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NR. 02 2017

Schwerpunktthema

MEDIKAMENTENMANAGEMENT ZU RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN ... Aktuelles & Politik

GENERALISTIK KOMPROMISS IN SICHT Rat & Recht

DIE ÃœBERLASTUNGSANZEIGE EIN WICHTIGES INSTRUMENT


DAS N WIR! AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


NEUE AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dr. Markus Mai Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Laura Serra

AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

ach der ersten „großen“ Ausgabe unseres Kammermagazins „halten“ Sie nun die zweite Ausgabe der PFLEGEKAMMER interaktiv „in den Händen“. Auch mit dieser Ausgabe wollen wir Sie über Neuerungen in der Pflege, (pflege-) politische Entwicklungen und Aktivitäten Ihrer Kammer informieren. Mit dem ersten Pflegetag Rheinland-Pfalz, der am 03. Mai in Mainz stattgefunden hat, hat sich die Pflege im Land in ihrer gesamten Vielfalt gezeigt. Über 1.200 Besucher haben sich ein Bild davon machen können, dass die Pflegenden im Land den Weg der Professionalisierung ihrer Berufsgruppe weiter gehen möchten und haben dabei geholfen, dass Pflege immer sichtbarer wird. Das Programm war ausgerichtet an regionalen Projekten und innovativen Pflegeangeboten. Die unterschiedlichen Pflegesettings, unter anderem in der Akutpflege


Editorial

und der Langzeitpflege, wurden abgebildet. Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis berichteten über ihre Erfahrungen. Die Teilnehmenden waren intensiv eingebunden in den Dialog zur Entwicklung der anstehenden Fort- und Weiterbildungskonzeption der Landespflegekammer. Dieser erste Pflegetag war auch ein Symbol für unser gemeinsames Engagement und eine Grundlage für die Positionierung unserer Forderungen und Anliegen. Spannende Diskussionen, engagierte Vorträge voll innovativer Ideen und kompetente Aussteller haben den ersten Pflegetag Rheinland-Pfalz zu einer rundum gelungen Veranstaltung gemacht. Und auch im nächsten Jahr werden wir wieder „Pflege/Gemeinsam/Gestalten“. Dazu findet der 2. Pflegetag Rheinland-Pfalz am 17. April 2018 statt. Auch beim „Internationen Tag der Pflegenden“ am 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale, waren Kammervertreterinnen und -vertreter aktiv. Bei zentralen Kundgebungen in Berlin, Leipzig und Bremen haben

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wir den Forderungen Pflegender Ausdruck verliehen. Im Vorfeld des Tags der Pflegenden hatten wir die rheinland-pfälzischen Träger von Pflegeeinrichtungen angeschrieben. Ziel des Anschreibens war es, die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zu sensibilisieren, am 12. Mai ein besonderes Zeichen der Wertschätzung für die Pflegenden zu setzen. Das muss natürlich gelebte Alltagspraxis sein, aber der 12. Mai muss für mehr Sensibilisierung in dieser Frage sorgen. Deshalb wollen wir im nächsten Jahr noch mehr Veranstaltungen auch in Rheinland-Pfalz durchführen, damit der Tag der Pflegenden in ganz Deutschland noch bedeutender wird. Dann können auch Sie mit Ihrem ganz persönlichen Engagement und mit Ihrem Mitwirken unseren Beruf stärker machen!

Ihr Markus Mai AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Kontributoren

UNSERE KONTRIBUTOREN

AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Kontributoren

TEXT

LEKTORAT

FOTOGRAFIE

Elke Bachstein

Alexander Kords

Patricia Haas

Isabel Romy Bierther

Antje Ritter

Clemens Hess

Dr. Martin Canzler

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Anja Töller

Claus Kuhlmann

ILLUSTRATION

BILDBEARBEITUNG

Sebastian Klamke

Helena Melikov

Hedwig François-Kettner Siegfried Huhn Markus Lauter Uwe Lötzerich Sandro Pé Martin Piek Matthias Prehm Anke Richter Jan Rößler Julia Seidel Dr. Hanna Seidling

Dana Lungmuss

Natalie Unterschütz

Helena Melikov Ramona Ring Laura Serra

Nadine Steinmetz Kristina Ursic Kerstin Werner Linda Wichert

DESIGN & LAYOUT Helena Melikov

Alexander Wildberger

AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Intro

PAPIER & DIGITAL Bestens informiert auf allen Kanälen!

INTERAKTIV Jederzeit verfügbar und mit interaktiven Elementen angereichert: die digitale Ausgabe des Kammermagazins, die die Themen der Kompaktversion in Print mit Interviews, Videos, Downloads & Themenstrecken fortsetzt. Die interaktive Ausgabe ist über Handy, Computer oder Tablet lesbar und wird sechsmal pro Jahr publiziert

AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

KOMPAKT Im handlichen A5-Format bekommen die Mitglieder fünfmal pro Jahr die wichtigsten Stellun­gnahmen, Positions­ papiere und Kommentare zu aktuellen, pflegerelevanten Themen nach Hause geliefert

Foto: mixetto_shutterstock

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Kammermagazin

WEBSEITE Transparenter Einblick in die Organisation und die Arbeit Ihrer Pflegekammer finden Sie auf der Homepage der Pflegekammer Rheinland-Pfalz. Darüber hinaus sind dort auch Ihr interaktives Kammermagazin und weitere aktuelle Nachrichten zu finden

Foto: Andrey Popov_shutterstock

Einmal pro Jahr erhält jedes Mitglied eine Jahresausgabe des Kammermagazins, in der die Kammer aufzeigt und darlegt, was im vergangenen Jahr für die Mitglieder im Detail und für die Pflege als Berufsstand geschehen ist. Darin enthalten sind auch weitere wichtige Unterlagen zur Mitgliedschaft

WWW.PFLEGEKAMMER-RLP.DE

JAHRESAUSGABE

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Intro

PAPIER / DIGITAL?

Kein ODER, sondern ein UND! Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz geht neue Wege in allen Bereichen – auch in der Kommunikation. Statt eines klassischen, gedruckten Fachblatts erhalten alle Mitglieder branchenaktuelle Pflege-News und -fachartikel in einem Zusammenspiel aus gedruckten und digitalen Inhalten AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

Print und digital - beide haben ihre Vorteile, was die Darstellung der Inhalte angeht. Vor allem aber bleibt es dem persönlichen Geschmack der Leserin oder des Lesers vorbehalten, welches Medium bevorzugt wird! Daher bieten wir Ihnen pflegerelevante Themen so an, wie Sie es möchten und wie es für die jeweiligen Inhalte am sinnvollsten ist. Sei es also als gedruckte Zeitschrift, die im wahrsten Sinne des Wortes „greifbar" ist, oder als interaktive Ausgabe, die digital überall verfügbar und abrufbar ist. Alle Mitglieder der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz erhalten fünfmal im Jahr eine gedruckte Ausgabe der „Pflegekammer kompakt“,


Kammermagazin

die pointiert und kommentiert die wichtigsten Ereignisse und Kernaussagen zusammenfasst, frei Haus. „Pflegekammer interaktiv“ ist die digitale Variante Ihres Pflegekammermagazins, welche die Inhalte der Kompaktausgabe ergänzt und anreichert. Die Vorteile beim Digitalen liegen auf der Hand: Sie können dort ausführliche Hintergrundinformationen und -berichte sowie Infografiken, Downloads, weiterführende Links und ergänzende Interviews/Porträts erhalten, ohne dass dies zusätzliche Produktions- und Portokosten verursacht. Die digitale Version des „Pflegekammermagazins“ finden Sie im zweimonatlichen Rhythmus immer wieder neu auf unserer Website. Zusätzlich erhalten Sie einmal im Jahr den sogenannten Jahresbericht der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, der Ihnen einen transparenten, ehrlichen und offenen Einblick in das Geschehene des vergangenen Jahres vermitteln soll. Dieser Jahresbericht ist etwas umfangreicher und größer als die Kompaktausgabe. Sie sehen: Wir sind so digital, so ausführlich und so persönlich, wie Sie es wünschen.

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Hier finden Sie dazu auch ein kleines Erklärvideo Besuchen Sie auch unsere Website und www.pflegekammer-rlp.de erleben Sie dort, wie sich die Welt der Pflege kontinuierlich weiterentwickelt, oder melden Sie sich zu unserem Newsletter an und werden dann benachrichtigt, wenn die neue Ausgabe Ihrer „Pflegekammer interaktiv“ live ist. (lw/nst) AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


PFLEGE KAMMER interaktiv lesen

Pflegekammer interaktiv ist ein digitales Magazin und bietet als solches die Möglichkeit, Bilder, Videos und Links zu anderen Webseiten direkt einzubinden. Dazu nutzt Carry-On Trade Publishing, der publizierende Verlag von Pflegekammer interaktiv, die Magazinplattform Issuu. Diese wurde bereits 2006 in Kopenhagen ins Leben gerufen, bis heute wurden darüber mehr als 30 Millionen Titel veröffentlicht. Issuu funktioniert auf allen Computern und Laptops – egal ob Windows oder Mac –, solange eine Verbindung zum

Internet besteht. Man kann, wie bei einer Printversion, Lesezeichen setzen und einzelne Seiten mit Kollegen oder Freunden teilen (zum Beispiel über Facebook, Twitter etc.). Außerdem gibt es eine Suchfunktion und Links zu den im Artikel erwähnten Personen und Organisationen, aber auch Autoren und Fotografen. Seiten können vergrößert und das Magazin kann auch im Vollbildmodus gelesen werden. Hier eine kurze Übersicht über alle relevanten Funktionen.

Hier in der Ansicht zu sehen: das Cover der Pflegekammer interaktiv. Einfach mit dem Finger auf dem Handy von rechts nach links blättern („swipen“) oder mit der Pfeiltaste zur nächsten Seite klicken.

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WICHTIGE FUNKTIONEN AUF ISSUU:

Mit der Clip-Funktion können Teile einer Seite ausgeschnitten und über soziale Kanäle wie Facebook und Twitter oder per Mail an Kollegen oder Interessierte gesendet werden. Die Menüleiste am unteren Ende der Seite ist ein nützliches Tool. Neben der Möglichkeit, die aufgeschlagene Seite auf der eigenen Pinnwand zu teilen, wird die Seitenzahl angegeben. So weiß man immer, wo im Heft man sich gerade befindet.

Eine Seitenübersicht hilft, schnell durch die gesamte Ausgabe navigieren zu können. Die Lupe öffnet ein Suchfeld, wodurch man das gesamte Magazin nach Einzelbegriffen durchsuchen kann. Durch einmaliges Anklicken vergrößert sich die Ansicht auf den gesamten Bildschirm. Durch Doppelklick auf die Seite oder durch das erneute Anklicken des Zeichens an gleicher Position verkleinert sich die Seite wieder. Die Vollbildansicht kann mit der Escape-Taste beendet werden.

Die blau umrandeten Rechtecke sind Links. Wenn man den Zeiger auf das Rechteck bewegt, erscheint das oben gezeigte Menü. Ein Klick auf das rechte Symbol, die Kettenglieder, führt zum gewählten Link.

Wer Pflegekammer interaktiv nicht nur online lesen möchte, kann sich das Magazin auch auf ein Tablet oder Smartphone herunterladen. GooglePlay und der Apple Newsstand bieten die App als kostenlosen Download an.

für alle Android-Geräte für iPhones & iPads

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Inhalt

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INHALT 18 NR. 02 2017

"DAS NEUE WIR" pflegekammer-rlp.de

Coverbild: Montri Thipsorn shutterstock.com

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Aktuelles & Politik 20 Pflegetag Rheinland-Pfalz: Klare Botschaften an Politik, Arbeitgeber und Pflegende 28 Reform der Ausbildung: Kompromiss in Sicht. Die Generalistik nimmt Form an. 32 Krankenhausinvestitionsförderung Rheinland-Pfalz: Nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein! 38 Kammergeflüster: Status quo der Pflegeselbstverwaltungen in den Ländern 42 Internationaler Tag der Pflegenden: Über 10.000 Anzeigen für die Politik 54 Andrea Bergsträßer zu Personaluntergrenze im Krankenhaus „Nicht der ganz große Wurf“


Inhalt

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58 Schwerpunktthema: Medikamentenmanagement – Zu Risiken und Nebenwirkungen ... 60 Medikation & Patientensicherheit: Kleiner Fehler, große Wirkung 1. PFLEGETAG IN RHEINLAND-PFALZ Ein Symbol für gemeinsames Engagement war der 1. Pflegetag in Rheinland-Pfalz. Mehr als 1.200 Menschen kamen zur Auftaktveranstaltung.

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66 Medikamentenmanagament aus Sicht des MDK: Pflege im Spannungsfeld zwischen pflegerischer Verantwortung und ärztlich delegierter Tätigkeit 76 Arzneimittel-Therapiesicherheit: Teamwork ist gefragt 84 Entlassungsmedikation: Pillen für zu Hause? 88 Polypharmazie im Alter: Wenn Medikamente zu einem Risiko werden 94 Mehr Empowerment für die Pflege: Der Drops ist noch nicht gelutscht! 100 Compliance bei Demenz: Zwischen Fürsorgepflicht und Selbstbestimmungsrecht

MEDIKAMENTENMANAGEMENT Warum der Medikationsprozess mehr Aufmerksamkeit braucht und welche Rolle die Pflege dabei einnehmen kann AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Inhalt

108 Wissen & Lernen 110 Multiresistente Erreger: Klebsiella & Co erfolgreich bekämpfen 118 4 Fragen & 4 Antworten

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Foto: BonNontawat_shutterstock

Beruf & Praxis

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124 Notaufnahmen in Not: Ärztliche Schnellsichtung soll Notfallambulanzen entlasten

132 Rat & Recht 134 Wichtiges Instrument Überlastungsanzeige „Wer schweigt, stimmt zu!“ 140 Private Berufshaftpflichtversicherung für Pflegefachpersone - wie wichtig ist diese wirklich? ÜBERLASTUNGSANZEIGE Ein hilfreiches Instrument, um auf Missstände aufmerksam zu machen und um sich selbst von der Haftung freizustellen AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Inhalt

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Klare Worte Video-Interview zu Themen wie Generalistik, Pflegekammer, Mitbestimmung u.v.m.

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LESERFRAGE

Junge Pflege 148 Der Social-Pfleger Aus Leidenschaft für den Beruf gibt Blogger Sandro Pé der jungen Pflege eine Stimme 155 Klare Worte: Video-Interview Sandro Pé mit Sandra Postel

156 Zum guten Schluss 158 Kolumne: Agnes Karll 164 Tipps & Termine 168 Buchempfehlungen: Gelesen von ...

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Kolumne: Diesmal mit Agnes Karll zum Thema: Die Pflegekammer ist eine Schatzkammer

MITMACHEN MITGESTALTEN MITWIRKEN? Sie haben Rückfragen zu einzelnen Artikeln im Heft? Oder Sie würden gerne bestimmte Themen im Kammermagazin näher beleuchtet haben? Dann schreiben Sie uns an untenstehende E-MailAdresse. Wir nehmen Ihre Themenwünsche jederzeit gerne mit auf. Nutzen Sie die Möglichkeit, die Inhalte lesen zu können, die Sie besonders interessieren. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen. Bei Fragen oder wenn Sie uns ein Feedback geben möchten, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail: hallo@pflegekammer-magazin.de

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Rubrik

Dana Lungmuss

AKTUELLES & POLITIK

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Aktuelles & Politik

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20 ERFOLGREICHER AUFTAKT: Der 1. Pflegetag in Rheinland-Pfalz

28 GENERALISTIK Endlich Klarheit! Die neue Ausbildung nimmt Form an.

54 PERSONALUNTERGRENZEN: „Nicht der ganz großer Wurf“ Interview mit Andrea Bergsträßer und viele spannende Themen mehr

Illustration als Wallpaper downloaden AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

P F LEGE TAG R H E

D ER SCH L R IESE ER AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Pflegetag Rheinland-Pfalz

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EI NLA ND - P FAL Z

L A FEN DE RWACHT AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

Obwohl die Pflege in Deutschland mit 1,2 Mio. „Mitgliedern“ die größte Berufsgruppe im Gesundheitsbereich darstellt, scheint sie politisch, gesellschaftlich und berufsorganisatorisch auf der Stelle zu treten. Beinahe jede Entscheidung wird ohne eigene Interessenvertreter und über die Köpfe der Pflegeakteure hinweg getroffen. Doch langsam kommt Bewegung in den „Riesen Pflege“.

Kammerpräsident Dr. Markus Mai AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Pflegetag Rheinland-Pfalz

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Clemens Hess

Ministerpräsidentin Malu Dreyer

Mit dem ersten Pflegetag einer gewählten Landespflegekammer in Deutschland wurde ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Selbstverwaltung der Pflege gemacht. 40.000 Mitglieder aus Rheinland-Pfalz und Umgebung waren zur Wissensvermittlung, Information und zum gemeinsamen Austausch eingeladen. Und die gesamte Vielfalt der rheinland-pfälzischen Pflege zeigte sich am 3. Mai zum ersten Landespflegetag in Mainz. Über 1.200 Besucher konnten sich in der beinahe ausgebuchten Rheingoldhalle ein Bild davon machen, dass die Pflegenden im Land den Weg der Professionalisierung ihrer Berufsgruppe weiter gehen möchten – ja dies auch lautstark fordern. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hob in ihrem Grußwort zu Beginn des Pflegetags die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der beruflich Pflegenden und die Notwendigkeit einer institutionellen Interessenvertretung in Form einer Pflegekammer hervor. Die Ministerpräsidentin betonte auch, dass sich die Landesregierung mit ihrer Pflegepo-

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Aktuelles & Politik litik für die Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung einsetze, die den Bedarfen der Zukunft gerecht werde und für die sich auch die Pflegekammer Rheinland-Pfalz eindeutig ausspricht. Kammerpräsident Dr. Markus Mai freute sich zur Eröffnung über die hohe Teilnehmeranzahl. „Einen Landespflegetag in dieser Form hat es bisher noch nicht gegeben. Die Pflegenden in Rheinland-Pfalz nehmen die Herausforderung an, ihren Beruf in Zukunft selbst zu gestalten und damit wichtige Weichenstellungen für den eigenen Beruf vorzunehmen. An der Pflege wird daher zukünftig im Gesundheits- und Sozialwesen niemand mehr vorbeikommen.“

EINEN LANDESPFLEGETAG IN DIESER FORM HAT ES BISHER NOCH NICHT GEGEBEN. DIE PFLEGENDEN IN RHEINLAND-PFALZ NEHMEN DIE HERAUSFORDERUNG AN, IHREN BERUF IN ZUKUNFT SELBST ZU GESTALTEN UND DAMIT WICHTIGE WEICHENSTELLUNGEN FÜR DEN EIGENEN BERUF VORZUNEHMEN. AN DER PFLEGE WIRD DAHER ZUKÜNFTIG IM GESUNDHEITS- UND SOZIALWESEN NIEMAND MEHR VORBEIKOMMEN. Dr. Markus Mai

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Pflegetag Rheinland-Pfalz

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Frau Prof. Dr. Gabriele Meyer

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (Mitte) und Gesundheitsministerin der Rheinland-Pfalz Sabine Bäzing-Lichtenthäler (links) mit Pflegekammerpräsident Dr. Markus Mai (rechts): Zwei starke Befür­ worterinnen und Förderinnen der Pflegekammer Rheinland-Pfalz.

Das Programm war ausgerichtet an regionalen Projekten und innovativen Pflegeangeboten: Die unterschiedlichen Pflegesettings, unter anderem in der Akutpflege und der Langzeitpflege, wurden entsprechend abgebildet, Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis berichteten über ihre Erfahrungen, und wer wollte, der konnte sich in den Dialog zur Entwicklung der anstehenden Weiterbildungskonzeption der Landespflegekammer einbringen. In den Fachvorträgen von Frau Prof. Dr. Gabriele Meyer und Herrn Dr. Heiner Friesacher gab es einen weiten Blick auf die Entwicklung der Pflege in Deutschland. Eindrücklich machte zum Beispiel Frau Prof. Dr. Meyer klar, dass es an Zeit ist, dass erkannt wird, wie wirksam und wichtig die Pflege ist, und adressierte noch während des Vortrags konkrete Aufgaben auch an die Verantwortlichen der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Insgesamt gliederte sich das vielseitige Programm des rheinland-pfälzischen Pflegetags in verschieden wählbare Blöcke (Sessions) in Form AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik Jetzt schon vormerken! DER

2. PFLEGETAG

RHEINLAND-PFALZ FINDET AM

17. APRIL 2018 STATT.

von Fachvorträgen, Symposien und Workshops sowie die Möglichkeit des Besuchs der Fachmesse, auf der über 50 Aussteller aus allen Bereichen der Pflege Innovationen, neue Produkte und Weiterbildungsmöglichkeiten für Pflegende vorstellten. Der Austausch mit den Ausstellern wurde von den Besuchern so willkommen geheißen, dass insbesondere dieser Teil des Pflegetages im kommenden Jahr sicherlich weiter ausgebaut wird. Neben den Fachvorträgen und Ausstellungen bot zudem die „Kammermeile“ allen Interessierten einen Überblick über die Arbeit der ersten Pflegekammer in Deutschland. Vertreter der Ausschüsse und ArbeitsAUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

Oben: Regine Schuster, Vorstandsvorsitzende der Pflegegesellschaft Rheinland-Pfalz, nahm an der Eröffnung teil und gratulierte Kammerpräsident Dr. Markus Mai zu dem gelungenen Auftakt.


Pflegetag Mainz

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DIASHOW ANSEHEN!

Unten: Schulterschluss mit der Pflege. Die Vertreter der anderen Heilberufekammern in Rheinland-Pfalz machten den Pflegenden im Lande ihre Aufwartung: Landesärztekammerpräsident Dr. Günther Matheis (links) und Arnulf Klein (rechts), Geschäftsführer der Landesapothekerkammer.

gruppen standen als Ansprechpartner Rede und Antwort zu den vielfältigen Fragen der Mitglieder. „Dieser erste Pflegetag war ein Symbol für unser gemeinsames Engagement und eine Grundlage für die Positionierung unserer Forderungen und Anliegen. Spannende Diskussionen, engagierte Vorträge voll innovativer Ideen und kompetente Aussteller haben den ersten Pflegetag Rheinland-Pfalz zu einer rundum gelungenen Veranstaltung gemacht. Auch im nächsten Jahr werden wir wieder Pflege/Gemeinsam/Gestalten“, betonte Mai. (nst) AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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REFORM DER AUSBILDUNG

Aktuelles & Politik

KOMPROMISS IN SICHT DIE GENERALISTIK NIMMT FORM AN AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Generalistik

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Nach langem Tauziehen um die generalistische Ausbildung für alle Pflegeberufe soll es ab 2019 nun nur eine zweijährige gemeinsame Ausbildung und im dritten Jahr die Möglichkeit einer Spezialisierung geben. Damit werden wesentliche Rahmenbedingungen klarer und die inzwischen entstandenen Schreckensvorstellungen, Vorbehalte und Mythen rund um die Generalistik können nun konkreten Lösungen weichen. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

Damit folgten die Regierungsfraktionen am 6. April 2017 dem Kompromiss für das neue Pflegeberufereformgesetz, den Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) und Georg Nüßlein (CSU) ausgehandelt hatten.

› Der Berufsnachwuchs in der Alten-

und Kinderkrankenpflege hat künftig nach zwei Jahren gemeinsamer Ausbildung bis 2024 die Wahl, im dritten Jahr den gewohnten Abschluss als Altenpflege- oder Kinderkranken- und Gesundheitspflegekraft zu machen oder die für alle Bereiche qualifizierende generalistische Ausbildung abzuschließen.

› D ie Gesundheits- und Krankenpfle-

geausbildung wird durch eine dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft ersetzt.

› A lle

Pflegeschulen müssen die gemeinsame Ausbildung für alle Pflegeberufe anbieten.

Überprüfung nach sechs Jahren

Sechs Jahre nach dem Start der neuen Ausbildungsgänge werden Gesundheits- und Familienministerium ausAUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

werten, wie viele Nachwuchskräfte sich für die getrennten Ausbildungen in Alten- und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und wie viele sich für die Generalistik mit Vertiefung in diesen Bereichen entschieden haben. Das dürfte frühestens 2025 möglich sein. Haben dann mehr als die Hälfte der Azubis den generalistischen Abschluss mit einem der beiden Schwerpunkte gewählt, werden die eigenständigen Abschlüsse in Altenpflege und Kinderkrankenpflege abgeschafft. Über die Abschaffung oder Beibehaltung entscheidet dann der Deutsche Bundestag.


Generalistik

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Finanzierung

Kritik an generalistischer Alle Ausbildungswege werden künf- Assistenzenausbildung tig über einen gemeinsamen Ausbildungsfonds finanziert, wodurch auch das Schulgeld in der Altenpflege entfällt. Davon verspricht sich die Bundesregierung größtmögliche Entscheidungsfreiheit für Azubis ohne finanzielle Hürden.

WIE GEHT ES WEITER?

Derzeit wird der Kompromiss zur Pflegeberufereform zwischen Gesundheits- und Familienministerium abgestimmt und in den bisherigen, in 1. Lesung am 18.03.16 vom Bundestag behandelten, Gesetzentwurf eingearbeitet. Auch die künftige Prüfungs- und Finanzierungsverordnung etc. wird festgelegt.

Auf Widerstand von Deutschem Pflegerat und Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) stößt der Plan, ab 2019 auch Pflegeassistenzen zwei Jahre generalistisch auszubilden. Da diese Berufsgruppe Generalistik-Ausbildungsplätze für Pflegefachkräfte blockieren würde, fordern sie eine eigenständige bundeseinheitliche Assistenzausbildung. Verfassungsrechtlich, fachlich und berufspädagogisch sei der Plan fragwürdig, da die Assistenz-Ausbildungen Länder- und nicht Bundessache sind. Die einjährigen Ausbildungen für Altenpflegehilfen der Länder sollen erhalten bleiben.

Wann der Bundestag den überarbeiteten Gesetzentwurf in 2. und 3. Lesung behandelt, ist derzeit noch offen. Spätestens in der letzten Sitzungswoche ab 19. Juni 2017 muss das Parlament das Gesetz verabschiedet haben, denn nach der Sommerpause steht am 24. September die Bundestagswahl an. Hat auch der Bundesrat zugestimmt, was noch als unsicher gilt, kann das Gesetz zum 1. Januar 2019 in Kraft treten. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Aktuelles & Politik Foto: Syda Productions_shutterstock

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EIN TROPFEN AUF DEN HEISSEN STEIN INVESTITIONSFÖRDERUNG DES LANDES FÜR KRANKENHÄUSER REICHT NICHT AUS

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Krankenhausinvestitionen

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Laura Serra

Trotz Anhebung um jährlich drei Millionen Euro reicht die Investitionsförderung des Landes für die Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz laut Pflegekammer längst noch nicht aus. Angesichts des Investitionsstaus seit 2002 sei die von der Mainzer Ampel-Koalition beschlossene Aufstockung der Investitionsmittel um insgesamt 15 Millionen Euro bis 2020 nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“, kritisierte Kammerpräsident Dr. Markus Mai beim ersten rheinland-pfälzischen Pflegetag in Mainz. „Wir erwarten dazu ein stärkeres Engagement der Landesregierung, wenn sie weiterhin eine gute, flächendeckende

UNTER DEN SPARBEMÜHUNGEN DER KLINIKEN HAT LEIDER AUCH DIE PFLEGEPERSONALBESETZUNG GELITTEN Sandra Postel Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

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Aktuelles & Politik Foto: VladKol_shutterstock

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Patientenversorgung sicherstellen möchte“, ergänzte Vizepräsidentin Sandra Postel im Gespräch mit Kerstin Werner. Hintergrund: Seit 2002 waren die Fördermittel des Landes für die Kliniken laut Pflegekammer von 122 auf 114 Millionen Euro jährlich gesunken. Gleichzeitig stiegen die Baupreise um 35 Prozent. Damit stünden den Krankenhäusern 2016 preisbereinigt nur noch 60 Prozent der damals bereits unzureichenden Investitionsmittel zur Verfügung.

Auf Kosten der Pflege gespart

Auch das Krankenhausstrukturgesetz des Bundes von 2016 habe die Finanzlage der Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz verschlechtert. „Unter den Sparbemühungen der Kliniken hat leider auch die Pflegepersonalbesetzung gelitten“, konkretisierte Sandra Postel die Folgen. Denn so manches Haus kompensierte die fehlende AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

WIR ERWARTEN DAZU EIN STÄRKERES ENGAGEMENT DER LANDESREGIERUNG, WENN SIE WEITERHIN EINE GUTE, FLÄCHENDECKENDE PATIENTENVERSORGUNG SICHERSTELLEN MÖCHTE.

Sandra Postel


Krankenhausinvestitionen

Investitionsförderung durch Einsparungen bei den Personal- und Sachkosten. Während die Länder für Investitionen zuständig sind, finanzieren die Krankenkassen die laufenden Kosten der Krankenhäuser.

des Landesvereins für Innere Mission in der Pfalz e. V. „Kleine Kliniken mit unter 200 Betten im Lande sind von der Schließung bedroht, wenn sie sich nicht spezialisieren oder fusionieren“, hatte eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Deutschen Krankenhaus Instituts (DKI) ergeben. Doch laut Gesundheitsökonom Alexander Morton von BDO lehnen viele kleinere Kliniken im ländlichen Raum Umstrukturierungen und Fusionen ab. Nach Angaben des Mainzer Gesundheitsministeriums haben etwa 25 Prozent der Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz weniger als 200 Betten.

Kleinen Kliniken droht Schließung

Skepsis gegenüber Bundesplänen

Als Beispiel für ein Krankenhaus, in das nicht mehr investiert wurde und das unter strukturellen Problemen litt, gilt in Rheinland-Pfalz das Ende September 2016 geschlossene Evangelische Krankenhaus Zweibrücken

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„Grundsätzlich für eine gute Idee und ersten kleinen Schritt“ hält die Vizepräsidentin der Pflegekammer, Sandra Postel, die von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe angekündigte Einführung von PersonalunterAUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

DIE DEFINITION VON MINDESTPERSONALAUSSTATTUNGEN WIRD ALLERDINGS NICHT HELFEN, EINE DEN PFLEGEBEDARFEN ANGEMESSENE PERSONALVORHALTUNG SICHERZUSTELLEN. Sandra Postel AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Foto: Syda Productions_shutterstock

Krankenhausinvestitionen

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grenzen für Pflegefachpersonen in patientensensiblen Klinikbereichen ab 2019. Zunächst müsse man aber den Gesetzestext abwarten. „Noch ist völlig unklar, was genau der Gesetzgeber unter patientensensiblen Krankenhausbereichen versteht. Unter Umständen erhalten wir aus Berlin nur neue Vorgaben, die Pflegefachpersonen und Krankenhäusern mehr Bürokratie als Nutzen bringen“, so Sandra Postel. Leider habe nur ein Mitglied der Expertengruppe des Ministeriums über eine pflegewissenschaftliche Qualifikation verfügt. „Die Definition von Mindestpersonalausstattungen wird allerdings nicht helfen, eine den Pflegebedarfen angemessene Personalvorhaltung sicherzustellen“, betonte Sandra Postel. Wie berichtet, soll der aktuelle Pflegezuschlag an Krankenhäuser zur Finanzierung zusätzlichen Pflegepersonals von bundesweit 500 Millionen Euro jährlich ab 2019 auf 830 Millionen Euro steigen. In diese Summe einfließen werden die heutigen Mittel des Pflegestellenförderprogramms.

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Aktuelles & Politik

KAMMER­ GEFLÜSTER

Helena Melikov

Wie ist der Stand der Pflegekammern in den Bundesländern? Was tut sich zum Thema Selbstverwaltung der Pflege aktuell?

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Kammergeflüster

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Schleswig-Holstein

Bereits „deutlich über 5.000 Registrierungen“ hatte der Errichtungsausschuss für die Pflegeberufekammer Anfang Mai nach seinem ersten Aufruf an 10.000 der 25.000 Pflegefachkräfte im Norden erhalten. Vorsitzende Patricia Drube erwartet von der neuen, am 7. Mai gewählten Landesregierung, dass sie die künftig größte Kammer im Lande „maßgeblich“ an gesundheits- und pflegepolitischen Entscheidungsprozessen beteiligt und deren demografische Daten zur Zusammensetzung der Berufsgruppe in ihrer Versorgungsplanung berücksichtigt.

Niedersachsen

Mit Schwung geht die Vorsitzende des neuen ehrenamtlichen Errichtungsausschusses für die Pflegekammer Niedersachsen, die Gesundheits- und Krankenpflegerin und Dipl.-Pflegewirtin Katrin Havers (40) aus Vechta, ihre neuen Aufgaben an. Denn in den kommenden Monaten haben sie, die Mitglieder und deren Stellvertreter vieles AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Aktuelles & Politik

zu bewegen. Umfassend wollen sie die rund 70.000 Pflegefachpersonen im Lande über Aufgaben und Zweck der Pflegekammer informieren. Auch die Registrierung aller Fachkräfte und die Kammerwahlen im Frühjahr 2018 bereitet das Team vor. Havers: „Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, die künftigen Kammermitglieder zu motivieren, sich für ihre neue selbstverwaltete Interessenvertretung zu engagieren.“ Ihren ehrenamtlichen Einsatz muss Katrin Havers auch in Einklang mit ihrer Arbeit als Qualitätsbeauftragte einer stationären Pflegeeinrichtung und ihrer freiberuflichen Tätigkeit als pflegerische Unternehmensberaterin bringen. Das sei nicht immer leicht, räumt sie ein, aber mit ihrem motivierten Ausschussteam erfahrener Pflegefachleute sei das zu schaffen. Zum 31. März 2018 muss der Errichtungsausschuss die Wahlen zur Kammerversammlung organisiert haben. Bundesweit einzigartig ist die Frauenquote in Niedersachsen: Mindestens die Hälfte der Delegierten müssen Frauen sein. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

Foto: privat

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EIN WEITERES WICHTIGES ZIEL IST ES, DIE KÜNFTIGEN KAMMERMITGLIEDER ZU MOTIVIEREN, SICH FÜR IHRE NEUE SELBSTVERWALTETE INTERESSENVERTRETUNG ZU ENGAGIEREN Katrin Havers Die neue Vorsitzende des Errichtungsausschusses zur Pflegekammer Niedersachsen.


Kammergeflüster

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Bayern

Mit Kritik hat u. a. der Bayerische Landespflegerat (BLPR) auf die vom Landtag beschlossene Gründung der „Vereinigung der Pflegenden in Bayern“ reagiert, der Pflegefachkräfte und Arbeitgeber ab 1. Mai freiwillig beitreten können. Die staatsfinanzierte Vereinigung sei abhängig von Kassenlage und Regierungswillen, kritisierte Vorsitzende Edith Dürr. Sie nehme Fachfremde wie Arbeitgeber auf und setze damit die Fremdbestimmung der rund 135.000 Pflegefachkräfte im Süden fort.

Nordrhein-Westfalen

Nach den Wahlen in NRW: Kommt die Pflegekammer nun auch dort? Während sich die bisherige Landesregierung in Düsseldorf eher verhalten zu einer Selbstverwaltung der Pflege in NRW äußerte, kündigte die CDU bereits im Wahlprogramm die Unterstützung einer Pflegekammer im bevölkerungsreichsten Bundesland an. „Nach dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb muss die CDU nun zeigen, wie ernst es ihr damit ist“, so Ludger Risse, Pflegedirektor des St. Christopherus-Krankenhaus in Werne. „Auf jeden Fall soll es wohl

WENN IN DER SELBSTVERWALTUNG ÜBER PFLEGETHEMEN ENTSCHIEDEN WIRD, SITZT DIE PFLEGE SELBST NICHT MIT AM TISCH. DAS MUSS SICH ÄNDERN. Karl-Josef Laumann Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Pflegebevollmächtiger der Bundesregierung, CDU-Politiker aus NRW

eine Befragung der beruflich Pflegenden im Vorfeld dazu geben“, so Risse weiter. Eine derartige Befragung vorab hatte vor Kurzem auch die grünschwarze Regierung von Baden-Württemberg für das dritte Quartal dieses Jahres angekündigt. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Aktuelles & Politik

ROTE KARTE

FÜR DIE POLITIK

MEHR ALS 10.000 ANZEIGEN BEI DER AKTION „BUNDESWEITE GEFÄHRDUNGSANZEIGE“

AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Internationaler Tag der Pflegenden

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Patricia Haas

Bundesgesundheitsministerium (BMG): Referatsleiter Dr. Christian Berringer, nahm im Namen des Gesundheitsministers die Gefährdungsanzeigen von Roger Konrad, Marcus Jogerst Ratzka, Brigitte Bührlen und Dr. Markus Mai entgegen

Die Gefährdungsanzeige ist ein schriftlicher Hinweis der Beschäftigten an den Arbeitgeber, dass es aufgrund der vorherrschenden Arbeitssituation zu gesundheitlichen Gefährdungen kommen kann. Der Arbeitgeber hat dann die Aufgabe, entsprechende Maßnahmen zur „Gefahrenabwehr“ einzuleiten. Dieses rechtliche Instrument hat der Verein Pflege in Bewegung genutzt, um damit eine Ebene höher,

also beim Bundesministerium für Gesundheit, auf die Situation der Pflege in Deutschland hinzuweisen. 8.500 Gefährdungsanzeigen sowie über 2.500 Online-Petitionen haben sie gesammelt und diese am 12. Mai 2017, dem Internationalen Tag der Pflegenden, der jährlich am Geburtstag von Florence Nightingale stattfindet, in Berlin öffentlich übergeben. „Durch die Pflegestärkungsgesetze wurde schon viel für die Pflege getan“, sagt Roger Konrad, Vorsitzender des Vereins Pflege in Bewegung. „Aber es ist eben nur ein Schrittchen in die richtige Richtung.“ Der Verein will aufklären, aktivieren, positiv motivieren und deutlich machen, dass sich die Pflege nicht mehr mit Brotkrümeln abspeisen lassen will. Dass sich durch die Unterschriftenaktion wirklich etwas ändert, bezweifelt Konrad „Aber nichts zu tun, ist auch nicht der richtige Weg. Wir haben gezeigt, dass man Gehör finden kann,

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Aktuelles & Politik

ABER NICHTS ZU TUN, IST AUCH NICHT DER RICHTIGE WEG. WIR HABEN GEZEIGT, DASS MAN GEHÖR FINDEN KANN, DASS MAN BÜNDNISSE BRAUCHT. LETZTLICH KÖNNEN WIR NUR GEMEINSAM DIE VERÄNDERUNG EINFORDERN, DIE WIR BRAUCHEN

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und dass man Bündnisse braucht. Letztlich können wir nur gemeinsam die Veränderung einfordern, die wir brauchen.“ Neben dem Verein Pflege in Bewegung, wurde die Aktion „Bundesweite Gefährdungsanzeige“ mitinitiiert von dem Verein WIR! Vereinigung pflegender Angehöriger in Deutschland. Und tatkräftige Unterstützung erhielten diese sowohl von der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz als auch von der Siegener Initiative "Wa(h)re Gesundheit - da hilft nur noch beten?" sowie von mehreren Städte der Aktion Pflege am Boden Mehr über das Instrument „Gefährdungs- bzw. Überlastungsanzeige“ finden Sie auf Seite 134 in dieser Ausgabe.


Internationaler Tag der Pflegenden

Pflege in Bewegung (PiB) ist ein Verein, der aus den Aktivitäten von Pflege am Boden hervorging. Der Verein will auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen in der Pflege hinweisen, den Brückenschlag zu Pflegebedürftigen erreichen und mögliche Lösungswege entwickeln. Frei nach Juchli bedeutet das für die Initiatoren: „ ... unbequem zu sein, wo Forderungen am Selbstverständnis der Pflegenden vorbeizielen.“

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Konkret heißt dies: › Verbesserung der Situation pflegebedürftiger Menschen, pflegender Angehöriger und beruflich Pflegender › Bundeseinheitliche Definition von Pflegequalität und vollumfängliche Finanzierung der angestrebten Qualität › Rechtlich definierter Personalschlüssel in Pflege- und Wohnheimen, Krankenhäusern und ambulanten Pflegediensten Mehr dazu unter www.pflegeinbewegung.de AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Aktuelles & Politik Illustration: Helena Melikov

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12.

MAI – TAG DER PFLEGENDEN

Berlin und die Welt feiern den Geburtstag von Florence Nightingale Dieses Jahr haben mehrere Initiativen einen bundesweiten Aktionstag in Berlin stattfinden lassen, um auf die dramatische Lage der Pflegelandschaft in Deutschland aufmerksam zu machen. Neben der Übergabe der Gefährdungsanzeigen an Bundesgesundheitsminister Gröhe fanden in Berlin wie auch im gesamten Bundesgebiet zahlreiche Aktionen und Aktivitäten statt, um auf die dramatische Lage der Pflegelandschaft in Deutschland aufmerksam zu machen. Hier finden Sie nur einen kleinen Auszug aus den vielen Aktionen in der Bundeshauptstadt, die auf die Zustände in der Pflege aufmerksam gemacht haben. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Invaliden Park

Internationaler Tag der Pflegenden

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Bundesministerium für Gesundheit Übergabe der Gefahrenanzeigen

WALK OF CARE

Brandenburger Tor Aktionstag Brandenburger Tor Checkpoint Charlie

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CARE

Jüdisches Museum

Mehr

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CARE SLAM Kulturhaus Alte Feuerwache in Friedrichshain

Platz der Luftbrücke AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Foto: Christian Ditsch

KUNDGEBUNG AM BRANDENBURGER TOR

Patricia Haas

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Aktuelles & Politik


49 Kreativ und laut hatten sich die Pflegekräfte Berlins zahlreich versammelt, um bei der Politik gehört zu werden und dafür zu sorgen, dass diese tätig wird. Unter den aktuellen Bedingungen sei es nicht mehr möglich, dass die Pflegefachpersonen, die sich ja einst für einen Beruf zu Pflege und Wohl von Menschen entschieden hätten, die Verantwortung für ihre Patienten übernehmen, so der Landespflegekammerpräsident Dr. Markus Mai, der zur Unterstützung der Aktion „Bundesweite Gefährdungsanzeige“ nach Berlin gereist war. „Demotivation und das Gefühl des Ausgebeutetwerdens sind bereits weit verbreitet." Daneben wurde der Ruf nach einer Bundespflegekammer laut. Diese sei der beste Weg hin zu mehr Fachkräften und Qualitätsstandards, einer angemessenen Entlohnung und mehr Selbstbestimmung. Bei der Kundgebung am Brandenburger Tor waren auch Politikerinnen und Politiker anwesend, u.a. Mechthild Rawert von der SPD, Bernd Riexinger von den Linken oder Elisabeth Scharfenberg von den Grünen.

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Aktuelles & Politik

WALK OF CARE – PFLEG DIE ZUKUNFT

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Foto: Facebook Walk of Care

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51 Der Walk of Care ist eine freiwillige Aktion von Schülerinnen und Schülern von neun der insgesamt 15 Berliner Krankenpflegeschulen, die sich im Oktober vergangenen Jahres um den Hauptorganisator Valentin Herfurth versammelt haben. Der Walk of Care wurde ins Leben gerufen, um insbesondere auf die Ausbildungsprobleme für den Pflegenachwuchs aufmerksam zu machen, aber auch um auf grundsätzliche Missstände in der Pflege auf eine moderne und positive Art und Weise hinzuweisen. Mehr Zeit für die Patienten, eine verbindliche Personalbemessungsgrenze für Krankenhäuser oder gesetzliche Regelung der Pflegeanleitung sind nur einige wenige Themen, die bereits die Schülerinnen und Schülern sorgenvoll beschäftigen. Vom Invalidenpark über den Checkpoint Charlie vorbei am Gesundheitsministerium bis zum Platz der Luftbrücke zog sich der Zug vorwiegend jüngerer Pflegefachpersonen. Mehr dazu auf Facebook

Foto: Christine Vogler Facebook r

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AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER Fotos: Thorsten Strasas

7. CARE SLAM ZUM TAG DER PFLEGENDEN

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Aktuelles & Politik


Internationaler Tag der Pflegenden

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Zum siebten Mal fand der CareSlam in Berlin Friedrichshain statt. Im Kulturhaus Alte Feuerwache brachten sieben Teilnehmer noch einmal die „ bundesweite Gefährdungsanzeige“ auf die Bühne und sensibilisierten mit Witz und Kreativität für die Bedingungen für Patienten und Pflegenden. Yvonne Falckner führte als griesgrämige und Gefährdungsanzeigen schreddernde Krankenhauschefin durch das Programm und trug das Grußwort von Prof. Dr. Michael Bossle vor. Anschließend versammelten sich die Vortragenden mit einem bunten Themen Potpourri und absolvierten einen gemeinsamen Dienst. Zum Team gehörten: Dagmar Stegler, Lena Herbrandt, Cornelia Maria Zink, Roger Konrad, Marcus Jogerst-Ratzka, Eva Maria Endruweit und Dr. Markus Mai. Der CareSlam findet regelmäßig alle drei Monate in Berlin statt. www.careslam.de .

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Aktuelles & Politik

NICHT DER GANZ GROSSE WURF Andrea Bergsträßer Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

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PERSONALUNTERGRENZEN IM KRANKENHAUS


Personalbemessung

Andrea Bergsträßer im Interview mit Kerstin Werner zum Thema Personaluntergrenzen im Krankenhaus und die Grenzen eines patientensicheren Arbeitens auf niedrigstem Personalniveau. Für Deutschlands Krankenhäuser sollen ab 2019 Untergrenzen für die Personalausstattung in patientensensiblen Bereichen wie Intensivstationen oder in Nachtdiensten gelten.

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Die Expertenkommission „Pflegepersonal im Krankenhaus“ des Bundesgesundheitsministeriums hat sich auf die Einführung von Personaluntergrenzen im Krankenhaus geeinigt. Ist das jetzt der große Wurf? Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch leider ist es nicht ganz der große Wurf. Ich hätte mir gewünscht, dass die Kommission eine weiterreichende Entscheidung getroffen hätte. Welche Bereiche werden Ihrer Meinung nach von der neuen Regelung profitieren? Die Personaluntergrenzen sollen für Bereiche festgelegt werden, in denen die Patientensicherheit besonders wichtig ist. Meiner Meinung nach gibt es aber keine Bereiche, in denen die Patientensicherheit besonders wichtig ist. Wenn es das geben würde, hieße das, dass es auch Bereiche gibt, in denen sie nicht besonders wichtig ist. So ist das aber nicht. Die Patienten-

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Aktuelles & Politik

sicherheit muss in jedem Bereich gewährleistet sein. Daher müssten wir letztlich in allen Bereichen Personaluntergrenzen festlegen. Ich gehe jedoch davon aus, dass die von der Politik bereits benannten Intensivstationen und die Nachtdienste in die Personaluntergrenze einbezogen werden. Ob darüber hinaus weitere Bereiche berücksichtigt werden, wird sich zeigen. Ich glaube es eher nicht. Durch die Berücksichtigung einzelner Bereiche im Krankenhaus besteht die Gefahr von internen Personalverschiebungen hin zu den definierten Bereichen. Damit würde es für alle anderen Bereiche, die nicht explizit berücksichtigt sind, noch schwieriger werden als bisher.

Wie ist die personelle Situation aktuell, wie sollte sie Ihrer Meinung nach in Zukunft aussehen? Aktuell ist es so, dass die Krankenhäuser den Personalbedarf in den meisten Bereichen selbstständig festlegen können. Daher ist die Ausstattung mit Pflegepersonal sehr unterschiedlich. Sie wird vielerorts als nicht angemesAUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

KEINE PFLEGEKRAFT MÖCHTE DIE UNTER STÄNDIGEM ZEITDRUCK IN VIELEN BEREICHEN PRAKTIZIERTE „SATT-SAUBER-PFLEGE“. sen beschrieben. Wir kennen Studien, die den Zusammenhang von Personalausstattung und Patienten-Outcome belegen. Je schlechter die Ausstattung, desto schlechter das Patienten-Outcome. Ich wünsche mir eine Personalausstattung, die die Pflegefachkräfte und die Patienten zufriedenstellt. Keine Pflegefachkraft möchte die unter ständigem Zeitdruck in vielen Bereichen praktizierte „Satt-sauber-Pflege“. Die jetzt beschlossene Personaluntergrenze stellt aber wiederum nur den niedrigsten Level in der Besetzung dar. Die Pflege benötigt mehr als diesen niedrigsten Level. Wir brauchen Zeit für gute Pflege und damit eben auch genug Personal. Wir benötigen ein gut durchdachtes Personalbedarfsbemessungsinstrument.


Personalbemessung

Krankenhäuser, die die neuen Mindeststandards unterschreiten, sollen künftig öffentlich benannt werden. Was will der Gesetzgeber damit erreichen? Vermutlich soll damit der Druck auf die Krankenhäuser erhöht werden. Letztlich entscheidet der Patient, in welchem Krankenhaus er behandelt werden möchte. Mit der Transparenz hat der Patient eine Entscheidungsgrundlage hinsichtlich seiner Patientensicherheit.

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DIE ZUSCHLÄGE WERDEN IN ABHÄNGIGKEIT ZUR PERSONALAUSSTATTUNG ERFOLGEN, DAMIT EIN ANREIZ GEGEBEN IST, DAS PERSONAL AUCH TATSÄCHLICH VORZUHALTEN.

Was geschieht noch? Die Krankenhäuser müssen die für die Krankenhausplanung zuständigen Behörden über die Einhaltung der Personaluntergrenzen informieren und dies auch in den Qualitätsberichten veröffentlichen. Für den Fall der Nichteinhaltung sind Vergütungsabschläge sowie weitere, aktuell noch nicht benannte Maßnahmen vorgesehen. Um die Krankenhäuser finanziell zu unterstützen, fließt bereits in diesem Jahr ein Pflegezuschlag, der ab 2019 um die Mittel des Pflegestellen-

förderprogramms ergänzt werden soll. Die Zuschläge werden in Abhängigkeit zur Personalausstattung erfolgen, damit ein Anreiz gegeben ist, das Personal auch tatsächlich vorzuhalten. Für Mehrkosten aus den Personaluntergrenzen, die nicht anderweitig finanziert sind, können je nach Krankenhaus individuelle Zuschläge mit den Kostenträgern vereinbart werden. Ob die Finanzierung mit diesem Maßnahmen gelingt, wird sich zeigen. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Rubrik Dana Lungmuss

SCHWERPUNKTTHEMA:

MEDIKAMENTENMANAGEMENT Warum der Medikationsprozess mehr Aufmerksamkeit braucht

Die Arzneimitteltherapie ist ein Kernelement im medizinischen und pflegerischen Behandlungsprozess. Sie soll Leiden lindern und weiteren Schaden abwenden. So simpel dieser Zweck ist, so kompliziert ist die Umsetzung und birgt sogar enorme Risiken, da das Medikamentenmanagement mehr als vielschichtig ist. Um diese Komplexität im Medikationsprozess zu veranschaulichen, beleuchten wir das Thema nachfolgend aus unterschiedlichen Perspektiven. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

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Schwerpunktthema

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60 MEDIKATION: Kleiner Fehler, große Wirkung! Wie die Pflegeprofession Patienten schützen kann

66 MEDIKAMENTENMANAGEMENT AUS SICHT DES MDK: Pflege im Spannungsfeld

94 MEHR EMPOWERMENT FÜR DIE PFLEGE: Der Drops ist noch nicht gelutscht und viele spannende Themen mehr

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Schwerpunktthema

MEDIKATION

KLEINER FEHLER, GROSSE WIRKUNG Was kann die Pflege­ profession im Medikations­ prozess tun, um Patienten zu schützen?

Hedi François-Kettner Dr. sc. hum. Hanna Seidling AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Patientensicherheit

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Der Medikationsprozess – ob im ambulanten oder im stationären Sektor – kann in mindestens vier Phasen beschrieben werden (WHO 2012):

Foto: Photographee.eu_shutterstock

1. Verordnung 2. Verteilung (Abgabe) 3. Anwendung (Applikation) 4. Monitoring Medikationsfehler1 können in allen Phasen auftreten und liegen auch nach der 2. Krankenhausstudie des Instituts für Patientensicherheit in Bonn 20152 auf Platz 2 der Risiken in deutschen Krankenhäusern. In stationären Einrichtungen und Krebsambulanzen durchgeführte Studien in den USA zeigten insbesondere in den Phasen 1 (Verordnung) und 3 (Anwendung – Applikation und Einnahme) hohe Risiken3,4. Dabei wurden Kommunikationsund Koordinationsprobleme innerhalb der Behandlungsteams wie auch an Behandlungsschnittstellen als begünstigende Faktoren sichtbar. Zur Verbesserung der Arzneimittel-

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Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Foto: Natascha Zivadinovic

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Schwerpunktthema

Hedi François-Kettner

Aktionsbündnis Patientensicherheit, Vorsitzende, Inhaberin ProGeWi; ehemalige Pflegedirektorin, zuletzt Charité Universitätsmedizin Berlin

Dr. sc. hum. Hanna Seidling

Aktionsbündnis Patientensicherheit– Co-Leitung der AG Arzneimitteltherapiesicherheit; Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Kooperationseinheit Klinische Pharmazie

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Therapiesicherheit muss daher die interdisziplinäre und sektorenübergreifende Zusammenarbeit deutlich gefördert werden. Im Medikationsprozess ist die Verabreichung von Arzneimitteln der letzte, oftmals über Erfolg oder Misserfolg einer Arzneimitteltherapie entscheidende Schritt, bevor das Arzneimittel den Patienten erreicht. Dabei ist die Arzneimittelanwendung häufig komplex, vor allem, wenn besondere Patienteneigenschaften wie z. B. eine Ernährungssonde beachtet oder besondere Applikationswege bedient werden müssen. Die 9-R-Regel der sicheren Arzneimittelapplikation lautet:

1. Dem richtigen Patienten 2. das richtige Medikament 3. in der richtigen Indikation 4. zum richtigen Zeitpunkt 5. in der richtigen Dosierung und 6. richtigen Form 7. über den richtigen Applikationsweg zu verabreichen und anschließend 8. ein richtiges Monitoring durchzuführen. 9. Unterstützend ist zu allen Zeitpunkten die richtige Dokumentation notwendig5.


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Patientensicherheit G ut implementierte Prozesse wie Übergabe- und Kommunikationsstrukturen an allen Nahtstellen S törungsfreie Vorbereitung der Medikationsstellung G ute Kommunikation mit dem Patienten K ompetenzstärkung des Patienten im Selbstmanagement E ffektives Monitoring und zeitnahe Maßnahmen bei Medikationsfehlern (SOPs – Standard Operating Procedures) Foto: wavebreakmedia_shutterstock

Eine erfolgreiche und fehlerfreie Arzneimittelverabreichung baut auf einer eindeutigen und korrekten Verordnung auf, verlässt sich auf eine adäquate Zu- und Vorbereitung des Arzneimittels und initiiert Folgemaßnahmen, die sich aus dem Monitoring nach der erfolgten Verabreichung ergeben. Dabei gelten folgende Empfehlungen allgemein zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit im Rahmen der Arzneimittelanwendung:

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Schwerpunktthema Bei der Sicherstellung der richtigen Medikation auch bei Übergängen im Behandlungsprozess (aus dem Krankenhaus in die Häuslichkeit z. B.) wurden aufgrund vorliegender Defizite im HandlungsempHigh-5s-Projekt6 fehlungen erarbeitet, die auch für die Pflegekräfte handlungsleitend sein sollten. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit unterstützt solche Vorhaben und stellt ebenfalls Handlungsempfehlungen zu nachgefragten Themen zur Verfügung. Speziell für den Bereich Arzneimittelanwendung und Beitrag der Pflege zur Verbesserung des Medikationsmanagements wurde für das kommende Jahr die Entwicklung einer Handlungsempfehlung zur Implementierung des Vier-Augen-Prinzips in Visier genommen. Bereits jetzt gibt es vom Aktionsbündnis Patientensicherheit eine Checkliste zur Arzneimitteltherapiesicherheit im Krankenhaus als Handlungsempfehlung . 1 Liat Fishman in: Patientensicherheitsmanagement; Gausmann, Henninger, Koppenberg (Hrsg.); S. 503 – 507 2 Krankenhausstudie (im Auftrag des Aktionsbündnis Patientensicherheit), durchgeführt vom Institut für Patientensicherheit 2015 www.ifpsbonn.de 3 Walsh KE, Dodd KS, Seetharaman K, Roblin DW, Herrinton LJ, Von Worley A, et al. (2009). Medication errors among adults and children with cancer in the outpatient setting. J Clin Oncol. 27, 891-896.

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4 Bates DW1, Cullen DJ, Laird N, Petersen LA, Small SD, Servi D, Laffel G, Sweitzer BJ, Shea BF, Hallisey R, et al. (1995). Incidence of adverse drug events and potential adverse drug events. Implications for prevention. ADE Prevention Study Group. JAMA 274, 29-34 5 Elliott M, Liu Y. The nine rights of medication administration: an overview. Br J Nurs 2010; 19:300-5. „Action on Patient Safety: High 5s“ 6 2007 – 2015 von der Weltgesundheitsorganisation initiiertes Projekt, welches in Deutschland durch das Bundesgesundheitsministerium finanziert wurde. Siehe Ergebnisse unter www.aezq.de oder www.ifpsbonn.de


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Schwerpunktthema

MEDIKAMENTENMANAGEMENT

Martin Canzler

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Foto: Nestor Rizhniak_shutterstock

Medikamentenmanagement

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MEDIKAMENTENMANAGEMENT AUS SICHT DES MDK

IM SPANNUNGSFELD PFLEGERISCHER VERANTWORTUNG UND ÄRZTLICH DELEGIERTER TÄTIGKEIT

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Schwerpunktthema

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DIE PRÜFFRAGEN DER QUALITÄTSRICHTLINIEN ZIELEN DARAUF AB, DASS DEN PFLEGFACHPERSONEN DIE MEDIZINISCH VERORDNETE THAERAPIE UMFASSEND BEKANNT IST ... Der MDK Rheinland-Pfalz führt im Rahmen seines gesetzlichen Prüfauftrags jährliche Qualitätskontrollen in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen durch. Ein wesentlicher Aspekt der Pflegequalität für den pflegebedürftigen Menschen ist dabei die Frage, ob die ärztlich verordneten Medikamente ordnungsgemäß vergeben werden und damit die medizinisch notwendige Therapie sichergestellt ist. Die Prüffragen der Qualitätsrichtlinien, nach denen der MDK arbeitet, zielen dabei in der ambulanten wie stationären Versorgung darauf ab,

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Medikamentenmanagement

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dass den Pflegefachpersonen die medizinisch verordnete Therapie umfassend bekannt ist, damit alle Beteiligten die notwendige Handlungssicherheit haben, die vergebenen Medikamente der Verordnung entsprechen und diese gemäß Herstellervorgaben angewendet werden.

Was ist zu dokumentieren? Worauf ist zu achten?

Die Dokumentation der medikamentösen Versorgung dient der haftungsrechtlichen Absicherung der Einrichtung, als Nachweis und zur Gewährleistung einer einheitlichen Umsetzung der verordneten Therapie – unabhängig von der ausführenden Pflegefachperson. Notwendig sind der Name des verordneten Präparats und am besten auch der Inhaltsstoffe (Generikum), da sich inzwischen

infolge der Rabattverträge zwischen den Kostenträgern und Herstellern die Namen der abgegebenen Präparate von Rezept zu Rezept ständig ändern. Nur so ist die eindeutige Zuordnung von ärztlicher Verordnung und Medikament abgesichert. Weitere unerlässliche Daten sind die Wirkstärke (also Wirkmenge pro Einheit, z. B. 50 mg pro Tablette) und Häufigkeit und Zeitpunkt der Vergabe. Idealerweise sind diese Angaben sämtlich auf dem ärztlichen Behandlungsplan vorhanden und können dann einfach übernommen werden. Falls nicht, müssen diese Informationen erfragt und nachgetragen werden. Zu achten ist auch auf Herstellervorgaben bei bestimmten Medikamenten, die separat oder zu bestimmten Zeitpunkten gegeben werden müssen. Am häufigsten betrifft dies SchilddrüsenAUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

hormone, die morgens nüchtern, meist 30 Minuten vor jeglicher Nahrungsaufnahme und Einnahme anderer Medikamente, zu verabreichen sind, oder beispielsweise Medikamente bei Parkinson-Erkrankungen, die nach einem speziellen Zeitraster gegeben werden müssen und nicht, wie sonst üblich, morgensmittags-abends. Bedarfsmedikamente müssen mit Angaben zu Indikation sowie Einzelund Tageshöchstdosis verzeichnet werden. Wenn mehrere Bedarfsmedikamente mit gleicher Indikation verordnet werden, ist es sinnvoll, mit dem Behandler eine Reihenfolge abzustimmen, welches Medikament zuerst und welches danach bei Erfolglosigkeit gegeben werden soll. Bei der Therapie mit Insulin, insbesondere bei intensiviert eingestellten Diabetikern, verordnet der Arzt meist einen Fahrplan, der die zu verabreichenden Mengen in Abhängigkeit von den gemessenen Blutzuckerwerten AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

BEDARFSMEDIKAMENTE MÜSSEN MIT ANGABEN ZU INDIKATION SOWIE EINZEL- UND TAGESHÖCHSTDOSIS VERZEICHNET WERDEN.


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Medikamentenmanagement

vorgibt. Damit die behandelnden Pflegefachpersonen Handlungssicherheit haben, muss ein solcher Plan eindeutige Vorgaben enthalten, bei welchen Messwerten welche Mengen zu spritzen sind. Damit alle Beteiligten ausreichend informiert sind, müssen die Messwerte und die Injektion – bei vom Plan abweichenden Mengen auch die Insulindosis – dokumentiert werden. Da Insulin nach Anbruch nur begrenzt haltbar ist (in der Regel 30 bis 40 Tage, je nach Hersteller), ist es unerlässlich,

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die aktuell verwendete Ampulle mit dem Anbruchdatum zu kennzeichnen. Dies gilt auch, wenn die entnommene Menge so groß ist, dass die Ampulle voraussichtlich innerhalb der Gebrauchsdauer zu Ende geht, da z. B. durch Krankenhausbehandlungen die Anwendung unterbrochen wird und dann der Inhalt abläuft, bevor die Menge aufgebraucht ist. Generell ist bei der Vergabe von Medikamenten immer auch das Verwendbarkeitsdatum zu beachten. Die Pflicht zur Kennzeichnung mit einem Anbruchdatum und sinnvollerweise auch einem Ablaufdatum betrifft auch viele flüssige Medikamente in Tropfen- oder Saftform, da hier nach dem Öffnen durch Kontakt mit der Atmosphäre Veränderungsprozesse starten, für die der Hersteller eine begrenzte Gebrauchsdauer ab Anbruch ausweist, um ausreichende Wirksamkeit gewährleisten zu können. Diese ist auch bei Medikamenten mit gleichen Inhaltsstoffen unterschiedlich und durch Prozesse bei der Herstellung und Zugaben von Konservierungsmitteln bedingt. Informationen dazu sind immer dem beigefügten Informationsmaterial zu entnehmen,

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Schwerpunktthema

da sie nur für die jeweilige Charge gelten. Die zusätzliche Kennzeichnung bei Anbruch mit dem Ablaufdatum entbindet die in der Folge anwendenden Kollegen von der Verpflichtung, wiederholt in den Beipackzetteln nachzuschauen, wie lange das Präparat noch verwendbar ist. Flüssige Medikamente sind den Flaschen immer unmittelbar vor der Verabreichung zu entnehmen, da längere Lagerung z. B. in Tropfenbechern durch Luft- und Lichtkontakt zu Verschmutzung und Wirkverlust führen können: Teils verdunsten dabei zugesetzte Alkohole oder andere Lösemittel, die die Verfügbarkeit des Wirkstoffs gewährleisten sollen, sodass die gewünschte Wirkung verloren geht. Die Lagerung der Medikamente unterliegt ebenfalls den Vorgaben der Hersteller, in der Regel reicht Lagerung bei Raumtemperatur bis 30° C, trocken und lichtgeschützt im Schrank. Einzelne Medikamente bedürfen der Kühllagerung (in der Regel bei 2 bis 8° C), deren Einhaltung durch ein Kühlgerät AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

BEIM RICHTEN DER MEDIKAMENTE IST AUF EINE GENAUE UMSETZUNG DER ÄRZTLICHEN VERORDNUNG IN PUNCTO WIRKSTOFF, MENGE UND ZEITPUNKT DER GABE ZU ACHTEN. regelmäßig geprüft werden muss. Am häufigsten beobachtete Mängel sind zu langes Vorrichten von Tropfen, oft über mehrere Stunden, und die fehlende Beachtung der Haltbarkeit und Kühlung. Beim Richten der Medikamente ist auf eine genaue Umsetzung der ärztlichen Verordnung in puncto Wirkstoff, Menge und Zeitpunkt der Gabe zu achten. Oft wird in Pflegeeinrichtungen für einen Zeitraum von einer Woche vorgerichtet. Hierzu sind die oben genannten Aufzeichnungen un-


Medikamentenmanagement

erlässlich. Ein zunehmender Anteil der Pflegeeinrichtungen überlässt das Richten der Tabletten einer Vertragsapotheke (Blistern). Diese ist verpflichtet, die Blister mit Daten der Versicherten und der enthaltenen Medikamente zu kennzeichnen. Letztlich verbleibt aber die Verantwortung für eine ordnungsgemäße Umsetzung der ärztlichen Verordnung weiter bei der Pflegeeinrichtung und somit bei den Pflegefachpersonen. Es ist daher sinnvoll, die gerichteten Medikamente zumindest einer stichprobenartigen Qualitätskontrolle im Hinblick auf korrekte Umsetzung der Verordnung zu unterziehen. Eine wesentliche Bedeutung hat auch die Gewährleistung und Absicherung einer eindeutigen Informationsweitergabe zwischen Arzt, Pflegeeinrichtung und Apotheke. In der Praxis sind Fehler hier fast immer auf Informationsverluste zurückzuführen. Sonderfall Medikamentengabe über Sonde: Wenn Pflegebedürftige wegen Schluckstörungen über Sonde ernährt werden, ergibt es sich meist,

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LETZTLICH VERBLEIBT ABER DIE VERANTWORTUNG FÜR EINE ORDNUNGSGEMÄSSE UMSETZUNG DER ÄRZTLICHEN VERORDNUNG WEITER BEI DER PFLEGEEINRICHTUNG UND SOMIT BEI DEN PFLEGEFACHPERSONEN. dass auch die verordneten Medikamente über die Sonde vergeben werden. Dazu müssen diese in der Regel zerkleinert und mit neutraler Flüssigkeit durch den Schlauch injiziert werden. Auf ausreichendes Spülen des Schlauchs ist dabei zu achten, um Reaktionen der Medikamente untereinander oder mit Nahrungsbestandteilen und Verstopfen der Sonde zu verhindern. Teils wird dabei außer AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

Acht gelassen, dass nicht jedes Medikament dazu bestimmt ist, im Magen aufgelöst zu werden. Dragees oder Kapseln werden vom Hersteller oft mit säurefester Beschichtung hergestellt, damit diese den Magen unbeschadet passieren, erst im Darm resorbiert und ihre Wirkung dann entfalten können. Werden sie zerkleinert und über die Sonde in den Magen gegeben, so gibt es keine Wirkung mehr, da die Stoffe von der Säure zersetzt werden. In solchen Fällen ist es notwendig, mit dem Behandler zu besprechen, welche Medikamente alternativ gegeben werden können oder ob es andere Möglichkeiten der Zufuhr gibt. Meist hilft hier auch der Beipackzettel der Medikamente weiter, der Hinweise enthält, wie das Medikament wirkt. Betäubungsmittel: Menschen mit chronischen Schmerzen werden zur Stabilisierung der Schmerzsituation regelmäßig mit stark wirksamen Analgetika behandelt, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Werden solche Medikamente in der Verantwortung der Pflegeeinrichtung verwahrt und vergeben, so unterliegen sie besonderen Aufzeichnungspflichten.

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DIE PFLEGEFACHPERSON IST DABEI AUCH VERANTWORTLICH DAFÜR, DASS DURCH REGELMÄSSIGE VERABREICHUNG DER ANALGETIKA DIE SCHMERZSITUATION STABIL BLEIBT UND GGFS. BEI ÄNDERUNGEN WEITERE MASSNAHMEN MIT DEM BEHANDLER ABGESPROCHEN UND EINGELEITET WERDEN.


Foto: Pressmaster_shutterstock

Medikamentenmanagement

Der Bestand, Zugänge und jede einzelne Entnahme sind auf einem Medikamentenblatt mit Handzeichen einzutragen, um den Verbleib nachzuweisen und Missbrauch auszuschließen. Die Pflegefachperson ist dabei auch verantwortlich dafür, dass durch regelmäßige Verabreichung der Analgetika die Schmerzsituation stabil bleibt und ggfs. bei Änderungen weitere Maßnahmen mit dem Behandler abgesprochen und eingeleitet werden. Die Vielzahl der möglichen Situationen bei der Übernahme dieser verantwortungsvollen Aufgabe können im Rahmen dieses Artikels nur bezogen auf die häufigsten Situationen beleuchtet werden. Zweifellos bedarf die Ausübung voller Konzentration und fachlicher Qualifikation, die letztlich nur die Pflegefachpersonen im Rahmen ihrer Ausbildung erfahren. Im Zuge des Fachkräftemangels wur-

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de in den letzten Jahren durch nachgeschobene Regelungen ein Teil der Aufgaben auch an einjährig examinierte Kranken- und Altenpflegehelfer zur Delegation ermöglicht, da auch diese eine teilweise Ausbildung in pharmakologischen Fächern erhalten, aber insgesamt in geringerem Umfang. Letztlich kann das Ganze aber nur funktionieren, wenn die Professionen zusammenarbeiten und die notwendigen Informationen allen zur Verfügung stehen.

Dr. Martin Canzler

Bereichsleiter Externe Qualitätssicherung in Pflegeeinrichtungen Beratungsangebot Pflege Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Rheinland-Pfalz

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Schwerpunktthema

ARZNEIMITTEL-THERAPIESICH

TEAMWO Das Medikamentenmanagement nimmt innerhalb der Versorgung durch Pflegefachpersonen einen hohen Stellenwert ein. Sowohl die Medikamentenbeschaffung, die Verwaltung und Lagerung als auch die Verabreichung liegen überwiegend in den Händen der Pflegefachpersonen. In den letzten Jahren bekam das Fehlermanagement in der Arzneimittelversorgung besondere Aufmerksamkeit. Der nachfolgende Beitrag gibt einen Überblick über den Wissensund Diskussionsstand zur Arzneimittel-Therapiesicherheit (AMTS).

GEF

Arzneimittel-Therapiesicherheit

Es liegen verschiedene Untersuchungen vor, die Auskunft darüber geben, welche Fehler sich in der Arzneimittelversorgung ergeben. Dabei werden Fehler von der

Foto: Syda Productions_s

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Arzneimittel-Therapiesicherheit

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HERHEIT.

IST RK FRAGT!

Sigfried Huhn Helena Melikov

shutterstock

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Schwerpunktthema

Verordnung durch den Arzt bis zur Vergabe an die Patienten oder Bewohner festgehalten. Daraus ergibt sich folgendes Bild: Fehler bei der › Verordnung 56 % › Übertragung 6 % › Bereitstellung 4 % › Anwendung 34 % — Verordnungsfehler beziehen sich auf die Arzttätigkeit. Häufig werden Medikamente falsch, in falscher Zusammensetzung oder in fehlerhafter Kombination mit anderen Arzneimitteln verordnet. Oft kommt es auch vor, dass unterschiedliche Ärzte Medikamente verordnen, die miteinander unerwünschte Wirkungen eingehen können und eine Veränderung der Therapie zur Folge haben. — Übertragungsfehler entstehen dann, wenn Medikamente vom Rezept in die eigene Dokumentation übertragen werden. Häufige Fehler liegen hier meist in der falschen Dosierung oder der zeitlichen Zuordnung der Medikamente. — Bereitstellung beschreibt den Schritt von der Entnahme aus der

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Originalpackung bis zur Verabreichung. Sehr oft wird nicht berücksichtigt, dass manche Medikamente bis zur Verabreichung in der Originalverpackung verbleiben müssen, weil sie besonders luft- oder lichtempfindlich sind. Auch das zu frühe Stellen von Tropfen oder das Vermischen verschiedener Tropfenarzneien kann zu Wirkveränderung führen und darf nicht sein. — Anwendungsfehler stellen innerhalb der pflegerischen Versorgung mit Abstand den höchsten Fehleranteil dar. Ein häufiger Anwendungsfehler liegt in der Veränderung der Fertig­ arzneimittel, etwa durch Zerstoßen, Auflösen in Flüssigkeit oder Öffnen von Kapseln. Eine weitere Fehlerquelle liegt im Verabreichen aller Medikamente gleichzeitig zu den beschriebenen Zeiten, ohne dass Wechselwirkungen einzelner Arzneien berücksichtigt werden. Häufig werden Medikamente zu den Mahlzeiten vergeben, ohne dabei zu bedenken, ob die Verabreichung mit gleich-


Arzneimittel-Therapiesicherheit

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HÄUFIG WERDEN MEDIKAMENTE ZU DEN MAHLZEITEN VERGEBEN, OHNE DABEI ZU BEDENKEN, OB DIE VERABREICHUNG MIT GLEICHZEITIGER ESSENSAUFNAHME ERWÜNSCHT IST ODER ZU EINER UNERWÜNSCHTEN WIRKUNG FÜHREN KANN. zeitiger Essensaufnahme erwünscht ist oder zu einer unerwünschten Wirkung führen kann. Lebensmittel haben in der Regel einen Einfluss auf die Arzneimittelaufnahme. Die Angabe zur Einnahme vor dem Essen bedeutet 30 bis 60 Minuten vor der Nahrungsaufnahme, die Angabe nach dem Essen 60 bis 120 Minuten nach der Nahrungsaufnahme. Medikamente werden am besten im Stehen mit reichlich Flüssigkeit geschluckt. Bei der Einnahme im Sitzen ist unbedingt auf aufrechtes Sitzen zu achten. Im Liegen oder halb liegend sollten keine Arzneimittel verabreicht werden, weil diese oft nicht in den Magen gelangen, sondern in der Speiseröhre

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Schwerpunktthema

hängenbleiben. Das bedeutet einen Wirkstoffverlust und kann zu Verätzungen in der Speiseröhre führen.

Medikationsplan

Seit 1. Oktober 2016 müssen niedergelassene Ärzte für ihre Patienten Medikationspläne erstellen, wenn diese mehr als drei Medikamente einnehmen. Das ist eine gesetzliche Vorgabe zur Arzneimittel-Therapiesicherheit. Der Medikationsplan soll folgende Angaben enthalten (ARMIN 2013): › Name, Vorname, Geburtstag ›  alle Medikamente, die eingenommen werden › nicht verordnete/selbst gekaufte Medikamente ›  Wirkstoff und Handelsname der Medikamente › Stärke und Verabreichungsform der Medikamente › Einnahmezeiten › Grund der Einnahme und Anwendung › ggf. Hinweise zu Lagerung und Zubereitung AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

SEIT 1. OKTOBER 2016 MÜSSEN NIEDERGELASSENE ÄRZTE FÜR IHRE PATIENTEN MEDIKATIONSPLÄNE ERSTELLEN, WENN DIESE MEHR ALS DREI MEDIKAMENTE EINNEHMEN. Für Krankenhausärzte besteht keine Verpflichtung, einen Medikationsplan zu erstellen. Nach einem Krankenhausaufenthalt kennen jedoch die wenigsten Patienten die Medikamente, die ihnen während des Aufenthalts verordnet worden sind und die sie zu Hause weiter einnehmen müssen. Daher besteht ein Risiko, dass nach der


Arzneimittel-Therapiesicherheit

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sichern. Über einen Medi­kationsplan könnten Wissens­ defizite möglicherweise abgefangen und damit das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen minimiert werden.

Teamwork ist angesagt

Entlassung Medikamente nicht oder nur unzureichend und nicht sachgerecht eingenommen werden. Besonders bei längerem Aufenthalt in Krankenhäusern und Rehakliniken zeigt sich häufig der Effekt, dass Patienten wenig über die Wirkung der ihnen verordneten Medikamente wissen und in Bezug auf ihre Behandlung resignieren. Zudem fehlen die Informationen über verschriebene Medikamente nicht selten auch den weiterbehandelnden Ärzten, was das Risiko der Verordnung interagierender Medikamente erhöht. Auch den in die Nachsorge eingebundenen Angehörigen und Pflege­ diensten fehlen diese notwendigen Informationen, um die Versorgung zu

Aus der Fehlererhebung lässt sich ableiten, dass Fehler in der Arzneimittelversorgung durch alle beteiligten Akteure und auf allen Ebenen auftreten. Arzneimittel-Therapiesicherheit setzt an jeder dieser Ebenen an und ist von der Sorgfalt und der Beobachtung jeder Person abhängig. Pflegefachpersonen bilden die Transferebene zu allen Schnittstellen. Sie können durch die Krankenbeobachtung und Beschreibung des Beschwerdebildes zur Diagnostik beitragen. Im Austausch mit Apothekern erfahren sie die zu beachtenden Besonderheiten in der Aufbewahrung, Bereitstellung und Anwendung der Medikamente, was zu einer Verbesserung in diesen Ebenen führen kann. Ein Medikationsplan kann in die eigene Dokumentation übernommen werden und so Übertragungsfehler ausschließen. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

Ablauf AMTS

› Beschwerdebild des Patienten › Bewertung aktueller Medikation › Arzneiverordnung durch den Arzt › Bereitstellung durch die Apotheke › Verwaltung durch Station/Wohnbereich › Verabreichung durch Pflegefachpersonen › Monitoring durch Gesamtteam ›  Feedback an Arzt durch Gesamtteam/Therapiekonferenz ›  Neubewertung der Medikation durch Arzt

Therapie-Monitoring

Eine weitere Herausforderung in der Arzneimitteltherapie liegt in der Überwachung der Arznei-

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wirkung (Monitoring). Normalerweise soll der Arzt angeben, welche prüfbaren Veränderungen durch das Medikament erreicht werden sollen. Pflegefachpersonen und andere beteiligte Akteure haben dann die Möglichkeit, die Wirkung zu prüfen und entsprechend an den Arzt zurückzumelden. Leider unterbleibt das zu häufig, womit sich die Therapie vage zwischen Wünschen und Hoffen bewegt, aber nicht fundiert kontrolliert wird. Besonders unter dem Aspekt der Polypharmazie, der unerwünschten Arzneimittelwirkung und der Überzeugung, die Medikation der alten Menschen zu reduzieren, kommt dem Monitoring hier eine hohe Bedeutung zu.


Arzneimittel-Therapiesicherheit

Fragen zum Monitoring

› Welches Beschwerdebild führt zur Medikation? › Wie häufig treten die Beschwerden auf? › Welche Veränderung soll das Medikament bewirken? › In welcher Zeit soll die Veränderung auftreten? › Wie lässt sich die Veränderung beobachten? › Wie lässt sie sich beschreiben? › Welche unerwünschten Wirkungen können auftreten? › Gibt es Absprachen im Umgang mit unerwünschten Wirkungen? › Wann soll ggf. die Medikation verändert werden? (z. B. Dosis verringern oder erhöhen) › Wann soll die Medikation abgesetzt werden und wie? › Wer ist wann zu benachrichtigen? › Wo werden diese Informationen gespeichert/dokumentiert?

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Die 5 + 5 + 2-Regel zur AMTS in der Pflege › dem richtigen Patienten/Bewohner › das richtige Medikament/den richtigen Wirkstoff › in der richtigen Dosierung › in der richtigen Darreichungsform › zum richtigen Zeitpunkt

plus

› die richtige Anwendung und Anwendungsdauer › die richtige Aufbewahrung › das richtige Risikomanagement › die richtige Dokumentation › die richtige Entsorgung

plus

› Monitoring › Feedback

Siegfried Huhn (M.A.)

Krankenpfleger für Geriatrische Rehabilitation Studium Gesundheitswissenschaften, Sozial- und Bildungswissenschaft

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Schwerpunktthema

PILLEN FÜR ZU HAUSE?

Alexander Wildberger

DARF EINE PFLEGEFACHPERSON EINEM PATIENTEN MEDIKAMENTE MIT NACH HAUSE GEBEN?

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Im Rahmen der geltenden Versorgungsstrukturen endet die Versorgung eines stationär aufgenommenen Patienten durch das Krankenhaus in der Regel mit der Entlassung aus der stationären Behandlung. Es ist grundsätzlich nicht vorgesehen, dass Medikamente vom Krankenhaus mitgegeben werden. Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn die Entlassung unmittelbar vor einem Wochenende (an einem Freitag oder Samstag) oder einem Feiertag stattfindet, da es in dieser Situation nicht ohne Weiteres möglich sein kann, am Folgetag der Entlassung ein Rezept von einem niedergelassenen Arzt zu erhalten. Dann darf das


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Foto: TijanaM_shutterstock

Entlassungsmedikation

Krankenhaus dem Patienten Medikamente für maximal drei Tage mitgeben, um das Wochenende bzw. den Feiertag zu überbrücken. Im Anschluss daran muss ein Rezept durch einen niedergelassenen Arzt ausgestellt werden, um die weitere Versorgung mit Medikamenten sicherzustellen. Um die Übergangsphase von der stationären in die ambulante Versorgung für den Patienten zu vereinfachen, wurde durch den Gesetzgeber für die Zukunft die Möglichkeit eines Entlassungsmanagements vorgesehen. Hierbei wird es u. a. ermöglicht, dass bereits die Ärzte im Krankenhaus ein

Rezept für die Zeit nach der Entlassung ausstellen dürfen, das dann direkt in einer Apotheke eingelöst werden kann. Hiermit kann die Versorgung des Patienten mit Medikamenten für bis zu sieben Tage sichergestellt werden, bevor eine Anschlussverordnung durch niedergelassene Ärzte ausgestellt werden muss. Die konkreten Vereinbarungen zwischen den beteiligten Partnern im Gesundheitswesen, die die genaue Ausgestaltung des Entlassungsmanagements festlegen, werden derzeit erstellt. Im Rahmen der Entlassung aus der stationären Behandlung soll bereits AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

jetzt ein Entlassungsbrief durch das Krankenhaus erstellt werden. Dieser wird im Regelfall direkt an den einweisenden Arzt bzw. den behandelnden Hausarzt gesendet. In diesem Entlassungsbrief sollen die festgestellten Befunde sowie die durchgeführten Maßnahmen erläutert werden. Weiterhin sollen Empfehlungen für die weitere Behandlung und die weitere Medikation abgegeben werden. Da es sich gerade im pflegerischen Bereich zunehmend um Patienten handelt, die an mehreren Erkrankungen leiden und in der Regel mehrere Arzneimittel gleichzeitig einnehmen, sind Therapieentscheidungen im Hinblick auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen der Arzneimitteltherapie grundsätzlich den behandelnden Ärzten vorbehalten. Dies gilt auch für die Durchführung der Therapie. Daher dürfen Änderungen bei der Behandlung wie z. B. Veränderungen der Dosierung oder der Einnahmeintervalle von Arzneimitteln nicht allein durch das Pflegepersonal erfolgen. Ebenso sollte sichergestellt werden, dass ärztliche Vorgaben zur Einnahme von

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Alexander Wildberger

Geschäftsbereichsleiter Pflege und Demografie der AOK Rheinland-Pfalz/ Saarland – Die Gesundheitskasse


Entlassungsmedikation

Medikamenten durch die Patienten eingehalten werden. Auch die Einnahme von „Hausmitteln“ oder nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sollte den behandelnden Ärzten unbedingt mitgeteilt werden, da sich hierdurch zum Teil Wechselwirkungen mit bestehenden Arzneimitteltherapien ergeben können.

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Für das Pflegefachpersonal gilt daher, dass dem Patienten mit Entlassung aus dem stationären Aufenthalt unmittelbar eine Vorstellung bei einem niedergelassenen Arzt empfohlen wird, um die weitere Versorgung mit Medikamenten sicherzustellen. Eine Versorgung durch das Krankenhaus über den stationären Aufenthalt hinaus findet bislang noch nicht regelmäßig statt. Dies kann erst mit Inkrafttreten der Vereinbarungen zum Entlassungsmanagement geschehen, was laut GKV-Spitzenverband zum 1. Juli 2017 geschehen soll. Sollte es bei der Pflege zu Problemen oder Fragen im Zusammenhang mit einer Entlassungsmedikation kommen, so sollte grundsätzlich Rücksprache mit den behandelnden Ärzten gehalten werden. Generell ist eine gute Kommunikation zwischen Pflegefachpersonal und Behandlern wichtig, damit auch sämtliche Aspekte aus dem pflegerischen Alltag im Rahmen der Therapieentscheidung bei Entlassung berücksichtigt werden können.

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Schwerpunktthema

Immer mehr Menschen erreichen heute ein hohes Lebensalter. Damit verbunden sind ein immer besserer Gesundheitszustand, eine längere Leistungsfähigkeit und ein hoher Anspruch an die gesundheitliche Betreuung. Das lässt sich häufig nur über die Einnahme einer Vielzahl von Medikamenten erreichen: Im Schnitt nimmt jeder über 60-Jährige drei rezeptpflichtige Medikamente ein, ab 75 bis 80 sind es sogar über acht Präparate – obwohl wir wissen, dass ab fünf Medikamenten keine Vorhersage mehr über Interaktionen möglich ist!

Foto: tommaso lizzul_shutterstock.com

POLYPHARMAZIE IM ALTER

WENN MEDIKAME ZU EINEM RISIKO WERDEN!

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Polypharmazie im Alter

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Da verwundert es nicht, dass viele Patienten wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen notfallmäßig stationär eingewiesen werden. Und fast die Hälfte dieser Patienten unterliegt dann auch noch einem Medikationsfehler.

Anke Richter

Was können wir tun?

Unser Ziel ist der Erhalt der Gesundheit und des körperlichen Wohlbefindens. Die Behandlung von chronisch kranken und multimorbiden Patienten ist eine Herausforderung für das ärztliche Team und auch für die Pflegefachpersonen, die täglich mit den Patienten zu tun haben. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Schwerpunktthema

Foto: tommaso lizzul_shutterstock.com

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Die Polypharmazie ist multifaktoriell bedingt. Die Behandlung kann Akuterkrankungen, aber auch altersbedingte „Befindlichkeitsstörungen“ wie chronische Schmerzen, Schlafstörungen, Inkontinenz und Mobilitätseinschränkungen umfassen. Probleme in der Therapie sind altersbedingte Stoffwechselstörungen, Leitlinien, Adhärenz, freiverkäufliche Medikamente und die Verordnung durch verschiedene Fachdisziplinen. All diese Faktoren führen unweigerlich zu unüberschaubaren Neben- und Wechselwirkungen. Die altersbedingten Stoffwechselstörungen gilt es zu beachten. Ein bekanntes Beispiel ist die Nierenfunktion, die mit zunehmendem Alter kontinuierlich schlechter wird, sodass gewisse Medikamente bei älteren PaAUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

tienten nach Möglichkeit nicht mehr gegeben werden sollten. Freiverkäufliche Präparate werden häufig in der Anamnese vom Patienten nicht angegeben, doch auch mit diesen kann es zu Interaktionen kommen. Und darüber hinaus: Fünf Erkrankungen bedeuten nicht zwingend, dass fünf verschiedene Medikamente eingenommen werden müssen. Auch Leitlinien sind durchaus kritisch zu betrachten, da viele Leitlinienempfehlungen auf Studien beruhen, die nicht mit alten Menschen durchgeführt wurden. Je mehr Medikamente der Mensch einnehmen muss, desto schlechter ist die Adhärenz. Die medikamentöse Therapietreue liegt in Industrieländern bei chronischen Erkrankungen bei nur etwa 50 Prozent.

Und wir können viel tun!

Die medikamentöse Therapie im Alter ist individuell anzupassen. Medikamente müssen aufeinander abgestimmt und der Patient sollte in diese Diskussion miteinbezogen werden. Das bedeutet, dass ein alter Mensch eben nicht immer nach Leitlinie therapiert wird und dass möglicherweise in Abwägung der Gesamtsituation nicht jede Erkrankung behandelt werden kann. Mit Einbeziehung des Patienten (partizipative Entschei-


Polypharmazie im Alter dungsfindung) fördert man auch seine Adhärenz. Dies lässt sich nur in einem Zentrum der Versorgung umsetzen: in der Hausarztpraxis und in guter Kooperation mit den Pflegediensten.

Dauerhaft heißt nicht zwingend für immer.

Therapieoptimierung bedeutet regelmäßige Überprüfung der Medikation – gerade bei den Hausbesuchspatienten –, aktualisierte Medikationspläne, Anamneseerhebung frei verkäuflicher Medikamente, aber auch, den Patienten in Hinblick auf Interaktionen zu beobachten und die Medikamenteneinnahme zu überprüfen. Das ist keine rein ärztliche Tätigkeit, sondern funktioniert im Idealfall in Teamwork zwischen Pflegefachpersonen und Arzt.

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Unser aller Ziel: quartäre Prävention, d. h. nur so viele Medikamente wie nötig!

Dies ist ein hoher Anspruch an alle, die mit pflegebedürftigen Menschen zu tun haben. Die Erkrankungen des multimorbiden Patienten sollten unter Bezugnahme des sozialen Umfeldes, seines Allgemeinzustandes und im Rahmen einer partizipativen Entscheidungsfindung therapiert werden. Interaktionen werden wir nicht vermeiden können, aber Medikationsfehler schon! Und wenn auch der Arzt in der Verantwortung steht, ist es Aufgabe eines jeden, der mit Pflege zu tun hat, darauf zu achten, dass dies nach Möglichkeit nicht passiert! Die nachfolgenden Listen geben dazu eine gute Hilfestellung.

Foto: tommaso lizzul_shutterstock.com

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Schwerpunktthema

Anerkannten Listen, die die Medikationsüberprüfung unterstützen, fiden Sie nachfolgend in der Übersicht:

START-STOPP-LISTE Welches Medikament kann bei bestehender Indikation abgesetzt werden, welches nicht? MAI-LISTE – MEDICATION APPROPRIATENESS INDEX Strukturierte Überprüfung der Medikation Schon in den 90er-Jahren wurde die MAI-Methode von Joseph Hanlon veröffentlicht. Neben den bisherigen Kriterien, die sich an möglichen Nebenwirkungen orientierten, berücksichtigt die MAI-Methode auch andere Aspekte der Arzneimitteltherapie wie Indikation, Effektivität oder Therapiedauer. Zehn Fragen, die jeweils auf einer Skala von 1 (geeignet/angemessen) bis 3 (nicht geeignet/nicht angemessen) beantwortet werden, führen zu einem Eindruck der Eignung jedes einzelnen Arzneimittels. Weitere Informationen sind ebenfalls in den benannten Leitlinien nachzulesen.1 AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

Hierbei handelt es sich um zwei Instrumentarien, die zur Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen entwickelt wurden, und zwar von der irischen Arbeitsgruppe um Gallagher und O'Mahony. STOPP steht für "Screening Tool of Older Persons’ potentially inappropriate Prescriptions" und soll anhand von 65 Kriterien nach Arzneistoffgruppen und einzelnen Wirkstoffen die Überprüfung von Medikationsplänen ermöglichen. START – "Screening Tool to Alert doctors to Right Treatment" – umfasst eine Indikatorenliste von 22 Punkten zur Erleichterung der Arzneimittelauswahl. Die sogenannte START-STOPP-Liste lässt sich allerdings nur eingeschränkt auf Deutschland übertragen. Weitere Informationen hierzu gibt es in den Leitlinien zur Multimedikation.1


Foto: Hausärzteverband Westfalen-Lippe

Polypharmazie im Alter

FORTA – FIT FOR THE AGED Adäquate Medikation des alten Menschen Martin Wehling hat 2008 ein neues Bewertungssystem für Arzneimittel nach ihrer Alterswirksamkeit und -verträglichkeit vorgeschlagen. Das FORTA-Prinzip bewertet Arzneimittel nach ihrem Nutzen-Risiko-Profil und ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit im Alter. Dafür werden Arzneimittel in vier Kategorien von A = unbedingt geben bis D = unbedingt vermeiden eingeteilt.1,2

PRISCUS-LISTE Aufführung von Medikamenten mit hohem Risiko für UAW und sicheren Alternativen Da es keine anerkannte und aussagekräftige Auflistung potenziell inadäquater Arzneimittel für ältere Patienten für den deutschen Verschreibungsmarkt gab, wurde vom Forschungsverbund PRISCUS (lat.: „alt, altehrwürdig“) unter der Leitung von Prof. Petra Thürmann eine Liste mit Arzneistoffen erarbeitet, die bei älteren Menschen vermieden werden sollten. Diese wurde erstmals 2010 veröffentlicht.3

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Anke Richter

Fachärztin für Innere Medizin, Palliativmedizin – hausärztliche Geriatrie

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1 Quelle: AWMF Hausärztliche Leitlinie Multimedikation 2 Quelle: FORTA 3 Quelle: PRISCUS

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Schwerpunktthema

Medikamentenmanagement in der Pflege:

DER DROPS IST NOCH NICHT GELUTSCHT! Markus Lauter

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Empowerment der Pflegenden

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Fachgerechte Pflege ist auch adäquater Umgang mit Medikamenten.
Dabei geht es um weit mehr als die Medikamentengabe bei pflegebedürfenden Menschen mit hohem Hilfebedarf oder mangelnder Therapietreue. Denn gutes Medikamentenmanagement umfasst die Organisation des gesamten Prozesses von Bestellung, Lagerung, Herrichtung und Verabreichung bis hin zur vollständigen Dokumentation.

Foto: Picsfive_shutterstock

Medikamentenmanagement kostet Zeit

Ein adäquater Umgang mit Medikamente ist oft zeitaufwendig, kompliziert und risikobehaftet. Häufig kommt es zu einer störanfälligen Mehrfachdokumentation: Die ärztliche Anordnung wird teilweise noch immer auf einen Anordnungsbogen und von dort auf einen Medikamentenbogen übertragen, um mancherorts zusätzlich im Pflegebericht Erwähnung zu finden. Die erforderliche Kommunikation der Pflegefach-

personen mit den anderen raubt allen Akteuren wichtige Zeit. Um- und abwegige Prozesse verkomplizieren oftmals das Medikamentenmanagement. Problematisch ist das für alle Beteiligten: Für die pflegebedürfenden Menschen erwächst ein Risiko für deren Gesundheit, während es sich für Pflegefachpersonen häufig zum Stressfaktor und zur Fehlerquelle entwickelt, und für die Versichertengemeinschaft ergeben sich höhere Kosten, wenn Pflegepersonal und Ressourcen unnötig beansprucht werden.

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Schwerpunktthema

Haftungsrecht als Damoklesschwert

Medikamentenmanagement ist Teil der Behandlungspflege und damit professioneller Fachpflege. Sie wird zwar durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt verordnet, aber delegiert und von Pflegefachpersonen durchgeführt. Die Verantwortung für die Verordnung liegt bei der oder dem Verordnenden. Die Durchführungsverantwortung liegt bei der durchführenden Pflegefachperson. In einer wirksamen Verordnung legt die Ärztin oder der Arzt einen detaillierten Handlungsrahmen für die Pflegefachperson fest. Trotzdem findet sich das Medikamentenmanagement in so mancher Pflegeplanung wieder. Es scheint fast, als schwebe die Angst vor haftungsrechtlichen Konsequenzen wie ein Damoklesschwert über der Pflegearbeit. Doch eine vollständige Dokumentation macht noch keine gute Pflege, oder? AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

DIE VERANTWORTUNG FÜR DIE VERORDNUNG LIEGT BEI DER ODER DEM VERORDNENDEN. DIE DURCHFÜHRUNGSVERANTWORTU LIEGT BEI DER DURCHFÜHRENDEN PFLEGEFACHPERSON.


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Foto: Robert Kneschke_shutterstock

Empowerment der Pflegenden

Emanzipation und Organisation

Wie können pflegebedürfende Menschen Sicherheit gewinnen, während Pflegende weniger Zeit verlieren? Es könnte eine einfache „Make or buy“-Entscheidung der professionellen Pflege werden – zwischen Ablehnung und Übernahme des Medikamentenmanagements. Eine Frage der Emanzipation der Pflegenden. Die R-Regeln sind landläufiges

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Expertenwissen von Pflegenden. Es gibt sie als 6-, 7-, 9- und 10-Variante. Vielleicht ist es jedoch an der Zeit, die Regel um ein weiteres „R“ zu erweitern: „R“ wie richtige Organisation. Je mehr Parteien am Medikamentenmanagement beteiligt sind, desto unübersichtlicher und aufgeblähter zeigt sich die Organisation. Wie wäre es, das Medikamentenmanagement hautnah an den Bedürfnissen desjenigen zu orientieren, der eine medikamentöse Therapie benötigt? Wie wäre es, wenn nicht länger die Ärztin oder der Arzt Auftraggeber der Pflegefachpersonen wäre, sondern der pflegebedürfende Mensch selbst? Um zu verhindern, dass eine Hand nicht weiß, was die andere tut, tut also eines not: Kommunikation aus einer Hand! Pflegefachpersonen könnten dies gewährleisten. Denn sie übernehmen ohnehin schon jetzt die Kern­aufgaben im Medikamenten­manage­ment. Ein wenig darüber hinaus ginge die Emanzipation zu dem einen Ansprech­partner für pflege­ bedürfende Menschen in Fragen der Medikation. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

WIE WÄRE ES, WENN NICHT LÄNGER DIE ÄRZTIN ODER DER ARZT AUFTRAGGEBER DER PFLEGEFACHPERSONEN WÄRE, SONDERN DER PFLEGEBEDÜRFENDE MENSCH SELBST? Agiles Medikamentenmanagement

Agilität ist ein Modebegriff aus dem Management. Agilität beschreibt eine Arbeitsweise, die sich nah am Kunden und dessen Bedürfnissen orientiert. Insofern könnte die Emanzipation der Pflegenden zu dem einen Ansprechpartner für pflegebedürfende Menschen in Fragen der Medikation auch zu mehr Agilität im Medikamentenmanagement führen. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

Pflegefachpersonen könnten eigenständig Veränderungen am Medikationsplan vornehmen. So könnte die Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen im Gesundheitszustand des pflegebedürfenden Menschen verbessert werden. Pflegebedürfende Menschen erhielten ihre Medikation zeitnah und dem jeweiligen Bedarf angepasst. Somit könnten dadurch auch Kosten des Medikamentenmanagements gesenkt und personelle Ressourcen


Empowerment der Pflegenden

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effizienter genutzt werden. Je weniger Personengruppen beteiligt wären, desto niedriger wären die Kosten.

Foto: Alliance_shutterstock

Her mit dem Expertenstandard!

Mit dem Ziel, die Dienstleistungs­ qualität für pflegebedürfende Menschen zu erhöhen, sollte das Medikamentenmanagement verbessert werden. Dazu könnten Pflegende im Rahmen der Neustrukturierung der Pflegeausbildung darum ringen, relevante Inhalte in der Ausbildung zu etablieren oder zu vertiefen. Die Pflegewissenschaft könnte die aktuelle Studienlage zum Medikamentenmanagement ausbauen. Damit könnte die Grundlage für einen Expertenstandard geschaffen werden, der wiederum Sicherheit und gleichbleibende Qualität garantiert. Von gutem Medikamentenmanagement profitieren alle: pflegebedürfende Menschen, Pflegende und die Gemeinschaft der Versicherten. Gutes Medikamentenmanagement braucht eine starke Pflege.

Markus Lauter

ist Pflegejournalist, LiveBlogger, Ghostwriter und Kolumnist. Er wohnt in Berlin und ist freiwilliges Mitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

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Schwerpunktthema

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Compliance bei Demenz

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ZWISCHEN FÜRSORGEPFLICHT UND SELBSTBESTIMMUNGSRECHT Wenn Medikamentengabe zur Herausforderung wird Kristina Ursič Ramona Ring

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Schwerpunktthema

Kein anderer kennt die Schwierigkeiten im Umgang mit und in der Versorgung von an Demenz erkrankten Menschen besser als diejenigen, die besonders viel Zeit mit ihnen verbringen – die Pflegefachpersonen und ganz besonders die Altenpflegerinnen und Altenpfleger. Menschen mit Demenz können krankheitsbedingt nicht über klassische Argumente oder vernunftbezogene Appelle zur Zusammenarbeit bewegt werden. Hier sind besondere Fähigkeiten und Kenntnisse vonnöten, um die Versorgung zu gewährleisten. Der Umgang mit demenzkranken Bewohnern erfordert viel Verständnis und Geduld, ganz besonders bei der Verabreichung der Medikation. Meinen Erfahrungen nach sind viele Fachkräfte bei der Betreuung von Demenzkranken schnell überfordert, wenn diese durch Unruhezustände besonders betreuungsaufwendig werden AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

DER UMGANG MIT DEMENZKRANKEN BEWOHNERN ERFORDERT VIEL VERSTÄNDNIS UND GEDULD, GANZ BESONDERS BEI DER VERABREICHUNG DER MEDIKATION. Schnell, oft zu schnell, wird der Wunsch dem Hausarzt gegenüber geäußert, ein Psychopharmakon zu verordnen. Oder, wenn bereits eine solche Bedarfsmedikation bei „Agitation“ verordnet ist, greifen Pflegefachpersonen – bedingt durch Personalengpässe und hohen Zeitdruck – schneller zur Bedarfsmedikation.


Compliance bei Demenz

Die Krux der Bedarfsmedikation bei Unruhezuständen

Formal führt der Einsatz beruhigender Psychopharmaka zur schnellen Fixierung durch Sedierung, was einer physischen Fixierung gleichkommt und eine Form des Freiheitsentzugs darstellt. Gleichwohl kann dies dem Schutz des Personals und des Betroffenen selbst dienen, eben je nach Ausprägung der „Unruhe”. Was jedoch daraus resultiert, sind unter anderem die Gefahr von Stürzen und eine Abhängigkeit von der Medikation. Bedarfsmedikation ist auch in Bezug auf Psychopharmaka sehr kritisch zu sehen, wenn der Bedarf ärztlicherseits nicht detailliert in der Verordnung beschrieben ist und es im Ermessen des Einzelnen liegt, den Bedarf zu interpretieren: Fachkraft A gibt eventuell schneller etwas als Fachkraft B. Warum? Weil jeder ein anderes Empfinden hat, was Unruhe bedeutet.

Organisatorische Besonderheit im Altenheimen

Des Weiteren besteht im Allgemeinen das Problem, Neurologen „ins Haus“ zu bekommen. Viele Fachärzte erkennen nicht die Notwendigkeit, ins Altenheim zu kommen und/oder

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haben keine Ressourcen dafür. Daher verordnet der Hausarzt Psychopharmaka und eine fachärztliche Beurteilung, die den Grund der Unruhe differenzialdiagnostisch abklären könnte, unterbleibt. Gleiches gilt häufig für die grundsätzliche Beurteilung, ob die kausale Therapie – nämlich die Behandlung der Demenz – optimiert werden muss oder kann. Sobald ein Bewohner gut eingestellt ist, wird dies nicht mehr infrage gestellt. Eine Über-

EINE ÜBERPRÜFUNG VON MEHRFACHMEDIKATIONEN ODER DIE BEOBACHTUNG VON MÖGLICHEN NEBENWIRKUNGEN BLEIBT IN DER REGEL EBENFALLS AUS. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

prüfung von Mehrfachmedikationen oder die Beobachtung von möglichen Nebenwirkungen bleibt in der Regel ebenfalls aus. Aber auch bei den fest angeordneten Medikamenten sind die Pflegefachkräfte mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Nämlich dann, wenn die Bewohner die Medikamenteneinnahme verweigern. Was kann man in solchen Situationen tun, wenn die Fürsorgepflicht erfüllt werden soll?

Das psychobiografische Pflegemodell nach Professor Erwin Böhm

Neben Methoden, wie zum Beispiel vorzugsweise Medikamente anzuwenden, die auch als Tropfen erhältlich sind, oder ähnlichem, verfolgen wir [... in unserem Wohnheim ...] den Ansatz von Prof. Erwin Böhm. Dieser basiert auf der Annahme, dass Menschen mit Demenz eben aufgrund ihrer Erkrankung nicht über die sogenannte Noopsyche (den Teil des Seelenlebens, der den Intellekt, das heißt den kognitiven Anteil der Psyche, betrifft) angesprochen werden sollten, sondern über die sogenannte Thymopsyche (den Teil des

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Compliance bei Demenz

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Seelenlebens, der die Affektivität, das Gemüt betrifft; „Welt der Gefühle“). Dies gilt insbesondere dann, wenn es darum geht, Vertrauen zu gewinnen und das Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Je nach Demenzgrad gibt es nach sieben dem Böhm’schen Modell unterschiedliche emotionale Interaktionsstufen (Erreichbarkeitsstufen), in denen sich der pflegebedürftige Mensch befinden kann und die jeweils einen speziellen Umgang mit den Betroffenen erfordern. Entsprechend kann daran auch die Medikamentengabe adaptiert werden.

Was bedeutet das konkret?

Es gilt, Impulse für den Demenzkranken zu finden, indem man ihn validiert und dort „abholt“, wo er gerade steht

WAS KANN MAN TUN, WENN DER BEWOHNER DIE MEDIKAMENTENEINNAHME VERWEIGERT? WENN GLEICHZEITIG DIE FÜRSORGEPFLICHT ERFÜLLT WERDEN SOLL? AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

Das kann im biografischen Zusammenhang erfolgen: was er beruflich getan oder was er gerne gegessen hat, zum Beispiel Leberwurst. Wird einem Bewohner diese Lieblingsspeise dann angeboten, befindet er sich in einem angenehmen und vertrauten Kontext und beschäftigt sich im positiven Erleben damit, d. h. er nimmt dann Tabletten ohne Probleme oder Widerstand ein. Aber auch Bezugspersonen oder mit positiven Eigenschaften belegte Personen können dabei hilfreich sein. So kann zum Beispiel bei einem russischen Patienten mit Demenzerkrankung die Versorgung und die Medikamentengabe durch russische Pflegefachpersonen erfolgen. Zusätzlich können unterstützende Rituale geschaffen werden, die den Bewohnern das Gefühl von Stabilität und Sicherheit vermitteln.

Welchen Handlungsbedarf gibt es?

Viele Fachkräfte kennen die rechtliche Lage nicht, und somit wäre es wünschenswert, durch adäquate Schulungen für mehr Wissen und Aufklärung zu sorgen. Fachkräfte akzeptieren kein „Nein“ von Demenzkranken und

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ES GILT, IMPULSE FÜR DEN DEMENZKRANKEN ZU FINDEN, INDEM MAN IHN VALIDIERT UND DORT „ABHOLT“, WO ER GERADE STEHT. versuchen trotz Widerstand, die Medikation erfolgreich zu verabreichen. Denn es stellt sich die Frage, wie weit der auferlegten Fürsorgepflicht Genüge getan wird, wenn wichtige Medikamente aufgrund des Selbstbestimmungsrechts des Bewohners nicht gegeben werden? Inwiefern ist ein Demenzkranker noch in der Lage, seine Anliegen frei und eigenverantwortlich zu gestalten? Dies ist von Fall zu Fall unterschiedlich, und die Pflegefachpersonen sollten zu diesem Thema anhand von Fallbesprechungen geschult werden. Insgesamt sollten alle an der Versorgung von Menschen in Heimen Beteiligten mehr für dieses Thema sensibilisiert werden.


Compliance bei Demenz

Im Lernvideo von „alzheimerpunktch“ wird über die Vielschichtigkeit der Problematik der Medikationsverweigerung diskutiert. Abschließend sei noch erwähnt, dass Angehörige theoretisch in die Versorgung ihrer Liebsten mit eingebunden werden könnten – gerade wenn es um die Medikamentengabe geht! Aber da diese häufig sehr emotional involviert sind, unterstützen sie uns Pflegefachpersonen in unserem Arbeitsalltag eher selten.

Kristina Ursič

ist Altenpflegerin aus Leidenschaft und Wohnbereichsleiterin im Seniorenzentrum Neuwied im Haus der Generationen.

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Wer ist dieser Böhm und was will er bezwecken? Professor Erwin Böhm wurde im Mai 1940 geboren, er ist gelernter Krankenpfleger und Gründer des psychobiografischen Umgangskonzepts. Oberstes Ziel der Böhm´schen Pflegephilosophie ist die psychische Wiederbelebung (Reaktivierung) des alten Menschen, die maximale Förderung der noch vorhandenen Ressourcen und die Anerkennung seiner psychobiografischen Identität. Professor Erwin Böhm sagt in seinem Konzept aus, dass man sich von 0 -25 Jahren in seinem Leben in der sogenannten. Prägungszeit befindet. Erkrankt ein Mensch an Demenz bzw. wird er verhaltensauffällig, findet eine Regression statt: die Zurückentwicklung in die Entwicklungsstufen. „Der Mensch geht zurück in die Zeit, wo alles besser war!“ Durch die Anwendung des Konzepts kommt es zu: › Symptomlinderung › Verhinderung eines Rückzugs › Erhöhung des Selbstwertgefühls › Verbesserung der Pflegequalität AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Rubrik Dana Lungmuss

WISSEN & LERNEN

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Wissen & Lernen

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Illustration als Wallpaper downloaden

108 MULTIRESISTENTE ERREGER: Klebsiella & Co. erfolgreich bekämpfen

118 4 FRAGEN – 4 ANTWORTEN Ihre Fragen an die Pflegekammer

und viele spannende Themen mehr

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Wissen & Lernen

Foto: tmcphotos_shutterstock

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Multiresistente Erreger

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Multiresistente Erreger (MRE):

KLEBSIELLA & CO. ERFOLGREICH BEKÄMPFEN AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Wissen & Lernen

Laut Angaben der WHO sterben jährlich etwa 700.000 Menschen weltweit an Infektionen mit multiresistenten Erregern. Wenn sich beim Einsatz von Antibiotika und bei den Hygienemaßnahmen nichts ändert und keinerlei Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wird sich die Zahl der Toten durch multiresistente Keime weiter drastisch erhöhen: Die britische Regierung schätzte im Jahr 2014, dass sie im Jahr 2050 die Anzahl der Patienten, die an Krebs versterben, übertreffen wird. Die WHO geht sogar so weit, dass sie von DER Bedrohung des post-antibiotischen Zeitalters spricht, was einem medizinischen Rückfall in Prä-Penicillin-Zeiten gleichkäme.

WHO-Liste als Orientierungshilfe pharmakologischer Zukunftsforschung

Um künftig rechtzeitig wirksame Medikamente zur Verfügung zu haben, wurde von der WHO eine Liste der für die Menschheit gefährlichsten Keime veröffentlicht. Diese Liste soll der Pharmaindustrie als Orientierung bei der Forschung und Entwicklung AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

LAUT ANGABEN DER WHO STERBEN JÄHRLICH ETWA 700.000 MENSCHEN WELTWEIT AN INFEKTIONEN MIT MULTIRESISTENTEN ERREGERN.

neuer Antibiotika dienen. Dabei wurden 12 Keime mithilfe eines Algorithmus, der von der Arbeitsgruppe um Frau Prof. Dr. Evelina Tacconelli entwickelt wurde, in drei Gruppen unterschiedlicher Priorität eingeordnet. Die sogenannten Carbapenem-resistenten Keime, die in Deutschland wenig verbreitet waren, aber seit 2012 bedrohlich ansteigen, wurden als besonders kritisch eingestuft.


Multiresistente Erreger

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DIE 12 ERREGER DER WHO-LISTE 1. Priorität: Kritisch › Acinetobacter baumannii, carbapenem-resistant › Pseudomonas aeruginosa, carbapenem-resistant › Enterobacteriaceae, carbapenem-resistant, ESBL-producing 2. Priorität: Hoch › Enterococcus faecium, vancomycin-resistant › Staphylococcus aureus, methicillin-resistant, vancomycin-intermediate and resistant › Helicobacter pylori, clarithromycin-resistant › Campylobacter spp., fluoroquinolone-resistant › Salmonellae, fluoroquinolone-resistant › Neisseria gonorrhoeae, cephalosporin-resistant, fluoroquinolone-resistant 3. Priorität: Mittel › Haemophilus influenzae, ampicillin-resistant › Shigella spp., fluoroquinolone-resistant

DIESE WHO-LISTE SOLL DER PHARMAINDUSTRIE ALS ORIENTIERUNG BEI DER FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG NEUER ANTIBIOTIKA DIENEN. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Wissen & Lernen

Welche Auswirkungen gerade die 3- oder 4-MRGNs (Multiresistente gramnegative Erreger, die gegen drei oder vier der existierenden Antibiotikaklassen resistent sind) haben können, zeigt sich aktuell am Frankfurter Universitätsklinikum, wo Teile der chirurgischen Intensivstation aufgrund des Nachweises von Klebsiella pneumoniae 4-MRGN (Carbapenem-resitenter Enterobacteriaceae) geschlossen wurden.

DART – die Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie

Bereits im Mai 2015 beschloss die Bundesregierung in Deutschland die Deutsche Antibiotika-ResistenzStrategie (DART  2020). Zu deren Kern­elementen zählt u. a., die Überwachungssysteme zu Antibiotikaresistenzen und zum Antibiotikaverbrauch auszubauen, um neue Erreger und Resistenzen frühzeitig zu erkennen;

MIT DIESER ANTIBIOTIKARESISTENZ-STRATEGIE NIMMT DEUTSCHLAND EINE VORBILDROLLE IN DER UMSETZUNG DES WHOAKTIONSPLANS EIN.

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Multiresistente Erreger

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Therapieoptionen durch sachgerechten Einsatz von Antibiotika zu erhalten; Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen und Infektionen zu vermeiden. Des Weiteren soll das Bewusstsein gefördert und Kompetenzen gestärkt sowie die Forschung und die Entwicklung neuer Medikamente unterstützt werden. Doch damit nicht genug: Medizinisches Fachpersonal und auch die Bevölkerung selbst sollen besser über die Problematik aufgeklärt werden. Mit der Antibiotika-ResistenzStrategie nimmt Deutschland eine Vorbildrolle in der Umsetzung des WHO-Aktionsplans ein. Zusätzlich hat Angela Merkel im Rahmen der G20-Präsidentschaft Deutschlands (vom 1. Dezember 2016 bis 30. November 2017) die Problematik der „Antimikrobiellen Resistenzen“ ganz oben auf die Agenda gesetzt.

Konsequenzen für den Arbeitsalltag

Neben den internationalen und nationalen Bemühungen kann jeder einzelne, der bei der Versorgung von Patienten involviert ist, einen Beitrag zur Vermeidung von Resistenzentwicklungen und der Verbreitung von Infektionen leisten. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Wissen & Lernen

Der bewusste und kontrollierte Einsatz der antimikrobiellen Medikamente, besonders im ambulanten Bereich, ist dabei ein wesentlicher Bestandteil – neben der Einhaltung allgemeiner Hygienemaßnahmen aller Beteiligten. Für das medizinische Fachpersonal gilt, sich über Hygienemaßnahmen zu informieren und diese umzusetzen. Das Robert-Koch-Institut gibt Empfehlungen zum Umgang mit MREs in der stationären Pflege aus und setzt damit den Rahmen der notwendigen Maßnahmen.

Klarer Zusammenhang zwischen Klinikinfektionen und Personalstand

Wie unterschiedliche Untersuchungen gezeigt haben, gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen der Anzahl der qualifizierten Pflegefachpersonen und der Anzahl der Klinikinfektionen. Je mehr Personal zur Versorgung der Patienten vorhanden ist, desto weniger nosokomiale Infektionen entstehen! Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Rate der ver-

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JE MEHR PERSONAL ZUR VERSORGUNG DER PATIENTEN VORHANDEN IST, DESTO WENIGER NOSOKOMIALE INFEKTIONEN ENTSTEHEN!


Multiresistente Erreger

meidbaren Infektionen nicht signifikant beeinflusst werden kann, wenn sich die Personalpolitik nicht entscheidend ändert. Um einen unter diesen Umständen kleinen, aber dennoch wichtigen Beitrag zu leisten, muss gerade die Basishygiene gewissenhaft durchgeführt werden. Je höher die Arbeitsdichte, desto mehr Händedesinfektion in Relation zur Häufigkeit des Patientenkontaktes! An dieser Stelle sei kurz auf die „Aktion Saubere Hände“ hingewiesen, die als nationale Kampagne die Verbesserung der Compliance der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen vorantreiben möchte. Pflegefachkräfte und Pflegedienstleitungen sind aufgefordert, Unterstützung einzufordern, sobald sie die Umsetzung von Hygienemaßnahmen nicht mehr gewährleisten können oder Schulungsbedarf erkennen. Gemeinsam mit den Ärzten und Hygienebeauftragten der Einrichtung lassen sich bei Defiziten der notwendigen Maßnahmen unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände Strategien entwickeln, um

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die größtmögliche Sicherheit der Patienten zu gewährleisten. Auch Patienteninformationsbroschüren helfen, Betroffene über regelmäßige und richtige Hygienemaßnahmen aufzuklären und Angehörige darüber zu informieren, wie man sich vor multiresistenten Keimen schützen (lw) kann. Weitere Informationen dazu www.bundesaerztekammer.de

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Wissen & Lernen Helena Melikov

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4

Fragen

4

Antworten

FRAGE

Antwort der PFLEGEKAMMER

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Weshalb muss ich als Altenpflegefachperson Mitglied in der Pflegekammer sein? Die Mitgliedschaft in der Landespflegekammer ist in der Tat gesetzlich verpflichtend. Rechtsgrundlage hierfür sind die Paragrafen 1 und 2 des Heilberufsgesetzes (HeilBG) des Landes. Diese Rechtssystematik gilt für alle Heilberufskammern in


4 Fragen 4 Antworten

FRAGE

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ganz Deutschland, also auch für die der Ärzte und der Apotheker. Zum Teil ist das Prinzip der verpflichtenden Mitgliedschaft sogar älter als die Bundesrepublik selbst. Daher kann eine gesetzliche Regelung für die Pflegekammer nicht anders aussehen. Für uns als Berufsgruppe besteht der Vorteil darin, dass wir als starke Einheit auftreten können und den mehr als berechtigten Anliegen der Pflegenden auf diese Weise kraftvoll Nachdruck verleihen.

Der ärztliche Direktor unserer Klinik hat in einer Mitarbeiterversammlung mitgeteilt, dass der Service für ambulante Privatpatienten verbessert werden soll. Leider war ich bei dieser Versammlung nicht dabei. Unsere Pflegedienstleitung hat dies aufgegriffen und konkretisiert: Wir Pflegefachkräfte sollen nun täglich ein paar Kannen Kaffee, heißes Wasser, Teebeutel, Zucker, Tassen, Besteck etc. bereitstellen und am späten Nachmittag auch wieder wegräumen. Das wäre ja nicht viel Arbeit, sagt sie. Beide haben uns nun schriftlich angewiesen, diesen „einfachen Schritt einer kundenorientierten Serviceleistung für unsere Patienten“ sicherzustellen. Muss ich das wirklich tun? Ich verstehe mich als Pflegefachkraft!

Antwort der PFLEGEKAMMER

Die Akquirierung und Betreuung von Privatpatienten ist für viele Kliniken sicher ein wichtiger ökonomischer Faktor. In der Regel werden solche zusätzlichen Serviceleistungen von Servicemitarbeitern geleistet. Zudem ist es schlicht unwirtschaftlich, gut qualifiziertes Pflegepersonal für hauswirtschaftliche Belange (nichts anderes ist AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Wissen & Lernen ja diese Art von Serviceleistungen) einzusetzen. Pflegefachpersonen haben ein anderes Aufgabengebiet. Die zukünftige Berufsordnung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz wird diese beschreiben.

FRAGE

Antwort der PFLEGEKAMMER

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Wie will sich die Pflegekammer für die Steigerung des Ansehens der Pflege in der Gesellschaft einsetzen? Die Pflegekammer will nicht der Pflege nicht nur eine Stimme geben, sie will sie sprachfähig im Sinne von diskussionsfreudig und durchsetzungsstark machen. Beruflich Pflegende sollten schon in der Ausbildung lernen, zu beschreiben, was sie tun, und ihre Ansichten zu vertreten. In der politischen Diskussion wird berufliche Pflege derzeit als Kostenfaktor diskutiert und nicht als stabile Säule der Gesellschaft oder des Gesundheitswesens. Während junge Mediziner oder andere vergleichbare Gesundheitsprofessionen (Apotheker, Psychotherapeuten) sehr deutlich auch in den politischen Gremien auf allen Ebenen (regional, auf Landes- und auf Bundesebene) mitagieren, haben beruflich Pflegende ihre richtige Identität und Rolle noch nicht gefunden. Hier sollte bereits in der Ausbildung angesetzt werden. Passend ist hier der berühmte Satz der Pflegewissenschaftlerin Norma Lang: „If we cannot name it,


4 Fragen 4 Antworten

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we cannot control it, finance it, teach it, research it or put it into public policy.“ [„Wenn wir es nicht benennen können, können wir es nicht kontrollieren, finanzieren, lehren, erforschen oder zur politischen Aufgabe machen.“] Grundsätzlich gilt: Alle, die etwas mit der Pflege zu tun haben, also die Pflegefachpersonen, aber auch grundsätzlich die Bevölkerung, pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige, können sich mit ihren pflegerelevanten Belangen an die Landespflegekammer wenden. Dies ist bereits heute so, und zukünftig gilt es, dieses Angebot auszubauen und bekannter zu machen.

FRAGE

Antwort der PFLEGEKAMMER

Können Sie mir sagen, wie ich mich für eine Pflegekammer in meinem Bundesland einsetzen kann? Hier tut sich gar nichts! Die Entwicklung in den Bundesländern ist sehr unterschiedlich. Zunächst gibt es in allen Bundesländern Landespflegeräte, die als Ansprechpartner gelten. Auch der deutsche Pflegerat (DPR) unterstützt hier bei der Kontaktaufnahme. Zukünftig wird es auf einer Homepage zur Bundespflegekammer Informationen zum Entwicklungsstand in den Bundesländern geben. Dies befindet sich derzeit noch im Aufbau. (rlp) AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Rubrik Dana Lungmuss

BERUF & PRAXIS

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Beruf & Praxis

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124 NOTAUFNAHMEN IN NOT Neues Gesetz soll zur Entlastung von Notaufnahmen beitragen. Was ändert sich?

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Beruf & Praxis Sebastian Klamke Uwe Lötzerich

Notaufnahmen von Krankenhäusern sind nach einer aktuellen Studie überlastet und unterfinanziert – nicht nur in Rheinland-Pfalz. Ein ärztlicher Schnellcheck der Patienten soll nun Abhilfe schaffen.

NOTAUFNAHMEN IN NOT AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Notaufnahmen in Not

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RETTUNGSSTELLE

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Beruf & Praxis

EIN DRITTEL DER ALLGEMEINEN NOTFALLPATIENTEN IN KRANKENHÄUSERN KÖNNTE PROBLEMLOS IN ARZTPRAXEN BEHANDELT WERDEN Zu viele ambulant behandelbare Patienten suchen die Notaufnahmen der Kliniken auf, deren Behandlung viermal so viel kostet, wie sie einbringt. Das ergab ein von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA e. V.) beauftragtes Gutachten der Management Consult Kestermann GmbH. „Ein Drittel der allgemeinen Notfallpatienten in Krankenhäusern könnte problemlos in Arztpraxen behandelt werden“, kritisierte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum in Berlin. Damit würden Kliniken immer mehr zu „Lückenbüßern“ für die zuständigen Bereitschaftsdienste der Kassenärztlichen Vereinigungen. Finanziell lohnt sich die Versorgung der jährlich bundesweit zehn MillioAUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

nen ambulanten Notfallpatienten für Kliniken nicht. Nach Daten von 55 Krankenhäusern mit 612.070 ambulanten Notfällen kostete sie jeder ambulante Notfall im Schnitt 126 Euro, brachte ihnen aber nur 32 Euro ein.

Das ausführliche Gutachten finden Sie hier


Notaufnahmen in Not

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DGF begrüßt Notfallpflege-­ Um die Notfallambulanzen zu ent- Weiterbildung lasten, kann seit dem 1. April 2017 ein ärztlicher Schnellcheck durchgeführt werden, um zu entscheiden, ob ein Patient weiter ambulant versorgt werden kann oder in der Notaufnahme zur weiteren Behandlung verbleiben muss. Diese neue Leistung kann dann durch eine Abklärungspauschale abgerechnet werden. Leider sei vielen Menschen weder das neue Gesetz noch die Tatsache bekannt, dass Bagatellfälle nicht in die Notaufnahme gehören, erklärt Rita Jung, Pflegedienstleiterin im Marienhaus Klinikum in Neuwied (siehe Interview auf Seite 138). Den Unmut der vermeintlichen Notfälle bekommen oft auch die Pflegenden zu spüren. Um mit solchen Situationen besser umgehen zu können, absolvieren daher immer mehr Pflegefachpersonen ein Deeskalationstraining. „Sachlich bleiben, Emotionen wahrnehmen, aber nicht persönlich nehmen“, heißt die Devise. Aus eigener Erfahrung weiß Rita Jung, dass das leichter gesagt als getan ist.

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste hat derweil die DKG-Empfehlung zur „Weiterbildung Notfallpflege“ für die Krankenund Kinderkrankenpflege begrüßt. So könnten die Weiterbildungen zu Notfallpflege, Intensivpflege und Anästhesie sowie zum Operationsdienst gleichwertig etabliert werden. Stetig steigende Patientenzahlen, Veränderungen in der Patientenstruktur sowie die Weiterentwicklung der notfallmedizinischen Möglichkeiten erfordern eine entsprechende Aus- und Weiterbildung der dort beschäftigten pflegerischen Mitarbeiter. Die Empfehlung sieht eine berufsbegleitende und modular aufgebaute Weiterbildung über eine Mindestdauer von zwei Jahren vor. Module aus bereits absolvierten Weiterbildungen in anderen Bereichen können auf Antrag anerkannt werden. In einem Übergangszeitraum ist es möglich, berufserfahrene Pflegende in den Notaufnahmen nachzuqualifizieren. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Beruf & Praxis

Mit der DKG-Empfehlung wird es möglich, Weiterbildungen im Bereich der Notfallpflege gleichwertig neben den bereits bestehenden Weiterbildungen „Intensivpflege und Anästhesie“ und „Operationsdienst“ zu etablieren. Neben der Erweiterung der Fachkompetenz der Pflegenden und der Erhöhung der Fachkraftquote in den Notaufnahmen bietet die Umsetzung der Empfehlung zukünftig auch die Möglichkeit, die Mitarbeiter in den bestehenden Tarifgefügen entsprechend als Pflegefachpersonen einzugruppieren.

Was ist nun anders?

Seit dem 1. April 2017 soll nun eine ärztliche Schnellsichtung dazu führen, dass Patienten ohne ernste Probleme nicht die Notfallambulanzen belasten. In einem Zeitfenster von zwei Minuten klärt der Arzt ab, ob der Patient in der Notaufnahme wirklich ein Notfall ist. Falls nicht, wird der Patient zum Bereitschaftsdienst weitergeschickt. Konkret bekommen Kliniken von den Krankenkassen für jeden tagsüber verwiesenen Patienten eine Abklärungspauschale von 4,74 Euro – nachts hingegen gibt es 8,42 Euro. Neu ist auch, dass es seit dem 1. April 2017 für Ärzte im Notfall- und Bereitschaftsdienst eine höhere Ver-

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gütung für besonders schwere und aufwendige Fälle gibt, teilt die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit. Ein Schweregradzuschlag ist an fest definierte schwerwiegende Behandlungsdiagnosen geknüpft, zum Beispiel eine Pneumonie oder tiefe Beinvenenthrombose. In Ausnahmefällen wird er auch für andere schwere Erkrankungen gezahlt, wenn der erhöhte Behandlungsaufwand begründet wird. Ein zweiter Schweregradzuschlag berücksichtigt den erhöhten Aufwand, der aufgrund einer schwierigen Kommunikation infolge bestimmter Grunderkrankungen, zum Beispiel der Alzheimer-Demenz, oder infolge des Alters bei Säuglingen und Kleinkindern besteht. Er berücksichtigt außerdem den erhöhten Behandlungsaufwand bei geriatrischen Patienten mit Frailty-Syndrom (allgemeine Gebrechlichkeit). Dieser Zuschlag wird jedoch nur nachts sowie ganztägig an Wochenenden und Feiertagen gezahlt.


Notaufnahmen in Not

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Eine bezahlte Schnellsichtung soll nun seit dem 1. April 2017 dazu führen, dass Patienten ohne ernste Probleme nicht die Notfallambulanzen belasten.

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Beruf & Praxis

DREI FRAGEN AN:

Muss die Finanzierung für Kliniknotaufnahmen, die laut Deutscher Krankenhausgesellschaft oft nicht ausreicht, nicht deutlich verbessert werden? Ja, auf jeden Fall. Die Finanzierung muss unbedingt verbessert werden. Durch Personal, Material und Geräteeinsatz entstehen in den Notaufnahmen hohe Kosten, die oft nicht zu 100 Prozent von den Krankenkassen getragen werden. Notaufnahmen sind für Krankenhäuser und Kliniken in vielen Fällen eine Art Zuschussgeschäft.

Rita Jung

Pflegedienstleiterin im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied

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Wie kann erreicht werden, dass Notaufnahmen der Kliniken nicht so viele ambulant behandelbare Patienten versorgen müssen? Im Prinzip müssen die Rahmenbedingungen verändert werden. Sinnvollerweise sollte der haus- und fachärztliche Notdienst ausgebaut werden. Insbesondere geht es um die Randzeiten, also nach Dienstschluss der niedergelassenen Ärzte. Möglicherweise


Notaufnahmen in Not

könnten auch mehr Medizinische Versorgungszentren etabliert oder das Konzept der Polikliniken aus der DDR aufgegriffen und angepasst werden, um die Notaufnahmen um die Bagatellfälle zu entlasten. Sind die vom Bund geplanten Personaluntergrenzen für die Pflege in Notaufnahmen und anderen patientensensiblen Krankenhausbereichen nicht früher als 2019 nötig? Je früher wir die personellen Bedingungen verbessern können, desto besser. Aber eine Mindestbesetzung ist aus meiner Sicht immer die unterste Norm. Die Fachgesellschaften fordern für den Notfallbereich eine Versorgung von 1:1. Ich glaube kaum, dass die Mindestpersonalverordnung diese Forderung erfüllen wird. Ich bin gespannt, wie die Politik die neue Mindestbesetzung finanzieren will. Darum wird sich wie immer alles drehen. Ich hoffe, dass es Aufklärung darüber geben wird, wie die Politik meint, das Personal einsetzen zu wollen.

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Im Netz für Sie gefunden: Auf ihrem Blog „Notaufnahmeschwester“ beschreibt Birgit Süß aus Würzburg ihre Erfahrungen in der Notaufnahme und die Absurditäten, die ihr dort begegnen. Als kleiner Vorgeschmack: „Ich habe seit vier Tagen keinen Stuhlgang. Wenn ich in die Apotheke gehe und mir ein Klistier kaufe – kann ich dann wiederkommen und Sie geben es mir?“

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Rubrik

Dana Lungmuss

RAT & RECHT

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Rat & Recht

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134 ÜBERLASTUNGSANZEIGE „Wer schweigt, stimmt zu!“

140 PRIVATE BERUFSHAFTPFLICHT FÜR PFLEGEFACH­ PERSONEN Ist das wirklich notwendig?

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Rat & Recht

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GEFAHR AM ARBEITSPLATZ

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WER SCH STIMMT


Überlastungsanzeige

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Isabel Bierther

Wer Personalmissstände akzeptiert und damit Leib und Wohl von Patienten gefährdet, macht sich unter Umständen mit haftbar. Als Instrument, um sich gegenüber Vorgesetzten Gehör zu verschaffen und auch einer Teilschuld zu entgehen, ist die rechtzeitige Einreichung einer Überlastungsanzeige angeraten.

HWEIGT, ZU!

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Rat & Recht

ALS ARBEITNEHMER IN DER PFLEGE HABEN DIE PFLEGENDEN DAFÜR ZU SORGEN, DASS ALLE VORSCHRIFTEN ZUR ARBEITSSICHERHEIT UND ZUM GESUNDHEITSSCHUTZ EINGEHALTEN WERDEN …

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Gerade die Mitarbeiter in der Pflege wissen, wovon die Rede ist: Arbeitsverdichtung, knappes Personal, Zeitstress und Multitasking. Aber wie kann ich mich als Mitarbeiter dazu verhalten? Bin ich verpflichtet, meinem Vorgesetzten zu melden oder vielleicht doch besser nicht, um nicht eine Abmahnung zu riskieren? Spezielle rechtliche Regelungen gibt es zu dieser Frage noch nicht. Juristisch gibt es im Arbeitsschutzgesetz in den §§ 15, 16 ArbSchG den Ansatz einer Regelung. Danach sind die Beschäftigten für die Arbeitssicherheit verantwortlich, wobei der Arbeitgeber Hauptverantwortlicher für die Arbeitssicherheit ist. Als Arbeitnehmer in der Pflege haben die Pflegenden dafür zu sorgen, dass alle Vorschriften zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz eingehalten werden, soweit sie dazu nach ihren Fähigkeiten und den ihnen zur Verfügung stehen-


Überlastungsanzeige

den Schutzmitteln in der Lage sind. Dabei soll neben dem Selbstschutz auch für die Sicherheit und Gesundheit der Personen Sorge getragen werden, die mit den Pflegeleistungen in Berührung kommen. Es geht also um den Eigenschutz der Arbeitnehmer und auch um den Schutz dritter Personen. Aber auch aus einer arbeitsvertraglichen Nebenpflicht wird die Verpflichtung des Arbeitnehmers abgeleitet, dass er seinen Chef oder Vorgesetzten informieren muss, wenn die Umstände es verhindern, dass er seine Arbeit weitgehend fehlerfrei erledigen kann.

Was heißt das aber konkret?

In Pflegeeinrichtungen führen die täglich größer werdenden Leistungsanforderungen dazu, dass die Mitarbeiter überfordert sind und dadurch die Gefahr von Fehlern zunimmt. Durch pflegerische Fehler kann es zu Haftungsfällen kommen, sodass der Pflegeempfänger Schadensersatz und

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DAS HEISST, DASS DER ARBEITGEBER INFORMIERT WIRD, WIE ES SICH DERZEIT AUF DER STATION ODER IM PFLEGEDIENST VERHÄLT UND WELCHE GEFAHREN DROHEN. Schmerzensgeld fordert. Aber auch der Arbeitgeber kann bei Fehlern Abmahnungen und ggfs. Kündigungen aussprechen. Im schlimmsten Fall droht ein Strafverfahren, wenn z. B. der Bewohner aus dem Bett fällt und sich das Bein bricht. In diesen Fällen können Arbeitgeber und auch Arbeitnehmer juristisch in Anspruch genommen werden. Um nun dem Arbeitgeber die Möglichkeit zu geben, bei Überlastungen Abhilfe zu schaffen, können die sog. „Überlastungsanzeigen“ genutzt werden. Das heißt, dass der Arbeitgeber informiert wird, wie es sich derzeit

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Rat & Recht

5239 Esse

e Straße 3 - 4 n ö ch S r e au B e in ab S

auf der Station oder im Pflegedienst verhält und welche Gefahren drohen. Überlastungsanzeigen in Form von mündlichen Äußerungen oder Beschwerden gegenüber dem Arbeitgeber, dass zu viel Arbeit oder zu wenig Personal vorhanden ist, reichen rechtlich nicht aus. Ist der Arbeitgeber informiert, so kann er Abhilfe schaffen, z. B. durch organisatorische Maßnahmen. Tut er dies nicht, so hat der Arbeitnehmer durch seine Anzeige – egal ob sie Entlastungs-, Präventions-, Gefahren- oder Gefährdungsanzeige genannt wird – vor Haftungsansprüchen zu schützen. Wie diese Anzeige auszusehen hat oder welchen Inhalt sie haben soll? Auch dazu gibt es weder gesetzlich noch tarifvertraglich Regelungen. Es empfiehlt sich aus Beweisgründen jedoch immer eine schriftliche Anzeige, sodass Sie später auch nachweisen können, dass Sie eine Anzeige getätigt haben. In dieser Anzeige sollten Sie dann die Probleme so genau wie möglich schildern und, sofern es Ihnen möglich ist, auch Vorschläge zur Verbesserung machen. Die sind jedoch nicht zwingend. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

iter An den Einrichtungsle Franz Chef Grunde n le h ü k m „I g n tu h c ri Pflegeein Im Hause e

Überlastungsanzeig

hef, Sehr geehrter Herr C s fortlau e t m m o k 3 h ic re e b n im Woh stungen. De a rl e b sü it e rb A n e h c li heb werden a t g ti ö n e B t. il te e g in e sonen önne k l e g n a lm a n o rs e P n durch diese en. W rd e w rt h fü e sg u a d n e zureich en können. W ig d e rl e t h ic n n e b a fg Au und Pfl n o ti ta n e m u k o d e g e fl keine P der internen n a d n u n e g n u d il b rt Fo d des e n ru fg u a s s a d , te h rc Ich befü und dass es , d ir w n e id le n o ti ta S rer . gel auftreten werden er Persona d g n ru e d n Ä r e in e zu Bis ng als u tz se e B n e ig rt ä w n e g der ge Bitte treffe . n e ss ü m n e rd e w t ll ü erf ibens re h c S s se ie d ft ri h sc b Eine A ßen, Mit freundlichen Grü Sabine Bauer


Überlastungsanzeige

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e“ Essen, den 03.05.2017

Dieses Musteranschreiben steht Ihnen hier als Vorlage zum Download bereit

chicht, zu erts ä p S r e d in 17 0 .2 5 .0 ufend, zuletzt am 02 fachpere g e fl P r ie v h ic re e b n oh erzeit sind auf dem W dingt e B . n e n o rs e p h c fa e g n Pfle aber insgesamt siebe r nur une d o t h ic n n e b a fg u A he en wichtige pflegerisc htige ic w ir w h rc u d o w t, terbesetz Wir sind deutlich un en, jedoch rg o rs e v r a w z r e n h o ew Wir konnten unsere B h, an c li g ö m t h ic n s e r a w n. Auch flegeplanung schreibe iten. e rb a u z g n ru e h c si ts n Qualitä nseu f u a t tä li a u Q ie d l a n an Perso erheblichen Mangels nd -mänu r le h fe e g e fl P s s a d t, n is s nicht ausgeschlosse

keiten bei g ti ä T e h lc e w , g n u il te Mit alsituation bitte ich um nicht e h lc e w d n u n e ll so n t werde unverzichtbar erledig keiten. g ti ä T n e d n e b ü u sz u a der en Sie eine Rangfolge erhält der Betriebsrat.

Isabel Romy Bierther Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeits- und Medizinrecht, Kanzlei Berten und Partner, Essen

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Rat & Recht

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Private Berufshaftpflichtversicherung für Pflegefachpersonen?

NOTWENDIG? WIRKLICH? Elke Bachstein

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Berufshaftpflicht

Mit Stärkung der Patientenrechte in Europa und der Umsetzung in den einzelnen Mitgliedstaaten (in Deutschland: Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten PatRG von 2013) sowie einer zunehmenden Verrechtlichung der Behandler-Patienten-Beziehung, einer steigenden Anspruchshaltung der Patienten und damit verbunden einer vermehrten Zunahme von zivil-strafrechtlichen Prozessen ist es für Ärzte unabdingbar, eine Berufshaftpflichtversicherung zu haben, die auch in

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den Berufsärzteordnungen gefordert wird. Aber auch für Pflegefachpersonen wird es zunehmen wichtiger, eine entsprechende Absicherung sicherzustellen. In der Regel sind Pflegefachpersonen aufgrund ihres Arbeitsvertrages bei ihrem Arbeitgeber im Rahmen einer Betriebshaftpflichtversicherung mitversichert. Da jedoch nicht alle Arbeitgeber eine Betriebshaftpflichtversicherung haben oder aber nicht ausreichend versichert sind, ist es sinnvoll, wenn die Pflegefachpersonen

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Rat & Recht

bei ihrem Arbeitgeber nachfragen, wie es um den Versicherungsschutz steht. Sollte keine Versicherung abgeschlossen oder für anderweitige Absicherung gesorgt sein oder sollten die Deckungssummen nicht dem allgemeinen heutigen Standard entsprechen, müssten Sie sich als Pflegefachperson selbst mit einer Berufshaftpflichtversicherung vor eventuellen Ansprüchen der Patienten schützen.

EINE BERUFSHAFTPFLICHTVERSICHERUNG SCHÜTZT SOWOHL DIE VERMÖGENSINTERESSEN DES SCHÄDIGERS ALS AUCH DES OPFERS.

Was ist eine BerufshaftpflichtAbschluss einer Berufshaftpflichtverversicherung? Eine Berufshaftpflichtversicherung übernimmt Schäden, die eine versicherte Person bei einem Dritten verursacht hat. Dabei kann es sich um einen Sachschaden oder einen Personenschaden handeln, der in Ausübung des Berufes geschieht; eine eventuell bestehende Privathaftpflichtversicherung übernimmt diese nicht! Eine Berufshaftpflichtversicherung schützt sowohl die Vermögensinteressen des Schädigers als auch des Opfers. Eine gesetzliche Verpflichtung zum AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

sicherung besteht nicht. Nur Kammermitglieder sind standesrechtlich dazu verpflichtet.

Wer muss versichert sein?

Versichert sein müssen, aufgrund von EU-Richtlinien, die in das Landesrecht übernommen wurden, Angehörige bestimmter Berufsgruppen, die ein erhöhtes haftungsrechtliches Risiko in ihrer Berufsausübung haben, z. B. Ärzte, Zahnärzte und Pflegefachpersonen.


Berufshaftpflicht

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Wann kann es zu Konflikten mit Berufshaftpflichtversicherung dem Arbeitgeber kommen?

Was ist versichert?

Eine haftet bei berechtigten Schadenersatzansprüchen Dritter und wehrt unberechtigte Ansprüche ab.

Welches Risiko ist versichert?

Versichert sind je nach den Vertragsbedingungen der Versicherer (Allgemeine Haftpflichtbedingungen AHB) folgende Ereignisse, die fahrlässig, unter Umständen sogar grob fahrlässig herbeigeführt wurden: ›P  ersonenschäden ›S  achschäden ›V  ermögensfolgeschäden

Deckungsumfang

Der Deckungsumfang der Haftpflichtversicherung richtet sich nach der vereinbarten Deckungssumme. Zurzeit wird eine Summe von fünf Millionen Euro, pauschal für Personen-, Sachund Vermögensschäden, empfohlen. Es gibt nur noch etwa fünf private Versicherungsgesellschaften sowie regional tätige Kommunalversicherer, die Krankenhäuser versichern.

Der Krankenhausträger ist im Rahmen des so genannten totalen Krankenhausaufnahmevertrages für die stationäre und ambulante Behandlung der alleinige Vertragspartner des Patienten und haftet im Außenverhältnis des Patienten bei Fehlern. Das ärztliche und nichtärztliche medizinische Personal genießt den Deckungsschutz der Betriebshaftpflichtversicherung des Krankenhausträgers. Bei einem Fehler in Ausübung der Pflegetätigkeit übernimmt der Arbeitgeber meist aber nur bei leicht oder normal fahrlässig herbeigeführtem Schaden die Haftung. Bei grob fahrlässigem Verhalten (bei Vorsatz immer) wird er in der Regel Regress beim Mitarbeiter nehmen, das heißt, dass er die Schadenssumme dem Mitarbeiter in Rechnung stellt.

Ein Haftungsbeispiel:

Eine Gesundheits- und Krankenpflegerin verwechselt die Medikamente zweier Patienten. Ein Patient kommt daraufhin zu Schaden. Eine Forderung AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Rat & Recht

nach Schadensersatz sowie Schmerzensgeld kann die Folge sein. Diesen Schaden würde ihre Berufshaftpflicht tragen, wenn die Betriebshaftpflichtversicherung des Arbeitgebers, die immer vorleistungspflichtig ist, dies nicht übernimmt. Auch eine strafrechtliche Verfolgung wegen eines Körperverletzungsdeliktes ist nicht ausgeschlossen, dies müsste jedoch mit einer Rechtsschutzversicherung abgesichert werden.

Empfehlung:

Aufgrund des Patientenrechtegesetzes und der Verkammerung der Pflegeberufe sollte eine Berufshaftpflichtversicherung von den Pflegefachpersonen abgeschlossen werden, wenn insbesondere der Arbeitgeber keine verbindlichen Aussagen zum Versicherungsschutz erteilt. Übrigens: Mitglieder des DBfK Deutscher Berufsverbandes für Pflegeberufe haben im Rahmen ihrer Mitgliedschaft sowohl eine Berufshaftpflichtversicherung als auch eine Berufsrechtschutzversicherung.

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Elke Bachstein

Gesundheits-und Krankenpflegerin, PDL Management, RbP, Juristin, AAL-Beraterin, Heilpraktikerin, Referentin/ Dozentin, Vortragstätigkeiten auf Kongressen, Lehraufträge an Hochschulen und Fachschulen, diverse Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Fachbüchern

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Berufshaftpflicht

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Rechtliche Vorgaben Die Richtlinie 2011/24 EU (ABl. EU Nr. L 88 S. 45), geändert durch Artikel 6 der Richtlinie 2013/64/EU des Rates vom 17. Dezember 2013 (ABl. EU Nr. L 353 S. 8) über die Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung besagt, dass der Mitgliedsstaat, der die Behandlung bereitstellt, Sorge dafür tragen muss, dass für Mitarbeiter bei der Patientenbehandlung eine Berufshaftpflichtversicherung oder ähnliche Garantien bestehen. Auszug aus LKG RheinlandPfalz 28.11.1986/2016 § 30 a LKG Zusammenarbeit (3) Die Krankenhäuser unterstützen die Kammern der Heilberufe ... Gemäß der Rahmenberufsordnung des Deutschen Pflegerates von 2004 besteht eine Verpflichtung zum Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung der abhängig beschäftigten professionell Pflegenden im § 3 Nr. 5 Berufspflichten und § 4 Besondere Pflichten bei freiberuflicher Tätigkeit. Ärzte und andere Mitglieder einer Kammer sind standesrechtlich verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen.

Eine Heilwesen-Haftpflichtversicherung ist aber keine gesetzliche Pflichtversicherung. Auszug aus dem Heilberufsgesetz (HeilBG) vom 19. Dezember 2014 Rheinland-Pfalz: § 22 Besondere Berufspflichten (1) Die Kammermitglieder, die ihren Beruf ausüben, haben insbesondere die Pflicht, 1. sich fortwährend beruflich fortzubilden und sich dabei über die für ihre Berufsausübung geltenden Bestimmungen zu unterrichten; 2. sich gegen die sich aus der Ausübung ihres Berufs ergebenden Haftpflichtansprüche nach Art und Umfang dem Risiko angemessen zu versichern und dies auf Verlangen der Landeskammer nachzuweisen; diese ist zuständige Stelle im Sinne des § 117 Abs. 2 des Versicherungsvertragsgesetzes; die Versicherungspflicht besteht für das Kammermitglied persönlich, es sei denn, das Kammermitglied ist in vergleichbarem Umfang im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses gegen Haftpflichtansprüche abgesichert; 3. […] AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Rubrik

Dana Lungmuss

JUNGE PFLEGE

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Junge Pflege

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148 DER SOCIAL-PFLEGER Aus Leidenschaft für den Beruf gibt Blogger Sandro Pé der jungen Pflege eine Stimme.

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Junge Pflege

SANDRO PÉ

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Martin Piek Patricia Haas

DER SOCIALPFLEGER Sandro Plett ist weit unter 30. Das hindert ihn aber nicht daran, sich Einfluss in der Pflegeszene aufzubauen. Im Web 2.0 ist Aufmerksamkeit die Währung, Klicks das neue Rohöl. Und Klicks generieren kann der Blogger, der sich selbst Sandro Pé nennt und dem schon jetzt auf Facebook mehr Menschen folgen, als Baden-Baden Einwohner zählt.

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Der Social-Pfleger

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Siehst du dich selbst als Person mit Einfluss in der Pflegeszene?

ICH BIN IMMER VERBLÜFFT, WIE VIELE MENSCHEN ICH ERREICHE. Sandro, du erreichst über Facebook mehr als 60.000 Menschen, mit einem Thema, dem vielleicht vorher nicht viele so großes Social-Media-Potenzial zugetraut hätten. Wann hast du gemerkt, dass du da offenbar einen Nerv getroffen hast? Als ich auf der Straße das erste Mal erkannt wurde. Als dann auch die ersten Schulen auf mich zukamen, für die ich einen Vortrag halten sollte, habe ich gemerkt, dass ich eine Marke, ein Zeichen gesetzt habe. Ich möchte das nutzen, um Menschen positives Denken zu vermitteln.

Ich lese sehr oft: „Sandro, du bist ein Vorbild.“ Ich glaub schon, dass viele das nachleben möchten. Ich bin immer verblüfft, wie viele Menschen ich erreiche. Da wird eine Information wirklich transportiert, auch schon mal mit Humor. Der Hintergrund ist aber ernst. Ich sage immer: Vorleben – und es kann nachgelebt werden. Es bringt wenig, wenn wir nur über unseren Beruf meckern. Das macht den Beruf nicht besser und unsere Situation auch nicht.

Das klingt selbstsicher. Hattest du denn auch mal einen Punkt, an dem du deinen Beruf aufgeben wolltest? Ja klar hab’ auch ich schon gesagt: Bis hierhin und nicht weiter. Das war der Moment, in dem mir diese Massenabfertigung bewusst geworden ist. Da braucht man auch kein Blatt vor den Mund zu nehmen. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Junge Pflege

Das ist Alltag in Deutschland. Die Politik redet viel, weiß aber über den Alltag nichts. Deswegen hab’ ich zu mir gesagt: Ich will, dass die Leute das wissen. Dass die Leute erkennen, dass sie eben nicht alleine sind. Denn ich weiß noch genau, wie alleine ich mich fühlte. Und das ist mein Antrieb.

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Ein Antrieb, der dich offen deine Meinung zu wichtigen Themen der Branche sagen lässt. Ein großes Thema derzeit ist die Generalistik. Wie stehst du dazu? Ich bin gespannt, wie die Generalistik in der Praxis konkret aussehen wird, wie die Ausbildung dann wirklich umgesetzt werden soll und was sich​ dadurch verändert. Ich zum Beispiel habe mich nie als Altenpfleger gesehen, und ich hätte mich auch wahrscheinlich von alleine nie für den Beruf entschieden. Ich wusste immer, ich wollte etwas soziales, mit Menschen tun, aber letzt­endlich hat mir dann das Arbeitsamt bzw. das Berufsbildungs­zentrum die Ausbildung empfohlen. Mit der Zeit habe ich dann erkannt, wie schön der Beruf ist, und ich habe gelernt, ihn zu lieben. Ich fände es schade, wenn sich junge Pflegefachpersonen nur noch für die anderen Berufsfelder entscheiden und nicht mehr für die Altenpflege. Das macht mir schon Sorgen.


Der Social-Pfleger

Natürlich hat aber die Generalistik auch eine positive Seite, die ich erst jetzt, wo ich mich damit mehr auseinandersetze und mich tiefer darüber informiere, besser erkennen kann. Und ich werde mir auch ein Pilotprojekt im Saarland ansehen und die Schüler vor Ort befragen. In Echt kann man das ja besser beurteilen als nur in der Theorie. Und darüber hinaus fände ich es natürlich auch klasse, wenn durch die gemeinsame Ausbildung Krankenund Altenpfleger etc. auch endlich eine Gemeinschaft bilden, eins werden würden. Dann gäbe es nicht mehr diese Konkurrenz, wer medizinischer ist und wer empathischer. Wie stehst du zu der Idee einer Kammer auf Bundesebene? Das ist eine gute Idee, viele Köche verderben den Brei, und wir müssen da „oben“ mit EINER Stimme mitsprechen.

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ICH BIN GESPANNT, WIE DIE GENERALISTIK IN DER PRAXIS KONKRET AUSSEHEN WIRD, WIE DIE AUSBILDUNG DANN WIRKLICH UMGESETZT WERDEN SOLL UND WAS SICH DADURCH VERÄNDERT. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Junge Pflege

Alle Kammern wollen die Probleme der Pflege beseitigen. Was sind deiner Meinung nach die dringendsten Baustellen der Branche? Die größten Baustellen – meiner Meinung nach – sind die Kontrollen in Deutschland bzw. die nicht vorhandenen Kontrollen. Der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung*) ist oft Schein, damit man denkt, es würde alles funktionieren. Es funktioniert aber nicht. Mit schlechter Pflege verdient man sehr viel Geld. Ich finde, dass besser kontrolliert werden müsste. Ich wünsche mir da immer einen PDK, einen praktischen Dienst der Krankenversicherung, der wirklich einen Monat mitrennt und den Dienstplan miterlebt, die Krankmeldungen miterlebt, wirklich diesen Notstand miterlebt – vielleicht aber auch mal das Gegenteil, denn es gibt ja auch positive Beispiele – und dann die Note vergibt. Wenn dann einer die fünf verdient hat, dann kriegt er die fünf. *Anmerkung der Redaktion

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DIE GRÖSSTEN BAUSTELLEN – MEINER MEINUNG NACH – SIND DIE KONTROLLEN IN DEUTSCHLAND BZW. DIE NICHT VORHANDENEN KONTROLLEN.


Der Social-Pfleger

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Mehr von Sandro

Sag offen deine Meinung: Bist du auch schon vom Arbeitgeber angezählt worden?

Da klingt viel Frust durch. Was gibt es denn Positives über die Branche zu berichten? Das Interesse an dem Beruf ist sehr „krass“. Das sehe ich auch bei Freunden. Wenn wir unseren Beruf selber präsentieren mit Emotionen – negativ, wie positiv – und alle an einem Strang ziehen, dann wird der Beruf auch wieder attraktiver.

Nein. Es herrscht Fachkraftmangel, und ich habe schon sehr viele Fachkräfte zu uns gebracht. Mein Arbeitgeber sieht meine Offenheit eher positiv. Andere Arbeitgeber – Einrichtungen, ambulante Dienste – laden mich sogar ein, den Alltag dort mitzuerleben, auch in der Schweiz und in Österreich. Da habe ich das Gefühl, dass der Arbeitgeber sich von mir sogar etwas erhofft, weniger Krankmeldungen zum Beispiel oder eben mehr Fachkräfte.

SANDRO, DANKE FÜR DAS GESPRÄCH. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Junge Pflege

SANDRO PÉ

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Sandro Pé – oder wie er im echten Leben heißt: Sandro Plett – ist 26, Altenpfleger aus Neuwied und kommt ursprünglich aus Paraguay. Auf seiner Facebookseite @offiziellSandroPe motiviert und begeistert der Social-­ Pfleger täglich Tausende von Pflegefachkräften und setzt sich in der Öffentlichkeit mit seinen ehrlichen, positiven und auch kritischen Videos für ein moderneres Image seines Berufsstandes ein.

Mit seinen knapp 65.000 Followern auf Facebook diskutiert und bespricht Sandro Pé regelmäßig die Themen, die ihn im Berufsalltag beschäftigen und auf die er hinweisen möchte.

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Der Social-Pfleger

KLARE WORTE! UNBEDINGT ANSEHEN!

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Was bringt die Pflegekammer überhaupt? Was geschieht eigentlich mit meinen Beiträgen? Warum gibt es bei der Pflegekammer so viele Vorstände und Vertreter – verderben nicht viele Köche den Brei? Diese und weitere Fragen, die Sandro Pé von seinen Followern im Vorfeld abgefragt hatte, brachte der engagierte Pflege­ blogger offen und kritisch im Interview mit Vizepräsidentin Sandra Postel am Deutschen Pflegetag zur Sprache. Spannende Antworten dazu und zu weiteren Themen wie generalistische Ausbildung oder gesetzliche Personal­ untergrenzen können Sie in dem nebenstehenden Video sehen.

IM GESPRÄCH MIT SANDRA POSTEL AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Rubrik

Dana Lungmuss

ZUM GUTEN SCHLUSS

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Zum guten Schluss

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158 KOLUMNE Diesmal: Agnes Karll zum Thema „Pflegekammer = Schatzkammer“

168 FÜR SIE GELESEN ... Die Buchempfehlungen von Dr. Edith Kellnhauser

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Zum guten Schluss

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Matthias Prehm alias Agnes Karll

Ich habe mit großer Freude das erste Magazin der Landespflegekammer aus Rheinland-Pfalz gelesen und war stolz, dass meine geschätzte Kollegin Florence Nightingale ihre Eindrücke schildern durfte. Und Flo (Freunde dürfen sie „Flo“ nennen) gab den Staffelstab mit den rührenden Worten „Agnes, rüttel sie mal auf!“ an mich weiter. Nun darf ich rütteln. Ähnlich wie Flo habe ich das Geschehen auf der Erde naturgemäß aus einiger Entfernung betrachtet (ich würde nächstes Jahr 150 Jahre alt werden) und muss leider feststellen, dass sich enorm wenig in Deutschland für die Pflege getan hat. Sicher-

Helena Melikov

PFLEGE­KAMMER= SCHATZKAMMER!

Matthias Prehm

Kolumne: Agnes Karll

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lich, wo das Thema aufgegriffen wird, ist die Betroffenheit groß: „Demografische Katastrophe“, „Die Pyramide dreht sich um, Pflegende werden immer älter!“ undsoweiterundsoweiter. Aber sobald es an die Lösungen geht, an Veränderungen, Verschiebung von Zuständigkeiten und Kompetenzen, wollen entweder alle mitreden oder (wenn es nicht so geklappt hat) es wird gerne mit dem Finger auf andere gezeigt. Ich bin ja froh, dass mein Satz so viel Beachtung findet: „Aber wer soll uns denn für unseren Beruf aufbauen, wenn wir es nicht selbst tun. Wir haben kein Recht zu verlangen, dass es andere tun.“ Aber sobald die AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


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Zum guten Schluss

DIE PFLEGEKAMMER IST EINE SCHATZKAMMER! ES SIND VIELE SCHÄTZE DARIN ENTHALTEN, DIE WIEDERUM VIELE MÖGLICHKEITEN BIETEN. BEWAHRT DIESEN SCHATZ UND VERWEHRT DENJENIGEN DEN ZUTRITT, DIE HIERAUS EINE RUMPELKAMMER MACHEN WOLLEN! Pflege aufsteht, heißt es, das braucht ihr nicht, wir sorgen schon für euch. So haben es die Gewerkschaften versäumt, die eigentlichen Bedürfnisse der Pflegenden an der Basis zu verstehen. Beispiel gefällig? Ähnlich wie Flo hospitiere ich immer noch in manchen Kliniken. Ich komme zum Frühdienst, erwarte vier Kollegen zum Dienst, setze mich als zweite hin und warte auf die Übergabe. Die Kollegin vom Nachtdienst kommt rein und sagt: „Wir können anfangen, mehr werdet ihr heute nicht!“ DAS sind die Probleme der Pflegenden! Da brauche ich keine 2,3  % mehr Gehalt, die Kollegen brauchen mehr Kollegen! Die Herausforderungen sind in ganz Deutschland die gleichen: neues Personal zu finden und die wertvollen Kräfte, die man hat, zu halten! Fast alle Länder in Europa haben AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER

eine Pflegekammer. Nirgends ist die Zahl der Berufsaussteiger höher als in Deutschland. Sobald eine Veränderung ansteht, erstarren alle vor Furcht und hören Argumente wie: Zwangsabgabe für die Pflegekammer? Das ist undemokratisch! Kleiner Hinweis: Jeder Heilberufler, sei es ein Arzt, sei es ein Apotheker, muss in einer Kammer sein, in der seine Interessen vertreten werden. Warum sollte da für die Pflege eine Ausnahmen gemacht werden? Wollen wir auf gleicher Höhe mit den anderen Heilberuflern wahrgenommen werden, oder nicht? Nächstes Argument: Pflegekammer? Viel zu teuer! Mein Urenkel


Kolumne: Agnes Karll

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Wer war Agnes Karll? Agnes Karll wird häufig als die „deutsche Florence Nightingale“ bezeichnet. Ähnlich wie ihr britisches Pendant hat sie sich mit viel Courage und berufspolitischer Weitsicht für eine eigenständige und professionalisierte Pflege eingesetzt. Agnes Karll wurde 1868 in Embsen in der Lüneburger Heide als Tochter einer Gutsbesitzerfamilie geboren.

schaut gerne Rasenballsport. Um das im modernen Televisor zu sehen, zahlt er jeden Monat dreimal mehr an die Firma „Himmel“ (heißt auf Englisch anders), als er für den Beitrag der Pflegekammer bezahlen würde. Pflege braucht eine kontinuierliche Einbindung pflegerischer Fachkompetenz in gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse! Ich gehe ja auch nicht zu einem vegetarischen Schlachter und lasse mich beraten. Ich lasse

14-jährig begann sie eine Ausbildung zur Lehrerin und übte diesen Beruf auch bis 1887 aus. Nicht wirklich glücklich mit dieser Aufgabe, kündigte sie und begann bei einer Einrichtung des Roten Kreuzes eine Krankenpflegeausbildung. Ein Schritt, der, wie sich herausstellte, ihr weiteres Leben entscheidend geprägt hat. Obwohl Agens Karll eine Ausbildung auf gehobenem Niveau erfuhr, musste sie feststellen, dass der Stand und die Professionalisierung des Berufsstandes Pflege sehr im Argen lag: keine Entlohnung bei unbegrenzter Arbeitszeit, ohne Pausen und Urlaub, ohne soziale Absicherung und ohne einheitliche Ausbildungsregelung.

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Zum guten Schluss

Agnes Karll entschied sich daher, in die private Krankenpflege zu wechseln, wodurch sie die Möglichkeit bekam, für einige Monate in Amerika zu leben und die Krankenpflege aus der dortigen Sicht kennenzulernen. Dies war der Auftakt, Kontakte zu Berufskollegen u.a. in England zu knüpfen und sich auszutauschen. Von jeher in feministischen Gruppierungen aktiv, entschloss sich Agens Karll, sich auch politisch zu engagieren, und gründete u.a. die „Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands“ (B.O.K.D), einen Vorläufer des heutigen DBfK. Der Verband vermittelte seinen Mitgliedern Arbeitsplätze, bot Versicherungsschutz und Rechtsberatung an. Weiterhin setzte sich Agnes Karll auch für eine fundierte dreijährige Ausbildung in der Krankenpflege ein. Auch die einheitliche Berufsbezeichnung „Krankenschwester“ ist auf sie zurückzuführen. Die Leistungen von Agnes Karll waren die Grundsteine des modernen Pflegeberufs, für ihre Umsetzung und Weiterentwicklung kämpft der Berufsstand zum Teil noch heute.

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meine Wohnung auch nicht von einem farbenblinden Maler streichen oder gehe vor jedem Dienst zum Zahnarzt, damit ich dental gut drauf bin oder wieder mit dem nötigen Biss zur Arbeit gehe. Aber den Pflegenden wird von Ärzten, Politikern und Gewerkschaften gesagt, was sie tun sollen, was sie dürfen und wohin es als nächstes geht. Sie spielen mit der Pflege „Blinde Kuh“, nur dass die Augenbinde nie abgenommen wird. Wartet nicht darauf! Reißt euch die blinde Binde vom Kopf und macht euch frei! Nicht, um alleine alles lösen zu wollen. Nein, nur als gleich-


Kolumne: Agnes Karll

wertiges Mitglied im Behandlungsteam auf Station, als ebenbürtige Gesprächspartner bei Verhandlungen und als gleichgestellte Vertreter der eigenen Interessen können wir uns darum kümmern, was eigentlich unserem Beruf entspricht: Menschen mit Würde zu pflegen und denen zur Seite zu stehen, die unsere Hilfe brauchen! Die Pflegekammer ist eine Schatzkammer! Es sind viele Schätze darin enthalten, die wiederum viele Möglichkeiten bieten. Bewahren Sie diesen Schatz und verwehren Sie denjenigen den Zutritt, die hieraus eine Rumpelkammer machen wollen! Mit lieben Grüßen, Eure Agnes!

In der nächsten Ausgabe sehen Sie:

Cicely Saunders

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Über den Autor

Matthias Prehm ist Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie, Botschafter von „Humor Hilft Heilen“ der Stiftung von Dr. med. Eckart von Hirschhausen sowie Geschäftsführer von HumorPille®. www.humorpille.de

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Zum guten Schluss

TIPPS & TERMINE

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Tipps & Termine

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20. bis 22.

Juni

2017

HAUPTSTADTKONGRESS 2017 UND DEUTSCHER PFLEGEKONGRESS

City Cube Berlin

Der Deutsche Pflegekongress ist eine Kommunikationsplattform für fachliche und politische Fragen in der Pflege. Die thematische Abdeckung geht von stationär bis ambulant über die Kranken- bis hin zur Altenpflege

Mehr Informationen finden Sie unter: www.hauptstadtkongress.de

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Mehr Informationen finden Sie unter: www.pflegekammer-rlp.de

20.

September

SITZUNG DER VERTRETERVERSAMMLUNG

Hilgardstraße 26, Speyer

Zum guten Schluss Diakonissen Speyer-Mannheim

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9:30 bis 18 Uhr

Die gewählten Mitglieder der Vertreterversammlung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz treffen sich zu einer ganztägigen Sitzung. Die Vertreterversammlung ist öffentlich für Mitglieder der Landespflegekammer. Interessenten werden gebeten, sich aus organisatorischen Gründen in der Geschäftsstelle anzumelden. AUSGABE 02 � PFLEGEKAMMER


Saarbrücken

Tipps & Termine

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29. September bis

3.

2017

9. KONGRESS DER DEUTSCHEN Oktober ALZHEIMER GESELLSCHAFT Der Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist ein Treffpunkt für alle, denen das Thema Demenz am Herzen liegt. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, alle, die haupt- und ehrenamtlich in Beratung, Betreuung, Pflege und Therapie, als Mediziner oder Wissenschaftler tätig sind.

Mehr Informationen finden Sie unter: www.deutsche-­ alzheimer.de

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Zum guten Schluss

GELESEN VON …

Meine Empfehlung

Dr. phil. Edith Kellnhauser

arbeitete nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in Deutschland, Großbritannien, Ägypten und den USA. Sie promovierte 1993 mit einer Dissertation zum Thema „Krankenpflegekammern und Professionalisierung der Pflege: Ein internationaler Vergleich mit Prüfung der Übertragbarkeit auf die Bundesrepublik Deutschland“. Sie ist Autorin beziehungsweise Herausgeberin zahlreicher pflegefachlicher Publikationen. Edith Kellnhauser ist Mitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

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Gelesen von…

Jutta König

100 Fehler bei der Einstufung von Pflegebedürftigen Verlag: Schlütersche Preis: 16,95 Euro ISBN: 9783899938357

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Die Autorin beschreibt in der fünften Auflage ihres aktualisierten Buches die vielseitigen Fehler, kategorisiert nach detaillierten Vorgehensschritten, die bei einer Einstufung und Begutachtung von Pflegebedürftigen vorkommen können. Es werden mögliche Zusammenhänge, Notwendigkeiten, Abhängigkeiten und Erfordernisse aufgezeigt sowie auf die Rechte und Pflichten der Pflegebedürftigen eingegangen. Dabei wird die am 1. Januar 2017 eingetretene Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade zugrunde gelegt. Die Ausführungen haben zum Ziel, die Einstufung vorzubereiten, die häufigsten Fehler bei der Begutachtung und Dokumentation aufzuzeigen sowie auf mögliche weitere Fehler im Einstufungsmanagement und -verfahren hinzuweisen. Die detaillierten Ausführungen und Hinweise in diesem Buch sind denjenigen Kolleginnen und Kollegen als Handbuch zu empfehlen, die damit befasst sind, die korrekte Einstufung der ihnen anvertrauten Pflegebedürftigen durchzuführen und nicht zuletzt dadurch die finanzielle Grundlage der jeweiligen Pflegeeinrichtung zu sichern.

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Zum guten Schluss

Andrea Kuhn

Die Errichtung einer Pflegekammer in Rheinland-Pfalz Verlag: Springer Erhältlich als e-Book, Preis 29,99 Euro ISBN 978-3-658-12541-7

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Die Autorin behandelt die Pflegekammer als fehlenden Baustein in der Professionalisierung des Pflegeberufes. Die Aufgaben der Gründungskonferenz zur Errichtung einer Landespflegekammer Rheinland-Pfalz werden benannt, durch deren Erfüllung den Berufsangehörigen und den politisch Verantwortlichen das Spezielle der Pflege verdeutlicht werden soll. Zusammenhängend damit wird der lange Entwicklungsweg des Pflegeberufes hinsichtlich der Einlösung klassischer Professionsmerkmale expliziert. Die erstmalige Abstimmung der Berufsangehörigen bezüglich deren Sicht einer Pflegekammer und damit deren Einbindung in den Gründungsprozess der Pflegekammer wird verdeutlicht. Die Bedeutung der Existenz einer Pflegekammer im größeren Zusammenhang der Sozial- und Gesundheitspolitik sowie des Interesses der Pflegeempfänger wird erläutert. Dieses Buch ist Kolleginnen und Kollegen zu empfehlen, die sich mit den Charakteristika von Professionen generell und denen der Profession Pflege im Besonderen sowie deren Zusammenhang mit Pflegekammern vertieft befassen möchten.


„Getreu dem Motto Passion & Profession sind wir, Carry-On Trade Publishing – „als Professional Caretakers in Publishing“ auf der Suche nach leidenschaftliche Pflege- und Gesundheitsprofis zur Verstärkung unseres Verlagsteams.

Carry-On Trade Publishing ist ein rein digitales Medienhaus mit Sitz in Berlin. Als Fachbereich des Medienunternehmens Carry-On Publishing sprechen wir unterschiedliche Leserinnen und Leser aus den Bereichen professionelle Pflege, pflegende Angehörige und Best Ager an. Wir streben danach, bekannte Themenfelder wie „Pflege, Gesundheit und Gesunderhaltung“ neu zu denken und Inhalte zu entwickeln, die den Informationsaustausch zwischen den Zielgruppen fördern und in Summe für eine höhere Aufgeklärtheit im Kontext Pflege und Gesundheit sorgen. Als erster digitaler Verlag veröffentlichen wir im Auftrag der Pflegekammer Rheinland-Pfalz die erste Organschaft im Bereich Pflege. Darüber hinaus publizieren wir mit „Lebenlang“ www.lebenlang.de ein Magazin auf der Schnittstelle professionell Pflegende, pflegende Angehörige und Betroffene. Zur Weiterentwicklung unseres Verlags möchten wir zum nächstmöglichen Termin folgende Positionen in Fest- oder Freelance-Anstellung besetzen:

Editorial/Redaktion (Senior) Content Sourcer/ Editor Pflege & Gesundheit Editor/Redakteur FREELANCE Design/Kreation (Junior) Editorial Designer Editorial Design Freelance

Sales/Account Manager Account Manager Content Marketing Sales Consultant in der Anzeigenvermarktung Werkstudenten/Praktikanten in den Bereichen Redaktion, Projektmanagement und Grafik Wir bieten Ihnen anspruchsvolle und interessante Tätigkeiten in einem dynamischen und innovativen Unternehmen und laden Sie ein, beim Aufbau unserer digitalen Medienmarken dabei zu sein.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann freuen wir uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung (Anschreiben, Lebenslauf und wenn vorhanden Text-/Arbeitsproben) per E-Mail an mail@carry-on-trade-publishing.com


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PFLEGEKAMMER Ausgabe 2 – "Medikamentenmanagement"  

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