Dresden Newspaper Story

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| Montag, 9. Februar 2015 | nr. 33 | SeIte 13

Leuchtfeuer des Friedens und der Versöhnung

Wenn zwei Menschen in der Öffentlichkeit die Köpfe zusammenstecken, kann das vieles bedeuten. Zum Beispiel werden Gemeinheiten über einen Dritten ausgetauscht oder Liebesschwüre ins Ohr geflüstert. Seit geraumer Zeit gibt es dafür noch einen weiteren Grund: Selfies – jene mit dem Smartphone erzeugten Bilder, auf denen der Besitzer des mobilen Telefons Kopf an Kopf mit einer Person seiner Wahl um die Wette grinst. In Osteuropa profitieren offenbar nun Parasiten von dieser modernen Selbstinszenierung. Nein das ist kein Scherz: Russische Verbraucherschutzbehörden warnen vor der gemeinen Selfie-Laus auf russischen Köpfen. Sie denken nämlich, dass der Grund für die Verbreitung diverser Krankheiten bei Jugendlichen die Annäherung fürs Selfie-Fotografien ist. Vielleicht sollte man auch hierzulande das Gerücht der fiesen Selfie-Parasiten streuen. Dann hätte man in sozialen Netzwerken endlich ein wenig Ruhe von den grinsenden Selbstdarstellern, hofft

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Die Fassade der Hofkirche wird zur Kulisse für eine Lichtinstallation – am Freitag soll es auch noch einen dritten Ring geben. F'"': S")%$" Willi%ms

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© Karen Mower

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Stuart Williams will sein Lichtobjekt sechs Wochen lang zeigen. F'"': a!j% Sch!#id#$

Neue Agentur für Arbeit – die Hälfte steht schon Im S'mm#$ zi#h#! 450 Mi"%$&#i"#$ !%ch !#&#!%! )m / J'&c#!"#$ v#$h%!d#l" Ü&#$!%hm# d#s %l"#! H%)s#s Von BArBArA Stock

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Dresden muss Stuart Williams wirklich am Herzen liegen. Aus eigener Tasche steuert der US-amerikanische Künstler 20 000 Euro bei, damit seine Lichtinstallation „Lebensatem / Dresden“ ab dem 13. Februar anlässlich des 70. Jahrestages der Zerstörung der Stadt an der Fassade der Hofkirche zu sehen ist. „Das sind meine Ersparnisse, aber mir ist es das wert, weil mir das Projekt sehr viel bedeutet“, sagt Williams. Auch als Sohn eines amerikanischen Soldaten, der in Deutschland im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat, bedauere er die Bombardierung Dresdens. „Die Zerstörung dieser malerischen Stadt mit ihrer einzigartigen barocken Architektur war nicht notwendig, um den Krieg zu beenden. Das war wirklich ein großer Verlust für das kulturelle Erbe der Menschheit“, betont der 68-jährige New Yorker. Mit seiner Installation möchte er jedoch nicht nur zurückblicken, sondern die Auferstehung der Stadt von den Toten zelebrieren. „Obwohl es die Ausstellung in ähnlicher Form bereits in Dresdens Partnerstadt Columbus im US-Bundesstaat Ohio gegeben hat, bekommt der ‚Lebensatem’ erst hier in Dresden seine wahre Bedeutung“, denkt Williams. Dort, wo einst Ruinen standen und architektonische Schätze von Weltrang wie Hof- und Frauenkirche, Schloss und Semperoper in Schutt und Asche versanken, ist der Atem des Lebens wieder zurückgekehrt. „Ich möchte auf diese Weise das Überleben und den Wiederaufbau dieser Stadt ehren, die ich für eine der schönsten in ganz Europa halte.“ Ab heute sind Arbeiter drei Tage lang damit beschäftigt, die 28 LED-Leuchten am Turm der Hofkirche zu befestigen. Ist alles fertig, werden dort im Rhythmus des menschlichen Atems computergesteuerte Lichtwellen auf und absteigen. Welche Farben dabei zur Verwendung kommen, kann Stuart Williams noch nicht sagen: „Das müssen wir ausprobieren. Aufgrund des teilweise dunklen Sandsteins ist nicht jede Farbe geeignet“, so Williams. Nach dem Auftakt am 13. Februar ist die Installation sechs Wochen lang bis 27. März zu erblicken. Da Lichtinstallationen Strom kosten, ist auch ein Blick auf die Stromkosten interessant. Und die sind erstaunlich niedrig. „Wir zahlen für den gesamten Zeitraum gerade mal 40 Euro. So sparsam sind die Leuchten“, freut sich der Künstler. Angesichts von Gesamtkosten von 40 000 Euro, von denen bisher erst ein Teil durch Spenden refinanziert werden konnte, fällt das tatsächlich kaum ins Gewicht. Aber wie bereit erwähnt denkt Stuart Williams, wenn es um Dresden geht, nicht zuerst ans Geld. Die meditativen Lichtwellen haben für ihn eine symbolische Bedeutung. „Gerade angesichts der aktuellen Demonstrationen, die in Dres-

den stattfinden, soll die Installation ein Leuchtfeuer der Freundschaft, des Friedens und der Versöhnung sein.“ Ursprünglich hätte er sich für sein Projekt auch die Frauenkirche vorstellen können, aber das ging aus technischen Gründen nicht. „Die Kirche hat sich nicht so gut geeignet, um die LED-Lampen anzubringen, ohne das Gebäude zu beschädigen“, so Williams. Dennoch ist die Hofkirche für ihn keine zweite Wahl. „Ich finde den Standort inmitten der bekannten Dresdner Silhouette und unweit der Elbe, wo sich das Licht im Fluss spiegeln kann, einfach wunderbar“, sagt Williams, der sich nicht nur als Künstler, sondern auch als ausgebildeter Architekt für die Stadt interessiert. Kennengelernt hat er Dresden übrigens auf eine ganz spezielle Weise. „Ich habe das Buch ‚Schlachthof 5’ von Kurt Vonnegut mit großem Interesse gelesen. Der autobiographisch geprägte Roman handelt von einem Kriegsgefangenen, der während der Luftangriffe auf Dresden im Städtischen Schlachthof, dem heutigen Ostrale-Gelände, einsitzt. Seit dieser Lektüre hat mich die Faszination für Dresden nicht mehr losgelassen“, erzählt der 68-Jährige. Er habe deshalb auch gedacht, als er 2012 während der Ausstellung in Columbus gefragt wurde, ob er sich auch eine Installation in Dresden vorstellen könnte: „Hoffentlich ist es Dresden in Deutschland und nicht Dresden in Tennessee oder Oklahoma.“

Einer von zwei Flügeln steht schon. Und er lässt die Dimensionen ahnen, die der Neubau der Agentur für Arbeit später haben wird. Die zwei fünfgeschossigen Gebäude, die mit einer großzügigen Eingangszone verbunden werden, bieten auf 12 000 Quadratmetern Platz für Büros und Nebenflächen. Das Berliner Immobilien- und Projektentwicklungsunternehmen IMplusPRO hat Erfahrung mit dem Bau von Arbeitsämtern und Jobcentern und bereits vier davon in der offenbar zeit- und geldsparenden Modulbauweise hochgezogen. Eins ist seit kurzem in Freiberg zu besichtigen. Nun wächst das nächste in beeindruckender Geschwindigkeit auf dem einstigen Brauereigelände zwischen Henriette-Heber-Straße und Zwickauer Straße – direkt hinter dem 17 Jahre alten Vorgängerbau an der Budapester Straße. Den wird – wenn die Verhandlungen zu einem guten Ende führen – künftig höchstwahrscheinlich komplett das Jobcenter Dresden in Beschlag nehmen – mitsamt dem Integrationsteam von der Nossener Brücke und den Außenstellenmitarbeitern aus Cotta.

Wenn die rund 450 Arbeitsämtler im Sommer ausziehen, sind Versicherungsbereich (Arbeitslosengeld I) und steuerfinanzierter Bereich (Hartz IV) zumin-

dest räumlich voneinander getrennt. Was nicht heißt, dass sich auch die Wege trennen. Denn Agentur und Jobcenter arbeiten auf vielen Gebieten sehr eng

Die neue Agentur für Arbeit wächst direkt hinter der alten in die Höhe. Im Sommer sollen 450 Kollegen in den modernen Bau umziehen. Dann könnte das Jobcenter das alte Haus (links im Bild die Rückfront) allein in Beschlag nehmen. F'"': a!j% Sch!#id#$

und erfolgreich zusammen. „Daran wird der Umzug nichts ändern“, sagt Arbeitsagenturchef Thomas Wünsche gegenüber DNN. „Im Gegenteil, denn mit Wegfall der Außenstellen verkürzen sich Wege, nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für die Besucher unserer Häuser. Und natürlich wird der gemeinsame Arbeitgeberservice von Agentur und Jobcenter auch weiterhin für die Arbeitgeberschaft der Stadt der Ansprechpartner in punkto Stellenbesetzung bleiben.“ Zuletzt hatte die Agentur für Arbeit etwa 30 Prozent der in Dresden gemeldeten 24 376 Arbeitslosen betreut – für 70 Prozent von ihnen ist das Jobcenter Ansprechpartner. Die Dresdner Agentur ist nur Mieter der Immobilie. Die Verträge laufen über die Immobilienmanagement-Tochter der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Die GBI steuert seit 14 Jahren bundesweit alle Bau- und Immobiliengeschäfte. Dresdens Agenturchef Thomas Wünsche hofft mit dem Umzug auf Synergieeffekte – bessere Kommunikation durch kurze Wege, flüssigere Arbeitsabläufe. Vielleicht fallen neben einem moderneren Stelleninformationssystem auch noch neue Technik und neue Möbel für das Berufsinformationszentrum (BIZ) ab.

Das „Schmuddelkind“ soll einen Kontrapunkt setzen. F'"': n'exc)s#s

Schmuddelkind auf dem Heidefriedhof bildh%)#$i! Ch'd%k'wsk% kü!di(" $#ch"lich# Sch$i""# %! Nach der kurzfristigen Installation einer Statue mit dem Namen „Schmuddelkind“ auf dem Dresdner Heidefriedhof will die Dresdner Bildhauerin Małgorzata Chodakowska, von der die Skulptur „Tränenmeer“ stammt, nun rechtliche Schritte einleiten und fordert Unterlassung. Das kündigte Chodakowska am Wochenende an. Am Freitag hatte eine Dresdner Gruppierung mit dem Namen „NoExcuses“ ihre eigene Statue auf den Heidefriedhof platziert. Diese zeigte mit dem Finger auf Chodakowskas „Tränenmeer“ und sollte einen „erinnerungspolitischen Kontrapunkt“ zum trauernden Mädchen bilden. Indem das „Schmuddelkind“ auf Chodakowskas Trauernden-Plastik zeige, benenne es „das trauernde Mädchen am Tränenmeer als Täterin und kehrt dessen Opfer-Symbolik um“, hatte „NoExcuses“ schriftlich mitgeteilt. „Dresden sieht sich wie dieses Kind als unschuldig, naiv und ohne Bewusstsein für sein eigenes Tun.“ Dresden sei jedoch in der NS-Zeit keine unschuldige Stadt gewesen, die Mehrheit der Dresdner Bevölkerung müsse man als Täter betrachten. Bildhauerin Chodakowska kritisierte, dass die Gruppe die Intention ihres Werkes absolut ignoriert habe. „Das trauernde Mädchen soll allen Menschen eine Chance geben, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, Trauer zuzulassen und am Ende die Vergebung und den Frieden zu finden, den unsere Welt so nötig hat“, teilte Chodakowska mit. „Es ist ein Symbol gegen den Krieg, gegen Gewalt und für ein friedliches kollektives Denken, welches uns vor Hass und Zerstörung bewahren wird und die Ungerechtigkeit auf der Welt, die immer wieder auch von der linken Szene angeprangert wird, überwinden kann.“ Das Symbol für Versöhnung und Frieden zu einem Symbol der Ausflüchte zu machen, könne sie nur mit einem „milden Kopfschütteln“ bewerten. Es sei „im Hinblick auf die polnischen Wurzeln der Künstlerin grotesk und unbedacht“. „NoExcuses“ hatte die nach eigenen Angaben rund 40 Kilo schwere Statue am Freitag auf dem Heidefriedhof platziert, wo sie aber offenbar schon nach kurzer Zeit von der Friedhofsverwaltung entfernt wurde. Nach Angaben der Gruppe war die „Vernissage“ des „Schmuddelkindes“ nicht angemeldet, da man von Anfang an nicht mit einer positiven Reaktion von Seiten der Friedhofsverwaltung gerechnet habe. ttr/sl

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Malgorzata Chodakowska an dem Denkmal „Tränenmeer“. F'"': S#&%s"i%! K%h!#$"