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MÄRZ 2017

Schwerpunktthema

DAS NEUE WIR – 1 JAHR LANDESPFLEGE­KAMMER RHEINLAND-PFALZ

Pflege & Politik

GENERALISTIK: EIN STEINIGER WEG IN DIE ZUKUNFT

Recht

ANTIKORRUPTIONSGESETZ: BETRIFFT AUCH DIE PFLEGE

Praxis & Beruf

BERUFSFELD PFLEGE – EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT


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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dr. Markus Mai Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Laura Serra

ie halten die brandneue, vor allem aber auch die allererste Ausgabe unseres Kammermagazins in den Händen. Damit wollen wir in erster Linie unsere mehr als 40.000 Mitglieder aus den Bereichen der Gesundheitsund Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie der Altenpflege über alle Entwicklungen rund um das Thema Pflege im Allgemeinen und die Kammerarbeit im Besonderen informieren. Darüber hinaus soll PFLEGEKAMMER - das Magazin, die mehr als berechtigten Forderungen der Pflegenden an die Öffentlichkeit und an Entscheidungsträger aus dem Gesundheitswesen und der Politik herantragen, um uns Gehör zu verschaffen. Nach einem Jahr Kammerarbeit können wir feststellen: Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz bewegt! Im vergangenen Jahr haben sich zahlreiche Ausschüsse und Arbeitsgruppen gebildet, die sich nun mit inhaltlichen Themen der Pflege, wie z.B. Berufsordnung, Fort- und Weiterbildung, Langzeitpflege und Ethik beschäftigen. Zudem haben wir uns für die Interessen der Pflegenden im Land eingesetzt und in deren Sinne sowie im Sinne einer optimalen, bedarfsgerechten

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Editorial

pflegerischen Versorgung unserer Patienten, Klienten und Bewohner mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Gesundheitswirtschaft sowie mit den weiteren Akteuren im Gesundheitswesen beraten und verhandelt. Wir sind in wichtigen Gremien als Stimme der Pflegenden präsent! So sind wir jetzt u.a. Mitglied des Landeskrankenhausplanungsausschusses sowie des Landespflegeausschusses und konnten in zahlreichen Gesprächen die Position der Pflege stärken. Zusammen mit weiteren Akteuren konnten wir so beispielsweise während der Koalitionsverhandlungen der neuen Landesregierung durchsetzen, dass die Investitionsmittel des Landes in Krankenhäuser, nach jahrelanger Stagnation, erhöht werden. Einen Rückblick über das erste Kammerjahr 2016 finden Sie hier in dieser Jahresausgabe.

Bundespflegekammer muss kommen

Es ist gut, dass wir neben Rheinland-Pfalz auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen Kammergründungen erleben und in fast allen anderen Bundesländern intensiv debattiert

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ES IST ZU ERWARTEN, DASS SICH DIE ERRICHTUNG DER ERSTEN PFLEGEKAMMERN UND DAMIT DER ERSTE ERKENNBARE NUTZEN FÜR DEN BERUFSSTAND WIE DOMINOSTEINE AUF WEITERE BUNDESLÄNDER AUSWIRKEN. wird, ob und wann die Pflegenden eine starke Stimme bekommen. Die Bestrebungen zur aktiven Mitgestaltung der Landespolitik in Sachen Pflege wachsen stetig. Es ist zu erwarten, dass sich die Errichtung der ersten Pflegekammern und damit der erste erkennbare Nutzen für den Berufsstand wie Dominosteine auf weitere Bundesländer auswirken. Das ist aber noch nicht ausreichend. Denn: Nicht alles ist auf Landesebene regelbar. Deutschland, mit

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Editorial

seinen 16 Bundesländern, ist föderalistisch aufgebaut. Es gibt Verantwortlichkeiten, die jedes Land regeln kann, wie z.B. die Berufsordnung, und es gibt Aufgaben, die nur auf Bundesebene festzuschreiben sind, wie z.B. die Ausbildung. Gerade die Rahmenbedingungen und Regelungen des Gesundheitswesens werden zu großen Teilen auf der Bundesebene festgelegt. Und dies nicht allein von der Politik, sondern in vielerlei Hinsicht auch von den Akteuren des Gesundheitswesens im Rahmen der Selbstverwaltung selbst, wie z. B. den Krankenkassen oder den jeweiligen Berufsgruppen. Deshalb ist es von so entscheidender Bedeutung, gerade auch an dieser Stelle „mitspielen“ und entscheiden zu können. Diese Ebene muss dringend von uns Pflegenden bearbeitet werden. Eine Bundespflegekammer ist daher nicht nur der nächste logische Schritt. Wir müssen ihn vielmehr auch möglichst schnell gemeinsam gehen.

Erster rheinland-pfälzischer Pflegetag in Mainz

Unsere politische Arbeit stellt zwar

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einen wichtigen Punkt dar, ist aber nicht die einzige Herausforderung, der wir uns widmen. Die fachliche und inhaltliche Weiterentwicklung der Pflege in allen Sektoren und allen Settings ist Daueraufgabe der Landespflegekammer. Auch deshalb findet am 3. Mai 2017 zum ersten Mal der rheinland-pfälzische Pflegetag in der Mainzer Rheingoldhalle statt. Die Pflegesettings u. a. in der Akutpflege und Langzeitpflege werden abgebildet. Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis berichten über ihre Erfahrungen. Dieser erste Pflegetag soll auch ein Symbol für unser gemeinsames Engagement und eine Grundlage für die Positionierung unserer Forderungen und Anliegen darstellen. Erleben Sie ein Angebot, das vornehmlich an regionalen Projekten und innovativen Ideen ausgerichtet ist. Gerne können Sie mit uns über die neu entstehende Weiterbildungsordnung diskutieren, sich ein Bild über die Arbeit der Pflegekammer machen oder die Stände unserer Aussteller besuchen und sich dort über Neuheiten informieren. Besonders freuen wir uns, dass die Ministerpräsidentin unseres Bundeslan-


Editorial

des, Frau Malu Dreyer, den Pflegetag mit einem Grußwort eröffnet. Weitere Informationen finden Sie in dieser Ausgabe oder auch unter www. pflegetag-rlp.de. Mit Ihnen wollen wir »Pflege Gemeinsam Gestalten«. •

Wir brauchen das Jahrzehnt der Pflege!

Die Pflegenden in Deutschland werden auch in dem gerade begonnenen Jahr vor großen Herausforderungen, aber auch Erwartungen stehen! Die Anforderungen zu erfüllen, die an uns Pflegende gestellt werden, ist schon jetzt ein immenser Kraftakt und wird mehr und mehr nicht mehr leistbar sein. Wir müssen endlich zu deutlich besseren Rahmenbedingungen finden, um wieder so zu pflegen, wie es angemessen ist. Die Zeit der Ausbeutung muss endlich vorüber sein.

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Pflege ist derart groß und derart komplex, dass Anstrengungen aller Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, d.h. von Politik, Kostenträgern und Leistungserbringern, vonnöten sind. Reine Absichtserklärungen helfen nicht mehr weiter. Wir müssen gemeinsam auf allen Ebenen eine Initiative starten, die die Rahmenbedingungen von Pflege erfasst und Konzepte zur Verbesserung erarbeitet. Hierzu bedarf es eines gemeinsamen Vorgehens von allen Akteuren in der Pflege, nicht zuletzt der Kammern, Berufsverbände und Gewerkschaften. Sie sehen, es gibt vieles zu bewegen. Lassen Sie es uns gemeinsam anpacken! Jetzt wünsche ich Ihnen aber erst einmal eine interessante Lektüre Ihres PFLEGEKAMMER Magazins.

Deshalb muss 2017 das Jahrzehnt der Pflege beginnen!

In diesem Jahrzehnt der Pflege müssen wir das Pflegesystem so nachhaltig verändern, dass es zukunftsfit gemacht wird. Die Problemlage in der

Ihr Markus Mai Präsident der Landespflegeskammer Rheinland-Pfalz

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Inhalt

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INHALT GENERALISTIK: Der steiniger Weg in die Zukunft MÄRZ 2017

"DAS NEUE WIR" pflegekammer-rlp.de

10 Pflege & Politik

50  Pflegekammern weltweit

19 Kammer in Zahlen

56 Kammergeflüster in Deutschland

20 Präventionsgesetzt: Ein Interview mit Hans-Josef Börsch 26 Gesetzliche Personalbemessung 28 Keine Stigmatisierung von Pflegenden 30 Aktion: Gefährdungsanzeige 32 Gute Pflege braucht Zeit 34 Auch Pflegende werden immer älter

Coverbild: tai111 fotolia.com

"DAS NEUE WIR" 1 Jahr Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

36 Annerkennung reicht nicht aus: Warnstreiks 44 Pflege noch immer am politischen Katzentisch

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66 Schwerpunktthema 68 Der lange Weg zur Selbstverwaltung 74 Damit die Pflege gehört wird 80 Eine (eigene) Pflegegewerkschaft? 84 Wo Pflege politisch mitmischt 90 Pflege gemeinsam gestalten: Interview mit Sandra Postel: 100 Mitmachen, mitbestimmen, mitgestalten


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Inhalt

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LESERFRAGE

KOMMUNIKATION: Sprachpflege & Pflegesprache

TEAMFÜHRUNG & MOTIVATION – was haben die Pflege und Philipp Lahm gemeinsam

112 Vier Fragen – Vier Antworten

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118 Netzgezwitscher

Beruf & Praxis

128 Wissen & Lernen 130 Versorgungsqualität: Leitlinien & Expertenstandards 136 Berufsfeldentwicklung – Blick in die Zukunft 144 Kommunikation: Sprachpflege & Pflegesprache

162 Im Interview: Die Pflege und ... Philipp Lahm 176 Wichtiger Termin: 1. Pflegetag Rheinland-Pfalz 180 Interview: "Seid mutig und gestaltet mit."

186 Zum guten Schluss

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188 Kolumne: Die Lady mit der Lampe

Rat & Recht

194 Impressum

154 Antikorruptionsgesetz: Verschärfte Regeln auch für Pflegefachpersonen

MITMACHEN MITGESTALTEN MITWIRKEN? Sie haben Rückfragen zu einzelnen Arzikel im Heft? Oder Sie würden gerne bestimmte Themen im Kammermagazin näher beleuchtet haben? Dann schreiben Sie uns an untenstehende E-Mail Adresse. Wir nehmen Ihre Themenwünsche jederzeit gerne mit auf. Nutzen Sie die Möglichkeit, die Inhalte lesen zu können, die Sie besonders interessieren. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.

Bei Fragen oder Feedback schreibe uns gerne eine E-Mail: hallo@pflegekammer-magazin.de

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Kontributoren

TEXT Matthias Düring Alexander Kords Uwe Lötzerich Katja Ranz Tim Rödiger Matthias Prehm

LEKTORAT Alexander Kords Antje Ritter

FOTOGRAFIE Raissa Axmann Simon Rottler

AUDIO Claus Kuhlmann

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Kontributoren

BILDBEARBEITUNG

VIDEO

Helena Melikov Natalie Unterschütz

Lale Tütüncübaçi Marie Darme

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DESIGN & LAYOUT Helena Melikov

DOWNLOADS

PODCAST

ILLUSTRATION Helena Melikov Dana Lungmuss Jeannette Mokosch Laura Serra Kyutae Lee

Sandra Postel im Interview Postkarten & Wallpaper

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Rubrik

Dana Lungmuss

PFLEGE & POLITIK

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Pflege & Politik

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36 Anerkennung allein reicht nicht aus

38 GENERALISTIK Ein steiniger Weg in die Zukunft

44 Die Berufsgruppe Pflege sitzt immer noch am politischen Katzentisch ... und viele spannende Themen mehr

Illustration als Wallpaper downloaden MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

PAPIER & DIGITAL

Foto: mixetto iStocphoto.com

Bestens informiert auf allen Kanälen!

INTERAKTIV Jederzeit verfügbar und mit interaktiven Elemente angereichert ist die digitale Ausgabe des Kammermagazins, die die Themen der Kompaktversion in Print um Interviews, Videos, Downloads & Themenstrecken fortsetzt. Die interaktive Ausgabe ist über Handy, Computer oder Tablet lesbar und wird sechsmal pro Jahr publiziert

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KOMPAKT Im handlichen A5-Format erhalten die Mitglieder fünfmal pro Jahr die wichtigste Stellungnahmen, Positionspapiere und Kommentare zu aktuellen, pflegerelevanten Themen nach Hause geliefert


Kammerkommunikation heute

JAHRESAUSGABE Einmal pro Jahr erhält jedes Mitglied eine Jahresausgabe des Kammermagazins, in der die Kammer aufzeigt und darlegt, was im abgelaufenen Jahr für die Mitglieder im Detail und für die Pflege als Berufsstand geschehen ist. Darin enthalten sind auch weitere wichtige Unterlagen zur Mitgliedschaft

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Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz geht neue Wege in allen Bereichen – auch in der Kommunikation. Statt eines klassischen, gedruckten Fachblatts erhalten alle Mitglieder branchenaktuelle Pflegenews und Pflegefachartikel in einem Zusammenspiel aus gedruckten und digitalen Inhalten. Lassen Sie sich überraschen. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

Die einen lieben den haptischen Kontakt mit dem Gedruckten. Wenn sie lesen, genießen sie den Moment und die Ruhe, die sie sich dafür nehmen, oder brauchen das Rascheln, wenn sie die Seiten umblättern. Die anderen wollen den Text am liebsten immer und überall digital, auf dem Smartphone, auf dem Tablet oder auf dem Rechner. Auf die Frage „Online oder offline?“ gibt es also nur eine Antwort: „Beides – aber nicht um jeden Preis!“ Wir bieten Ihnen unsere Magazine so, wie Sie es möchten und wie es für die jeweiligen Inhalte auch am sinnvollsten ist. So erhalten alle Mitglieder der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz fünf Mal im Jahr eine gedruckte Ausgabe der „PFLEGEKAMMER kompakt“, die pointiert und kommentiert die wichtigsten Ereignisse und Kernaussagen für den jeweiligen Zeitraum zusammenfasst. Diese kleinere Kompaktausgabe (DIN A5) schicken wir Ihnen frei Haus zu – Sie müssen nichts tun, um diese zu erhalten. „PFLEGEKAMMER interaktiv“ ist eine digitale Variante Ihres Pflegekammer-Magazins, welches die Inhalte der Kompaktausgabe ergänzt und anreichert.

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Der Vorteil beim Digitalen: Sie können dort ausführliche Hintergrundinformationen und -berichte sowie Infografiken, Downloads, weiterführende Links und ergänzende Interviews/Porträts erhalten, ohne dass dies Produktions- und Portokosten verursacht. Wir gehen verantwortungsbewusst mit den von Ihnen bereitgestellten Mitgliedsbeiträgen um – wollen aber gleichzeitig nicht darauf verzichten, Sie laufend und vielfältig zu informieren. Die digitale Version von „PFLEGEKAMMER - das Magazins“ finden Sie im zweimonatlichen Rhythmus neu auf unserer Website. Sie kann, wie auch von Printmagazinen gewohnt, durchgeblättert werden. Darüber hinaus erhalten Sie einmal im Jahr ein sogenannten Jahresausgabe der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, die Ihnen einen transparenten, ehrlichen und offenen Einblick in das Geschehene des ver gangenen Jahres vermitteln soll. Dieser Jahresbericht ist etwas umfangreicher und größer als die Kompaktausgabe, da wir sicherstellen wollen, dass wir auch den nicht so digital-


Kammerkommunikation heute

VIDEO APSPIELEN affinen Mitgliedern unter Ihnen Rechenschaft ablegen können. Die Erstausgabe des Berichts halten Sie vermutlich gerade in Ihren Händen oder durchblättern sie in diesem Moment digital auf Ihrem Smartphone. Sie sehen: ein durchdachtes Konzept, das allen Informationsbedürfnissen und -vorlieben entgegenkommt. Dabei sind wir so digital, so ausführlich und so persönlich, wie Sie es

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wünschen – entsprechend sind Ihre Rückmeldungen, Themenvorschläge, Interessenschwerpunkte jederzeit willkommen. Nutzen Sie die Chance und machen Sie es zu Ihrem Magazin! Besuchen Sie daher auch regelmäßig unsere Website www.pflegekammer-rlp.de und erleben Sie dort, wie sich die Welt der Pflege kontinuierlich weiterentwickelt, oder melden Sie sich zu unserem Newsletter an und Sie werden dann benachrichtigt, wenn die neue Ausgabe Ihrer „PFLEGEKAMMER interaktiv“online verfügbar ist. (NST)

www.pflegekammer-rlp.de

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PFLEGE KAMMER interaktiv lesen

Pflegekammer interaktiv ist ein digitales Magazin und bietet als solches die Möglichkeit, Bilder, Videos und Links zu anderen Webseiten direkt einzubinden. Dazu nutzt der publizierende Verlag von Pflegekammer interaktiv (Carry-On Trade Publishing) die Magazin-Plattform Issuu. Diese wurde bereits 2006 in Kopenhagen ins Leben gerufen, bis heute wurden darüber über 30 Millionen Titel veröffentlicht. Issuu funktioniert auf allen Computern und Laptops – egal ob Windows oder Mac –, solange eine Verbindung

zum Internet besteht. Man kann, wie bei einer Print-Version, Lesezeichen setzen und einzelne Seite mit Kollegen oder Freunden teilen (zum Beispiel über Facebook, Twitter etc.). Außerdem gibt es eine Suchfunktion und Links zu den im Artikel erwähnten Personen und Organisationen, aber auch Autoren und Fotografen. Seiten können vergrößert und das Magazin auch im Vollbildmodus gelesen werden. Hier eine kurze Übersicht über alle relevanten Funktionen.

Hier in der Ansicht zu sehen: das Cover der Pflegekammer interaktiv. Einfach mit dem Finger auf dem Handy von rechts nach links blättern („swipen“) oder mit der Pfeiltaste zur nächsten Seite klicken.

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WICHTIGE FUNKTIONEN AUF ISSUU:

Mit der Clip-Funktion können Teile einer Seite ausgeschnitten und über soziale Kanäle wie Facebook und Twitter oder per Mail an Kollegen oder Interessierte gesendet werden. Die Menüleiste am unteren Ende der Seite ist ein nützliches Tool. Neben der Möglichkeit, die aufgeschlagene Seite auf der eigenen Pinnwand zu teilen, wird die Seitenzahl angegeben. So weiß man immer, wo im Heft man sich gerade befindet.

Eine Seitenübersicht hilft, schnell durch die gesamte Ausgabe navigieren zu können. Die Lupe öffnet ein Suchfeld, wodurch man das gesamte Magazin nach Einzelbegriffen durchsuchen kann. Durch einmaliges Anklicken vergrößert sich die Ansicht auf den gesamten Bildschirm. Durch Doppelklick auf die Seite oder durch das erneute Anklicken des Zeichens an gleicher Position verkleinert sich die Seite wieder. Vollbildansicht. Diese kann mit der Escape-Taste beendet werden.

Die blau umrandeten Rechtecke sind Links. Wenn man den Zeiger auf das Rechteck bewegt, erscheint das oben gezeigte Menü. Ein Klick auf das rechte Symbol, die Kettenglieder, führt zum gewählten Link.

Wer Pflegekammer interaktiv nicht nur online lesen möchte, kann sich das Magazin auch auf ein Tablet oder Smartphone herunterladen. GooglePlay und der Apple Newsstand bieten die App als kostenlosen Download an.

für alle Android-Geräte für iPhones & iPads

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„Getreu dem Motto Passion & Profession sind wir, Carry-On Trade Publishing – „als Professional Caretakers in Publishing“ auf der Suche nach leidenschaftliche Pflege- und Gesundheitsprofis zur Verstärkung unseres Verlagsteams.

Carry-On Trade Publishing ist ein rein digitales Medienhaus mit Sitz in Berlin. Als Fachbereich des Medienunternehmens Carry-On Publishing sprechen wir unterschiedliche Leserinnen und Leser aus den Bereichen professionelle Pflege, pflegende Angehörige und Best Ager an. Wir streben danach, bekannte Themenfelder wie „Pflege, Gesundheit und Gesunderhaltung“ neu zu denken und Inhalte zu entwickeln, die den Informationsaustausch zwischen den Zielgruppen fördern und in Summe für eine höhere Aufgeklärtheit im Kontext Pflege und Gesundheit zu sorgen. Als erster digitaler Verlag veröffentlichen wir im Auftrag der Pflegekammer Rheinland-Pfalz die erste Organschaft im Bereich Pflege. Darüber hinaus publizieren wir mit „Lebenlang“ www.lebenlang.de ein Magazin auf der Schnittstelle professionell Pflegende, pflegende Angehörige und Betroffene. Zur Weiterentwicklung unseres Verlags möchten wir zum nächst möglichen Termin folgende Positionen in Fest- oder Freelance-Anstellung besetzen.

Editorial/Redaktion (Senior) Content Sourcer/ Editor Pflege & Gesundheit Editor/Redakteur FREELANCE Design/Kreation (Junior) Editorial Designer Editorial Design Freelance

Sales/Account Manager Account Manager Content Marketing Sales Consultant in der Anzeigenvermarktung Werkstudenten / Praktikanten in den Bereichen Redaktion, Projektmanagement und Grafik Wir bieten Ihnen anspruchsvolle und interessante Tätigkeiten in einem dynamischen und innovativen Unternehmen und laden Sie ein, beim Aufbau unserer digitalen Medienmarken dabei zu sein.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann freuen wir uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung (Anschreiben, Lebenslauf und wenn vorhanden Text-/Arbeitsproben) über unser per Mail an mail@carry-on-trade-publishing.com


Pflege & Politik

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KAMMER IN ZAHLEN Anteil der Männer

38.815

registrierte Mitglieder davon sind 33.558 Frauen und 5.257 Männer

Anteil der Frauen

81

Vertreter aus allen Berufsfeldern der Pflege

(Stand: Dezember 2016)

38.527

Mitglieder aus Rheinland-Pfalz

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Pflege & Politik

PRÄVENTION

Foto: Andre B.

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Hans-Josef Börsch

Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz wurde die Landesrahmenvereinbarung zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention unterzeichnet

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Herr Börsch, bei Präventionsgesetz denkt man irgendwie, dass plötzlich jeder gezwungen werden soll, gesund leben zu müssen, an den Zwang zu Smoothies, Marathon oder Yoga. Aber das ist es doch sicher nicht, oder? Nein, davon kann beim Präventionsgesetz keine Rede sein. Vielmehr reagiert der Gesetzgeber mit dem Präventionsgesetz auf gesellschaftliche Veränderungen, wie


Prävention

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Also geht es im Kern darum, Menschen zu stärken, die aufgrund von besonderen Lebenslagen oder Mehrfachbelastungen zum Beispiel durch Beruf, Familie, häusliche Pflege oder Ehrenamt einen erhöhten Bedarf an Präventionsmaßnahmen haben. Sie sollen in ihren Lebenswelten gefördert werden. Was genau verbirgt sich dahinter?

den demographischen Wandel, die wachsende Zahl an psychischen und chronisch-degenerativen Erkrankungen sowie die Veränderungen in den Anforderungen der Arbeitswelt. Vor allem soll die Gesundheitsförderung und Prävention in den Lebenswelten der Bürger gestärkt und ausgebaut werden.

Die Lebenswelten der Menschen sind entscheidende Gestaltungsräume der alltäglichen Arbeits-, Lebensund Lernbedingungen und haben eine hohe Bedeutung für die Gesundheit. Typische Lebenswelten sind zum Beispiel die Kommunen, die Kindertagesstätten und sonstige Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe, Schulen, Hochschulen, Betriebe, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen sowie Einrichtungen der ambulanten und pflegerischen Versorgung. Sie besitzen als abgrenzbare soziale Systeme des Wohnens, Lernens, Studierens, Arbeitens, der medizinischen und pflegerischen Versorgung und der Freizeitgestaltung Bedeutung für die Gesundheit.

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Pflege & Politik

Wie wird denn gewährleistet, dass Leistungen, die ein Bundesgesetz einfordert, tatsächlich in den Lebenswelten der Menschen ankommen? Im Präventionsgesetz sind zwei Handlungsebenen vorgesehen. Auf Bundesebene werden in der Nationalen Präventionskonferenz bundeseinheitliche Rahmenempfehlungen, insbesondere gemeinsam zu verfolgende Ziele und Handlungsfelder sowie Zielgruppen festgelegt. Außerdem verfasst die Nationale Präventionskonferenz regelmäßige Berichte über die Entwicklung der Gesundheitsförderung und Prävention. Auf der zweiten, der Landesebene, werden durch die Sozialversicherungsträger und die in den Ländern zuständigen Stellen zur Umsetzung der Nationalen Präventionsstrategie Landesrahmenvereinbarungen getroffen. Im Februar 2016 wurden die Bundesrahmenempfehlungen verabschiedet. Bereits im Juli des gleichen Jahres wurde in Rheinland-Pfalz die Landesrahmenvereinbarung unterzeichnet, deutlich schneller als in den meisten

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anderen Bundesländern. Sie sieht vor, die Leistungen des Präventionsgesetzes so einzusetzen, dass ungleiche Gesundheitschancen abgebaut werden. Die Basis dafür bildet die Gesundheitsberichterstattung des Landes und der Kommunen. Das sind sehr gute Ansätze, um die Gesundheitsförderung und Prävention in den Lebenswelten der Menschen voranzutreiben. Ob diese Kooperationen Früchte tragen und beispielsweise die Kommunen als Träger vieler wichtiger Lebenswelten nachhaltig miteingebunden werden, wird die nahe Zukunft zeigen. Wir als Pflegekammer haben einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag und werden die Entwicklungen bei der Umsetzung des Präventionsgesetzes beobachten. Wir brauchen eine wirksame Prävention, um gesundheitliche Ungleichheit abzubauen.


Prävention

Profitieren denn auch Pflegende von diesen Maßnahmen? Die Arbeit in der Pflege wirkt sich aufgrund von ungünstigen Arbeitsbedingungen oftmals negativ auf die Gesundheit der Pflegenden aus. Sie ist aber auch ein wesentlicher Aspekt für den sozialen Status und Zusammenhalt, Wohlstand oder Identität des Einzelnen und kann damit gesundheitsförderlich wirken. Die Mittel des Präventionsgesetzes müssen deshalb zwingend in der betrieblichen Gesundheitsförderung in den verschiedenen Einrichtungen abgerufen werden. Die Arbeitgeber sind hier gefordert, sich aktiv um entsprechende Programme der GKV zu bemühen und an diesen teilzunehmen. Dies alleine wird die Arbeitsbedingungen in der Pflege vielerorts aber nicht verbessern. Es ist dringend erforderlich, Personalbemessungsinstrumente zu etablieren, damit endlich genügend Personal vorhanden ist, um so pflegen zu können, wie es eine gute Pflege erfordert. Nur so können die Kolleginnen und Kollegen entlastet werden. Außerdem sind die Gehaltsniveaus vor allem in der Altenpflege so gering, dass ne-

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DIE GEHALTS­ STRUKTUREN MÜSSEN AUF EIN AKZEPTABLES NIVEAU ANGEHOBEN WERDEN, DAMIT NIEMAND, DER SICH FÜR DEN PFLEGEBERUF ENTSCHEIDET, VON ARMUT BEDROHT IST. gative Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebenserwartung nicht auszuschließen sind. Dies wissen wir nicht erst seit dem jüngsten Armutsbericht der Bundesregierung. Die Gehaltsstrukturen müssen auf ein akzeptables Niveau angehoben werden, damit niemand, der sich für den Pflegeberuf entscheidet, von Armut bedroht ist. Die Mittel des Präventionsgesetzes können für Pflegefachpersonen also nur unterstützend wirken. Langfristige Verbesserungen werden nur durch ein bundesweites, gemeinsames Vorgehen der Pflege durchgesetzt.

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Pflege & Politik

Künftig sollen auch Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen mit gesundheitsfördernden Angeboten erreicht werden. Ist denn diese Aufgabe für Pflegekräfte überhaupt zusätzlich zu bewältigen? Die soziale Pflegeversicherung unterstützt stationäre Einrichtungen bei der Gestaltung von gesundheitsfördernden Bedingungen für die Bewohner durch entsprechende präventive Leistungen. Dies soll unter Beteiligung versicherter Pflegebedürftiger und Pflegeeinrichtungen geschehen. Selbstverständlich wird sich die Pflege vor Ort mit ihrer Expertise konstruktiv in die Erarbeitung von entsprechenden Maßnahmen einbringen. Dennoch bedarf es grundlegender Veränderungen: Auch wenn das Präventionsgesetz nun dazu führt, dass MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

die Sozialversicherungsträger pro Versicherten deutlich mehr Geld für die Gesundheitsförderung und Prävention verausgaben, steckt die Anerkennung und Vergütung von Präventionsmaßnahmen durch die Pflege immer noch in den Kinderschuhen. Auch das Präventionsgesetz verortet Präventionsleistungen, wie etwa Beratung, immer noch bei der Ärzteschaft. Beratung und Prävention sind originäre Aufgaben der Pflege. Wir haben die Kompetenz und das Selbstverständnis. Und zwar nicht nur durch Modelle wie Gemeindeschwesterplus, sondern in der Pflege insgesamt. Es bleibt außerdem das Problem der Personalausstattung. Prävention setzt die Zeit voraus, um den Bewohner oder die Patientin umfangreich kennenzulernen, entsprechende Maßnahmen zu planen, umzusetzen und zu evaluieren. Hier ist eine gesetzliche Personalbemessung dringend erforderlich. Aber ich wiederhole mich. Weiterhin fehlt insbesondere im ambulanten Bereich die Zeit für die wertvolle Prävention. Die ambulanten Dienste sind im Präventionsgesetz leider nicht explizit genannt.


Prävention In Rheinland-Pfalz stellen die gesetzlichen Krankenkassen im Land 23 Millionen Euro zur Umsetzung vorbeugender Maßnahmen zur Verfügung. Wofür genau wird dieser Betrag verwendet? Die im Präventionsgesetz festgelegten Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung betrugen für 2016 ca. 7 Euro pro Versicherten und Jahr für Prävention und Gesundheitsförderung und damit für Rheinland-Pfalz eine Summe von ca. 23 Millionen Euro. Davon werden für die betriebliche Gesundheitsförderung und Leistungen zur Gesundheitsförderung in nichtbetrieblichen Lebenswelten jeweils mindestens 6 Millionen ausgegeben. Außerdem erhält die BZgA für die Unterstützung kassenübergreifender Leistungen für Versicherte in Rheinland-Pfalz von dieser Summe eine Vergütung vom GKV-Spitzenverband. Die Mittel werden dann von den gesetzlichen Krankenkassen für Projekte der Gesundheitsförderung und Prävention in den verschiedenen Lebenswelten genutzt, um sich durch ein hohes Maß an Präventionsleistungen im Wettbewerb gegeneinander zu profilieren. Deshalb tendieren die Krankenkassen leider oft-

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WEITERHIN FEHLT INSBESONDERE IM AMBULANTEN BEREICH DIE ZEIT FÜR DIE WERTVOLLE PRÄVENTION. DIE AMBULANTEN DIENSTE SIND IM PRÄVENTIONSGESETZ LEIDER NICHT EXPLIZIT GENANNT. mals zu öffentlichkeitswirksamen Programmen, anstatt in langfristig wirksame Programme zu investieren. Dies ist systembedingt und ich mache den Kassen da keinen Vorwurf. Nichtsdestotrotz ist das Präventionsgesetz ein Schritt in die richtige Richtung. Denn Prävention und Gesundheitsförderung sind nicht nur seit jeher pflegerisches Grundanliegen, sondern für die Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit und damit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unabdingbar. (Red.) MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

Antrag: GESETZLICHE PERSONAL­­ BEMESSUNG MUSS HER!

„Wir brauchen dringend eine Personalbemessung in allen Bereichen, in denen Pflege stattfindet. Diese muss zwingend gesetzlich verankert sein und sich auf Personalstärke und Qualifikation beziehen.“

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Das sagt Waltraud Friedrich. Sie ist Mitglied der Vertreterversammlung der Pflegekammer Rheinland-Pfalz und Initiatorin eines Antrags an die Bundesregierung zur gesetzliche Personalbemessung in der Pflege, den die Vertreterversammlung am 21. September 2016 einstimmig beschlossen und formuliert hat. „In den letzten Jahren sind die Fallzahlen in den Krankenhäusern angestiegen, während gleichzeitig die Beschäftigungszahlen von beruflich Pflegenden


Personalbemessung

zurückgegangen sind. In den Altenheimen wird die Einhaltung der Personalregelung nicht mehr flächendeckend gewährleistet, und der Bereich der ambulanten Pflege steht ebenfalls unter gewaltigem Druck“, heißt es in dem Schreiben an die Bundesregierung. „Es muss endlich Schluss mit der Ausbeutung der Pflegenden sein! Wir wollen uns wieder um die Patientinnen und Patienten kümmern können und die Zeit für das so wichtige pflegerische Handeln, gerade auch für notwendige Prävention, haben.“

PFLEGE NACH KASSENLAGE

Personalplanung in der Pflege finde zu sehr nach Kassenlage statt und müsse sich wieder stärker an der tatsächlichen Bedarfslage orientieren. Eine gesetzlich verankerte Personalbemessung sei der richtige Weg, um eine angemessene und adäquate Pflege sicherzustellen, so die Vertreterversammlung. Von großer Bedeutung

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ES MUSS ENDLICH SCHLUSS MIT DER AUSBEUTUNG DER PFLEGENDEN SEIN!

sei es, belastbare Instrumente zur Messung von pflegerischer Leistung zu etablieren, die die Basis für eine entsprechend gesetzliche Personalbemessung darstellen müssten. Die Einrichtung einer Expertenkommission beim Bundesgesundheitsminister sei sicherlich ein richtiger Schritt. Ausreichend ist dieser aber nicht, so der Kammervorstand. Die Entwicklung von Messinstrumenten müsse zwingend wissenschaftlich begleitet und damit valide sein.

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Pflege & Politik

KEINE STIGMATISIERUNG VON PFLEGENDEN! Betrugsfälle dürfen nicht zu Generalverdacht führen

Karim Elkhawaga

Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

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Betrugsfälle durch ambulante Pflegedienste mit osteuropäischem Hintergrund – ein unschönes Thema, das sich im letzten Jahr den Weg in die Medien gebahnt hat. Absprachen zwischen Patienten und Betreibern zulasten der Pflegeversicherung standen im Fokus der Berichterstattung. Präsident Markus Mai fordert Aufklärung und Prävention, aber keinesfalls Stimmungsmache gegen Pflegende.


Schließlich erbringe ein Großteil der Pflegenden korrekte Leistungen und habe eine Stigmatisierung aus diesem Grund nicht verdient. „Die Kolleginnen und Kollegen, die täglich anspruchsvolle Pflege leisten, erweisen unserer Gesellschaft einen großen Dienst und ermöglichen durch ihren Einsatz vielen Menschen ein Leben zu Hause. Sie haben Respekt und Anerkennung verdient. Die

Rahmenbedingungen, unter denen gepflegt wird, sind schwer genug. Ein Generalverdacht gegen die Berufsangehörigen der Pflege muss daher unbedingt vermieden werden“, erklärt Karim Elkhawaga, Vorstandsmitglied der Landespflegekammer. Für Expertise sowie zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in der ambulanten Pflege steht die Pflegekammer zur Verfügung.

Foto: KatarzynaBialasiewicz

Keine Stigmatisierung

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Pflege & Politik

E T I E W S E BUND ­ S ­ G N U D GEFÄHR ANZEIGE h ic s t ig il e t e b r e kamm Die Landespflege ereins V s e d n io t k A n e m an einer gemeinsa ng u ig in e r e V „ r e d d n ng“ u „Pflege in Bewegu land“, h c s t u e D in r e ig r ö pflegender Angeh llen e n o s r e p r e d i e b ände um auf die Missst chland s t u e D in e g e fl P r Ausstattung in de önk n e ig e z n a s g n u d r efäh hinzuweisen. Mit G stung la r e b Ü i e b e d n e g e nen (beruflich) Pfl ährf e g n e n o s r e p f u a gel oder Personalman Ziel der s a D . n e is e w in h dende Situationen esd n u B „ e n g a p m a nsk bundesweite Aktio Politik ie d , s e t is “ e ig e z n a weite Gefährdungs der in e m le b o r P n e iv ass nochmals auf die m eht den g s E . n e h c a m u z Pflege aufmerksam gel, a n o s r e P r h e m m ei u Unterstützern dab , Untert h c e r e h c a r p s it M rechte Bezahlung, ng, u z t ä h c s t r e W ie d llem stützung und vor a für ihre n e g e ll o K d n u n e die allen Kolleginn

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!


Bundesweite Gefährdungsanzeige

t. h e t s u z t n e m e g a g Arbeit und ihr En ege fl P r e d g a T n le a n io Für den Internat echtzeir it m a d d n u , 7 1 0 am 12. Mai 2 n die e ll o s l, h a w s g a t s e tig vor der Bund i einem e b n e t if r h c s r e t n u Unterstützer n an li r e B in g a t s n io t k gemeinsamen A nn a m r e H r e t is in m s Bundesgesundheit erden. w n e b e g r e b ü ) U D Gröhe (C en n io t a m r o f In e h c Weitere ausführli zur r e y fl n e t if r h c s r e t sowie die Un er: t n u ie S n e d n fi n Aktio aw http://bit.ly/2lSsN

E I S N E Z T Ü T S R UNTE MIT IHRER E I D T F I R H C S R E UNT „B U N D E S W E I T E . “ E G I E Z N A S G N U D GEFÄHR Markus Mai Präsident der falz P d n la in e h R r e m m Landeska

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Zum Hintergrund

In den Krankenhäusern hat sich die Arbeitsbelastung in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt. In der Altenpflege hat eine Pflegefachperson im Durchschnitt nur neun Minuten pro Person für die gesamte pflegerische Versorgung. Ein Zustand, der auch daraus resultiert, dass Deutschland bei den Ausgaben für Altenpflege weit unter dem EU-Durchschnitt liegt. Auch werden pflegende Angehörige zu wenig unterstützt und sind oftmals mit der Arbeitsbelastung der 24-Stunden-Pflege völlig überfordert. (Red.)

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

HÄNDE­D ESINFEKTION

GUTE PFLEGE BRAUCHT ZEIT

Foto: Andre B.

Sie haben exotische Namen wie Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA, ein Erreger aus dem Nasen-Rachen-Raum) oder Vancomycin-resistenter Enterococcus faecium (VRE, ein Darmkeim) und wirken so bedrohlich, weil man sie nicht sieht und es schwer ist, sich vor ihnen zu schützen: Gefährliche Keime tauchen weltweit immer wieder in Kliniken und stationären Altenhilfeeinrichtungen auf – wobei es sich bei Methicillin und Vancomycin jeweils um das Antibiotikum handelt, gegen das der Keim resistent ist.

In Europa sind laut einer jüngsten Studie etwa 2,6 Millionen Patientinnen und Patienten mit Krankenhauskeimen infiziert. Allein in Deutschland soll es gemäß Schätzungen des Nationalen Referenzzentrums zur Überwachung von Krankenhausinfektionen an der Berliner Charité etwa 500.000 Infektionen geben. Davon würden etwa 15.000 Fälle tödlich verlaufen. Häufigster Übertragungsweg sind die Hände. Daher ist für die beruflich Pflegenden die Handhygiene ein so eminent wichtiges Thema.

DREI FRAGEN AN DIE KAMMER

 arum hat sich die PfleW gekammer mit dem Thema Hygiene befasst?

Angelika Broda

Die korrekte Ausübung einer professionellen Handhygiene benötigt Zeit. Jede Reduzierung von Personal kostet aber Zeit und nimmt auch die

Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Händedesinfektion

HÄUFIGSTER ÜBERTRAGUNGSWEG FÜR KEIME SIND DIE HÄNDE. DAHER IST FÜR DIE BERUFLICH PFLEGENDEN DIE HANDHYGIENE EIN SO EMINENT WICHTIGES THEMA. Und die Folgen? Der entscheidende Faktor ist, ausreichend Zeit zur Hygiene zur Verfügung zu haben. Wer Personalbestände in der Pflege abbaut, um Kosten zu sparen, muss wissen, welch gefährliches Spiel er betreibt. Fehlt diese Zeit aufgrund nicht ausreichend besetzter Pflegestellen, werden Infektionen billigend in Kauf genommen. Die Pflege

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Möglichkeit zur notwendigen Hygiene. Häufigster Übertragungsweg für Keime sind die Hände. Daher ist für die beruflich Pflegenden die Handhygiene ein so eminent wichtiges Thema.

Also geht es Ihnen darum, den Pflegenden nicht den Schwarzen Peter zuzuschieben? Genau. Die Pflegenden haben den mit Abstand häufigsten Kontakt zu Patientinnen und Patienten. Daher ist es von besonderer Relevanz, dass gerade diese Berufsgruppe ausreichend Möglichkeiten zur Handhygiene erhält. Erschwert wird diese in manchen Einrichtungen auch durch die bauliche Infrastruktur, daher gilt es hier, unbedingt gegenzusteuern.

muss, auch und gerade zum Wohl der uns anvertrauten Menschen, mit ausreichend Personal ausgestattet sein. Die Forderung der Landespflegekammer nach einer gesetzlich verankerten Personalbemessung in der Pflege ist daher zwingend notwendig und wird von der Kammer weiter vorangetrieben. (kw)

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

Foto: KatarzynaBialasiewicz iStockphoto.com

DIE PYRAMIDE DREHT SICH UM: AUCH PFLEGENDE WERDEN IMMER ÄLTER

Auch vor den beruflich Pflegenden in Rheinland-Pfalz macht der demografische Wandel nicht Halt. Mit etwa 30 Prozent stellt die Altersgruppe der 51bis 60-jährigen Pflegefachpersonen schon jetzt den zahlenmäßig größten Anteil. Nur fünf Prozent der Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz sind über 60 Jahre alt. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Pflegefachpersonen zwischen 41 und 50 Jahren haben einen statistischen Anteil von rund 25 Prozent, der Anteil der 31- bis 40- Jährigen beträgt etwa 21 Prozent und der Anteil der Pflegenden zwischen 21 bis 30 Jahren beträgt knapp 20 Prozent. In dieser Alterskategorie finden sich auch die meisten Berufseinsteiger. Durch Umschu-


Pflegende werden immer älter

lungen ist aber auch der Anteil der Berufseinsteiger in der Altersgruppe der 51- bis 60-Jährigen stetig gestiegen. Insgesamt jedoch fehlt der Nachwuchs, vor allem junge Kolleginnen und Kollegen werden dringend benötigt. Aus diesem Grund hat die Kammer die Forderung nach einer gesetzlich verankerten Personalbemessung an die Bundesregierung in Berlin herangetragen und mit dem Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU), intensiv erörtert. Die Daten, die aufgrund der Registrierung aller Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz durch die Pflegekammer jetzt vorliegen, müssen als Grundlage neuer Fachkräftesicherungsstrategien dienen. Mit der Einrichtung der Pflegekammer in Rheinland-Pfalz könnten nun Informationen erhoben werden, die es bisher in diesem Umfang nicht gab. Das sollte politische Entscheidungen maßgeblich beeinflussen. Dr. Markus Mai: „Die »Alterspyramide« hat sich umgekehrt: Das Gegensteuern für die Pflege muss nun beginnen!“

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30 % stellt die Altersgruppe der 51- bis 60-jährigen Pflegekräfte schon jetzt den zahlenmäßig größten Anteil.

25 % der Pflegefachpersonen sind zwischen 41 und 50 Jahren

21 % der Pflegefachpersonen sind zwischen 31 und 40 Jahren

20 % der Pflegefachpersonen sind zwischen 21 und 30 Jahren

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Pflege & Politik

WARNSTREIK IM ÖFFENTLICHEN DIENST

Foto: AlexandrBognat iStockphoto.com

Die Trillerpfeifen können erst einmal weggelegt werden

Sechs Prozent mehr Lohn für Beschäftigte im öffentlichen Dienst: Das war es, was die Tarifgemeinschaft, bestehend aus der Gewerkschaft Verdi (ver.di) und dem Beamtenbund (dbb), zum Auftakt der Tarifverhandlungen Mitte Januar 2017 gefordert hatte. Zu hoch, hieß es auf der Seite der Bundesländer, die die Arbeitgeberseite darstellen. ver.di Rheinland-Pfalz rief daraufhin zu einem zweistündigen Warnstreik auf. Ziel des Streiks war allem voran eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Pflege: Angemessene Entlohnung sowie eine gesetzlich verankerte Personalbemessung standen dabei im Fokus.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Anerkennung reicht nicht aus

Pflegekammerpräsident Dr. Markus Mai stand den Streikenden unterstützend zur Seite. Schließlich reiche eine gebührende Anerkennung allein nicht aus; Pflegende im öffentlichen Dienst seien auch angemessen zu entlohnen, die Rahmenbedingungen müssten stimmen. Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz steht deshalb hinter allen Bemühungen, die zu besseren Rahmenbedingungen für die Kolleginnen und Kollegen führen. Dass gute Worte allein nicht ausreichen, scheinen die Arbeitgeber auch erkannt zu haben: Die Trillerpfeifen können erst einmal weggelegt werden: Rückwirkend zum 1. Januar 2017 gibt es für die Beschäftigten 2,0 Prozent und ab dem 1. Januar 2018 nochmals 2,35 Prozent mehr Geld, mindestens aber 75 Euro für untere Entgeltgruppen.

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SCHLIESSLICH REICHE EINE GEBÜHRENDE ANERKENNUNG ALLEIN NICHT AUS; PFLEGENDE IM ÖFFENTLICHEN DIENST SEIEN AUCH ANGEMESSEN ZU ENTLOHNEN, DIE RAHMENBEDINGUNGEN MÜSSTEN STIMMEN.

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Pflege & Politik

Dana Lungmuss Ulrich Lötzerich

GENERALISTIK

DER STEINIGE WEG IN DIE ZUKUNFT MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Generalistik

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Die generalistische Pflegeausbildung soll auf einen Einsatz in allen Arbeitsfeldern der Pflege vorbereiten.

Kaum ein Thema hat die Gemüter in allen Lagern der Pflege in jüngerer Zeit mehr bewegt als die Debatte um die Einführung der einheitlichen generalistischen Pflegeausbildung für die Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und Altenpflege. Seit März 2016 stockt in Berlin das parlamentarische Verfahren um das neue Pflegeberufereformgesetz, das die Ausbildung für alle Pflegenden qualitativ hochwertiger, bedarfsgerechter und zukunftstauglicher machen soll. Die Mängel der getrennten Ausbildungen für Gesundheits- und Kranken- oder Kinderkrankenpflege und

Altenpflege sind lange bekannt: Anders als die meisten EU-Länder leistet sich Deutschland verschiedene Ausbildungen, die professionellen und gestiegenen gesetzlichen Qualitätsansprüchen an die Pflege der zunehmend älteren multimorbiden, häufig demenzkranken Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nicht mehr gerecht werden. Daher förderte der Bund schon seit 2003 Modellversuche zur einheitlichen generalistischen Pflegeausbildung, die drei Jahre theoretisches und praktisches Wissen aus Gesundheitsund Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und Altenpflege vermittelte, sowie Versuche zur integrativen Ausbildung, die den Berufsnachwuchs zwei Jahre mit gleichen Inhalten und ein Jahr mit Spezialwis-

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Pflege & Politik

sen im gewünschten Pflegebereich schulte.

Generalistische Ausbildung erhitzt die Gemüter

Nach langen Diskussionen verständigte sich eine Bund-Länder-Kommission 2012 darauf, bundesweit die generalistische Ausbildung im Interesse einer Professionalisierung, flexibleren Einsatzchancen und einer Attraktivitätssteigerung des Berufes einzuführen. Damit würden alle Absolventen den steigenden Anforderungen gerecht und könnten problemlos in ganz Europa arbeiten. Denn bis heute erkennen andere EU-Länder die nur in Deutschland übliche Altenpflegeausbildung, die bereits mit erweitertem Hauptschulabschluss nach zehn Jahren möglich ist, nicht an – im Gegensatz zu den Krankenpflege-Examen. 2013 scheiterte ein Vorstoß der EU-Kommission, das Einstiegsniveau für Pflegeausbildungen auf zwölf Jahre Schulbildung (Abitur etc.) anzuheben, wie es in 27 von 28 EU-Staaten Standard ist.

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ZIELE DER REFORM: EIN GEMEINSAMER ABSCHLUSS ALS PFLEGEFACHFRAU ODER -MANN MIT SCHWERPUNKTNENNUNG IM ZEUGNIS, EUANERKENNUNG AUCH FÜR DIE ALTENPFLEGE, UMLAGEFINANZIERUNG UND FLÄCHENDECKENDE SCHULGELDFREIHEIT. Zehn Jahre Schulbildung reichen aus, legte jedoch die EU auf Druck der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung in ihrer Richtlinie zur Anerkennung von Berufsqualifikationen fest. Damit sicherte sie den Fortbestand der Altenpflegeausbildung.

Ringen um den besten Weg

Aktuell widersetzen sich noch immer Teile der CDU/CSU-Fraktion und Grü-


Generalistik

ne dem vom Bundeskabinett abgesegneten Gesetzentwurf zur Einführung der Generalistik. Dabei drängt die Zeit, wenn Bundestag und -rat noch rechtzeitig vor dem Ende der Legislaturperiode die Weichen für einen Start ab 2019 stellen wollen.

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Längst seien Einwände berücksichtigt, plädieren z. B. die SPD-Abgeordnete Bettina Müller wie Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für den zeitnahen Beschluss. So seien u. a. Vertiefungseinsätze in einem der drei Pflegebereiche vorgesehen, und mindestens die Hälfte der Praxisausbildung soll im Betrieb stattfinden. Ziele der Reform: ein gemeinsamer Abschluss als Pflegefachfrau oder -mann mit Schwerpunktnennung im Zeugnis, EU-Anerkennung auch für die Altenpflege, Umlagefinanzierung und flächendeckende Schulgeldfreiheit. Inwieweit sich die Kritiker mit ihrer jüngsten Idee durchsetzen, neue einheitliche und die bisherigen drei Ausbildungen zehn Jahre parallel zu gestatten, bleibt abzuwarten. Zumindest Erwin Rüddel und Elisabeth Scharfenberg (Bündnis 90/Die Grünen) lehnen die Generalistik ab, da sie den Fachpersonalmangel in der Altenhilfe verschärfe.

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Pflege & Politik KOMMENTAR

Generalistische Pflegeausbildung muss kommen! Sandra Postel

Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Die Landespflegekammer spricht sich seit längerer Zeit dafür aus, die Berufsbilder der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu einem Pflegeheilberuf mit einem gemeinsamen Ausbildungsabschluss zusammenzuführen. Eine gemeinsame Ausbildungsgrundlage mit der zwingend notwendigen Vertiefung und Spezialisierung der einzelnen Fachrichtungen hilft, das Berufsbild Pflege weiterzuentwickeln. Die neue generalistische Pflegeausbildung wird auf den Einsatz in allen Arbeitsfeldern der Pflege vorbereiten und einen Wechsel zwischen den Pflegebereichen erleichtern. Diese Chance zur Attraktivitätssteigerung muss unseres Erachtens unbedingt genutzt werden. Ein Scheitern der Reform würde eine irreparable Schädigung der Entwicklung unserer Berufsgruppe und vor allem eine gravierende Verschlechterung insbesondere im Bereich der Versorgung in der Altenpflege bedeuten. Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Versorgungssituationen in allen Bereichen – also in den Krankenhäusern, den Einrichtungen der Altenhilfe und in der ambulanten MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Generalistik

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EINE GENERALISTISCHE AUSBILDUNG MIT VERTIEFUNGSRICHTUNG IST DAHER DIE BESTE LÖSUNG FÜR EINE MODERNE UND BEDARFSGERECHTE PFLEGEAUSBILDUNG. Pflege – stehen die in der Pflege Tätigen vor erheblichen fachlichen und logistischen Herausforderungen. Diese veränderten und sich weiter wandelnden Bedarfe erfordern dringend neue Fertigkeiten und Kompetenzen der Pflegenden. Eine generalistische Ausbildung mit Vertiefungsrichtung ist daher die beste Lösung für eine moderne und bedarfsgerechte Pflegeausbildung. Die Spezialisierung der Pflegenden kann damit nach der Ausbildung erfolgen und so flexibler und bedarfsorientiert angepasst werden. Der Einsatz in Spezialgebieten wie der Intensivpflege muss allerdings möglich gemacht werden. Dafür ist eine intensive Anleitung vonnöten. Diese muss in jedem Fall sichergestellt sein. Bei den aktuellen Rahmenbedingungen sind insbesondere die Kolleginnen und Kollegen in der Altenpflege im Hinblick auf den Berufsstatus, die Beschäftigungssituation und die Vergütung extrem gegenüber den beiden anderen Pflegeberufen benachteiligt. Die Generalistik ist damit auch ein Gebot der Gerechtigkeit und der Vernunft, gerade um auch den Bereich der Altenpflege attraktiver zu gestalten.

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Pflege & Politik

BERUFLICH PFLEGENDE IN DEUTSCHLAND

Foto: imaginando - Fotolia.com

GRÖSSTE HEILBERUFSGRUPPE SITZT NOCH IMMER AM KATZENTISCH DER MACHT

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Pflege am Katzentisch

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Warum haben Pflegefachpersonen in Deutschland noch immer keine gesetzlich garantierten Vorbehaltsaufgaben oder Verordnungsrechte wie in vielen anderen Staaten? Warum sitzt die Pflege im Gesundheitswesen noch immer am Katzentisch der Macht, während Ärzte, Vertreter von Krankenhäuser und Kassen im Gemeinsamen Bundesausschuss entscheiden, was wie getan und bezahlt wird? MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

Beruflich Pflegende wird es vielleicht verwundern, wie viele Rechte und wieviel Macht ihre geschlossen auftretenden Berufskolleginnen und -kollegen in Europa und Übersee schon seit Jahrzehnten haben: L ängst behandeln z. B. in England, den USA oder Australien speziell ausgebildete Pflegefachpersonen als selbstständige „Nurse Practitioners“ in eigenen Praxen vor Baumärkten verletzte Heimwerker medizinisch und pflegerisch. Sie reinigen, vernähen, pflastern oder klammern Wunden und verordnen Salben und Verbände, ohne dass es irgendeines Arztes bedarf.  ontrolliert fort- und weitergebilK dete „verpleegkundige” übernehmen in den Niederlanden schon lange gewisse ärztliche Aufgaben: Herzschrittmacher prüfen, Magensonden und venöse Zugänge legen, Bluttransfusionen oder Chemotherapeutika verabreichen. elbstbewusster als eigenständiS ge Berufsgruppe treten studierte Fachkundige mit zwölfjährigen Schulabschlüssen als Schweizer „Pflegefachperson", französische MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

IN DEN USA SITZEN SIE IN DEN CHEFETAGEN DER KRANKENHÄUSER ODER ARBEITEN IN DER PFLEGEFORSCHUNG – UND DAS SCHON SEIT 1920. „infirmière“, schwedische „sjuksköterska“, britische oder amerikanische „nurse“ auf. Ihnen stehen viele Karrierewege offen: In Schweden leiten sie Herzambulanzen. In den USA sitzen sie in den Chefetagen der Krankenhäuser oder arbeiten in der Pflegeforschung – und das schon seit 1920. In Australien leiten studierte Pflegewirtinnen Krankenhäuser und steuern den Einsatz von Belegärzten, die nur zum Operieren zu Gast sind.


Pflege am Katzentisch

Unterschiedliches Pflegeverständnis

Wer den Sonderweg der deutschen Pflege verstehen will, möge auf die Ursprünge professioneller Pflege zurückzublicken. Anders als in Deutschland drangen Pflegefachfrauen in England, Wales, Schottland, Irland, Schweden, Dänemark, den USA und Australien weit früher darauf, neben den Ärzten als eigenständige Heilberufsgruppe akzeptiert zu werden. Die erste Präsidentin der 1903 gegründeten „Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands" (B.O.K.D.), Agnes Karll, orientierte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts an dieser Haltung zur eigenen pflegerischen Profession, welche sie in Amerika kennenlernte. Sie stieß eine Reformbewegung an, die bereits die Forderung nach einer dreijährigen Ausbildungsdauer, besseren Arbeitsbedingungen und

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DIE ERSTE PRÄSIDENTIN DER 1903 GEGRÜNDETEN B.O.K.D., AGNES KARLL, ORIENTIERTE SICH ZU BEGINN DES 19. JAHRHUNDERTS AN DIESER HALTUNG ZUR EIGENEN PFLEGERISCHEN PROFESSION, WELCHE SIE IN AMERIKA KENNENLERNTE.

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Pflege & Politik

materieller Sicherstellung beinhaltete. In Deutschland kämpfen engagierte Pflegende bis heute darum, endlich als eigenständiger Heilberuf mit eigenen Rechten anerkannt zu werden. Und das, obwohl seit 2002 die Pflegeberufe gemäß einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes als Heilberuf anerkannt sind. Pflegestudiengänge entstanden erst Mitte der 1980er-Jahre. Niedrig ist nach wie vor der Organisationsgrad von Pflegenden in Verbänden und Gewerkschaften: Von ca. 1,2 Millionen Pflegefachpersonen zzgl. Hilfskräften sind nur etwa zehn Prozent organisiert – und das in rund 20 (!) verschiedenen Verbänden, noch weniger sind Mitglied in Gewerkschaften. So gut wie gar nicht organisiert sind Teilzeitkräfte. Der Deutsche Pflegerat (DPR) als Dachorganisation von heute 16 Pflegeund Hebammenverbänden gründete sich erst 1998. Erstmals gesetzlich verankerte Vorbehaltsaufgaben für beruflich Pflegende werde das Pflegeberufereformgesetz zur Einführung der Generalistik bringen, hofft der DPR. Bis deutschen Pflegefachpersonen auch Verordnungsrechte

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zustehen, dürfte es noch dauern. Die seit 22. März 2012 geltende Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses dazu habe leider noch „keine rechtliche Relevanz“, weiß Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes. Denn seither wurden noch keinerlei Modellvorhaben zur Übertragung ärztlicher Verordnungsrechte an die Alten- oder Krankenpflege abgeschlossen und evaluiert. Überraschenderweise gestatte es das Bürgerliche Gesetzbuch (vgl. BGB §§ 315 ff.) Ärzten, die ihnen vorbehaltene Aufgaben jedoch auf Laien, oder pflegenden Angehörigen, zu übertragen ... (ul)


IN DEUTSCHLAND KÄMPFEN ENGAGIERTE PFLEGENDE BIS HEUTE DARUM, ENDLICH ALS EIGENSTÄNDIGER HEILBERUF MIT EIGENEN RECHTEN ANERKANNT ZU WERDEN.


Foto: Jezperklauzen_iStock

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Pflege & Politik

MÄCHTIGE KAM REGELN IM AUSLAND LÄNG DIE BELANGE PFLEGENDER

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Kammern weltweit

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MMERN

GST

Uwe Lötzerich

In Sachen Pflegekammern lohnt sich ein Blick über den deutschen Tellerrand hinaus. Längst gibt es nämlich in den meisten EU-Ländern und in Übersee Pflegekammern, die registrierten Pflegeexperten unter anderem mehr Einfluss im Gesundheitswesen, mehr Rechte bei der Berufsausübung und wissenschaftlich aktuelle Fort- und Weiterbildungen bescheren.

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Pflege & Politik

Die Wiege zur Gründung von mächtigen Verbänden von Fachkräften aus Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege sowie von staatlich akzeptierten Pflegekammern, die ihrem Berufsstand zu Macht und Stimme verhalfen, steht in England: Schon vor über 160 Jahren hat die Krankenschwester und Pflegelehrerin Florence Nightingale (1820 – 1910) erkannt, dass Pflegende professionell ausgebildet werden, sich organisieren und selbstbewusst als eigenständige Berufsgruppe auftreten müssen. Denn ihre Arbeit entschied, ebenso wie die der Ärzte, über das Wohl der Patienten. Nur dank guter Pflege, die strenge Hygieneregeln befolgte, überlebten zum damaligen Zeitpunkt, z. B. Klinikpatienten, ihre Operationen.

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Schon 1887 entstand die Royal British Nurses´ Association (RNBA) als zentrale Berufsvereinigung der Pflegenden. Deren Ziel formulierte u. a. Ethel Gordon Fenwick damals: „Die RBNA soll alle britischen Krankenschwestern als Mitglieder einer anerkannten Berufsgruppe vereinen und mit ihrer Registrierung bestätigen, dass sie für pflegefachliche Aufgaben und für Arbeiten zur Zufriedenheit von behandelnden Haus- und Fachärzten nachweislich systematisch ausgebildet sind.“


Kammern weltweit

VOR FAST 100 JAHREN STELLTE DAS BRITISCHE PARLAMENT MIT DEM „NURSES REGISTRATION ACT“ VON 1919 DIE WEICHEN FÜR DIE VERPFLICHTENDE REGISTRIERUNG VON PFLEGEFACHKRÄFTEN.

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PRINZESSIN FÜHRT PFLEGEORGANISATION

Selbst das britische Königshaus unterstützte diese Zentralorganisation der Pflegenden: Keine geringere als Prinzessin Helena, die Tochter der mächtigen Königin Victoria, wurde zur ersten Präsidentin der RNBA gewählt. Ethel G. Fenwick ließ sich dort als erste Pflegekraft freiwillig registrieren. Vor fast 100 Jahren stellte das britische Parlament mit dem „Nurses Registration Act“ von 1919 die Weichen für die verpflichtende Registrierung von Pflegefachkräften. Ähnliche Gesetze beschlossen kurz darauf die Parlamente von Wales, Schottland und dem damaligen Irland. In ihrer heutigen Form wurde die Pflegeberufe- und HebammenkamMÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

mer (Nursing & Midwifery Council, NMC) für England, Wales, Schottland und Nordirland 2002 als Nachfolgeorganisation des „United Kingdom Central Council for Nursing, Midwifery and Health Visiting“ (UKCC) ins Leben gerufen. Rund 695.000 registrierte Mitglieder im Vereinigten Königreich zählt die Kammer aktuell. Von England gingen vielerlei Impulse zur Gründung von Pflegekammern in angelsächsischen Ländern aus. So verfügen die Pflegekammern in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland, wo sich nach britischem Vorbild einflussreiche große Berufsverbände für professionell Pflegende bildeten, bereits über eine sehr lange Tradition. Auch dort erhalten Pflegefachkräfte erst eine Berufszulassung, wenn sie bei den Kammern „Nursing Councils“ oder „Nursing Boards“ verpflichtend registriert sind. Von diesen Körperschaften öffentlichen Rechts müssen aus dem Ausland zuwandernde Fachkräfte für ihre Zulassung ihre landesspezifische Berufseignung prüfen lassen. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

DIE JÜNGSTEN KAMMERGRÜNDUNGEN SETZTEN ENGAGIERTE PFLEGENDE 1998 IN PORTUGAL, 2002 IN DER SLOWAKEI, 2010 IN FRANKREICH UND 2016 IN DEUTSCHLAND (RHEINLAND-PFALZ) DURCH. Erst später gründeten sich Pflegekammern in europäischen Ländern wie Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Italien, Spanien, Ungarn, Polen, Serbien, Slowenien und Zypern. Die jüngsten Kammergründungen setzten engagierte Pflegende 1998 in Portugal, 2002 in der Slowakei, 2010 in Frankreich und 2016 in Deutschland (Rheinland-Pfalz) durch.


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Pflege & Politik

KAMMER­ GEFLÜSTER Kerstin Werner Helena Melikov

Kommt die Kammer auch in Berlin?

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Kammergeflüster

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Wie ist der Status der Pflegekammern in Niedersachsen und SchleswigHolstein?

Was bringt der (Sonder-)Weg in Bayern für die Pflege?

Rheinland-Pfalz hat es geschafft – die erste Pflegekammer in Deutschland ist aktiv.

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Pflege & Politik

KAMMERGEFLÜSTER Pflegekammern sind Ländersache. Einige haben sie, andere wollen sie, weitere lehnen sie ab. Die Landespolitik entscheidet, ob ein Bundesland eine Pflegekammer errichtet – oder eben auch nicht. Im Regelfall gibt ein Pflegeverband oder eine Initiative von Pflegenden den Anstoß, zumeist geben dann die Landespolitiker eine Umfrage in Auftrag, um sich ein Bild von der Meinung der professionell Pflegenden zu machen. Dann, oft viele Jahre später, treffen die Politiker ihre Entscheidungen.

Baden-Württem­berg

Von Dezember 2014 bis Februar 2015 hatte der Landespflegerat Baden-Württemberg in seiner Aktion "Ja – zur Pflegekammer in Baden-Württemberg" Unterschriften von Pflegekräften gesammelt. Im März 2015 überreichten die Mitglieder des baden-württembergischen LandespfleMÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

gerates die Unterschriften von mehr als 16.500 Befürwortern. Die damalige Sozialministerin Karin Altpeter (SPD) wollte zügig einen Beteiligungsprozess anstoßen. Ihr Nachfolger Manne Lucha (Bündnis 90/Die Grünen), übrigens selbst gelernter Krankenpfleger, hat sich zu diesem Thema bisher nicht geäußert. Aber noch in diesem


Kammergeflüster

Jahr, voraussichtlich zwischen Mai und Juli 2017, sollen Pflegende direkt in den Einrichtungen befragt werden. Auf Grundlage dieser Erhebung ergibt sich dann das weitere Vorgehen.

Bayern

Das bayerische Kabinett hat sich im Juli 2016 gegen die Einführung einer Pflegekammer und für eine "Vereinigung der bayerischen Pflege" entschieden. Die Mitgliedschaft in dieser Vereinigung ist im Gegensatz zu einer Mitgliedschaft in einer Pflegekammer freiwillig und beitragsfrei. Der bayerische Sonderweg ist umstritten - insbesondere auch wegen des Einflusses von Arbeitgeberseite. Aktuell bezeichnet ein Rechtsgutachten die Gestaltung der Vereinigung als Selbstverwaltungsorgan als "äußerst problematisch". Ohne Pflichtmitgliedschaft werde eine demokratische Legitimation der Organisation von vornherein verhindert. Weitere Informationen finden Sie auch auf der Internetseite

www.pflegekammer-bayern.de http://www.stmgp.bayern.de/

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Berlin

Bis September 2016 sah es in Sachen Pflegekammer in Berlin recht gut aus. Die CDU unterstützte den Aufbau und hatte deshalb eine repräsentative Befragung in Auftrag gegeben. Rund 59 Prozent der Pflegenden stimmten für die Errichtung einer Pflegekammer, 17 Prozent waren dagegen. Dann kam im September 2016 die Senatswahl und damit die Koalitionsvereinbarung der neuen Berliner Landesregierung aus SPD, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen. Das Thema „Gründung einer Pflegekammer“ wurde bei der Vereinbarung ausgespart. Die Pressestelle des Berliner Senats meldete auf Nachfrage zurück: „Der Berliner Senat, der am 8. Dezember gebildet wurde, hat nicht die Absicht, eine Pflegekammer zu errichten. Die Koalition lehnt eine Pflegekammer ab, weil Zwangsmitgliedschaften für Fachkräfte nicht der richtige Weg sind und Hilfskräfte ausgeschlossen blieben. Zur besseren Interessenvertretung könnte ein Pflege-Berufsverband dienen. Dort könnten sowohl Fach- wie Hilfskräfte freiwillig Mitglieder werden und ihre Interessen bündeln.“

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

Brandenburg

Im April 2014 stellten die Fraktionen CDU und Bündnis 90/Die Grünen den Antrag auf eine gemeinsame Pflegekammer mit dem Land Berlin auf den Weg zu bringen, es gab auch eine Initiative zur Gründung einer Pflegekammer. Konkret passiert ist seit April 2015 aber nichts. Grundsätzlich aber soll die Errichtung einer Pflegekammer mit den Beschäftigten in den Pflegeberufen intensiv diskutiert werden. Dazu sollen noch in diesem Jahr die potenziellen Mitglieder über die Pro- und Contra-Argumente informiert werden. Ergänzend ist eine repräsentative Befragung der Pflegekräfte geplant.

Bremen

Der Pflegerat in Bremen forderte 2013 die Errichtung einer Pflegekammer. Dann passierte sehr lange nichts. Im Dezember 2016 meldete sich dann Sozialsenatorin Anja Stahmann (Bündnis 90/Die Grünen) im Weser-Kurier zu Wort. „Die Pflegekammer ist für uns derzeit kein Thema.“ Das Land Bremen wolle der rot-grünen Koalition in Niedersachsen nicht folgen. „Wir werden abwarten, welche Erfahrungen NiederMÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

sachsen mit der Kammer macht. Und dann ist die Zeit, sich Gedanken über unser weiteres Vorgehen zu machen.“

Hamburg

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks hat nach Auswertung einer durchgeführten Befragung unter Beschäftigten der Pflegeund Gesundheitseinrichtungen der Stadt angekündigt, auf die Errichtung

2014

hatte das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit dem Thema "Die Situation der Pflegeberufe in Mecklenburg-Vorpommern" befasste.

36%

der Befragten in Hamburg haben die Errichtung einer Pflegekammer befürwortet


Kammergeflüster

einer Pflegekammer zu verzichten. Es hatten laut einer Pressemitteilung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz nur 36 Prozent der Befragten die Errichtung einer Pflegekammer befürwortet. 2014 war das das Aus für die Kammerbewegung.

http://www.hamburg.de/berufe-im-gesundheitswesen/4126426/pflegekammer-befragung-infoflyer/

Hessen

Der Landespflegerat macht sich seit langem für eine Pflegekammer stark – und hat diese Forderung immer wieder bestärkt. Die Kammer hatte es sogar in den Koalitionsvertrag des schwarz-grün regierten Landes geschafft – als Wunsch der Grünen. Nach Auffassung von Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) bestätigen die Entwicklungen in den anderen Bundesländern aber die Einschätzung der hessischen Landesregierung, dass der mit einer Pflichtmitgliedschaft in einer Pflegekammer einhergehende Eingriff in die Rechte der Mitglieder einer sorgfältigen Verhältnismäßigkeitsprüfung unterliegen muss. Er teil-

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te als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage im März 2016 mit, dass aus der Sicht der hessischen Landesregierung keine ausreichenden Erfahrungen im Zuge der Einführung einer Pflegekammer vorliegen. Man wolle die Reaktionen derjenigen Mitglieder abwarten, die ihre Mitgliedschaft ablehnen und im Wege einer gerichtlichen Überprüfung ihres Beitragsbescheides eine grundsätzliche Klärung der Frage ihrer Zwangsmitgliedschaft herbeiführen wollen.

Mecklenburg-Vorpommern

Bereits im Frühjahr 2014 hatte das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit dem Thema "Die Situation der Pflegeberufe in Mecklenburg-Vorpommern" befasste. Ein Schwerpunkt der Befragung war, wie die Betroffenen zur Frage der Errichtung einer Pflegekammer stehen. 73 Prozent der 854 Befragten sprechen sich für eine Pflegekammer und rund 16 Prozent dagegen aus. Von den Befürwortern einer Pflegekammer wollen allerdings nur rund 62 Prozent dafür Beiträge entrichten. Im August 2016 überreich-

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


62

Pflege & Politik

te ein Petitionsausschuss 1.785 Unterschriften an den Ministerpräsidenten des Landes MV, Erwin Sellering (SPD), um die Pflegekammer wieder ins Gespräch zu bringen. Bisher erfolglos.

Niedersachsen

Große Freude: Am 12. Dezember 2016 hat der niedersächsische Landtag dem Gesetzentwurf zur Gründung einer Pflegekammer in Niedersachsen zugestimmt. Die Mitgliedschaft in der Pflegekammer ist dann – nach durchgeführter Gründung – für die 70.000 niedersächsischen Pflegefachkräfte verbindlich. Nähere Informationen

www.pflegekammer-jetzt.de

NORDRHEIN-WESTFALEN

Etwa 185.000 beruflich Pflegende leben in NRW – mehr als in jedem anderen Bundesland. Bereits 1997 gründete sich dort der Förderverein zur Errichtung einer Pflegekammer. Im September 2015 wurden mehr als 42.000 Unterschriften für die Gründung einer Pflegekammer dem Landtagsausschusses für Gesundheit, Arbeit und Soziales übergeben. Sie waren im Rahmen der Online-Petition "Pflegekammer NRW jetzt!" gesammelt worden.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Am 26. Oktober 2016 gab es eine Anhörung vor dem Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landtages von Nordrhein-Westfalen. Alle nickten wohlwollend, bisher herrscht jedoch Funkstelle. Ob vor den Landtagswahlen im Mai 2017 Signale von der Seiten der Politik kommen wird, ist unklar.

MIT DER WAHL DES VORSTANDES UND VON DR. MARKUS MAI ZUM KAMMERPRÄSIDENTEN IM MÄRZ 2016 IST DIE PFLEGEKAMMER RHEINLAND-PFALZ ALS ERSTE PFLEGEKAMMER DEUTSCHLANDS ARBEITSFÄHIG. Rheinland-Pfalz

Mit der Wahl des Vorstandes und von Dr. Markus Mai zum Kammerpräsidenten im März 2016 ist die Pflegekammer Rheinland-Pfalz als erste Pflegekammer Deutschlands arbeitsfähig.


Kammergeflüster

Nähere Informationen

www.pflegekammer-rlp.de

Saarland

Seit längerem plädiert der Landespflegerat für die Errichtung einer Pflegekammer im Saarland. Initiiert von der CDU-Fraktion im Saarbrücker Landtag, wurde im Juli 2016 angeregt, erneut über die Errichtung einer Landespflegekammer nachzudenken. Bis zu diesem Zeitpunkt war immer bekräftigt worden, dass es in nächster Zeit keine Pflegekammer für die saarländischen Pflegekräfte geben werde. Man wolle zuerst die Erfahrungen mit der Landespflegekammer in Rheinland-Pfalz abwarten.

Sachsen

Bereits 2011 hat eine Querschnittstudie des Pflegerats Sachsen ergeben, dass fast 70 Prozent der Pflegenden eine pflegerische Selbstverwaltung wollen. 2014 signalisierte das Sozialministerium Gesprächsbereitschaft mit dem Pflegerat Sachsen. Passiert ist seither nicht viel.

SACHSEN-ANHALT

Die unverzichtbare Aufwertung der Pflegeberufe könne durch die Einrichtung einer Pflegekammer erreicht

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werden, erklärte Wigbert Schwenke, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt im Juli 2014. Immerhin wurden die Vor- und Nachteile einer Pflegekammer für Sachsen-Anhalt geprüft. Bisher ohne nennenswertes Ergebnis.

Schleswig-Holstein

Der Errichtungsausschuss der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein hat mit der Registrierung der künftigen Kammermitglieder begonnen. Die Registrierung ist die Grundlage für die Wahl der ersten Kammerversammlung im Frühjahr 2018. Spätestens am 9. Juni 2018 muss die Kammerversammlung gewählt sein. Jetzt registrieren:

www.pflegeberufekammer-sh.de/ registrieren.html

Thüringen

In Thüringen sind nach Daten des Statistischen Landesamtes rund 25.000 Menschen in der Altenpflege beschäftigt, an den Krankenhäusern und Reha-Kliniken arbeiten rund 12.000 Menschen im Pflegedienst. Eine Pflegekammer scheint aber bislang kein Thema zu sein.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik KOMMENTAR

Ein konstruktives Miteinander stärkt die Position der Pflegenden Iris Meyenburg-Altwarg

Vorsitzende der Gründungskonferenz Pflegekammer Niedersachsen

Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz besteht seit Januar 2016 und hat damit bereits einen großen Erfahrungsschatz, wie Gründungsprozesse einer Pflegekammer gestaltet werden können und sollten. Aus Fehlern lernen, Erfolge und gute Entwicklungen vorantreiben sind dabei nur einige Aspekte. Nachfolgende Pflegekammern können auf jeden Fall davon profitieren und die gewonnenen Erkenntnisse zum eigenen Aufbau nutzen. Diese Erfahrungen (zum Beispiel in Bezug auf die Gestaltung der Mitgliedererfassung und die Kommunikation mit den Mitgliedern), ein erster Blick und der Austausch über die Umsetzung fachrelevanter Themen, zum Beispiel Berufsordnung und -ethik, sind von elementarer Bedeutung. Der Austausch, eine offene und vertrauensvolle Kommunikation und Kooperation ermöglichen auch die kritische Reflexion im eigenen Handeln. So lernt jeder vom anderen. Ich bin sehr froh und empfinde es als extrem hilfreich, dass sich neben der gemeinsamen Zielsetzung – Stärkung und Selbstbestimmung der Pflege und Pflegenden – eine breite und tragfähige vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt hat. Bündelung von Kompetenzen und ein konstruktives Miteinander stärken auf jeden Fall die Position der Pflegenden und damit auch letztendlich die der Patienten/Klienten/Bewohner. Schlussendlich entsteht durch die gemeinsame Positionierung nach außen eine Stärkung gegenüber den Versorgungsträgern und politischen Partnern.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Kammergeflüster KOMMENTAR

Auf dem Weg zu einer selbstbestimmten Berufsausübung Patricia Drube

In Schleswig-Holstein haben wir bisher sehr davon profitiert, uns hinsichtlich all unserer Errichtungsschritte mit den Kolleginnen und Kollegen aus Rheinland-Pfalz auszutauschen. Das hat manchen Prozess einfacher gemacht. Allerdings mussten wir auch erkennen, wie unterschiedlich Landesgesetze manchmal sind. So gab es auch Situationen, in denen wir nicht umhin kamen, „das Rad neu zu erfinden“. Im Hinblick auf die Aufmerksamkeit der Fachmedien profitieren wir sehr davon, dass Rheinland-Pfalz die Pionierarbeit geleistet hat. Das Thema Pflegekammer ist dadurch in der Berufsgruppe präsenter geworden. Das hilft uns bei unserer Informationsarbeit. Wir beobachten mit Spannung und Aufmerksamkeit, wie die Pflegekammer Rheinland-Pfalz sich daranmacht, ihre gesetzlichen Aufgaben wahrzunehmen. In einem Jahr werden wir in Deutschland drei Pflegekammern haben. Damit ist unsere Profession auf einem guten Weg zu einer selbstbestimmten Berufsausübung. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren weitere Bundesländer folgen werden. Pflegekammern, Berufsverbände und Gewerkschaften müssen sich gegenseitig in ihrem Einfluss stärken und in Bezug auf die Gestaltung guter Rahmenbedingungen an einem Strang ziehen. Dann kann sowohl für beruflich Pflegende als auch für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung viel erreicht werden.

Foto (2): privat

Vorsitzende des Errichtungsausschusses Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Rubrik Dana Lungmuss

SCHWERPUNKTTHEMA: DAS NEUE WIR!

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Schwerpunktthema

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68 Der lange Weg bis zur Selbstverwaltung

80 Brauchen Beschäftigte in der Pflege eine eigene Gewrkschaft?

90 INTERVIEW "Pflege gemeinsam gestalten" ... und viele spannende Themen mehr

Illustration als Wallpaper downloaden MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema KONFESSIONELLE SCHWESTERN­ VERBÄNDE

GRÜNDUNG DES „AGNES-KARLLVERBANDS"

16. JH.

1945

1782 PROF. FRANZ ANTON MAI, PROFESSOR DER GEBURTSHILFE IN HEIDELBERG, GRÜNDET DIE ERSTE KRANKEN­ WÄRTERSCHULE

ENTWICKLUNG IN DER PFLEGEPOLITIK

1919

ERSTE TARIFVERTRÄGE IN DER KRANKENPFLEGE

DER 2016 GRÜNDUNG ERSTEN

PFLEGEKAMMER IN RHEINLAND-PFALZ

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

1859 GRÜNDUNG DES ERSTEN MUTTERHAUSES


Entwicklung in der Pflegepolitik

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Katja Ranz

ENDLICH SELBSTBESTIMMT! ENDLICH SELBSTBEWUSST!

Die berufspolitische Entwicklung der Pflege der lange Weg zur ersten Pflegekammer. In der Vergangenheit wurden Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung nur selten in Verbindung mit Pflege gebracht. Vielmehr verband man mit dem Berufsstand allein christliche Nächstenliebe, Dienen und die Aufopferung für Gott, für die Kranken und für die Gesellschaft. Die Pflege galt nicht als ein eigenständiger Beruf, sondern eher als haushaltsnahe Tätigkeit, die vor allem von Frauen ausgeführt wurde. Bis ins 19. Jh. war das Ansehen der Pflegenden in der Gesellschaft und von Seiten der anderen Heilberufe minimal. Eine eigenständige Interessenvertretung traute man der (überwiegend weiblichen) Berufsgruppe nicht

zu, und so bestimmten Ärzten oder kirchlichen Organisationen über deren Rahmenbedingungen – die Folgen: keine geregelten Arbeitsstunden, Dauerarbeit mit seltenen Pausen und anschließender Nachtwache sowie kaum bzw. nur unbezahlte Urlaubstage. Bis heute kämpft die Pflege um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und um die (überfällige) Erlangung der Mündigkeit, für die eigenständige Ausgestaltung der verschiedenen pflegerischen Berufsfelder entscheiden zu können. Ein Meilenstein dazu wurde 2016 mit der ersten Landespflegekammer erreicht.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

DER LANGE WEG ZUR SELBSTVERWALTUNG Von damals bis heute: Die Entwicklung in der Pflegepolitik

16. Jh.

Konfessionelle Schwesternverbände Nonnen widmen sich der mittelalterlichen Klostermedizin und der Pflege von Kranken und Alten MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

1782

Prof. Franz Anton Mai (1742-1814), Professor der Geburtshilfe in Heidelberg, gründet die erste Krankenwärterschule

1859

Gründung des ersten Mutterhauses der Rot Kreuz Schwestern in Baden


Entwicklung in der Pflegepolitik

Bedingt durch den Ersten Weltkrieg lassen sich Agnes Karlls weitreichende Forderungen ihrer 1903 gegründeten Berufsorganisation (BO) nicht realisieren. Trotz einer positiven Mitgliederentwicklung wird nur geringer politischer Einfluss erreicht. Andere Pflegeverbände lehnen die Positionen der BO ab, und insbesondere die konfessionellen Verbände wehren sich gegen die Versuche, den Pflegeberuf zu modernisieren und zu akademisieren

Die Krankenschwester und „wilde“ Schwester Agnes Karll (1868-1927) erörtert ihre Gedanken für eine gesteigerte Anerkennung der in der Krankenpflege und Hauskrankenpflege tätigen Krankenschwestern auf der Generalversammlung des Bundes Deutscher Frauenvereine in Wiesbaden

1902

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1909

Neben ihrem Engagement in Deutschland ist Karll treibendes Mitglied des International Council of Nurses (ICN), zu deren Präsidentin sie 1909 gewählt wird

1914-1918

1921

Erster Tarifverträge in der Krankenpflege.

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Schwerpunktthema

Der Neubeginn war gekennzeichnet durch die Entnazifizierung in der NSSchwesternschaft und der Neuordnung der Verbände. Die 1938 aufgelöste Organisation BO wurde von der Oberin Helen Blunk wiederaufgebaut. Sie suchte den Zusammenschluss der freiberuflich arbeitenden Pflegekräfte und gründete den „Agnes-Karll-Verband".

Einstieg in die freie Wohlfahrtspflege. Die RotkreuzOrganisationen in Deutschland vereinigen sich zum Deutschen Roten Kreuz

1921

1924

Verordnung über Arbeitszeit in der Pflege durch das Reichsarbeitsministerium (10 Std. täglich, 60 Std. wöchentlich)

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

1945

1993

ADS, BA, BALK, BKK und DBfK bilden einen Beirat der Pflegeorganisationen und beteiligen sich an der konzertierten Aktion im Gesundheitswesen beim Bundesgesundheitsministerium.


Entwicklung in der Pflegepolitik

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Strausberger Erklärung: Der Deutsche Pflegerat spricht sich zum ersten Mal für die Einsetzung von Pflegekammern auf Landesund Bundesebene für die professionell Pflegenden aus

1998

Der Deutsche Pflegerat (DPR) wird von den fünf Berufsorganisationen ADS, BA, BALK, BKK und DBfK gegründet, mit dem Ziel, gesundheits- und sozialpolitische Fragen zu erarbeiten und die Pflege in Politik und Öffentlichkeit zu vertreten

2004

2016

Gründung der ersten Pflegekammer in Deutschland in Rheinland-Pfalz

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Pflege & Politik

DAMIT DIE PFLEGE GEHÖRT WIRD. Pflegende brauchen eine stärkere Lobby in Berlin, wenn sie nicht länger den Kürzeren ziehen wollen. Grundvoraussetzung dafür ist eine eigene berufsständische Vertretung, wie sie Ärzte und Apotheker seit Langem haben. Mit der Gründung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz wurde der Grundstein dafür gelegt. Ein wichtiger Schritt, dem weitere Kammern auf Landesebene folgen müssen, wenn die Pflege endlich auch auf Bundesebene gehört werden will. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Foto: pathdoc Fotoliacom

Tim Rödiger


Damit die Pflege gehört wird

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Pflege & Politik

VERLIERER IM VERTEILUNGSKAMPF

Im deutschen Gesundheitswesen herrscht ein harter Verteilungskampf. Ärzte, Krankenhäuser, Apotheker, Arzneimittel- und Medizinproduktehersteller vertreten vehement ihre Interessen gegenüber der Politik. Die Pflegenden gehen mit ihren berechtigten Forderungen in diesem vielstimmigen Chor oft unter. Und das, obwohl sie mit 1,2 Millionen Berufstätigen die größte Gruppe in der Gesundheitswirtschaft repräsentieren und demzufolge einen Großteil des Wertes schaffen, von dem die Patienten Tag für Tag profitieren. Die mangelnde Vertretung der eigenen Interessen hat direkte Auswirkungen für die Pflegenden. Eine hohe Arbeitsdichte, Akzeptanzmangel und geringere Löhne als andere Heilberufe führen unter anderem dazu, dass viele Pflegende aus ihrem Beruf aussteigen. Die geringe Attraktivität des Pflegeberufs ist der Hauptgrund für den Fachkräftemangel, geht man nach dem aktuellen Pflegebericht der Bundesregierung. Wenn sich daran nichts ändert, steigt

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

DIE PFLEGE SOLLTE AUF AUGENHÖHE MIT ANDEREN GESUNDHEITSBERUFEN AGIEREN. DAS TUT SIE ZUR ZEIT NICHT. Karl-Josef Laumann, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patienten und Pflege.


Damit die Pflege gehört wird

dieser Fachkräftemangel dramatisch an. Denn die von der Bundesregierung beschlossene Ausweitung der Pflegeleistungen, die demografische Entwicklung und die erwartete Zunahme demenzieller Erkrankungen lassen den Bedarf an Pflegeleistungen in den nächsten Jahren deutlich steigen, ohne dass sich an der Attraktivität der Pflegeberufe in absehbarer Zeit etwas ändert.

DIE PFLEGELÜCKE BETRIFFT ALLE

Die drohende Pflegelücke ist durch wachsende Ökonomisierung, Stellenabbau und Rationalisierung auf Kosten des Pflegepersonals und damit der Pflegequalität entstanden. Sie wird nun auch zu einem politischen Problem. Denn wenn der steigende Pflegebedarf nicht mehr gedeckt werden kann, droht eine Rationierung von Pflegeleistungen. Im Ergebnis erhalten immer weniger Patienten die Versorgung, die sie benötigen. Aber nicht nur für die Pflegebedürftigen, auch für das Gesundheitssystem führt eine Unterversorgung zu Problemen. Denn Unterversorgung bedeutet

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schlechte Versorgung, und die ist teuer. Treten vermehrt Komplikationen auf, kann es zu schwereren Krankheitsverläufen und zusätzlichen Begleiterkrankungen kommen. Dadurch steigen die Kosten für Kranken- und Pflegeversicherung und damit die Finanzierungslast für die gesetzlich versicherten insgesamt. Fehlende Pflege bedeutet mehr Kosten bei weniger Lebensqualität. Um das zu vermeiden, muss die Pflegelücke geschlossen werden. Größter Hebel dafür ist eine höhere Attraktivität des Pflegeberufs. Bessere Arbeitsbedingungen, höhere Entlohnung und mehr Anerkennung kommen aber nicht von allein, wie die letzten Jahre eindrücklich gezeigt haben. Dafür müssen die Pflegenden ihre Interessen stärker vertreten, sich besser durchsetzen. Warum ihnen das bislang nicht gelingt, zeigt ein Vergleich mit der Interessenvertretung anderer Heilberufe.

AUF AUGENHÖHE MIT ÄRZTEN UND APOTHEKERN

Ärzte und Apotheker haben eine eigenständige, von jedem einzelnen MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

Arzt und jedem einzelnen Apotheker legitimierte Interessenvertretung auf Bundesebene. Über ihre jeweiligen Länderkammern organisieren sie sich auf Bundesebene mit der Bundesärztekammer und der Bundesapothekenkammer, die in Berlin als zentraler Ansprechpartner für die Bundespolitik mit einer starken Stimme auftreten kann. In der Bundespolitik werden die wichtigsten gesundheitspolitischen Weichen für die Versorgung gestellt. Dafür versuchen die Gesundheitspolitiker, die Interessen der unterschiedlichsten Gruppen im Gesundheitswesen auszugleichen. Das können sie aber nur, wenn sich die jeweiligen Gruppen bundespolitisch auch Gehör verschaffen können. Und genau das gelingt der Pflege derzeit nicht. Grundvoraussetzung für eine stärkere Stimme der Pflegenden ist eine bundesweit legitimierte Interessenvertretung, wie sie die Ärzte und Apotheker seit Jahren haben. Die GrünMÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

dung der ersten Landespflegekammer in Rheinland-Pfalz ist ein Meilenstein auf diesem Weg. Denn mit ihr haben die Pflegenden die erste öffentlich-rechtlich legitimierte berufsständische Vertretung auf Augenhöhe mit den anderen Heilberufen. Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz wird schon nach einem Jahr von der Landesregierung als zentraler Ansprechpartner der Pflegenden wahrgenommen. Schon jetzt gibt es in Schleswig-Holsten und Niedersachsen gesetzlich legitimierte Landespflegekammern. Weitere Pflegekammern sollen folgen. Das ist auch wichtig. Denn so haben die Pflegenden die Chance, mit einer Bundespflegekammer auch bundespolitisch einen zentralen Ansprechpartner für die Politik zu etablieren. Viele Politiker wären dankbar, wenn sie wüssten, an wen sie sich künftig wenden können. Denn auch für sie ist die drohende Pflegelücke ein Problem.


Damit die Pflege gehört wird

VIELE POLITIKER WÄREN DANKBAR, WENN SIE WÜSSTEN, AN WEN SIE SICH KÜNFTIG WENDEN KÖNNEN. DENN AUCH FÜR SIE IST DIE DROHENDE PFLEGELÜCKE EIN PROBLEM. DER WEG IST KLAR, DIE ZEIT IST KNAPP.

Wenn sich die Pflegenden wirklich Gehör verschaffen wollen, brauchen sie eine Interessenvertretung auf Augenhöhe mit Ärzten und Apothekern. Mit einer starken Legitimation über öffentlich-rechtliche Kammern und der Bündelung der Interessen in einer schlagkräftigen Bundeskammer können sich Heilberufe Gehör verschaf-

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fen. Das können auch die Pflegenden, wie die Gründung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz zeigt. Im Jahr der Bundestagswahl drängt die Zeit. Denn bereits kurz danach werden in den Koalitionsverhandlungen die Weichen für die nächsten vier Jahre gestellt, auch in der Gesundheitspolitik. Dann wird die Politik wieder auf die starken Stimmen hören. Pflege? Hallo, ist da jemand?

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MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

BRAUCHEN BESCHÄFTIGE IN DER PFLEGE EINE (EIGENE) GEWERKSCHAFT? MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Gewerkschaft

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Zahlreiche Verbände und Organisationen werben um die Gunst der Pflegenden, wenn es darum geht, deren Interessen vertreten zu dürfen. Denn richtig ist: Bestimmte Forderungen können nur durch bestimmte Akteure ausgehandelt und erstritten werden. So treiben Gewerkschaften und Berufsverbände dabei auf unterschiedliche Weise die Belange ihrer Mitglieder voran und tragen gemeinsam mit den Berufskammern zu einer Stärkung der Berufsangehörigen und somit des Berufsstandes bei. Was direkt die Frage aufwirft, ob Pflegende nicht ihre eigene Gewerkschaft haben sollten, die sich ausschließlich auf deren Bedürfnisse konzentriert und die beruflichen Anforderungen im Gesundheitswesen bestens kennt. Viele Kammermitglieder stellen sich diese Frage immer wieder einmal. Auch könnte die Frage aufgeworfen werden, was bestehende Gewerkschaften verändern müssen, um vom Berufsstand auch anerkannt zu werden. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

VERDIENST VERHANDELN UND ARBEITSBEDINGUNGEN VERBESSERN

Während die Pflegekammer sowohl berufsrechtliche als auch berufsfachliche Aufgaben hat und die Interessen des Berufsstandes gegenüber der Politik und der Gesellschaft vertritt, haben Gewerkschaften das Ziel, eine Verbesserung der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen zu erreichen. Betrachtet man die Ergebnisse des Marburger Bundes oder der IG Metall, sieht man doch, dass sich für die Angehörigen in Pflegeberufen zu wenig tut. Ein möglicher Grund könnte die zu geringe Mobilisierung und die damit nicht sichtbare Solidarität der Pflegenden sein.

TARIFLICHE AUSEINANDERSETZUNG

Eine gewerkschaftliche Vertretung, die sich auf die Interessen der Pflege konzentriert, könnte dazu beitragen, dass sich Pflegende durch diese besMÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

EINE STARKE INTERESSENVERTRETUNG FÜR PFLEGENDE KANN JEDOCH NUR EIN DREIKLANG VON KAMMERN, GEWERKSCHAFT UND BERUFSVERBÄNDEN GARANTIEREN. Markus Mai Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

ser vertreten fühlen, da sie die Sorgen und Nöte vor Ort kennt. So entstehen Vertrauen und Verständnis, welches ein großes Mobilisierungspotenzial mit sich bringt und zum Beispiel für tarifliche Auseinandersetzungen dringend erforderlich ist. Nur mit einem hohen Mobilisierungspotenzial können Erfolge erzielt werden, welche zu höheren Löhnen für die Gewerkschaftsmitglieder und dadurch wiederum zu einem höheren Zuspruch für die Gewerkschaft führen.


Gewerkschaft

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Eine starke Interessenvertretung für Pflegende kann jedoch nur ein Dreiklang von Kammern, Gewerkschaften und Berufsverbänden garantieren. Insbesondere Verbesserungen auf der strukturellen Ebene, wie z. B. die Etablierung gesetzlicher Personalbemessungsinstrumente oder die Weiterentwicklung des Pflegeberufes durch die Schaffung einer verbindlichen Berufsordnung, sind originäre Aufgaben der Pflegekammern. Disqualifizieren sich daher Gewerkschaften nicht, wenn sie die Notwendigkeit von Pflegekammern in ihrer Grundstruktur verneinen und damit den Dreiklang als angemessene Vertretung des Pflegeberufs ablehnen? Eins ist klar: Nur gemeinsam können wir eine Weiterentwicklung des Berufsstandes, ein adäquates Einkommen und vor allem angemessene Arbeitsbedingungen in der Pflege erreichen.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

DIE PFLEGE MISCHT POLITISCH MIT

Foto: R-J-Seymour_iStockphoto.com

Wo wird Politik gemacht? Wo wird das berufspolitische Geschehen im Gesundheits- und Pflegewesen entschieden? Oft in Berlin, aber noch viel häufiger in den Bundesländern. Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz engagiert sich daher in diversen Landesgremien auf unterschiedlichen Ebenen, um die Rahmenbedingungen der pflegerischen Versorgung mitzugestalten und aktiv Einfluss zu nehmen.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Die Pflege mischt politisch mit

Landeskrankenhaus­ planungsausschuss Zu den Maßnahmen und Leistungen im Dienst der Gesundheit der Bevölkerung gehört eine leistungsfähige und wirtschaftliche Krankenhausstruktur. Der Landeskrankenhausplan 2010 setzt Schwerpunkte im stationären Bereich: Sicherstellung der stationären medizinischen Versorgung im ländlichen Raum, die Verbesserung der Versorgung von geriatrischen Patientinnen und Patienten, Erprobung interdisziplinärer Versorgungsstrukturen und die Verbesserung des gefäßchirurgischen Angebotes. Die Landespflegekammer wurde als gleichberechtigtes Mitglied im Ausschuss aufgenommen. 2016 war die Kammer durch Dr. Markus Mai bzw. seiner Stellvertreterin Sandra Postel vertreten. Themenschwerpunkte waren das Investitionsprogramm 2016, der Krankenhausstrukturfonds und die Novellierung des Landeskrankenhausgesetzes.

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Landespflegeausschuss Rheinland-Pfalz Mit Einführung der Sozialen Pflegeversicherung im Jahr 1995 ist das Gremium des Landespflegeausschusses geschaffen worden, um über Fragen der Pflegeversicherung zu beraten. Zwei Mitglieder der Kammer wurden in das Gremium berufen: Christa Wollstädter und Karim Elkhawaga, Stellvertreter sind Nina Benz und Daniel Knopp. In der konstituierenden Sitzung des Jahres ging es um die weitere Maßnahmenplanung, die Umsetzung des PSG II und die Beteiligung der Verbraucherzentrale sowie der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

Gemeindeschwester Plus Ziel des Modellprojektes „Gemeindeschwester Plus“ ist es, einen Beitrag zur Unterstützung selbstständiger Lebensführung im Alter durch präventive und gesundheitsfördernde Angebote zu leisten. Die Landespflegekammer ist Mitglied der Projektsteuerungsgruppe. Der Vorstand berief Karim Elkhawaga in dieses Gremium. 2016 fanden drei Sitzungen statt, thematisch ging es um den Stand der Projektarbeit in den Modellregionen sowie die Projektevaluation.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Gemeinsames Landes­ gremium nach § 90 a des Fünften Buches Sozialge­ setzbuch (SGB V) Auftrag des Gemeinsamen Landesgremiums ist es, Empfehlungen für eine flächendeckende medizinische Versorgung in Rheinland-Pfalz zu erarbeiten. Zudem ermöglicht es eine transparente Koordinierung der ambulanten und stationären Versorgung. Das Landesgremium kann auch zur Aufstellung und Anpassung der Bedarfspläne und zu den von den Landesausschüssen der Ärzte und Krankenkassen zu treffenden Entscheidungen Stellung nehmen. Als Vertreter und Vertreterin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz wurden Sandra Postel und Dr. Markus Mai berufen. Stellvertreter sind Renate Herzer und Karim Elkhawaga. Themenschwerpunkte im Jahr 2016 waren u a. die neu eingerichteten Fonds (z. B. Strukturfonds nach dem Krankenhausstrukturgesetz) und das Zukunftsprogramm „Gesundheit und Pflege 2020“.


Die Pflege mischt politisch mit

Landesgremium Demenz Ziel des Landesgremiums Demenz ist ein multiprofessioneller und fachübergreifender Austausch und Beteiligungsprozess, der die Versorgung, Beratung und Begleitung von Menschen mit Demenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe versteht. Der Vorstand berief Karim Elkhawaga in dieses Gremium. Innerhalb der vier Bereiche – Selbsthilfe, Beratung, Pflege und Medizin – werden Empfehlungen und Tätigkeitsschwerpunkte festgelegt, beispielsweise in Bezug auf regionale Betreuungskonzepte oder Fachkräftesicherung. Sandra Postel übernahm den Vorsitz der AG Pflege im Landesgremium Demenz.

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Branchenmonitoring und Ausbildungsbedarf Gesundheitsfachberufe Rheinland-Pfalz 2015 Mit Hilfe des gezielten Analyse­ instruments „Branchenmonitoring“ wird in Rheinland-Pfalz der Arbeitsmarkt der Pflege im Land beobachtet und analysiert. Die Studienergebnisse ermöglichen eine Bewertung der Ausbildungsund Stellenkapazitäten der Pflegeberufe, das Erkennen von möglichen Engpässen und das Einleiten gezielter Maßnahmen zur Fachkräftesicherung. Im Landesprojekt „Branchenmonitoring und Ausbildungsbedarf Gesundheitsfachberufe Rheinland-Pfalz 2015“ hat das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) für alle Gesundheitsfachberufe die aktuelle Arbeitsmarktlage analysiert und zukünftige Entwicklungen vorausberechnet. Im Jahr 2016 fanden dazu zwei Expertenworkshops statt, Mitglieder des Vorstands wa(kw) ren dabei.

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Schwerpunktthema

Eine starke politische Stimme der Pflegenden in Rheinland-Pfalz ist dringend notwendig. Nur so können wir unseren mehr als berechtigten Forderungen bei politischen Entscheidungsträgern und anderen Akteuren im Gesundheitswesen Gehör verschaffen und diese umsetzen. Zusammen mit weiteren Partnern konnten wir beispielsweise während der Koalitionsverhandlungen der neuen Landesregierung durchsetzen, dass die Investitionsmittel des Landes in Krankenhäuser nach jahrelanger Stagnation erhöht werden. Markus Mai Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

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Menschen sind verschieden. Krankheiten auch.

Deshalb erforschen und entwickeln wir personalisierte Medikamente und zielgerichtete diagnostische Tests – fßr ein längeres und besseres Leben.


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Schwerpunktthema

PFLEGE GEMEINSAM GESTALTTEN

Foto: Andre B.

Interview: Kerstin Werner

Das ganze Interview als Podcast

Sandra Postel ist Vizepräsidentin der Landespflegekammer RheinlandPfalz. Die Pflegenden und der Pflegeberuf liegen ihr am Herzen. Warum, verrät sie in diesem Interview.

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Pflege gemeinsam gestalten

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Frau Postel, können Sie sich noch an den Moment erinnern, als klar war: Jetzt wird es in Rheinland-Pfalz die erste Pflegekammer Deutschlands geben. Was haben Sie gedacht?

ICH STEHE ALS VORSTAND FÜR EINE PFLEGEKAMMER, WELCHE DIE BERUFLICH PFLEGENDEN „NACH INNEN UND AUSSEN“ UNTERSTÜTZEN UND WEITERENTWICKELN MÖCHTE.

Ja, ich kann mich sehr gut daran erinnern. Das war schon ein echter Glücksmoment. Aber eigentlich fing die Geschichte mit einem Anruf an. Das war ziemlich genau zum Abschluss meiner Elternzeit. Ich war wieder frisch im Beruf, da bekam ich von Schwester Basina* einen Anruf, ob ich mir vorstellen könnte, ihr für die Gründungskonferenz den inhaltlichen Support zu liefern und an dem wichtigen Thema Pflegekammer mitzuarbeiten.

* Schwester M. Basina Kloos, ehemalige Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, ist eine der Wegbereiterinnen der Pflegekammer in Rheinland-Pfalz; Anm. der Redaktion

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema Frau Postel, was ist für Sie persönlich das Wichtigste beim Thema Pflegekammer?

Aber Sie wollten dabei sein? Ja, unbedingt. Die Vorstellung, daran mitzuwirken, hat mich von Anfang an fasziniert. Die Gründungskonferenz bereitete parallel zum Gesetzgebungsverfahren die Arbeit des Errichtungsausschusses inhaltlich vor. Wir entwickelten ein Konzept, unter anderem für die Organisation und Finanzierung der künftigen Pflegekammer. Wir haben während dieser Zeit viel informiert und mit vielen Landtags­abgeordneten ergebnisoffen diskutiert. Umso glücklicher waren wir, als das Ganze dann ohne Gegenstimmen im Landtag verabschiedet wurde. Das ist schon ein unglaubliches Pfund, wenn sich alle Parteien eines Landes hinter die Idee der Pflegekammer und somit hinter die professionelle Pflege stellen. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Ich glaube, das wichtigste ist, dass die Pflege die Chance hat, autonome Entscheidungen zu treffen. Pflege war bisher fremdbestimmt, also unterschiedliche Gruppen haben aus ganz eigenen Interessen, ob aus Kostengründen, ob aus Desinteresse oder einer falschen Wahrnehmung, über das Wohl und Wehe des Pflegeberufs entschieden. Das ändert sich jetzt, da wir im Heilberufsgesetz stehen und damit automatisch in allen Gremien, die das Gesundheitswesen betreffen, für die Pflege sprechen können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die Unterstützung Pflegender, wenn es um Pflegefehler geht. Hierbei finde ich es wichtig, dass diese nicht mehr so abhängig von ihren Arbeitgebern sind. Jetzt haben die Kolleginnen und Kollegen einen berufsständischen Partner, der ihnen im Rücken steht, sowohl durch die Schutz- und Schiedsstelle, die sich gerade im Aufbau befindet, als auch im Sinne von Beratung und direkter Hilfe. Autonomie und Unterstützung, das sind die beiden Facetten, die für mich am wichtigsten sind.


Pflege gemeinsam gestalten

Sie sprechen ja für Pflegende, weil sie selbst Pflegekraft sind. Frau Postel, was machen Sie beruflich? Ich bin Gesundheits- und Krankenpflegerin und habe in verschiedenen Settings in der Kranken- und Altenpflege gearbeitet. Später habe ich dann die Möglichkeit ergriffen, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft zu studieren. Ich hatte dann die Gelegenheit, im Institut für angewandte Pflegeforschung zu arbeiten, unter anderem in dem Projekt Pflegeausbildung in Bewegung. Dann nahm ich das Angebot meines jetzigen Trägers, der Marienhaus GmbH, an. Seither arbeite ich dort in der Stabsstelle Pflege und leite seit April 2016 zentral den Geschäftsbereich der Schulen für Gesundheitsberufe.

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AUTONOMIE UND UNTERSTÜTZUNG, DAS SIND DIE BEIDEN FACETTEN, DIE FÜR MICH AM WICHTIGSTEN SIND.

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Schwerpunktthema

Aber das heißt, Frau Postel, Sie haben zwei Jobs. Wie sieht denn so ein typischer Arbeitstag der Frau Postel aus? Der typische Tag sieht vor, dass ich relativ wenig im Büro bin. Ich bin Mitglied in vielen Gremien, in denen ich mitarbeite, einerseits in den Gremien für die Arbeit der Pflegekammer, andererseits im Rahmen meiner Stabsstelle. Das heißt beispielsweise die Teilnahme an Stabsstellenleitertagungen und die Moderation von Pflegedirektorentagungen, Durchführung von Informationsveranstaltungen für Pflegefachkräfte. Dort informiere ich über die Kammer und bringe wieder ein Stimmungsbild und Anliegen der Pflegenden in die Kammer zurück. Dazu kommen noch Ausschusssitzungen in einem der Landesausschüsse in Rheinland-Pfalz. Ein Großteil nehmen noch Abstimmungen mit den anderen Vorständen oder Vorstandssitzungen beziehungsweise Vorbereitungen und Teilnahme an Vertreterversammlungen ein. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Frau Postel, Sie bekommen doch aber für Ihre Arbeit bei der Kammer kein Geld, richtig? Ich bin ehrenamtlich beziehungsweise nebenamtlich tätig. Das bedeutet, dass ich kein Gehalt von der Kammer beziehe. Aber ich bekomme eine Aufwandsentschädigung, ja. Aber ich bin tatsächlich auch am Wochenende und in meiner Freizeit für die Kammer tätig. Das ist einfach ein Arbeitsfeld, das geht weit über eine 40-Stunden-Woche hinaus. Hinzu kommen Aufwände, wenn ich Reiseaufwendungen habe, zum Beispiel, welche ebenfalls erstattet werden.


Pflege gemeinsam gestalten

DAHER HABEN WIR UNS FÜR EINE BEITRAGSSTAFFELUNG ENTSCHIEDEN, FÜR DIE ICH AUCH PERSÖNLICH GESTIMMT HABE, WEIL ICH SIE FÜR GERECHT HALTE. Wer erhält denn ein regelmäßiges Gehalt? Wir haben ja eine hauptamtliche und eine ehrenamtliche Struktur. Vertreter der Vertreterversammlung und des Vorstandes beziehen kein Gehalt. Das ist beim hauptamtlichen Bereich anders. Das fängt mit der Geschäftsführerin an und bezieht sich dann auf die inzwischen 18 Personen, die hauptamtlich für die Kammer beschäftigt sind und, angelehnt an ein Tarifgefüge, natürlich auch bezahlt werden.

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Thema Anfeindung. Sie müssen sich ja oft anhören, dass die Pflegekammer viel Geld kostet. Frau Postel, was zahlt denn eine Pflegekraft durchschnittlich im Monat? Wir haben hier eine Staffelung des Beitrages, die von den Vertreterinnen und Vertretern beschlossen wurde. Da gab es im Vorfeld natürlich eine große Debatte: Was ist gerecht, was ist angemessen? Aber bei fast 1.000 Infoveranstaltungen holten wir uns immer wieder Rückmeldung der Mitglieder. Daher haben wir uns für eine Beitragsstaffelung entschieden, für die ich auch persönlich gestimmt habe, weil ich sie für gerecht halte. Sie bezieht sich auf einen relativ breiten Basisbeitrag, der aktuell 9,80 Euro im Monat beträgt. Und in diesem Bereich befinden sich auch die meisten Pflegefachpersonen zurzeit. Übrigens können wir guten Gewissens von einer Beitragsstabilität sprechen. Das heißt, wir können gut mit dem Geld haushalten, und es wird keine Beitragserhöhung in den nächsten Jahren geben. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

Zahlen zu Mitgliedsbeiträgen 2016

102,89 €

Durchschnittsbeitrag pro Mitglied > pro Jahr

8,57 €

Durchschnittsbeitrag pro Mitglied > pro Monat

In Beitragsklasse 5 befinden sich die meisten Mitglieder

9,80 € Basisbeitrag > pro Monat (entspricht Beitragsklasse 5)

16.722

Mitglieder (49,9 %)

117,60 € Jahresbeitrag

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Sie werden ja immer wieder von außen angegriffen, immer wieder in Diskussionen verwickelt. Frau Postel, was macht das mit Ihnen? Ich muss ein Stück weit widersprechen. Wir werden eigentlich ganz konkret von drei Seiten angegriffen, nicht von allen. Wir werden von vielen Seiten auch ganz klar unterstützt und kriegen ein positives Feedback. Bei fast allen Veranstaltungen, auf denen ich mit Pflegekräften spreche, sind wir uns nach sehr kurzer Zeit einig, dass wir dringend etwas tun müssen für den Pflegeberuf. Das fühlt sich also für mich nicht so an, als ob ich ständig beschossen werde. Widerstand erfahren wir natürlich vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Grundsätzlich erlebe ich viele Arbeitgeber als mit-


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Pflege gemeinsam gestalten

Mitglieder je Beitragklasse in % 1,3 49,9

0,5 0,8 0,6 2,9

4,9 9,5 29,7

arbeiterorientiert, der bpa vertritt aber in seinem Kampf gegen die Kammer offensichtlich die privaten Anbieter, die gewinn- und renditeorientiert denken und handeln und an Renditeausschüttungen orientiert sind. Dass diese die Stärkung der professionell Pflegenden sorgenvoll betrachten und auch PR dagegen machen, kann ich nachvollziehen. Wir streiten herrlich mit denen – beispielsweise beim Thema Fachkraftquote. Und diese Art von Streit ist mir ein Herzensanliegen. Und dann kommt der Bereich der Pflegenden selber, das sind etwa 1.000 Kolleginnen und Kollegen, die wir als Kammerskeptiker oder auch Kammergegner bezeichnen. Und darüber hinaus gibt es noch eine gewisse Zahl von etwa 30, die sich auf Facebook laut und emotional gegen die Kammer

Beitragsklasse 1 Beitragsklasse 2 Beitragsklasse 3 Beitragsklasse 4 Beitragsklasse 5 Beitragsklasse 6 Beitragsklasse 7 Freiwillige/alle anderen Freiwillige/Schüler

Quelle Grafiken: Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

DIE KAMMER IST FÜR VIELE WOHL DER TROPFEN, DER DAS FASS ZUM ÜBERLAUFEN BRINGT.

äußern. Die Kammer ist für viele wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich diskutiere auf Facebook immer wieder mit den Kollegen, dass wir eine Chance haben, in eine bessere Situation zu kommen. Aber nur, wenn wir deutlich machen, dass wir eine Mehrheit sind, das wir Forderungen haben. Nur ist das die Pflege nicht gewöhnt. Es gibt aber auch Gegner, die sich sehr destruktiv äußern, das muss ich auch sagen. Teilweise geht es in Bereiche, die haben mit Polemik zu tun und gehen unter die Gürtellinie. Die versuche ich zunehmend zu ignorieren und schone meine Ressourcen. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Das ganze Interview als Podcast

Wohin geht die Reise, was wird uns erwarten in diesem Jahr, in fünf Jahren? Wir werden mit der Pflegekammer Rheinland-Pfalz im nächsten Jahr den Nimbus des Einzigartigen und der Vorreiterposition verlieren, da wir mehrere Kammern in Deutschland haben werden. Und wir werden das Thema Bundespflegekammer fest in den Blick nehmen. In fünf Jahren gehe ich fest davon aus, dass wir eine Bundespflegekammer und weitere Landespflegekammern haben werden. In fünf Jahren werden wir dann wirklich die Inhalte der Pflege auf Landes- wie auf Bundesebene genauso mitbestimmen, wie andere Heilberufe das über ihre Kammern jetzt auch schon tun.

Frau Postel, vielen Dank für das Gespräch!


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Schwerpunktthema

MITMACHEN. MITBESTIMMEN. MITGESTALTEN.

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Mitmachen statt Meckern

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Hauptziel der Arbeit einer Pflegekammer ist die Vertretung der Interessen aller Pflegender, die in dem jeweiligen Bundesland tätig sind. Die Ausrichtung der Kammerarbeit wird in Satzungen und Ordnungen festgeschrieben. Als Handlungsgrundlage für konkrete pflegerische Handlungen können Kammern Richtlinien erarbeiten. Was sich bürokratisch anhört, ist das Ergebnis eines basisdemokratischen Prozesses, an dem sich jeder professionell Pflegende in Rheinland-Pfalz beteiligen kann. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

Getreu dem aristotelischen Gedanken: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile", tragen dafür professionell Pflegende ihr Fachwissen in Arbeitsgruppen und Ausschüssen zusammen. Die daraus entstehenden Empfehlungen werden dann – je nach Relevanz – in der Vertreterversammlung weiter diskutiert, und zwar so lange, bis sie zu einer einvernehmlichen Entscheidung und bedarfsgerechten Lösung kommen. Das ist ähnlich wie bei einem Gesetzgebungsverfahren auf bundespolitischer Ebene. Der entscheidende Unterschied zur Politik ist jedoch, dass alle Entscheidungen nur von Berufsangehörigen getroffen werden können. Auch im Pflegeparlament der Pflegekammer gibt es „Parteien“ mit einer Meinung. Die verschiedenen „Parteien“ haben sich zusammengefunden,

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

haben sich zur Wahl gestellt und vertreten nun gemeinsam ihre speziellen Interessen. Also auch im Parlament der Pflege in Rheinland-Pfalz wird diskutiert und für Interessen gekämpft. Alle vereint grundsätzlich ein Ziel: die Pflege und damit Kolleginnen und Kollegen in ihrer Arbeit zu unterstützen und ihre Position nachhaltig zu stärken.

Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe

In einer Arbeitsgruppe darf grundsätzlich jedes Kammermitglied mitarbeiten. Dort ist Fachexpertise zu einem speziellen Thema gefragt. Es geht darum, aktuelle Themen oder Fragestellungen von allen Seiten zu beleuchten und Vor- und Nachteile abzuwägen, um zu einer Meinung zu gelangen. Das Ziel ist, eine Empfehlung abzugeben und konkrete Maßnahmen anzustoßen. Je nach Relevanz wird so die „Meinung" der Pflegekammer als Institution zu einem bestimmten Thema gebildet.


Mitmachen statt Meckern

Andere Empfehlungen werden in einem Ausschuss oder direkt in der Vertreterversammlung weiterdiskutiert, damit die Institution Kammer nicht nur eine Meinung, sondern eine Verordnung entwickeln kann. Die Arbeitsgruppen sind der Ideenpool der Pflegekammer. Je nach Thema treffen sich die zehn bis 20 Teilnehmer einmal im Quartal, bei Bedarf auch häufiger. Die Arbeitsgruppen werden von Mitarbeitern der Geschäftsstelle begleitet. Ihre Aufgabe ist es, die Mitglieder zu unterstützen, indem sie im Auftrag der Arbeitsgruppe Einladungen versenden, Protokolle anfertigen oder z.B. relevante Studien sichten und auswerten. Aktuell gibt es drei Arbeitsgruppen:

103

ES GEHT DARUM, LEITLINIEN, STANDARDS UND HANDLUNGS­ EMPFEHLUNGEN ZU SCHAFFEN, DIE JEDEM PROFESSIONELL PFLEGENDEN DIE ARBEIT IN DER PRAXIS ERLEICHTERT. UND ZWAR SACHLICH RICHTIG, PFLEGEFACHLICH AUF AKTUELLEM WISSENSCHAFTLICHEN STAND UND RECHTSVERBINDLICH. Christa Wollstädter Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

Arbeitsgruppe Langzeitpflege

Die AG Langzeitpflege hat im Jahr 2016 drei Mal getagt, ihr gehören 23 Mitglieder an. In der ersten Sitzung wurden zentrale Themen aus dem Bereich Langzeitpflege benannt. Dazu zählen unter anderem die personelle Besetzung und die Rahmenbedingungen der Ausbildung sowie die Zusammenarbeit mit dem MDK und die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Arbeitsgruppe hat sich in zwei Expertengruppen aufgeteilt, die die Fragestellungen für die Bereiche stationäre Pflege und ambulante Pflege vertieft bearbeiten.

Arbeitsgruppe Junge Kammer

Die erste Sitzung der AG Junge fand am 25. Juli 2016 statt. Derzeit engagieren sich sieben Mitglieder. Die AG versteht sich als Ansprechpartner und Vermittler für Pflegekräfte jeden MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Alters, die sich in der Ausbildung oder im Studium befinden, sowie für Berufsstarter oder Berufsneulinge. Sie möchte als Berater und Vermittler die individuelle Karriereplanung sowie bei Problemen und Konfliktsituationen unterstützen. Hierzu soll insbesondere der Kontakt zu Schülervertretungen in den Regionen aufgebaut und intensiviert werden. Auf dem ersten rheinland-pfälzischen Pflegetag ist außerdem ein eigener Stand der AG angedacht, um insbesondere junge Besucherinnen und Besucher anzusprechen.


Mitmachen statt Meckern

105

Folgende Themenfelder wurden in den Regionalgruppen bereits identifiziert: Nord: Ethik in der Lehre; Theorie – Praxistransfer; Netzwerkarbeit im Kontext Ethik. Ost: Ethik in der eigenen Berufsgruppe; Ethik in Gesundheitswesen, Politik, Institutionen.

Pflegeethik

Bisher haben etwa 40 Kammermitglieder Interesse an einer Mitarbeit zum Thema Ethik bekundet. Drei regionale Treffen (in Vallendar, Mainz und Neustadt/Weinstraße), sowie ein weiteres Treffen in Trier fanden bislanf statt. Nach einem fachlichen Input diskutierten die Teilnehmer über Notwendigkeiten und Möglichkeiten im Bereich Ethik. Am Ende jedes Treffens wurde ein Fragebogen ausgeteilt, auf dem jeder Angaben zu zeitlichen Ressourcen, Vorerfahrungen, Netzwerken und Interessensgebieten machen konnten.

Süd: Begriffsdefinition und Abgrenzung; Forschungsethik.

Arbeitsgruppe Berufsordnung

Die Zielsetzung Der Arbeitsgruppe Berufsordnung ist die Erstellung einer Berufsordnung für Pflegekräfte. In diesen Ausschuss wurden 33 Kammermitglieder berufen. Im Jahr 2016 haben drei Sitzungen stattgefunden. Zur vertiefenden Themenbearbeitung wurden zwei Arbeitsgruppen gebildet. Grundsätzlich regelt eine Berufsordnung die Rechte und Pflichten der Berufsangehörigen und schreibt die MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

Inhalte qualitativ hochwertiger pflegerischer Arbeit fest. Dabei greifen ethische, fachliche und rechtliche Elemente ineinander. Alles, was in der Berufsordnung festgeschrieben wird, ist ein Recht, auf das man sich als Pflegefachperson berufen kann. Die Berufsordnung wird von der Vertreterversammlung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz verabschiedet und dann vom aufsichtführenden Ministerium genehmigt. Gesetzlich verankerte Inhalte der Berufsordnung nach dem Heilberufsgesetz sind unter anderem die Regelungen zur Schweigepflicht, Transparenz pflegerischer Leistungen, Berufshaftpflicht, Fort- und Weiterbildung und Qualitätsentwicklung. Die Ausschussmitglieder beschäftigen sich aktuell mit den Fragen: Wie definiert sich professionelle Pflege? Mit wem haben wir es in der Pflege zu tun: Patient, Leistungsempfänger oder Mensch? Wie gelingt der Transfer aktuellen Wissens in die Praxis? Wie sind pflegerische Handlungskompetenz und Fachsprache zu sichern? MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Arbeitsgruppe Berufsfeldentwicklung

Die Arbeitsgruppe Berufsfeldentwicklung hat derzeit 13 Mitglieder. Die erste Sitzung fand am 11. November 2016 statt. Grundlage der Arbeit sind die Definition der Pflege des ICN sowie die strategischen Leitlinien der WHO für das Pflege- und Hebammenwesen in der Europäischen Region. Die Arbeit untergliedert sich in zwei Bereiche: Grundsatzarbeit (beispielsweise die kritische Reflexion des Deutschen Qualifikationsrahmen – DQR) und fachbezogene Themen. Ein erstes fachbezogenes Thema ist „Organisation“. Es ist geplant, Empfehlungen für die Praxis zu erarbeiten, Handreichungen für interne Überprüfungen in Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Forschungsprojekte sollen in Auftrag gegeben werden, die Empfehlungen werden für verschiedene Settings spezifiziert.

Was sind eigentlich Ausschüsse?

Die Teilnehmer der Ausschüsse werden von der Vertreterversammlung


Mitmachen statt Meckern

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DIE BERUFSFELDENTWICKLUNG IST VIELFÄLTIG. DIESES FELD BEDIENT U.A. SCHWERPUNKTMÄSSIG DIE THEMEN ORGANISATIONSENTWICKLUNG UND PERSONALENTWICKLUNG.EINERSEITS GEHT ES UM DIE ENTWICKLUNG VON KURZFRISTIGEN MASSNAHMEN, ANDERERSEITS EBENSO UM EINE MITTEL- UND LANGFRISTIGE AUSRICHTUNG. INNERHALB DIESES KOMPLEXEN THEMAS IST ES ENORM WICHTIG, DIE GESUNDHEITSPOLITISCHEN ENTWICKLUNGEN MIT IM BLICK ZU BEHALTEN UND ENTSPRECHEND DARAUF ZU REAGIEREN. UM EINE GRUNDLAGE FÜR DIE PFLEGE ZU SCHAFFEN, WIRD AKTUELL ZUNÄCHST GEMEINSAM MIT DEN PFLEGENDEN EINE BERUFSORDNUNG FÜR DIE BERUFSGRUPPE ERSTELLT. MIT EINER BERUFSORDNUNG ALS BASIS LASSEN SICH VIELE ENTWICKLUNGEN ARGUMENTATIV BEGRÜNDEN. DAS IST WICHTIG FÜR DIE PFLEGE!. Andrea Bergsträßer Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

in geheimer Wahl gewählt. Ihre Aufgabe ist die fachliche Vorarbeit von Themen für die Vertreterversammlung, damit diese ihre Beschlüsse überhaupt erst fassen können. Daher gilt: Fachliche Expertise, also Spezialwissen zu einem bestimmten pflegefachlichen Thema, ist Voraussetzung, um überhaupt vorgeschlagen und dann in einen Ausschuss gewählt zu werden. Aber wie in den Arbeitsgruppen gilt auch hier: Ein Thema wird von allen Seiten beleuchtet. Und zwar so lange, bis die Ausschussmitglieder eine gemeinsame Meinung dazu haben. Die Teilnehmer der Ausschüsse verpflichten sich, anders als in einer Arbeitsgruppe, zur regelmäßigen Arbeit. Denn erst wenn der Ausschuss seine Vorarbeit abgeschlossen hat, kann die Vertreterversammlung loslegen. Dafür treffen sich die Ausschussmitglieder, je nach Thema, im Regelfall einmal im Monat. Ist ihre Arbeit getan, löst sich der Ausschuss auf. Seine Arbeit endet immer mit einem Arbeitspapier für die Vertreterversammlung – und auch mit einer Empfehlung. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Ausschuss Weiterbildung/Fortbildung

Der Ausschuss Weiterbildung und Fortbildung konstituierte sich am 9. Mai 2016 und tagt etwa alle vier Wochen. Die aktuelle Aufgabenstellung ist die Erarbeitung einer Weiterbildungsordnung, die nach Vorgaben des Heilberufsgesetzes am 1. Januar 2018 in Kraft treten wird. Diese regelt die berufliche Weiterbildung der Kammermitglieder, dazu gehören unter anderem Inhalt, Dauer und Ablauf der Weiterbildungen, die Zulassung der Weiterbildungsstätten, das Führen von Weiterbildungsbezeichnungen sowie die Anerkennung bereits erworbener Kenntnisse. Der Ausschuss wird ein gemeinsames Bildungsverständnis formulieren, um die gemeinsamen Grundlagen der Arbeit darzulegen.


Mitmachen statt Meckern

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Ausschuss Satzungsrecht

Der Ausschuss Satzungsrecht tagte im Jahr 2016 sechs Mal. Die von der Vertreterversammlung gewählten Mitglieder befassten sich in den Sitzungen unter anderem mit der Erarbeitung der Geschäftsordnung der Vertreterversammlung, der Melde- und Beitragsordnung, der Entschädigungsund Gebührenordnung sowie der Weiterbildungsordnung. Die umfassend ausgearbeitten Entwürfe wurden jeweils abschließend von den Vertreterinnen und Vertretern beraten und beschlossen.

Ausschuss Finanzen und Finanzprüfung

Dem Ausschuss Finanzen und Finanzprüfung gehören neun Mitglieder an. In drei Sitzungen berieten diese Themen wie den Haushaltsplan 2016, die Liquiditätssicherung der Kammer und die Eckpunkte des Haushaltsplanes 2017.

ExpertengremIum Fachsprachüberprüfung

Fachsprache ist eine der wichtigsten Komponenten der professionellen Pflegetätigkeit. Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz hat den

gesetzlichen Auftrag, zukünftig die Fachsprachkompetenz ausländischer Pflegefachpersonen, die in Deutschland ihre Tätigkeit aufnehmen möchten, zu überprüfen. Damit wird erstmals ein weiterer und bedeutender Baustein zur Sicherung der Qualität der pflegerischen Versorgung in Deutschland etabliert. Zur Definition des erforderlichen Fachsprachniveaus sowie zur Erstellung eines Prüfleitfadens berief der Vorstand der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ein Expertengremium ein. In insgesamt vier Arbeitstreffen wurden 2016 die RahmenbedingungeneinerFachsprachüberprüfung definiert. Die Pflegeexperten beschäftigten sich mit der Entwicklung eines geeigneten Instrumentes, das die Anforderungen an die pflegerische Fachsprache abbildet. Darüber hinaus MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

wurden in einer Umfrage die Erfahrungen der Kammermitglieder im Umgang mit der Einarbeitung und Beschäftigung ausländischer Pflegefachpersonen in der Pflege erfasst. Die Befragung beinhaltet Fragen zur Anwendungssituationen pflegerischer Fachsprache, konkreten Handlungsempfehlungen in der Einarbeitung und eine Beschreibung von Erfahrungen aus der Praxis.

Sitzungsgeld

Die Teilnehmer der Ausschüsse und Arbeitsgruppen arbeiten ehrenamtlich neben ihrer regulären Tätigkeit in der Pflege. Die Fahrtkosten werden allen erstattet, und die Ausschussmitglieder erhalten ein Sitzungsgeld. Die Höhe der Aufwandsentschädigung ist übrigens genau festgelegt. Die Liste findet sich auf der Webseite der Kammer unter:

http://www.pflegekammer-rlp.de/index. php/lpflk-rlp.html MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

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Schwerpunktthema

4

Fragen

4

Antworten

Helena Melikov

"In unseren Magazinen PFLEGEKAMMER kompakt und interaktiv werden wir künftig konkrete Fragestellungen der Mitglieder veröffentlichen die bei der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz eingegangen sind. So können diese Informationen auch noch für andere Mitglieder hilfreich sein Renate Herzer, Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


4 Fragen 4 Antworten

1 PFLEGEKAMMER empfiehlt

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Da auf der Einweisungsdiagnose meines Bewohners Kachexie diagnostiziert wurde, wird meine Einrichtung nun durch die Krankenkasse des Patienten verklagt und ich muss Nachweisen das er ausreichend ernährt wurde. Was soll ich tun?

Die Nachweise sind im Wesentlichen durch die Pflegedokumentation zu erbringen. Zunächst würde die Einrichtung haften, wenn ihr eine schuldhafte Verletzung der Sorgfaltspflicht nachgewiesen wird. Grundsätzlich ist es nicht die Aufgabe von Pflegenden, die Bewohner in ein schematisches BMI-Korsett zu zwängen. Wenn durch Biografie-Arbeit und die Beschreibung z. B. in der Pflegeplanung die Berücksichtigung der Lebenswelt des Bewohners dokumentiert ist, ist auch grundsätzlich eine vermeintliche Unterernährung zu tolerieren. Wie so häufig gilt hier die Prüfung des Einzelfalles. Dieses können Sie gerne gemeinsam mit den Fachexperten der Landespflegekammer klären. Wir stellen die Verbindung her. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

2 PFLEGEKAMMER empfiehlt

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Wenn ein Bewohner in unserer Pflegeeinrichtung nachts verstirbt, habe ich die Anweisung nicht den Notarzt zu rufen, sondern den Hausarzt. Aber nur gemäß der Öffnungszeiten der Praxis. Auch wenn dies bedeutet, dass der Verstorbene ggf. über Stunden unversorgt im Zimmer verbleibt. Wie soll ich mich verhalten? Die für Sie verbindliche Vorgehensweise ergibt sich aus dem rheinland-pfälzischem Bestattungsgesetz (BestG). Dort, in den §10 und §11 (Satz 2) Bestattungsgesetz (BestG) Landesrecht Rheinland-Pfalz leitet sich ab, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen die Verpflichtung haben, zeitnah zu agieren; d.h. in der Nacht einen Arzt einzubestellen. Erkundigen Sie sich zunächst bei Ihren Vorgesetzten nach einer verbindlichen Vorgehensweise. Sollten Sie aufgefordert werden gegen o.g. gesetzliche Vorgaben zu agieren können Sie gerne mit den Fachexperten der Pflegekammer das weitere Vorgehen abstimmen. Selbstverständlich können Sie auch die Kammer bei der Klärung mit dem Arbeitgeber einbeziehen, wenn Sie dies wünschen.


4 Fragen 4 Antworten

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Der Haushalt einer unserer Patientinnen ist von Mäusen und Ratten befallen. Die Ausscheidungen dieser Tiere sind auf dem gesamten Boden des Wohnzimmers in dem die Patientin auch schläft der Küche und dem Flur zu sehen alles ist damit bedeckt Essens vorräte und Essensreste gewaschene und ungewaschene Kleidung verteilt sich im ganzen Haushalt Dazwischen liegt Material für eine geplante Renovierung der Wohnung schon seit Wochen Im Hof haben wir einen ca 75 cm breiten Weg um vom Hoftor zur Wohnungstür zu gelangen der restliche Bereich ist bedeckt von Müll und Schrott Die Mäuse und Ratten wurden auch wiederholt von uns den Pfl egekräften gesehen Ich habe große Schwierigkeiten mich ekelt es sehr der Geruch dort ist modrig und stark bei dieser Patientin Blutzucker zu messen und Insulin zu spritzen Ich möchte Sie bitten mich darüberaufzuklären ob ich meinem Chef sagen kann, dass ich in Zukunft in diesem Haus keinen Dienst mehr tun möchte oder ob mir daraus Nachteile entstehen können“

PFLEGEKAMMER empfiehlt

3

Generell ist es sinnvoll, dass Sie mit Ihrem Vorgesetzten über Ihre Bedenken und Ekelgefühle sprechen. Sie haben als Pflegefachperson jederzeit das Recht und auch die Pflicht, auf Missstände hinzuweisen, um Schaden sowohl von der Person, die Sie versorgen als auch von sich selbst abzuwenden. Ihre Frage nach möglichen Nachteilen, wenn Sie die Patientin nicht mehr versorgen möchten, ist eine arbeitsrechtliche Frage. Dazu darf Ihnen die Landespflegekammer keine Auskunft geben, da uns eine arbeitsrechtliche Beratung nicht gestattet ist. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Schwerpunktthema

4 PFLEGEKAMMER empfiehlt

Es geht bei meiner Frage zum einen um das grundsätzliche Tragen von Schutzhandschuhen beim Stellen und Verabreichen von Medikamenten und zum anderen darum, ob für das Richten von flüssigen und gelartigen Medikamenten grundsätzlich eine Schutzbrille getragen werden muss oder ob das nur für bestimmte, besonders gefährdende flüssige Medikamente gilt? Es besteht beim Stellen und Verabreichen die grundsätzliche Empfehlung zum Tragen von Schutzhandschuhen, das Tragen von Schutzbrillen ist nicht explizit geregelt. Eine Übersicht mit Veröffentlichungen können Sie gerne von uns, wie auch jedes andere Mitglied, direkt erhalten. Wir werden außerdem das Thema auf unserer Homepage einstellen und anerkannte Empfehlungen dort hinterlegen. (rlp)

Alle Mitglieder, denen ebenfalls Fragen unter den Nägeln brennen, die sich bei bestimmten beruflichen und pflegerischen Fragestellungen unsicher fühlen und sich Unterstützung wünschen, können ihre Fragen jederzeit telefonisch oder persönlich in der Geschäftsstelle der Landespflegekammer in Mainz einreichen. Gerne können Sie uns Ihre Fragen per E-Mail senden an: Leserfrage@pflegekammer-rlp.de

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


20 17 Recht+

Ordnung 01 Melde-Ordnung 02 Gebühren-Ordnung

Recht+Ordnung 2017

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ONLINE INFORMIERT Hier kleben spezielle Informationen nur für Mitglieder. Auf www.pflegekammer-rlp.de finden Sie Informationen zum direkten Download sowie Neuigkeiten zu aktuellen Themen aus dem Pflegewesen, Neuigkeiten aus der Vertreterversammlung oder den Ausschüssen Ihrer Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

DIREKTER KONTAKT Sie wollen uns besuchen? Wir freuen uns! Nur 500 Meter vom Hauptbahnhof entfernt, befindet sich die Geschäftsstelle der Landespflegekammer Große Bleiche 14–16, 55116 Mainz

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Schwerpunktthema

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NETZGEZWITSCHER

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Netzgezwitscher

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Immer wenn etwas Neues geschieht, sich bisherige Abläufe oder Ansprechpartner ändern oder sich Wünsche und Erwartungen nicht in der erhofften Geschwindigkeit erfüllen, gibt es auch kritische Stimmen – und das ist auch prinzipiell gut so.

Ein demokratischer Prozess sieht explizit die Beteiligung unterschiedlicher Positionen und Meinungen vor. Dass sich diese Meinungsäußerung eher in die sozialen Netzwerke verlagert, ist kein Phänomen allein in der Pflege. Jedoch entfalten die Beiträge dort keinerlei Realisierungswirkung für die Pflegenden, vielmehr bleiben sie dort – zum Teil als Halbwahrheiten – im Netz stehen und führen zu einem verzerrten Stimmungs- und Wahrheitsbild. Es ist Zeit, auf häufiges Netzgezwitscher einzugehen und dies im Sinne der Offen­heit und Transparenz richtigzustellen. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Schwerpunktthema

Foto: bombuscreative_iStockphoto

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Matthias schreibt Tja, toll, die Beiträge zur Kammer trägt ja auch die Universität. Da kann man auch schön in die Kamera lächeln. Die Pflegekammer ist für angestellte PflegerInnen so nötig wie ein Kropf. Für uns agieren die Gewerkschaften und nicht so ein Zwangsinstrument namens Pflegekammer, welches nur Geld kostet und nichts Messbares bringt. Gefällt mit · Antworten · Nachricht senden · 24 Februar um 14:44 1 Antwort

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PFLEGEKAMMER antwortet Natürlich geht es bei der Aufwertung der Pflege bzw. der Verbesserung der Rahmenbedingungen auch und an entscheidender Stelle um das Thema Geld. Eine Pflegekammer ist dabei nicht für den Themenbereich Tarifverhandlungen zuständig. Dies obliegt nach wie vor den Gewerkschaften und der Arbeitgeberseite. Da es im Gesundheitswesen aber auch an übergeordneter Stelle darum geht, welche Summen im „System“ überhaupt zur Verfügung stehen, kommen Kammern, die als Körperschaften des öffentlichen Rechts aufgebaut sind, wieder ins Spiel. An dieser Stelle braucht es nämlich Akteure, die über eine entsprechende Rechtsform verfügen, eben Körperschaften des öffentlichen Rechts. Da es bislang niemanden gab, der entsprechend aufgestellt für die Pflegenden Partei hätte ergreifen können, sind die Rahmenbedingungen so, wie sie sind. Um im Interesse der Pflegenden handeln zu können, bedarf es daher der engen Zusammenarbeit von Kammern, Gewerkschaften und Berufsverbänden.

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Schwerpunktthema

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Pflegekammer, die nur Geld kostet und nichts Messbares bringt. Gefällt mit · Antworten · Nachricht senden 1 Antwort

Steffen schreibt Wenn jetzt auch noch Rentnern ihr kleiner Zusatzverdienst mit Zwangsbeiträgen belegt wird, so finde ich das ungeheuerlich! Ihr schämt euch nicht, aber auch jeden zu schröpfen! Gefällt mit · Antworten · Nachricht senden 1 Antwort

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PFLEGEKAMMER antwortet Das rheinland-pfälzische Heilberufsgesetz (HeilBG) sieht, wie bei allen Heilberufskammern deutschlandweit, eine verpflichtende Mitgliedschaft der Pflegefachpersonen in der Landespflegekammer vor, sofern diese auch pflegerisch tätig sind. Um die starke Stimme für unsere Berufsgruppe im Verbund mit den Berufsverbänden und Gewerkschaften zu sein, bedarf es der Mitgliedschaft aller Kolleginnen und Kollegen. Als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen können wir unseren Einfluss dann besonders zur Geltung bringen, wenn wir unsere Interessen gemeinsam vertreten. Rentnerinnen und Rentner hingegen, die nicht mehr berufstätig sind, fallen nicht unter diese Regelung des HeilBG. Sie können freiwillige Mitglieder werden und damit ihre Erfahrungen und Expertisen einbringen.

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Schwerpunktthema

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kleiner Zusatzverdienst mit Zwangsbeiträgen belegt wird, so finde ich das ungeheuerlich! Ihr schämt euch nicht, aber auch jeden zu schröpfen! Gefällt mit · Antworten · Nachricht senden 1 Antwort

Marcy schreibt Ein Witz, der Eintritt, oder habt ihr noch einen Überraschungs­auftritt von Wolle Petry in petto. Gefällt mit · Antworten · Nachricht senden · 1 Antwort

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PFLEGEKAMMER antwortet Wolfgang Petry konnten wir leider nicht gewinnen. Dafür aber engagierte, tolle Referentinnen und Referenten aus allen Bereichen der Pflege. Das Programm ist ausgerichtet an regionalen Projekten und innovativen Pflegeangeboten. Die Pflegesettings u. a. in der Akutpflege und Langzeitpflege werden abgebildet. Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis berichten über ihre Erfahrungen. Die Mitglieder der Landespflegekammer erhalten mit 40,- Euro verbilligten Eintritt. Da mit Sicherheit nicht alle Kammermitglieder an diesem Tag nach Mainz kommen können, haben wir uns bewusst dagegen entschieden, den Eintritt komplett kostenfrei zu halten. Das wäre allen nicht-teilnehmenden Mitgliedern gegenüber ungerecht gewesen. Daher können alle Mitglieder mit einem Rabatt zu einer hochwertigen Veranstaltung kommen. (dd)

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Schwerpunktthema

KOMMENTAR

Diskussionskultur Esther Ehrenstein

Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Wenn ich die Diskussionen zur Pflegekammer beobachte, dann frage ich mich, ob man überhaupt von Diskussion sprechen kann. Laut Duden/Wörterbuch bedeutet „eine Sache diskutieren = untersuchen, erörtern, besprechend erwägen“. Und genau da frage ich mich, ob es um die Sache an sich noch geht? Ich erlebe zwei Arten der Diskussion: 1. Wenn ich mit Kollegen ganz direkt und persönlich über die Pflegekammer diskutiere, dann sind diese Gespräche meist von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung geprägt – auch bei gegenteiligen Meinungen. Die 2. Art der Diskussionen findet in relativer Anonymität im „Netz“ statt. Die Kommentare auf jegliche Art der Kammerpositionierung, sei es durch die Kammer selbst oder konstruktive und positive Meinungsäußerungen, ist eher destruktiv, teilweise auch persönlich beleidigend und meiner Meinung nach wenig an der Sache orientiert. Konstruktive und

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Netzgezwitscher

MITTLERWEILE HAT ES DEN ANSCHEIN, ALS WÜRDEN KOMMENTARE EINFACH KOPIERT UND IMMER UND IMMER WIEDER IN DIE DISKUSSIONEN EINGEFÜGT, OHNE JEGLICHE REFLEXION, OB ES IN DEN KONTEXT PASST. objektive Betrachtung der Möglichkeiten und Chancen, die eine Kammer für die Berufsgruppe der Pflege hat, werden nicht wahrgenommen. Mittlerweile hat es den Anschein, als würden Kommentare einfach kopiert und immer und immer wieder in die Diskussionen eingefügt, ohne jegliche Reflexion, ob es in den Kontext passt. Daher wünsche ich mir mehr Diskussionen im „richtigen Leben“ mit der Offenheit und dem Blick für die Berufsgruppe, die es wert ist, in ihrer Profession wahrgenommen zu werden.

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Rubrik Dana Lungmuss

WISSEN & LERNEN

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Wissen & Lernen

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130 VERSORGUNGSQUALITÄT DURCH LEITLINIEN UND EXPERTENSTANDARDS

136 BERUFSFELD­ ENTWICKLUNG Ein Blick in die Zukunft

144 KOMMUNIKATION Sprachpflege & Pflegesprache ... und viele spannende Themen mehr

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Wissen & Lernen

Foto: Cecilie_Arcurs || iStockphotos.com

EXPERTENSTANDARD

VERSORGUNGSQUALITÄT DURCH LEITLINIEN UND EXPERTEN­ STANDARDS

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Expertenstandards

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Matthias Düring

Dass Eisen und Föhnen bei der Behandlung eines Dekubitus längst nicht mehr State of the Art sind, weiß wohl jede Pflegefachperson. Aber welche Maßnahmen sind richtig? Antworten auf viele Fragen der Praxis geben die Pflegestandards. Sie sind ein wichtiges Element der Qualitätssicherung und bieten anhand pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse nachvollziehbare und überprüfbare Regeln.

Wer an Leitlinien denkt, denkt in erster Linie an die medizinischen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Die in dieser Datenbank enthaltenen Leitlinien sind systematisch entwickelte Hilfen zur Entscheidungsfindung. Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) definiert Leitlinien als "Handlungsempfehlungen für Ärzte", allerdings zeigt sich, dass eine monodisziplinäre Zugangsweise nicht mehr ausreichend ist. Bei der Leitlinienentwicklung ist die Einbeziehung aller beteiligten Berufsgruppen gefordert. So ist die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. (DGP) Mitglied der AWMF, und zahlreiche Leitlinien entstehen unter pflegerischer Beteiligung. Im klinischen Alltag entscheiden Ärzte, Pflegende und Patienten gemeinsam über das angemessene Vorgehen. Hochwertige Leitlinien sollen

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Wissen & Lernen

EXPERTENSTANDARDS SIND EIN WICHTIGES ELEMENT DER QUALITÄTSSICHERUNG. Renate Herzer Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

daher die "Patientenperspektive berücksichtigen." (vgl. ÄZQ 2017) Leitlinien fokussieren das Vorgehen bei einer Erkrankung oder einem Phänomen aus der Handlungsperspektive der beteiligten Berufsgruppen und der Patienten. Leitlinien dienen so der Qualitätsschaffung und -sicherung bei der Behandlung von Patienten. Die Transparenz dieser Leitlinien soll allen Akteuren eine optimale Patientenversorgung sichern und den Patienten die Möglichkeit bieten, die beste Entscheidung für die eigene

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Behandlung zu treffen. Dabei werden die Leitlinien klassifiziert, um ihre Bedeutung in der alltäglichen Versorgung zu verdeutlichen. Die S1-Leitlinie ist die schwächste Leitlinie einer repräsentativ zusammengesetzten Expertengruppe der Fachgesellschaften, die im informellen Konsens eine Empfehlung erarbeitet, welche dann vom Vorstand der Fachgesellschaften verabschiedet wird. Die S2-Leitlinie wird nochmals in zwei Unterkategorien unterteilt: Die S2k-Leitlinie besteht aus einer strukturierten Konsensentscheidung eines repräsentativen Gremiums. Die S2e-Leitlinie ist eine evidenzbasierte Leitlinie, bei der die Entscheidung aus systematischer Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur entsteht. Die stärkste Leitlinie stellt die S3-Leitlinie dar. Sie entsteht aus den beiden vorher beschriebenen Methoden: Ein repräsentatives Gremium führt eine systematische Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur durch und trifft eine strukturierte Konsensentscheidung. Der Begriff des "Standard" ging aus einer Diskussion der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des International Council of Nurses (ICN) und des europäischen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (Euro-


Expertenstandards Quan) hervor. "Pflegestandards geben die Zielsetzung und das Qualitätsniveau komplexer pflegerischer Aufgaben sowie Handlungsspielräume und -alternativen vor und eignen sich für Pflegehandlungen mit hohem Interaktionsanteil." (vgl. ZQP 2017) Diese Standards stellen keine Standard Operating Procedures (SOP) dar. Sie geben keine genauen Abläufe an und müssen an die individuelle Patientensituation angepasst werden. Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) setzt sich mit der Qualitätsentwicklung auseinander und entwickelt Expertenstandards für alle Bereiche der Pflege. Das DNQP besteht aus Experten der Pflegepraxis, der Pflegewissenschaft und des Pflegemanagements. Ziel ist es, die Pflegequalität zu fördern und eine einheitliche Qualitätsstrategie im Gesundheitswesen zu entwickeln. (GMK, 1999) Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder führte zur Projektförderung durch das Bundesministerium für Gesundheit von 1999 bis 2009. Im Anschluss an die Förderung finanziert sich das DNQP selbst durch öffentliche Förderungen und Eigenfinanzierung. Der Expertenstandard sichert die pflegerische Qualität auf evidenzbasiertem Niveau und wird wie folgt

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erstellt: Ein Thema mit Pflege- und gesundheitspolitischer Relevanz wird über eine Literaturrecherche gefunden oder aber von Angehörigen der Berufsgruppe oder anderen Akteuren des Sozial- und Gesundheitswesen eingebracht. Das wissenschaftliche Team des DQNP bereitet die Vorschläge auf und legt sie dem Lenkungsausschuss vor, der anhand der pflegeepidemiologisch relevanten Qualitätsrisiken entscheidet, ob ein Expertenstandard erstellt wird. Eine Rolle spielen hierbei auch die Komplexität und die Quanti-

PFLEGESTANDARDS GEBEN DIE ZIELSETZUNG UND DAS QUALITÄTSNIVEAU KOMPLEXER PFLEGERISCHER AUFGABEN SOWIE HANDLUNGSSPIELRÄUME UND -ALTERNATIVEN VOR UND EIGNEN SICH FÜR PFLEGEHANDLUNGEN MIT HOHEM INTERAKTIONSANTEIL. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Wissen & Lernen

tät der Interaktionen einer Pflegemaßnahme, zu der ein Expertenstandard entwickelt werden soll. Die sektorenübergreifenden Themen werden primär verfolgt, wenn eine erhebliche Qualitätssteigerung der Pflegepraxis und Synergieeffekte zu erwarten sind. Die besten Beispiele in den Bereichen Klinik und stationäre sowie ambulante Pflegeeinrichtungen sind die Expertenstandards für das Entlassungsmanagement sowie die Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Die Priorisierung der Themen findet ebenfalls durch den Lenkungsausschuss statt. Ist ein Thema gefunden, werden dazu eine Literaturstudie und eine Beurteilung des aktuellen Wissenstandes durchgeführt. Des Weiteren wird eine Expertengruppe zu dem geplanten Standard eingerichtet, die aus acht bis zwölf ausgewiesenen Experten besteht. Diese Gruppe setzt sich aus zu etwa gleichen Teilen bestehenden Mitgliedern aus Pflegpraxis und Pflegewissenschaft sowie Pflegemanagement zusammen. Auch die Mitarbeit von Patientenvertretern, Vertretern des Verbraucherschutzes sowie berufsübergreifenden Fachexperten wird erbeten. Diese Arbeitsgruppe erarbeitet einen Entwurf zum Exper-

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tenstandard und stellt ihn der Fachöffentlichkeit auf einer Konsensuskonferenz vor. Hier wird über den Entwurf beraten und die Ergebnisse der Konferenz werden in den Standard und eine Kommentierung aufgenommen. Nach Beratung der Ergebnisse zwischen Lenkungsausschuss, wissenschaftlichem Team und Expertenarbeitsgruppe ist der Expertenstandard gültig und wird in etwa 25 Modelleinrichtungen implementiert. Die Modelleinrichtungen werden durch ein kriteriengeleitetes Bewerbungsverfahren ausgewählt. Diese Einrichtungen testen mit wissenschaftlicher Begleitung die Praxistauglichkeit des Expertenstandards in einem Vier-Phasen-Modell (Fortbildung, Konkretisierung, Einführung und Audit). Nach der Modellphase werden die Testergebnisse ausgewertet und auf einem Netzwerktreffen der Fachöffentlichkeit präsentiert. Anschließend wird der Expertenstandard mit allen Ergebnissen und einem Audit-Instrument für den Einsatz im internen Qualitätsmanagement veröffentlicht. Der Expertenstandard orientiert sich, wie beschrieben, an dem aktuellen Wissensstand und muss somit regelmäßig aktualisiert werden.


Expertenstandards

Diese Aktualisierung findet alle fünf Jahre nach endgültiger Veröffentlichung durch das DNQP statt. Ein jährliches Monitoring und die Meldung relevanter neuer Erkenntnisse durch die Mitglieder der Expertenarbeitsgruppen sichern die Aktualität des Expertenstandards.

Weitere Informationen zu den Standards und Leitlinien https://lls.zqp.de/info.php

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Mehr zum Thema

DOWNLOAD Der Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden

DOWNLOAD Wundmanagerin Eileen Ernst im Interview zur Praxis der Wundversorgung und der Möglichkeit, sich weiterzubilden

https://lls.zqp.de/display.php http://www.awmf.org/leitlinien.html http://bit.ly/awmf_stufenklassifikation http://bit.ly/aezq_aufgaben_ziele http://www.leitlinien.de/ http://bit.ly/leitlinien_schriftenreihe30 https://www.dnqp.de/de/dnqp/ http://bit.ly/dnqp_Methodenpapier2015 http://bit.ly/gmkonline_Qualitaet

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Wissen & Lernen

BERUFSFELD­ ENTWICKLUNG: EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT WARUM SOLL ICH DENN PFLEGE LERNEN?

Foto: travenian || iStockphoto.com

WARUM SOLL ICH IN DER PFLEGE BLEIBEN? WÜRDEST DU DIE AUSBILDUNG FÜR DIE PFLEGE WEITER­ EMPFEHLEN?

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Berufsfeldentwicklung

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Wissen & Lernen Matthias Düring

Warum soll ich denn Pflege lernen? Warum soll ich in der Pflege bleiben? Würdest du die Ausbildung für die Pflege weiter­empfehlen? Diese drei Fragen stellt sich jeder Pflegekraft im Laufe der Karriere. Die erste Frage stellen sich heute mehr jungen Menschen als früher. Wohin entwickelt sich dieser Beruf, und was kann ich nach meiner Ausbildung zur Pflegekraft weiter tun? Bleibe ich auf dem Wissensstand und arbeite bis zur Rente, ohne Aussicht auf Weiterentwicklung?

Der Begriff der Schwester oder des Pflegers wird heute kaum mehr verwendet. Dass sich diese Bezeichnungen seit Florence Nightingale geändert haben, zeigt die Professionalisierung des Berufsstandes. Ich verwende das Wort "Pflegekraft" statt "Pflegefachkraft", um die vertikale Durchlässigkeit in unserem Beruf zu verdeutlichen. Heute hört man oft zwei sehr unterschiedliche Meinungen. Die Einen sind

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überzeugt: "Pflege kann jeder. Es sind ja nur Waschen und Mahlzeiten verteilen!", und die Anderen belegen wissenschaftlich: "Die Versorgungssettings werden komplexer, und die Menschen werden zu großer Zahl älter und multimorbider." Den verschiedenen Versorgungssettings begegnet man mit Leitlinien, Expertenstandards und evidenzbasierter Pflege, was die Qualität der Versorgung verbessern soll.


Berufsfeldentwicklung

Fortschritt braucht Bildung In den verschiedenen Settings der Versorgung von Pflegebedürftigen können junge Menschen sehr unterschiedliche Wege gehen. Je nach Schulabschluss beginnt die Karriere in verschiedenen Bildungssettings. Die Entwicklung in Europa hat alle Türen nach oben wie nach unten geöffnet. Ein Hauptschulabsolvent kann am Ende seines Bildungsweges ebenso ein Pflegewissenschaftler sein wie ein Absolvent der Allgemeinen Hochschulreife. Die Ausbildung kann auf jeder Stufe beibehalten oder weiter vorangetrieben werden. Das lebenslange Lernen in unserem Beruf ist allerdings unabdingbar, denn die Entwicklung des pflegerischen Fortschritts ist unaufhaltsam. Die erste Stufe in der Pflege ist die Möglichkeit eines Pflegebasiskurses, der 200 bis 400 Stunden dauert. Dieser Basiskurs bietet die pflegerischen Grundlagen für ein mögliches Arbeitsfeld. Dieser Kurs erfährt aber einige Kritik, da er nicht nur in den Bundesländern unterschiedlich ausgebildet wird, sondern auch von Träger zu Träger verschieden ist, und sich die Einrichtungen nicht sicher sein können, was die Person mit Basiskurs für Potenzial oder Defizite mitbringt.

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Eine größere Anerkennung erfährt der Altenpflege- oder Krankenpflegehelfer. Diese Ausbildung ist gesetzlich geregelt und unterliegt klaren Inhalten und Prüfungen. Ob die Möglichkeit, eine Ausbildung in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu verkürzen, besteht,

EIN HAUPTSCHUL­ ABSOLVENT KANN AM ENDE SEINES BILDUNGS­WEGES EBENSO EIN PFLEGE­ WISSENSCHAFTLER SEIN WIE EIN ABSOLVENT DER ALLGEMEINEN HOCHSCHULREIFE.

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Wissen & Lernen

hängt aber von der Ausbildungsstätte ab. Aus den größten Pflegeberufsverbänden wurde in den letzten Jahren die Forderung laut, eine gemeinsame Ausbildung für die Pflege zu initiieren. Diese Forderung fand Eingang in den Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung. Die aktuelle Tagespolitik zu diesem Plan ist kontrovers und scheint ins Stocken geraten zu sein. Geriatrie erhält mehr Bedeutung Nach der dreijährigen Ausbildung im Bereich der Altenpflege, der Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflege sind die Möglichkeiten bei weitem nicht erschöpft. Die unterschiedlichen

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Pflichtfortbildungen in den einzelnen Einrichtungen garantieren dabei nur, die nötigsten Neuerungen zu vermitteln. Die Entwicklung in der Pflegeforschung und der Medizin macht es aber auch nötig, sich in den unterschiedlichen Bereichen der eigenen Fachbereiche fortzubilden. Die eigenen Bereiche bieten heute aber auch die Möglichkeit, eine bis zu zweijährige Fachweiterbildung zu absolvieren und eine hohe Fachkompetenz zu entwickeln. Eine der bekanntesten Fachweiterbildungen ist die im Bereich der Anästhesie- und Intensivpflege sowie der Onkologie. Die Bereiche Geriatrie sowie Rehabilitations- und Langzeitpflege werden in Zukunft an Bedeu-

Foto: XiXinXing || iStockphoto.com

DIE INTERSEKTORALE VERSORGUNG DER MENSCHEN MACHT KÜNFTIG EIN CASEMANAGEMENT NÖTIG UND SOMIT AUCH EINE FUNDIERTE AUSBILDUNG IN DIESEM BEREICH.


Berufsfeldentwicklung

tung gewinnen. Eine weitere bekannte und fachspezifische Ausbildung stellt die Hygienefachkraft dar, die Sicherheit im Sinne des Umgangs mit nosokomialen Infektionen, der Händehygiene und weiteren Bereichen bringt. Sie muss in Krankenhäusern und anderen medizinischen Gesundheitseinrichtungen verpflichtend beschäftigt sein. Die Einrichtungen der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinder-/ Krankenpflege werden immer mehr

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wie Wirtschaftsunternehmen geführt. Dadurch ergeben sich deutliche Kritiken innerhalb und außerhalb der Berufsgruppe der Pflegenden. Ein wirtschaftliches Denken muss allerdings in allen Bereichen der Einrichtungen Einzug halten und entsprechend vermittelt werden. Ein Bereich des Wirtschaftsunternehmens ist das Qualitätsmanagement, welches dafür sorgt, dass sowohl die Patienten als auch die Mitarbeitenden zufriedener sind. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Wissen & Lernen

Die intersektorale Versorgung der Menschen macht künftig ein Casemanagement nötig und somit auch eine fundierte Ausbildung in diesem Bereich. Karriere als Pflegegutachter Die Komplexität der Versorgung erkennt man, wenn man einen Blick in die Sozialgesetzbücher wirft. Die Pflegestärkungsgesetze und die Möglichkeiten, die daraus entstehen, wo sich Fallstricke finden und welche Mängel dort enthalten sind, können Pflegegutachter beim Medizinischen Dienst der Kassen erkennen. Pflegeberater können das gleiche Wissen dazu nutzen, Patienten/Klienten zu beraten, um die Versorgung auf die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Dieses Wissen wird in dafür speziellen Ausbildungen geschaffen. Die Kompetenz den Bedarf zu erkennen und entsprechend zu beraten, bringt eine ausgebildete Pflegefachkraft mit, weshalb eine solche Ausbildung als Voraussetzung gilt. Chancen druch Pflegestudium Als Spitze der Karrieremöglichkeit werden oft Pflegedienstleitungen ge-

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DIESE ERKENNTNIS UND DIE, DASS PFLEGE GRUNDSÄTZLICH VIEL WERT IST, MÜSSEN NOCH IN DIE KÖPFE DER BEVÖLKERUNG UND EINIGER ENTSCHEIDUNGSTRÄGER GELANGEN. sehen. Bis heute wird diese Position teilweise noch als Weiterbildung angeboten. Die größte Zahl der Einrichtungen verlangt, den gestiegenen Anforderungen und betriebswirtschaftlichen Fachkenntnissen zufolge, ein Studium im Bereich des Pflegemanagements oder der Betriebswirtschaftslehre. Das Studium im Allgemeinen ist tatsächlich die höchste Stufe der Karriereleiter. Außer dem Pflegestudium bieten deutschlandweit verschiedene Hochschulen und Universitäten über 150 unterschiedli-


Berufsfeldentwicklung

143

Fazit Die Eingangsfragen kann ich wie folgt beantworten: Ja, es lohnt sich, diesen Beruf zu lernen, egal auf welchem Weg man einsteigt. Es ist ein Beruf mit Zukunft, der lebenslanges Lernen fordert und fördert. Die Ausbildung würde ich jederzeit wieder machen und kann sie nur weiterempfehlen, denn es bieten sich vielfältige Möglichkeiten und Ideen, die eigenen Ansprüche zu erfüllen oder zu übertreffen.

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Foto: 4x6 || iStockphotos.com

che Pflegestudiengänge an – vom bekannten Pflegemanagement über das grundständige Pflegestudium bis hin zum Studium der Pflegewissenschaft. Von der alten Form der Lehrschwester oder des Lehrpflegers wird sich in den letzten Jahren verabschiedet, und die Pflegepädagogik gewinnt immer mehr an Bedeutung. Der Wissenschaftsrat der Bundesrepublik fordert eine Beschäftigung von mindestens 20% studierter Pflegekräfte in den Einrichtungen des Gesundheitswesens, um eine optimale Versorgung sicherzustellen und das Outcome zu verbessern. Diese Erkenntnis und die, dass Pflege grundsätzlich viel wert ist, müssen noch in die Köpfe der Bevölkerung und einiger Entscheidungsträger gelangen.

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Wissen & Lernen Alex Kords Helena Melikov

SPRACHPFLEGE UND PFLEGESPRACHE MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Die Sprache ist das wichtigste System, mit dem wir Menschen Kommunikation betreiben. Sie basiert allerdings darauf, dass alle, die an diesem System teilhaben wollen und/oder müssen, ausreichende Kenntnisse darin haben. Ist doch klar: Wenn ich nach Ungarn ziehe, dann werde ich dort wohl nur wenige Menschen treffen, die deutsch sprechen, und muss notgedrungen ungarisch lernen. Aber auch innerhalb einer Sprachgemeinschaft kommt es zuweilen zu Störungen in der Kommunikation.

Foto Krankenschwester: imageBROKER || alamy.com

Sprachpflege & Pflegesprache

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Beleidigungen und Missverständnisse

Schon seit geraumer Zeit sorgt das Schlagwort von der „politischen Korrektheit“ dafür, dass wir unsere Sprache mit mehr Sensibilität gestalten. So wird beispielsweise das äußerst diskriminierende und beleidigende Wort „Krüppel“ als Bezeichnung für einen behinderten Menschen in der politisch korrekten Sprache nicht ver-

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Wissen & Lernen

DABEI WAR DER BEGRIFF, DER VOM MITTELNIEDERDEUTSCHEN ‚KRÖPEL’ STAMMT UND „DER GEKRÜMMTE“ BEDEUTET, LANGE ZEIT TEIL DER ALLTAGSSPRACHE. wendet. Dabei war der Begriff, der vom mittelniederdeutschen ‚kröpel’ stammt und „der Gekrümmte“ bedeutet, lange Zeit Teil der Alltagssprache. Negative Konnotationen haben schließlich dazu geführt, dass wir ihn aus unserem Wortschatz gestrichen haben. Und auch heute geraten Wörter und Formulierungen immer wieder in den Fokus der öffentlichen Diskussion – man erinnere sich nur an die Bezeichnung Nafri, die die Polizei von Nordrhein-Westfalen für Menschen nordafrikanischer Herkunft verwendete. Dabei basierte die Kontroverse, die nach den SilvesterfeierlichkeiMÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

ten in Köln aufkam, vor allem darauf, dass die Polizei den Begriff mutmaßlich für potenziell kriminelle Nordafrikaner benutzte. Aber auch Wörter, die wir ganz selbstverständlich im Alltag verwenden, können einen negativen Touch bekommen, etwa durch aktuelles Zeitgeschehen. Oder fühlt sich jemand angesichts zunehmender Terrorgefahr noch wohl damit, von einer Party zu behaupten, dass dort eine „Bombenstimmung“ herrscht? Selbstverständlich kann man bei politisch korrekter Sprache auch über das Ziel hinausschießen und allzu sensibel werden. Ein bisschen Fingerspitzengefühl schadet jedoch nicht dabei, respektvoll mit- und übereinander zu sprechen und Missverständnissen aus dem Weg zu gehen.

Wenn Fachleute reden

Ein großes Potenzial für kommunikative Irritationen birgt auch die Fachsprache – also das System aus Vokabeln, das Personen verwenden, die in einem bestimmten Fachgebiet tätig sind. Seien es Piloten, Soldaten, Seeoder Bergmänner – sie alle haben ei-


Sprachpflege & Pflegesprache

nen speziellen Jargon, der für Außenstehende oft nur schwer zu verstehen ist. Auch die Ärzte- und Pflegende verwendet in ihrer alltäglichen Arbeit eine von Fachwörtern durchsetzte Sprache, mit der sie vor allem Körperteile und Erkrankungen bezeichnet. Beide Berufsgruppen tauschen sich allerdings nicht nur untereinander aus, sondern stehen sehr oft in Kontakt mit Patientinnen und Patienten, deren Verwandten oder pflegenden Angehörigen. Und die müssen Diagnosen und Anweisungen ebenso verstehen wie medizinisch geschultes Fachpersonal. Die Herausforderung ist es nun, die eigene Sprache so an das Gegenüber anzupassen, dass dieses keine Schwierigkeiten damit hat, inhaltlich zu folgen. Sollte es nötig sein, liegt es auch in der Verantwortung der Pflegekraft, die möglicherweise schwer verständlichen Aussagen der Ärztin für den Patienten zu „übersetzen“. Doch auch die

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Fachsprachen, die Ärztinnen, Ärzte und Pfleger/-innen verwenden, weisen zuweilen Unterschiede auf. Zwar benutzt man in der Pflege ebenso medizinische Bezeichnungen, darüber hinaus aber auch viele Wörter aus anderen wissenschaftlichen Disziplinen. Dazu kommen abgekürzte Ausdrücke, die vor allem in hektischen Situationen Zeit sparen, oft aber nur von Pflegenden untereinander verstanden werden. Und wie auch in der Ansprache an Patientinnen und Patienten ist es wichtig, dass sich das pflegende Fachpersonal verständlich MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Wissen & Lernen

ausdrückt, wenn es sich mit Ärztinnen und Ärzten austauscht. In der Medizin dient als Grundlage die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD10) und auch für die Pflege ist eine einheitliche Pflegefachsprache in Zukunft unabdingbar. Schließlich ist eine gute Pflege immer das Resultat eines reibungslos funktionierenden Teams – und das ist eben auch von einer barrierefreien Kommunikation abhängig.

Positive Ansprache

Im pflegerischen Alltag ist man häufig mit Umständen konfrontiert, die alles andere als erbaulich sind – sowohl für die Betroffenen als auch für die Fachkräfte. Vor allem in Momenten, in denen ein Patient einen Rückschlag verkraften oder eine schwerwiegende Diagnose hinnehmen muss, kommt es auf das Einfühlungsvermögen der Pflegenden an. Ein wichtiges Instrument ist dabei die Verwendung von positiven Formulierungen, aus denen negativ besetzte Wörter wie „nicht“

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oder „kein“ komplett gestrichen werden. Stattdessen sollte die Pflegekraft in ihrer Kommunikation aufbauende Aspekte hervorheben, Hoffnung machen und ein positives Gefühl hinterlassen. Denn fast so wichtig wie die kompetente Pflege, ist für die Patientin das Bewusstsein, dass ihre Genesung allen Beteiligten am Herzen liegt.

Pflege in einer fremden Sprache

Um das eingangs angesprochene Thema noch einmal aufzugreifen: Das Erlernen der deutschen Sprache ist unabdingbar, wenn man als Nichtmuttersprachler/-in hierzulande tätig werden möchte. Das gilt für die Pflege ebenso wie für alle anderen Berufsfelder. Erschwerend wirkt sich dabei die Verwendung fachsprachlicher Termini


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Sprachpflege & Pflegesprache

Ergebnisse der Umfrage aus, deren Beherrschung über das Lernen der Landessprache hinausgeht. Bildlich gesprochen, liegt auf dem Schreibtisch einer ausländischen Pflegekraft neben dem großen Deutsch-Lehrbuch immer auch das kleinere Heft „Deutsch für Pflegende“. Wie wichtig es ist, dass sich nichtmuttersprachliche Pflegende so schnell wie möglich in die Fachsprache einarbeiten, zeigen die Ergebnisse einer Umfrage, die die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz im Oktober und November 2016 unter ihren Mitgliedern durchgeführt hat. Ihr zufolge arbeiten neun von zehn Pflegekräften mit mindestens einer Person zusammen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Einige der Befragten gaben dabei an, dass ihre ausländischen Kolleginnen und Kollegen Defizite im Verstehen und der Verwendung von Fachsprache aufweisen, woraus sich dann im pflegerischen Alltag teils erhebliche

Situationen, in denen Fachsprache unabdingbar ist Angaben in % | Mehrfachnennungen möglich

Patientinnen- und PatientenBeratungs­gespräche führen

43,28%

Aufnahmegespräch mit Patientinnen und Patienten/ Angehörigen/ Eltern führen

36,51%

Erfragen von Pflege­bedürfnissen

45,31%

Pflegeanamnese mit Patientinnen und Patienen/ Angehörigen/Eltern führen

38,46%

Pflegeplanung erstellen (Ableiten von Pflegemaß­nahmen)

43,08%

Pflegebericht verfassen (schriftlich)

53,62%

Telefonische Anordnungen erfassen

60,27%

Patienteninnen- und PatientenBeratungsgespräche führen

60,27%

Online-Umfrage im Auftrag der Pflegekammer Rheinland-Pfalz zur Erfassung der Erfahrungen im Umgang mit der Einarbeitung und Beschäftigung ausländischer Pflegefachpersonen. Befragungszeitraum Oktober/November 2016; N=80

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Wissen & Lernen

DIE RAHMENBEDINGUNGEN DIESER KONTROLLE WERDEN IN REGELMÄSSIGEN TREFFEN DES GREMIUMS FESTGELEGT, ZUDEM MACHT ES SICH GEDANKEN DARÜBER, WELCHE ANFORDERUNGEN DIE FACHSPRACHE IN DER PFLEGE ÜBERHAUPT ERFÜLLEN MUSS.

MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Probleme in der Kommunikation ergeben. Dass dies im schlimmsten Fall zu einer unsachgemäßen Pflege oder gar zu schwerwiegenden Fehlern führen kann, liegt auf der Hand. Deshalb hat die Landespflegekammer den gesetzlichen Auftrag, die fachsprachliche Kompetenz von ausländischen Fachpflegepersonen zu überprüfen, die in Deutschland tätig werden möchten. Mit dieser durchaus anspruchsvollen Aufgabe trägt die Kammer zur Qualitätssicherung in der Pflege bei. Um ihr auch gerecht zu werden, hat der Vorstand der Kammer ein Gremium aus Experten einberufen, das definieren soll, welches fachsprachliche Niveau für eine weitgehend ungehinderte Tätigkeit erforderlich ist. Außerdem soll es einen Leitfaden erstellen, der für die Überprüfung der Kenntnisse in der pflegerischen Fachsprache genutzt werden kann. Die Rahmenbedingungen dieser Kontrolle werden in regelmäßigen Treffen des Gremiums festgelegt, zudem macht


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Sprachpflege & Pflegesprache Haben Sie zurzeit fremdsprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Kollegen?

14%

Nein

es sich Gedanken darüber, welche Anforderungen die Fachsprache in der Pflege überhaupt erfüllen muss. Übrigens haben Pflegende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die zum Arbeiten nach Deutschland gekommen sind, in der Umfrage der Landespflegekammer einige hilfreiche Praxistipps gegeben, wie sie selbst es geschafft haben, die Fachsprache zu erlernen. Ihren Angaben zufolge haben sie sich regelmäßig mit fachsprachlicher Literatur beschäftigt und die Wörter, die sie nicht kannten, auf Vokabelkärtchen geschrieben, um sie sich so besser einzuprägen. Außerdem haben sie immer dann, wenn sie einen Begriff nicht verstanden haben, bei einem Kollegen nachgefragt. Auf diese Weise macht Kommunikation die Sprachbarriere immer kleiner – und hebt sie in absehbarer Zeit ganz auf.

86%

Ja

Teilnehmer/-innen nach Einrichtungsart

3%

Rehabilitation

1%

Ambulante Pflege

4%

Psychiatrie

11 %

Altenpfle­ge­ einrichtung

78 %

Krankenhaus

3%

Sonstiges

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Rubrik

Dana Lungmuss

RAT & RECHT

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Rat & Recht

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154 ANTIKORRUPTIONS GESETZ Verschärfte Regeln auch für Pflegepersonal

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Rat & Recht

Neues Anti-Korruptionsgesetz greift seit 4. Juni 2016

VERSCHÄRFTE REGELN GELTEN AUCH FÜR PFLEGE­ FACHPERSONEN Seit wenigen Monaten gilt ein Gesetz, das Vorteilsnahme und Bestechung im Gesundheitswesen unterbinden und das Vertrauen von Patienten und Bewohnern in staatlich anerkannte Heilberufe stärken soll. Risiken und Nebenwirkungen birgt das seit 4. Juni 2016 greifende Anti-Korruptionsgesetz auch für Pflegefachpersonen, nicht nur für Ärzte oder Apotheker, betont die Pflegekammer Rheinland-Pfalz. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


Antikorruptionsgesetz

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Uwe Lötzerich Helena Melikov

Nun können auch Heilberufler wie Pflegefachpersonen wegen Vorteilsnahme (neuer § 299a Strafgesetzbuch, StGB) oder Bestechung (neuer § 299b StGB) bestraft werden. „Auch Pflegefachpersonen machen sich strafbar, wenn sie im Zuge ihrer beruflichen Tätigkeit verbotene Vorteile erhalten, diese gewähren, fordern oder sich versprechen lassen, um unlautere Vergabeentscheidungen zu treffen oder entsprechend beeinflusst zu werden“, zitiert Hans-Josef Börsch, Verantwortlicher des Ressorts »Recht« bei der Landespflegekammer, aus der Analyse eines Juristen. Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren, in schweren Fällen bis zu fünf Jahren, drohen jetzt Heilberuflern, die nachweislich Vorteile angenommen oder selbst bestochen haben, um fragwürdige Entscheidungen zu treffen oder zu veranlassen. Zudem blüht ihnen ein bis zu fünfjähriges, in Extremfällen sogar lebenslanges Berufsverbot. Ggf. müssen sie bezogenes „Schmiergeld“ an den Staat abführen. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Rat & Recht

Als Orientierung für Pflegefachpersonen gelten drei Grundregeln für alltägliche Geschäftsbeziehungen:  Wer zum Beispiel für sich oder andere Vorteile wie Geldzahlungen, Sachgeschenke, kostenfreie Fortbildungen, Vermögens- oder Gewinnbeteiligungen annimmt, gewährt, fordert oder sich zusichern lässt, um z. B. Produkte, Heil- oder Hilfsmittel eines bestimmten Herstellers zu ordern oder dadurch seine Entscheidung beeinflussen lässt, macht sich strafbar.  Wer anderen z. B. Leistungserbringern gegen Geld oder geldwerte Vorteile Patienten oder Untersuchungsmaterial zukommen lässt, muss mit Strafe rechnen.  Dagegen ist es in der Regel nicht strafbar, kleinere Werbegeschenke wie Kugelschreiber oder kleine Präsente anzunehmen, wenn sie nicht im Zusammenhang mit einer Vergabeentscheidung stehen. Einzig bei dauerhaften Geschäftsbeziehungen ist es ratsam, selbst solche Kleinpräsente abzulehnen. Börsch: „Da ist Vorsicht geboten!“ MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Erste Empfehlungen für Kammermitglieder: So verhalten Sie sich korrekt  Nehmen Sie als Pflegefachperson, die über die Vergabe von Aufträgen oder Leistungen entscheidet, keinerlei Zuwendungen an. Bieten Sie entsprechenden Personen auch keine Zuwendungen an.

 Dokumentieren Sie alle

Vergabeentscheidungen schriftlich. Dies umfasst alle Informationen, die die Vergabeentscheidung begründen.

 Dokumentieren Sie alle Zu-

wendungen und vermeiden Sie Bargeldgeschäfte.

 Achten Sie vor allem bei

Kooperationen darauf, dass Leistung und Gegenleistung in einem angemessenen Verhältnis stehen.


Antikorruptionsgesetz

Ursprünglich sollte sich die neue Regelung nur auf Ärztinnen und Ärzte beziehen. Der Bundestag stellte aber im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens klar, dass einerseits das Korruptionsrisiko bei dieser Berufsgruppe besonders hoch ist. Andererseits treffen aber gerade die Gesundheitsfachberufe wesentliche Entscheidungen, die für das Wohl der Patientinnen und Patienten „in gleicher Weise wichtig und notwendig“ sind. Da Gesundheitsfachberufe sowie Ärztinnen und Ärzte insofern „auf Augenhöhe“ handeln, hat der Gesetzgeber den Kreis der möglichen Täter erweitert. Riskant wird es für Pflegefachpersonen u.a., wenn sie sich z. B. beim Jahreseinkauf von Pflegeverbrauchsartikeln zwischen mehreren Herstellern ähnlich geeigneter Produkte entscheiden müssen: Wählen sie einen bestimmten Anbieter nur, weil sie oder andere persönlich davon profitieren, machen sie sich strafbar. Denn für einen geldwerten Vorteil haben sie

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in unlauterer Form einen Wettbewerber bevorzugt.

Beispiele aus dem Pflege­ alltag

Es folgen Beispiele aus dem Berufsalltag von Pflegefachpersonen und deren grobe rechtliche Bewertung:  Eine Patientin schenkt der Pflegefachperson eine Schachtel Pralinen und wird daher von ihr bevorzugt behandelt. Bewertung: Die Pflegefachperson  verhält sich rechtmäßig und macht sich nicht der Vorteilsnahme schuldig. Denn zu diesem süßen Vorteil hat ihr kein, von ihrer Entscheidung profitierender, im Wettbewerb stehender, Hersteller oder Auftragnehmer verholfen.  Die für eine Station in der Altenpflege verantwortliche Pflegefachperson hat einen Apotheker im MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Rat & Recht

Heimversorgungsvertrag mit der Abholung der Rezepte bei Ärzten und Lieferung der Medikamente beauftragt, weil dieser kostenlos die Verblisterung der Arzneien übernimmt. Bewertung: Diese PDL macht sich der Bestechlichkeit verdächtig, der Apotheker der Bestechung. Denn hier hat das Heim einen wirtschaftlichen Vorteil erzielt, weil seine bewohnerspezifischen Kosten zur Aufbewahrung und Gabe von Medikamenten erheblich sinken. Eine kostenlose Verblisterung von Arzneien verbietet das Heilmittelwerbegesetz dem Apotheker. Dies muss er sich gesondert vergüten lassen, darf es aber nicht im Heimversorgungsvertrag vereinbaren.   Eine Pflegefachperson vereinbart mit einem Arzt, dass sie Flyer für ihren Pflegedienst in seinem Wartezimmer auslegt, der Arzt den Pflegedienst dann ggf. auch empfiehlt, und lässt ihm hierfür eine Geldsumme zukommen. Bewertung: Auch in diesem Fall dürfte ermittelt werden, denn die PDL hat

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ihrem Pflegedienst durch die beabsichtigte Patientenzuführung einen Vorteil verschafft, während der Arzt den Vorteil gewährte. Beide Seiten handeln dagegen legal, wenn der Arzt die Flyer aller vor Ort aktiven Pflegedienste ausgelegt und damit keinen einzelnen Dienst bevorzugt. Die skizzierten Beispiele zeigen, dass das Risiko, dass sich ein Kammermitglied nach den neuen Bestimmungen strafbar macht, ernst genommen werden muss. Insofern sollten Sie Ihre bisherigen Handlungen und Geschäftsbeziehungen unbedingt entsprechend überprüfen. Durch die Rechtsprechung noch nicht endgültig geklärt ist die Frage, ob Patientenzuweisungen durch Kooperationen z. B. von Krankenhäusern, Ärzten und Pflegediensten nun bereits strafbar sind. Solche Kooperationen und gegenseitige Information der Leistungserbringer lägen im Patienteninteresse und seien sozial- und berufsrechtlich sogar erwünscht, beruhigen Juristen Bedenkenträger.


Antikorruptionsgesetz

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Rubrik Dana Lungmuss

BERUF & PRAXIS

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Beruf & Praxis

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162 INTERVIEW Was haben die Pflege und Fußballer Philipp Lahm gemeinsam? Erfolgstreiber Teamarbeit und Motivation

175 DOWNLOADS Motivationen für den Alltag

180 INTERVIEW "Seid mutig und gestaltet mit": Einschätzungen zur Bundespflegekammer

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Praxis & Beruf

IM GESPRÄCH

DIE PFLEGE UND PHILIPP LAHM MÄRZ MÄRZ 2017 �� LANDESPFLEGEKAMMER PFLEGEKAMMER


Personalentwicklung

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Raissa Axmann & Simon Rottler Alexander Kords

Philipp Lahm ist einer der erfolgreichsten Spieler der deutschen Fußballgeschichte. Im Interview für „Pflegekammer interaktiv“ lässt er allerdings nicht seine herausragende Karriere Revue passieren. Vielmehr tauscht er sich mit zwei Fachkräften aus dem Pflegebereich über Arbeiten in Teams, Führungskultur und über die erste Pflegekammer in Rheinland-Pfalz aus: mit Alexandra Huber, Bereichsleiterin Pflege im Klinikum Neuperlach, und Juliane Bulitz, Praxisanleiterin im Klinikum Schwabing.

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Juliane Bulitz (links) Philipp Lahm (rechts)

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Praxis & Beruf

Wir haben ja drei „Chefs“ hier am Tisch sitzen: eine Bereichsleiterin in der Pflege, den Kapitän einer Fußballmannschaft und eine Praxisanleiterin. Deshalb die erste Frage: Welche Eigenschaften sind nötig, um ein Team erfolgreich zu führen?

Juliane Bulitz

Praxisanleiterin im Klinikum Schwabing

Philipp Lahm

Fußballspieler und Mannschaftskapitän des FC Bayern München

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Ganz wichtig ist die eigene Motivation. Man muss sich über seinen eigenen Antrieb im Klaren sein. Nur wenn man sich selbst motivieren kann, kann man auch andere motivieren. Außerdem braucht man einen konsequenten Führungsstil – der aber nichts mit Strenge zu tun hat, sondern vielmehr damit, eine einheitliche Linie zu fahren. Es ist sicherlich auch hilfreich, aus dem Geschäft zu kommen. Man durchlebt eine Ausbildung, macht dann seine


Personalentwicklung

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Erfahrungen und wächst in eine Führungsrolle hinein, indem man tagtäglich auf hohem Niveau seine Leistung bringt – das habe ich im Fußball so erlebt und denke, es gilt auch für jeden anderen Beruf. Und generell: Kommunikation ist das A und O. Die Ziele der Gruppe müssen verständlich formuliert werden, damit jeder weiß, in welche Richtung es geht und warum.

Alexandra Huber

Alexandra Huber (links) und Alexander Kords (Autor, rechts)

Bereichsleiterin Pflege im Klinikum Neuperlach

Eine wichtige Eigenschaft ist auch, dass man sich als Führungskraft dem Wandel öffnet. Bei uns hält beispielsweise gerade die Digitalisierung einen großen Einzug, und dadurch verändert sich sehr viel. Wenn man sich diesbezüglich blockiert, kann man auch niemanden motivieren.

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Praxis & Beruf

Wie genau gehen Sie das mit der Motivation Ihres Teams an?

Juliane Bulitz Bei uns in der Klinik gibt es ein Trainingscenter, in dem man Sachen üben kann, für die man auf der Station gleich einen Patienten bräuchte – Katheter legen zum Beispiel oder Infusionen. Und wenn Schüler besonders motiviert sind, dann bieten wir ihnen als Zuckerl an, dass sie sich was raussuchen dürfen, was sie gerne üben möchten. Das finden sie dann immer ganz toll. Wichtig ist auch, dass man seine Freude am Beruf weitergibt. Philipp Lahm Ja, das ist wirklich entscheidend: vorzuleben, dass es einem Spaß macht. Dafür ist es wichtig, dass man seinen Weg kennt und jeden Tag klare Aufgaben verfolgt, die man erledigen kann. Im Fußball ist das relativ einfach, weil bei uns vom Start weg die Ziele klar sind. Es geht darum, Spiele zu gewinnen und am Ende Titel zu holen. Dabei hat jeder seine Position. Darüber ist es verhältnismäßig leicht, jeden im Team zu motivieren.

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Personalentwicklung

MAN MUSS DEN WEG KLAR BESCHREIBEN, SODASS ES FÜR JEDEN VERSTÄNDLICH IST, DAMIT ALLE MOTIVIERT UND MIT SPASS ZUR ARBEIT GEHEN. Philipp Lahm

Alexandra Huber In der Pflege ist das tatsächlich anders, da kann ich nach der Schicht nicht sagen: 2:0 gewonnen, super! Daher müssen wir innerhalb des Teams definieren, was für uns einen guten Tag ausmacht. Manchmal fallen ja auch Kollegen aus, und dann schauen wir: Wie kriegen wir es trotzdem hin? Was sind die Mindestanforderungen? Und am Ende der Schicht bespricht man sich dann und fragt sich, was besonders gut war. Das kann man dann vielleicht für den nächsten Tag übernehmen, um dieses gute Gefühl noch mal hervorzurufen.

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Philipp Lahm Genau, bei uns ist es auch wichtig für die Stimmung, dass so etwas klar aufgezeigt und vorgelebt wird. Man muss den Weg klar beschreiben, sodass es für jeden verständlich ist, und es braucht eine gemeinsame Identifikation, damit alle motiviert und mit Spaß zur Arbeit gehen. Alexandra Huber So erträgt man dann auch viele Belastungen. Manchmal denkt man vielleicht, dass die Kraft nicht mehr ausreicht und ist dann erstaunt, was man alles mobilisieren kann, wenn man innerlich bereit ist. Philipp Lahm Das ist auch im Fußball das Schöne: wenn eine positive Gruppendynamik entsteht. Viele haben das gleiche Ziel. Manche Spieler sind am Wochenende nicht im Einsatz, die wollen dann im nächsten Spiel spielen und bringen dann eine besondere Motivation mit, die andere mitreißen kann. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Praxis & Beruf Fußball ist ja die beliebteste Sportart der Welt. Was kann sich die Pflege vom Fußball abschauen, um ihre öffentliche Wahrnehmung zu verbessern? Philipp Lahm Es ist ja so, dass Fußball in der Öffentlichkeit gespielt und diskutiert wird und dass viele Spieler eine sehr starke Imagepflege betreiben – ob das immer positiv ist, wage ich zu bezweifeln. Aber ich glaube, dass eine selbstbewusstere Außendarstellung schon hilfreich wäre, um auch in der Pflege voranzukommen. Bisher werden ja eher die negativen Aspekte öffentlich dargestellt, aber kaum, dass es wirklich Spaß machen kann, in dem Berufsfeld zu arbeiten. Juliane Bulitz Ich glaube, dass wir in unserem Berufsstand eher ein bisschen zu zurückhaltend sind und nicht sagen: Schaut mal alle her, was ich hier tue! Es würde sicher einiges zum Positiven verändern, wenn wir nach außen tragen würden, was für einen tollen Beruf wir haben. Philipp Lahm Und wenn man sieht, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt, dann wird die Pflege ja auch immer mehr ge-

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Personalentwicklung

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braucht. Es gibt also Bedarf und bestimmt auch das Interesse an mehr Information und zwar bestimmt nicht nur bei Betroffenen.

Alexandra Huber Wir müssen uns einfach trauen, mehr rauszugehen – weil wir ja auch politisch nicht einheitlich aktiv sind. So etwas wie den Deutschen Fußball-Bund haben wir ja nicht, also keinen Deutschen Pflege-Bund oder so etwas.

Wie sehen Sie die Gründung der ersten Pflegekammer in Rheinland-Pfalz? Alexandra Huber Als einen Fortschritt, weil wir innerhalb unseres Berufsstandes organisiert sein müssen. Wir brauchen MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Praxis & Beruf

Leitlinien, müssen über Mindestbesetzungen sprechen – das sind ja große Themen in der Pflege. Es geht auch um juristische Fragen. Beispielsweise fallen manche Tätigkeiten in einigen Bundesländern unters Heilberufsgesetz, in anderen aber nicht. Das müsste deutschlandweit einheitlich geregelt werden.

Was würden Sie sich in Sachen Pflegekammer für die Zukunft wünschen? Alexandra Huber Es wäre schon wünschenswert, wenn es langfristig eine flächendeckende Lösung gäbe. Man kann ja keine Lobbyarbeit leisten, wenn es zu viele Interessenverbände gibt, die sich selbst nicht grün sind. Wenn man nicht einen Vertreter nach Berlin schickt, sondern fünf, die sich dann nicht mal einig sind, dann kommt eben nur das Mindeste heraus und nichts, auf dem man dann aufbauen kann. Juliane Bulitz Ich hab auch das Gefühl, dass es für eine große Pflegekammer einfach zu wenig Engagement von den Leuten an der Basis gibt. Da müssten wir Pflegekräfte einfach mal viel lauter werden. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

ICH HAB AUCH DAS GEFÜHL, DASS ES FÜR EINE GROSSE PFLEGEKAMMER EINFACH ZU WENIG ENGAGEMENT VON DEN LEUTEN AN DER BASIS GIBT. Juliane Bulitz


Personalentwicklung

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STELLUNGNAHME

Pflegepersonal­ besetzung in Rheinland-Pfalz deutlich zu gering! Markus Mai

Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Viele Kolleginnen und Kollegen erlebe täglich auf ihren Arbeitsstellen in den Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz eine unzureichende Personalbesetzung und eine hohe Arbeitsbelastung. Dennoch wird in einem Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) für Rheinland- Pfalz ein um zehn Prozent höherer Personalanteil als der bundesweite Durchschnitt ermittelt. Daneben stellen die Gutachter auch fest, dass in Rheinland-Pfalz pro Pflegefachkraft vergleichsweise zu viel Geld ausgegeben werde. Die Ursache sehen sie im fehlenden Wettbewerb durch private Krankenhausträger. In diesem Gutachten wird den Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz aber auch eine sehr gute Behandlungsqualität sowie eine hohe Patientenund Mitarbeiterzufriedenheit bescheinigt.

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Praxis & Beruf

UNSERE

POSITION

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Wir sehen trotz der höheren Personalbesetzungszahlen weiterhin einen deutlichen Mehrbedarf an fachkompetentem Pflegepersonal in unseren Krankenhäusern. Die Belastungssituation für Pflegefachkräfte ist in allen Arbeitsbereichen des Pflegesektors enorm.

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Bereits heute ist die bedarfsgerechte pflegerische Versorgung aufgrund der knappen personellen Ressourcen und des Fachkräftemangels in der Pflege massiv gefährdet.

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Auch wenn dem Gutachten zufolge, in Rheinland-Pfalz der Personalanteil um 10 Prozent

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höher ist, darf das nicht bedeuten, dass dieser nach unten korrigiert werden darf.

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Die Misere wird durch die verhältnismäßig schlechte Ausfinanzierung der Krankenhausinvestitionen durch das Land verschärft. Dies ist so in der Zukunft nicht mehr hinnehmbar. Weil die bauliche Struktur der Einrichtungen erhalten bleiben muss, werden dadurch Mittel für Personal- und Sachausstattung für Baumaßnahmen verwendet.

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Wir sehen schon jetzt deutliche Hinweise, dass es durch nicht umfassende Pflege in den Krankenhäusern zu nachhaltigen Folgen kommt, weil beispielswei-


Personalentwicklung

se Patientinnen und Patienten nicht ausreichend bei der Mobilisation unterstützt werden können. Die Folgeschäden wirken sich auf die Zeit nach der Krankenhausentlassung aus, werden somit gar nicht erfasst und tauchen auch nicht in Statistiken auf.

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Hier sind Bundes- und Landespolitik in der Pflicht, in das System der Gesundheitsversorgung einzugreifen, ausreichend finanzielle Mittel für Investitions-, Personal- und Sachkosten der Einrichtungen zur Verfügung zu stellen und mithilfe evidenzbasierter Personalbemessungsinstrumente die Ermittlung des tatsächlichen Personalbedarfs zu ermöglichen.

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DIE BELASTUNGS­ SITUATION FÜR PFLEGEFACH­KRÄFTE IST IN ALLEN ARBEITSBEREICHEN DES PFLEGESEKTORS ENORM.

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Kleine Motivationen im Pflegealltag Nicht jeder Moment im beruflichen (Pflege-)Alltag ist von Glück und Sonnenschein geprägt: Überbelastung, Stress, Bürokratie, aber auch Krankheit, Tod und Trauer sind Teil des Berufs. Umso wichtige ist es, sich kleine Motivationen im Alltag zu schaffen: liebe Gesten den Kolleginnen oder Kollegen gegenüber oder einfach nur für sich selbst. Jeannette Mokosch , selbst Altenpflegerin, hat für PFLEGEKAMMER interaktiv vier zauberhafte Karten als kleine Lichtblicke kalligrafiert und gestaltet. Einfach downloaden und ausdrucken.

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Download: Motivation

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Laden Sie Ihre Lieblingskarte als Wallpaper auf Ihr Handy oder drucke Sie diese aus!

DOWNLOAD

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Pflege & Politik

3. Mai 2017 in Mainz

PFLEGE • GEMEINSAM • GESTALTEN

DER 1. PFLEGETAG IN RHEINLAND-PFALZ Am 3. Mai 2017 steht die Mainzer Rheingoldhalle ganz im Zeichen der Pflege. Zum ersten Mal richtet die Pflegekammer Rheinland-Pfalz einen eigenen Fachtag für Pflegefachpersonen aus.

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Pflegetag in Mainz

Im Mittelpunkt des Kongresses stehen regionale Projekte aus Rheinland-Pfalz sowie innovative Angebote aus Pflegesettings der Akut- und der Langzeitpflege. So präsentieren Jasmin Merker und Christa Nied vom Bezirksverband Rheinland der Arbeiterwohlfahrt ihre Erfahrungen mit Demenzkranken in der Pflegeoase. „Täglich in der Oase“ heißt der Vortrag, der das Leben in der Oase beschreibt. Die Referentinnen zeigen Chancen und Nutzen auf, beschreiben aber auch die Grenzen dieses vieldiskutierten Betreuungskonzeptes. „100 Tage Strukturierte Informationssammlung“ heißt ein Vortrag von Julia Stoffel. Die SIS hat so manchen in den vergangen Wochen und Monaten auf Trab gehalten. Julia Stoffel aus dem Katholischen Klinikum Koblenz - Montabaur wagt eine Bilanz und gibt Empfehlungen, wie SIS im Ar-

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beitsalltag zu einem Instrument werden kann, das unterstützt und nicht behindert.

Generalisierte Ausbildung

Die „Generalisten in der Praxis“ nehmen Tanja Schaller und Anne-Marie Muth vom Diakonissen-StiftungsKrankenhaus Speyer näher unter die Lupe. In einem Modellprojekt haben sie ausreichend Erfahrung sammeln können und erklären, ob und warum diese neue Idee der Ausbildung so viele Vorteile bringt. Allerdings legen sie den Finger auch auf die Schwachstellen der generalisierten Ausbildung. Die Fachvorträge von Frau Prof. Dr. Gabriele Meyer vom Universitätsklinikum Halle und Dr. Herbert Friesacher geben einen spannenden Blick auf die Entwicklung der Pflege in Deutschland. Sie gehen der Frage nach: „Wo entwickelt sich die Pflege hin? Wie können MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Pflege & Politik

wir als Berufsangehörige hier mitwirken?“ Sandra Mantz von der SprachGUT® Akademie wird in der Mittagspause die Relevanz der Sprache für die gesundheitsfördernde Kommunikation aus der Sicht der Pflegekräfte beleuchten. Außerdem im Programm: Wie lassen sich die Möglichkeiten des „lebenslangen Lernens“ praxisnah gestalten und so alternative Beschäftigungsfelder entdecken?

Lebenslanges Lernen

Das Programm des rheinland-pfälzischen Pflegetages gliedert sich in wählbare Blöcke (Sessions), Fachvorträge, ein Symposium und die Möglichkeit des Besuchs der Fachmesse. Um ein vielseitiges Angebot zu schaffen und die Themen nach Vorlieben und Interessen zu wählen, können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vormittags zwischen den Sessions 1 bis 3 sowie dem Symposium und nachmittags zwischen den Sessions 4 bis 7 entscheiden. Während des ganzen Veranstaltungstages stehen die Akteure der Pflegekammer Rheinland-Pfalz auf der „Kammermeile“ zum Dialog bereit. Infos und Anmeldung unter

www.pflegetag-rlp.de

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TREFFEN SIE DIE AKTEURE DER PFLEGEKAMMER RHEINLAND-PFALZ AUF DER „KAMMERMEILE“ IN DER MAINZER RHEINGOLDHALLE.


PFLEGE / GEMEINSAM / GESTALTEN

1. PFLEGETAG RHEINLAND-PFALZ 2017 03. MAI 2017 / RHEINGOLDHALLE, MAINZ

FÜR ALLE WAS DABEI! • • • •

Frei wählbare Fachvorträge Symposium zum Thema „Pflege fokussiert Weiterbildung – Weiterbildung fokussiert Pflege“ Kolleginnen und Kollegen berichten über ihre Erfahrungen aus der Praxis Fachausstellung mit interessanten Dienstleistern und Produkten

Infos unter www.pflegekammer-rlp.de


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Beruf & Praxis Ursula Jendrsczok

Foto: Werner

SEID MUTIG, GESTALTET MIT

Manuela Raiß

Manuela Raiß und Ursula Jendrsczok haben beide eine pflegerische Ausbildung absolviert und in verschiedenen Praxisfeldern der Pflege gearbeitet. Seit Gründung der Landespflegekammer in Rheinland-Pfalz sind sie in der Geschäftsstelle tätig. Über ihre dortige Tätigkeit hinaus haben sie sich nun auch auf der Grundlage der Masterarbeit von Ursula Jendrsczok mit dem Thema einer Bundespflegekammer beschäftigt und dazu ein Buch veröffentlicht.

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Seid mutig, gestaltet mit

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Was fasziniert Sie besonders an den Möglichkeiten, die eine Verkammerung der Heilberufe mit sich bringt? Manuela Raiß Durch die Verkammerung erhält unsere Berufsgruppe die Möglichkeit, die für sich selbst erstellten Berufsstandards auch einzufordern. Die gesetzliche Verankerung – in Rheinland-Pfalz über das Heilberufsgesetz (HeilBG) – ermöglicht erstmals die verbindliche Festschreibung etwa einer Berufsordnung. Hierin werden die Fragen nach rechtlich korrektem pflegerischem Handeln beantwortet. Weder berufsverbandliche noch gewerkschaftliche Forderungen nach guter Pflege konnte dies bisher erreichen. Wichtig ist auch das sogenannte Remonstrationsrecht. Das heißt, dass ein Mitarbeiter gegen die Ausführung einer Arbeitsanweisung Einwände erheben kann, insbesondere wenn diese seiner Berufsordnung widersprechen. Dieser Einwand kann ggf. mit Unterstützung einer Landespflegekammer vorgetragen werden.

Ursula Jendrsczok Für mich ist von größter Bedeutung, dass jede einzelne Pflegefachperson, die mit ihrer fachlichen Expertise und größtem Engagement die pflegerische Versorgung in unserem Land zurzeit sicherstellt, endlich ein offenes Ohr für ihre Bedürfnisse und den Rückhalt für ihre tägliche Arbeit in der Pflege bekommt. Das Handeln auf Augenhöhe mit den anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen, wie den Ärzten, ist dabei von bedeutender Wichtigkeit. Mit der Errichtung von Pflegekammern können wir als Pflegende selbst bestimmen, nach welchen Grundsätzen wir unsere Arbeit in der Pflege ausrichten und uns erstmals gemeinsam als Berufsgruppe für unsere Interessen und die Bedürfnisse der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten einsetzen. Damit erhält jede einzelne Pflegefachperson die Möglichkeit, unseren Pflegeberuf nach vorne zu bringen und weiterzuentwickeln. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Beruf & Praxis

Als Autorinnen des Buches „Die Bundespflegekammer“ und Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz sind Sie beide tief in die Materie der Kammerarbeit eingetaucht. Was hat Sie bewogen, sich zusätzlich zu Ihrem Engagement auf Landesebene mit dem Konstrukt einer Bundespflegekammer auseinanderzusetzen? Manuela Raiß Deutschland ist föderalistisch aufgebaut. Es gibt auch im Gesundheitswesen Dinge, die auf Landesebene zu entwickeln und voranzubringen sind. Vieles ist aber nur auf Bundesebene zu entscheiden. Daher ist eine Bundespflegekammer die zwingende Konsequenz, die auf die Entstehung von Landespflegekammern folgt. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

UM AUCH EINE LÄNDERÜBERGREIFENDE ZUSAMMENARBEIT SICHERSTELLEN ZU KÖNNEN, IST EINE ZUSAMMENARBEIT DER LANDESKAMMERN UNABDINGBAR. Ursula Jendrsczok In unserer Arbeit in der Geschäftsstelle der Landespflegekammer nehmen wir von vielen Pflegenden in Rheinland-Pfalz, aber auch von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bundesländern den Wunsch wahr, die Pflege doch in ganz Deutschland zu stärken. Die Selbstverwaltung auf der Landesebene ist ein erster und sehr wichtiger Schritt. Um auch eine länderübergreifende Zusammenarbeit sicherstellen zu können, ist eine Zusammenarbeit der Landeskammern unabdingbar. Gleichzeitig muss man auch auf der Bundesebene Einfluss auf die bundespolitischen Geschehnisse, die unsere pflegerische Tätigkeit betreffen, nehmen.


Seid mutig, gestaltet mit

Warum glauben Sie, ist der Widerstand dennoch bei einigen Pflegenden so groß? Manuela Raiß Unsere Berufsgruppe ist zutiefst unpolitisch. Prozentual haben sich in den letzten Jahrzehnten nur wenige für die Weiterentwicklung des Berufes eingesetzt. Wieso sollte die Mehrheit derer nun, durch das Auftauchen einer Pflegekammer, diese Haltung ändern? Ursula Jendrsczok In zahlreichen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen erlebe ich immer wieder, dass einige nicht so genau wissen, was Pflegekammer wirklich bedeutet. Dass sie zunächst Vorbehalte und Ängste haben, ist gut nachvollziehbar. So etwas kennen wir in der Pflege in Deutschland ja noch nicht. Wenn ich ihnen dann jedoch erkläre, was die Arbeit der Kammer alles umfasst und welche Chancen sich für die Pflegenden damit auftun, erlebe ich durchweg nur neugierige und freudige Rückmeldungen. Denn in einem Punkt sind wir uns alle einig: Wir nehmen alle wahr, dass der Druck in unserer Arbeit mas-

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siv steigt und unsere Patientenversorgung, so wie wir sie aus unserem professionellen Pflegeverständnis heraus erbringen wollen, gefährdet ist. Daran wollen wir und muss sich etwas ändern.

Was lässt sich aus Ihrer Sicht dagegen tun? Manuela Raiß und Ursula Jendrsczok Motivation durch Information ist da unser Leitgedanke. Die Verkammerung ist der größtmögliche Organisationsgrad, den ein Beruf in Deutschland erreichen kann. Nur so ist Mitbestimmung und Ausgestaltung möglich. Dies müssen wir intensiv mit unseren Kolleginnen und Kollegen diskutieren. So sind z. B. in Rheinland-Pfalz alle Interessierten und Kammermitglieder eingeladen, an den Informationsveranstaltungen und/oder auch an den Sitzungen des „Pflegeparlamentes“ (der Vertreterversammlung) teilzunehmen, um sich ein eigenes Bild von der Arbeit der Kammer zu machen. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Beruf & Praxis

Können Sie sich erinnern, wann Sie das erste Mal gedacht haben: Ja, eine Pflegekammer ist der richtige Weg? Manuela Raiß Bei mir fand die Auseinandersetzung erstmals 2004 statt. Seinerzeit war ich bereits mehrere Jahre berufspolitisch im Deutschen Pflegeverband (DPV) engagiert. Sowohl die Mitglieder des DPV als auch in der Folge der DPR (Deutscher Pflegerat) sprachen sich seinerzeit in der sogenannte Strausberger Erklärung für eine Verkammerung aus. Dies war auch für mich der Startschuss, um diesen Weg mitzugestalten. Ursula Jendrsczok Während meiner Arbeit auf der Kinderintensivstation habe ich mich oft gefragt, wer die Dinge, wie zum Beispiel den Personalschlüssel oder auch unsere Weiterbildungsrichtlinien, vorgibt. In meinem Studium lernte ich dann das große Ganze und damit auch die Regelungen im Gesundheitssystem kennen. In meinem ersten Semester 2010 wurde unter anderem auch über die Möglichkeit der Mitbestimmung einer PfleMÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

IF WE CANNOT NAME IT, WE CANNOT CONTROL IT, PRACTICE IT, TEACH IT, FINANCE IT, OR PUT IT INTO PUBLIC POLICY Norma Lang

gekammer gesprochen. Als ich mich dann Stück für Stück immer mehr mit dem Thema befasste, nicht zuletzt in meiner Masterarbeit, war ich sehr beeindruckt, welche Möglichkeiten sich damit für den Berufsstand der Pflege ergeben können. Dabei erkannte ich, wie weit wir doch in der Pflege in Deutschland abgeschlagen sind. Damit war für mich klar, wir brauchen Pflegekammern!


Seid mutig, gestaltet mit

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Wo sehen Sie die Pflege in zehn Jahren? Manuela Raiß Diese Frage wird der Leitsatz der Pflegewissenschaftlerin Norma Lang aus den späten 1980er-Jahren beantworten: „If we cannot name it, we cannot control it, practice it, teach it, finance it, or put it into public policy.“ Sie meint damit, dass Pflege durch eine eigene Pflegefachsprache ihr Tun darstellen kann, um so ihre Aufgabengebiete eigenständig und voll verantwortlich gestalten zu können. Und durch diese professionelle Darstellung der Tätigkeiten

werden sowohl eine adäquate Vergütung als auch eine hohe Identifikation mit dem Beruf Menschen motivieren, diesen vielfältigen Beruf zu ergreifen.

Ursula Jendrsczok Wenn wir es schaffen, uns stark zu machen und unseren Beruf weiterzuentwickeln, sehe ich in zehn Jahren eine kraftvolle, professionelle Pflege, die sich einmischt, mitentscheidet und das, was sie leistet, nach außen sichtbar macht.

Online-Gefährdungsbeurteilung für die Pflege Per Mausklick Tätigkeiten auf potenzielle Risiken überprüfen Konkrete Fragen führen Sie durch den Prozess der Gefährdungsbeurteilung. So können Sie schnell und einfach • Gefährdungen systematisch ermitteln • Risiken zuverlässig beurteilen • geeignete Maßnahmen auswählen Auf diese Weise haben Sie Gefährdungen und Belastungen stets im Blick. Wenn Sie die Maßnahmen aus der Gefährdungsbeurteilung regelmäßig überprüfen und umsetzen, schaffen Sie beste Voraussetzungen für ein gesundes und leistungsfähiges Team. Sie möchten ein Thema vertiefen? Viele Links verweisen auf Hintergrundinformationen und gesetzliche Grundlagen. Mehr Informationen: www.bgw-online.de/Pflege

FÜR EIN GESUNDES BERUFSLEBEN

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Rubrik

Dana Lungmuss

ZUM GUTEN SCHLUSS

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Zum guten Schluss

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188 KOLUMNE Diesmal: Die Lady mit der Lampe!

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Zum guten Schluss

Die Lady mit der Lampe Kyutae Lee Matthias Prehm

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Die Lady mit der Lampe

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Gestatten, dass ich mich Ihnen kurz vorstelle: Mein Name ist Nightingale, Florence Nightingale. Ja, Sie lesen richtig. Ich bin DIE Florence Nightingale. Die Einzelheiten, warum und wie ich Ihnen jetzt diese Zeilen zukommen lasse, klären wir später. Nur so viel: Die neu entwickelte plastische Reinkarnationschirurgie macht da so einiges möglich! Nachdem Deutschland nun schon (prust!!) auf dem Weg ist, die Pflege zu generalisieren, zu akademisieren und sich einheitlich zu präsentieren, möchte ich Ihnen meinen Eindruck schildern. Anlässlich der ersten Ausgabe dieses Magazins habe ich eine Visite durch ein modernes „Hotel zur weißen Haube“ unternommen und hier ist mein Bericht: Es hat sich wenig geändert, einiges ist sogar noch genau wie zu meiner Zeit. Als ich meinen Eltern erzählte, ich möchte Krankenpflegerin werden, war die Begeisterung gering.

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Zum guten Schluss

Wenn heute ein junger Mensch diesen wundervollen Beruf ergreift, hört er nicht selten Sätze wie: „Booaah, das könnte ich nicht!“ Wobei ich mir dann denke: „Stimmt, und das ist auch gut so, denn Pflege kann auch nicht jeder!“ Oder: „Toll, dass es Menschen wie dich gibt!“ Oder er hört: „Mach doch was

BOOAAH, DAS KÖNNTE ICH NICHT!“ WOBEI ICH MIR DANN DENKE: „STIMMT, UND DAS IST AUCH GUT SO, DENN PFLEGE KANN AUCH NICHT JEDER . aus deinem Leben!“. Ja, genau! Lerne doch was Vernünftiges! Verkaufe lieber alten Damen Versicherungen oder mobile Handfernsprecher. Damit verdienst du auch mehr Geld. MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

Die Arbeit mit Menschen verschafft einem jedoch mehr Reichtum, als man mit Geld ausdrücken könnte. Das war damals schon so und so ist es auch heute noch. Ich hatte neulich zum ersten Mal eines dieser modernen Wischtelefone in der Hand und gab in der Suchleiste bei diesem Google den Begriff Krankenschwester ein. Was soll ich sagen, die ersten zwanzig Bilder waren zwar eindeutig einem Beruf zuzuordnen, hatten aber mit Krankenpflege wenig zu tun. Das Ansehen war zu meiner Zeit ähnlich. Ich hörte bei meinem Besuch des Hospitals auch den Satz: „Wir müssen dafür sorgen, dass es dem Frontpersonal gut geht!“ Da fühlte ich mich an meine beruflichen Anfänge erinnert. Damals, im Krimkrieg 1854, haben wir mit 40 Pflegerinnen in einem Monat fast 4.000 Soldaten versorgt. Sie sehen, es hat sich nicht viel getan. Der Kampf geht heute eher gegen die Uhr, für besseres Material und für Anerkennung des Berufsbildes. Wenn die Pflegenden weiterhin als Kanonenfut-


Die Dame mit der Lampe

WENN DIE PFLEGENDEN WEITERHIN ALS KANONENFUTTER NACH DEM ZITRONENPRINZIP EINGESETZT WERDEN, MÜSSEN SIE SICH NICHT WUNDERN, WENN KEINE ZITRONEN MEHR NACHWACHSEN. ter nach dem Zitronenprinzip (so lange ausdrücken, bis nix mehr kommt) eingesetzt werden, müssen Sie sich nicht wundern, wenn keine Zitronen mehr nachwachsen. Weil die Wahrnehmung der Pflegenden von außen so unterschiedlich ist, brauchen wir umso mehr ein klares Bild von uns selbst. Das erforderliche Selbstbewusstsein stellt sich ein, wenn man sich seiner SELBST BE-

WUSST ist.

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Wer war die Lady mit der Lampe? Florence Nightingale, 1820 in Florenz geboren und aus gut behütetem englischem Hause, gilt als Pionierin im Einsatz für die gesellschaftliche Anerkennung der Krankenpflege und des Berufs der Krankenschwester im Speziellen. Die Times schreibt über Nightingale: „… sie drehte mit einer Lam­ pe im Lazarett von Scutari ihre Runden, während die Ärzte längst schliefen.“ Ihren Spitznamen verdankt Florence Nightingale ihrem Einsatz im Krimkrieg, als sie als Englands Antwort auf die katastrophalen Zustände im englischen Hauptquartier Scutari in den Krimkrieg entsendet wird. Dort übernimmt sie – gegen die anfänglichen Widerstände der Ärzte – die medizinische Organisation, teilt Krankenschwestern und Soldatenfrauen zur Pflege MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER


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Zum guten Schluss

ein, aber auch zum Waschen der Kleidung, des Bettzeugs oder der Toiletten. Sie ist eine der Ersten, die die Lebensumstände der Menschen, ihre Ernährung und ihren psychischen und physischen Zustand während der Betreuung mitberücksichtigen. Doch auch nach ihrem Einsatz auf der Krim wurde sie nie müde, sich insbesondere gegenüber der Politik für die Verbesserung der Bedingungen innerhalb der Gesundheitsfürsorge einzusetzen. Florence Nightingale ist eine der vielen starken Vertreterinnen ihres Berufsstandes, die sich mit Leidenschaft und Engagement für die Pflege und die Pflegebedürftigen einsetzten. Eine würdige erste Protagonistin für die Kolumne, in der künftig Pflegemythen oder Ungereimtheiten in Pflege und Politik mit einem Augenzwinkern im Namen verschiedener pflegerischer Pionierinnen beleuchtet werden.

Agnes Karll

In der nächsten Ausgabe MÄRZ 2017 � LANDESPFLEGEKAMMER

ABER WER SOLL UNS DENN FÜR UNSEREN BERUF AUFBAUEN, WENN WIR ES NICHT SELBST TUN? Je klarer uns unser Potenzial ist, desto bewusster können wir den Alltag auf Station mit all seinen Herausforderungen und Erwartungen meistern. Aber wie soll es denn nun weitergehen? Meine geschätzte Kollegin Agnes Karll sagte einmal sehr treffend: „Aber wer soll uns denn unseren Beruf aufbauen, wenn wir es nicht selbst tun? Wir haben kein Recht zu verlangen, dass es andere tun.“ Nur so kann es funktionieren. Ich habe während meiner kurzen Stippvisite viele Pflegende erlebt, die mit Freude, Empathie und Humor den Herausforderungen im Klinikalltag begegnet sind. Sie haben mit Stolz gepflegt,


Die Lady mit der Lampe

Über den Autor

Matthias Prehm ist Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie, Botschafter von „Humor Hilft Heilen“ der Stiftung von Dr. med. Eckart von Hirschhausen sowie der Geschäftsführer HumorPille®. www.humorpille.de

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auf Augenhöhe sogar mit den berüchtigten „Alpharüden-Chirurgen“ und den „Silberrücken-Chefärzten“ diskutiert und sich als wertvolle Mitglieder im Behandlungsteam verstanden. Nur wer auch Verantwortung für sich und sein Team übernimmt, aus der Opferrolle rauskommt und sich selbst pflegt, hat auch morgen noch den nötigen Elan, diesen schönen Beruf mit Freude auszuüben. Ich hatte bei meinen Rundgängen im Lazarett auf der Krim meist meine Lampe mit, daher auch der doofe Spitzname. Ich wäre auch lieber in die Geschichte eingegangen mit Namen wie „die Frau mit dem goldenen Haar“ oder „… mit dem Lächeln der Madonna“. Stattdessen immer diese Lampe. Naja, gefühlt hat die Pflege immer noch eine Lampe in der Hand. Manchmal scheint es mir eher eine rote Laterne zu sein. Es wird Zeit, dass wir diese rote Laterne aus der Hand legen. Mit der Pflegekammer haben wir jetzt einen Fuß in der Tür, mal schauen, wie weit wir die Tür aufkriegen und den Raum zum Leuchten bringen.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Kraft und Mut!

Eure Flo

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Das Magazin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz 1. Jahrgang Herausgeber und Verlage: Carry-On Trade Publishing GmbH (COTP) Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin Tel. 0176 2479 26 53 mail@carry-on-trade-publishing.com www.carry-on-trade-publishing.com Geschäftsführung: Theresa Neubauer, Alexander Sutter, Antonia Sutter Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Postanschrift: 30130 Hannover Adresse: Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover Tel. 0511 8550-0 Fax 0511 8550-2403 info@schluetersche.de www.schluetersche.de Geschäftsführung: Stefan Schnieder, Lutz Bandte Mitherausgeberin: Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

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Redaktion: Nadine Steinmetz (V.i.S.d.P.) Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin Tel. 0160 9498 96 88 Nadine.Steinmetz@carry-on-trade -publishing.com Kerstin Werner (V.i.S.d.P.) Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover Tel. 0511 8550-2457 Fax 0511 8550-992457 werner@schluetersche.de

Für die gekennzeichneten Inhalte der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ist die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz verantwortlich:: Landespflegekammer Rheinland-Pfalz (KdöR) Große Bleiche 14-16, 55116 Mainz Tel. 06131.32 73 80 Fax 06131.32 73 899 info@pflegekammer-rlp.de www.pflegekammer-rlp.de Vertretungsberechtigt: Präsident Dr. rer. cur. Markus Mai Vizepräsidentin Sandra Postel


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Anzeigenverkauf: Alex Sutter Tel. 0170 437 32 00 Alex.Sutter@carry-on-tradepublishing.com Susann Buglass Tel. 0511 8550-2528 buglass@schluetersche.de Derzeit gültige Anzeigenpreisliste: Nr. 1 vom 1. 1. 2017 Erscheinungsweise: sechs Ausgaben im Jahr

Illustration: Dana Lungmuss

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