen zu den hier sierte, setzt auf Aufklärung: „Wer den parallel je drei einstündivorgestellten Themen haben, als Krebspatient gut informiert ist, ge Workshops zu den Themen rufen Sie uns unter der lebt länger“, betonte Kongressprä„Wenn Brustkrebs wiederangegebenen Service-Nummer an, schicken Sie uns eine E-Mail sident Professor Dr. Manfred Kaufkommt“, „Was tun bei Nebenoder schreiben Sie uns an die mann aus Frankfurt. wirkungen“ und „Sport und angegebene Adresse. Informierte Patienten kennen Ernährung bei Krebs“ statt. Die sich nach seinen Worten besser Teilnehmerzahl ist auf 30 Per✆ 06431/21897-68 aus und wissen, wo sie Experten sonen pro Workshop begrenzt. Um Anmeldung wird gebeten @ info@lebenswege-forum.de für ihre Erkrankung finden und www.lebenswege-forum.de was sie selbst tun können, um die unter info@brustkrebszentrale. Heilungschancen zu optimieren. de oder per Postkarte an:  Fromm & Fromm GmbH Sie scheuen sich nicht nachzufra„Durch die Brust ins Herz“, Post„Lebenswege“ gen, wenn sie etwas nicht verstefach 51 11 70, 50947 Köln.  Unter anderem wurde beim Berliner Krebskongress auch das Arbeiten mit KlangBahnhofstr. 21 hen, und selbstbewusst auch einD-65549 Limburg schalen als ein Bereich der Musiktherapie für Krebspatienten demonstriert.


Lebenswege ­ Zeitschrift für Krebspatienten und ihre Angehörigen Ausgabe 23