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NR. 17 2019

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SEPTEMBER 2019, 3. JG., ISSN 2569-2887

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„ Es gibt nichts Gutes außer man tut es.“ – Erich Kästner (1899-1974)


Editorial

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Die Pflege wird selbstbewusst! Liebe Leserin, lieber Leser,

Andrea Bergsträsser

Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Illustration | Laura Serra

Wer von uns Pflegenden kennt das nicht? Oftmals werden medizinische Anordnungen getroffen, die wir Pflegefachpersonen kritisch sehen. Leider wird häufig diese fachliche Kritik nicht geäußert. Warum äußern unsere Kollegen diese nicht? In der Regel können sie diese gut begründen, haben Fachkenntnisse und jahrelange Erfahrung. Warum also halten Pflegefachpersonen in Deutschland mit ihrem Wissen so oft hinterm Berg? Es fehlt, so scheint mir, an Selbstbewusstsein. Viele Pflegefachpersonen glauben nicht, dass ihr AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Editorial

VIELE PFLEGEKRÄFTE GLAUBEN NICHT, DASS IHR WISSEN UND IHRE ERFAHRUNG GEWICHT HABEN.

Wissen und ihre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen Gewicht haben. Aber ich bin zuversichtlich: Die Pflege ist auf dem Weg selbstbewusster zu werden. Dabei hilft ihr die rechtlich verankerte Berufsordnung, die es jetzt in Rheinland-Pfalz gibt – und damit erstmals in Deutschland. Ziel der Berufsordnung ist unter anderem die Würde der Menschen mit Pflegebedarf zu fördern und zu schützen. Das bedeutet: Wir sind für die pflegerische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz verantwortlich. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

Auf dem Pflegetag werden wir die Berufsordnung vorstellen und mit Ihnen diskutieren – im Wissen, dass sie keine bloße Idee, kein bloßer Plan ist, sondern kurz davor steht in Kraft zu treten. Der dritte Pflegetag Rheinland-Pfalz wird damit zu einem ganz besonderen Ereignis: Ein Tag, an dem die Pflege wieder ein Stück selbstbewusster wird und ihren wichtigen Stellenwert im Gesundheitssystem einfordert.

Ihre Andrea Bergsträsser


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Inhaltsverzeichnis

INHALT

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FACHKRÄFTEINITIATIVE PFLEGE Jetzt gibt es eine Neuauflage der FQI 2.0. Die Pflegekammer ist auch dabei. NR. 17 2019

09 Aktuelles & Politik 11 Pflegebedürftigkeit Beliebtes Informations- und Beschwerdetelefon

„ VORSCHAU PFLEGETAG RHEINLAND-PFALZ“

15 Welttag der Patientensicherheit Nehmt auch die Bewohner in den Blick! 21 Aus der Region PTHV, Stiftung Kreuznacher Diakonie, AWO Laubach

pflegekammer-rlp.de

Coverbild: Helena Melikov www.kocmoc-berlin.de

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29 Kommentar Markus Mai Die Tarifparteien sind jetzt gefordert 31 Am besten geklickt Die Top Five des Kammermagazins 37 Neue Broschüre zu Demenz Fortbildungen nach dem LegoPrinzip


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45 Schwerpunktthema: Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz 51 Programmbeirat Warum es sich lohnt, den Pflegetag zu besuchen 55 Berufsordnung Ab 2020 endlich Klarheit im Pflegealltag! 61 Gesund im Beruf BGW mit Tipps für einen gesunden Rücken

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71 Comedian Gaudo im Interview Warum Humor so gut gegen Stress wirkt

KOMMEN SIE ZUM PFLEGETAG! Das Programm isst ganz abgestimmt auf die Pflege in Rheinland-Pfalz

59 Programm Pflegetag Der ganze Tag auf einen Blick

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KI-EXPERTE IM INTERVIEW Bart de Witte, früher IBM und SAP, über Digitalisierung und Pflege

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MALU DREYER IM INTERVIEW Die Ministerpräsidentin über ihr Leben im Wohnprojekt

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ANTI-DEKUBITUS-MATTEN IM TEST Studie: Es muss nicht immer Hightech sein

93 Junge Pflege 95 Generalistik Wie das neue Pflegeberufegesetz den Pflegealltag verändert

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Inhaltsverzeichnis

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LESERFRAGE MITMACHEN MITGESTALTEN MITWIRKEN?

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DAS PERFEKTE TEAM Dieses Mal: Die B0 im St. Marienund St. Annastiftskrankenhaus

101 Zum guten Schluss 113 Tipps & Termine

Sie haben Rückfragen zu einzelnen Artikeln im Heft? Oder Sie würden gerne bestimmte Themen im Kammermagazin näher beleuchtet haben? Dann schreiben Sie uns an unten stehende E-MailAdresse. Wir nehmen Ihre Themenwünsche jederzeit gerne mit auf. Nutzen Sie die Möglichkeit, die Inhalte lesen zu können, die Sie besonders interessieren. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.

119 Kontributoren 121 Impressum

Bei Fragen oder wenn Sie uns ein Feedback geben möchten, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail: Leserfrage@pflegekammer-rlp.de

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Aktuelles & Politik


15 WELTTAG DER PATIENTENSICHERHEIT Schaut auch auf die Bewohner

21 PANORAMA: AUS DER REGION Stiftung Kreuznacher Diakonie, PTHV und AWO Seniorenzentrum

25 FACHKRÄFTE- UND QUALIFIZIERUNGSINITIATIVE Mit vereinten Kräften und viele spannende Themen mehr


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Aktuelles & Politik

Pflegebedürftigkeit

INFO-BEDARF? BESCHWERDEN? EINFACH ANRUFEN!

Foto: Quino Al / unsplash.com

Pflegebedürftige und Angehörige brauchen immer mehr Beratung. Deshalb stockt das Ministerium die Mittel für das Informations- und Beschwerdetelefon (Ibetel) auf.

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Aktuelles & Politik

Text | Birgitta vom Lehn

Wenn Vater oder Mutter, Onkel oder Tante plötzlich pflegebedürftig werden, fühlen sich Kinder und Angehörige schnell überfordert. Manches Vertragswerk, das dann schnell unterzeichnet werden soll, versteht nur ein Jurist. Oder es tauchen Probleme im Laufe eines Pflegeverhältnisses auf: Der Pflegegrad wechselt oder der Pflegedienst oder das Heim erhöhen die Kosten, was für Angehörige schwer nachvollziehbar scheint. Für all diese Fälle gibt es seit 2003 in Rheinland-Pfalz das bei der Verbraucherzentrale (VZ) angesiedelte „Informations- und Beschwerdetelefon“, kurz Ibetel genannt. 2010 hat man es fachlich und begrifflich um den Zusatz „Pflege und Wohnen in Einrichtungen“ erweitert.

Viele Anfragen zu neuen Pflegegraden

„Meist sind es die Pflegebedürftigen selbst oder deren Angehörige, die sich an uns wenden“, berichtet Gisela Rohmann, die als Juristin für das Ibetel

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2.500

Anfragen hat die Verbraucherzentrale 2018 für das Ibetel gezählt. Dieses Jahr werden es voraussichtlich noch mehr sein.

arbeitet. „Daneben beraten wir aber auch die 135 Pflegestützpunkte vor Ort.“ Das Ibetel unterstützt Pflegebedürftige und deren Angehörige bei Beschwerden und – falls nötig – auch bei deren Rechtsverfolgung, etwa wenn Probleme mit Anbietern ambulanter Pflegedienste auftauchen, bei Fragen zur Abrechnung oder Vertragsgestaltung von Pflegediensten oder wenn es Unstimmigkeiten mit den Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) gibt. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

Die wichtigsten Anrufgründe sind laut Rohmann folgende: „Ein Pflegeantrag wird abgelehnt. Oder ein Pflegegrad wird als zu niedrig empfunden. Oder das Heim erhöht die Kosten. In der Pflegeversicherung ändert sich immer wieder etwas, da müssen sich alle immer wieder neu einarbeiten. Ein gutes Beispiel dafür war auch die Umstellung von Pflegestufen auf -grade. Diese verlangte mehr Beratung.“

Auch unzufriedene Pflegeheim-Klienten rufen an

Letztlich könne man die Beratung drei großen Gruppen zuordnen: Fragen zu Leistungen der Pflegeversicherung, zu Verträgen mit Pflegeheimen und Pflegediensten und zu Beschwerden zum Wohnen in Einrichtungen. Gerade bei den Beschwerden über Pflegeeinrichtungen habe das Pflegetelefon eine „Lotsenfunktion“. Darunter versteht die Juristin zu klären, wie man bei Beschwerden in Pflegeheimen handeln kann. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

DAS PFLEGETELEFON HAT GERADE BEI BESCHWERDEN ÜBER PFLEGEEINRICHTUNGEN EINE LOTSENFUNKTION.

In diesen Fällen arbeitet die Verbraucherzentrale auch eng mit der Beratungs- und Prüfbehörde und dem MDK zusammen. Die Beratung ist telefonisch möglich, per Mail oder Post. Erfolgt eine Beratung der Pflegebedürftigen gegenüber der Pflegekasse oder der Einrichtung, so ist diese allerdings nur außergerichtlich möglich, betont Rohmann. Läuft man mit dem Angebot womöglich Gefahr, von Anfragen überrannt zu werden? „Nein“, erwidert die Ex-


Aktuelles & Politik pertin. „Natürlich haben wir durch die zahlreichen Pflegereformen der letzten Jahre und auch durch eine Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen einen stetigen Nachfrageanstieg zu verzeichnen.“ Allein 2018 habe die VZ 2.500 Anfragen für das Ibetel gezählt, in diesem Jahr habe sich die steigende Tendenz fortgesetzt, ergänzt VZ-Vorstand Ulrike von der Lühe.

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Weitere Infos: www.verbraucherzentrale-rlp.de

Das Sozialministerium hat sich deshalb entschlossen, das Personal für die juristische Fachberatung um eine halbe Stelle und die der Sachbearbeitung um ein Zehntel aufzustocken. Man werde das Ibetel in diesem Jahr mit bis zu 265.000 Euro fördern. Rohmann: „Man merkt einfach, dass der Bedarf an unabhängiger Beratung bei diesem Thema sehr groß ist und auch in Zukunft sicherlich nicht weniger werden wird.“

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Foto: Quino Al / unsplash.com

Jetzt mehr juristische Fachberatung

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Aktuelles & Politik

Foto: Chase Clark / unsplash.com

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Patientensicherheit

NEHMT AUCH DIE BEWOHNER IN DEN BLICK! Bei Patientensicherheit denken die meisten an Krankenhäuser. Doch sie ist auch für die Altenpflege ein wichtiges Thema. Dies hat die Seniorenresidenz des Westpfalz-Klinikums am Welttag der Patientensicherheit deutlich gemacht. Text | Dagmar Ziegner AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


Aktuelles & Politik

Andrea Bergsträßer (Vorstand Pflegekammer), Matthias Moritz (Geschäftsführer Pflegekammer), Ingeborg Krause (WBL), Marc Huber (Auszubildender Altenpflege), Liliana MorsSchuler (WBL), Roswitha Flickinger (stellvertretende PDL), Hella Blinn (PDL), Hans-Josef Börsch (Vorstand Pflegekammer), Anneliese Graeff (Bewohnerin und Heimbeirat)

senschaftler, professionelle Netzwerke und die Gesundheitsbranche zu mobilisieren, um das Engagement zu stärken. „Oftmals beziehen sich Maßnahmen und Konzepte zur Patientensicherheit auf den klinischen Bereich. Selbstverständlich sind Maßnahmen zur Sicherheit von zu Pflegenden aber für die gesamte Pflegeprofession relevant und entsprechen dem professionellen Selbstbild der Pflegenden, sowohl im klinischen Bereich als auch in der Langzeitpflege“,

Foto: Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Dieses Mal war der Tag der Patientensicherheit am 17. September ein ganz besonderer Tag: Erstmals hatte die Weltgesundheitsversammlung ihn zum „Welttag“ der Patientensicherheit ausgerufen. Für die Seniorenresidenz des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern erhielt der Tag noch eine ganz eigene Note durch die Dialogveranstaltung „Sicherheitskultur auf allen Ebenen“ im eigenen Hause. Die Residenz hatte dazu gemeinsam mit der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz eingeladen. Ihr Ziel: Gesundheitspersonal, Politiker, Wis-

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Aktuelles & Politik

EIN WEITERER ANSATZ IST DIE STURZPRÄVENTION DURCH ZUSAMMENARBEIT MIT EINEM PHYSIOTHERAPEUTEN. ER MACHT BEI BEDARF INDIVIDUELLE KRAFT- UND BALANCEÜBUNGEN MIT EINZELNEN BEWOHNERN. sagte Hans-Josef Börsch, Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Und was tut die Seniorenresidenz des Westpfalz-Klinikums für die Bewohnersicherheit? Hier ein paar Beispiele: Die Residenz kooperiert mit einer Apotheke, die einen Großteil der Medikamente für jeden einzelnen Bewohner portioniert, verpackt und beschriftet, sodass die Mitarbeiter nur noch die Verteilung übernehmen müssen. Die Verblisterung sorgt nicht nur für mehr Sicherheit bei der Medikation, sondern entlastet die Mitarbeiter. Ein weiterer Ansatz ist AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

die Sturzprävention durch Zusammenarbeit mit einem Physiotherapeuten. Er macht bei Bedarf individuelle Kraft- und Balanceübungen mit einzelnen Bewohnern. Außerdem gibt es ein Kinästhetik-Training, das Mitarbeiter in Bewegungsabläufen schult. Ein ausführlicher Bericht über den besonderen Ansatz der Senioren‑ residenz erwartet Sie in der kom‑ menden Ausgabe 18.


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Anzeige18

Sara und Anna-Lena gibt es nur im Doppelpack. Auch die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin traten sie gemeinsam an.

DIENST. GEMEINSCHAFT. LEBEN.

Besucht uns auf dem 3. Pflegetag Rheinland-Pfalz am 28. Nov. 2019, Rheingoldhalle Mainz, Stand G08

Wir bieten Perspektiven: www.genaumeinding.bbtgruppe.de Wenn Du mehr erfahren möchtest: /genaumeinding.bbtgruppe

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Aktuelles & Politik

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In Rheinland-Pfalz stehen Prävention und Gesundheitsförderung hoch im Kurs. Um bereits bestehende Projekte zu identifizieren, zu begleiten und weiter voranzubringen wird erstmalig gemeinsam von allen Sozialversicherungsträgern in Rheinland-Pfalz ein Innovationspreis für Prävention und Gesundheitsförderung mit dem Themenschwerpunkt „Gesund altern – Menschen in der zweiten Lebenshälfte – gesunde Verhältnisse und Verhaltensweisen im Job, im Verein und in weiteren Lebenswelten“ ausgeschrieben. Zur Teilnahme sind Einrichtungen und Organisationen, Vereine und Institutionen aufgerufen, die sich nachhaltig dem Erhalt und der Stärkung der Gesundheit der Bevölkerung in Rheinland-Pfalz widmen. Die Teilnahmebedingungen, weitere Informationen und die Möglichkeit zur Online-Bewerbung finden Sie hier

Illustration: macrovector / stock.adobe.com

KURZ UND KNAPP

INNOVATIONSPREIS FÜR PRÄVENTION UND GESUNDHEITS‑ FÖRDERUNG


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FORSCHUNG: THEATERPÄDAGOGIK FÜR DEMENZIELL ERKRANKTE Illustration: macrovector / stock.adobe.com

Am 6. und 7. Dezember 2019 findet im Institut für Theaterpädagogik in Lingen das Abschlusssymposium des Forschungsprojektes „Theater in der Pflege von Menschen mit Demenz“ statt. Mit Theater, speziell mit Methoden der Theaterpädagogik, sollen neue Wege in der Pflege von Menschen mit Demenz erschlossen werden, um die Versorgung dieser Zielgruppe zu individualisieren und die Lebensqualität zu verbessern. Im interdisziplinären Forschungsprojekt TiP.De wurden theaterpädagogische Interventionen für Menschen mit Demenz in Altenpflegeeinrichtungen entwickelt und durchgeführt. Zum Projektende sind nun Interessierte eingeladen, die Ergebnisse und Methoden kennenzulernen. Nähere Informationen: Link

EHRENDOKTOR FÜR FRANZ WAGNER „Herr Wagner hat sich seit vielen Jahren um die Entwicklung der Pflege in Deutschland und auch international sehr verdient gemacht“, begründet JProf. Dr. Erika Sirsch, kommissarische Dekanin der Fakultät, die Ehrung.

Foto: DPR e.V.

Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates, wurde der Ehrendoktortitel der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Hochschule Vallendar (PTHV) verliehen.

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Aktuelles & Politik

Foto: Verena Breitbach/PTHV

Bearbeitung | Adalbert Zehnder

Aus der Region Wie wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in der Pflegepraxis ankommen Wo und wie können akademisch ausgebildete Pflegekräfte jetzt und in naher Zukunft tätig sein? Über Aufgabenfelder und Strategien diskutierten Experten auf dem Forum „Pflege im Dialog“, das zum zweiten Mal an der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der kirchennahen Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) stattfand. „Ziel dieses Forums ist es, in einen intensiven Dialog mit Vertretern aus Versorgungspraxis, Pflegewissenschaft und Studierenden zu treten“, sagt Erika Sirsch, Leiterin des Bachelor-Studiengangs Pflegeexpertise. Die PTHV biete damit eine Plattform, auf der pflegewissenschaftliche Wissensbestände diskutiert und rascher in die pflegerische Versorgung einfließen könnten.

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Benefizkonzert für Hospiz in Bad Kreuznach

iakonie

Dank privater Spenden können Sterbenskranke besser versorgt werden. Ein schönes Beispiel dafür, wie Gesundheitseinrichtungen Spendenwillige für sich gewinnen können: das Benefizkonzert der „Stiftung Kreuznacher Diakonie“. Am deutschen Hospiztag spielten dort zwei Pianisten zugunsten der ambulanten wie stationären Hospiz- und Palliativdienste Stücke aus drei Jahrhunderten: von der Bachs Barockmusik über Romantiker wie Chopin bis zu argentinischen Tangos aus den 1960ern. 3580 Euro kamen zusammen – plus Einzelspenden von bis zu 500 Euro von örtlichen Unternehmen. Am Klavier: Andrea Jantzen, einst Stipendiatin der Yehudi-Menuhin-Stiftung, und Jürgen Jage, ein emeritierter Anästhesiologie-Professor.

er D Foto: Stiftung Kreuznach

Aus der Region AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

Koblenz –

wie es früher war Im AWO-Seniorenzentrum Laubach in Koblenz findet eine kleine, aber besondere Fotoausstellung statt: Alte Stadtansichten mit hintergründigen, oft amüsanten Begleitgeschichten, die die Bewohner selbst erlebt haben. Ein Foto von einem Feuerwerk aus den 1950ern, bei denen die ganze Verwandtschaft nach Koblenz kam und alle auf den Rheinwiesen Picknick machten. Ein Foto von einem eisigen Winter, in dem Rhein und Mosel so dick zufroren, das Autos darüber fahren konnten. Ein Foto von einem Schülerstreich, bei dem der Stadtbrunnen mit Waschpulver zum Schäumen gebracht wurde und die Feuerwehr anrücken musste. Eine Seniorin gestand bei der Ausstellungseröffnung: „Einmal war ich dat!“. (Bis 31. Oktober)

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Fotos: AWO Seniorenzentrum Laubach

Aus der Region


Aktuelles & Politik

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Ist auch bei Ihnen im Haus etwas passiert, über das wir berichten können? Dann senden Sie Fotos (mit genauer Beschreibung, was darauf zu sehen ist) und Text bitte an hallo@pflegekammermagazin.de Rufen Sie bei Fragen gern auch in der Redaktion an: 030 208 888 256

Aus der Region AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative Pflege 2.0

Den Mangel an Pflegefachpersonen zu bekämpfen, ist eine Dauerbaustelle. Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass es in Rheinland-Pfalz eine Neuauflage der erfolgreichen „Fachkräfteinitiative Pflege“ gibt. Text | Heike Wehrbein

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Foto: levelupart / stock.adobe.com

MIT VEREINTEN KRÄFTEN


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… FÜR DAS JAHR 2020 WIRD EIN PERSONALMANGEL VON

2.751

PFLEGEFACHPERSONEN PROGNOSTIZIERT.

Sie erinnern sich vermutlich: Die erste Auflage, die „Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative für das Berufsfeld Pflege 1.0“ (2012 bis 2015) erzielte messbare Erfolge in Rheinland-Pfalz. Durch die Aktivitäten damals ließ sich die prognostizierte Fachkräftelücke für das Jahr 2015 um 65 Prozent reduzieren. Das neue Bündnis will an diesen Erfolg anknüpfen, denn für das Jahr 2020 wird ein Personalmangel von 2.751 Pflegekräften prognostiziert.

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FQI 2.0 will mehr

Im Gegensatz zur ersten Runde geht es den FQI-Partnern nicht allein um die Fachkräftelücke. Sie wollen darüber hinaus Impulse setzen und die Beschäftigungs- und Rahmenbedingungen in der Pflege verbessern. Konkret soll in fünf Feldern gehandelt werden: zukunftsorientierte Formen von Ausbildung, Studium und Weiterbildung in der Pflege, Weiterentwicklung und Rahmenbedingungen der Pflegeberufe, attraktive Beschäftigungsbedingungen, Integration ausländischer Pflegekräfte und Öffentlichkeitsarbeit. Mit 81 Einzelbeiträgen wurde aus diesen Oberthemen ein ganzer Katalog an Maßnahmen verabredet und Ende 2018 in einer Vereinbarung schriftlich festgelegt. Diese Maßnahmen gilt es nun umzusetzen.

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JETZT GEHT ES DARUM, MÖGLICHST VIELE DER VEREINBARUNGEN BIS INS JAHR 2022 UMZUSETZEN UND DIE SELBST GESTECKTEN ZIELE ZU ERFÜLLEN.

Professor Frank Weidner Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung Foto: PTHTV

Die Liste der Mitstreiter ist lang: Vier Ministerien der Landesregierung, die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, der Deutsche Städtebund, Verbände der Einrichtungsträger, Krankenversicherungen, Universitäten, Gewerkschaften und viele andere haben sich zusammengetan. Auch die Pflegekammer wirkt mit.


Aktuelles & Politik

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Fachlicher Input spielt in dem gesamten Prozess eine große Rolle – sowohl in der Entwicklung des Maßnahmenkatalogs als auch in der jetzt anstehenden Phase der Umsetzung. Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung, kurz DIP, begleitet und berät das federführende Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie bei der Umsetzung. „Jetzt geht es darum, möglichst viele der Vereinbarungen bis ins Jahr 2022 umzusetzen und die selbst gesteckten Ziele zu erfüllen“, sagt dip-Direktor Professor Frank Weidner. „Wir haben vom dip unter meiner Leitung die spannende Aufgabe gehabt, die Entwicklung der Vereinbarungen zu begleiten und auch pflegewissenschaftlich zu fundieren. Und jetzt haben wir den Auftrag vom Land erhalten, die Umsetzung der FQI zu moderieren, zu begleiten und zu dokumentieren. Wir halten es für sehr wichtig, Initiativen und Strategien zur Versorgungs- und Fachkräftesicherung in der Pflege immer auf dem Stand der neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis aufzubauen und können dazu nun auch bei der Umsetzung der FQI Pflege 2.0 beitragen.“

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Kommentar

Foto: Clemens Hess

TARIFPARTEIEN SIND GEFORDERT

Dr. Markus Mai Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Wirtschaftlichkeit spielt im Gesundheitswesen leider eine viel zu dominante Rolle. Dies zeigt sich vor allem am Feilschen bei den Personaluntergrenzen.

Ein aktuelles Beispiel ist der Vorschlag des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): Im Bereich der Psychiatrie und Psychosomatik soll eine 30 Jahre alte Personalverordnung in eine Personaluntergrenze überführt werden. Aber auch in der psychiatrischen Pflege spielt der Faktor Mensch eine wesentliche Rolle: Personalbesetzung und Personalqualifikation stehen in direktem Zusammenhang mit dem Auftreten von Gewalt. Eine geeignete Personalausstattung muss daher am Bedarf ausAUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

gerichtet und nicht an wirtschaftliche Interessen geknüpft werden! Dies führt ansonsten zu einer Belastung der Pflegefachpersonen, der Pflegebedürftigen und letztlich wieder der Gesellschaft. Die Initiative des Bundesgesundheitsministeriums zur Eindämmung der Leiharbeit trifft dabei auf unsere vollste Unterstützung. Jedoch muss der Einsatz von Pflege-Leiharbeitern lediglich als Symptom betrachtet werden. Die Ursache des ganzen Problems liegt in den teilweise pre-


Aktuelles & Politik kären Arbeitsbedingungen, die von uns immer wieder angeprangert werden. Schlechte Rahmenbedingungen in der professionellen Pflege machen das Zurückgreifen auf Leiharbeiter erst notwendig. Verantwortlich sind hier neben der Politik die Arbeitgeber und die Kostenträger. Die Folgen sind verheerend: Den Pflegebedürftigen fehlen echte Bezugspersonen, auf die festangestellten Pflegefachpersonen steigt der Druck, die Einrichtungen müssen einen sehr hohen Organisationsgrad erreichen. Die Regelungen sind auch deshalb gut, weil nicht einzusehen ist, dass für Leiharbeit das Geld aus dem Fenster geschmissen wird, während die Bestandsmitarbeiter in die Röhre schauen. Den Betroffenen könnte man mit einem Schlag helfen: Mit einer gezielten Ursachenbekämpfung, die bessere Vergütungsmodelle und gerechtere Beschäftigungsbedingungen beinhaltet. Diese müssen allerdings von Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt werden. Sie sind nun gefragt! Viel zu lange müssen wir uns nun schon mit den Konsequenzen einer verfehlten Gesundheitspolitik und der Passivität von Tarifparteien herumschlagen.

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VIEL ZU LANGE MÜSSEN WIR UNS NUN SCHON MIT DEN KONSEQUENZEN EINER VERFEHLTEN GESUNDHEITSPOLITIK UND DER PASSIVITÄT VON TARIFPARTEIEN HERUMSCHLAGEN.

Wenn Symptome wie die Leiharbeit oder das Verordnen von nutzlosen Personaluntergrenzen behandelt werden sollen, müssen endlich die Entscheidungsträger die richtigen Initiativen nach vorne bringen. Die Politik hat es im Fall der Leiharbeit vorgemacht, nun sind andere ge(LPflK) fragt! AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

Am häufigsten gelesen

Das Magazin der Pflegekammer Rheinland-Pfalz erscheint bereits in der 17. Ausgabe. Mit interaktiven Elementen angereichert, bietet die digitale Ausgabe neben aktuellen fachlichen und kammerrelevanten Artikeln zusätzlich Videos, Bildergalerien und Downloads. Wir stellen Ihnen hier die beliebtesten Artikel aus dem Oktober vor:

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Aktuelles & Politik

Schluss mit dem Wildwuchs Tipps für den idealen Mix In Klinik und Altenpflege arbeiten immer mehr Pflegehilfskräfte. Was bedeutet das für Pflegefachpersonen? Und: Was müssen Träger jetzt tun?

Für mehr Qualität in der ambulanten Intensivpflege Gemeinsam mit allen wichtigen Vertretern initiiert die Pflegekammer ein Strategiepapier zur Verbesserung der ambulanten Intensivbehandlungspflege.

Schulstation: Sahnehaube für Auszubildende

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Liebe und Sexualität in der Pflege

Liebe und Sexualität sind in der breiten Öffentlichkeit schon lange keine Tabuthemen mehr. Doch wie sieht der Umgang damit im Pflegealltag aus?

Schema F? Das gibt's hier nicht!

Teamsitzung ist die Sitzung des Teams. Sollte man denken. Doch im Haus Soonwald der Rheinhessen Fachklinik Alzey ist alles ein bisschen anders.

Alle Artikel des Kammermagazins sind auf der Webseite www. pflegemagazin-rlp.de jederzeit nachzulesen

Nur wenige Krankenhäuser führen eine Schulstation. Schade, denn der Aufwand lohnt sich. So die Erfahrung am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

RESILIENZ

HILFE FÜR DIE HELFENDEN – KOSTENLOSER FACHTAG Ganz gleich, ob in beruflicher oder privater Umgebung: Einen Menschen zu pflegen, kostet sehr viel Kraft. Über die Fürsorge für den anderen vergessen viele Pflegende aber, auf sich selbst zu achten. Um sie bei der Stärkung ihrer persönlichen Widerstandsfähigkeit zu unterstützen, veranstaltet die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit der Landespflegekammer ein Pflegeforum mit dem Titel „Herausforderung Pflege – Hilfe für die Helfenden. So stärken Sie Ihre seelische Widerstandsfähigkeit“. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

Nach dem Fachvortrag „Resilienz – so stärken Sie Ihre seelische Widerstandskraft“ und einem gemeinsamen Mittagessen werden drei Workshops angeboten, die alle darauf ausgerichtet sind, im Pflegealltag besser mit körperlichen und seelischen Belastungen umgehen zu können. Workshop A heißt „Resilienz – wer andere pflegt, muss auch an sich selber denken!“. „Resilienz“ ist der Titel von Workshop B und der dritte Workshop trägt die Überschrift „Gesunder Rücken in der Pflege“.


Foto: Han Chenxu / unsplash.com

Aktuelles & Politik

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INFO Die kostenfreie Veranstaltung findet am 3. Dezember 2019 im Weiterbildungszentrum Ingelheim statt. Eine Anmeldung ist erforderlich, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 06131/91 74 34 oder per E-Mail (christina.crook@tk.de ) anmelden. Bei der Anmeldung sollte der ausgewählte Workshop bereits angegeben werden.

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Aktuelles & Politik

­ S T I E H D N U S E G S E H C I L B E I R T E „B H C U A T S I T N E M E G A N MA R E B Ü N E G E G G N U Z T Ä H WERTSC . N R E T I E B R A T I M N E R E UNS F U A R I W N E Z T E S B L A DESH ” . V I T K A B O J K IK R E K E I B A T T I L E MARG B Ö K H C U R B , L I Z I M O D A N A S R U K

Die Verbesserung und Optimierung der Arbeitsbedingungen spielt eine zentrale Rolle in der Kranken- und Altenpflege. Mit dem Programm „Pflege gestalten – Gesundheit erhalten“ bietet IKK Jobaktiv im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements individuelle, flexibel gestaltete Hilfsangebote für Krankenhäuser sowie Pflegeeinrichtungen.

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Mehr Infos unter bgm.ikk-suedwest.de

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Aktuelles & Politik

Neue Broschüre

DemenzFortbildungen nach dem Lego-Prinzip

Illustration: absurd.design

Text | Kati Imbeck

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Aktuelles & Politik

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Praxisanleiter schulen, damit sie Auszubildende für die Pflege von Menschen mit Demenz sensibilisieren – das ist das Ziel einer neuen Broschüre des Landesgremiums Demenz.

Menschen mit Demenz haben ein Recht auf Selbstbestimmung, Mitbestimmung, Teilhabe und Unterstützung. In der Theorie scheint diese Aussage absolut einleuchtend. Wie aber lässt sich dieser Grundsatz in der pflegerischen Praxis verwirklichen? Das rheinland-pfälzische Landesempfiehlt die gremium Demenz Fortbildung von Praxisanleitern als Multiplikatoren. „Diese besitzen pädagogische Kompetenzen und haben einen direkten Bezug zum Praxisfeld. So können sie Lernenden mit gutem Beispiel im Umgang mit Menschen mit Demenz vorangehen“, sagt Margit Haas, Professorin an der Universität Trier und Mitglied der Arbeitsgruppe Pflege des Landesgremiums. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

Zusammen mit Professorin Sandra Bensch von der Katholischen Hochschule Mainz hat sie eine Anleitung für zweitägige Seminare für Praxisanleiter entwickelt: die Broschüre „Haltung entwickeln – gute Pflege von Menschen mit Demenz“.

Haltung reflektieren und personzentriert arbeiten

Die darin beschriebenen Übungen sollen Praxisanleiter befähigen, ihre eigene Haltung zu reflektieren, sich mit aktuellen Erkenntnissen zum personzentrierten Ansatz zu beschäftigen und praktische Lernsituationen zu entwickeln, bei denen sich Auszubildende mit demenziellen Erkrankungen auseinandersetzen. „Dabei haben wir auch den Experten‑ standard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ berücksichtigt, zu dessen Umsetzung die Fortbildung eine sinnvolle Ergänzung ist“, betont Pflegewissenschaftlerin Haas. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

Hoher Bedarf an fachlichem Austausch

Im nächsten Schritt sind nun die Träger und Einrichtungen am Zug, auf Basis der Broschüre Schulungen für Praxisanleiter zu konzipieren. Ob sie dabei auf interne Pädagogen setzen oder externe Anbieter beauftragen, bleibt ihnen überlassen. Der Aufbau nach dem Lego-Prinzip ermöglicht es außerdem, je nach Lernzielen, Vorwissen und der vorhandenen Zeit einzelne Module à 90 Minuten herauszugreifen und individuell zu kombinieren. „Wir haben bei früheren Schulungen allerdings die Erfahrung gemacht, dass der Bedarf der Teilnehmenden nach fachlichem Austausch sehr hoch ist“, sagt Professorin Haas und empfiehlt deshalb, je Schulung mindestens einen halben Tag einzuplanen. Die Broschüre können Sie beim Sozialministerium anfordern oder hier als PDF herunterladen.


Aktuelles & Politik

Foto: Foto König GmbH, Bad Homburg

WIR HABEN AUCH DEN EXPERTENSTANDARD „BEZIEHUNGSGESTALTUNG IN DER PFLEGE VON MENSCHEN MIT DEMENZ“ BERÜCKSICHTIGT. ZU DESSEN UMSETZUNG IST DIE FORTBILDUNG EINE SINNVOLLE ERGÄNZUNG.

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Wussten Sie schon ? Mit Sandra Postel und Esther Ehrenstein gehören dem Landesgremium zwei Vertreterinnen aus dem Vorstand der Pflegekammer an.

Margit Haas Professorin für Pflegewissenschaft an der Uni Trier und Mitglied der AG Pflege des Landesgremiums

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Aktuelles & Politik

Auszeichnung

PFLEGEPREIS GEHT AN BRIGITTE ANDERL-DOLIWA Die Professorin der Katholischen Hochschule Mainz wurde von ehemaligen Patienten für den Preis vorgeschlagen.

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GRUNDSÄTZLICH IST DIE SITUATION DER PSYCHIATRISCH PFLEGENDEN IN RHEINLANDPFALZ POSITIV EINZUSCHÄTZEN. Prof. Dr. Brigitte Anderl-Doliwa (3. v. l.) wurde von einer Jury aus 11 Nominierungen ausgewählt.

Foto: Christian Weische

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Aktuelles & Politik

Beim Dreiländerkongress Psychiatrische Pflege in Bielefeld wurde Prof. Dr. Brigitte Anderl-Doliwa, Vorstandsmitglied der Landespflegekammer, jetzt mit dem Psychiatrischen Pflegepreis ausgezeichnet, der von der „Deutschen Fachgesellschaft Psychiatrische Pflege“, der „Bundesinitiative Ambulante Psychiatrische Pflege“ und dem „Verein Ambulante Psychiatrische Pflege“ verliehen wird. Mit dem Preis werden Persönlichkeiten geehrt, die durch ihre Projekte zu Verbesserungen in der psychiatrischen Pflege beitragen. Die Stiftungsprofessorin der Katholischen Hochschule Mainz und Pflegedirektorin des Pfalzklinikums, habe es sich zur Aufgabe gemacht, neue flexible Kooperationsformen zwischen ambulanten, stationären und teilstationären Angeboten weiterzuentwickeln und dafür die notwendigen Pflegeexpertisen zu vermitteln, heißt es in der Begründung. Sie sei sehr stolz diesen Preis erhalten zu haben, sagt Prof. Dr. Anderl-Doliwa. „Besonders gefreut hat mich, dass die Psychiatrieerfahrenen, also die Verbände der Menschen mit seelischen Erkrankungen, mich vorgeAUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

PROFESSIONELLE PFLEGE WIRD VON DEN EMPFÄNGERN ALS SEHR NUTZBRINGEND ERLEBT.

schlagen haben. Das heißt nämlich, dass professionelle Pflege auch von den Empfängern als sehr nutzbringend erlebt wird. Das ist das Wichtigste überhaupt.“ Grundsätzlich sei, die Situation der psychiatrisch Pflegenden in Rheinland-Pfalz positiv einzuschätzen. Rheinland-Pfalz habe unter anderem mit der ersten Landespflegekammer Deutschlands, und der darin durch die Liste „psychiatrische Pflege“ gewählten Vorstände, eine gute Vertre-


Aktuelles & Politik

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tung für die Pflege geschaffen. Dies zeigt sich unter anderem in der guten politischen Unterstützung.

„Aber es gibt auch problematische Situationen, etwa die Entwicklung der Richtlinie zu den neuen Personalmindestvorgaben des G-BA. Diese wird dem gesetzlichen Auftrag, eine leitliniengerechte Behandlung für Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen sicherzustellen, nicht gerecht. Sie wird zu unguten Personalsituationen in der psychiatrischen Pflege, und auch bei allen anderen am Prozess beteiligten Professionen, führen.“ (kw)

Zur Person Foto: Pfalzklinikum

„Außerdem ist Rheinland-Pfalz, neben Nordrhein-Westfalen, das einzige Bundesland das Psychiatrische Pflege auf akademischem Niveau ausbildet“, sagt die Preisträgerin. Auch einzigartig in Rheinland-Pfalz ist der Forschungsverbund Psychiatrische Pflege, der seit 2019 an der PTHV in Vallendar Pflegeforschung in der Psychiatrie betreibt und initiiert. „Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Chefärzten in der Psychiatrie und entwickeln gemeinsam und auf Augenhöhe Leitlinien die auf Landesebene gelten.“

Prof. Dr. Brigitte Anderl-Doliwa ist Expertin für psychiatrische Pflege und Versorgung. Ihre Schwerpunkte in Wissenschaft und Praxis sind die Arbeit in Netzwerken, Möglichkeiten der ambulanten Krisenintervention rund um die Uhr sowie multiprofessionelle ZuhauseBehandlung und -Betreuung.

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Schwerpunkt Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz


55 BERUFSORDNUNG Endlich Klarheit im Berufsalltag

65 KI-EXPERTE IM INTERVIEW Das ist die Zukunft: Dokumentieren ohne Tippen

71 COMEDIAN GAUDO IM INTERVIEW Warum Humor Stress vorbeugt und viele spannende Themen mehr


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Schwerpunkt

HIER DEBATTIERT DIE PFLEGE AUS RHEINLAND-PFALZ

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Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

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Interessant, inspirierend, atemraubend, fesselnd – ja, all das kann man sagen über den Pflegetag Rheinland-Pfalz. Und so werben auch viele Veranstalter für ihre Kongresse. Überzeugender ist eine Szene vom Pflegetag im Frühjahr 2018: Da gab es im Gutenberg-Saal 1 in der Rheingoldhalle kaum mehr einen freien Platz. Das Publikum war konzentriert. Kein Türenschlagen, kein Smartphone-Checken. Es ging um die Berufsordnung, um den Aspekt des Gelöbnisses. Auch nach ihrem Vortrag blieben die beiden Referentinnen noch lange im Raum, um Fragen der Teilnehmer zu beantworten. Eine Gruppe von Auszubildenden diskutierte noch, während sie den Saal verließ.

Illustrationen | Helena Melikov AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt

Die Arbeit an der Berufsordnung ist nun abgeschlossen. In Kürze tritt sie in Kraft. Auf dem inzwischen 3. Pflegetag wird sie das zentrale Thema sein. Und weil sie jede Pflegefachperson in Rheinland-Pfalz betrifft, ist wieder mit vollen Sälen zu rechnen. Das gilt aber auch für die anderen Sessions, denn bei der Auswahl der Themen ist der Pflegekammer wichtig, dass sie aktuell sind und eng verknüpft mit dem Arbeitsalltag eines jeden Mitglieds. So geht es in Session 11 etwa um die neuen Qualitätsindikatoren in der stationären Langzeitpflege (siehe dazu auch das Interview in Ausgabe 16 ), um Vorbehaltsaufgaben der Pflegefachpersonen, die erstmals offiziell im neuen Pflegeberufsgesetz ausformuliert sind (Session 3), und um das Thema Gewalt in der Pflege, mit dem sich die Pflegekammer kontinuierlich seit 2017 beschäftigt. Aber es sind nicht nur die Veranstaltungen, die den Pflegetag reizvoll machen: Es sind auch die Gespräche mit den Ausstellern und den Akteuren der Pflegekammer, die sich hier oft ganz beiläufig ergeben. Beste Gelegenheit bietet die Eröffnungsveranstaltung, denn hier kommen alle zusammen, hier sind alle gesprächsbereit – auch der Präsident der PfleAUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

DIE BERUFSORDNUNG WIRD DAS ZENTRALE THEMA SEIN. UND WEIL SIE JEDE PFLEGEFACHPERSON IN RHEINLAND-PFALZ BETRIFFT, IST WIEDER MIT VOLLEN SÄLEN ZU RECHNEN.

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gekammer Markus Mai und Vizepräsidentin Sandra Postel. Nach der Begrüßungsrede von Ministerpräsidentin Malu Dreyer hält Markus Mai einen politischen Impulsvortrag. Anschließend gibt er die Bühne frei für den Comedian und Humortrainer Felix Gaudo. Wenn das nicht atemrau(kig) bend und fesselnd wird …

Übrigens

die Redaktion dieses Magazins ist auch dabei Treffen Sie uns – und Vertreter der Pflegekammer – von 12.15 bis 13 Uhr im Konferenezraum der Rheingoldhalle. Anmeldung: info@pflegekammer-rlp.de. Wir freuen uns auf Sie!

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Schwerpunkt

Stimmen des Programmbeirats

WARUM DEN PFLEGETAG BESUCHEN? Wir fragten diejenigen, die es am besten wissen müssen: die fünf Mitglieder des Programmbeirats.

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Foto: studioline

Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

Andrea Bergsträßer

Foto: Pfalzklinikum

Vorstandsmitglied der Landespflegekammer

Prof. Dr. Brigitte Anderl-Doliwa Vorstandsmitglied der Landespflegekammer

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Egal in welchem Bereich der Pflege Sie arbeiten, ob in der ambulanten Pflege, in der Langzeit oder der Akutpflege: Auf Ihrem Pflegetag werden Sie Veranstaltungen finden, die Ihnen neue Impulse geben werden. Sie erfahren von neuen Ideen und fachlichen Initiativen und können sich gleich vor Ort mit Initiatoren und ebenfalls interessierten Teilnehmern vernetzen. Außerdem ist der Pflegetag eine gute Gelegenheit, um einfach mal rauszukommen und neue professionelle Energie zu tanken.

Pflege braucht Professionalisierung, Vernetzung, politisches Engagement und auch Spaß an der Sache. All dies finden Sie auf dem Pflegetag Rheinland-Pfalz; Informationen zur Berufspolitik, Gesundheitspolitik und zur Berufsordnung, interessante Fachthemen, viel Gelegenheit zur Vernetzung und auch etwas für den Spaß an der Sache. – Wir würden uns freuen, Sie auf dem Pflegetag begrüßen zu dürfen.

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Schwerpunkt

Foto: LPflK

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Hans-Josef Börsch

Foto: Andreas Weidner

Vorstandsmitglied der Landespflegekammer

Silke Präfke Mitglied der Vertreter‑ versammlung der Landespflegekammer

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Der Pflegetag RLP ist die Plattform, auf der sich die Pflege trifft. Er dient den Pflegenden aus allen Bereichen der Pflege zur Information, zum Austausch, zur Vernetzung und um politisch mitzudiskutieren. Wir haben für Sie ein Programm zusammengestellt, das neugierig macht. Oder wie es A. Einstein einmal formulierte: „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Ich wünsche Ihnen auf Ihrem Pflegetag, dass Sie diesen leidenschaftlich neugierig entdecken.

1. Ich finde es wichtig den Pflegetag zu besuchen weil ich mich dort mit KollegInnen fachlich austauschen und kollegial vernetzen kann. 2. Ich kann unter unterschiedlichen Vorträgen und Sessions nach meinen Interessen auswählen und dadurch aktuelles Wissen im Bereich Pflege erhalten und Stellung beziehen. 3. Ich ziehe aus dem Pflegetag eine positive Energie um mich weiter für meinen Berufsstand zu engagieren.


Foto: Thome Schwetzingen

Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

Tanja Schaller Diakonissen-Stiftungs‑ krankenhaus-Speyer

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Als Schulleiterin schaue ich natürlich besonders auf das, was für ganz junge Leute interessant sein könnte. Und da fällt mir zuerst die Session der AG „Junge Kammer“ ein. Da bewegt sich viel, da lässt sich jetzt gut einsteigen. Relevant für alle beruflich Pflegenden ist sicherlich die Session über Vorbehaltsaufgaben in der Pflege, die jetzt erstmals gesetzlich fixiert sind im neuen Pflegeberufegesetz, das 2020 in Kraft treten wird.

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Schwerpunkt

Berufsordnung

Illustration / Helena Melikov

ENDLICH KLARHEIT IM BERUFSALLTAG! Es ist vollbracht: Am 1. Januar soll deutschlandweit die erste gesetzlich verankerte Berufsordnung für Pflegefachpersonen in Kraft treten. Auf dem Pflegetag gibt es jede Menge Gelegenheit, sich zu informieren und zu diskutieren.

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Icons: Gregor Cresnar / thenounproject.com

Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

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Schwerpunkt

deutet: Sie ist rechtlich bindend, die in ihr formulierten Rechte und Pflichten sind einklagbar. Das klingt nun alles sehr formal, aber die Vorteile für Pflegefachpersonen liegen auf der Hand: Sie gibt in heiklen beruflichen Situationen Orientierung. Einige Bespiele:

Es gibt Vorschriften und Regelungen, die rufen nur ein Schulterzucken hervor – und es gibt die Berufsordnung (BO). Sie betrifft die Angehörigen einer Berufsgruppe direkt, sie regelt ihren Alltag. Ärzte und Psychotherapeuten etwa haben schon lange eine BO. Für Pflegefachpersonen soll es sie ab 1. Januar 2020 erstmals gesetzlich verankert (vorbehaltlich der Zustimmung des Ministriums) in Deutschland geben – und zwar in Rheinland-Pfalz. Warum? Mit der Änderung des Heilberufsgesetzes (die nötig war, um eine Landespflegekammer zu etablieren) ist für die Kammer der Auftrag verbunden, eine BO zu entwickeln und zu erlassen. Das be-

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X Sie haben konkrete Hinweise, dass ein Ihnen anvertrauter Mensch mit Pflegebedarf Gewalt erfahren hat. X Aktuelle Qualitätsanfor‑ derungen werden in Ihrem Haus nicht umgesetzt. Aber es geht auch um Alltägliches, etwa um den Umgang mit: X sozialen Medien X Dokumentation X Freiberuflichkeit X Werbung für die eigene berufliche Tätigkeit X Honorierung der eigenen Leistung


Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz Nicht zuletzt gibt es nun auch die Möglichkeit eine Deklaration, auch feierliches Versprechen genannt (ebenfalls in der BO abgedruckt), vor der Landespflegekammer abzulegen. Kein Wunder also, dass die Veranstaltung zur BO auf dem Pflegetag 2018 extrem gut besucht war. Dieses Mal gibt es gleich zwei Veranstaltungen zum Thema – unter anderem mit Andrea Bergsträßer aus dem Vorstand der Landespflegekammer, die die Arbeitsgruppe Berufsordnung leitet. Einmal geht es um den Nutzen für das einzelne Mitglied (Session 1, 11.45 Uhr), ein anderes Mal um die Frage, was möglich und umsetzbar ist (Session 2, 14.15 Uhr). Das die BO für die Berufspraxis große Bedeutung hat, zeigt übrigens auch eine Online-Umfrage der Kammer, an der sich rund 1.000 Mitglieder beteiligt haben: Viele erhoffen sich von der BO Hilfe in ihrem Berufsalltag, außerdem befürworten die Teil‑ nehmer die Orientierung am Inter‑ national Council of Nurses (ICN). Was das genau bedeutet? Auch diese Frage wird am 28. November in der Rheingoldhalle mit Sicherheit beantwortet. (kig)

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Übrigens

Eine weitere P remiere Mit dem neuen Pflegeberufe‑ gesetz gibt es ab 2020 erstmals Vorbehaltsaufgaben in der Pflege. Diese sind auch in die Berufsordnung integriert. Mehr Info über diese spezifischen Aufgaben gibt es in Session 3 (15.30 Uhr), Titel: Chancen und Beispiele für Vorbehaltsaufgaben heute und für die Zukunft.

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Schwerpunkt

PROGRAMM PFLEGETAG 2019

9:00

ERÖFFNUNG Sandra Postel, Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

9:15

GRUSSWORT Malu Dreyer, Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz

9:30

POLITISCHER IMPULS, Gesundheits- und pflegepolitische Herausforderungen Dr. Markus Mai, Präsident Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

10:00

Kommunikation & Humor in der Pflege Felix Gaudo

11:00

PAUSE UND BESUCH DER AUSSTELLUNG

11:45

SESSION 1

SESSION 4

SESSION 7

SESSION 10

Die neue Berufsordnung: Welchen Nutzen habe ich als Mitglied?

Künstliche Intelligenz in der Pflege, Gegenwart und Zukunft

Die AG „Junge Kammer“ stellt sich vor Workshops und Vorträge

Andrea Kuhn, Ilona Groß

Bart de Witte

Haut-und Rückenbeschwerden, Gewaltvorfälle und psychische Belastungen in der Pflege: Unterstützungsangebote der BGW

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Felix Müller, AG Junge Kammer


Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

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T ICK E T S S ICHE RN UN T E R .de lp r g a t e g le f .p w w w

14:15

15:15

15:30

PAUSE UND BESUCH DER AUSSTELLUNG SESSION 2

SESSION 5

SESSION 8

SESSION 11

Die neue Berufsordnung: Was ist möglich und umsetzbar?

Ausländische Fachkräfte - geht es gar nicht mehr ohne?

Leitfaden für den Umgang mit Gewalt in der Pflege

„Fit für die Zukunft die neuen Qualitätsindikatoren in der stationären Langzeitpflege“

Andrea Bergsträßer, Hans-Joachim HasemannTrutzel

Karla Kämmer

PAUSE UND BESUCH DER AUSSTELLUNG SESSION 3

SESSION 6

SESSION 9

SESSION 12

Der Pflege vorbehalten! Chancen und Beispiele für Vorbehaltsaufgaben heute und für die Zukunft

„Palliative Philosophie nach Silviahemmet“

Mehr Zeit für Patienten in der ambulanten Pflege Pflegemodell „Buurtzorg“ für Rheinland-Pfalz?

Gewaltfreie Pflege

Prof. Frank Weidner, Ruth Klein

16:45

Katja BrückHansen, Francesco Fontanini

Nada Ralic, Prof. Claudia Weik-Schaefer

Dr. med. Ursula Sottong

Gernot Walter

Johannes Technau

Icons: Gregor Cresnar / thenounproject.com

12:45 -14:15

VERABSCHIEDUNG Anmeldung erforderlich

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„Trainieren Sie Bauch und Rücken“

Auch die Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege (BGW) ist auf dem Pflegetag dabei – ihr Spektrum reicht von der Arbeitsplatzgestaltung bis zu Gewalt und Hautschutz. Wir sprachen vorab mit dem BGW-Präventionsexperten Stefan Kuhn über ein weiteres Präventionsthema: die Rückengesundheit.

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Foto: kues1 / stock.adobe.com

INTERVIEW

Schwerpunkt


Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

Herr Kuhn, woher kommen die meisten Rückenbeschwerden? Nur ein geringer Prozentsatz hat tatsächlich eine körperliche Ursache, etwa Skoliose, Osteoporose, Bandscheibe oder Rheuma. Die allermeisten sind unspezifische Kreuzschmerzen. Neben hohen Belastungen durch Heben oder Tragen entstehen sie durch einseitige Bewegung und lange, einseitige Haltung. Viele Menschen bewegen sich im Alltag zu wenig und kräftigen Rücken- und Bauchmuskulatur nicht ausreichend. Obwohl Pflegekräfte beruflich ständig auf den Beinen sind, ist auch bei ihnen der körperliche Trainingszustand für die hohe Belastung oftmals nicht ausreichend. Spielt Stress auch eine Rolle? Natürlich. Psychische Belastungen wie Schichtarbeit, das Erleben von Leid und

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Tod und nicht zuletzt Zeitdruck erzeugen Stress und das führt zu einem erhöhten Muskeltonus. Wir achten dann weniger auf unsere Körpersignale. Irgendwann spüren wir sie gar nicht mehr. Wie entstehen Rückenbeschwerden im Pflegeberuf? Auch hier sind einseitige Bewegungen und hohe Belastungen die Ursache. Pflegefachkräfte arbeiten körperlich anstrengend und nutzen zu wenig Hilfsmittel. Hohe Belastungen entstehen insbesondere durch den Transfer und die Lagerung von Menschen. Das müsste nicht sein. Oftmals wird nicht bedacht, dass Menschen auch im physikalischen Sinn eine schwere Last sind. Patiententransfer oder Waschen lassen sich erleichtern, etwa mit einem elektrischen Bett und der richtigen Körperhaltung. Wie lässt sich ein Arbeitsplatz rückenfreundlich gestalten? AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt

Wir gehen mit der TOP-Methode an diese Frage heran: Technisch-organisatorisch-persönlich. Am Anfang steht T: Wie lässt sich technisch der Arbeitsplatz optimieren? In der Pflege sind das zum Beispiel Lifter und höhenverstellbare Betten. Darüber hinaus gibt es die sogenannten „Kleinen Hilfsmittel“ wie Gleitmatte, Rutschbrett oder Bettzügel. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn die betreuten Personen mithelfen können und wollen. Aus- und Weiterbildung in ergonomischer Arbeitsweise ergänzen den Handlungsrahmen. Wie sieht die Verpflichtung des Arbeitgebers aus? Die Lastenhandhabungsverordnung regelt die Verpflichtungen des Arbeitgebers auch beim Bewegen von Menschen. Jeder Arbeitgeber muss technische, organisatorische und personenbezogene Möglichkeiten nutzen, um eine RüAUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

ckenbelastung zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren. Dafür muss er erst eine sogenannte Gefährdungsbeurteilung vornehmen und dann Maßnahmen ergreifen. Dazu gehört auch, Hilfsmittel in ausreichender Anzahl zur Verfügung zu stellen, die Beschäftigten einzuweisen und zu schulen und immer wieder zu kontrollieren, dass sie diese Maßnahmen auch nutzen. Die BGW berät Arbeitgeber mit speziellen Präventionsangeboten. Wenn nun Beschwerden auftreten: was tun? Liegt die Vermutung nahe, dass sie am Arbeitsplatz entstehen, hilft die Berufsgenossenschaft. Wir bieten Betroffenen Untersuchungen und Beratung an, zum Beispiel die Rückensprechstunde, das Rückenkolleg mit Arbeitsplatzbegleitung und Refresherkurse. Diese Angebote, wie viele andere, sind für Betroffene kostenlos.


Foto: privat

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Zum Schluss bitte noch Tipps für einen gesunden Rücken. Das TOP-Prinzip kann jeder anwenden: Was lässt sich technisch, organisatorisch und persönlich optimieren? Der Einsatz von Hilfsmitteln sollte selbstverständlich werden. Gerade die „Kleinen Hilfsmittel“ werden zu selten genutzt. Sie helfen beim sicheren und rückengerechten Arbeiten. Pflegekräfte können Belastungen vermeiden, wenn sie die zu Pflegenden ermutigen, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbstständig zu bewegen. Wir raten auch zu mehr Bewegung im Alltag und zur Kräftigung der Muskulatur. Und natürlich Gefährdungen und Abnutzungen in Beruf und Freizeit reduzieren und durch Übungen ausgleichen.

Stefan Kuhn, stellvertretender Leiter Präventionsdienst Mainz der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)

Mehr Information: www. bgw-online.de/ruecken

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Schwerpunkt

DIGITALISIERUNG

Foto: Amelie Nadia Witte

Das ist die Zukunft: Dokumentieren ohne Tippen Bart de Witte

Sie sind skeptisch gegenüber Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI)? Vielleicht kann Bart de Witte, ehemals IBM und SAP, Sie auf dem Pflegetag in seiner Session 4 (11.45 Uhr) umstimmen – oder vielleicht schon dieses Interview ... Interview | Jens Kohrs

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Illustrationen: Yury Velikanov

KI-Experte und Referent


Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

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Warum ist Künstliche Intelligenz für die Pflege ein wichtiges Thema? Die Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potenzial nicht nur die Pflege, sondern die gesamte Medizin zu transformieren. Wie Elektrizität ist sie eine Universaltechnologie, und wie das Internet könnte sie den Zugang zu Informationen demokratisieren. Durch die KI lässt sich Expertenwissen einfach und überall skalieren, und das kann helfen, viele der heutigen Herausforderungen zu bewältigen, zum Beispiel die gesundheitlichen Ungleichheiten in der globalen Gesellschaft. In sehr vielen Bereichen wird KI bessere Entscheidungsvorschläge liefern, als Menschen dies können. Während Menschen über intuitives Erfahrungswissen verfügen, das sich nicht quantifizieren lässt, liefert die KI Entscheidungsvorschläge auf der Grundlage großer Datenmengen. Ob langfristig die Maschinen entscheiden, ist keine technologische, aber eine gesellschaftliche Frage. Obwohl sehr viel über die Pflege-Robotik gesprochen wird, sehe ich das größte Potenzial für die Pflege in der Entlastung von Dokumentationsund Administrationsaufgaben. Die KI-gestützte Spracherfassung wird

DIE KI-GESTÜTZTE SPRACHERFASSUNG WIRD PFLEGE‑ KRÄFTEN BEI ROUTINETÄTIGKEITEN ARBEIT ABNEHMEN. Pflegekräften bei solchen Routinetätigkeiten Arbeit abnehmen. Langfristig wird die KI dafür sorgen, dass die Tastatur im Krankenhaus verschwindet. Ich spreche bereits seit Jahren über die Transformation von papierlosen zu tastaturlosen Krankenhäusern. Auch intelligente Maschinen, die vernetzt miteinander kommunizieren, werden Routineaufgaben übernehmen. Dazu tauschen die Maschinen automatisiert Daten aus. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt

Zum Beispiel können medizinische Geräte wichtige Informationen, die sie generieren, in die Krankenakte und bei Bedarf, mittels einer Sprachnachricht, auch direkt an das Fachpersonal übermitteln. Welche Probleme ergeben sich beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Pflege? Der wichtigste Aspekt, über den wir in einer KI-Pflegeumgebung nachdenken sollten, ist, wie Entscheidungen zustande kommen. Krankenschwestern müssen oft in kritischen Situationen entscheiden. Dabei werden sie von Faktoren wie Evidenz, individuellen Werten, Patientenwohl, Theorien, klinischem Urteilsvermögen, Ethik, Gesetzgebung, Regulierung sowie Ressourcen im Gesundheitswesen beeinflusst. Bei einer Entscheidung wird all das durch menschliche Intuition und Erfahrung berücksichtigt. Deshalb müssen KI-Maschinen oder -Systeme für die Pflege so entwickelt sein, dass sie diese Effekte angemessen abbilden. KI-Systeme zur Nachahmung der Intuition zu skalieren, ist jedoch schwierig. Außerdem wirft es moralische Fragen auf, wenn Entscheidungen automatisiert werden. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

PFLEGEKRÄFTE SOLLTEN DIE EINFÜHRUNG AUTOMATISIERTER TECHNOLOGIEN UND KÜNSTLICHER INTELLIGENZ ÜBERWACHEN.

Wie können Pflegekräfte von Künstlicher Intelligenz profitieren? Viele Experten sind überzeugt, dass sie ihnen helfen kann, Patientenbedürfnisse noch besser zu bedienen. Denn KI kann im Krankenhaus Zeit (und Ressourcen) sparen – zum Beispiel beim Blasenscannen oder bei der Venenfindung. Die KI wird die Art und Weise, wie die Versorgung durchgeführt wird, an vielen Stellen verändern und den Pflegenden so tatsächlich mehr Zeit mit den Patienten verschaffen.


Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

Wo kommt KI in der Pflege bereits zum Einsatz? Es gibt schon viele Anwendungen – zum Beispiel virtuelle Krankenschwestern, die mit Patienten interagieren oder sie in die effektivste Pflegeeinrichtung vermitteln. Sie sind KI-gesteuert und bieten personalisierte Dienste an – sie helfen den Patienten, ihre Krankheit besser zu managen, ihren Gesundheitszustand zu überwachen, Arzttermine zu verein-

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baren und asynchron mit der Pflege oder dem Arzt zu kommunizieren. Da sie immer verfügbar sind, können sie Patienten rund um die Uhr überwachen und Fragen schnell beantworten. Die meisten Anwendungen von virtuellen Pflegehelfern ermöglichen heute eine regelmäßigere Kommunikation mit Patienten. Zudem erleichtern sie der Pflege die Dokumentation, weil viele Verlaufsdaten dabei durch den Patienten direkt erfasst werden. Zahlreiche KI-Lösungen sind für die Pflege allerdings unsichtbar, weil sie im Hintergrund Prozesse automatisieren.

Machen Sie sich einen Eindruck von Bart de Witte ... AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt

Übrigens Mehr Zeit für Patienten

Das verspricht die Digitalisierung, aber auch Buurtzorg. Es handelt sich um ein Pflege‑ modell aus den Niederlanden, das Klienten und Pflegefachpersonen mehr Freiheiten lässt. In Deutschland laufen erste Versuche - mehr erfahren Sie in Session 9 um 15.30 Uhr.

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Über andere Beispiele, wie etwa Pflegeroboter, welche die Pflege bei logistischen Prozessen, wie etwa dem Transport von Material oder Patienten, oder bei der Reinigung unterstützen, wurde bereits sehr viel geschrieben. Ich würde dabei eher von Pflegeassistenten sprechen und würde vermeiden, die Patienten-Pflege-Interaktion zu digitalisieren. Die KI ist noch weit davon entfernt, ein Bewusstsein zu entwickeln, und ohne Bewusstsein gibt es keine Empathie. Viele Forscher treiben die Entwicklung der sozialen Robotik voran und wollen Robotern eine Persönlichkeit geben. Ich bin der Meinung, dass wir den Fokus im Krankenhaus zunächst auf die bürokratischen Aufgaben legen sollten, damit wieder mehr Zeit für die Mensch-Mensch-Interaktion bleibt. In der Altenpflege dagegen ist das leicht anders, weil die Robotik es erlauben wird, die Selbstständigkeit der Betroffenen zu erhöhen. Worauf können sich Pflegekräfte für die Zukunft einstellen? Wenn sich die Pflege aktiv mit der Gestaltung der KI-basierten Medizin auseinandersetzt, können völlig neue Arbeitswelten geschaffen werden,


Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz die wieder mehr Zeit für die menschliche Zuwendung lassen. Die Pflegekräfte sollten aber mitentscheiden, welche Aspekte ihrer Arbeit an die Technologie delegiert werden können. Sie sollten die Einführung automatisierter Technologien und künstlicher Intelligenz überwachen, um sicherzustellen, dass ihr Arbeitsalltag mehr auf die individuellen Aspekte der menschlichen Pflege ausgerichtet ist. Dafür muss die Pflege sich bewusst mit der Technologie auseinandersetzen. Die Pflegeinformatik sollte wichtiger werden, und die digitale Kompetenz von Pflegekräften sollte fester und fächerübergreifender Bestandteil der Aus- und Fortbildung sein.

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ZUR PERSON Bart de Witte beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der digitalen Gesundheitswirtschaft und widmet sich besonders dem Thema Künstliche Intelligenz. Er arbeitete unter anderem für SAP Switzerland und IBM, dort zuletzt als Director Digital Health für Deutschland, Österreich und die Schweiz. De Witte hat mehrere Unternehmen (mit) gegründet – zuletzt die Digital Health Academy in Berlin. Außerdem ist der beliebte Keynote-Sprecher Gründer der HIPPO AI Foundation, einer globalen NGO für Open-Source-basierte Künstliche Intelligenz in der Medizin.

Sie möchten noch mehr über Digitalisierung in der Pflege erfahren? Dann lesen Sie unseren Schwerpunkt in Ausgabe 14

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Schwerpunkt

Felix Gaudo ist Comedian, Clown, Moderator und Humortrainer. Der 54-Jährige hält Humor-Vorträge, gibt Seminare und Workshops für das Personal von Kliniken und Pflegeeinrichtungen, außerdem ist er Gastdozent in Pflegeschulen. In seiner Freizeit arbeitet Gaudo ehrenamtlich als Klinikclown.

INTERVIEW Es wird viel geredet über Stress‑ abbau auf dem Pflegetag. In der Veranstaltung von Felix Gaudo können Sie Ihre Vorsätze gleich in die Tat umsetzen. Wir fragten den Comedian, warum Humor so wunderbar wirkt.

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Foto: Felix Gaudo

„Humor ist der beste Selbstschutz“


Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

Interview | Jens Kohrs

Warum ist Humor gerade in der Pflege wichtig? Pflegende können ihn so gut gebrauchen, weil es in ihrem Beruf ganz viel um menschliche Nähe, Beziehungsaufbau, Vertrauen und Kommunikation geht. Da ist Humor ein sehr wichtiges Handwerkszeug. Gleichzeitig ist er ein guter Selbstschutz in dem oft sehr belastenden Job. Humor ist das natürlichste Mittel gegen Stress, weil er uns hilft, unsere Haltung dem Stress gegenüber zu ändern. Denken Sie zum Beispiel an einen Stau. Sie können im Auto sitzen und sich schief ärgern. Sie können sich aber auch darin üben, die Situation als freie Zeit zu genießen. Kann jeder Humor trainieren? Davon bin ich fest überzeugt. Humor ist ja viel mehr als Witze zu erzählen,

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sondern ein Training unserer Haltung. Humor ist eine kreative Kunst, vergleichbar mit Klavierspielen oder Singen – je öfter wir es tun, desto besser werden wir. Wir sollten uns erinnern, welch kostbare Kompetenz wir von Natur aus haben: Kleine Kinder lachen den ganzen Tag und haben eine unglaublich konstruktive Fehlerkultur. Diesen Humor müssen wir wiederfinden und den Spaß wieder ernst nehmen. Wie weiß ich, welche Art von Humor in welcher Situation angemessen ist? Das ist eine Trainingssache. Jeder muss ein Fingerspitzengefühl dafür entwickeln, was er mit wem machen kann. Das wird auch mal schiefgehen, doch es lohnt sich, etwas zu riskieren und das auch mal auszuhalten. Entscheidend ist, sich nicht über jemanden persönlich lustig zu machen, sondern gemeinsam über Situationen zu lachen. Lässt jemand ein Glas Wasser fallen, kann ich zum AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt Beispiel sagen „Der kann das Wasser wieder nicht halten“ – besser ist jedoch: „Mensch, ich wäre auch gern so gut im Loslassen“. Miteinander zu lachen hilft auch, gerne zu arbeiten. Kann Humor – falsch eingesetzt – nicht auch schaden? In der Tat kann er auch in den falschen Hals geraten. Ich glaube aber nicht, dass es Situationen gibt, in denen Humor grundsätzlich nicht passt. Selbst

Foto: Felix Gaudo

Felis Gaudo tritt auf dem Pflegetag gleich morgens um 10 Uhr in der Eröffnungsveranstaltung auf.

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im Hospiz oder auf einer Palliativstation gibt es viele Momente, in denen es humorvoll sein darf. Das entlastet die Situation und nimmt Spannung raus. Als Humortrainer möchte ich Impulse geben, damit jeder bewusster und ernsthafter an das Thema rangeht. Das ist kein zusätzlicher Zeitaufwand, sondern eine Frage der Präsenz – es gilt, sensibel zu sein und zu erkennen, was gerade los ist. Das tut allen gut – mir selbst und den Menschen um mich herum.


Vorschau Pflegetag Rheinland-Pfalz

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: o e d i V YouTube

Machen Sie sich einen Eindruck von Felix Gaudo ...

Übrigens

made in Sweden das ist die palliative Versorgung von Menschen mit Demenz nach Silviahemmet. Was sich hinter dem Konzept verbirgt und warum es nach der schwedischen Königin benannt ist - das erfahren Sie in Session 6 um 15.30 Uhr.

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Beruf & P raxis


77 MALU DREYER ÜBER IHR WOHNPROJEKT „Hier will ich alt werden“


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Beruf & Praxis

Hier will ich alt werden MALU DREYER IM INTERVIEW

Die Ministerpräsidentin lebt in einem generationenübergreifenden Wohnprojekt – so viel ist bekannt. Wir wollten von ihr wissen: Wie lebt es sich dort? Wie sieht ihr Alltag aus? Interview | Heike Wehrbein

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Malu Dreyer beim Besuch des Wohnprojekts „Zuhaus in Mainz“

Fotos: Staatskanzlei RLP/K.Schäfer

Beruf & Praxis

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Beruf & Praxis

Die Ministerpräsidentin war bis 2013 Sozialministerin – das merkt man noch heute. Auch der Pflege hält sie die Treue: Auf dem Pflegetag am 28. November hält sie die Eröffnungsrede.

MALU DREYER Malu Dreyer ist seit bald sieben Jahren Ministerpräsidentin von Rheinland -Pfalz und seit Kurzem außerdem kommissarische SPD-Vorsitzende. Elf Jahre lang – bis 2013 – war sie Sozialministerin von Rheinland-Pfalz. In dieser Zeit setzte sie sich beharrlich für die Belange der Pflege ein, initiierte etwa ein Modellprojekt zur Delegation und kämpfte für eine Landespflegekammer in Rheinland-Pfalz. 2015 erhielt die heute 58-Jährige den Deutschen Pflegepreis des Pflegerates (DPR).

INTERVIEW AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


Beruf & Praxis

Sie sind eine viel beschäftigte Politikerin: Seit 2013 sind Sie Ministerpräsidentin, jetzt bekleiden Sie auch noch das Amt der kommissarischen SPD-Vorsitzenden in Berlin. Sie leben mit Ihrem Ehemann in einem inklusiven und generationenübergreifenden Wohnprojekt in Trier. Können Sie dort überhaupt noch Zeit verbringen? Als Ministerpräsidentin hat man naturgemäß sehr wenig Freizeit. Aber das Schammatdorf ist mein Zuhause, und so versuche ich, jede freie Minute zum Beispiel am Wochenende dort zu verbringen. Was unterscheidet Ihr Leben im Wohnprojekt vom Leben eines deutschen Durchschnittsbürgers im Reihenhaus? Im Schammatdorf wird Nachbarschaft großgeschrieben. Es gehört gewissermaßen zum Konzept, dass man auf seine Nachbarinnen und Nachbarn achtet, sich gegenseitig unterstützt und hilft. Gemeinschaft wird ganz bewusst und aktiv gepflegt. Dazu gehört zum Beispiel, dass man bei der älteren Nachbarin klingelt,

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um zu fragen, ob alles in Ordnung ist, wenn man sieht, dass sie mittags die Zeitung noch nicht hereingeholt hat. Es gibt auch Rückzugsmöglichkeiten, aber niemand muss sich einsam fühlen. All das kann es natürlich in einer Reihenhaussiedlung auch geben, aber für das Schammatdorf gehört es zum Gründungsprogramm. Zeit für Aktivitäten mit der Gemeinschaft des Projekts Schammatdorf fehlt Ihnen wahrscheinlich aktuell. Dort gibt es viele Möglichkeiten, miteinander aktiv zu sein. So gibt es einen Kochclub, der ein Rezeptbuch herausgebracht hat. Haben Sie reingeschaut und ein Lieblingsrezept? Ja, Sellerieschnitzel mit Currysoße und Kohlrouladen. Letzteres ist übrigens ein Rezept meines Mannes. Ihr Credo zu Ihrem Wohnort lautet „Hier will ich alt werden“. Warum? Natürlich zunächst einmal, weil hier mein Mann und in der Nähe ein Teil meiner Familie lebt. Aber eben auch, weil es genau dem Wohnmodell entspricht, das ich mir immer für mich vorgestellt habe und das ich auch AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Beruf & Praxis schon als Studentin in der WG bevorzugt habe: Leben in der Gemeinschaft, geben und nehmen, sich unterstützen, aber auch Möglichkeiten des Rückzugs, wenn mir danach ist. Für mich ist dies die natürlichste Form des Wohnens, da es der Vereinsamung und Vereinzelung entgegenwirkt. Viele ältere Menschen benötigen Unterstützung, möchten sich aber auch gerne noch in die Gesellschaft einbringen. Jüngere Menschen, vor allem mit kleinen Kindern, wissen oft nicht, wie sie mit ihrem Pensum über die Runden kommen sollen. Gemeinschaftliches Wohnen kommt beiden Seiten entgegen. Daher fördern wir als Landesregierung die Entstehung gemeinschaftlicher Wohnprojekte nach Kräften.

FÜR MITARBEITER DER SOZIALEN DIENSTE KÖNNEN DIESE WOHNKONZEPTE MEHR ZEIT, FLACHERE HIERARCHIEN UND EINE HÖHERE ZUFRIEDENHEIT MIT SICH BRINGEN. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


Beruf & Praxis

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Keine fremde Welt für Malu Dreyer: Auch bei ihr zu Hause im Schammatdorf wird oft zusammen gekocht.

Die Bewohner altern mit dem Schammatdorf, das im Juni gerade sein 40-jähriges Bestehen feiert. Führt das zu Veränderungen und/ oder neuen Plänen? Das Konzept des Schammatdorfes ist heute aktueller denn je! Im Schammatdorf wohnen alte und junge, behinderte und nichtbehinderte, gut und weniger gut verdienende, alleinstehende oder in Partnerschaft lebende Menschen. Es wurde immer sehr darauf geachtet, dass das Dorf auch attraktiv für Familien mit Kindern und jüngere Menschen ist. Die gute Altersdurchmischung wird auch in der Zukunft ein wichtiges Thema bleiben.

Auch politisch sind Sie eine Vorkämpferin für innovative Wohnund Quartiersprojekte. Wie setzen Sie das in Rheinland-Pfalz um? Es wird immer mehr und sehr viele ältere Menschen in der Gesellschaft geben, und wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir den damit verbundenen Wandel gut gestalten können. Die meisten Menschen wollen in ihren vertrauten vier Wänden alt werden, sie wollen aber nicht unbedingt allein leben, beispielsweise wenn der Partner verstorben ist oder die Kinder aus dem Haus sind. Wir müssen also die Voraussetzungen für Gemeinschaft schaffen. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Beruf & Praxis

In Rheinland-Pfalz gibt es seit 2015 eine eigene Landesberatungsstelle für neues Wohnen, die Kommunen, Wohnungsgesellschaften und Initiativen im ganzen Land berät. Mit dem Projekt WohnPunkt RLP unterstützen wir gezielt kleine Kommunen bis zu 5.000 Einwohnern beim Aufbau von dörflich eingebetteten Wohn-Pflege-Gemeinschaften. Mit den kommunalen Wohnungsunternehmen in Rheinland-Pfalz haben wir eine Arbeitsgemeinschaft zu Quartiersprojekten mit Assistenz-Angeboten, wie dem Bielefelder Modell, gegründet, um solche Vorhaben voranzubringen. Innovative Wohn- und Quartiersprojekte, die Wohnraum für Ältere, Pflegebedürftige oder Menschen mit Behinderungen schaffen, können in Rheinland-Pfalz eine Anschubförderung bis zu 10.000 Euro beantragen, und über die soziale Wohnraumförderung gibt es günstige Kredite für Wohngruppen. So schaffen wir ein gutes Umfeld für neues Wohnen im Land. Damit haben wir auch Erfolg, wie die steigende Zahl an Projekten zeigt. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

Aktuell haben wir rund 140 innovative Wohn- und Quartiersprojekte im Land, davon über 90 Wohn-Pflege-Gemeinschaften. Alle, die sich dafür interessieren, sind am 4. November 2019 herzlich zum 3. Netzwerktag Wohnen eingeladen, der in Mainz stattfinden wird. Sehen Sie alternative Wohnformen mit Assistenz-Angeboten auch als Karrieremöglichkeit für Pflegende? Alternativen Wohnformen mit Assistenz-Angeboten gehört meiner Meinung nach die Zukunft. Es entwickeln sich derzeit viele Vorhaben, bei denen gemeinschaftliches und barrierefreies Wohnen mit Assistenz-Angeboten verbunden wird. Das geht von der Wohn-Pflege-Gemeinschaft bis zu großen Quartiersprojekten. Die Menschen wollen möglichst in ihren angestammten Dörfern und Quartieren alt werden, da sind diese Angebote optimal. Aktuelle Studien, zum Beispiel des GKV-Spitzenverbandes, zeigen auch, dass die Zu-


Beruf & Praxis

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AKTUELL HABEN WIR RUND 140 INNOVATIVE WOHN- UND QUARTIERSPROJEKTE IM LAND. friedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner in diesen Modellen sehr hoch ist. Das gilt für die Themen Selbstbestimmung und Teilhabe, genauso wie für die Pflegequalität. Im Umkehrschluss zeigt sich daran natürlich auch eine hohe Attraktivität der neuen Wohnformen für Pflegende. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der sozialen Dienste können neue Wohnkonzepte mehr Zeit, flachere Hierarchien, neue Aufgabenfelder und damit eine höhere Zufriedenheit mit sich bringen. Viele Dienste interessieren sich dafür – die Umsetzung ist jedoch oft anspruchsvoll und erfordert veränderte oder neue organisatorische Abläufe. Darin liegen die Herausforderungen beim Aufbau neuer Wohnprojekte.

Übrigens

ist sie live dabei Auf dem Pflegetag (28. November) spricht Malu Dreyer gleich morgens um 9.15 Uhr das Grußwort.

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Wissen & Lernen


87 WISSENSCHAFT HAUTNAH Anti-Dekubitus-Matten: Es muss nicht immer Hightech sein


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Wissen und Lernen

WISSENSCHAFT HAUTNAH

ES MUSS NICHT IMMER HIGHTECH SEIN

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Wissen & Lernen

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In einer belgischen Studie zeigt die statische Matte eindeutig bessere Ergebnisse als die Wechseldruck-Lösung.

Text | Heike Dierbach Illustration | Caren Pauli

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Wissen und Lernen

Die Idee klingt erstmal plausibel: Eine Anti-Dekubitus-Matte, die abwechselnd verschiedene Zonen aufbläst, verringert den Druck besser als eine statische Luftmatte, die die ganze Zeit voll aufgeblasen ist. Aber stimmt das auch? Dieser Frage ist eine belgische Studie nachgegangen. Es zeigte sich: Die statische Matte ist effektiver, um einen Dekubitus zu verhindern – und billiger ist sie auch. Man muss allerdings dazu sagen: Die Studie wurde mitfinanziert von dem Hersteller der Matte.

Wechseldrucksysteme sind beliebt

Druckgeschwüre sind ein häufiges Problem in Seniorenheimen. Studien berichten, dass in manchen Heimen bis zu 32 Prozent der Bewohner einen Dekubitus haben – in anderen Heimen aber nur 4 Prozent. Prävention durch Pflege ist also entscheidend. Hilfsmittel wie Anti-Dekubitus-Matten spielen dabei eine wichtige ergänzende Rolle. Häufig werden auch Matten mit Wechseldrucksystem eingesetzt. Doch bisher hat es wenige Studien gegeben, die untersuchten, ob Patienten daAUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

ABWECHSELND BLÄST DIE WECHSELDRUCKMATTE VERSCHIEDENE ZONEN AUF – DAS KLINGT EIGENTLICH GUT ...

mit wirklich weniger Druckgeschwüre entwickeln als mit statischen Matten. Diese Lücke will die aktuelle Studie schließen. Beteiligt waren sechs Universitäten unter anderem in Belgien, Irland und Australien.

Studie mit 26 belgischen Pflegeheimen

Untersucht wurden 308 Bewohner in 26 belgischen Pflegeheimen. Alle waren über 65 Jahre alt und bettlägerig oder saßen im Rollstuhl. Alle hatten ein hohes Risiko für Dekubitus oder


Wissen & Lernen

wiesen bereits einen Dekubitus der Kategorie 1 auf. Per Zufall wurde jeweils die Hälfte der Probanden in die Gruppe mit Wechseldruck-Matte (Kontrollgruppe) eingeteilt und die Hälfte in die Gruppe mit einer statischen Luftmatte der Marke „Repose“ (Interventionsgruppe). Als Ergebnis wurde gemessen, ob sich ein Dekubitus der Kategorie 2 bis 4 entwickelt, wie stark er ausgeprägt ist und wann er auftritt.

Mit statischer Matte halb so viele Druckgeschwüre

Ergebnis: In der Interventionsgruppe entwickelten 5,2 Prozent der Bewohner einen Dekubitus der Kategorie 2 bis 4, in der Kontrollgruppe hingegen 11,7 Prozent – mehr als doppelt so viele. Die statische Matte konnte also Druckgeschwüre signifikant besser verhindern als die Wechseldruckmatte. Zudem dauerte es mit

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MIT STATISCHER MATTE DAUERTE ES AUCH LÄNGER, BIS SICH EIN GESCHWÜR ENTWICKELTE.

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Wissen und Lernen statischer Matte länger, bis sich ein Geschwür entwickelte – nämlich im Median 10,5 Tage anstatt 5,4 Tage mit Wechseldruck-Matte. Der Median ist eine Art gewichteter Durchschnitt. Der Schweregrad des Dekubitus unterschied sich nicht signifikant. Die Forscher berechneten auch, was die Versorgung mit der Anti-Dekubitus-Matte pro Tag und Bewohner kostet. Dabei nahmen sie an, dass die statische Matte im Durchschnitt 2 Jahre, die Wechseldruckmatte 7 Jahre hält. Nach ihrer Berechnung kostet die statische Luftmatte pro Tag und Bewohner 20 Cent, und die Wechseldruckmatte 53 Cent. Obwohl die statische Matte kürzer hält, ist sie also im Ganzen günstiger.

richtigen Matte hängt von vielen Faktoren ab und sollte immer sehr individuell erfolgen.“ Zu berücksichtigen ist auch, dass die Studie mitfinanziert wurde von der Firma Frontier Therapeutics, die die Repose-Matte herstellt. Die Firma hatte jedoch keinen Einfluss auf das Studiendesign. Dennoch lässt sich beobachten, dass industriefinanzierte Studien häufiger günstig für involvierte Unternehmen ausfallen als unabhängige Studien.

Studie mitfinanziert von Frontier Therapeutics

„Die Unterschiede in der Verhinderung von Dekubitus legen nahe, dass der Einsatz von statischen Luftmatten in Erwägung gezogen werden sollte“, resümieren die Autoren, „offenbar sind diese besser geeignet, die Belastung für den Körper zu reduzieren.“ Ist also die statische Matte in jedem Fall das Mittel der Wahl? So einfach ist es auch wieder nicht, betonten die Autoren: „Die Wahl der AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

Quelle: Dimitri Beeckman, Brecht Serraes, Charlotte Anrys, Hanne Van Tiggelen, Ann Van Hecke, Sofie Verhaeghe. A multicentre prospective randomised controlled clinical trial comparing the effectiveness and cost of a static air mattress and alternating air pressure mattress to prevent pressure ulcers in nursing home residents. International Journal of Nursing Studies 97 (2019) 105–113.


Wissen & Lernen

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FAZIT Die Studienergebnisse zeigen, dass eine An‑ ti-Dekubitus-Matratze sehr bewusst ausgewählt werden sollte. Nur weil ein Haus eine bestimmte Art von Matratze vorhält, heißt dies noch lange nicht, dass diese gut oder hilfreich ist. Eine Anti-Dekubitus-Matratze ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Vermeidung von Dekubital Ulce‑ ra. Eine solche Matratze kann jedoch die pfle‑ gerische Diagnostik, sprich, die Identifikation des Dekubitusrisikos, nicht ersetzen – und erst recht nicht die pflegefachlichen Entscheidun‑ gen zur Auswahl und Anwendung der individu‑ ell gebotenen Maßnahmen. Weitere Infos finden Sie auch im aktualisierten Expertenstan‑ dard Dekubitusprophylaxe in der Pflege

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Junge Pflege


95 GENERALISTIK Wie die neue Ausbildung den Pflegealltag verändert


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Junge Pflege

Neues Pflegeberufegesetz

WIE DIE GENERALISTIK DEN PFLEGEALLTAG VERÄNDERT AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


Junge Pflege

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Foto: Jens Schünemann

Ab Januar gilt für alle neuen Auszubildenden in der Pflege die Generalistik. Sie werden alle Bereiche durchlaufen: die Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege. Was bedeutet das für die Pflegefachpersonen vor Ort? Wir sprachen mit Susanne Arenz, Beraterin Pflegeausbildung für Rheinland Pfalz.

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Foto: BAFzA

Junge Pflege

Wann treffen die ersten Generalistik-Auszubildenden auf Station und in den Wohnbereichen ein?

Susanne Arenz arbeitet beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben im Referat 306 Qualifizierung Pflegeberufe im Beratungsteam Pflegeausbildung.

INTERVIEW Interview | Kirsten Gaede

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Das Pflegeberufegesetz und somit die neue Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann tritt am 1.Januar 2020 in Kraft. Wichtig ist auch, dass es im letzten Drittel der Ausbildung das Wahlrecht gibt. Die Auszubildenden können dann entscheiden, ob sie die begonnene generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann fortsetzen, oder ob sie die Ausbildung ausrichten auf einen Abschluss als Altenpflegerin/Altenpfleger oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin/Gesundheitsund Kinderkrankenpfleger. Es gibt einige Pflegeschulen im Land Rheinland-Pfalz, die am 1.April 2020 starten werden. Somit sind die „neuen“ Auszubildenden ab dem Frühjahr in der Praxis, zum „Orientierungseinsatz“ bei ihrem eigenen Träger der praktischen Ausbildung.


ES WERDEN HOFFENTLICH VORURTEILE ÜBER EINZELNE VERSORGUNGSBEREICHE ABGEBAUT.

Wie unterscheiden sich die neuen von den bisherigen Auszubildenden? Es kommen in Krankenhäuser auch Auszubildende, die in Altenpflegeeinrichtungen lernen, und in Pflegeheime Auszubildende, die aus Schulen von Klinikträgern stammen. Was bedeutet das im Umgang mit den Auszubildenden?

ge, der pädiatrischen Versorgung und der psychiatrischen Versorgung kennenlernen. Hierzu gibt es einen Rahmenausbildungsplan, was in den einzelnen Bereichen gelernt werden sollte. Es gilt, die Pflege als gesamtes Arbeitsfeld zu erleben und es werden hoffentlich Vorurteile über einzelne Versorgungsbereiche abgebaut. Im Umgang mit den Auszubildenden verändert sich eigentlich nichts. Neu ist allerdings, dass die Auszubildenden zu zehn Prozent der Arbeitszeit durch die Praxisanleitung strukturiert angeleitet werden. Werden die Schüler weniger Zeit in der Praxis verbringen als bisher?

Foto: serikbaib / stock.adobe.com

Junge Pflege

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Nein, in der neuen Ausbildung bleibt es wie bisher bei 2.500 Stunden Praxis. Diese finden nur in verschiedenen Einrichtungen statt.

Ausbildungsziel ist die Pflege von Menschen aller Altersklassen in allen Versorgungsbereichen, so dass die Auszubildenden die Praxis in der stationären Akutpflege, der stationären Langzeitpflege, der ambulanten PfleAUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Foto: grafikplusfoto / stock.adobe.com

Schaffen es die Einrichtungen/Kliniken, die geforderte Stundenzahl für die Praxisanleitung je Auszubildenden bereitzuhalten? Was passiert, wenn sie es nicht schaffen? Einige halten diese Vorgabe, so wie ich gehört habe, offenbar für unrealistisch und fürchten, dann nicht mehr ausbilden zu dürfen … Zunächst einmal: Ohne gute und ausreichende Praxisanleitung leidet die Ausbildungsqualität. Da sind sich doch alle einig. Alles andere ist eine Frage der Umsetzung. Das Land Rheinland-Pfalz wird eine Übergangsregelung schaffen, bis die entsprechenden Praxisanleitungen ausgebildet sind.

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Foto: ReaLiia / stock.adobe.com

Junge Pflege

IN DER NEUEN AUSBILDUNG BLEIBT ES WIE BISHER BEI 2.500 STUNDEN PRAXIS.


Junge Pflege

Wie weit sind die Altenpflegeeinrichtungen und Kliniken in Rheinland-Pfalz bei den Kooperationen? Seit Frühjahr und jetzt gerade im Herbst laufen die Gespräche und Verhandlungen auf Hochtouren, um alle Bereiche abdecken zu können. Die Pflegelandschaft in Rheinland-Pfalz ist auf einem guten Weg.

Foto: lithiumphoto / stock.adobe.com

Was kann jede einzelne Pflegefachperson für einen geschmeidigen Start der generalistischen Ausbildung unternehmen? Die Auszubildenden herzlich aufzunehmen und gut anzuleiten, damit sie die Pflege als Beruf lieben lernen, denn jeder Auszubildende unterstützt die professionell Pflegenden. Der neuen Ausbildung sollte man offen begegnen, sie bietet viele Vorteile für die zukünftigen Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner.

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TIPP Das Beratungsteam Pflegeausbildung berät bundesweit alle Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und jeden, der sich für die Pflegeausbildung interessiert. Außerdem begleitet das Team die Umsetzung der neuen Pflegeausbildungen. Mehr Informationen: www.pflegeausbildung.net .

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Senden Sie uns Ihren Kommentar an hallo@pflegekammermagazin.de

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Zum guten Schluss


103 DAS PERFEKTE TEAM Dieses Mal: die B0 im St. Marienund St. Annastiftskrankenhaus

113 TIPPS & TERMINE


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Zum guten Schluss

Streng, aber herzlich

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Das perfekte Team

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Text | Romy König Fotos | Katja Hein / St. Marien- und St.- Annastiftskrh.

Personalmangel, multimorbide Patienten, anspruchsvolle Angehörige – nie war Teamgeist so gefragt wie heute. Wir suchen positive Beispiele aus Rheinland-Pfalz und fragen nach ihren Rezepten. DIESES MAL: STATION B0 ST. MARIEN- UND ST. ANNASTIFTSKRANKENHAUS (LUDWIGSHAFEN)

Die junge Frau am Stationstresen drückt den Rücken durch, reckt das Kinn etwas höher, ihre Stimme klingt bestimmt: „Nein, das tut mir leid“, sagt sie und schaut ihrem Gegenüber, einer Kollegin, direkt in die Augen, „ich darf Ihnen keine Kopfschmerztablette geben.“ Keine Medikamente an Mitarbeiter des Hauses, nein, auch keine leichten Schmerzmittel, das wurde ihr beigebracht, das hat sie sich gemerkt. Erst seit wenigen Wochen arbeitet die junge Pflegefachperson auf der Station, Schritt für Schritt wird sie in die Leitlinien

des Hauses eingewiesen, doch neben den wichtigsten Regeln hat sie offenbar auch eines schon besonders verinnerlicht: sicher aufzutreten, ihre Position zu vertreten. Die „eigene Souveränität im Handeln und Sein“, so nennt es ihre Vorgesetzte Sun Young Yang-Scharf, „die will ich meinem Team vermitteln“. Die 46-Jährige leitet die Station B0 des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus, einer konfessionellen Einrichtung, die zur St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe GmbH AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Zum guten Schluss

Stationsleitung Sun Young Yang-Scharf (r.) mit der Leitung Pflegemanagement Rita Schwahn

gehört. Die gebürtige Südkoreanerin führt ein streng-herzliches Regiment auf ihrer Station, ist mit „Herz und Verstand“ dabei, wie die Stationsleitung selber von sich sagt.

Zehn Pflegekräfte mit multikulturellem Hintergrund

Es war kein leichter Start für sie, als sie im Januar 2016 die Verantwortung für die B0 übernahm, eine Station der Inneren Medizin mit Schwerpunkten Kardiologie, Pulmonologie, Angiologie und Notfallmedizin. Die Abteilung war im Umbruch, einige Pflegekräfte gingen in den Mutterschutz, andere in den Ruhestand, wieder andere kündigten gemeinAUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

sam mit Yang-Scharfs zeitgleich ausscheidender Amtsvorgängerin. Es wurden neue Kräfte gesucht – und das gestaltete sich schwierig. „Der Pflegekräftemangel zeigte sich uns damals allzu deutlich“, erinnert sich Rita Schwahn, Leiterin Pflegemanagement. Und dann stand plötzlich Yang-Scharf vor ihr. „Ich mach das, ich baue die Station neu auf“, sagte sie damals selbstbewusst. Und legte los. Vier Jahre war sie zuvor bereits stellvertretende Stationsleiterin der Gynäkologie gewesen, seit 2007 zudem Praxisanleiterin – sie hatte Erfahrung damit, Menschen zu führen. Im Rekrutierungsprozess neuer Pflegekräfte „blätterte sich die hal-


Das perfekte Team be Welt blätterte vor uns auf“, sagt Rita Schwahn. Für Sun Young YangScharf war bald klar: Aus all diesen Menschen – so sie fachlich geeignet sind, die B2-Qualifikation und entsprechende Sprachkenntnisse haben und zum Haus passen – würde sie ihr Team bauen. Divers? Ja. Multikulti, wie es so oft heißt? Auch. Aber in ihr wuchs die Überzeugung: „Das wird gelingen.“

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1. Reihe: v.l.n.r. Dilek Yilmaz (Auszubildende), Sun Young Yang-Scharf, Müserref Kadero (Stationshilfe) 2. Reihe: Fatma Yildiz (Pflegefachperson), Dr. med. Annette Schweickert, Razieh S. (Integrationsprojekt-TN), Zehra Yildiz (Pflegefachperson) 3. Reihe: Dr. med. Chrysostomos Manoukas (Oberarzt), Katharina Schneider (Assistenzärztin), Nail Mohammad (Assistenzarzt), Salome Schüle (Assistenzärztin), Heidi Gangkofner (Stationssekretärin)

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Zum guten Schluss

Heute arbeiten 16 Pflegekräfte auf ihrer Station, zehn davon haben einen Migrationshintergrund. Sie kommen aus Rumänien, aus Litauen, der Türkei, aus Bolivien, Griechenland und Kamerun. Yang-Scharf selbst kam vor 20 Jahren, ausgebildet als Registered Nurse, nach Deutschland, in Osnabrück studierte sie Gesundheitswissenschaften. Sie weiß, was es bedeutet, nicht nur aus einem anderen Land, gar von einem anderen Kontinent zu kommen, sondern auch aus einem anderen Pflegesystem. „Je nach Herkunftsland sind die Pflegenden einen anderen Stellenwert ihres Berufes gewohnt, als sie es in Deutschland

„Ich begleite mehr, als dass ich bestimme", sagt Stationsleitung Sun Young YangScharf.

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erleben.“ Hierzulande sei der „Fokus der pflegerischen Versorgung kaum auf Edukation oder systemische Risikoeinschätzung“ ausgerichtet. Manche Mitarbeiter mit einer Auslandsqualifikation erlebten den Wechsel deshalb als Kulturschock. „Aber aus meiner eigenen Geschichte weiß ich, was dann in einem vorgeht, kann also diese Erfahrungen teilen.“

Angeln lehren statt Fischgericht vorsetzen

Yang-Scharf sagt heute, dass sie damals keine gezielte Managementstrategie aufgestellt habe. Und doch wirkt es rückblickend, als habe sie


Das perfekte Team

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Die Station freut sich über Roger Pequignot, der ehrenamtlich Patienten besucht.

durchaus gewusst, was sie tat: Sie erfindet etwa ein Patenmodell: Jeder, der neu auf ihrer Station anfängt, wird von einem erfahreneren Kollegen unter die Fittiche genommen. Sie schickt ihre Schützlinge außerdem regelmäßig in Kurse: Kommunikation, Sprache, Umgang mit Patienten, erweitertes PflegeKnow-how. Yang-Scharf glaubt an die Kraft von Bildung, das hat sie von ihrer Mutter gelernt, die noch immer in Südkorea lebt und heute ihre Memoiren schreibt. Ein Bild der älteren Dame, wie sie über Büchern sitzt und lächelt, hängt außen an Yang-Scharfs Bürotür.

HIERZULANDE IST DER FOKUS VIEL WENIGER AUF EDUKATION UND SYSTEMISCHE RISIKOEINSCHÄTZUNG AUSGERICHTET. AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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Zum guten Schluss

Einigen ihrer Mitarbeiter erteilt Yang-Scharf alle drei Monate eine kleine Aufgabe, zum Beispiel eine schriftliche Anamnese zu formulieren oder die vollständige Pflegeplanung eines Fallbeispiels vorzunehmen. Die Ergebnisse – vorab von ihr korrigiert oder ergänzt – werden später in der monatlichen Teamsitzung vorgestellt. „Damit will ich den Mitarbeiterinnen helfen, Angst und Hemmungen vor sprachlichen Fehlern zu überwinden und Präsentationsmethoden zu lernen.“ Ganz nebenbei würden so auch die anderen Kollegen ihr Fachwissen ergänzen.

Fatma Yildiz (vorn) hat ihre Schwester für den Pflegeberuf begeistert. Jetzt hat auch Zehra Yildiz ihr Examen gemacht und arbeitet auf der B0.

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Ihren Führungsstil bezeichnet YangScharf weniger als autoritär, vielmehr als partizipatorisch. „Ich begleite mehr, als dass ich bestimme.“ Ihre Mitarbeiter ermutigt sie zu Eigenleistung und selbstständigem Denken. „Angeltechnik“ nennt sie das: den Mitarbeitern „nicht das fertige Fischgericht vorsetzen“, wie sie sagt, sondern ihnen beibringen, selber zu angeln. In Teamsitzungen kommt es beispielsweise vor, dass sie sich an den Rand setzt, ihre Mitarbeiter diskutieren lässt, etwa, ob statt einer examinierten Kraft eine MFA eingestellt werden soll. „Das können die gut unter sich ausmachen und eine Vorabwahl treffen.“


Das perfekte Team

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Ein Team, das zusammenhält: Wird eine von ihnen rassistisch angefeindet, stehen die anderen hinter ihr – ebenso wie die Leitung Pflegemanagement Rita Schwahn.

Kollektives statt rein individua- mäß eine hohe Kreativität, könnlistisches Denken ten Probleme geschickter lösen. „Je Dass die Kollegen ihrer Station unterschiedliche Herkunftsgeschichten und Nationalitäten haben, spielt in ihrem Führungsmodell gar keine so große Rolle. Das Miteinander, das Arbeiten prägt es dennoch – im Guten, wie Yang-Scharf schwärmt: „Mitarbeiter, die aus anderen Ländern als aus Deutschland kommen, haben oftmals ein kollektives statt ein rein individualistisches Denken, sind zum Beispiel sehr loyal ihren Kollegen gegenüber.“ Das stärke den Teamgedanken von innen heraus. Außerdem zeigten ethnisch gemischte Gruppen erfahrungsge-

inhomogener ein Team ist, desto vielfältiger sind die Ideen und die innovative Kreativität infolge unterschiedlicher Erfahrungen oder Betrachtungsperspektiven“, so ihre Beobachtung.

Rassistische Sprüche toleriert das Management nicht

Anders sind die Erfahrungen hingegen manchmal in der Begegnung mit Patienten. Danach gefragt, wird Yang-Scharf, die so gern und so oft lächelt, ernst. Es gebe Patienten, wenn auch nicht oft, die nicht damit zurecht kommen, von einer PflegeAUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER


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kraft behandelt zu werden, die ein Kopftuch trägt, deren Hautfarbe etwas dunkler ist oder deren Namen fremd klingt. Da braucht es sie wieder, die Souveränität, die Resilienz, diese rückenstärkende Kraft: „Macht euch bewusst, was ihr alles wisst, was ihr alles könnt“, rät sie ihren Mitarbeitern dann. „Ihr seid wer, ihr arbeitet hier, weil ihr qualifiziert seid, lasst euch deshalb nicht von unfreundlichen Bemerkungen verunsichern.“ Allein das helfe oft schon, sicherer aufzutreten, meint die Gesundheitsund Krankenpflegerin Fatma Yilmaz. „Frau Yang-Scharf bestärkt uns sehr. Und wir bestärken uns gegenseitig.“ Wenn sich ein Patient doch einmal im Ton vergreift, sich beleidigend, gar rassistisch äußert, stehen die Mitarbeiter nicht alleine da. „Da greift im Bedarfsfall bei uns die Eskalation nach oben“, versichert Rita Schwahn. „Solche Anfeindungen muss sich bei uns kein Mitarbeiter gefallen lassen, da steht die AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

Die Stationsleitung zusammen mit der Ärztin Annette Schweickert, die die Sektion Peumologie leitet.

Geschäftsführung voll hinter ihren Mitarbeitern.“ So sei auch schon vorgekommen, dass ein Patient aufgrund rassistischer Bemerkungen gegenüber einer Pflegekraft das Haus verlassen musste. Doch solche Anfeindungen seien nicht die Regel, im Allgemeinen bringe man ihren Mitarbeitern Respekt und Achtung entgegen, so YangScharf. Und so ist die Station B0 beliebt als Arbeitsstätte. Auszubildende wünschen sich nach Abschluss ihres Examens, hier anfangen zu können, die Mund-zu-Mund-Propaganda spült weitere Bewerber her. Und Fatma Yildiz ist sogar so begeistert von ihrem Arbeitsort, dass sie ihre jüngere Schwester ermuntert hat, sich zu bewerben.


Das perfekte Team

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JE WENIGER HOMOGEN EIN TEAM IST, DESTO VIELFÄLTIGER SIND IDEEN UND INNOVATIVE KREATIVITÄT. Seit zwei Wochen ist sie nun also hier, die junge Zehra Yildiz, als sie von einer Kollegin um Kopfschmerztabletten gebeten wird und sie abweist. „Wissen Sie“, erklärt sie ihr aber zusätzlich noch freundlich, „es ist einfach zu riskant, wenn wir Ihnen hier Kopfschmerztabletten aushändigen, schließlich könnten Sie allergisch darauf reagieren.“ Auch diese Begründung hat sie vor Kurzem noch gelernt. Sie schickt ihre Kollegin also in die Apotheke und macht weiter ihre Arbeit – die Haltung gerade, der Rücken gestärkt.

KENNEN SIE AUCH EIN PERFEKTES TEAM? Dann schreiben Sie uns: hallo@pflegekammermagazin.de

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Foto: naypong / stock.adobe.com

TIPPS & TERMINE

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Tipps und Termine

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2019

RecomJahrestagung An zwei Tagen bietet die Recom-Jahrestagung einen Themenmix und individuelle Wahlmöglichkeiten, die auf das neue Arbeitsjahr vorbereiten: von Berufspolitik, über neue Gesetzeslagen bis hin zu aktualisierten Anforderungen an die Pflege. Die diesjährige Tagung steht unter dem Motto „Im Fokus: Pflege & Vergütung“.

Kassel 4. und 5. Dezember

Mehr Informationen finden Sie unter: Link

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Zum guten Schluss

PFLEGE UPDATE 2020 Unter dem Motto „Fachlichkeit im Fokus“ lädt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) zur Tagung „Pflege Update 2020“ ein. Es geht sowohl um Politik, als auch um fachliche Themen wie die neue Qualitätsprüfung und die Ausbildungsreform.

Mehr Informationen finden Sie unter: Link

12. Februar DÜSSELDORF AUSGABE 17 � PFLEGEKAMMER

29. Januar BERLIN


Mehr Informationen finden Sie unter: Link

Stuttgart-Fellbach

Stuttgarter Intensivkongress

6. BIS 8. FEBRUAR

2020

Tipps und Termine

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Am 6. und 7. Februar findet das Pflegesymposium auf dem Stuttgarter Intensivkongress statt. Es wird Vorträge über Delir und Pflegeprofessionalisierung und -entwicklung geben.

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Tagung Gesundheits‑ förderung und Prävention in der Pflege Die 2. Fachtagung „Stärkung der psychischen Gesundheit“ bietet Informationen, Impulse sowie einen starken Praxisbezug. Die Tagung hat zum Ziel, die professionelle Pflege mit Akteuren aus Wissenschaft und Politik miteinander ins Gespräch zu bringen.

Mehr Informationen finden Sie unter: Link

13. Februar 2020 LUDWIGSHAFEN

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12. – 14. März 2020 | STATION Berlin

12. – 14. März 2020 in Berlin

deutscher-pflegetag.de

deutscher-pflegetag.de

Veranstalter des Deutschen Pflegetages

© Suphanat – stock.adobe.com

Veranstalter

Organisationsbüro

Veranstaltungsort

Deutscher Pflegetag STATION Berlin Servicegesellschaft mbH Luckenwalder Str. 4 – 6 (DPSG) 10963 Berlin CPO HANSER SERVICE GmbH Mohrenstraße 34 Paulsborner Str. 44 10117 Berlin 14193 Berlin +49 – (0)30 – 206 711 40 +49 – (0)30 – 300 669-0 info@deutscher-pflegetag.de cpo@deutscher-pflegetag.de


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Kontributoren

UNSERE KONTRIBUTOREN

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Kontributoren

TEXT

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LAYOUT

Jurij Balbekow

Helena Melikov

Andrea Bergsträßer

Ann-Kristina Simon

Martin Dichter Heike Dierbach Kirsten Gaede Jens Kohrs Romy König Johannes Kornacher Birgitta vom Lehn Dr. Markus Mai

ILLUSTRATION Helena Melikov Caren Pauli Laura Serra

Nadine van Maanen Sandra Postel Heike Wehrbein Kerstin Werner Adalbert Zehnder

FOTOGRAFIE Jens Schünemann

LEKTORAT Bernd Gössel

In dieser Publikation wird aus Gründen der leichteren Lesbarkeit meist die männliche oder die neutrale Form verwendet. Dies schließt immer Personen jeden Geschlechts ein.

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PFLEGE KAMMER Impressum

PFLEGEKAMMER Das Magazin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz (Herausgeberin) 2. Jahrgang

Redaktion Kirsten Gaede (kig) (V.i.S.d.P.) Tel. 0511.85 50-24 26 gaede@schluetersche.de

Dr. rer. cur. Markus Mai | Sandra Postel (V.i.S.d.P. für die Kammerbeiträge) (PKRLP) Große Bleiche 14 - 16 55116 Mainz

Kerstin Werner (kw) (Projektmanagement) Tel. 0511.85 50-24 57 werner@schluetersche.de

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Berufsordnung, Digitalisierung & Co. - eine Vorschau auf den Pflegetag Rheinland-Pfalz (28. November 2019)

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