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NR. 13 2019

Schwerpunktthema

EINE STARKE STIMME

MÄRZ 2019, 3. JG., ISSN 2569-2887


„ Nur eine unabhängige, institutionalisierte Selbstverwaltung, die mit allen Rechten und Pflichten einer eigenverantwortlichen Berufskammer ausgestattet ist, kann die Herausforderungen der Zukunft meistern.“ – Karl-Josef Laumann (CDU), nordrheinwestfälischer Gesundheitsminister


Editorial

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Gemeinsam für eine starke Pflege! Liebe Leserin, lieber Leser,

Dr. Markus Mai

Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Illustration | Laura Serra

as bringt mir die Pflegekammer? Diese Frage hören wir längst nicht mehr so häufig. Aber natürlich ist sie nicht verebbt. Uns allen – den Mitgliedern, der Vertreterversammlung, dem Vorstand und den Mitarbeitern der Geschäftsstelle – liegt an einem lebendigen Dialog. Ich möchte diese Frage deshalb konkret und nachvollziehbar beantworten. Nach drei Jahren Kammer gibt es zahlreiche Beispiele, die ich anführen kann. Lassen Sie mich mit dem Thema Gehalt beginnen. Es sei nicht AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Editorial

angemessen, es werde unserer anspruchsvollen Arbeit nicht gerecht, so hieß es bisher bei Vertretern des Pflegeberufs. Wir haben nun erstmals eine Zahl ins Spiel gebracht: mindestens 4.000 Euro für jede Pflegefachperson in Vollzeit. Mancher nennt die Forderung abgehoben. Doch mein Auftrag ist es sicherzustellen, dass Pflegefachpersonen fair behandelt werden und der Nachwuchs sich für diese anspruchsvolle Profession interessiert. Das Gute: Diese Forderung verhallt nicht. Die Politik hört meinen Kollegen und mir zu: Wir stehen als Körperschaft des öffentlichen Rechts etwa im Austausch mit Landesgesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und den gesundheitspoliAUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

tischen Sprechern der Parteien auf Landes- und Bundesebene. Die Zeiten, in denen die Politik in Rheinland-Pfalz über die professionell Pflegenden hinweggehen konnte, sind endgültig vorbei. Wir sind in circa 20 Gremien stimmberechtigt. Dass wir in der Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative Pflege (FQI) vertreten sind, ist eine Selbstverständlichkeit – ebenso wie unser Mitwirken bei der Konzertierten Aktion Pflege des Gesundheits-, Arbeits- und Familienministeriums. Politiker und Vertreter anderer Heilberufe vertrauen uns, weil wir für unsere Berufsgruppe Verantwortung übernehmen. Wir haben die Patientensicherheit im Blick. Das zeigt sich


DIE ZEITEN, IN DENEN DIE POLITIK IN RHEINLAND-PFALZ ÜBER DIE PROFESSIONELL PFLEGENDEN HINWEGGEHEN KONNTE, SIND ENDGÜLTIG VORBEI.


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Editorial

an der Berufsordnung, die wir Ende dieses Jahres verabschieden. Darin stellen wir Regeln für unser eigenes Handeln auf und geben dem Patientenwohl oberste Priorität. Seit 2018 haben wir auch eine Weiterbildungsordnung (WBO), die aktuelle und fundierte Standards zur Grundlage einer jeden Weiterbildung macht. Das ist für die Pflege eine ganz neue Form der Qualitätssicherung. An der WBO zeigt sich auch, dass wir das einzelne Mitglied im Blick haben. Es ist jetzt möglich, sich bestimmte, bereits absolvierte Basismodule auf weitere Weiterbildungen anrechnen zu lassen. Jedem einzelnen Mitglied kommt es ebenfalls zugute, dass wir einen kostenlosen Deckungsschutz bei Schäden von bis zu fünf Millionen Euro anbieten. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

Auch der Pflegetag Rheinland-Pfalz, den wir am 28. November zum dritten Mal ausrichten, nützt dem einzelnen Mitglied – zum Netzwerken oder zur fachlichen Inspiration. Nur wenige Bundesländer haben eine solche zentrale Veranstaltung für die Pflege. Allen, die jetzt noch fragen, was die Pflegekammer bringe, empfehle ich den Besuch unseres Kongresses: Viele Besucher haben uns berichtet, es sei ihnen dort wie Schuppen von den Augen gefallen.

Ihr Markus Mai


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Inhaltsverzeichnis

INHALT

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DIE PFLEGE IST LAUT Junge Pflegende und Auszubildende rufen zum Walk of Care auf

10 NR. 13 2019

Aktuelles & Politik 12 Ausgezeichnet Pflegepreis für Edith Kellnhauser

„EINE STARKE STIMME“

16 Slideshow Kammermeile & Co. auf dem Deutschen Pflegetag 18 Let’s talk Workshop Kammerkommunikation

pflegekammer-rlp.de

Coverbild: Helena Melikov | www.kocmoc-berlin.de Frauke Bönsch | www.fash.de

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22 Walk of Care Demonstration zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai 26 Beitragsverfahren Weniger Bürokratie dank neuer Selbsteinstufung


Inhaltsverzeichnis

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100 Junge Pflege

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ENDLICH STIMMBERECHTIGT! In diesen Gremien hat die Pflege jetzt politischen Einfluss

40 Schwerpunktthema: EINE STARKE STIMME 46 Wozu brauchen wir die Kammer? Die Vorteile im Überblick

102 Preisgekrönte Lernstation Ganzheitliche Ausbildung in Speyer

110 Zum guten Schluss 112 Das perfekte Team Station neurologische Rehabilitation im Gesundheitszentrum Glantal 120 Tipps und Termine Nicht verpassen: Tagungen und Kongresse für die Pflege

56 In diesen Gremien reden wir mit Der politische Einfluss der Kammer 68 Neue Weiterbildungsordnung Das hat sich seit der Einführung getan 72 Intensivpflege Weiterbildungen neu geregelt 84 Heilberufsgesetz Berufsordnung nimmt Formen an 96 Ältere Mitarbeiter Kulturwandel jetzt! AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik


12 PREISGEKRÖNT Edith Kellnhauser ausgezeichnet

18 EINGELADEN Kommunikations-Workshop für Kammermitglieder

26 ANGEPASST Das neue Beitragsverfahren der Pflegekammer baut Bürokratie ab

und viele spannende Themen mehr


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s w e N Aktuelles & Politik

Foto: Clemens Hess

DEUTSCHER PFLEGEPREIS FUR EDITH KELLNHAUSER

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News

Krankenschwester, Wissenschaftlerin und Wegbereiterin der Pflegekammern in Deutschland: Professorin Edith Kellnhauser setzte sich auf vielfache Weise für die Professionalisierung der Pflege ein. Dafür hat 85-Jährige jetzt den Ehrenpreis des Deutschen Pflegepreises 2019 erhalten. Die höchste nationale Auszeichnung in der Pflege würdigt verschiedene Kategorien des Pflegebereichs und ist mit insgesamt 18.000 Euro dotiert. „Für Edith Kellnhauser ist es von größter Bedeutung, dass die Pflegeberufe eine höhere Anerkennung und Wertschätzung für ihre wertvolle Arbeit erfahren. Dass dies so ist und die Rahmenbedingungen dafür gegeben sind, dafür setzt sich Edith Kellnhauser ihr ganzes Berufsleben ein. Dafür

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erhebt sie kraftvoll und verbunden mit einem enormen, vor allem auch internationalen Wissensschatz, ihre Stimme und damit hat sie Erfolg. Das zeichnet sie als Frau für die Pflege aus“, betonte Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats, der den Preis bei einer Gala im Varieté Wintergarten am Vorabend (13. März) des Deutschen Pflegetags in dieser Kategorie verliehen hat. Edith Kellnhauser, ältestes Mitglied der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, war selbst nicht anwesend; Ulrike Schleich, ehemalige Kellnhauser-Schülerin und heute Leiterin der Fachschule für Krankenpflege am Stauferklinikum, hat den Preis für sie entgegengenommen. (kb)

Edith Kellnhauser bedankte sich per Videobotschaft für die Auszeichnung AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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News

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PFLEGEKONGRESS IN DER HAUPTSTADT Gesundheitspolitik, Gesundheitsversorgung, Gesundheitsberufe in Zeiten des digitalen Wandels – das ist der inhaltliche Schwerpunkt beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2019 in Berlin. Das Treffen der Gesundheitsbranche geht vom 21. bis 23. Mai im CityCube Berlin an den Start. Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz ist wie schon im vergangenen Jahr mit einem Stand vertreten.

Foto: WISO / Schmidt-Dominé

Kammermitglieder erhalten über den Link www.hauptstadtkongress.de/anmeldung-landespflegekamme einen Rabatt auf den Ticketpreis für den Deutschen Pflegekongress. Sie zahlen für das Ticket 119 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) statt 285 Euro. Damit haben sie auch Zutritt zum Deutschen Ärzteforum und zum Hauptstadtforum Gesundheitspolitik mit dem Tag der Versicherungen. Der Pflegekongress fokussiert im Rahmen des Hauptstadtkongresses insbesondere pflegepolitische und pflegefachliche Themen – in diesem Jahr unter anderem die generalisierte Pflegeausbildung, Mitarbeiterbindung und moderne Einarbeitungskonzepte sowie die Wirkung neuer Technologien auf die Pflegequalität. Weitere Informationen finden Sie hier . (kb)

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s w e N Aktuelles & Politik

STELLDICHEIN DER PFLEGE 10.000 Besucher, Gesundheitsminister Jens Spahn, Familienministerin Franziska Giffey und viele mehr: Beim Deutschen Pflegetag vom 14. bis 16. März in der Station Berlin kamen Pflegefachpersonen und andere Akteure des Gesundheitswesens zu Workshops, Diskussionen und Fachvorträgen zusammen. Auch die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz war wieder mit einem eigenen Stand vertreten – auf der Kammermeile, zusammen mit der Pflegekammer Niedersachsen, der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein dem Pflegerat NRW, dem Landespflegerat Baden-Württemberg und dem Landespflegerat Berlin-Brandenburg. (kb)

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News

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Sie konnten dieses Jahr nicht dabei sein? Oder möchten das Event noch einmal Revue passieren lassen? Hier geht's zur Slideshow.

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w o h s e id

Impressionen vom Deutschen Pflegetag 2019 in Berlin

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s w e N Aktuelles & Politik

WORKSHOP KAMMERKOMMUNIKATION

LET’S TALK! Welche Themen müssen wir noch transparenter kommunizieren und worüber wurde bereits genug geredet? Wie können wir das Kammermagazin so weiterentwickeln, dass es den Informationsbedarf der Mitglieder noch besser deckt? Als lernende Organisation möchte sich die Pflegekammer im Austausch mit ihren Mitgliedern weiterentwickeln – auch in puncto Kammerkommunikation. Wir laden daher alle interessierten Mitglieder zu einem halbtägigen Kommunikations-Workshop mit der Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Sandra Postel, am 6. Juni 2019 in der Geschäftsstelle in Mainz ein.

Fotos: PKRLP

Wenn Sie teilnehmen möchten, schreiben Sie uns bis zum 30. April 2019 eine Mail an workshop@pflegemagazin-rlp.de . (LPflK)

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Fotos: Frauke Bönsch

News

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Sandra Postel Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

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s w e N Aktuelles & Politik

Fotos: ALTENPFLEGE Messe

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News

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PFLEGEKAMMER GOES ALTENPFLEGE In Nürnberg dreht sich vom 2. bis zum 4. April alles um die Altenpflege. Auf der gleichnamigen Branchenmesse können sich Altenpflegefachpersonen über die neuesten Trends in Sachen Digitalisierung, Pflege und Therapie sowie Verpflegung und Hauswirtschaft informieren. Bei der Start-up-Challenge präsentieren zudem junge Unternehmen innovative Ideen und Konzepte. Auch die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ist in diesem Jahr erstmals mit einem Stand auf der „Altenpflege“ vertreten – zu finden in Halle 7. Gut zu wissen: Kammermitglieder erhalten 20 Prozent Rabatt auf den Eintrittspreis. Geben Sie dafür bei der Online-Buchung den Promotion-Code AP19_Kammer1 ein. Mehr Infos: www.altenpflege-messe.de . (kb)

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s w e N Aktuelles & Politik

Fotos: Beatrice Grundheber

WALK OF CARE 2019

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So schön war der Walk of Care 2018. Vergangenes Jahr demonstrierten in Berlin 800 Menschen – 2019 werden 1.000 erwartet.


News

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DIE PFLEGE IST LAUT Am 12. Mai 2019 ist es so weit: Der Walk of Care geht in die dritte Runde. Anlässlich des Internationalen Tages der Pflegenden, der traditionell am Geburtstag der PflegePionierin Florence Nightingale (†1910) gefeiert wird, ziehen wieder Hunderte Pflegende durch die Straßen deutscher Großstädte. Ob in Berlin, Stuttgart oder Hamburg – sie alle fordern lautstark

notwendige Reformen des Gesundheitswesens für eine menschenwürdige Pflege. Für die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ist Vorstandsmitglied Hans-Josef Börsch in Berlin am Start, wo rund 1.000 Teilnehmer erwartet werden. Weitere Infos sowie die genaue Route der Demonstration veröffentlichen die Organisatoren kurzfristig auf Facebook . (kb)

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Aktuelles & Politik

FIKTION ODER REALITÄT? PFLEGE 2030 Wie wird die Pflege im Jahr 2030 aussehen? Der Antwort auf diese Frage nähern sich engagierte Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger sowie Auszubildende in einem Kurzfilm. „Wir beschäftigen uns mit dem Thema Zukunft! Denn Pflege geht uns alle an! Wir erschaffen unsere eigene Vorstellung einer Utopie und einer Dystopie, die sich wie in einem Traum miteinander zu vermischen scheinen …“, heißt es in der Beschreibung der Macher. Ihr Ziel ist

: o e d i V e b u T u o Y

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es, die Diskussionen deutschlandweit auf das Thema „Menschenwürdige Pflege in der Zukunft“ zu richten, Gedankenanstöße zu setzen und viele weitere Menschen zu ermutigen, eigene Projekte ins Leben zu rufen, um die Pflegekultur in Deutschland weiter anzukurbeln. Das Filmprojekt haben sie gemeinsam mit dem Berliner Pflegestammtisch , dem Verein PflegeKultur Ankurbeln und der Kreativwerkstatt der DRK Kliniken Berlin umgesetzt.


News

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Kreative Transparente, Kostüme und Schilder – der Walk of Care 2018 in Berlin war nicht nur laut, sondern auch überaus bunt.

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Aktuelles & Politik

Illustrationen: Pablo Stanley

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Beitragsverfahren

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Kammerbeiträge

Neues Verfahren, weniger Bürokratie Mit dem neuen Beitragsverfahren ist es für Kammermitglieder leichter, sich in eine Beitragsklasse einzugruppieren. Die Umstellung ist ein komplexer Prozess. Entscheidend für sein Gelingen: der enge Dialog zwischen Mitgliedern und Geschäftsstelle.

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Aktuelles & Politik

Post von der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz: Anfang dieses Jahres erhielten die ersten Kammermitglieder angepasste Beitragsbescheide für die Jahre 2016 bis 2019. Weitere werden demnächst folgen. Die Bescheide informieren unter anderem über die Beitragsklassen in den vier Jahren. Grundlage ist die neue Selbsteinstufung, zu der die Kammer ihre Mitglieder im Oktober 2018 aufgefordert hatte. Anstatt auf Basis des aktuellen Einkommens war diese auf Basis des Einkommens aus der pflegerischen Tätigkeit des vorletzten Jahres erfolgt. Langfristig reduziert das den bürokratischen Aufwand für die Mitglieder und die Pflegekammer – auch, weil so nicht unterjährig Änderungen des Einkommens an die Pflegekammer gemeldet werden müssen.

Mitglieder konnten sich nur verbessern

Für die meisten Mitglieder ändert sich durch das neue Verfahren nichts, das heißt, der Beitragsbescheid bestätigte ihre bisherige Eingruppierung. Anderen wird ein Teil ihrer bereits gezahlten Beiträge erstattet, weil sie AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


Beitragsverfahren

in eine niedrigere Beitragsklasse „gerutscht“ sind. Stellt sich heraus, dass Mitglieder zu niedrig eingestuft wurden, müssen sie die zu wenig gezahlten Beiträge nicht nachzahlen. So weit, so überschaubar. Doch die Bescheide sind offizielle Dokumente, müssen juristisch sauber formuliert sein und zahlreiche formale Vorgaben erfüllen. Bei so viel Bürokratie bleibt leider manchmal die Lesbarkeit auf der Strecke, was bereits zu Missverständnissen führte. Hinzu kommt, dass die Pflegekammer bei den Mitgliedern, die ihr eine Einzugsermächtigung erteilt haben, während der Überprüfung des Beitragsverfahrens keine Beiträge einzog. Diese werden stattdessen in diesem Jahr nachträglich abgebucht. Das sorgte zusätzlich für Verwirrung.

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Fragen zu Ihrem Beitragsbescheid? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail mit Angabe Ihrer Telefonnummer an beitragserhebung@pflegekammer-rlp.de . Das Team der Geschäftsstelle meldet sich schnellstmöglich bei Ihnen. Gut zu wissen: Die Umstellung ist ein einmaliger Prozess, der nun nach und nach umgesetzt wird. In Zukunft erhalten Sie einen Beitragsbescheid für jedes Jahr. (LPflK)

Die Geschäftsstelle beantwortet Fragen

Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle arbeiten unermüdlich daran, alle Unklarheiten zu beseitigen. Im Dialog mit den Mitgliedern beantworten sie Fragen, erklären Zusammenhänge und geben Tipps. Sie haben auch AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

TYPISCH NEUES BEITRAGSVERFAHREN

Zwei Fälle fiktiver Kammer‑ mitglieder, die Fragen aufzei‑ gen, die im Zuge der Anpas‑ sung des Beitragsverfahrens häufig aufkamen – und im Gespräch mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle geklärt werden konnten.

ZU VIEL ABGEBUCHT? Mona ist 34 Jahre alt und arbeitet seit sechs Jahren in Vollzeit als Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für operative Funktionsbereiche bei einem staatlichen Krankenhausträger in Koblenz. Ihr monatliches Bruttogehalt betrug von 2014 bis 2018 rund 3.000 bis 3.500 Euro. Daraus ergibt sich laut Beitragsordnung ein jährlicher Beitrag für die Kammermitgliedschaft in Höhe von 117,60 Euro. Mona hat sich für die halbjährliche Zahlungsweise entschieden und der Landespflegekammer ein Lastschriftmandat erteilt. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


Beitragsverfahren

Im Februar 2019 wurden von ihrem Konto 117,60 Euro abgebucht, im August 2019 werden es nochmal 58,80 Euro sein. Das sind dann insgesamt 176,40 Euro im Jahr 2019. Wie kann das sein?

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FALL 1: MONA, 34, AUS KOBLENZ *

Die Abbuchung von 117,60 Euro zu Beginn dieses Jahres ist korrekt, weil die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz im August 2018 kein Geld von Monas Konto eingezogen hat. Zu diesem Zeitpunkt wurde nämlich gerade das Beitragsverfahren überprüft. Während die Prüfung lief, hat die Pflegekammer keine Beiträge abgebucht, sodass Mona im Jahr 2018 nur einmal 58,80 Euro, also die Hälfte ihres Jahresbeitrags, bezahlt hat. Die zweite Hälfte wurde im Februar 2019 nachträglich abgebucht – gemeinsam mit dem ersten Halbjahresbetrag für das Jahr 2019. Im Februar dieses Jahres hat Mona also einmalig 117,60 Euro bezahlt. Ab August 2019 wird dann wieder wie gewohnt der Halbjahresbeitrag von 58,80 Euro von Monas Konto eingezogen. (LPflK) AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

FALL 2: REGINA, 62, AUS MAINZ*

* Die Personen in den Fallbeispielen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

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Beitragsverfahren

ICH BIN DOCH GAR KEIN MITGLIED MEHR! Regina ist 62 Jahre alt und im September 2016 in den Frühruhestand gegangen. Zuvor hatte die examinierte Altenpflegerin ihre Arbeitszeit bereits stark reduziert und nur noch eine Schicht pro Woche in einer von einem ambulanten Pflegedienst betriebenen Demenz-WG in Mainz übernommen. Ihr monatlicher Bruttoverdienst betrug 2014 zwischen 500 und 600 Euro. Im Rahmen der ersten Selbsteinschätzung gegenüber der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz meldete Regina ihre Mitgliedschaft zum 1. September 2016 ab und legte die dafür erforderlichen Nachweise vor.

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Im Februar 2019 forderte die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz Regina auf, ihren ausstehenden Mitgliedsbeitrag in Höhe von 36 Euro zu begleichen – dabei ist sie seit September 2016 kein Mitglied mehr. Wie ist es dazu gekommen? Die Forderung an Regina ist darin begründet, dass sie vom Zeitpunkt der Gründung der Pflegekammer im Januar 2016 bis zum Beginn ihres Ruhestands im September 2016 Kammermitglied war. Bei einem durchschnittlichen Bruttoverdienst von 500 bis 600 Euro liegt der Beitrag laut Beitragsordnung bei 54 Euro im Jahr oder 4,50 Euro im Monat. Für ihre achtmonatige Pflichtmitgliedschaft im Jahr 2016 muss Regina also einen Beitrag in Höhe von 36 Euro entrichten. Da sie es bisher versäumt hat, diesen an die Pflegekammer zu überweisen, hat sie nach der Überprüfung des Beitragsverfahrens im Februar dieses Jahres eine Zahlungsaufforderung erhalten. (LPflK) AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

FRAGEN UND ANTWORTEN RUND UM DIE MITGLIEDSBEITRÄGE

1.

Frage

Die Angaben in den Unterlagen, die ich von Ihnen bekommen habe, stimmen nicht. Was kann ich tun?

ANTWORT Geht es um Angaben zu Ihrer Person, Ihrem Arbeitgeber oder Ihrer Berufsqualifikation, teilen Sie uns die Änderungen bitte schriftlich mit. Die Formulare finden Sie hier . Bitte beachten Sie, dass wir für die Änderungen Nachweise brauchen – zum Beispiel eine Kopie der Meldebescheinigung, des Arbeitsvertrags oder der Berufsurkunde. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


Beitragsverfahren

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2.

Frage

Ist der Bescheid inhaltlich falsch, etwa weil der Zeitraum der Mitgliedschaft oder die Beitragsklasse nicht stimmen beziehungsweise ein Befreiungszeitraum nicht richtig berücksichtigt wurde, können Sie dagegen innerhalb eines Monats nach Erhalt schriftlich Widerspruch einlegen. Dafür reicht ein Anschreiben, in dem Sie erklären: „Ich widerspreche dem Bescheid vom TT.MM.JJJJ.“ Für eine schnellere Bearbeitung geben Sie am besten auch den Grund für Ihren Widerspruch an und fügen Sie Kopien der Nachweise bei. Wichtig ist, dass Sie den Widerspruch schriftlich einreichen – also per Brief mit Ihrer Unterschrift. Ein Widerspruch per E-Mail ist nicht möglich.

Ich habe die Beiträge für die Landespflegekammer schon in den Steuererklärungen für die Jahre 2016 und 2017 geltend gemacht. Durch die Neueinstufung ergeben sich jetzt aber andere Beiträge. Muss ich das dem Finanzamt melden?

ANTWORT Die Erstattung des Kammerbeitrags wirkt sich steuerlich nicht in dem Jahr aus, in dem Sie den Beitrag steuerlich geltend gemacht haben, sondern in dem Jahr, in dem der Betrag erstattet wurde. Die Steuererklärungen der Jahre 2016 und 2017 bleiben davon also unberührt. Wenn Ihnen in diesem Jahr Beiträge erstattet wurden, müssen Sie diese in der Steuererklärung für 2019 als steuerpflichtige Einnahmen angeben. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

3.

Frage

Mein Arbeitgeber zahlt den Kammerbeitrag für mich. Jetzt wurde mir ein Teil des Beitrags erstattet. Wie gehe ich damit um?

ANTWORT In diesem Fall kann es sein, dass sich eine Beitragsanpassung auf die Lohnsteuer auswirkt. Informieren Sie daher Ihren Arbeitgeber und klären Sie, wie die Erstattung lohnsteuerlich behandelt wird.

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4.

Frage

Ich habe Widerspruch eingelegt. Muss ich trotzdem den Beitrag bezahlen?

ANTWORT Während das Widerspruchsverfahren läuft, sind Sie weiter verpflichtet, Ihre Beiträge zu zahlen. Ein Widerspruch hat keine aufschiebende Wirkung. Bitte beachten Sie außerdem, dass Sie nur gegen einen konkreten Bescheid Widerspruch einlegen können, auf den Sie sich in Ihrem schriftlichen Widerspruch beziehen (siehe oben).


Beitragsverfahren

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5.

Frage

Gibt es Regelungen zur Ermäßigung, Stundung oder Ratenzahlung des Beitrags in Härtefällen?

ANTWORT Mitglieder, die sich zum Beispiel in einer wirtschaftlichen Ausnahmesituation befinden, können einen Antrag auf Ermäßigung, Stundung oder Ratenzahlung stellen. Den Antrag brauchen wir von Ihnen schriftlich mit Unterschrift (nicht per E-Mail) und den entsprechenden Nachweisen. Wenn Sie dazu Fragen haben, wenden Sie sich gern an die Geschäftsstelle.

6.

Frage

Mein Ehepartner kümmert sich um die Finanzen. Kann er sich bei Fragen an Sie wenden?

ANTWORT Bitte beachten Sie, dass wir aus Gründen des Datenschutzes nur unseren Mitgliedern gegenüber auskunftsberechtigt sind. Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, melden Sie sich daher unbedingt persönlich bei uns. Auch Angehörigen wie Ehepartnern dürfen wir leider keine Auskunft erteilen. (LPflK) AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

Ausgabe #

Foto: Maarten van den Heuvel / unsplash.com

LESEN SIE UNSER MAGAZIN DOCH, WO SIE WOLLEN! Am 29. Juli erscheint die Sommerausgabe PFLEGEKAMMER #15 – dieses Mal allein digital. Ob in der Bahn, auf Station oder im Urlaub: Auf alle Inhalte können Sie bequem per Smartphone oder Tablet zugreifen. www.pflegemagazin-rlp.de

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Schwerpunkt Eine starke Stimme

Die Kammer sichert den politischen Einfluss der Pflegenden. Wie genau das funktioniert, erfahren Sie in unserem Schwerpunkt.


46 ZUSAMMEGEFASST Die acht wichtigsten Vorteile einer Pflegekammer

56 KONKRETISIERT So gewinnen Pflegefachpersonen politischen Einfluss

72 AKTUALISIERT Neue Rahmenvorgaben für Weiterbildungen in der Intensivpflege

84 ENTWORFEN Die Berufsordnung nimmt Formen an

und viele spannende Themen mehr


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Schwerpunkt

Da kann man doch eh nichts machen … Nein, in Rheinland-Pfalz gibt es für Pflegefachpersonen seit 2016 keinen Grund mehr, diesen Seufzer auszustoßen. Die Landespflegekammer gibt der Pflege eine Stimme, sie sichert ihren politischen Einfluss. Aber wie genau? Lesen Sie dazu unseren Schwerpunkt! Text | Landespflegekammer Rheinland-Pfalz Illustration | Helena Melikov

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Eine starke Stimme

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Schwerpunkt

„Da müsste sich eigentlich mal jemand grundsätzlich drum kümmern.“ „Das sollte man doch mal thematisieren, da kann man doch nicht drüber hinweggehen.“ So oder ähnlich haben auch Sie sicherlich schon oft gedacht: wenn Sie auf Station oder im Wohnbereich wieder einmal viel zu knapp besetzt waren, Sie Aufgaben erledigen sollten, für die Sie sich nicht qualifiziert oder überqualifiziert fühlen, oder wenn Sie von Patienten oder Angehörigen bedroht werden (von Kollegen und Vorgesetzten aber nur Schulterzucken ernten). Oft fühlt man sich in solchen Situationen allein. Das ist schlimm, besonders in einem Beruf, der viel Energie fordert. Was Sie, was wir alle in solchen Momenten brauchen, ist Unterstützung. Die Pflegekammer bietet diese Unterstützung. Sie kümmert sich um AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

Ihre Belange, sie macht sich stark für Sie – so wie es die Ärztekammer für ihre Mitglieder schon seit über einem Jahrhundert tut. Zwar gibt es die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz erst seit drei Jahren. Doch wir merken schon jetzt, dass wir gebraucht werden, und das nicht zuletzt an den vielen Anrufen, die bei uns eingehen. Die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle und die ehrenamtlichen Mitglieder der Pflegekammer freuen sich, in Ihrem Sinne arbeiten zu können: Wir treiben Ihre Themen voran, wir bringen Ihre Interessen zur Geltung. Ja, das funktioniert tatsächlich. Weil sich uns als Körperschaft des öffentlichen Rechts ganz neue Möglichkeiten eröffnen, politisch Einfluss zu nehmen. Was genau das bedeutet, möchten wir Ihnen auf den folgenden Schwerpunkt-Seiten erklären.


Eine starke Stimme

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Schwerpunkt

Wozu brauchen wir die Kammer ? Text | Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

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Der Nutzen einer Pflegekammer wird – etwa auf Facebook – immer wieder diskutiert. Wir haben deshalb die acht wichtigsten Vorteile für Sie zusammengefasst.

Icons: Jhonatan / Noun Project

Foto: Frauke Bönsch

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Schwerpunkt

1. SCHLUSS MIT DEM DASEIN AM KATZENTISCH Seit es die Landespflegekammer gibt, wird in Rheinland-Pfalz nicht mehr über die Pflege gesprochen, sondern mit der Pflege: Wir sind aktiver Partner bei politischen Entscheidungsprozessen und bringen unsere Interessen überall dort ein, wo es drauf ankommt. Die Landespflegekammer wird künftig in alle Entscheidungsprozesse zu pflegerelevanten Gesetzen und Verordnungen (zunächst auf Landesebene) einbezogen (siehe auch Seite 56 ff). Vertreter der Landespflegekammer tauschen sich regelmäßig mit den anderen Heilberufskammern aus, ebenso wie mit wichtigen Akteuren des Gesundheitswesens und der Landespolitik. Die mehr als berechtigten Anliegen der Pflegenden im Land werden viel stärker wahrgenommen – das wird mit zunehmender Dauer der Kammerarbeit immer deutlicher. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

2. EIGENE VERBINDLICHE BERUFSORDNUNG Die Gesamtheit der Pflegefachpersonen kann über die Kammer zum ersten Mal ihr professionelles Handeln in Eigenregie regeln. Denn Landespflegekammern sind, analog zu den etablierten Kammern der anderen Heilberufe, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Damit können und sollen sie hoheitliche Aufgaben übernehmen. Das „klassische Ressort“ einer Heilberufskammer


Foto: Frauke Bönsch

Eine starke Stimme

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ist die Berufsordnung. Darin sind Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Rechte und Pflichten festgelegt. In Rheinland-Pfalz wird also für die professionelle Pflege eine eigene Berufsordnung mit modernen und professionellen Qualitätsstandards möglich (sie ist in Arbeit und wird demnächst verabschiedet, siehe auch Seite 84 ff). Das Wissen und die Erfahrungen der Berufsgruppe werden in die Berufsordnung einfließen, nicht zuletzt zum erheblichen Wohle der Patienten, Klienten und (Heim-)Bewohner. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt

3. MEHR QUALITÄTSSICHERUNG DURCH BERUFSORDNUNG

Fotos: Frauke Bönsch

Mit der Berufsordnung erhalten die beruflich Pflegenden eine Handhabe, auch gegenüber den Arbeitgebern, um mehr Sicherheit in ihren täglichen Arbeitsabläufen zu erfahren. Außerdem dient eine Berufsordnung auch der Qualitätssicherung der Pflege und erfährt damit gesamtgesellschaftliche Relevanz.

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Eine starke Stimme

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4.

5.

FORTSCHRITTE IN DER PFLEGEQUALITÄT

FACHLICHE UND JURISTISCHE BERATUNG

Pflegekammern entwickeln und verbreiten Qualitätsstandards. Sie setzen Fachausschüsse ein, die sich mit Fragen der Qualitätsentwicklung in der Pflege auseinandersetzen, und fördern eine zeitgemäße Weiterentwicklung des Berufsbildes. Die Kam­mer veröffentlicht darüber hinaus Stellungnahmen zu aktuellen fachli­ chen, politischen und ethischen The­men der Pflegepraxis – zum Beispiel Gewalt in der Pflege.

Die Landespflegekammer unterstützt ihre Mitglieder bei berufsfachlichen und berufsrechtlichen Fragestellungen und Problemen. Zukünftig wird auch eine Schutz- und Schiedsstelle eingerichtet, hier wird Beschwerden nachgegangen und nach Lösungen im Sinne der Beteiligten gesucht werden.

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Schwerpunkt

Foto: Frauke Bönsch

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6. STARKE INTERESSENVERTRETUNG Im Zusammenspiel mit den Berufs­ verbänden und den Gewerkschaften entsteht eine Interessenvertretung, die die berechtigten Forderungen und Anliegen der beruflich Pflegen­ den artikulieren und durchsetzen kann. Landespflegekammern sind Voraussetzung für eine fair organi­ sierte Interessenvertretung auf Au­ genhöhe im Gesundheitswesen. Ein Beispiel ist der Runde Tisch ambu­ lante Intensivpflege, der auf Initiati­ve der Landespflegekammer Rheinland­ Pfalz entstanden ist.

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Eine starke Stimme

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7.

8.

FORT- UND WEITERBILDUNG SELBSTBESTIMMT

BESSERES IMAGE DES PFLEGEBERUFS

Die Landespflegekammer entwi­ckelt ein zukunftsfähiges Fort-­und Weiterbildungssystem. Auf diese Weise werden die Rahmenbedin­gungen der Weiterbildungsangebo­ te erstmals von Pflegenden für Pfle­gende gestaltet. Sie berücksichtigen so die Perspektiven der Pflegefachper­ sonen in den Weiterbildungsstätten und in der Praxis.

Die Pflegekammer nimmt Stellung zu aktuellen Fragen der pflegerischen Versorgung der Bevölkerung. Auch liefert sie Beiträge für eine wertschätzende Diskussion über die Pflege in der Öffentlichkeit. Wenn das Ansehen des Berufsstandes Pflege gefährdet ist, bezieht sie Position.

Die neuen Weiterbildungen sind modular aufgebaut. Das bringt konkrete Entlastung für jedes Mitglied. Jetzt ist es etwa möglich, bereits erbrachte Leistungen (Module) von Weiterbildungen anrechnen zu lassen.

ber die ü r h e m n e t h c ö m Sie te n ä it iv t k A d n u n e b a Aufg ahf r e r e m m a k e g e fl der P en n n ö k k c li b r e b Ü n e ren? Ein den. la r e t n u r e h r ie h Sie

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Schwerpunkt

INFO Gründet noch mehr Pflegekammern! Die Pflegekammer ist ein erster wichtiger Schritt, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Aber nur wenn weitere, umfassende Anstrengungen folgen, ist der dramatische Fachkräftemangel in der Pflege aufzuhalten. Politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen sind also weiterhin gefragt, klar Stellung zu beziehen. Wichtig ist auch, dass unser Berufsstand auf Bundesebene an politischem Einfluss gewinnt. Dies lässt sich durch enge Kammerstrukturen erreichen. Das bedeutet, wir brauchen noch mehr Landespflegekammern neben den drei bestehenden in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Die Aussichten sind gut: Im bevölkerungsreichsten Bundesland, in Nordrhein-Westfalen, werden noch in diesem Jahr die Weichen für eine Pflegekammer gestellt, nachdem sich in einer Befragung im Auftrag des Sozialministeriums 79 Prozent der Teilnehmer dafür ausgesprochen haben.

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Schwerpunkt

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Eine starke Stimme

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Text | Landespflegekammer Rheinland-Pfalz Fotos | Frauke Bönsch Illustration | Helena Melikov

H C I L D ! T EN G I T H C E R E B M M I ST

Mit der Landespflegekammer gewinnen Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz politischen Einfluss. Das haben Sie vermutlich schon oft gehört – und sich gefragt: Wie sieht das konkret aus? Wir geben Ihnen einige Beispiele. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt

Als sich die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz 2016 gründete, war das ein absolutes Novum für die Pflege in Rheinland-Pfalz und in Deutschland. Für die professionelle Pflege ist es eine große Errungenschaft, dass sie jetzt genau dort, wo es um zentrale Fragen der Versorgungskapazitäten geht, mitbestimmen darf. Zuvor hatte maßgeblich der Dachverband der Pflegeorgani­sationen Rheinland-Pfalz (DPO) die Interessen AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

der Pflegefachpersonen vertreten. Doch der Einfluss der Mitgliedsverbände im DPO in den politischen Gremien war begrenzt. Deshalb forderten die Verbände bereits seit 2004 (Strausberger Erklärung des Deutschen Pflegerates) eine Pflegekammer und waren am Aufbau beteiligt. Und tatsächlich hat die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz nun eine viel stärkere Position als die DPO-Mitgliedsverbände.


Eine starke Stimme

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HOHEITLICHE AUFGABEN

DEMOKRATISCH LEGITIMIERT

Die Landespflegekammer ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und nimmt als solche hoheitliche (staatliche) Aufgaben des Landes in Selbstverwaltung wahr. Sie ist offizieller Vertreter der professionellen Pflege in Rheinland-Pfalz, weil sie mehr als ein Verband oder Verein ist. Gesetzliche Grundlage ist das Heilberufsgesetz Rheinland-Pfalz in seiner Fassung vom 19. Dezember 2014.

Alle Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz sind Pflichtmitglied in dieser demokratisch legitimierten Körperschaft. Sie haben aktives und passives Wahlrecht. Aufgrund dieser demokratischen Legitimierung darf die Pflegekammer alle Pflegefachpersonen in ihrer Gesamtheit offiziell vertreten.

STIMMRECHT IN GREMIEN Als offizieller Vertreter der Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz erhält die Kammer Stimmrecht in allen gesundheitsrelevanten Gremien – genauso wie alle anderen Heilberufe, etwa die Mediziner. Eine Übersicht über die Gremien, in denen die Kammer mit Stimmrecht vertreten ist, finden Sie auf den folgenden Seiten.

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Schwerpunkt

Landespflegeausschuss Wann immer es um Fragen der stationären oder der ambulanten Pflege geht (Sozialgesetzbuch XI), ist dieses Gremium gefragt. Hier sind alle einflussreichen Kostenträger, Dachorganisationen der Pflegeanbieter und Aufsichten vertreten, unter anderem der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Rheinland-Pfalz, die überörtlichen Träger der Sozialhilfe, die Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz, Pflegekassen, Landesärztekammer und seit 2016 nun auch die Landespflegekammer. Der Landespflegeausschuss vereinbart Grundsätze zur Vergütung bestimmter Pflege- und Betreuungsleistungen, etwa zum mindestens notwendigen Personaleinsatz in Heimen. Außerdem berät er die Landesregierung bei die Pflege betreffenden Gesetzesänderungen. Augenblicklich beschäftigt sich das Gremium mit der Frage

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N E R H A F R MEHR E

ien, in m e r G n e ll a it m e t Eine Lis mer m a k e g le f p s e d n a L denen die ise e w s g n u h ie z e b t is Mitglied ich s ie S n e n n ö k , t a h Stimmrecht n. e d la r e t n u r e h r hie

wie sich das Pflegestärkungsgesetz III (seit 2017 in Kraft) am besten umsetzen lässt. Es geht darum, die Rolle der Kommunen zu stärken – indem sie etwa mehr niedrigschwellige Betreuungsangebote ermöglichen, die nach einfacheren Regeln finanziert werden sollten.

Landeskrankenhaus‑ planungsausschuss Hier geht es um den Krankenhausbetrieb (SGB V), insbesondere um die Planung von Betten und Abteilungen. Braucht Rheinland-Pfalz mehr Betten in der Geriatrie? Wie sieht es mit der Geburtshilfe aus? Wäre die Schließung bestimmter Standorte sinnvoll? Es sind Fragen wie diese, die im Planungsausschuss diskutiert werden.


Eine starke Stimme

Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative Gesundheitsfachberufe (FQI 2.0) Unter anderem diskutieren die Mitgliederorganisationen der FQI , wie sich die 641,5 Stellen besetzen lassen, die in Rheinland-Pfalz zusätzlich durch das neue Pflegepersonalstärkungsgesetz gefördert werden sollen.

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Gemeinsames Landesgremium nach § 90a SGB V Sektorenübergreifende Versorgung – dieses zukunftsweisende, für Patienten so wichtige, aber auch hochkomplizierte Thema beschäftigt die Mitglieder dieses Gremiums, in dem die Landespflegekammer ebenfalls ein Stimmrecht hat. Im Mittelpunkt steht die Versorgung im ländlichen Raum.

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Schwerpunkt

Der professionellen Pflege könnte hier eine besondere Rolle zukommen. Wichtige Fragen sind, inwieweit Pflegefachpersonen solche Leistungen erbringen und auch abrechnen können, die bisher Ärzte offiziell ausgeführt haben. Ein weiterer Diskussionspunkt: Welche Weiterbildung oder welches Studium bräuchten die Pflegefachpersonen für ihre neuen Aufgaben?

Lenkungsgremium Gemeindeschwesterplus Die Gemeindeschwesterplus ist eine Form des präventiven Hausbesuchs und hat sich nach Einschätzung des Sozialministeriums als erfolgreich erwiesen. Nun geht es darum, das Modellprojekt in Rhein-

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land-Pfalz weiter zu verbreiten. Der Vorsitz des Gremiums ist intermittierend, zurzeit hat ihn die Landespflegekammer inne, genauer gesagt Vorstandsmitglied Nina Benz.

Landesgremium Demenz Seit 2003 verfolgt Rheinland-Pfalz eine konsequente und breit gefächerte Demenzstrategie. Mit dem Landesgremium Demenz wurde eine zentrale Plattform geschaffen, die dem Austausch und der Weiterentwicklung von demenzbezogenen Maßnahmen im Land dient. Innerhalb des Landesgremiums arbeiten dabei viele Experten in vier Arbeitsgruppen zu den Teilaspekten der Demenz. Vizepräsidentin Sandra Postel leitet gemeinsam mit Professorin Renate Stemmer (KH Mainz ) die AG Pflege des Landesgremiums.


Eine starke Stimme

AG Landesgesetz über Wohnformen und Teilhabe Durchführungs‑ verordnung (LWTGDVO)

ten von Mitgliedern oder um die Entwicklung neuer Wohnformmodelle mit Bezug auf spezielle Gesundheitsbedarfe.

Alle Fragen, die gesetzliche Vorgaben für Pflegeheime betreffen, werden in dieser Arbeitsgruppe diskutiert. Die LWTGDVO regelt alles, was früher unter das „Heimgesetz“ fiel. Im Mittelpunkt steht immer wieder die Fachkraftquote. Manchmal geht es auch um Fehlverhal-

Kooperationsgremium Entbürokratisierung

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Wie lässt sich das Strukturmodel zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation auf Landesebene umsetzen? Diese Frage steht im Mittelpunkt. Den Vorsitz hat die

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Schwerpunkt

Pflege­Gesellschaft Rheininne. Diese ist land-Pfalz ein Verband, der die Interessen der ambulanten, teilstationären und stationären Pflegeeinrichtungen vertritt. Weitere Akteure im Kooperationsgremium sind neben der Pflegekammer unter anderem das Land, die Pflegekassen und der MDK.

Landesverordnung zur Durchführung des Landesgesetzes zur Sicherstellung und Weiterentwicklung der pflegerischen Angebotsstruktur Brauchen wir noch mehr ambulante Versorgung? Welche Anforderungen gilt es, an Angebote vor Ort zu stellen? Fragen wie diese werden in diesem Gremium mit dem extrem sperrigen Namen (abgekürzt: LPflegeASGGVO) diskutiert. Auf Anregung der Landespflegekammer hat das Gremium einen Zwölf-Punkte-Plan zur

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besseren Versorgung von Beatmungspatienten entwickelt – ein nötiger Schritt, nachdem die Intensiv-Wohngemeinschaften bisher meistens durch alle Kontrollmechanismen gerutscht sind.

AG „Klärender Dialog G-BA-Qualitätssiche‑ rungsrichtlinie Früh- und Reifgeborene“ (SQmed Rheinland-Pfalz) Die SQmed Rheinland-Pfalz ist eine Unterstruktur des Gemeinsamen Bundesausschusses (oberstes Beschlussgremium der Selbstverwaltung im Gesundheitssystem). Die Mit-


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Download Hier finden Sie eine Übersicht über die Zusammenarbeit der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz mit Landesbehörden und anderen Gremien.

glieder erarbeiten Stellungnahmen und streben einen klärenden Dialog an, in dem es auch um die Finanzierung der hohen Qualitätsanforderungen geht.

Konzertierte Aktion Pflege Alle Pflegekammern (RLP, Niedersachsen und Schleswig-Holstein) arbeiten in einigen Arbeitsgruppen zur Ausgestaltung der Konzertierten Aktion Pflege (KAP) mit. Weitere Mitglieder sind unter anderem der GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

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Schwerpunkt

INFO In ständigem Austausch mit Politikern Auch außerhalb der Gremienarbeit wird die Landespflegekammer immer häufiger zu Rate gezogen und angehört. So trifft sich Kammerpräsident Markus Mai regelmäßig mit Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Außerdem gibt es Gespräche zwischen Kammervertretern und Mitgliedern des rheinland-pfälzischen Landtags und kontinuierlichen Kontakt zu den gesundheitspolitischen Sprechern der Parteien auf Landes- und Bundesebene. Von Kostenträgern, Gerichten, Hochschulen, Trägerverbänden, Gewerkschaften und Landeskammern anderer Heilberufe erhält die Landespflegekammer regelmäßig Anfragen. Intensiven Kontakt gibt es momentan auch zum Landesbildungsministerium: Das neue Pflegeberufegesetz mit seiner generalistischen Ausrichtung muss auf Landesebene umgesetzt werden. Viele Fragen sind dabei noch ungeklärt, etwa die künftige Kooperation der bisher jeweils für sich agierenden Träger der Kranken- und der Altenpflegeausbildung, die sich noch dazu völlig unterschiedlich finanzieren.

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Schwerpunkt

Update

SO WIRKT DIE NEUE WBO

Foto: rangizzz / stock.adobe.com

Seit 1. Januar 2018 gilt die neue Weiterbildungsordnung und mit ihr die Regelung für die Weiterbildung zum Praxisanleiter. Was hat sich seitdem getan und wie geht es jetzt weiter?

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Die aktualisierte Weiterbildung zum Praxisanleiter war der erste Schritt bei der Umsetzung der neuen Weiterbildungsordnung (WBO). Seitdem haben in Rheinland-Pfalz vier Weiterbildungsstätten Lehrgänge nach der neuen Regelung zugelassen, bei vier weiteren läuft derzeit das Zulassungsverfahren. „Die anderen werden voraussichtlich im Laufe dieses Jahres nachziehen“, sagt Bernd Geiermann, Vorsitzender des Ausschusses Weiterbildung und Fortbildung der Landespflegekammer und Leiter des Bildungszentrums Eifel-Mosel.

Foto: Frauke Bönsch

Fotos: haunwilkinson / stock.adobe.com

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Schwerpunkt

FACHWEITERBILDUNGEN INTENSIVPFLEGE

Dieses Jahr folgte der zweite Schritt in Sachen WBO: Die Rahmenvorgaben für die Fachweiterbildungen für Intensiv­pflege und Pflege in der Anästhesie sowie für Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege sind aktualisiert (siehe Seite 72 ff). Nun sind die Weiterbildungsstätten am Zug und müssen die neu geregelten Lehrgänge konzipieren und Modulhandbücher erstellen. „Bereits begonnene Lehrgänge gehen aber weiter und laufen dann nach und nach aus“, betont Geiermann. Ab 2019 sind noch Weiterbildungen nach der alten Regelung möglich, ab 2020 müssen die Kurse dann nach der neuen WBO gestaltet sein.

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WEITERE RAHMENVORGABEN BIS ENDE 2020

Bereits in Arbeit ist derweil eine neue Rahmenvorgabe zur Fachweiterbildung Psychische Gesundheit, die noch in diesem Jahr verabschiedet werden könnte. Bis Ende 2020 sollen dann die Weiterbildung Pflege in den operativen Funktionsbereichen und Leitung einer Pflege- oder Funktionseinheit im Gesundheitswesen und der Altenpflege neu geregelt werden. Außerdem im Gespräch ist eine neue Ordnung für (LPflK) Notfallpflege.


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INFO

Foto: Tamara Kulikova / stock.adobe.com

Ältere Weiterbildungen haben Bestandsschutz Die neue Weiterbildung für Praxisanleiter umfasst jetzt 308 statt wie früher 200 Stunden. „Müssen die bisherigen Praxisanleiter die mehr als 100 Stunden nachholen?“ Diese Frage bewegte im vergangenen Jahr so manches Kammermitglied. Doch die Sorge war unbegründet: Die absolvierte Weiterbildung hat Bestandsschutz und die Erlaubnis, die Weiterbildungsbezeichnung zu führen, behält ihre Gültigkeit, sofern sie aufgrund gesetzlicher Regelungen absolviert wurde.

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Schwerpunkt

Rheinland-Pfalz ist erneut Pionier der Intensivpflege

Foto: Westpfalz-Klinikum

Modular, didaktisch auf dem neuesten Stand und ganz nah an den professionell Pflegenden: Die neuen Rahmenvorgaben für die Fachweiterbildungen für Intensiv­ pflege und Pflege in der Anästhesie sowie für Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege sind da.

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1968 startete in der Universitätsmedizin Mainz die erste Fachweiterbildung für Intensivpflege, damals noch unter dem Dach der Intensivmedizin. Es war die Geburtsstunde der Intensivpflege in Deutschland. 1974 folgte die Fachweiterbildung Pädiatrische Intensivpflege – ebenfalls die erste im gesamten Bundesgebiet. Jetzt führt Rheinland-Pfalz diese Tradition fort und ist wieder Vorreiter: Anfang dieses Jahres sind die neuen Rahmenvorgaben zur Weiterbildungsordnung (WBO) in Kraft getreten, die nunmehr die Fachweiterbildungen für Intensivpflege und Pflege in der Anästhesie sowie für Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege regeln. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt Nun können auch Gesundheits- und Krankenpfleger zur Weiterbildung für Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege zugelassen werden, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen. Altenpfleger haben wiederum die Möglichkeit, die Weiterbildung für Intensivpflege und Pflege in der Anästhesie zu absolviere, wenn sie die besonderen Zulassungsvoraussetzungen erfüllen. Beides war nach altem Recht nicht möglich.

Die Pflegekammer ist eine Mitmach-Kammer

Das Besondere an der neuen Regelung: Sie wurde von Pflegenden für Pflegende verfasst, genauer von einer von der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz berufenen Expertengruppe. Sechzehn Pflegefachpersonen aus Weiterbildungsstätten, der klinischen Praxis und einer Fachgesellschaft haben unter der Leitung der Mitglieder des Ausschusses für die Weiterbildung und Fortbildung, Martina Gießen-Scheidel und Rüdiger Bohn, die Rahmenvorgaben entwickelt. Esther Ehrenstein begleitete den Prozess seitens des Vorstands der Pflegekammer. In dieser Besetzung konnte die Expertengruppe die Perspektiven der AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Foto: Frauke Bönsch

ES WAR UND IST UNS WICHTIG, DIE PFLEGEFACHPERSONEN IN DER DIREKTEN PATIENTENVERSORGUNG EBENSO AN DER WEITERBILDUNGSORDNUNG ZU BETEILIGEN WIE DIE PFLEGEPÄDAGOGEN IN DEN WEITERBILDUNGSSTÄTTEN, DIE SIE LETZTLICH UMSETZEN.

Fotos: Westpfalz-Klinikum

Esther Ehrenstein MA Pflegemanagement, Kranken‑ schwester (RN), Pflegedienstleitung im Katholischen Klinikum KoblenzMontabaur, Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Ressort Bildung AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt Akteure berücksichtigen, von denen die erfolgreiche Umsetzung abhängt. „Es war und ist uns wichtig, die Pflegefachpersonen in der direkten Patientenversorgung ebenso an der Weiterbildungsordnung zu beteiligen wie die Pflegepädagogen in den Weiterbildungsstätten, die sie letztlich umsetzen“, sagt Esther Ehrenstein.

Kompetenzen statt Fächer

Die Experten haben den beiden Weiterbildungen eine vollkommen neue Form gegeben. „Wir haben uns vom fächerorientierten Unterricht gelöst und kompetenzfördernde Module entwickelt“, sagt Rüdiger Bohn, Mitglied des Ausschusses für die Weiterbildung und Fortbildung, Kammervertreter und Leiter des Weiterbildungszentrums des Westpfalz-Klinikums. Die veränderte Haltung spiegelt sich auch in den Modulnamen wider, die etwa lauten: „Komplexe Versorgungsprozesse in der Intensivpflege bewältigen“ oder „Patientensicherheit in der neonatologischen und pädiatrischen Intensivpflege gewährleisten“ (siehe Infokasten auf Seite 80).

Ausgerichtet an der Praxis

Bei der Ausarbeitung wählte die Expertengruppe zunächst ein induktiAUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

ves Vorgehen. „Wir haben uns zum Beispiel vor Augen geführt, was Pflegefachpersonen brauchen, um Patienten und Angehörige in kritischen Lebenssituationen psychosozial zu begleiten“, sagt Martina Gießen-Scheidel, Mitglied des Ausschusses für die Weiterbildung und Fortbildung, Kammervertreterin, Pflegewissenschaftlerin und -pädagogin in der Weiterbildung in den Gesundheitsfachberufen der Universitätsmedizin Mainz. Die auf diese Weise identifizierten Bedarfe bildeten die Basis für die Module „Intensivpatientinnen und deren Bezugspersonen in kritischen Lebensereignissen begleiten“ sowie


Foto: Westpfalz-Klinikum

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Foto: PKRLP

Foto: PKRLP

WIR HABEN UNS VOM FÄCHERORIENTIERTEN UNTERRICHT GELÖST UND KOMPETENZFÖRDERNDE MODULE ENTWICKELT.

Evaluationstreffen der Expertengruppe mit Esther Ehrenstein (3. v. r.) und dem Vorsitzenden des Ausschusses Weiterbildung und Fortbildung, Bernd Geiermann (5. v. l.).

Rüdiger Bohn Diplom-Psychologe, Krankenpfleger (RN) und Leiter des Weiterbildungszentrums WestpfalzKlinikum e. V., Mitglied des Ausschusses für die Weiterbildung/ Fortbildung

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Schwerpunkt „Neonatologische und pädiatrische Intensivpatientinnen und deren Bezugspersonen in kritischen Lebenssituationen begleiten“.

Foto: PKRLP

UNSERE REGELUNGEN ERFÜLLEN DIE VORGABEN DES EUROPÄISCHEN QUALIFIKATIONSRAHMENS.

Anschließend haben die Experten die Module mit übergeordneten Regelwerken für Weiterbildungen verglichen, beispielsweise mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), der nationale Weiterbildungen europaweit verständlich macht. „Dabei stellten wir fest, dass unsere Regelungen die Vorgaben des Qualifikationsrahmens erfüllen – eine Punktlandung“, so Gießen-Scheidel. Außerdem gaben die Berufsverbände konstruktive Stellungnahmen zu den Entwürfen ab, die ebenfalls in die Rahmenvorgaben einflossen.

Wie es jetzt weitergeht

Martina Gießen-Scheidel Pflegewissenschaftlerin (M.Sc.), Diplom-Pflegepädagogin (FH), Fachkinderkrankenschwester für pädiatrische Intensivpflege, RN, Weiterbildung in den Gesundheitsfachberufen der Universitätsmedizin Mainz, Mitglied des Ausschusses für die Weiterbildung/Fortbildung

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Derzeit können Pflegefachpersonen in RLP die Fachweiterbildungen für Intensivpflege und pädiatrische Intensivpflege noch nach dem „Landesgesetz über die Weiterbildung in den Gesundheitsfachberufen“ (GFBund den entsprechenden WBG) Durchführungsverordnungen absolvieren. Nach der Übergangsregelung werden ab Januar 2020 im Land nur noch die neu geregelten Fachweiterbildungen nach der WBO gestartet.


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Fotos: Westpfalz-Klinikum

Eine zugelassene Weiterbildungsstätte kann die Zulassung der Weiterbildung bei der Pflegekammer beantragen. Neben dem Nachweis von fachlichen, personellen und räumlichen Vorgaben entwickelt die Weiterbildungsstätte dazu ein Modulhandbuch, in dem sie die Rahmenvorgaben inhaltlich und didaktisch umsetzt. Übrigens: Weiterbildungen, die nach der alten Regelung absolviert wurden, behalten natürlich auch in Zukunft ihre (LPflK) Gültigkeit.

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Schwerpunkt

INFO Im Überblick: Die neuen Rahmenvorgaben Die Fachweiterbildungen für Intensivpflege und Pflege in der Anästhesie sowie für Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege umfassen mindestens 720 Stunden (à 45 Minuten) Theorie und mindestens 1.900 Stunden (à 60 Minuten) in den praktischen Einsatzbereichen. Sie sind modular aufgebaut – ebenso wie die Weiterbildung zum Praxisanleiter (siehe Ausgabe 6 ). Die beiden Basismodule „Beziehung achtsam gestalten“ und „Systematisches Arbeiten“ sind identisch mit denen der Weiterbildung zum Praxisanleiter und allen Weiterbildungen, die in Zukunft nach der neuen Weiterbildungsordnung konzipiert werden. Wer also zuvor bereits eine andere modulare Weiterbildung erfolgreich absolviert hat, kann sich die Basismodule anrechnen lassen. Hinzu kommen fünf Spezialisierungsmodule und ein Ergänzungsmodul, das die Weiterbildungsstätten in Kombination mit einem Spezialisierungsmodul ihrer Wahl individuell gestalten können. Einen Überblick über die Spezialisierungsmodule erhalten Sie hier.

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Foto: Westpfalz-Klinikum

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INFO FACHWEITERBILDUNG FÜR INTENSIV‑ FACHWEITERBILDUNG FÜR NEONATOPFLEGE UND PFLEGE IN DER ANÄS- LOGISCHE UND PÄDIATRISCHE INTENTHESIE SIVPFLEGE Spezialisierungsmodule:

Spezialisierungsmodule:

• S1 Komplexe Versorgungsprozesse in der Intensivpflege bewältigen • S2 Komplexe Pflegesituationen im anästhesiologischen Versorgungsprozess planen und durchführen • S3 Patientensicherheit in der Intensivpflege und in der Pflege in der Anästhesie gewährleisten • S4 Pflegekonzepte zur Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung in der Intensivpflege umsetzen • S5 Intensivpatientinnen und deren Bezugspersonen in kritischen Lebensereignissen begleiten

• S1 Komplexe Versorgungsprozesse in der neonatologischen und pädiatrischen Intensivpflege bewältigen • S2 Komplexe Pflegesituationen im anästhesiologischen Versorgungsprozess von Kindern, Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen planen und durchführen • S3 Patientensicherheit in der neonatologischen und pädiatrischen Intensivpflege gewährleisten • S4 Pflegekonzepte zur Entwicklungs-, Wahrnehmungs- und Bewegungsförderung in der neonatologischen und pädiatrischen Intensivpflege umsetzen • S5 Neonatologische und pädiatrische Intensivpatientinnen und deren Bezugspersonen in kritischen Lebenssituationen begleiten

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Schwerpunkt

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INFO Geballtes Fachwissen aus der klinischen Praxis, Weiterbildungsstätten und Fachgesellschaften Die Rahmenvorgaben für die Fachweiterbildungen für Intensivpflege und Pflege in der Anästhesie sowie für Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege der WBO wurden in der Zeit von Juni 2016 bis November 2018 erarbeitet. Am 28. November 2018 hat die Vertreterversammlung sie verabschiedet. Sechzehn Experten aus Weiterbildungsstätten, der klinischen Praxis und einer Fachgesellschaft sowie die externe Beraterin, Berufspädagogin und Lehrerin für Gesundheit und Pflege Silke Doppelfeld haben daran mitgewirkt. Eine Liste der Experten sowie der Bildungseinrichtungen, in denen sie beschäftigt sind, finden Sie hier zum Download .

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HIER KÖNNEN SIE DIE WEITERBILDUNGEN ABSOLVIEREN Liste der Weiterbildungs­ stätten in Rheinland-Pfalz zum Download

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HEILBERUFSGESETZ

MISSION BERUFS‑ ORDNUNG Der Entwurf ist fertig, noch in diesem Jahr soll die Vertreterversammlung den Beschluss fassen – die Berufsordnung nimmt Formen an. Wieso sie so wichtig für die professionelle Pflege ist und warum darin auch ein Passus zu den sozialen Medien nicht fehlen darf, lesen Sie hier. Fotos | Clemens Hess

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MIT DER GRÜNDUNG DER PFLEGEKAMMER HAT DIE BERUFSGRUPPE ERSTMALS DEN GESETZLICHEN AUFTRAG, EINE BERUFSORDNUNG ZU ERLASSEN. DIESE WIRD RECHTLICH BINDEND SEIN UND DIE DARIN ENTHALTENEN RECHTE UND PFLICHTEN SIND EINKLAGBAR. Was für andere Heilberufe wie Ärzte oder Apotheker seit Jahren Standard ist, stellt für professionell Pflegende in Rheinland-Pfalz ein absolutes Novum dar: Mit der Gründung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz (LPflK) hat die Berufsgruppe erstmals den gesetzlichen Auftrag, eine Berufsordnung zu erlassen. Diese wird rechtlich bindend sein und die darin enthaltenen Rechte und Pflichten sind einklagbar. Wichtig ist das vor allem, wenn es zu Konflikten kommt. „Diese werden AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

sich sicherlich am Anfang dort ergeben, wo Berufsrecht auf das Direktionsrecht des Arbeitgebers trifft, zum Beispiel, weil eine Anweisung des Arbeitgebers die Gesundheit einer zu pflegenden Person gefährdet“, sagt der Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Markus Mai. In solchen Fällen unterstützt die Kammer ihre Mitglieder bei der Konfliktlösung. In anderen Berufen, in denen Berufsordnungen und die darauf aufbauenden Strukturen eine lange Tradition


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Treffen der AG Berufsordnung Andrea Bergsträßer (Mitte), Christa Keienburg (rechts)

Grundsatzdiskussionen führen Dr. Helmut Müller

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Produktive AG-Sitzung Eva Maria Wagner

MIT DER BERUFSORDNUNG GESTALTEN WIR ALS BERUFSGRUPPE DER PROFESSIONELL PFLEGENDEN UNSERE EIGENEN REGELN UND SCHAFFEN EINE SOLIDE GRUNDLAGE FÜR DIE BERUFSSTÄNDISCHE SELBSTVERWALTUNG. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

haben, kommt es jedoch selten zu Konflikten. „Dort hat man schon erkannt, dass Berufsordnungen eine wichtige Quelle für eine hohe Qualität der jeweiligen Dienstleistung darstellen“, so Mai.

Basis für die Selbstverwaltung

„Mit der Berufsordnung gestalten wir als Berufsgruppe der professionell Pflegenden unsere eigenen Regeln und schaffen eine solide Grundlage für die berufsständische Selbstverwaltung“, sagt Andrea Bergsträßer, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz und Leiterin der Arbeitsgruppe (AG) Berufsordnung. Die Berufsordnung greift auch ganz aktuelle Probleme wie den Umgang mit sozialen Medien und Instant-Mes-


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Die eigenen Regeln gestalten Anna Katharina Rau

saging-Diensten auf: „In vielen Situationen besteht eine große Unsicherheit – zum Beispiel, wenn Pflegende Patientenbilder per WhatsApp versenden“, so Bergsträßer. Hier hat die AG auf der Basis des ICN-Positionspapiers „Pflegefachpersonen und die Sozialen Medien“ klare Regelungen formuliert. Bei der Entwicklung weiterer Punkte orientierte sich die AG vor allem am Heilberufsgesetz (HeilBG) Rheinland-Pfalz , demzufolge unter anderem der Datenschutz, das Verhalten gegenüber Kollegen und anderen Berufsgruppen sowie die Ausbildung von Assistenzkräften in der Berufsordnung geregelt sein müssen.

Aktuelle Themen aufgreifen Ilona Groß (links)

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Erfahrungen teilen Dr. Edith Kellnhauser

30-mal über die Berufsordnung diskutiert

TIPP Sie möchten schon vor der Veröffentlichung wissen, was in der Berufsordnung steht? Dann kommen Sie doch zu einer der Lesungen in der Vertreterversammlung. Die Teilnahme als Gast steht allen Mitgliedern frei. Bitte melden Sie sich zur Terminabsprache unter info@pflegekammer-rlp.de .

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Bis heute hat die AG Berufsordnung 30 Sitzungen abgehalten und ihren Entwurf mehrmals mit der Vertreterversammlung diskutiert. Ganz schön viel Aufwand – aber absolut notwendig, ist Vorstandsmitglied Bergsträßer überzeugt. „Wir haben unter anderem darüber gesprochen, was Pflege ausmacht, wo es immer wieder Probleme gibt und wie man damit umgeht. Solche Diskussionen brauchen Zeit und können nur persönlich und auf breiter Basis geführt werden.“ Als Nächstes folgen zwei Lesungen in der Vertreterversammlung sowie eine Mitgliederbefragung, deren Ergebnisse in die Vorlage eingearbeitet werden. „Wenn alles nach Plan läuft, legen wir die Berufsordnung anschließend dem Ministerium zur rechtlichen Prüfung vor und beschließen sie in der Vertreterversammlung im November“, so (LPflK) Bergsträßer.


AG BERUFSORDNUNG

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In der AG Berufsordnung sind alle Bereiche der Pflege vertreten. So konnten die Mitglieder auf breiter Basis über Grundsatzfragen diskutieren. Als eine der ersten Arbeitsgruppen entstand kurz nach der Gründung der Pflegekammer im Jahr 2016 die AG Berufsordnung. Rund 30 Mitglieder und Vertreter der Pflegekammer engagierten sich anfangs in der AG, mittlerweile hat sich ein fester Kern von zwölf bis 15 Aktiven etabliert. Mit ihnen sind alle Bereiche vertreten: von der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege über die geriatrische Pflege, den ambulanten Bereich und die stationäre Langzeitpflege bis hin zur freiberuflichen Pflege und der Pflegewissenschaft. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt

Die Arbeitsgruppe hat die Berufsordnung nach den Vorgaben des Heilberufsgesetzes (HeilBG) Rheinland-Pfalz  entwickelt. Außerdem flossen die Definition von Pflege des International Council of Nurses (ICN) sowie ein juristisches Gutachten in die Berufsordnung ein. Als Inspiration und Diskussionsgrundlage dienten unter anderem die Berufsordnung für Pflegefachkräfsowie die Rahte im Saarland menberufsordnung des Deutschen Pflegerats und die Berufsordnung des Dachverbandes der Pflegeorganisationen Rheinland-Pfalz. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunkt

INFO Enthält die Berufs‑ ordnung ein Gelöbnis? Die Berufsordnung ist rechtlich bindend und muss in einer juristisch sauberen Sprache verfasst sein. Emotionale Formulierungen sind darin fehl am Platz – oder? „Nicht ganz. Zwar handelt es sich um einen förmlichen Gesetzestext mit Paragrafen und allem, was dazu gehört – aber es wird eine Präambel geben, die durchaus Raum für Emotionalität bietet“, sagt Vorstandsmitglied Andrea Bergsträßer. Ob dort eine Deklaration, ein Gelöbnis oder ein Versprechen zu finden sein wird, ist noch nicht klar. „In jedem Fall thematisieren wir aber, warum Pflegefachpersonen stolz auf ihren Beruf sein können.“

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„DIE KAMMERMITGLIEDER SIND VERPFLICHTET, IHREN BERUF GEWISSENHAFT AUSZUÜBEN UND DEM IHNEN IM ZUSAMMENHANG MIT DEM BERUF ENTGEGENGEBRACHTEN VERTRAUEN ZU ENTSPRECHEN.“ § 21 Abs. 1 HeilBG (Heilberufsgesetz Rheinland-Pfalz)

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Ältere Mitarbeiter

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Immer mehr Pflegefachpersonen sind über 50 Jahre alt. Doch es fehlen Konzepte für den Umgang mit älteren Mitarbeitern. Die Pflegekammer appelliert in einem Positionspapier an Träger und Politik, dies schnell zu ändern.

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Eine starke Stimme

Pflegefachpersonen aus Europa oder Übersee akquirieren, für die PflegeAusbildung werben, die stille Reserve aktivieren, mit Fitnessangeboten und Prämien locken – Träger und Politik lassen sich viel einfallen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Sicherlich: Es ist wichtig, neue Mitarbeiter für die Pflege zu gewinnen. Ebenso dringend ist es aber, diejenigen, die schon seit Jahren in der Pflege arbeiten, so lange wie möglich zu halten. Ein naheliegender, ein bekannter Gedanke. Trotzdem gerät er in der Debatte um den Fachkräftemangel oft aus dem Blick. Gerade in Rheinland-Pfalz wird aber deutlich, dass das Thema „Bindung älterer Mitarbeiter“ drängt. Denn hier gibt es erstmals eine absolut verlässliche Datenbasis, weil alle Pflegefachpersonen bei der Landespflegekammer registriert sind. Und diese Daten zeigen: Mehr als ein Drittel aller Mitarbeiter ist über 51 Jahre alt, fast 60 Prozent sind über 41 (siehe Grafik Seite 99 ).

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Die Pflegekammer hat deshalb ein Positionspapier verfasst, in dem sie an Krankenhaus- und Einrichtungsträger, Kostenträger (Renten- und Krankenkassen, Unfallversicherungsträger) und Politiker appelliert, Konzepte umzusetzen, die ältere Arbeitnehmer länger im Beruf halten. Diese müssten zum Beispiel auf flexiblere Arbeitszeiten und mehr Regenerationszeiten sowie den vermehrten Einsatz technischer und digitaler Hilfsmittel (etwa Mobilisationshilfen) setzen. Speziell an die Regierung rich­tet sich der Appell, Pflegefachpersonen mit 60 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen zu lassen – analog etwa zu Bergarbeitern. Die Landespflegekammer verschickt das Positionspapier in den kommenden Tagen an alle Partner im Gesundheitswesen und an die (LPflK) Politik.

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Schwerpunkt Der Anteil der Pflegekräfte über 50 wächst bereits seit 15 Jahren, wie Daten des Statistischen Bundesamtes belegen.

BESCHÄFTIGE PFLEGEKRÄFTE AB 50 JAHREN Jahre 2000 - 2011

200.000

150.000

100.000

50.000

0 2000

2002

2004

2006

2008

2011

Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen Altenpfleger/-innen einschließlich Altenpflegehelfern/-helferinnen Gesundheits- und Krankenpflegehelfer/-innen Quelle: www.gbe-bund.de; Gesundheits‑ personalrechnung: gestaltbare Tabelle

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Eine starke Stimme

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Ältere Mitarbeiter – nicht mehr die Ausnahme, sondern der Normalfall. Das zeigt diese Grafik der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

ALTERSKLASSEN in Prozent 29,2 %

30 % 24,6 %

25 % 19, 5%

20 %

21,4 %

15 % 10 % 4,8 %

5% 0%

0,4 % bis 20

21-30

31-40

41-50

51-60

über 61

Quelle: Eigene Auswertung Mitgliedsdatenbank der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz 09/2018

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03

Junge Pflege


102 AUSGEZEICHNET Nachwuchs-Pflegemanager setzt Maßstäbe auf Lernstation


102

Junge Kammer

Foto: Klaus Landry

Simon Jäger Der stellvertretende Pflegedirektor setzt sich für die PflegeAusbildung ein

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Nachwuchs-Pflegemanager 2019

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Nachwuchs fördern

GANZHEITLICHE AUSBILDUNG AUF DER LERNSTATION Simon Jäger aus Speyer hat ein Ausbildungskonzept entwickelt und umgesetzt, bei dem Pflegeschüler ihr theoretisches Wissen auf einer besonderen Lernstation vertiefen können. Dafür wurde er zum NachwuchsPflegemanager 2019 ausgezeichnet.

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Junge Kammer

Fotos: DSK-Lernstation / Corinna Waltz

Große Reflexionsrunde auf Station Der Austausch der Auszubildenden untereinander ist ein Kernelement der Ausbildung

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Der Pflegenotstand macht auch vor dem Nachwuchs nicht halt. Oft werden Pflegeschüler als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt. Kein Wunder, dass so mancher noch während der Ausbildung das Handtuch wirft. Einer, der das ändern will, ist Simon Jäger. Der stellvertretende Pflegedirektor des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses Speyer hat zusammen mit seiner Kollegin Miriam Maier, ebenfalls stellvertretende Pflegedirektorin, und den Pflegerischen Schulen der Klinik ein wissenschaftlich fundiertes Konzept für Praxiseinsätze in der Pflegeausbildung entwickelt. Dafür hat er beim Pflegemanagement Award 2019 den dritten Preis in der


Nachwuchs-Pflegemanager 2019

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VIELERORTS WERDEN AUSZUBILDENDE INTUITIV UND OHNE ZIELGERICHTETE LERNMETHODEN ANGELEITET, WODURCH SIE ZUM TEIL FEHLERHAFTE HANDLUNGEN ÜBERNEHMEN.

Foto: Klaus Landry

Kategorie Nachwuchs-Pflegemanager erhalten. Die Auszeichnung wird verliehen vom Bundesverband Pflegemanagement in Zusammenarbeit mit Springer Pflege.

Miriam Maier Die stellvertretende Pflegedirektorin wirkte an dem Ausbildungskonzept mit

Interdisziplinäre Lernstation

Die Idee: Auf der Lernstation des Krankenhauses können die Pflegeschüler praktisch umsetzen, was sie zuvor in der Theorie gelernt haben. Damit das gelingt, stimmen sich die Praxisanleiter auf Station eng mit den Pflegepädagogen in der Ausbildungsstätte ab. Eigentlich selbstverständlich – doch die Realität sieht häufig anders aus. „Vielerorts werden Auszubildende intuitiv und ohne zielgerichtete Lernmethoden AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Junge Pflege

angeleitet, wodurch sie zum Teil fehlerhafte Handlungen übernehmen“, so Jäger.

stelle zwischen der Schule und der klinischen Praxis wirkt.

Weil die Auszubildenden möglichst viele Bereiche kennenlernen sollen, bot sich die Wahlleistungsstation als Lernstation an, die von der Gynäkologie über die Innere Medizin bis hin zur Chirurgie verschiedene Diszi­ plinen abdeckt. In drei Ausbildungsjahren absolvieren die Pflegeschüler hier drei achtwöchige Praxiseinsätze – das ist mehr als ein Drittel der geforderten Pflichtstunden. Auf der Station ist eine Pflegepädagogin in Vollzeit beschäftigt, die als Schnitt-

Gemeinsam mit einer Praxisanleiterin oder einer pädagogisch geschulten Pflegefachperson ist ein Schüler mit auf der Lernstation für sieben bis neun Patienten zuständig. „Ihre Lernziele und Lernaufgaben dürfen die Auszubildenden auch während der Arbeitszeit in einem Schülerbüro bearbeiten – und können ihr Wissen dann direkt in der Praxis anwenden“, sagt Jäger. Anschließend reflektieren die Auszubildenden ihre Lernerfahrungen gemeinsam mit den Klassenleitern und

Verbandswechsel Auf der Lernstation setzen Auszubildende das Gelernte in die Praxis um

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Ein Schülerbüro auf Station


Nachwuchs-Pflegemanager 2019

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Schülerbüro auf Station Hier können die Auszubildenden Aufgaben bearbeiten

IHRE LERNZIELE UND LERNAUFGABEN DÜRFEN DIE AUSZUBILDENDEN AUCH WÄHREND DER ARBEITSZEIT IN EINEM SCHÜLERBÜRO BEARBEITEN – UND KÖNNEN IHR WISSEN DANN DIREKT IN DER PRAXIS ANWENDEN.

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Junge Pflege

den Stationsmitarbeitern in wöchentlichen Schülerreflexionsrunden. Fester Bestandteil des Praxiseinsatzes ist unter anderem auch ein OPTag. „Die Pflegeschüler bereiten den Patienten vor, sind während des Eingriffs im Operationssaal dabei und kümmern sich um die Nachsorge“, berichtet Jäger. Auf diese Weise lernen die Auszubildenden im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer nicht nur, wie sie einzelne Pflegehandlungen korrekt vollführen, sondern erhalten auch ein ganzheitliches Verständnis von Pflege. „Gerade in Zeiten immer komplexerer Anforderungen ist das sehr wichtig“, ist Jäger überzeugt. Für die Zukunft schwebt dem Nachwuchs-Pflegemanager ein Ausbildungskonzept vor, das noch weiter geht: „Mein großes Ziel ist, dass wir die Lernstation so ausbauen, dass der Transfer von theoretischem Wissen in die klinische Praxis auf jeder Station möglich ist.“ (kb)

MEIN GROSSES ZIEL IST, DASS WIR DIE LERNSTATION SO AUSBAUEN, DASS DER TRANSFER VON THEORETISCHEM WISSEN IN DIE KLINISCHE PRAXIS AUF JEDER STATION MÖGLICH IST.

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Zum guten Schluss


112 PERFEKT INTEGRIERT Akademiker im Gesundheitszentrum Glantal

120 VORGEMERKT Hier trifft sich die Pflegebranche im April und Mai 2019


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Zum guten Schluss

„Die starke Akademisierung tut uns allen gut“

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Das perfekte Team

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Text | Kirsten Gaede Fotos | Patric Dressel

Personalmangel, multimorbide Patienten, anspruchsvolle Angehörige – nie war Teamgeist so gefragt wie heute. Wir suchen positive Beispiele aus Rheinland-Pfalz und fragen nach ihren Rezepten. DIESES MAL: STATION FÜR NEUROLOGISCHE REHABILITATION IM GESUNDHEITSZENTRUM GLANTAL

Schon der Anstieg hoch zum Gesundheitszentrum Glantal versetzt einen Städter in Urlaubsstimmung. Hier fährt viermal täglich ein Bürgerbus, Unten am Fluss, dem Glan, gibt es eine Mitfahrerbank für Fußgänger. Wer nicht warten möchte, nimmt den Fußweg. Er ist steil, man kommt ein wenig aus der Puste und freut sich, in solcher Idylle einen Termin zu haben. In der lichtdurchfluteten Klinik angekommen – ein taufrischer Bau von 2014 –, blickt man dann durch große Fenster ins Tal, auf die Altstadt von Meisenheim, sieht Wolken über Hügel ziehen und fühlt sich wie auf einem Gipfel nach langer Wanderung: zufrieden und zuversichtlich.

Alltagsquerelen rücken in die Ferne, ambitionierte Ziele in die Nähe.

Akademisierte sind Teil des Teams

Der Optimismus, der einen hier überkommt, ist vielleicht auch der Grund, weshalb die Pflege in Meisenheim die Professionalisierung so kraftvoll vo­ rantreibt. Der Akademisierungsgrad beträgt im Gesundheitszentrum (213 Betten und Plätze) durchschnittlich acht Prozent, auf der Station für neurologische Rehabilitation sogar elf Prozent. Zum Vergleich: An den Unikliniken arbeiten durchschnittlich gerade einmal zu einem Prozent akademisierte Pflegefachpersonen. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Zum guten Schluss

Nun gibt es durchaus Stimmen, die halten eine Akademisierung der Pflege gar nicht für erstrebenswert: Die Bachelor oder Master würden sich aus der Patientenversorgung zurückziehen – so ein Vorwurf, den gerade Ärztevertreter und Klinikchefs immer wieder vorbringen. Die neurologische Rehabilitation mit ihrem hohen Akademisierungsgrad ist der beste Beweis dafür, dass ein Studium für die Pflege nicht den Rückzug ins Studierzimmer oder in Managementgefilde bedeutet. „Meine Kolle-

gin Anika Bruch und ich sind Teil des Teams, wir sind fester Teil des Stationsalltags, wir führen die gleichen Tätigkeiten aus wie alle anderen“, sagt Oliver Kallinowski, der auf seinem Namensschild die Bezeichnung „Pflegeexperte“ trägt. Der 38-jährige Vater von zwei Töchtern hat erst Altenpflege gelernt und später ein grundständiges generalistisches Bachelorstudium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken absolviert.

„Wir können jetzt viel mehr umsetzen“

Wenn aber die Akademisierten genauso arbeiten wie alle anderen, stellt sich die Frage: Wozu braucht man sie? Wozu haben sie studiert? Sie dienen, so lässt es sich vielleicht am besten formulieren, der unmittelbaren Qualitätssicherung. Sie

Oliver Kallinowski (links) hat ein grundständiges Pflegestudium absolviert und arbeitet jetzt im normalen Stationsalltag mit. Den Kollegen gefällt das: Es werden nun mehr Vorhaben umgesetzt, auch nehmen die Ärzte die Pflegefachpersonen auf Station ernster AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


Das perfekte Team

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Von links: Marielle Simon, Kevin Gravius, Gabriele Weinig (kommissarische Stationsleitung), Oliver Kallinowski (fachliche Leitung), Daisy Kappesser, Pia Merkl

WOZU BRAUCHT MAN DIE AKADEMISIERTEN? WOZU HABEN SIE STUDIERT? SIE DIENEN DER UNMITTELBAREN QUALITÄTSSICHERUNG.

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Zum guten Schluss

pflegen keine Handbücher in stillen Kämmerchen, nein, sie sind für ihre Kollegen da, die kontinuierlich Fragen an sie herantragen, etwa: Wie ist der neueste Stand beim PEG-Wundverband? Welche Matratzenauflage ist für diesen Patienten die beste? Die beiden Pflegeexperten sorgen dafür, dass immer ein frischer Wind weht, dass das So-haben-wir-das-schonimmer-Gemacht keine Chance hat. Und das Gute: Auf der neurologischen Reha werden die beiden Pflegeexperten nicht als Besserwisser empfunden. „Die Kollegen sind an der Sache orientiert – oder besser,

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am Patientenwohl“, sagt Gabriele Weinig, kommissarische Stationsleitung. Diese Sachlichkeit hat auch geholfen, als sich das Team vor einem guten Jahr überhaupt erst bildete. Da wurden die Teams der 2a und 2b zusammengelegt. Gemeinsam sind die Kollegen jetzt für 30 Betten verantwortlich, von denen 18 bis 20 in der Regel mit sehr pflegeaufwendigen Patienten belegt sind.

Pflegeexpertin Anika Bruch bei der wöchentlichen halbstündigen Schulung der Kolleginnen


Das perfekte Team

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Pflegeexperten des Gesundheitszentrums Glantal mit ihrer Leiterin Yvonne Wegner (rechts) und Pflegedirektor Ingolf Drube (2. von rechts.)

Höheres Gehalt ist kein Problem für die anderen

Die beiden Pflegeexperten werden aber nicht nur akzeptiert, die Kollegen sehen klar die Vorteile. „Wir können jetzt viel mehr Dinge umsetzen als vorher“, meint Bettina Rick, Pflegekomplexmaßnahmen-(PKMS-)Beauftragte der Station. „Zum Beispiel hatten wir auch früher schon die Idee, wöchentlich kleine halbstündige Updates zu veranstalten, etwa zu Hilfsmitteln oder Blutentnahme am zentralen Venen-

katheter. Aber erst durch die Pflegeexperten ließ es sich tatsächlich umsetzen.“ Oliver Kallinowski und seine Kollegen können Anliegen oft noch besser vor der Klinikleitung begründen, auch haben sie eher Gelegenheit, diese strukturiert umzusetzen. Schließlich gibt es für sie einmal in der Woche einen Bürotag. Ein Privileg, das die Kollegen akzeptieren, ebenso wie die Tatsache, dass die akademisierten Pflegefachpersonen so viel verdienen wie eine Stationsleitung. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Zum guten Schluss

Sticheleien spricht Gabriele Weinig sofort an

Das höhere Gehalt für die Pflegeexperten ist auch deshalb kein Problem, weil diese tatsächlich zusammen mit der organisatorischen Stationsleitung das Team führen. Diese duale Führung hat sich auf allen Stationen im Gesundheitszentrum bewährt. „Ich finde es einfach sehr erleichternd, mit fachlichen Experten an meiner Seite zu arbeiten“, sagt Gabriele Weinig. Die Stationsleitung gilt als ausgebuffte Konfliktmanagerin. Auch das hat beim Zusammenwachsen der Stationen 2a und 2b geholfen. Die 57-Jährige merkt schnell, wenn jemand stichelt oder durch Meckern die Stimmung verdirbt. „Und ich habe keine Hemmungen, die Person direkt darauf anzusprechen. Insgesamt gibt es aber viel Vertrauen und wenig Neid und Missgunst.“ Das liegt sicherlich auch daran, dass auf der Station jeder mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten ernst genommen wird. Eine ältere Kollegin, die bei der Pflege körperlich an ihre Grenzen gerät, kann sich – so ist es offiziell vereinbart – Unterstützung von Kollegen holen; eine andere MitAUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

arbeiterin wird wegen ihres besonderen Feingefühls oft hinzugezogen, wenn Angehörige trauern.

Karriere machen, studieren – ja, bitte!

Im Gesundheitszentrum Glantal herrscht ein flexibler, ein freier Geist. So erzählt der Schüler Kevin Gravius auch offen von seinen Plänen, nach der Ausbildung für ein Pflegestudium in eine größere Stadt – Köln oder Berlin – zu gehen. Er wird nicht als Abtrünniger betrachtet. Yvonne Wegner, auf deren Masterarbeit das gesamte Konzept zurückgeht und die die Pflegeexperten leitet, freut sich über jeden, der sich vom Optimismus hier oben auf der Höhe über Meisenheim anstecken lässt.


Das perfekte Team

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Pia Merkl (rechts) hat im Oktober 2018 das duale Studium Klinische Pflege an der Uni Trier begonnen. Die 28-Jährige glaubt, dass akademisierte Pflegefachpersonen gerade in Zeiten der Personalknappheit gebraucht werden

KENNEN SIE AUCH EIN PERFEKTES TEAM? Dann schreiben Sie uns: hallo@pflegekammermagazin.de

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Foto: naypong / stock.adobe.com

TIPPS & TERMINE


Tipps und Termine

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2. bis 4. April

Altenpflege 2019 Vertreter der Branche und rund 700 Aussteller kommen auf der Leitmesse der Pflegewirtschaft im Messezentrum Nürnberg zusammen. Im Fokus stehen aktuelle Entwicklungen sowie die Zukunft der Altenpflege. Kammermitglieder erhalten 20 Prozent Rabatt mit dem folgenden Ticketcode: AP19_Kammer1.

NÜRNBERG

Mehr Infos und Anmeldung

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Zum guten Schluss

11. April

GESUND IN DIE ZUKUNFT In fach- und disziplinübergreifenden Workshops erarbeiten Mitarbeiter von Gesundheitsund Pflegeeinrichtungen Wege und Möglichkeiten, gesund in die Zukunft zu starten.

LUDWIGSHAFEN AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER

Mehr Infos und Anmeldung


Tipps und Termine

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Mehr Infos und Anmeldung

JUNGE PFLEGE KONGRESS Nordwest 2019

Bochum

8. MAI

Pflichttermin für den Pflegenachwuchs: Auszubildende, Studenten und Berufseinsteiger informieren sich auf dem Junge Pflege Kongress Nordwest über den Pflegeberuf und ihre Aussichten. AUSGABE 13 � PFLEGEKAMMER


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Kontributoren

UNSERE KONTRIBUTOREN

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Kontributoren

TEXT Kati Borngräber Kirsten Gaede

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LAYOUT Helena Melikov Ann-Kristina Simon

Nadine van Maanen Kerstin Werner

ILLUSTRATION LEKTORAT

Helena Melikov Laura Serra

correctus e. K.

In dieser Publikation wird aus Gründen der leichteren Lesbarkeit meist die männliche oder die neutrale Form verwendet. Dies schließt immer Personen jedes Geschlechts ein.

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1

PFLEGE KAMMER Impressum

PFLEGEKAMMER Das Magazin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz (Herausgeberin) 3. Jahrgang

Redaktion Kirsten Gaede (kig) (V.i.S.d.P.) Tel. 0511.85 50-24 26 gaede@schluetersche.de

Dr. rer. cur. Markus Mai | Sandra Postel (V.i.S.d.P. für die Kammerbeiträge) (LPflK) Große Bleiche 14-16 55116 Mainz

Kerstin Werner (kw) (Projektmanagement) Tel. 0511.85 50-24 57 werner@schluetersche.de

Tel. 06131.32 73 80 Fax 06131.32 73 899 info@pflegekammer-rlp.de VERLAG Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Hans-Böckler-Allee 7 30173 Hannover Tel. 0511.85 50-0 Fax 0511.85 50-24 03 info@schluetersche.de www.schluetersche.de Geschäftsführung Stefan Schnieder | Lutz Bandte

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Carry-On Trade Publishing GmbH Potsdamer Platz 9 10117 Berlin Tel. 030.20 88 882-10 mail@carry-on-trade-publishing.com www.carry-on-trade-publishing.com Geschäftsführung Nadine van Maanen Redaktion Nadine van Maanen (V.i.S.d.P.) Tel. 030.20 88 882-51 nadine.vanmaanen@carry-on-trade-­ publishing.com


Impressum

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Kati Borngräber (kb) Tel. 030 2088882-53 Kati.Borngraeber@carry-on-trade-publishing.com ANZEIGENVERKAUF Susann Buglass Tel. 0511 8550-2528 buglass@schluetersche.de Derzeit gültige Anzeigenpreisliste: Nr. 3 vom 1.11.2018 DRUCKUNTERLAGEN anzeigendaten-pfl@schluetersche.de Tel. 0511.85 50-26 25 Fax 0511.85 50-24 01 ERSCHEINUNGSWEISE sechs Ausgaben im Jahr SCHRIFT Miso Freight Sans Pro Freight Text Pro DRUCK Sedai Druck GmbH & Co. KG Böcklerstraße 13 31789 Hameln/Wangelist

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PFLEGEKAMMER Ausgabe 13 – Eine starke Stimme  

Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz kümmert sich um die Belange der professionell Pflegenden, sie macht sich stark für sie – so wie es di...

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