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Wunderbare Objektgeschichten Unterlagen für Kindergarten und Schule

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Impressum Ein Grossteil der Texte und Bilder stammen vom Team des Naturmuseums Winterthur. Das Naturmuseum Solothurn hat Erg채nzungen vorgenommen. Das Titelbild zeigt Einhorn, Alraune und andere fabelhafte Wesen. Foto: umnola - fotolia 2013 Es ist ausdr체cklich erlaubt, die Unterlagen f체r den Unterricht zu kopieren. Sie sind auch von der Internetseite des Naturmuseums farbig und kostenlos herunterladbar. www.naturmuseum-so.ch Naturmuseum Solothurn, Oktober 2013


Inhaltsverzeichnis

Ein Plädoyer an die Fantasie................................................................................................................4 Wunderbare Geschichte.............................................................................................................................5 Die Antike – Plinius der Ältere (23 – 79 n Chr.)...................................................................................5 Mittelalter und frühe Neuzeit – Magie, Zauber, Sagen und die Bibel..............................................6 Neuzeit – Darwin, Linné, Smith und andere Naturwissenschaftler...................................................7 Wunderbare Präsentation..........................................................................................................................8 Gefährlich oder doch eher scheu?.......................................................................................................8 Vom kranken Volkskörper zum Adonis...............................................................................................9 Wunderbare Wandlung............................................................................................................................10 Wie aus dem Riesen ein Mammut wurde..........................................................................................10 Wunderbare (Fabel-)Wesen......................................................................................................................11 Das Einhorn.........................................................................................................................................12 Erdrandsiedler.....................................................................................................................................13 Moderne Mischwesen.........................................................................................................................14 Wunderbare Pflanzen...............................................................................................................................15 Wunderbare Steine...................................................................................................................................16 Versteinerungen..................................................................................................................................17 Wunderbares Konstrukt...........................................................................................................................19 Der Homunkulus.................................................................................................................................19 Die Phrenologie .................................................................................................................................19 Fälschungen.........................................................................................................................................20 Ideen rund um den Ausstellungsbesuch.................................................................................................21 Vorbereitung.......................................................................................................................................21 Nachbereitung....................................................................................................................................21 Mit der Klasse in der Ausstellung......................................................................................................22 Museumskoffer.........................................................................................................................................23 Übersicht über die Aufträge im Museumskoffer..............................................................................23 Arbeitsblätter............................................................................................................................................24 Reime, Geschichten und Lieder................................................................................................................32 Lösungen...................................................................................................................................................34 Medienliste................................................................................................................................................35 Fachliteratur........................................................................................................................................35 Bücher für Kinder................................................................................................................................35 Links.....................................................................................................................................................35 Wunderbare Tierwelt...............................................................................................................................36


Wunderbare Objektgeschichten Ein Plädoyer an die Fantasie Hinter vielen Sammlungsstücken stecken wunderbare Objektgeschichten. Jedes Objekt hat seine ganz eigene Biografie. Und viele haben bereits eine abenteuerliche Reise hinter sich, bevor sie in die Sammlung eines Museums gelangen. Objekte werden im Lauf der Zeit, obwohl erforscht und gedeutet, nicht einfach entzaubert, sie sind und bleiben mehrdeutig. Doch wie kommt es, dass aus dem Horn des sagenhaften Einhorns im Laufe der Zeit der Zahn eines Narwals und aus dem Knochen eines Bergriesen das Schulterblatt eines Mammuts wird? Einige Sammlungsstücke verlieren, andere gewinnen im Laufe der Jahre an Bedeutung. Manche werden als Fälschung entlarvt oder aber ihr wahrer Ursprung wird erst nach vielen Jahren erkannt. So kann es durchaus vorkommen, dass aus dem Knochen eines Bergriesen das Schulterblatt eines Mammuts wird. Die Beurteilung eines Objekts erfolgt immer subjektiv. Was gilt, bestimmen der Denkstil der Zeit und das eigene Weltbild. Dennoch oder gerade weil Sammelstücke immer wieder neu erforscht, gedeutet und interpretiert werden, werden sie nie entzaubert: Sie sind und bleiben mehrdeutig. Die Sonderausstellung, welche vom Naturmuseum Winterthur realisiert wurde, erzählt so manche wunderbare Geschichte. Die unkonventionelle Präsentation der Objekte lässt unserer Fantasie und Kreativität viel Raum für eigene Objekt-Interpretationen. Wunderbar unkonventionell kommt auch die Vermittlung daher: Mithilfe eines Tablets können Hintergrundinformationen zu den ausgestellten menschenförmigen Kalkknollen, kopflosen Erdrandsiedlern oder vermeintlichen Yetispuren abgerufen werden. Zudem kann jeder Besucher darauf seinen eigenen Erdrandsiedler zusammenstellen und in der «Monstergalerie» direkt in die Sonderausstellung einspeisen. Lassen auch Sie sich inspirieren. Wer weiss, vielleicht finden Sie auf Ihrem nächsten Ausflug in die Natur ein paar Fundstücke, die Ihnen Ihre ganz eigene, fantastische Geschichte erzählen. Die Sonderausstellung «Wunderbare Objektgeschichten» ist vom 15. Oktober 2013 bis am 2. März 2014 im Naturmuseum Solothurn zu sehen.

Naturmuseum Solothurn Klosterplatz 2, 4500 Solothurn www.naturmuseum-so.ch Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14-17 Uhr, Sonntag 10-17 Uhr Schulen und Gruppen auch vormittags nach Anmeldung: Tel. 032 622 70 21 naturmuseum@solothurn.ch

Werdet unser/e Freund/in und schreibt uns Anregungen oder Feedbacks auch auf: www.facebook.com/NaturmuseumSolothurn

«Babykarotte hält sich gut fest». Quelle: www.msflourgirl.com

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Wunderbare Geschichte Die Antike – Plinius der Ältere (23 – 79 n Chr.) Einer, der die Deutung von Objekten von der Antike bis in die Neuzeit entscheidend beeinflusst hat, war Plinius der Ältere (23 – 79 n Chr.). In seiner umfassenden Enzyklopädie «Naturalis historia» fasste er das Wissen seiner Zeit zusammen. Darin beschrieb er unter anderem sagenhafte Halbmenschen und Mischwesen, welche in lebensfeindlichen Gebieten der Erde lebten: sei es am fernen Erdrand, in der heissen Wüste oder im eisigen Hochgebirge.

Wundervölker aus der Nürnberger Chronik. Quelle: Wikipedia

Es ist anzunehmen, dass es unter anderem Plinius Berichten zu verdanken ist, dass noch heute gelegentlich zur Jagd auf Yeti oder Bigfoot geblasen wird. Hin und wieder kehren die Suchenden auch mit wunderbaren Objekten (z.B. Skalp, Fussabdruck, Fotos) zurück, welche die Existenz dieser Mischwesen beweisen sollen. Allgemein akzeptierte Beweise, dass diese Wesen tatsächlich existieren, fehlen jedoch bis heute. Auszüge von Plinius «Naturalis historia» waren in vielen mittelalterlichen Klosterbibliotheken zu finden. 1469, in der frühen Neuzeit, wurde sie in Venedig gedruckt. Das Wissen um die wunderlichen Erdrandsiedler war über all die Jahre erhalten geblieben. Mit den entsprechenden Bildern und Geschichten im Kopf zogen die Entdecker der damaligen Zeit los, um den Erdrand zu erkunden. Es erstaunt daher nicht weiter, dass diese Mischwesen auch entdeckt wurden. Als nämlich die neuzeitlichen Entdecker das erste Mal Orang-Utans sahen, wurden diese als Menschenaffen bezeichnet. Menschenaffen galten schon lange als Erdrandsiedler. Und als man um 1700 den ersten Schimpansen untersuchte, dachte man, man habe den Pygmäen entdeckt - ein mytisches Fabelwesen mit geringer Körpergrösse, das angeblich in Asien oder Afrika lebt - welcher bereits Plinius der Ältere beschrieben hatte.

Fussabdruck eines Yetis im Himalaya Foto: Eric Shipton; 1951

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Mittelalter und frühe Neuzeit – Magie, Zauber, Sagen und die Bibel Die Beurteilung eines Objekts erfolgt immer subjektiv. Was gilt, bestimmen der aktuelle Wissensstand, der Denkstil der Zeit sowie das eigene Weltbild. So wurden vom Altertum bis ins 18. Jahrhundert unerklärliche Objekte oft mit Magie und Zauber in Verbindung gebraucht. Oder sie wurden als Wunder oder Vorsehung eines göttlichen Schöpfers gedeutet. Da der Bildungsstand der breiten Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt eher gering war, war es damals schwierig, die Zusammenhänge unserer komplexen Welt zu verstehen. So konnten sie zum Beispiel nicht wissen, dass es die Anziehungskraft des Mondes ist, welche Ebbe und Flut hervorruft, oder woher Regen, Blitz, Sommer oder Winter kamen. Sie mussten glauben, dass Blitzeinschläge die göttliche Strafe für Vergehen waren, da Blitz und Donner direkt aus dem Himmel kamen. Sie glaubten von höheren Kräften umgeben zu sein, welche ihr Leben und ihr Schicksal lenkten. In Anbetracht des Weltbilds und der direkten Erfahrung der Naturkräfte verwundert es nicht, dass die Fantasie unserer Vorfahren durch ungewöhnliche Objekte und Vorkommnisse angeregt wurde. Sie versuchten das Unerklärliche zu verstehen und es in ihr Weltbild einzuordnen. Das Unbekannte wurde mit bereits bekanntem Wissen von Tieren, Pflanzen und Menschen verglichen. Verwachsene Rüben oder die Wurzeln von Alraunen wurden zu tanzenden Puppen mit mehr oder weniger magischen Eigenschaften. Indem der Mensch Zeichen und Naturphänomene deutete, erhoffte er Klarheit über seine Zukunft zu erlangen. Indem er schützende Amulette anzog, einen Holunderbusch vor dem Haus setzte und die Zeichen des Himmels richtig deutete, hoffte er, vor Unglück verschont zu bleiben. Durch Kometen wurden Sünder zur Umkehr gemahnt, Schwertfische und bekreuzte Feldsteine kündeten Krieg und Pest an. Weitverbreitet war auch die Idee, dass Versteinerungen die Folgen eines Fluchs waren, welcher als Strafe ausgesprochen wurde. Viele Naturforscher hielten es zudem noch bis weit ins 18. Jahrhunderts für ihre heilige Pflicht, ihre Forschung in den Dienst der Bibel zu stellen. Ihr Ziel war es, in der Natur das göttliche Wirken nachzuweisen. Entsprechend interpretierten sie ihre Beobachtungen und Sammlungen. So lässt es sich auch erklären, dass noch im 17. und 18. Jahrhundert davon ausgegangen wurde, dass Versteinerungen sowie Berge und Täler als Folge der Sintflut entstanden waren. Der Schweizer Arzt Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733) hat sich die Entstehung der Erdoberfläche folgendermassen erklärt: Am Ende der Sintflut sind die «oberen Erdlager, gleich als es Eierschalen wären, gebrochen und emporgehoben worden, sind die Berge entstanden und die Täler… ja innert den härtesten Felsen eingeschlossen liegende undisputierliche Überbleibsel der Sündflut: Schnecken, Muscheln, Fische, Kräuter etc.». Die Hypothese der Sintflut lieferte den damaligen Naturwissenschaftlern eine gute Erklärung, welche ermöglichte, ihre Beobachtungen im Feld mit der Bibel in Einklang zu bringen. Denn wie sonst lässt es sich erklären, dass man die Formen von Schnecken, Fischen und Muscheln auf Bergspitzen findet?

Alraune in der Natur... Quelle: www.heilkraeuter.de

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...und als mittelalterliche Interpretation. Quelle: http://de.academic.ru Naturmuseum Solothurn


Neuzeit – Darwin, Linné, Smith und andere Naturwissenschaftler Die magische Deutung von Objekten und das Bestreben, das göttliche Wirken in der Natur beweisen zu wollen, wurde nach und nach von einem neuen, rationalen Denkstil ersetzt. Die Analyse von Fakten wurde für die Naturkundler immer wichtiger. Man war bemüht, für unerklärliche Ereignisse, Objekte aber auch für Fabelwesen und mystische Erzählungen natürliche Erklärungen zu finden. So ordnete Carl von Linné, der bekannte schwedische Naturforscher, in seinem Buch «Systema Naturae» das Einhorn und die Hydra ganz klar den Fabelwesen zu. Die Hamburger Hydra konnte er selber sogar als Fälschung entlarven. Beim Einhorn vermutete er zumindest, dass es sich beim Horn des Einhorns um den Zahn eines Narwals handeln könnte. Wissenschaftlicher Fortschritt ist subjektiv und unterliegt dem Zeitgeist. Manchmal scheint sich die Wissenschaft aber auch im Kreis zu drehen. Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) formulierte dies einst sehr trefflend: «Noch zu glauben, der Mond habe Einfluss auf das menschliche Leben, ist Aberglauben, es wieder zu glauben ist Wissenschaft.» Die Wissenschaft wandelt sich stetig. Obwohl die Forschungsobjekte, Sammlungen und Belege immer wieder neu erforscht, gedeutet und interpretiert werden, werden sie nie entzaubert: Sie sind und bleiben mehrdeutig.

Carl von Linné. Quelle: http://en.academic.ru

Systema Naturae Quelle: http://1.bp.blogspot.com

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«Wunderbare Objektgeschichten»

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Wunderbare Präsentation Gefährlich oder doch eher scheu? Jede Epoche hat ihre eigene Wissenschaft und entsprechend richtet sich ihr Interesse auf unterschiedliche Objekte. Diese Tatsache widerspiegeln auch die Objekte, welche in den Museen gezeigt wurden und werden. Entsprechend dem Wissenstand verändert sich auch die Art der Präsentation: Wurden dem Museumsbesucher früher noch in Formalin eingelegte Tiere präsentiert, sind diese aus den heutigen Vitrinen praktisch verschwunden. Ausserdem wurde früher jeder Zentimeter in den Vitrinen und Regalen der Museen ausgenutzt, um möglichst viele Objekte zeigen zu können. Heute bekommt man meist „nur noch“ die schönsten, aussagekräftigsten oder wertvollsten Objekte einer Sammlung zu sehen oder ganz normale Objekte, die aber eine ausserordentliche Geschichte zu erzählen haben (z.B. ein gewöhnlicher Kalkstein, der jedoch das Fundament bildet für unsere Gebäude und somit unerlässlich wird). Ihr Wert spiegelt sich nicht unbedingt im Preis wieder, sondern eher im Nutzen für den Menschen. Die eigentliche Sammlung befindet sich demzufolge nicht mehr in der Ausstellung, sondern lagert in Sammlungsräumen. Wissenschaftler, Ausstellungsgestalter, Historiker, Schüler, Lehrer, Grafiker greifen gerne zurück auf diese Objekte, sind sie doch bedeutsam in vieler Hinsicht und das Herzstück eines Museums. Die Meinung, welche sich der Betrachter von einem Tier macht, wird von der Art und Weise der Präsentation des Objektes bewusst oder unbewusst beeinflusst. So wurden früher zum Beispiel Präparate von Dachsen und Wölfen oft Zähne fletschend, grimmig und räuberisch dargestellt. Die Botschaft für den Betrachter war klar: «Vor diesem Tier gilt es sich in Acht zu nehmen. Es ist gefährlich.» Der Dachs galt noch um 1900 als gemeiner Gartendieb. Die Meinungen zum Wolf waren durch die vielen Volksmärchen sowieso bereits gemacht - ganz nachhaltig. Noch heute hat es der Kinder, Grossmütter und Lämmchen fressende Genosse schwer. Heutzutage verdeutlichen Präparate eher die scheue Lebensweise dieser Tiere. Meister Grimbart und der böse Wolf blicken nun schon fast freundlich in die Runde. Das Bild der grimmigen Raubtiere, welches noch heute verbreitet vorherrscht, wird dadurch langsam korrigiert.

Dachs, wie er früher präsentiert wurde.

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Dachs, wie er in der heute gezeigt wird.

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Vom kranken Volkskörper zum Adonis Welche Aussage ein Objekt vermittelt, hängt auch stark damit zusammen, in welchem Zusammenhang, in welcher Umgebung und mit welchen anderen Objekten es präsentiert wird. Bei der Gestaltung einer Ausstellung spielt dies eine zentrale Rolle. Ein schönes Beispiel dafür ist Davenports Adonis aus dem Jahr 1921: Davenport errechnete aus den statistischen Daten von 100‘000 Soldaten die Werte eines durchschnittlichen Amerikaners. Anhand dieser Werte wurde ein Männerkörper modelliert. Als das Modell zum ersten Mal in einer Ausstellung präsentiert wurde, stand es neben einer Abbildung eines durchtrainierten, muskulösen Harvard Studenten. Der Durchschnittsamerikaner erschien dadurch sehr schmächtig und kränklich, im direkten Vergleich mit dem jungen, muskulösen Studenten. Die Besorgnis bei den Besuchern der Ausstellung war gross. Es wurde gefordert, dass unverzüglich Massnahmen ergriffen werden, um den kränkelnden Volkskörper zu kurieren. Da es sich um eine Eugenik Ausstellung handelte, war diese Forderung auch sehr verständlich: Das Ziel der Eugenik war es nämlich, wissenschaftliche Konzepte auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik anzuwenden, um so eine gesündere Menschheit zu schaffen. 10 Jahre später wurde Davenports Modell des durchschnittlichen Amerikaners noch einmal im Rahmen einer anderen Ausstellung gezeigt. Dieses Mal stand er ganz für sich alleine – die Aussage, welche so vermittelt wurde, war eine komplett andere. Die Begeisterung war gross. Das Objekt wurde als nationaler Adonis gefeiert.

Davenports Adonis aus dem Jahr 1921 Quelle: www.cabinetmagazine.org

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Wunderbare Wandlung Wie aus dem Riesen ein Mammut wurde Im Jahre 1577 wurde unter einer grossen umgestürzten Eiche in Reiden (LU) ein spektakulärer, 55 cm langer und 2.5 kg schwerer Knochen gefunden. Der Knochen gab ein Rätsel auf, da er keinem bekannten Tier zugeordnet werden konnte und für einen Menschenknochen viel zu gross war. 1584 erklärte der berühmte Stadtarzt und Gelehrte aus Basel, Felix Platter, dass der Reider Knochen einem riesigen Menschen gehört haben musste. Auf Grund der Länge des gefundenen Knochens schätzte er den Riesen von Reiden auf eine sagenhafte Grösse von 5.6 m. An dieser Knochenbestimmung und der Grössenschätzung des Riesens von Reiden wurde lange Zeit nicht gerüttelt. Die Reider und mit ihnen auch die Luzerner waren mächtig stolz auf ihren legendären Vorfahren. Sogar auf der Kapellbrücke in Luzern wurde ihm ein Denkmal gesetzt: Das erste Brückenbild beim Eingang der Kapellbrücke am linken Reussufer zeigt den Riesen, wie er in seiner rechten Hand eine ausgerissene Eiche hochhält. Die sagenhafte Geschichte des Riesens von Reiden begann erst 1799 zu bröckeln, als Professor Johann Friedrich Blumenbach von der Universität Göttingen den Knochen als Stück eines MammutSchulterblatts bestimmte. Diese 2.8-3.4 m hohen und bis zu 4 t schweren Tiere lebten während der Eiszeit unter anderem im Wiggertal und im Napfgebiet. Auch wenn sich die erste Interpretation des Knochens als falsch erwiesen hat, bleibt dem Fund eine wunderbare Geschichte haften. Und er bleibt bis heute spektakulär: Der grosse Knochen war der erste Mammutfund in der Schweiz.

Gemälde des Riesens von Reiden im Giebel der Kapellbrücke in Luzern Quelle: Stadtarchiv Luzern

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Wunderbare (Fabel-)Wesen Fabelwesen sind Geschöpfe, deren äussere Erscheinung durch die Phantasie der Menschen geprägt ist. Ihre Existenz konnte bis heute jedoch nicht belegt werden. Es handelt sich dabei um menschliche Wesen, Tiere oder Mischwesen (Chimären), die in Märchen, Fabeln oder in der Mythologie eine wichtige Rolle spielen. Der Glaube an die Existenz solcher Fabelwesen ist heute jedoch keineswegs überwunden. Dies beweisen regelmässig erscheinende Berichte über Sichtungen von Bigfoot, Einhörnern oder dem Ungeheuer von Loch Ness. Die meisten Fabelwesen gelten heute als Fantasiegebilde der Menschen ihrer Zeit. Es ist jedoch anzunehmen, dass viele ihren Ursprung in der realen Welt haben: So geht man zum Beispiel davon aus, dass in früheren Zeiten Seefahrer Seekühe zu Meerjungfrauen oder zu Nixen umgedeutet haben. In einigen wenigen Fällen hat sich ein regionales «Fabeltier» dank der neueren Forschung als echtes Tier entlarvt. Beispiele hierfür sind das Okapi im Kongogebiet, der Moa in Neuseeland (seit dem 13. Jahrhundert jedoch ausgestorben) und die Brückenechse auf Neuseeland.

Okapi Quelle: Wikipedia

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Moa Quelle: Wikipedia

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Das Einhorn Das Einhorn gilt als das edelste aller Fabeltiere und steht als Symbol für das Gute. Sein Horn, sein Blut, seine Tränen oder auch nur seine Präsenz können Wunder bewirken. Das Einhorn gleicht meist einem Pferd. In manchen Darstellungen und Berichten kommen jedoch auch Merkmale vor, die von der Darstellung des Pferdes abweichen. So wird es zum Beispiel auch mit gespaltenen Hufen, dem Schwanz eines Löwen oder einem Ziegenbart dargestellt. Auf der Stirn trägt es jedoch immer ein gewundenes Horn. Es gibt eine Vielzahl von Erklärungen, wie das Einhorn «entstanden» sein könnte: Einige zeitgenössische Wissenschafter sind der Ansicht, dass der Ursprung des Einhorns in Rindern oder Ziegen liegt, denen man im Orient um das 3. Jhd. vor Christus zu Schmuck- oder kultischen Zwecken in jungen Jahren die Hörner zusammenband. Diese wuchsen scheinbar im Laufe der Jahre zu einem einzigen Horn zusammen. Josef H. Reichholf beschreibt Oryxantilopen als Tiere, die alle den Einhörnern zugeschriebenen Eigenschaften besitzen. In den alten ägyptischen Darstellungen werden diese deshalb meist nur mit einem Horn dargestellt. Eine andere Theorie geht davon aus, dass in der Antike eine römische Expedition in Asien auf Nashörner getroffen ist. Weil diese nur ein Horn auf der Nase hatten, wurden sie ‚unicornus‘ (lat. Einhorn) genannt. Da man in Europa keine Nashörner kannte, wurden sie folgendermassen beschrieben: «Sie sind so schnell wie Pferde und haben ein Horn auf der Nase». Im Laufe der Zeit ist das wahre Aussehen des «unicornus» verloren gegangen und man stellte sich den «unicornus» immer pferdeähnlicher vor. Man geht zudem davon aus, dass zahlreiche Einhornlegenden auf den Funden von Mammut­stosszähnen, Eckzähnen von Höhlenlöwen sowie Narwalzähnen basieren. Der Zahn des Narwals galt seit dem Mittelalter als Stirnwaffe des fabelhaften Einhorns. Erst Ende des 17. Jahrhunderts setzte sich die Idee durch, das es sich bei dem langen, spitzen und gedrehten weissen Objekt, welches in den Kunstkammern bewundert werden konnte, um den Zahn des Narwals handeln könnte. Die Faszination für das edelste aller Fabelwesen ist nach wie vor gross. So schmückt sich manches Firmenlogo oder die Schilder von Apotheken mit diesem wunderbaren Tier (z.B. Chocolat Frey AG).

Einhorn nach Conrad Gessner (Historiae Animalium, 1551) Quelle: Wikipedia

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Narwal Quelle: Wikipedia

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Erdrandsiedler Scheues Grossohr aus Sicilia, Breitfüssiger Schnellläufer aus dem heissen Süden, Grosslipper, Kranichhalsiger Schnäbler… Dies sind nur einige wenige Wesen, welche Plinius der Ältere (23 – 79 n. Chr.) in seiner umfassenden Enzyklopädie «Naturalis historia» zusammengetragen hat. Reisende, Forscher und Entdecker konnten demzufolge damit rechnen, in den lebensfeindlichen Gebieten der Erde auf solche Wesen zu treffen, was sie auch taten. Aber es waren Menschenaffen! Wie alle frühen Naturbeobachter beschrieb Plinius der Ältere Fremdartiges und Ungewöhnliches, indem er das Unbekannte mit Tieren, Pflanzen und Ereignissen verglich, die er selber kannte. Der Kombinationsgabe und Fantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. Autoren und Zeichner wie Conrad Gessner und Hans Heinrich Pfau, die solche Darstellung beim Wort nahmen, haben daraus groteske Kreaturen, wundersame Tiere und seltsame Menschen geschaffen, welche meist furchteinflössend, gefährlich und wild wirken. Dies kommt wohl daher, dass sich die meisten Menschen vor Dingen fürchten, von denen sie keine genaue Vorstellung haben, die sie nicht erklären können und von denen sie nicht wissen, ob sie wirklich existieren. Die Einbeinigen Schattenflüssler Augustinus beschrieb ein Volk mit Menschen, die nur ein Bein hatten. Ihre Kniekehle konnten sie nicht biegen, aber sie waren dennoch sehr beweglich. Wenn die Sonne schien, legten sie sich gerne rücklings auf den Boden und benutzten den Fuss als Schirm, deshalb nannte er das Volk «Schattenfüssler». Grosslipper Isidor von Sevilla schrieb: Im äussersten Osten lebten monströse Gestalten mit soweit hervorstehender Unterlippe, dass sie in der Glut der Sonne damit ihr ganzes Gesicht bedeckten, wenn sie schliefen.

Ein Einbeiniger Schattenfüssler aus der Ausstellung

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Moderne Mischwesen Neben den Mischwesen, welche der Antike oder dem Mittelalter entstammen, gibt es auch solche, die erst in den letzten Jahrhunderten entdeckt wurden. Der Dahu Der Dahu wird manchmal als gämsenähnliches Tier beschrieben, manchmal als Mischform von Wiesel, Kaninchen, Eichhörnchen, Vogel und Ziege. Die wichtigsten Merkmale eines Dahus sind die Hörner und seine ungleichmässig langen Beine. Will man einen Dahu fangen, so muss man sich ihm von unten nähern und einen Lockruf ausstossen. Der Dahu wird sich umdrehen und, wegen der Asymmetrie seiner Beine, umkippen und den Hang hinabrollen. Man muss nur noch einen Sack bereit halten, um ihn darin zu fangen. Berichten zu Folge lebt der Dahu in der Schweiz, Frankreich sowie im Norden Italiens. Der Wolpertinger Der Wolpertinger ist ein bayerisches Fabelwesen, dessen genauer Ursprung unklar ist. Bekannt ist nur, dass Tierpräparatoren im 19. Jahrhundert begannen, Präparate aus Körperteilen von unterschiedlichen Tierarten zusammenzusetzen, um diese an leichtgläubige Touristen zu verkaufen. Beim Wolpertinger gibt es bis heute kein festes Schema. So werden zum Beispiel Eichhörnchen mit einem Entenschnabel versehen oder Hasen mit Entenflügeln. Rhinogradientia Es gibt sogar Fabelwesen, die wissenschaftlich sehr detailliert aufgearbeitet wurden. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Ordnung der Rhinogradientia. Diese wurde von Prof. Gerolf Steiner als wissenschaftlicher Witz erfunden. Inspirieren liess er sich dabei vom Gedicht über das Nasobem (siehe Seite 30), einem Tier, welches seinerseits von Dichter Christian Morgenstern erschaffen wurde.

Dahu Bild: Philippe Semeria

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Wolpertinger Bild: Albrecht Dürer; Nürnberg

Rhinogradientia Bild: Harald Stümpke

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Wunderbare Pflanzen Je nach Wuchsform und Färbung können ganz gewöhnliche Pflanzen wie Rüben oder Pilze die Fantasie des Sammlers anregen und sein Interesse wecken. So kann es vorkommen, dass aus etwas ganz Gewöhnlichem etwas ganz Wunderbares wird. Auch hier greift der Sammler, um die sonderbaren Objekte zu beschreiben, auf Dinge zurück, die ihm vertraut sind. Aus erwachsenen Rüben werden tanzende Puppen und der eigenwillig geformte Erdstern wird zum tanzenden Waldmännchen. Alraunen Eine der bekanntesten Pflanzen, um die sich seit der Antike eine Vielzahl von Geschichten rankt, ist die Alraune. Alraunen gehören zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Alle Teile der Pflanze sind giftig und schon der Konsum geringster Mengen kann tödlich sein. Dass Alraunen dennoch seit der Antike als Heil- und Zauberpflanzen verwendet werden, hat wahrscheinlich vor allem mit der eigenwilligen Form der Wurzel zu tun: Die Wurzeln der Alraunen sind fleischige, dicke Pfahlwurzeln, die häufig gegabelt sind. Daher erinnert die Wurzel oft an menschliche Gestalten. Bekannt sind in der heutigen Zeit vor allem die Geschichten, welche im Mittelalter über die Alraunen erzählt wurden. Je nach Gestalt der Wurzel ging man damals davon aus, dass es männliche und weibliche Alraunen gab. Je nach Erzähler schrien diese Menschlein in dem Moment auf, als man sie aus dem Erdreich zog. Zur Ernte der Alraunen wurden deshalb oft Hunde eingesetzt, denen man die Ohren mit Baumwolle, Pech oder Wachs verstopfte. Denn der Schrei der Alraunen war von absolut harmlos bis tödlich. Verschiedene Quellen waren sich diesbezüglich nicht einig. Ihre Bekanntheit haben die Alraunen in der heutigen Zeit auch Joanne K. Rowling und ihrem Werk Harry Potter zu verdanken. Die Pflanzen werden dabei wie folgt beschrieben: Die Pflanzen sind büschelig und unscheinbar. Zieht man sie jedoch aus dem Boden, kommt an Stelle der Wurzel ein hässliches Baby zum Vorschein. Es hat eine fleckige, hellgrüne Hautfarbe und kann ein Geschrei von sich geben, das bei ausgewachsenen Exemplaren für Menschen tödlich ist und bereits bei kleineren Exemplaren zur Bewusstlosigkeit führt.

Natürlich Alraune Quelle: www.heilkraeuter.de Naturmuseum Solothurn

Antike männliche Alraune «Wunderbare Objektgeschichten»

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Wunderbare Steine Versteinerungen regen seit jeher die Fantasie der Sammler an. In ihrem Bestreben, die Welt zu verstehen, suchten die Menschen nach Erklärungen für die sonderlichen Erscheinungen. Weshalb fand man selbst auf den höchsten Bergspitzen aber auch in den nahegelegenen Äckern und Wäldern Versteinerungen, welche an Meerestiere, Schlangen oder Pflanzen erinnerten? Bei Dingen, die man sich nicht auf natürliche Art und Weise erklären konnte, mussten mächtige Zauber oder Wunder im Spiel gewesen sein. Viele Versteinerungen entstanden demnach als Folge eines Fluches, welcher als Bestrafung ausgesprochen wurde. Oder aber es handelte sich um Zeichen eines göttlichen Schöpfers. Diese Deutungsweise änderte sich erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts. Erst nach und nach setzte sich unter den Naturforschern die Erkenntnis der natürlichen Entstehungsprozesse durch. Feuersteine mit Löcher Den Steinen wurden und werden zum Teil noch heute besondere Kräfte zugesprochen. In vielen Teilen Europas wurden durchlöcherte Steine an Stalltüren gehängt, um Unheil abzuwenden. In einigen Regionen werden diese Feuersteine zum Teil noch heute als Hühnergötter bezeichnet. Diese Hühnergötter wurden im Hühnerstall aufgehängt, um die Hühner vor Krankheiten zu schützen. Ausserdem sollten die Hühner dadurch mehr Eier legen. Hühnergötter faszinieren die Menschen noch immer. Sie werden am Strand gesucht und als Glücksbringer um den Hals oder im Hosensack mitgetragen. Noch heute ist man sich über die genaue Entstehung der Löcher in den Feuersteinen nicht im Klaren. Es ist anzunehmen, dass die Löcher, zumindest bei einigen Exemplaren, durch weggewitterte Versteinerungen verursacht werden, wie beispielsweise durch Seeigelstacheln. Meistens handelt es sich aber um Zufallsbildungen, genau wie bei der äusseren Form der Feuersteinknollen.

Hühnergott Bild: Alexander Winkler

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Versteinerungen Belemnit Lange Zeit dachte man, es handle sich um die zu Stein gewordenen Spitzen von Blitzen, sogenannte Donnerkeile. Vor mehr als 2000 Jahren erzählten die Römer von einem grossen Luchs, dessen Harn, sobald er die Luft berührt, zu Stein erstarrt. Daher rührt der Name Luchsharn. Später war man der Ansicht, es handle sich um im Stein stecken gebliebene Geschosse von Elfen. Der Namen «Alben» rührt daher. Heute weiss man, dass es sich bei den Belemniten um die versteinerten Spitzen des Innenskelettes ausgestorbener Tintenfische handelt. Übrigens: Ein Belemnit unter dem Kopfkissen verscheucht unruhige Träume – Albträume, die von einem Elfen oder eben Alben verursacht werden. Ammonit Eine der bekannteren Deutungen der Entstehung von Ammoniten ist die folgende: Die heilige Hilda, die Äbtissin des Klosters im englischen Whitby, konnte im Mittelalter durch die Kraft ihres Gebetes Schlangen in Stein verwandeln. In der Gegend um dieses Kloster fand man Tausende solcher Schlangensteine, die selbstverständlich eine grosse Kraft besassen. Auch im deutschen Kulturraum hatten Schlangensteine eine Zauberkraft und wurden deshalb häufig in die Wände von Ställen oder Wohnhäuser eingemauert. Bei den Ammoniten handelt es sich um deren versteinerte Schale. Ammoniten sind längst ausgestorben. Sie gehören wie die Belemniten zu den Kopffüssern und sind verwandt mit den Tintenfischen. Armfüsser (Brachiopode) Betrachtet man Armfüsser von oben, kann man mit etwas Fantasie den Heiligen Geist mit seinen ausgebreiteten Armen oder einen Engel erkennen. Betrachtet man den Stein von der Seite, erinnert er an einen pickenden Vogel oder ein brütendes Huhn. Im Solothurner Jura werden die Armfüsser deshalb noch bis heute «Düübeli» genannt. Wenn man einen solchen Stein in der Tasche mit sich trägt oder an einer Kette um den Hals hängt, hat man den Heiligen Geist immer bei sich. Armfüsser sind Meeresbewohner. Obwohl sie eine zweiklappige Schale haben, gehören sie nicht zu den Muscheln. Sie sind mit einem Stiel am Grund festgewachsen. Manchmal kann man auf der Unterseite das Loch erkennen, wo der Stiel war.

«Donnerkeil» – Belemnit Bild: Silvan Thüring, NMS

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«Düübeli» – Brachiopoden Bild: Silvan Thüring, NMS

«Schlangenstein» – Ammonit Bild: Silvan Thüring, NMS

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Dinospuren im Steinbruch bei Lommiswil Arbeiter, welche im Steinbruch Lommiswil den berühmten Solothurner Marmor abbauten, entdeckten einst in einer Felsplatte seltsame Vertiefungen. Sie konnten sich keinen Reim darauf machen. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit Fussspuren deuteten sie sie als «Elefantentritte». Erst im Jahr 1987 sollten sie erfahren, dass sie damit gar nicht so falsch lagen. Der damalige Geologe des Naturmuseums Solothurn erkannte den wahren Ursprung der Tritte: Es handelte sich dabei um versteinerte Fussabdrücke verschiedener pflanzenfressender Dinosaurier. Die Fussspuren können heute noch von einer Plattform aus besichtigt werden oder ab 2014 auch wieder im Naturmuseum Solothurn.

Vor 145 Mio. Jahren ziehen Dinosaurier durch die Gezeitentümpel am Ufer.

Die Spurenschicht versinkt, wird überlagert und durch Druck versteinert.

Nach über 100 Mio. Jahren faltet sich der Jura und verwittert durch Eis und Wasser.

Blick von der Besucherplattform auf die Dinosaurierspuren bei Lommiswil Bild: Silvan Thüring, NMS

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Wunderbares Konstrukt Den Weg in die Sammlungen der Museen finden nicht nur Tiere, Pflanzen und Gegenstände des täglichen Lebens. In den Ausstellungen finden sich auch Objekte, deren Ziel es ist, komplexe Zusammenhänge auf eine einfache und anschauliche Art verständlich zu machen. Aus statistischen Zahlenreihen und Messungen entstehen dadurch dreidimensionale, virtuell-reale Ausstellungsmodelle wie Davenports Adonis (siehe Seite 9) oder aus schräg anmutende Objekte wie der Homunkulus.

Der Homunkulus Besonders intensiv beschäftigten sich die Alchimisten ab dem 13. Jahrhundert mit der Herstellung von künstlich geschaffenen Menschen – einem Homunkulus eben (lat. Menschlein). Der Begriff Homunkulus findet auch Eingang in die Philosophie. Als «Homunkulustheorien» werden jene Positionen bezeichnet, welche voraussetzen, dass sich im Körper des Menschen ein bewusstes Wesen oder ein Geist finden lässt. Seit den 1950er Jahren wird der Begriff Homunkulus auch in der Neurowissenschaft verwendet. Der kanadische Arzt Wilder Penfield konnte mit Hilfe von Experimenten die verschiedenen Körperregionen den entsprechenden Hirnrindenarealen zuordnen. Er konnte zudem nachweisen, dass die verschiedenen Körperteile unterschiedlich viel Platz auf der Hirnrinde beanspruchen. Körperteile die sehr beweglich sind, nehmen dabei viel mehr Platz ein als solche mit geringer Beweglichkeit. Um seine Forschungsergebnisse für jedermann verständlich darzustellen, fertigte er eine Zeichnung an. Dabei stellte Wilder zum Beispiel die Hände viel grösser dar als die Füsse. In Anlehnung an die Alchemie und die Philosophie nannte er die so entstandene Figur «Homunkulus».

Die Phrenologie Um mehr über die Gehirntätigkeit, individuelle Begabungen und verborgene Seelenkräfte in Erfahrung zu bringen, suchte man im 19. Jahrhundert nach Spuren am Schädel. Die Anhänger der Phrenologie konnten durch das Ertasten der Kopfform Rückschlüsse auf den Charakter oder die Intelligenz des Trägers ziehen. Ärzte und Neurobiologen kartographierten die Gehirnoberfläche, um diese komplexe Materie veranschaulichen zu können. Franz Joseph Gall, der Begründer der Phrenologie, sagt: «In jedem menschlichem Gehirne gibt es dreiunddreissig Organe und Eigenschaften, ausgeprägt in ihrer Art, verschieden in der Grösse, aber natürlich, gleichmässig, gekennzeichnet und gleichbleibend. In manchen Köpfen sind sie gross, in anderen klein, aber alle haben sie. Sie wirken verschieden, einzeln und gemeinsam. Und daher gibt es verschiedene Charaktere.» Die gestellte Diagnose konnte zum Beispiel bei der Berufswahl nützlich sein. Auch Insassen psychiatrischer Anstalten oder Straftäter wurden mit Hilfe dieser Methode be- und verurteilt. Obwohl die Phrenologie nach 1860 noch praktiziert wurde, war sie als Forschungsobjekt gescheitert.

Homunkulus aus der Ausstellung

Naturmuseum Solothurn

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Fälschungen Fälschungen sind der Inbegriff konstruierter Objekte. Zwischen 1912 und den 1950er Jahren narrten ein falscher Fund aus dem südenglischen Piltdown Forschung und Öffentlichkeit. Es handelte sich dabei um einen präparierten Unterkiefer eines Menschenaffen, der mit dem Schädel eines modernen Menschen kombiniert worden war. Zum Zeitpunkt des Piltdown-Fundes waren erst einige wenige Überreste von Frühmenschen gefunden worden. Daher war noch eine Vielzahl von Deutungen möglich. So wusste man zum Beispiel noch nicht, in welcher Reihenfolge die Entwicklungsschritte auf dem Weg zum modernen Menschen erfolgten. Auf Grund des Fundes waren viele Wissenschaftler der Ansicht, dass die Entwicklung zum modernen Menschen in Europa stattgefunden und dass sich beim Menschen bereits sehr früh ein grosses Gehirn entwickelt habe. Der Fund war so sorgfältig manipuliert, dass er die stammesgeschichtliche Forschung einer ganzen Forschergeneration in die falsche Richtung lenkte. Obwohl auch immer wieder kritische Stimmen laut wurden, konnte die Fälschung erst mit Hilfe der Radiokarbonmethode eindeutig als Fälschung entlarvt werden. Die angeblich urzeitlichen Knochen waren nur wenige hundert Jahre alt. Noch heute ist man sich nicht ganz sicher, wer hinter der Fälschung steckte. Nachdem der Schwindel aufgeflogen war, gewannen wichtige Funde aus Südafrika – die neben der Fälschung verblassten – wieder an Bedeutung. Auch am Naturmuseum Solothurn gibt es Fälschungen. In den Steinbrüchen rund um die Stadt Solothurn fand man bereits im vorletzten Jahrhundert immer wieder versteinerte Reste von Schildkröten. Der damalige Museumsleiter und Museumsgründer Franz Joseph Hugi erkannte deren wissenschaflichen Wert. Er konnte veranlassen, dass sämtliche Schildkrötenfunde per Gesetz dem Museum überbracht werden mussten – gegen eine Prämie notabene. Ein vollständiger Schildkrötenpanzer ergab natürlich eine höhere Prämie als nur ein Bruchstück. Das brachte einen fleissigen Sammler dazu, all seine Einzelteile mit Beton zu einem «vollständigen» Panzer zusammen zukleben. Diese „Betonschildkröte“ ist nun bei uns in der Sammlung. Im Museum ausgestellt sind natürlich die echten Schildkrötenpanzer aus der Jurazeit vor rund 145 Millionen Jahren.

«Betonschildkröte» Foto: Silvan Thüring, Naturmuseum Solothurn

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Ideen rund um den Ausstellungsbesuch Vorbereitung Fabelwesen Nimm ein Blatt Papier und eine Tintenpatrone. Lass einige Tintentropfen auf das Blatt tropfen. Falte das Papier in der Mitte zusammen und verreibe die Tintentropfen. Öffne das Blatt sorgfältig. Betrachte dein Kunstobjekt. Was siehst du? Ein Gesicht, einen Berg, ein Stück Käse… Ausstellung gestalten Sammle in der Umgebung des Schulhauses, beim nächsten Waldspaziergang oder im Garten Gegenstände und Pflanzen die du nicht kennst, besonders schön findest oder die eine besondere Form haben. Gestaltet als Klasse damit eine kleine Ausstellung. Sind alle Objekte bekannt? Wenn nicht, versucht gemeinsam herauszufinden, um was es sich handelt. Vom Wort zum Bild Zeichner konnten sich früher zum Erstellen ihrer Werke meist nur auf das gesprochene oder geschriebene Wort verlassen. Versetzte dich einmal in ihre Lage. Bildet eine Zweiergruppe. Stellt einen Sichtschutz zwischen euch auf. Ein Kind sucht sich einen «besonderen» Gegenstand. Das andere nimmt sich ein Blatt Papier, einen Bleistift und einen Radiergummi. Das Kind beschreibt nun seinen Gegenstand so detailliert wie möglich, so dass das andere den Gegenstand möglichst genau zeichnen kann. Vergleicht am Schluss das Original mit der Zeichnung. Tauscht nun die Rollen. Erdrandsiedler Zeichne einen Breitfüssigen Schnellläufer, einen Brustgesichtler, einen einbeinigen Schattenfüssler aus dem heissen Süden oder ein scheues Grossohr. Vergleiche dein Wesen anschliessen mit den anderen Schülerinnen und Schüler. Nimm das Bild mit in die Ausstellung und suche dein Wesen. Sieht es gleich aus oder ganz anders?

Nachbereitung Bastle dir dein eigenes Mischwesen Suche in Zeitschriften oder Zeitungen Bilder von Tieren. Schneide einzelne Körperteile aus und setze daraus dein eigenes Mischwesen zusammen. Gib ihm einen Namen. Ihr könnt euch auch eine ganze Geschichte dazu überlegen. Wo lebt dieses Wesen? Was frisst es? Wie verbringt es den Winter? Ausstellung gestalten Gestaltet in der Klasse gemeinsam eine fantasievolle Ausstellung. Suche dafür in der Natur oder bei dir zu Hause spannende Objekte. Schreib zu deinem Objekt ein Museumsschild. Woher stammt das Objekt? Was stellt es dar? Wofür wird es gebraucht? Lass deiner Fantasie freien Lauf. Die Objekte könnt ihr im Klassenzimmer oder auf dem Pausenplatz aufstellen. Ihr könnt auch eure Parallelklasse oder das ganze Schulhaus dazu einladen.

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Mit der Klasse in der Ausstellung Kindergarten und Unterstufe Einstimmung ins Thema: Jedes Ausstellungsobjekt hat eine (Vor-)Geschichte: Der Klasse werden die Aussagen zum Einhorn, was es auf sich hat und wo es lebt, erzählt und das Einhorn selber angeschaut (Auftrag 11). Gemeinsam wird erarbeitet, was EInhorn und Narwal gemeinsam haben. Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Detailaufnahme aus der Ausstellung (Wunderbare Suche; Auftrag 8). In Zweiergruppen sollen sie zuerst erraten, was auf dem Bild abgebildet sein könnte. Danach gehen sie in die Ausstellung und suchen das entsprechende Objekt. In Gruppen oder im Plenum können unter anderem die folgenden Aufgaben gelöst werden: Wunderbare Steine und ihre Bedeutung / 1. Teil (Auftrag 1); Wunderbares aus der Natur / 1. Teil (Auftrag 3); Wunderbare Tiere (Auftrag 7); Wunderbares Buch / 2. Teil (Auftrag 9). Abschluss Wunderbares Memory (Auftrag 13) oder Wunderbare Monster (Auftrag 6): Alle zeichnen einen Kopf eines Tieres und falten es beim Hals. Das Blatt wird im Kreis weitergegeben um dann den Körper des Tieres zu zeichnen (inkl. Beinansatz), wiederum wird gefaltet und weitergeben. Nun werden die Füsse gezeichnet. Mittelstufe Einstimmung ins Thema: Wunderbares aus der Natur (Auftrag 3): Jede Zweiergruppe erhält einen Stein. In der Gruppe wird diskutiert, ob es sich um Spuren von Tieren oder Pflanzen handelt oder aber um eine Laune der Natur. Die Steine werden den Karten zugeteilt. Jede Gruppe erhält danach die Erklärung zu ihrem Stein. Die Gruppe überprüft ihre Einschätzung und korrigiert sie wenn nötig. Im Plenum: Jede Gruppe erklärt dem Rest der Klasse, um was es sich bei ihrem Objekt handelt. Wunderbares Einhorn (Auftrag 11): Die Kinder sollen durch Ertasten erraten, um welche Tiere es sich handelt. Im Plenum wird besprochen, was diese beiden Tiere verbindet. Das Einhorn in der Ausstellung wird betrachtet. In Gruppen können unter anderem die folgenden Aufträge aus dem Koffer gelöst werden: Wunderbare Hühnergötter und ihre Geschichte (Auftrag 2); Wunderbare Museumsgegenstände (Auftrag 5); Wunderbar gefaltete Monster (Auftrag 6); Wunderbarer Plinius (Auftrag 10); Wunderbare Wesen (Auftrag 12). Auch das Gestalten eines Monsters in der Monstergalerie in der Ausstellung und die Benützung des Tablets mit zusätzlichen Informationen kann als Gruppenarbeit eingesetzt werden. Abschluss: Wunderbare Monster: Jeder gestaltet mit seinem Tablet ein eigenes Monster und schickt sich dieses auf sein Email-Konto. In der Schule können die Monster in einer kleinen Ausstellung präsentiert werden. Oberstufe Diverse Aufträge im Koffer können selbständig oder in Gruppen bearbeitet und korrigiert werden. Zudem stehen Tablets zur Verfügung, auf denen zusätzlichen Informationen zu einzelnen Objekten abgerufen werden können.

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Museumskoffer Übersicht über die Aufträge im Museumskoffer Nr

Auftrag

Inhalt

Stufe

1

Wunderbare Steine

Nimm eine Bedeutungskarte und ertaste aufgrund der Beschreibung den entsprechenden Stein.

US/MS/OS

2

Wunderbare Hühnergötter

Diskutiere, wie die Löcher in die Hühnergötter kommen könnten.

MS/OS

3

Wunderbares aus der Natur

Gruppiere die Steine nach verschiedenen Spurentypen (Tieren, Pflanzen, Laune der Natur).

US/MS/OS

4

Wunderbare Kieselsteine

Deute die Muster in den Kieselsteinen. Welche Botschaft siehst du darin?

Kiga/US/ MS/OS

5

Wunderbare Schreibe zu jedem Gegenstand ein MuseumsMuseumsgegenstände schildchen mit Namen und Erklärung.

MS/OS

6

Wunderbare Monster

Welche Tiere erkennst du in Gessners «Meerpfärd»? Zeichne dein eigenes fantastisches Tier.

Kiga/US

7

Wunderbare Tiere

Ergänze die Tiere mit den fehlenden Körperteilen. Welches Tier in der Ausstellung trägt ein falsches Horn?

Kiga/US/ MS/OS

8

Wunderbare Suche

Was könnte der Fotoausschnitt darstellen? Suche das entsprechende Objekt in der Ausstellung.

Kiga/US/ MS/OS

9

Wunderbares Buch

Welche Tiere sind im elektronischen Tierbuch enthalten? Füge dazu zuerst das Puzzle zusammen.

Kiga/US/ MS/OS

10

Wunderbarer Plinius

Schau dir die Erdrandsiedler in der Ausstellung an. Versuche ihnen ihren richtigen Namen zu geben.

MS/OS

11

Wunderbares Einhorn

Was haben Einhorn und Narwal gemeinsam? Welche Aussagen erzählt man sich vom Einhorn, welche sind frei erfunden?

MS/OS

12

Wunderbare Wesen

Welche dieser wunderbaren Wesen gibt es wirklich, welche sind erfunden?

MS/OS

13

Wunderbares Memory

Aus einem Wollknäuel entsteht ein Schaf, aus einer Wurst ein Dackel. Welche weiteren Paare gehören zusammen?

Kiga/US/ MS/OS

Bemerkung: Die Aufträge beinhalten meist mehrere Fragen. Für die Stufe Kiga empfiehlt sich jeweils nur die erste Aufgabe zu lösen und dies am Besten gemeinsam. Höhere Stufen können die Aufträge in Gruppen bearbeiten und selbständig korrigieren. Zusätzliches Koffermaterial: • Hintergrundinformation zu den Feuersteinen und Hühnergöttern (Laminat A4) • Kartenset (10 Stück) Tuschzeichnungen des Ofenbauers Hans Heinrich Pfau Zusätzliches Material in der Ausstellung • 20 Tablets mit Hintergrundinformationen zu einzelnen Objekten in der Ausstellung • Bücher • Gestalten eines Monsters am Computer und Projektion in der Monstergalerie • Memoryspiel auf dem Tablet (Säule mit verwitertem Sandstein)

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Arbeitsblätter Aufgabe 1 «Mischwesen» 1.

Aus welchen Tieren setzen sich die Wesen zusammen?

2.

Gib jedem Tier einen Namen.

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US / MS

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Aufgabe 2 «Wolkenbilder»

US / MS

Schau dir die Wolkenbilder an. Was siehst du? 1.

Gib den Wolkenbilder einen Namen.

2.

Beschreibe ein Wolkenbild etwas ausführlicher. .............................................................................................................................................................. .............................................................................................................................................................. .............................................................................................................................................................. .............................................................................................................................................................. ..............................................................................................................................................................

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Aufgabe 3 «Alltagsgegenstände von früher»

MS / OS

Die folgenden Objekte findet man heute unter anderem im Freilichtmuseum. Deine Grosseltern oder Urgrosseltern haben diese «Werkzeuge» noch gebraucht. Heute kennt man sie kaum noch. Überlege dir, wozu man sie benutzt haben könnte. 1.

Gib den Gegenständen einen Namen.

2.

Versuche herauszufinden, wozu man diese Gegenstände verwendet hat.

3.

Beschreibe einen Gegenstand etwas ausführlicher. .............................................................................................................................................................. .............................................................................................................................................................. .............................................................................................................................................................. .............................................................................................................................................................. ..............................................................................................................................................................

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Aufgabe 4 «Wasserspeier»

US / MS

Aus welchen Tieren setzen sich die folgenden Wasserspeier zusammen? Übrigens findest du auch in der Stadt Solothurn Wasserspeier, z.B. am Zeitglockenturm, am Rathaus oder an verschiedenen Erkern.

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Aufgabe 5 «Steinorakel»

US / MS / OS

Was siehst du? Beschreibe ganz kurz.

28 | «Wunderbare Objektgeschichten»

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Aufgabe 6 «Wunder der Natur»

US / MS / OS

In der Natur finden sich immer wieder wunderbare, spannende Objekte. Findest du heraus, was auf den Bildern abgebildet ist? Führe deine Gedanken etwas näher aus.

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Aufgabe 7 «Nasobem» Lies das Gedicht vom Nasobem. Wie stellst du dir das Nasobem und sein Kind vor? Zeichne die beiden.

US / MS / OS

Das Nasobem (Nasobema lyri cu

m)

Auf seinen Nasen schreitet einher das Nasob em, von seinem Kind begleitet. Es steht noch ni cht im Brehm. Es steht noch ni cht im Meyer. Und auch im Broc khaus nicht. Es trat aus meine r Leyer zum ersten Mal ans Licht. Auf seinen Nasen schreitet (wie schon gesa gt) seitdem, von seinem Kind begleitet, einher das Nasob em. Christian Morgens

tern

Aufgabe 8 «kurz und bündig»

MS / OS

1.

Die Hufe des Einhorns stammen von welchem Tier ab? ..................................................................

2.

Wie heisst der «Mensch» mit den übergrossen Händen?.................................................................

3.

Wer beschrieb in der Antike die Erdrandsiedler?..............................................................................

4.

Von wem stammt der Fussabdruck?...................................................................................................

5.

Was ist der «Fuss des römischen Legionärs» in Wirklichkeit?...........................................................

6.

Wie werden Tiere heute präsentiert? Eher wie der Dachs links oder rechts?..................................

7.

Weshalb wurden Erdrandsiedler derart monströs dargestellt? .......................................................

8.

Die Knochen des Bergriesen sind eigentlich die Knochen von welchem Tier?................................

9.

Benenne den Erdransiedler mit nur einem Bein................................................................................

10. Haben Einhorn und Narwal was Gemeinsames?...............................................................................

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Aufgabe 9 «Knochen-Raten» Stell dir vor, du bist ein Archäologe. Bei einer deiner Grabungen findest du das folgende Dinosaurierskelett: 1.

Schneide die einzelnen Skelettteile aus.

2.

Füge das Skelett zusammen.

3.

Versuche dir nun vorzustellen, wie der Dinosaurier ausgesehen haben könnte. Zeichne einen Dinosaurierkörper, der zu den Knochen passt.

US / MS


Reime, Geschichten und Lieder Hippocampus Das Nasobem (Nasobema lyricum) Auf seinen Nasen schreitet einher das Nasobem, von seinem Kind begleitet. Es steht noch nicht im Brehm. Es steht noch nicht im Meyer. Und auch im Brockhaus nicht. Es trat aus meiner Leyer zum ersten Mal ans Licht. Auf seinen Nasen schreitet (wie schon gesagt) seitdem, von seinem Kind begleitet, einher das Nasobem. Christian Morgenstern

Ein Pferd, es fiel einst in den See und kam nie mehr ans Land. Der Brehm hatte dann die Idee und hat es Seepferdchen genannt. Manfred Schröder

Es war einmal ein Igel Es war einmal ein Igel Dem wuchsen plötzlich Flügel. Er flog, ihr glaubt es kaum Auf einen Tannenbaum. Dort hüpft er auf und nieder Und singt die schönsten Lieder. Nur morgens beim Erwacheln Da spürt er seine Stacheln. Franz Hohler

Die lange Reise des Nessie Vor langer Zeit lebte ein kleines Seeungeheuer im Mittelmeer. Es hatte keine Freunde und auch keinen Namen. Deswegen war es immer sehr traurig. Das Ungeheuer hätte sehr gerne Freunde gehabt, aber alle hatten Angst vor ihm und flüchteten immer. Jeden Abend weinte sich das Monster in den Schlaf. Es heulte den Mond an und erzählte ihm seinen Kummer. Jeden Monat wurde das Heulen und Jammern schlimmer und irgendwann hatte der Mann im Mond die Nase voll. Er sprach das Ungeheuer an und fragte: «Warum bist du so furchtbar traurig?» Das Monster antwortete: «Ich bin so allein, ich habe keine Freunde, alle haben Angst vor mir und ich habe noch nicht einmal einen Namen! Was kann ich nur tun, lieber Mann im Mond?» Der Mann im Mond überlegte und sagte dann: «Ich werde dir helfen. Schwimm mir einfach hinterher.» Das Monster tat genau das. Jede Nacht, wenn der Mond aufging, schwamm das Ungeheuer stundenlang durch das Meer und folgte dem Mond. Es kam an vielen Inseln vorbei und sah viele Länder. Es machte sogar einen kleinen Stopp, um Mallorca und Sizilien zu besuchen. Als es dann durch die Meerenge von Gibraltar schwamm wäre es fast von den vielen Schiffen überfahren worden. Das Ungeheuerchen half auch einigen Walen aus einem Fischernetz raus. Aber auch die Wale hatten Angst vor ihm. 32 | «Wunderbare Objektgeschichten»

Nun ging seine Reise immer weiter nach Norden. Es schwamm nun in Richtung England und als es ungefähr in Schottland angekommen war, wurde es kälter. Aber das störte das Monster nicht, in seiner alten Heimat war es ihm ohnehin immer viel zu warm gewesen. Der Mond führte das Monster nun einen Fluss entlang und irgendwann kam es an einem grossen einsamen See. In Schottland werden Seen Lochs genannt. Es gab eine Burg und ansonsten nicht viel. Das Ungeheuer hatte zwar immer noch keine Freunde, aber der Ort gefiel ihm und so blieb es dort. Eines schönen Tages kam ein Wanderer an den See und sah das Monster beim Sonnenbaden. Natürlich erzählte der Wanderer die Geschichte abends im Pub und plötzlich kamen viele Menschen, um unser Ungeheuer zu sehen. Sie gaben ihm auch einen Namen. Da der See Ness hiess, wurde das Monster nun Nessie gerufen. Bald war es sehr berühmt und hatte Freunde in aller Welt. Mittlerweile ist Nessie aber sehr medienscheu geworden und lässt sich nur noch selten sehen, aber es lebt immer noch glücklich und zufrieden im Loch Ness. Ina Stunk

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Muuling und Schmetterwurf

Der Schmetterwurf, dä armi Tropf schloot immer wider sina Kopf am Böim und Hüsermura na. Der Muuling isch viel besser dra. Dä schlooft im Fall der ganzi Tag, und tröimt und schnarchlet, was är mag. Är het en Rüssel, kuum zum glaube, sechs Käferbei und Knöpfliauge. Und gaschplet, gischplet gar nia nüd, är hät viel Schlof und drum viel Ziit, und wenn är kurz amol verwacht, denn gähnt är luut und seit: „Guet Nacht.“ Doch eines Tages stürzt der Schmetter wie nes gstochnigs Bisiwetter uf de Muuling ab, o jeh! S‘hät es riise Chaos gee. Zwei Flügel ligend umenand, en Schnauz und no e Schwanz im Sand, sechs dünni und vier dicki Bei, zwei Büüch, die wüssend nüme hei. Do isch es Zwergli fürekho, und het dia Sache zämegno. An erschte Buuch do tuet‘s sechs Bei, Auge, Rüssel, Flügel zwei. Und macht dänn drus es son es Ding, wo usgseht wia na Schmetterling. Und usam Reschta macht är schnell e Muulwurf mit ma fiina Fell. Der Schmetterling dä rüeft: „I gseh jetzt alles zämme, isch das schön!“ Der Muulwurf fangt es Loch a grabe und lacht: „I gohn ind Erda abe.“ S‘Zwergli aber das isch froh pfiift es Lied und goht drvo. Linard Bardill

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Lösungen Die Lösungen sind jeweils von oben links nach unten rechts angegeben.

Aufgabe 1: «Mischwesen» • • • •

Krokodil und Elefant Hase und Vogel Robbe und Geier Esel und Dinosaurier

Aufgabe 2 «Wolkenbilder» Möglichkeiten: • • • •

• Puppe ohne Kopf; sog.«Lösskindel», eine Kalkkonkretion im Lössgestein, Baselland. • Schwamm; Löcher von Bohrmuscheln in einem Kalkstein, gefunden am Strand in Italien. • Vogel; Kalkstein aus Italien. • Fratze mit Knollnase; Kalkstein, Baselland.

Aufgabe 6 «Wunder der Natur»

Fisch Hund oder Eisbär Fliegender Vogel Haifisch

Aufgabe 3 «Alltagsgegenstände von früher» • • • •

Kassette, um Musik zu hören Film für Fotoaufnahmen Indiaca, ein Wurfspiel Diskette, um Daten auf dem Computer zu speichern • Wäscheschleuder, um Wäsche zu trocknen • Joystick, um über einen Bildschirm zu spielen

Aufgabe 4 «Wasserspeier» Möglichkeiten: • Widder • Schwein (Nase), Pferd (Gebiss), Löwe (Fell), Ziege (Ohren) • Drache • Nashorn (Horn), Drache (Kopf und Körper), Biber (Pfoten) • Geier • Fisch

• Galle • Schmetterlingseier von einer exotischen Schmetterlingsart • Schmetterlingseier vom Landkärtchen (einheimischer Schmetterling)

Aufgabe 7 «Nasobem» z.B. wie das Nasobem auf Seite 32

Aufgabe 8 «kurz und bündig»

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

Kuh oder ein anderer Paarhufer Homunkulus Plinius der Ältere Yeti/Bigfoot verwitterter Sandstein Rechts Weil man Angst hatte vor Unbekanntem 8. Mammut 9. Einbeiniger Schattenflüssler 10. Das Horn des Einhorns ist eigentlich der Zahn des Narwals.

Aufgabe 9 «Knochen-Raten»

Aufgabe 5 «Steinorakel» Möglichkeiten: • Trauriger Dreiäugiger; Kiesel mit Kalzitadern, gefunden am Rhein.

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Medienliste → Einige Bücher davon sind in der Ausstellung.

Fachliteratur • CHERRY, JOHN, 2009: Fabeltiere. Von Drachen, EInhörnern und anderen mythischen Wesen. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart. 318 S. • MICHEL, PAUL (Hg.), 2013: Spinnenfuss & Krötenbauch. Genese und Symbolik von Kompositionswesen. Schriften zur Symbolforschung, Band 16. Pano Verlag, Zürich. 472 S. • OBERMAIER, SABINE (Hg.), 2009: Tiere und Fabelwesen im Mittelalter. Verlag Walter de Gruyter, Berlin. 342 S. • THE CLOUD APPRECIATION SOCIETY GAVIN PRETOR-PINNEY (Hg), 2013: Wolken, die aussehen wie Dinge. riva Verlag, München. 112 S. • TORI, LUCA / STEINBRECHER, Aline (Hg.). 2013: Animali. Tiere und Fabelwesen von der Antike bis zur Neuzeit. Thames & Hudson. 304 S. • ZBIGNIEW, HERBERT, 2001: Der Tulpen bitterer Duft. Insel-Bücherei Nr. 1215, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig. 63 S.

Bücher für Kinder • BALL, SARA, 2013 (Neuauflage): Krogufant. Klappbilderbuch. Beltz &Gelberg. 24 S. • CASTAN, JAVIER SAEZ / MRURGARREN, MIGUEL, 2011 (4. Auflage): Das Animalarium von Professor Revillod. • COMPOINT, STEPHAN 2011: Abenteuer Archäologie. Auf den Spuren verborgener Schätze. Knesebeck Verlag. S 78 • DRAKE, ERNEST / STEER, DUGARD A., 2008: Expedition in geheime Welten: Fantastische Wesen. Ars Edition. 32 S. • DREHSEN, BRITTA / BALL, SARA, 2009: Das verrückte Dino- Klappbuch. Coppenrath, Münster. 26 S. • MEMO. WISSEN ENTDECKEN, Band 31, 2011: Mythologie. Dorling Kindersley Verlag. 72 S. • PREUSSLER, OTTFRIED / SPIRIN, GEBBADJI 2010: Das Märchen vom Einhorn. Thienemann Verlag, Stuttgart / Wien. 32 S. • RÜTER, MARTINA 2010 (2. Auflage): Naturdedektive: Steine, Minerale und Fossilien. Compact. 80 S.

Links • www.zm.uzh.ch/alledownloads.html > Präparate erzählen Geschichten. Hintergrundinformationen zu Präparaten des zoologischen Museum der Universität Zürich • http://www.naturmuseum.ch > Sammlung > Objekt des Monats Hintergrundinformationen zu Objekten des Naturmuseum Luzern • http://www.symbolforschung.ch

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Wunderbare Tierwelt Kreiere dein eigenes Fabelwesen und schnippsle dazu einzelne KÜrperteile verschiedener Tiere zu einem Neuen. Du kannst dazu auch Bilder aus alten Enzyklopädien benutzen.

Unterlagen schule  

http://www.lch.ch/fileadmin/files/documents/Veranstaltungen/Unterlagen_Schule.pdf

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