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SPECIAL Start-ups 65

«Das war ein Sprung ins kalte Wasser» Paul E. Sevinç (*1975) ist der wohl bekannteste Jungunternehmer der Ostschweiz: Als Mitentwickler und -gründer von Doodle haben sein Geschäftspartner Michael «Myke» Näf und er die Terminfindungsplattform sosehr zum Fliegen gebracht, dass sie schliesslich an den Tamedia-Konzern verkauft werden konnte.

Seit sich der Wittenbacher, der heute mit seiner Familie in Gossau lebt, schrittweise aus Doodle zurückgezogen hat, ist sein Alltag nicht ruhiger geworden: Der Elektroingenieur ETH (Dr. sc.) hat eine neue Firma gegründet und lehrt an einer Fachhochschule. Dennoch fand er Zeit, um mit uns über Erfolgsfaktoren von Jungunternehmen, über versteckte Chancen für Start-ups und über Cervelatprominenz zu sprechen.

«Das empfehle ich als Rüstzeug: ein, zwei Bücher lesen, ein, zwei Kurse oder Anlässe besuchen – und dann bald mal loslegen.» Paul Sevinç, Sie haben die von Ihnen mitgegründete Terminfindungsplattform Doodle zwischen 2011 und 2014 schrittweise an die Tamedia verkauft. Was machen Sie heute? Vor gut einem Jahr habe ich in St.Gallen das Informatik-Ingenieurbüro Squeng AG gegründet. Letztes Jahr habe ich viel Zeit investiert, um als SoftwareIngenieur wieder in Topform zu sein, aber auch verschiedenste Mandate angenommen, von einer DueDiligence-Prüfung für Tamedia über einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Nordwestschweiz bis zu einem Software-Entwicklungsprojekt für ein anderes KMU. Und ich engagiere mich ehrenamtlich bei Startfeld. Auch dieses Jahr dürfte das Angebot der Squeng AG breit gefächert bleiben. Ausserdem haben Michael Näf und ich im Januar gewissermassen als Göttis die Elohna GmbH mitgegründet, die unter elohna.ch ein Lohnbuchhaltungssystem anbieten wird. Können Sie sich den Doodle-Erfolg erklären – bzw. warum niemand früher auf die Idee gekommen ist, ein Online-Terminplanungstool zu kreieren? Das Problem hatten vermutlich viele erkannt. Und ich wäre nicht überrascht, wenn einige sogar über eine ähnliche Lösung nachgedacht hätten. Aber den Schritt, die Lösung auch umzusetzen, machen halt

die wenigsten. Der Erfolg basierte dann auf Doodles sehr hohem Nutzen bei sehr tiefen Einstiegshürden und seiner inhärenten Viralität.

«Doodle» haben Sie ohne unternehmerische Erfahrung gegründet – hat Ihnen rückblickend etwas zum Unternehmer gefehlt beim Start? Oder anders gefragt: Was würden Sie einem Jungunternehmer als «Rüstzeug» empfehlen? Das war schon ein Sprung ins kalte Wasser. Und ich musste vieles von der Pike auf lernen – nicht selten auf die harte Tour. Doch schon vor zehn Jahren gab es gute Literatur, gute Kurse und vor allem erfahrene Unternehmer, die hilfsbereit waren und sich grosszügigerweise Zeit nahmen, um dem Unternehmernachwuchs auf die Sprünge zu helfen. Das empfehle ich auch als Rüstzeug: ein, zwei Bücher lesen, ein, zwei Kurse oder Anlässe besuchen und dann bald mal loslegen. Wissenslücken können Jungunternehmer gezielter schliessen, wenn sie tatsächlich auftauchen, und Erfahrungslücken überbrücken, indem sie von der Erfahrung älterer Unternehmer profitieren. Sie geben Ihr Wissen auch an der Fachhochschule St.Gallen weiter. An wen richten sich Ihre Kurse vornehmlich? Das waren bisher erst drei Einsätze, zwei Gastreferate über Unternehmertum und ein Kurs über agiles Projektmanagement. Die Studierenden waren jeweils äusserst heterogene Gruppen, was meine Aufgabe sehr herausfordernd, aber auch sehr interessant gemacht hat. Einen Eindruck von meiner Lehrtätigkeit kann man übrigens unter blog.squeng.com gewinnen. In welchen Bereichen sehen Sie heute die besten Chancen für ein Start-up? Ich persönlich finde Bereiche spannend, denen wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, weil sie vermeintlich langweilig oder zumindest nicht en vogue sind. Nur schon mit der Überlegung, welche admiLEADER | März 2016

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LEADER März 2016  

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