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RUBRIK BILDUNGSFORSCHUNG

Unterrichtsgespräche, adaptive Lernbegleitung), in die es vermehrt zu investieren gelte. Die Unterrichtskonzeption sei dabei stufenartig aufzubauen, um über den Aufbau eines sicheren Lernklimas, gute Klassenführung, methodische Variation und aktivierende Lernangebote zur höchsten Stufe (Differenzierung/Individualisierung) zu gelangen. Fokussierte, zeitlich begrenzte homogenisierende Massnahmen seien durchaus sinnvoll, selbstorganisiertes Lernen sei sorgfältig vorzubereiten und bezüglich «Freiheitsgraden» zu steuern. Zwischen Individualisierung und kommunikativen fachlichen Settings gelte es, eine Balance zu finden, und mit Blick auf die Stärkung des Selbstkonzepts seien die individuelle und kriteriale Bezugsnorm, das Sichtbarmachen der Lernfortschritte und die Reflexion der Leistungsbeurteilung von zentraler Bedeutung. perLen – ein massgeschneidertes Lernkonzept

Viele Schulen entwickeln seit Jahren vielfältige Schul- und Unterrichtsmodelle, um ihre Unterrichtsqualität zu verbessern, so z. B. auch für den erfolgreichen Unterricht in heterogenen Lerngruppen. Das am Kongress vorgestellte Forschungsprojekt «perLen» stellt Schulen mit sogenannten personalisierten Lernkonzepten in den Fokus, mit dem Ziel, mehr über die vielfältige Praxis zu erfahren. An diesen Schulen werden die Schülerinnen und Schüler durch wechselnde Lernszenarien, abgestufte Aufgaben und differenzierte Rückmeldungen individuell gefördert. Die Bezeichnung des Konzepts des personalisierten Lernens stammt aus dem englischen Sprachraum und erinnert an Bildungsangebote mit Dienstleistungscharakter, die individuelle Bedürfnisse betonen. Die pädagogische Leitidee dahinter ist nicht neu und mit der Grundidee des programmierten oder selbstgesteuerten Lernens verwandt. Dementsprechend ist das Spektrum der Schulen mit personalisiertem Lernkonzept auch sehr breit. Einige schaffen innerhalb der herkömmlichen Gruppierungsformen, Zeit- und Raumstrukturen vermehrt Gelegenheiten für Lernen auf eigenen Wegen und in eigenem Tempo. Andere lösen die Klassenverbände

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sowie die Zeit- und Raumstrukturen auf, um in flexiblen Lernlandschaften mit Hilfe von neuen Medien Lehren und Lernen noch individueller als bisher zu gestalten. Das Forschungsteam hat während drei Jahren Einblick in 50 Schulen und geht den Fragen nach, wodurch sich die Lernaktivitäten der Schülerinnen und Schüler sowie die Lernbegleitung der Lehrpersonen auszeichnen, welche neuen Anforderungen damit verbunden sind und wie sich die Zusammenarbeit mit den Eltern gestaltet. In weiteren Analysen soll untersucht werden, wie sich die fachlichen und insbesondere überfachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schülern an Bildungseinrichtungen mit personalisiertem Lernkonzept entwickeln. Forschungsergebnise fliessen in die Lehrerbildung

Die wenigen Präsentationen, die wir Autorinnen aus dem breiten Angebot an Symposien zu verschiedensten Themen der Bildungsqualität auswählen und besuchen konnten, hinterliessen mehrfach den Eindruck, dass die Forschungsprojekte für die Praxis brennende Fragen aufgreifen und so angelegt sind, dass das zusammengetragene Material für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen verwendet werden kann. So wurden im Projekt «spimat» (spielintegrierte mathematische Förderung) das mathematische Denken fördernde Spiele für den Kindergarten entwickelt und die individuelle Lernunterstützung untersucht, die Lehrpersonen den Kindern beim Spielen zukommen lassen. Die aus dem Video-Material herausgefilterte gute Praxis individueller Lernunterstützung (differenzierte Lernstandsdiagnose, Adaptivität der Unterstützung, angemessene Zurücknahme und Folgeverhalten) wird nun für die Ausbildung zu Filmsequenzen aufbereitet. Ein weiteres Projekt untersucht die Strategien der verbalen Lernunterstützung der Lehrperson bei naturwissenschaftlichen Aufgabestellungen im Kindergarten (ProEarlyScience). Von Interesse ist, ob sich die naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Lehrenden durch verschiedene Weiterbildungsformate verändern lassen und ob das naturwissenschaftliche sowie professionelle Wissen mit dem

pädagogischen Handeln der Lehrperson im Unterricht in Beziehung steht. Der Zusammenhang zwischen den Kompetenzen der Lehrperson und dem Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler soll später ebenfalls geprüft werden. Die Befunde aus der Videoanalyse fliessen wiederum in die Aus- und Weiterbildung und fördern dadurch nicht nur die Erkenntnis, dass Fachkompetenzen für professionelles Handeln im Unterricht unerlässlich sind, sondern zeigen auch den wichtigen Beitrag von Forschung für eine hohe Qualität des Lehrens und Lernens. n Silvia Grossenbacher und Chantal Oggenfuss, Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung SKBF

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