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Nordwestschweiz l Freitag, 1. November 2013

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Kanton Solothurn

l<antone brachen geplante lmagekampagne ab: Lehrern war ihr Berufsbild zu gut

Nach einer hitzigen Dislmssion sprach sich eine lmappe Mehrheit der Grünen Kantan Solothurn für die Erhohung der Autobahnvignette auf 100 Franken aus. Für die teurere Vignette pladierte Hansruedi Meyer, Vorstandsrnitglied und Prasident VCS Solothurn. Für ihn ist es aus okologischer Sicht richtig, Mobilitat über den Preis zu steuern. In den letzten Jahren seien zudem die Fixkosten gestiegen und die oV-Benützer müssten deshalb bereits heute tiefer in die Tasche greifen. Christof Schauweclçer, · Co-Prasident der Grünen Kanton ·solothurn, hielt dagegen und warnte, dass rnit den zusatzlich generierten rmi.d 400 Millionen Franken vor allern neue Strassen und darnit noch mehr Verkehr produziert würden. Einíge der Anwesenden hatten gerne eíne moderatere Erhohung gehabt auf beispíelsweíse 80 Franken, urn zusatzlíche, neue Strassenbauprojekte zurn Vornherein zu verhíndern. Ja zu 1:12-lnitiative, gegen die SVP Das Ja zur 1:12-Inítíative war bei den Grünen dagegen unbestJ.itten. Sie sind überzeugt, dass auch mit der ialderma Spirig Annahrne der 1:12-Initiative das «ErUEDIAESCHBACHER- folgsmodell der schweízerischen Sozialpartnerschaft» langfiistig gesís ein erfreulicher chert werden konne. Bereíts rnít der chtlich habe Gal- klaren Annahrne der sog. Abzocker. «Traurnprinzen« Inítíative habe díe Schweízer Bevollen Zusarmnen- kerung ihren Unmut über die exorbir Marktfuhrer lin tanten Managerlolme ldar zurn Auslogie entstanden. druck gebracht. Ob bei Armahrne der l auch das Know- Inítiative Unternehrnen tatsachlích wegziehen oder Arbeitspli.itze ausgelagert werden, sei offen. IGar ist für dukte die Grünen, dass rnit der Zahl 1 der aus f1ihrt das Initiative ein existenzsichernder Minden gesarnten destlohn gerneint ist. Díe Annahrne lerrna-Spirig-Pro- der 1:12-Inítiative werde, so díe Griition der ange- nen, auch in Europa eine Signalwirxlukte wie das kung haben, «denn in allen europãiDaylong oder schen Landern geht die Schere zwi,andlung troclce- schen Arm und Reich imrner weiter au erweitert. So auf». 1 Galderma-ProNach langerer Dislmssion wurde !l'den. Zusatzlich die SVP-Farnilien-Inítiative einstimweltweites Korn- mig abgelelmt. Nur wer tatsãchlích len Bereich «Self Auslagen habe, soll díese aus Sicht · rezeptfreie Pro- der Grünen von den Steuern abzie urnfasse - hen konnen. Die Steuerausfàlle würMarketing, für den sich auf 1,4 Millíarden für Bund, wicldung sowie Kantone und Gemeinden belaufen. gesetzliche Ver- Um Farnilíen tatsachlích zu entlas-

den Interessenverbãnden gesucht worden, und anfànglich unterstützten diese das Vorhaben.

VON LUCIEN FLURI

Es hatte eíne Irnagekarnpagne für den Lehrerberufwerden sollen. Bereits hatten die vier Nordwestschweizer Kantone 40 000 Franken für ein Marketingprojelct gegen den Lehrermangel ausgegeben. Doch dann, Anfang 2012, wurde das 2010 begonnene Projelct abgeblasen. Der Grund für den unerwarteten Stopp: Den beteiligten Lehrerver- . bãnden war das verrnittelte Berufsbild zu positiv. «Einige Verbãnde waren sehr zurückhaltend mit einer Unterstützung, weil sie selber für eine Verbessel'lll.J.g der Anstellungsbedingungen karnpftem, begründet Alexander Hofmann, bis Anfang 2013 Gesarntpro des Bildungsraurnes, den Stopp. Belcannt geworden ist das erst jetzt, und eher zufàllig: In der Stellungnahrne . des Solothi.uner Regierungsrates zurn überparteilichen Auftrag zurn Therna «Desinteresse der Manner arn

Stelh.mgnahme des Solothurner Regienmgsrates

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Lehrerberufi> wird das Ende des Projektes beilaufi.g erwii.hnt. «Die Lehrerverbãnde der Kantone lehnten die Vorschlage aus gewerkschaftlichen Gründen rnehrheitlich ab», heísst es in der Stellungnahrne des Regierungsrates. Arbeitsbedingungen als Grund Martin Adam, Koordinator des Bildungsraurnes Nordwestschweíz, erganzt: Es sei für die Lehrer sicher schwierig, hinter einer Karnpagne zu stehen, bei welcher ein super Bild des Berufs ·gezeichnet werde; wii.hrend gleichzeítig Forderungen nach besseren Arbeítsbedingungen und hoheren Lõhnen offen seien. IGar ist aber auch: Von Anfang an war das Gesprach mit

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Auf Werbeplakaten wollten die Lehrer nicht zu QUt anstehender Lohnverhandlungen, sondern we1l zu v1ele Neue111ste1ger wieder aufhêiren würden, sagt der Lehrerverband. KEYSTONE

Líeber eín realistisches Bild Warmn haben die Lehrer interveníert? Grundsatzlích Zweifel an der Wirlmng von Werbekonzepten, wenn sie alleine dastehen, hat Roland Mistelí, Geschaftsführer des Solothurner Lehrerverbandes LSO. «Die Wirkung von Plakaten, Broschüren und Inseraten verpufft schnell.» Für Mistelí sind die Aussagen falsch, die Lehrer hatten die Werbekarnpagne aus gewerkschaftlichen Gründen abgelehnt. «Man kann nícht nur die Werbetromrnel rühren, sondern muss auch konkrete Massnahrnen zur Verbesserung der Arbeitssituation ergreifen.» Gerade diese Massnahrnen hatten gefehlt. «Viele Neueinsteiger verlassen den Beruf wegen der Rahrnenbedingungen nach wenígen Jahren wieder. Das íst nícht sehr effi.zient», sagt Mistelí. Anders síeht den Einfluss von Werbung die Padagogische Hochschule: «Die Zahl der Studierenden hat sich in den sechs Jahren verdoppelt», sagt Christian Irgl, Leiter Marketing und Komrnunilcation der Hochschule. Darin spiegle sich die Attralctivitat der Studiengãnge. «Uri.d sicher auch, dass die Bemühungen im Bereich Marlceting erfolgreich sind.» Irmnerhin betonten die Verantwortlíchen, dass das Projelct indirekt doch noch etwas gebracht habe: «Die PH lconnte die im Vorprojekt entworfenen Ideen und Instrurnente übernehrnem, sagt Alexander Hofmann. Teile des verworfenen Konzeptes seien in ein neues Projelct eingeflossen. Allerdings: Die PH, die arn Projelct beteiligt ist, rnacht seit Jahren selbst irnagekarnpagnen. Warmn haben die Bildungsdepartemente überháupt begonnen, Marketing zu betreíben, wenn dies bereits die Fach11ochschule tut? Das Projelct sei parallel zur Werbung der Padagogischen Fachhochschule gelaufen, weil die Kantone dem Problern so rnehr Gewicht hatten geben wollen, sagt MartÍ11Adarn.

Staatsschreiber Andreas Eng kümmert sich ums Âlterwerden. ((Jõoh- ich merk, jetzt werd ich alt: in meiner Jugend . war das nichts Besonderes- heute ists ein multimedialer Event! », kommentierte er auf Facebook einen Bericht über den Stromausfall in der Solothurner Weststadt. lmmerhin gabs auf der Staatskanzlei Strom. Und Social Media. (LFH)

Politiker Menschen, die sich vor dem Einfluss von Lobbyisten schützen müssen? Es gibt au eh d, en anderen Fali: Uíngst ist die Berichterstattung über die Entlassung von Christoph Mõrgeli nicht mehr dem Zufall überlassen. In Mêirgelis Auftrag kamptt eine PR-Firma um die angeblich ((richtige Darstellung». Strippenzieher ist die PR-Agentur von Roman S. Jãggi, früherer Solothurner SVPI<antonsrat und heutiger Herausgeber des lnternetportals soaktuell.ch. Am Mittwochabend wurde der SVP-Hardliner wieder aktiv: ((Die Hintergründe des Abgangs von Prof. Morgeli sind noch lange nicht aufgearbeitet», hiess es in unserem Maileingang. (LFH)

Esther Gassler im Volkswirtschaftsdepmi:ement: Für hanger ist das offenbar ein Argernis. Zuerst wollte di e Part.ei das Volkswirtschattsdepartement auflósen. Jetzt doppelte Urs Marti, langjahriger NZZ-Redaktor mit Solothurner Wohnsitz, im Parteibl.att nach. Zu wenig Klartext und zu wenig Führungswille sieht er als Grund für den Wahlerschwund der Partei. Klartext vermisst er bei den eigenen FDPBundesraten. Klartext und überhaupt den Wunsch, eine Leaderrolle einzunehmen, vermisst er im Kanton: ((Warum gibt die FDP freiwillig im l<anton das Schlüsseldepartement Finanzen preis und begnügt sich mit de m wenig attraktiven VDikswirtschattsdepartement?», fragt Marti. Weniger nett als mit de n eigenen Parteileuten ist Marti nu r mit SPStanderat Roberto Zaneti:i. Dieser mache sich zwar für Mindestlohne stark, kónne selbst aber im Verzeichnis der eidgenossischen Rate nicht einrnal ei nen Beruf angeben. ttWeil er keinen hat», frotzelt Marti. (LFHl

Imagekampagne solothurner zeitung 1 11 2013  

http://www.lch.ch/fileadmin/files/documents/LCH_in_den_Medien/Lehrerberuf/Imagekampagne_Solothurner_Zeitung_1.11.2013.pdf